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Mitschrift Analysis II
Vorlesung WS09/10 Prof. Dr. Jussi Behrndt
Technische Universität Berlin
2

Vorwort

Dies ist eine Mitschrift, kein Skript! Für eventuelle Fehler übernimmt
niemand die Verantwortung, sollten allerdings welche entdeckt werden
freue ich mich über Hinweise.

An dieser Mitschrift kann noch viel ”Schönheitsdienst” getan werden,


ich mache das vielleicht auch noch, allerdings reicht sie ja auch so
zum Arbeiten.

Außerdem habe ich nicht alle Grafiken aus der Vorlesung, wenn sich
also jemand erbarmt, sie als JPEG malt und mir mailt werde ich sie
auch noch einfügen.

WICHTIG: Auch dient die Mitschrift nicht als Ersatz für die Vorlesung,
wichtige Bemerkungen und Erklärungen des Dozenten tauchen nicht auf.
Ich empfehle euch also trotzdem regelmäßig zur Vorlesung zu gehen.

Weitere Mitschriften: Lineare Algebra I+II

Tipp: Nicht immer gleich ausdrucken wenns online ist, im aktuellen Teil
sind immer massenhaft Tippfehler die ich erst dann korrigiere wenn sie
mir auffallen(d.h. wenn ich die Woche darauf damit arbeite).
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Inhaltsverzeichnis
1. Integration
1.1. Treppen - und Regelfunktionen
1.2. Integration von Treppen - und Regelfunktionen
1.3. Der Hauptsatz der Differential - und Integralrechnung,
Integrationsregeln
1.4. Vertauschbarkeit von Integration und Grenzübergang
1.5 Parameterabhängige und uneigentliche Integrale
2. Topologische Räume - Eine Einführung
2.1. Grundbegriffe
2.2. Kompaktheit
2.3. Stetige Abbildungen zwischen topologischen Räumen
3. Differentialrechnung mehrerer Variablen
3.1. Differenzierbarkeit vektorwertiger Abbildungen von
mehreren Veränderlichen
3.2. Richtungsableitung und Gradient
3.3. Eigenschaften differenzierbarer Abbildungen
3.4. Höhere partielle Ableitungen und die Taylorsche Formel
3.5. Lokale Extrema
3.6. Umkehrabbildungen und der Satz über implizite Funktionen
4. Kurvenintegrale
4.1. Kurven und deren Länge
4.2. Skalare und vektorielle Kurvenintegrale
4.3. Konservative Vektorfelder und Potentiale
5. Integralrechnung im Rd
5.1. Das Integral für Treppenfunktionen
5.2. Das Integral für stetige Funktionen über kompakte Quader
5.3. Das Integral für stetige Funktionen auf offenen Mengen
5.4. Der Transformationssatz
6. Oberflächenintegrale
6.1. Hyperflächen im Rm , Tangentialebenen
6.2 Flächeninhalt - Integrale über Flächen
6.3 Orientierte Flächen, Fluß
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7. Integralsätze
7.1. Divergenz und der Gauß’sche Satz
7.2. Der Satz von Stokes im R2 und R3 .
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Kapitel 1 Integration
1.1 Treppen und Regelfunktionen

Definition 1.1 Es sei f : [a, b] → R und


a = x0 < x1 < ... < xn = b eine Zerlegung des Intervalls [a, b].
Falls die Restriktionen von f (xi−1 ,xi ) , i = 1, ... , n Konstant sind,
dann heißt f Treppenfunktion.

Bem: der Wertebereich einer Treppenfunktion ist eine endliche Menge.


Erinnerung: B([a, b]) = {f : [a, b] → R beschränkt}
Für f ∈ B([a, b]) setze kf k∞ = sup |f (x)|. k.k∞ ist eine Norm.
x∈[a,b]

⇒ (B([a, b]), k.k∞ ) Banachraum

Proposition 1.2
Die Menge der Treppenfunktionen auf [a, b] ist ein linearer
Unterraum von B([a, b]).

Beweis: offensichtlich ist jede Treppenfunktion beschränkt.


Seien f, g ∈ T ([a, b]) und λ ∈ R. Dann ist x 7→ (λf )(x) = λf (x)
natürlich auch eine Treppenfunktion. Seien a = x0 < x1 < ... < xn = b
und a = y0 < y1 < ... < ym = b Zerlegungen zu f und g.

Sei dann a = z0 < z1 < ... < zl = b eine Zerlegung mit


{z0 , z1 , ... , zl } = {x0 , x1 , ... , xn } ∪ {y0 , y1 , ... , ym }. Dann ist
x 7→ (f + g)(x) = f (x) + g(x) eine Treppenfunktion, da

(f + g) (zi−1 ,zi ) (x) = f (zi−1 ,zi ) (x) + g (zi−1 ,zi ) (x)
= const. + const. Treppenfunktion


Frage: Welche Funktionen zu B([a, b]) sind Grenzwerte von Folgen


von Treppenfunktionen.
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Satz 1.3
Zu jeder stetigen Funktion f : [a, b] → R existiert eine Folge
(gn )n∈N von Treppenfunktionen, so dass lim kgn − f k∞ = 0.
n→∞
d.h. (gn )n∈N konvergiert gleichmäßig gegen f .

Beweis: Es sei f : [a, b] → R stetig und seien


b−a
xi = xi (n) = a + a
i, i = 0, 1, ... , n
und a = x0 < x1 < ... < xn = b eine Zerlegung von [a, b].

f (zi ), xi−1 < x < xi und z ∈ [xi−1 , xi ) bel.
Definiere gn(x) =
f (b), x = b

Dann ist gn eine Treppenfunktion auf [a, b].


f ist stetig auf kompakten, also gleichmäßig stetig, d.h.
∀ε > 0∃δ(ε) > 0∀x, y ∈ [a, b] : |x − y| < δ(ε) ⇒ |f (x) − f (y)| < ε

(b−a)
Sei ε > 0 und sei n0 (ε) = δ(ε)
. Dann gilt für n ∈ N mit n > n0 (ε) :
Für x ∈ [xi−1 , xi ) und zi ∈ [xi−1 , xi )
 
|x − zi | ≤ |xi − xi−1 | = a + b−a
a
i − a+ b−a
a
(i − 1)
b−a b−a
= n
< n0 (ε)
= δ(ε)
und damit ist für x ∈ [xi−1 , xi )
|gn (x) − f (x)| = |f (zi ) − f (x)| < ε ⇒ sup |gn (x) − f (x)| < ε
x∈[xi−1 ,xi )

Das gilt aber für jedes [xi−1 , xi ) und bei b ist gn (b) = f (b)
also folgt: kgn − f k∞ = sup |gn (x) − f (x)| < ε.
x∈[a,b]

Definition 1.4
Jede Funktion f : [a, b] → R zu der eine Folge von Treppenfunktion
(gn )n∈N mit kgn − f k∞ → 0 für n → ∞ existiert heißt Regelfunktion.

Korollar 1.5 Jede stetige Funktion ist eine Regelfunktion.


7

Satz 1.6
Eine Funktion f : [a, b] → R ist eine Regelfunktion genau dann wenn
zu jedem inneren Punkt von [a, b] ein rechts und linksseitiger Grenzwert
existiert und an den Randpunkten die einseitigen Grenzwerte existieren.

Beispiel: einer Funktion aus B([a, b]) die keine Regelfunktionen sind:

1, x ∈ [a, b] ∩ Q
f (x) =
0 sonst

Formal:
f : [a, b] → R Regelfunktion ⇐⇒ ∀x0 ∈ (a, b) ex. lim f (x) und lim f (x)
x%x0 x&x0

und limf (x) und limf (x) ex.


x%b x&a

Beweis:
Mit B(x, δ) bezeichne eine δ-Umgebung um x.
”⇒” Sei f : [a, b] → R Regelfunktion und x0 ∈ [a, b). Wir zeigen,
dass lim f (x) existiert (Analog zeigt man lim f (x) für x0 ∈ (a, b] .)
x&x0 x%x0

Sei (g n )n∈N eine Folge von Trepenfunktionen, mit kgn − f k∞ → 0


für n → ∞. Seien x, y > x0 . Dann gilt
|f (x) − f (y)| ≤ |f (x) − gn (x)| + |gn (x) − gn (y)| + |gn (y) − f (y)|
≤ 2kf − gn k∞ + |gn (x) − gn (y)|
Es ist x0 in einem Konstanzintervall von gn oder Randpunkt eines solchen.
Sei ε > 0 und n(ε) = n ∈ N mit kgn − f k∞ < ε. Sei weiter δ(ε) = δ
so gewählt, dass kgn (x) − gn (y)k = 0 für |x − x0 | < δ und |y − x0 | < δ.
Also ist |f (x) − f (y)| ≤ 2ε. Ist nun (xn )n∈N eine Folge in (a, b) mit
e ∈ N mit
xn > x0 und lim xn = x0 dann gibt es zu ε > 0 ein n
n→∞
|f (xn ) − f (xm )| ≤ 2ε für alle n, m ≥ n
e. Also ist (f (xn ))n∈N eine
Cauchy-Folge in R und damit konvergent gegen lim f (x).
x&x0

”⇐” Die Grenzwerte von f mögen entsprechend existieren,


d.h. zu x0 ∈ [a, b] gilt:
∀ε > 0 ∃δ > 0 mit |x − x0 | < δ und |y − x0 | < δ und
x, y > x0 ⇒ |f (x) − f (y)| < ε
8

In anderen Worten: Zu ε > 0∃δ > 0


∀x, y ∈ B(x0 , δ) = {v ∈ R : |v − x0 | < δ} = (x0 − δ, x0 + δ)
mit x, y > x0 ⇒ |f (x) − f (y)| < δ
x, y < x0 ⇒ |f (x) − f (y)| < δ

S
Nun gilt B(x0 , δ) ⊃ [a, b] und da [a, b] kompakt ist,
x0 ∈[a,b]
n
S
folgt, dass x1 , x2 , ... , xn ∈ [a, b] existieren, mit B(xi , δi ) ⊃ [a, b]
i=1
mit x1 < x2 < ... < xn . Es sei dann a = y0 < y1 < ... < yN < b so gewählt,
dass die yj mit den Punkten xi , xi + δi oder xi − δi übereinstimmen,
i = 1, ... , n.
Seien dann ξj ∈ (yj , yj+1 ), j = 0, ... , N − 1 und definiere g : [a, b] → R

f (ξj ) x ∈ (yj , yj+1 )
Treppenfunktion: g(x) =
f (x) x = yj

Dann gilt für x = yj : g(x) = f (x) und für x ∈ (yj , yj+1 ) ist
|f (x) − g(x)| = |f (x) − f (ξj )|
wegen x, ξj ∈ B(xk , δk ) für ein k = 1, ... , n sind x, ξj > xk
oder x, ξj < xk und daher folgt< ε
⇒ Dies gilt für alle (yj , yj+1 ) j = 0, ... , N − 1
damit gilt kf − gk∞ = sup |f (x) − g(x)| < δ
x∈[a,b]

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1.2 Integration von Treppen und Regelfunktionen


Definition 1.7
Sei a = x0 < x1 < ... < xn = b eine Zerlegung von [a, b] und
g : [a, b] → R mit g(x) = ck , x ∈ (xk−1 , xk ), k = 1, ... , n
´b n
P
Dann heißt I(g) := g(x)dx := ck (xk − xk−1 ) Integral der
a k=1
Treppenfunktion g.

Bemerkung: I(g) hängt nicht von der gewählten Zerlegung ab.

Proposition 1.8 Die Abbildung


{Menge der Treppenfkt}3 g 7→ I(g) ∈ R
ist ein beschränktes lineares Funktional (Linearform), d.h. es gilt:
I(g1 + g2 ) = I(g1 ) + I(g2 ), I(λg) = λI(g) g, g1 , g2 Treppenfkt.
und es ex. M ≥ 0 mit |I(g)| ≤ M kgk∞
(hier kann M = b − a gewählt werden)

Weiter ist g 7→ I(g) positiv und monoton.


positiv: g(x) ≥ 0∀x ∈ [a, b] ⇒ I(g) > 0
monoton: g2 (x) ≥ g1 (x)∀x ∈ [a, b] ⇒ I(g2 ) ≥ I(g1 )

Beweis: Übung

Satz 1.9
Sei g : [a, b] → R eine Treppenfunktion und c ∈ (a, b).
´c ´b ´b
Dann gilt: g(x)dx + g(x)dx = g(x)dx
a c a

Beweis: Sei a = x0 < x1 < ... < xn = b und g8x) = cn für x ∈ (xk−1 xk )
Sei c 6= xj (sonst gleiche Zerlegung beibehalten). j = 0, ... , n.
Dann ist c ∈ (xj , xj+1 ), j ∈ 0, ... , n. Wähle yn , k = 0, ... , n + 1 so folgt y0 = x0 = a, y1 =
x1 , ... , yj = xj , yj+1 = c, yj+2 = xj+1 , ... yn+1 = xn = b
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´c ´b
Da g (a,c) und g (c,b) Treppenfunktionen sind, sind g(x)dx und g(x)dx
a c
definiert.
´c ´b j+1
P n+1
P
g(x)dx + g(x)dx = ck (yk − yk−1 ) + cl−1 (yl − yl−1 )
a c k=1 l=j+2
j
P n+1
P
= ck (xk − xk−1 ) + cj+1 (c − yj ) + cj+1 (yj+2 − c) + cl−1 (xl−1 − xl−2 )
k=1 k=j+2
j
P n
P
= ck (xk − xk−1 ) + cj+1 (xj+1 − xj ) + ck (xk − xk−1 )
k=1 k=j+2
n
P ´b
= ck (xk − xk−1 ) = g(x)dx
k=1 a


Wiederholung:
|I(g)| ≤ (b − a)kgk∞

´b
Wunsch: Sei g eine Regelfunktion. Definiere I(g) = g(x)dx.
a
Wähle (gn )n∈N Folge von Treppenfunktionen, kg − gn k∞ → 0, n → ∞.
´b
Setze dann I(g) = g(x)dx := lim I(gn ).
a n→∞

Problemchen: Ex. lim I(gn )? Ist lim I(gn ) unabhängig von der Wahl der
n→∞ n→∞
approximierenden Folge (gn )n∈N ?

Lemma 1.10
Sei g : [a, b] → R eine Regelfunktion und (gn )n∈N eine Folge von
Treppenfunktionen mit kg − gn k∞ → 0, n → ∞, dann ist
´b
I(g) = g(x)dx := lim I(gn ) wohldefiniert.
a n→∞

Beweis: Da |I(gn ) − I(gm )| = |I(gn − gm )| ≤ (b − a)kgn − gm k∞ → 0


für n, m → ∞ ist (I(gn ))n∈N eine Cauchyfolge in R. Damit existiert
lim I(gn ) und ist gleich I(g).
n→∞
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Seien (gn )n∈N , (hn )n∈N zwei folgen von Treppenfunktionen mit
kg − gn k∞ → 0, n → ∞ und kg − hn k∞ → 0, n → ∞. Dann ist
|I(gn ) − I(hn )| ≤ (b − a)kgn − hn k∞
≤ (b − a) (kgn − gk∞ + khn − gk∞ )→ 0, n → ∞
und damit lim I(gn ) = lim I(hn ).

Bemerkung: Die Abbildung {Raum der Regelfunktionen} 3 g 7→ I(g) ∈ R
hat die folgenden Eigenschaften:
• Linearität: I(g1 + g2 ) = I(g1 ) + I(g2 ) und I(λg) = λI(g), λ ∈ R
• Stetigkeit: |I(g)| ≤ (b − a)kgk∞
• Positivität: g(x) ≥ 0∀x ∈ [a, b] ⇒ I(g) > 0

z.B. (g1,n )n∈N und (g2,n )n∈N seien Treppenfunktionen mit


kgi,n − gi k∞ i = 1, 2

|I(g1 + g2 ) − (I(g1 ) + I(g2 ))|


= |I(g1 + g2 ) − I(g1,n + g2,n )|+ |I(g1,n + g2,n ) − I(g1,n ) − I(g2,n )|
| {z }
=0
+|I(g1,n + g2,n ) − I(g1 ) − I(g2 )|→ 0, n → ∞

Satz 1.11 (MWS der Integralrechnung)


Sei f : [a, b] → R stetig. Dann ex. ein ξ ∈ (a, b) mit
´b
I(f ) = f (x)dx = (b − a)f (ξ)
a
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Beweis: Aus inf f (x) ≤ f (x) ≤ sup f (x) folgt


x∈[a,b] x∈[a,b]

´b ´b ´b
inf f (x)dx ≤ f (x)dx ≤ sup f (x)dx
a x∈[a,b] a a x∈[a,b]

d.h. (b − a) inf f (x) ≤ (b − a)f (x) ≤ (b − a) sup f (x)


x∈[a,b] x∈[a,b]
" #
1
´b
Dann folgt: b−a
f (x)dx ∈ inf f (x), sup f (x)
a x∈[a,b] x∈[a,b]

und nach dem Zwischenwertsatz existiert, da f stetig ein ξ ∈ [a, b]


1
´b
mit f (ξ) = b−a f (x)dx
a


Satz 1.12
Sei f : [a, b] → R Regelfunktion und c ∈ (a, b).
´c ´b ´b
Dann gilt f (x)dx + f (x)dx = f (x)dx.
a c a

Beweis: Auch die Restriktionen f [a,c] und f [c,b] von f


sind Regelfunktionen, da kf − gn k∞ → 0 auch

f [a,c] −gn [a,c] k∞ → 0 impliziert. Hier sind (gn )
n∈N Treppenfkt.

und f [c,b] −gn [c,b] k∞ → 0.
13

´c ´b ´c ´b
f (x)dx + f (x)dx = lim gn (x)dx + lim gn (x)dx
a c n→∞ a n→∞ c

´ ´b ´b ´b
c 
= lim gn (x)dx + gn (x)dx = lim gn (x)dx = f (x)dx
n→∞ a c Satz 1.9 n→∞ a a

´b á
Vereinbarung: Für a ≥ b definieren wir f (x)dx = − f (x)dx
a b
´c ´b ´b
Dann gilt ∀a, b, c ∈ R f (x)dx + f (x)dx = f (x)dx
a c a
´b
Insbesondere f (x)dx = 0
a
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1.3 Hauptsatz der Differential- und Integralrechnung

Satz 1.13
Sei f : [a, b] → R eine Regelfunktion. Dann ist die Funktion

F : [a, b] → R x 7→ F (x) := f (t)dt auf [a, b] stetig, einseitig
a
0
differenzierbar und für die rechts-, bzw. linksseitige Ableitung F+ und
0 0 0
F− gilt F+ (x) = f (x+ ) = lim f (t) und F− (x) = f (x− ) = lim f (t)
t&x t%x


Beweis: Da f [a,x] = eine Regelfunktion, ist F (x) = f (t)dt wohldefiniert
a
´1
x ´2
x
seien x1 , x2 ∈ [a, b]. Dann gilt F (x2 ) − F (x1 ) = f (t)dt − f (t)dt
a a

´2
x
´2
x
= f (t)dt und daher |F (x2 ) − F (x1 )| = f (t)dt| ≤ kf k∞ |x2 − x1 |,
x1 x1
also ist F stetig.
0
Wir betrachten die rechtsseitige Ableitung F+ :
Sei h > 0 und betrachte
´
x+h ´
x+h ´
x+h
F (x + h) − F (x) − f (x+ )h = f (t)dt − f (x+ )dt = (f (t) − f (x+ ))dt
x x x
Es folgt:
F (x+h)−F (x) 1
´
x+h

h
= f (x+ ) + h
(f (t) − f (x+ ))dt
x
Wegen lim f (t) = f (x+ ) ex ∀ε > 0 ein δ(ε) > 0 mit
t&x

t ∈ [x, x + δ(ge)] ⇒ |f (t) − f (x+ )| < ε


´
x+h


Also ist | h (f (t) − f (x+ ))dt ≤ h1 sup |f (t) − f (x+ )| · h < ε für h < δ(e)
1
x t∈[x,x+h]

und daher ist


0 ´
x+h
F+ (x) = lim F (x+h)−F
h
(x)
= f (x+ ) + lim h1 (f (t) − f (x+ ))dt = f (x+ )
h→0 h→0 x
= limf (t)
t→x

15

Satz 1.14(Hauptsatz)

Sei f : [a, b] → R stetig. Dann ist F : [a, b] → R : x 7→ F (x) = f (t)dt
a
0
stetig differenzierbar, es gilt F = f .

Beweis: f stetig & Satz 1.13

Erinnerung: F heißt Stammfunktion für f , falls F 0 = f .

Satz 1.15
Sei f : [a, b] → R stetig, und sei Fe eine Stammfunktion von f .
´b
Dann gilt f (t)dt = Fe(b) − Fe(a) =: Fe(x)|ba .
a


Beweis: Nach dem Hauptsatz ist F (x) = f (t)dt eine Stammfunktion von f .
a
Da sich je zwei Stammfunktionen f nur um eine reelle Konstante
unterscheiden, folgt dass F − Fe = c ∈ R. Damit gilt:
´b
f (t)dt = F (b) − F (a) = Fe + c − (Fe(a) + c) = Fe(b) − Fe(a)
a | {z }

= f (t)dt=0
a

Satz 1.16 (Substitutionsregel)


Sei f stetig, stetig diffbar und f ◦ g sei erklärt. Dann gilt:
´b ´
g(b)
f (g(t))g 0 (t)dt = f (t)dt
a g(a)

Beweis: Sei F eine Stammfunktion von f . Dann gilt


(F ◦ g)0 (t) = F 0 (g(t))g 0 (t) = (f ◦ g)(t)g 0 (t), d.h.
F ◦ g ist eine Stammfunktion von (f ◦ g)g 0 daher ist
´b ´
g(b)
(f ◦ g)(t)g 0 (t)dt = F (g(b)) − F (g(a)) = f (t)dt
a g(a)

16

=g
π z }| {
sin( π4 )
´4 sin(t) ´ x 1

x 2 2 1

Beispiel: |e {z }cos(t)dt = e dx = e |0 = e 2 2 − 1
0 | {z } sin(0)
=f =g 0
´ ´
oder: x = sin(t), dx
dt
= cos(t) ... = dx
ex cos(t) cos(t) = ex

Satz 1.17 (Partielle Integration)


Sei f stetig, F Stammfunktion von f und g stetig, differenzierbar.
Dann gilt:
´b ´b
f (x)g(x)dx = F (b)g(b) − F (a)g(a) − F (x)g 0 (x)dx
a a

Beweis: Es gilt (F g)0 = f g + F g 0 und daher


´b ´b ´b
f (x)g(x)dx = (F (x)g(x))0 dx − F (x)g 0 (x)dx
a a a
´b
= F (b)g(b) − F (a)g(a)− F (x)g 0 (x)dx
a


Bsp:
é é
x2 x2 e2 x2 e e2 e2
x lnx dx = 2
lnx|e1 − 2
· x1 dx = 2
− |
4 1
= 2
− 4
+ 1
4
1 =f =g 1

Satz 1.18 (Partialbruchzerlegung)


Seien f, g Polynome mit grad(f ) = n und grad(g) = m und es gelte n < m.
Dann existiert eine eindeutig bestimmte Zerlegung
r  c cj,kj−1

f (x) P j,kj cj,1
g(x)
= (x−a )kj
+ (x−a )kj −1
+ · · · + x−aj
j j
j=1
wobei aj ∈ C, j = 1, ... , r die Nullstellen des Nennerpolynoms sind,
kj ∈ N die Vielfachheit der Nullstelle aj und cj,kj ∈ C.

Beweis: Algebra VL & g(x) = α(x − a1 )k1 (x − a2 )k2 · · · (x − ar )kr

´b f (x)
Bemerkung: g(x)
dx, f, g Polynom berechnet man mit:
a
17

1

´  n > 1, a ∈ C
(1−n)(x−a)n
1
(x−a)n
dx = ln|x − a| n = 1, a ∈ R
1
2
ln(x2 + 1) + i arctan(x), n = 1, a = i

n = 1, a = i
´ 1 ´ ´ ´
x−a
= xx+i 2 +1 =
x
x2 +1
+ i x21+1

1.4 Vertauschbarkeit von Integralen und Grenzübergang


Sei (fn )n∈N eine Folge von Regelfunktionen fn : [a, b] → R und
fn → f punktweise (d.h. lim fn (x) = f (x)∀x ∈ [a, b])
n→∞
und f sei eine Regelfunktion. Wann und wie und warum gilt
´b ´b
lim fn (x)dx = lim fn (x) fn (x)dx (I) ???
a n→∞ n→∞ a

Satz 1.19
Sei (fn )n∈N eine Folge von Regelfkt. die gleichmäßig gegen ein f
konvergiert. Dann ist f eine Regelfunktion und (I) gilt.

Beweis: Wähle n ∈ N so dass kf − fn k∞ < 2ε und k ∈ N so dass



(n) (n)
fn − gk < 2ε mit einer Treppenfunktion gk gilt.



(n)
⇒ f − gk < ε ⇒ f Regelfunktion


´ ´
b b


f (x)dx − fn (x)dx ≤ (b − a)kf − fn k → 0, n → ∞

a a
´b ´b ´b
⇒ f (x)dx = lim fn (x)dx = lim f (x)dx
a a n→∞ n→∞ a

Bemerkung und Beispiel


P∞
Ist fn (x) auf [a, b] gleichmäßig konvergent und fn
n=0
´b P ∞ ´b
∞ 
P
Regelfunktionenfolge. Dann folgt fn (x) dx = fn (x)dx
a n=0 n=0 a
18


1
q n und konv. glm. [−1 + σ, 1 − σ] , für σ > 0
P
Für |q| < 1 ist 1−q
=
n=0
x́ x́ P

1
Mit q = −t2 : arctan x = 1+t2
dt = (−1)n t2n dt
0 0 n=0
∞ x́ ∞ 2n+1
(−1)n t2n dt = (−1)n x2n+1
P P
=
n=0 0 n=0

Beispiel ”Punktweise Konvergenz reicht nicht aus um lim zu vert.”



 0 x=0
fn : [0, 1 → R, fn (x) = cn x ∈ (0, n1 ) wobei (cn )n∈N ⊂ R
0 x ∈ [ n1 , 1]


cn
Es gilt lim fn (x) = 0 und fn (x)dx = n
n→∞ 0

Daher gilt: • Sei (cn )n∈N beschränkt, dann ist


1́ 1́
0= lim fn (x)dx = lim fn (x)dx = lim cnn = 0
0 n→∞ 0
• Sei cn = n
1́ 1́
0= lim fn (x)dx 6= lim fn (x)dx = lim nn = 1
0 n→∞ 0
2
• Sei cn = n
1́ 1́
2
0= lim fn (x)dx 6= lim fn (x)dx = lim nn existiert nicht.
0 n→∞ 0

Satz 1.20 (Arzela-Osgood)


Sei fn [a, b] → R eine punktweise konvergente Folge von Regelfunktionen
und die Grenzfunktion f sei wieder eine Regelfunktion. Falls die Folge
(kf k∞ ) beschränkt ist gilt
´b ´b
lim fn (x)dx = f (x)dx
n→∞ a a

Beweis: Setze gn = fn − f . Dann ist gn Regelfunktion und


lim gn (x) = lim (fn (x) − f (x)) = 0 und es gilt
n→∞ n→∞
kgn k∞ = kfn − f k∞ ≤ kf k∞ + kf k∞ ≤ C + kf k∞

Zeige daher:
19

Lemma 1.21
Sei (gn )n∈N eine Folge von Regelfunktionen mit
(i) lim gn (x) = 0 und (ii) kgn k∞ ≤ C
n→∞
´b
Daher gilt lim gn (x)dx = 0.
n→∞ a

Beweis: Es genügt die Aussage für Treppenfunktionen zu zeigen, denn zu


1
jedem gn ex. eine Treppenfunktion fn mit kgn − fn k∞ ≤ n
Dann gilt (i) und (ii) für die Folge (fn )n∈N und
|I(gn ) − I(fn )| ≤ (b − a)kgn − fn k → 0 für n → ∞

Beweis des Lemmas für Treppenfunktionen gn :


´b
- Schritt 1: Sei g eine Treppenfunktion mit | g(x)dx| ≥ ε > 0
a
n o
ε
Dann ist die Menge S := x ∈ [a, b] |g(x)| ≥ 2(b−a)

Vereinigung von endlich vielen disjunkten Intervallen, für deren


ε
Gesamtlänge λ(S) gilt: λ(S) ≥ 2kgk∞

Beweis Schritt 1: Sei g Treppenfunktion, die auf dem Intervall In ⊂ [a, b]


´b P
den Wert ck annimmt. Dann ist g(x)dx = ck λ(In ) Spalte die Summe in
a k
ε ε
Summanden mit |ck | < 2(b−a)
und |ck | ≥ 2(b−a)
.
´b P ε
Dann folgt: ε ≤ | g(x)dx| ≤ |ck |λ(In ) ≤ (b − a) + kgk∞ λ(S)
a 2(b − a)
| {z }
>0
ε
und daher ist λ(S) ≥ 2kgk∞
.

Schritt 2: Sei (Sn )n∈N eine Folge von Elementarmengen


(d.h. Sn ist eine endliche Vereinigung von disjunkten, beschr. Intervallen)
mit Sn ⊂ [a, b] und λ(Sn ) ≥ c > 0. Dann gibt es ein x ∈ [a, b], welches zu
unendlich vielen Sn gehört.
Beweis: etwas später...

Jetzt Beweis für Treppenfkt:


´b
Angenommen: lim gn (x)dx = lim I(gn ) 6= 0
n→∞ a n→∞
20

Da (I(gn ))n∈N keine Nullfolge ist, ex. eine Teilfolge (I(gnk ))k∈N
mit |I(gnk )| ≥ ε ∀k ∈ N. O.B.d.A. sei dies (I(gn ))n∈N selbst.

Nach Schritt 1 gilt: Es ex. Elementarmengen Sn ⊂ [a, b] mit


n o
ε ε
Sn = x ∈ [a, b] : gn (x) ≥ 2(b−a) und λ(Sn ) ≥ 2kgk

ε
Mit Voraussetzung (ii) folgt λ(Sn ) ≥ 2c
∀n ∈ N.
Nach Schritt 2 ex x ∈ [a, b] mit x in unendlich vielen Sn .
ε
D.h. es gilt für unendlich viele n ∈ N : gn (x) ≥ 2(b−a)

Daher kann lim gn (x) = 0 nicht gelten.


Widerspruch zur Vor.

Beweis Schritt 2:
Seien O.B.d.A. die Elementarmengen Sn abgeschlossen. Dann ex
n1 ∈ N so dass ∀k > n1 :
c
λ((S1 ∪ ... ∪ Sn1 ) ∩ Sk ) ≥ 2
Ang. nicht, dann gibt es für alle n ∈ N ein kn > n:
λ((S1 ∪ ... ∪ Sn1 ) ∩ Sk ) < 2c . Es folgt:
c ≤ λ(Skn ) = λ(Skn \ (S1 ∪ ... ∪ Sn1 )) + λ((S1 ∪ ... ∪ Sn1 ) ∩ Sk )
| {z } | {z }
> 2c < 2c

Nun ist
λ(S1 ∪ S2 ∪ ... ∪ Sn ∪ ... ∪ Skn ) ≥ (S1 ∪ S2 ∪ ... ∪ Sn ∪ Skn )
= λ(S1 ∪ ... ∪ Sn ) + λ(Skn \ (S1 ∪ ... ∪ Sn ))
c
≥c+ 2
Argument wiederholen liefert, dass ein n ∈ N ex mit
λ(S1 ∪ S2 ∪ ... ∪ Sr ) ≥ c + 2c + 2c + ... > (b − a)
Widerspruch

c
Setze A1 := S1 ∪ ... ∪ Sn1 . Dann ist λ(A1 ∩ Sn ) ≥ 2
∀k > n1
Für die Elementarmengen Sk∗ := A1 ∩ Sk , k ≥ n1 + 1
Dann zeigt man wie oben, dass n2 ∈ N ex. so dass ∀k > n2
λ((Sn∗1 +1 ∪ ... ∪ Sn∗2 ) ∩ Sk∗ ) ≥ 4c .

Sei dann A2 = Sn∗1 +1 ∪ ... ∪ Sn∗2 und so weiter.... Es folgt


A1 ⊂ A2 ⊂ A3 ⊂ ... und Ai sind abgeschlossen.
21


T
Das Intervallschachtelungsaxiom liefert Ai 6= ∅.
i=1

T
Sei dann x ∈ Ai . Da x ∈ A1 ex. mindestens eine
i=1
Elementarmenge Sk , k ∈ {1, ... , n1 } mit x ∈ Sk .
Da x ∈ A2 liegt x in einem Sl∗ , l ∈ {n1 + 1, ... , n2 }
also x ∈ A1 ∩ Sk ,weiter x ∈ A3 usw. liefert x in ∞-vielen Sn .


1.5 Parameterabhängige uneigentliche Integrale

Es sei f : [a, b] × D → R so dass für alle t ∈ D , [a, b] 3 x 7→ f (x, t) eine


Regelfunktion ist.

´b
F : D → R, t 7→ f (x, t)dx
a

Frage: Eigenschaften von F in abhängigkeit von f ?

Satz 1.22
Sei f : [a, b] × D → R sei beschränkt (|f (x, t)| < C ∀(x, t) ∈ [a, b] × D)
und für alle x ∈ [a, b] sei D 3 t 7→ f (x, t) stetig und f (•, t) eine
´b
Regelfunktion ∀t ∈ D. Dann ist F (t) = f (x, t)dx stetig auf D.
a

Beweis: Sei t0 ∈ D und (tn )n∈N mit tn → t0 in D.


Setze gn (x) := f (x, tn ), n ∈ N. Dann gilt:
(i) gn : [a, b] → R Regelfunktion.
(ii) lim gn (x) = lim f (x, tn ) = f (x, t0 ) ∀x ∈ [a, b]
n→∞ n→∞
(iii) kgn k∞ = sup |gn (x)| = sup |f (x, tn )| ≤ C ∀n ∈ N
x∈[a,b] x∈[a,b]

(iv) x 7→ f (x, t0 ) ist Regelfunktion.


Also liefert der Satz Arzela-Osgood:
´b ´b
lim F (tn ) = lim f (x, tn )dx = lim gn (x)dx
n→∞ n→∞ a n→∞ a

AO ´b ´b
= lim gn (x)dx = f (x, t0 )dx = F (t0 ).
a n→∞ a
22

Also ist F : D → R stetig in t0 ∈ D.




Sei jetzt D ein Intervall und x ∈ [a, b] fest. Die Funktion


f (x, •) : D → R sei an der Stelle t0 ∈ D diffbar.
Dann heißt f : [a, b] × D → R an der Stelle (x, t0 ) ∈ [a, b] × D
∂f f (x,t0 +h)−f (x,t0 )
partiell differenzierbar nach t, ∂t
(x, t0 ) = lim h
.
h→0

´b ? ´b
Frage: F (t) = f (x, t)dx ⇒ F 0 (t) = ∂f∂t
(x, t)dx ?
a a

Satz 1.23
Sei f : [a, b] × D → R für alle t ∈ D Regelfunktion. D sei ein Intervall
und ∀x ∈ [a, b] sei f partiell nach t diffbar. Weiter sei
∂f
∂t
: [a, b] × D → R für jedes feste t eine Regelfunktion in x und
∂f
∂t
sei beschränkt auf [a, b] × D.

´b
Dann ist F : D → R, t 7→ F (t) = f (x, t)dx auf D differenzierbar
a
´b ∂f
und es gilt F 0 (t) = ∂t
(x, t)dx.
a

Beweis: Sei t ∈ D und (tn )n∈N ⊂ D, tn 6= t und tn → t. Dann ist


F (tn )−F (t) ´b f (x,tn )−f (x,t)
tn −t
= tn −t
dx
a
f (x,tn )−f (x,t)
Setze also gn (x) := tn −t
. Dann gilt:
(i) gn : [a, b] → R Regelfunktion.
f (x,tn )−f (x,t) ∂f
(ii) lim gn (x) = lim tn −t
= ∂t
(x, t)
n→∞ n→∞
∂f
(iii) x → ∂t
(x, t)ist eine Regelfunktion.

f (x,tn )−f (x,t) ∂f
(iv) |gn (x)| = tn −t = (x, s) mit s ∈ (t, tn ) bzw (tn , t)
∂t ↑
MWS

∂f
und da ∂t
nach Voraussetzung beschränkt in [a, b] × D folgt
(x, t)
= sup |gn (x)| = sup ∂f

kgn k∞ ∂t
(x, s)| ≤ C
x∈[a,b] x∈[a,b]

Dafür liefert der Satz v. Arzela-Osgood


23

F (tn )−F (t) ´b f (x,tn )−f (x,t) ´b


F 0 (t) = lim tn −t
= lim tn −t
dx = lim gn (x)dx
n→∞ n→∞ a n→∞ a

´b ´b ∂f
= lim gn (x)dx = ∂t
(x, t)dx
a n→∞ a


Beispiel:

xt −1
F (t) = ln(x)
dx, t≥0
0
δ
NR: δt
(xt ) = et·ln(x) = ln(x)et·ln(x) = ln(x) xt
1́   1́
0 ∂ xt −1 t+1
F (t) = ∂t ln(x) dx = xt dx = xt+1 |10 = t+1 1
0 0
⇒ F (t) = ln(1 + t)

Definition 1.24
Es sei f : [a, ∞) → R und f [a,ω] sei eine Regelfunktion für alle ω ≥ a.
ώ ´

Falls lim f (x)dx existiert heißt der Grenzwert f (x)dx uneigentliches
ω→∞ a a
Integral (von f über [a, ∞)) oder f ist in [a, ∞) uneigentlich integrierbar.

´

Beispiel: 1dx existiert nicht
a
´

1
ώ
1

x2
dx ex denn lim x2
dx = lim − x1 |ωa = 1
a
a ω→∞ a ω→∞

Bemerkung: Linearität, Positivität und Monotonie gelten


auch für uneigentliche Integrale auf [a, ∞).

Sei etwa f (x) ≥ 0 ∀x ∈ [a, ∞), dann folgt mit der Positivität des Integrals
über [a, ω], dass:
´
∞ ώ
f (x)dx = lim f (x)dx ≥ 0
a ω→∞ a

Die Abschätzung |I(f )| ≤ (b − a)kf k∞ ist natürlich quatsch.

Satz 1.19 ist falsch für uneigentliche Integrale.


24

Definition 1.25
´

Das uneigentliche Integral f (x)dx heißt absolut konvergent, falls
a
´

|f (x)|dx konvergent.
a

´
∞ ´

Bemerkung: f (x)dx abs. konvergent ⇒ f (x)dx konvergiert
a : a

Satz 1.26
Seien f, g : [a, b] → R und f [a,ω] und g [a,ω] Regelfunktion ∀ω ≥ a
´

Gelte |f (x)| ≤ g(x) ∀x ≥ a und g(x)dx existiere.
a
´

Dann ist f (x)dx absolut konvergent.
a

Beweis: ist ganz einfach

Satz 1.27 (Integralkriterium für Reihen)


Sei f : [1, ∞) → R nichtnegativ, monoton fallend und

P
f [1,ω] sei Regelfunktion ∀ω ≥ 1. Dann ist f (n) konvergent
n=1
´

genau dann wenn f (x)dx existiert.
1

´
k+1
Beweis: Für k ∈ N ist f (k + 1) ≤ f (x)dx ≤ f (k), daher
k

f (2) + f (3) + ... + f (n) ≤ f (x)dx ≤ f (1) + f (2) + ... + f (n − 19
1
Also ist
Pn ń n
P
f (k) − f (1) ≤ f )x = dx ≤ f (k)
k=1 1 k=1

 n

P P
Falls nun f (k) konvergent, dann ist f (k)
k=0 k=1 n∈N
 ń 
eine Cauchyfolge und damit f (x)dx auch Cauchyfolge.
1 n∈N
´

⇒ daher ex. f (x)dx Rückrichtung analog.
1
25

Definition 1.28
f [a, b] → R sei eine Regelfunktion auf jedem Teilintervall [ω, b], a < ω ≤ b
´b ´b
Falls lim f (x)dx existiert, so heißt der Grenzwert f (x)dx uneigentliches
ω&a ω a
Integral (von f über (a, b]).

´

Beispiel: (Gammafunktion) Sei t > 0 und Γ(t) := xt−1 exp(−x)dx.
a
Für t ∈ (0, 1) ist das Integral uneigentlich bei 0 und ∞.
Betrachte daher
1́ ´

xt−1 exp(−x)dx und xt−1 exp(−x)dx
0 1
Für x ∈ (0, 1] und t ∈ (0, 1) ist xt−1 exp(−x) ≤ xt−1 und
1́ 1́  t   
t
xt−1 dx = lim xt−1 dx = lim xt |1ω = lim 1t − ωt = 1
t
<∞
0 ω&0 ω ω&0 ω&0


⇒ xt−1 exp(−x)dx existiert.
0
´

Für xt−1 exp(−x)dx nutze xt−1 exp(−x)
1
⇒ Γ(t) ist wohldefiniert.
´

Es gilt: Γ(1) = exp(−x)dx = lim (−exp(−x)|∞
0 ) = 1
1 ω→∞

Für t > 0 :
ώ ώ
xt exp(−x)dx = −xt exp(−x)|ω0 − t xt−1 exp(−x)dx
0 0
Mit ω → ∞ folgt:
´
∞ ´

Γ(t − 1) = xt exp(−x)dx = t xt−1 exp(−x)dx = tΓ(t)
0 0
Für n ∈ N folgt: Γ(n) = (n − 1)γ(n − 1) = (n − 1)(n − 2)Γ(n − 2)
= ... = (n − 1)!

26

Kapitel 2 - Topologische Räume - Eine Einführung

2.1 Grundbegriffe

Definition 2.1
Sei X eine Menge und O sei eine Familie von Teilmengen von X.
O heißt eine Topologie für X, falls
(i) ∅ ∈ O, X ∈ O
S
(ii) Falls Ui ∈ O,i ∈ I, dann Ui ∈ O
i∈I
n
T
(iii) Falls U1 , ... , Un ∈ O dann Ui ∈ O
i=1
27

Dann heißt (X, O) topologischer Raum. Die Elemente von O heißen


offene Mengen.

Beispiele
• (X, P(X)) (diskrete Topologie)
• (X, {∅, X})
• (R, O), O = Familie der offenen Mengen bzgl. |.| in R
• X = R∪{+∞, −∞}, O = {U, U ∪ (t, +∞], U ∪ ([−∞, s) ∪ (t, +∞])} U offen in R, s, t ∈
R

Definition 2.2
Sei (X, O) ein topologischer Raum
(i) eine Umgebung von x ∈ X ist eine offene Menge U ∈ O mit x ∈ U.
(ii) (X, O) heißt Hausdorffraum, falls zu x, y ∈ X, x 6= y, Umgebung
Ux und Uy existieren mit Ux ∩ Uy = ∅.

(iii) A ⊂ X heißt abgeschlossen, falls X \ A ∈ O


(iv) x ∈ X heißt Randpunkt von A ⊂ X, falls
(Ux ∩ (X \ {x})) ∩ A 6= ∅ ∀ Umgebung von x.
T
(v) A = {F : F abgeschlossen und A ⊂ F ⊂ X} Abschluss von A
S
(vi) Ȧ := {U ∈ O : U ⊂ A} Inneres von A
(vii) δA := A ∩ X \ A Rand von A

Proposition 2.3 Es gilt:


(i) endliche Vereinigungen von abgechlossenen Mengen sind abgeschlossen
(ii) Schnitte von abgeschlossenen Mengen sind abgeschlossen.
(iii) A ist die kleinste abgeschlossene Menge die A enthält.
(iv) Ȧ ist die größte offene Menge in A.

Definition 2.4
Sei (X, O) top. Raum. Eine Familie B ⊂ O heißt Basis der Topologie O,
S
falls für alle U ∈ O eine Familie A ⊂ B ex. mit U = A.
A∈A
Eine Familie S ⊂ T heißt Subbasis für O, falls die Familie der
28

endlichen Schnitte von Elementen aus S eine Basis bildet.

Beispiel: (X, d) metr. Raum, B := {Bε (x) : ε > 0, x ∈ X}


Bε (x) = {y ∈ X : d(x, y) < ε} Basis.

Definition 2.5
(X, O) top. Raum und S ⊂ X. Dann heißt die Familie
{U DS : U ∈ O} (durch O induzierte) Relativtopologie auf S

Beispiel X = R, O = |.|
S = [a, b]

Definition 2.6
Eine Folge (xn )n∈N ⊂ X heißt konvergent gegen ein x ∈ X, falls ∀
Umgebungen U von x ein n0 ∈ N ex. mit xn ∈ U ∀n ≥ n0

Bemerkung: Grenzwert i.A. nicht eindeutig, in Hausdorffräumen


aber schon.

2.2 Kompaktheit
Definition 2.7 (X, O) top. Raum
(i) X heißt kompakt, falls jede offene Überdeckung eine endliche
Teilüberdeckung besitzt.
(ii) X heißt Folgenkompakt, falls jede Folge eine konvergente
Teilfolge besitzt.
(iii) X heißt Fréchetkompakt, falls jede ∞-Teilmenge von X einen
Randpunkt in X besitzt.

Satz 2.8 (X, O) top. Raum


(i) X kompakt ⇒ X Fréchetkompakt
(ii) X Folgenkompakt ⇒ X separabel(D.h. es ex. eine abz. Teilmenge
D mit D ⊂ X)
29

Satz 2.9
X kompakt ⇐⇒ XFolgenkompakt ⇐⇒ X Fréchetkompakt

2.3 Stetige Abbildungen zw. topologischen Räumen

Definition 2.10
Sei f : X → Y eine Abbildung, X, Y top. Räume. f heißt stetig an der
Stelle x ∈ X, falls für alle Umgebungen V von f (x) ∈ Y eine Umgebung U
von x ex. mit f (U ) = V.

Bemerkung: • f : X → Y stetig ⇐⇒ Urbilder offener Mengen sind offen


•Reicht zu zeigen, dass Urbilder von Elementen einer Subbasis in Y
offen in X sind
•X, Y metr. Räume, f stetig ⇐⇒ ε, δ − Stetigkeit ⇐⇒ f (xn ) → f (x)
für xn → x

Satz 2.11
X kompakt, f : X → Y stetig⇒ f (x) kompakt in Y .

Definition 2.12
Ein topologischer Raum (X, O) heißt lokal kompakt falls jedes x ∈ X
eine Umgebung U besitzt mit U kompakt.

Bemerkung (X, O) lokal kompakter Hausdorffraum, U ⊂ X offen


und A ⊂ X kompakt mit A ⊂ U . Dann ex. V ∈ O mit
A ⊂ V ⊂ V ⊂ U und V kompakt.
30

Satz 2.13 (Urysohn-Lemma)


Sei X lokal kompakt Hausdorffraum, A ⊂ X kompakt und U ⊂ X offen
mit A ⊂ U . Dann ex. eine stetige Funktion f : X → [0, 1] mit
f (x) = 1 für x ∈ A und f (x) = 0 falls x ∈ X \ U

Beweis Es sei D0 = {0, 1} und für n ∈ N setzen


Dn := { 2an : a ∈ N ungerade und 0 < a < 2n }.
S∞
und D = Dn .
n=0
1
Es sei U1 = A und U0 = U . Für n = 1 ist D1 = 2
und mit der Bemerkung oben ex. U 1 mit U1 = U1 ⊂ U 1 ⊂ U 1 ⊂ U0
2 2 2
1 3
Für n = 2mit D2 = 4 , 4 Wähle Mengen U 3 und U 1 mit
4 4

U1 ⊂ U 3 ⊂ U 3 ⊂ U 1 ⊂ U 1 ⊂ U 1 ⊂ U 1 ⊂ U0
4 4 2 2 4 4

Man erhält eine Familie von offenen Mengen (Ut )t∈D mit
Ut ⊂ Us für s < t, s, t ∈ D setze jetzt
(
0 x ∈ X \ U0
f (x) = sup {t ∈ D} x ∈ u0
x∈Ut
Dann gilt f (x) = 1 für x ∈ A = U1 zeige, dass f stetig ist.
Dazu sei α ∈ [0, 1) wegen f (x) > α ⇐⇒ x ∈ Ut für ein t > α folgt
f −1 ((α, 1]) =
S
Ut offen in X.
t∈D
t>α
Ähnlich zeigt man f −1 ([0, β)) offen in X für β ∈ (0, 1]
Da {[0, β), (α, 1], β ∈ (0, 1], α ∈ [0, 1)} eine Subbasis der
Relativtopologie von [0, 1] bilden folgt, dass f stetig ist.
31

Kapitel 3 Differentialrechnung mehrerer Variablen


3.1 Differenzierbarkeit vektorwertiger Abbildungen

mehrerer Veränderlicher

Es sei D ⊂ Rn und f : D → Rm eine Abbildung.

Definition 3.1
Sei D ⊂ Rn offen und f : D → Rm dann heißt f im Punkt x0 ∈ D
differenzierbar, falls eine lineare Abbildung M : Rn → Rm eine
in x0 stetige Abbildung r : D → Rm existiert mit r(x0 ) = 0 und
f (x) = f (x0 ) + M (x − x0 ) + r(x)kx − x0 k ,x ∈ D, M heißt erste Ableitung
von f in x0 , f 0 (x0 ) := M.
(oder Df(x0 )).

Bemerkungen:
(i) Mit den Komponentenfunktionen fi : D → R, i = 1, ... , m ist
  
  f1 (x) 
x1 f1 (x1 , ... , xn )
 f2 (x)  
f  ...  = f (x1 , ... , xn ) = f (x) = 
 . =
..
  
.

.. 
xn fm (x)
fm (x1 , ... , xn )

(ii) M = f 0 (x0 ) ist eine m × n Matrix.


 
m11 · · · m1n
M =  ... .. 

. 
mm1 · · · mmn
n
P
Dann ist fi (x) = fi (x0 ) + miej (xj − x0,ej ) + ri (x)kx − x0 k, i = 1, ... , m
j=1
e

(iii) M und r sind eindeutig, denn sei ej = (0, ... , 0, 1, 0, ... , 0) ∈ Rn


↑ j−te Stelle
und t ∈ R klein, so dass x = x0 + tej ∈ D. Dann ist xj − x0,j = t und
xn − x0,k = 0 k 6= j, kx − x0 k = |t|
⇒ fi (x0 + tej ) = fi (x0 ) + mij t + ri (x)|t|
32

− ri (x) |t|t
fi (x0 +tej )−fi (x0 )
⇒ mij = t
 
− ri (x0 + tej ) |t|t
fi (x0 +tej )−fi (x0 )
⇒ mij = lim t
t→0
fi (x0 +tej )−fi (x0 ) ∂fi
= lim t
= ∂xj
(x0 )
t→0
(Partielle Ableitung von fi nach xj )
⇒ Daher ist M eindeutig und damit auch
f (x)−f (x0 )−M (x−x0 )
r(x) = kx−x0 k

 ∂f1 ∂f1 
(x0 ) · · ·
∂x1 ∂xn
(x0 )
(iv) M = f 0 (x0 ) =  ... .. 

. 
∂fm ∂fm
∂x1
(x0 ) · · · ∂xn
(x0 )
Jakobimatrix an der Stelle x0 .

Satz 3.2
Ist f : D ⊂ Rn → Rm in x0 ∈ D differenzierbar, dann ist f in x0 stetig.

Beweis: Aus der Definition 3.1 folgt:


kf (x) − f (x0 )k ≤ kM (x − x0 )k + kr(x)kkx − x0 k
und da M : Rn → Rm stetig ist ex. k > 0 mit kM (x − x0 )k ≤ kkx − x0 k
In der Tat, es gilt ja
n 2
P
m1j (xj − x0,j )

j=1 !2
m n
kM (x − x0 )k2 = .. P P
mij (xj − x0,j )
=

.
n i=1 j=1
P
mmj (xj − x0,j )
j=1

! !
m P
n n
m2ij (xj − x0,j )2
P P

Schwarz i=1j=1 j=1

Da r(x) stetig in x0 und r(x0 ) = 0 gilt:


∀ε > 0∃δ > 0 : kx − x0 k < δ ⇒ kr(x)k < ε
Sei jetzt δ ∗ := min δ, k+ε
 ε
Dann gilt für
x ∈ D : kx − x0 k < δ ∗ ⇒ kf (x) − f (x0 )k ≤ (k +kr(x)k) kx − x0 k
< (k + ε)kx − x0 k ≤ ε


Erinnerung:
33

f : D ⊂ Rn → Rm ist stetig in x0 ∈ D genau dann wenn die


Komponentenfunktionen fi : D → R alle stetig sind.

Satz 3.3
f : D ⊂ Rn → Rm ist in x0 ∈ D diffbar, genau dann wenn
alle Komponentenfunktionen fi : D → R i = 1, ... , m in x0 ∈ D
diffbar sind.

Beweis: Sei f differenzierbar in x0 , so gilt


n
P
fi (x) = fi (x0 ) + mij (xj − x0,j ) + ri (x)kx − x0 k, i = 1, ... , n
j=1

n
Setze dann Mi : Rn → R, Mi z := mij zi , z = (z1 , ... , zn ) ∈ Rn
P
j=1

Dann ist Mi linear, ri ist stetig und ri (x0 ) = 0, also ist wegen
fi (x) = fi (x0 ) + Mi (x − x0 ) + ri (x)kx − x0 k
0
fi an der Stelle x0 diffbar, gilt fi (x0 ) = Mi
⇐ Sind alle fi diffbar, so existieren M :Rn → R stetige Funktionen
ri mit ri (x0 ) = 0 so dass
fi (x) = fi (x0 ) + Mi (x − x0 ) + ri (x)kx − x0 k, i = 1, ... , m
   
M1 r1 (x)
Mit M =  ...  und r(x) =  ...  gilt:
   

Mm rm (x)
M linear, r stetig, r(x0 ) = 0 und
f (x) = f (x0 ) + M (x − x0 ) + r(x)kx − x0 k, damit f diffbar bei x0 .

3.2 Richtungsableitung und Gradient

Sei jetzt f : D ⊂ Rn → R

Definition 3.4 Sei f : D ⊂ Rn → R, x ∈ D und l ∈ Rn , klk = 1


f (x+tl)−f (x)
Falls lim t
existiert, so heißt der Grenzwert
t→0
Richtungsableitung von f in Richtung l:
δf
Bezeichnung: δl
(x)
34

Bemerkungen (i) Ist f : D ⊂ Rn → R in x0 ∈ D diffbar. Also


f (x) = f (x0 ) + M (x − x0 ) + r(x)kx − x0 k, M : Rn → R linear,
h i
δf δf
mit M = δx1 (x0 ), ... , δxn (x0 ) . Setze x = x0 + l, l ∈ Rn mit
klk = 1, t ∈ R⇒ f (x0 + tl) − f (x0 ) = tM l + r(x)ktlk
=|t|

M l = lim f (x+tl)−f
t
(x)
− r(x) |t|t
t→0
n
= ∂f ∂f
P
∂l
(x 0 ) = ∂xi
(x0 ) · li
j=1
Also existiert die Richtungsableitung von f bei x0 ∈ D in jede Richtung l.

Beispiel (Richtungsableitungen existieren ; f diffbar.)


( 2
x y
(x, y) 6= (0, 0)
f : R2 → R, f (x, y) = x2 +y 2
0 (x, y) = (0, 0)

t 2 l2
1 tl2 −0
∂f f (tl)−f (0,0) t2 l2 2 2
1 +t l2
Dann ist ∂l
(0, 0) = lim t
= lim t
t→0 t→0
t3 l2
1 l2
= lim t = l12 l2
t2
t→0
 
l
l = 1 ∈ R2 , klk = 1 = l12 + l22
p
l2
∂f
und damit existiert ∂l
(0, 0) für alle l ∈ R2 .

Wäre f bei (0, 0) diffbar so würde M : R2 → R linear existieren, mit


 
! l
∂f
∂l
(0, 0) = l1 l2 = M · 1
2
l2

da M linear sein muss!

Definition 3.5
Es sei f : D ⊂ Rn → R und alle partiellen Ableitungen von f bei x0 ∈ D
 
∂f ∂f
mögen existieren. Dann heißt (grad f )(x0 ) := ∂x 1
(x 0 ), ... , ∂xn
(x 0 )
der Gradient von f an der Stelle x0 .

Bemerkung: Ist f : D ⊂ Rn → R in x0 diffbar, dann gilt


∂f
f 0 (x0 ) = (grad f )(x0 ). Es gilt ∂l
(x0 ) = (grad f )(x0 ) = l
35


2 0 falls x1 = 0 oder x2=0
Beispiel: f : R → R, f (x1 , x2 ) =
1 sonst
∂f f ((0,0)+t(1,0))−f (0,0)
Dann gilt: ∂x1
(0, 0) = lim t
=0
t→0
∂f
∂x2
(0, 0) =0

Aber natürlich ist f bei (0, 0) nicht diffbar, da f nicht stetig ist.

Satz 3.6
Sei f : D ⊂ Rn → R in einer Umgebung B(x0 , ρ) von x0 ∈ D
partiell differenzierbar und die partiellen Ableitungen
∂f
∂xi
: B(x0 , ρ) ⊂ Rn → R seien in x0 stetig.
Dann ist f in x0 ∈ D differenzierbar.

Beweis: (für n = 2)
Sei x0 = (x01 , x02 ) ∈ D. Es ist
f (x1 , x2 ) − f (x01 , x02 ) = f (x1 , x2 ) − f (x01 , x2 ) + f (x01 , x2 ) − f (x01 , x02 )
MWS ∂f ∂f
= ∂x1 (x01 + Θ1 (x1 − x01 ), x2 )(x1 − x01 ) + ∂x2 (x01 , x02 + Θ2 (x2 − x02 ))(x2 − x02 )
Θ1 , Θ2 ∈ (0, 1)
2
∂f
(x01 , x02 )(xi − x0i ) + R∗ , wobei
P
= ∂xi
i=1
  
∂f ∂f ∂f ∂f
R∗ = ∂x 1
(x 01 + Θ (x
1 1 − x 01 ), x2 ) − ∂x1
(x 01 , x02 ) (x 1 − x 01 ) + ∂x2
(x01 , x2 + Θ2 (x2 − x02 )) − ∂x1
(x01 , x
∂f
Da ∂xi
stetig sind ex. zu ε > 0 ein δ > 0 mit
kx − x0 k < δ ⇒ |R∗ (x)| ≤ (e
ε|x1 − x01 | + εe|x2 − x02 |) ≤ εkx − x0 k

Damit ex. dann r : D → R mit R∗ (x) = r(x)kx − x0 k


R∗ (x)
(nämlich r(x) = kx−x0 k
) mit r(x0 ) = 0 und r stetig.

Insgesamt gilt:
h ix − x 
∂f ∂f 1 01
f (x1 , x2 ) = f (x01 , x02 ) + (x01 , x02 ), ∂x (x01 , x02 ) + r(x)kx − x0 k
∂x1 2 x2 − x02
damit f bei x0 diffbar.

36

3.3 Eigenschaten diffenzierbarer Abbildungen

Rechenregel:
f, g : D ⊂ Rn → Rm diffbar bei x0 ∈ D und es gilt:
(αf + βg)0 (x0 ) = αf 0 (x0 ) + βg 0 (x0 )

Satz 3.7 (Kettenregel)


Sei g : Rn → Rm und f : Rm → Rp und Φ := f ◦ g. Ist g in x0 ∈ Rn
diffbar und f in g(x0 ) ∈ Rm diffbar, dann ist Φ in x0 ∈ Rn diffbar, es gilt
Φ0 (x0 ) = f 0 (g(x0 ))g 0 (x0 ), d.h.
m
∂Φi
P ∂fi ∂gk
∂xj
(x 0 ) = ∂yk
(g(x0 )) ∂x j
(x0 ), i = 1, ... , p , j = 1, ... , n
k=1

Beweis: (wie in Ana I)

Korollar
∂fi
f : Rn → Rm , ∂xi
stetig in x0 ⇒ f in x0 diffbar

Erinnerung: f (b) − f (a) = f 0 (ε)(b − a)

Beispiel: (MWS i.A. falsch)


 
2 cos(x)
f : [0, 2π] → R , x 7→
sin(x)
       
1 1 0 ! −sin(ξ)
f (2π) − f (0) = − = = 2π = f 0 (ξ)(2π − 0)
0 0 0 cos(ξ)

Satz 3.8 (Mittelwertsatz)


Seien a, b Punkte in einer offenen, konvexen Menge D und
f : D ⊂ Rn → Rm , auf D differenzierbar. Dann ex. ein
ξ = a + Θ(b − a), Θ ∈ (0, 1), so dass f (b) − f (a) = f 0 (ξ)(b − a) gilt.

Beweis: Setze Φ : [0, 1] → R, t 7→ Φ(t) = f (a + t(b − a))


Dann ist Φ differenzierbar, mit der Kettenregel(Satz 3.7) ist
Φ0 (t) = f 0 (a + t(b − a)) · (b − a)
37

 
  b1 − a 1
∂f
= ∂x1
∂f
(a + t(b − a)), ... , ∂x n
(a + t(b − a))  ... 
bn − a n
n
P ∂f
= ∂xi
(a + t(b − a)) · (bi − ai )
i=1

Nun ist
MWS Ana I
f (b) − f (a) = Φ(1) − Φ(0) = Φ0 (ν)(1 − 0) = Φ0 (ν), ν ∈ (0, 1)
= f 0 (a + ν(b − a)) · (b − a)


3.4 Höhere partielle Ableitungen und die Taylorsche Formel

Definition 3.9
∂f
Für f : D ⊂ Rn → R mögen die partiellen Ableitungen ∂xi
in einer
Umgebung B(x0 , ρ) von x0 ∈ D existieren. Existiert die erste partielle
∂f
Ableitung von nach xj im Punkt x0 , so heißt f zweimal partiell nach
∂xi
  
∂2f ∂f ∂f
xi und xj diffbar, ∂xj ∂xi (x0 ) := ∂x j ∂xi
(x0 )
 
∂f ∂f
= lim 1t ∂x i
(x 01 , ... , x0 j−1 , x0j + t, x0 j+1 , ... , x0n ) − ∂xi
(x 01 , ... , x0n )
t→0

Bemerkung: Man führt induktiv partielle Ableitungen höherer Ordnung ein.


∂3
∂xk ∂xj ∂xi
f

α = (α1 , ... , αn ), αi ∈ N0 heißt Multiindex,


n |α| f
|α| = αi Man schreibt Dα f = ∂xα∂1 ...∂x
P
αn
1 n
i=1

Satz 3.10 (Schwarz)


∂2f ∂2f
Es sei f : D ⊂ Rn → R und ∂xi ∂xj
und ∂xj ∂xi
mögen in einer
Umgebung B(x0 , ρ) existieren und seien stetig in x0 . Dann ist die
∂2f ∂2f
Differentiationsreihenfolge vertauschbar, es gilt: ∂xi ∂xj
= ∂xj ∂xi
38

Beweis: (4xMWS)
O.B.d.A sei n = 2. Es sei x0 = (x01 , x02 ) und
W := f (x1 , x2 ) − f (x1 , x02 ) − f (x01 , x2 ) + f (x01 , x02 )

Setze Φ(x) = f (x, x2 ) − f (x, x02 ), x ∈ R


und Ψ(x) = f (x1 , x) − f (x01 , x), x ∈ R

Es gilt
W = Φ(x1 ) − Φ(x01 ) = Φ0 (x01 + Θ1 (x1 − x01 ))(x1 − x01 ),Θ1 ∈ (0, 1)
 
∂f ∂f
= ∂x 1
(x 01 + Θ 1 (x 1 − x 01 ), x2 ), − ∂x1
(x 01 + Θ 1 (x 1 − x 01 ), x02 ) (x1 − x01 )
∂2f
= ∂x2 ∂x1
(x01 + Θ1 (x1 − x01 ), x02 + Θ2 (x2 − x02 ))(x2 − x02 )(x1 − x01 ), Θ1 ∈ (0, 1)
und andererseits
W = Ψ(x2 ) − Ψ(x02 ) = Ψ0 (x02 + Θ3 (x2 − x02 ))(x2 − x02 )
 
∂f ∂f
= ∂x 2
(x 1 , x02 + Θ (x
3 2 − x 02 )) − ∂x2
(x 01 , x02 + Θ (x
3 2 − x 02 ) (x2 − x02 )
∂2f
= ∂x1 ∂x2
(x01 + Θ4 (x1 − x01 ), x02 + Θ3 (x2 − x02 ))(x1 − x01 )(x2 − x02 )

Also gilt in einer Umgebung von (x01 , x02 )


∂2f
∂x2 ∂x1
(x01 + Θ1 (x1 − x01 ), x02 + Θ2 (x2 − x02 ))
∂2f
= ∂x1 ∂x2
(x01 + Θ3 (x1 − x01 ), x02 + Θ4 (x2 − x02 ))

∂2f ∂2f
Aus der Stetigkeit von ∂xi ∂xj
und ∂xj ∂xi
an der Stelle (x01 , x02 ) folgt
∂2f ∂2f
∂xi ∂xj
(x01 , x02 ) = ∂xj ∂xi
(x01 , x02 )


∂2f
Beispiel: (Stetigkeit von ist
nötig in Satz 3.10)
∂xi ∂xj
(
x2 −x2
2 x1 x2 · x12 +x22 x1 ∨ x2 6= 0
f : R → R, f (x1 , x2 ) = 1 2
0 x1 = x2 = 0
x2 −x2 2x2 2x2
(
∂f
x2 x12 +x22 + x2 2 1 22 2 x1 ∨ x2 6= 0
∂x1
(x1 , x2 ) = 1 2 (x1 +x2 )
0 x1 = x2 = 0
ist bei 0 stetig und

∂f −x2 x21 + x22 6= 0
(0, x 2 ) =
∂xi 0 x21 + x22 = 0
Analog zeigt man
39


∂f x1 x21 + x22 6= 0
(x1 , 0) =
∂x2 0 x21 + x22 = 0
∂f ∂f
∂2f ∂x1
(0,n)− ∂x (0,0) k
⇒ ∂x2 ∂x1
(0, 0) = lim n
1
= lim − n
= −1
n→0 n→0
∂f ∂f
∂2f ∂x2
(n,0)− ∂x (0,0) k
∂x1 ∂x2
(0, 0) = lim n
2
= lim =1
n→0 n→0 n

Definition 3.11
Ein Multiindex ist ein Vektor α ∈ Nn0 , α = (α1 , ... , αn )
Wir schreiben: |α| := α1 + α2 + ... + αn
α! = α1 ! · α2 ! · ... · αn !
Für x ∈ Rn sei xα := xα1 1 · xα2 2 · ... · xαnn .

∂ |α| f
Dα f := α α
∂x1 1 ∂x2 2 ...∂xα n
n

Satz 3.12 (Taylor Formel)


Sei D ⊂ Rn offen, konvex, x0 ∈ D, f : D → R, (n + 1)-mal stetig diffbar.
Sei h ∈ Rn mit x0 + h ∈ D. Dann gibt es Θ ∈ (0, 1) mit
P (Dα f )(x0 ) α P (Dα f )(x0 +Θh) a
f (x0 + h) = α!
h + α!
h =: (T n f )(h) + (Rn f ) (h)
|α|≤n |α|=n+1
α∈Nn
0

Beweis: (1) Wir definieren v : [0, 1] → D, v(t) = x0 + th


und g : [0, 1] → R, g = f ◦ v, also g(t) = f (x0 + th)

(2) g ist (n + 1) mal stetig diffbar, und


n Pn n  
∂ ∂
g (k) (t) =
P P
··· ∂xi
· · · ∂xi
f (x0 + th)hi1 · · · · · hik
k 1
i1 =1 i2 =1 ik =1
Induktion über k:
k = 1 : g 0 (t) = (f ◦ v)0 (t) = f 0 (v(t)) · v 0 (t)
 
  h1
∂f ∂f  .. 
= ∂x1 (v(t)) · · · · · ∂xn (v(t)) ·  . 
hn
n
P ∂f
= ∂xi
(v(t)) · hi
i=1
40

d

k → k + 1 : g (k+1) (t) = dt g (k) (t)
 n n n   
d ∂ ∂
P P P
= ··· · · · ∂xi f (x0 + th)hi1 · · · · · hik
I.A. dt i1 =1 i2 =1 ik =1
∂xik 1

P Pd   
∂ ∂
= · · · dt ∂xi
· · · ∂xi
f ◦ v(t) hi1 · · · · · hik
k 1
i1 ik
n n n  
∂ ∂
· · · ∂x∂i f (x0 + th)hik+1 hi1 · · · hik
P P P
= ··· ∂xnk+1 ∂xin 1
i1 =1 in =1ik+1 =1

(3) f ist (n + 1)-mal stetig diffbar. Kommt unter den Indizes i1 , ... , ik der
Index 1 genau dann α1 mal, der Index 2 genau α2 -mal, ... ,der Index n
∂ ∂k f
genau αn -mal vor, dann ist ∂xin
· · · ∂x∂i f = α1
∂x1 ···∂xα n = Dα f
1 n

k! k!
Aus der Kombinatorik: es gibt genau α1 !α2 !···αn !
= α!
Tupel (i1 , ... , ik ) von Zahlen 1 ≤ ik ≤ ni bei denen der Index l genau αl
mal vorkommt und α1 + ... + αn = k gilt.

k!
Somit folgt: g (k) (t) = (Dα f )(x0 + th) · hα
P
α!
|α|=k

(4) Nach dem eindimensionalen Satz von Taylor gibt es Θ ∈ (0, 1) mit
n (k) (n+1) (Θ)
g (0) k
1 + g (n+1)! 1n+1
P
g(1) = k!
k=1
n P (Dα f )(x0 ) α
1
P k! α 1 (n+1)!
(D f )(x0 + 0h)hα + (Dα f )(x0 + Θh)hα =
P P
= k! α! (n+1)! α! α!
h +
k=1 |a|=k |α|=n+1 |α|≤n
P (Dα f )(x0 +Θh) α
α!
h
|α|=n+1


Bemerkung: (1) Es gibt genau einen Multiindex α mit |α| = 0 :


α = (0, ... , 0), also Dα f = f

(2) Die Multiindezes α mit |α| = 1 sind von der folgenden Form
∂f
α = ei = (0, ... , 0, 1, 0, ... , 0), also Dα f = ∂xi
,i = 1, ... , n
↑i−te Stelle
n
Dα f ∂f
(x0 )hα
P P
α!
= ∂xi
(x0 )hi = h(Of )(x0 ), hi
|α|=1 i=1 ↑=(grad f )(x0 )

(3) Die Multiindizes α mit |α| = 2 sind von der Form


α = 2ei = (0, ... , 0, 2, 0, ... , 0), i = 1, ... , n
41

α = ei + ej = (0, ... , 0, 1, 0, ... , 0, 1, 0, ... , 0), i, j = 1, ... , n, i 6= j


i j
n
(Dα f )(x 0) 1 ∂ 2 f (x0 ) ∂2f
hα = h2i +
P P P
α! 2 ∂x2i ∂xi ∂xj
(x0 )hi hj
|α|=2 i=1 i<j
n
1
P ∂2f
= 2 ∂xi ∂xj
(x0 )hi hj
i,j=1
i6=j

= 12 h(Hf )(x0 )h, hi, wobei


 2
∂2


2 f (x0 ) ··· ∂x1 ∂xn
f (x0 )
 ∂x1 . .. 
(Hf )(x0 ) = 
 .. .


∂ 2 ∂2
∂xn ∂x1
f (x0 ) · · · ∂x2
f (x0 )
n

die Hesse-Matrix von f im Punkt x0 ist. Ist f zweimal stetig diffbar,


so ist Hf symmetrisch.

(4) Ist also f 3-mal stetig diffbar, so ist


f (x0 + h) = f (x0 ) + h(Of )(x0 ), hi + 21 h(Hf )(x0 )h, hi + (R2 f )(h)

3.5 Lokale Extrema

Definition 3.13
f : Rn ⊃ D → R hat in x0 ∈ D ein loklaes Maximum(Minimum),
falls es eine Umgebung U ⊂ D von x0 gibt mit
f (x0 ) ≥ f (x), ∀x ∈ U (f (x0 ) ≤ f (x), ∀x ∈ U )

Satz 3.14 (notwendige Bedingung):


f : D → R, habe in x0 ∈ D ein lokales Extremum,
und für eine Richtung v ∈ Rn , kvk = 1, existiere die
∂f ∂f
Richtungsableitung ∂v
(x0 ). Dann ist ∂v
(x0 ) = 0.

Beweis: oBdA habe f in x0 ein Maximum. Für hinreichend kleine t gilt:



f (x0 +tv)−f (x0 ) ≤ 0, falls t > 0
t ≥ 0, falls t < 0
∂f f (x0 +tv)−f (x0 )
Also ist ∂v
(x0 ) = lim t
=0
t→0


Bemerkung: Ist f diffbar und hat in x0 ein Extremum, so ist also


42

 
0
 .. 
(grad f )(x0 ) = 0 =  . 
0
Suchen wir ein Extremum von f , so müssen wr also zunächst die
”kritischen Punkte” x0 ∈ D mit (Of )(x0 ) = 0 bestimmen.
Hier ist i.a. ein nichtlineares Gleichungssystem mit n Unbekannten zu lösen.

Satz 3.15 (hinreichende Bedingung):


Ist f : D ⊂ Rn → R zweimal stetig diffbar, x0 ∈ D mit
(Of )(x0 ) = (0, ... , 0) und
(i) (Hf )(x0 ) positiv definit
(ii) (Hf )(x0 ) negativ definit

Dann hat f in x0 ein Minimum (Fall (i)) bzw. Maximum (Fall (ii))

Erinnerung: A ∈ Rn×n ist pos. definit, falls


hAx, xi > 0∀x ∈ Rn , x 6= 0
(oder äquivalent: Es gibt γ > 0 mit hAx, xi ≥ γkxk2 ∀x ∈ Rn )
analog für neg. definit.

Bemerkung:
Ist f 2 mal stetig diffbar, dann ist aufgrund des Satzes von Schwarz
(Hf )(x0 ) eine symmetrische Matrix, insbesondere sind deren Eigenwerte
alle reell. Ist A symmetrisch, so ist A pos. definit gdw. A nur positive
Eigenwerte hat (neg. analog)

Beweis:
Da f zweimal stetig diffbar. ist, folgt aus dem Satz von Taylor.
P (Dα f )(x0 +Θh) α
f (x0 + h) = f (x0 ) + hgrad f (x0 ), hi + α!
h , Θ ∈ (0, 1)
|α|=2
(Dα f )(x0 ) α P 1
((Dα f )(x0 + Θh) − (Dα f ) (x0 ))hα
P
= f (x0 ) + α!
h + α!
|α|=2 |α|=2

= 12 h(Hf )(x0 )h, hi

Da f zweimal stetig differenzierbar ist, ex. zu ε > 0 ein δ > 0, so dass für
alle α ∈ Nn0 , |α| = 2 und alle Θ ∈ (0, 1),
43

khk < δ ⇒ |(Dα f )(x0 + Θh) − (Dα f )(x0 )| < ε


Weiter ist |hα | = |h1 |α1 · · · |hn |αn ≤ kh1 kα1 · · · khn kαn = khk|α|
und daher folgt für khk < δ :
εkhk|α| ≤ εkhk2 2n!
P 1 1
((Dα f )(x0 + Θh) − (Dα f )(x0 ))hα | ≤
P
| α! α!
|α|=2 |α|=2

Sei nun (Hf )(x0 ) positiv definit, d.h. h(Hf )(x0 )i ≤ γkhk2 mit γ > 0.
Wähle nun ε > 0 so, dass 2n!ε < γ2 . Dann ist
f (x0 +h)−f (x0 ) = 12 h(Hf )(x0 )h, hi+ ((Dα f )(x0 + Θh) − (Dα f )(x0 ))hα ≥ γ2 khk2 −
P 1
α!
|α|=2
2
εkhk 2n! > 0 für khk < δ.
Und daher besitzt f bei x0 ein lokales Minimum, Aussage für lokale
Maxima zeigt man analog. 

Beispiel: Seien a, b ∈ R, f : R2 → R,
(x, y) 7→ f (x, y) = x2 − xy + y 2 − 3ax − 3by
grad f (x, y) = (2x − y − 3a, −x + 2y − 3b)
 
2x − y = 3a y = 2b + a
Löse ⇐⇒
−x + 2y = 3b x = 2a + b
Mögliche Extremalstelle: (2a + b, a + 2b)
 
2 −1
Es ist (Hf )(x, y) = und es gilt
−1 2
!
0 =det((Hf )(x, y) − λ) = (2 − λ)2 − 1 = λ2 − 4λ + 3,

λ1,2 = 2 ± 4 − 3 > 0
⇒Extremalstelle (2a + b, a + 2b) ist ein lokales Minimum.

3.6 Umkehrabbildungen

Definition 3.16
Es seien U ⊂ Rn und V ⊂ Rm offene Mengen. Eine bijektive stetig
differenzierbare Abb. f : U → V heißt Diffiomorphismus, falls
f −1 : V → U auch stetig differenzierbar ist.

Bemerkungen: Sei f : U → V Diffiomorphismus und g := f −1 .


Dann ist n = m, d.h. die Dimensionen stimmen überein und es gilt
44

g 0 (y) = (f 0 (x))−1 , y = f (x). In der Tat, aus g(f (x)) = x und f (g(y)) = y
folgt, g 0 (f (x)) · f 0 (x) = IdRn und f 0 (g(y)) · g 0 (y) = IdRm
⇒ g 0 (f (x)) = (f 0 (x))−1 und es folgt insbesondere n = m.

Frage: f : U → V stetig diffbar, surjektiv und f 0 (x) sei invertierbar


∀x ∈ U ⇒ f Diffiomorphismus?
Falls m = n = 1, f : I → J stetig diffbar + surjektiv + f 0 (x) 6= 0
I, J ⊂ D, ∀x ∈ I ⇒ f Diffiomorphismus.

Beispiel: (Polarkoordinaten)
f : R+ × R → R2 \ {0}
(r, ϕ) 7→ (rcosϕ, rsinϕ)
 
0 cosϕ −rsinϕ
f stetig diffbar und surjektiv, f (r, ϕ) =
sinϕ rcosϕ
detf 0 (r, ϕ) = rcos2 ϕ + rsin2 ϕ = r > 0, damit f 0 (r, ϕ) invertierbar.

Aber f (r, ϕ) = f (r, ϕ + 2π) und damit f nicht injektiv, also


ganz bestimmt kein Diffiomorphismus.

Satz 3.17
Sei f : U → V stetig diffbar und f −1 existiere und sei stetig.
Weiter sei f 0 (x) für alle x ∈ U invertierbar. Dann ist auch x ∈ U
invertierbar. Dann ist auch g := f −1 : V → U stetig differenzierbar,
es gilt g 0 (y) = (f 0 (x))−1 , f (x) = y.

Beweis: O.B.d.A sei x0 = 0 und f (x0 ) = 0, denn sonst betrachte die Fkt.
x 7→ f (x + x0 ) − f (x0 ) O.B.d.A sei f 0 (0) = IdRn , denn sonst betrachte
x 7→ (f 0 (x))−1 f (x)

Also ab jetzt:
x0 = 0, f (x0 == 0, f 0 (x0 ) = IdRn
zeige, dass f −1 an der Stelle f (xi ) = 0 diffbar ist. sei k ∈ V und
k = g(k), g := f −1 . Es gilt f (k) = f (x0 ) + f 0 (x0 )(h − x0 ) + r(h)kh − x0 k
R(h) h→0
= h + R(h), mit R(h) = r(h)khk, d.h. khk
→ 0
45

Also k = g(k) + R(g(k)) und mit R(k)


e := −R(g(k)) folgt g(k) = k + R(k)
e
(= g(0) + IdR (k − 0) + R(k))
e

R(k)
Noch z.z. → 0 für k → 0
e
kkk

Wähle dazu r, δ > 0, so dass kR(h)k ≤ 21 khk falls khk ≤ r und


kg(k)k ≤ r falls kkk < δ (stetigkeit von g und g(0) = 0)

Dann folgt R(k) = kR(g(k))k ≤ 12 kg(k)k für kkk < δ und daher.
e


kg(k)k ≤ kkk + R(k) ≤ kkk + 12 kg(k)k ⇒ kg(k)k ≤ 2kkk falls kkk < δ
e

Also gilt für k mit kkk < δ, k 6= 0 :


kR(k)
e k
kkk
≤ 2 kR(g(k))k
kg(k)k
= 2 kR(h)k
khk
→0 g(k) = h → 0(bzw. k → 0)
⇒ g ist bei 0 diffbar, es gilt g 0 (0) = IdRn
⇒ g ist diffbar auf ganz V , g 0 (y) = (f 0 (x))−1 , y = f (x)

Stetgikeit von g 0 folgt aus der Stetigkeit der Inversenbildung einer


(stetigen) Matrixfunktion.


Errinnerung: (Banachscher Fixpunktsatz)


Sei ϕ : M → M eine kontraktions-Abb. eines vollständigen metrischen
Raumes M in sich (∀x, y ∈ M, x 6= y : d(ϕ(x), ϕ(y)) < d(x, y)). Dann besitzt
ϕ genau einen Fixpunkt, d.h. ∃!ξ ∈ M : ϕ(ξ) = ξ.

Satz 3.18 (Satz von der lokalen Umkehrbarkeit)


Es sei U ⊂ Rn offen und f : U → Rn eine stetig diffbare Abbildung.
Im Punkt a ∈ U sei f 0 (a) invertierbar. Dann existiert eine offene
Umgebung U0 ⊂ U mit a ∈ U0 , so dass V := f (U0 ) eine offene
Umgebung von b := f (a) ist und die Restriktion f U0 : U0 → V
ein Diffiomorphismus ist.

Beweis: O.B.d.A a = 0, f (a) = 0 und f 0 (a) = IdRhn


Es sei ϕy (x) := y + x − f (x), x ∈ U, y ∈ Rn
Dann sind die Fixpunkte x ∈ U von ϕy gerade diese Urbilder von
y(= f (x)) und f .
46

Es sei r > 0 so dass B2r (0) ⊂ U und kIdRn − f 0 (x)k ≤ 1


2
für alle
0
x ∈ B2r (0) (geht da f 0 stetig ist). Nun ist ϕy (x) = IdRn − f 0 (x) und es
folgt mit Hilfe des Schrankensatzes, dass für alle x1 , x2 ∈ B2r (0)
0
kϕy (x2 ) − ϕy (x1 )k ≤ sup ϕy (x) kx2 − x1 k ≤ 12 kx2 − x1 k
x∈B2r (0)

Dann folgt für kyk < r und kxk < 2r :


kϕy (x)k ≤ kϕy (x) − ϕy (0)k + kϕy (0)k ≤ 21 kxk + kyk < 2r

Das ist gut, denn für y ∈ Rn , kyk < r ist also ϕy : B2r (0) → B2r (0) eine
Kontraktion, es gilt sogar: ϕy (x) ∈ B2r (0). Damit liefert der Banachsche Fixpunktsatz,
dass ϕy ∀y ∈ Br (0) einen eindeutigen Fixpunktsatz
x ∈ B2r (0). D.h. ∀y ∈ Br (0) ∃!x ∈ B2r (0) mit f (x) = y.

Setze g : Br (0) 7→ U0 := f −1 (Br (0)) ∩ B2r (0), y 7→ g(y) := x


=:V

Dann ist g die Umkehrabb. von f U0 , denn zu x ∈ U0 g(f (x)) = g(y) = x

Zeige, dass g stetig ist: Seien y1 , y2 ∈ V = Br (0) und


x1 = g(y1 ) und x2 = g(y2 ). Dann ist kg(y2 ) − g(y1 )k = kx2 − x1 k
= kϕ0 (x2 ) − ϕ0 (x1 ) + f (x2 ) − f (x1 )k
≤ kϕ0 (x2 ) − f0 (x1 )k+kf (x2 ) − f (x1 )k
≤ 12 kx2 − x1 k + ky2 − y1 k
⇒ 21 kg(y2 ) − g(y1 )k + ky2 − y1 k
⇒ kg(y2 ) + g(y1 )k ≤ 2ky2 − y1 k
⇒ g stetig

Zeige f 0 (x) ist invertierbar ∀x ∈ U0 . Für x ∈ U0 ist insbesondere


x ∈ B2r (0) und daher kIdRn − f 0 (x)k ≤ 12 . Insbesondere folgt
k(IdRn − f 0 (x))vk ≤ 21 kvk ∀v ∈ Rn
Ist f 0 (x)v = 0 dann folgt kIdRn vk ≤ 21 kvk und daher v = 0.
⇒ ker(f 0 (x)) = {0}, d.h. f 0 (x) ist invertierbar ∀x ∈ U0

Insgesamt: f U0 : U0 → V ist stetig diffbar, (f U0 )−1 = g


existiert und ist stetig, (f U0 )0 (x) ist invertierbar ∀x ∈ U0 .
47

Mit Satz 3.17 folgt: f U0 : U0 → V ist ein Diffiomorphismus.




Mit Hilfe des Umkehrsatzes können Aussagen zu


”impliziten Funktionen” gemacht werden.

Motivation Betrachte die Gleichung


!
f (x, y) = x2 (1 − x2 ) − y 2 = 0

Wunsch: Auflösen nach x oder y


d.h. finde Funktion g oder g× mit
y = g(x) oder x = g ∗ (y) f (x, y) = f (x, g(x)) = 0

(i) Für x1 6= 0, |x1 | < 1 existieren y1 6= y2 f (x, y1 ) = 0 = f (x, y2 )


1
(ii) Für y1 6= 0, |y1 | < 2
existieren x1 , x2 , x3 , x4 paarweise
verschieden mit f (x1 , y1 ) = ... = f (x4 , y1 ) = 0
(iii) Es gilt übrigens
∂f

∂x (0,0)
= 2x(1 − x2 ) − 2 x3 |(0,0) = 0

∂f
∂y
= −2y|(0,0) = 0
(0,0)
48

(iv) In einer Umgebung (1,0) und (-1,0) kein Auflösen der Gestalt y = g(x),
aber eine der Form x = g ∗ (y), hier ist (bei (1,0))
q p  
g ∗ (y) = 2 2 + 2 1 − 4y 2 , y ∈ − 12 , 21 hier g ∗ (0) = 1
1

(v) Es gilt übrigens ∂f




∂x (±1,0)
6= 0

∂f
∂y
=0
(±1,0)

Realistischer Wunsch: Die Gleichung f (x, y) kaum lokal bei (a, b) durch

∂f
y = g(x) aufgelöst werden, falls ∂y 6 0 gilt.
=
(a,b)

Es sei jetzt f : Rn × Rm → Rm diffbar, mit x = (x1 , ... , xn ) ∈ Rn und


y = (y1 , ... , ym ) ∈ Rm betrachte das Gleichungssystem
f (x, y) = 0 bzw.

f1 (x1 , ... , xn , y1 , ... , ym ) = 0


.. ..
. .
fm (x1 , ... , xn , y1 , ... , ym ) = 0

 ∂f1 ∂f1   ∂f1 ∂f1 


∂x1
··· ∂xn ∂y1
··· ∂ym
Setze fx =  ... ..  , f 0 =  .. .. 
0 
.  y  . . 
∂fm ∂fm ∂fm ∂fm
∂x1
··· ∂xn ∂y1
··· ∂ym
49

0 0
Dann ist f 0 = fx fy


Satz 3.19 (Satz über implizite Funktionen)


Sei U ⊂ Rn × Rm offen und f : U → Rm stetig diffbar und
0
f (a, b) = 0, (a, b) ∈ U ⊂ Rn × Rm weiter sei fy (a, b) invertierbar.
Dann ex. Umgebungen U 0 ⊂ Rn von a und U 00 ⊂ Rm von b und
eine stetig diffbare Abb. g : U 0 → U 00 mit f (x, y) = 0, (x, y) ∈ U 0 × U 00
⇐⇒ y = g(x), x ∈ U 0

Bemerkung: Nullstellenmenge von f in U 0 × U 00 = Graphen von g


• Man sagt ”g ist implizit durch f definiert”

   
n m x x
Beweis: Sei Φ : U → R × R (x, y) 7→ Φ = . Dann ist
y f (x, y)
   
a I n 0
Φ stetig diffbar, es gilt g(x) = y Φ0 = 0 R
0
b fx (a, b) fy (a, b)
 
0 a
und damit ist Φ invertierbar, denn aus
b
      
IRn 0 h h ! 0
0 0 = 0 0 =
fx (a, b) fy (a, b) k fx (a, b)h + fy (a, b)k 0
0
⇒ h = 0 und fy (a, b)k = 0, also auch k = 0

Umkehrsatz anwenden: ∃ offene Umgebung U0 von (a, b) und V von


     
a a a
Φ = = so dass Φ0 := Φ U0 ein Diffiomorphismus von
b f (a, b) 0
50

   
ξ ξ
U0 auf V ist. Dann hat Φ−1
: V → U0 die Form
0 Φ−1
0 =
η h(ξ, η)
 
m x
mit h V → R stetig diffbar. Also gilt für ∈ U0
y
         
x x −1 x x x
f (x, y) = 0 ⇐⇒ Φ0 = ⇐⇒ Φ0 = =
y 0 0 h(x, 0) y
⇐⇒ h(x, 0) = y
Insbesondere mit h(a, 0) = b Da h stetig ist ex. Umgebung U 0 ⊂ Rn von
a und U 00 ⊂ Rm von b mit U 0 × U 00 ⊂ U0 , so dass
∀x ∈ U 0 : h(x, 0) ∈ U 00 ist. Definiere dann g : U 0 → U 00 ,
x 7→ g(x) := h(x, 0). Dann ist g stetig diffbar und es gilt
f (x, y) = 0 ⇐⇒ g(x) = y


Bemerkung: Obwohl g in der Regel nicht bestimmt werden kann,


kann man g 0 berechnen. Aus f (x, g(x)) = 0 folgt mit Kettenregel:
 
0 IRn  0 0
f (x, g(x)) · 0 = 0m×n mit f 0 = fx fy ist
| {z } g (x) m×n m×m
m×(n+m) | {z }
(n+m)×n
0 0
⇒ fx (x, g(x)) + fy (x, g(x))g 0 (x) = 0m×n mit g(a) = b folgt
m×n m×n
0 0 0
⇒ fx (a, b) + fy (a, b)g (a) = 0
 0 −1 0
⇒ g 0 (a) = − fy (a, b) fx (a, b)

Beispiel: f1 (x, y1 , y2 ) = x3 + y12 + y23 − 7 = 0


f2 (x, y1 , y2 ) = x + x1 y2 + y2 x + 2 = 0
Nullstelle (2,-1,0) f : R × R2 → R2
Auflösen nach (y1 , y2 ) :
   
0 3y12 3y22 −3 0
fy (2, −1, 0) = = invertierbar.
x + y2 x + y1 (2,−1,0) 2 1
⇒ ∃ Umgebung U 0 ⊂ R von a = 2 und zwei stetig diffbare Funktionen
g1 , g2 : U 0 → R mit (g1 (2), g2 (2)) = (−1, 0) und
fi (x, g1 (x), g2 (x)) = 0, i = 1, 2
 0    ∂f1   
g1 (2) −3 0 −4
Es gilt: 0 =− ∂x
∂f2
= ... =
g2 (2) 2 1 ∂x (2,−1,0)
9
51

4.1 Kurven und deren Länge


Definition 4.1
Ein Weg ist eine stetige Abbildung α : [a, b] → Rd . α(a) und α(b)
heißen Anfangspunkt und Endpunkt des Weges α.
Zwei Wege α : [a, b] → Rd und β : [c, d] → Rd heißen äquivalent,
falls eine streng monoton wachsende, stetige Fkt.
Φ : [a, b] → [c, d] existiert mit α(t) = β(Φ(t)), t ∈ [a, b] und Φ(a) = c
und Φ(b) = d.

Beispiel:
 
2 cos(t)
α : [0, 2π] → R , t 7→
sin(t)
 
cos(2t)
β : [0, π] → R2 , t 7→
sin(2t)
t
α und β äquivalten, denn Φ : [0, 2π] → [0, π], t 7→ 2

Bemerkung:
•Sind α und β äquivalente Wege, so haben α und β den
gleichen Bildbereich, den gleichen Durchlaufsinn und die
gleiche Anzahl der Durchläufe.
•Äquivalenz von Wegen ist eine Äquivalenzrelation auf der
Menge der Wege.
(α ∼ β ⇒ β ∼ a, α ∼ α α ∼ β und β ∼ γ → α ∼ γ)

Definition 4.2
Eine Äquivalenzklasse [α] von Wegen α heißt Kurve; Berechnung C := [α].
Jeder Weg α ∈ C = [α] heißt Parametrisierung der Kurve C.
Eine stetig differenzierbare Kurve C heißt regulär, falls α̇(t) 6= 0 für alle
t ∈ [a, b] und α ∈ C gilt. α̇(t) heißt Tangentenvektor (an der Stelle t)

Bemerkung: α, β ∈ C und α̇(t) 6= 0 auf [a, b] → β̇(t) 6= 0 auf [c, d].


α : [a, b] → Ra , β : [c, d] → Ra
52

 
r cos(t)
Beispiel: [0, 6π] 3 t 7→ α(t) =  r sin(t)  mit r > 0, h > 0
ht
(Schraubenlinse)

 
−r sin(t)
α̇(t) =  r cos(t) 
h

√ √
kα̇(t)k = r2 sin2 t + r2 cos2 t + h2 = r2 + h2

Definition 4.3
Sei C eine Kurve in Ra und P1 , P2 , ... , PN ∈ C. Dann heißt
−1
NP
S = {P0 , P1 , ... , PN } Sehnenpolygon und l(S) := kPi+1 − Pi k
i=0
die Länge von S. Die Kurve C heißt rektifizierbar, falls sup l(S) < ∞ gibt.
S
Dann heißt l(C) = sup l(S) Länge der Kurve C.
S

Bemerkung: Ist S = {P0 , P1 , ... , PN +1 } mit S ⊂ Se .


Dann gilt l(S) ≤ l(S).
e
53

Satz 4.4
Sei C eine stetig differenzierbare Kurve und α : [a, b] → Rd eine
Parametrisierung von C. Dann ist C rektifizierbar und es gilt
´b
L(C) = kα̇(t)kdt
a

Beweis: Sei a = t0 < ... < tN = b eine Zerlegung von [a, b] und seien
Pi = α(t2 ), i = 0, 1, ... , N und S = {P0 , ... , PN } das Sehnenpolygon
NP−1 NP −1
mit der Länge l(S) = kPi+1 − Pi k = kα(ti+1 ) − α(ti )k
i=0 i=0

Es gilt für jede Komponentenfunktion αj , j = 1, ... , d von α


´
ti+1
˙
αj (ti+1 ) − αj (ti ) = αj (t)dt. Daher ist
ti
" # 21  !2  12
d d ´
ti+1
(αj (ti+1 ) − α(ti ))2
P P
kα(ti+1 ) − α(ti )k = = α̇(t)dt 
j=1 j=1 ti

! 12
´
ti+1 d ´
ti+1
α̇j2 (t)
P
≤ dt = kα̇(t)kdt
ti j=1 ti

und damit gilt


−1
NP NP ´
−1ti+1 ´b
l(S) = kα(ti+1 ) − α(ti )k ≤ kα̇(t)kdt = kα̇(t)kdt
i=0 i=0 ti a

Das gilt für jedes Sehnenpolygon und daher folgt


´b
l(C) = sup l(S) ≤ kα̇(t)kdt
S a
Bleibt zu zeigen, dass zu jedem ε > 0 ein Sehnenpolygon S existiert
´
b

mit kα̇(t)kdt − l(S) < ε
a

Sei S ein beliebiges Sehnenpolygon gilt


! 21
−1
NP −1
NP d
|αj (ti+1 ) − αj (ti )|2
P
l(S) = kα(ti+1 ) − α(ti )k =
j=1 i=0 j=1
! 12
−1
NP d
|α̇(sij )(ti+1 − ti )|2
P
= , sij ∈ (ti , ti+1 )
i=0 j=1
54

!
−1
NP d
P 2
= |α̇j (sij )| (ti+1 − ti )
i=0 j=1

´b
Andererseits kann das Integral kα̇(t)kdt durch Treppenfunktionen approximiert werden:
a
Es sei a = t0 < ... < tN := b eine Zerlegung von
´
b
−1
NP
[a, b] mit |α̇(t)|dt − kα̇(ti )k(ti+1 − ti ) < 2ε
a i=0
Nun folgt mit Sehnenpolygon zu dieser Zerlegung:
N −1 N −1
P P

k α̇(ti )k(t i+1 − ti ) − l(S) =
(k α̇(ti )k − η i )(ti+1 − ti )

i=0 i=0
−1
NP
≤ |kα̇(ti )k − ηi |(ti+1 − ti )
i=0
   
α̇1 (ti ) α̇1 (s i1 )
NP −1
≤  ..  −  .. k(ti+1 − ti )
. .
Inv. 4−Ungl. i=0

α̇d (ti ) α̇d (sid )

Es folgt insgesamt:
´b ´b −1
NP −1
NP
| kα̇(t)kdt − l(S)| ≤ | kα̇(t)kdt − kα̇(t)k(ti+1 − ti )| + | kα̇(t)k(ti+1 − ti ) − l(S)|
a a i=0 i=0
ε ε
< 2
+ 2



Sei C eine Kurve, dann heißt C stetig differenzierbar, falls


eine stetig diffbare Parametrisierung α existiert.

C heißt regulär, falls α̇(t) 6= 0 ∀t ∈ [a, b].


´b
Länge von C = kα̇(t)kdt.
a

4.2 Skalare und vektorielle Kurvenintegrale


Definition 4.5
Sei C eine stetig diffbare Kurve in Rd und eine stetig diffbare
Parametrisierung α : [a, b] → Rd .
Es sei f : C → R so dass f ◦ α : [a, b] → R stetig ist.
55

´ ´ ´b
Dann heißt f ds := f (x)dx := f (α(t))kα̇(t)kdt
C C a
skalares Kurvenintegral von f über C, ds = kα̇(t)kdt
heißt skalares Bogenelement.

Bemerkung: Ist β : [c, d] → Rd eine andere stetig diffbare


Parametrisierung von C und ist f ◦ β stetig, so ist das Kurvenintegral
´
f ds von der Parametrisierung unabhängig
C
d́ ´
Φ(b)
f (β(r)) β̇(r) dr = f (β(Φ(t))) β̇(Φ(t)) |Φ0 (t)| dt

c α(t)=β(Φ(t)) Φ(a)

´b ´ ´b ´b
= f (α(t))kα̇(t)kdt | f : C → R, c 7→ 1, 1ds f (α(t))kα̇(t)kdt = kα̇(t)kdt = l(C)
´a ´ ´ C a a
• (λf + µg)ds = λ f ds + µ g ds
C
´ C C
•| f ds| ≤ l(C) sup|f (x)|
C x∈C

Definition 4.6
Sei Ω ∈ Rd offen. Dann heißt eine stetig diffbare Abb.
v : Ω → Rd Vektorfeld.
•Bsp.: elektrische magnetische Felder.

Definition 4.7
Sei Ω ∈ Rd offen, v : Ω → Rd ein Vektorfeld und C eine
reguläre Kurve.(d.h. ∃ stetig diffbare Parametrisierung
α : [a, b] → Rd mit α̇(t) 6= 0) innerhalb von Ω. Dann heißt
´ ´b
v · dx := v(α(t)) · α̇(t)dt
C a ↑Skalarpr.

vektorielles Kurvenintegral (bzgl. Vektorfeld v entlang C)


Dabei muss α injektiv sein.

Bemerkung:
´b ´b P
d
v(α(t)) · α̇(t)dt = vi (α(t))α̇i (t)dt
a a i=1
56

d ´b
P ˙Pd ´
= vi (α(t))αi (t)dt =: vi dxi
i=1 a i=1 C

• dx = α̇(t)dt heißt vektorielles Bogenelement.


• Wert des vektoriellen Kurvenintegrals unabh. von der Parametrisierung
α̇(t) = β̇(Φ(t))Φ0 (t)

Beispiel: (Gravitationsfeld aus Massepunkt im Ursprung)


x
Ω = R3 \ {0}, v : Ω → R3 , x 7→ v(x) = − kxk 3
3 Sei C ⊂ R \ {0}

eine reguläre Kurve und α : [a, b] → R3 eine Parametrisierung von C.

´
Dann ist v · dx (ein Maß für) die Arbeit, die geleistet wird, wenn ein
c
zweiter Massepunkt entlang C bewegt wird.

´ ´b α(t)
Es ist v · dx = − kα(t)k 3 · α̇(t)dt
C a
d 1 d √ 1
Wegen dt kα(t)k
= dt α2 (t)+α2 (t)+α2 (t)
1 2 3

= − 12 √ 1
3 (2α1 (t)α˙1 (t) + 2α2 (t)α˙2 (t) + 2α3 (t)α˙3 (t))
α21 (t)+α22 (t)+α23 (t)
! !
α1 (t) α˙1 (t)
1
= − kα(t)k3 α2 (t) · α˙2 (t)
α3 (t) α˙3 (t)
α(t)
= − kα(t)k2 · α̇(t)

folgt
´ ´b d 1 1 1
v · dx = dt kα(t)k
dt = kα(b)k
− kα(a)k
C a
Achtung: Ergebnis hängt nur von Anfangs und Endpunkt der Kurve ab!

Eigenschaften vektorieller Kurvenintegrale


´ ´ ´
(λv + µw) · dx = λ v · dx + µ w · dx
C
´ C C
| v · dx| ≤ l(C)supkv(x)k
x∈C
C
´ ´ ´
v · dx = v · dx + v · dx
C1 +C2 C1 C2
57

4.3 Konservative Vektorfelder und Potentiale

Definition 4.8
Sei Ω ⊂ Rd offen und v : Ω → Rd ein Vektorfeld. Dann heißt v
konservativ genau dann wenn das (vektorielle) Kurvenintegral über
Kurven in Ω nur von Anfangs- und Endpunkt der Kurve abhängt.

Bemerkung: v ist genau dann konservativ, falls das Kurvenintegral über


alle geschlossenen Kurven verschwindet.
(⇒voll klar, ⇐ verwende Additivität des Integrals)

x 3
Beispiel: v(x) = − kxk3 ist ein konservaties Vektorfeld in R \ {0}

Satz 4.9
Es sei v : Ω → Rd ein Vektorfeld. Dann ist v genau dann konservativ, falls
eine stetig diffbare Abb. U : Ω → R existiert, v = grad U. Dann gilt für jede
Kurve C ist Anfangspunkt P1 und Endpunkt P2 :
´
v · dx = U(P2 ) − U(P1 )
C
U heißt Potential von v.

Beweis: ⇐: Sei U : Ω → R mit grad U = v. Weiter sei C eine


reguläre Kurve in Ω mit Parametrisierung α : [a, b] → Ω.
Dann ist
d
dt
U(α(t)) = (grad U)(α(t)) · α(t) = v(α(t)) · α̇(t)
und daher
´ ´b ´b d
v · dx = v(α(t)) · α̇(t)dt = dt U(ga(t))dt = U(α(b)) − U(α(a))
C a a
= U(P2 ) − U(P1 ) mit Anfangs- und Endpunkt P1 = α(a)
und P2 = α(b) der Kurve C.

Es folgt, dass v ein konservatives Vektorfeld ist.


´ x́
⇒Zu x0 ∈ Ω U(x) = v · dx =: v · dx
C x0
58

Sei v konservativ und x0 ∈ Ω fest. Zu x ∈ Ω wähle Kurve C mit


Anfangpunkt x0 und Endpunkt x. Setze dann.
´ x́
U(x) = v · dy = v · dy
C x0
Dies tun wir für jedes x ∈ Ω und erhalten(eine wohldefinierte von C
unabh.) Funktion U : Ω → R

Zeige: grad U = v
Zu x ∈ Ω wähle kleine Umgebung in Ω und h > 0, so dass
x + hej ∈ Ω gilt. Dann ist
x́ x́
U(x + hej ) − U(x) = v · dy − v · dy
x0 x0
h́ h́
α : [0, h] → Rd , t 7→ x + tej = v(x + tej ) · ej dt = · · · = vj (x + tej )dt
0 0

∂U U (x+hej )−U (x) 1
∂xj
(x) = lim h
= lim vj (x + tej )dt
h→0 h→0 h 0 stetig in t

= vj (x), j = 1, ... , d ⇒ (grad U)(x) = v(x)



Wunsch: Leicht nachprüfbare hinreichende Kriterien für Konservativität
von Vektorfeldern.

Definition 4.10
Es sei Ω ein Gebiet in Rd (d.h. offen und zusammenhängend).
Dann heißt Ω sternförmig , falls ein x0 ∈ Ω existiert, so dass für alle
x ∈ Ω die Gerade h(t) = x0 + t(x − x0 ), t ∈ [0, 1] in Ω enthalten ist.

Zwischenbetrachtung: v : Ω → Rd , U Potential
 
∂vi
∂xk
∂ ∂U
= ∂xh ∂xi
= ∂x∂U
k ∂xi
= ∂U
∂xi ∂xk
= ∂v
∂xi
k
S.v. Schwarz

Definition 4.11
Ein Vektorfeld v : Ω → Rd heißt rotationsfrei, falls
∂vi ∂vk
∂xk
= ∂xi
, i, k = 1, ... , d gilt.
Bemerkung: • v konservativ ⇒ v rotationsfrei
59

 ∂v3 ∂v2

∂x2 − ∂x3
•d = 3, rot v = (Ox v) :=  ∂v1 − ∂v3 
∂x3 ∂x1
∂v2 ∂v1
∂x1 − ∂x2
v : Ω → R3 rotationsfrei ⇐⇒ rot v = 0
Bild: R3 nicht rotationsfrei

rotationsfrei:

Satz 4.12(Hinreichende Bedingung für die Existenz eines Potentials)


Sei Ω ein sternförmiges Gebiet im Rd und v : Ω → Rd ein
rotationsfreies Vektorfeld. Dann ist v konservativ, es ex. ein Potential U : Ω → R mit
grad U = v.

Beweis: Sei x0 ∈ Ω mit [0, 1] → t 7→ x0 + t(x − x0 ) ⊂ Ω ∀x ∈ Ω


x́ 1́
und setze U(x) := v · dy := v(x0 + t(x − x0 )) · (x − x0 )dt
x0 0
1́ d
P
= vi (x0 + t(x − x0 ))(xi − x0 i )dt
0 i=1
1́ d
∂U ∂
P
∂xk
(x) = ∂xk
vi (x0 + t(x − x0 ))(xi − x0 i )dt
0 i=1
1́ d

P
= [v (x
∂xk i 0
+ t(x − x0 ))(xi − x0 i )] dt
Satz 1.23 0 i=1
1́ d 1́
∂vi
P
= ∂xk
(x0 + t(x − x0 ))t(xi − x0 i ) + 1 · vk (x0 + t(x − x0 ))dt
0 i=1 0


= tvk x0 + t(x − x0 ))|10 − t dt
d
vk (x0 + t(x − x0 ))dt
part.Int. 0
60


= vk (x) − t(grad vk )(x0 + t(x − x0 )) − (x − x0 )dt
0
1́ d
P ∂vk
= vk (x) − ∂xi
(x0 + t(x − x0 ))t(xi − x0i )dt
0 i=1
∂vi ∂vk
⇒ Damit folgt wegen ∂xk
= ∂xi
∂U
∂xk
(x) = vk (x), k = 1, ... , d ⇒ grad U = v
 
yex ey sin(z) + x + y
Beispiel: v(x, y, z) = xexy sin(z) + x + y − z  in R3
exy cos(z) − y + z
Hier ist rot v = 0, d.h. ∃U : R3 → R mit grad U = v
Bestimme U!
∂U ! x2
∂x
= yexy sin(z) + x + y ⇒ U(x, y, z) = exy sin(z) + 2
+ xy + ϕ(y, z)
∂U ∂
xexy sin(z) + x + y − z = ∂y
= xexy sin(z) + x + ∂y
ϕ(y, z)

⇒ ∂y
ϕ(y, z) =y−z
y2
⇒ ϕ(y, z) = 2
− zy + ψ(z)
xy ∂U ∂
e cos(z) − y + z = ∂z
= exy cos(z) − y + ∂z
ψ(z)
∂ z2
⇒ ∂Z
ψ(z) = z, ψ(z) = 2
+c
x2 y2 z2
⇒ U(x, y, z) = ex y sin(z) + 2
+ xy + 2
− zy + 2
+ c, c ∈ R

5. Integralrechnung im Rd
Idee: Treppenfunktionen auf Quadern
→ stetige Fkt. auf Quadern
→ stetige Fkt. auf offenen Mengen

5.1 Das Integral für Treppenfkt. auf Quadern


Definition 5.1
Das direkte Produkt von (beschr.) Intervallen I1 , ... , Id ⊂ R
heißt d-dimensionaler Quader.
d.h. Q = I1 × I2 × ... × Id ⊂ Rd

Die Intervalle Ii können offen/abg./halboffen etc. sein.


Das Volumen von Q ist definiert durch
61

d
Q
V (Q) = (bi − ai ) wobei
i=1
ai = inf Ii , bi = sup Ii , i = 1, ... , d

Ein Quader Q heißt entartet, falls V (Q) = 0 ist oder abgeschlossen


ai = bi für ein i ∈ {1, ... , d}.

Bemerkung: Das Volumen ist translationsinvariant. Für λ ∈ Rd gilt.


d
Q d
Q
V (λ + Q) = ((bi + λi ) − (ai + λi )) = (bi − ai ) = V (Q)
=:{λ+x|x∈Q} i=1 i=1

Lemma und Definition 5.2


Es seien Q1 , ... , QN ⊂ Rd Quader. Dann gibt es paarweise disjunkte
Quader R1 , ... , RM ⊂ Rd , Ri ∩ Rj = ∅ für i 6= j, so daß jedes Qi
N
S k
S
Vereinigung geeignter Ri1 , ... , Rik ist und Qi = R ij .
i=1 j=1

{Ri , ... , Rn } heißt Rasterung der Q1 , ... , QN .

Bemerkung: Ist Q := Q1 ∪ ... ∪ QN


M
P
V (Q) := V (Ri ).
i=1

Definition 5.3
Sei Q := Q1 , ... , QN die Vereinigung von Quadern Q1 , ... , QN ⊂ Rd .
Die charakteristische Funktion χQi von Qi ist definiert als

1 für x ∈ Qi
χQi : Q → R, χQi (x) =
0 sonst

N
P
Für c1 , ... , cN ∈ R ist ϕ : Q → R, ϕ = ci χQi eine Treppenfkt.
i=1
Sind die Qi paarweise disjunkt(p.w.disj.), so nennen wir die
Darstellung von ϕ disjunkt.

Zwei Treppenfunktionen ϕ und ψ auf Q heißen fast überall gleich


(oder ϕ(x) = ψ(x) für fast alle x ∈ Q), falls es eine Rasterung von Q
gibt so dass sich ϕ und ψ nur auf den entarteten Quadern der
62

Rasterung unterscheiden.

Lemma 5.4
Zu jeder Treppenfkt. ϕ auf Q gibt es eine Rasterung R1 , ... , RM
M
P
von Q und d1 , ... , dm ∈ R mit ϕ = dj χRj , ϕ besitzt also
j=1
eine disjunkte Darstellung.

N
S N
P
Beweis: Sei Q = Qi , ϕ = ci χQi .
i=1 i=1
Sei R1 , ... , RM eine Rasterung von Q (also von Q1 , ... , QN )

P
Wir setzen dj := ci .
i∈{1,.. ,N | Rj ∩Qi 6=∅}

Definition 5.5
N
P
Sei ϕ = ci χQi eine Treppenfunktion in disjunkter Darstellung.
i=1
´ N
P
Dann heißt ϕ(x)dx := ci · V (Qi ) Integral von ϕ über Q.
Q i=1

Bemerkungen: Das Integral ist von der expliziten Darstellung von ϕ


unabhängig von der speziellen Rasterung von Q.
(wie in R1 am Anfang des Semesters)

´
• Ist ϕ(x) ≥ 0, also alle cj ≥ 0, so ist ϕdx die Summe der
Q

Volumen der (d + 1)-dim. Quader Qi × [0, ci ], i = 1, ... , N

Lemma 5.6
(1) Seien ϕ, ψ TF(Treppenfkt.) auf Q und α, β ∈ R, so ist
´ ´ ´
(αϕ + βψ)(x)dx = α ϕ(x)dx + β ψ(x)dx (Linearität)
Q Q Q

(2) Ist ϕ(x) ≥ 0 für fast alle x ∈ Q (d.h. Es gibt eine Rasterung
Q so daß ϕ(x) ≥ 0 auf allen Quadern mit Volumen 6= 0)
63

´
so ist ϕ(x)dx ≥ 0
Q
´ ´
(3) Aus ϕ = ψ fast überall auf Q, folgt ϕ(x)dx = ψ(x)dx
Q Q

(4) Aus ϕ(x) ≤ ψ(x) fast überall auf Q folgt


´ ´
ϕ(x)dx ≤ ψ(x)dx (Monotonie)
Q Q

´
(5) ϕ(x)dx ≤ kϕk∞ · V (Q)

Q

M
P
Beweis: (2) Sei also ϕ = dj χRj mit einer passenden
j=1
Rasterung R1 , ... , RM
Dann ist für ein j = 1, ... , M . Für x ∈ Rj :
0 ≤ ϕ(x) = dj , falls V (Rj ) 6= 0,
´ PM
also ϕ(x)dx = dj V (Rj ) ≥ 0
j=1 

Q
= 0, falls V (Rj ) = 0
≥ 0, falls V (R ) 6= 0
j

´ PM PM PM
(5) | ϕ(x)dx| = | dj V (Rj )| ≤ |dj | V (Rj ) ≤ kϕk∞ V (Rj ) = kϕk∞ V (Q)
Q j=1 j=1 |{z} j=1
≤kϕk∞

Satz 5.7 (Fubini für TF/sukzessive Integration)


Seien Q ⊂ Rp und R ⊂ Rq kompakte Quader. Dann ist Q × R ein
Quader in Rp+q . Wir schreiben für Rp+q 3 z = (x , y )
∈Rp ∈Rq

Für jede TF ϕ auf Q × R gilt:


(a) Für festes x ∈ Q ist y 7→ ϕ(x, y) eine TF auf R.
´
(b) x 7→ ϕ(x, y)dy ist eine TF auf Q.
R
!
´ ´ ´ ´ ´
 
(c) ϕ(z)dz = ϕ(x, y)dy dx = ϕ(x, y)dy dx
Q×R Q R Q R

Bemerkung: Durch Vertauschen von R und Q:


´ ´´
ϕ(z)dz = ϕ(x, y)dx dy
Q×R RQ

Beweis: Die TF ϕ hat eine disj. Darstellung, die also auf einer
64

Rasterung von Q × R beruht.

Die Projektionen dieser Rasterung auf Rp bzw. Rq bilden eine


Rasterung von Q bzw. R.

N
S M
S
Dann ist also Q = Qi , R = Rj , Qi p.w. disj., Rj p.w. disj.
i=1 j=1
N S
S M
also Qi × Ri p.w. disj. und Q × R = Qi × Rj .
i=1j=1

N P
P M
Dann besitzt ϕ eine disj. Darstellung der Form ϕ = dij χQi ×Rj
i=1j=1

Es ist χQi ×Rj (x, y) = χQi (x) · χRj (y) und V (Qi × Rj ) = V (Qi ) · V (Rj )
PN PM PP
Für x ∈ Q ist ϕ(x, y) = αij χQi ×Rj (x, y) = dij χQi (x)χRj (y)
i=1j=1 i j
M
N 
P P
= dij χQi (x) · χRj (y) also (a)
j=1 i=1
!
´ M P
P N N
P M
P
ψ(x) = ϕ(x, y)dy = dij χQi (x) · V (Rj ) = dij V (Ri ) χQi (x)
R i=1ı́=1 i=1 j=1

also (b)

´ ´ ´ ´
  N P
M
P
ϕ(x, y)dy dx = ψ(x)dx = dij V (Rj ) · V (Qi ) = ϕ(z)dz also(c)
Q R Q i=1j=1 Q×R


Satz 5.8(Additivität):
Sind Q0 und Q1 disjunkte Quader in Rd , so ist
´ ´ ´
S
ϕdx = ϕdx + ϕdx
Q0 Q1 Q0 Q1

5.2 Das Integral für stetige Funktionen über kompakte Quader


Idee: Gleichmäßige Approx. durch TF.
65

Satz 5.9
Ist f eine stetige Funktion auf einem kompakten Quader Q ⊂ Rd , so
ist f gleichmäßiger Grenzwert einer Folge von TF auf Q.

Beweis: (für d = 2) Q = [a1 , b1 ] × [a2 , b2 ], f : Q → R stetig.


Sei ε > 0 beliebig. Da f sogar glm. stetig ist, b2 gibt es δ > 0 :
|f (x, y) − f (x0 , y 0 )| < ε falls |(x, y) − (x0 , y 0 )| < δ
−a1 −a2
p
Mit h1 = b1 N , h 2 = b2 N und h := h21 + h22 wählen wir N
so groß, dass h < δ. Wir setzen für i, j = 0, ... , N : xi = a1 + i · h1 ,
yj = a2 + j · h2
Wir setzen
NP−1 −1
NP
ϕ= f (xi , yj )χ[xi ,xi+1 =×[yj ,yj+1 ) + f (xi , b2 )χ[xi ,xi+1 )×{b2 }
i,j=0 i=0
−1
NP
+ f (b1 , yj )χ{b1 }×[yj ,yj+1 ) + f (b1 , b2 )χ{b1 }×{b2 }
j=0

Also ist ϕN eine TF auf Q und nach Wahl von N gilt kϕN − f k∞ < ε


Definition und Lemma 5.10


Ist f : Q → R der gleichm. Grenzwert einer Folge von Treppenfunktionen
auf Q, so setzen wir
´ ´
f (x)dx := lim ϕn (x)dx
Q n→∞ Q

”Beweis”: Existenz des Grenzwertes: Sei ε > 0. Da (ϕn ) insbesondere


eine k.k∞ -Cauchyfolge ist, gibt N > 0 : ∀n, m ≥ N :
kϕ − ϕm k < ε. Damit folgt für n, m ≥ N :
n
´ ´ ´
ϕn dx − ϕm dx = | (ϕn − ϕm )dx| ≤ kϕn − ϕm k∞ · V (Q)

Q Q Q
!
´
Also ist ϕn dx eine CF in R, konv. also
Q
n
Unabhängig von der Wahl von ϕn : Sei (ψn ) eine weitere
Folge von TF mit kf − ψn k∞ → 0. Sei ε > 0 bel.
Sei N so gewählt dass ∀n > N : kϕn − f k∞ < ε und kψn − f k∞ < ε.
66

Damit kϕn − ψn k∞ ≤ kϕn − f k∞ + kψn − f k∞ < 2ε

´ ´ ´
Also | ϕn dx − ψn dx| = | (ϕn − ψn )dx| ≤ kϕn − ψn k∞ V (Q) < 2εV (Q)∀n > N
Q Q Q
!
´ ´
Also ist ϕn dx − ψn dx eine Nullfolge 
Q Q
n

´ ´ ´
Notation: ϕdx = ϕ(x)dx = ϕ(x1 , ... , xd )d(x1 , ... , xd )
Q Q Q

Lemma 5.11
Seien f, g : Q → R glm. GW von Folgen von TF.
´ ´ ´
(a) (αf + βg)dx = α f dx + β g dx, α, β ∈ R.
Q Q Q
´ ´
(b) | f dx| ≤ |f |dx ≤ kf k∞ V (Q)
Q Q
´ ´
(c) Aus f (x) ≤ g(x)∀x ∈ Q folgt f dx ≤ g dx.
Q Q
´
(d) Aus |f |dx = 0 folgt f (x) = 0 ∀x ∈ Q, falls f stetig ist
Q

Beweis: (b) Sei ϕn eine Folge von TF auf Q mit ϕn → f glm.


Dann ist (|ϕn |) eine Folge von TF, die glm. gegen |f | konvergiert.

´ ´ ´ ´
Also | f dx| = | lim ϕn dx| ≤ lim |ϕn |dx = |f |dx.
Q n→∞ Q n→∞ Q Q
´
Insbes. gilt kϕn k∞ → kf k∞ , also |f |dx = lim kϕn k∞ · V (Q) = kf k∞ V (Q)
Q n

Satz 5.12(Fubini):
Seien Q ⊂ Rp ,R ⊂ Rq komp. Quader, f : Q × R → R stetig.

´
(a) Die Abb. x 7→ F1 (x) := f (x, y)dy ist stetig auf Q,
´ R
y 7→ F2 (y) := f (x, y)dx ist stetig auf R.
Q
!
´ ´ ´ ´ ´ ´
 
(b) f (z)dz = f (x, y)d(x, y) = f (x, y)dy dx = f (x, y)dx dy.
Q×R Q×R Q R R Q
67

Beweis: (a) f ist auf Q × R kompakt sogar gleichmäßig stetig, für ε > 0
gibt es δ > 0, so dass insbesondere
   0    0 
x x x x
|f (x, y) − f (x0 , y)| < ε für alle , ∈ Q × R mit − <δ
y y y y

Es gilt also für alle x, x0 ∈ Q mit |x, x0 | < δ :


´ ´ ´
|F1 (x) − F1 (x0 )| = | f (x, y)dy − f (x0 , y)dy| = | f (x, y) − f (x0 , y)dy|
´ R
´ R R
≤ |f (x, y) − f (x0 , y)|dy < ε · 1dy = εV (R)
R R

(b) Sei ϕn eine Folge von TF auf Q × R die glm. gegen f konvergiert,
´ ´
also f (z)dz = lim ϕn (z)dz. Für x ∈ Q ist ϕn (x, ·) eine TF auf R
Q×R n→∞Q×R
´
und ψn (x) := ϕn (x, y)dy eine TF auf Q.
R

Da ϕn auf Q × R glm. gegen f konv., so insbesondere ϕn (x, ·) glm. auf R


´ ´
gegen f (x, ·) für x ∈ Q,also ψn (x) = ϕn (x, y)dy → f (x, y)dy = F1 (x).
R n→∞ R

´
Es gilt: |F1 (x) − ϕn (x)| = | (ϕn (x, y) − f (x, y))dy| ≤ kϕn − f k∞ V (R)
R
also kψn − F1 k∞ ≤ kϕn − f k∞ V (R) → 0
´ ´ n→∞
also | F1 (x)dx − ψn (x)dx| ≤ kF1 − ψn k∞ V (Q) → 0
Q Q
´ ´ ´ ´
 
Also f (z)dz = lim ϕn (z)dz = lim ϕn (x, y)sy dx
Q×R n Q×R n Q R
´ ´ ´ ´
 
= lim ψn (x)dx = F1 (x)dx = f (x, y)dy dx
n→∞ Q Q Q R


5.3 Das Integral für stetige Funktionen auf offenen Mengen im Rd

Satz 5.13
Sei Ω ⊂ Rd offen, Ω 6= ∅. Dann ex. eine Folge kompakter Quader
◦ ◦

{Qj }j=1 mit paarweise disjunktem Inneren (d.h. Qi ∩ Qj = ∅, i 6= j)
68


S
so dass (i) Ω = Qi
i=1
(ii) Jede kompakte Teilmenge von Ω wird bereits durch endlich
viele Quader überdeckt.

S
Beweis: Sei d = 2. Setze K0 := {z0 kompake Gitterzelle, z0 ⊂ Ω}
k
Bilde das Netz 1-ter Stufe, welche aus Gitterzellen mit x = 2n
und
l
y= 2n
, k, l ∈ Z bedeckt und setze
S
K1 = {z1 kompakt 1 − ter Stufe, z1 ⊂ Ω} \ K0

Netz 1. Stufe besteht aus Gitterzellen mit x = k, y = l, l, k ∈ Z

So geht das weiter, ... , das Netz m-ter Stufe hat Gitterzellen
k l
x= 2m
,y = 2m
, k, l ∈ Z und es ist
S m−1
S
Km = {zm kompakte Gitterzelle m − ter Stufe zm ⊂ Ω} \ Ki
i=1

S
Es gilt nach Konstruktion Km ⊂ Ω. Sei nun x0 ∈ Ω. Da Ω
m=0
offen ist ex. eine Kugel B(x0 , r) ⊂ Ω mit r > 0. Der Punkt x0 ist stets in
den Gitterzellen j-ter Stufe enthalten. Wähle m ∈ N so,dass

2
2m
< r gilt, dann ex. eine Gitterzelle m-ter Stufe zm mit

S
x0 ∈ zm ⊂ B(x0 , r) ⊂ Ω. Daher ist x0 ∈ K0 ∪ ... ∪ Km ⊂ Ki
i=1

S
⇒Ω= Ki und die Ki bestehen aus endlich vielen oder abzählbar
i=1
vielen kompakten Quadern.
69

dist(K,∂Ω)
(ii) d = 2 Sei K ⊂ Ω kompakt und Ω 6= R2 . Wähle r := 2
Dann ist für jedes x ∈ K die Kugel B(x, r) ⊂ Ω Wähle nun die Gitterzellen

2
m-ter Stufe mit 2m
< r ,die nichtleeren Schnitt mit K haben.
Dies sind endlich viele, K wird durch deren Vereinigung überdeckt,
alle Zellen liegen in Ω.


Definition 5.14
Sei Ω ⊂ Rd offen und f : Ω → R stetig. Dann heißt f über Ω integriebar,
N ´
P
falls ein M ≥ 0 existiert, so dass |f (x)|dx ≤ M für je endlich viele
k=1Qk
◦ ◦
kompakte Quader Qi in Ω gilt, wobei Qi ∩ Qj = ∅, i 6= j.
´ ∞ ´
P
Ist f : Ω → R integrierbar, dann heißt f (x)dx := f (x)dx
Ω k=1Qk

S
das Integral von f über Ω ,wobei Ω = Qk wie in Satz 5.13.
k=1

Bemerkungen: Integral ist wohldefiniert,


-Reihe ist absolut konvergent, da die Folge der Partialsumme mon.
´
wachsend und beschränkt ist, also ex. f (x)dx

- Wert des Integrals hängt nicht ab von der Zerlegung

S
Ω= Qk
k=1
Eigenschaften:
(i) Linearität: sind f, g : Ω → R stetig und integrierbar α, β ∈ R, dann ist
´ ´ ´
auch αf + βg integrierbar, es gilt (αf + βg)(x)dx = α f (x)dx + β g(x)dx
Ω Ω Ω
(ii) Monotonie: sind f, g : Ω → R integrierbar über Ω mit
´ ´
f (x) ≤ g(x), x ∈ Ω, so gilt f (x)dx ≤ g(x)dx
Ω Ω

(iii) f : Ω → R ist genau dann integrierbar, wenn der |f | : Ω → R


´ ´

integrierbar ist. Es gilt dann f (x)dx ≤ |f (x)|dx

Ω Ω
(iv) f : Ω → R ist genau dann integrierbar, falls der positive Teil
70

f+ (x) = 12 (|f (x)| + f (x))


und der negative Teil
f− (x) = 12 (|f (x)| − f (x))
beide über Ω integrierbar sind.
´ ´ ´
Es gilt dann f (x)dx = f+ (x)dx − f− (x)dx
Ω Ω Ω−

Satz 5.15 (Majorantenkriterium)


Sei f : Ω → R stetig und sei g : Ω → R integrierbar und es gilt
|f (x)| ≤ g(x), x ∈ Ω. Dann ist auch f über Ω integrierbar.

Beweis: Da g : Ω → R integrierbar ist existiert Mg ≥ 0, so dass


für alle N ∈ N und alle Quader Qk , k = 1, ... , n (wobei {Qn }∞
k=1
eine Folge von Quadern wie im Satz 5.13)
PN ´
|g(x)|dx ≤ Mg
k=1 Qk

Nach Voraussetzung gilt |f (x)| ≤ g(x) ≤ |g(x)| und aufgrund der Monotonie
des Integrals von stetigen Funktionen auf Quadern folgt
PN ´ N ´
P
|f (x)|dx ≤ |g(x)|dx ≤ Mg
k=1 Qk k=1 Qk


Korollar 5.16
Sei Ω eine beschränkte offene Menge in Rd und f : Ω → R sei
beschränkt und stetig. Dann ist f über Ω integrierbar.

Beweis: g(x) ≈ c mit c = supf (e


x) ist eine integrable Majorante von f .
e∈Ω
x
N
P ´ N ´
P N
P
Es gilt tatsächlich |g(x)|dx = c 1 dx = c Vol(Qk ) ≤ c η
k=1 Qk k=1 Qk k=1

Satz 5.17 (sukzessive integration)


Seien Ω0 ⊂ Rd eine offene Menge und g, h : Ω0 → R
stetig mit g(x) < h(x), x ∈ Ω0 . Weiter sei
∈Rd ∈R
Ω := {( x , y ) ∈ Rd+1 : g(x) < y < h(x); x ∈ Ω0 } und
71

f : Ω → R stetig. Für alle kompakten Teilmengen K ⊂ Ω0


existiere eine Konstante c(k) mit

|f (x, y)| ≤ c(k), ∀(x, y) ∈ (x, y) ∈ Rd+1 : g(x) < y < h(x) : x ∈ K
´
h(x) ´
h(x)
Dann sind F (x) := f (x, y)dy und G(x) = |f (x, y)|dy
g(x) g(x)

auf Ω0 stetig. Ist G : Ω0 → R integrierbar, dann ist f : Ω → R


integrierbar und es gilt:
´ ´ ´ h(x)
´ ´
f (z)dz = f (x, y)d(x, y) = f (x, y)dy dx = F (x)dx
Ω Ω Ω0 g(x) Ω0

Beweis: F : Ω0 → R ist stetig: Seien x, x0 ∈ Ω. Dann ist


´ ´)
h(x) h(x 0
0
F (x) − F (x ) = f (x, y)dy − f (x0 , y)dy
g(x) g(x0 )

ˆ ˆ ˆ )
g(x) h(x) h(x 0

= (f (x, y) − f (x0 , y))dy + f (x0 , y)dy − f (x0 , y)dy


h(x) g(x) g(x0 )
| {z } | {z }
f ür |x−x0 | klein wird das Int. klein da f stetig
ˆ ) ˆ
g(x 0 h(x)

= f (x0 , y)dy+ f (x0 , y)dy


g(x) h(x0 )
| {z } | {z }
wird klein da g stetig h stetig, also klein f ür x−x0 klein

⇒ F stetig also auch G.

(ii) G integrierbar über Ω0 ⇒ f integrierbar über Ω.


◦ ◦
Sei N ∈ N und Q1 , ... , QN ⊂ Ω komp. Quader, Qi ∩ Qj = ∅,i 6= j.
Dann gilt: Qk = Q0k × [ak , bk ], mit Q0k ⊂ Ω0 und es folgt
!
N ´
P N ´
P b´k
|f (x, y)|d(x, y) = |f (x, y)|dy dx
k=1 Qk k=1 Qk ak

h ´ h(x)
P ´ h ´
P
≤ |f (x, y)|dy dx = G(x)dx ≤ MG weil G : Ω0 → R intbar.
k=1 Q0 g(x) k=1 Q0
k k

(iii) Fall 1 Ω0 ist ein Quader.


Wähle dann a, b ∈ R mit Ω ⊂ Ω0 × [a, b] und setze fe : Ω0 × [a, b] → R

f (x, y) (x, y) ∈ Ω
(x, y) 7→
0 (x, y) sonst
72

Bemerkung: fe i.A. nicht stetig. Dann gilt


´ ´ ´ ´b ´ h(x)
´
f (x, y)d(x, y) = fe(x, y)d(x, y) = fe(x, y)dy dx = f (x, y)dy dx
Ω Fubini Ω a Ω0 g(x)
Ω0 ×[a,b] 0

Fall 2 Ω0 beliebig Ω0 mit Quadern auszuschöpfen, auf Fall 1 zurückführen...




Definition 5.18
Eine Menge N ⊂ Rd heißt Nullmenge falls zu jedem ε > 0 abzählbar viele

S ∞
P
Quader Q1 , Q2 , ... existieren, mit N ⊂ Qk und Vol(Qk ) < ε
k=1 k=1

Bemerkung: (i) Ändert man eine integrierbare Funktion auf einer


Nullmenge ab, so ändert sich der Wert des Integrals nicht.

z.B. f : Q → R, Q Quader und f integrierbar, fe : Q → R mit f (x) = fe(x)


∀x ∈ Q \ N , wobei N ⊂ Q Nullmenge.
´ ´
⇒ f (x)dx = fe(x)dx
Q Q

(ii) ”Gute” Abbildungen bilden Nullmengen auf Nullmengen ab.


z.B. Diffiomorphismen (Lipschitzstetigkeit reicht)

5.4 Der Transformationssatz

´
g(b) ´b
Erinnerung: (i) f (y)dy = f (g(x))g 0 (x)dx, g 0 (x) 6= 0 auf (a, b)
g(a) a

g : (a, b) → (g(a), g(b))

(ii) g Diffiomorphismus : ⇐⇒ g bij. + stetig diffbar, g −1 stetig diffbar


73

Satz 5.19
Seien Ω und Ω0 offene Mengen in Rd und g : Ω → Ω0 Diffiomorphismus.
Dann ist eine stetige Fkt. f : Ω0 → R genau dann über Ω0 = g(Ω)
integrierbar, falls f ◦ g|det g 0 | über Ω integrierbar ist.

´ ´
Es gilt dann f (y)dy = (f ◦ g)(x)|det g 0 (x)|dx
Ω0 Ω

Beispiel: (Polarkoordinaten)
Sei Ω = {(r, ϕ), r ∈ (0, 1), ϕ ∈ (−π, π)}
g : Ω → Ω0 , (r, ϕ) 7→ (r cosϕ, r sinϕ)
Ω0 = {(x, y) ∈ R2 : x2 + y 2 < 1}
g ist Diffiomorphismus
 
0
cosϕ −r sinϕ
Es gilt: |det g (r, ϕ)| =

sinϕ r cosϕ

Sei f : Ω0 → R, f (x, y) = x + 3y Dann ist


´ ´
f (x, y)d(x, y) = f (g(r, ϕ))|det g 0 (r, ϕ)|d(r, ϕ)
Ω0 Ω
´
= (r cosϕ + 3r sinϕ) · r d(r, ϕ)

1́ π́
= (r cosϕ + 3r sinϕ)r dϕ dr = 0
0 −π

BEWEIS: Hilfssatz 1: Für jeden kompakten Würfel (Quader mit gleicher


Kantenlänge) W ⊂ Ω gilt: Vol(g(w)) ≤ max|det g 0 (x)| Vol(W )
x∈W
Beweis: O.B.d.A Vol(W ) 6= 0, da sonst Vol(g(W )) = 0 (g Diffiomorphismus)
Sei α > 0 so dass Vol(g(W )) = α Vol(W ) zerlege W durch Kantenhalbierung
in 2d kompakt Teilwürfel Pi , i = 1, ... , 2d . Dann ist
2d 2d
P g Diffio P
Vol(g(Pi )) = Vol(g(W )) = α Vol(Pi )
i=1 i=1
Aber so ex. ein Würfel W1 ∈ {P1 , ... , P2d } mit Vol(g(W1 ) ≥ α Vol(W1 )

Zerlege W1 in gleicher Weise und wähle W2 ⊂ W1 mit


Vol(g(W2 )) ≥ α Vol(W2 )
Man erhält dann eine Folge (Wk )∞
k=1 von kompakten Würfeln mit
W1 ⊃ W2 ⊃ W3 ⊃ ... und Vol(g(Wk )) ≥ α Vol(Wk )
74


T
Es sei α ∈ Wk und g(a) = b, o.B.d.A a = 0 = b
k=1
Sei mk der Mittelpunkt von Wk . Dann gilt
n o
Wk = x ∈ Rd : kx − mk k∞ ≤ 2dk wobei de die halbe Kantenlänge
e

de
von W bezeichnet. Insbesondere ist wegen α = 0 : kmk k∞ ≤ 2k
=0
z}|{
Nun ist g(x) = g(0) + g 0 (0)x + r(x)kxk∞
= g 0 (0)(x + (g 0 (0))−1 r(x)kxk∞ ) = g 0 (0)(x + re(x)kxk∞ )
re(x) → 0 für x → 0

Behauptung ∀ε > 0 P k = k(ε) mit


n o
d(1+ε)
Vk = {x + kxk∞ re(x) : x ∈ Wk } ⊂ Wkε := z ∈ Rd : kz − mk k∞ ≤
e
2k

r(x)k∞ ≤ 2ε ∀x ∈ Wk . Wegen kxk∞ ≤ 2 2dk


Beweis: Wähle k mit ke
e

de
folgt kx + kxk∞ re(x) − mk k ≤ kx − mk k∞ + kxk∞ ke
r(x)k∞ ≤ + 2 2dk · ε
e
2k 2


Damit folgt dann weiter:


g(Wk ) = g 0 (0)Vk ⊂ g 0 (0)Wkε
und daher
: Vol(g(Wk )) ≤ Vol(g 0 (0)Wkε )
Nun ist  
(1 + ε)vk 2

0 ε 0
Vol(g (0)Wk ) = det (g (0) .. )
.
(1 + ε)vk 2
= (2vk )d (1 + ε)d |det g 0 (0)| = Vol(Wk )(1 + ε)d |det g 0 (0)|
⇒ Vol(g(Wk )) ≤ (1 + ε)d |det g 0 (0)|Vol(Wk )

Angenommen es wäre α > max |det g 0 (x)| > |det g 0 (0)|


x∈W
d
Wähle ε > 0 so dass (1 + ε) |det g 0 (0)| < α Für den Würfel Wk ,
k = k(ε) wäre dann:
Vol(g(Wk ) < α Vol(Wk )
⇒ α ≤ max |det g 0 (x)| und das ergibt:
x∈W
Vol(g(W )) = α Vol(W ) ≤ max|det g 0 (0)| Vol(W )
x∈W

75

Hilfssatz 2: Sei K ⊂ Ω eine kompakte Menge, deren rand eine Nullfolge ist
und L = g(K). Dann gilt:
min|det g 0 (x)|Vol(K) ≤ Vol(L) ≤ max|det g 0 (x)| Vol(K)
x∈K x∈K

◦ ◦ ◦ ∞
S
Beweis: wähle abzählbar viele kompakte Würfel Wk mit Wk ∩ Wj = ∅ und K = Wk .
k=1
Da der Rand von K eine Nullmenge ist, gilt
◦ ∞
P
Vol(K) = Vol(K) = Vol(Wk ). Da g Diffiomorphismus ist, ist der Rand
k=1
von L = g(K) eine Nullmenge und es gilt:
◦ ◦ ◦ ◦
g(Wi ) ∩ g(Wj ) = g(Wi ∩ Wj ) = ∅, i 6= j
Nach Hilfssatz 1 ist
Vol(g(Wk )) ≤ max|det g 0 (x)| Vol(Wk ) ≤ max|det g 0 (x)| Vol(Wk )
x∈Wk x∈K
und daher folgt
∞ ∞
Vol(g(Wk )) ≤ max|det g 0 (x)| Vol(Wk )
P P
Vol(L) =
k=1 x∈K k=1
0
= max|det g (x)| Vol(K)
x∈K
vertauscht man die Rollen von K und L so folgt auch K = g −1 (L)
0
Vol(K) ≤ max det (g −1 ) (y) Vol(L)
y∈L
−1 0
Da (g 0 (x)) = (g −1 ) (y) für y = g(x) [Kettenregel]
1
= det(g 0 (x))−1 = det(g −1 )0 (y), y = g(x)
det g 0 (x)

Also folgt Vol(K) ≤ max det 1g0 (x) Vol(L) = min |det
1
Vol(L)

g(x)|
x∈K

⇒ min|det(g 0 (x))|Vol(K) ≤ Vol(L)


x∈K

Hilfssatz 3: Der Transformationssatz gilt für Treppenfunktionen in deren Träger Tr (h) :=


{x ∈ Rd : h(x) 6= 0} in Ω0 liegt.

Beweis: Aufgrund der Linearität des Integrals reicht es aus den Hilfssatz für
eine charakteristische Funktion eines kompakten Quaders zu zeigen.

0 1 x∈Q d
Sei Q < Ω ein kompakter Quader und χQ : R , x 7→
0 x∈ /Q
Die Funktion χQ ◦ g : Ω → R verschwindet außerhalb der Menge
g −1 (Q) ⊂ Ω. Da χQ ◦ g|det g 0 | stetig auf g −1 (Q) ⊂ Ω
und damit auf g −1 (Q) integrierbar und damit auch über Ω
(da die Fkt. außerhalb von g −1 (Q) Null ist)
76

´ ´
Zeige noch die Formel χQ (y)dy = |det g 0 (x)|dx
Q g −1 (Q)

Sei ε > 0 und K = g −1 . Dann ist |det K 0 (·)|−1 eine stetige Funktion auf
der kompakten Menge Q ⊂ Ω0 und daher gleichmäßig stetig. Also kann Q
◦ ◦
in Q1 ∪ ... ∪ Qr zerlegt werden. Qi kompakt, Qi ∩ Qj = ∅,i 6= j,
so dass für alle 1, ... , r gibt:
max |det K 0 (y)|−1 − min |det K 0 (y)|−1 ≤ ε
y∈Qi y∈Qi

In Ki := k(Qi ) ⊂ Ω gilt:
max|det g 0 (x)| < min|det g 0 (x)| ≤ ε
x∈Ki x∈Ki
Also max|det g (x)| Vol(Ki ) − min |det g 0 (x)|Vol(K) ≤ εVol(K)
0
x∈Ki x∈Ki
und außerdem
´
min|det g 0 (x)|Vol(Ki ) ≤ |det g 0 (x)|dx ≤ max|det g 0 (x)|Vol(Ki )
x∈Ki Ki x∈K

Daher liefer Hilfssatz 2 wegen


min|det g 0 (x)| Vol(Ki ) ≤ Vol(Qi ) ≤ max|det g 0 (x)|Vol(Ki )
x∈Ki x∈Ki
´ 0
insgesamt: | |det g (x)|dx − Vol(Qi )| ≤ εVol(Ki )
Ki
´
⇒ Vol(Qi ) = |det g 0 (x)|dx Summation liefert
Ki
´ r r ´ ´
|det g 0 (x)|dx = |det g 0 (x)|dx 
P P
χQ (x)dx = Vol(Q) = Vol(Qi ) =
Q i=1 i=1 Ki g −1 (K)

Hilfssatz 4: Sei f : Ω0 → R stetig und über Ω0 integrierbar. Dann ex. zu jedem ε > 0 eine
Treppenfunktion ϕ mit träger in Ω0 , so dass
´
|f (y) − ϕ(y)|dy < ε
Ω0

Beweis: ÜA.

Beweis von Satz 5.19:


Sei f : Ω0 → R stetig und integrierbar ist. Sei (ϕk )∞
k=1 eine
Folge von Treppenfunktionen (Hilfssatz 4),so dass
´ ´
f (x)dy = lim ϕk (y)dy
Ω0 k→∞ Ω0

fk := ϕk ◦ g |det g 0 |. Dann ist ϕ


Setze ϕ fk (x) → f (g(x))|det g 0 (x)|
Sind Qi , i = 1, ... , N endlich viele Quader in Ω
77

N ´ N
|f (g(x))| |det g 0 (x)|dx ≤ max |det g 0 (x)| Mf
P P
Vol(Qi )
i=1 Q i=1

Dann ist weiter:


´ ´ HS 3 ´ ´
(f ◦ g)(x)|det g 0 (x)|dx = lim ϕfk (x)dx = lim ϕk (g)dy = f (y)dy
Ω k→∞ Ω k→∞Ω0 Ω0

Kapitel 6 - Oberflächenintegrale
6.1 Hyperflächen in Rm , Tangentialebene

Definition 6.1
Sei G ⊂ Rm−1 , m ≥ 2, offen und zusammenhängend und p : G → Rm
stetig diffbar. p heißt auf G regulär, falls p injektiv ist und
rang p0 (u) = m − 1, u ∈ G.
Sind p : G → Rm , q : Ge → Rm regulär, so heißen p und q äquivalent,
e → G ex. mit p(ϕ(v)) = q(v), v ∈ G.
falls ein Diffiomorphismus ϕ : G e

Bemerkungen: m = 3

• Äquivalenz von regulären Abb. erklärt eine Äquivalenzrelation


78

• m = 2 : G = (a, b), Bild von p : (a, b) → R2 ist eine Kurve,


rang p0 (u) = 1, d.h. p0 (u) 6= 0, u ∈ (a, b) (Kurve)

Definition 6.2
Eine Äquivalenzklasse bestehend aus regulären Abbildung p : G → Rm
heißt offene reguläre Hyperfläche in Rm , F = [p].

Beispiel: (Kugeloberfläche)
Sei r > 0 und p : (0, 2π) × (0, π) → R3
 
  r cos(ϕ) sin(θ)
ϕ
7→  r sin(ϕ) sin(θ) 
θ
r cos(θ)
79

 
−r sinϕsinθ r cosϕcosθ
p0 (ϕ, θ) =  r cosϕsinθ r sinϕcosθ 
0 −sinθ
⇒ p0 (ϕ, θ) = 2

Definition 6.3
Sei p : G → Rm , G ⊂ Rm−1 , m ≥ 2, offen & zshgd eine reguläre Abb.,
F = [p]. Für u ∈ G heißt
 ∂   ∂ 
 ∂x1 p1 (u) ∂xm−1 p1 (u) 
Ep(u) := span  .. , ... , ..
 ∂ . .
  


∂x1 pm (u) ∂xm−1 pm (u)
80

Tangentialebene am Punkt p(u) ∈ F

Bemerkung: •span wird gebildet über die Spalten von p0 (u)


die Vektoren sind lin. unabh. (rang p0 (u) = m − 1) und spannen
m-1 dim. UR auf.

x(t) := p(u1 , ... , uk + t, ... , um−1 ), t ∈ (−ε, ε)


 ∂ 
p (u)
∂xk 1
ẋ(0) = ∂
p(u1 , ... , uk + t, ... , um−1 )|t=0 = 
 .. 
∂t . 

p (u)
∂xk m

Wunsch: Normalenvektor auf F bestimmen!


Ergänze dazu p0 (u) : Rm−1 → Rm zu einer m × m Matrix mit
der letzten Spalte = j-te Spalte:
 
∂p1 ∂p1 ∂p1
∂x1 (u) ··· ∂xm−1 (u) ∂xj (u)
2 gl. Spalten m
0 = det 
 .. .. ..  P
= ∂pk
(u)(−1)det Sk (u)
. . .  ∂xj
∂pm ∂pm ∂pm k=1
∂x1 (u) ··· ∂xm−1 (u) ∂xj (u)

 
∂p1 ∂p1
∂x1 (u) ··· ∂xm−1 (u)
.. ..
Wobei Sk (u) =   ” = ”p0 (u) ohne k-te Zeile
 
. .
∂pm ∂pm
∂x1 (u) ··· ∂xm−1 (u)

Also insgesamt
m
∂pk
(u)(−1)m+k det Sk (u), j ∈ {1, ... , m − 1}
P
0= ∂xj
k=1

Definition 6.4
F sei reguläre Fläche mit p : G → Rm regulär. Setze
Bk (u) := (−1)m+k det Sk (u),k = 1, ... , m
 
B1 (u)
Dann heißt N (p(u)) :=  ...  ∈ Rm Normalenvektor auf die
Bm (u)
Tangentialebene Ep(u) am Punkt p(u) ∈ F .
 
∂p1
∂xj (u)
..
Bemerkung: Es gilt für   ∈ Ep(u) , j ∈ {1, ... , m − 1} :
 
.
∂pm
∂xj (u)
81

  
* ∂p1 (u) B1 (u)
+
∂xj m m
 ..   ..  ∂pk ∂pk
(u)(−1)m+k det Sk (u)
P P
 . , . = ∂xj
(u)Bk (m) = ∂xj
∂pm k=1 k=1
∂xj (u)
Bm (u)

= 0, j ∈ {1, ... , m − 1}.

•m = 3 ! ! !
B1 (u) det S1 (u) ∂1 p2 ∂2 p3 − ∂1 p3 ∂2 p2
N (p(u)) = B2 (u) = −det S2 (u) = −∂1 p1 ∂2 p3 + ∂1 p3 ∂2 p1
B3 (u) det S3 (u) ∂1 p1 ∂2 p2 − ∂1 p2 ∂2 p1
! !
∂1 p1 ∂2 p1
= ∂1 p2 × ∂2 p2
∂1 p3 ∂2 p3
!
∂1 p1 ∂2 p1
p0 (x1 , x2 ) = ∂1 p2 ∂2 p2
∂1 p3 ∂2 p3

6.2 Flächeninhalt - Integrale über Flächen


Motivation:
  
(i) (i) (i) (i) (i) (i) (i) (i)
|p(Ri )| ≈ p(u1 + h, u2 ) − p(u1 , u2 ) × p(u1 , u2 + k) − p(u1 , u2 )

   
0 (i) (i) h 0 (i) (i) 0
≈ p (u1 , u2 ) 0 × p (u1 , u2 ) k

   
∂ p (u(i) , u(i) ) ∂
p (u
(i)
, u
(i)
)
∂u1 1 1 2 ∂u 1 1 2
..   2 ..
=  × | |h · k| = |R|
 
∂ .   .
(i)
∂u p3 (u1 , u2 ) (i) ∂ (i) (i)
1 ∂u2 p3 (u1 , u2 )

(i) (i)
= N (p(u1 , u2 ) |Ri |

P P (i)

(i)
⇒ |F | = |p(R)| = N (p(u1 , u2 |R|
´
Verfeinerung führt zu: |F | = |N (p(u))|du
R
82

Reguläre Darstellungen sind oft nicht allgemein genug(Kugeloberfläche!)

Definition 6.5

Sei M ⊂ Rm−1 kompakt und ∂M Nullmenge, M sei zusammenhängend
und p : M → Rm sei stetig diffbar. Dann heißt p quasiregulär, falls
p  ◦ regulär ist(siehe Def 6.1).
M

Bemerkung Auch hier Äquivalenzklassen(quasireguläre Hyperflächenstücke)


erklärt werden: p : M1 → Rm , pe : M2 → Rm quasiregulär heißen
äquivalent, falls: ∃Nullmengen N1 , N2 : N1 ⊂ M1 , N2 ⊂ M2 und Abb.:
h : M1 → M2 ,k : M2 → M1 stetig diffbar.

(i) h M1 \N1 injektiv und det h0 6= 0 auf M1 \ N1


(ii) k M2 \N2 injektiv und det k 0 6= 0 auf M2 \ N2
−1
(iii) h M1 \N1 = k M2 \N2
(iv) h(M1 ) = M2 und k(M2 ) = M1
(v) p(k(v) = pe(v) und pe(h(u)) = p(u) ∀v ∈ M2 , u ∈ M1
83

Definition 6.6
Sei F ein quasireguläres Hyperflächenstück in Rm , p : M → Rm
zugehörige Darstellung, und Bi (u) := (−1)m+i det Si (u), wobei
Si (u)” = ”p0 (u) ohne i-te Zeile. Dann ist der Flächeninhalt
|F | von F definiert durch
´ ´p 2
|F | := do := 2 (u) du
B1 (u) + ... + Bm
F M

Bemerkung: |F | unabhängig in der Wahl der Quasiregulären Darstellung!


Angenommen pe : Mf → Rm sei eine weitere (zu p äquivalente) quasireg.
Darstellung von F . Sej seien die entsprechendne ”Streichmatrizen”,
p ◦ h)0 (u) = pe0 (h(u)) · h0 (u) gilt
fj = (−1)m+j det Sej . Wegen p0 (u) = (e
B
h i
Bi (u) = (−1)m+i det Si (u) = (−1)m+i det Sei (h(u)) · h0 (u) = B fi (h(u))det h0 (u) und daher
´ P f2 ´ Satz 5.19(!) ´
q q q
Bi2 (h(u))|det h0 (u)| du
P f2 P ^
Bi (v) dv := Bi (v)dv =
M
f h(M ) M

´ P
rm
= Bi2 (u) du
M i=1

Beispiel: (Kugeloberfläche), r > 0 fest.


p : [0, 2π] × [0, π] → R3
 
  r cosϕsinθ
ϕ
7→ r sinϕcosθ  Hoffnung: |F | = 4πr2
θ
r sinθ
1. p ist quasireguläre Darstellung der Kugeloberfläche
2.
 Normalenvektor:  
2
  
−r cosϕsinθ r cosϕsinθ
−r2 cosϕsin θ

2 2
 r sinϕcosθ  × r sinϕcosθ  = 
−r sinϕsin θ 

r sinθ −r sinθ 2 2 2
−r sinϕcosθ − r cos ϕsinθcosθ
= r4 cos2 ϕ + sin2 ϕ sin4 θ + r4 sin2 θcos2 θ

q
= r2 sin2 θ sin2 θ + cos2 θ = r2 sinθ


Also ist
´ ´
π́ 2π
r2 sinθ d(ϕ, θ) = r2 sinθ dϕdθ
[0,2π]×[0,π] 0 0
π́
= r2 2π sinθdθ = r2 2π2 = 4πr2
0
84

Definition 6.7
Sei F ⊂ Rm quasireguläres Hyperflächenstück p : M → Rm
quasireg. Darstellung und f : F → R stetig. Dann heißt
´ ´ p
f (x)do := f (p(u)) B12 (u) + ... + Bm
2 (u)du
F M
Oberflächenintegral von f über F .

Beispiel: Sei 0 < r < R und f : {x ∈ Rm : r ≤ kxk ≤ R} → R stetig.


´ Ŕ ´
Dann gilt: f (x)dx = f (x)dods
r≤kxk≤R r kxk=s

6.3 Orientierte Flächen, Fluss von Vektorfeldern


⊂R2
Sei F ⊂ R Flächenstück und g : R → R ein Vektorfeld, p : R → R3
3 3 3

Darstellung von F mit Normalenvektor(normiert!)


B1 (u) ∂1 p1 ∂2 p1
     

B2 (u)  ∂1 p2 (u)×∂2 p2 (u)


     

B3 (u) ∂1 p3 ∂2 p3
n(p(u)) = k·k
= k·k

* +
   
(i) (i) (i) (i) (i) (i) (i) (i) (i) (i)
g(p(u1 , u2 )), p(u1 + h, u2 ) − p(u1 , u2 ) × p(u1 , u2 + k) − p(u1 , u2 )
   
(i) (i) h (i) (i) 0
≈p0 (u1 ,u2 )  ≈p0 (u1 ,u2 ) 
0 k
* ! ! +
∂1 p1 ∂2 p1
(i) (i) (i) (i) (i) (i)
≈ g(p(u1 , u2 ) , ∂1 p2 (u1 , u2 ) × ∂2 p2 (u1 , u2 ) |h · k| = |Ri |
∂1 p2 ∂2 p3
D E
(i) (i) (i) (i)
= g(p(u1 , u2 ) ), n(p(u1 , u2 )) |Ri |
Summen bilden R kleiner werden lassen
´
” hg(x), n(x)ido” Fluss des Feldes g durch F .
F
Problem: Normalenvektor kann nach ”innen” oder nach ”außen” zeigen.

Definition 6.8
Es sei F ein quasireguläres Hyperflächenstück. p : M → Rm eine
Darstellung von F . Dann heißt F orientierbar falls es ein
 

stetiges Normalenfeld n(·) auf p(u) : u ∈ M ⊂ F gibt.
85

Standardbeispiel für nicht orientierbare Hyperfläche:


Möbiusband:

http://www.scienceblogs.de/mathlog/Moebiusband wikipedia.png

Definition 6.9
Sei F ein orientierbares quasireguläres Hyperflächenstück mit normiertem
Normalenfeld n(·) und quasiregulärer Darstellung p : M → Rm ,
M ⊂ Rm−1 kompakt. Sei Ω offene Menge im Rm mit F ⊂ Ω und
g : Ω → R ein Vektorfeld. Dann heißt
´ ´ p
hg(x), n(x)ido = hg(p(u)), n(p(u))i B12 (u) + ... + Bn2 (u)du
F M
der Fluss des Feldes g durch das Flächenstück F .

Achtung: Vorzeichen hängt von p bzw. der Wahl des Normalenfeldes ab.
Man misst den Fluss ”rein” oder ”raus”.
86

Kapitel 7 Integralsätze
7.1 Divergenz und der Satz von Gauß
◦ ◦
n ◦
o
Es sei x ∈ R3 , h > 0 und Qn (x) = x ∈ R3 : |xi − xi | ≤ h, i = 1, 2, 3
◦ ◦
ein Würfel mit Mittelpunkt x und Kantenlänge 2h. Der Rand ∂Qn (x)
ist die vereinigung von 6 quasiregulären Flächenstücken mit nach Außen
weisenden Normalenvektoren.

n ◦
o
(1)
F± : M1 = (x1 , x2 ) ∈ R2 : |x1 − xi | ≤ h, i = 1, 2 → R3
   
  x1 0
x1 (1)
7→  x 2  , n± (x) =  0 
x2 ◦
x3 ±h ±1
n ◦
o
(2)
F± : M2 = (x2 , x3 ) ∈ R2 : |x1 − xi | ≤ h, i = 2, 3 → R3
◦   
  x 1 ±h ±1
x2 (2)
7→  x2  , n± (x) =  0 
x3
x3 0
n ◦
o
(3)
F± : M3 = (x1 , x3 ) ∈ R2 : |x1 − xi | ≤ h, i = 1, 3 → R3
   
  x1 0
x1
7→ x◦2 ±h  , n± (x) = ±1 
(3)
x3
x3 0

Nun sei g ein Vektorfeld im R3 . Dann ist der Fluss von g durch

∂Qh (x) gegeben durch:
87

 
´ 3
P ´ D (i)
E ´ D
(i)
E
hg(x), n(x)ido =  g(x), n+ (x) do + g(x), h− (x) do
◦ i=1 (i) (i)
∂Qh (x) F+ F−
!  
´ ◦
0 √ ´◦
0 ´ ´ ´
= < g(x1 , x2 , x3 + h, 0 > 0 + 0 + 1d(x1 , x2 ) + < g(x1 , x2 , x3 − h),  0  >d(x1 , x2 ) + + +
M1 1 M1 −1 M2 M2 M
´ ◦ ◦ ´ ´
= (g3 (x1 , x2 , x3 + h) − g3 (x1 , x2 , x3 − h)d(x1 , x2 ) + ... + ... (I)
M1 M2 M3
Nun ist aber ! !
◦ ◦
◦ ◦ ◦ 0◦ ◦ ◦ x1 − x1 x1 − x1

g3 (x1 , x2 , x3 ± h) = g3 (x1 , x2 , x3 ) + g3 (x1 , x2 , x3 ) ◦
+ r(x) ◦

x2 − x2 x2 − x2

x3 − x3
±h
´ ◦ ◦ ◦

(I) = 2h ∂x∂ 3 g3 (x1 , x2 , x3 ) + o(h) d(x1 , x2 ) + ...
M1
 ◦ ◦ ◦

= 2h ∂x∂ 3 g3 (x1 , x2 , x3 ) + o(h) (2h)2 + ...
 ◦ ◦ ◦
 ◦
∂ o(h)
= ∂x3 g3 (x1 , x2 , x3 ) + 2h Vol(Qh (x)) + ...
◦ ◦ ◦ ◦ ◦ ◦ ◦ ◦ ◦ ◦ ◦
 
= ∂ ∂
∂x1 g1 (x1 , x2 , x3 ) + ∂x2 g2 (x1 , x2 , x3 ) + ∂
∂x3 g3 (x1 , x2 , x3 ) Vol(Qh (x)) + 3 o(h)
2h Vol(Qh (x))
´
hg(x),n(x)ido
◦ 3 ◦
∂Qh (x) P ∂
⇒ lim ◦ = ∂x
gi (x)
h→0 Vol(Qh (x) i=1
i

◦ 3 ◦

P
Fluss von g durch ∂Qh (x)) ist proportional zu g (x)
∂xi i
i=1

Definition 7.1
Sei G ⊂ Rm , m > 1, offen und zusammenhängend und g : G → Rm
stetig differenzierbar. Dann heißt
m

P
div(g) : G → R,x 7→ g (x)
∂xi i
i=1
Divergenz(Quellendichte) des Vektorfeldes g.

Bemerkung: ist div(g(x)) > 0, ”so fließt aus x das Feld raus”(Quelle)
Ist div(g(x)) < 0, ”so fließt das Feld in x rein”(Senke)
88

Satz 7.2 (Satz von Gauß für Würfel)


Es sei Q ein Würfel im R3 (mit nach außen weisendem Normalenfeld)
und g : R3 ⊃ Ω → R3 stetig diffbar, Q ⊂ Ω. Dann gilt:
´ ´
hg(s), n(s)ido = div(g(x))dx
∂Q Q

∂ ∂ ∂
div(g(x)) = g (x)
∂x1 1
+ g (x)
∂x2 2
+ g (x)
∂x3 3
Ω→R


Beweis: Sei x der Mittelpunkt des Würfels Q mit Kantenlänge 2h, h > 0,
n ◦
o
d.h. Q = x ∈ R3 : |xi − xi | ≤ h, i = 1, 2, 3

Setze dann
(1) ◦
F± : M1 = {(x1 , x2 ) ∈ R2 : |xi − xi | ≤ h, i = 1, 2}
 
0
!
  x1
x1 (i)
7→ x 2 , u± (x) =  0 
x2 ◦
x3 ± h ±1
(2) ◦
F± : M2 = {(x2 , x3 ) ∈ R2 : |xi − xi | ≤ h, i = 2, 3} → R3
 

±1
!
x ± h
 
x2 1 (2)
7→ x2 , n± (x) =  0 
x3
x3 0
n ◦
o
(3)
F± : M3 = (x1 , x3 ) ∈ R : |x1 − xi | ≤ h, i = 1, 3 → R3
2

   
  x1 0
x1
7→ x◦2 ±h  , n± (x) = ±1 
(3)
x3
x3 0

 

´ ∂ Fubini ´ x1´+h

g (x)dx =
∂x1 1
 g (x , x2 , x3 )dx1  d(x2 , x3 )
∂x1 1 1
Q M2 ◦
x1 −h
Hauptsatz 1−dim. ´ ◦ ◦

= g1 (x1 + h, x2 , x3 ) − g1 (x1 − h.x2 , x3 ) d(x2 , x3 )
M2

´ ´
   
1 √ −1
◦ ◦ p
= < g1 (x1 + h, x2 , x3 ), 0 > 1 + 0 + 0d(x2 , x3 ) + < g1 (x1 − h.x2 , x3 ) ,  0  > (−1)2 + 0 + 0d(x2 , x3 )
M2 0 M2 0
´ D (2)
E
= g(x), n+ (x) do
(2)
F+
89

Analog zeigt man:


´ ∂ ´ D (3)
E ´ D (3)
E
g
∂x2 2
(x)dx = ... = g(x), n+ (x) do + g(x), n− (x) do
Q F+
(3)
F−
(3)

´ ∂
´ D (1)
E ´ D (1)
E
g (x)dx
∂x3 3
= ... = g(x), n+ (x) do + g(x), n− (x) do
Q F+
(1)
F−
(1)

Summieren:
´ 3 ´ D
P (i)
E ´ D (i)
E
div(g(x))dx = g(x), n+ (x) do + g(x), n− (x) do
Q i=1 (i) (i)
F+ F−
´
= hg(x), n(x)ido
∂Q


Würfel sind leider zu speziell

Definition 7.3
Sei m ≥ 2 und G ⊂ Rm beschränkt, offen und zusammenhängend.
Dann heißt G zulässiges Gebiet, falls ∂G sich aus endlich vielen
orientierten, quasiregulären Hyperflächenstücken, dessen Normalenfelder
ins Äußere von G weisen, zusammensetzt.
D.h. ∃N ∈ N, p(j) : Mj → Rm , Mj ⊂ Rm−1 , quasiregulär, j = 1, ... , N ,
 N ◦ ◦
so dass mit Sj := p(j) (u) : u ∈ Mj gilt: ∂G =
S
Sj , Sj ∩ Sk , k 6= j und
j=1

∀x ∈ Sj ∃ε > 0 : x + tn(j) (x) ∈
/ G,t ∈ (0, ε)
90

Bemerkung: Für ein zulässiges Gebiet setzt man


´ N ´
(g(x), n(j) (x))do
P
(g(x), n(x))do =
∂G j=1 Sj

Satz 7.4 (Satz von Gauß)


Sei m ≥ 2, G ⊂ Rm ein zulässiges Gebiet und g : G → R stetig diffbar.
´ ´
Dann gilt: hg(x), n(x)ido = div(g(x))dx
∂G G

Bemerkung:
(1) Der Fluß des Feldes durch den nach außen orientierten Rand
von G ist gleich dem Integral der Divergenz des Feldes über g.

(2) m = 1 Dann ist formal G = (a, b), ∂G = {a, b}. g : [a, b] → R


´b ´ ´
stetig diffbar. g 0 (x)dx = div(g(x))dx = hg(x), n(x)ido = g(b) − g(a)
a G ∂G

In diesem Sinne ist der Satz von Gauß das multidimensionale Substitut
des Hauptsatzes der Differential und Integralrechnung(Ana 1).

Beweis Satz 7.4:


Hilfssatz 1: Sei G ⊂ Rn beschränktes Gebiet(offen uns zshgd.) und
g : G → Rm stetig diffbar mit supp(g) ⊂ G.
91

  ´
supp(g) = {x ∈ G : g(x) 6= 0} Dann gilt : div(g(x))dx = 0
G

Beweis HS1: Sei a > 0 so dass G ⊂ Q{x ∈ Rm : |xj | < a, J = 1, ... , m}


und setze g auf ganz Q durch 0 fort, dann ist g : Q → Rm stetig diffbar.
´ ´ m ´
P ∂
Es gilt: div(g(x))dx = div(g(x))dx = g (x)dx
∂xj j
G Q j=1 Q
´
m
 á 

P
= g (x1 , ...
∂xj j
, xj , ... , xm )dxj d(x1 , ... , xj−1 , xj+1 , ... , xm )
j=1 |xj |<a,k=1,... ,m,k6=j −a
m
P ´
= (gj (x1 , ... , xj−1 , a, xj+1 , ... , xm ) − gj (x1 , ... , xj−1 , −a, xj+1 , ... , xm ))d(x1 , ... , xm )
j=1 |xj |<a,k=1,... ,m,k6=j

= 0, da (x1 , ... , xj−1 , ±a, xj+1 , ... , xm ) ∈


/ supp(g)


Hilfssatz 2:
G ⊂ Rm zulässiges Gebiet, p(i) : Mi → Rm , Mi ⊂ Rm−1 , Si = p(i) (Mi ),
N
S ◦ ◦
 S N ◦
∂G = Si und x0 = x1 , ... , xm ∈ Si . Dann ex. ρ > 0 so dass für
i=1 i=1
m
g : G → R stetig diffbar mit g(x) = 0 für kx − x0 k ≥ ρ, x ∈ G gilt:
´ ´
div(g(x))dx = hg(s), n(s)ido
G ∂G

Beweis HS2: Da Sj lokal Graph einer stetig diffbaren Funktion h
ist existieren γ > 0, δ > 0 und
n ◦
o
W 0 = x0 = (xi , ... , xm−1 ) ∈ Rm−1 , |xj − xj | < γ, j = 1, ... , m − 1

Q = {x = (x0 , xm ) ∈ Rm : x0 ∈ W 0 , |xm − xm | < δ}
und h : W 0 → R stetig diffbar mit
Q ∩ ∂G = {x = (x0 , xm ) ∈ Rm : x0 ∈ W 0 , xm = h(x0 )} und
Q ∩ G = {x = (x0 , xm ) ∈ Q : xm < h(x0 )}
92

Seo ρ > 0 mit ρ < min{γ, δ}, d.h. Bρ (x0 ) ⊂ Q.


Sei g : G → Rm stetig diffbar mit g(x) = 0 für kx − x0 k ≥ ρ.
´ ´
Dann gilt div(g(x))dx = div(g(x))dx
G G∩Q
0
Sei nun für x ∈ W 0 , xm ∈ R.
y = (y1 , ... , ym ) = φ(x1 , ... , xm ) := (x1 , ... , xm−1 , h(x0 ) − xm ),


x0 = (x1 , ... , xm−1 ). Da h(x0 ) − xm < δ, x0 ∈ W 0 , folgt

φ(Q ∩ G) ⊂ y = (y 0 , ym ) ∈ Rm , y 0 ∈ W 0 , 0 ≤ ym ≤ 2δ =: P


Die Umkehrabb. von φ ist:


x = ψ(y) = ψ(y1 , ... , ym ) := (y1 , ... , ym−1 , h(y 0 ) − ym )
Es gilt Q ∩ G ⊂ ψ(P ), das Vektorfeld g ist identisch Null auf
ψ(P ) \ Bρ (x). Es gilt für
g : ψ(P ) → Rm : g(ψ(y)) = 0, y ∈ ∂P \ {y ∈ P : ym = 0}
93

Betrachte div(g(x)) = div(g(ψ(y)), x = ψ(y). Sei dann ge(y) := g(ψ(y)), y ∈ P .


Dann ist g(x) = g(ψ(y)) = ge(y) = ge(φ(x)) = ge(x1 , ... , xm−1 , h(x0 ) − xm ),
(x0 , xm ) ∈ ψ(P ).
∂ ∂
Um g (x)
∂xj j
= ∂xj
g◦
(e φ)j (x) zu berechnen, beachte dass
ge(φ(x)) = ge (φ(x)) · φ (x) = ge0 (φ(x))
0 0 0
 
1 0 ··· 0 0

 0 1 0 ··· 0 

 .. .. .. .. ..
 . . . . .
 
 0 0 1 0 
∂ 0 ∂ 0
∂x1 h(x ) · · · · · · ∂xm−1 h(x ) −1
   

g (x)
kxj j
= ∂
∂xj
g◦
(e (φ(x)) + ∂x∂m gej (φ(x)) ∂x∂ j h(x0 ),
φ)j (x) = ∂
ge
∂xj j
 
0
und ∂x∂m gm (x) = ∂x∂m (e
g ◦ φ)m (x) = − ∂x∂m gf
m (φ(x)), x = (x , xm ) ∈ ψ(P ).

     
Also: ∂
g
∂xj j
(ψ(y)) = ∂
ge
∂xj j
(y) + ∂
ge
∂xm j
(y) ∂x∂ j h(y 0 )
 

g
∂xm m
(ψ(y)) = − ∂x∂m gf
m (y)

Dann liefert der Trafosatz


´ ´ ´
div(g(x))dx = div(g(x))dx = div(g(x))dx
G G∩Q ψ(P )

TS ´ m−1 ´ ´
div(g(ψ(y)) |detψ 0 (y)|dy = ∂ ∂
h(y 0 )dy ∂
P
= ge (y)
∂xj j
+ ∂xj
− gf (y)dy
∂xm m
P j=1 P P
= ...

´ ´

∂ ∂
ge (y)dy
∂xj j
= gej (y1 , ... , yj , ... ym )dyj d(y1 , ... , ym ), y j nicht dabei
P ... ∂xj
| {z }
◦ ◦
ge (y , ... , yj−1 , xj − γ, yj+1 , ... , ym ) − gj (... , xj + γ, ...)
|j 1 {z } | {z }
=0 ♥ =0

♥ ⇐⇒ g(ψ(y)) = 0, y ∈ ∂P \ {y ∈ P : ym = 0}
´ ∂ ´ ∂ ´ ∂
2δ 
∂xm j
∂ 0
ge (y) ∂xj h(y )dy = ∂xj h(y ) 0
ge (y)dym dy0
∂xm j
P W0 0
!
´
= ∂x∂ j h(y 0 ) gej (y 0 , 2δ) − gej (y 0 , 0) dy0
W0 =0 wegen ♥

und analog
94

´ ∂
´ 0 0
gf (y)dy
∂xm m
= − gf
m (y , 0)dy
P W0

 
y 0 =x0 ´ m−1
gj (ψ(x0 , 0)) ∂x∂ j h(x0 ) − gm (ψ(x0 , 0))dx0
P
= −


W0 j=1 | {z } | {z }
(x0 ,h(x0 )) (x0 ,h(x0 ))
 
*

− ∂x 1
h(x0 ) +
´ ..
dx0
 
= g(x0 , h(x0 )),  .
− ∂ h(x0 )


W0 ∂xm−1
1
´
= (g(x), n(x))do
Q∩∂G


Der Normalenvektor auf ∂G in einer Umgebung von x0 ist durch



h(x0 )
 
− ∂x 1
..
 
 

 . 

− ∂ h(x0 )
 

 ∂xm−1 
1
k.k
Bemerkung: Parametrisierung:
(x1 , ... , xm−1 ) 7→ (x1 , ... , xm−1 , h(x0 ))
 
1
 .. 
p0 =  . 
 1 
∂1 h(x0 ) · · · ∂m−1 h(x0 )

Hilfssatz 3: (Zerlegung der Eins)


Sei K ⊂ Rm kompakt und
S
Vj offen Überdeckung von K.
j∈J

Dann ex. n ∈ N,j1 , ... , jn ∈ J, φk ∈ C0∞ (Rm ) mit


C0∞ (Rm ) := {f : Rm → R, ∞ − mal stetig diffbar, supp(f ) kompakt}
Sn
(i) Vjk ⊃ K
k=1
(ii) suppφk ⊃ Vjk
(iii) 0 ≤ φk (x) ≤ 1, x ∈ K
Pn
(iv) φk (x) = 1 = 1, ∀x ∈ K(und sogar offener Üb von K)
k=1

N
Hilfssatz 4: Seien ∂Si = p(i) (∂Mi ) und K =
S
∂Si due
i=1
95

Kantenmenge von G. Sei V ⊂ Rm offen, K ⊂ V und g : G → Rm


ein Vektorfeld mit g(x) = 0, x ∈ V . Dann gilt
´ ´
div(g(x))dx = hg(x), n(x)ido
G ∂G

Beweis:
N ◦ 
Si und betrachte Mx := δ ∈ (0, 12 dist(x, K)) : Satz von Gau ß gilt f ür g : G → Rm mit g(y) = 0
S
Sei x ∈
i=1
Aus Hilfssatz 2 folgt: Mx 6= φ. Sei δ(x) = 21 sup Mx so dass insbesondere
N ◦
S
δ(x) ∈ Mx , x ∈ Si
i=1

Für x ∈ G setze δ(x) := 21 dist(x, ∂G). Dann ist


S
Bδ(x) (x) ⊃ G \ V .
x∈G\V

Zerlegung der Eins auf diese Überdeckung anwenden liefert:


n
∃n ∈ N, x1 , ... , xn ∈ G \ V und φk ∈ C0∞ (Rm ) mit G \ V ⊂
S
Bδ(xk ) (xk )
k=1
n
P
supp φk ⊂ Bδ(xk ) (xk ). φk (x) = 1, x ∈ G \ V
k=1

Sei dann g : G → Rm stetig diffbar mit g(x) = 0,x ∈ V .


 n  n
P P
Dann gilt g(x) = φk (x) g(x) = (φk · g)x, x ∈ G \ V
k=1 k=1

Es gilt: (i) Für xk ∈ G gilt φk g erfüllt die Voraussetzung aus HS 1.


(ii) Für xk ∈ ∂G gilt ———————”——————————-HS 2.
ˆ
´ n
P n ´
P
Daher gilt div(g(x))dx = div( (φk g)(x))dx = div(φk g)(x)dx
G k=1 k=1 G
|G ´
{z }
= div(g(x))dx
G\V

n ´
P ´
= h(φk g)(x), n(x)ido = hg(x), n(x)ido
k=1∂G ∂G


Beweis des Satzes von Gauß:


N N
Da die Kantenmenge K = ∂Si = p(i) (∂Mi ) eine Nullmenge im
S S
i=1 i=1
m
fn ∈ K, ρ1 , ... , ρn > 0, so dass
R ist, ex. zu ε > 0, xe1 , ... , x
n n
ρm−1
S P
K ⊂ Bρi (xei ) und j <ε 4
i=1 j=1
96

Wähle φ ∈ C ∞ (Rm ) mit 0 ≤ φ(x) ≤ 1, x ∈ Rm und



0 für kxk ≤ 1
φ(x) =
1 für kxk ≥ 2
n  
Q x−f
x
und setze ψε (x) := φ ρj j
j=1
n

S


 0 x ∈ Bρj (xej )
j=1
Dann ist ψε = n
m
S
1 x ∈ R \ B2ρj (xej )


j=1

und es gilt ψε (x) → 1, ε → 0 für alle x ∈ G \ K.


Sn
Sei Vε := Bρj (xej ). Dann ist Vε offen, K ⊂ Vε und
j=1
gε := ψε · g erfüllt die Voraussetzung von Hilfssatz 4.
´ ´
⇒ div (gε (x))dx = hgε (x), n(x)i do
G ∂G
↓ Wunsch ↓
´ ε→0 ´
div(g(x))dx hg(x), n(x)ido
G ∂G

n n
∂ ∂
P P
div(gε (x)) = div(ψε g)(x) = ∂xj
(ψε g)j (x) = ∂xj
(ψε gj )(x)
j=1 j=1
n  
ψε (x) ∂x∂ j gj (x) + gj (x) ∂x∂ j ψε (x)
P
=
j=1
 ∂ +
∂x1 ψε (x)
*
..
= ψε (x)div(g(x)) + g(x),  .


∂xj ψε (x)
Terme von
n    n 
Q Produktregel
∂ ∂
Q x−f
xj ∂ x−f
xj x−f
xj
Da ψ (x)
∂xi ε
= ∂xi
φ ρj = ∂xi
φ ρj
φ ρj +...
j=1 j=2
n   n     
P ∂ x−f
xk Q x−f
xj ∂ x−f
xk 1
= ∂xi
φ ρk
φ ρj
= ∂xi
φ ρk ρk
k=1 j=1
j6=k

∂ ∂
und wegen ∂xi
φ(x) = 0, kxk fest ψ (x)
∂xi ε
= 0, kx − xek k > 2ρk
Daher
* ist dann:
∂ +  ∂ 
∂x1 ψε (x)
* ∂x1 ψε (x) +
´ ´

.. ..
g(x), 
.
 dxk ≤ kg(x)k,

 .
 dx

G ∂ G ∂ ψε (x)
∂xj ψε (x) ∂xj
  
x−fxk
∂ φ

1
´ Pn 
1  .
ρk

≤ supkg(x)k ρk 
.
.
k · 1 dx

x∈G kx−f xk k≤2ρk k=1
 
x−fxk
∂n φ ρk
97

n
ˆ Wegen 4
P 1
≤ supkg(x)k sup grad(φ(y)) dx ≤ cε
e
x∈G kyk≤2 k=1 ρk
kxk −f
xk k≤2ρk
| {z }
=ck ρm−1
´ ´ ´ k

⇒ div(g(x))dx = lim ψε (x)div(g(x))dx = lim ψε (x)div(g(x))dx


G G ε→0 ε→0 G
  + 
∂1 ψε (x)
*
´ ´
= lim  div(gε (x))dx − g(x),  ...  dx
ε→0 G G
∂n ψε (x)
´
= lim div(gε (x))dx
ε→0 G
´
= lim hgε (x), n(x)ido
HS 4 ε→0 ∂G
´ ´
= lim h(ψε g)(x), n(x)ido = hg(x), n(x)ido
ε→0
∂G ∂G


7.2 Stokescher Satz im R2 und R3

Sei g ein Vektorfeld im R2 und C sei eine reguläre Kurve mit


Parametrisierung α : [a, b] → R2 . Dann ist das vektorielle Kurvenintegral
´ ´b D ·
E
g · dx = g(α(t)), α(t) dt und die Rotation von g sei erklärt durch
C a
∂ ∂
(rot(g))(x) := g (x)
∂x1 2
− g (x)
∂x2 1
(vgl. Def 4.11)
(Maß für die Wirbeldiche von g)

Satz 7.5(Satz von Stokes im R2 )


Sei g ein zulässiges gebiet im R2 und g : G → R2 stetig diffbar.
´ ´
Dann gilt: rot(g(x))dx = g · dx
G ∂G
(Durchlaufsinn von ∂G mathematisch positiv)

Beweis: ∂G setzt sich zusammen aus endlich vielen regulären Kurven cj


mit Parametrisierung α(j) : [aj , bj ] → R2 .
˙
 
(j)
 α2 (t) 
 
 ˙
(j) 
(j) (j) − α 1 (t)
Dann ist n (α (t)) := k−−−k
, j = 1, ... , N
98

(Damit das Gebiet ”links” liegt)


 
g2 (x)
Mit ge(x) = folgt dann:
−g 1 (x)
´ ´ ´
rot g(x)dx = ∂x∂ 1 g2 (x) − ∂x∂ 2 g1 (x)dx = div ge(x)dx
G G G
´ N ´

ge(x), n(j) (x) do
P
= he
g (x), n(x)ido =
∂G j=1 cj

N ´
bj

=
P (j) (j) ˙
(j)
(j)
ge(α (t)), n (α (t)) α (t) dt

j=1 aj

˙
* !+
N ´
bj (j)

P g2 (α(j) (t)) α2 (t)
= , ˙ dt
j=1 aj −g 1 (α(j) (t)) (j)
α1 (t)
PN ´ ´
= g · dx = g · dx
j=1 cj ∂G


Ein orientiertes quasireguläres Flächenstück in R3 heißt zulässig,


falls ein zulässiges Gebiet M ◦ ⊂ R2 existiert, M := M ◦ und quasiregulärer
Darstellung p : M → R3 mit p(M ◦ ) = F ◦
Es sei ∂M der orientierte Rand von M (so dass M links liegt),
n
Kj reguläre Kurven mit regulärer Darstellung α(j) .
S
∂M =
j=1

Dann ist t 7→ p(α(j) (t)) Kurve in R3 und p(K1 ) ∪ ... ∪ p(Kn ) =: ∂F


∂F heißt orientierter Rand von F .

Beispiel: M ◦ := (0, π) × (0, 2π)


 
  r cosϕcosθ
θ
7→  r sinϕsinθ 
ϕ
r cosθ

Satz 7.6 (Satz von Stokes im R3 )


Es sei F ein zlässiges orientiertes Flächenstück im R3 mit Normalenfeld
n(.), Ω ⊂ R3 sei ein Gebiet mit F ⊂ Ω und g : Ω → R3 strtig diffbar.
Dann gilt
´ ´
h(rot(g))(x), n(x)ido = g · dx
F ∂F
99

Korollar 7.7
Sind F und Fe zulässige Flächenstücke mit ∂F = ∂ Fe so gilt:
´ ´
h(rot(g))(x), n(x)ido = h(rot(g))(x), ne(x)ido
F Fe