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Freitag, 9. Mai 2014 | Nordwestschweiz

Basel-Stadt

«Mitleid ist nur Zeitverschwendung»

Claude Cueni In seinem Buch «Script Avenue» beschreibt er sein Leben als surreale Geschichte

VON MATTHIAS ZEHNDER

Wer Claude Cueni besucht, muss als Erstes seine Hände desinfizieren:

Cueni lebt nach einer Knochenmark- transplantation mit starken Immun- suppressiva. «Ich nehme jeden Tag 14 Pillen», meint er lakonisch. Ein Jahr, nachdem seine erste Frau an Krebs gestorben war, erkrankte Cueni an Leukämie. Im Januar 2010 wurde ihm eine Knochenmarkstransplanta- tion verabreicht. «Danach hatte ich die normalen Abstossungsreaktio- nen. Eigentlich sollten die verschwin- den, bei mir wurde es aber chro- nisch.» Er hat die Leukämie bisher zwar überlebt, steht aber unter star- ken Medikamenten.

Claude Cueni, wie lange leben Sie noch? Claude Cueni: Ich bin unsterblich, wie alle Leute (lacht). Ich mache mir keine Gedanken über die Zukunft. Ich konzentriere mich auf die Gegen- wart, den heutigen Tag und auf das nächste Buchprojekt. Ich habe mich auseinandergesetzt mit meiner Krankheit, ich habe sie akzeptiert – und dann habe ich es abgehakt. Eine Hilfe ist sicher meine zweite Frau, sie ist aus den Philippinen. Da ist es in der Kultur, dass man schlicht am nackten Leben Freude hat und nicht nach hinten oder nach vorne schaut und herumgrübelt. Das hat im Priva- ten viele Vorteile, für die Volkswirt- schaft ist es natürlich eine Katastro- phe, wenn man zu wenig plant.

Sie planen offenbar noch. Was ist das für ein Buchprojekt? Es sind zwei historische Romane, die abgeschlossen sind, die aber noch Feintuning benötigen. Der erste Ro- man spielt im Jahr 1520, also zum Beginn der Globalisierung, der zwei- te Roman spielt um 1850, das ist die faszinierende Epoche der Beschleuni- gung.

Einem breiteren Publikum ist Cueni vor allem durch seine Drehbücher für Fernsehserien wie «Peter Strohm», «Alarm für Cobra 11», «Eu- rocops» oder «Tatort» bekannt. Cueni hat aber auch eine ganze Reihe histo- rischer Romane veröffentlicht. Zum Beispiel «Das Gold der Kelten» über einen spastischen Druidenlehrling, der sich dem Zug der Helvetier an- schliesst und Schreiber in Cäsars Diensten wird. «Der Henker von Pa- ris» handelt von einem Henker, der in die Wirren der Französischen Re- volution gezogen wird. In «Das Gros- se Spiel» schildert er, wie John Law das Papiergeld erfunden hat.

Was interessiert Sie an histori- schen Stoffen? Das Schöne an den historischen Ro-

schen Stoffen? Das Schöne an den historischen Ro- «Ich lebe mit meinen Figuren»: Der Basler Schriftsteller

«Ich lebe mit meinen Figuren»: Der Basler Schriftsteller Claude Cueni in seiner Wohnung mit John Law.

manen ist, dass man keinen Stress hat: Es gibt kein Verfalldatum. Des- halb hetze ich da auch nicht mehr. Bei «Script Avenue» war das anders. Mir war wichtig, dass ich das Buch beenden konnte.

Ihre Helden sind Henker, Spieler oder Spastiker. Das sind keine strahlenden Helden. Ich habe eine grosse Sympathie für Menschen, die einer schwierigen Si- tuation stecken und diese schwierige Situation überwinden. In dem Sinne sind alle meine historischen Romane Mutmacher.

Sie sind zumindest über Ihre Dreh- bücher wohl Basels meistrezipier- ter Schriftsteller, in Basel aber kaum bekannt. Das hat sicher damit zu tun, dass ich in meinem Leben kaum am Kulturbe- trieb habe teilnehmen können. Ich habe mir kein Netzwerk aufgebaut, ich habe nicht am Abend in die ein- schlägigen Lokale gehen können, ich hatte immer viel Verantwortung für die Familie.

Sie haben einen Sohn, der Spasti- ker ist? Ja, mein Sohn litt unter einer Cere-

bralparese. Deshalb haben wir mit ihm jeden Tag vier bis fünf Stunden trainiert. Wenn man daneben noch schreibt, hat man keine Zeit für Kul- turapéros.

In Ihrer Wohnung haben Sie Figu- ren aus Ihren Büchern als lebens- grosse Figuren stehen. Ich kaufe immer gewisse Accessoires meiner Romanhelden. Ich mache ei- ne intensive Recherche, ich beschaffe mir Rezepte, höre Musik, lese Tage- bücher aus der Zeit und ich lebe ger- ne mit meinen Romanfiguren. Ich bin nicht ein Autor, der schreibt, und dann ist es beendet. Ich denke heute noch an John Law und spinne die Ge- schichte weiter.

In Ihrem neuen Buch «Script Ave- nue» beschreiben Sie, wie Sie schon als Bub die Geschichten von Robin- son oder Winnetou weitergespon- nen haben. Sind Sie ein Fantast? Ich habe ein grosses, fantastisches Universum, ich bin aber privat sehr vernünftig und pragmatisch. Ein Fan- tast ist für mich jemand, der keine Struktur hat und nicht mit Geld um- gehen kann. Das trifft auf mich nicht zu. Ich lebe einfach mit meinen Ge- schichten.

War das für Sie als Kind überle- benswichtig? Nein, es war einfach so. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Ich war oft al- leine, hatte keinen Fernseher und auch sonst wenig, das mich ablenken konnte. Deshalb hat mein Kinder- zimmer im Kopf stattgefunden.

Die Script-Avenue ist Ihre fantasti- sche Parallelwelt, aus der Sie jahre- lang geschöpft haben. Jetzt öffnen Sie Ihre Welt dem Leser. Warum? Wenn man plötzlich schwer krank wird, dann wird man sehr bescheiden und nimmt keine Rücksicht mehr auf die eigene Reputation. Aufgrund der Feedbacks der Buchhandlungen weiss ich, dass das Intime im Buch faszi- niert – aber zugleich schockiert.

Was bleibt noch zu schreiben? Das ist grenzenlos. Einfälle habe ich genug. Aber ich habe alle paar Stun- den Krämpfe und Nervenschmerzen. Aber das ist Einstellungssache. Mein Ziel ist es, ein Buch zu schreiben. Mitleid ist bloss Zeitverschwendung.

Buchtaufe «Script Avenue» mit Claude Cueni und Frank Baumann: heute Abend, 19.30 Uhr, im Kulturhaus Bider & Tanner.

Bürgerliche lassen die Muskeln spielen

Riehen Im Gemeindeparlament schoben sich die bürgerlichen Parteien gegenseitig Kommissi- ons-Präsidien zu. Die SP ging leer aus – und ist verärgert.

VON TOBIAS GFELLER

Insgesamt musste der neu zusam- mengesetzte Einwohnerrat an seiner ersten Sitzung zwölf Kommissionen und Spezialkommissionen und das Ratsbüro besetzen und vor allem de- ren Präsidien wählen. Die Bürgerli- chen liessen dabei die Muskeln spie- len, indem sie sich die Präsidien der wichtigsten Sachkommissionen ge- genseitig zuschoben. Die SVP als stärkste Fraktion präsidiert mit der Sachkommission Mobilität und Ver- sorgung (SMV) und der Sachkommis- sion Siedlung und Landschaft (SSL)

neu zwei Schlüsselkommissionen. Die LDP erhielt die wichtige Sach- kommission Bildung und Familie (SBF). Dieser Entscheid sorgte bei der SP für Entsetzen. Denn ihre Franzis- ka Roth hätte das Präsidium der SBF gerne behalten, wurde aber von den Bürgerlichen abgesetzt. «Frau Roth hatte zu wenig Distanz zur Verwal- tung, sie war ihr teilweise sogar hö- rig», begründete SVP-Fraktionspräsi- dent Karl Schweizer. Aus Verärgerung verzichtete die SP auf jegliche Präsidien und Vize- präsidien in den Kommissionen. «So, wie es gelaufen ist, ist es nicht der politisch gute Ton», fand der neue SP-Fraktionspräsident Heinz Oehen. Die SP wollte nicht irgendeine Kom- mission übernehmen, sondern wei- terhin in einer Schlüsselkommission das Sagen haben. Trotzdem werde die SP gemäss Oehen in den Kommis-

sionen mitarbeiten. Die neu zusam- mengesetzte EVP/Grüne-Fraktion präsidiert die Sachkommission Ge- sundheit und Soziales (SGS). Nachdem die Bürgerlichen im Ge- meinderat bereits Stärke markierten, indem sie Daniel Albietz (CVP) zum Vizepräsidenten wählten, waren die Kommissionswahlen ihr zweites Si- gnal der Macht in der neuen Legisla- tur. «So sind halt die Mehrheitsver- hältnisse», betonte Karl Schweizer. Man habe Mitte-Links halt nicht die Kommissionen gegeben, die sie woll- ten. Die SP spricht nun von einem «regelrechten Machtspiel».

Sollberger höchster Riehener

Nach 14 Jahren Parlamentsmit- gliedschaft erntete am Mittwoch- abend Jürg Sollberger (EVP) die Früch- te seiner langen politischen Tätigkeit, in dem er für die nächsten zwei Jahre

zum Präsidenten des Einwohnerrats gewählt wurde. Der 64-Jährige ist Gärtner und diplomierter Meister- landwirt ist somit Nachfolger von Heinrich Ueberwasser (SVP). Sollber- ger erhielt 30 der 38 abgegeben Stim- men. Wahrscheinlich legte ein Gross- teil der SVP-Fraktion leer ein. Bestäti- gen wollte dies Karl Schweizer jedoch nicht. Er sprach von einer «Willensbe- kundung gegen die Partei EVP selber», die nur noch mit der SP stimme. Der neue Vizepräsident des Ein- wohnerrats heisst Christian Griss. Der Präsident der CVP/GLP-Fraktion sitzt seit sechs Jahren für die CVP im Parla- ment und präsidiert deren Sektion Riehen/Bettingen. Der 54-jährige Gymnasiallehrer und stellvertreten- der Leiter Volksschulen beim Kanton Basel-Stadt wird somit als neuer Statt- halter in zwei Jahren selber das Ein- wohnerratspräsidium übernehmen.

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Nachrichten

Novartis Mitarbeitende streichen Rhybadhüsli

Nachrichten Novartis Mitarbeitende streichen Rhybadhüsli Über 3400 Mitarbeitende von Novartis engagierten sich am

Über 3400 Mitarbeitende von Novartis engagierten sich am gestrigen «Tag der Partner- schaft» bei gemeinnützigen Pro- jekten in der Region Basel. Un- ter anderem pflegte ein Team die Biotope im Naturschutzge- biet Eisweiher in Riehen – ein anderes bereitete das Rheinbad Breite in Basel auf die kommen- de Badesaison vor. (BZ)

Chor Theater Basel lädt zur Schnupperprobe

Für die Freilichtproduktion «ume mais ume» unter der Regie von Ruedi Häusermann sucht das Theater Basel Chorsängerinnen und Chorsänger. Die Schnupper- probe findet am Samstag, 17. Mai, von 14 bis 16 Uhr statt. Geprobt wird dann ab 14. Juni. Die Vorstellungen finden vom 27. August bis 7. September statt. Interessierte können sich per E-Mail für die Schnupperprobe anmelden (chorcasting@ theater-basel.ch). (BZ)

Raubüberfall Polizei war per Zufall vor Ort

Am Mittwochnachmittag ver- suchten drei Personen, einer Passantin die Uhr zu entreissen. Ein Mitglied des Trios hatte die 57-jährige Frau zuvor nach der Uhrzeit gefragt. Als das Opfer Auskunft geben wollte, wurde es von der Täterin gepackt. Die- se versuchte, ihr die Uhr vom Handgelenk zu reissen. Eine Pa- trouille der Polizei sah den Überfall. Als die Polizisten der Frau zur Hilfe eilten, flüchtete die Täterin mit ihren zwei Kom- plizen in einem Fahrzeug in Richtung Frankreich. An der Grenze gab die Polizei die Ver- folgung auf. (BZ)

Festnahme Täter dank DNA-Spur gefasst

Am Dienstag verhaftete eine Pa- trouille der Grenzwache einen gesuchten Sexualverbrecher. Der Mann hatte im April eine junge Frau in ihrem Apparte- ment niedergeschlagen, verge- waltigt und ausgeraubt. Der Tä- ter konnte durch die DNA iden- tifiziert werden. Bei dem Mann handelt es sich um einen 24- jährigen Franzosen. (BZ)

INSERAT

konnte durch die DNA iden- tifiziert werden. Bei dem Mann handelt es sich um einen 24-
konnte durch die DNA iden- tifiziert werden. Bei dem Mann handelt es sich um einen 24-