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Sachverhalt

A ist Antiquitätenhändler und nebenbei Angestellter des Kunstsammlers S. Sachverhalt


Als Angestellter des S kauft A gelegentlich bei Trödler A Kunst für S. Als S
erfährt, dass T ein besonderes Gemälde verkaufen will, ruft er T an und
sagt ihm, dass er A vorbeischicken wolle. A solle dann das Bild für S kau-
fen.

A interessiert sich aber selbst für das Bild und kauft es T ab, ohne dabei im
Namen des S aufzutreten. Zugleich verabredet A mit T, dass er das Bild ei-
nige Tage später abholen werde.

S erfährt von der Abmachung zwischen A und T und verlangt von T die
Übereignung des Bildes.

Zu Recht?

Lösungsvorschlag

S hätte einen Anspruch auf Übergabe und Übereignung nach § 433 Abs. 1 Anspruchsgrundlage
BGB, wenn zwischen ihm und T ein wirksamer Kaufvertrag geschlossen
wurde.

Ein Kaufvertrag kommt durch zwei übereinstimmende, in Bezug aufeinan- Kaufvertrag


der abgegebene Willenserklärungen, das Angebot und die Annahme, zu-
stande. Es müsste zunächst ein Angebot vorliegen.

S selbst hat kein Angebot abgegeben. Fraglich ist, ob A ein Angebot abge- Angebot
geben hat, das S zugerechnet werden könnte. Ein solche Zurechnung
käme nach § 164 Abs. 1 BGB in Betracht, wenn A Vertreter des S war.

Dies wäre dann der Fall, wenn A eine eigene Willenserklärung im Namen Vertretung
des S abgegeben hatte und mit Vertretungsmacht gehandelt hat. A hat T
gegenüber erklärt, das Bild kaufen zu wollen, also eine eigene Willenser-
klärung abgegeben. Fraglich ist, ob er in eigenem oder in fremdem Namen
handelte.

Die Abgrenzung erfolgt nach §§ 133, 157 BGB unter Berücksichtigung des Handeln in fremdem
Namen
wirklichen Willens, der Verkehrssitte sowie von Treu und Glauben. Maß-
geblich ist, wie T das Verhalten des A auffassen durfte. T wurde vorab tele-
fonisch von S informiert, dass A das Bild für ihn kaufen solle. T durfte somit
davon ausgehen, dass A das Bild nicht für sich selbst, sondern für S kaufen
wollte. A handelte daher nicht in eigenem Namen, sondern für S.

Ferner müsste A zur Vertretung ermächtigt gewesen sein. Eine Vertre- Vertretungsmacht
tungsmacht kann nach § 166 Abs. 2 Satz 1 BGB rechtsgeschäftlich durch
Vollmacht erteilt werden. Die Erteilung erfolgt nach § 167 Abs. 1 BGB ge-
genüber dem zu Bevollmächtigenden oder dem Dritten, dem gegenüber
die Vertretung stattfinden soll. S hat ihn beauftragt, bei T das Bild für ihn zu
kaufen. Damit hat S dem A die Vollmacht zum Kauf des Bildes erteilt. An-
schließend gab er dies dem T durch Telefonanruf bekannt und gab diesem
gegenüber die Vollmachtserteilung nach § 171 Abs. 1 Alt. 1 BGB kund.

S hat dem A wirksam die Vollmacht erteilt, die Willenserklärung des S auf Zurechnung der
Willenserklärung
Abschluss eines Kaufvertrages über das Bild ist daher nach § 164 Abs. 1
dem S zuzurechnen.

T hat das von A erklärte Angebot angenommen, so dass ein Kaufvertrag Täuschung
zustande kam. Aus diesem Kaufvertrag kann S nach § 433 Abs. 1 Satz 1
BGB die Übergabe und Übereignung des Bildes verlangen.

Fraglich ist, ob A seine Willenserklärung anfechten kann, um den Kaufver- Anfechtung


trag rückwirkend zu vernichten. Hierzu müsste er insbesondere einen An-
fechtungsgrund haben. Ein Anfechtungsgrund wäre der Inhaltsirrtum nach
§ 119 Abs. 1 Satz 1 Alt. 1 BGB.

A wollte das Bild nicht für S, sondern für sich selbst kaufen. Die Auslegung Inhaltsirrtum
seiner Willenserklärung führte jedoch dazu, dass T sie als im Namen des S
abgegeben auffassen durfte. Er irrte über den Inhalt seiner Willenserklä-
rung.

Fraglich ist, ob die Anfechtung ausgeschlossen ist. Nach § 164 Abs. 2 BGB Ausschluss der
Anfechtung
ist die Anfechtung ausgeschlossen, wenn der Vertreter nicht zu erkennen
gibt, dass er in fremdem Namen handelt. Der umgekehrte Fall des Vertre-
ters, der in eigenem Namen handeln will aber irrtümlich für den Vertretenen
handelt, ist vom Wortlaut des § 164 Abs. 2 BGB nicht erfasst.

Beide Fallkonstellationen gleichen sich durch die Interessenlage. Zum Analogie


einen gilt bei Willenserklärungen das objektiv Erklärte, nicht das subjektiv
gemeinte. Zum anderen ist A nicht schutzwürdig. § 164 Abs. 2 BGB räumt
der Sicherheit des Rechtsverkehrs eine höhere Stellung ein als dem Indivi-
dualinteresse. Der Vertreter ohne Vertretungsmacht hätte nach § 179 BGB
zu haften. Es ist also gerechtfertigt, über § 164 Abs. 2 BGB im Wege der
Analogie das Anfechtungsrecht für denjenigen auszuschließen, der als Ver-
treter auftritt, obwohl er für sich selbst handeln will.

A kann seine Willenserklärung nicht anfechten, S kann die Übergabe und Ergebnis
Übereignung des Bildes nach § 433 Abs. 2 BGB von T verlangen.