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Zusammenfassung

18. Oktober 2007

1- Perspective

Im Zentrum der Krise: "Der lukrative Handel mit US- Schulden" Das Ausmaß und die Schwere der ersten Schockwelle auf den Banken - und Finanzbereich vom August 2007 ermöglichten unserer Forschungsgruppe die Erkenntnis, dass die Krise in sieben aufeinanderfolgenden Schockwellen ihre verheerende Wirkung entfalten wird; dabei werden einige dieser Wellen nur bestimmte Regionen der Welt erreichen… (Seite 2)

2- Telescope

Sequenz 1 - Die US-Verschuldung löst eine Kettenreaktion im Banken und -Finanzsektor aus: Was vor 100 Jahre die "Russlandanleihen waren" sind heute die "US-Schulden" (Seite

4)

Sequenz 2 - Die Aktienmärkte, insbs. in Asien und den USA, brechen zusammen :

innerhalb von zwei Jahren und je nach Weltregion Kursverluste von 30% bis 60% (Seite 7)

Sequenz 3 - Die Immobilienblasen dieser Welt platzen: Großbritannien, Spanien, Frankreich und die Schwellenländer (Seite 10)

Sequenz 4 - Die Krise erfasst das Währungssystem: Der Absturz des US-Dollar droht andere Währungen mitzureißen (Seite 12)

Sequenz 5 - Stagflation der Weltwirtschaft - Rezessflation in den USA, Nullwachstum in Europa, Rezession (Seite 13)

Sequenz 6 - Die Very Great Depression in den USA löst eine Sozialkrise aus; das US- Militär mischt sich verstärkt in die US-Politik ein (Seite 15)

Sequenz 7 - Die geostrategischen Ereignisse, die die derzeitige Weltordnung umwerfen werden, beschleunigen sich abrupt: Angriff auf den Iran, Israel am Rande des Abgrunds, Chaos im Mittleren Osten, Energiekrise (Seite 17)

3- Focus

Der Wert internationaler Studienabschlüsse - die große Wende ist vollzogen : Welche Entscheidungen heute für einen Studienabschluss, der auch in zehn bis zwanzig Jahren

international anerkannt ist? Wir haben daher die Tendenzen analysiert, die sich auf den Wert der Abschlüsse auswirken, die die berühmten Universitäten der Welt zu vergeben haben und die innerhalb der letzten Jahrzehnte de fakto zu so etwas wie internationalen Studienabschlüssen wurden, also eine intellektuelle,

wissenschaftliche und wirtschaftliche Reputation in (fast) allen Ländern besitzen

(Seite 19)

4- Der GlobalEurometre

Ergebnisse und Auwertung eine Feststellung im diametralem Gegensatz zu der herrschenden Meinung in den französischen

Medien. Denn das Image Frankreichs hat seit der Wahl Nicolas Sarkozys bei den anderen Europäern sehr stark gelitten. 91% der Befragten gehen davon aus. Und ohne die Befragten aus Frankreich

wäre das Ergebnis sicherlich noch höher ausgefallen

(Seite 28)

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Vertrauliche Mitteilung ‘GlobalEurope Anticipation Bulletin’ N°18 - 18. Okt. 2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 1- Perspective Die sieben Sequenzen der
« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 1- Perspective Die sieben Sequenzen der

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1- Perspective

Die sieben Sequenzen der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise (2007-2009)

Da nun endlich vielen bewusst wurde, dass wir in Krisenzeiten leben, kann nunmehr die Abfolge der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise mit höherer Präzision vorhergesagt werden. Die kommenden Ereignisse werden nunmehr von den Verhaltensweisen und Reaktionen der Betroffenen überwiegend beinflusst, die nun weitgehend den bekannten Schemata der Psychologie folgen. Die LEAP/E2020-Forschungsgruppe revidiert ihre bisherigen Aussagen insoweit, dass sie nunmehr davon ausgeht, dass die Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise von längerer Dauer sein wird als wir es noch vor einem Jahr, nämlich in der 8. Ausgabe des GEAB, prognostizierten.

Denn das Ausmaß und die Schwere der ersten Schockwelle auf den Banken - und Finanzbereich vom August 2007 ermöglichten unserer Forschungsgruppe die Erkenntnis, dass die Krise in sieben aufeinanderfolgenden Schockwellen ihre verheerende Wirkung entfalten wird; dabei werden einige dieser Wellen nur bestimmte Regionen der Welt erreichen, andere werden überall aufschlagen. Wir gehen davon aus, das die Aufprallphase sich über einen Zeitraum von zwei Jahren erstrecken wird, nämlich vom Moment des Erreichens des Krümmungspunktes der Krise im April 2007 (vgl. 12. Ausgabe des GEAB) bis Ende 2009. Anschließend beginnt die Phase, die wir die "Dekantierungsphase" tauften (vgl. 5. Ausgabe des GEAB), während der sich die Kräfteverhältnisse der neuen Weltordnung austarieren und verfestigen werden.

Bis zum Juni 2007 haben wir in den einzelnen Ausgaben des GEAB die Erodierung und den Kollaps des bisherigen Systems antizipiert und vor den zu erwartenden Konsequenzen gewarnt. Nunmehr werden wir unser Hauptaugenmerk darauf richten, die sieben Sequenzen des Niedergangs zu prognostizieren. Im Folgenden werden wir diese sieben Folgen beschreiben, wobei wir jeder Folge einen Zeitplan hinzufügen, aus dem ersichtlich sein wird, welche Dauer unsere Forschungsgruppe für jede einzelne Sequenz veranschlagt. Damit soll ein allgemeiner, übersichtlicher Zeitplan über den Ablauf der Krise verfügbar sein, den wir unten darstellen.

Sequenz 1: 2. Quartal 2007 bis 3. Quartal 2008: Die US-Verschuldung löst eine Kettenreaktion im Banken und - Finanzsektor aus: Was vor 100 Jahre die "Russlandanleihen waren" sind heute die "US-Schulden"! Sequenz 2: 4. Quartal 2007 bis 1. Quartal 2009: Die Aktienmärkte, insbs. in Asien und den USA, brechen zusammen : innerhalb von zwei Jahren und je nach Weltregion Kursverluste von 30% bis

60%

Sequenz 3: 2. Quartal 2007 bis 3. Quartal 2008: Die Immobilienblasen dieser Welt platzen:

Großbritannien, Spanien, Frankreich und die Schwellenländer Sequenz 4: 3. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2008: Die Krise erfasst das Währungssystem: Der Absturz des US-Dollar droht andere Währungen mitzureißen Sequenz 5: 3. Quartal 2007 bis 2. Quartal 2009: Stagflation der Weltwirtschaft - Rezessflation in den USA, Nullwachstum in Europa, Rezession Sequenz 6: 2. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2009: Die Very Great Depression in den USA löst eine Sozialkrise aus; das US-Militär mischt sich verstärkt in die US-Politik ein Sequenz 7: 4. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2008: Die geostrategischen Ereignisse, die die derzeitige Weltordnung umwerfen werden, beschleunigen sich abrupt: Angriff auf den Iran, Israel am Rande des Abgrunds, Chaos im Mittleren Osten, Energiekrise

Die Farben der oben aufgeführten Sequenzen entsprechen den Farben der jeweiligen Zeitstränge in der untenstehenden Übersicht

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Jede dieser Sequenzen beschreibt natürlich

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Jede dieser Sequenzen beschreibt natürlich Ereignisse, die Wechselwirkungen auf die anderen Sequenzen zeitigen. Die untenstehende Graphik bildet daher nicht die Krise ab, sondern versucht lediglich, seine zeitliche Struktur anschaulich darzustellen.

seine zeitliche Struktur anschaulich darzustellen. Zeitliche Struktur (in sieben Sequenzen) der Aufprallphase

Zeitliche Struktur (in sieben Sequenzen) der Aufprallphase der umfassenden weltweiten Krise, wie sei Mitte 2007 vorhergesagt - Quelle LEAP/E2020

Ein Blick auf diese anschauliche Darstellung zeigt, dass aller Voraussicht nach die Krise ihren Höhepunkt zwischen dem 4. Quartal 2007 und dem 3. Quartal 2008 erreichen wird, nämlich dem Zeitraum, in dem alle sieben Sequenzen der Krise überlappend virulent sind. Wir sind also noch weit vom Ende des Tunnels der Finanzkrise entfernt, den uns gewisse Experten und die Finanzmedien vorgaukeln möchten. In Wirklichkeit stehen wir gerade erst einmal an ihrem Anfang und haben erst die ersten Auswirkungen verspürt 1 .

1 « The credit crisis could just be beginning », The Street, v. 21.09.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 2- Telescope Sequenz 1 - Die
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2- Telescope

Sequenz 1 - Die US-Verschuldung löst eine Kettenreaktion im Banken und - Finanzsektor aus: Was vor 100 Jahre die "Russlandanleihen" waren, sind heute die "US-Schulden (2. Quartal 2007 bis 3. Quartal

2008)

Wir haben es in der vorhergehenden Ausgabe des GEAB ausführlich dargestellt: Die US-Wirtschaft hat in den letzten zwei Jahrzehnten im wesentlichen überwiegend Schulden produziert und exportiert; dies ist Ursache der finanziellen Dimension der aktuellen umfassenden weltweiten Krise. Überschuldet sind in den USA eigentlich fast alle: Privathaushalte, Unternehmen und die öffentliche Hand. Im Laufe der Jahre wurde ein immer weiter wachsender Anteil dieser Schulden an ausländische Investoren verkauft, die damit überwiegend den "American Way of Life der letzten Jahre finanzierten. Und bei diesen Investoren setzt gerade die Erkenntnis ein, dass ihr Geld nicht so sicher angelegt ist wie sie bisher glaubten. Die besonders Argwöhnischen, bzw. besser ausgedrückt, die besonders Weitsichtigen unter den Gläubigern stellen sich sogar die Frage, ob sie überhaupt etwas von ihrem Geld wieder sehen werden. Die US-Schuldverschreibungen und -Schatzbriefe 2007 mit den Russlandanleihen zu Beginn des 20. Jahrhunderts zu vergleichen, (die mit der Oktoberrevolution 1917 100% ihres Wertes einbüßten, da der Rechtsnachfolger des Zarenreichs, die Sowjetunion, ihre Anerkennung verweigerte), ist keinesfalls überzogen; zu ähnlich sind die Situationen. Denn die USA, deren Gesamtschulden inzwischen das Vierfache ihres Bruttosozialprodukts betragen, wären, wenn sie sich nicht einfach das Geld, das sie zur Deckung ihrer Verpflichtungen benötigen, selbst drucken könnten, bereits bankrott.

benötigen, selbst drucken könnten, bereits bankrott. Entwicklung der US-Gesamtschulden (privat und öffentlich) -

Entwicklung der US-Gesamtschulden (privat und öffentlich) - 1957 bis 2006 - Quellen Grandfather Economic Report /US Federal Reserve

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Noch ermöglicht den USA ihre zentrale

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Noch ermöglicht den USA ihre zentrale Bedeutung in der herrschende Weltordnung 2 im allgemeinen und ihrer Währung auf den internationalen Finanzmärkten im besonderen, ihre Schulden dank des Wertverlustes des Dollars mit Geld zu begleichen, dass immer weniger den Wert repräsentiert, den diese Schulden hatten, als sie eingegangen wurden. Mit anderen Worten bezahlen die Amerikaner Kredite in gutem Geld mit schlechterem zurück. Diese Entwicklung sagten wir bereits in der 2. Ausgabe des GEAB vom Februar 2006 voraus. Auch verschleierten sie über Jahre ihre de fakto - Zahlungsunfähigkeit, indem sie über die großen Geschäftsbanken der Wall Street (und ihre gierigen internationalen Kompagnons) virtuelle Finanzprodukte verkauften, deren Wert sich nur auf abstruse mathematische Formeln stützte (die berühmten CDO - vgl. 17. Ausgabe des GEAB). Mit diesen Formeln kann man die Bonität einer Forderung in etwa so gut vorhersagen wie man in der Antike die Zukunft aus den Eingeweiden der geopferten Tiere ablesen konnte (dieser Vergleich ist sogar unter dem Aspekt richtig, dass auch bei dem heutigen Verfahren etwas ausgenommen wird, nämlich der Geldbeutel des Käufers). Heute sind diese scheinbaren Wertpapiere überall zu finden, ob in den Bilanzen der kleinen und großen Banken, bei den Hedge Fonds, in den Geldreserven der Firmen, im Anlagevermögen privater Investoren. Und mangels eines funktionierenden Marktes für diese Papiere hat niemand die geringste Ahnung, wie hoch ihr realer Wert ist, was an den Finanzmärkten nur eine euphemistische Formulierung dafür ist, dass ihr Wert sehr niedrig liegen dürfte 3 .

Die Verlustzahlen, die die großen internationalen Banken in den letzten Tagen bekannt gegeben haben, kann doch eigentlich niemand glauben, der eins und eins zusammen rechnen kann: Angeblich hätte man in der Kreditkrise nur 20 Milliarden Dollar abschreiben müssen. Wenn die Liquiditätskrise des vergangenen Augusts bei den großen internationalen Banken lediglich zu einer Delle in der Gewinnentwicklung geführt hätte, warum in aller Welt hätten dann die großen Zentralbanken in ihrer Sorge, den allgmeinen Geldkreislauf flüssig zu halten (wobei ihnen selbst dies noch nicht einmal nachhaltig gelungen ist 4 ) in bisher einmaliger Weise hunderte Milliarden Euro in das internationale Bankensystem pumpen sollen. Nur eine Erklärung ist hier überzeugend: Die Manipulation der Aktionäre, Sparer und Investoren hat einen Grad weit jenseits jeglicher Schamgrenze erreicht 5 .

Gerade in den letzten Tagen haben die großen amerikanischen Banken einen Fonds von 75 Milliarden Dollar eingerichtet, der als Käufer eingreifen soll, falls die Gefahr bestehe, dass notleidende Hegde Fonds CDOs zu Dumpingpreisen verkaufen müssten. Damit soll verhindert werden, dass ein für alle Investoren und Finanzinstitutionen erkennbarer (niedriger bis niedrigster 6 ) Marktpreis sich für die CDOS bildet. Wenn die Bankvorstände an die Wirksamkeit dieser Maßnahme glauben, dann sitzen sie wohl ihren eigenen Märchen vom Ende der Finanzkrise auf, die sie anderen auftischen wollen. Denn für LEAP/E2020 ist klar, dass die Bilanzposten, die sich nach und nach mit der zunehmenden Erkenntnis von der Wertlosigkeit vieler CDOs als Scheinvermögen herausstellen werden und wertzuberichtigen sind, sich nicht auf zehnstellige, sondern hundertstellige Milliardensummen beziffern.

2 Bei der umfassenden weltweiten Krise handelt es sich gerade um den Prozess, der diese die USA seit 50 Jahren so privilegierende Situation beendet.

3 « Moody's cuts credit ratings on about 2000 subprime bonds », Wall Street Journal, 12.10.2007

4 « Asset-backed paper falls for ninth straight week », MarketWatch/DowJones, 11.10.2007

5 « What Citigroup did'nt say », MarketWatch/DowJones, 07.10.2007

6 « Big banks, Treasury discuss help for securities markets », MarketWatch/DowJones, 13.10.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Mit dieser Kriegskasse von 75 Milliarden

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Mit dieser Kriegskasse von 75 Milliarden Dollar hat der US-Finanzminister und ehemalige Goldman Sachs Vorstand Hank Paulson erreicht, dass auch die großen US-Banken einen Beitrag zur Bekämpfung der aktuellen Finanzkrise leisten. Er ist nach unserer Auffassung einer der wenigen US- Politiker, die zumindest eine gewisse Ahnung vom Ausmaß der Krise haben und vorausschauend Gegenmaßnahmen ergreifen wollen 7 (im Gegensatz zu Ben Bernanke, dem Vorsitzenden der US- Zentralbank, der erst tätig wird, wenn er in Zugzwang geraten ist). Nach unserer Einschätzung versucht Paulson zu verhindern, dass die Liquiditätskrise zu einer einer umfassenden Vertrauenskrise gegenüber allen US-Finanzprodukten und - Anleihen ausufert. Es ist im wohl klar geworden, dass dieses Ziel nicht ausschließlich durch Maßnahmen der Zentralbanken erreicht werden kann.

Denn auch nach zwei Monaten massiver Geldzuschüsse der Zentralbanken in den Geldmarkt, einer agressiven Senkung der US-Leitzinsen um 0,5% und einer Pause in den Zinserhöhungen durch die EZB, ist der internationale Geldmarkt noch weit vom Normalzustand entfernt. Bis jetzt haben die großen Banken und Finanzinstitutionen, inbs. die amerikanischen, in der optimistischen oder wohl eher naiven Einschätzung von einer baldigen Besserung der Situation nur auf Zeit gespielt oder versucht, die Verluste weitgehend aus ihren Bilanzen auszulagern, indem sie sie auf Töchtergesellschaften verlagerten, eine Manipulation, bei der der gesamte Finanz- und Bankenbereich Hilfestellung leistete. Natürlich stehen die US-Banken bei dieser Krise in der ersten Linie, denn es ist ihr Markt, der dabei ist zusammen zu brechen. Damit ist die Schaffung dieses Fonds, dieser "Kriegskasse", ein Indiz dafür, dass auch den großen US-Banken bewußt ist, dass den Finanzmärkten eine neue Schockwelle bevorsteht, die noch stärker sein wird als die vom vergangenen August; unsere Forscher gehen davon aus, dass diese neue Schockwelle zwischen November 2007 und Februar 2008 aufschlagen wird.

LEAP/E2020 geht davon aus, dass vor Ablauf eines Jahres noch keine keine genaue Angabe über den Umfang der Verluste aus der Subprime-Krise und ihrer Verbreitung und Verstärkung via der CDOs gemacht werden kann. Doch während dieses Jahres wird das Vertrauen in das US-Finanzsystem 8 und damit auch mittelbar in die gesamten westlichen Finanzsysteme weiter schwinden. Während der nächsten Monate verfügt die US-Zentralbank über keinen weiteren Spielraum für Zinssenkungen, es sei denn, sie nähme in Kauf, dass der Dollarkurs in einen Sturzflug übergeht 9 . Dies ist übrigens ein Szenario, dass die Wirtschaftspartner der USA (insbs. die Europäer, aber auch - diskreter - die Chinesen) vorhersehen und zu vermeiden versuchen.

Wenn wir auch in den vorhergehenden Ausgaben ausführlich dargelegt haben, welches die vorhersehbaren Auswirkungen dieser Finanzkrise auf die Länder sein werden, die große Mengen US- Anleihen gekauft haben, so darf man jedoch auch nicht vergessen, dass diese Krise auch in den USA schmerzhaft spürbar sein wird: Beinahe 30% der US-Schuldentitel gehören privaten US-Investoren. Wir werden diesen Aspekt in der Sequenz über die Very Great Depression in den USA wieder aufgreifen.

7 Wir hatten dies bereits vermerkt, als er alles daran setzte, einen direkten Handelskonflikt zwischen China und den USA, den der US-Kongress und die amerikanische Industrie losbrechen wollten, zu verhindern; auch wenn seine Anstrengungen wenige konkrete Ergebnisse zeitigen.

8 « Lazy portfolios betting big overseas », MarketWatch/DowJones, 08.10.2007

9 « Strong silence from US on dollar's weakness », International Herald Tribune, 10.10.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Sequenz 2 - Die Aktienmärkte, insbs.
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Sequenz 2 - Die Aktienmärkte, insbs. in Asien und den USA brechen zusammen: innerhalb von zwei Jahren und je nach Weltregion Kursverluste von 30% bis 60% (4. Quartal 2007 bis 1. Quartal 2009)

Die Aktienmärkte in den USA und Asien eilen wieder von Rekord zu Rekord. Die Tatsache, dass die neuen Rekorde an der Wall Street den gleichzeitigen Wertverlust der US-Währung im Verhältnis zu den anderen großen Weltwährungen noch nicht einmal ausgleichen, scheint die Analysten nicht sonderlich zu beeindrucken, die sich mit solchen Petitessen offensichtlich nicht abzugeben gedenken.

solchen Petitessen offensichtlich nicht abzugeben gedenken. Vergleichende Darstellung der Entwicklung des Dollarindex

Vergleichende Darstellung der Entwicklung des Dollarindex und des DowJones Aktienindex, 2000 - 2007 /Quelle: Stockcharts

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Natürlich ist das, was wir in

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Natürlich ist das, was wir in den Schwellenmärkten, inbs. in Asien, beobachten können, von denen ja behauptet wird, sie würden von der US-Rezession nicht im geringsten betroffen sein, ein klassischer Fall von Spekulation. Gleichzeitig werden die US-Statistiken zur Arbeitsmarktlage und Inflation so getrimmt, dass sie der US-Zentralbank als Argumente gegen weitere Zinssenkungen dienen. So soll ein weiterer Sturzflug des Dollars verhindert und der Fed mittelfristig ermöglicht werden, die Zinsen erneut anzuheben, um somit die Kapitalflucht aus dem Dollar und den USA einzudämmen. Rezession + Dollar im Freien Fall + niedrige Leitzinsen sind in der Tat wenig dazu geeignet, riesige öffentliche und private Defizite zu finanzieren.

riesige öffentliche und private Defizite zu finanzieren. Kapitalisierung an den Aktienmärkten in den Weltregionen -

Kapitalisierung an den Aktienmärkten in den Weltregionen - Juni 2007 - Quelle S&P / Citigroup Global Equity Index

Wall Street scheint immer weniger ein Aktienmarkt zu sein, an dem das freie Spiel von Angebot und Nachfrage wirken können 10 . Vielmehr nimmt sie heute die die Rolle einer Wirtschaftsinstitution ein, deren Aufgabe darin besteht, einen Rückgang der Aktienkurse zu vermeiden. Dabei wird sie von vielen weiteren Stellen und Einrichtungen unterstützt. Neben das Plunge Protection Team tritt nun auch noch die Paulson'sche Kriegskasse der US-Banken mit der Aufgabe, Dumpingverkäufe von CDOs und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Finanzmärkte im allgemeinen und die Aktienmärkte zu verhindern. Trotz allen diesen Bemühungen ist ein Krach der Aktienkurse von historischem Ausmaß in den nächsten 18 Monaten unvermeidlich. Die Märkte der Schwellenländer werden dabei zuerst abstürzen, denn bei ihnen handelt es sich um klasssische Spekulationsblasen, in denen spekulative Fonds aktiv sind, die sie als neue Quelle von Profiten ausgemacht haben. Wie man an der obenstehenden Graphik ablesen kann, ist ihr Anteil an dem weltweit in Aktien angelegten Kapital mit ungefähr 10% sehr gering, so dass sie für Schockwellen auch geringerer Stärke, die die Finanzwelt treffen werden, relativ anfällig sind. Angesichts der Abschwächung der Weltwirtschaft, der US- Rezession, der globalen Finanzkrise und der geopolitischen Instabilität sieht für die nächsten 18 Monate die Zukunft dieser Märkte alles andere als rosig aus. Mit Rückgängen bis zu mehr als 50% der aktuellen Kurse ist zu rechnen.

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Aber auch an den wichtigeren Märkte

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Aber auch an den wichtigeren Märkte werden die Kurse aus den selben Gründen merklich nachgeben. Neben den USA werden insbs. Japan und Großbritannien betroffen sein, denn ihre wirtschaftliche Lage hängt stark vom US-Markt ab und ist dem Risiko von Wertverlusten von US-Anleihen besonders ausgesetzt (vgl. 17. Ausgabe des GEAB). Der Kursrückgang könnte dort bis zu 50% in 18 Monaten betragen.

Für die Euro-Zone geht LEAP/E2020 davon aus, dass der Kursrückgang sich, da die Eurozone den vorstehenden Risiken weniger ausgesetzt ist, über einen großen und solventen Binnenmarkt (im Gegensatz zu den zunehmend verschuldeten Marktteilnehmern des US-Markts) sowieso über starke Exportprodukte verfügt, auf 30% beschränken dürfte.

Was die USA anbelangt, steht unsere Forschungsgruppe vor dem Rätsel der zukünftigen Entwicklung der Wall Street. Wenn Marktkräfte normal wirken dürfen, dann ist von Kursrückgängen bei den wesentlichen US-Aktienindizes bis Anfang 2009 von 50 bis 60% auszugehen. Aber zum einen greift die US-Regierung wegen der zunehmenden Abhängigkeit der US-Privathaushalte von Aktienerträgen, die den durch Rezession und Platzen der Immobilienblase verursachten Einkommensausfall auffangen müssen, immer stärker in das Geschehen an der Wall Street ein; zum anderen werden die durch die Very Great Depression ausgelöste soziale Krise und ihre von LEAP/E2020 vorhergesagten politischen Auswirkungen die zukünftigen Entwicklungen maßgeblich beeinflussen. Daher ist die Prognose für die US-Aktienmärkte viel schwieriger. Es ist daher möglich, dass massive staatliche Eingriffe unter dem Vorwand der Wahrung des "Gemeinwohls" vorübergehend die Rückgänge auf 30% beschränken können. Schließlich beschert die Komplexität der aktuellen Krise auch viele Manipulationsmöglichkeiten. So wurde z.B. während der Finanzkrise des Augusts der Mehrheit der Investoren über Tage und Wochen die Möglichkeit verwehrt, sich einen Überblick über den Wert ihrer Anlagen zu verschaffen. Die folgende Aufstellung über den Anteil der Investoren, die im vergangen August an der Wall Street vor dieser Situation standen, ist sehr vielsagend. Sie basiert auf Umfragen von John J. Xenakis von Generational Dynamics.

Unternehmensanleihen

62%

Commerical mortgage-backed securities

63%

Hochverzinste Anleihe

65%

Mortgage-backed securites

66%

Leveraged loans

69%

Collateralized loan obligations

78%

Asset-backed securities

82%

CDOs / Structured credit

83%

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Sequenz 3 - 'Die Immobilienblasen der

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Sequenz 3 - 'Die Immobilienblasen der Welt platzen - Großbritannien, Spanien, Frankreich und die Schwellenländer (2. Quartal 2007 bis 3. Quartal 2008)

Ende 2006 kündigte LEAP/E2020 für 2007 das Platzen der Immobilienblasen in Spanien und Großbritannien, Paris und den Schwellenländer an. Diese Entwicklung hat nun eingesetzt. In Großbritannien wird zur Zeit nur noch die Frage erörtert, in welcher Geschwindigkeit die Preise zurückgehen werden, nachdem auch die letzte Triebfeder des Preisanstiegs, nämlich der Immobilienmarkt Londons und des englischen Südwestens, auf denen sich die "Golden Boys" der Londoner City bevorzugt tummeln, zusammengebrochen ist. Denn wegen der Finanzkrise gehen inzwischen auch in der City Arbeitsplätze verloren 11 und werden Bonuszahlungen rar. Der Preisrückgang steht damit für das gesamte Land an 12 .

In Spanien ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann die Immobilienkrise, die bereits zu Konkursen von Unternehmen im Immobilienbereich führt, auch auf den Bankensektor und die allgemeine Wirtschaftsentwicklung des Landes durchschlagen wird 13 .

In Frankreich und insbs. im Sondermarkt Paris, wo die Preise in den letzten Jahren rasant anstiegen, wird der Preisrückgang inzwischen nicht einmal mehr von den Immobilienprofis bestritten 14 . Dies bestätigt unserer Forschungsgruppe, dass der Preisrückgang zumindest schon vor einiger Zeit eingesetzt hat. In Frankreich ist eine Aussage über die Preisentwicklung besonders schwierig zu treffen, da dazu nur unzureichende bis bewusst intransparente Statistiken existieren. Immobilienagenturen und Notare fabrizieren in kleinstem Kreis ihre Statistiken, ohne dass sie offenlegen müssten, welche Methode sie anwenden und welche Daten sie erheben. Die Entwicklungen und das Ausmaß einer Immobilienkrise sind daher komplexer zu erkennen als in anderen europäischen Ländern oder den USA.

Auch die verhältnismäßig kleinen Immobilienmärkte der Schwellenländer werden im nächsten Jahr, einer nach dem anderen, implodieren. Marokko und dort insbs. Marrakech ist ein besonders geeignetes Beispiel für einen solchen Mini-Immobilienmarkt und seine mittelfristigen Aussichten 15 . Das Zusammenspiel von platzenden Blasen auf den großen Immobilienmärkten, der internationalen Finanzkrise und einer Abschwächung der globalen Wirtschaftsentwicklung macht ein Rückzug der Investoren aus diesen Märkten mehr als dringend.

Die folgende Graphik über die Immobilienpreisentwicklung in Japan ist bereits auf die hier besprochenen Märkte anwendbar. Jeder dort engagierte Investor mag sich selber die Frage beantworten, an welche Stelle der Graphik sich der für ihn relevante Markt wohl befinden mag.

13 « Spanish real estate in crisis », Tipically Spanish, 08.10.2007

15 « Risque de bulle immobilière au Maroc », Yabiladi, 24.04.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Marktstimmung am US-Immobilienmarkt 2005 bis Herbst
« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Marktstimmung am US-Immobilienmarkt 2005 bis Herbst

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Marktstimmung am US-Immobilienmarkt 2005 bis Herbst 2006,

Marktstimmung am US-Immobilienmarkt 2005 bis Herbst 2006, beispielhaft übertragen auf die Preisentwicklung des japanischen Immobilienmarkts in den neunziger Jahren - Quelle Generational Dynamics

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Sequenz 4 - Die Krise erfasst

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Sequenz 4 - Die Krise erfasst das Währungssystem - der Absturz des Dollars droht andere Währungen mitzureißen (3. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2008)

Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir noch ausführlicher auf diese Sequenz eingehen, deren Entwicklungen wir bereits in den vorhergehenden Ausgaben des GEAB beschrieben haben. Dennoch wollen wir an dieser Stelle unsere Einschätzungen über den weiteren Absturz des Dollars bestätigen, was wiederum auch all die Währungen in Mitleidenschaft ziehen wird, die stark vom US-Dollar oder der US-Wirtschaft abhängen.

Im übrigen kappen die Währungen, die an den US-Dollar gekoppelt sind, nach und nach diese Verbindung 16 . Die Weigerung Saudi-Arabiens, die Zinssenkung der US-Zentralbank nachzuvollziehen, zeigt, dass nicht einmal mehr das saudische Regime gewillt oder in der Lage ist, den geldpolitischen Weichenstellungen der USA zu folgen 17 . Diese Entwicklung wird das Ende des Dollars als Handelswährung der Weltenergiereserven noch scheller herbeiführen, was wiederum weiter an der Kaufkraft der amerikanischen Privathaushalte zehren wird. Stabilität wird sich erst ergeben, wenn die durchschnittliche Kaufkraft der US-Haushalte halbiert sein wird. Denn erst dadurch werden die strukturellen Ungleichgewichte beseitigt, die Ursache für die Währungsinstabilität sind. Diese Entwicklung steht selbstverständlich in Wechselwirkung zu den anderen Sequenzen und dürfte daher bis Ende 2008 andauern.

16 « Qatar and Vietnam ditch the Dollar », Alphaville, Financial Times, 04.10.2007

17 « Fears of dollar collapse as Saudis take fright », Telegraph, 21.09.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Sequenz 5 - Stagflation der Weltwirtschaft:

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Sequenz 5 - Stagflation der Weltwirtschaft:

Rezessflation in den USA, Nullwachstum in Europa, Rezession (3. Quartal 2007 bis 2. Quartal 2009)

Für LEAP/E2020 besteht die entscheidende Erkenntnis der letzten Monate in der Tatsache, dass nun die Zahlungsunfähigkeit des US-Verbrauchers eindeutig und offensichtlich ist. Damit fällt der entscheidende Antrieb für das US-Wachstum der vergangenen Jahren aus. Die beiden anderen Motoren, von denen es hieß, dass sie den wegbrechenden Privatkonsum ersetzen würden, nämlich die Unternehmensinvestitionen und der Export, sind bisher noch ohne Wirkung geblieben. Die Unternehmensinvestitionen werden nicht einmal von den größten Optimisten unter den Analysten mehr erwähnt 18 . Und der Export erreicht bei weitem nicht die Zahlen, die notwendig wären, um einen Ersatz für den nachlassenden Privatkonsum zu bieten, wie man an den sehr geringen Veränderungen des US-Außenhandelsdefizits ablesen kann, das sich weiterhin in einem Rahmen von 55 bis 60 Millarden Dollar pro Monat bewegt. Damit verharrt es auf dem üblich hohen Niveau, obwohl doch in kaum 12 Monaten die US-Währung 15% bis 20% ihres Werts im Verhältnis zu den anderen großen Weltwährungen eingebüßt hat.

Daraus ableitend hält LEAP/E2020 seine Diagnose über die akute Rezession in den USA aufrecht 19 , die nur durch die manipulierten offiziellen Statistiken verschleiert wird: So verkündete das US-Statistikamt z.B., in den ersten neun Monaten des Jahres 2007 hundertausende neue Arbeitsplätze im Immobilien - und Bausektor verzeichnet zu haben. Wenn das wahr wäre, dann würde die US-Wirtschaft inzwischen nach Regeln funktionieren, die mit einer Marktwirtschaft nicht mehr das geringste zu tun hätten. Die Dienstleistungen,insbs. im Finanzbereich, waren der einzige Bereich, in dem in den letzten Monaten tatsächlich Arbeitsplätze geschaffen wurden. Aber mit den nunmehr angekündigten Massenentlassungen bei den Banken ist auch dies vorbei. Zur Zeit entstehen neue Arbeitsplätze eigentlich nur noch in der öffentlichen Verwaltung. Dass man mit der Schaffung von Beamtenstellen eine Rezession vermeiden kann, dürfte doch mehr als zweifelhaft sein. Die offizielle Arbeitslosenquote bleibt beinahe unverändert auf niedrigem Niveau, da nach den staatlichen Statistiken die Beschäftigungsquote in der Bevölkerung abnimmt. Durch das Ausscheiden von Werktätigen aus dem Arbeitsleben würden die Entlassungen mehr als kompensiert. Die Wirklichkeit unterscheidet sich jedoch stark von dem Bild, dass diese Statistiken zeichnen wollen 20 .

Aber es gibt auch einen Bereiche, in dem die Kurve tatsächlich nach oben zeigt, nämlich bei den Preisen. Die Inflation hat wieder eingesetzt, und zwar nicht nur in den USA 21 , sondern auf der ganzen Welt. In der Weltfabrik China, liegt sie bei 10%, Weizen und Milch sind so teuer wie noch nie zuvor, und auch die Preise für allgemeine Verbrauchsgüter klettern und werden in den nächsten Monaten und Jahren deutliche Steigerungen aufweisen.

Auch das Wirtschaftswachstum in der Eurozone wird sich deutlich abschwächen, obwohl eine Rezession wohl vermieden werden kann; denn Euroland ist heute wirtschaftlich stärker mit Asien als mit den USA verbunden. Lediglich der europäische Banken- und Finanzbereich ist in ungesunder Weise mit den US-Finanzmärkten verwoben.

18 « Why a weak US Dollar hurts US manufacturers », Euro Pacific Capital, 12.10.2007

19 « Economy sends off warning flares », Washington Post, 25.09.2007

20 « Massive jobs disaster », Mish’s Global Economic Trend analysis, 23.09.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Die Aussichten für Großbritannien sehen düsterer

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

Die Aussichten für Großbritannien sehen düsterer aus, denn seine Wirtschaft hängt stärker von der US-Entwicklung und dem Finanzenbereich ab. Hier dürfte eine Rezession wohl schwerlich vermeidbar sein 22 .

Für Asien wird nach der Auffassung von LEAP/E2020 sich die Situation entsprechend der Fähigkeit der asiatischen Staaten entwickeln, ihre Wirtschaft von den Auswirkungen der US-Rezession abzukoppeln und ihre inner-regionalen Exporte und die nach Europa zu forcieren. Für die nächsten zwei Jahre ist daher davon auszugehen, dass - nach einer kurzen Rezession - die asiatische Wirtschaft wieder anziehen wird.

22 « Signs of slowdown in Britain », Spiegel/BusinessWeek, 10.10.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Sequenz 6 - Die Very Great

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Sequenz 6 - Die Very Great Depression in den USA löst eine Sozialkrise aus; das US - Militär mischt sich verstärkt in die US-Politik ein (2. Quartal 2007 bis 4. Quartal 2009)

Die aktuelle Weltordnung wird durch die umfassende weltweite Krise umgekrempelt. Die USA sind der Hauptpfeiler der aktuellen Weltordnung. Damit ist es denknotwendig, dass die Auswirkungen der Krise dort viel brutaler und nachhaltiger sein werden als in anderen Weltregionen.

Durch das Platzen der Immobilienblase stürzen Millionen von Amerikanern in die Armut ab, ihre Häuser werden zwangsversteigert 23 , die Zahl der Enteignungen verdoppelt sich jeden Monat, und Millionen Männer, Frauen und Kinder finden sich plötzlich ohne Dach über dem Kopf wieder 24 oder müssen sich unter den schwierigsten Bedingungen eine neue Bleibe suchen 25 .

Die aktuelle Rezession läßt die Arbeitslosenzahlen steigen, auch wenn dies von den offiziellen Stellen zur Zeit noch geleugnet wird, so wie sie auch das Platzen der Immobilienblase oder die Subprimekrise ignorieren wollten; aber irgendwann wird die Wirklichkeit die Oberhand über die Wunschvorstellungen gewinnen. Die zunehmende Arbeitslosigkeit läßt wiederum die Zahl der Enteignungen weiter steigen, da die einkommensberaubten Hauseigentümer ihre Hypothekenraten nicht mehr bezahlen können. Damit werden nicht nur die Schuldner von Subprime-Hypotheken Enteignungsopfer, sondern die Krise frisst sich in die Mittelklasse 26 , wenn nicht sogar in noch höhere Schichten vor, wie man an den Entlassungswellen, die inzwischen sogar durch die Wall Street laufen, ablesen kann.

Die rückläufigen Immobilienpreise wirken sich inzwischen auf die Vermögenssituation aller Kategorien der US-Haushalte aus, die zu einem großen Anteil Kredite auf ihr Immobilieneigentum aufnahmen, um ihren Lebensstil zu finanzieren. Nun versuchen sie ihren Lebensstandard durch den massiven Einsatz ihrer Kreditkarten aufrecht zu erhalten 27 , was aber wegen der immensen Zinsen, die dafür zu entrichten sind, nur sehr kurzfristig gut gehen kann 28 .

Gemeinden im ganzen Land sehen sich bereits gezwungen, ihre Leistungen zurückschrauben, da sie nicht mehr über das notwendige Steueraufkommen zur Bezahlung des bisherigen Angebots verfügen. Die Gouverneure der Einzelstaaten beginnen, die Zeichen der Zeit zu erkennen 29 . Nur die Bundesregierung mit ihrem Sprachrohr G.W. Bush möchte immer noch mehr Geld ausgeben, um ihre Kriege finanzieren zu können, und schreckt dafür nicht einmal zurück, den Kindern aus einkommensschwachen Schichten die Erstattung ihrer Gesundheitskosten zu verweigern.

Die Sozialkrise ist de fakto schon in den USA angekommen und sie verschlimmert sich jeden Tag 30 . Wir möchten in Erinnerung rufen, dass wegen fehlender sozialer Absicherung Rezessionen in den USA viel brutalere soziale Auswirkungen zeitigen als in Europa. Und der Umfang dieser Krise, in der Immobilienkrise, Rezession, Preiserhöhung für Verbrauchsgüter und Energiekostenexplosion sich wechselwirksam verstärken, während die Washingtoner Politik in Pattstellung verharrt, führt zu einer Situation, in der das Wort von einer "Regimekrise" angebracht ist.

23 « US home foreclosures double », Financial Times, 11.10.2007

24 « Subprime tidal wave », Wall Street Journal, 12.10.2007

26 « Working families need help to afford the basics », MarketWatch/DowJones, 10.10.2007

28 « Boom times for dentists, but nor for teeth », New York Times, 11.10.2007

30 « The American Dream turns into a debtor's nightmare », Los Angeles Times, 08.10.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Die Armee ist die einzige staatliche

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

Die Armee ist die einzige staatliche Institution, die heute in den USA noch weit verbreitetes Vertrauen genießt. Abermillionen von Amerikanern hängen von ihr ab, weil sie unmittelbar oder mittelbar für sie arbeiten oder sie ihre Studienausbildung bezahlt. Die Armee ist einer der wenigen gesamtamerikanischen Stützpfeiler. Ihre Generäle genießen hohes Medieninteresse. Sie kritisieren immer häufiger und ungeschminkter die politische Kaste, denen sie Verrat am Volk und der Armee vorwerfen. Der Beifall, den General Sanchez, ehemaliger Armeechef im Irak, für seine kritischen Äußerungen erhielt, ist bezeichnend für die Stimmung im Land 31 . Der Empfang, der General Petraeus, aktueller Armeechef im Irak vom US-Kongress bereitet wurde, als er über die Situation im Irak berichtete, komplettiert dieses Bild: mehrere amerikanische Journalisten haben kommentiert, dass der Empfang eines siegreichen römischen Feldherrn in einem unterwürfigen Senat der Antike wohl genauso vor sich gegangen sein müsse. Auch entscheiden heute die Militärs und nicht mehr die Politik über die großen Linien im Irakkrieg. Wir dürfen gespannt darauf sein, welche Haltung sie nunmehr gegenüber der Türkei einnehmen werden. Keiner in der politischen Kaste Washingtons, auch nicht unter den Demokraten, wagt heute auch nur die geringste Kritik an den US-Generälen, obwohl sie in der Katastrophe des Irakkriegs nicht nur unschuldige Opfer von verantwortungslosen Politikern sind.

Für die Armee, inzwischen zentraler Machtfaktor im amerikanischen politischen System, wird die aktuelle Wirtschafts- und Finanzkrise zum Problem, denn vor dem Hintergrund unpopulärer Kriege im Irak und Afghanistan und der Rezession im Lande würde die voraussichtliche Wahl eines demokratischen Präsidenten 2008 eine starke Beschneidung des Verteidigungshaushalts mit sich bringen. Dies aber wäre für die beinahe einzige Struktur, die die Gesellschaft des Landes noch zusammen hält, schlichtweg nicht akzeptabel.

Die bereits einsetzende "Very Great Depression" in den USA wird nach der Auffassung von LEAP/E2020 bis Ende 2009 zu einer Krise des politischen Systems in den USA führen, in der die Armee eine wesentliche Rolle spielen wird.

in der die Armee eine wesentliche Rolle spielen wird. Eigentümer der Schulden der US- öffentlichen Hand

Eigentümer der Schulden der US- öffentlichen Hand - Quellen Skeptical Optimist /US- Finanzministerium

31 « Ovation for Sanchez, Iraq ex-commander », Boston Globe, 22.09.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Sequenz 7 - Die gestrategischen Ereignisse,

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Sequenz 7 - Die gestrategischen Ereignisse, die die derzeitige Weltordnung umwerfen werden, beschleunigen sich abrupt: Angriff auf den Iran, Israel am Rande des Abgrunds, Chaos im Mittleren Osten, Energiekrise (4. Quartal 2007 bis 4. Quartal

2008)

Wenn das Tandem Bush/Cheney die iranischen Atomanlagen bombadieren will 32 , steht ihnen nach unserer Auffassung nur noch die Zeitspanne von November 2007 bis Juni 2008 zur Verfügung. Danach werden die US-Präsidentschaftswahlen zu nahe gerückt sein, als dass ein solches Vorgehen politisch noch durchzuführen wäre. Gleichzeitig erhöht Israel seinen Druck auf die USA, um das "Iranproblem" noch vor der voraussichtlichen Machterlangung der Demokraten zu regeln. Der noch nicht lange zurückliegende Angriff auf Syrien dürfte belegen, dass Israelis und Amerikaner sich auf eine solche Möglichkeit einstellen.

Gleichzeitig zeigt der baldige Besuch Vladimir Putins in Teheran (der erste wichtige Staatsbesuch seit Stalin), dass Russland überhaupt nicht willens ist, Washington im Iran freie Bahn wie im Irak einzuräumen. Im übrigen haben sich die Beziehungen zwischen den USA und Russland nunmehr wieder dauerhaft verschlechtert, wie man am Streit über die Anti-Raketensysteme, die in Polen und Tschechien installiert werden sollen, feststellen konnte.

Und wie üblich läuft all das an der EU vorbei. Sie hat keine klare politische Linie und ist überhaupt durch die neue "pro-Bush-Haltung" des französischen Präsidenten handlungsunfähig, der seine Politik noch stärker an Washington ausrichtet als die die britische oder die deutsche Regierung.

Die Auswirkungen eines Angriffs auf den Iran haben wir schon in vorhergehenden Nummern des GEAB beschrieben. Für uns ist ohne Zweifel, dass ein solcher Angriff die umfassende weltweite Krise immens beschleunigen und verstärken würde 33 . Der Einfluss Washingtons auf die wichtigen Machtfaktoren im Mittleren Osten bröckelt mit jedem Tag etwas mehr. Die Türkei verhehlt nunmehr nicht mehr, dass sie sich ausschließlich für zuständig hält, ihr nationales Interesse zu wahren, und bereitet sich auf einen Angriff des irakischen Kurdistans vor 34 . Die Königreiche des persischen Golfs verabschieden sich nach und nach von der Dollarbindung. Russland und China blockieren die Sanktionsbemühungen gegen den Iran in den VN. Syrien und Iran haben ihre Zusammenarbeit verstärkt, während der Libanon gespalten bleibt und die Hoffnungen auf eine pro-westliche Revolution, die im letzten Jahr geweckt wurden, nicht erfüllen konnte. Die für November geplante Friedenskonferenz zwischen Israelis und Palästinenser ist schon jetzt zum Scheitern verurteilt, da einem US-Präsidenten ein Jahr vor Neuwahlen 35 , zu denen er nicht antreten darf, das politische Kapital und der Handlungsspielraum für eine aktive Vermittlerrolle fehlen. Und auch die US-Armee ist auf der Suche nach einer Möglichkeit eines Bravourstücks, mit dem sie ihr Prestige wieder etwas aufbessern und sich in einer bessere Position für Budgetverhandlungen bringen könnte.

32 « Bush setting America up for war with Iran », Telegraph, 17.09.2007

33 « Richardson says war with Iran is unwise », Boston Globe, 30.09.2007

34 « Turkey-US military ties under threat », Financial Times, 14.10.2007

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Wir halten es angebracht, gerade an
« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Wir halten es angebracht, gerade an

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

Wir halten es angebracht, gerade an dieser Stelle eine Bemerkung über die Zuverlässigkeit unserer Vorhersagen einzuschieben. Unsere Modelle ermöglichen uns, die großen Entwicklungen der umfassenden weltweiten Krise mit großer Verläßlichkeit vorherzusagen (was unseren Lesern im Laufe der letzten 18 Monate nicht entgangen sein dürfte). Jedoch hängen die Entwicklungen im geostrategischen und militärischen Bereich wie im Fall eines Kriegs zwischen USA und Israel auf der einen und dem Iran auf der anderen Seite stärker von individuellen Entscheidungen ab, so dass unsere Modelle nicht mit der sonst gewohnten Verläßlichkeit angewandt werden können. In der weltweiten Krise hingegen wirken Tendenzen, die von individuellen Entscheidungen, selbst auf höchster Ebene, wenig bis kaum beeinflussbar sind. Individuelle Entscheidungen können jedoch glücklicher Weise kurzfristig und umfassend umgeworfen werden, so dass langfristige Vorhersagen viel weniger machbar sind.

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 3- Focus Der Wert internationaler

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

3- Focus

Der Wert internationaler Studienabschlüsse: die große Wende ist vollzogen : Welche Entscheidungen heute für einen Studienabschluss, der auch in zehn bis zwanzig Jahren international anerkannt ist?

Wie LEAP/E2020 schon bereits mehrfach seit Januar 2006 geschrieben hat, beeinträchtigt die umfassende weltweite Krise alle Bereiche und Gebiete der heutigen menschlichen Aktivitäten. Das ist ja gerade der Unterschied zwischen dieser Krise und einer klassischen Krise, deren Auswirkungen auf einige Bereiche begrenzt bleiben und die nur bestimmte Regionen der Welt ergreift. In dieser Ausgabe des GlobalEuropa Antizipations-Bulletins wollen die Forscher von LEAP/E2020 ihre Voraussagen für einen Schlüsselbereich der globalen Wissensgesellschaft vorstellen, nämlich die Reputation und den Wert internationaler Studienabschlüsse. Wir haben daher die Tendenzen analysiert, die sich auf den Wert der Abschlüsse auswirken, die die berühmten Universitäten der Welt zu vergeben haben und die innerhalb der letzten Jahrzehnte de fakto zu so etwas wie internationalen Studienabschlüssen wurden, also eine intellektuelle, wissenschaftliche und wirtschaftliche Reputation in (fast) allen Ländern besitzen.

1. In einer Welt im Umbruch werden auch prestigeträchtige Studienabschlüsse zu Risikoinvestitionen Die Forscher von LEAP/E2020 wurden bei ihrer Analyse insbs. von Franck Biancheri unterstützt, dem Forschungsdirektor von LEAP/E2020 und einem der Väter des EU-Erasmus-Programms, das in nur 20 Jahren die Karte der Hochschulbildung Europas neu gezeichnet hat 36 . Damit handelt es sich bei dieser Analyse nicht um eine akademische Vergleichsstudie unter Universitäten 37 . Vielmehr wollen die Forscher von LEAP/E2020 den Eltern und Studenten Entscheidungshilfen an die Hand geben, wenn sie sich daran machen sollten, eventuell sehr kostspielige Investitionen in eine Universtitätsausbildung mit internationaler Reputation zu tätigen, die über den beruflichen Erfolg, der sich daraus ergeben soll, sich auch über die folgenden zumindest zehn bis zwanzig Jahren bezahlt machen soll.

Die tausende oder zehntausende Dollar oder Euro, die heute in Studiengebühren und Lebenshaltungskosten investiert werden, sollen morgen das Zehn- oder Hundertfache an Einkommen erzeugen. Damit muss sich jede Investitionsentscheidung an der Überlegung ausrichten, dass die Fähigkeiten und Qualifikationen, die während des Studiums erworben werden sollen, auch den Anforderungen der Welt von Morgen gerecht werden. Dies ist für immer mehr Studenten und Eltern von Studenten, sowohl in den USA, als auch in Europa, in Asien oder in den arabischen Staaten, eine große Wette auf die Zukunft. Denn die aktuelle umfassende Krise ist dabei, auch das internationale Prestige von Studienabschlüssen tiefgreifend zu verändern. Merkwürdiger Weise wird diesen Veränderungen des Werts der Abschlüsse der verschiedenen Universitäten in den meistgelesenen Veröffentlichungen über den Wert der Diplome der großen Universitäten überhaupt kein Augenmerk geschenkt.

Jedoch werden spätestens in einem Jahrzehnt Abschlüsse, die heute noch als die Creme de la Creme der Universitäts - und Wissenschaftswelt gelten, viel weniger geschätzt sein, während Bewerber mit

36 Auch kennt er das US-Universitätsystem aus eigener Anschauung sehr gut, da er zwischen 1999 und 2005 in Universitäten in 34 Staaten Konferenzen abhielt.

37 Viele hochwertige Untersuchung zu diesem Thema liegen vor, auf die die Forscher von LEAP/E2020 auch in dieser Ausgabe des GEAB Bezug nehmen. Aber LEAP/E2020 will, wie gewöhnlich, eine Prognose erstellen, die Grundlage ist für unmittelbare und sehr praktikable Ratschläge an Eltern und/oder Studenten.

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Studienabschlüssen, die heute noch nicht so

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Studienabschlüssen, die heute noch nicht so hoch angesehen werden, dann von den Arbeitgebern umworben werden. Als Beleg für diese These sei auf die Abschlüsse der prestigeträchtigen Universitäten der Sowjetunion verwiesen, die ihren Wert in den neunziger Jahren einbüßten. Und nach Auffassung von LEAP/E2020 ist eine Umwälzung vergleichbaren Ausmaßes im Gange, deren Auswirkungen sich in den nächsten Jahren zeigen werden. Vermeiden Sie, für sich oder ihre Kinder einen Studienabschluss der Welt von Gestern für die Welt von Morgen anzustreben.

2. Die Umbrüche der Weltordnung werfen auch die Rangordnung der Universitäten durcheinander In vielen Bereichen ähnelt die Entwicklung der Welt der prestigeträchtigen Studienabschlüsse sehr stark der Entwicklung der Welt im Allgemeinen. Nach 1945 beinflussen die beiden herrschenden Supermächte USA und UdSSR auch die Ausbildung der Eliten aller Länder, die sich an einem dieser beiden Pole ausrichten. Die westlichen Universitäten pflegen eine beinahe ausschließliche Nähe und Seelenverwandschaft mit den amerikanischen Universitäten. Und im Ostblock sind die Sowjetuniversitäten Pflichtdurchgangsstation für alle zukünftigen Kader in den Satellitenstaaten. Diese Spaltung der Universitäts- und Wissenschaftswelt in Ost und West mit entsprechender US - bzw. Sowjetausrichtung bleibt bis in die achtziger Jahre gültig.

In der zweiten Hälfte der achtziger Jahre setzten zwei gleichzeitige, aber nicht in Verbindung stehende Entwicklungen ein, die diese Ausrichtung der Universitäten der Welt auf den einen oder anderen Pol umwerfen sollten: die Einrichtung des europäischen Studentenaustauschprogramms Erasmus im Jahr 1987 und der Fall der Berliner Mauer im Jahr 1989 38 . Auch wenn selbstverständlich die Einrichtung des Erasmusprogramms kein historisches Ereignis war, das mit dem Fall der Berliner Mauer verglichen werden könnte, so weisen sie doch in einer Hinsicht Parallelen auf: Beide Ereignisse waren dafür mitverantwortlich, dass das Monopol der Universitäten der Supermächte für die Vergabe von blockweit, also länderübergreifend und damit international anerkannten Studienabschlüssen aufgebrochen wurde.

Schon ab dem Beginn der neunziger Jahre lag das Universitätssystem des Ostblocks mit seinem Zentrum Moskau in Trümmern und die noch vor einigen Jahren so begehrten Studienabschlüsse waren auf dem Arbeitsmarkt zu Mustern ohne Wert verkommen. Gleichzeitig veränderte die Studentenmobilität im Westen Europas, an der sich alsbald dann auch die Studenten aus den zukünftigen osteuropäischen Mitgliedstaaten beteiligten, ihr Gesicht vollständig: Waren bis dahin europäische Studenten beinahe ausschließlich zum Studieren in die USA gegangen, setzte nunmehr auch ein Studentenaustausch zwischen den europäischen Universitäten ein. Um sich das Ausmaß dieser Umwälzung zu erfassen, muss man sich vergegenwärtigen, dass Mitte der achtziger Jahre beinahe 90% der europäischen Studenten, die einen Teil ihrer Ausbildung im Ausland erwerben wollten, in die USA gingen. Zehn Jahre später hatte sich dieses Verhältnis umgekehrt und nur noch 10% gingen in die USA, während 90% sich an einer Universität in einem anderen europäischen Land einschrieben.

38 Wir schreiben mit Bedacht "gleichzeitige, aber nicht miteinander in Verbindung stehend". Natürlich war die Einrichtung des Erasmus-Programms 1987 nicht mitursächlich für den Fall der Berliner Mauer. Wir sind aber dennoch überzeugt, dass diese beiden Ereignisse Folge einer gemeinsamen europäischen Dynamik sind, nämlich des Willens, die Vormundschaften außereuropäischer Staaten über den "Alten Kontinent" abzustreifen. Die geschichtlichen, politischen und soziologischen Studien, die uns helfen könnten, dieses komplexe Phänomen zu begreifen, stehen leider noch aus.

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Inner-europäische Mobilität der Erasmus-Studenten

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mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Inner-europäische Mobilität der Erasmus-Studenten -

Inner-europäische Mobilität der Erasmus-Studenten - 1987/88 bis 2004/05 Quelle Europäische Kommission

Während der Ostblock mit Getöse unterging, liefen die Veränderungen durch das Erasmus-Programm fast unbemerkbar ab. Damit entstand im Universitäts - und Wissenschaftsbetrieb (wie auch in anderen Bereichen) in den neunziger Jahren der Eindruck, dass es nur noch eine Hypermacht gäbe, nämlich die USA, deren Universitäten die Pflichtpilgerstätten für alle ehrgeizigen und begabten Studenten der gesamten Welt wären, egal ob sie aus Russland, einem arabischen Land, Latein-Amerika, Asien oder Europa kämen 39 . Die US-Universitäten ließen sich die Gelegenheit nicht entgehen, Profit aus dieser Situation eines Quasi-Monopols zu ziehen. Ihre prestigeträchtigsten wurden sogar äußerst abhängig von den Einkünften aus den Studiengebühren ausländischer Studenten. Aber statt ihre Machtposition auszunutzen, um sich fortzuentwickeln und sich an eine rasch verändernde Welt anzupassen, beschränkten sie sich darauf, diese komfortable Lage dazu zu nutzen, die besten Wissenschaftler der Welt mit hohen Gehältern in die USA zu locken. Nur einige wenige Universitäten mit Pioniergeist versuchten unter vielen Schwierigkeiten neue Strukturen der Hochschulausbildung zu schaffen, indem sie z. B. den Versuch unternahmen, die Entwicklung der NAFTA auch in der Studentenausbildung zu begleiten. Aber diese Anstrengungen scheiterten am Desinteresse der Politik und der Meinungsführer an den US-Universitäten 40 ; da auch die NAFTA nicht vermochte, sich von einem reinen Freihandelsprojekt zu einem ehrgeizigeren, evtl. politischen Projekt fort zu entwickeln, fiel letztendlich auch der Grund für eine solche neue Studienausrichtung weg 41 .

39 Jedoch war dies bereits für die Menschen in Europa nicht mehr zutreffend. Nicht nur betraf es nur noch eine kleine Minderheit, sondern auch war es nur in bestimmten, eng begrenzten Bereichen relevant, wie der Wirtschaft, den Finanzmärkten und der Informationstechnologie.

40 Um sich eine Vorstellung über alle Projekte/Netzwerke der Universitäten, die versuchen, einen gesamt-amerikanische Dimension zu erreichen, zu bekommen, empfiehlt sich ein Blick in die Unterlagen über die Subventionen für solche Projekte, die von FIPSE (Fond für die Verbesserung der post-sekundären Bildung), einer Abteilung des US-Bildungsministeriums,die sich besonders in diesem Bereich engagiert hat, vergeben werden

41 Der OECD-Bericht über die Hochschulbildung 2005-2006 unterstreicht die Tatsache, dass die fehlende Freizügigkeit für Arbeitnehmer innerhalb der NAFTA Ursache für die geringe Mobilität der US-amerikanischen Studenten ist. Quelle: Education Policy Analysis, Focus on Higher Education », OECD, 2005-2006

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 3. Der Einfluss der US-Universitäten überschritt

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3. Der Einfluss der US-Universitäten überschritt seinen Zenith in den neunziger Jahren:

seit nunmehr fünf Jahren gehen die Zahlen der ausländischen Studenten in den USA zurück, während sie in den anderen Regionen der Welt zunehmen Während die US-Universitäten immer weniger amerikanisch und immer mehr die Universitäten der Welt werden, deren Lehrende und Studenten zahlenmäßig überwiegend aus dem Ausland kommen, verkommt gleichzeitig das gesamte US-Bildungssystem 42 . Dieser sehr folgenschwere Niedergang setzt nach unserer Auffassung zu Beginn der siebziger Jahre ein. Er beschleunigt sich dann unter dem Einfluss von vier gleichgerichteten Faktoren: Unterfinanzierung der Elementar- und Sekundärbildung, Bildungsstandardisierung auf dem niedrigsten Niveau durch die Einführung von Leistungskontrollen ausschließlich mittels Multiple Choice Examen 43 , das Fehlen staatlicher Zuständigkeiten für das Bildungssystem und die Unfähigkeit, die Leistungsfähigkeit des Bildungssystems in Vergleichen mit ausländischen Systemen zu überprüfen.

Und in diesem schon strukturell sehr ungünstigen Umfeld geschehen die Attentate des 11. September 2001, gefolgt vom Irakkrieg ab 2002. Dadurch wird das bisherige akademische Monopol der USA auf dem Markt der internationalen Studienabschlüsse erschüttert. Denn zum einen beschränken die USA in ihren Bemühungen der Bekämpfung des Terrorismus die Einreise auch für ausländische Studenten, so dass viele ihr Vorhaben einer amerikanischen Universitätsausbildung nicht verwirklichen können 44 . Zum anderen verändert der Irakkrieg bei vielen jungen Angehörigen der ausländischen Eliten die Perspektive auf die USA, die ihnen nicht mehr als erstrebenswertes Ziel und Modell zur Nacheiferung erscheinen. Diese beiden Faktoren verstärken sich gegenseitig und beeinträchtigen die Motivation ausländischer Hochschuldozenten, eine Karriere in den USA anzustreben. Gleichzeitig berauben die wachsenden Schwierigkeiten der US-Wirtschaft, der Wirbelsturm Katrina in New Orleans, der Wertverlust des Dollars und die budgetären Vorlieben der Bush-Regierung für die Militärausgaben 45 die US-Universitäten ihrer Reputation als wohldotierte Institutionen eines reichen Landes 46 .

Gleichzeitig gelingt es den bedeutenden inner-europäischen Netzwerken der Universitäten, die durch das Erasmus-Programm entstanden sind, diesen Prozess auch in andere Kontinente zu tragen, so dass viele Partnerschaften zwischen Universitäten in Europa und auf anderen Erdteilen gegründet werden können; europäische Universitäten werden so plötzlich zu ersten Adressen in der internationalen Hochschullandschaft. Auf der Unesco-Liste der begehrtesten Ziele ausländischer Studenten weltweit finden sich unter den zehn Spitzenpositionen fünf europäische Länder, nämlich Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Spanien und Belgien 47 . Asien hingegen wird allein schon aufgrund seiner wachsenden Bedeutung in der Welt in Zukunft Pflichtstation für viele Studenten sein.

42 Es gibt zu diesem Thema reichhaltige Literatur. Als ein Beispiel sei der sehr repräsentative Artikel vom 19. Januar 2007 in der Buffalo Business First aufgeführt, der sehr klar die Relation zwischen sozial-wirtschaftlichen Bedingungen und Bildungskrise in den USA herausarbeitet.

43 Das von G.W.Bush aufgelegte Programm "No Child Left Behind" hat den Anteil der Schüler an den Elementar - und Sekundärschulen, die während ihrer gesamten Schullaufbahn ihre Leistungskontrollen ausschließlich in Form von Multiple Choice Tests ablegen, noch einmal gesteigert, so dass heute fast die Gesamtheit der jungen Generation betroffen ist. Nicht nur führt das System dazu, dass alle Schulen das Niveau der Tests noch weiter absenken, um (als Schulen) gute Ergebnisse vorweisen zu können, sondern es führt dazu, dass der Unterricht nur noch darauf ausgerichtet ist, die Schüler in die Lage zu versetzen, Kästchen anzukreuzen, nicht aber Fragen und Antworten zu formulieren. Das hat in den letzten zwei Jahren Auswirkungen auf die gesamte Schulbildung gezeitigt, die schlichtweg als Katastrophe zu bezeichnen sind. Quelle New York Times, 22.03.2006

44 Es gibt zu diesem Thema viele Artikel und Studien. Als Beispiel sei hier der sehr bezeichnende Artikel vom März 2007 in Today Online, dem Medium für Professoren und Studenten der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA), angeführt.

45 Zum Schaden insbesondere von Forschung und Wissenschaft

46 Die immer häufigeren Amokschießereien an den US-Universitäten und - Colleges, über die von den Medien ausführlich berichtet wird, hat nicht gerade zur Verbesserung des allgemeinen Images beigetragen.

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 2006 besuchten mehr als doppelt soviele

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2006 besuchten mehr als doppelt soviele ausländische Studenten Universitäten in den Mitgliedstaaten der EU als in den USA (mehr als 1,2 Millionen verglichen mit 560.000 48 ); die US-Universitäten sind immer weniger in der Lage, ihren Anteil am "internationalen Bildungsmarkt" zu halten, der ständig abnimmt 49 .

zu halten, der ständig abnimmt 4 9 . Veränderungen in der Zahl der Studentenvisas für die

Veränderungen in der Zahl der Studentenvisas für die USA zwischen 1998 und 2006 nach Herkunftsländern (Abnahme: hellgrün bis dunkelgrün / Zunahme : hellblau bis dunkelblau) - Quellen Educationsector.org /US-Außenministerium

Damit nehmen die Studentenzahlen ausländischer Studenten in den USA regelmäßig und statistisch nachweisbar ab. Alle Kontinente sind davon betroffen, sogar Latein-Amerika, dessen Studenten gegenüber die US-Universitäten doch sogar den geografischen Vorteil der Nähe besitzen 50 . Aus Europa kommen schon lange keine großen Studentenkontingente mehr an die US-Hochschulen; auch China und Indien lenken ihre Studenten nunmehr verstärkt nach Europa 51 oder Australien, bzw. bauen nun ihre eigenen Universitäten auf.

Auch Asien ist dabei, ein wichtiger Zielkontinent für ausländische Studenten zu werden. Die Zahl der in China studierenden Ausländer ist 1990 bis 2005 um 213% gestiegen, die in Japan um 108%. In der gleichen Zeit stieg ihre Zahl in den USA um 17%, in Großbritannien um 29%, in Deutschland um 46%, in Frankreich um 81% 52 .

48 Quelle: Atlas of Student Mobility, Institute of International Education.

49 Quelle: MSNBC, 08.2006

50 Das Beispiel Süd-Amerikas ist ein sehr interessanter Analysegegenstand, denn aus dieser Region kommen immer mehr Einwanderer in die USA, wohingegen die Zahl der latein-amerikanischen Studenten, die in den USA studieren wollen, immer weiter abnimmt. Dies zeigt, dass die Zuwanderströme in die USA immer mehr aus schlecht gebildeten und ausgebildeten Menschen bestehen, eine Entwicklung,die die US-Regierungsstellen über alle Maße beunruhigen sollte.

52 Quelle: « The future of international students in the United States », American Council on Education, 10.2006

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Diese statistischen Entwicklungen haben

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

Diese statistischen Entwicklungen haben mittelsfristig eine fundamentale Bedeutung für einen Schlüsselbereich des beruflichen Werts eines Studienabschlusses, nämlich das Netzwerk der "Ehemaligen", denn sie zeigen, dass nunmehr weltweit die großen "Ehemaligen-Netzwerke", die morgen so wichtig sein werden, sich nicht mehr in den USA bilden, sondern auf anderen Kontinenten. Vor wenigen Jahrzehnten war dies noch genau umgekehrt. Schließlich ist noch festzuhalten, dass heute viel mehr amerikanische Studenten nach Europa zum Studieren kommen, als dies noch in der Zeit von 1950 bis 2000 üblich war 53 .

4. Die umfassende weltweite Krise ändert die Anforderung an die Ausbildung der internationalen Eliten von Morgen tiefgreifend Diese Tendenzen werden sich noch weiter verstärken, denn die Schwächen der US-Universitäten sind strukturell. Auch wenn sie sicherlich im Zusammenhang mit der schwindenden Attraktivität der USA im allgemeinen und der Verarmung des Landes zu sehen sind, so sind sie aber genauso das Ergebnis von Entwicklungen, deren Ursachen in dem Zusammenbruch der Nachkriegsweltordnung liegen, für die die US-Universitäten über sechs Jahrzehnte weltweit die Eliten ausbildeten. Für LEAP/E2020 ist eindeutig, dass die Struktur und das Wesen der neuen Weltordnung, die aus der umfassenden Krise heraus am Entstehen ist, Eliten braucht, die in der Lage sind, mit der Vielfalt der Kulturen, Zivilisationen und Menschen richtig umzugehen. Die Unternehmen, die staatlichen Stellen, die Nicht- Regierungsorganisationen sowie auch die Universitäten brauchen in Zukunft Führungskräfte, die Fähigkeiten besitzen, die man nur erlernen kann, wenn man sich der Konfrontation mit der Vielfalt stellt, d.h. also die Welt der Anderen praktisch erlebt hat. Dafür kommen nur Mitarbeiter in Frage, die in der Lage sind, aus der Vielfalt Netzwerke für Menschen und Wissen zu entwickeln und zu managen. Nur die, die solche Fähigkeiten besitzen, werden Karriere machen und können somit ihre Studienabschlüsse auch gewinnbringend einsetzen.

Der Kult des "politisch Korrekten", der die US-Universitätslandschaft überflutet hat, die Furcht selbst vor verbalen Konfrontationen, die sich daraus ergibt, die fiktive Vielfalt des amerikanischen Universitätscampus bei in Wirklichkeit zum Dogma erhobenem Konformismus, die hohe Spezialisierung bei geringer gehobener Allgemeinbildung, das Fehlen von Wissen über und damit Verständnis für die Welt außerhalb der USA (was aber zukünftig angesichts der Globalisierung für jede Aktivität, auch in den USA, ein Muss sein wird), die Obsession der kurzfristigen Rentabilität jeglicher Aktivität, das alles sind Elemente, die für einen Studenten, der sich auf eine Karriere in leitender Position für die nächsten Jahrzehnte vorbereiten will, in seiner Entwicklung abträglich sind, da sie ihn auf eine Welt vorbereiten, die es nicht gibt, und die in ihm Eigenschaften fördern, die gerade im Gegensatz zu den zukünftigen Anforderungen stehen 54 .

Die Fähigkeit, in Netzwerken mit Menschen verschiedenster Herkunft und Kultur arbeiten zu können, Erfahrung im Umgang mit anderen Kulturen, gute Kenntnisse von drei bis vier Sprachen, Fähigkeit zum interdisziplinären Arbeiten, Fähigkeit, Autoritäten zu hinterfragen, Fähigkeit Konflikte zu bewältigen, Fähigkeit allgemeine Entwicklungen vorherzusehen, dies sind nach Auffassung von LEAP/E2020 die entscheidenden Kompetenzen der zukünftigen Eliten. Natürlich hängt die Qualität der wissenschaftlichen Bildung auch von der technologischen Leistungsfähigkeit 55 und dem kulturellen Niveau ab, das in der Gesellschaft herrscht und gepflegt wird, deren Bildungsstätten die Universitäten sind 56 .

53 Quelle : « More US students go abroad for their MBAs », USAToday, 06.06.2007

54 Dies macht sich auch in der US-Forschung bemerkbar, denn trotz wesentlicher Budgetsteigerungen sind deren Beiträge zur weltweiten Innovation im Vergleich zu ihrer europäischen und asiatischen Konkurrenz rückläufig. Quelle : National Science Foundation, 19.07.2007 55 Und damit auch in den Ländern/Wirtschaftsräumen, die die entsprechenden technologischen und industriellen Grundstrukturen besitzen. Diese befinden sich zur Zeit und mindestens noch für die nächsten zwanzig Jahre in Europa und Asien. Die Deindustrialisierung der USA ist in der Tat nicht nur eine Floskel der amerikanischen Gewerkschaften.

56 Diese Präzisierung ist nach unserer Auffassung entscheidend, denn sie entspricht dem Gegenteil von dem, was allgemein behauptet wird, dass nämlich einige Universitäten aus einem Meer der Mittelmäßigkeit herausragen würden. Elitenausbildung kann nicht in einer geistigen Wüste gelingen. Entsprechend bröckeln die geistigen und kulturellen Grundlagen der großen US-

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 5. Eurasien (einschließlich Russland) wird in

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5. Eurasien (einschließlich Russland) wird in der Universität- und Wissenschaftswelt der

nächsten zwei Jahrzehnte den Ton angeben Nach unseren Prognosen werden die aktuellen Tendenzen zumindest für die nächsten zwanzig Jahre noch tragend sein. Damit werden Europa und Asien in den wissenschaftlichen, technologischen und kulturellen Entwicklungen die Richtung vorgeben. Insbs. Europa entpuppt sich seit zwanzig Jahren als führend in trans-nationalen Netzwerken und interkulturellen Beziehungen. Diese Tendenz zeigt sich auch nunmehr in einem Bereich, der bisher ausschließlich von den US-Universitäten beackert wurde, nämlich die berühmten MBA.

In diesen beiden Erdteilen werden also die neuen herausragenden Zentren des Wissenschafts- und Universitätsbetriebs entstehen; dort werden die Hochschulen liegen, deren Abschlüsse in den nächsten zwei Jahrzehnten die größte Aussicht auf eine erfolgreiche Karriere vermitteln. Jedoch wird die Qualität dieser neuen Universitäten sich - im radikalen Gegensatz zu den vergangenen Jahrzehnten - nicht mehr an dem individuellen Niveau einer Universität messen, sondern an der Gesamtqualität des universitären Netzwerkes, zu der sie gehört. Eigentlich ist dies nichts anderes als eine Rückkehr zu den Quellen der mittelalterlichen Universität. Die Frage, die sich Eltern oder Studenten bei der Wahl einer Universität stellen sollten, ist nicht mehr "Handelt es sich um eine hervorragende Universität?", sondern "Mit welchen anderen hervorragenden Universitäten arbeitet sie zusammen?", "Welches gemeinsames Curriculum mit Universitäten in anderen Ländern hat diese Universität anzubieten?". Die internationale Qualität der modernen Universitäten wird sich mit solchen Fragen messen lassen.

6. Vermeiden Sie Studienabschlüsse, deren Reputation so schnell sinken könnten wie der

Wert der mit Subprime-Hypotheken gesicherten Wertpapiere Nichtsdestoweniger verkauft die herrschende veröffentlichte Meinung die amerikanischen Universitäten immer noch als das Non plus ultra der Hochschulbildung. Auch wenn dies inzwischen einfach nicht mehr stimmt, so ist dieses Beharren auf den Wahrheiten von Gestern aus zwei ganz einfachen Gründen nachzuvollziehen:

. Zum einen wollen die, die in den letzten Jahren in amerikanische Studienabschlüsse investiert haben und die heute die veröffentlichte Meinung schreiben oder zumindest beeinflussen, unbedingt den Wert ihrer eigenen Bildungskarrieren erhalten. . Zum anderen sind viele der heutigen wichtigen Hochschuldozenten von ihrer eigenen Jugend geprägt, in der eine Karriere zwangsläufig einen Studienaufenthalt in den USA voraussetzte. Für sie bleiben die USA das Maß der Dinge, viele träumen auch noch davon, dort die große Karriere zu machen. Ihre Ratschläge sind damit nicht objektiv 57 , sondern von eigenen Interessen geleitet. Damit ergibt sich auch im Universitäts - und Wissenschaftsbereich eine Gemengelage von Interessen, die eigentlich scharf voneinander getrennt sein sollten, gerade genauso wie dies bei der Subprime-Krise der Fall war und zur Kollusion zwischen Banken und Rating-Agenturen führte: Beteiligte tragen mehrere Hüte, spielen einmal "unabhängige Experten", dann wieder bezahlte Berater, zuletzt Verkäufer von Dienstleistungen, die sie vorher bewertet oder mit entwickelt haben. Wenn Sie die Krise der Subprime-Hypotheken lustig fanden, werden Sie sich auch über die der Studienabschlüsse köstlich amüsieren

Universitäten seit Jahrzehnten. Die Universitäten von Berkeley, Harvard, Stanford sind heute nur noch blasse Abbilder von dem, was sie einmal vor 20 bis 30 Jahren waren. Und in 10 Jahren wird der Verfall aus den oben dargelegten Gründen noch weiter vorangeschritten sein. 57 In Europa ist dennoch offensichtlich, dass die Hochschuldozenten der Erasmus-Generationen, die damit in der Regel unter 40 Jahre alt sind, dieser Vision der Dingen nicht mehr anhängen, sondern einen US-Aufenthalt als eine von mehreren Etappen eines internationalen Bildungswegs sehen. Und die zwei Millionen Angehörigen der neuen europäischen Eliten, die sich im Laufe von zwanzig Jahren via trans-europäische Diplome gebildet haben, werden nunmehr beginnen, einen Vorteil ihrer Ausbildung voll auszuspielen, nämlich ihr Ehemaligen-Netzwerk.

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 7. Wenn Sie sich für eine

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7. Wenn Sie sich für eine Hochschulausbildung entscheiden, rechnen Sie in einem Zeitraum von zwanzig Jahren Damit bleibt uns nur abschließend festzuhalten: Wenn Sie als Eltern oder als Studenten sich mit dem Gedanken tragen, viel Geld in ein Studium zu stecken, das Ihnen einen international anerkannten Abschluss ermöglichen soll, sollten Sie berücksichtigen, dass ein Studium in Europa wesentlich billiger zu haben ist, wobei die Rentabilität höher sein wird als bei einem US-Abschluss. In Asien entsehen hervorragende Universitäten, auch wenn sie noch schlecht untereinander vernetzt sind und sie damit an dem wichtigen Aspekt der Bildung universitärer Netzwerke noch arbeiten müssen. Aber dieser Aspekt wird kompensiert durch die wachsende wirtschaftliche und politische Bedeutung dieser Region. Ein teures Studium in den USA könnte sich sehr wahrscheinlich als weniger profitträchtig herausstellen als bei der Investition geplant; US-Studienabschlüsse dürften in der Welt von Morgen deutlich weniger geschätzt sein als dies heute noch der Fall ist. Und nach der Auffassung von LEAP/E2020 dürften die US-Universitäten kaum in der Lage sein, sich dieser Entwicklung durch Reformen entgegen zu stemmen. Denn ihre finanziellen,wirtschaftlichen, personellen (Dozenten und Studenten) und politischen Rahmenbedingungen werden sich weiterhin verschlechtern 58 . Die Pioniere trans- amerikanischer Netzwerke sind noch zu wenige und zu wenig einflussreich, um hier zu einem Umschwung beizutragen. Aber sie bieten zumindest nach unserer Auffassung das vielversprechendste Universitätsangebot, das man auf dem amerikanischen Staatsgebiet finden kann. Natürlich bleibt ein US-Studienabschluss eine gute Investition für all die, die eine US-Karriere einschlagen wollen; wobei auch hier sehr wohl möglich ist, das in zehn Jahren europäische oder asiatische Studienabschluss höher eingestuft sein werden als die von US-Universitäten.

höher eingestuft sein werden als die von US-Universitäten. Inner-europäische Mobilität der Hochschuldozenten 1987/88

Inner-europäische Mobilität der Hochschuldozenten 1987/88 bis 2004/05 - Quelle Europäische Kommission

58 Die Auffrischung der Universitätslehrkörper mit Amtsinhabern, die die neuen Bildungsherausforderungen aufgreifen können, ist eine schwer zu meisternde Aufgabe für die Hochschulen, nachdem über Jahre der Beruf schlecht gemacht wurde und gerade von den großen Universitäten häufig Professoren aus dem Ausland importiert wurden. Die EU hingegen hat die bewusste Entscheidung getroffen, die Fähigkeit zum Verstehen fremder Kulturen durch eine Stimulierung der transeuropäischen Mobilität auch der europäischen Hochschuldozenten zu fördern.

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Die Globalisierung und die umfassende weltweite
« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » Die Globalisierung und die umfassende weltweite

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

Die Globalisierung und die umfassende weltweite Krise haben die Entscheidung über eine international anerkannte Universitätsausbildung weitaus komplexer gemacht. Die aktuellen Umbrüche lassen auch in diesem Bereich die in fünfzig Jahren gebildeten Überzeugungen und internationalen Ranglisten nicht unversehrt. Auch im Universitätsbereich sind die US-Institutionen die Hauptleidtragenden des Endes einer Weltordnung, die sie entscheidend mitgestalteten und prägten. Eine Universitätsausbildung ist eine Investition für mindestens zwanzig Jahre. Wir hoffen, dass unsere Prognosen unseren Lesern die Entscheidung erleichtern.

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » 4- Der GlobalEurometre 5 9 GlobalEurometer

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4- Der GlobalEurometre 59

GlobalEurometer vom Oktober 2007 - Ergebnisse

GlobalEurometre 10-2007

 

Ja

Nein

Weiß

 

nicht

1.

Gehen Sie davon aus, dass die EU in der Lage sein wird, noch vor

     

den nächsten Wahlen zum Europaparlament (Juni 2009) Reformen ihrer Institutionen zu erarbeiten und zu verabschieden?

22%

67%

11%

2.

Vertreten

Sie

die

Auffassung,

dass

eine

gewisse

Art

von

89%

10%

1%

Wirtschaftsregierung für die Eurozone errichtet werden sollte?

 

3.

Gehen Sie davon aus, dass ein Euroland-Gipfel noch vor Ende 2007

33%

55%

12%

organisiert werden wird?

 

4.

Haben Sie den Eindruck, dass die Europapolitik Ihrer nationalen

     

Regierung die Erwartungen Ihrer Landsleute an die europäische Integration wiederspiegelt?

1%

98%

1%

5.

Spiegelt

die

Europapolitik

der

Regierung

Ihres

Landes

Ihre

2%

97%

1%

Erwartungen an die europäische Integration wieder?

 

6.

Glauben

Sie, dass die "Gouvernance" der Eurozone in den

63%

21%

16%

nächsten sechs Monaten in Schwierigkeiten kommen wird?

 

7.

Gehen Sie davon aus, dass der Dollar weiterhin im Verhältnis zu

100%

0%

0%

den anderen großen Währungen an Wert verlieren wird?

 

8.

Gehen Sie davon aus, dass die Europapolitiker den Absturz des

5%

85%

10%

Dollars verhindern können?

 

9.

Glauben Sie, dass die US-Regierung den Absturz des Dollars

6%

81%

13%

verhindern wird?

 

10. Gehen Sie davon aus, dass 2008 die arabischen Erdöl exportierenden Staaten immer noch ihr Öl gegen US-Dollar verkaufen werden?

22%

58%

20%

11.

Rechnen Sie damit, dass die aktuelle weltweite Krise an den

     

Finanzmärkten sich negativ auf die Wirtschaft Ihres Landes auswirken wird?

82%

2%

16%

12. Glauben Sie, dass die europäischen und asiatischen Wirtschaftsräume sich gegenseitig ihr Wachstum sichern können, auch wenn die US in der Rezession stecken?

50%

34%

16%

13.

Glauben Sie, dass G.W.Bush 2008 aus dem Amt scheiden wird,

17%

34%

49%

ohne die iranischen Atomanlagen bombardiert zu haben?

 

14. Könnte Israel einen US-Iran-Konflikt überleben?

 

37%

44%

19%

15. Hat sich ihre Bild von Frankreich seit Nicolas Sarkozys Wahl

1%

91%

8%

verbessert?

 

59

Jeden Monat befragt GEAB 200 Persönlichkeiten, deren Meinung die öffentliche Meinung in Europa beeinflußt

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« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen » GlobalEurometre vom Oktober 2007 – Auswertung

« Antizipation: mit Weitsicht die richtigen Entscheidungen treffen »

GlobalEurometre vom Oktober 2007 – Auswertung

EU-Governance: Das Vertrauen in die Fähigkeit des Tandems Merkel-Sarkozy, die institutionellen Reformen voran zu treiben, bleibt weiterhin sehr schwach ausgeprägt / Hoffnungen in die Organisation eines Euroland-Gipfels vor Ende 2007 sinkt / Starker Schwund im Vertrauen der öffentlichen Meinung in die Fähigkeit der Europapolitiker, eine Europapolitik zu betreiben, die die Erwartungen der Bürger aufgreift / Bestätigung der weit überwiegenden Auffassung, dass die Wirtschaftspolitik der Eurozone bis Ende 2007 vor großen Problemen stehen wird / Bestätigung der weit überwiegenden Auffassung, dass die globale Finanzkrise jeden Mitgliedstaat der EU in Mitleidenschaft ziehen wird / Sehr geringes Vertrauen in die Fähigkeit der Europapolitiker, den Dollarverfall einzudämmen / Umfassende Verschlechterung des Images Frankreichs seit der Wahl Nicolas Sarkozy zum Präsidenten Das Vertrauen in das Tandem Merkel-Sarkozy sowie in die Erfolgsaussichten der erneuten Dynamisierung der EU bleibt sehr gering. Denn nur 22% der Befragten glauben, dass die institutionellen Reformen bis Juni 2009 verabschiedet werden könnten (und 67% gehen vom Gegenteil aus). Gleichzeitig sinken die Hoffnungen auf die Organisation eines Euroland-Gipfels noch vor Ende 2007 (33% glauben, dass er stattfinden wird, 55% gehen vom Gegenteil aus), während aber die Erwartungen an eine Wirtschaftspolitik für die Eurozone weiterhin sehr hochgeschraubt sind (89%). Diese Erwartung wird ganz offensichtlich auch sehr stark aus der Überzeugung gespeist, dass die globale Finanzkrise bedeutende Auswirkungen auf die Wirtschaft der Eurozone haben werde (82%).Dieses immer weitere Auseinanderdriften zwischen den Erwartungen der Befragten und den politischen Maßnahmen der Europapolitiker erklärt sicherlich die beinahe Einstimmigkeit (98%) unter den Befragten bei der Auffassung, dass die Europapolitiker nicht die Erwartungen der Bevölkerung in europäische Integration erfüllen. Im übrigen stuft so gut wie niemand ihre derzeitigen Bemühungen, die amerikanische Regierung dazu anzuhalten, Maßnahmen für einen schwächeren Eurokurs zu ergreifen, als erfolgversprechend ein, denn 85% der Befragten gehen davon aus, dass ihnen dies nicht gelingen wird. Schließlich konnten wir auch feststellen, und dies im diametralem Gegensatz zu der herrschenden Meinung in den französischen Medien, dass das Image Frankreichs seit der Wahl Nicolas Sarkozys bei den anderen Europäern sehr stark gelitten hat. Denn 91% der Befragten gehen davon aus. Und ohne die Befragten aus Frankreich wäre das Ergebnis sicherlich noch höher ausgefallen.

Beziehungen zwischen der EU und den anderen Regionen der Welt: Einstimmigkeit über den weiteren Wertverfall des Dollars / Allgemeine Überzeugung, dass die amerikanische Regierung keine Maßnahmen ergreifen werde, mit der dies vermieden werden sollte / Überwiegende Auffassung, dass die arabischen ölproduzierenden Nationen im Laufe 2008 davon abgehen werden, ihr Öl gegen Dollar zu verkaufen / Mehrheit geht davon aus, dass EU und Asien sich wirtschaftlich gegenseitig stützen werden / Schwache Mehrheit geht davon aus, dass G.W.Bush Iran nicht aus dem Amt scheiden wird, ohne den Iran bombardiert zu haben, bzw. dass Israel eine solche Maßnahme nicht überleben werde Nunmehr gehen 100% der Befragten (ein sehr überraschender Wert) davon aus, dass der Dollar weiter an Wert verlieren wird; bei diesem Ergebnis ist davon auszugehen, dass sich hier keine neue Tendenz mehr ergeben kann. Niemand hat auch nur den Hauch eines Zweifels am weiteren Wertverlust geäußert, geschweige denn verlauten lassen, dass die US-Währung bald wieder an Wert zulegen könne. Für LEAP/E2020 ist dies ein klares Zeichen dafür, dass nunmehr sich die Stimmung an den Märkten geändert hat und die Folgen daraus für den Dollar sehr schmerzhaft sein werden. Im übrigen gehen 81% der Befragten auch davon aus, dass die US- Regierung keine Maßnahmen ergreifen werde, um den Absturz des Dollars zu verhindern. Gleichzeitig geht eine große Mehrheit (58% gegenüber 22%) davon aus, dass die arabischen ölproduzierenden Staaten ab 2008 davon abgehen werden, ihr Öl gegen Dollar zu verkaufen. Vor dem Hintergrund einer allgemeinen Überzeugung von einer US-Rezession (vgl. GlobalEurometer Nr. 17) gehen 50% der Befragten davon aus, dass die EU und Asien gemeinsam die heraufziehende Krise meistern können (nur 34% gehen vom Gegenteil aus). Im Bereich der Geopolitik geht eine schwache Mehrheit (34%) davon aus, dass Bush nicht aus dem Amt scheiden werde, ohne die iranischen Atomanlagen bombardiert zu haben (49% haben keine Meinung geäußert, und 17% gehen vom Gegenteil aus). Wenn diese Annahme Wirklichkeit werden sollte, so gehen 44% davon aus, dass Israel einen solchen US-iranischen Konflikt nicht überleben werde (nur 37% gehen vom Gegenteil aus).

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