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Gitarrenkurs Thomas Rühle

Kursteil Inhaltsangabe

1: Saitennamen, Stimmen klassische Form, Stimmen mit Flagolettönen


2: Gitarrenhaltung, Griffe und  , einfacher Abschlag
3: Griffe  und  , Wechselschlag
4: Griffe  und  , Arpeggio, Rhythmenzählung, Noten- und Pausenzeichen
5: Griffe und
, Rhythmenübungen im 4/4- und 3/4-Takt
6: Griffe  und  , Beat I, II und III, Carioca-Form des Beat, zweitaktige Variante
7: Griffe und  , Akkordlehre, Quintenzirkel, Transponieren, Dur-Tonleiter
8: Griffe - Wiederholung und eigenes Riff, Rhythmus Swing
9: Griffe  und  , Zupfmuster
10: Töne auf der Gitarre, Tontheorie, weitere Zupfvarianten, auch im 3/4-Takt, Übung zu
Baßsaiten in Zupffiguren, Baßsaitentabelle
11: Griffe   und
, Carioca-Zupfmuster
12: Picking-Vorbereitung, allgemeine Übungsvorschläge, Grifftabelle
13: Notenspiel, Übungen vorwiegend für die rechte Hand, erstes Lied für Notenspiel
14: weiteres Carioca-Zupfmuster, geeignete Lieder
15: Finger-Picking, geeignete Lieder
16: Notenspiel, Blues in Tabulaturschreibweise
17: Plazierung der Noten auf der Gitarre, Bedeutung der Vorzeichen, Tonleitern spielen
18: 3 Arten von Moll-Tonleitern
19: Rhythmensammlung
20: Gitarrenarten, Tips zum Gitarrenkauf, Zubehör
21: Notenspiel, Duett
22: Notenspiel, Lied, Übungen für die linke Hand
23: Notenspiel, Vorbereitung der Baßbegleitung
24: Notenspiel, einfaches zweistimmiges Spiel
25: kleine Akkordlehre, Tabelle ausgewählter Sonderakkorde

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Kursteil zugeordnete Lieder

1: keine
2: Er hält die Welt in seiner Hand
3: Lady In Black
4: Ehre sei Gott; Herr bleibe bei uns
5: Nehmt Abschied, Brüder; The House Of The Rising Sun
6: Einmal wurd’ es am Himmel hell
7: Bolle reiste jüngst zu Pfingsten
8: Hewenu Schalom Elechem; Katjuscha; Oh Freedom
9: Sind so kleine Hände; Magnificat
10: Meine Seele ist stille zu Gott
11: Let It Be
12: Imagine
13: Morning Has Broken; Versöhnungslied; Lebenszeit
14: Von Bäumen lernen; Zogen einst fünf wilde Schwäne
15: The Hammer Song; Love Me Tender; Apfeltraum
16: Über sieben Brücken; Yesterday; Country Roads; Freunde, daß der Mandelzweig
17: Blowing In The Wind
18: Alles muß klein beginnen; Wir haben Gottes Spuren festgestellt; Were You There
When They Crucified My Lord?
19: Gott ist immer noch Gott; La Bamba; It’s Me, It’s Me, It’s Me, Oh Lord; Die
Gedanken sind frei
20: Somebody’s Knocking; Amazing Grace
21: Heute hier, morgen dort
22: Greensleeves; Kein schöner Land
23: Bunt sind schon die Wälder; The Sound of Silence; Wind of Change
24: Hawa Nagila
25: Capri-Fischer; Dream

Weihnachtslieder (leichter): Am Weihnachtsbaume die Lichter brennen; Süßer die Glocken


nie klingen; Alle Jahre wieder; Leise rieselt der Schnee; Kommet, ihr Hirten
Weihnachtslieder (schwerer): O Tannenbaum; Happy Xmas; Oh du fröhliche; Es ist ein Ros’
entsprungen; Stille Nacht; Sind die Lichter angezündet; Tochter Zion, freue dich

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Willkommen beim Gitarrenkurs
Befassen wir uns zunächst mit dem Wichtigsten, unserer Gitarre. Die Gitarre gehört zu den
Saiteninstrumenten. Sie wurde im Mittelalter aus arabischen Vorläufern, der Laute und der
Fidel entwickelt. Besonders im 16. Jh. wurden viele Stücke für Gitarre geschrieben. Heute
wird sie vorwiegend zur Begleitung eingesetzt. Auch wir wollen uns hauptsächlich mit dem
Spiel der Rhythmusgitarre beschäftigen.
Neben der klassischen 6-Saiten-Form (mit Nylonsaiten (→Konzertgitarre) oder Stahlsaiten
(→Westerngitarre)) gibt es auch 12saitige Instrumente und die E-Gitarre, deren Ton nur über
Verstärker deutlich hörbar ist. Weiterhin gibt es besondere Baßgitarren (sie klingen sehr tief)
mit meist 4 Saiten.

Das Allerwichtigste: ein gestimmtes Instrument.

Wir stimmen auf den Kammerton a (440Hz). Als Stimmnormal dient dabei eine Stimmgabel,
ein Klavier oder auch ein Stimmgerät. Stimmgeräte sind zwar bequem, jedoch wird dabei das
Gehör nicht geschult.
Wenn man allein spielt, ist ein „in sich“ gestimmtes Instrument ausreichend.

Die Saiten haben folgende Töne (von tief nach hoch klingend): e a d g h e. Das muß sich jeder
merken! Es ist ganz leicht:

Eine alte dumme Gans hat Eier.

Stimmen klassische Form:

1. hohe e-Saite nach Stimmgabel stimmen


2. ... 6. jeweils tiefer liegende Saite stimmen.
Die dicken Punkte zeigen, wo eine Saite gegriffen, das heißt, niedergedrückt werden muß. Der
Ton wird dabei höher, als wenn die Saite allein schwingen würde. Die beiden zu
vergleichenden Saiten (beachtet den Bogen neben den Saitennamen) müssen gleich klingen,
also die selbe Tonhöhe haben, wenn alles richtig ist.

Bei den kleinen Punkten in den Skizzen (Bund 3 und Bund 5) befinden sich auch Punkte auf
dem Hals oder dem Griffbrett der Gitarre. Diese erleichtern die Orientierung.

Die Koordinierung von Greifen, Anschlagen der Saite, Hören und Verstellen der Stimmwirbel
erfordert Übung. Stimmen muß man auch üben!

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e e
h h
g g
d d
a a
E E

1: 2:

e e
h h
g g
d d
a a
E E

3: 4:

e e
h h
g g
d d
a a
E E

5: 6:

Stimmen mit Flagolett-Tönen:

Bei dieser Art des Stimmens klingt der Ton länger nach. Er ist obertönig (also höher).
Dadurch ist das Stimmen leichter. Aber Flagolettöne lassen sich nur mit Übung erzeugen.

e e
h h
g g
d d
a a
E E

1: 2:

e e
h h
g g
d d
a a
E E

3: 4:

e e
h h
g g
d d
a a
E E

5: 6:

Wichtig: Die Finger der linken Hand dämpfen die Saite nur ganz leicht. Der Oberton muß
schwingen können. Das erfordert sehr viel Übung. Zunächst empfehle ich, nach Variante 1 zu
stimmen. Später werdet Ihr Euch umstellen. Ich stimme fast nur mit Flagoletton.

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Wie halten wir unsere Gitarre?

Diese Frage klingt simpel. Aber viele Gitarristen haben Schwierigkeiten beim schnellen
ausdauernden Spiel, weil ihre Haltung nicht stimmt. („Könner“ machen das mitunter durch
Kraft wett.)

Zunächst gehen wir davon aus, daß wir sitzend spielen. Bei Stehen gilt das Gesagte analog,
man muß nur ein genügend langes (oder kurzes) Gitarrenband haben, welches man um den
Hals trägt und an dem die Gitarre befestigt ist.

Wir sitzen also aufrecht und haben unter unserem linken Fuß einen kleinen Hocker. Zur Not
stellen wir unseren Fuß am Stuhlbein aufrecht. Dadurch kommt unser linker Oberschenkel
etwa 7cm höher. Hier ruht die Einbuchtung des Gitarrenkörpers. Der Gitarrenkörper stützt
sich am etwas seitwärts abgestellten rechten Oberschenkel ab. Unser Oberkörper neigt sich
sanft nach vorn, so daß er den Gitarrenkörper leicht berührt. Unser rechter Arm ist gebeugt
und ruht mit dem Unterarm ebenfalls auf dem Gitarrenkörper. Die Hand hängt lose etwa vor
dem Schalloch. Die Mechanik zeigt nach links, so daß die tiefste Saite oben liegt. Die
Mechanik halten wir etwa in Schulterhöhe (nicht zu hoch, aber auch nicht zu flach; der Hals
muß aufwärts zeigen). Die linke Hand wird zum Halten der Gitarre nicht benötigt. Sie muß
beweglich bleiben und ist für die Griffe zuständig.

Anfangs wird diese Haltung etwas unbequem erscheinen, aber mit wachsendem
Spielfortschritt werdet ihr die Vorteile schätzen lernen.

Hier seht ihr unsere ersten Griffe:




e
h
1
g
3
d
2
a
E

e
3 (3)
h
2 (1)
g
1 (2)
d
a
E

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Ein „Griff“ ist ein Akkord. Der Griff wird immer mit dem Akkordnamen bezeichnet (oben
also E und A). Große Buchstaben bedeuten Dur-Akkorde, kleine (oft von einem „m“ gefolgt)
Moll-Akkorde, z.B.  für e-Moll-Akkord, den wir später lernen.
Die Griffe sind an der zu spielenden Position über dem Notentext aufgeschrieben. Seht euch
dazu das Beispiellied „Er hält die Welt in seiner Hand“ an.
Die Griffe werden von der linken Hand an den bezeichneten Stellen auf dem Griffbrett
„gegriffen“, d.h., die Finger (1: Zeigefinger, 2: Mittelfinger, ...) drücken die Saiten so nieder,
daß jeweils ein sauberer Ton erklingt. Anfangs ist dies etwas schwierig.
 
e e
h h
g g
d d
a a
E E

So lautet die ausführliche Darstellung der Griffe. In Büchern (und auch hier) wird die
Mechanik nicht mitgezeichnet. Stattdessen legt man Wert auf die genaue Angabe des
Fingersatzes. Auf diese Weise erhält man die allgemein üblichen Skizzen der vorhergehenden
Seite. Der Sattel (die Grenze von Griffbrett und Mechanik) wird durch eine dickere Linie
symbolisiert, so daß man sich trotzdem zurechtfindet.
Später lernen wir Griffe, die mitten auf dem Griffbrett gegriffen werden. Dann kann nicht
mehr der Sattel mitgezeichnet werden. Statt dessen wird die Nummer des Greif-Bundes als
römische Zahl angegeben.

Was macht die rechte Hand?


Zuerst lernen wir den Abschlag. Dabei bilden die Finger der rechten Hand einen Block, die
Hand führt vor dem Schalloch eine Pendelbewegung aus. Jeder Abwärtsschlag trifft die Saiten
möglichst gleichmäßig. Dabei berühren nur die Fingernägel die Saiten. Das erzeugt einen
hellen Klang und schont die Hornhaut.
Bei der Pendelbewegung bleibt der Ellenbogen möglichst ruhig, der Impuls kommt aus dem
Handgelenk bzw. von einer Unterarmdrehung. Die Bewegung soll harmonisch fließen und
nicht anstrengen.
Beim Abschlag ist es wichtig, von Anfang an ein festes Metrum einzuüben. Metrum ist die
Fachbezeichnung für gleichmäßiges Tempo. Schnell oder langsam zu spielen ist erlaubt, aber
Abweichungen beim Spiel (schleppen, schneller werden, schwere Stellen langsamer als
leichte spielen) sind nicht günstig.
Übt also anfangs nicht zu schnell, vor allem die Griffwechsel, also das Umgreifen, sind
schwierig. Übt lieber in einem gleichmäßigen Lauf. Später werdet ihr euch dann im Tempo
steigern.
Auch die Lautstärke steuert ihr mit der rechten Hand. Übt verschiedene Lautstärken. Ihr müßt
leises Spiel beherrschen, aber auch ordentlich „reinhauen“ können. Zaghaftigkeit ist nicht
angebracht.
(Beim Üben der Stellen mit größerer Lautstärke solltet ihr unbedingt auf die Nachbarn achten
und nicht gerade in der Mittagsruhe am lautesten sein.)

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Heute folgen zwei neue Griffe:

2
e
3
h
1
g

E X

h
g
3
d
2
a

Der Mollgriff ist sicher nicht schwer. Seine Verwandtschaft zum E-Dur-Griff ist leicht zu
erkennen.
Der D-Durgriff klingt sehr hell. Vergleicht das mit den Griffen, die ihr schon kennt. Dies liegt
an den gegriffenen Saiten. Achtet darauf, die tiefe E-Saite nicht mit anzuschlagen (rechte
Hand). Dieser Ton paßt nicht zum Akkord. Das Kreuzchen symbolisiert stumme Saiten.

Anschlagtechnik:

Heute wollen wir den Wechselschlag lernen. Der Wechselschlag ist eine Erweiterung des
Abschlages. Auf ihm bauen viele Rhythmen auf.
Die Handhaltung entspricht dem Abschlag. Die Finger der rechten Hand bilden einen Block.
Die Pendelbewegung kommt aus dem Handgelenk und dem Unterarm, nicht aus dem
Ellenbogen. Bei der Abwärtsbewegung schlagen die Fingernägel die Saiten an, bei der
Aufwärtsbewegung der Daumennagel. So erhalten wir einen klaren, hellen Klang.

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Zur Erweiterung unseres Griffrepertoires je ein neuer Dur- und Mollakkord:
  

e e
1 1
h h
3
g g
2 2
d d
4
a a
3
E E

Diese beiden Griffe werden sehr oft verwendet, mit einiger Übung sind sie auch sehr bequem
spielbar. Das dauert aber erfahrungsgemäß einige Zeit.
Der C-Dur-Griff kann auch ohne Greifen der tiefen E-Saite gespielt werden. Dann wird die a-
Saite mit dem Ringfinger niedergedrückt. Ich empfehle das aber nicht, denn die oben gezeigte
Variante klingt harmonischer und „voller“.

Rhythmus:

Wir kennen den Abschlag und den Wechselschlag. Heute wollen wir systematisieren und das
Arpeggio (sprich: Ar-ped-cho) kennenlernen.
Das Arpeggio spielt man mit dem Daumen, und zwar mit der Hornhaut. Die Töne werden
einzeln gespielt. Der Akkord klingt dadurch weich und glockig. Die Kunst besteht darin, eine
kontinuierliche Tonfolge ohne Ruckler zu erzeugen.
Das Arpeggio eignet sich besonders zum Begleiten ruhiger oder leiser Lieder. Beim kräftigen
Singen in der Gruppe ist es meist zu leise.
Achtung: Beim Üben nicht übertreiben, sonst gibt es Blasen.

Es gibt, wie jeder weiß, verschiedene Rhythmen. Viele werden „auf vier“ gezählt, andere „auf
drei“ oder „auf sechs“ und manche haben noch andere Zählformen.
Am einfachsten für den Anfang sind gerade Zählzeiten, besonders Zweier- und Vierertakt.
Beim Zweiertakt gibt es zwei, beim Vierertakt vier Zählzeiten.

2 4
2 4

In der obigen Skizze sind links zwei Takte, rechts ist nur ein Takt dargestellt. Wie man sieht,
sind links andere Notensymbole verwendet als rechts. Links sehen wir halbe Noten {zwei
halbe (Noten) gleich ein ganzer (Takt)}, rechts Viertelnoten.

Weitere Beispielrhythmen sollen der Zwei- und Dreivierteltakt sein.

2 3
4 4

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Die Rhythmen sind streng mathematisch aufgebaut. So läßt sich die Zählung leicht
nachvollziehen. Wie ihr seht, sind Viervierteltakt und Zweihalbetakt mathematisch identisch.
Musikalisch findet ein Komponist aber Unterschiede, die vor allem mit dem Ausdruck eines
Stückes zusammenhängen.

Notenübersicht:

halbe Note: halbe Pause:

Viertelnote: Viertelpause:

Achtelnote: Achtelpause:

Sechszehntelnote:

Eine ganze Note hat keinen Hals. Eine 32tel Note hat 3, eine 64tel Note 4 Fähnchen. Eine
ganze Pause sitzt nicht auf dem Strich wie eine halbe Pause sondern hängt herunter. Die 16tel
Pause hat zwei linke Kreislein und so geht es weiter bis zur 64tel Pause, analog zu den
entsprechenden Noten.

Wenn wir spielen, schlagen wir auf Zählzeiten. Die Zählzeiten hängen vom Rhythmus ab. Ein
Viervierteltakt wird so gezählt: eins, zwei, drei, vier. Wollen wir betonen, daß auch zwischen
den „vollen“ Zeiten (mit Zahl) etwas passiert, zählen wir: eins, und, zwei, und, drei, und, vier,
und. Das klingt banal, aber richtiges rhythmisches Zählen ist die Voraussetzung für eine
interessante Begleitung.
Dafür gibt es viele Varianten. Die einfachsten sind zum Beginn gerade recht. Wir schlagen
entweder immer auf die Eins, dann spielen wir einen Akkord pro Takt. Wir können auch
häufiger schlagen, auch zwischen vollen Zählzeiten, eben auf das und.

Beachte, daß bei gleichem Schlagtempo unterschiedlich schnell gesungen werden kann. Wir
spielen dann eben nicht auf jeder Zählzeit einen Akkord, wenn wir nicht so schnell spielen
können oder wollen. Gleichfalls können wir auch öfter schlagen. Das Spiel- und Singtempo ist
vor allem beim Anstimmen wichtig. Macht euch verschiedene Tempi bewußt. Probiert diese
aus.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 4-2


Griffe:
! "

3 (4) 4
e e

h h
3
g g
1
d d
1 (2) 2
a a
2 (3)
E E X

Heute lernen wir den G-Dur-Griff. Er wird sehr oft verwendet. Die Griffweise ohne
Klammern ist zunächst leichter als die andere. Dafür ist bei der geklammerten Variante der
Wechsel auf G7 (welchen wir noch lernen) viel leichter. Übt eine Variante ein und bleibt bei
dieser. Ich empfehle euch den Fingersatz in Klammern, obwohl ich selbst den anderen
verwende.
Der H7-Griff ist schon recht schwierig. Aber er wird oft anstelle des richtigen H benutzt, weil
dieser Griff noch schwerer ist. Das klingt natürlich etwas schräg, aber das „muß dann eben so
sein“. Beim H7 darf die tiefe E-Saite (wie bei D) nicht mitgespielt werden. Da es aber nicht so
falsch wie beim D klingt, ist es nicht kritisch.
Die 7 steht für Septime. Das bedeutet, daß zum Akkord ein weiterer Ton, und zwar der 7. der
Tonleiter, hinzugefügt wird. Das ergibt einen leicht schrägen Klang mit einer gewissen
Spannung. Diese läßt sich beim H7 in E auflösen. Probiere das aus.
Eine kleine Akkordlehre, in welcher wir den Zusammenhang der Griffe untereinander
kennenlernen wollen, folgt. Zunächst wollen wir die Griffe selbst lernen.

Rhythmus:

Letztens haben wir die verwandten Rhythmen 4/4 und 2/2-Takt kennengelernt. Heute wollen
wir weiter mit dem 4/4-Takt üben und das Problem mit den Tempi klären.

4
4
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4

Spiele diese Figur. Der Kasten ist das Zeichen für „Abschlag“. Zählt laut mit: „1 2 3 4“.
Sicherlich erkennt ihr den Abschlag von Blatt 2-2 wieder.

4
4
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4

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Hier folgt der Wechselschlag. Der Kasten steht weiter für den Abschlag, das Dreieck
symbolisiert die Aufwärtsbewegung (gespielt wurde mit dem Daumennagel). Zählt mit! Ihr
merkt, die rechte Hand ist langsamer, das Spielen ist bequemer. Das Gesamttempo bleibt
gleich, der Klang verändert sich jedoch etwas.

4
4
1 u. 2 u. 3 u. 4 u. 1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

Hier hat die rechte Hand wieder das Ausgangstempo. Jedoch wird auch während der
Aufwärtsbewegung gespielt. Zählt mit. Bleibt im Takt. Ihr merkt, wie schnell das Spieltempo
geworden ist, obwohl ihr die vollen Zeiten nicht schneller zählt.

Das Singtempo, welches sich immer an den vollen Zählzeiten orientiert, ist in allen drei
Beispielen gleich. Nur eure „Arbeit“ verändert sich und damit der Klang und auch der
Charakter der Begleitung. Ihr könnt so Einfluß auf die Stimmung von Liedern nehmen, indem
ihr den Klang beeinflußt. Auch Begleitungswechsel beim Singen sind möglich. Achtet jedoch
peinlich darauf, daß sich das Singtempo nicht ändert. Sonst bringt ihr die Gruppe im wahrsten
Sinne des Wortes aus dem Rhythmus.

Ähnliche Übungen funktionieren auch mit Dreivierteltakt. Probiert sie aus. Achtet auf die
Spielhinweise zu Auf- und Abschlag.

3
4
1 2 3 1 2 3 1 2 3 1 2 3

3
4
1 2 3 1 2 3 1 2 3 1 2 3

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Griffe:
# $ % &

1 3
e e
3 1
h h
2 2
g g
d d
a a
E X E X

Heute lernen wir neue Varianten des D-Griffs. D7 ist mit D-Dur verwandt, hat aber eine
andere Klangfärbung. Wie beim H7 entsteht eine besondere Spannung, die sich in diesem Fall
im G-Dur-Griff auflöst.
Der dm-Griff ist einer der wenigen „leichten“ Mollgriffe, aber er kommt seltener vor als em
und am.
Bei beiden Griffen ist, wie schon bei D-Dur, die tiefe E-Saite nicht mit anzuschlagen.

Rhythmus:

Die bisher gelernten Rhythmusvarianten werden auf die Dauer etwas eintönig. Gefragt ist eine
Abwechslung beim Spiel, bei der sowohl das Spielen, als auch das Zuhören Freude macht.
Wir wollen deshalb heute einige Formen des Beats kennenlernen.
Der Beat gehört zu den am häufigsten gespielten Rhythmen.

Beat I:
1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

4
4

Diese Figur ähnelt dem Wechselschlag sehr, jedoch wird die zweite und vierte Zählzeit etwas
lauter gespielt. Dadurch ändert sich die Betonung und es entsteht eine interessante Dynamik.
Beachtet dabei das Umgreifen (Zeitpunkt!) sehr genau. Übt zunächst in Zeitlupe.

Beat II:
1 u. 2 u. 3 u. 4 u.
B B B

4
4

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 6-1


Der Beat II ist ein schwieriger Rhythmus. In Liedern kommt er meist nur als Variante vor. In
Vorspielen oder Greifübungen ist er allerdings eine gute Abwechslung. Übe diesen Rhythmus
betont langsam. Zähle laut mit. Tippe die Baßsaiten nur leicht an. Die Betonung liegt diesmal
auf 2 sowie 3und.
Es ist oft hilfreich, einen schwierigen neuen Rhythmus nur zu klopfen, z.B. auf dem Tisch.
Erst wenn er im Kopf ist, spielen wir ihn auf der Gitarre. Probiere das selbst aus.

Beat III:
1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

4
4
( ) ( )
Im Gegensatz zu Beat II ist dieser Rhythmus sehr leicht. Er wird oft verwendet und ist
Sachsens beliebtester JG-Rhythmus. Die Notation sieht zunächst nicht einfach aus, aber wenn
ihr euch den Rhythmus erschließt, werdet ihr bald Gefallen daran finden.

Carioca-Form:
1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

4
4

Carioca ist ein lateinamerikanischer Tanz und dieser Rhythmus klingt auch feurig. Im
Gegensatz zu Beat III sieht die Notation sehr einfach aus, aber die Betonungsverschiebung
erfordert Konzentration. Am besten ist, man läßt sich den Rhythmus ins Blut eingehen. Das ist
durch rhythmisches Üben (langsam, aber gleichmäßig) zu erreichen.
Es gibt viele Carioca-Variationen. Häufig werden sie in mehrtaktigen Rhythmenformen
eingesetzt. Das klingt zwar super (und auch viele Profis machen das), erfordert aber auch viel
Übung.

Eine interessante Variante ist eine Kombination von Beat II und der Carioca-Form:
1 u. 2 u. 3 u. 4 u. 1 u. 2 u. 3 u. 4 u.
B B B

4
4

Zum Üben der einfacheren Formen (Beat I und III) empfehle ich euch folgende Riffs
(Akkordfolgen): G,em; C,am; G,em,C,D und A,E,D,A. Dabei ist jeder Griff einen Takt lang.
Spielt die Folge „im Kreis“. Beachtet, daß bei D die tiefe E-Saite nicht angeschlagen wird.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 6-2


Griffe:
' ( ) (

e e
3
h h
1
g g
1 (2)
d d
2
a a
E E

Heute lernen wir die Septime-Griffe E7 und A7. Wie wir schon wissen, gibt es dafür
„Auflösungsgriffe“. Für E7 ist das A-Dur und für A7 der D-Dur-Akkord.

Akkordlehre:

Heute lernen wir keinen neuen Rhythmus, sondern wir wollen uns theoretisch mit unseren
Akkorden befassen.

Immer drei Akkorde bilden eine einfache Kadenz. In der Kadenz sind Tonika, Dominante
und Subdominante zusammengefaßt. Diese Griffe sind musikalisch nah verwandt. (Auf dem
Griffbrett können sie sich stark unterscheiden!)
Die Tonika gibt der Kadenz den Namen. Jeder Akkord hat seine eigene Kadenz, in der er
Tonika ist. Folglich hat auch jeder Akkord eine Dominante und eine Subdominante, die zu
ihm paßt. Die Dominante rahmt den Tonika-Akkord von der einen, die Subdominante von der
anderen Seite ein, wenn man sich den Quintenzirkel ansieht.
Jeder Dominant-Septakkord löst sich in seiner Tonika auf. Jetzt wissen wir also, daß in der A-
Dur-Kadenz die Tonika A-Dur die Dominante E-Dur hat. Der Dominant-Septakkord E7 löst
seine Spannung im Tonika-Akkord A auf. Wer es nicht glaubt, schaut sich die neuen Griffe
mit ihrer Erklärung an.
Ein anderes Beispiel: H7 löst sich in E-Dur auf, also ist E Tonika und H Dominante.
Wie erkenne ich jetzt die Subdominante? Sie hat den musikalisch gleichen Abstand von der
Tonika, aber in die andere Richtung. Man könnte es also auszählen. Der Abstand beträgt fünf
Stufen, also eine Quinte. Um nicht jedesmal zählen zu müssen, hat man sich ein Hilfsmittel
einfallen lassen, den Quintenzirkel.

Betrachte dazu die nächste Seite. Er hat seinen Namen, weil er rund ist und jeder Ton (oder
Akkord, je nach Bedarf) eine Quinte (5 Schritte) Abstand von seinem Nachbarn hat.

Wie wir sehen, sind die Griffe rund herum geordnet. Immer drei gehören zusammen. In der
Mitte steht die Tonika, im Uhrzeigersinn folgt die Dominante und gegen den Uhrzeigersinn
steht die Subdominante.

Beispiel: Wir wissen, wenn E Tonika ist, dann ist H Dominante. Richtig, H folgt E im
Uhrzeigersinn. Gegen den Uhrzeigersinn folgt A, ist also die Subdominante.

Beispiel: In welchen Griff löst sich D7 auf? In diesem Fall muß D Dominante sein. Gegen den
Uhrzeiger folgt G als Tonika. Vor G steht C, welches die Kadenz als Subdominante
vervollständigt.
Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 7-1
Der Quintenzirkel: *
Tonika
/ ,
Subdominante Dominante
6 7
; 7 3 7
0 +
7 8 7
<
. 2 = 7 9 52 7 -

97 = 52 7
- 2 .
: 7 52 7
3 2 7 4; 52 7 <
+ 3 2 1
, 3 2 4 / 52

Es ist auch möglich, daß ein Griff, z.B. A, einmal Tonika (D,A,E), einmal Subdominante
(A,E,H) und einmal Dominante ist (G,D,A).

Transponieren:

Wir kennen nun schon einige Griffe, andere noch nicht. Manche mögen wir nicht, oder ein
Lied ist uns zu hoch oder tief. Es gibt viele Gründe, derentwegen man Tonhöhe und damit
Begleitgriffe ändern möchte. Wie geht das? Wir verwenden den Quintenzirkel.

Wie ändere ich die Griffe?


Angenommen, ein Lied in C-Dur mit den Griffen F,C,G ist uns zu tief. Wir wollen lieber in
D-Dur, also einen Ton höher spielen. Wir zählen von C nach D zwei Schritte im
Uhrzeigersinn. Also ersetzen wir alle Originalgriffe durch sein übernächstes Pendant. Wir
erhalten G, D, A.
Aufgabe: Angenommen, in obigem Beispiel ist der Griff dm zu ersetzen. Welcher Griff ergibt
sich?

Bei dieser Operation ändern sich natürlich Tonika, Dominante und Subdominante. Das
geschieht automatisch beim Transponieren und ist in der Natur der Sache begründet.
Schließlich spielen wir nicht mehr in der C-Dur-Kadenz, sondern in der D-Dur-Kadenz.

Tonleitern und Noten:

Die Griffe hängen eng mit der Tonart zusammen. Das ist gerade beim Transponieren klar
geworden. Aber wie lese ich Noten und wie bestimme ich die Tonart?

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 7-2


Zuerst befassen wir uns mit der C-Dur Tonleiter:

Ganztonschritt Halbtonschritt

> ? @ A B C D >
Tonstufen: Prime
Sekunde
Terz
Quarte
Quinte
Sexte
Septime
Oktave

Der Grundton ist c, daher der Name C-Dur. Aller 8 Noten, also nach jeder Oktave, folgt der
Grundton, in unserem Fall c.
Charakteristisch für eine Dur-Tonleiter ist der Halbtonschritt zwischen Terz und Quarte sowie
zwischen Septime und Oktave. Überprüfe den Klang der Dur-Tonleiter mit der Gitarre. Ein
Halbtonschritt ist gleich einem Bundstab, der Ganztonschritt entspricht zwei Bundstäben
Abstand.
Der oben gezeigte Notenschlüssel ist der Violinschlüssel und für alle hohen Stimmen
maßgebend. Er heißt auch g-Schlüssel, weil er die Note g einkreist. Neben dem
Violinschlüssel gibt es noch den Baßschlüssel (f-Schlüssel) sowie mehrere Barockschlüssel,
die heute kaum noch verwendet werden.
In C-Dur gibt es keine Vorzeichen, also Kreuze und be ( ) die auf den Notenschlüssel
folgen. Doch in allen anderen Dur-Tonarten gibt es Vorzeichen. Dabei erhöht ein Kreuz alle
auf der betreffenden Zeile stehenden Noten (auch die um Oktaven versetzten Noten) um einen
Halbton, ein be erniedrigt um einen Halbton. Die Erhöhung wird meist durch die Endung „is“,
die Erniedrigung durch „es“ im Notennamen angezeigt. Dabei kann es leicht zu
Überschneidungen im Namen kommen. Gleichklingende Noten haben verschiedene Namen,
je nachdem zu welcher Tonleiter sie gehören. Die folgende Reihe verdeutlicht das. Dabei
stehen in der Klammer gleiche Töne verschiedenen Namens und zwischen jeder Klammer
liegt ein Halbtonschritt.

(c) (cis,des) (d) (dis,es) (e) (eis,f) (fis,ges) (g) (gis,as) (a) (ais,b) (h,ces) (c)

In einigen (Moll-) Tonarten kommen noch Sondernamen (z.B. fisis = g) vor, die zwar logisch
scheinbar nicht stimmen, aber beim praktischen Spiel (vor allem für Pianisten) hilfreich sind.

Warum gibt es diese verschiedenen Namen? Eigentlich klingen alle Noten verschieden, also
z.B. gis anders als as. Beim Singen machen wir das so. Aber beim Klavier würden mehr
Tasten gebraucht. Deshalb einigte man sich auf einen Mittelwert und nannte diese Stimmung
dann „wohltemperiert“, im Gegensatz zu der beim Singen verwendeten „reinen Stimmung“.
Das geschah bereits 1691. Dadurch lassen sich gis und as mit einer Klaviertaste spielen. Der
Nachteil ist, daß einige Tonstufen geringfügig unrein klingen, was sehr geschulte Musiker
auch hören.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 7-3


J K L J M N O P Q R S L KT L N R
E FE E G H I E
W E E E I I I I XW W E E E VE U
I I I
Y G H
E E E
WXW E E E
ges as b ces des es f ges
W E E E I I
I I I U
I I I
E Z H des E
E E E
es f ges as b c des
W WXW E EVU
I I I
I I
[[ I [I [I
\ H
E as b c des es f g as E
W E E I I I WXW E
I I I U
I I
E ] es f g as b c d es
W E WXW EVU
I I I
I I I
[I [I
^
b c d es f g a bI
W E I I I WXW
I I I U
I
f g a b c d e f
_
W I WXW `
I I I
I I I
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F c d e f g a Ih Ic
W ` I I I XW W `
I I I `
Y g a h c d e fis g
W ` I I WXW ` `
` I I I `
I I I

W Z d e fis g a h cis d
WXW ` `
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` I I I ` `
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\
W a h cis d e fis gis Ia WXW ` `
` ` ` I I I I
` I I I ` ` `
a e fis gis a h cis dis e
W ` ` ` WXW ` `
` ` I I I ` ` ` `
I I I
[ [I
^ bH I
h cis dis e fis gis ais h
W I I WXW
` ` ` ` I I I I
` ` I I
fis gis ais h cis dis eis fis

Gitarrenkurs Thomas
Gitarrenkurs Rühle
Thomas Rühle SeiteSeite
7-4 7-4
Griffe:

Heute lernen wir mal keine neuen Griffe. Aber natürlich üben wir die Griffe, die wir schon
kennen. Das sind:

E, A, D, em, C, am, G, H7, D7, dm, E7 und A7

Aufgabe: Jeder stellt ein Riff zusammen, welches gut klingt und mindestens vier verschiedene
Griffe enthält. Dabei ist es günstig, auch die Arbeit der rechten Hand interessant zu gestalten.
Zum Beispiel kann man auch einen kleinen Rhythmus erfinden.

Rhythmus:

Heute wollen wir den Swing lernen. Der Swing ist neben dem Beat die zweite wichtige
Rhythmengruppe. Aber er ist etwas schwieriger, weil er auf einer Triolenbewegung aufgebaut
ist.
Eine Triole entsteht, wenn man drei Noten in der Zählzeit von zwei Noten spielt. Das wollen
wir zunächst langsam üben.
3 3 3 3
4
4
1 hi hi 2 hi hi 3 hi hi 4 hi hi

Jetzt fassen wir die beiden ersten Noten zusammen:


3 3

Das können wir auch spielen. In der Praxis schreibt man dann unter Abwandlung der ersten
Zählzeit:

3 3
4
4
1 2 3 4

Meist jedoch wird Swing so gespielt:

3 3
4
4
1 2 3 4
B B

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 8-1


Griffe:

Da wir schon eine Menge Griffe kennen, werden wir jetzt langsam zu schwererem
Notenmaterial übergehen. Dazu braucht man oft Barreégriffe. Viele Anfänger lehnen sie als
zu schwer ab. Doch auf die Dauer kommt man um sie nicht herum und wenn man
zielgerichtet übt, sind Barreégriffe eigentlich nicht schwierig.
Das könnt ihr auch daran erkennen, daß viele Rockgitarristen (fast) nur noch Barreé spielen.
c
1 1 d e

2
2 4
4 3
3

Der F-Griff wird im ersten Bund, der hm-Griff im zweiten Bund gespielt. Euch fällt sicher die
Ähnlichkeit zu E-Dur bzw. a-Moll auf. Das ist kein Zufall, und wir werden uns noch genauer
damit beschäftigen.

Wie übt man Barreéspiel? Zuerst setzt die linke Hand vorschriftsmäßig auf. Achtet ganz
besonders auf die richtige Haltung der Gitarre, die Mechanik befindet sich etwa in
Schulterhöhe. Die Kraft kommt aus dem Handgelenk, also darf es nicht zu stark gekrümmt
sein. Spielt mit der rechten Hand ein langsames Arpeggio. Ihr hört, wo es noch „klemmt“. Übt
niemals zu lange Barreé. Hier schadet blinder Eifer. Doch nach täglich 5 bis 10 Minuten
werdet ihr bald Erfolge sehen.

Rhythmus:

Wir kennen jetzt schon eine Reihe Schlagtechniken. Doch für ruhige Lieder beherrschen wir
lediglich das Arpeggio. Gerade zu Weihnachtsliedern oder zu Balladen wie „Sind so kleine
Hände“ klingt eine gezupfte Begleitung am besten.

Nun ist das Zupfen nicht ganz leicht, weil wir bisher die rechte Hand kaum geübt haben. Vor
allem die Herren der Schöpfung (denen meist das Barreé leichter fällt) haben hier
Schwierigkeiten. Doch es geht! Übung macht auch hier den Meister.

(E)
0 0 0
T 4 0 0 0
A 4 1 1 1
B
0 0 0
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4

So eine Darstellung haben wir noch nie gesehen. Das ist die Tabulaturschreibweise, die
eigentlich nur unter Gitarristen üblich ist. Die Linien stellen die Saiten dar, unten liegt die

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 9-1


tiefe E-Saite. Die Zahlen geben an, in welchem Bund die Saite zu greifen ist und die
Notenhälse geben das Tempo vor. Wir spielen also tiefe E-, g-, h- und hohe e-Saite immer
gleichmäßig, um die gezeigte Figur zu erhalten. Das ist nicht allzu schwer.

Der Daumen spielt die Baßsaite (tiefe E), der Zeigefinger die g-, der Mittelfinger die h- und
der Ringfinger die hohe e-Saite.

Generell wird bei den meisten Zupfmustern immer der Daumen die Baßsaite (also tiefe E-, a-
oder d-Saite) spielen und der kleine Finger wird Pause haben, während die anderen jeweils g-,
h- und hohe e-Saite spielen. Dabei herrscht normalerweise die feste Zuordnung Zeigefinger
zur g-Saite, Mittelfinger zur h-Saite und Ringfinger zur e-Saite.

In der üblichen Notenschrift sieht die Figur so aus:

(E)

f g hi j f f g hi j f f g hi j f

Hinter beiden Spielanweisungen steht die selbe Zupffigur. Der Vorteil der Notenschrift ist,
daß alle Musiker sie lesen können, aus der Tabulaturschreibweise gehen die betroffenen
Saiten besser hervor. Gitarristen helfen sich mit der Tabulaturschreibweise, wenn sie genau
festlegen wollen, auf welchen Saiten die Töne zu spielen sind.

Wir werden je nach Zweck einmal Tabulatur- und einmal Notenschreibweise anwenden.

Hinweis: Der eingeklammerte E-Griff ergibt sich beim Spielen nach Vorschrift. Wenn man
ihn aber setzt, dann sind alle Saiten schon richtig gegriffen und man muß sich nur auf die
rechte Hand konzentrieren.

Weitere Zupfmuster in Tabulaturschreibweise (zum Üben mit immer einer anderen Baßsaite):

(E)
0 0 0
T 4 0 0 0
A 4 1 1 1
B
0 0 0

(A)
0 0 0
T 4 2 2 2
A 4 2 2 2
B 0 0 0

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 9-2


(D)
2 2 2
T 4 3 3 3
A 4 2 2 2
0 0 0
B

Ihr seht, im Prinzip ist es doch gar nicht schwer.

Deutlich schneller wird die Begleitung, wenn ihr zwei Zupffiguren in einem Takt spielt. Das
sieht dann in Tabulaturschreibweise so aus:

(E)
0 0 0 0
T 4 0 0 0 0
A 4 1 1 1 1
B
0 0 0 0
1 u. 2 u. 3 u. 4 u. 1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

Interessanter klingt es in diesem Fall, wenn ihr die Baßsaite trotzdem nur einmal pro Takt
anschlagt. So wird weiterhin stark die erste Zählzeit betont und dann folgen sanfte Töne. Das
sieht so aus:

(E)
0 0 0 0
T 4 0 0 0 0 0 0
A 4 1 1 1 1
B
0 0
1 u. 2 u. 3 u. 4 u. 1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

Mit etwas Übung sind auch komplexere Zupfbegleitungen kein Problem. Hier eine schöne
Figur zu „Sind so kleine Hände“ in Tabulaturschreibweise:

(am)
0 0
T 4 1 1 1 1
A 4 2 2 2 2 2 2
B 0 0 0 0

1 u. 2 u. 3 u. 4 u. 1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 9-3


Griffe:
Heute lernen wir keine grundsätzlich neuen Griffe, aber wir werden uns viele erschließen.
Gleichzeitig wollen wir eine weitere Brücke von unseren Griffen zu Noten schlagen. In der
siebenten Stunde hatten wir uns Dur-Tonleitern angesehen. Doch wo finden wir diese Töne
auf unserer Gitarre?
Wir wissen, wie die Saiten unserer Gitarre heißen. (Eine alte dumme Gans hat Eier.) Weiter
wissen wir, daß jeder Bundstab einen Halbtonschritt darstellt. Mit den Tonabständen aus den
Tonleitern könnten wir nun alles selbst herleiten. Doch hier noch einmal im Klartext:
e f fis g gis a' b' h' c' cis' d' dis' e' f'
h c cis d dis e f fis g gis a' ais h' c'
G Gis a ais h c cis d dis e f fis g gis
D Dis E F Fis G Gis a b h c cis d dis
A Ais H C Cis D Dis E F Fis G Gis a b
E' F' Fis' G' Gis' A Ais H C Cis D Dis E F

Wie lese ich das Schema?


Wir erkennen unser Griffbrett in grau. Die Punkte markieren die Punkte auf dem Griffbrett,
aber es müssen nicht alle Punkte auf jeder Gitarre vorhanden sein. Markiere hier deine
Version (mit Bleistift!).
Ganz links stehen die Saitennamen, allerdings etwas anders als gewohnt. Rechts folgend steht
jeweils der Ton, welcher erklingt, wenn die Saite im betreffenden Bund gegriffen und mit der
rechten Hand angerissen wird.
Wie entsteht die „krumme“ Schreibweise?
Zur Beruhigung: Überall, wo z.B. ein fis steht (egal ob Fis’ oder anders), ist der selbe Ton
gemeint, nur jeweils um einige Oktaven versetzt. Ein Oktavschritt entspricht der Verdopplung
der Tonfrequenz. Wie wir aus Blatt 7-3 wissen, gibt es für viele Töne mehrere Namen. Hier
stehen nur die erhöhten Töne, also die auf -is enden. Für die -Töne schlagt zurück. Die nun
folgenden Ausführungen sind nicht zum Merken, sondern als Information gedacht. Wissen ist
wissen wo es steht, nämlich hier.
Zur Musiktheorie:
Man hat sich geeinigt, die Notennamen durch Zusätze zu Versehen, um deren absolute Höhe
angeben zu können (z.B. ist a tiefer als a’). Das geschieht durch Hochstriche bzw. durch
Groß- oder Kleinschreibung. Die Reihenfolge von tiefen zu hohen Tönen sieht etwa so aus:
... C’ C c c’ c’’ ...
In der Musik kommen Töne von A’’ bis d(v) vor, das entspricht Frequenzen von etwa
20...4700Hz. Das uns bekannte Stimmgabel-a stellt sich dann so dar: a’ = 440Hz.
Zum Notenspiel:
Die Gitarre spielt meist eine Oktave tiefer als notiert. Das in der Klaviatur in der Mitte
liegende Schlüssel-c (dort in der Nähe steckt der Schlüssel zum Absperren des Klaviers)
spielen wir demnach in der Regel als C.

k l m n op q q r os m k

Wir spielen es auf dem 3. Bund der a-Saite. Von der absoluten Tonhöhe her richtig wäre
jedoch das c auf dem 1. Bund der h-Saite, welches eine Oktave höher klingt. Das ist jedoch
Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 10-1
nicht problematisch, weil normalerweise alle Noten für Gitarre auf diesen Umstand hin
„vorkorrigiert“ sind. Falls doch in der Originalhöhe gespielt werden soll, wird das
normalerweise am Notenschlüssel notiert.
Was nützt das Schema?
Letzte Woche lernten wir unsere ersten Barreégriffe. Diese können wir aber „über das gesamte
Griffbrett schieben“. Dadurch entstehen neue Griffe. Z.B. wird der F-Griff im dritten Bund
zum G und im vierten zum As (oder Gis).
Auch die Suche nach den Baßsaiten der gebrochenen Begleitung ist jetzt einfacher. Seht dazu
einfach im Schema nach.

Rhythmus:
Heute wollen wir weiter Zupfmuster üben. Dabei werden wir wieder die
Tabulaturschreibweise benutzen, da hier die Zusammenhänge deutlicher werden.
Hier folgt noch eine schnelle Figur, die recht interessant klingt:

(E)
0 0
T 4 0 0 0 0
A 4 1 1 1 1 1 1 1 1
B
0 0

Erschließt euch diese Begleitung selbst, es ist nicht schwer:

(E)
0 0 0 0 0 0
T 4 0 0 0 0 0 0
A 4 1 1 1 1 1 1
B
0 0

Hier noch ein paar Varianten im 3/4-Takt:

(E)
0 0 0 0
T 3 0 0 0 0
A 4 1 1 1 1
B
0 0

(E)
0 0
T 3 0 0 0 0
A 4 1 1 1 1
B
0 0

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 10-2


(E)
0 0 0 0
T 3 0 0 0 0
A 4 1 1
B
0 0

Jetzt wollen wir noch einmal den Wechsel der Baßsaiten üben. Nutzt die folgende einfache
Figur, paßt aber die Baßsaite dem Griff an:

(E)
0 0 0
T 4 0 0 0
A 4 1 1 1
B
0 0 0
Spielt die Folgen:

||: C am :|| ||: G em :|| ||: A D E A :|| ||: G em C D :||

Dabei kennzeichnet jeder Griff einen Takt. Übt jede Folge mehrfach! Vergleicht zu den
Baßsaiten auch das letzte Blatt (Nr. 9) und die Übersicht am Anfang dieser Lektion.

Erweitert nun die letzte Folge:

||: G em C D am em H7 em :||

Stellt, aufbauend auf den Riffs der letzten Male, selbst eine Folge zusammen!

Zur Unterstützung folgt eine Baßsaitentabelle:

Baßsaite „normaler“ Griff


E E, E7, em, G
A A, A7, am, H7, C
D D, D7, dm

Barreégriffe nutzen die selbe Baßsaite wie der „Ursprungsgriff“. Demnach ist für F die E-
Saite und für hm die a-Saite zu benutzen.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 10-3


Griffe:

Heute wollen wir zwei weitere Barreégriffe kennenlernen. Damit sind uns die vier wichtigsten
Barreégriffe bekannt.
Die Griffe beruhen auch auf der E- bzw. der A-„Familie“. Dieser Umstand ist zum Finden der
passenden Baßsaite von Bedeutung. fm ähnelt em und H ähnelt A.
t u
1 1 v

4
3
4 2
3

H wird wie hm im zweiten Bund, fm wie F im ersten Bund gegriffen. Das Barreéspiel sollte
recht oft (anstatt selten und dann lange) geübt werden. Hier ist neben der Geschicklichkeit
auch etwas Kraft gefragt.

Rhythmus:

Heute wollen wir eine Carioca-Zupffigur als gebrochene Begleitung lernen, die nur zu
wenigen Liedern paßt. Außerdem ist sie recht schwierig. Aber sie klingt sehr gut und wirkt
interessant. Später werden wir noch eine ähnliche Figur lernen.

Obwohl die Figur an sich nicht leicht ist, liegt die eigentliche Schwierigkeit eher im
Zusammenspiel von Gesang und Begleitung. Das liegt in der Betonung der Zählzeit „2 und“.
Aber hier ist sie erst einmal, die Figur.

(E)
0 0 0 0
T 4 0 0 0 0 0 0
A 4 1 1 1 1 1 1
B
0 0 0 0 0 0
1 u. 2 u. 3 u. 4 u. 1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

Die Baßsaite wird wie üblich mit dem Daumen gespielt, die Diskantsaiten werden vom Ring-,
Mittel- und Zeigefinger bearbeitet, mit der üblichen Zuordnung von Ringfinger zu e-Saite,
Mittelfinger zu h-Saite und Zeigefinger zu g-Saite.

Übt diese Figur zuerst superlangsam, und erst wenn die rechte Hand Bescheid weiß, es also
quasi von selbst kann, steigert euch. Versucht erst dann dazu zu singen, wenn ihr sicher seid.
Ob ihr soweit seid, merkt ihr daran, ob ihr euch überhaupt auf ein Lied konzentrieren könnt.

Es gibt nicht allzu viele Lieder, die sich mit dieser Figur begleiten lassen. Vor allem vor
größeren Gruppen rate ich euch diese Figur ab. Dort sind gezupfte Begleitungen generell nur
selten empfehlenswert.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 11-1


Rhythmus:

Heute wollen wir eine Figur spielen, die zunächst etwas einfach aussieht und auch nicht
supertoll klingt. Aber bald werden wir diese Figur erweitern, und dann ernten wir den Lohn
für die Mühe. Gespielt wird bei dieser Figur immer mit dem Daumen. Das ist besonders bei
der g-Saite ungewöhnlich, widerspricht sogar unserer Übung zum Notenspiel, aber wir werden
die anderen Finger schon noch einsetzen.
(G) (C)
T 4 T 4
A 4 0 0 0 0 0 0 A 4 0 0 0 0 0 0
B 2 2 2 B 3 3 3
3 3 3 3 3 3

(D)
T 4
A 4 2 2 2 2 2 2
0 0 0
B 0 0 0

Was sollte man sonst noch üben:

• Es ist das Wichtigste und grundlegend für ein gutes Spiel: eine gestimmte Gitarre.
Versucht, euch das Stimmen mit Flagolettönen zu erschließen.
• Übt die gelernten Griffe. Übt sie einzeln und im Zusammenhang. Das geht am besten mit
Liedern.
• Wiederholt die verschiedenen Rhythmen. Es ist wichtig, daß ihr sie anwenden könnt. Dazu
muß der jeweilige Rhythmus „in der Hand“ sitzen, also sicher klappen. Der Kopf muß für
alles andere frei sein. Achtet darauf, daß nicht jeder Rhythmus zu jedem Lied paßt.
• Versucht, gleichmäßig zu spielen. Leichte Passagen zu schnell zu spielen und bei
schwierigen Stellen zu trödeln, ist ungünstig.
• Beim Üben von Liedern singt möglichst mit. Das schult die Stimme, macht euch sicherer
und sorgt für ein gleichmäßiges Tempo.
• Wenn es möglich ist, spielt auch in und für eine Gruppe. Denn dafür lernt ihr doch, oder?
Dabei übt ihr automatisch auch das Anstimmen.

Hinweise zur Grifftabelle:

Die Grifftabelle gibt die am häufigsten benutzten Griffe an. Doch viele Griffe, die man in
Grifftabellen findet, taugen nichts. So ist es auch hier. Zur Kennzeichnung sind diese jedoch
mit einem grauen Fragezeichen unterlegt. So könnt ihr die zweifelhaften oder fragwürdigen
Griffe sofort identifizieren.

Es lohnt sowieso nicht, Grifftabellen zu sammeln und sich zu freuen, viele Greifvarianten zu
besitzen. Entscheidend ist, was man anwenden kann und was man sich anzuwenden traut.

Deshalb übt zuerst, möglichst sicher die Standardvarianten von jedem Griff (also Dur und
Moll) über das gesamte Griffbrett zu beherrschen (also ordentlich mit Barreé und nicht mit
einem Hilfsgriff), ehe ihr nett klingende, aber selten vorkommende Sondergriffe trainiert.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 12-1


Grifftabelle
Durw x y
Durseptime w z
Quarte w {
Quartsept. {
Mollseptime
z |}
Moll
| }
A ( ) (4) A
3 3 4 4 1 1
2 2 3
1 1 1 1 2 2

~  y   y ‚ƒ y ‚ƒ
C 1 1 3 3 C
1 1 1 1 4 4
4 4 2
2 2 4 3 X X

„
4
3
„ {
3
( ) (3) € „z
3
( ) (2) € „ z{
2
( ) (2) ( ) € … } {
1
(1) €
( )
… }
2
(2)

D 2 2 4 4 2 1 D
3 3 3 1 1 3
1 1 1 2 3 2

† X
‡ y X
†z X
† z{ X
ˆ} {
X
ˆ}
X

E E
( ) (4)
1 1 4 4
3 3 3
2
‰ { ‰ z ‰ z{ ‹ } {
2 2 2 2
‰
2
‹ }
G 4 1 4 1 X 4 G
1 1 4 3
3 2
2
2
Š
2
Š Š
X 4
Œ { Œz Œ z{  } {1
X X

Π3 3 3 3
 } 1

B 1 1 1 1 1 1 B
4 4 4 4 2 2
3 3 4
2 3 2 2 3 3

Ž Ž { Žz Ž z{ } { }
F 1 1 1 1 1 1 F
2 2 4
4 4 4
3
3 3 2 3 3
3

Hinweis zu den Barreégriffen: Aus diesen lassen sich alle anderen Griffe gewinnen. Es lohnt
sich also eher, Barreéspiel als zweifelhafte cm- oder gm-Ersatzgriffe zu üben.

Schema der Handplazierung auf dem Griffbrett:


Bund: 0 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
wie F: E Eis/F Fis/Ges G Gis/As A Ais/B H/Ces C Cis/Des D Dis/Es E

wie B: A Ais/B H/Ces C Cis/Des D Dis/Es E Eis/F Fis/Ges G Gis/As A

 { † ‘ w ‘ „ ‘
4 4 3
3 4 3
1 2 1
1 3 1
2 2
Einige Extragriffe: X X

1
Ž’
4
3
2
Eine Sonderstellung nehmen die verminderten Akkorde ein:

Es gibt nur drei verschiedene Greifarten, die alle verminderten Akkorde erzeugen:
1./4. Bund: F0, Gis0/As0, H0/Ces0, D0;
0 0 0 0
2./5. Bund: Fis /Ges , A, C, Dis0/Es0;
0./3./6. Bund: G0, Ais0/B0, Cis0/Des0, E0

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 12-2


Endlich Notenspiel:

Wir wollen auch nach Noten spielen. Das wollen wir nicht übertreiben, aber heute soll der
Einstieg sein. Die erste Übung ist simpel, aber notwendig.
Wir spielen auf der g-Saite und üben den wechselnden Einsatz von Zeige- und Mittelfinger
der rechten Hand. Wir reißen die Saite mit der Fingerkuppe an, und der Finger landet stumm
auf der d-Saite. Das nennt man „angelegt spielen“, weil sich der Finger nachher „anlegt“.
Weiterhin wechseln wir vom Ton g zum Ton a (2. Bund der g-Saite, gegriffen mit dem
Mittelfinger der linken Hand). Diese Übung soll die rechte Hand trainieren.

T 4
A 4 0 0 0 0 2 2 2 2
B
M Z M Z M Z M Z M Z M Z M Z M Z

Hier haben wir jetzt eine Folge von „e“ und „f“. So wie die Noten gezeichnet sind, greifen wir
sie am besten auf unserer d-Saite. So spielen wir genau die berühmte Oktave tiefer als notiert.
Außerdem erhalten wir uns die Möglichkeit, auch höhere oder tiefere Töne noch bequem
spielen zu können. Die d-Saite wird abwechselnd mit dem Zeigefinger (Z) und dem
Mittelfinger (M) der rechten Hand angerissen. Wir spielen wieder angelegt.

M Z M Z M Z M Z M Z M Z

Der linke Mittelfinger, der im 2. Bund das „e“ greift, kann liegenbleiben, wenn der Ringfinger
das „f“ erzeugt. So erlernen wir gleich ein rationelles Spiel. Später werden wir solche
Vereinfachungen noch gezielt üben.

Das Spiel ist zunächst etwas mühsam, klappt aber schnell recht gut. Wir achten auf die
Gitarrenhaltung!

M Z M Z M Z M Z M Z M Z

Hier eine Übung auf der h-Saite. Wir wechseln zwischen dem Ton h und dem Ton c (1. Bund
der h-Saite). c wird mit dem Zeigefinger gegriffen.

M Z M Z M Z M Z M Z M Z

Und hier eine Übung auf der a-Saite. Wir wechseln zwischen dem Ton c (3. Bund auf der a-
Saite, Ringfinger) und dem Ton h (diesmal eine Oktave tiefer als bei der letzten Übung, 2.
Bund a-Saite, Mittelfinger).

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 13-1


Diese Übungen waren nicht zu schwer, oder? Jetzt eine Übung über mehrere Saiten:

M Z M Z M Z M Z M Z M Z
c c d d e e f f g g a f

Wir beginnen mit dem 3. Bund der a-Saite (c), dann folgt die leere d-Saite, danach die d-Saite
im 2. (e) und im 3. (f) Bund. Schließlich spielen wir die leere g-Saite und die g-Saite im 2.
Bund (a). Zum Schluß folgt noch das f auf dem 3. Bund der d-Saite.

Dabei werden alle Töne des 3. Bundes mit dem Ringfinger und alle Töne des 2. Bundes mit
dem Mittelfinger gegriffen. Der Zeigefinger greift alle Töne im 1. Bund und der kleine Finger
übernimmt den 4. Bund, der mitunter auch benutzt wird.

Bei manchen Stücken reicht diese Aufteilung nicht, dann muß die linke Hand wandern. Aber
meist genügt die Standardvariante. Währenddessen spielt die rechte Hand unbeirrt.

Wenn Ihr sicher seid, dann probiert selbst. „Kratzt“ einfach ein bißchen an der Gitarre.
Wechselt auch einmal zwischen den Saiten. Das ist die Vorübung zu unserem nächsten Ziel,
unserem ersten nach Noten gespielten Lied!

Summ summ summ:

Beachtet: Spielt nicht zu schnell. Spielt gleichmäßig. Spielt in einer normalen Lautstärke, also
nicht zu laut und nicht zu leise. Achtet auf einen schönen Klang.

Noch ein Wort zu den Notendauern: Hier auf dieser Seite kommen nur ganze (ohne Hals),
halbe (leer mit Hals) und Viertel- (voll mit Hals) Noten vor. Das ist eine Längenbezeichnung,
die so heißt, wie sie gemeint ist. Vier Viertelnoten dauern so lange wie eine ganze bzw. zwei
halbe Noten. Das ist nicht neu. Schaut ruhig auf Blatt 4-2 nach. Wenn Ihr (wie früher beim
Rhythmus) gleichmäßig auf vier zählt, kann gar nichts schiefgehen.

Schlußbemerkung: Laßt Euch nicht entmutigen, wenn es nicht gleich klappt. Auch beim
Akkordspielen kam der Erfolg ja nicht sofort, oder?

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 13-2


Heute haben wir wieder einmal eine neue Zupffigur:

Diese Figur hat es in sich. Wer den schnellen Erfolg sucht, wird hier Schwierigkeiten haben.
Aber alle anderen werden mit einer äußerst interessant klingenden Figur belohnt. Allerdings,
ganz neu ist sie nicht. Sie hat starke Ähnlichkeiten mit der Zupffigur von Blatt 11-1. Diese
hier scheint sogar etwas einfacher.

Hier gilt genau das selbe, was schon bei der anderen Figur gesagt wurde.

Carioca-Form:

(E)
0 0 0 0 0 0
T 4 0 0 0 0 0 0
A 4 1 1 1 1
B
0 0 0 0 0 0

Die Baßsaite wird wie üblich mit dem Daumen gespielt, die Diskantsaiten werden vom Ring-,
Mittel- und Zeigefinger bearbeitet.

Übt auch diese Figur zuerst superlangsam und singt erst, wenn ihr sicher seid.

Da ihr aber schon eine ähnliche Figur kennt, werdet ihr hier eher Erfolg haben. Daher hier
eine Übersicht, welche Lieder unserer Mappe für diese Figur geeignet sind. Die Nennung
bedeutet aber nicht, daß die Carioca-Form die beste Begleitung wäre oder immer benutzt
werden müßte.
Gerade vor größeren Gruppen ist meist eine laute Begleitung geraten.

Geeignete Lieder sind z.B.:


• Einmal wurd’ es am Himmel hell
• Katjuscha
• Oh Freedom
• Sind so kleine Hände (aber Originalfigur ist noch schöner)

Nach meiner Einschätzung ist die Carioca-Form eine der schwierigsten Begleitformen. Aber
auch wenn Ihr die Carioca-Form beherrscht, wird noch manches zu erlernen sein.

Zum Beispiel das Finger-Picking. Das wollen wir demnächst lernen. Es ist handwerklich noch
schwieriger als die heutige Figur, dafür paßt es zu fast jedem Lied im 4/4-Takt. Vor allem für
die Freunde beider Arten von Musik (Country und Western) ist das Picking im Prinzip Pflicht.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 14-1


Heute wieder richtig schwere Begleitung:

Wir wollen das Finger-Picking erlernen. Das ist meines Erachtens die wichtigste und
nützlichste Zupffigur. Sie ist zunächst etwas schwierig, da der Ablauf komplex gestaltet ist,
aber wenn man erst einmal „durchsieht“, ist das Picking recht leicht.

Es gibt viele Varianten, das Picking zu erlernen. (Es gibt auch viele Pickingvarianten, wir
beschränken uns auf die folgende.)
Man könnte Stück für Stück beginnen, zuerst mit zwei Fingern und dann immer weiter, aber
ich denke, wir können so viel, daß wir uns alles auf einmal zutrauen. Wir machen es wie
bisher, wir fangen ganz langsam an und versuchen, die Figur „in die Hand“ zu bekommen.
Außerdem haben wir ja schon etwas vorgebaut und auf Blatt 12-1 den Daumen geübt.

Finger-Picking:

Hier in G-Dur:
D D M D R D M
(G)
3
T 4 0 0
A 4 0 0
B 2
3
1 u. 2 u. 3 u. 4 u.
Und in C-Dur:
D D M D R D M
(C)
0
T 4 1 1
A 4 0 0
B 3
3
1 u. 2 u. 3 u. 4 u.
Nicht zuletzt in D-Dur:
D D M D R D M
(D)
2
T 4 3 3
A 4 0 2 2
B 0
1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

Seht Euch die Figuren an. Ihr merkt, daß die Finger der rechten Hand im Prinzip immer das
selbe machen. Der Daumen berücksichtigt die unterschiedlich plazierten Baßsaiten. Mittel-
und Ringfinger haben die h- bzw. e-Saite zu bedienen. So kommt es, daß Ihr C, am und A in
der rechten Hand gleich zupft. Identisch sind auch E, G und em. Und D und dm sind auch
Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 15-1
gleich. Die Barreégriffe lassen sich auf ihre Ausgangsgriffe zurückführen, zum Beispiel ist die
Figur für F gleich der für E.

Zuerst wollen wir mit C-Dur anfangen. Nehmt die mittlere obige Figur.

Zählt fest mit. Achtet auf die Pause bei 1und! Das ist schwierig, aber sehr wichtig. Wenn ihr
sicher seid, dann wechselt auf am und wieder zurück. Die Figur ändert sich dabei nicht, ihr
spielt immer noch das selbe Schema! Doch der Klangwechsel verwirrt zunächst. Übt das!

Wenn ihr wollt, dann verfahrt ähnlich mit G und em.

Die Klassifizierung hier benutzt G und C, weil diese Akkorde in Liedern für Gitarre, die sich
mit Picking begleiten lassen, weit häufiger vorkommen als die sonst üblichen E und A.

Die Hauptarbeit hat der Daumen. Er spielt immer auf die vollen Zeiten, genau wie wir es
früher bereits geübt haben. Der Baßwechsel tritt nur zu 1 und zu 3 auf. Die Finger spielen die
„und“, allerdings bleibt „1und“ frei.

(C-Typ) (G-Typ)
R R
T 4 M M T 4 M M
A 4 D D A 4 D D
B D B D
D D
1 u. 2 u. 3 u. 4 u. 1 u. 2 u. 3 u. 4 u.

Ihr merkt den Unterschied: nur die Baßsaiten sind von Änderungen betroffen. Darum ist das
Picking, wenn man es einmal kann, keine schwierige Zupffigur mehr.

Geeignete Lieder für das Picking sind fast alle im 4/4-Takt. Die im 2/4-Takt klingen nur bei
doppelter Zupfgeschwindigkeit. Besonders Country- und Folklieder eignen sich, da hier auch
der Ursprung der Pickingbegleitung liegt.

Aus unserer Mappe:


• Bolle reiste jüngst zu Pfingsten
• Einmal wurd’ es am Himmel hell
• Er hält die Welt in seiner Hand
• Hewenu Schalom Elechem
• Katjuscha
• Lady In Black
• Meine Seele ist stille zu Gott
• Nehmt Abschied, Brüder
• Oh Freedom
• Sind so kleine Hände (nur bedingt, Picking klingt hier „zu ruppig“)
• The Hammer Song
• Von Bäumen lernen
• Wie ein Fest nach langer Trauer (Versöhnungslied)

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 15-2


Notenspiel ist einfach:

Nun haben wir uns schon redlich gemüht, um nach Noten zu spielen. Unser erstes Lied hatten
wir schon, aber das war wohl noch nicht so schwer. Und unsere kleine Schwester könnte auch
mehr beeindruckt sein. Jedoch ist das spielen nach Noten eine zähe Geschichte.

Um das zu erleichtern, kann man auch nach der uns bekannten Tabulaturschreibweise spielen.
Hier sieht man sofort, welche Saite an der Reihe ist. Allerdings können Nicht-Gitarristen
kaum ohne weiteres mit uns musizieren. Darum soll der folgende Blues ein zwar fetziger und
dabei noch nicht zu schwerer, aber eben doch nur einmaliger Ausflug in das Spielen nach
Tabulaturschreibweise sein.

Bei diesem Blues geben die eingeklammerten Griffe den Blues-Akkord an, nicht die zu
greifenden Saiten. Ausnahme: der D7-Griff mit Stern (am Ende) gibt einen Hinweis auf die
Fingerstellung, jedoch ist erst die 3. Durchführung ein D7. Der Rhythmus ähnelt dem des
Swing. Zählt also bei euch im Inneren in Triolen 1 hi hi 2 hi hi usw.

Für den Spaß - ein Blues in Tabulaturschreibweise:

(E)
T 4
A 4
B 2 2 4 4 5 5 4 4 2 2 4 4 5 5 4 4 2 2 4 4 5 5 4 4
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4

(A)
T 4
A 4 2 2 4 4 5 5 4 4 2 2 4 4 5 5 4 4
B 2 2 4 4 5 5 4 4 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
0 0 0 0 0 0 0 0
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4

(E) (H)
T 4
A 4 1 1 2 2 1 1
4 4
B 2 2 4 4 5 5 4 4 2 2 4 4 5 5 4 4 2 2 2 2 2 2 2 2
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
1 2 3 4 1 2 3 4 1 2 3 4
3
(A) (E) (*D7) (E) (H)
4 3 2 0
T 4 3 2 1 0
A 4 2 4 3 2 1
2 4 4 5 5 4 4 2 3 4
B 0 0 0 0 0 0 0 0 2 0 1 2
0
1 2 3 4 1 RMZ RMZ RMZ 1 2 3 4

(E)
2.Schluß: 0
T 4 0
A 4 1
B
0

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 16-1


Und zur Abwechslung wieder einmal Notenspiel:

Heute wollen wir üben, welche Saite wir für welchen Ton im Notensystem verwenden.
Eigentlich könnte sich das jeder selbst erschließen, aber hier steht es wenigstens zur
Selbstkontrolle.

An dieser Stelle sei wiederholt, daß die Gitarre eine Oktave tiefer klingt als notiert. Das
bedeutet, wir müßten höher spielen als wir es tun. Aber das ist nicht so bequem möglich und
oft paßt es auch nicht. Jeder erwartet die Töne dort, wo wir sie jetzt üben werden. Die
akustische Gitarre klingt in diesem Bereich auch am schönsten.

0 1 3
T 4 0 1 3
A 4 0 2
0 2 3 4 4
B 0 2 3
0 1 3
e f g a h c d e f fis ges g a h c d e f g

e f g a h c d e f fis ges g a h c d e f g

Die Notation der halben Noten habe ich hier nur beispielhaft ausgeführt. Wir wissen ja, daß es
sehr oft halbe Noten gibt, die sich zwischen die ganzen Noten einordnen. Auf dem Griffbrett
ist das Erkennen von Ganz- und Halbtonschritten aber leicht: Ein Halbtonschritt geht zum
nächsten Bund und ein Ganztonschritt macht einen „Doppelschritt“ über zwei Bünde.

Die Sonderzeichen in der Notenzeile bedeuten in der Reihenfolge des Auftretens (wie Ihr
schon wißt): „Kreuz“ ( ) erhöht die Note um einen Halbton, „be“ ( ) erniedrigt die Note um
einen Halbton und „Auflösungszeichen“ ( ) hebt alle vorherigen Veränderungen auf. Diese
Zeichen gelten nur auf der Notenzeile wo sie stehen und gelten höchstens bis zum Taktstrich.
Jedes Zeichen für sich hebt auch alle vorherigen auf. (Beispiel: be auf Kreuz erniedrigt die
Note um einen Halbton, so wie es das auch ohne Kreuz tun würde.)

Versucht, die Notenleitern von der 7. Stunde zu spielen (Blatt 7-4). Konzentriert Euch dabei
auf die bei Gitarrenstücken häufigen Tonarten C-, G- und D-Dur. Vergeßt dabei nicht den
wechselseitigen Einsatz von Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand, wie wir das schon
früher geübt haben.

M Z M Z M Z M Z M Z M Z

Setzt die Tonleitern nach unten und oben hin fort. So bekommt ihr Übung beim erkennen der
Noten und beim Finden derselben auf der Gitarre.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 17-1


Wieder Tonleitern - Moll:

Die Dur-Tonleitern kennen wir schon seit längerem (Stunde 7), aber es gibt noch eine zweite
Familie von Tonleitern. Und die hat, damit es nicht zu leicht wird, gleich drei Vertreter. Wir
wollen diese Angelegenheit beispielhaft nur an a-Moll ansehen, die anderen Moll-Tonarten
könnt ihr euch leicht herleiten. Wenn es Probleme gibt, dann müßt ihr einfach fragen.

1. Reines Moll:

Die Halbtonschritte liegen zwischen der 2. und 3. bzw. der 5. und 6. Note der Tonleiter. Zum
Vergleich: beim Dur waren es die 3./4. und 7./8. Noten. Dieser Versatz wird erreicht, indem
man im Vergleich zum Dur eine Terz (3 Noten) tiefer beginnt zu spielen. So wird aus C-Dur
eben a-Moll.
Ganztonschritt Halbtonschritt Halbtonschritt Ganztonschritt

“
C-Dur
” • – — ˜ ™ “ ˜
a-Moll, rein
™ “ ” • – — ˜

2. Harmonisches Moll:

Die siebente Note der Tonleiter wird um einen halben Ton erhöht. Dadurch entsteht ein
Halbtonschritt zwischen der 7. und der 8. Note (der „Durschluß“, ein typischer Klang am
Ende eines Liedes kann erreicht werden) und ein Eineinhalbtonschritt zwischen der 6. und 7.
Note. Das Vorzeichen, um den Eineinhalbtonschritt zu erreichen, steht direkt vor der Note.
Das harmonische Moll kommt am häufigsten vor.
Ganztonschritt Halbtonschritt Halbtonschritt Ganztonschritt Eineinhalbtonschritt

“
C-Dur
” • – — ˜ ™ “ ˜
a-Moll, harmonisch
™ “ ” • – — š› ˜

3. Melodisches Moll:

Hier wird bei der aufwärtslaufenden Tonleiter die 6. und die 7. Note um einen halben Ton
erhöht, die abwärtslaufende wird wie reines Moll gespielt.
Halbtonschritt Ganztonschritt

˜ ™
a-Moll, melodisch
“ ” • – š› — š› ˜ ˜ — – •
a-Moll, melodisch, abwärts wie reines Moll
” “ ™ ˜

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 18-1


Molltabelle:

Dur-Tonart C G D A E H Ges/Fis Des As Es B F

Moll-Tonart am em hm fism cism gism esm/dism bm fm cm gm dm

Vorzeichen 1 2 3 4 5 6 /6 5 4 3 2 1

Vergleicht dazu auch den Quintenzirkel. Diese Dur- und Moll-Tonarten gehören zusammen.
Sie haben vorn an der Notenzeile die gleichen Vorzeichen.

Wie erkennt Ihr Moll:

• Der letzte Ton (oder Schlußakkord) eines Liedes ist oft gleich der Tonart. Beispiel: Ein
Kreuz (G-Dur oder e-Moll), letzter Ton e, also e-Moll.
• Häufige irreguläre Vorzeichen im Stück ( ). Achtung, kein sicherer Hinweis.
• Moll-Klang ist warm, weich oder getragen, Dur-Klang dagegen stark und strahlend.
Achtung, Klangeinschätzung ist subjektiv.
• Häufige Mollgriffe im Stück. Achtung, kein sicherer Hinweis.

Was lehrt uns das?

Da wir keine Komponisten werden wollen, müssen wir uns nicht merken, wie die einzelnen
Mollarten „konstruiert“ werden. Aber wenn wir Stücke spielen wollen, sollten wir schon
wissen, was wir tun, auch um dem Charakter des Stückes zu entsprechen.

Gerade wenn wir versuchen, zu einem Stück Griffe zu finden, ist die Kenntnis der Tonart
besonders wichtig, da so schon viele Griffe grundsätzlich ausscheiden.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 18-2


Eine kleine Rhythmensammlung

Die hier gezeigten Rhythmen sollen als Vorschlag dienen, was ihr alles machen könnt. Denkt
euch so viele neue aus, wie ihr könnt, „spielt“ einfach (z.B. mit G, em, C, D).

Arpeggio (Durchstreichen
1. 2. mit dem Daumen)

einfacher Abschlag
3. 4.

5. 6.

Wechselschlag
7. 8.

9. 10. 11.

12. 13. 14.

15. 16.
3 3 3 3 3 3
Triolen

17. 1 hi hi 2 hi hi 3 hi hi 4 hi hi 18. 1 2 hi hi 3 4 hi hi

3 3 3 3 3 3 3 3

19. 1 hi hi 2 hi hi 3 hi hi 4 hi hi 20. 1 hi je hi 2 hi hi 3 hi je hi 4 hi hi

Wechselschlag, doppeltes Tempo


21.

zweitaktige Rhythmusvariante

22.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 19-1


Und noch einige Rhythmen mehr:

Arpeggio auch für 3/4-Takt


23. 24.

einfacher Abschlag
25. 26.

Wechselschlag
27. 28.

29. 30.

6/8-Takt auch durch


Zusammenziehen von 3/4-
31. 32. Figuren (zweitaktig)

Gerade die auf dieser Seite vertretenen 3/4- und 6/8-Taktungen gehören oft zu ruhigen oder
liedhaften Stücken. Hier sind Zupfbegleitungen angebracht und sollten eingesetzt werden.
Dabei ist es nur entscheidend, daß gleichmäßig gespielt wird und die Zählzeiten erkennbar
sind. Zählt also still mit (bis z.B. bis 3 oder 6).

Diese Vorschläge sollen als Anregung dienen, auch selbst zu experimentieren. Jeder kann
neue Rhythmen „erfinden“.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 19-2


Was für Gitarren es gibt

In der Hauptsache gibt es die klassische Konzertgitarre (mit 6 Nylonsaiten) und die
Westerngitarre (mit 6 Stahlsaiten). Beide werden in E a d g h e (wißt ihr schon) gestimmt. Da
wir die Konzertgitarre sehr gut kennen, folgen hier Bemerkungen zu den anderen Typen.

Eine Westerngitarre ist sehr stabil gebaut. Neben einem sehr massiven Saitenfuß besitzt sie
eine Stahlversteifung im Hals, mit der sich auch die Halskrümmung einstellen läßt, denn der
Saitenzug ist bei Stahl erheblich höher als bei Nylon. Eine Konzertgitarre hält diesem
Saitenzug nicht stand. Bespannt darum eine Konzertgitarre niemals mit Stahlsaiten. Sonst
wird die Gitarre zerstört.

Ein 12-Saiter hat, logischerweise, 12 Stahlsaiten. Diese bilden jeweils Gruppen zu 2 Saiten.
E, a, h und g werden oktav gestimmt, die höhere Saite liegt oben, wenn ihr euch die Gitarre
vor den Bauch haltet. h und e werden gleich gestimmt. Das Stimmen beim 12-Saiter ist
schwierig, besonders die hohe g-Saite ist rißgefährdet.

Elektrische Gitarren gibt es in vielen Varianten. Manche haben einen Resonanzkörper (z.B.
Gibson), andere keinen (z.B. Fender). Die Abnehmer arbeiten elektromagnetisch, darum
werden Stahlsaiten benutzt. Typische E-Gitarren haben 6 Saiten.
Abnehmer, die auf Mikrofonbasis arbeiten, können in jede Gitarre eingesetzt werden. Doch
dann sagt man Gitarre mit Abnehmer dazu. Der Begriff E-Gitarre ist vergeben. Die
Klangformung bei E-Gitarren erfolgt zum Großteil in Effektgeräten, meist bühnentauglich mit
Fußbedienung („Tretminen“) und im unbedingt notwendigen Verstärker. Auf einer E-Gitarre
kann man leicht „sägen“, also urige Klänge erzeugen, ohne viel zu tun. Für wirklich
interessantes Spiel ist aber viel Übung nötig.
Die 4-saitigen Baßgitarren sind zwar mit den E-Gitarren verwandt, bilden aber eine eigene
Gruppe. Sie klingen sehr tief, vergleichbar mit einem Kontrabaß im Orchester.

Tips zum Gitarrenkauf

Diese Tips gelten vor allem für den Kauf einer „normalen“ Konzertgitarre mit Nylon-
Besaitung. Je mehr ein Gitarrenkonzept hier abweicht, desto stärker müssen die gegebenen
Hinweise modifiziert werden.

• Äußeres Aussehen: keine Risse (besonders auf Verbindung Decke - Saitenfuß achten),
saubere Leimfugen (an Korpus, Hals, Mechanik)
• Geradlinigkeit der Bundstäbe: längs der Saiten entlangpeilen, keine Delle oder Beule,
gleichmäßige Anordnung
• Saitenabstand von den Bundstäben: nicht zu groß (weniger als ein kleiner Finger breit),
nicht zu klein (Saite schnarrt sonst), am besten mit lautem Spiel probieren (einige
Akkorde)
• Stimmen: eine guter Händler hat gestimmte Gitarren, Stimmung selbst überprüfen (neu
stimmen), verschiedene Griffe probieren, KO-Kriterium: Flagolett 12. Bund muß gleich
normaler Ton im 12. Bund sein, sonst ist Gitarre unbrauchbar
• Am Wichtigsten: Nicht verrückt machen lassen! Ruhe bewahren, Zeit nehmen. Rechnet
beim Kauf mit Lärm und Hektik um euch herum. Bedenkt eure Aufregung. Ihr könnt eine
Gitarre wegen „mangelhaftem Klang“ oder schwer nachweisbaren Bundunreinheiten später
kaum zurücktauschen. Geht lieber zweimal zum Händler. Prüft Sonderangebote doppelt
scharf!
Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 20-1
Zusatzgeräte und Hilfsmittel
Hier wollen wir uns auf Zubehör für Konzertgitarren beschränken. In der Welt der E-Gitarren
gibt es eine Vielzahl von Effektprozessoren, und täglich kommen neue hinzu.
Fußbank
Sie ist für eine gute Gitarrenhaltung unersetzlich. Wir sprachen schon zu Beginn darüber
(Blatt 2-1).
Gitarrengurt
Der Gitarrengurt ist hilfreich, wenn ihr im Stehen spielen müßt. Das ist bei Auftritten die
Regel, vor allem wenn viele Sänger dabei sind. Auch er wurde schon erwähnt (Blatt 2-1).
Beim Kauf eines Gurtes mußt Du auf die Befestigung achten. Es gibt mehrere Möglichkeiten:
• Zwei Knöpfe: einen in der Zarge, einen hinten an der Verbindung Hals-Korpus. Besonders
bei Western- und E-Gitarren verbreitet.
• Ein Knopf: in der Zarge, das andere Ende der Gurtes wird um das Halsende mit der
Mechanik geschlungen. Achtung: nicht den Klang durch dicke Knoten beeinträchtigen!
Häufig bei Konzertgitarren.
• Kein Knopf: statt dessen muß das Korpusende des Gurtes ins Schalloch eingehängt
werden. Bei einigen Konzertgitarren anzutreffen. Aber: der Knopf schützt die Zarge (und
den Lack) beim Abstellen.
Plektrum
Das Plektrum wird auch Plektron genannt (kleines Plast- oder Hornplättchen zum Anschlagen
der Saiten). Es ist vorwiegend für E-Gitarre und Western nötig und in verschiedenen Stärken
erhältlich. Probiert die euch genehmen Stärken aus.
Bottleneck
Wenn wir Hawaii-Klänge erzeugen wollen, brauchen wir den Bottle-Neck (Flaschenhals), ein
Metallröhrchen, welchen über den kleinen Finger der linken Hand gesteckt wird. Damit sind
(am eindrucksvollsten auf der E-Gitarre) stufenfreie Läufe erreichbar. Dabei wird die Saite
nicht durchgedrückt.
Capodaster
Das Capodaster, kurz Capo, ist ein sehr nützliches Hilfsmittel. Es wird am Hals befestigt und
stimmt alle Saiten entsprechend seiner Position höher. Vergleichbar ist die Arbeit mit einem
ständig und unverändert greifenden Barreè-Zeigefinger.
Mit dem Capo lassen sich Lieder leicht höher begleiten, die Originalgriffe können beibehalten
werden.
Es gibt sehr viele Capo-Bauformen. Einige werden mittels Feder um den Hals gespannt,
andere haben eine Klemmschraube. Erstere neigen zum Schnarren, letztere können bei
unsachgemäßem Gebrauch die Halsrückseite beschädigen.
Empfehlenswert ist ein Capo mit Textilband, welches um den Hals liegt und mit einem Hebel
auf der Greifseite des Halses gespannt wird. Wenn der Hebel nach oben zeigt, ist fast keine
Beeinträchtigung zu spüren.
Kaufhinweis: Es gibt glatte und gewölbte Griffbretter und entsprechende Capos. Ein
Vertauschen funktioniert nicht. Schnarren oder gar eine beschädigte Gitarre sind die Folge.
Am besten, ihr probiert ein Capo aus, bevor ihr es kauft. Manche sind auch zu dick und
erschweren das Greifen (besonders am, E, C).
Nach dem Spiel sollte das Capo von der Gitarre abgenommen werden, um die Gummiauflage
zu entlasten.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 20-2


Stimmgerät
Das einfachste Stimmgerät (und das beste) ist die Stimmgabel. Stimmsterne, die wie eine
Mundharmonika funktionieren, sind, weil leider oft zu ungenau, nicht empfehlenswert.
Elektronische Stimmgeräte können hilfreich sein. Leider wird damit das Gehör nicht trainiert.
Bessere geben auch Stimmtöne, ähnlich einem anderen Instrument, doch eine Stimmgabel ist
dann erheblich billiger.

Metronom
Ein Metronom gibt die Anzahl der Schläge pro Minute an. Es wird gebraucht, um Stücke im
richtigen Tempo einzuüben und einen gleichmäßigen Takt zu halten. Metronome gibt es in
mechanischer und elektronischer Ausführung. Mechanische müssen absolut eben stehen.
Elektronische sind mitunter zu leise.

Gitarrenständer
Einen Gitarrenständer verwenden Profis auf der Bühne, um schnell zwischen Gitarren
wechseln zu können. Auch der Gitarrenhändler verwendet sie. Es gibt kaum eine schonendere
Art, eine spielbereite Gitarre sicher zu lagern. Für den Privatspieler ist ein Gitarrenständer
aber keine raumsparende Lösung.

Stimmkurbel
Jeder Händler benutzt sie, wenn er schnell viele Gitarren besaiten muß. Die Kurbel wird auf
den Stimmwirbel gesteckt, und schon läßt sich in blitzesschnelle eine Saite austauschen. Eine
Stimmkurbel ist besonders bei Zwölfsaitern zu empfehlen.

Hülle
Zum Transport braucht man eine Hülle. Am besten sind stabile, wärmeisolierende
Behältnisse. Es gibt sogar Koffer. Hier muß jeder die richtige Mischung aus Gewicht, Kosten
und Nutzen selbst finden. Die teuren Koffer sind im Prinzip nur für sehr hochwertige Gitarren
oder den rauhen Bühneneinsatz zu empfehlen. Ungefütterte Stoffhüllen dagegen sind
unpraktisch und damit wertlos.

Notenständer
Wer nach Noten spielt, wird um einen Notenständer nicht herumkommen. Es gibt
verschiedene Ausführungen. Wichtig sind ein sicherer Stand auch bei der vollen Höhe,
ausreichende Höhe und neigbares, ausreichend großes Notenpult. Notenständer sind sehr
empfindlich gegenüber unsachgemäßem Gebrauch und stehen hier einem Musikinstrument in
nichts nach.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 20-3


Notenspiel, nun geht es richtig los:

Nachdem wir nun schon diverse Übungen zum Notenspiel kennen (Picking, Fingerwechsel)
und unser erstes Lied gespielt haben, nun noch mehr Noten zum Anfangen. Die „Melodie“ ist
zwar etwas einfach, aber wir sollten uns am Anfang nicht zuviel zumuten. Beachtet den
Fingerwechsel und die Tonhöhe. Wir verwenden nur die h- und die g-Saite.

M Z M Z M Z M Z M Z M Z M Z M Z

0 2 0 0

Bemüht euch um ein gleichmäßiges Tempo.

Nun können wir uns schon an größere Sachen wagen. Hier ein kurzes Stück für zwei Gitarren.
Jeder sollte beide Stimmen üben, wir werden dann beim nächsten Mal zusammen spielen.
Dabei kommt dann der Spaß.

M Z M Z

Git. 1:
3 0 0

M Z M Z M Z

Git. 2:
0 2 0 0

Zählt sehr genau mit. Achtet besonders auf ein gleichmäßiges Tempo. Vor allem die Gitarre 2
muß auf die halben Noten achtgeben.

Beim Zusammenspiel ist nicht das Zählen allein maßgebend. Das ist lediglich die Grundlage.
In der Stunde der Wahrheit müßt ihr aufeinander hören und euch einander anpassen. Das gilt
sowohl für das Tempo als auch für die Lautstärke. Deckt euren Duettpartner nicht zu,
versteckt euch aber auch nicht hinter ihm.

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 21-1


Notenspiel, weiter geht’s:

Heute wollen wir mit einem kleinen Kinderlied beginnen. Vielleicht erkennt ihr es. Zählt
straff mit, laßt euch anfangs Zeit und verfallt nicht in Hektik. Es ist gar nicht schwer.

M Z M Z M

0 0 0 2 0 0 3 1 0

M Z Z

3 0 1 3

Jetzt zu einem etwas schwierigeren Gebiet. Oft ist es hilfreich, einen Finger der linken Hand,
der gerade einen Ton gegriffen hat, stehen zu lassen, auch wenn er nicht mehr gebraucht wird.
(Natürlich darf er nicht stören.)
Das hat mehrere Gründe: Zum einen „wißt“ ihr besser, wo ihr auf dem Griffbrett seit, zum
anderen müßt ihr nicht neu zielen und aufsetzen, wenn gerade dieser Finger wieder gebraucht
wird.

Ein Beispiel: Die eingekreisten Finger bleiben während der punktierten Linie stehen. Vergeßt
nicht das rechtzeitige Freigeben der Saite.

M Z

0 2 0 0 0 1 3 0
M Z

2 0 1 0

Nun kann es sein, daß ihr einen Finger liegen lassen wollt, aber die anderen Töne schlecht
erreichbar sind. Nun könnt ihr entweder den Finger abheben, oder ihr übt die
Fingerbeweglichkeit und Dehnbarkeit der Hand. Betreiben wir das zweite. Solches Training
wird oft als Fesselübung bezeichnet, da die Finger wie „gefesselt“ liegen bleiben sollen.

Die ausgekreuzte Note wird gegriffen, jedoch nicht gespielt.

3 0 3 1
1 0

1 3 1 0 3 0

1
1 0 1 0

2 3 0 2 0

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 22-1


Notenspiel, noch eins:
Nachdem wir die linke Hand und die Finger der rechten Hand geübt haben, ist heute der
rechte Daumen an der Reihe.
Auch hier gibt es eine Technik, die erlernt werden muß. Es handelt sich um den angelegten
Daumenanschlag. Der Daumen ist für die Baßsaiten zuständig. Das sind die tiefe e-, die a- und
die d-Saite. Mitunter wird auch die g-Saite mit dem Daumen gespielt. Der Daumen streicht
die Saite durch und landet auf der nächsthöher klingenden. Soll sofort im Anschluß diese
Saite auch gespielt werden, darf der Daumen nicht einfach weiterstreichen, sondern sollte zur
Erhöhung der Prägnanz vorher leicht abgehoben werden. Probiert es aus:
D D D

0 0 0
0
0

Jetzt wollen wir zwei Übungen kombinieren. Wir werden eine Melodie im Dreivierteltakt
spielen und zugleich den Haltebogen kennenlernen.
Der Dreivierteltakt ist gewöhnungsbedürftig, wenn man bisher immer Viervierteltakt gespielt
hat. Aber er ist nicht wirklich schwer. Wenn man etwas locker und beschwingt an die Sache
herangeht, spielt es sich quasi von selbst.
Der Haltebogen zeigt an, daß die verbundenen Notenwerte gleicher Tonhöhe gemeinsam wie
eine Note zu behandeln sind. Es wird also nur einmal angeschlagen. Ein Haltebogen ist eher
schwierig zu zählen als schwierig zu spielen.
Es gibt neben dem Halte- noch den Bindebogen. Letzterer verbindet Notenwerte
unterschiedlicher Höhe. Hier muß mehrfach angeschlagen werden. Die Kunst besteht darin,
sehr gebunden zu spielen. Das bedeutet, der Zuhörer soll eigentlich nicht merken, daß mehrere
Male angeschlagen wurde. Hier ist eine genaue Koordination von rechter und linker Hand
nötig.
D D D

0 2 3
0 2 3

Versucht diese Übung alternativ mit den Fingern anstelle des Daumens. Merkt ihr den
Unterschied?

Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 23-1


Notenspiel, zum Letzten:

Heute nun das vorerst letzte Material zum Notenspiel. Wir wollen zweistimmig spielen. Das
ist nicht nur handwerklich anspruchsvoll, sondern wir müssen die Noten auch schnell genug
erfassen können.

Normalerweise wird die Melodielinie mit den Fingern, die Baßlinie mit dem Daumen gespielt.
Die Melodielinie muß dazu höher klingen als die Baßlinie, was meist erfüllt ist. Darum heißt
die Baßlinie auch Baßlinie. Sollte einmal der Baß die Melodie führen, muß die (Baß-)
Melodie eben mit dem Daumen gespielt werden. Das haben wir ja bereits geübt.

Hier also ein recht einfaches zweistimmige Stück:

0 2 3 2 0 2

0 2 3 2 0 2

Das folgende Stück ist schon schwerer. Beachtet hier, daß die 4 angibt, die Saite mit dem 4.
Finger zu greifen (in diesem Fall im 3. Bund). Mitunter braucht ihr den 3. Finger für den Baß,
aber auch wenn der Ringfinger frei ist, ist es an den bezeichneten Stellen günstiger, den
kleinen Finger einzusetzen.

4
4

Habt ihr das Lied erkannt? Hier der Text:

Zwischen Berg und tiefem, tiefem Tal / saßen einst zwei Hasen. / ||: Fraßen ab das
grüne, grüne Gras :|| / bis auf den Rasen.
Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 24-1
Kleine Akkordlehre

Nun sind wir schon ziemlich weit mit dem Gitarrespiel. Wir kennen viele Zupfmuster und
auch viele Griffe. Nur manchmal sehen wir eigenartige Zeichenkombinationen, die wir nicht
deuten können. Um diese besser zu verstehen, hier eine Einführung:

Ein normaler Dur-Akkord besteht aus drei Tönen: dem Grundton, der großen Terz und der
Quinte. Ein Mollakkord besteht aus dem Grundton, der kleinen Terz und der Quinte. Eine
große Terz besteht aus zwei Ganztonschritten, eine kleine Terz aus einem Ganz- und einem
Halbtonschritt. Bildlich sieht ein Akkord dann so aus:
œ  ž

Für C-Dur lauten die Töne also c (1), e (3) und g(5). Für c-Moll sind es c (1), es (3-) und g(5).
Die Zahlen sollen zur Abkürzung dienen. (1) steht für Grundton bzw. Prime, (3) für Terz und
schließlich (5) für die Quinte. Das Minus- oder auch das Pluszeichen besagt, daß der jeweilige
Ton erhöht oder erniedrigt werden muß. Aus e wird so es. Dabei ist wichtig, daß immer die
Dur-Tonleiter zu Grunde gelegt wird. Bei Moll-Akkorden ist also Obacht geboten.
Damit läßt sich jeder Akkord eindeutig bezeichnen. Die Namen der Tonabstände sind
festgelegt. Wer sich nicht erinnert, schaue am besten auf Blatt 7-3.

Nun können, um bestimmte Klangfärbungen zu erzielen, weitere Töne zu den Akkorden


genommen werden. Da die eben eingeführte Notierung etwas lang ist, werden Abkürzungen
verwendet.
Die unten plazierte Tabelle wird Klarheit schaffen. Hierbei bedeuten Zahlen größer als 8, daß
der betreffende Ton eine Oktave höher liegt.

Beim Gitarrespiel ist nicht jeder Akkord greifbar. Diejenigen, welche mehr als 6 Töne haben,
stehen gar nicht erst in der Tabelle. Sie lassen sich aber auf Grund der Systematik leicht
zusammenstellen. In so einem unspielbaren Fall muß der Akkord verkürzt, das heißt, nicht
notwendige Töne müssen weggelassen werden.

Leider halten sich nur wenige Verlage an die in der Tabelle angegebene Notation. Vor allem
amerikanische Quelle weichen deutlich ab. Besonders augenscheinlich sind große Buchstaben
für Moll-Akkorde (mit kleinem m). Auch der H-Dur-Akkord wird mit B bezeichnet. Unser B
heißt dann B .

Auch die Ergänzungstöne werden mit Buchstaben eingeführt. Es gibt folgende Bezeichner:
add, omit, maj und sub. Die auf sie folgenden Zahlen haben die selbe Bedeutung wie in der
Tabelle, auch die Plus- und Minuszeichen bleiben erhalten.

add fügt den Ton dem Akkord hinzu. Das ist normalerweise immer so, und folglich kann add
weggelassen werden.

maj verlangt immer die große Septime, also entspricht „Cmaj9“ „C9/7+“.

omit fordert das Weglassen des bezeichneten Tones. C(omit 5) besteht nur aus c und e. Das
omit wird gewöhnlich in Klammern gefaßt.
Gitarrenkurs Thomas Rühle Seite 25-1
sus weist an, die Terz durch den folgenden Ton zu ersetzen. Die (3) entfällt dabei. Csus2
besteht aus c, d und g.

Genaugenommen sind nicht alle obigen Bezeichner nötig. Csus5 und C(omit 3) sind
eigentlich gleichwertig. Hier hat eben jeder Verlag (oder Autor) seine Vorlieben.

Das Weglassen von Tönen kommt in der Tabelle hingegen gar nicht vor. Ich habe das Fehlen
bisher aber noch nicht vermißt.

Bezeichnung Töne allgemein Bezeichnung Töne allgemein


C c, e, g 1; 3; 5 C7/6 c, e, g, a, b 1; 3; 5; 6; 7-
cm c, es, g 1; 3-; 5 C9; C7/9 c, e, g, b, d8 1; 3; 5; 7-; 9
+ 5+ 5# 9 7/9 8
C ;C ;C c, e, gis 1; 3; 5+ cm ; cm c, es, g, b, d 1; 3-; 5; 7-; 9
C-; C5-; C5b c, e, ges 1; 3; 5- C9/5+; C7/9/5+; c, e, gis, b, d8 1; 3; 5+; 7-; 9
C9/+
C4 c, f, g 1; 4; 5 C9/5-; C7/9/5-; c, e, ges, b, d8 1; 3; 5-; 7-; 9
C9/-
C6 c, e, g, a 1; 3; 5; 6 C9+; C7/9+ c, e, g, b, dis8 1; 3; 5; 7-; 9+
cm6 c, es, g, a 1; 3-; 5; 6 C9-; C7/9- c, e, g, b, des8 1; 3; 5; 7-; 9-
C7 c, e, g, b 1; 3; 5; 7- C9+/5+; c, e, gis, b, 1; 3; 5+; 7-;
7/9+/5+
C ; C9+/+ dis8 9+
cm7 c, es, g, b 1; 3-; 5; 7- C9+/5-; C7/9+/5-; c, e, ges, b, 1; 3; 5-; 7-;
C9+/- dis8 9+
C7+; Cmaj7; Cj7 c, e, g, h 1; 3; 5; 7 C9-/5+; C7/9-/5+; c, e, gis, b, 1; 3; 5+; 7-;
C9-/+ des8 9-
cm7+; cmmaj7; c, es, g, h 1; 3-; 5; 7 C9-/5-; C7/9-/5-; c, e, ges, b, 1; 3; 5-; 7-; 9-
cmj7 C9-/- des8
C7/5+; C7/+ c, e, gis, b 1; 3; 5+; 7- C9/6 c, e, g, a, d8 1; 3; 5; 6; 9
C7/5-; C7/- c, e, ges, b 1; 3; 5-; 7- cm9/6 c, es, g, a, d8 1; 3-; 5; 6; 9
C7/4 c, e, f, g, b 1; 3; 4; 5; 7- C0; Cdim; c, es, ges, a 1; 3-; 5-; 6
Cverm

Wenn alle anderen Möglichkeiten versagen, kann man immer noch selbst Griffe definieren,
die man am Ende seines Stückes angibt. So spielt wenigstens jeder den Griff so, wie der
Komponist sich das gedacht hat.

Denn gerade das ist der Mangel der überausgefeilten Akkorde. Jeder findet eine andere
Greifmöglichkeit, je nach Fähigkeiten und im Umfeld zu spielenden Griffen. Und so klingt
jede Interpretation eben anders. Dies kann natürlich auch ein Gewinn (statt Mangel) sein.

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