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Dr. med. Diethard Sturm Facharzt für Allgemeinmedizin Chirotherapie

09337 Hohenstein-Ernstthal Weinkellerstraße 20 Ruf 03723-7963 Fax 03723-411197e-mail HBFSturm@aol.com

Untersuchung der Wirbelsäule bei Schmerzen im Bewegungsapparat

Hausärztliche Diagnostik

Schmerzanalyse

Die spezielle Anamneseerhebung dient der Schmerzanalyse:

Wo?

Schmerzort und Ausstrahlungen, auch Veränderungen im Verlauf der

Wann?

Erkrankung. Der Schmerzort ist nicht immer der Ort der Schädigung, im Bewegungsapparat überwiegen fortgeleitete Schmerzen. Erstes Auftreten des Schmerzes jetzt und bei Rezidiven früher,

Wie?

Tagesrhythmik in der Schmerzstärke. Beschreibung des Schmerzcharakters, der Schmerzstärke (im Verlauf mit der

Wodurch

Schmerzskala von 1 bis 10 einschätzen lassen). Was löst Schmerz aus bzw. verstärkt ihn, wie lässt sich andererseits Schmerz

?

mindern, bessert Wärme oder Bewegung? Bisherige eigene oder verordnete Therapieversuche und ihr Erfolg?

Differentialdiagnose bei vertebragenen Schmerzen

Radikulärsyndrom

versus

Pseudoradikulärsyndrom

Hypalgesie Hypaesthesie Hypotonie bis Parese Hypotrophie ohne vegetative Veränderung

Symptome

Hyperalgesie Hyperaesthesie Hypertonus der Muskulatur Vegetativer Reizzustand (Haut, Gefäße, innere Organe)

Charakter der Erkrankung

Strukturstörung

Funktionelle Störung

Sitz der Erkrankung

Umgebung der Nervenwurzel

Kompression des Nerven Bandscheibe

z. B. durch

kleine Wirbelgelenke Reizung aller vegetativ beeinflussten Strukturen und Organe

Zum Bewegungssegment gehören:

die Wirbelgelenke, die Bandscheibe mit den angrenzenden Strukturen (Knochen, Bänder) und die segmentalen Muskeln. Zum Segment gehören auch die Nerven, die vegetativen Fasern, das Hautsegment und die inneren Organe. Das eröffnet die Möglichkeit wechselseitiger therapeutischer Beeinflussung.

Aus der Differentialdiagnose ergeben sich auch differenzierte Behandlungsstrategien:

Radikulärsyndrom: Entlastung bzw. Ruhe, Antiphlogistika, Pseudoradikulärsyndrom: Bewegung, Muskelrelaxation, Reflextherapien

Bei unerwartetem Verlauf: Osteoporose, osteoklastische Prozesse, M. Bechterew, M. Parkinson uvam.

Differentialdiagnose

Präzise im Segment

Schmerzangabe

Diffus

Lange nach belastung

Schmerzbeginn

Bei Belastung/Bewegung

Distal der WS

Schmerzlokalisation

An WS oder peripher

Permanent

Schmerzdauer

Bewegungsabhängig

Ausgeprägt

Schonhaltung

Kaum

Gering

Ausweichbeweguing, Painfull arc

Unter 45° positiv, auch gekreuzt Analgetika wirksam

unwirksam

Gering beteiligt

radikulär

Pharmaka Galvanisch oder DD Strom Kortikiod-Stoß

Haut- und Muskelzonen

Vorbeuge

Lasegue-Test

Pharmakotherapie

Reflextherapie

Psyche

Differentialtherapie

Entlastung im Segment, z.

B.

Perl`gerät, Extension

Muskelrelaxation

Schmerzminderung

Nachbehandlung Muskelkräftigung Ausgleich von Dysbalancen

Ausgeprägt

Oft gut möglich

Über 45° oder negativ

Kaum wirksam

Wirksam

Stark beteiligt

pseudoradikulär

Mobilisationstechniken Quaddelung etc. Reflextherapie, besonders Manuelle Therapie

Das Verkettungssyndrom

ergibt sich aus der Verknüpfung der Strukturen innerhalb des Segments mit wechselseitiger Beeinflussung:

Segment

Schmerz

Organverkettung

C1

Stirn-Nacken-

Augen

Kopfschmerz

C2

Scheitel-Kopfschmerz

Ohr

C3

Hinterkopf-Schmerz

Tonsillen

C4

Akuter Schiefhals

Oberkiefer

C5

 

Unterkiefer

C6

Globus

Struma

C7

   

Th1

Schulter-Arm-Syndrom

 

Th2

 

Epikondylitis

Th3

 

Th2

Th4

 

Schulter-Arm-Syndrom

Th 4 - 6

Interkostalneuralgie

Herz

Th 8

 

Galle Leber Magen

Th9 - 12

 

Darm

Th12/L1

Lumbago

 

L2 L4

   

L4 L5 S1

Lumboischialgie

Unterleibsorgane

ISG

Oberschenkel bis Knie

Ovar, Prostata

Der Untersuchungsgang

1. Allgemeine Beobachtung des Patienten, seine Bewegungsabläufe, z.B. beim An- und Auskleiden, seine Art zu Sitzen und zu Sprechen, Ausbildung von Ausweich- und Ausgleichsbewegung.

2. Untersuchung im Stehen: der Untersucher sitzt auf seinem Stuhl, der Untersuchte steht mit dem Rücken zu ihm, Beurteilung der Haltung, Untersuchung der Hypermobilität (Vorbeuge, Seitneigung, Rückbeuge), Beobachtung der Beweglichkeit und der Harmonie der Wirbelsäule, Seitenunterschiede bei Vorbeuge (Skoliose?), Besonderheiten des Bewegungsablaufes. Untersuchung der Füße, Fußgewölbes, X- oder O-Stellung der Knie, Knieschluß, Beckenschiefstand bzw. Beckenverwringung, Prüfung der Hautfalte, der Untersucher steht auf und beobachtet eventuell Schulterschiefstand.

Kniegelenk, Lasegueprüfung dabei Beurteilung der ischiocruralen Muskulatur (Verkürzung?), Hüftbeugung, Kniebeugung, Knierotation, Abduktion in Hüftbeugung, ISG-Federungstest (Patrik-Test), Prüfung der Bänderstabilität des Kniegelenkes (Seitenstabilität, Schubladenphänomen, dabei auch Gelenkspiel). Palpation des Abdomens, Reflexprüfung, PSR, ASR,

4. Patient in Bauchlage: Rotation im Hüftgelenk in Nullstellung, Aplay-Test zur Prüfung der Kollateralbänder bzw. Menisken des Kniegelenkes, Federungstest der Ileosakralgelenke, Hautfalte, Muskelverspannungszonen und Federung im Bereich der LWS und BWS, Beobachtung der Atemwelle, Prüfung/Anleitung zur Kräftigung der Glutaen und der Schulterblattfixatoren.

5. Patient in Seitenlage: Verkürzung des Levator scapulae, Federungstest des Ileosakralgelenkes, gegebenenfalls repititierende Mobilisation des Ileosakralgelenkes, segmentale Untersuchung der LWS

6. Im Sitzen (Patient sitzt seitlich auf der Pritsche, Untersucher steht hinter dem Patienten) Untersuchung der Beweglichkeit der HWS insgesamt, aktiv, in maximaler Vorbeuge bzw. Rückbeuge zur Prüfung der einzelnen HWS-Abschnitte, Prüfung passiv und gegen Widerstand, Tastung der Adler’schen Druckpunkte bzw. Muskelschmerzpunkte an den Ansätzen, Prüfung der Muskelverkürzung, Trapeziuskante, Erektor spinae nuchae, Levator scapulae, Prüfung der 1. Rippe, Prüfung der Rotation C7 bis Th4, Untersuchung der Rotation der BWS segmental, Untersuchung des Schultergelenkes durch Komplexbewegungen, gegebenenfalls aktiv, gegebenenfalls passiv und gegen Widerstand, Untersuchung des Ellenbogengelenkes einschließlich der Seitstabilität, Druckpunkte, Epikondylitis, Untersuchung der Handgelenke und Hände.

7. In Rückenlage Untersuchung der Verkürzung des Musculus pectoralis, Untersuchung der Kopfgelenke und der HWS segmental.

Also Untersuchung entsprechend der Statik von unten nach oben, Untersuchungsgang mit möglichst wenig Veränderungen der Patientenlage, dadurch Zeitgewinn. Die Bewegungen des Patienten sollen möglichst geführt werden und weniger mit Kommandos veranlaßt werden. Der Patient kann denen leichter folgen, er ist ohnehin in einer hohen Spannung und dadurch in seiner Reaktionsfähigkeit eingeengt.

Während der Untersuchung soll soweit als möglich die Untersuchung erläutert und die Ergebnisse mitgeteilt werden, vor allem positive Befunde sind gleich zu benennen, um die Entspannung des Patienten zu fördern und die Angst zu mindern.

In der hausärztlichen Praxis unter dem Druck der begrenzten Zeit kann nicht von vornherein das gesamte Schema abgearbeitet werden. Im Verlauf des Betreuungsprozesses (nicht unbedingt im Verlauf der Erstkonsultation) kann folgendes Vorgehen vorgeschlagen werden:

1. Phase: Suche nach der Schmerzursache in der Nähe der Schmerzangabe des Patienten, das heißt Suche nach Entzündungen, Strukturstörungen, Verspannungen oder anderen Quellen des nozizeptiven Schmerzes. Die aktive Bewegung wird bei Beschwerden oder Einschränkungen durch die passive und die Untersuchung gegen Widerstand ergänzt. Damit läßt sich die Schmerzquelle auf die aktiven bzw. passiven Strukturen eingrenzen.

zentral bis hin zum Achsenorgan untersucht, ob an zentraler gelegenen Strukturen (z.B. Knieschmerz verursacht durch Hüftgelenkserkrankung) oder durch Radikulär- bzw. Pseudoradikulärsyndrom die Schmerzerkrankung ausgelöst worden ist.

Umgekehrt wird nach peripher gesucht, wenn die Ursache von statischen Störungen erfaßt werden soll. Bei einer Gonarthrose oder allgemein Knieschmerz sind also prinzipiell auch die Füße auf Deformität zu untersuchen. Auch können von peripheren Gelenkblockierungen Schmerzen zentral ausgelöst werden, wie z.B. bei der Handgelenksblockierung Schmerzen vor allem im Unterarm („Sehnenscheidenentzündung“) verursacht werden können.

3. Phase: Ist auch dort die Suche erfolglos bzw. hat die Ausschaltung von Störungen nicht den gewünschten Erfolg hinsichtlich der Schmerzkrankheit gebracht, so ist die Untersuchung der Muskulatur notwendig. Verkürzte Muskulatur löst an dem Ansatzstellen der Muskeln einstrahlende Schmerzen aus, die Muskulatur selbst ist dabei schmerzfrei. Es ist weder ein Druckschmerz noch ein Bewegungsschmerz auslösbar. Nur die gezielte Untersuchung durch Dehnung auf die vollständige Länge löst dann den Spannungsschmerz im Muskel, aber auch den fortgeleiteten Schmerz in die Nähe von Gelenken aus.

Schmerzentstehung aus der Muskulatur

Gesunde, normal innervierte und ernährte Muskulatur kann dennoch Beschwerden machen oder Beschwerden mittelbar auslösen. Dabei ist es für den Betroffenen nicht erkennbar, daß die Muskulatur die Ursache seines Leidens ist. Die Beschwerden werden nicht im Muskel verspürt.

Notwendige Vorbemerkungen zur Physiologie und Pathophysiologie der Muskulatur

Die quergestreifte Muskulatur ist nicht einheitlich. Zwei verschiedene Reaktionsformen mit zum Teil auch unterschiedlichem Stoffwechsel sind zu unterscheiden:

phasische Muskulatur

Reaktionsform

statische Muskulatur

schnelle Bewegung

spezifische Funktion

Haltearbeit

Anaerob möglich

Stoffwechsel

rein aerob

Abschwächung

Verhalten bei

Verkürzung

Unterforderung

Die Unterschiede im Stoffwechsel deuten darauf hin, daß diese Reaktionsformen biologisch fixiert sind. Statische Muskeln sind alle die, die beim Vierfüßlerstand gegen die Schwerkraft wirken bzw. zur Stabilisierung des Standes ständig gespannt sein müssen. An den aufrechten Gang haben sich die Muskeln aufgrund des fixierten Stoffwechsels noch nicht angepaßt. Bei Säugetieren und Vögeln können wir die Typen an den entsprechend funktionell belasteten Muskeln erkennen.

Folgende Muskeln sind phasische Muskeln und neigen zur Abschwächung: Mm. glutaei, Mm. vasti, gerade und schräge Bauchmuskeln, Schulterblattfixatoren, ventrale Halsmuskeln.

Folgende Muskeln sind tonische Muskeln und neigen zur Verkürzung: Adduktoren, M. rectus femoris, M. iliopsoas, ischiocrorale Muskelgruppe, M. tensor fasciae latae, M. erector spinae lumbalis, Mm. pectorales, kranialer Teil des M. trapezius, M. erector spinae nuchae, M. levator scapulae.

Abschwächung und Verkürzung verlaufen langfristig, sie sind beide durch ausreichende physiologische Belastung oder durch Training vollständig reversibel. Für die Muskelverkürzung gibt es außerdem eine weitere Behandlungsmöglichkeit, die Dehnung. (siehe Therapie)

Auswirkungen der Passivität auf die Körperstatik - die muskuläre Dysbalance

Statische und phasische Muskeln sind im Allgemeinen Antagonisten in der Bewegungsrichtung. Durch die Verkürzung der einen und die gleichzeitige Abschwächung der anderen werden sie aber in diesem Sinne zu Synergisten, wie die folgenden Beispiele verdeutlichen.

Verkürzung des statischen Muskels

Abschwächung des phasischen Muskels

funktionelles Ergebnis

Erektor spinae lumbalis

gerade Bauchmuskeln

Hyperlordose der LWS

Iliopsoas

Glutaeus maximus et medius

Hyperlordose der LWS

Pectoralis major

Schulterblattfixatoren

Kyphosierung der BWS

Erektor spinae nuchae

ventrale Halsmuskeln

Hyperlordose der HWS

In der Folge der hier beschriebenen Überkurvung aller Schlüsselregionen der Wirbelsäule kommt es zu Blockierungen (Pseuderadikulärsyndrom) bzw. Verschleißstörungen wie Bandscheibenprolaps oder Spondylolisthesis (Radikulärsyndrom). Nur durch die Aufrichtung der Wirbelsäulenüberkurvung, also durch Korrektur der Dysbalance durch Muskeltraining ist eine Prophylaxe bzw. Rezidivprophylaxe möglich

Eine andere Muskelstörung ist die Verspannung. Die Muskelverspannung ist eine vegetativ vermittelter Reizzustand des Muskels mit erhöhter Ruhespannung. Der Muskel ist tastbar, druckschmerzhaft ,er ist schmerzhaft sowohl in Ruhe als auch bei Belastung. Der Muskel ist auf seine volle Länge streckbar, wenn nicht gleichzeitig eine Muskelverkürzung vorliegt. Da zwei grundverschiedene Pathomechanismen vorliegen, können beide Störungen gleichzeitig bestehen. Ein verspannter Muskel kann auch gleichzeitig abgeschwächt sein. Die Muskelverspannung ist Bestandteil des Pseudoradikulärsyndroms bei Blockierung eines oder mehrerer Wirbelgelenke. Sie ist streng an diese Segmente gebunden. Bei Ausschaltung des vegetativen Reizes durch Blockierungslösung im Segment oder durch therapeutische Lokalanästhesie ist der Normalzustand in Sekundenschnelle hergestellt. Die drei unterschiedlichen Störungen Abschwächung, Verkürzung und Verspannung erfordern gezielte Untersuchung und spezifische Behandlung. Die Abschwächung der Muskulatur entsteht durch ungenügende Inanspruchnahme. Störend ist die Abschwächung vor allem dort, wo die Muskeln auf Grund des aufrechten Ganges zwar ursprünglich phasische Muskulatur sind, bei Menschen aber als tonische Muskulatur benötigt werden. Deswegen zielt die Behandlung der abgeschwächten Muskulatur (Rückenschule, Krankengymnastik)auf eine gewisse „Umerziehung“ hin.

Behandlung der Muskelstörungen

Muskelverspannung

Muskelverkürzung

Muskelabschwächung

Oft schmerzhafte Tonuserhöhung eines Muskels ohne Bewegungseinschränkung bei einem Pseudoradikulärsyndrom Schmerzpunkte im Muskel und in den Insertionszonen

Reversible Verkürzung eines tonischen Muskels durch Inaktivität mit Bewegungseinschränkung Der ruhende Muskel ist nicht selbst druckschmerzhaft, aber Tendinosen und Insertionszonen

Leistungsminderung und Volumenminderung (Atrophie) bei phasischen Muskeln infolge Inaktivität bei ungestörter Innervation und Trophik, vollständig reversibel durch Muskelarbeit. Abschwächung ist weder in Ruhe noch bei Belastung schmerzhaft. Schmerzen entstehen nur durch die Folgeerscheinung „muskuläre Dysbalance“, das heißt durch die resultierenden Radikulär- und Pseudoradikulärsyndrome

Postisometrische Relaxation „PiR-Technik“ zur Behandlung der Muskelverspannung Schmerzpunktlöschung

Muskeldehnung zur Behandlung verkürzter Muskulatur

Isometrische Anspannungsübungen zur Behandlung abgeschwächter Muskulatur

Durchführung:

 

Nach 7 sec. maximaler Anspannung gegen Widerstand in schmerzfrei erreichbarer maximaler Muskellänge wird durch den Behandler aktiv mit wohldosierter Kraft der Muskel bis zu 2 Minuten lang gedehnt.

Keine Wiederholungen! Nicht bei Gegenspannung des Patienten, nicht über blockierte Wirbelsäulenabschnitte, Patient muß gut durchwärmt sein.

Durchführung:

Durchführung:

Maximale Anspannung einer Muskelgruppe bzw. Funktion gegen Widerstand, am besten gegen Schwerkraft, 20 Sekunden lang halten. Übungen jeweils 5x hintereinander wiederholen Kräftigungsübungen müssen durch Dehnung der verkürzten Gegenspieler ergänzt werden. Letztlich handelt es sich um die „Umerziehung“ phasischer zu tonischer Muskulatur

Nach 10 sec. minimaler Anspannung gegen Widerstand wird entspannt, unterstützt durch die Ausatemphase und gegebenenfalls Blickwendung. Dabei kommt es zu einer kleinen Spontanbewegung in der Gegenrichtung zur Anspannungsrichtung, aus der jeweils erreichten neuen Ausgangslage wird die Übung 5x wiederholt.

Indikationen:

Indikationen:

 

z.B. akuter Schiefhals, Epikondylitis, alle Muskelverspannungen.

z.B. Chondropathia retropatellaris, chronische Lumboischialgie, Lumbalsyndrom, Schulterschmerz.

Zur Verbesserung der Haltefähigkeit abgeschwächter Muskulatur dient die isometrische Spannungsübung:

Die betreffende Muskelgruppe wird für 2o Sekunden maximal angespannt, ohne dass eine Bewegung erfolgt (isometrische Anspannung), nach 2o Sekunden wird die Anspannung beendet und nach einer kurzen Ruhepause von etwa 1 Minute wiederholt, insgesamt 5 Anspannungsphasen sind zu empfehlen.

Im Gegensatz zu diesen isometrischen Anspannungsübungen wird in Fitnesseinrichtungen mehr auf Bewegungsübungen orientiert (isotonische Bewegung). Das Bewegungstraining bewirkt mehr Muskelmassenentwicklung und ist für die hier gestellte Aufgabe weniger geeignet.

Von den abschwächenden Muskeln werden insbesondere Glutaeen, Bauchmuskeln und Schulterblattfixatoren beübt. Dadurch entsteht eine ausreichende Aufrichtung der Haltung und in Verbindung mit Dehnungsbehandlung der verkürzten Muskulatur die Aufhebung der Dysbalance.

Für die verkürzte Muskulatur gibt es als einzige Behandlungsmöglichkeit die Muskeldehnung. Eine Alternative wäre nur die ausreichende körperliche ganztägige Belastung, bei unseren Patienten ist aber eben diese nicht durchführbar.

Zur Muskeldehnung wird der Muskel in der schmerzfrei erreichbaren Länge maximal angespannt für die Dauer von wenigstens 7 Sekunden, der Behandler muss entsprechend gegenhalten. Auch hier erfolgt während der Anspannung keine Bewegung (isometrische Anspannung).

Diese Anspannungsphase wird ohne zwischenzeitliche Entspannung unmittelbar in die Dehnungsphase übergeführt, d.h. der Behandler spannt den Muskel jetzt passiv an, gleichzeitig läßt allmählich der Patient mit seiner Gegenspannung nach, so daß nach wenigen Sekunden eine völlige Entspannung des Patienten und eine gefühlvolle Dehnungsspannung durch den Behandler erreicht wird. Bei der Dehnung entsteht ein Dehnungsschmerz, der so gering wie möglich gehalten werden sollte. Ein stärkerer Schmerz führt einerseits zur Gegenspannung und damit zur Aufhebung des Effektes, andererseits besteht die Gefahr von Muskelrissen. Nachbeschwerden dieser Behandlung beruhen immer auf Gegenspannung des Patienten oder zu grobem Vorgehen. Es ist also eine ständige Abstimmung zwischen Patient und Behandler notwendig. Die Dehnung sollte ein bis zwei Minuten lang erfolgen. Maßstab ist die noch erfolgende Dehnung. Wenn keine weitere Verlängerung des Muskels mehr eintritt, ist die Behandlung abgeschlossen. Bei einer noch relativ jungen Verkürzung kann die einmalige Behandlung für die Behebung der Störung ausreichen. Bei langzeitigen, d.h. über Jahrzehnte bestehenden Verkürzungen werden mehrere Sitzungen notwendig sein, da die Fortschritte in den einzelnen Sitzungen geringer sind. Der Effekt hält dann aber auch wenigstens ein Vierteljahr vor.

Die Muskeldehnung kann wie auch die Anleitung zum Training abgeschwächter Muskulatur Physiotherapeuten übertragen werden, die die dafür erforderliche Ausbildung im allgemeinen besitzen. Verordnung: 6x KG Muskeldehnung nach JANDA und Übungsanleitung zur Muskelkräftigung.

In der Praxis kann man die Behandlung beginnen, um den Patienten die Wirksamkeit zu demonstrieren und damit den Patienten für eine Fortsetzung zu motivieren. Im allgemeinen sind die Ergebnisse hinsichtlich der besseren Bewegungsfähigkeit und der Schmerzbefreiung für den Patienten außerordentlich eindrucksvoll. Sie schildern das Gefühl mit „leicht“ oder „frei“. Im ersten Moment kann es zu Bewegungsstörungen kommen, da ja das Gleichgewicht und die Afferenz aus den jetzt spannungsgeminderten Muskeln völlig verändert ist.

Während es bei der Behandlung der verkürzten Muskulatur keine andere Möglichkeit als die Dehnung gibt, sind bei Muskelverspannungen viele Therapiemöglichkeiten gegeben. Als spezielle Methode ist die postisometrische Relaxation zu erwähnen.

Im Gegensatz zur Dehnung wird hier mit minimalen Kräften gearbeitet. Die Muskulatur wird bei schmerzhaft eingeschränkten Bewegungen minimal in die Gegenrichtung gegen Widerstand angespannt, ohne daß eine Bewegung entsteht (isometrische, minimale Anspannung). Als Maß werden etwa „1o g gleich 2 Stück Würfelzucker“ angegeben. Nach 1o Sekunden dieser minimalen Anspannung atmet der Patient tief ein und läßt beim Ausatmen die Anspannung weg. Reflektorisch kommt es zu einer geringen Bewegung in der Richtung, die bisher schmerzhaft war. Eine aktive Dehnung oder Bewegung erfolgt dabei nicht, der Behandler setzt keinerlei Kraft ein. Dadurch ist die Bewegung schmerzfrei. Nach kurzer Pause wird diese isometrische Anspannung insgesamt 5 x wiederholt. Es kommt nach jeder Anspannung zu einer Relaxation, die von Mal zu Mal weiter fortschreitet. Das wird als „postisometrische Relaxation“, kurz „PIR-Technik“ bezeichnet. Die PIR-Technik ist sehr gut auch zur Selbstbehandlung geeignet, zum Beispiel bei der Epicondylitis oder beim akuten Schiefhals.

Auch die postisometrische Relaxation gehört zur Grundausbildung der Physiotherapeuten, so daß die Anleitung delegiert werden kann.

4. Phase: Sind damit alle lokalen Ursachen ausgeschaltet bzw. behandelt worden, ist die Suche nach Störfeldern erforderlich. Junge Störfelder strahlen zunächst nur innerhalb des Quadranten aus und verursachen im zuständigen Wirbelsäulensegment Blockierungen, bei ausreichender Stärke des Störfeldes bzw. langem Verlauf werden allerdings die Quadrantengrenzen überschritten, so daß es zum Halbseitenschmerz bzw. auch zur Ausstrahlung in alle Körperregionen führen kann. Die Suche nach einem Störfeld muß also den gesamten Körper

umfassen. Am leichtesten zu behandeln sind

bei Kopfschmerz- und HWS-Syndrom sind die Zähne, die Schilddrüse und die Tonsillektomienarben in die Betrachtung und Behandlung einzubeziehen. Gegebenenfalls ist eine neuraltherapeutisch versierter Kollege hinzuziehen.

Störfelder aus Narben der Haut, aber vor allem

Es stehen apparative Testmethoden zur Verfügung, im allgemeinen genügen aber die propatorische Infiltrationen, um gegebenenfalls Reaktionen auszulösen und die Störfelder zu löschen.

oder gezielte Skalen ergeben den Hinweis zu einem Therapieversuch. Dabei kommt es nicht darauf an, ob die depressive Störung die Ursache für die Schmerzstörung insgesamt war, oder ob sich die depressive Störung erst als Reaktion auf den Schmerz entwickelt hat. Auch Überaktivität kann Zeichen einer Depression sein. Bei der Behandlung dieser Schmerzformen ist nicht allein an medikamentöse Therapie zu denken. Oft werden soziale Probleme (Seelenpein, Vereinsamung) als Schmerzen dem Arzt vorgetragen, da der Patient mitunter nicht in der Lage ist, diese Dinge anders zu thematisieren. Auch bei der Therapie von Tumorschmerzen ist Zuwendung und menschliche Wärme eines der wirksamsten Analgetika.

Bei dieser schematischen Darstellung soll nicht davon abgelenkt werden, daß ständig die Suche nach der Ursache der Schmerzen, nach abwendbar gefährlichen Verläufen fortzusetzen ist. Vor allem bei noch zunehmenden Schmerzen unter der Therapie sollten die Alarmglocken schrillen. „Ausschlussdiagnostik“ ist eine gefährliche Illusion.

Untersuchungsfehler vermeiden:

1. Oberflächliche Untersuchung, kein Überblick, ungenügend entkleideter Patient.

2. Der Patient ist schlecht gelagert, hat dadurch Schmerzen bzw. Angst zu fallen. Durch die Gegenspannung des

Patienten werden die Untersuchungsergebnisse verfälscht bzw. ist eine Erhebung feiner Befunde nicht möglich.

3. Zu hoher Druck beim Tasten, Tasten mit spitzen Fingern oder mit kalten Händen.

Der Tastsinn ist wie jeder andere Sinn abhängig von der Abstufung der Reize, nur eine Differenz von mindestens 7 % des Reizes wird wahrgenommen. Wenn ein starker Druck beim Tasten ausgeübt wird, werden nur noch starke Differenzen wahrgenommen, für die feinen Unterschiede benötigt man einen geringen Druck. Spitze Finger, vor allem an Knochenkanten (Processi spinosi, Darmbeinkante und andere) verursachen Schmerzen, die die Abwehr des Patienten hervorrufen, auf jeden Fall kein richtiges Ergebnis mehr erheben lassen. Also bei allen Tastvorgängen mit flachen Fingern, das Nagelbett darf sich nicht entfärben.

4. Bei Federungstests mehrfach Federn: Das mehrfache Wiederholen von Untersuchungen,

wie Rotationsprüfung oder Federungsprüfungen läßt Unsicherheit erkennen, der Patient wird

mißtrauisch. Noch schwerwiegender ist es, wenn durch das Federn Schmerzen ausgelöst werden und der Patient nicht die Notwendigkeit der mehrfachen Wiederholen nachvollziehen kann.

5. Mangel an Zielstrebigkeit und zu häufige Lageänderung des Patienten verwirrt diesen und

kostet außerdem zu viel Zeit. Ein zielstrebiges Programm zeigt Kompetenz und ist wirtschaftlicher.

Bildgebende Diagnostik

Bildgebende Diagnostik dient Dem Ausschluss von Traumafolgen, vorwiegend konventionelles Röntgen tumorösen Veränderungen, konventionelles Röntgen, Szintigrafie

Strukturstörungen, konventionelles Röntgen, CT, MRT zur Weichteildarstellung, Osteodensitometrie Sie können die gründliche Untersuchung des Patienten nicht ersetzen, meist ist der Informationsgehalt der klinischen Untersuchung weitaus höher. Funktionsuntersuchungen zur Dokumentation sind juristische, aber keine medizinische Indikation, klinische Untersuchung ist hinreichend sicher oder besser. Ein Pseudoradikulärsyndrom bedarf keiner bildgebenden Diagnostik, Ein Radikulärsyndrom nur bei möglicher Op.-Indikation oder unzureichendem Therapieeffekt.

Das Programm Untersuchungskurs Schmerzen im Bewegungsapparat umfasst insgesamt 3 Grundkurse:

1. Untersuchung der Wirbelsäule

2. Untersuchung der Extremitätengelenke

3. Untersuchung der Muskulatur (der wichtigste Kurs, weil dort die geringsten Kenntnisse

vorhanden sind)

und zwei Refresherkurse:

1. Untersuchung der oberen Körperhälfte

2. Untersuchung der unteren Körperhälfte

Die Refresherkurse fassen jeweils die Untersuchung von Wirbelsäule, Gelenken und Muskulatur auf die Region bezogen zusammen.

Die Kurse umfassen etwa zu einem Drittel Wissen zur Diagnose und Differentialdiagnose und zu zwei Drittel gegenseitige Untersuchung und teilweise auch Behandlung der Teilnehmer. Chirotherapie wird nicht vermittelt, wohl aber die Untersuchungstechnik und Selbstbehandlungsmethoden bei funktionellen Störungen des Bewegungsapparates.

Jeder Kurs dauert etwa 4 Unterrichtsstunden, die Teilnehmerzahl beträgt maximal 30

Kolleginnen und Kollegen

Teilnehmer. Man trägt für die Untersuchungen sinnvollerweise Badekleidung.

Es werden Untersuchungsliegen benötigt, jeweils eine für 3 5

Der Untersuchungskurs „Wirbelsäule“ und der Kurs „Muskulatur und Gelenke“ sind als DVD erschienen zum Preis von jeweils 25 inkl. MWSt. und Versandkosten.

Wenn Sie in Ihrer Region diese Kurse durchführen wollen, oder die DVD beziehen wollen, dann fragen Sie an bei:

Dr. med. Diethard Sturm Facharzt für Allgemeinmedizin Chirotherapie

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