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Die Goldproduktion im Reproduktionsschema von Marx und Rosa Luxemburg

H e n r y k

von

G r 0 s s man n

(Frankfurt a. M.).

Rahmen seines

zweiteiligen Reproduktionsschemas hat seitens R 0 s aLu x e m- bur g s die heftigste Kritik erfahren. Trotz der Wichtigkeit des so umstrittenen Problems und der weitgehenden Konsequenzen, die

sich für das Marxsdie System aus der Kritik R. Lux e m bur g s ergeben würden, wenn sie zu Recht bestünde, wurde die von R. Lux e m bur g aufgeworfene Frage in der marxistischen Literatur nicht weiter erörtert. Im folgenden wird versucht, das Problem zu klären.

M a r x e n 8 Darstellung der Goldproduktion im

I. R. Luxemburgs Stellung zur Marxachen Forschungsmethode.

Annäherungsverfahrens besteht -

Die Marxsdie Methode

des

wie ich dies an anderer Stelle näher gezeigt habe 1) - aus d r e i

bilden: näm-

Iidi aus einem abstrakten R e pro d u k t ion s s ehe m a als Hilfs- mittel der gedanklichen Analyse; ferner aus den ihm zugrunde gelegten hypothetischen, ver ein f ach end e n An nah m e n; und sdrließlidi aus den vorzunehmenden na c h t r ä g 1ich e n Kor r e k tu r e n am vorläufigen, mit Hilfe der genannten Mittel gewonnenen Denkresultat. Diese drei Elemente des Marxsdien Ver- fahrens bilden also nur Teile einer als Ein he i t gedachten metho- dolegisdien Hilfskonstruktion unseres Denkens, so daß jeder

Gliedern, die ein u n z e r t ren n I ich e s Ga n z e s

1) H. G r 0 s s man 11, Das Akkumulations- und Zusammenbruchsgesetz

des kapitalistisdien Systems. Leipzig 1929, S. VI ff., und "Die Änderung des ursprünglichen Aufbauplans des Marxsdien ,Kapital' und ihre Ur-

sadien" (Ardliv f. d. Gesdi, d. Sozialismus, Jahrg. XIV, 1929).

- Die

Sperrungen in den Zitaten stammen in der Regel von mir.

- Der

I. Band des Marxsdien "Kapital" wird nadi der d r i t t e n, die "Akku- mulation" und die "Antikritik" von R. Lux e m b u r g werden nadi der

e r s t e n Auflage zitiert.

H. Grossmann: Die Goldproduktion usw.

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Teil für sidi allein, ohne die beiden anderen, für die Erkenntnis der Wahrheit jeglichen Sinn verliert. Das Marxsdie Reproduktionssche- ma allein und der in ihm dargestellte Ablauf von Produktion und Absatz beanspruchen somit nicht, ein Abbild der konkreten kapita- Iistisehen Wirklichkeit zu sein; das Sdiema gilt nicht u n mit t e 1- bar für den empirisch gegebenen Produktionsmechanismus, son- dern schildert lediglieh einen unter fiktiven, vereinfachenden An- nahmen ablaufenden "normalen" Reproduktionsprozeß, der somit nur ein vor 1ä u f i g es Erkenntnisstadium, die er s te Etappe im Annäherungsverfahren an den wir k 1ich e n Reproduktions- prozeß bedeutet.

methodelogisch fein durchdachte Verfahren

Dieses von M a r x

der stufenweisen Annäherung, das für das Verständnis des Marx- sehen Gesamtsystems von entscheidender Bedeutung ist, wird von R. Lux e m bur g nicht gesehen. Weil sie diesen Zusammenhang außer acht läßt, reißt sie das Reproduktionsschema aus seiner logi- schen Verknüpfung mit den beiden anderen Bestandteilen des Marxsdien Annäherungsverfahrens heraus, 80 daß es in dieser Iso- lierung seinen methodelogisdien Wert verliert und notwendiger- weise zur Entstellung der Ergebnisse der Marxschen Forschung führt. Daß R. Lux e m bur g selbst das Unzureichende ihrer Ein- schätzung des Reproduktionssd::temas fühlte, zeigt schon der Um- stand, daß sie - ohne sich dessen bewußt zu sein - ihre Beurtei- lung des Marxsdien Schemas wiederholt geändert und nicht weniger als d r e i verschiedene, sich gegenseitig ausschließende Deutungen

desselben gegeben hat. Sie beginnt ihr Buch mit einem Dithyrambus auf das Marxsdie Reproduktionsschema. Nicht nur wegen der darin enthaltenen ,,8 t e l l u n g des Pro b I e m s der Reproduktion des gesell- schaftlichen Gesamtkapitals" gehöre die Aufstellung des Schemas "zu den unvergänglichen Verdiensten Marxens um die theoretische Nationalökonomie". "Das kapitalistische Reproduktionsproblem

birgt in sich

deren Vereinigung sowohl in ihrem Widerspruch wie in ihrer über- einstimmung das eigentliche Problem darstellt" (Akkumulation, S.76). In der Geschichte der Nationalökonomie, sagt R. L. weiter, begegnen wir "nur zwei Versuchen einer exakten Darstellung des Problems: an ihrer Schwelle, bei dem Vater der Physiokratensdiule,

eine Anzahl e x a k t e r

V e rh ä 1t n i s 8 e,

154

Henryk Grossmann:

Q u e s n a y, und an ihrem Ausgang, bei Kar I Mal' x" (S. 1).

Aber die große historische Leistung Marxens bestehe nidit bloß in der S t e l l u n g des Pro b I e m s. "Das Marxsdie Schema ist die w iss e n s c haft l i c heL ö s u n g des Pro b I e m s"

(S. 76). Mal' x habe gezeigt, daß die beiden Abteilungen seines

Schemas "aufeinander angewiesen sind" und deshalb "gewisse Qua n t i t ä t s ver h ä I t n iss e aufweisen müssen" (S. 55), und

zwar wird "das Verhältnis beider auf ein e x akt e s Wer t v e r-

h ä I t n i s zurückgeführt" (S. 78), nämlich darauf, daß I (v + m)

"Die Zahlen dieser (Marxsdien) Formel drücken aus, die an sidi willkürlich, ihr e Ver h ä I t-

Wertgrößen

=

II c

(S. 57).

n

i s s e aber exakt sind" (S. 55). Noch mehr! R. Luxem-

h

u r g begnügt sich nicht mit der Feststellung, daß das Marxsdie

Schema unter den genannten Voraussetzungen die Lösung des Problems der Reproduktion aufzeigt, d. h. die fiktiven Bedingungen zeigt, unter welchen allein ein "Normalverlauf" der Reproduktion erfolgen kann. Statt das Marxsehe Schema als das anzusehen, was es tatsächlich ist: als ein ge dan k l i c h es Hilf s m i tt eId er

A n a I y s e der konkreten Wirklichkeit, h y pos t a sie I' t sie das

Reproduktionsschema und schreibt ihm eine objektive Existenz zu! Die exakten Proportionen des Marxschen Schemas, heißt es bei ihr, bilden die "allgemeine absolute Grundlage der gesellschaftlichen Reproduktion" (S. 56), und zwar nidit bloß für die kap i t a- I ist i s c h e Produktion, "sondern - mutatis mutandis - audi für je d e geregelte, planmäßige Wirtsc:haftsordnung, z. B. für die so z i a I ist i s c h e" (S. 75, 103). Die von R. 1. aufgerollte Frage,

ob dem Schema "objektive, gesellsdiaftlidie Ex ist e n z (!) zu- kommt" (S.47), wird positiv beantwortet: "Damit ist die 0 b j e k- ti v e gesellsc:haftlic:he Gültigkeit des Schemas erwiesen" (S. 102). Uns interessiert hier nicht dieses seltsame Resultat, zu dem R. Lux e mb u I' g gelangte: nämlich die Behauptung, daß dieses iso- lierte und wirklidikeitsferne Schema bereits unmittelbar die öko- nomische Realität widerspiegle. Tatsächlich aber geht die vorläufige Vereinfac:hung des Marxsdien Sdiemas so weit, daß in ihm weder das für den realen Wirtschaftsprozefi so wichtige fix e Kapital berücksichtigt ist, noch das Ha n deI s- und Ban k k a p i tal ebensowenig wie die GI' und I'e n teerfaßt sind; daß in ihm

k ein e Dur c h s c h n i t t s pro f i tr at e vorhanden ist, viel-

Die Goldproduktion im Reproduktionsschema usw.

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mehr ver S chi e den e Profitraten in beiden Abteilungen exi- stieren; und daß daher im Schema k ei TI e Pro du k ti 0 n s-

p I' eis

sol c h e s Schema sollte definitiv die kapitalistische Wirklichkeit

repräsentieren?

Was für uns an der Verwechslung einer vorläufigen methodolo- gisdien Fiktion mit der Wirklichkeit durc:h R. Lux e m bur g zu- nächst wic:htig ist, das ist die Ver her I' li c h u n g des Mal' x-

s c h e n S c he m a s mit seinen exakten von Mal' x aufgezeigten

Proportionen. Denn in dieser Hvpostasierung des Schemas, in der ihm zuerkannten objektiven Existenz soll doch die Tatsache zum Ausdruck gelangen, daß R. Luxemburg ihm den höchsten W a h I' h e i t s s i n n zuschreibt. Mögen seine Zahlen fingiert und willkürlich sein, ihre Verhältnisse, meint R. Lux e m bur g, sind doch exakt und behalten ihre Gültigkeit nicht nur für die kapita-

e, sondern nur abstrakte Werte auftreten. Und ein

listische, sondern auch für die sozialistische Gesellsc:haft.

Aber welch anderes Bild

von

der Bedeutung desselben Repro-

duktionssmemas wird von R. Lux e mb u I' g dort entworfen, wo sie dazu übergeht, Mal' x kritisch. "fortzuentwickeln"! In der erwähnten Abhandlung über die "Änderung des Aufbau- plans" (S.328, 332) habe ich. gezeigt, daß das Schema, wenn es die wesentlichen Bedingungen der kapitalistischen Reproduktion in sich begreifen soll, nicht beliebige Produktionszweige erfassen darf, son- dern notwendig eine Z w e i t eil u n g des Produktionsapparates:

I. in die Produktion von Produktionsmitteln, und 11. in die Pro-

duktion von Konsummitteln enthalten muß. Diese Zweiteilung bildet die Basis und den Ausgangspunkt der Marxsch.en Polemik gegen A. Sm i t h, D. R i c a I' d 0 und ihre Nach.folger im 19. Kap. des II. Bandes des "Kapital" ("Frühere Darstellung des Gegen- standes"). Auch im III. Bande seines Lebenswerkes kehrt M a rx

zu dieser Frage zurück und sagt: "Wir haben dort (d. h. im II. Bd. H. G.) alles Kapital in z w e i große Klassen geteilt: Klasse I, welche Produktionsmittel, und Klasse II, welche Mittel der individuellen Konsumtion produziert." Und schließlich spricht MaI' x von der

Sie

ist in der Tat keine Hypothese, sondern nur Ausdruck einer Tat-

,,<1 b sol u t c n R ich t i g k e i t die s e r Ein t eil u n g

sadie" (M a r x, Kapital, Ill/2, S.372).

156

Henryk Grossmann:

M ar x rechnet

bekanntlich die Goldproduktion zur Metallproduktion überhaupt, reiht sie daher folgerichtig in die Abt. I des Schemas ein: "Die Pro-

duktion von Gold gehört, wie die Metallproduktion überhaupt, zu Klasse I, der Kategorie, die die Produktion von Produktionsmitteln umfaßt" (Kapital, H, S.470). Selten wohl hat sich M a r x über irgendein anderes Ergebnis seiner Forschung so bestimmt und unzweideutig geäußert wie hier.

Und dennoch: gerade gegen diese von M a r x so nachdrücklich be- tonte "absolute Richtigkeit" der Zweiteilung des Schemas wendet sich R 0 s aLu x e mb ur g. Trotz der anfänglichen Apotheose des Marxschen Schemas glaubt sie nun doch einen schwerwiegenden Konstruktionsfehler des Schemas entdeckt zu haben, was sie ver- anlaßt, hier "von M a1'X abzuweichen". Die Einreihung des Geldes in die Abt. I des Schemas sei fehlerhaft. M a r x habe die Sünde der "Ver w e c h s I u n g der Austauschmittel mit Produktionsmitteln" begangen, was ihn zu unverzeihlichen "Unzuträglichkeiten" geführt habe (S.72). Denn das Geld sei weder den Produktionsmitteln, noch den Konsumtionsmitteln zuzuzählen. Als Austauschmittel er- fülle es eine be so n der e Zirkulationsfunktion innerhalb des Reproduktionsmedianismus. "So muß das (Marxsche) Schema als

11 n voll s t ä n d i gerscheinen"

teilung beigeordnet werden die Produktion von Austausdimitteln, für die es gerade diarakteristisdi ist, daß sie weder zur Produktion noch zur Konsumtion dienen" (S.71/72). Man muß schon über die Art der Einwände R 0 5 a Lu xe mb u r g s staunen. Sollte M a r x wirklich so elementare Kategorien verwedi- selt haben wie Austauschmittel und Produktionsmittel?! Nachdem aber M a r x einmal diese elementare Wahrheit, wie R. Lux e m- b u r g versichert, verkannt hat, ist ihm selbstverständlich auch die kompliziertere Erkenntnis entgangen, daß "die Einreihung der Geldproduktion in die Abt. I alle sachlichen und Wer t pro p 0 r-

t ion e 11 des M a r x s c h e n S c h e m a s ver l e t zen und ihm seine Geltung nehmen würde" (S. 73). Demgegenüber behauptet R. Lux e 111 bur g, daß erst die Aus- sonderung der Geldproduktion zu einer besonderen dritten Abtei- lung und deren Darstellung "in ihrer organischen Versdllingung

Auch die Reproduktion des

Geldmaterials ändert nach

nichts an der Richtigkeit dieser Zweiteilung, denn M a r x

Ihm "müßte als d r i t t e Ab-

Die Goldproduktion im Reproduktionsswema usw.

157

mit den beiden anderen Abteilungen

(! H. G.) Schema des kapitalistischen Gesamtprozesses in seinen

wes e n t I ich e n Punkten liefern würde" (S.71).

das e r s c h ö p f end e

Was bleibt denn nach

dieser mit bewunderungswürdiger Dia-

lektik geübten Kritik vom Marxschen Schema noch übrig? Nichts als ein Trümmerhaufenl Worin zeigt siro. nun diese ihre Dialektik? Zunächst werden von R. Lux e m bur g die im Marxsdien Schema aufgedeckten "exakten" Proportionalitätsverhältnisse als die größte wissenschaftliche Leistung der theoretischen ökonomie seit Q u e s- n a y gepriesen, dem Schema der höchste Wahrheitsgehalt, näm- lich die objektive Existenz zuerkannt. Nachträglich erweisen sich diese "exakten" Proportionen als illusorisch, sie bestehen gar nicht und können sogar - ohne eine dritte Abteilung im Sdiema - nicht bestehen! Das Schema sei unvollständig und irreführend, weil durch die Zweiteilung alle seine "sachlichen und Wertproportionen verletzt" werden müssen, so daH es überhaupt "seine Geltung" ver- liert. So wird das Schema von R. Lux e m bur g vom Piedestal der genialen "wissenschaftlichen Lösung" eines Problems in ein wissen- schaftliches Nichts gestürzt und als ungeeignet erklärt, in der ihm von M a r x verliehenen Gestalt die kapitalistische Produktions- weise in ihren "wes e n t I ich e n Pu n k t e n" erschöpfend dar- zustellen. Um also das Marxsche Schema zu retten, muß man es vorerst in der alten Form preisgeben und das baufällige Gebäude durch die Hinzufügung einer dritten Abteilung vor dem Zusammen- sturz bewahren. Angesiro.ts des Trümmerhaufens, der vom Marx- sehen Schema nun übrig bleibt, fragt man sidi verwundert, worin

denn eigentlich die geniale Marxsdie "wissensro.aftliro.e Lösung" des Reproduktionsproblems bestehe. Man wird an die Dichterworte er- innert: "Ach wie schön ist die Stute, leider ist sie tot!" Wie scharf aber die obige Kritik die Aufbaugrundlagen des Marx- sehen Schemas ablehnt, so beweist schon der Umstand, daß R 0 s a Lux e m bur g an eine Verbesserung des Sdiemas denkt und es durch eine dritte Abteilung zu vervollständigen sucht, daß sie dem Schema ans ich eine große prinzipielle Bedeutung als Instrument der Erkenntnis der wirtschaftlimen Erscheinungen beimißt: das Schema soll eine u n m i tt e I bar e ge d a n k li ehe W i d e r-

es in

dieser Beziehung noch große, ja wesentliche Mängel auf - und

s p i e gel u n g der Wir k li c hk e i t sei n, Zwar weist

158

Henryk Grossmann:

R. L. ist bemüht, durm Verbesserungsvorsmläge diese Mängel zu beheben -, aber an der prinzipiellen Möglimkeit einer unmittel- b.aren Vbereinstimmung zwismen der smematismen Reproduk- tionsformel und der empirismen Wirklimkeit scheint R. L. keinen

Zweifel zu haben: beabsichtigen doch gerade ihre Verbesserungsvor- smläge, das Marxscae Schema in höherem Grade, als dies bei Mal' x

der Fall war, in bringen!

Einklang mit der Wirklichkeit zu

R. Lux e m bur g bleibt aber auch bei diesen Ergebnissen ihrer Kritik des Marxsmen Schemas nidit stehen. Ihre absolute Verken- nung der wissenschaftlimen Aufgabe, die das Schema in der Marx- sehen Analyse zu erfüllen hat, ihre Auffassung, daß das von den übrigen Bestandteilen des Marxschen Annäherungsverfahrens iso- lierte Smema schon für sich allein, unmittelbar das Spiegelbild der Wirklidlkeit sei und sein solle, mußte sie bald davon überzeugen, daf das Schema mit der Erfahrung nicht übereinstimmt, daß zwismen dem Schema und dem wirklichen Ablauf der Wirlsmaft ein klaffen- der Widersprum besteht. So entstehen bei ihr Zweifel darüber, ob das Smema überhaupt ein zur Erkenntnis der Wirkli<hkeit geeig- netes Mittel sei. Sie, die sie dem Marxschen Schema zunächst "ob- jt>ktive, gesellsmaftliche Existenz" zuerkannte, wendet sim nun einer direkt gegenteiligen - nunmehr dritten - Auffassung des Schemas zu: daß das Smema (das "papierne" Sdiema, wie sie sagt, die leere mathematische Formel) sich im Gegensatz, ja im Wider- spruch zu dem wirklichen Leben befinde, Nach der m a t h e m at i- s c h e n F 0 r m e 1, nach dem Schema, gehe die Reproduktion glatt vonstatten. Aber "wie sieht die Sache im Leben aus?" (S.76). Ironisch spricht sie jetzt von den "erstaunlich glatten Resul- taten" des Marxschen Schemas, "weil wir immer bloß gewisse mathematische übungen mit Addition und Subtraktion mamen" "weil das Papier sidr geduldig mit mathematisdlen GleidlUngen beschreihej, läßt" (S.92).

Noch scheut sich R. L., daraus die

K 0 n s e q u e n z zu ziehen und

das Schema abzulehnen. Die drei gesdrildertsn Auffassungen des Schemas stehen nodi in ihrem Buch nebeneinander: ein krasser Be- weis ihrer philosophismen und methodologismen Unbeholfenheit. Als aber später R. Lux e mb u r g durch ihre Kritiker, insbeson- dere durdi die Kritik Otto Bau e r s und durch dessen Sdiema, das

Die Goldproduktion im Reproduktionssdiema usw,

159

die sdirenkenlose Akkumulation zu demonstrieren schien, in die Enge getrieben wird, da entscheidet sie sidi für die oben genannte dritte Auffassung, wirft ihren Kritikern "Vorliebe für die Schemata" vor (Antikritik, S. 6), während die Sdiemata für die Erkenntnis der Wirklidlkeit wertlos seien, weil das ökonomische Problem der Akkumulation "mit mathematischen Formeln nidrts zu tun hat" (S.6). Vergessen ist der Dithyrambus auf das Marxsdle Schema mit seinen "exakten Verhältnissen". Nun wird sie aus einer Bewunde- rin des Schemas dessen schärfste Gegnerin, die ihm j e den w i s- sen s c haft 1ich e n Wert ab s p ri c h t! Diese ihre Wendung wird freilidl dadurch verdunkelt, daß R. Lux e m bur g in erster

Linie gegen die h a r m o n ist i s c h e n Erg e b n iss edel' sdie- matisdien Analyse des Reproduktionsprozesses durch Tu g a n-

Bar a n 0 w s k y, Hilf erd i n g, Eck s t ein

und O. Bau er

kämpft. Die Art jedoch, wie sie ihre Antikritik übt, zeigt zur Ge- nüge, daß tatsächlich nicht bloß die harmonistisdien Ergebnisse der

schematischen Darstellung ihrer Kritiker, sondern die

M ö g 1ich-

k

e i t

ein e r

sc h e m a t i s c h e n

E

rf ass u n g der Wirklidlkeit

selbst bezweifelt wird. Mit Hohn spridrt sie nun

"v 0 m

0

rt ho d 0 xe 11 Ku 1tu s der

F 0 r me 1n" (S. 30) und von Schemata, "die sieh ja auf dem Papier

ins Unendliche fortführen lassen" (S.58). Statt sachlich die Kon-

struktionsfehler des Bauersehen Sdiemas nachzuweisen, beschränkt

einzige Kritik, die sie an dem Aufbau

der B~uersdlenFormeln als soldien übt - darauf, gegen O. Bau er den Einwand zu erheben, daß er den lateinischen Buchstaben c und v "wie sie M a r x zur abgekürzten Bezeidmung des konstanten und variablen Kapitals gebrauchte", nodi einige griedrisdie Buchstaben hinzugefügt hätte: "vier Tabellen, mit breiten und länglichen, ei-

sie sich - und dies ist die

förmig eingeklammerten und vierstockigen Formeln" (S.32), wo-

durch seine Tabellen "n 0 c hab s c h r e c k end er (I) aussehen als alle Smemata im Marxsdien Kapital" (S.31). Auf die Frage, ob die Kapitalisten für ihre "erweiterte Produktion einen fortschrei- tend erweiterten Absatzmarkt finden und wo sie ihn finden, können keine arithmetischen Operationen mit

f in g i er t e n Z a h 1e n auf dem Papier Antwort geben, sondern

nur die Analyse

me n h ä n g e der Pro d u k t i o n" (S. 32). Sie verhöhnt "das er-

der

ökonomischen gesellschaftlichen Zu s a m-

160

Henryk Grossmann:

götzlichste Quiproquo", d. h. die Verwechslung der Schemata mit der Wirklichkeit, "die naive Vorstellung, als ob mathematische For- meln hier die Hauptsache" wären und nicht die zu erforschende öko-

nomische Wirklichkeit. R. Lux e m bur g gelangt schließlich zum Ergebnis, "daß m a t h e m a t i s c h e S c h e m a t a in der Frage

der Akkumulation übe r

hau p t

n ich t s

b e w eis e n

k ö n-

n e n, da ihre

Damit wird von R. Lux e mb u r g ein Zwiespalt zwischen den wissenschaftliehen Darstellungsmethoden und der darzustellenden ökonomischen Wirklimkeit hineinkonstruiert: der Wirklichkeit wird die papierene Formel gegenübergestellt, während doch diese For- mel - das Schema - bloß ein Hilfsmittel zur gedanklichen Wieder- gabe der Wirklichkeit sein soll! Die Analyse der ökonomischen ge- sellsdiaftlichen Zusammenhänge wird in G e gen s atz zu den arithmetischen Operationen des Schemas gebracht, obwohl dodi das Schema den Anspruch erhebt, eben ein Instrument der geforderten Analyse der gesellschaftlichen Zusammenhänge zu seinl

Indem R. 1. nun den "orthodoxen Kultus der Formeln" auslacht und von den "absdlreckendcll" Marxsdicn Sdiemata spricht, ge- langt sie auf methodelogischem Gebiet in die bedenkliche Nähe R. Liefmanns und R. Wilbrandts, deren Äußerungen über das Marxsdie Reproduktionsschema hier als Kuriosa, als für das Niveau der bürgerlichen ökonomie in ihrem Verhältnis zum Mar- xismus diarakteristische Dokumente, angeführt werden mögen. "Man sollte es nicht für möglich halten", heißt es bei Li e f man n,

"daß solche Gleichungen

örtert werden können und kein Mensch bisher den Uns i n n be-

merkte, der

rade in dem von M a r x und Eng e l s so hochgeschätzten "Formel- kram", in den für M a r x "dlarakteristismen", aber von ihm "selbst überschätzten äußeren Darstellungsformen" eine der Ursamen für die "Abwendung leb e n s k r ä f t i ger P r akt i k e 1" (!) vom ganzen Marxismus" 3).

Voraussetzung unhaltbar sei" (S. 30).

seitenlang als ökonomische Theorie er-

darin liegt 2)." W i I b r a n d t wiederum erblickt ge-

2) R.

L i e f man n,

Beteiligungs-

und

Finanzierungsgesellschaften.

4. Aufl,

Jena

1923, S. 19.

3) H. Wi 1b r a n d t,

Karl Marx, 4. Aun., 1920, S. 97.

Die Coldpl'oduktion im

Repl'Oduktionssmcma

usw.

161

Was würde man von einem Physiker denken, der den "Formel- kram" der theoretischen Physik "mit seinen fingierten Zahlen" (um mit R. Lux e mb u r g zu reden) in Gegensatz zu den zu erfor- schenden "Zusammenhängen der Natur" bringen wollte? Wird vielleimt dieser "Formelkram" eine Abneigung "lebenskräftiger Praktiker" (um das sdiöne Wort W i I b r a n d t s zu gebrauchen) gegen die Wissenschaft der Physik hervorrufen? Die Wissenschaft würde jedenfalls dadurch nicht. viel verlieren. R 0 s aLu x e m bur g übersah übrigens bei ihrer Kritik des Sehe- mas daß sie damit nicht bloß die Neo-Harmoniker H i I fe r d i n g, T u ~an- Bar a n 0 w s k y und 0 t toB aue r traf, sondern daß sie ihre eigenen Ausführungen vollends entwertete. Wenn nämlich für die Erfassung der Zusammenhänge der Pro- duktion nur die Analyse der lebendigen Wirklichkeit. nicht aber arithmetische Schemata mit fingierten Zahlen Aufschluß geben kön- nen, wenn für diese Analyse die Schemata wertlos sind, dann ist es doch völlig gleimgültig, ob diese fingierten Schemata nur z w e i Abteilungen (wie z. B. bei M ar x) aufweisen, oder ob sie - wie dies R. Lux e m bur g vorschlägt ~ d r e i Abteilungen haben sollen. Dann ist es auch unverständlim, wie die Aussonderung der Goldproduktion zu einer dritten Abteilung (neben den beiden Ab- teilungen für Produktionsmittel und Konsumtionsmittel) "das e r- s c h ö p f end e Sc h e m a des kapitalistismen Gesamtprozesses in

t1 ich e n P unk t e n (!) liefern" kann. R 0 s a

Lux e m bur g hat sidi hier in unlösbare Widersprüme verwickelt.

seinen

wes e n

11. Zweiteilung oder Dreiteilung des Schemas?

Hatten wir bisher R. Lux e m bur g s Forsmungs met h 0 d e, ihr Verhältnis zum Reproduktionssmema beleuchtet, so gilt es jetzt ihre Lei s tun g selbst zu untersuchen. Stellen wir uns für den Zweck unserer Ilntersudnmg auf den Boden der Luxemburgismen Marx-Kritik und prüfen wir die von ihr gegen die Zweiteilung des Marxsdien Schemas erhobenen Einwände auf ihren positiven Ge- halt. Ist es richtig, daß die Einreihung der Goldproduktion in die Abt. I des Marxsdien Schemas alle sachlichen und Wertproportio- nen desselben verletze? Daß also für die Goldproduktion im Schema eine besondere, dritte Abteilung ausgesondert werden

fesbduirt Grilabcra·

11

162

Henryk Grossmann:

müsse und daß dadurch erst ein in seinen "wesentlichen" Punkten erschöpfendes Smema der Reproduktion erreicht werde? Hat R. Lux e mb ur g für ihre folgensmweren Einwände den Beweis erbracht? Sie sagt:

"übrigens zeigt ein Blick auf das Reproduktionsschema selbst zu welchen Unzuträglimkeiten die Verwechslung der Austausmmittel mit Produktionsmitteln führen müßte" (Akkumulation, S.72).

"Die bedenkliehen Resultate" der Marxsehen Zweiteilung werden folgendermaßen geschildert:

"D.~eArbeiter der Abt. I g kaufen mit dem von den Kapitalisten an Lohnen erhaltenen Geldbetrag (5 v) Konsumtionsmittel von der Abt. n.:' Da indes die Kapitalisten II mit den eingenommenen I g

(5 v) "mmts anzufangen wissen, da sie sie nidit als konstantes Kapi- tal gebrauchen können, so läßt sie M a r x diesen Geldbetrag auf-

sdiataen! Um aber dadurch k ein D e f i z i t in konstantem Kapi- tal von II entstehen zu lassen", findet M a r x den Ausweg, das Manko von II c auf II m zu übertragen. Daher das Marxsehe Re- suHat: Ein Teil des Mehrwerts wird als Geldsmatz aufgespei<h~rt" (S.73, 74).

R. Lux e m b u r g wendet sich dann spöttisch gegen M a r x und sagt:

Indem wir die Reproduktion

bloß des jährlichen

siditigt haben, ergab sich plötzlich Auf s c hat z u n g des Geldes, also ein Ubersdiuß an Geldmaterial. Dieser übersmuß entsteht _

man weiß nicht weshalb - auf K 0

s t end e r Kap i t a l ist e n

Ver s chI e i Il e s des Geldmaterials berück.

"Das Resultat ist seltsam genug.

der Leb e 1l s mit tel abt eil u n g, die sieh kasteien sollen, nicht etwa um ihre eigene Mehrwertproduktion zu erweitern, sondern

damit Lebensmittel genug da sind für die Arbeiter der Goldpro-

duktion."

"Für diese diristliehe Tugend werden aber die Kapitalisten der

Abt. II schlecht genug belohnt

von I in Gel d besteht, das ni cht als Produktionsmittel gebraucht

da jetzt ein Teil des Produkts

werden

"und die

Kapitalisten der Abt. II sind nicht einmal in der Lage, ihre Produk-

tion im früheren Umfang in Angriff zu nehmen".

Kapital sadllim nidit in vollem Umfang erneuern",

kann, so kann II trotz Abstinenz sein k 0 n s t a n t e s

R. Lux e m bur g gelangt zum Ergebnis:

"Und so wäre die Voraussetzung des Schemas: ein f ach e Re- produktion, nadi zwei Hidrtungen verletzt: Auf sc hat z u n g des Mehrwerts und D e f i z i t des konstanten Kapitals. Diese von

Die Goldproduktion im Reproduktionsschema usw.

163

M a r x erzielten Resultate beweisen selbst, daß die Goldproduk- tion u n m ö g I ich i n ein erd e r 1 e i d e n Abt eil u n gen

wer den k a n n, ohne

sei n e s

das Schema selbst umzuschmeißen" (l. c. S.74-75).

S ehe m a s

u nt erg e b r ach t

Das ist also der umstürzende "Beweis" R. Lux e m bur g s! Man liest diese Art der Marx-Kritik, die einer Behandlung von M a r x als "toten Hund" nahekommt, nicht ohne es als sdnnerzlidi zu emp- finden, daß selbst die führenden Geister der sozialistisdien Theorie gewohnt sind, mit wenigen billigen spöttischen Redewendungen an den übrigens von ihnen selbst als widitig erkannten Problemen vor- beizugehen! R. Lux e m b u r g empfindet indes selbst, daß der an- geführte Beweis der ,;Unzuträglimkeit" des Marxsdien Schemas ni dit genügt. Es bedarf eines weiteren Beweises. Sie sucht und findet ihn audi bald: aus der bekannten Tatsache, daß im Marx~ sehen Manuskript, das die Goldproduktion behandelt, eine Seite fehlt, so daß die von M a r x (K. H, S.472) angesagte "Untersumung über den Austausch von neuproduziertem Gold innerhalb des k 0 n- s ta n t e n Kapitals der Abt. I" (also das I c der Goldproduktion, H. G.) nie h t erfolgt ist, will R. Lux em b u r g einen weiteren Stützpunkt für die eigene Auffassung konstruieren und sagt: fände sich die angekündigte Untersuchung vor, "sie hätte (l) die Unzu- trägliehkeiten (des Marxsdien Sdiemas) nodi gesteigert" (S.75). Es liegt in dieser verschnörkelten Denkweise R. Lux e m 1 u r g s etwas scholastisch Befremdendes: nicht der Drang nach Wissen und Erkenntnis, sondern bloß der Wille, den Gegner im Disput nieder- zuschmettern, spricht aus dieser Beweisführung. Daher die einsei- tige Hervorhebung der für die eigene Auffassung günstigen und das Verschweigen der ungünstigen Momente. Daher die Anrufung nicht bloß der anwesenden, sondern audi der ab wes end e n Zeugen.

Auch sie

ablegen! Statt die fehlende Seite des Marxsdien Manuskriptes auf Grund einer Analyse zu rekonstruieren und so den Beweis für die Ridrtigkeit ihrer These zu liefern, verlangt sie, wir sollen ihren Ver- sicherungen, die fehlende Seite würde ihre Kritik bestätigen, Glau- ben schenken, Aus dieser scholastiechen Disputtermanier endlich erklärt sich auch der Umstand, daß R. Lux e m bur g am Schluß ihrer bissigen Kritik des Marxschen Sdiemas zur Bekräftigung ihrer Auffassung niemand anderen anführt - als M a r x selbst! "übri-

sollen für R. Lux e m 1 u rg und gegen M a r x Zeugnis

(

\

---

164

Henryk Grossmann:

gcns be s t ä t i g t 1'11 a r x s e l b s tun s e r e Auf f a s s u n g und erschöpft die Frage mit zwei Worten, wenn er knapp wie treffend sagt: "Geld an sich selbst ist kein Element der wirklichen Reproduk- tion" (S.75). Weil also 1'11 a r x eingesehen hat, daß Gold an sieh kein Element der wirkliehen Reproduktion ist, so hat er damit nach

H. Lux e m b ur g s Auffassung auch schon zugegeben, daß sein

Schema mit nur zwei Abteilungen falsch sei, so hat er zugegeben, daß die Geldreproduktion nicht in die Abt. I einzureihen, sondern in einer besonderen dritten Abteilung darzustellen sei! Sie sieht darin den Beweis dafür, daß 11 ar x nicht das sagen wollte, was er

tatsächlich gesagt hat und was den Titel seiner wissenschaftlichen Größe ausmacht, sondern das, was er nicht gesagt, vielmehr be-

stritten hat! Mit dieser "Analyse" hat R.

Gipfel der sophistischen Interpretationskunst erklommen. Das Re- sultat, zu dem sie gelangte, wird in scholastischer Art aus einem einzigen Marxsdien Satz herausdeduziert: unschuldige "zwei Worte" Marxens gelten ihr mehr als die ganze Marxsehe Analyse des Reproduktionsprozesses von Gold und Waren und mehr als alle ,.rxakten Verhältnisse" des Schemas mit seiner "absoluten Richtig- keit" der Zweiteilung. Trotz aller Marxsdien Beweisführung für die Richtigkeit der Zweiteilung soll M a r x zum Schluß nicht sich, sondern R. Lux e m bu r g recht geben! Diese Denkweise R. Lux e m bur g s offenbart sich noch nach einer anderen sehr wichtigen Richtung. Man sollte nämlich erwar- ten, daß R. Lux e m bur g nicht bei dem bloß ne g a t i v e n Er- gebnis ihrer Marxkritik stehen bleiben werde. Wen n nämlich die Einreihung der Goldproduktion in die Abt. I des Schemas alle seine Proportionen verletze, 'N e n n durch die Einführung der Goldpro- duktion als einer dritten Abteilung "erst das e r s c h ö p fe n d e Schema" des kapitalistischen Reproduktionsprozesses geliefert wäre,

so drängt sich von selbst der Schluß auf, daß es sieh verlohnen würde, den Rekonstruktionsversudi eines solchen erschöpfenden Schemas zu unternehmen. Paris vaut bien une messe!

Lux e m bur g den

Hier die drei Abteilungen R. Lux e m bur g s (S. 72):

I

4000

c

+ 1000 v

+

1000In =

6000 Produktionsmittel

11

2000

c

+

500 v

+

500m =

3000 Konsumtionsmittel

III

20c +

5 v

+

5 m

=

30 Geldmittel.

Die Goldproduktion im Reproduktionsschema usw,

165

Wie vollziehen sieh die Umsätze in einem solchen "erschöpfenden" Schema? Hier stoßen wir auf etwas Unerwartetes: in dem umfang-

reichen, beinahe 450 Seiten zählenden Buch R. Lux e m bu r g s fand sich wohl die Gelegenheit für lange, mehr als ein Drittel des Buches füllende historische Auseinandersetzungen. Nur für die von

R. Lux e m bur g selbst

Auf z e i gun g der 0 r g a n i s c h e n Ver s c h li n gun g der Goldproduktion mit den beiden anderen Produktionsahteilungen hat sie weder Raum noch Zeit gefunden! Tatsächlich enthält ihr Buch ni c h t ein ein z i g e s W 0 r t der Aufklärung darüber, wie si c h die Aus tau s c h ver h ä I t n iss e ein es d re i- teil i g e n Sc he m a s ge g e n sei t i g be d i n g e n und reali-

sieren würden. Diese Tatsache schon zeigt die Ul1frumtbarkeit der Luxemburgischen Kritik, beweist, daß diese Kritik rein verbal und formal ist und von keinem tieferen Gedanken getragen wird, und daß sie gegen das Marxsehe Schema nicht nur keinen positiven Gegenbeweis von dessen Unzulänglichkeit zu erbringen imstande war, sondern auch, daß sie diesen nicht einmal zu erbringen ver- sucht hat! Würde sie ihn aber unternehmen, So hätte der bloße Ver- such ihr zeigen müssen - und wir wollen das im folg~nden näher begründen -, daß ihr dreiteiliges Schema grundfalsch 1St. • Um das Problem der Goldproduktion - als Teilproblem des kapi- talistischen Reproduktionsproblems überhaupt - auf seinen ein- fachsten und klarsten Ausdruck zu reduzieren, muß sich unsere Analyse auf die Goldproduktion für m o n e t ä r e Zwecke beschrän- ken (auch M a r x legt diese Voraussetzung seiner Analyse zu- grunde, Kapital 11, S. 314), da die Produktion ~es Goldes. als Warenmaterial für in d u s t ri e 11 e Z w eck e, SIch durch niehts von irgendeiner anderen Metallproduktion (die in die Abt. I des Schemas eingereiht ist) unterscheidet und somit k ein Pro b 1e m ist. Problematisch ist nur die monetäre Goldproduktion. Nur in

auf diese hat R. Lux e m bur g ihre kritischen Einwände

gegen M a r x erhoben. Mit deren Prüfung haben wir uns denn

formulierte Kardinalaufgabe, für die

bezug

auch zu befassen. Eins soll dabei im voraus "zugegeben" werden:

reihung der Goldproduktion in die Abt. I entstehen S c h wie r i g-

durch die Ein-

k e i t e n. Denken wir uns die Goldproduktion im Umfang von 20 c + 5 v + 5 m = 30 in die Abt. I des oben angeführten Schemas

166

eingereiht, so besteht am Jehressdiluß das Produkt der Abt. I (Pro- dllktionsmittel) im Umfang von 30 in GoI d ge s tal t, und nur

Da indes aus dem Jahres-

produkt der Abt. I die verbrauchten Produktionsmittel der Abt. I (~-=4000c) und der Abt. II (= 2000e) ersetzt werden müssen, so ist es klar, daß ein D e f i z i t an konstantem Kapital entsteht, also das konstante Kapital heider Abteilungen im Umfang von 30 nie h t ersetzt werden kann, da aus Gold keine Produktionsmittel (Masehi- nen, Gebäude etc.) hergestellt werden, oder wie M a r x sagt "Geld an sich selbst kein Element der wirklichen Reproduktion" ist. Diese Smwierigkeit hat aber nimt erst R. Lux e m b u r g entdeckt, son- dern M a r x selbst hat auf sie hingewiesen und ihre Lös u n g an- gesagt, Da sie sich aber, wie Eng e l s feststellt, im Mannskript nicht vorfindet, so bestand die eigentliche Aufgabe der Marxisten darin, die verlorengegangene Seite des Marxschen Manuskriptes in diesem Punkte zu rekonstruieren. Im Gegensatz dazu n e g i e r t R. Lux e m bur g die Möglichkeit der Lösung auf der von M a r x angekündigten Basis und zieht es vor, diese Basis selbst, nämlich das zweiteilige Reproduktionsschema, aufzuheben! Aber wie alle ihre Problemstellungen und Lösungen ist auch die in diesem Fall gegebene "Lösung" rein ä u ß e r 1ich, m e c h a- ni s e h. Erscheinen ihr die Waren im Kapitalismus unabsetzbar, so fügt sie einfach der kapitalistischen Welt von außen den nicht- kapitalistismen Raum als Warenabnehmer hinzu, und die Schwie- rigkeit ist damit "gelöst". Ähnlich hier in bezug auf unser Problem. Entstehen bei der Goldproduktion auf Basis eines zweiteiligen Smemas für das Reproduktionsproblem Schwierigkeiten, so wird, statt daß der Versuch einer Lösung gemacht werde, einfach eine dritte Abteilung für die Goldproduktion hinzugefügt und die Smwierigkeit ist damit "erledigt".

59'70 in Gestalt von Produktionsmitteln.

Kann aber durch die bloße mechanisch-formelle Aussonderung der Goldproduktion zu einer besonderen dritten Abteilung die genannte Schwierigkeit behoben werden? Wird durch die Änderung der

tedmisdien Darstellungsweise das

s t a nt e m Kap i tal versmwinden?

erwähnte

an Wieso? Auf welchem Wege?

D e f i z i t

k 0 n.

Das erfahren wir von R. 1. mit keiner Silbe. Für das Marxsche Problem des Reproduktionspl'ozesses ist der formale Streit, ob das Sdtema zwei- oder dreiteilig sein soll, ohne

Die Goldproduktion im Reproduktionsschema usw.

167

Belang. Denn es kommt nicht darauf an, Klassifikationen zu kon-

Begriffe über das Wes end e s Pro.

bl e m s zu gewinnen. Ist man sidt im klaren über die Unterschiede in der Funktion des Goldes als Ware und als Geld (Zirk~lati.on~­ mittel), dann ist es leicht, das Problem sowohl in einem zwei- WIe ~n einem dreiteiligen Schema zu bewältigen. Das Problem selbst, die "Smwierigkeit", ist viel größer als R. 1 meint, und es. muß a ~ s dem C h ara k t erd e s Gel des als Z i r k u I a t i 0 n s m i t- tel nicht aber aus der formalen zwei- oder dreiteiligen Darstel- lun~sweiseerklärt werden.

struieren sondern klare

111. Gold al& Ware und als Zirkulationamittel

Bevor wir an die Darstellung der Goldreproduktion herantreten, sei zunächst die Vorfrage erörtert: um welche verhältnismäßigen Mengen von Gold handelt es sich bei dem .Pro~lem der Reproduk- tion des Geldmaterials? Die Antwort ergibt Sl<h aus dem M~x­

sehen Zirkulationsgesetz (Zur Kritik, S. 149): die für die Zi~ku~aho~ nötige Geldmasse ist bei ge g e ben e r Umlaufsges~wllldlgke~t des Geldes bestimmt durch die War e n m a s s e und d~e zu re~h­ sierenden War e n p re i Se, minus der durch Ausgle.Hhung SIch

späteren ZeItr~um ver-

legten (kreditierten) Zahlungen. Darüber hinaus muß die Geld-

Geldumlaufs, . .

die teils aus Fluktuationen in der durchschnittlichen Gesdiwindig-

keit der Zirkulation, teils aus den verschiedenen u~d wech~elnden Proportionen, worin Geld in Bargeschäften oder III Kredittrans- aktionen fungiert, entspringen (K. H, 313). In dem oben angeführten Marxs<hen Schema der ein!achen R~. produktion beträgt das abzusetzende Jahres~rodukt belder AbteI- hingen 9000 Werteinheiten. Wollte man diese ::arenmasse ~uf einmal (z, B. nach dem Ausland) absetzen, so mußte der ~uslan­ disehe Käufer über ein Geldkapital von 9000 verfügen. Bel zehn- maligem Umsatz würde die dazu erforderliche Geldmenge auf 900

sinken.

masse

gegeneinander aufhebenden oder in einen

hi Inrelu,len

,_1

fii ur

die

S·c h w a n k u n g e n

des

iäh

. Für unsere Analyse wollen wir annehmen, daß im Schema Ja r- lieh vier Umsätze stattfinden, daß also für den War e n a b s atz

Indes muß für die

Von 9000 eine Gel d m a s s e von 2250 genüge.

oben erwähnten Schwankungen des Geldumlaufs darüber hinaus

168

Henryk Grossmann :

noch ein Res e r v e s c hat z vorhanden sein. Wird er in der Höhe von einem Neuntel der Gesamtmenge von 2250, also mit 250, an- genommen (das Zahlenverhältnis ist willkürlich gewählt), so be- trägt die für die Zirkulation erforderlich~Gesamtmenge des Geldes 2500. Nehmen wir ferner der Einfachheit halber an, daß der jähr- liche Geldverlust durch Abnutzung 1 % = 25 beträgt (der tatsäch- liche Abnützungskoeffizient ist bedeutend kleiner), so muß die Goldproduktion eben nur diesen Abgang von 25 g jährlich e r-

s e t z e n - unter Voraussetzung der einfachen Reproduktion, wo das seI b e Quantum des Jahresprodukts jahraus, jahrein mit

d e rs e I b e n Geldmenge zirkuliert werden soll. (M a I' x, K. H,

314, 325.)

Vom Standpunkt der Goldreproduktion entsteht nun die Frage, welche Geldmasse in das Reproduktionsschema gehört: 2500 g oder nur 25 g? Gehört in das Schema die ganze vorhandene und allmäh- Iidi seit Jahrhunderten angesammelte Masse von Geldmitteln, oder bIoß das im letzten Jahr erzielte und für den Ersatz des Gelclver- sdileißes bestimmte Neuprodukt an Gold?

R. Lux e m bur g spricht allgemein von "Geldmitteln" oder

"Austauschmitteln", die in eine dritte Abteilung des Schemas ge- hören (S.72). Damit liefert sie aber den Beweis, daß sie sich in bezug auf die grundlegenden Aufgaben und Funktionen des Marx- sehen Reproduktionsschemas im unklaren gewesen ist. Wird näm- lich seitens R. Lux e m bur g s der Einwand erhoben, daß das Marxsche Schema die Goldproduktion nur als Metallproduktion (innerhalb der Abt. I) behandle, nicht aber das Gold in seiner be- sonderen Funktion als Z i I' k u I at ion s III i t tel berücksichtige,

dann müßte sie folgerichtig in das Schema nicht bloß das neu produzierte Gold (= 25 g), sondern die ga n z e im Laufe von Jahr- hunderten aufgeschatzte Geldmasse (= 2500 g) einreihen, we i I

e ben

tel fun gi e I' t. Das Reproduktionsschema müßte also von ihrem

eigenen Standpunkt aus konsequenterweise folgendermaßen aus- sehen (die Bruchteile in der Abt. III wurden weggelassen):

die s e g a n z e Gel d m a s s e als

Z i I' k u I a t ion s m i t-

I

4000c + 1000v + 1000m =

6000 Produktionsmittel

II

2000c

+

500 v

+

500 m

=

3000 Konsumtionsmittel

III

1668c

+

416 v

+

416 m == 2500 Geldmittel.

Die

Goldproduktion im

Reproduktionsschema usw.

169

Vor dieser Konsequenz schreckt aber R. Lux e m bur g zurück, und im Widerspruch zu ihren eigenen Forderungen reiht sie in die

dritte Abteilung bloß das neu produzierte Gold ein, und zwar III. 20 c + 5 v + 5 m = 30, somit Gold nicht in seinem Charakter als Z i I' k u I a t ion sm e d i u m, sondern Gold in seinem War e n- e h ara k t er, als Teil des neuproduzierten und Absatz suchenden gesamten j ahresproduktes. Und mit Recht. Denn das Marxsche Schema stellt sich zur Aufgabe, ähnlich wie das Tableau economi-

que Q u e s n a y s, ein Bild des jäh r

seines Ab s atz e s zu geben (K. I, 604, K. H, 300, 362). Diesen ab- satzsuchenden War e n diarakter hat nur das neu produzierte Gold (= 25 g), das sich in dieser Beziehung von den anderen Waren des Jahresprodukts ni c h t untersmeidet 4). Anders dagegen verhält sich die Sache mit Geld als Z i r k u I at ion s mit tel. Diese im Laufe von Jahrhunderten nach und nach angesammelte Geldmasse ist nicht das Produkt des letzten Produktionsjahres, sie fungiert nicht als War e, sie wird daher nie h tab g e s e t z t, sie v e r- mit tel t nur den Absatz der neuproduzierten Waren, und g e- hör t a l s 0 n ich tin das Sc h e m a, (M a r x, K. H, S. 478.) Die

I ich e n Pro d u 1<. t sund

m a übe rh a u p t nie h t ein beg ri ff e n worden, weder in Abt. I, noch in Abt. H und, wie wir sogleich sehen werden, konnte und durfte sie MaI' x gar nicht als B e s t an d t eil e des Schemas dar- stellen 5). Die Geldmittel werden zwar gebraucht, aber nicht ver-

"G e l d m i tt e 1" s i n d so mit von Mal' x ins ein Sc he

von

seinen Produktionsquellen angeht, so löst SIe sidi auf In unmIttelbaren

Austausch von Gold und Silber als War e gegen

andere Ware, ist also selbst ebenso sehr ein M 0 m e n t des War e n.~ aus tau s ehe s wie die Beschaffung von Eisen oder anderen Metallen.

(M a r x, K. IIV1., S.304.) Vgl. K.II., S.470. 5) übrigens kann das Geld, auch soweit es als Zirkulationsmittel fun- giert, nicht n e b e n die zwei anderen Produktionssphär~nals ?Ieidl~er­ tige dritte Sphäre rangiert werden. Denn die Geldz~rkulahon b~ldet keine b e s 0 n d e r e, selbständige Sphäre, ist vielmehr eme Fun k t Ion, die auch in ne r h a I b der genannten zwei Sphären ausgeübt wird. Die Kapitalisten dieser beiden Sphären müssen außer ihrem Produktiv- kapital, nodi ein gewisses Geldkapital haben.

Warenaustausch. in

4) "Was die Beschaffung des Geldmaterial.s -: Gold u.nd Silb.er -

I

4000c + 1000v = 5000 Produktivkapital und 1668 in Geld

II

2000c + 500v = 2500 Produktivkapital und 832 in Geld

Das vorhandene Geldkapital von 2500 wird von M a r x in das Sdiema nicht eingereiht, weil die Umlaufsmittel die Warenumsätze nidit nur

170

Henryk Grossmann:

braucht; sie werden daher auch nicht r e pro duz i e r t, sondern bloß au f g e s c h a t z t. Was somit im Marxschen Reproduk- ti 0 n s-Sdiema an Gold erfaßt wird (und zwar in der Abt. I), ist bloß das zum E r s atz der Ab nut z u n g (Verschleißes) der Geldmittel notwendige Goldquantum. Setzt nun R. Lux e m bur g in das Schema bloß das neu pro-

duzierte Gold (25 g) ein, so erfaßt sie das Gold in seinem Waren- eharakter, nicht jedoch als Z ir ku I a t ion s mit t el (2500 g).

Tut sie das aber, dann e n t fäll t der ein z i g e von ihr

a u-

g

e f ü h r t e,

öko n 0 m i s ehe

G run d,

das

Gold als eine

b e-

so n der e, dritte Abteilung des Schemas auszuscheiden. Denn Gold als Ware braucht von den anderen Waren des Sdiemas nicht ausgesondert zu werden und gehört wie die übrige Metallproduk-

tion in die Abt. 1.

IV. Unmöglichkeit exakter quantitativer Größenbestimmung zwischen den "Geldmitteln" und den beiden anderen Abteilungen des Reproduktionsschemas.

Wir wollen nun den Nachweis führen, daß die Forderung Rosa Lux e m bur g s nach Aussonderung der "Geldmittel" als einer dritten Abteilung des Schemas sieh in Widerspruch mit den logi- schen Voraussetzungen befindet, auf denen das Sdiema aufgebaut ist. Die wissenschaftliche Aufgabe des Schemas besteht, wie wir wissen, in der Erforschung der qualitativen und quantitativen Größenbeziehungen zwischen den einzelnen Elementen des J a h-

r e s pro d uk t s, Größenbeziehungen, die Bedingung für den störungslosen Verlauf der Reproduktion sind. Nun ist klar: nur zwischen den c-, v- und m-Bestandteilen des J a h I' e s pr 0-

d u k t s des let z t e n Pro d u k t ion s zyklus der beiden Abtei-

beim neu produzierten Gold a l s

Te i I die s e s J a h r e s pro d u k t s bestehen solche quantitative Größenbeziehungen. Solche quantitative Größenbeziehungen be-

lungen I und H, daher auch

stehen aber nicht und sind auch unmöglich zwisdien den Elementen des Schemas einerseits und der für die Zirkulation nötigen Gesamt-

zwischen I und II, sondern audi in n e r h alb derselben ver mit tel n, d, h. "i n beiden Sphären des Reproduktionsprozesses zirkulieren"

(M a r x, K. IIJ/1., S.431, 433).

Die Goldproduktion im Reproduktionssmema usw.

171

masse an Gel d mit tel n andererseits. Aus dem M ar x sdien

Zirkulationsgesetz ergibt sich nämlich, daß "die S t u f e nie i t e r der Produktion auf kapitalistischer Grundlage, ihren absoluten

Schranken nach, von dem

Gel d kap i tal s"

d. h., daß ein Produktionsapparatvon ge g e ben e r StufenIeite.r

je nach der Geschwindigkeit des Geldumlaufs oder der Organi-

sation der Kompensationsverredmung durch eine gr ö ß e I' e oder

g e r i n ger e Geldrnasse in Bewegung gesetz~ werden. kann.

(M a r x, Kapital, H, 314, 333, 348,vgl. auch SI s mon d 1, Nou- veaux Principes, L. V., eh. 1.). Wir haben gesehen, daß das Jahres- produkt unseres Schemas im Werte von 9000 je nach der jährlichen Umsatzzahl mit einer Geldrnasse von 9000, 2500 oder 900 abgesetzt

werden kann. Mit anderen Worten: die Masse der für die Zirku- lation erforderlichen Geldmittel - obwohl nach der jeweiligen Stufeu'leiter der Produktion, der Gesrowindigkeit der Umsätze etc.,

b e r e ehe n bar - steht ihrer a b sol u t enG r ö ß e nach i n

k ein e m fix enG rö ß e n ver h ä I t n i s z u der G e s a m t-

m a s s e des J a h res pro d u k t s; sie ist v a r i a b e l, und eben

deshalb hat M ar x die Geldmittel in das Reproduktionsschema mit seinen exakten quantitativen Beziehungen nicht einbegriffen un~ durfte sie gar nicht einbegreifen, wenn er damit nicht die I 0 ~1- S ehe n G Tun dIa gen des Schemas, die exakten Größenbesüm-

U m f a n g

ist

des

fun g i e I' end e n

H,

S. 345),

u n ab h ä n gig

(Kapital,

mungen, verletzen wollte.

V. Die Geldzirkulation als faux frais der Warenproduktion.

Neben dem pro d u k ti v e n Kap i tal der Gesellschaft muß stets ein Teil des gesellschaftlichen Gesamtkapitals als Gel d·

k a p i t a l fungieren. Diese Geldrnasse hängt natür~i~vo~ der

Stufenleiter der Produktion und der Umlaufsgeschwmdlgkelt des Geldes ab die wiederum durch die Länge der Umschlagsperiode, d. h. das' Verhältnis der Arbeitsperiode zur eigentlichen ~~rk~­ lationsperiode bedingt ist. "Welches aber immer dies Verhaltn~s

sei, unter allen Umständen ist der Teil des prozessi~renden ~apl­ talwerts, der beständig als pro d u k t i v e s Kapital Iungieren

kann be s ehr ä n k t durch den Teil des

ständig neben dem produktiven Kapital in Gel d f 0 r m existieren muß" (M a r x, K. 11, 245). In unserem Schema z, B. beträgt das

Kapitalwerts, der be-

172

Henryk Grossmann:

gesellschaftliche Gesamtkapna] 10 000. Der in Geldform existie-

rende Teil, 2500 g, be s c h r ä n k t

wert

auf

pro d u k t i v e, d. h. Mehr-

das

auf

schaffende Gesamtkapital

7500, und

zwar Abt.

I

4000 c + 1000v; Abt. 11 auf 2000 c + 500 v.

Was

hier in

bezug

auf

die

gesamte

zirkulierende

Geldmenge

überhaupt gesagt wurde, gilt auch für die alljährlich neu pro d u-

z i e I' t e und zum Ersatz des Geldverschleißes dienende Goldmenge:

die GoI d pro d u k t ion b e d e u t e t ein e Ein s c h r ä n-

k u n g der S t u f e nIe i tel' der War e n pro d u k t ion. Be- trägt die Goldproduktion 25 g, so muß das produktive Kapital um eben diese Summe noch weiter, d. h. von 7500 auf 7475 ein g e-

der pro-

duktiven Industrie in die Goldproduktion für unp I' 0 du k t i v e Zwecke der Zirkulation überführt werden. Würde der Umfang der Goldproduktion 200 betragen, so müßte der der Warenproduktion von 7500 auf 7300 sinken. Oder wie Mal' x sagt:

"Ein Teil der gesellschaftlichen Ar bei t s k r a f t und ein Teil der

gesellschaftlichen Pro d u k t ion s m i t tel muß also in der Pro- duktion von Gold und Silber jährlich verausgabt werden" (Kapi- tal, 11, S.314). Die Verwendung eines Teils des produktiven Kapitals in der Goldproduktion geschieht in der Wirklichkeit - da nidrt alle Län- der eigene Goldbergwerke besitzen - durdi direkten oder indirek- ten Aus tau s c h eines Teils des jährlichen Landesprodukts, z. B. der deutsdien Chemikalien, Kohle etc. gegen das Produkt der gold- produzierenden Länder. Dieser internationale Charakter der Trans- aktion verhüllt indes ihren einfamen Kern. Um das Problem nicht zu komplizieren und auf seinen durchsichtigsten Ausdruck zu redu-

zieren, setzen wir mit Mal' x v 0 I' aus, daß die GoI d

d u k t ion i m L a n des e I b s t s t

der gesellschaftlichen Gesamtproduktion jedes Landes bildet.

(M a I' x,

werden die

_ M a l' x ausdrücklich betont (Kapital, 11., S. 325) - keinesfalls modi- fiziert. sie entspricht vielmehr den realen Tatsachen. Tatsädrlid, kann behauptet werden, daß s ich je des L a n d sei n enG e I d v 0 I' I' a t - wenn nicht im tedmisdien, so dodi im ökonomIschen Sinne - i m Weg e der e i gen enG 0 I d p r 0-

sc h I' ä n k t werden, d. h, es muß ein Kapital von 25 aus

p I' 0-

a tt f i n d e t und einen Teil

Kapital,

n.,

S. 314).

Durch eine solche Voraussetzung

wie

dies

realen Bedingungen der Reproduktion

Die

Goldproduktion im Reproduktionsschema usw.

113

d u k t ion ver s c h a f f t. Denn es muß in der Produktion von

Chemikalien, Masdiinen, Kohle etc. über den sonstigen Bedarf an diesen Artikeln hinaus, sei es für das Inland oder den Export, noch

einen z u sät z I ich e n Te i I seiner Produktionsmittel und Ar- beitskräfte bloß zu dem Zwecke verwenden, um sich durch diese

z u sät z li c h e Warenproduktion für Exportzwecke einen äqui- valenten Goldvorrat zu verschaffen resp. ihn zu ergänzen. Die genannte Voraussetzung der ei gen e n Goldproduktion in allen Ländern mit Goldwährung gestattet uns, die diarakteristi- sehen Merkmale dieser Produktion sofort zu erfassen. Es wurde be- reits betont, daß im Schema das Gold nicht als Geld, sondern ledig- Iieh als Ware berücksiehigt ist. Aber das neu produzierte Gold als Ware unterscheidet sich wesentlieh von den sonstigen Waren des Jahresprodukts. Während bei jeder anderen Warenproduktion (Kohle, Maschinen) der kapitalistische Unternehmer - indem er am Smluß der Produktionsperiode das Jahresprodukt auf den Markt wirft - die zu Anfang der Produktionsperiode zirkulierende 'litT are n m eng e um die Größe des neu produzierten Mehrwerts ver m ehr t und gleichzeitig aus der Zirkulation eine dem Waren- wert äquivalente Gel dm eng e e n t z i eh t, verhält sich die Sache in der Goldproduktion umgekehrt. Hier existiert nämlich das

g a n z e J a h I' es pro du k t (also nicht bloß der Mehrwert-Teil, sondern auch der c- und v-Teil) in Goldform. und alle diese Teile werden am Jahresende in die Zirkulation geworfen, um ihr für den Betrag der ganzen Jahresproduktion an Gold War e n z u e n t-

z i ehe n (Kapital, 11., S. ;16, 325, 4(7). Die Goldproduktion, wie die Aufsdiatzung überhaupt, - obwohl ein notwendiges und kon- stitutives Element des kapitalisfisdien Medianismus - bedeutet so-

mit für die Geselledieft den Ver 1u steines Teiles der verfüg- baren Produktionselemente, einen "A b b I' U c h am Umfang der gesellschaftliehen Produktion" (M a I' x, K. 11, S.348). Eben d e s-

h a l b rechnet Mal' x das Geld zu den unproduktiven Zirkulations-

kosten der Gesellschaft, zu den "faux frais der Warenproduktion Es ist ein Teil des gesellschaftlichen Reichtums, der dem Zirku- lationsprozeß g e 0 p fe r t werden muß" (Kapital, 11, 112, 113). Er "e n t z i eh t der gesellsdiaftlidien Ausnutzung eine entsprechende Summe möglicher, zuschüssiger Mittel der Produktion und Kon- sumtion, d, h. des wirklichen Reichtums" (Kapital, 11., S.336). Da-

174

Henryk Grossmann:

her erklärt sich auch das Bestreben der Kapitalisten die für die Zirkulation nötige Geldmasse, d. h. diesen toten Fonds _ wenn nicht absolut, so wenigstens relativ zur Größe der Transaktionen ~ durch gesteigerte Funktionsfähigkeit der vorhandenen Geldmasse zu vermindern.

VI. Die Fehlerquelle des R. Luxemburgisch.en Schemas:

Addition statt Subtraktion.

Daß die Goldproduktion den Umfang der gesellschaftlichen Ge- samtproduktion ein s c h r ä n k t, ist auch R. Lux e m bur g nicht unbekannt (Akkumulation, S. (3). Sie sroreibt indes M a r x diesen Grundsatz mechanisch nach, ohne daraus dort, wo es auf seine praktisroe Anwendung im Sroema ankam, die geringsten Konse- quenzen zu ziehen. Auf unser Schema bezogen müßte die Verwen- dung von 20 c + 5 v + 5 m = 30 g in der Goi d produktion einen

Abbrudl am Umfang der

bedeuten. Konsequent muß also diese Produktion, resp. das sie illu- strierende M a r x sdie Schema, 6000c + 1500v + 1500m = 9000

gesellsroaftliroen War e n produktion

eine b e S 0 n der e Abteilung aus-

geschieden wird) auf 5980 c + 1495 v + 1495 m = 8970 b e- s ehr ä n k t werden, d. i. gerade um den Betrag der in der Gold- produktion verwendeten Produktivkräfte. Indem durch den Ge- brauro der vorhandenen Umlaufsmittelmenge von 2500 alljährlich voraussetzungsgemäß 1 % = 25 g abgenutzt werden, muß die Ge- sellsdiaft zum Ersatz dieses Verlustes jahraus, jahrein einen Teil ihres produktiven Kapitals von gleicher Höhe der Warenproduk- tion entziehen und der Goldproduktion zuwenden.

(sobald die Goldproduktion als

Im Gegensatz dazu beläßt R. Lux e m bur g den Umfang der gesellschaftliroen War e n produktion, trotz Aussonderung der Goldproduktion, in der ursprüngliroen Höhe und füg t zur Waren- produktion die Goldproduktion hin z U:

6000c + 1500v + 1500m = 9000

20 c

+

5 v

+

5 m

=

30

6020c

+

1505 v

+ 1505m = 9030

Tatsächlich ist somit die gesellschaftliche Gesamtproduktion nicht ein g e s c h r ä n k t, sondern um den Betrag der Goldproduktion gewachsen!

Die Goldproduktion im Reproduktionsschema usw,

175

Bei der M a r x sdien .Annahme, daß die gesellschaftliche Stufen-

der Produktion g e g e ben ist und das Jahresprodukt im

leiter

ganzen 9000 beträgt, kann die Goldproduktion - einfadie Repro- duktion vorausgesetzt - nur auf dem Wege eröffnet werden, daß ein Teil der Produktionsmittel und der Arbeitskräfte der sonstigen War e n produktion (z, B. den Kohlenbergwerken) e n t zog e n und in die Goi d produktion übergeleitet wird. Die Proportionali- tätsverhältnisse des Schemas werden dadurch und können dadurch nicht ver l e t z t werden, da der Gesamtumfang der gesellschaft- liehen Produktivkräfte der sei be bleibt und nur seine Ver t e i- In n g auf einzelne Produktionszweige sich geändert hat: es wird weniger Kohle, statt dessen aber Gold produziert. Im Schema R. Lux e m bur g s dagegen ist der Z u w ach s der

g e s e 11s c haft I ich e n Pro d u k t i v k r ä ft

der einfachen Reproduktion ein ungeklärtes Mysterium, eine Geburt ex nihilo, die Produktionsmittel und Arbeitskräfte der Coldproduktion fallen offenbar vom Himmel! Daß gerade durch eine solehe Addition einer dritten Reihe die exakten Proportionalitäten des Schemas gestört werden müssen, ist

klar. Nicht der von R. Lux e m bur g kritisierten Zweiteilung ent- springen die "Unzuträglichkeiten" des Reproduktionssdiemas: son- dern es ist allein das hier geschilderte Verfahren R. Lux e m - bur g s, die Anwendung der Addition, wo die Subtraktion erfor- derlich war, die Quelle aller ihrer Irrtümer und Widersprüche in der Behandlung der Goldproduktion.

e i n n e I' h a l b

VII. Die GoldproduktioD und der Obergang zum Sozialismus.

R. Lux e m b u i' g führt für die Aussonderung der Goldproduk- tion in einer besonderen, drittem.Abteilung noch einen weiteren "gewichtigen Grund" an, den wir nun ins Auge fassen wollen. Die Goldproduktion für Zirkulationszwecke, deren Charakter der "fal- schen Kosten" nur aus der anarchischen Wirtsroaftsweise des Kapi- talismus entspringt, "findet am exaktesten Ausdruck als gesonderte Abteilung" (R. Lux e m b u r g, Akkumulation, S.75). Da beim Übergang zur planmäßigen sozialistischen Wirtschaftsordnung die Goldproduktion für monetäre Zwecke wegfällt, werde das Marx- sehe Schema der einfachen Reproduktion seine Geltung auch für

176

Henryk Grossmann :

die sozialistische Wirtschaft behalten, indem man dann einfach die dritte Abteilung des Schemas streicht! In diesem Gedankengang haben wir noch ein schlagendes Bei- spiel für jene mechanischen "Lösungen" bei R. Lux e m bur g, von welchen früher die Rede war. Das Schema der kapitalistischen Pro-

duktion erfordere d r e i Abteilungen, wobei in der dritten Abtei- lung (Goldproduktion) das s p e z i fis c h Kap i tal ist i s c h e der Reproduktion zum Ausdruck gelange. Nach dem Übergang zum Sozialismus genügt es dann offenbar, einfach den Wegfall der dritten Abteilung zu dekretieren, um das alte Schema mit nunmehr zwei Abteilungen auch für die neue, sozialistische Wirtschaftsord- nung anwendbar zu madien, Der "gewichtige Grund" für die Aus-

sonderung der Goldproduktion besteht somit in der

keit, für die sozialistische Reproduktion kein neues Schema kon- struieren zu müssen! Können solche mechanisch-formale Darstellungsgründe ernst ge- nommen werden? Offenbar stellt sich R. Lux e m b u r g unter "Wegfall der Goldproduktion" nichts Konkretes vor, wo doch dieser Wegfall k ein e s i c h t bar e n Wir k u n gen in der Welt der realen Erscheinungen hervorruft. In Wirklichkeit müßten durch den Wegfall der Goldproduktion Pro d u k t ion s mit tel und A r bei t s k r ä ft e fr e i wer den und andere Verwendung fin- den. Bedeutete der Übergang von der Fiktion der geldlosen Wirt- schaft zur Goldproduktion eine Ein s c h r ä n k u n g der Stufen- leiter der Warenproduktion von 7500 auf 7475, so müßte umgekehrt der Wegfall der Goldproduktion die Er w e i t e run g der Güter- produktion zur Folge haben, und zwar nach zweifacher Richtung hin: 1. durch das Freiwerden der in der Goldproduktion gebundenen Produktivkräfte, die nun in der Güterproduktion Verwendung fin- den (M a r x, K. II, S. 349), würde deren Umfang von 7475 auf 7500 wachsen, 2. durch den Wegfall der Geldzirkulation überhaupt würde zugleim das während langer Epochen angesammelte Geld- kapital von 2500 - soweit es nicht als W el t gel d für internatio- nale Zahlungen benötigt wäre - außer Funktion treten (M a r x, K. II, S.302, 349), und durch seine Verwandlung in Produktionsele- mente vermittelst Austausch mit anderen kapitalistischen Ländern könnte die Stufenleiter der Güterproduktion von ,500 auf 10000 erweitert werden. Während also in der Wirklichkeit der Wegfall

Bequemlich-

Die Goldproduktion im Reprodukticnssdiema

usw.

177

der Geldzirkulation die Erweiterung und planmäßige Um 0 r g a- n i sie run g der g e sam t e n Wa ren pro d u k t ion n ach s ich z i ehe n m ü ß t e, bleibt bei R. Lux e m bur g in beiden erwähnten Fällen: sowohl beim' Ubergang zur Goldproduktion als beim Wegfall derselben im Sozialismus, der Umfang der Waren- produktion stets u n ver ä n der t.

VIII. Geldakkumulation trotz einfacher Reproduktion.

Es klingt die Marxsdie Behauptung fast paradox, daß, obwohl wir bloß ein f ach e Reproduktion sowohl in der War c n- als auch in der GoI d produktion angenommen hatten, d. h. obwohl

vorausgesetzt wird, daß der Um fan g der GoI d pro d u k- t i o n von Jahr zu Jahr u n ver ä n der t bleibt, dennoch allmäh-

lieh

gebnisse der M a r x sehen Analyse hat R. Lux e m bur g angegrif- fen. Trotzdem wollen wir zeigen nicht nur, daß eine solche Akku- mulation im Schema stattfindet, sondern, daß sie unter den ge-

machten Voraussetzungen notwendig stattfinden muß.

Der Geldverlust beider Abteilungen der Warenproduktion beträgt

zusammen 25 g, und zwar in der Abt. I 16 2{3 g, in der Abt. II 8

{3 g.

Unter der dem M a r x sdien Schema zugrunde liegenden Voraus- setzung, daß die Waren zu ihr e n Wer t e n verkauft und ge- kauft werden, müssen die Kapitalisten der Warenproduktion zum Ankauf des fehlenden Geldbetrags von 25 g einen ä q u i v a l e n- t e n B e t r a g an Produktionsmitteln an die Unternehmer der Gold.

eine

GoI d

a k k u m u I at ion stattfindet. Eben diese Er-

1

produktion abgeben. Dieses Kapital als 20 c + 5 v in der Goldproduktion angelegt, er-

gibt ein Jahresprodukt - da der M ehr wer t der Goldproduktio~ hinzukommt _ von 30 g, so daß über den Ersatz des Geldverschlel- fies von 25 g hinaus faktisch eine Goldaufschatzung von 5 g statt-

findet.

der Annahme, daß der Mehrwert aufgezehrt wird. Dieses Resultat, wie "seltsam" es R. Lux e m bur g erschien, hat nichts Befremden- des. R. Lux e m bur g hat offenbar vergessen, daß der Mehrwert der Goldproduktiou, entgegen allen Voraussetzungen der einfachen Reproduktion, gesellschaftlieh betrachtet, n ich t ver zeh r bar ist und daher notwendig aufgeschatzt werden muß. Die Goldpro- duzenten können zwar ihren Mehrwert "verzehren". Da dies in

Dies trotz der Annahme der einfachen Reproduktion, d. h.

festschrift GrUnberll·

12

178

Henryk Grossmann :

natura nicht durchführbar ist, müssen sie dafür Lebensmittel VOll Abt. II kaufen. Damit aber vergrößert sim der gesellschaftliche

Geldvorrat der

Lux e m bur g glaubte, gegen

müssen, er hätte die von ihm gemachte Voraussetzung der ein- fachen Reproduktion nicht eingehalten. Sie übersah, daß sich ge- rade darin die geniale Leistung Marxens zeigt. Mit seltenem Scharf- sinn erkannte er, daß diese Voraussetzung his tor i sc h ni c h t ein geh alt e n werden kann. Auch wenn wir - mit einer wis- sensdiaftlidi zulässigen Approximation - für die Periode der An-

Mal' x den Einwand erheben zu

War e n produzenten von 2500 auf 2505. R.

tike und des Mittelalters wegen Fehlens von großem fixen Kapital und wegen der I' e I a t i v e n K 0 n s t a n z der T e c h n i k sogar

in längeren Zeiträumen von einfacher Reproduktion in der Gold-

produktion reden dürften, müßte sich trotzdem allmählich im Laufe von Jahrhunderten eine GoI dan s a m m I u n g ergeben, die eine der Vor a u s s c t 7, u n g e n der kapitalistischen Produktionsweise

bildet:

bei ein f ach e I' Reproduktion,

wenn hier auch. Akkumulation im eigentlichen Sinne des Wortes, d. h. Reproduktion auf erweiterter Stufenleiter ausgeschlossen, da- gegen Gel d auf s p e i c her u n g' oder Schatzbildung not w e u- d i g eingeschlossen ist. Und da sieh dies jährlim neu wiederholt,

so erklärt sich damit die Voraussetzung, von welcher bei Betradi-

tung der kapitalistischen Produktion ausgegangen wird: daß sich

bei Beginn der Reproduktion eine dem Warenumsatz entsprechende

Masse VOll Geldmitteln in den Händen der Kapitalistenklasse I und

II befindet. Solche Aufspeicherung findet statt selbst na c h A b-

zug des durch Verschleiß des zirkulierenden Geldes verloren gehen- den Goldes" (M a r x, K. II., S.472).

"Es zeigt

sich , "

wie

s e I b s t

IX. Die organische Verschlingung der Goldproduktion mit den beiden Abteilungen der Warenproduktion.

Wenn man über die oben dargestellten ökonomisdien Kategorien und Zusammenhänge im klaren ist, dann bietet die Aufzeigung der Beziehungen zwischen der Goldproduktion und der Warenproduk- tion keine Schwierigkeiten mehr. Dabei ist es völlig gleichgültig, ob wir die Goldproduktion formell als eine dritte Abteilung von der Warenproduktion aussondern oder nicht, und wird zu einer Frage der te c h n i s c h e n D a r s tell u n g. Worauf es ankommt,

Die Goldproduktion im Reprodllktionsschema usw.

179

sind die r e a I.e n B e d in g u n g e n, unter welchen diese Ausson- derung erfolgt, d. h. die Modifikationen, die der Umfang der Warenproduktion in I und 11 durch die Tatsame der Goldproduk- tion erfährt. Der übersimtlichkeit halber wollen wir die Goldproduktion zu- nächst gesondert betrachten. Sind die Zusammenhänge zwischen ihr und der Warenproduktion erkannt, dann ändert sieh nichts an den Ergebnissen unserer Analyse, wenn nachträglieh die Goldproduk- tion als Bestandteil der Abt. I des Schemas dargestellt wird. Die Ausgangssituation für unsere Darstellung bildet das uns be- kannte Sch.ema zu dem Zeitpunkt, wo bei Vollziehung der Waren- umsfitze das ursprüngliche Geldkapital 2500 durdi Abnutzung auf 2475 vermindert wurde. Dieser Verlust verteilt sidi proportional zur Kapitalgröße beider Abteilungen und beträgt in I 16 2 / 3 g, in II 8 1 /3g. Wir haben somit:

I 4000 c + 1000v + 1000m

II

2000 e +

500 v +

= 6000

500 m = 3000

(in Waren) und 1650 (in Geld)

(in Waren) und 825 (in Geld)

2475

Da die Geldmasse 2475 voraussetzungsgemäß für die Zirkulation unzureichend ist, sind die Warenproduzenten gezwungen, die feh- lenden 25 g durch Goldproduktion zu ersetzen. In beiden Abtei- lungen der Warenproduktion erfolgen somit Gel d v 0 I' S c h ü s s e an die Goldproduzenten. und zwar gibt die Abt. I 16 2 / 3 g, die Abt. II 8 1 /3g ab, so daß das Geldkapital der Warenproduzenten sieh vor- übergehend um weitere 25 g auf 2450 vermindert. Indem die Goldproduzenten mit diesen 25 g für die Zwecke der Goldproduktion Produktions- und Lebensmittel bei den Warenpro- duzenten kaufen, fließen diese 25 g sofort zu diesen zurück, deren Geldvorrat sidi wieder auf 2475 erhöht. Der Rückfluß dieser 25 g an die Warenproduzenten erfolgt jedoch in ein er an der e n Pro p 0 r t ion als der vorausgegangene Vorschuß. Da nämlich. in der Goldproduktion - der Annahme nach. - die Zusammensetzung des Kapitals dasselbe Durch.sdmittsverhältnis von c zu v wie in der Abt. I aufweist (in unserem Beispiel also 4:1), so müssen die Gold- produzenten von den erhaltenen 25 g für den Ankauf von Produk- tionsmitteln bei den Warenproduzenten der Abt. I 20 c und für den Kauf von Lebensmitteln bei der Abt. II 5 v verwenden. Diese

180

Henryk Crossmann.

Warenproduzenten können den Bedarf der Goldproduzenten an Produktions- und Lebensmitteln nur aus ihr e m Me h I' wer t befriedigen, wenn sie nicht den Umfang ihrer eigenen Produktion beeinträchtigen wollen. Somit vermindert sidi ihr Mehrwert durm

die Käufe der Goldproduzenten in Abt. I auf 980 m, in Abt. II auf 495 m. Durch diese Verkäufe hat die Abt. I a n Gel d 20 g zurück- erhalten, während sie ursprünglich an die Goldproduzenten bloß 16 2 / 3 g vorgeschossen hat. Sie erhält also 3 "1/ 3 g an Geld zu vi e 1. Umgekehrt verhält sich die Same in der Abt. II; sie hat ursprüng- [ich für die Goldproduktion an Geld 8 1 /3g vorgeschossen, erhält

aber bloß 5 g zurück,

Aus diesem Sachverhalt ergibt sich, daß die Kapitalisten der Abt. I, die von ihrem Mehrwert 3 "1/ 3 zu viel in Geld aufgesehatzt haben, diese 3 1 / 3 g - da einfache Reproduktion die Voraus- setzung bildet - ver zeh I' e n müssen und zu diesem Zweck Lebensmittel von der Abt. IT kaufen, wodurch die in I überschüssi- gen 3 1 /3 g zu den Kapitalisten II zurückfließen. Diese decken damit

ihr Manko an Geld von 3 1 / 3 g, zugleich geben sie von ihrem Mehr- wert in Waren form Lebensmittel um denselben Betrag an die Kapi- talisten I ab, wodurch ihr Mehrwert auf 491 2 / 3 sinkt. Durch die vollzogenen Umsätze, die die Goldproduktion v 0 r- b e I' e i t e n sollen, hat das Schema folgende Veränderungen er- fahren:

also

3

1 / 3

g

zu

wen i g.

A. War e n pro d u k t i o n.

I 4000 c + 1000v + 980 m (Produktionsmittel) + '; 1/3m Lebensmittel + 1650 Geld

II 2000 c + 500 v + 491 2 / 3 m (Lebensmittel) + 825 Geld.

B. GoI d pro d u k ti Oll. 20 c + 5 v (in Warellform).

Das Schema zeigt uns, daß die Kapitalisten der Warenproduk- tion für den Ersatz des Goldverlustes gesorgt und zu diesem Zweck in beiden Abteilungen I und II Produktions- und Lebens- mittel proportional zur Größe ihres Kapitals an die Goldprodu- zenten abgegeben haben. Zugleich zeigt es aber, daß durch diese Abgaben d i e Pro p 0 r t ion a 1i t ä t s ver h ä 1t n iss e des

Die Goldproduktion im Reproduktionsschema usw.

181

S c h e m a s der War e n pro d u k t ion g e s t ö I' t wer den.

Denn zwischen I (v + m) = 1980 und II c ~. 2000 kann nun kein restloser Austausch stattfinden. Wird dadurch nicht etwa die Ridi-

tigkeit der Einwände R. Lux e m bur g s bestätigt? Wenn R. Lux e m bur g mit der Feststellung des D e f i z i t s an

k 0 n s t a n te m Kapital in der War en produktion einen Wider- sprudi zur Marxsdien Annahme der einfachen Reproduktion er-

blickt so beweist sie, daß für sie der Begriff der einfachen Repro-

"

d

gewor en ist. Denn keine Voraussetzung der einfachen Reproduktion kann es

zustande bringen, daß das D e f i z i t des konstanten Kapitals in der War e n produktion verschwindet, wenn zugleim angenommen

wird, daß die s k 0

d uze n t e n ab ge g e ben wir d I Aus eins kann nicht zwei wer- den. Das Defizit an konstantem Kapital in der War e n produk- tion ist eine selbstverstäncllime und notwendige Konsequenz seiner

Verschiebung in die GoI d produktion.

was Reproduktion wichtig ist, sind die K 0 n s e q u e n zen dieses Defi- zits. Die Einschränkung in I (v + m) = 2000 auf 1980 muß not- wendigerweise - gerade weil und solange an der Annahme der einfachen Reproduktion festgehalten wird - eine entsprechende Ein s c h r ä n k u n g auch in II c nach sieh ziehen, und zwar gleim-

falls von 2000 c auf 1980c, da sonst ein restloser Austausch

stattfinden könnte. Folglim müssen dementsprechend audi die 500 v in der Abt. II auf 495 v eingesdiränkt werden. Der Umfang der Reproduktion in Abt. II muß somit insgesamt um 25 reduziert, d. h. die Lebensmittel im Betrag von 25, da keine anderen Abnehmer vorhanden sind, müssen von den Kapitalisten lIve I' zeh I' t wer- den. Selbstverständlich! Als nächste und ein mal i g e Folge der Eröffnung der Goldproduktion - was nur durch die Entnahme des konstanten Kapitals aus I m möglich ist -, würde sieh eine

gesteigerte Lebensmittelkonsumtion in II ergeben. Zugleim müßte

die Zukunft - im Einklang mit

s c h r ä n ku n g des

Produktionsumfangs in II von 2000 c + 500 v auf 1980c + 495 v

für das Verständnis der

duktion tatsächlich zu einem inhaltsleeren "Förmelkram

,

n s t a n t e Kap i tal a n die GoI d pro -

Was

uns

hier

interessiert

und

nicht

als 11 ach haI t i g e Folg e für

der früheren Darstellung sub V. - eine Ein

eintreten.

182

Henryk Grossmann:

Nach Vollziehung der genannten Anpassungsvorgänge in der Umstellungsperiode kann der Produktionsprozeß störungslos vor sich gehen. Wir haben:

A. War e n pro d u k t ion.

I

4000 c

+

1000 v

+ 1000 m

= 6000

n

1980

c

+

495 v

+

495 m

= 29'70

 

89'70

B.

GoI d pro d u k t i o n .

20c + 5v

+ 5m

30

 

9000

+

1650 (in Geld)

+

825

(in Geld)

2475

(in Geld)

+

30

 

3505

(in Geld)

Nach wie vor beträgt der Gesamtumfaug der Produktion 9000. Dio Voraussetzung der einfachen Reproduktion wurde nicht ver-

letzt. Jedoch in f 0 I g e der Eröffnung der GoI d produktion ist

der

worden.

Zugleim sehen wir, daß die Goldproduktion bloß sc h ein b a r nur auf Kosten der Kapitalisten der Abt. II stattfindet. Die Ein- sdiränkung des Produktionsumfangs in II war bloß eine ei n-

War e n produktion auf 8970 ver mi n der t

Umfang

der

m

a l i g e Wirkung des Übergangs zur Goldproduktion. Auf die

D

a u e r aber erfolgt der Ersatz des Versdileifles der Geldmittel

nicht auf Kosten nur e i n e I" der beiden Abteilungen des Sdiemas,

wie das R. Lux e m bur g behauptet, vielmehr sind die Kapita- listen beider Abteilungen des Schemas an den Abgaben zu Zwecken des Ersatzes des GeldversdIleißes g l e ich m ä ß i g, d. h. pro-

portional zur Größe ihrer Kapitalien beteiligt. Die Kapitalisten der Abt. I geben nämlich von ihrem Mehrwert 1000 malljährlim 20 m Produktionsmittel, und die Kapitalisten der Abt. II von 495 m alljährlich 10 m Lebensmittel für Zwecke der Goldproduktion ab, ohne daß dadurch die "samlimen und Wel"tproportionen", d. h. das

G l e i c h g e w ich t

EndlidI ergibt sich die Auf s c hat z u n g der Gel d m i tt e ] als eine notwendige Folge der Goldproduktion audi unter den Be- dingungen der einfachen Reproduktion. Die Kapitalisten I haben statt des tatsächlidion Geldverscilleilles von 16 2 / 3 g 20 g, d. h, um 20/6

m ehr an Geld zurückerhalten. Die Kapitalisten 11 bekamen statt

gestört zu werden braucht.

Die

Goldproduktion im Reproduktionssdiema usw.

183

ihres Verbrauchs von 8 1 /s g 10 g, d. h, um 1°/6 mehr an Geld zu- rück, wodurch der Gesamtvorrat der Oesellsdiaft an Geld von 2475 auf 2505 vergrößert wurde 6).

6) An den Resultaten unserer Untersudmag wird sidi nichts ändern,

wenn wir - wurde -

Wir erhalten dann das folgende Schema:

nadidezn die Goldproduktion zunächst gesondert dargestellt

sie nun als einen Bestandteil der Abteilung I zeigen werden.

I

4020 c +

1005 v

+

1005 m = 6030

Geldvorrat 1650 g

II

1980

c

+

495 v

+

495 m = 2970

Geldvorrat

825

g

6000

c +

1500 v +

1500 m = 9000

Geldvorrat 2475 g

Zunächst ist es wichtig festzustellen, daß nicht das ganze }ahrespro- dukt der Abt. I 6030 aus Pro d u k t ion s mit tel n besteht: an diesen sind nur 6000 vorhanden; der Rest von 30 besteht aus Goi d, eignet sidi somit nicht zum Ersatz von c, sei es in Abt. I oder in Abt. 11. Wir müssen daher die Abt. I in zwei Unterabteilungen, und zwar die der Goldproduktion und die der eigentlichen Warenproduktion zerlegen und erhalten dann die folgende Gestalt des Schemas:

I J

20 c

+

5 v +

5 m =

30 (in Goldform)

14000c + 1000 v + 1000 m = 6000 (in Produktionsmitteln)

1I 1980 c

+

495 v

+

495 m =

2970 (in

Lebensmitteln)

Es sind nun kurz die Umsätze dieses Schemas zu erklären. Die 1I v =

495 konsumieren selbst ihre Lebensmittel. Die II c = 1980 (Lebensmittel)

müssen gegen Produktionsmittel I (v + m) ausgetauscht werden, und zwar gegen I v = 1000, bestehend aus Produktionsmitteln (der Rest in I v =

5 besteht aus Gold) und Im = 980, die gleichfalls die Gestalt von Pro- duktionsmitteln haben. In I m bleibt somit ein Rest VOll 20 l1l (Produk- tionsmittel) und 5 m (Gold). - Da der Annahme nadi I V =5 (Gold)

und Im = 5 (Gold) k 0 n s u m i e r t,

ausgetauscht werden sollen, müssen sie diese Lebensmittel - da weder in II c nodi in II v frei verfügbare Lebensmittelquanten vorhanden sind -, aus II m = 495 entnehmen. Dadurdi sinkt der von den Kapita- listen II zu konsumierende Mehrwert auf 485, dafür aber bleibt in ihren Händen als Gegenwert 10 m in Goldform. - So ergibt sieh, daß die

I 5 v

Warenproduktion

+ 5 m der Goldproduktion sie h n ich t g e gen 1I c a u s-

daher vorerst gegen Lebensmittel

tau s c he n, wie dies normalerweise im Sdiema der

geschieht: vielmehr sehen wir, daß die Lebensmittel für Arbeiter und Kapitalisten der Goldproduktion aus dem M ehr wer t der Abt. II d e r War e n pro du k t ion entnommen werden müssen.

der ein-

fachen Reproduktion wird der Wert der verbrauchten I c auf das jahresprodukt übertragen, und die verbrauchten I c können normaler- weise in na t u raa u s dem Ja 11 r e s pro d 11 k t ihrer eigenen Abtei-

Wie erfolgt aber der Ersatz von I c = 4020? Nadi dem Schema

184 H. Grossmann : Die Goldproduktion

usw,

So hat das Ergebnis unserer Analyse bestätigt, daß die Darstel- lung der Reproduktion des Geldmaterials, wie sie M a r x im II. Bde. des "Kapital" (K. H, S. 468) gibt, vollständig richtig ist und daß die an jener geübte Kritik R. Lux e m bur g s sich als völlig verfehlt erwiesen hat.

lung wieder erneuert werden. In unserem Schema jedodi, welches audi die Goldproduktion umfaßt, können die I c = 4020 nidrt vollständig aus dem c-Teil des Jahresprodukts ersetzt werden, da, wie wir wissen, nur die I 4000 c die Gestalt von Produktionsmitteln, dagegen die restlichen

I 20c GoI d f 0 r m haben. Somit bestünde keine Möglichkeit, die für die Goldproduktioll bestimmmten Produktionsmittel 20c zu ersetzen. Daher kaufen die Kapitalisten I c der Goldproduktion mit ihren 20c

in Goldform die nötigen Produktionsmittel bei I m der War e n produk-

tion, in deren Händen, wie wir wissen, nodi ein unverkaufter Rest ihres

Mehrwerts 20 m zurückblieb. Dadurdi wird das konstante Kapital der Abt. I sowohl in der Warenproduktion als audi in der Goldproduktion vollständig ersetzt, zugleim aber bleiben in den Händen der Kapita-

listen I (Warenproduktion) als Gegenwert für die an die Goldproduzen- ten abgetretenen Produktionsmittel 20m in Goldform. - Audi hier, in bezug auf die Erneuerung der I c der Goldproduktion zeigt sidi ein

U nt e r s chi e d

Die I c der Goldproduktion

sprechenden c-Tcil des Juhresprodukts ihrer eigenen Abteilung, sondern aus dem Mehrwert der Abt. I der Warenproduktion

entnommen. Als Ergebnis der

(Produktionsmittel) ein Mehrwert in Goldform = 20, in den Händen der Kapitalisten 11 (Lebensmittel) ein Mehrwert in Goldform = 10, wodurch die bisher vorhandene Geldmasse 2475 g auf 2505 g erhöht wird. Endlidi haben wir hier die bei Mal' x angesagte, aber in seinem Manuskript fehlende Darstellung der be so n der e n Be weg U 11 gen bei dem Ersatz sowohl des konstanten Kapitals der Goldproduktion, I c, als audi ihres I (v + mj-Teils rekonstruiert und somit die uns gestellte Aufgabe

gegenüber dem Normalschema der Warenproduktion.

werden nämlich nicht aus dem ihnen ent-

Umsätze

bleibt in den

Händen der

Kapitalisten I

gelöst.

Hegel und das Problem der Metaphysik.

Von Max Horkheimer (Frankfurta.M.).

"Was vernünftig ist, das ist wirklich; und was wirklich ist, das ist vernünftig." Der berühmte Satz aus der Vorrede zur Rechts- philosophie weist auf zwei sehr verschiedene Seiten des Hegeischen Denkens hin. Der erste Teil spricht aus, daß ein Unbedingtes, das wesentlich bloß in der Idee bestünde oder "nur Begriff, Prinzip des Geistes und Herzens" wäre (Enzykl. § 482), sich nicht von einem Hirngespinst unterschiede. Die Überzeugung, daß auch die philo- eophisdie Gattung der Geschichte "bloß aufzufassen hat, was ist und gewesen ist, und um so wahrer bleibt, je mehr sie sich an das Gegebene hält" (Vorl. üb. d. Philosophie d. Cesdi., IX, 12) 1), läßt Hegel in einer Linie mit den aufklärerischen Philosophen erschei- nen, denen man ihn radikal entgegenzustellen pflegt.

Lehnt er so eine vom irdischen. Sein sich entfernende Schau ent- schieden ab, so ist seine Lehre doch ein metaphysisches System. Seine Uberwindung der traditionellen Unterschiede zwischen Dies- seits und Jenseits, Endlichkeit und Unendlichkeit, zwischen der civitas terrena und coelestis, dem mundus intelligibilis und sensibi- lis, der heiligen und der unheiligen Geschichte geschieht bei ihm nicht im Sinne der verweltlichenden Aufklärung. Das sichere Wissen

wie "das natürliche Licht" bei d' Alembert auf die Er-

kenntnis der psychischen und physischen Erscheinungen beschränkt bleiben, es empfängt Begründung und Ziel nidit aus dem tätigen Leben der Menschen, sondern es hat aus sich selbst Reditfertigung und Sinn des Lebens hervorzubringen. Der zweite Teil jenes Satzes formuliert in klassischer Weise die Sanktionierung des Weltlaufs durch den reinen Gedanken; denn daß alles Wirkliche vernünftig sei, bedeutet, es sei in Ordnung. Indem Hegel die Offenbarung auf die erfahrbare Wirklimkeit beschränkt, erweitert er die Ge- gebenheit zur Offenbarung; indem er das Göttliche verweltlicht, ver-

soll nicht

1) Zitiert wird nadi der

"durm einen Verein von Freunden des Ver-

ewigten" veranstalteten Ausgabe, deren Seitenzahlen audi in der Glock-·

nersdien Jubiläumsausgabe enthalten sind.