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Draussen vor der Tür

Zum Buch:

Wolfgang Borchert schrieb dieses Buch im Jänner 1947 innerhalb von 8 Tagen nieder.
"Draußen vor der Tür" ist das einzige Drama Borcherts und wurde einen Tag nach dem
Tod des Dichters in Hamburg uraufgeführt. Dieses Buch war für lange Zeit die einzige
dramatische Ausbeute aus der Hölle des zweiten Weltkrieges und der Nachkriegszeit. Da
Borchert in die Zeit des Expressionismus fällt, gehört dieses Drama nicht mehr zu den
klassischen, sondern zu den modernen Dramen.

Die Sprache ist schlicht, einfach und symbolhaft mit zahlreichen Wortwiederholungen.

Inhaltsangabe:

Beckmann, der Kriegsheimkehrer mit dem steifen Knie und der grotesken Gasmasken
brille, beschließt seinem Leben ein Ende zu setzen. Doch die Elbe, in die er sich stürzt,
wirft ihn wieder ans Ufer zurück. Nochmals muss er versuchen, im Leben wieder Fuß zu
fassen. Aber alle seine Versuche schlagen fehl. Eine Frau nimmt ihn mit und schenkt ihm
die Kleider ihres verschollenen Mannes. Doch dieser kehrt einbeinig und auf Krücken
zurück.

Beckmann sucht seinen ehemaligen Oberst auf, um ihn die Verantwortung Zurück-
zugeben, die ihm jener im Krieg für einen Spähtrupp aufgeladen hat. Die Folgen davon
sind die Ursachen, die ihn nicht mehr schlafen lassen. Aber der Oberst hält ihn für
geistesgestört und lacht ihn aus.

Ein Kabarettdirektor bei dem er mit tristen Bänkelliedern auf die Leiden des Krieges um
Arbeit bittet, schickt Beckmann weg. Denn keiner will mehr etwas von der Wahrheit
wissen.

Als er seine Eltern besuchen will, erfährt er von einer Frau Kramer, dass sich die beiden
Alten das Leben genommen haben. Da will Beckmann nun endgültig aufgeben. Sein Weg
führt erneut zur Elbe. Sein anderes "Ich" - das lebensbejahende und optimistische Alter-
Ego versucht ihn vergebens zur Umkehr zu bewegen.

In einem Traum begegnet er einem alten Mann, dem "lieben Gott", an den keiner mehr
glaubt, und einem Straßenkehrer, dem Tod, den er bittet, eine Tür für ihn offen zu halten;
auch seine "Mörder" erscheinen ihm nochmals: der Oberst, der Direktor, Frau Kramer,
seine Frau mit ihrem neuen Freund; am Ende kommt der Einbeinige um von Beckmann
Rechenschaft zu fordern - er ist in die Elbe gegangen - und so ist Beckmann ebenfalls
zum Mörder geworden. Als er aus dem Traum erwacht, muss er erkennen, dass er kein
Recht auf Selbstmord hat, dass er allein weiterleben muss, verraten wie er ist: keiner hört
ihn und keiner gibt ihm eine Antwort.
Interpretation:

Borchert verarbeitet in diesem Buch seine eigene Vergangenheit, die hauptsächlich von
den Schrecken und Grausamkeiten des 2. Weltkrieges und der Nachkriegszeit bestimmt
war. Hörbar machen will er vor allem das, was der Krieg angerichtet hat und weiterhin
anrichtet.

Der Buchtitel ist ein Motiv für die verschlossenen Türen und des Draußenstehens, nur das
Mädchen nimmt Beckmann mit, aber nicht aus Liebe, sondern aus Mitleid. Borchert will,
dass sich der Leser bzw. der Hörer Gedanken über dieses Buch macht, denn schließlich
war während der Zeit des 2. Weltkrieges fast jeder mit dem Thema Krieg konfrontiert,
und auch heute gehört der Krieg zum Alltag vieler Menschen.

Da Borchert in der Zeit des Expressionismus gelebt hat, verwendet er in seinen Werken
oft Symbole. Die einzelnen Figuren in "Draußen vor der Tür" sind Repräsentanten und
Symbole für Gesellschaft dieser Zeit:

Beckmann: Er steht für die Ausgegrenztheit, Hoffnungslosigkeit, Ausweglosigkeit und


für die Schrecken und Auswirkungen des Krieges. Beckmann symbolisiert aber auch den
Einzelnen in extremer Lage. Dem Trümmerfeld außen und innen ausgesetzt, versagt er
sich jede Hoffnung auf eine lebenswerte Zukunft.

Am Ende begegnet er noch einmal allen seinen Mördern: dem Oberst, dem
Kabarettdirektor, Frau Kramer und dem Tod.

Der Andere: Er ist das lebensbejahende und optimistische Alter-Ego Beckmanns, das ihm
in entscheidenden Phasen immer wieder neuen Lebensmut gibt. Doch auch der Andere
versagt am Schluss und verschwindet unauffällig.

Die Elbe: Der Fluss vermittelt den Traum des Lebens und zwingt Beckmann im Leben
wieder Fuß zu fassen.

Der Beerdigungsunternehmer und der Straßenfeger: Diese zwei Figuren sind ein Symbol
für den Tod. Der Beerdigungsunternehmer ist übersättigt und feist, was darauf hindeutet,
dass der Tod die Oberhand in diesem Drama innehat.

Gott: Er wird in Form eines weinerlichen und hilflosen Greises dargestellt, an den keiner
mehr glaubt. Er ist nur noch ein Trauernder am Grabe seiner einstigen Schöpfung. Gott
hat in diesem Werk als Vertreter der Erlösung und der Hoffnung kläglich versagt.

Der Oberst: Er steht für die Gefühllosigkeit und Unbarmherzigkeit des Krieges, aber er
repräsentiert auch die Verantwortlichen für das menschliche Desaster.

Das Mädchen: Die Begegnung mit dem Mädchen verspricht Beckmann Erfüllung und
Liebe. Es ist Vertreterin der Gesellschaft, die Mitleid mit den vielen Opfern des Krieges
zeigt.
Frau Kramer: Sie ist eine weitere Repräsentantin der Gesellschaft, allerdings derjenigen,
die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind.

Die Straße: Sie ist der Ort des Ausgesetztseins und des Todes. Auf ihr bewegen sich der
abgedankte Gott sowie auch der Beerdigungsunternehmer und der Straßenfeger. Die
Straße als leerer toter Raum führt ins Nichts.

Dieses Werk soll die Erinnerungen an die Tragödie des Menschen und der
Menschlichkeit wiederbeleben und vor allzu schnellem Vergessen warnen.