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Vorlesung: „Antike und Christentum“(28.6.

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2.2.3 Donatistenstreit
Bei dem s.g. Donatistenstreit, kam es in Nordafrika, in der christlichen Gemeinde Karthagos
zu einem Schisma aufgrund massiver Kritik am Bischof Caecilianus, dem vorgeworfen
wurde, von einem traditor (d.h. einem Bischof, der während den Verfolgungen unter den
Tetrachen heilige Schriften ausgeliefert hatte) geweiht worden zu sein. Aus diesem Grund
wurde Caecilianus von seinen Kritikern seines Amtes enthoben, und zunächst durch
Maiorinus und nach dessen baldigen Tod durch Donatus ersetzt. Allerdings begnügten sich
die Donatisten nicht mit einem theologischen Disput mit Caecilianus, sondern warfen ihm
gleichzeitig mehrere Straftatbestände vor, weswegen sie Klage beim Statthalter erhoben und
eine Eingabe an den Kaiser verfassten. Damit riefen die Donatisten den Kaiser in seiner
Funktion als Richter an und involvierten ihn auf diese Weise in den Konflikt. Konstantin
führte die Klage jedoch nicht selbst, sondern ließ zu diesem Zweck eine
Bischofsversammlung einberufen, die das Urteil fällen sollte, welches der Kaiser
beabsichtigte zu übernehmen und mit staatlichen Mitteln durchzusetzen. Da die
Bischofsversammlung Caecilianus frei sprach, sahen sich die Donatisten veranlasst, beim
Kaiser Berufung einzulegen, der daraufhin selbst eine zweite Synode einberief, die allerdings
zum selben Ergebnis gelangte wie die erste. Als die Donatisten daraufhin wiederum an den
Kaiser appellierten, führte er schließlich die Verhandlung persönlich an seinem Kaiserhof
durch, wobei Caecilianus zum dritten Mal frei gesprochen wurde.
Formal handelte der Kaiser während des ganzen Konflikts in seiner traditionellen Rolle als
oberster Richter, was offenbar von der Mehrzahl der Kirchenvertreter akzeptiert wurde.
Kritik kam lediglich von Donatus selbst, welcher die Frage aufwarf, was denn der Kaiser mit
der Kirche zu tun habe (Quid est imperatori cum ecclesia?) – eine Aussage, die allerdings
nicht als grundsätzliche Stellungnahme zur Relation von Kaiser und Kirche missverstanden
werden darf. Bezeichnend ist, dass die Donatisten selbst den Kaiser in die Angelegenheit
involviert hatten, was darauf schließen lässt, dass sie keine Zweifel an seiner Zuständigkeit
hatten und zudem die Frage von Donatus erst formuliert wurde, nachdem er und seine
Anhänger ihre Position nicht hatten durchsetzen können. Dennoch wurde die Frage,
bezüglich des Verhältnisses von Kaiser und Kirche, auch schon von Zeitgenossen als
prinzipielle aufgefasst – so formulierte Optatus von Mileve in der zweiten Hälfte des 4. Jhs.
als Replik, dass der Staat nicht Teil der Kirche, sondern die Kirche ein Teil des Staates sei.

2.2.4 Arianismusstreit
Der Arianismusstreit, der zunächst zahlreiche Gemeinden im Osten beschäftigte und sich
dann auf den Westen ausdehnte, befasste sich mit der theologischen Frage nach dem Wesen
Christi. Hierbei vertrat der alexandrinische Presbyter Arius die Auffassung, dass Christus als
„ein Geschöpf und ein Geschaffenes“ zu verstehen sei, womit er ihn primär als Mensch und
nicht als Gott begriff. Aufgrund der Tatsache, dass seine Gegner diese Meinung strikt
ablehnten und die Auffassung vertraten, dass Christus selbst Gott sein müsse, um seine
soteriologische Funktion erfüllen zu können, wurde Arius aufgefordert, sich von seiner
Ansicht zu distanzieren. Da er dies ablehnte, wurde eine Synode der ägyptischen Bischöfe
unter der Leitung des Bischofs Alexander von Alexandrien einberufen, welcher Arius
exkommunizierte. Da allerdings sowohl eine Synode bithynischer Bischöfe als auch eine
weitere in Palästina Arius Auffassung als rechtgläubig beurteilten – sich aber Alexander von
Alexandrien weigerte Arius wieder in die Kirche aufzunehmen, wurde nun Kaiser Konstantin
tätig, der aus seiner traditionellen Rolle als pontifex maximus heraus handelte in der er darauf
zu achten hatte, dass die Kulte im Reich angemessen vollzogen wurden, um so zum Wohle

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des Reiches wirken zu können.
Die Motivation des Kaisers hierbei war es, die Einheit des Glaubens wiederherzustellen, die
er als wesentliches Element der Einheit des Reiches begriff.
Nachdem im Jahr 324 auch durch einen Brief des Kaisers an Alexander von Alexandrien und
Arius, mit der Aufforderung den Konflikt beizulegen, keine Lösung herbeigeführt werden
konnte und auch eine weitere Synode nichts auszurichten vermochte, berief der Kaiser eine
Synode von Bischöfen aus dem ganzen Reich nach Nicaea ein – ein Ereignis, das später als
das erste Konzil der Kirchengeschichte bezeichnet wurde. Konstantin übernahm dabei eine
Schlüsselfunktion, da er die Versammlung in seinem Palast tagen ließ, den Vorsitz persönlich
übernahm, sich an den Verhandlungen beteiligte und offenbar sogar an der Formulierung des
Ergebnisses entscheidend mitwirkte. Als Kompromiss wurde eine neue Glaubensformel
erarbeitet: Gottvater und Christus seien „wesensgleich“ (homoousios), Christus „wahrer Gott
vom wahren Gott“. Konstantin proklamierte die Beschlüsse in einem offiziellen Edikt und
verlieh ihnen damit Gesetzeskraft.
Die Rolle des Kaisers hierbei wurde offenbar von der Mehrzahl der Bischöfe akzeptiert, da
eine Lösung für diesen Konflikt gefunden werden musste und die Kirche zu diesem Zeitpunkt
noch über keine Einrichtung verfügte, die über die Autorität verfügt hätte, im gegebenen Fall
widersprüchlicher Auffassungen von Provinzialsynoden, eine Entscheidung herbeizuführen –
nicht zuletzt, da der Bischof von Rom zu dieser Zeit noch nicht den Primat erlangt hatte, den
er im 5. Jh. besaß.
Eine kritische Haltung gegenüber dem Kaiser war nur bei den Kirchenvertretern zu erkennen,
die ihre Position nicht durchsetzen konnten – in diesem Fall Athanasius von Alexandrien.
Auf einer Synode in Antiochien (328) wurde, durch Initiative des Athanasius die
grundsätzliche Regelung durchgesetzt, dass bei Konflikten unter Bischöfen die
Provinzialsynoden in herkömmlicher Manier als Gerichte fungieren sollten. Ein von einer
solchen Synode verurteilter Bischof sollte nur noch Revisionsmöglichkeiten für den Fall
haben, dass er nicht einstimmig verurteilt wurde. In diesem Fall sollte diese Angelegenheit
einer größeren Synode – vermutlich auch bestehend aus Bischöfen der Nachbarprovinz –
vorgetragen werden. Da Verfahren, die Bischöfe betrafen, nur noch von kirchlichen Synoden
durchgeführt werden sollten, wurde den Betroffenen explizit untersagt, an den Kaiser zu
appellieren.
Wurden einem Kleriker jedoch neben theologischen Verfehlungen auch Straftaten
vorgeworfen, für die weiterhin ein weltliches Gericht zuständig war, oder gelangten
verschiedene Bischofsgerichte zu unterschiedlichen Einschätzungen, so erwies sich das in
Antiochien beschlossene Verfahren als nicht praktikabel, da auch jetzt noch eine höhere
Institution nötig war, so dass man wiederum auf die Unterstützung des Kaisers angewiesen
war.
Entsprechend war es konsequent, dass die kaiserliche Synodalgewalt, d.h. das Recht des
Kaisers Synoden einzuberufen, zu leiten und für die Umsetzung der Beschlüsse zu sorgen,
nicht ernsthaft in Frage gestellt wurde.

2.2.5 Herausbildung eines christlichen Kaisertums


Konstantins Verhältnis zum Christengott änderte sich mit der Zeit – hatte er sich anfangs in
der Schlacht als von ihm begünstigter gefühlt, so sah er sich immer mehr als von ihm
beauftragter Herrscher. Zudem schien er den von ihm favorisierten Gott auch nicht eindeutig
als Christengott verstanden zu haben, sondern identifizierte ihn – in synkretistischer Art und
Weise – mit dem Sonnengott.
Seine Auffassung, von Gott beauftragt zu sein kam besonders ab 324, als er alleiniger Kaiser
des Römischen Reiches wurde, zum Ausdruck. Überdies entstand die Vorstellung, dass der

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Kaiser für die Verbreitung der christlichen Religion zuständig und das Reich unter dem
Christentum religiös zu einen sei.
Bezüglich des Herrschaftskonzeptes lag ein Gottesgnadentum christlicher Provenienz vor.
Zwar waren Ansätze für ein Gottesgnadentum schon unter den Tetrachen auszumachen,
allerdings lässt sich deren Herrschaftskonzeption eher als eine Mischform aus Gottkaisertum
und Gottesgnadentum verstehen, in dem die Kaiser sowohl von Göttern Beauftragte, als auch
Söhne von Göttern und damit selbst Teil der göttlichen Familie waren.
Einen wichtigen Anteil an der Herausbildung des christlichen Kaisertums hatte Eusebius von
Caesarea, der herausstreicht, dass Gott Konstantin zum Herrn aller erwählt habe, so dass sich
kein Mensch rühmen könne, ihn erhoben zu haben – was Widerstand gegen den Kaiser
gleichzeitig unzulässig machte.
Auch wenn nun der christliche Kaiser nicht mehr als Gott verstanden wurde, endete die
Verehrung des Kaisers keinesfalls – so blieb etwa die Bedeutung des Kaiserbildes erhalten,
dessen Adoration nicht vollständig und ersatzlos verboten wurde. Allerdings wurde nun aber
versucht, ihm eine neue Interpretation zu geben – so sollte die Verehrung jetzt nicht mehr der
Person des Kaisers gelten, sondern als Zeichen der Loyalität gegenüber dem Amt verstanden
und damit säkularisiert werden.
Die Zuständigkeiten des Kaisers änderten sich durch die Christianisierung kaum. Allerdings
war eine Neuerung im Anspruch zu sehen, für die Verbreitung des Christentums einzutreten,
der nicht nur innerhalb des Reiches, sondern auch nach außen galt. So fühlte sich der Kaiser
aufgerufen, für die Missionierung der Barbaren, mindestens aber für den Schutz der Christen
außerhalb der Reichsgrenzen zu sorgen.
Auch die Herrschertugenden, die der Kaiser für sich in Anspruch nahm und an denen er
gemessen wurde, wie etwa Milde (clementia), Freigiebigkeit (liberalitas), Wohltaten
(beneficia), Gerechtigkeit (iustitia) und Tapferkeit (virtus) blieben weitestgehend erhalten.
Allerdings war es nun für den Kaiser, aufgrund der religiösen Legitimation seiner Herrschaft,
weniger wichtig, sich im konkreten Handeln als der Beste zu bewähren. Zu den alten
Tugenden kam nun zusätzlich die spezifisch christliche Erwartung, der Kaiser habe auch
Demut (humilitas) zu zeigen. Ein neuartiges Kriterium für die Bewertung der späteren
getauften Kaiser war zudem auch ihre Rechtgläubigkeit (Orthodoxie).

2.2.6 Toleranz Konstantins gegenüber den pagani


Trotz des Bezugs auf den Christengott gestaltete Konstantin dennoch nicht das Reich
konsequent im christlichen Sinne um. Hinsichtlich seiner Gesetze sind beispielsweise
spezifisch christliche Intentionen nur in sehr wenigen Fällen auszumachen. Ebenfalls
unternahm Konstantin kaum Schritte gegen pagane Kulte. Allerdings verbot er die privat
betriebene Wahrsagerei und Eingeweideschau – was allerdings insofern keine exklusiv
christlich motivierte Handlung darstellte, da ebenfalls bereits heidnische Kaiser, aus Furcht
vor von politischen Gegnern betriebener privater Prophetie und magischen Praktiken (z.B.
Schadenszauber), Gesetze dagegen erließen. Zwar äußerte sich der Kaiser zunehmend
despektierlich gegenüber den pagani, bezeichnete sie etwa als unvernünftig und hielt ihnen
vor sich vor der Wahrheit zu verschließen, ging jedoch nicht gewaltsam gegen sie vor und
versuchte nicht, sie zur Hinwendung zum Christentum zu zwingen. (vgl. auch Eusebius, Vita
Constantini 2,60,1)

Themen:
1. Der Donatistenstreit und seine Bedeutung für die Relation Staat – Kirche
2. Der Arianismusstreit und seine Auswirkungen auf das Verhältnis Staat und Kirche
3. Die Problematik eines christlichen Kaisertums