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A169_01

Studierendenmagazin der Universitäten Bochum, Dortmund und Duisburg-Essen

pflichtlektüre
112009  www.pflichtlektuere.com

Entspannt Euch!
Nicht nur Bologna ist schuld am Uni-Stress:
Wir sind zu verkrampft.

Urin-Attacken und dumme Sprüche


Homosexuelle kämpfen um Anerkennung - auch heute noch, selbst an den Unis

Streiken will gelernt sein


Organizing zeigt, wie man sich für bessere Bedingungen einsetzen kann
S02 VOR-SPIEL A367_02

Was geht

G
lühwein geht immer. Darum den umliegenden Städten Glühwein
konnten es viele auch kaum und Co. geboten: Essen rühmt sich mit
erwarten, dass die Weih- der internationalen Vielfalt seiner rund
nachtsmärkte im Pott wieder 260 Stände und einer besonders schö-
öffnen. nen Licht-Dekoration. In Bochum steht
eine zwölf Meter hohe Weihnachtspy-
Der Dortmunder Markt mit dem ramide auf dem Dr.-Ruer-Platz. Zudem
Superlativ-Baum lockt mit über 300 fliegt der Weihnachtsmann zwei Mal
Buden in die Innenstadt – Deko, täglich, jeweils um 18 und 19.30 Uhr, in
Krimskrams, Fressbuden jeder Art seinem Rentierschlitten über den Platz
und natürlich Glühwein ohne Ende. hinweg - ein Hochseilspektakel der
Ein vorweihnachtlicher Ausflug mit Artistenfamilie Falko Traber. Und auch
Freunden dorthin, ist auch gleichzeitig andere kleinere Städte im Umkreis wie
Gelegenheit um Weihnachtsgeschen- beispielsweise Hattingen mit seinen
ke zu kaufen. Ein Tipp von uns: Auch Fachwerkhäusern haben stimmungs-
am verkaufsoffenen Sonntag, den 6. volle Märkte. pflichtlektüre wünscht
Dezember, gibt es diese Chance. Doch einen guten Start in die Weihnachts-
eines ist sicher - du bist nicht allein. zeit!

Wem der Weihnachtsmarkt in Dort- ah,sal/Foto: pixelio/Didi01


mund nicht reicht, bekommt auch in

Neulich in Deutschland

E
s war einmal ein Erasmus- „Was sollte dieser Chip?" Wie es das
Neuling in Deutschland: Ich. Schicksal in meine Hand gelegt hatte,
Neugierig auf die deutsche beschloss ich, gut auf ihn aufzupas-
Kultur, ging ich sofort aus, um sen. Ich tat es die ganze Nacht. Später
mein erstes deutsches Bier zu fiel mir ein, ich könnte ihn eines Tages
trinken. In der Bar angekommen, war meinen Enkeln zeigen als Erinnerung
die erste sprachliche Herausforderung an mein erstes deutsches Bier. Doch
das Lesen der Preisliste. Ich konzen- als ich gehen wollte, platzte der Traum:
trierte mich und sah was ich erwartet „Wohin willst du mit dem Chip?“, frag-
hatte: Bier. Und es war mein Glückstag: te der Kellner: „Sie müssen ihn abge-
Nur einen Euro kostete es. Mit ein we- ben, um Ihren Euro zurück zu bekom-
nig Pantomime bestellte ich und end- men.“ Ich werde nicht viel dazu sagen,
lich hielt ich mein Getränk in den Hän- wie schwer mir der Abschied fiel. Aber
den, da hörte ich den Barkeeper sagen: dennoch, an diesem Abend begann ich
„Zwei Euro, bitte." Was war das? ein deutscher Pfand-und-Bier-Liebha-
ber zu sein. foto: nm
Nun gut, dachte ich und zahlte. Doch
zurück kriegte ich ein Geschenk, einen
kleinen gelben Chip. Ich ging zu mei- Laura Basurto Garcia kommt aus Spanien
nem Platz, schaute ihn an, roch an ihm und studiert während ihres Auslandsse-
und biss hinein. Doch nichts geschah. mesters Journalistik in Dortmund.

Wissens-Wert

S
chweinegrippealarm: Viele Professor Uwe Schauer von der Klinik
lassen sich impfen und greifen für Kinder- und Jugendmedizin der
vorher noch schnell zu Para- Ruhr-Universität Bochum schließt aber
cetamol. Mögliche Folgen des aus, dass die Tablette den Impfschutz
Pieks, wie Fieber und Entzün- ganz ausschalten könnte. „Doch auch
dungen, sollen durch die Tablette gemil- aus praktischen Gründen ist die vor-
dert oder ganz verhindert werden. Doch herige Einnahme von Paracetamol un-
das könnte ein Fehler sein. sinnig. Fieber tritt nach einer Impfung
zwölf bis 24 Stunden später auf. Parace-
Eine tschechische Studie belegt: Nimmt tamol wirkt aber nur für sechs Stunden.
ein Patient vor einer Impfung Paraceta- Es ist aber ratsam, es bei späteren Fie-
mol, hat er danach seltener Fieber. Aller- berschüben einzunehmen. Besonders
dings wird so auch die durch die Impfe bei Kindern, wenn das Fieber über 39°C
ausgelöste Antikörperreaktion deutlich liegt“, erklärt Schauer. Nimmt man das
abschwächt. Zweck des Ganzen ist je- Paracetamol erst nach der Impfung, hat
doch genau diese Reaktion, durch die der das auch laut Studie keine Auswirkung
Grippeschutz entsteht. Auf Paracetamol auf den Grippeschutz.
sollte also vor der Impfung verzichtet
werden, so die Forscher. fin/foto: pixelio/tommyS
A169_03 START-BLOCK S03

HERZ-STÜCK diesmal Zur Ausgabe

S
Lernst du noch ie mache demnächst ein Karriere-Coaching, sagte
oder lebst du mir meine Bekannte letztens. "So eine persönliche
schon? Beratung. Die erstellen dann ein Kompetenz-Profil
von mir. Außerdem zeigen sie, wie ich mich über Net-
working und Selbstmarketing besser promote. Eine
coole Sache. Kostet nur 450 Euro und bringt dich echt weiter."

S08 - "Geht's noch?", hätte ich sie gerne ge-


fragt. Aber ich habe es mir verkniffen.

Wie sind wir mittlerweile drauf? Wir


gehen zu Karriere-Coachings, nur um
fünf Zentimete Vorsprung vor unseren
Mitmenschen zu haben, unseren Kon-
kurrenten. Die entscheidenden fünf
Zentimeter selbstverständlich.
DUISBURG/ESSEN
So ein Schmarrn. Aber was sollen ei-
S04 … Keine Chance für die Grippe: Wie sich die Uni wappnet. gentlich Unternehmen? Angepasste
Streber, die nach sechs Semestern in-
S07 … Studenten auf der Straße: So lief der Bildungsstreik. klusive Auslandsaufenthalt mit dem Studium durch sind? Oder
Individualisten mit krummen Lebensläufen, aber Erfahrung?
HERZ-STÜCK
Die pflichtlektüre hat Personaler gefragt. Die Antworten lest
S11 … Charakterköpfe statt Creditpoint-Jäger: Was Personaler wollen. ihr auf Seite 11.

RUHR-BLICK

S12 … 25 Jahre und kein Ende: Schwule kämpfen um Anerkennung.

DIENST-BAR

S14 … Freizeit ohne Uni: Atheisten, Monet und Buddy Holly.


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S04 DUISBURG/ESSEN: MITTEN IM LEBEN A169_04

In den Ärmel husten


Pandemie-Krisenstab und Notfallplan - welche Auswirkungen hat die „Schweinegrippe“
auf das Campusleben?

D
as Konzept der Universität Duisburg-Es- fall zu beurteilen:
sen ist einfach, aber wirksam - „Selbst- „Ob eine erhöhte
verteidigung gegen Grippe“. Neun Tech- Ansteckungsge-
niken, sich und andere zu schützen, sind fahr für Schwan-
die ersten Schritte zur Prävention gegen gere besteht, liegt
die „Schweinegrippe“. in erster Linie dar-
an, mit wie vielen
Hinter den Kulissen der Universitätsverwaltung Menschen sie in
macht man sich tatsächlich mehr Gedanken über Kontakt sind“, er-
„Influenza A/ H1N1“ - wie die neue Grippe offiziell klärt Weinmann.
genannt wird - als das ungetrübte Campusleben Deshalb werden
erahnen lässt. „Es wurde ein Pandemie-Krisen- diese Beschäf-
stab einberufen, der in den nächsten Wochen tigten aus publi-
einen Notfallplan aufstellen wird“, berichtet Su- kumsintensiven
sanne Prengel vom Gesundheitsmanagement Bereichen fernge-
der Hochschule. Solch ein Notfallplan werde in halten. Schwan-
erster Linie betriebliche und personelle Maß- geren Studie-
nahmen beinhalten. „Im Ernstfall wollen wir renden wird die
auf hohe Ausfallzahlen vorbereitet sein“, erklärt Beratung durch
Prengel. Die Beschäftigten würden sich dann auf einen Arzt oder
betriebliche Kernfunktionen konzentrieren um das Gesundheits-
die verbleibenden Personalkapazitäten bestmög- amt empfohlen.
lich zu nutzen.
Um mögliche
Die Prävention gegen die Grippewelle ist bereits Infektionen im
in vollem Gange: Inzwischen sind vor vielen Hör- Blick zu haben
sälen zum Reinigen der Hände Desinfektions- und im Bedarfs-
spender angebracht. So soll verhindert werden, fall reagieren zu
dass sich die Krankheitserreger in Großgruppen können, ist die
weiter verbreiten. Im Mittelpunkt steht aber die Universitätsver-
„Selbstverteidigung“. Überall auf dem Campus waltung darauf
hängen bereits Plakate mit Verhaltensempfeh- angewiesen, dass
lungen: „Hygienisch husten“ - also nicht etwa in Fälle von Erkran-
die Hand, sondern möglichst in den Ärmel - lau- kungen zentral
tet eine dieser Verteidigungstechniken gegen die gemeldet wer-
„Schweinegrippe“. den.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen gelten zu die- Auf Landesebene


sem Zeitpunkt bereits für Schwangere, da der ruft der NRW-
Krankheitsverlauf bei ihnen erfahrungsgemäß Gesundheitsmi-
sehr viel schwerer ist als bei anderen Menschen. nister Karl-Josef
Elke Weinmann von der Stabsstelle Arbeitssi- Laumann (CDU)
cherheit der Universität Duisburg-Essen ist mo- derzeit die Be-
mentan damit beschäftigt die Gefährdung am völkerung zur
Arbeitsplatz von werdenden Müttern im Einzel- Beteiligung an
der kostenlosen
Impfaktion auf:
„Ich bin davon Was tun gegen die Schweinegrippe? Die Uni rät zum Konzept „Selbstverteidigung“.
überzeugt, dass
eine Impfung
der beste Schutz
INFOS gegen die sich
unverändert In jedem Fall ist es ratsam, die Selbstverteidigung
ausbreitende neue Grippe ist“, sagte Laumann. der Universität zu befolgen.
Zu den möglichen Gefahren von „Influenza A/ Es gibt allerdings auch viele Kritiker der Impfung,
H1N1“ unter der Rubrik „Aktuelles“ auf der die ersten Angebote wurden von der Bevölkerung
Homepage der Universität Duisburg-Essen und nur sehr schleppend angenommen. text Mareille Landau
auf www.neue-grippe.bund.de. foto Daniel Gehrmann
Meldungen von Krankheitsfällen an: influenza@ Auch Experten schätzen die möglichen Auswir-
uni-due.de kungen der Grippe sehr unterschiedlich ein: Sie
beziffern die Zahl der möglichen Kranken- und
Sterbefälle von einigen Hundert bis hin zu eini-
gen Tausend in Nordrhein-Westfalen.
Unistandort NRW:
Wie halten wir unseren
Nachwuchs im Land?
Chefredakteur Ulrich Reitz bezieht Stellung – jeden Monat
zu einem anderen aktuellen Thema.
Freuen Sie sich auf eine Talk-Runde mit interessanten Gästen:
Prof. Dr. Andreas Pinkwart, Minister für Innovation, Wissenschaft, Forschung und
Technologie NRW, Landesvorsitzender der FDP in NRW
Christiane Schönefeld, Vorsitzende der Geschäftsführung der Regionaldirektion NRW
der Bundesagentur für Arbeit
Prof. Dr. Bruno O. Braun, Vorstandsvorsitzender TÜV Rheinland
Prof. Dr. Elmar W. Weiler, Rektor der Ruhr-Universität Bochum
Linda Herten, Master-Studierende der NRW School of Governance, Universität Duisburg-Essen

Donnerstag, 3. Dezember 2009, 18.30 Uhr


PACT Zollverein, Choreographisches Zentrum NRW,
Bullmannaue 20a, 45327 Essen, Parkplatz A 2
Das Reitz-Thema im Fernsehen: Freitag, 4. Dezember, 22 Uhr
sowie Samstag, 5. und Sonntag, 6. Dezember
um 12.30Uhr auf

Der Eintritt ist frei.


Wir bitten um verbindliche Anmeldung
mit Angabe der teilnehmenden Personen
und Kontakt für Rückfragen unter:
Tel. 0 18 02 / 40 40 72
(6 Ct. / Anruf a. d. dt. Festnetz, abweichender Mobilfunktarif).

In Kooperation mit

Hochschule ist Zukunft. Eine Informationsoffensive des Ministeriums


für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie des Landes
Nordrhein-Westfalen, der nordrhein-westfälischen Hochschulen und der
Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen der Bundesagentur für Arbeit.
www.hochschule-ist-zukunft.de
S06 DUISBURG/ESSEN: MITTEN IM LEBEN A169_06

Seine Rechte nutzen


Streiken, aber wie? Organizing zeigt Protestwilligen die Theorie zur Auflehnung.

U
nbehandelte Patien-
ten, wartende Passa-
giere an Bahnhöfen
und Flughäfen, kleine
Kinder im Büro der be-
rufstätigen Mutter - in den ver-
gangenen Monaten lag der Be-
trieb in Arztpraxen, Bahnhöfen
und Kindergärten oft flach. Die
Liste der Streiks ließe sich fort-
setzen: Bildungsstreik, Streik
der Gebäudereiniger. Dahinter
stehen meist die Gewerkschaf-
ten, welche sich generell gegen
jede Form inakzeptabler und
ungerechter Verhältnisse am
Arbeitsplatz einsetzen. Ver-
hältnisse, denen viele von uns
spätestens nach Ende ihres
Studiums auch ausgesetzt sein
werden.

Organizing ist in Deutschland


nicht neu; neu jedoch ist die
aus den USA übernommene Be-
zeichnung, die systematische
Methodik in der Vorgehenswei-
se und ihre zunehmende Ver-
breitung in Deutschland. Hier-
bei werden Beschäftigte durch
gezielte Kampagnen befähigt,
sich selber gegen ihre Arbeits-
bedingungen zu wehren und
gegen die Interessen des Ar-
beitgebers vorzugehen. Der Fo-
kus liegt darauf, die Arbeitneh-
mer mit dem nötigen Werkzeug
und Wissen auszustatten, um Ein guter Streik will organisiert sein: Gezielte Kampagnen sollen den Streikwilligen Wissen und
eigenständig Kampagnen zu pla- Werkzeug vermitteln. Organizing nennt sich das dann.
nen und durchzuziehen. Die Idee
dahinter lässt sich laut ver.di auch Erfolgsgeschichten mit-
so formulieren: „Wir selbst bilden hilfe von Organizing ge-
die Gewerkschaft im Betrieb.“ Ziel schrieben wurden. Das ist
ist es, durch gemeinsames und so- auch für kommende Aka-
lidarisches Handeln, betriebliche demiker interessant: „Wer
Konflikte zu identifizieren, zu entfachen und zu schon als Student eine Ahnung von seinen Rech-
lösen. So soll langfristig ein arbeitnehmerfreund- Ein Beispiel für erfolgreiches Organizing stell- ten hat, wird sich an der späteren Arbeitsstelle
licheres Klima geschaffen werden. ten Nadine Telemann (ver.di) und Silvia Bayram sicher besser behaupten können“.
(ver.di) auf der internationalen Konferenz „Or-
„Das Interesse und die Bereitschaft auf Seite der ganizing in Europa“ in Markelfingen in diesem
Arbeitnehmer ist meistens durchaus vorhan- Jahr vor: Lidl. Stichwort ‚Mitarbeiterbespitzelung’
den. Man muss ihnen nur das ‚wie’ an die Hand – mit den Datenskandalen in den Jahren 2008 text Lisa Helberg
geben“, sagt ein Student, der sich intensiv mit und 2009 lenkte die Handelskette das Augen- foto Jonas Mueller-Töwe
dem Thema Organizing befasst. Zuerst gilt es he- merk der Bevölkerung einmal mehr auf Themen
rauszufinden, an welchen empfindlichen Stellen wie Arbeitsschutz oder Arbeitnehmerrechte. Ein
man das Unternehmen treffen, und somit wirt- Brennpunkt, welcher regelrecht nach Organizing
schaftlichen Druck erzeugen kann: Wer sind die der Mitarbeiter schrie: In Stuttgart-Feuerbach
Kapitalgeber? Wer sind die Kunden? Nach den wurde im Rahmen der Lidl-Kampagne der erste
Vorbereitungsphasen wird zusammen mit eini- Lidl-Betriebsrat gegründet. Hier ist es gelungen,
gen Arbeitnehmern ein Schlachtplan ausgear- motivierte Arbeitnehmer mit einzubinden, so
beitet: Dieser „Aktivenkreis“ plant zunehmend dass dieser nun aus haupt- und ehrenamtlichen
selbstständig zielgerichtete Aktionen und nimmt Mitgliedern besteht.
den Konflikt mit dem Arbeitgeber auf – bis zur
schriftlichen Einigung in Form eines erneuerten Die Baubranche ist ein weiteres Beispiel, wo dank
Tarifvertrags. der IG BAU in den letzten Jahren einige positive
A169_07 DUISBURG/ESSEN: IM HÖRSAAL S07

Lauter Protest
In Essen streiken mehr als 1000 Schüler und Studenten gegen „fehlende Bildung“.

S
ie rollt wieder. Die Welle des Protests sches Mittel kritisiert, nimmt aber
im Bildungsstreik 2009. Mit Kundge- am Bildungsstreik teil: „Dies ist eine
bungen verschafften sich Studenten Form des Protestes, die wir voll un-
und Schüler auch an den Ruhrgebiets- terstützen!“ Für den Bildungsstreik
Universitäten Aufmerksamkeit. Richtig hatte das Rektorat der Uni Duisburg-
viele kamen aber nur in Essen zusammen. Ziel Essen die Studenten sogar von ihrer
des Protests: erhebliche Nachbesserungen bei Anwesenheitspflicht freigesprochen.
den Bedingungen in Bachelor- und Master-Studi-
engängen, die Abschaffung der Studiengebühren Nachdem die Polizei die Demo offi-
und bessere Berufsperspektiven für Absolventen ziell beendet hatte, verstreuten sich
mit Bachelor-Abschluss. zwar viele der protestierenden Schü-
ler und Studenten – andere zogen
Weit über 1000 Schüler und Studierende zogen sich jedoch wieder in die Innenstadt
vergangene Woche durch die Innenstadt. Studen- zurück, wo es noch zu Zusammenstö-
ten aus Duisburg hatten sich ihnen angeschlos- ßen mit der Polizei kam.
sen. Parolen wie „Wir sind hier, wird sind laut,
weil man uns die Bildung klaut“ - machten die Wie DerWesten berichtete, droht 154 So protestierten die aufgebrachten
Überzeugung der Demonstranten deutlich: Die Studenten eine Anzeige, weil sie sich Schüler und Studenten in Essen.
Bildungspolitik muss sich ändern. Unter ständi- den Anordnungen der Polizei wider-
ger Polizeibegleitung marschierten die Gegner setzt hatten.
von Bologna-Prozess und Studiengebühren in stärkt durch dazustoßende Essener, in die Innen-
Richtung Essener Bahnhof. Bereits am Freitag hatten die Bildungsstreikenden stadt zu einer friedlichen Abschlusskundgebung.
ihren Protest von der Uni in die Städte verlagert: red
Der stellvertretende Asta-Vorsitzende Jan Bauer Nach der Besetzung des Audimaxes in Duisburg
marschierte mit. Der Asta hatte zwar die Beset- lief das Ultimatum des Rektors aus. Die Säle muss-
zungen der Hörsäle in der letzten Woche als fal- ten geräumt werden. Daraufhin zog der Tross, ver-

pflichtlektüre empfiehlt
Bildungsstreik Topaktuell Es weihnachtet sehr...
Ein heißer Herbstwind Unser Adventskalender nicht nur für Weihnachts-
weht über unseren wissenschaftler: Hinter den 24 Türchen verbergen
Campus. Viele von Euch sich Antworten auf Fragen wie „Welche chemischen
haben mitgemacht beim Prozesse stecken in unseren Plätzchen?“ und ein
Kampf gegen Studien- Blick in die Zukunft: Weiße Weihnacht 2009? Jeden
gebühren und dem zu Tag gibt es eine Gewinnspielfrage. Als Preise win-
hohen Leistungsdruck ken signierte Bücher und Kinogutscheine.
an den Universitäten. Auf
der pflichtlektüre-Website
findet ihr unsere komplette
Berichterstattung: Von der
Das Gesicht hinter der Party
Besetzung des Audimax Die Mensaparty vor zwei Jahren ging in die Geschichte
in Duisburg, bis hin zum der Ruhr-Uni Bochum ein, und der ehemalige ASta-
bundesweiten Protest-Tag. Chef musste seinen Kopf dafür hinhalten: Zum ersten
Wir halten Euch weiterhin Mal überhaupt spricht Fabian Ferber über die Hinter-
auf dem Laufenden und gründe der Party, die mehr als 200.000 Euro Schulden
wollen Eure Meinung zu verursachte, die Zeit davor und danach und das Urteil,
den Aktionen. das er nun vom Amtsgericht Bochum erhielt.

Mehr auf
Mehr auf dem
dem neuen
neuen Online-Portal:
Online-Portal: www.pfl
www.pflichtlektuere.com
ichtlektuere.com
S08 HERZ-STÜCK A367_08

Sorge dich
nicht, lebe!
Wer nur mit Scheuklappen zwischen Hörsaal, Bib und
Praktikumsplatz pendelt, verliert den Blick für das We-
sentliche. Ein Plädoyer fürs Innehalten – und eine kleine
Anleitung zum Glücklichsein.

W
ir haben Angst. Vorm Versagen, her, da war sich selbst zu verkaufen gleichbedeu-
vor Arbeitslosigkeit, vor einer un- tend mit Selbstverrat. Doch heute ist jeder käuf-
sicheren Zukunft. Wir wünschen lich. Mancher biedert sich sogar an – Hauptsache,
uns Sicherheit, und mancher ist be- der Lohn ist ein kleines bisschen Sicherheit.
reit, dafür alles zu tun. Schlaf wird
zweitrangig. Kommilitionen werden Konkurren- Die Wissenschaft bestätigt dieses Bild: Die aktu-
ten – um die Gunst der Profs, das begehrte Prakti- elle Shell-Studie beschreibt uns als „pragmati-
kum oder den hoch dotierten Job. Viele begreifen sche Generation“. Man studiert, um einen siche-
das Leben als eine Art Rennstrecke. Wer bremst, ren Arbeitsplatz zu bekommen. Demnach sind
verliert. Es geht darum, möglichst vorne mitzu- wir zunehmend verunsichert: Blickten 2002 noch
fahren und schnell ans Ziel zu kommen. Die ent- 69 Prozent von uns optimistisch in ihre Zukunft,
scheidende Frage aber lautet: Was ist eigentlich waren es vier Jahre später nur noch 56 Prozent.
das Ziel? Seit 1998 ist es Studenten immer wichtiger ge-
worden, später einen festen Job zu bekommen.
Zuweilen scheint es, als gehe es nur noch darum, Eine Studie der Uni Konstanz zeigt: Vor elf Jahren
sich möglichst gut zu verkaufen. Es ist nicht lange wählten nur 23 Prozent ihr Fach nach den späte-
ren Karriereoptionen aus. 2007 waren es schon
36 Prozent. Laut Studienleiter Tino Bargel sind
„die Studenten konservativer und egoistischer
BUCHTIPP geworden“.

Die Nahrung für die Zukunftsangst kommt nicht


von uns selbst. Wir bieten nur den Nährboden
Ratgeber gibt es wie Sand am Meer. Aber „Dr. für die Panik. Geschürt wird die Angst durch Mei-
Ankowitschs Kleiner Seelenklempner“ ist ein nungsmacher in Politik, Wirtschaft und Medien.
besonderer: Zu allererst ist der Autor authentisch. Das klingt platt, trifft aber den Kern. Politiker aller Studium fundamentale: Entspannen, durchatmen – davon
Christian Ankowitsch hat 22 Semester studiert. Parteien sprechen von steigenden Herausforde- steht nichts auf der Literatur-Liste zum Bachelor-Seminar.
Wenn er ein Buch darüber schreibt , wie man rungen in einer globalisierten Welt. Laut Bun-
desbildungsministerium verstärkt der demogra-
sich „durchs Leben improvisiert“, kann der Leser
fischen Wandel diese noch. Deutschland müsse überlagert alles. Wir vernachlässigen Freunde,
sicher sein: Der Mann weiß, wovon er schreibt. aufpassen, nicht von China und Brasilien über- solange deren Väter keine Personaler sind. Wir
Auf 300 Seiten gibt Ankowitsch jede Menge Tipps. holt zu werden. Da ist es schon wieder, das Bild verabschieden uns von Hobbys, wenn diese kei-
Einer davon: Wer Playmobil-Figuren aufstellt, von der Rennstrecke: Wer zögert oder zweifelt, nen beruflichen Nutzen bringen. Alles wird auf
sieht, wie realistisch die eigenen Pläne sind. Oder: verliert den Anschluss. Sicherheit getrimmt. Was verloren geht, ist die
Man muss lernen, die eigenen Fehler als Teil sei- Freiheit, die Studieren eigentlich mit sich brin-
ner selbst schätzen zu lernen. Dabei ist der Autor Den Unternehmen soll es recht sein. Sie leben gen sollte.
immer ehrlich. Nie werden werden unangenehme von Konkurrenz. Je mehr Konkurrenz zwischen
Wahrheiten verschwiegen: „Das Leben perfekt den Bewerbern, desto besser der Gewinner – so Zwei Fragen sollte jeder Student im Auge behal-
planen – eine schöne, aber unnütze Illusion.“ So zumindest die Theorie. Die Wirklichkeit heißt ten: Was will ich wirklich? Worum geht es mir
lassen sich Karriere, Traumpartner, intelligente zuweilen Burnout (sie- im Leben? Und nicht: Was will der Personalchef?
Kinder und Sex ohne Ende in den wenigsten he Infokasten). Die Friedrich Schiller hat in
Fällen einfach kombinieren. Genauso unwahr- Medien schließlich Stromlinienförmige Streber seiner Antrittsvorlesung
verstärken die Panik in Jena 1789 zwei Typen
scheinlich ist es, im Studium genau zu wissen,
wo der Weg enden wird. „Exklusivverträge mit
mit haufenweise ne- statt Ecken und Kanten von Studenten unter-
gativen Nachrichten. schieden: den „philoso-
dem Schicksal existieren nicht.“ Witzig beschreibt Jeder Quelle-Katalog, jeder Opel erinnert an die phischen Kopf“, der mit idealistischem Enthusi-
Ankowitsch die Fallstricke des Lebens. Also: Ent- Wirtschaftskrise. Pausenlose Katastrophenmel- asmus studiert – und den „Brotgelehrten“, der
spannt euch, werft einen Blick in das Buch – und dungen aus den Unternehmen erschüttern jedes nur für „Amt, Geld und Ansehen“ zur Uni geht.
auf unser Online-Portal plichtlektuere.com. Dort Selbstbewusstsein und ersticken jeden Funken Natürlich hat sich der Querdenker Schiller über
lest ihr ein Interview mit dem Autor. lipe Zuversicht. Dabei ist die Lage längst nicht so düs- die Brotgelehrten lustig gemacht. Heute versucht
ter, wie viele denken (siehe Text auf Seite 10). jeder, der fleißigste Brotgelehrte zu werden: eine
Christian Ankowitsch: „Dr. Ankowitschs Klei- Generation stromlinienförmiger Streber, in der
ner Seelenklempner“, Rowohlt, 19,90 Euro. Doch wir Studenten ergeben uns der irrationa- es keinen Raum gibt für Ecken und Kanten. Da-
len Angst. Das Streben nach beruflichem Erfolg bei sollte das Studium gerade dazu dienen, eine
A367_09 HERZ-STÜCK S09

verlangt, sollte man sie ihm gönnen. Sonst ra-


ckert man sich zwar ab, arbeitet und lernt aber
ineffizient.

So sehr wir uns verkrampfen – wir können un-


sere Zukunft nicht planen. Die Karriere ist keine
Autobahn, auf der wir bloß die richtige Ausfahrt
nehmen müssen. Auch wenn wir vermeintlich
falsch abgebogen sind, muss das kein Drama
sein: So wenig gute Uni-Leistungen eine erfolg-
reiche Karriere bedingen, so wenig verbauen
schlechte Leistungen zwangsläufig den Weg. Der
Tipp des Psychologen Alfred Gebert: „Durchbre-
chen Sie Vorschriften, sammeln Sie fachfremde
Erfahrungen, machen Sie ruhig mal ein Semester
Pause.“ Man muss sich nur die unzähligen Vorbil-
der ansehen, die Karriere gemacht haben, obwohl
– oder vielleicht gerade weil – sie aus Strukturen
ausgebrochen und ihren eigenen Weg gegan-
gen sind. Star-Regisseur Sönke Wortmann („Das
Wunder von Bern“) spielte nach dem Abi drei
Jahre lang Fußball unter anderem bei Westfalia
Herne, studierte anschließend ein Semester So-
ziologie in Münster und ging danach sechs Jahre
lang auf die Filmhochschule in München. Seinen
Abschluss machte er mit 30. Auch Apple-Gründer
Steve Jobs, Facebook-Gründer Mark Zuckerberg
und Microsoft-Gründer Bill Gates sind Studien-
abbrecher, die inzwischen Milliarden besitzen.
Geplant hatte das keiner von ihnen.

Nur eines ist sicher: Wer sein gesamtes Studen-


tenleben in der Bibliothek oder im Praktikum
verbringt, wird es am Ende bereuen. Wer in blin-
der Angst das heutige Glück gegen ein vages Si-
cherheitsversprechen für morgen tauscht, wird
womöglich am Ende ohne alles dastehen. Ohne
Sicherheit – aber vor allem: ohne Glück.

Mehr zum Thema


Das Glück geht manchmal krumme Wege: Die
Dortmunderin Sabrina Kohlpoth hat ihr Chemie-
Studium geschmissen. Ihr Arbeitsplatz ist nun
ein Schiffsdeck. Die ganze Geschichte lest ihr auf
unserem Online-Portal www.pflichtlektuere.com

text Johannes Zuber,


foto TiBiTu

eigene Persönlichkeit zu entwickeln.


Viele meinen zu wissen: Glück – das ist ein si-
cherer Job und eine erfolgreiche Karriere. Aber
HINTERGRUND Studenten an, unter psychischen Störungen zu
stimmt das? Marilyn Monroe hat gesagt: „Karri- leiden. Vergleichswerte zu früheren Jahren gibt es
ere ist etwas Herrliches, aber man kann sich in allerdings nicht.
einer kalten Nacht nicht an ihr wärmen.“ Und Einen Besorgnis erregenden Befund zeigt auch eine
schon der antike griechische Philosoph Epikur Endstation Burnout Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr
wusste: Glücklich ist, wer Augenblicke auskos- Ritalin zur Referatsvorbereitung, Angstzustände 2007. Demnach sind zehn Prozent der Medika-
tet, Zukunftsängste vermeidet, Ehrgeiz zügelt. vor der Zwischenprüfung und Depressionen wegen mente, die Studenten verschrieben bekommen,
Dauerhaftes Glück bringen seiner Ansicht nach der Diplomarbeit: Offenbar leiden immer mehr Antidepressiva. Das ist doppelt so viel wie bei
nur soziale Beziehungen. Aber Freundschaften zu Studenten unter psychischen Problemen. Das Deut- gleichaltrigen Berufstätigen. Der Erhebung zufolge
pflegen, braucht Zeit – Zeit, die beim Hetzen vom sche Studentenwerk berichtet, dass Studierende leiden 16 Prozent der Studenten unter depressiven
Hörsaal zur Karrieremesse nicht bleibt. in den vergangenen Jahren vermehrt mit Burnout- Verstimmungen. Elf Prozent der 3300 Befragten
Symptomen in die Beratungsstellen kommen. Von klagten über Albträume, neun Prozent über Ängste
Klar, ein Bummelstudium mit anschließendem
einer „Besorgnis erregenden Entwicklung“ spricht und Phobien.
Vegetieren in Praktika oder Arbeitslosigkeit
macht auch nicht glücklich. Jeder will eigenes der Präsident des Deutschen Studentenwerks Die Studienautoren haben aber auch eine beruhi-
Geld verdienen und einen Job, der Spaß macht. Professor Rolf Dobischat. Er lehrt am Institut für gende Nachricht: Insgesamt geht es Studenten ge-
Verkrampftes Lebenslauf-Pimpen führt aber Berufs- und Weiterbildung der Uni Duisburg-Essen: sundheitlich offenbar besser als ihren arbeitenden
nicht ans Ziel. Der Münsteraner Psychologe Alf- „Die Studierenden stehen unter immer stärkerem Altersgenossen. Sie gehen seltener zum Arzt und
red Gebert rät, auch mal zu entspannen. „Selbst Erwartungs-, Leistungs- und vor allem Zeitdruck.“ bekommen weniger Medikamente verschrieben.
Gott hat am siebten Tag Pause gemacht. Das Ge- Bei der 18. Sozialerhebung des Deutschen Stu- Befragt nach ihrem allgemeinen Gesundheitszu-
hirn strukturiert sich, wenn man Pause macht“, dentenwerks im Jahr 2006 gaben neun Prozent stand gaben satte 87 Prozent der Studenten an, es
sagt Gebert. „Unser innerer Schweinehund meint der männlichen und zwölf Prozent der weiblichen gehe ihnen gut bis ausgezeichnet. jj
es gut mit uns.“ Wenn der Körper nach Pausen
S10 HERZ-STÜCK A367_10

Kein Grund zur Panik


Aller Zukunftsangst zum Trotz: Unter Akademikern herrscht praktisch Vollbeschäftigung. Besonders
gefragt sind Naturwissenschaftler und Techniker. Auch für Geisteswissenschaftler gibt es Hoffnung.

D
ie Lage auf dem Arbeitsmarkt ist für
Akademiker weniger dramatisch, als
viele fürchten. Fast alle Uni-Absolven-
ten haben einen Job. Die Arbeitslosen-
quote unter Akademikern lag 2008
bundesweit bei 3,3 Prozent, berichtet das Institut
der Deutschen Wirtschaft (IW) in Köln. Zum Ver-
gleich: Unter den Menschen ohne Berufsausbil-
dung waren 13,8 Prozent ohne Job.

Für Beunruhigung sorgte zuletzt eine Studie des


Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), wonach
die Zahl der Arbeitslosen mit Fachabi, Abi, Fach-
hochschul- oder Universitätsabschluss gegenüber
August 2008 um 24 Prozent gestiegen sei. Kritiker
bemängelten allerdings, dass die Zahlen dramati-
scher klängen als sie sind. Es handele sich um eine Auch wer sich mal eine Pause gönnt, verpasst damit
Steigerung auf niedrigem Niveau. Insgesamt gab noch lange nicht den Zug ins Arbeitsleben.
es laut DGB im vergangenen August bundesweit
480.000 Arbeitslose mit Fachabi, Abi, Fachhoch-
schul- oder Uniabschluss. Holger Schäfer vom IW Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsfor- durchschnittlich oft keine Festanstellung und
erklärte, die steigende Zahl an Arbeitslosen mit schung (IAB) in Nürnberg prognostiziert, dass verdienen weniger als ihre Altersgenossen in So-
Abitur, Fachhochschul- oder Uniabschluss liege bis 2020 Hochqualifizierte in allen Arbeitsfel- zial- und Wirtschaftswissenschaften.
daran, dass die Zahl der Abiturienten steige. Die dern fehlen werden. Das IAB erwartet, dass sich
Arbeitslosenquote unter Akademikern liege seit Firmen zunehmend für „Quereinsteiger aus eher Im Schnitt verdienen Akademiker hierzulande
über 20 Jahren bei drei bis fünf Prozent. untypischen Studienfächern“ öffnen müssen. zehn Jahre nach ihrem Abschluss 60.000 Euro
brutto. Aber auch hier gibt es Unterschiede: Bei
Je nach Branche sind Uni-Absolventen aber un- Auch Geisteswissenschaftler können aufatmen. Wirtschaftsingenieuren landen im Schnitt mehr
terschiedlich gefragt: Besonders gebraucht wer- Nach Angaben des Hochschul-Informations-Sys- als 100.000 Euro auf dem Konto, während Sozial-
den MINT-Akademiker (Mathematiker, Ingenieu- tems (HIS) sind sie langfristig im Durchschnitt pädagogen lediglich 30.000 Euro verdienen.
re, Naturwissenschaftler, Techniker). Laut IW Köln nicht häufiger arbeitslos als Absolventen ande-
gibt es in diesem Jahr 61.000 mehr offene Stellen rer Fachrichtungen. Allerdings sind Geisteswis- text Stephanie Kwoll
foto TiBiTu
als MINT-Akademiker auf Jobsuche. Vom Fach- senschaftler kurzfristig schlechter dran. Ein Jahr
kräftemangel angesichts des demografischen nach dem Abschluss arbeiten sie vornehmlich
Wandels profitieren aber auch andere Branchen: in Werks- und Honorarverträgen, haben über-

GASTKOMMENTAR VON PETER ZIMMERMANN


D
er Unialltag von Bachelor-Studenten ist für das politische Engagement war mehr Raum Oftmals ist der
heute vor allem von Stress geprägt, das und Zeit da. Politisches Engagement ist ein wich- Stress der Studie-
spüre ich in meinen Vorlesungen und tiger Faktor, um das Gefühl zu verstärken, dass renden aber auch
Sprechstunden. Die Studenten befin- man Einfluss nehmen kann und nicht machtlos selbst produziert
den sich vom ersten Vorlesungstag an allen gesellschaftlichen und politischen Verände- beziehungswei-
in einer Prüfungssituation, weil jede Note auch rungen gegenübersteht. se überzogen. Sie
für die Abschlussnote zählt. Entsprechend ist ihr sollten sich nicht
Ziel in den Lehrveranstaltungen oft nur noch, ei- Heute ist die Situation anders, darauf müssen von der allgemei-
ne gute Note zu erhalten. Die inhaltliche Ausein- sich die Studierenden einstellen. Wichtig ist, nen Studierhektik
andersetzung mit dem Stoff ist zweitrangig. Nur dass sie früh lernen, sich selbst zu organisieren mitreißen lassen.
noch selten gibt es Studierende, die wirklich Spaß und sich die eigene Zeit gut einzuteilen. Das ist Oder anders ausge-
an wissenschaftlicher Reflexion und kritischer schon die halbe Miete. Ich plädiere zudem dafür, drückt: Wer schnell
Auseinandersetzung haben. Das ist schade und das Bachelor-System zu korrigieren. So müsste und gut ans Ziel
problematisch, weil genau diese Entwicklung am zum Beispiel klar berechnet werden, was es für kommen will, soll-
Bildungsauftrag der Universität vorbeigeht. den Stundenplan eines Studierenden bedeutet, te langsam gehen!
wenn er 30 Creditpoints im Semester machen Das heißt natürlich nicht bewusst trödeln, son-
Besonders wichtig ist es den Studierenden heute, soll. In manchen Fällen wurden ja die alten Di- dern ab und zu innehalten.
schnell fertig zu werden. Das war anders, als ich plomstudiengänge, für die acht bis zehn Semes-
noch studierte. Damals wurde nicht so gehetzt. ter Zeit war, einfach in den sechssemestrigen BA Dr. Peter Zimmermann leitet die Bachelor- und
Außer bei der Zwischen- und der Abschlussprü- gepresst. Klar, dass die Studierenden das nicht Masterstudiengänge der Fakultät Erziehungswis-
fung gab es keine Noten, ein Wechsel des Studi- schaffen können. Wenn die Stundenberechnun- senschaft der TU Dortmund.
ums oder ein Pausieren war relativ einfach und gen noch einmal überdacht würden, könnten die
die vorlesungsfreien Zeiten waren länger. Auch Studierenden entlastet werden.
A367_11 HERZ-STÜCK S11

Jens Jüttner, Stephanie


Jungwirth und Marie Lan-
Ist ein glatter Lebenslauf alles ?
fermann haben mit Perso-
nalern gesprochen.

UMGEHÖRT

Dr. Frank Stefan Becker, Hoch- Heidi Palm, Leiterin Nachwuchsge- Dirk Pfenning, Abteilung
schulexperte bei Siemens winnung bei der Deutschen Bahn Sourcing and Hiring bei Bayer

Wie wichtig sind Ihnen Bestnoten und ein schnelles Studium?

Gute Noten – das ist zum Beispiel ei- Die Semesterzahl allein ist nicht wich- Beides sind neben vielen anderen rele-
ne Zwei – sind ein wichtiges Kriteri- tig, gute Noten natürlich schon. Aber vante Punkte bei der Einstellentschei-
um. Schließlich müssen wir aussor- der Lebenslauf kann auch Lücken ha- dung. Ein „gerader“ Lebenslauf hat den
tieren. Jemand, der sein Examen mit ben. Grundsätzlich sind Auszeiten Vorteil, dass er weniger erklärungsbe-
3,5 gemacht hat, kommt eher nicht in nicht schlecht. Ebenfalls Zeiten, in de- dürftig ist. Sofern gute Gründe für „un-
Frage. Es ist gut, wenn jemand ziel- nen der Bewerber gearbeitet hat, um übliche“ Stationen vorliegen, ist dies
strebig studiert hat. Aber mit 28 Jah- zum Beispiel das Studium zu finan- aber kein Nachteil. So kann zum Bei-
ren ist zum Beispiel kein Bewerber zu zieren. Wichtig ist, dass der Bewerber spiel ein Studienfachwechsel bei guter
alt. Einen Typen, der sich nur auf sein gut erklären kann, warum er welche inhaltlicher Begründung absolut sinn-
Studium konzentriert hat, können wir Schritte gegangen ist und was ihm das voll sein. Neben den fachlichen Qualifi-
nur in wenigen Bereichen gebrauchen gebracht hat. kationen spielen auch „Soft Skills“ wie
– zum Beispiel im juristischen. Wir zum Beispiel Kommunikations- und
brauchen Leute, die einen Blick haben Teamfähigkeit eine große Rolle.
für das, was um sie herum vorgeht.

Woran erkennen Sie einen Charakterkopf, der das Unternehmen weiterbringt?

Wir schauen: Was hat ein junger Die Mischung machts: interessante Wichtig ist, dass der Bewerber klare
Mensch außer seinem Pflichtpro- Praktika, Auslandsaufenthalte und Vorstellungen von seinem beruflichen
gramm an der Uni gemacht? Hat er natürlich auch gute Noten. Ein Aus- Einstieg hat und Ambitionen zeigt,
zum Beispiel einmal eine Gruppe ge- landsaufenthalt ist aber zum Beispiel sich fachlich und persönlich weiter-
leitet? Ziel des Bewerbungsgespräches keine Pflicht. Zunächst lernt der Per- zuentwickeln. So schaut der jewei-
ist es, Persönlichkeitsmerkmale wie sonaler den Bewerber natürlich im- lige Personalvorgesetzte zum Bei-
Eigeninitiative herauszuarbeiten. Wir mer über die reinen Zahlen in seiner spiel nicht auf die Abschlussnote, ein
fragen uns zum Beispiel: Könnte der Bewerbung und dem Lebenslauf ken- schnelles Studium oder Auslandsauf-
Bewerber das Unternehmen einmal nen. Aber im Accessment-Center und enthalte allein. Ausschlaggebend ist
bei einer Podiumsdiskussion an einer im persönlichen Gespräch zeigt sich vielmehr der persönliche Eindruck des
Uni repräsentieren? Wenn dann da ein dann zum Beispiel auch die soziale Personalvorgesetzten, inwieweit sich
Typ säße, der nur ein Zahlenmensch Kompetenz des einzelnen Bewerbers. diese Punkte auch im Verhalten und
ist und etwas von Gewinnsteigerung Wissen des Bewerbers widerspiegeln.
erzählt, ist das kontraproduktiv.

Was raten Sie einem Studenten, der bei einer Bewerbung seine Stärken jenseits der Uni zeigen will?

Ich rate ihm: Schauen Sie sich die Stel- Die Leistungen sollten in jedem Fall in Der Bewerber sollte das unbedingt
lenausschreibung ganz genau an und den Lebenslauf aufgenommen werden, tun, sofern die Qualifikationen für
arbeiten Sie im Bewerbungsschreiben wenn es passt. Dinge die jemanden ge- die Stelle relevant sind. Auch Online-
heraus, was Sie in dem Unternehmen prägt und bewegt haben, interessie- Bewerbungen bieten Raum zu Infor-
Besonderes beitragen können. Wenn ren den Personaler. Was der Bewerber mationen über Interessen jenseits der
Sie zum Beispiel Französisch sprechen rechts und links des Studiums gemacht Ausbildung. Wenn zum Beispiel ein et-
und sich ensprechend bei L‘Oreal be- hat, kann entscheidend sein. Auf die was älterer Absolvent mit einer 2,3 als
werben, einem französischen Unter- im Lebenslauf genannten Punkte kann Abschlussnote schon Führungsverant-
nehmen, dann merkt der Personaler: der Personaler dann im persönlichen wortung im Betrieb der Eltern über-
„Aha, da hat sich jemand Gedanken Gespräch auch zurückkommen. nommen hat, kann er gegenüber ei-
gemacht. Er will nicht nur eine Posi- nem jüngeren Bewerber mit besseren
tion haben, sondern zu diesem Unter- Note im Vorteil sein, wenn Führungs-
nehmen dazugehören.“ qualitäten für die Stelle gefordert sind.
S12 RUHR-BLICK: MITTEN IM LEBEN A367_12

Toleranz? - Fehlanzeige
Unsere Gesellschaft gibt sich gern toleranter als sie ist. In diesem Jahr feiert das Essener
Referat für Schwule, Bisexuelle und Lesben 25-jähriges Jubiläum. Zu tun gibt es viel.

D
ie Tür geht auf: Eine Gruppe junger
Männer zwischen 16 und 19 Jahren be-
tritt das Essener Café „Vielfalt“. Kurz
darauf nimmt einer von ihnen einen
Trinkbecher und kippt den Inhalt in die
Gesichter zweier Cafébesucher. Dann stürmt die
Gruppe davon. Im Becher war kein Kaffee oder
Tee – Es war Urin. Getan haben die zwei Cafébe-
sucher nichts. Die Tatsache, dass sie schwul sind,
war für die Gruppe Grund genug.

Das selbe Café, ein ähnlicher Fall: Ein Mann läuft


hinaus, beginnt zwei lesbische Frauen anzupö-
beln. Die Beiden haben Glück im Unglück: leich-
te Verletzungen und zerrissene Klamotten als
Erinnerungen an diesen Abend. Übergriffe auf
schwul-lesbische Einrichtungen wie das Café
„Vielfalt“ sind nichts Neues. Doch gerade in der
letzten Zeit häufen sie sich, hat Marc Claaßen
beobachtet. Er arbeitet im Café und ist Sozialpä-
dagoge. „Früher gab es derartige Fälle kaum“, er-
innert er sich.

Verschont bleibt auch das schwul-lesbische Ju-


gendzentrum „Enterpride“ in Mülheim nicht.
Der Christopher-Street-Day: Spaßveranstaltung ohne
„Auch dort wurden Besucher beschimpft und ver- politischen Tiefgang?
folgt“, weiß Claaßen. Gelegentlich kleben dort so-
gar Aufkleber mit der Aufschrift „Nicht wirklich
deutsch!“ an der Café-Tür – vermutlich von rech- Laut einer Umfrage stehe jeder Dritte Menschen Spaß nach Köln trieb: „Für mich hat der Christo-
ten Organisationen angebracht. Marc Claaßen mit einer sexuell anderen Neigung kritisch ge- pher-Street-Day keine politischen Hintergründe,
vermutet als Grund für solche Übergriffe die zu- genüber, sagt Ute Klammer, Prorektorin für Di- ich gehe nur wegen der Partystimmung hin.“
nehmende Perspektivlosigkeit vieler Menschen. versity Management an der Uni Duisburg-Essen. Aussagen wie diese findet Bach erschreckend.
„Die Finanzkrise, fehlende Arbeitsplätze und die „Eine Mischung aus Spaß und politischem Enga-
daraus resultierende Langeweile erzeugt Frustra- Intoleranz gibt es auch in den obersten Etagen gement wäre der richtige Weg.“
tion bei einigen Menschen“, meint er. „Man sucht der Hochschule, weiß Eva Siegfried, die an der
nach einem Schuldigen. Randgruppen und Min- Uni Duisburg-Essen studiert: „Ein Professor frag-
derheiten sind da als Opfer prädestiniert.“ te uns in der Vorlesung, was der Autor eines Bu- Früher mehr Engagement
ches mit seiner literarischen Figur ausdrücken Bach erinnert sich an die 80er Jahre, als Homo-
wolle. Als niemand darauf kam, sagte er, dass es sexuelle sich ihre „Grundrechte“ noch erkämpfen
Intolerante Professoren sich hier nur um einen Hinterlader handeln kön- mussten. In den Gründungsjahren des schwul-
Doch es sind nicht nur die vermeintlich „Geschei- ne – zu deutsch: um einen Schwulen.“ lesbischen Referats galt es schon als provokant,
terten“, die auch heute noch ein Problem mit als Schwuler überhaupt öffentlich aufzutreten.
Homosexuellen haben. Auch angehende Akade- Angesichts dieser Zahlen übt Axel Bach, Ehren- Demos waren damals noch an der Tagesordnung.
miker zeigen sich intoleranter als vielleicht er- mitglied des „Essener schwul-lesbischen autono- Gefesselt, mit zugepflastertem Mund, in adret-
wartet. men Referats“ (SchwuBiLe), Kritik am mangeln- ten Anzügen gekleidet und gewappnet mit der
den Engagement. „Die Referate sind zu wenig Plakat-Aufschrift „So wollt Ihr uns: als angepass-
politisch aktiv. Sie haben das Niveau von Selbst- te Schwule“ hat Ende der 80er Jahre eine kleine
hilfegruppen erlangt. Genau diese Vorfälle und Schwulen-Gruppe den Mensa-Eingang der Uni
Zahlen müssten uns doch wachrütteln.“ Duisburg belagert. „Sich politisch zu engagieren,
war selbstverständlich“, erinnert sich Bach. „Es
sollte auch heute noch eine der Hauptaufgaben
Mehr Party, weniger Politik für alle Vereine und Referate Homosexueller sein,
Bach kennt sich in der Essener Szene aus und kri- aufzuklären und politisch zu wirken.“
tisiert offen die neue Generation Homosexueller:
Ihre Online-Foren würden sich zunehmend zu text Martina Vogt
reinen Partyportalen entwickeln. Und vor allem foto Dennis Pfeiffer-Goldmann, Caroline Biallas
der Christopher-Street-Day werde immer weni-
ger als öffentliche Plattform genutzt um politi-
sche Probleme anzusprechen. In der Tat scheint
es, als würde der Demonstrationstag für Lesben,
Schwule und Bisexuelle heute weniger als poli-
Axel Bach, Referent des „SchwuBiLe“, kritisiert den tisches Sprachrohr genutzt. So war der 19-jähri-
fehlenden politischen Fokus der Referate. ge Simon Ahrens aus Bremen beim diesjährigen
Christopher-Street-Day nicht der Einzige, den der
A367_13 RUHR-BLICK: MITTEN IM LEBEN S13

„Ich wollte es mir lange nicht eingestehen“


Von Dozenten belächelt, von Freunden verraten: Melanie L. spricht über ihr Outing.

M
elanie hatte in ihrem Leben schon ei- worden zu sein. Auch wenn das eigene Outing
nige Coming Outs – vor ihrer Familie, gut verläuft, geht diesem meist eine Zeit der
vor Freunden, in der Ausbildungs- Unsicherheit voraus. „Viele verhielten sich nach
stätte, in der Berufsschule und zuletzt dem Outing mir gegenüber anders. Sie gaben
in der Uni. Wie schwer es jedes Mal das Geheimnis weiter.“ Melanie kapselte sich ab.
war, erneut in das verhaltene Gesicht des Ge- „Ich habe oft lange gewartet, bis ich jemandem
genübers zu schauen, daran erinnert sie sich nur richtig vertrauen konnte und mich dann wieder
ungern. „Aber ich wollte mich outen, um Klarheit geoutet habe.“ Von ihren Freunden an der Uni
zu schaffen, ich will mich nicht verstecken.“ Die wissen es nur zwei Personen. „Die beiden haben
22-Jährige studierte bis vor kurzem noch an der kein Problem damit.“ Anders sehe es in den Vor-
TU Dortmund Rehabilitationswissenschaften. lesungen aus. „Es wurden Modelle von Gesund-
Dass sie lesbisch ist, wusste sie bereits in der heit und Krankheit besprochen, Krankheitsbilder
Pubertät. Damals versuchte sie das Thema zu wurden erörtert.“ Beim Thema Aids sprach der
verdrängen: „Ich wollte es mir einfach nicht ein- Dozent über Homosexualität und all die über-
gestehen“, sagt sie. Später plante sie ihr Outing, holten Ansichten aus den 70er Jahren. „Meine
verlor aber immer wieder den Mut. Kommilitonen witzelten bei dieser zynischen
Betrachtungsweise des Themas.” An eine heuti-
Die Gewissheit, homosexuell zu sein, meint Me- ge grundlegende Gleichstellung glaubt Melanie Melanie glaubt nicht an eine Gleichstellung.
lanie, sei heute mit dem gleichen Ausmaß an Un- nicht: „Wie soll jemand, der homosexuell ist, den
sicherheit verbunden wie vor 30 Jahren. „Unsere Mut dazu bekommen sich zu outen, wenn das
Gesellschaft ist nicht so tolerant wie es scheint.“ Thema selbst an Universitäten belächelt wird?“ Kontakte zu den Referaten unter:
Mehr als jeder zweite homosexuelle Jugendliche Dennoch sei es vor allem für einen selbst wich- www.pflichtlektuere.com
muss mit größeren Belastungen fertig werden tig, sich zu outen. „Es endlich gesagt zu haben, er-
als gleichaltrige heterosexuelle Jugendliche. Nur leichtert sehr. Ich stehe zu dem was ich bin, auch text Martina Vogt
etwa ein Prozent aller lesbischen und schwulen wenn es immer wieder Kraft und Überwindung foto Melanie L.
Jugendlichen gibt an, noch nicht diskriminiert kostet, mich anderen gegenüber zu offenbaren.“
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Von Atheismus über Autismus bis hin zu Aktionismus

PROMI-TIPP: Vince Eberts Lieblingsbuch DER FILM:


Makkaroni mit Käse bis hin zu
Der Bestsellerautor von „Denken seiner Angewohnheit, erst alle
sauberen Klamotten im Schrank
Sie selbst!“ empfiehlt: zu tragen, bis er die Waschma-
schine benutzt.
Richard Dawkins Adam ist hochintelligent, aber
zu keiner Empathie fähig. Dieses
„Der Gotteswahn“ Dilemma spitzt sich weiter zu, als
seine neue Nachbarin Beth (Rose
Verlag: Suhrkamp Byrne) einzieht. Zwischen den
beiden entwickelt sich eine zarte
Preis: 19,80 Euro Liebesbeziehung.

Theaterregiesseur Max Mayer


ist ein ganz großer Coup gelun-
Ebert zum Buch: viel besser: Er hangelt sich mit gen. Adam braucht den Vergleich
„... Als großer Atheist empfehle ich Halbwissen über Theologie und mit Filmen wie „Rainman“ oder
das Buch „Der Gotteswahn“. Ein Philosophie durch eine oberfläch- „Irgendwo in Idaho“ nicht zu
ganz tolles Buch, sowohl für gläu- liche, reißerische Argumentation. scheuen und ist mehr als nur ein
bige als auch ungläubige Menschen. Gäbe es keine Religion, würden Adams (brillant: Hugh Dancy) Geheimtipp für Programmkino-
Er stellt Statements in den Raum, die Menschen auch nichts Böses Trauer über den Tod seines Va- Fans. jj
mit denen man sich selbst als sehr tun, sagt Dawkins. Damit macht ters besteht nur darin, seinen Er-
gläubiger Mensch auseinander set- er einen Fehler: Er kritisiert nicht zeuger von der Hausarbeitsliste
zen sollte. Und es ist kein atheisti- die Religion an sich, sondern die der gemeinsamen Wohnung zu Adam
scher Fundamentalismus, was ihm Menschen, die in ihrem Namen streichen. Was makaber anmutet,
ja vorgeworfen wird.“ handeln. Dass er das nicht von bekommt einen traurigen Nach- Regie/Drehbuch:
seiner wissenschaftlichen Ausein geschmack, wenn dem Zuschauer Max Mayer
Meine Kritik: andersetzung mit der Gotteshy- klar wird, dass er unter dem As-
Richard Dawkins wettert gegen pothese trennen kann ist schade perger-Syndrom leidet, einer Form Kinostart: 12.12.2009
intolerante Christen, die ihm für alle Atheisten, die uch über von Autismus.
als armen Atheisten das Leben den Tellerrand schauen können. Alles in Adams Leben ist standar-
schwer machen. Leider ist er nicht lea disiert – von den allabendlichen

EXIT -
RAFF DICH AUF, GEH RAUS!
lergenie. Man lernt den Künstler von einer
ganz anderen Seite kennen. Oder wusstet
26.11.09 – „Campus Ahoi“ im FZW ihr, das einige seiner Zeichnungen aussehen
Dortmund wie Comics? Monet hat nämlich schon ganz
Wer Freitag ausschlafen kann, geht früh angefangen zu zeichnen - und da war
am Donnerstag im FZW rocken! Die von Seerosen noch nicht so viel zu sehen.
Party vom Dortmunder Campusradio
eldoradio*.
** Tipp 2!
30.11.09 – Max Herre im Gloria in Buddy Holly - Musical
Köln (Zusatzkonzert) voraussichtlich bis Sommer 2010 – Colosse-
Mit seinem neuen Album „Ein ge- um-Theater in Essen
schenkter Tag“ ist der Sänger auf Weihnachten steht vor der Tür. Habt ihr
Tour. schon alle Geschenke?
Sonst der Tipp für die Rock‘n‘Roll-Begeister-
05.12.09 – 2. Wintergrillen-Ver- ten in eurer Familie: Buddy Holly in Essen!
einsmeisterschaft am Dortmunder * Tipp 1! Für alle, die ihn nicht kennen: Es geht um den
Hauptbahnhof Claude Monet Rocker mit der Hornbrille, der viel zu jung
Hier geht‘s um die Wurst! Der Tipp noch bis 28.02.10 – Von-der-Heydt-Museum bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.
für jeden, der auch im Winter auf das Wuppertal Das Musical erzählt seine Erfolgsgeschichte
Grillen nicht verzichten will. Wann hat man schonmal die Möglichkeit, - und alle seine Klassiker von „Peggy Sue“ bis
100 Werke des berühmten Impressionisten „Oh Boy“ laden zum Klatschen und Mitsin-
jederzeit – der Winter-Depression Claude Monet zu sehen? Jeder kennt die Bil- gen ein. Die Tickets gibt‘s ab 39 Euro. Falls ihr
entgegenwirken: Raus in die Natur. der von seinem Seerosen-Teich. Wer mehr selbst nostalgisch rocken wollt - unser Tipp:
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GLÜCK Impressum
WUNSCH Herausgeber Institut für Journalistik, TU Dortmund
Projektleitung: Prof. Dr. Klaus Meier
Redaktionsleitung: Vanessa Giese (vg), ViSdP
Redaktion: Uni-Center, Vogelpothsweg 74, Campus Nord, 44227
Dortmund Tel: 0231/755-7473, Fax: 0231/755-7481
Briefanschrift: pflichtlektüre, c/o Institut für Journalistik, TU
Dortmund, 44221 Dortmund
E-Mail: post@pflichtlektuere.com
Produktion: Tobias Jochheim (tjo) und Daniel Klager (tni)
Bild: Daniel Gehrmann (dg), Nadine Maaz (nm), Elvira Neu-
endank, Pascal Amos Rest, Katja Seidl
Titelbild: Tibitu und freundlicher Unterstützung von HENSEL Die kommenden Top Highlights:
Studiotechnik bei der Produktion
New Moon – Bis(s) zur Mittagsstunde
An dieser Ausgabe haben mitgewirkt: Caroline Biallas, Susann Eber-
Heißersehnte Bestsellerverfilmung des zweiten Teils
lein (se), Sandra Finster (fin), Tobias Fülbeck (tf), Johanna von Stephenie Meyers legendärer Vampirsaga um die
Fritz (jf), Lea Grote (lea), Agnes Heitmann (ah), Lisa Helberg, epische Liebesgeschichte zwischen Vampir Edward und
Florian Hückelheim (fh), Jens Jüttner (jj), Stephanie Jung- Bella. Ab dem 26.11.2009 in Ihrer UCI KINOWELT!
wirth (juwi), Sarah Keller (sk), Michael Klingemann, Jonas
Knoop (jk), Stephanie Kwoll, Mareille Landau, Marie Lanfer- Zweiohrküken
mann, Jonas Mueller-Töwe (jmt), Malina Opitz (mao), Siola Heißersehnte turbulent-romantische
Panke (sp), Linus Petrusch (lipe), Dennis Pfeiffer-Goldmann, Fortsetzung der Erfolgskomödie Keinohrhasen
von und mit Til Schweiger und Nora Tschirner,
Melanie Gralke hat die Ti- Miriam Sahli (miri), Sarah Salin (sal), Katrin Schmidt (ks), die nun mit dem Beziehungsalltag zu kämpfen
ckets für das Konzert der Fabian Schwane (fas), Kathrin Strehle (ks), Natascha Tscher- haben. Als women‘s night am 2.12.2009 um
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