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Baden ist.

Infrastruktur Interview Christine Zenz

Interview Nr. 1
Interviewer: Yvo

Interviewpartner Name: Christine Zenz

Funktion: Präsidentin QV Römer

Ort, Datum: Baden, 30.04.2008

Welche Verkehrsmittel benutzen Sie, um in die Stadt zu gelangen?

Zenz: Also ich nehme meistens das Velo, wenn ich Einkäufe tätige oder sonst etwas mache, weil es
hat meistens nicht so viele Parkplätze, vor allem am Wochenende, wenn die Auswärtigen kommen,
daher nehme ich meistens das Velo.

In diesem Fall ist das Velo eine gute Alternative zum Auto?

Zenz: Auf jeden Fall. Das Auto brauche ich eigentlich nur, wenn ich zur Arbeit fahre, aber für in die
Stadt brauche ich es nicht.

Benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel?

Zenz: Weniger, weil ich… ja es gibt den Bäderbus, der hier nach untern fährt, aber den brauche ich
eigentlich nur, wenn ich einmal ganz schwere Taschen habe. Aber sonst eigentlich nie.

Wie sieht es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus, wenn sie vielleicht einmal ins Tägi gehen?

Zenz: Ja, dann nehme ich schon den Bus aber das ist selten. Früher, als wir noch etwas mit den Kin-
dern unternommen haben, brauchten wir den Bus sicher häufiger, aber heute sehr selten. Die öffent-
lichen Verkehrsmittel brauche ich eigentlich nur noch, um nach Zürich in den Ausgang oder so zu
gehen, dann nehme ich den Zug.

Wie sieht denn das Angebot aus, ist es ausreichend oder bräuchte es noch mehr Verbindungen?

Zenz: Ja, es ist schon besser als früher, also man kommt nach dem Ausgang am Wochenende doch
noch nach Hause, weil früher sind diese Züge nur bis um halb zwölf gefahren und jetzt hat man im-
merhin noch einen späten und dann nochmals einen. Also da haben sie schon ziemlich vorwärts ge-
macht, für meine Bedürfnisse ist es gut. Was man dann schauen muss, ist mit dem Thermalbad,
wenn das dann gebaut wird, dann müsste man dort den öffentlichen Verkehr etwas anpassen und
angleichen.

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Was ist Ihre Meinung zu der Fussgängerzone in der Weiten Gasse und der Badstrasse? Ist das eine
gute Idee oder müsste man diese zusätzlich noch ausweiten, wie man es jetzt mit der Schliessung
des Blinddarmes tut?

Zenz: Für mich als Stadtbewohnerin gilt: Je mehr Fussgängerzonen desto besser. Absolut, ich finde es
auch irrsinnig schön, wenn man autofrei flanieren kann, ohne dass man ständig schauen und zur Sei-
te springen muss.

In diesem Fall befürworten Sie die Schliessung des Blinddarmes?

Zenz: Absolut. Ich bin dafür, weil ich brauche das Auto nicht in der Stadt, ich bin nicht darauf ange-
wiesen, mitten in die Stadt zu fahren. Es ist eben schon ein Vorteil, wenn man bereits in der Nähe
wohnt.

[Bildung + Dienstleistung weggelassen; kein Interesse, Kinder bereits zu gross und nicht mehr so oft
gebraucht]

Wie sehen Sie die Vielfalt von Geschäften? Bräuchte es mehr Geschäfte, hat es zu viele oder vermis-
sen Sie ein bestimmtes Geschäft?

Zenz: Ich finde es absolut ausreichend, es hat ein wenig viel Schuh- und Kleiderläden. Ein wenig mehr
Vielfalt wäre noch wünschenswert, vor allem, dass nicht immer in den schönsten Häusern der Mc
Donald‘s oder Burger King ihre Filialen eröffnen. Darauf, finde ich, sollte man ein wenig achten, aber
das ist halt eben Privatwirtschaft. Da hat man meistens nicht so viel Einfluss darauf.

Was halten Sie davon, dass Migros, Coop und der Manor alle fast am selben Ort sind? Hätte man
die nicht ein wenig weiter von einander entfernt bauen sollen?

Zenz: Nein, das ist tip top so wie es ist. Das ist für mich sehr praktisch.

Tätigen Sie ihre Einkäufe demnach hier in der Stadt?

Zenz: Ja, meistens in der Migros, weil die am nächsten liegt und wenn ich Wein brauche, gehe ich in
den Coop oder zu Marinello, dem Italiener in der Bahnhofunterführung.

Wie beurteilen Sie das Angebot an Cafés und Restaurants?

Zenz: Auch hier gilt für mich: je mehr, desto besser. Es ist auch schön, dass man die Weite Gasse auf-
gewertet hat, dass man jetzt auch draussen sitzen kann. Denn wenn man schon eine Fussgängerzone
hat, dann soll es da auch Cafés haben, in denen man draussen sitzen kann und da bin ich also absolut
dafür.

Nutzen Sie selbst denn dieses Angebot?

Zenz: Unbedingt. Es gehört für mich zur Lebensqualität. Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne.

Was ist für Auswärtige an der Stadt Baden attraktiv?

Zenz: Dass man alles bekommt natürlich und es hat ja an den Wochenenden jeweils wahnsinnig viele
Leute hier, vor allem am Samstag, dann ist die Stadt jeweils proppenvoll. Und das ist halt so, weil wir
in Baden auch fast alle Läden haben, ausser vielleicht ein Mango oder der Zara, für welche man halt

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speziell nach Zürich geht. Und wir haben natürlich wirklich viele Möglichkeiten um einzukaufen. Frü-
her als Kind, als wir noch auswärtig gewohnt hatten, gingen wir viel nach Spreitenbach, weil da auch
alles beieinander ist. Aber ich finde diese Qualität hat Baden auch, dass man recht nahe viele ver-
schiedene Möglichkeiten hat. Gerade Schuhe und Kleider hat es bis zum Abwinken. Theoretisch muss
man nicht nach Zürich. Und ich kenne mich auch aus und weiss in welchen Laden ich gehen muss,
damit ich das und das bekomme.

Wie sehen Sie das Angebot an Naherholungsplätzen? Hat es zu wenige und müsste man vielleicht
auch noch andere Plätze als der Kurpark aufwerten?

Zenz: Für mich hier natürlich nicht, weil ich bin hier gerade im Mättelipark unten und auch schnell
beim Kappelersee. Ich habe also ein sehr nahes Naherholungsgebiet hier. Ein paar Meter und dann
bin ich schon da, oder der Kurpark, der wird ja jetzt auch schaurig schön. Also, was ich finde, wo es in
die Hosen ging, ist der Trafopark. Der ist wirklich für nichts. Da sitzt jetzt niemand hin und hat Freu-
de, dass er sein Sandwich essen kann. Mehr Plätze, also wenn der Schossbergplatz auch noch fertig
gemacht wird, der Theaterplatz ist ja bereits gemacht, braucht es nicht.

Finden Sie, der Theaterplatz ist gut gelungen?

Zenz: Ja, der ist wirklich gut gelungen. Der einzige Nachteil ist mit dem Flohmarkt, dass der jetzt ja
auf dem Theaterplatz ist und ich habe das Gefühl, die Altstadt leidet. Einerseits mit der Brücke, ob-
wohl sie viele Vorteile hat, von Ennetbaden hinüber nach Baden, andererseits wird die Altstadt ein-
fach so bei Seite gelassen. Noch vor 15 Jahren, so 1990/92, als das Brückchen noch war und die klei-
nen Lädelis noch waren, hat die Altstadt noch gelebt und jetzt dünkt es mich, ist es schaurig schade
für die wenigen, die noch Läden dort haben. Für die ist es wirklich hart. Es ist ein hartes Pflaster, um
dort zu überleben. Das dünkt mich schade, ich finde, dort müsste die Stadt wirklich etwas machen,
dass die Altstadt angebunden wird mit Attraktivitäten und Aktivitäten, dass man irgend auf eine Wei-
se wieder versucht, dass sie wieder Leben bekommt. Weil die wird sonst einfach links liegen gelas-
sen, weil der Flohmarkt führt nicht mehr dort hinunter, weil der jetzt ja auf dem Theaterplatz ist.
Aber grundsätzlich finde ich der Theaterplatz ist gut gekommen. Die Bäume könnten noch ein wenig
wachsen.

Wie sieht es mit der Anzahl Arztpraxen hier in der Gegend aus?

Zenz: Ja hier hat es natürlich einen Haufen. Wobei, ich selbst habe das Hausarztmodell. Mein Arzt ist
der Doktor Lipsig in Ennetbaden. Das ist natürlich auch ein Katzensprung von hier. Unsere ganze Fa-
milie ist bei ihm, es ist also praktisch. Zahnärzte hat es ja auch genügend, im Langhaus hat es einige
und da hat es ja diese Notfallgemeinschaftspraxis, die 24 Stunden täglich offen ist. Das ist sicher auch
etwas Gutes.

Wie finden Sie Baden als Standort für ein Kantonsspital?

Zenz: Also das muss unbedingt sein, finde ich. Nur Aarau ist ein bisschen zu wenig.

Sind Sie persönlich kulturell interessiert?

Zenz: Ja, sehr.

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Welche Museen in Baden kennen Sie und welche nutzen Sie selbst auch? Ist Ihrer Meinung nach das
Kulturprogramm ausreichend und wird das auch genügend publiziert?

Zenz: Also wir haben da ja diese kleine Agenda die jeden Monat kommt: „Baden ist. Programm“ und
dann natürlich auch die Tagespresse, in der das Zeugs ausgeschrieben ist. Und ja, je nach Angebot
nutze ich das. Das Landvogteischloss ist beispielsweise etwas, wo man immer wieder schöne Sachen
anschauen kann. Dann ist da die Galerie beim Langhaus. Der Kunstraum Baden, der hat auch immer
wieder spannende Sachen. Dann das Trudelhuus, das ist in dem Sinn keine Galerie, aber es hat auch
immer wieder Ausstellungen. Und… irgendwie… das Bärenmuseum, das ist ein kleines, das ist in der
Altstadt unten.

Funktioniert Ihrer Meinung nach die Publikation dieser Anlässe gut?

Zenz: Ja, auf jeden Fall.

Wie sieht es mit dem gesamten Angebot aus? Ist es eher zu viel oder zu wenig?

Ja, also ich finde Baden braucht in diesem Sinn nicht mehr. Wenn man gute und grosse Ausstellungen
sehen will, dann ist es nicht weit nach Basel oder nach Zürich. Baden ist nicht so eine grosse Stadt
und für das hat es kulturell sehr viel zu bieten, vor allem musikalisch. Ich bin eher im musikalischen
Bereich interessiert, dadurch, dass mein Mann Musiker ist, also ich gehe eher an ein Konzert, als an
Ausstellungen.
Die Fotogalerie gab es früher noch und das ist schade, dass es die nicht mehr gibt, weil ich arbeite
selbst als Fotografin. Aber die überlebte leider nicht, was ich wirklich schade finde, wobei ein Grund
dafür sicher war, dass sie, wenn schon dann schon, zentraler hätte liegen müssen. Die war eben in
der Limmataue, also eben nicht am Weg. Aber es hat im Kunstraum auch immer wieder einmal eine
Fotoausstellung, von dem her…

Was ist Ihre Meinung zur Renovierung des Kurtheaters?

Zenz: Das muss man auf jeden Fall machen. Das Kurtheater ist sehr wichtig, ich gehe gerade heute
wieder. Aber auch sonst gehe ich immer wieder Sachen anschauen und ich finde, es hat ein sehr viel-
fältiges Programm, welches immer wieder viele verschiedene Leute anzieht. Jetzt im Moment ist ja
„Steps“, also tanzen und dann ist wieder einmal Theater und dann wieder eine Komödie, es ist sehr
vielfältig, finde ich. Und es ist auch wirklich sanierungsbedürftig. Ich finde, das ist also schon renom-
miert, es gibt das Theater jetzt dann bald seit 100 Jahren. Es ist absolut eine feste Institution, die zu
Baden gehört und zu welcher man Sorge tragen muss. Ich finde schade, dass sie die Mittlere Bühne
nicht bekommen haben. Das ist ja jetzt nach Aarau gegangen, das fehlt ein wenig. Also gerade für
Tanz, weil man hat nur die grosse Bühne jetzt und dann noch eine kleine Bühne, also eine wirklich
kleine, wo dann sehr wenige Leute Platz haben. Dazwischen gibt es wie nichts. Also etwas wo man
mittlere Veranstaltungen machen kann, weil das Kurtheater hat 600 Leute und die kleine Bühne etwa
50. Also irgendetwas dazwischen hätte ich mir gewünscht und all diese Kulturschaffenden, die hier
im Umfeld tätig sind, also Baden und Region, denen hätte ich eine mittlere Bühne gewünscht, dass
sie das bekommen hätten. Es ist ja auch einmal, glaube ich, die Linde zur Diskussion gestanden. Aber
ich glaube jetzt, dass Aarau trotzdem die Bühne bekommen hat. Hier kommt diese Bühne zu teuer.
Aber das Kurtheater finde ich sehr wichtig für Baden. Es hat sich ja auch etabliert.

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Wie ist das Angebot an Räumlichkeiten für die jugendliche Kulturszene?

Zenz: Es dürfte etwas mehr haben, vor allem auch etwas für unter 16 Jährige, weil meine Jungen sind
jetzt 12 und 14 Jahre alt und die können eigentlich nirgendwo hin, denn das reformierte Kirchenhaus
ist ja auch nicht der Rahmen, den sie sich wünschen in diesem Alter. Dann hängen sie halt im Kurpark
herum oder sonst an geschützten Orten. Ich habe einen Antrag an die Stadt gestellt, hier etwas zu
machen. Die sagen jedoch, es sei schwierig, weil es so viele Gruppierungen unter den Jugendlichen
gibt, die sich untereinander nicht vertragen. Und das ist ein Standpunkt, den ich verstehe, aber min-
destens eine Art Jugendhaus finde ich erstrebenswert. Das müsste man machen.

Demnach wollen Sie, dass die Stadt etwas für die unter 16 Jährigen anbietet?

Zenz: Genau. Ich glaube, die Villa Fluck dort bei euch bei der Kantonsschule hinten ist so etwas für
unter 16, aber ich bin mir nicht sicher. Ich kenne es zu wenig, was sie dort genau machen. Und… was
wollte ich noch sagen. Ah ja, was mir auch noch ein wenig fehlt, sind so ein wenig die Nischen. Zum
Beispiel die Seerose, die man abgerissen hat und so ein wenig Nischenkultur, so sage ich dem einmal,
das fehlt mir ein wenig und das wird auch immer weniger. Früher gab es ja noch das Kuba eingangs
der Bruggerstrasse. Eben das ist halt so eine Nischenkultur die immer ein wenig mehr verloren geht
und wie keinen Raum mehr findet in Baden, weil alles neu gemacht und abgerissen wird. Da muss
man etwas aufpassen, dass man die Vielfalt und die Durchmischung ein wenig beibehält. Aber eben,
ich finde, dass Baden sich da schon ein wenig mehr Mühe geben muss, vor allem mit den Jugendli-
chen. Mit dem Merkker haben sie es ja auch ein wenig „verlaueret“. Es klappt ja jetzt Gott sei Dank,
aber ich meine, die haben das gewusst, dass es das Merkker nicht mehr lange geben wird. Aber ich
weiss nicht von meiner Seite her, was die alles gemacht haben, aber plötzlich hiess es dann fertig
lustig. Und jetzt haben sie es ja Gott sei Dank abwenden können, aber sie mussten halt schon ziem-
lich auf die Beine stehen. Sie können jetzt einmal vorerst bleiben. Auf jeden Fall muss sich die Stadt
dafür einsetzen. Und zwar für Kultur für alle Alterssparten, jung, alt, auch Kinderkrippen, also von A
bis Z. Und sie muss schauen, dass halt jeder sein Ding ein wenig hat.

Wie finden Sie denn, vermarktet sich die Stadt selbst?

Zenz: Ich finde das noch schwierig zu beurteilen. Ich bin hier ja nicht Tourist. Wenn ich jetzt ein Tou-
rist von ausserhalb wäre, dann vielleicht, aber ich denke da müsste man fast Auswärtige fragen. Aber
ich weiss gar nicht so genau, was Baden da so für Anstrengungen unternimmt. Also Casinowerbung
sehe ich auch in Zürich. Wenn ich an den Bahnhof gehe, sehe ich das, aber… was sonst noch für An-
strengungen laufen bezüglich Tourismus wüsste ich jetzt nicht.

Was halten Sie von der Renovierung des Stadtturmes, braucht die Stadt das wirklich?

Zenz: Also ich finde grundsätzlich, dass man sich mit allem, was erhaltenswert ist, Mühe geben und
auch unterhalten muss. Da gehört ja auch der Stadtturm dazu.

Sie haben bereits vorhin das Grand Casino angesprochen. Finden Sie, dass es gut für die Stadt Ba-
den ist? Ist das eine Bereicherung oder bräuchte es das nicht?

Zenz: Ja… wer bin ich jetzt wieder, bin ich jetzt Vereinsvorsitzende oder nicht. Ich habe natürlich eine
eigene Meinung und die entspricht nicht unbedingt der des Quartiervereins.

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Sie dürfen ruhig Ihre eigene Meinung sagen.

Zenz: Also ich finde das Grand Casino… ich finde es schade, also wirtschaftlich gesehen ist es fast
nicht anders gegangen als wie es jetzt ist, weil das Restaurant und alles ist ja finanziell schwierig ge-
wesen. Aber ich finde es schade, dass es in dem Sinn den Stadtsaal nicht mehr gibt. Dass dort drin
jetzt nur noch die Spieler hocken, in dem schönen Gebäude. Das reut mich genauso, wie der Mc Do-
nald‘s dort in dem Stadthaus oder der Burger King in dem Haus. Ich finde es einfach schade, dass der
Raum mitten in der Stadt nicht mehr für die Badener Bevölkerung zugänglich ist. Das finde ich wirk-
lich einen riesigen Nachteil, also dass nur noch Auswärtige, die eh den ganzen Tag Nacht haben oder
dort drin hocken. Wenn ich da hinein gehe, kenne ich niemanden. Wenn ich irgendwo hin will, wo ich
niemanden kenne, dann muss ich ins Casino gehen. Da kenne ich garantiert niemanden. Also es ist
nicht für die Badener Bevölkerung da… nicht mehr. Das finde ich ein wenig schade, weil das war zu-
vor ein Stadtsaal. Wir hatten dort Fasnacht, alles Mögliche konnten wir haben. Das Trafo, finde ich,
hat noch lange nicht diesen Charme und das Ambiente wie das Casino und damals der Kursaal. Da
finde ich, ist wirklich etwas Grosses verloren gegangen. Finanziell ist es natürlich eine enorme Berei-
cherung für Baden. So viele Steuern zahlt sonst niemand. Oder sonst könnte Baden nicht so viele
Investitionen tätigen, wenn wir das Casino nicht hätten.

Kommen wir auf das Bäderquartier zu sprechen. Sollte die Stadt das Bäderquartier aufwerten oder
was sollte die Stadt genau machen?

Zenz: Ähm??

Also sollte es im Endeffekt eher volksnah sein oder mehr für die gehobene Schicht?

Zenz: Ja … also es wird natürlich so sein, dass es auf den Luxus setzen wird. Und ich persönlich finde
das auch noch…. ein wenig schön. Also, dass es nicht ein 08/15 Bad geben soll, also im Bereich Ther-
malbad bin ich jetzt. Weil ich meine, das ist der Grossgrundbesitzer an sich hier unten und der zielt
natürlich, dass weiss man auch schon, dass das nicht ein Durchschnittsbad geben wird. Die wollen
150 Millionen investieren, das ist natürlich etwas, was ich grossartig finde. Es sollte etwas Spezielles
und ein schönes Bad geben, denn sie haben wirklich fünf renommierte Architekten, die einen Wett-
bewerb machen werden. Das finde ich natürlich grossartig. Ja, das finde ich gut.

Können Sie gerade so aus den Stehgreif schon ein Hotel für allfällige Gäste empfehlen?

Zenz: Ja, also die Blume natürlich, ein Hammer Hotel und natürlich der Schlüssel auch… ich hoffe
auch auf das Thermalbad, wenn dann die Verenahof AG, die wollen ja zuerst das Thermalbad bauen
und dann in einer weiteren Etappe, falls gewünscht und notwendig, ein Hotel. Das hoffe ich natürlich
auch, dass das kommt. Und ich hoffe, dass das, was jetzt baufällig ist, saniert wird, dass es nicht ein-
fach links liegen gelassen wird, sondern dass auch dort investiert wird. Nicht, dass es einstürzt, das
wäre schade.

Sie sind demnach ganz klar für eine deutliche Aufwertung?

Zenz: Ja, absolut. Sicher, das ist schon lange Zeit, schon lange. Ich hoffe, dass jetzt durch den neuen
Investor… und Aktionär Zehnder es jetzt wirklich auch mit Hand und Fuss angepackt werden kann.
Ich glaube, das ist richtig. Ich glaube auch, man kann jetzt wieder miteinander reden, weil der Haupt-
aktionär ja gewechselt hat vor bald zwei Jahren. Das ist natürlich… vorher war es ja total verrennt,
die Stadt und die Verenahof AG, die hatten ja keinen gemeinsamen Nenner mehr gefunden. Der
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Benno Zehnder ist wirklich jemand, der sehr umgänglich ist und eine freundliche Persönlichkeit hat
und auch das Ganze jetzt wieder vorantreibt. Ich hoffe, dass die sich jetzt finden. Und… die Stadt
selber muss keine Initiative machen. Ich finde einfach, die Stadt muss die Hand anbieten, dass private
Investoren investieren können und nicht abgeblockt werden. Das finde ich wichtig.

Kommen wir noch kurz auf die öffentliche Sicherheit zu sprechen. Sie haben im Verlaufe des Inter-
views bereits kurz angesprochen, dass es mehrere verschiedene Jugendgruppierungen gibt. Haben
Sie das Gefühl, dass dies vielleicht ein Auslöser für mehr Gewalttaten sein könnte? Weil die Gewalt
hat in den letzten Jahren stetig zugenommen und die Stadt stellt jetzt auch private Sicherheitsfir-
men ein.

Zenz: Das bekomme ich nicht so sehr mit, weil ich nachts nicht so viel unterwegs bin und ich denke,
das ist vor allem in den Nachtstunden. Einmal abgesehen davon, dass auch einmal einer am Tag nie-
dergeschossen wird und dann erst noch der Falsche. Aber ich denke, dass es schon noch wichtig ist,
dass eine gewisse Präsenz markiert wird. Dass auch die Stadt dafür sorgt, dass genügend Leute vor-
handen sind und dass die Jugendlichen weniger auf der Gasse rumlungern müssen.

Ihrer Meinung nach könnte man das Problem ein wenig lösen, indem es ein grösseres Angebot an
Jugendkultur gibt?

Zenz: Ja, ich meine das Merkker ist ja auch von der Stadt. Und der Markus Widmer ist ja von der
Stadt angestellt als soziokultureller Animator, der auch wirklich wichtig ist, dass jemand da ist, der
auch eine Verantwortung übernimmt oder nicht kontrolliert. Weil ich finde, Jugendliche fühlen sich
in dem Sinn in einem kontrollierten Raum nicht wohl und gehen dann auch nicht dorthin. Es muss
eine gute Mischung sein zwischen einerseits Animation und auf der anderen Seite aber auch Verant-
wortungsbewusstsein, dass wirklich auch jemand da ist, der den Zugang hat, aber auch da ist, dass
man die Jugendlichen nicht einfach sich selber überlässt, so in dem Stil „da habt ihr und jetzt könnt
ihr schauen was ihr damit macht“. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich Kontrollen nicht wirklich
wünschenswert finde aber dass auch eine Ansprechperson da ist, das ist mir wichtig.

Wie ist Ihre Meinung zur Beschäftigung von privaten Sicherheitsfirmen?

Zenz: Ich weiss über das zu wenig. Ich weiss auch nicht vom Zahlen her, vom System her, wie das
funktioniert. Warum macht das die Stadt Baden überhaupt? Wie funktioniert das? Arbeiten die im
Stundenlohn? Ich habe da keine Ahnung. Da kann ich zu wenig Auskunft geben.

Ja, dann wären wir etwa durch mit den Fragen.

Zenz: Also… darf ich noch kurz etwas sagen?

Sicherlich.

Zenz: Also zu den auswärtigen Jugendlichen vielleicht noch. Ich finde, da müssten auch die Gemein-
den, also die auswärtigen Gemeinden, die müssten sich irgendwo schon auch noch engagieren. Fi-
nanziell einerseits auch, dass man sagt, man geht in Baden in den Ausgang, also trägt man auch eine
gewisse Verantwortung und eine gewisse finanzielle Beteiligung mit.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Christine Zenz

Also dass wenn man im eigenen Dorf nichts hat, dass man dann etwas der Stadt Baden zahlen
würde?

Zenz: Ja, ich finde eben, wenn die Gemeinde selbst nichts hat, dann sollte sie sich auch daran finan-
ziell beteiligen. Bei kulturellen Sachen, zum Beispiel am Kurtheater beteiligen. Die Meisten machen
das ja auch, aber ich finde diese Verantwortung müssen sie auch wahrnehmen. Dass wenn die Stadt
Baden etwas zu bieten hat, dass man das auch fördert.

Haben Sie sonst noch etwas anzumerken, was wir vielleicht vergessen haben?

Zenz: Also ich meine, es ist schade, dass den Jugendlichen nicht mehr geboten wird. Ich weiss, es gibt
ein Midnight Basketball zum Beispiel. So Sachen muss es wirklich mehr geben, weil wir haben wirk-
lich viele Jugendliche im Kurpark. Und mit der Aufwertung des Kurparks, wo sehr viel Geld investiert
wird und die Beleuchtung auch gut wird, hoffe ich, dass es besser wird. Denn es wird wahnsinnig viel
herumgeschrien, gegrölt und gesoffen, geschmust und ständig ist unsere Scheibe vom Quartierkas-
ten eingeschlagen. Das ist wirklich ein wenig mühsam, da finde ich, muss man wirklich etwas ma-
chen. Vor allem die Stadt Baden müsste da irgendetwas machen, dass man zu mehr Möglichkeiten
für den Ausgang kommt und wenn sie auch nur so Sachen wie das Midnight Basketball unterstützen
und eben vor allem auch im sportlichen Bereich, dass man wirklich etwas zu tun hat und nicht nur
Seich im Kopf hat. Und der Skaterpark ist natürlich auch etwas, wo man schauen muss, dass das noch
ein wenig attraktiver wird. Also dass man dort ein wenig dran bleibt. Meine Jungs gehen jetzt viel
dorthin. Aber man könnte es auch noch ein wenig besser machen, noch mehr machen.

Also beispielsweise auch einmal einen Event?

Zenz: Unbedingt. Da gibt es gar nichts und das fände ich ganz wichtig. Es sind ja einfach nur diese
Rampen da und ich finde, dass dort die Stadt Baden wirklich schauen muss und sich auch noch ein
wenig mehr hineinkniet.
Vom musikalischen Angebot gibt es recht viel. Aber dort finde ich, müssen sie sich sicher ein wenig
mehr hineinknien und vielleicht auch noch jemanden einstellen, der sich wirklich für das einsetzt.
Und dass da bei den Jugendlichen etwas geht, etwas läuft.

Schwerpunkte:

 Jugendangebot für unter 16-jährige


 Mehr Angebote für Jugendliche
 Grand Casino am falschen Ort, ehemaliger Kursaal fehlt
 Trafoplatz unattraktiv
 Renovation des Bäderquartiers absolut notwendig
 Wenig Parkplätze in der Stadt
 Viele und gute Möglichkeiten um einzukaufen
 Je mehr Fussgängerzonen, desto besser

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Baden ist. Infrastruktur Interview Regula Dell’Anno

Interview Nr. 2
Interviewer: Gabriel

Interviewpartner Name: Regula Dell’Anno

Funktion: Einwohnerratspräsidentin

Ort, Datum: Dättwil, 30.04.2008

Zuerst geht es um die Verkehrsinfrastruktur: Mit welchen Verkehrsmitteln gelangst du hauptsäch-


lich in die Stadt? Bist du mit dem Auto unterwegs, mit dem Velo?

Dell‘Anno: Bus und Velo.

In diesem Fall benützt du natürlich relativ oft öffentliche Verkehrsmittel.

Dell‘Anno: Ja.

Siehst du das Angebot also als gut und ausreichend?

Dell’Anno: Ja, ich finde es sehr gut. Wir haben hier noch die Möglichkeit von Postauto und RVBW.
Wir sind also sehr gut angebunden.

Findest du auch, dass die Stadt allgemein gut erschlossen ist, auch von anderen Regionen her?

Dell’Anno: Ich denke ja. Es gibt sicher Ecken, wo man nicht mehr hinkommt, z.B. Ennetbaden zu
Randstunden, wo das Angebot sicherlich noch ausgebaut werden könnte. Aber wenn man es auf
Dättwil bezieht, oder vielleicht auf Baden-Wettingen, dann ist das eine super Abdeckung.

Wie du schon gesagt hast, du fährst oft mit dem Velo. Findest du dies eine gute Alternative zum
Auto?

Dell’Anno: Für mich schon, ja.

Auch um in die Stadt zu gelangen, also im Bezug auf die Radwege, Abstellmöglichkeiten für das
Fahrrad, etc.?

Dell’Anno: Ja, das finde ich gut. Da bin ich auch frech genug, das Velo abzustellen. Es kommt darauf
an, ob man die offiziellen Plätze benützt, oder ob man einfach sagt, ich stelle es dort ab, wo ich es
abstellen will. Nein, ich finde es gut. Die Grenze ist dort einfach das Schleppen. Irgendwann braucht
man ein Auto, wenn man viele Sachen bei sich hat. Aber sonst, denke ich, gibt es für mich persönlich
wenig Momente, wo ich denke, es müsste ein Auto sein. Ich bin zufrieden mit dem öffentlichen Ver-
kehr und dem Velo.

Wie beurteilst du es, mit dem Auto in die Stadt zu gelangen?

Dell’Anno: Ich finde es ganz, ganz schwierig. Es fängt schon an mit dem Stau stadteinwärts, nachher
geht es um den Parkplatz. Ich denke zwar nicht, dass wir ein Parkplatzproblem haben, wir haben so

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Baden ist. Infrastruktur Interview Regula Dell’Anno

viele Parkplätze, aber dann gibt es natürlich die Reaktion, dass man so nah wie möglich heran will,
wenn man schon mit dem Auto unterwegs ist.

Man möchte ja nicht in irgendein Parkhaus.

Dell’Anno: Genau, du denkst, jetzt bin ich ja mit dem Auto, also gehe ich auch ins nächste Parkhaus.
Dann bewegt man sich vielleicht von diesem Ort weg, dann muss man nachher wieder zurück. Das
muss man beim Bus nicht, da kannst du einfach die nächste Bushaltestelle ansteuern und wieder
einsteigen.
Ich denke, das Hauptproblem ist wirklich der Stau, wenn man in die Stadt gelangen will oder wenn
man wieder hinaus will.

Ist es bei dir vor allem der Umweltgedanke, dass du mit dem Velo oder Bus fährst? Oder möchtest
du den Stau vermeiden, weil du sonst viel länger brauchen würdest?

Dell’Anno: Nein, es ist der Umweltgedanke einerseits, und andererseits habe ich ganz einfach kein
Auto. Dann ist es einfach so. Ich meine, man könnte sich eines kaufen, aber dann überlegt man sich
wieder, ob das wirklich sein muss, ob wir das wirklich brauchen. Und wenn ich zu Unzeiten unter-
wegs bin, kenne ich immer jemanden, der mich nach Hause bringen kann. Es fahren so viele Leute
alleine mit dem Auto in die gleiche Richtung!

Wie beurteilst du die Situation als Fussgänger? Wenn man sich als Fussgänger in der Stadt fortbe-
wegt? Findest du es attraktiv, sich in der Stadt zu Fuss fortzubewegen?

Dell’Anno: Ja, sehr. Viel attraktiver. Die Fussgängerzonen könnte man von mir aus ausweiten.
Schwierigkeiten bestehen, denke ich, nach wie vor in den sogenannten Begegnungszonen, wo eigent-
lich der Fussgänger Vortritt hätte.

Also zum Beispiel Bahnhof Ost oder West.

Dell’Anno: Genau. Wo man aber schlussendlich gar nicht mehr richtig weiss, ob man jetzt als Fuss-
gänger irgendeine Berechtigung hat, hier über die Strasse zu gehen, oder nicht. Hätte man vielleicht
sogar Vortritt?

Es ist aber für dich schon eine Fussgängerzone? Eigentlich hätte man ja Vortritt als Fussgänger.

Dell’Anno: Ja, aber vom Empfinden her ist es überhaupt nicht so. Und vor dem Langhaus, wo noch
die Busse sind, die zum Teil sehr schnell fahren, dort finde ich es etwas heikel.

Also eher entweder oder? Entweder eine reine Fussgängerzone oder dann eine normale Strasse?

Dell’Anno: Ja, oder dann klare Zeiten. Also zum Beispiel sagt man, es gibt Zeiten, wo man anliefern
kann. Das ist klar, die Geschäfte brauchen auch ihre Gelegenheit einer Anlieferung. Aber dann weiss
man, ab elf Uhr ist es fertig, und bis fünf Uhr ist es nicht mehr möglich zum Beispiel.
Aber sonst finde ich Fussgängerzonen etwas total schönes, das sich auch gleich belebt. Man hat Leu-
te dort, Kinder die spielen, Restaurants, die heraus getischt haben, es ist eine ganz andere Atmosphä-
re.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Regula Dell’Anno

Das wäre der technische Teil der Infrastruktur gewesen. Ein weiterer Teil ist die soziale Infrastruk-
tur mit der Bildung beispielsweise.
Wir haben in Baden die Kantonsschule, die Bezirksschule, die International School, die bald kommt.
Findest du, es hat genug Schulen? Auch auf Dättwil bezogen, wo wir eine Primarschule haben?

Dell’Anno: Ich denke, es ist gut aufgeteilt. Dass man sagt, man hat in jedem Quartier mindestens ein
Kindergarten, man hat eine Unterstufe, das finde ich ideal. Die Oberstufe kann man gut in Baden
zusammenziehen, das ist überhaupt kein Problem. Auch der Schulweg. Man ist dann ja auch in einem
Alter, wo man den Horizont automatisch vergrössert.
Ich glaube wir haben alles, auch mit dem Angebot der Tagesschulen, und wenn die International
School kommt, ist das auch ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt, wenn man das bieten kann.
Ich glaube, wir haben eine gute Schulsituation in Baden.

Dann gibt es ja neben den Volksschulen, der Kantonsschule usw., auch noch ein Weiterbildungsan-
gebot, also vor allem auch für Erwachsene. So z.B. die Migros Klubschule…

Dell’Anno: Dann gibt es noch das KV. Ob mir ein Angebot fehlt? Ich glaube, es ist schade, dass sich
die Erwachsenenbildung bei uns konzentriert auf die Migros Klubschule und das KV. Diese decken so
die klassischen Bedürfnisse ab: Sprache, Kochen, … Ich glaube es gäbe noch den Sektor der Erwach-
senenbildung, der mehr in Richtung Soziales oder Psychologie geht, den wir nicht haben. Das finde
ich schade. Vielleicht ist aber auch einfach das Einzugsgebiet zu klein.
Ich denke, das Angebot ist wahrscheinlich ausreichend. Wenn man etwas sucht, dann findet man es
in der Region, glaube ich. Wir haben viel, wenn man auch noch die Nähe zu Zürich berücksichtigt.

Dann gibt es ja auch noch die Stadtbibliothek. Benützt du die Bibliothek oft?

Dell’Anno: Gelegentlich. Ich denke, ich könnte sie mehr nutzen. Aber ich kaufe gerne die Bücher.

Aber du findest trotzdem, dass man eine Stadtbibliothek braucht?

Dell’Anno: Auf jeden Fall. Natürlich gibt es noch die Schulbibliotheken. Aber für alle, die nicht mehr
in der Schule sind, also vor allem Erwachsene oder solche, die eine Lehre machen, die hätten dann
keinen Zugang mehr. Und für Familien mit kleinen Kindern finde ich es etwas ganz Spannendes, dass
man dort hin kann, alles ausleihen. Es muss auf jeden Fall eine Bibliothek haben, ich finde es ganz
wichtig. Ich denke, sehr wichtig ist auch, dass eine solche Bibliothek aktuell ist, dass sie diese Dinge
hat, die die Leute im Moment wollen. Dass sie auch mit den Medien, die sie anbieten à jour sind,
versuchen, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Und die Dinge auch verfügbar sind. Wenn man in die
Bibliothek geht, und alles ist immer ausgeliehen, dann ist das Angebot nicht attraktiv. Ich denke, dass
ist ein wichtiger Auftrag, den sich die Stadt hier gibt.

Als wir die Einwohnerratsprotokolle durchgesehen haben, ist uns aufgefallen, dass ein Thema, das
immer wieder diskutiert wurde, die Kinderbetreuung war. Also Kinderkrippen, Betreuungsstellen,
etc. Wie beurteilst du in diesem Bereich das Angebot? Ist die Nachfrage immer noch sehr gross?

Dell’Anno: Es herrscht immer noch eine grosse Nachfrage, ja. Was man immer mehr sieht, ist, dass
auch Firmen sich engagieren. ABB z.B. hat eigene Krippen.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Regula Dell’Anno

Sind dann diese Krippen nur für Kinder von Angestellten, oder auch für alle anderen?

Dell’Anno: Nein, auch für andere. Man zahlt unter Umständen einfach andere Tarife.
Ich denke, das Angebot hinkt der Nachfrage aber immer noch nach. Es ist aber auch wichtig, dass
solche Krippen nicht einfach boomen, und irgendjemand solche Krippen eröffnen kann, sondern dass
die Qualität eben auch stimmt. Insofern hat Baden ja den sogenannten Krippenpool gebildet, wo sie
die Krippen einladen, sich dort zu beteiligen. Es gibt dann gewisse Dinge, die sie miteinander teilen
müssen, unter anderem gleiche Tarifstrukturen, aber auch gleiche Qualitätskriterien. So kann man
Synergien nutzen, man hat aber auch eine gewisse Kontrolle. Als Eltern weiss man, das ist eine Krip-
pe, die im Krippenpool ist, also kann ich auch Vertrauen haben.
Das ist eine spezielle Form der Zusammenarbeit, die immer über Leistungsaufträge geht. Die Stadt
könnte dies ja auch selbst anbieten, sie haben ja auch eine eigene Krippe. Man kann dies aber eben
auch durch Leistungsvereinbarungen abschliessen. Man nimmt also z.B. einen Verein und sagt, wenn
ihr die Kriterien erfüllt, dann unterstützen wir euch, meist finanziell, wir helfen euch. Und man bin-
det sie an mit Leistungsvereinbarungen. Das heisst, die Stadt kann dann durch diesen Krippenpool
den Leuten, die hier her kommen, garantieren, dass sie qualitativ gute Betreuungsplätze hat, die
Stadt muss sie aber nicht selber anbieten.
Es gibt auch Krippen in Nussbaumen, Wettingen, usw. Man versucht, dies möglichst weit auszudeh-
nen. Weil es natürlich auch Leute gibt, die in Wettingen arbeiten, aber in Dättwil wohnen und es für
sie eine Option ist, ihre Kinder nach Wettingen mitzunehmen und dort in die Krippe zu geben.
Ein weiterer Vorteil ist auch eine einheitliche Tarifstruktur. Man weiss, man hat bei all diesen Krippen
etwa den gleichen Tarif. Und die gleiche Qualität.

Im Bereich Dienstleistungen ist ein weiterer Teil das Vereinswesen. Das ist zwar nicht eine Dienst-
leistung der Stadt, aber werden die Vereine von der Stadt unterstützt?

Dell’Anno: Das kommt drauf an. Also z.B. der FC bekommt relativ viel Geld. Was bei allen Sportverei-
nen gleich ist, ist, dass sie die Infrastruktur unentgeltlich nutzen können. Sie bezahlen also keine Hal-
lenmiete, etc. Aber sonst geht diese Unterstützung nicht weiter.

Kommt dir gerade ein Verein in den Sinn, der in Baden fehlt, den es noch bräuchte?

Dell’Anno: Da kommt mir spontan nichts in den Sinn. Ich glaube, wir haben über 300 Vereine in Ba-
den. Ich denke, wenn du etwas suchst, dann findest du es. Und sonst müsstest du es gründen. Ich
denke schon lange, es müsste in Dättwil etwas geben wie einen Kulturverein. Da müsste jemand
kommen und Leute hinter sich bringen. Dann wäre der nächste Schritt, sich an die Stadt zu wenden
und zu sagen, wir haben diesen Verein, wir wollen das machen, wir bräuchten einen Raum. Dann,
denke ich, würde die Stadt handeln.

Erholungsanlagen, Plätze, usw. Wo findest du, kann man in Baden hingehen, wenn ich jetzt nicht
einfach shoppen gehen will, sondern mich aufhalten will? Ist das der Kurpark?

Dell’Anno: Ja, wobei man dort sich dieses Recht ein wenig nehmen muss. Einerseits neben den Bau-
stellen im Moment und andererseits ist es natürlich passiert, dass gewisse Leute kommen, und das
ist dann wie ihr Ort. Insofern würde ich jetzt vielleicht nicht nach hinten in den Kurpark.
Ich glaube, dass sich die Stadt ein wenig schwer tut mit der Gestaltung von öffentlichen Plätzen. Also,
der Trafoplatz ist weit weg, von dem, was er sein könnte. Auch wenn sie sagen, dass da jetzt etwas
passiert, dass es sich entwickelt. Ich finde ihn nicht einladend, es hat keine Sitzgelegenheiten, es „tö-
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telet“.
Und der Theaterplatz, der ist ein wenig besser, aber da denke ich auch, hätte anderes passieren kön-
nen, für das viele Geld, welches man investiert hat.
Der Ländliplatz z.B. wird überhaupt nicht genutzt. Ich glaube, die Stadt tut sich in diesem Bereich
etwas schwer. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass wir so einen hohen ästhetischen Anspruch
haben in der Stadt. Man kann also nicht einfach einen Platz haben, wo dann etwas passiert, sondern
man muss diesen Platz gestalten.

Dafür dann halt weniger Sitzgelegenheiten…

Dell’Anno: Genau! Dann hat man Angst vor Littering. Also baut man lieber keine Sitzbank, weil sonst
auf diese Bank jemand sitzt und dieser isst ein Sandwich und dieses Sandwich ist in ein Papier einge-
packt und am Schluss hat man dieses Papier am Boden und dann muss der Werkhof wieder ausrü-
cken. Hier sind wir ein wenig lebensfeindlich, finde ich. Vor lauter ästhetischem Anspruch. Wenn du
ins Ausland gehst, dann siehst du dort wunderschöne Plätze, die leben. Sie sind vielleicht nicht so toll
und nicht von einem Stararchitekten geplant, aber sie leben.

Also würdest du eher sagen, man müsste die bestehenden Plätze aufwerten und entwickeln, als
z.B. einen neuen Platz zu bauen?

Dell’Anno: Ja, ich denke schon. Abgesehen davon, dass wir in der Stadt gar keine freie Fläche mehr
hätten. Wir machen jetzt ja den Schlossbergplatz, wo die Idee ist, dass wenn wirklich der Verkehr
wegkommt, es einen Platz geben könnte. Ich hoffe, dass der Verkehr wegkommt, weil ein Platz, wo
der Verkehr darüber rollt, das funktioniert nicht.
Ich habe schon ein wenig das Gefühl, je weniger dass man macht, desto mehr lebt es. Der untere
Bahnhofplatz, da hat man schon so lange nichts mehr gemacht, der lebt. Es hat immer Leute, dort
passiert etwas. Und dort wo man versucht, alles schön zu haben, zu konstruieren und eben diese
ästhetischen Ansprüche stellt, dort wird es ein wenig… steril.

Aber ich glaube, dass das doch auch jetzt ein Ziel ist bei der Kurparkrenovation. Also Sitzgelegen-
heiten, etc. Oder geht es auch dort wieder vor allem um das Ästhetische und weniger um eine Be-
lebung?

Dell’Anno: Ja, man versucht natürlich schon immer etwas Schönes zu machen, das ist schon das
oberste bei der Stadt. Also es müssen die schönsten Lampen sein, usw. Es gilt dann, all das richtig zu
kombinieren. Ich meine, man kann etwas Schönes machen, man muss aber das Leben zulassen. Das
finde ich wichtig. Sonst hat man wunderschöne Sachen, die eben „tötelen“. Und der schönste Platz
nützt einem auch noch nichts, wenn man nicht rundherum irgendwelche Läden oder Cafés hat, die
jemanden anziehen. Beim Theaterplatz z.B. Das ist natürlich schon auch wichtig. Das sieht man im
Bäderquartier. Wenn es nichts hat, das anzieht, dann kann es dort die schönsten Wiesen, die schöns-
ten Pärke haben, und du gehst nicht dahin.
Ein ganz schöner Park ist der BBC-Park. Aber da muss man wirklich sagen, ich gehe in diesen Park und
habe sonst nichts, keine Infrastruktur. Da denke ich, ist der Mix wichtig.

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Du sagst, es ist wichtig, dass es dort auch Geschäfte hat. Wie findest Du die Vielfalt an Geschäften
in Baden? Vor allem auch in der Weiten Gasse und der Badstrasse? Findest du die Ladenvielfalt
gross?

Dell’Anno: Nein, in der Weiten Gasse hat man keine Vielfalt mehr. Auch in der Badstrasse. Es ist die
Rendite, die dort zählt. Es gibt immer mehr Geschäfte mit Schuhen und Kleidern, das ist es. Also die
Vielfalt ist nicht gegeben an diesen zwei Strassen. Aber wenn man sich nicht nur auf das Zentrum
konzentriert, denke ich, gibt es alles in Baden.

Und auch um zu essen? Also Restaurants und Cafés. Findest du, es hat genug?

Dell’Anno: Ich glaube schon, dass wir ein grosses Angebot haben. Es hat vielleicht ein bisschen viel
italienische… (lacht) Und wo man auch noch ein paar Änderungen vornehmen müsste, um auf den
Konsumenten einzugehen, ist bei den Öffnungszeiten. Also wenn man am Sonntag oder Montag-
abend in ein Café oder Restaurant gehen möchte, hat man Probleme. Dann hat einfach alles ge-
schlossen. Aber ich denke, wir haben viele Cafés. Vielleicht wird es mit der Zeit auch wieder ein we-
nig vielfältiger.

Du sagtest, es hat eigentlich alles in Baden, was man braucht. Denkst Du, es kommen Auswärtige
wegen diesem Angebot nach Baden?

Dell’Anno: Ich weiss nicht ob wir eine sogenannte „Unique selling proposition“ haben, das heisst,
etwas, das man nur in Baden hat. Das glaube ich nicht. Aber ich glaube, dass man nach Baden kom-
men kann und alles hat.

Das Kulturangebot ist auch ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Nutzt Du dieses Angebot oft? Also
Museen, Galerien, etc.?

Dell’Anno: Nein, nicht viel. Ich bin nicht jemand, der immer in Museen geht. Ich kenne sie. Aber ir-
gendwann hat man sie gesehen.

Aber denkst du, das Angebot ist gross? Sodass auch Leute, die nicht von Baden kommen, angezo-
gen werden?

Dell’Anno: Ich glaube schon, dass es gewisse Anziehungspunkte gibt. Die Villa Langmatt zieht sicher
ein Publikum an, das Kindermuseum ist sicher auch ein Magnet, wo die Leute wirklich von weit her
kommen. …Das Historische Museum ist es leider nicht. Aber ich denke schon, dass wir, für die Grösse
der Stadt, Magnete haben. Wobei natürlich gerade diese zwei Museen nicht städtische sind.

Werden sie aber von der Stadt unterstützt?

Dell’Anno: Sie funktionieren mit Gönner- und Fördervereinen und Stiftungen. Im Zusammenhang mit
dem Kindermuseum weiss ich, dass die Stadt einen Beitrag zur Renovation des Gebäudes geleistet
hat.
Das ist immer die gleiche Haltung: Die Stadt sagt, seid initiativ, kommt mit guten Ideen. Dies hilft
dann der Stadt schlussendlich auch, das ist Standortmarketing. Dann unterstützen wir als Stadt euch,
aber ihr betreibt es. Das ist schon die Haltung der Stadt, nicht alles selber machen zu wollen, sondern
konkrete Unterstützung zu leisten. Ich denke, das ist die richtige Haltung. Bis auf diese Dinge, wie z.B.
das Historische Museum, wo es einfach Aufgaben gibt, die die Gemeinde hat. Also diese Objekte, die

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die Stadt hat, muss sie auch pflegen. Das Archiv der Stadt muss die Stadt aktualisieren und dafür
sorgen, dass es erhalten bleibt. Das sind quasi eigene Bereiche. Natürlich könnte man auch diese
Dinge noch outsourcen, sie jemandem übergeben, und dafür bezahlen. Dann kann man die Entwick-
lung aber auch nicht mehr so mitgestalten.

Ein Beispiel wäre hier das Kurtheater, das renoviert wird. Das wird ja ebenfalls nicht von der Stadt
betrieben, aber die Stadt leistet einen beträchtlichen Beitrag an die Kosten. Findest du das gut,
dass die Stadt sich hier finanziell so stark engagiert?

Dell’Anno: Auf jeden Fall. Das Theater könnte diese Kosten niemals selber tragen. Dann würde es
einfach heissen, wenn sie nicht unterstützt werden, dann gibt es das Theater nicht. Das wäre die
Alternative: das Theater zu schliessen. Aber die Renovation liegt auch im Interesse der Stadt. Es zieht
wieder Leute an, es ist ein Standortmarketing-Faktor. Beim Kurtheater muss man diskutieren, wer
nutzt es und wer trägt es? Dort kann es nicht sein, dass die Stadt Baden die Hauptlast trägt und vor
allem Zuschauer aus anderen Gemeinden kommen, die nichts bezahlt haben. Das ist dann das Thema
Zentrumsfunktion und Zentrumslasten. Wie viel muss man tragen als Zentrumsgemeinde, weil dieses
Theater nun einfach hier steht, muss man es unterhalten, etc.? Und wie viel kann man aus den ande-
ren Gemeinden herausholen, die dann sagen, aus reinem Goodwill, ja wir bezahlen etwas. Oder
wenn dann ihre Finanzen nicht so gut sind, dann müssen sie sparen und bezahlen nichts ans Theater
in Baden.
Hier sind, denke ich, diese Fusionsgedanken und –gespräche schon auch hilfreich.

Jetzt speziell im Bezug auf kulturelle Einrichtungen für Jugendliche. Das ist ja ein laufendes Prob-
lem, dass es zu wenig Räumlichkeiten gibt. Findest du, es ist Aufgabe der Stadt, diese Räumlichkei-
ten zur Verfügung zu stellen?

Dell’Anno: Ja. Ich finde, das ist eine Aufgabe der Stadt. Das ist ein Ziel. Das sind Betriebe, die nie
rentabel sein werden, wenn das Angebot für alle sein soll. Oder du sagst einfach, ich mache Party
pur. Wie im Löschwasserbecken, mit so und so viel Eintritt, ein Getränk kostet so und so viel. Wenn
sie es so machen wollen, dann ist es gut für sie, dann rentiert es. Aber dann hat man noch lange nicht
ein Angebot, das alle benutzen können. Und wenn man gleichzeitig eine Jugendarbeit betreiben will,
also man will auch denen etwas bieten, die jetzt nichts haben, dann kann man das nicht selbst finan-
zieren. Ich denke, das ist eine Aufgabe der Stadt. Diese Arbeit im soziokulturellen Bereich mit Jugend-
lichen finde ich enorm wichtig für die Prävention. Alle, die hier eine Aufgabe bekommen und sich für
etwas einsetzen, die hängen nicht herum. Und jeder, der irgendwo herumhängt, produziert unter
Umständen einmal enorme Kosten. Darum denke ich ganz klar, dass das eine Aufgabe der Stadt ist.
Und es ist auch eine Aufgabe der Stadt, die anderen Leute, die dann eben dagegen sind, wegen dem
Lärm, dem Abfall, weil es sie stört, zu sensibilisieren.

Findest du, die Stadt tut in diesem Bereich zu wenig? Oder nimmt sie diese Aufgaben wahr?

Dell’Anno: Nein. Die Jugendarbeit ist immer ein Thema, das ist auch in der Natur der Sache. Das än-
dert so schnell, es ist total dynamisch. Es kommen immer wieder neue. Nach vier Jahren denkt man,
ok, jetzt weiss man, was diese wollen, aber in vier Jahren sind sie gar nicht mehr hier, und es kom-
men wieder neue.
Ich denke, es wird viel gemacht. Die Gefahr ist einfach, dass man so sehr kämpfen muss, dass es er-
halten bleibt. Weil halt im Moment alles Rendite abwerfen muss. Dann heisst es, Party pur, das ge-
nügt doch, warum man immer die alternative Szene unterstützen muss. Man muss immer wieder
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vom Wert solcher Dinge reden, die nicht mit Geld abwiegbar sind, sondern wo es um Vielfalt geht,
um andere Gedanken, um Experimentelles. Dafür muss man enorm kämpfen, immer. Man kann sa-
gen, man wolle eine alternative Kulturszene, man wolle Freiräume für Jugendliche. Das kann man
alles sagen, aber das heisst man bezahlt es. Sagen ich will es, aber kein Geld zur Verfügung stellen,
das geht nicht.

Tut sich die Stadt denn schwer, Geld für solche Sachen zu sprechen? Gibt es jedes Mal lange Diskus-
sionen, wenn ein solches Thema kommt?

Dell’Anno: Man kann nicht so allgemein sagen, die Stadt unterstützt generell alles, oder sie tut zu
wenig. Es gibt so viele verschiedene Schauplätze, das Merkker, das Nordportal, etc. Es ist total viel in
Bewegung. Und was das kulturelle betrifft, das läuft über die Kulturkommission, da diskutiert der
Einwohnerrat eigentlich gar nicht mehr. Die Gelder, die vergeben werden, darüber entscheidet die-
ses Fachgremium. Ein Fachgremium, das weiss, was es alles gibt, das Kriterien hat, das sagt, doch das
ist eine gute Sache, das möchten wir fördern. Das finde ich recht so.

Wir machen jetzt einen Sprung und zwar zum Thema Tourismus. Findest du, die Stadt vermarktet
sich touristisch gut?

Dell’Anno: Wir haben heute eine ganz gute Lösung. Einerseits ist es nicht mehr ein Verein, wie früher
Baden Tourismus. Diese haben damals ein wenig etwas gemacht, so vor sich hin gearbeitet, mit dem
Budget, das sie zur Verfügung hatten. Die Unternehmen konnten z.B. diesem Verein Geld geben,
oder eben auch nicht. Das war auch viel Freiwilligenarbeit, das war nicht wirklich professionell. Man
wollte dann dies mit viel Geld aufmöbeln, aber eigentlich mit den gleichen Strukturen. Und was wir
jetzt haben ist eine Mischung. Wir haben das Standortmarketing, das eigentlich eine Abteilung der
Stadt ist. Man sagte, es ist ganz wichtig, dass das innerhalb der Stadt selbst ist weil die Verwaltung
weiss, was für Bedürfnisse da sind. Das ist nicht irgendeine Aussenstelle. Es ist ein Marketing, das
nicht nur auf den Tourismus setzt, sondern auch den Bereich Gäste, den Bereich Einwohner und den
Bereich Geschäfte hat. Dass man das alles abdeckt. Im Moment wird sehr viel bewegt. Wenn man
z.B. am Hauptbahnhof in Zürich ist, dann sieht man Plakate vom Grand Casino Baden. Natürlich war
das Grand Casino auch die grosse Chance wieder ein wenig nach aussen zu treten.
Ich glaube es passiert viel, es gibt viele Ideen. Was aber einfach klar ist, ist, dass die Stadt Baden nicht
mehr die Bäderstadt ist, die sie vor 50 oder 100 Jahren war. Damals wusste man einfach, der Kurgast
oder der Tourist kommt, ist einen Monat lang hier, badet, ist in Baden. Heute ist es Tagestourismus.

Im Bäderquartier ist ja vor allem das Problem, dass die Besitzer der privaten Liegenschaften diese
weder sanieren noch verkaufen wollen. Versucht die Stadt, diese Leute zum Verkauf zu bewegen,
oder was unternimmt die Stadt für eine Entwicklung im Bäderquartier?

Dell’Anno: Ich glaube, man versucht vor allem, den privaten Investoren, und es sind dort ja alles
Private, die Steine aus dem Weg zu räumen. Dann kommt es immer darauf an, mit wem man ver-
handeln muss. Aber wie du gesagt hast, durch das, dass die Stadt nicht Eigentümerin ist, hat sie gar
nicht viele Möglichkeiten. Sie kann also z.B. sagen, wenn jemand ein Projekt hat, wie jetzt z.B. mit
dem Bad, dass die Stadt versucht zu definieren, wo das stattfinden könnte, dass man also die Ent-
wicklung auch auf dem eigenen Grund und Boden anschaut. Man fragt sich, wo könnte dieses neue
Bad hinkommen, wo könnte man gemeinsamen Nutzen entwickeln? Und das wiederum ist mit viel
Geld verbunden. Eine solche Sondernutzungsplanung, da haben wir gerade Fr. 600‘000.- gesprochen,
und das ist noch nicht abgeschlossen. Und es geht nur darum, es miteinander anzuschauen. Schluss-
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endlich investiert nicht die Stadt, sondern die Privaten. Wobei diese jetzt gesagt haben, „wir investie-
ren jetzt in die Bäder und dann möchten wir zuerst etwas zurück. Aber wenn es einen anderen Inves-
tor gibt, der in Hotels investieren möchte, dann ist dieser willkommen.“ Die Stadt Baden kann alles
rundherum optimal gestalten, also die Rahmenbedingungen setzen. Also z.B. „wir sind nicht stur mit
der Bau- und Nutzungsordnung, wenn es darum geht, einen bestehenden Park umzunutzen, das
kann man diskutieren. Wir schauen die Verkehrs- und Parkplatzsituation an.“ Bei all diesen Themen
kann die Stadt Hand bieten. Aber „machen“ kann sie nichts.

Ginge es, sehr einfach gesagt, nicht um einiges schneller und effizienter, wenn die Stadt selbst Lie-
genschaften erwerben würde, diese saniert und dann verkauft?

Dell’Anno: Wahrscheinlich ginge das schon. Einerseits besteht aber ein finanzielles Risiko und ande-
rerseits denke ich, ist das nicht die Aufgabe der Stadt. Die Stadt muss nicht kaufen, bauen und wieder
verkaufen. Ich denke, es ist eine Aufgabe der Stadt, wenn es ihr eigener Grund und Boden ist, zu sa-
gen, hier kann das gebaut werden oder nicht. Aber das Geld, das die Stadt verwaltet, ist ja Steuer-
geld, dann darf man auch nicht spekulieren. Die Stadt könnte, das stand auch schon zur Diskussion,
den Investoren unter die Arme greifen. Aber was sagt man dann z.B. dem Erni Blumenladen? Dem
hat man auch nicht unter die Arme gegriffen. Und Werner Eglin hat für den Limmathof auch nichts
erhalten. Es braucht auch eine klare Haltung. Die Stadt versucht, ihren Teil so gut wie möglich zu
machen, eine gute Zusammenarbeit zu haben und tritt aber nicht als Investor auf. Das ist meiner
Meinung nach alles, was die Stadt tun kann. Im Moment sieht es gut aus, man ist auf gutem Weg.

Es gab ja einen Wechsel des Hauptaktionärs bei der Verenahof AG…

Dell’Anno: Genau. Und dieser neue Hauptaktionär hat auch wirklich ein Interesse, dass in diesem
Quartier jetzt etwas geschieht. Er ist offenbar ein guter Gesprächs-und Verhandlungspartner.

Gibt es also wieder Verhandlungen und Planungen?

Dell’Anno: Ja, genau. Im ersten Moment geht es jetzt einmal um das Bad. Da haben wir soeben ei-
nen Projektierungskredit gesprochen. Es geht jetzt einfach einmal darum, was auf diesem Gebiet
möglich ist, wo dieses Bad hinkommen könnte, wie sieht es aus, wo besitzt die Stadt Land, das sie
allenfalls abtauschen könnte oder wie viel würde die Stadt bezahlen für ein öffentliches Bad? Alles
was die Hotels anbelangt, ist noch nicht Gegenstand der Verhandlungen. Einfach weil der Investor
dies im Moment noch nicht anpacken möchte. Das sind Unsummen, also in das Bad werden wahr-
scheinlich rund 50 Millionen investiert. Das ist auch verständlich, dass er sagt, er wolle dann zuerst
einmal ein wenig Geld zurück haben, bevor er weiter investiert.
Vor allem der Verenahof, der Bären und der Ochsen sind in so schlechtem Zustand, das ist grauen-
haft. Da muss man im Prinzip alles abreissen bis auf die Teile, die unter Denkmalschutz stehen.

Welches Badener Hotel findest du, kann man empfehlen? Der Limmathof ist wahrscheinlich eines
der bekannten, oder?

Dell’Anno: Ja, der Limmathof ist sehr schön und modern.

Und zum Beispiel das Hotel Linde, findest du das attraktiv?

Dell’Anno: Nein, ich finde nicht. Auch von der Lage her nicht.

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Wahrscheinlich dann eher das neue Blue City Hotel?

Dell’Anno: Ja, das ist auch nahe am Bahnhof gelegen. Es ist auch ausgelastet. Das war eigentlich von
Anfang an ausgelastet. Es konnten fixe Verträge mit der Alstom abgemacht werden.
Die Blume ist sicher ein schönes Hotel für die Nostalgiker. Das Du Parc ist, glaube ich, einfach ein
teures Hotel, das aber den Komfort bietet.

Von der Nachfrage her könnte man aber sicherlich noch weitere Hotels eröffnen, oder? Auch in
Verbindung dann mit dem Bad.

Dell’Anno: Ja, das sicher.


Eine grosse Chance ist sicher auch das Casino. Die Leute, die die Nacht hindurch spielen und dann
nicht zurück nach Zürich wollen, denen könnte man dann ein Zimmer bieten. Das sind im Moment
auch so die Ideen. Dass man dort unten nicht ein fünf Sterne Hotel, aber eines im gehobenen Seg-
ment baut. Es wird immer von einem Boutique Hotel geredet. Also klein, wenig Zimmer und
schmuck. Weil den Massentourismus, den bringt man nicht mehr nach Baden.
Und dann, denke ich, bräuchte es ein weiteres drei Sterne Hotel, das einfach sauber und gut ist für
die Geschäftsleute. Denn die Firmen, die wir haben, die füllen sofort ein solches Hotel. Heute fahren
diese Leute einfach nach Örlikon ins Swiss Hotel und füllen es dort. Wenn es also ein solches Hotel in
Baden hätte…

Wenn du sagst, den Massentourismus bringt man nicht mehr nach Baden. Findest du, ein neues
Bad müsste eher volksnah gestaltet werden wie in Schinznach, oder eher ein „Wellness-Bad“?

Dell’Anno: Im Moment ist das eine grosse Diskussion. Schlussendlich ist der Entscheid natürlich beim
Investor. Will er ein Bad, wie z.B. in Vals, mit Wellness, luxuriös, oder will er eines wie Schinznach?
Die Stadt möchte weniger ein Schinznach. Man möchte sich eher profilieren mit etwas Einmaligem.
Auf der anderen Seite sagt der Investor, er brauche einfach rund 500‘000 Eintritte pro Jahr. Er will es
wieder rentabilisieren. Das wäre dann etwa wie Bad Zurzach.

Hat die Stadt hier ein Mitspracherecht? Oder bringen sie einfach ihre Wünsche bei den Verhand-
lungen ein?

Dell’Anno: Ja, mehr können sie nicht. Sie könnten höchstens sagen, wir bieten nicht Hand für ein so
grosses Parkhaus beispielsweise. Das wäre dann einfach um gewisse Dinge zu verhindern. Aber man
versucht natürlich, eine Win-Win-Situation hinzukriegen. Jeder, der nach Baden kommt und hier fin-
det was er sucht und begeistert ist, der kommt wieder.

Dann gibt es als letztes Thema noch die öffentliche Sicherheit. Wir haben es bei der Jugendarbeit
ein wenig schon angetönt. Findest du es sicher in Baden?

Dell’Anno: Ich fühle mich eigentlich total sicher in Baden. Aber das ist ganz subjektiv. Es gibt Leute,
die gehen auf der genau gleichen Strasse, unter den genau gleichen Voraussetzungen und fühlen sich
aber bedroht oder unsicher. Ich fühle mich sicher in Baden. Natürlich gibt es auch Gewalttaten. Aber
ich war ja die letzten zwei Jahre in der Einbürgerungskommission und da haben wir Jugendliche, z.B.
aus dem Balkan, immer wieder gefragt, ob das für sie ein Thema sei. Und da gibt es sehr viele, für die
es kein Thema ist, weil sie dem aus dem Weg gehen, weil sie da gar nicht dazugehören. Ich denke, es
gibt eine Gruppe, oder auch mehrere, die das beherrschen und immer wieder Zoff machen. Aber das
ist nicht eine generelle Gewaltbereitschaft der Jugendlichen.
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Baden ist. Infrastruktur Interview Regula Dell’Anno

In der Politik ist es auch ein Thema. Es wurden ja auch zusätzliche Polizisten eingestellt. Findest du
das eine geeignete Massnahme?

Dell’Anno: Es ist eine Massnahme. Man kann sicherlich nicht nur auf das bauen. Aber es ist natürlich
eine Massnahme. Präsenz markieren und so präventiv wirken. Es bräuchte aber auch Leute auf der
Strasse, die mit den Gewalttätigen das Gespräch suchen und man müsste herausfinden, warum dies
entsteht, warum passiert dies auf der Strasse. Was sind die Ursachen? Ich denke, es müsste hier auch
verschiedene Pfeiler haben, wie man das Problem angeht. Dass man z.B. auch den Kontakt zu den
Eltern nicht scheut, auch in der Schule, dass man vermehrt den Umgang mit Aggressionen lernt. Die
Präsenz der Polizei erhöhen ist sicher eine Möglichkeit, die einerseits Dinge verhindert und anderer-
seits den Leuten auch Sicherheit gibt. Wenn man patrouillierende Polizisten sieht, dann fühlt man
sich sicher. Ich mag Polizeipräsenz auf der Strasse nicht, aber ich akzeptiere es, dass das sinnvoll ist.

Ist denn die Stadt in diesen anderen Bereichen, also Prävention z.B., aktiv? Oder blieb es bei dieser
Polizeiaufstockung?

Dell’Anno: Ich denke, es ist schwierig. Die Stadt macht sicher was sie kann, innerhalb ihres Kompe-
tenzbereichs und innerhalb ihrer Möglichkeiten, auch zeitlich z.B. Die Stadtpolizei Baden hat auch
eine Zusammenarbeit, die bis nach Nussbaumen reicht. Das heisst auch, dass sie dort patrouillieren
müssen, dann können sie auch nicht überall sein. Ich denke, es ist wichtig, dass sie zusammenarbei-
ten z.B. mit Kulturvermittler, die eben auch mit diesen Leuten reden können. In vielen Fällen nützt es
gar nichts, wenn ein Uniformierter vor ihnen steht. Das provoziert sogar noch eine andere Reaktion.
Es kann gut sein, dass ein Uniformierter, weil er einfach eine Autorität repräsentiert, das Problem
schlichten kann, es kann aber auch gerade das Gegenteil bewirken. Dann muss man wie mit „ihren“
Leuten und „ihren“ Argumenten das Problem angehen. Und hier denke ich, ist die Zusammenarbeit
gut. Das könnte besser sein, aber dann kostet es einfach wieder zusätzlich. Das heisst, es bräuchte
mehr Leute, die weniger dringende Dinge tun müssten und sich wirklich dem annehmen könnten.
Aber ja… Das könnte man toll ausbauen, die Frage ist, wie viel man investieren will. Und dann kommt
wieder die Diskussion, was man in die Prävention investiert und was in das Lösen von akuten Prob-
lemen. Wäre es nicht gescheiter, mehr in die Prävention zu investieren? Und meistens gibt man diese
Gelder nicht frei, wenn nicht die Not da ist. Ich meine, wenn es eine Schlägerei gibt, dann diskutiert
niemand mehr, ob man jetzt da zehn Mann schicken muss, sondern dann schickt man diese zehn
Leute und dann wird das Problem gelöst. Man könnte ja vielleicht diese zehn Leute auch woanders
einsetzen. Das ist schlussendlich dann wieder ein finanzieller Entscheid.

Schwerpunkte:

 Gutes ÖV-Angebot, jedoch noch ausbaufähig


 Sehr schwierig mit dem Auto in die Stadt (Stau, Parkplätze, etc.)
 Schwierig: Sog. Begegnungszonen
 Gute Schulsituation, gute Aufteilung
 Kinderbetreuungsstätten: Nachfrage immer noch grösser als Angebot
 Krippenpool gut
 Stadt tut sich schwer mit Gestaltung öffentl. Plätze, zu sehr auf Ästhetik
 Infrastruktur nötig auf diesen Plätzen (Cafés, etc.)
 Keine Geschäftevielfalt in der Badstrasse & Weiten Gasse, allgemein in Baden aber gut
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Baden ist. Infrastruktur Interview Regula Dell’Anno

 Öffnungszeiten anpassen (Restaurants, etc.)


 Kindermuseum & Langmatt Publikumsmagnete, Historisches Museum nicht
 Im Kulturbereich gute Haltung der Stadt mit Unterstützung
 Zentrumsfunktion, Nutzen- und Lastenverteilung
 Soziokulturelle Jugendarbeit ist Aufgabe der Stadt
 Gut: Kulturkommission als Fachgremium
 Standortmarketing sehr gut
 Bäderquartier: Stadt setzt Rahmenbedingungen
 Weitere Hotels nötig
 Polizeiaufstockung ist eine Massnahme. Prävention wichtig. Stadt tut, was sie kann

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Baden ist. Infrastruktur Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

Interview Nr. 3
Interviewer: Yvo

Interviewpartner Name: Elisabeth Fernandez-Sieber

Funktion: Präsidentin QV obere Altstadt

Ort, Datum: Baden, 05.05.2008

Welches Verkehrsmittel brauchen Sie, um in die Stadt zu gelangen? Oder gehen Sie nur zu Fuss?

Fernandez: Ich gehe nur zu Fuss, weil ich hier so zentral bin.

Benützen Sie denn öffentliche Verkehrsmittel, wenn Sie etwas weiter weg wollen?

Fernandez: Ja, die brauche ich viel, denn ich habe das GA.

Das Auto brauchen Sie in dem Fall selten?

Fernandez: Wir haben schon ein Auto aber wenn immer möglich nehme ich die öffentlichen Ver-
kehrsmittel.

Wie ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln hier in der Stadt?

Fernandez: Das ist gut. Die Busse fahren dicht, die Züge in die Umgebung eigentlich auch. Ich finde
einfach, das Problem ist, dass die Busse hier unten gleich durch fahren, vom Lärm und von der Luft
her, weil es fahren über 300 Busse pro Tag hier durch.

Das Velo brauchen Sie wohl weniger?

Fernandez: Also meine Familie schon, meine Kinder haben alle ein Velo, aber ich darf nicht mehr
Velofahren wegen meinem Knie. Meine Tochter kommt jedoch oft mit dem Velo oder eben mit dem
Bus von Wettingen nach Baden und dafür ist das Velo hier wirklich auch schon gut.

Wie denken Sie über die Fussgängerzonen, sind die gut oder verschlimmern sie nur das Verkehrs-
problem?

Fernandez: Nein, ich finde sie gut, wenn sie respektiert werden. Aber in der Badstrasse zum Beispiel,
werden die Anlieferzeiten nicht respektiert und dann wird es gefährlich und ich finde, dass auch die
Weite Gasse eine komplette Fussgängerzone werden müsste, weil man merkt es vor allem, wenn
Markt ist, dann hat es viel mehr Leute wenn der Bus nicht fährt. Aber natürlich auch wegen dem
Markt. Aber nun ist der Markt ja nicht mehr hier in der Weiten Gasse und es hat dennoch mehr Leute
hier am Samstagmorgen, die müssen irgendwie im Hinterkopf haben, dass hier kein Bus fährt. Das ist
ganz lustig.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

Demnach befürworten Sie eine Ausweitung von den Fussgängerzonen und dass man den Bus aus-
senherum leitet?

Fernandez: Ja, es kommt ja nur die Tunnelgarage als Durchgang für den Bus in Frage, aber dann
müsste die Haltestelle auch sehr nahe bei der Weiten Gasse sein. Aber im Prinzip sind die meisten
Anwohner dafür, dass der Bus aus der Weiten Gasse weg kommt und man ihn durch die Tunnelgara-
ge führt. Aber eben, die Haltestelle beim Schulhausplatz vorne ist noch nicht klar.

Es tönt so, als wären Sie hier bereits tätig gewesen. Haben Sie denn einen entsprechenden Vor-
schlag der Stadt vorgelegt?

Fernandez: Nein das ist im Gespräch, das ist im Gespräch. Es gibt da auch verschiedene Versionen,
wir wurden einfach begrüsst zu einem Meinungsaustausch mit der Stadt. Daran sind die meisten
Geschäfte auch interessiert und da gewesen, es hat also wenige aus der Weiten Gasse selber, die das
nicht wollen. Der Manor will nicht, weil er Angst hat um seine Parkplätze in der Tunnelgarage.

Sind Sie denn auch dafür, dass man den Blinddarm auch schliesst?

Fernandez: Ja, da bin ich nicht unbedingt glücklich. Ich möchte einmal wissen wie es dann wird, weil
als man das im letzten Jahr einmal probierte, hatten sie in der Haselstrasse unten unheimlich Mühe
und ich weiss nicht, wie das gehen soll, wenn der ganze Privatverkehr untendurch fahren müsste. Ich
weiss nicht ob das viel bringt, weil der Bus im Moment immer noch durch die Altstadt fährt und es ist
immer noch keine Fussgängerzone.

Demnach wenn sie das machen, dann auch ganz?

Fernandez: Es ist halt, dass bei Baden die Verkehrssituation sowieso sehr, sehr kompliziert ist, weil
man die grosse Verkehrssanierung in den 60er Jahren nicht gemacht hatte. Man hat ja auch einmal
gesagt, man gehe durch den Martinsberg und dann wäre es eben anders herausgekommen. Und jetzt
ist die Verkehrssanierung nur eine halbe Sache und dadurch haben wir nun den Salat auf der Piazza
Insalata vorne und das hängt alles mit dem zusammen.

Wie sehen Sie das Angebot an Schulen? Ist es genügend gross oder hat es sogar zu viele?

Fernandez: Das ist sehr gut. Wir haben die neue Schule bei der ABB unten, bei der Berufsorientie-
rungsschule dort ist mein Sohn sogar Lehrer, wir haben auch die Kantonsschule in der Nähe und dann
auch noch diese in Wettingen, also ich finde das Bildungsangebot gut. Das ist schon ok. Wir haben
auch nicht weit bis zur Universität in Zürich.

Weist das Weiterbildungsangebot wie zum Beispiel die Migros Klubschule auch so eine hohe Quali-
tät auf?

Fernandez: Ja, das ist so ein Ding. Ich gebe mal ab und zu wieder Stunden, also in Spanisch oder
Deutsch, und das waren dort oftmals Leute, die in der Migros Clubschule waren und fanden, sie
kommen dort zu wenig schnell voran, weil dort halt auch Leute zum Teil hingehen, die die Aufgaben
nicht machen oder mitarbeiten und die, die wirklich vorwärts kommen wollen, kommen halt da dann
ein wenig zu kurz. Aber sonst kann ich das nicht beurteilen. Andere besuchen Malkurse und sind zu-
frieden. Ich habe bereits beides gehört, sowohl Gutes als auch Schlechtes und ich kann mir nicht di-

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Baden ist. Infrastruktur Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

rekt ein Bild machen, weil ich habe dieses Angebot selbst nie genutzt. Aber offenbar ist das Angebot
sehr vielseitig bei der Migros Klubschule.

Sind Sie ausser im Quartierverein sonst noch in einem anderen Verein aktiv?

Fernandez: Ja, ich singe im katholischen Kirchenchor.

Erhalten Sie als Verein da auch Unterstützung von der Stadt?

Fernandez: Nein, der wird von der Kirchgemeinde unterstützt.

Vermissen Sie persönlich einen bestimmten Verein in Baden, den es eigentlich noch bräuchte?

Fernandez: Also wir haben ja über 70 Vereine hier und ich glaube damit haben wir genug.

Wo kann man sich in der nahen Umgebung oder in der Stadt am besten erholen oder einfach ein-
mal abschalten?

Fernandez: Also sicher etwas vom Schönsten ist der BBC Park, der Brown Boveri Park, dort hat es
sehr wenige Leute, er ist wunderschön gepflegt, er ist historisch erhalten und um etwas draussen zu
sein, gehe ich dorthin. In den Kurpark gehe ich nicht mehr, weil den haben sie kaputt gemacht. Dann
ist da natürlich auch noch die Baldegg als schönes Naherholungsgebiet. Aber auch sonst sind wir
überall sehr schnell im Wald, man kann ja beispielsweise von der Baldegg zum Petersberg und dann
Richtung Schwabenberg und da ist man dann wirklich weg von der Stadt. Daher sind wir auch in dem
Bereich sehr, sehr verwöhnt.

Bräuchte die Stadt dennoch weitere grössere Plätze, wie zum Beispiel der neue Schlossbergplatz,
der momentan aufgewertet wird?

Fernandez: Ja, wenn der Bus nicht mehr durchfährt, sonst ist das ein absoluter Witz. Der Schloss-
bergplatz ist nur ein Platz, wenn der Bus wegkommt, das ist hundertprozentig klar. Aber sonst glaube
ich, dass wir genügend Plätze haben. Wir haben den Theaterplatz, der jetzt neu ist und gross und
auch hier gerade noch den Kirchenplatz.

Finden Sie, der neue Theaterplatz ist gelungen oder nicht?

Fernandez: Nein, ich finde ihn nicht schön. Das heisst, ich finde, dass die einen Bäume zu nahe an
den Häusern sind, ich wundere mich, dass die nicht reklamiert haben und vorne ist die Aussicht zwar
schon schön, aber dort wird er im Sommer extrem heiss, weil es gegen Wettingen keine Bäume und
keinen Schatten mehr hat. Und dann finde ich diesen Kiesbelag sehr staubig. Ich weiss, dass die Leute
vom Flohmarkt sich beklagen, wenn es zu schönes Wetter ist und ihre Ware dort ausstellen. Wenn
die Leute dann dort vorbeigehen, ist danach alles staubig. Und wenn es nass ist, ist er auch unange-
nehm. Ich sehe auch die Rechtfertigung des Kiesbelages wegen dem Sickerwasser nicht, weil ich mei-
ne, rundherum haben wir viel Grünes und dieser Platz müsste jetzt nicht unbedingt Wasser durchlas-
sen. Das dünkt mich ein wenig fragwürdig. Also ich finde den Platz an und für sich von der Weite her
schon schön aber die Bäume auf der Ostseite fehlen, also Richtung Wettingen und Ennetbaden, weil
da hatte es zuvor grosse Kastanien aber die musste man wegen dem Parkhaus fällen. Ja und dann
eben noch der Belag, also ich laufe immer aussen herum.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

Ich vermute einmal, dass Ihnen der Trafoplatz auch nicht gefallen wird.

Fernandez: Nein, den finde ich auch nicht schön. Der ist missraten.

Was halten Sie davon, dass die Stadt jetzt so viel Geld für die Erneuerung des Kurparks investieren
will?

Fernandez: Ja, wissen Sie, der Kurpark war in meiner Kindheit ein Eldorado. Wir waren jeden Sonn-
tag im Kurpark am Spazieren oder am Sirup Trinken oder zum Musik Hören. Aber seit sie Eingriffe
gemacht haben, zum Beispiel, dass sie rundherum das Gitter entfernt haben, finde ich extrem scha-
de. Es hatte ja Schmiedeisengitter rundherum und durch die war der Park noch eine geschützte Zone
gewesen. Nun haben sie ja noch zusätzlich alle diese Eiben oder was das waren rundherum gefällt
und nun sieht man einfach durch den ganzen Park, man sieht also die Autos auf der Badstrasse
durchfahren. Man ist auch irgendwie ausgestellt, die grossen Bäume stehen zwar noch, aber seine
Seele hat er verloren. Und jetzt, wenn noch der Neubau kommt weiss ich nicht, ob man wirklich so
viel Geld in den Kurpark investieren soll, aber ich weiss auch nicht was machen. Da ist eben dieser
Park hier hinten, der ist auch ein historisch wichtiger Park, der von der Villa Boveri, der ist wirklich
mit sehr viel Gespür restauriert worden, da haben sie ja auch das Gitter restauriert und sie haben ihn
wirklich so gemacht, wie er sein muss. Aber beim Kurpark weiss ich nicht, wie das ganze am Ende
heraus kommt, also ich finde die Idee an und für sich mit dem Teich schon richtig, aber man könnte
das Geld wohl weitaus besser einsetzen.

Wo tätigen Sie ihre Einkäufe?

Fernandez: Ich gehe wenn immer möglich nach Baden zum Einkaufen.

Ist die Vielfalt an Geschäften demnach genügend gross?

Fernandez: Nein, ich finde, dass es zu viele grosse Läden hat, weil seit es so viele grosse Läden hat,
sind die kleinen zum Teil eingegangen. Ich selber hatte auch einen Spezialladen hier unten mit Kin-
dermode. Wir haben aber auch zum Beispiel kein Haushaltsgeschäft mehr, wir haben kein Elektroge-
schäft mehr. Wenn man also demnach eine bestimmte Glühbirne braucht, muss man ins EW hinaus
oder in den Jumbo oder ins Tägi. Also das Angebot ist sehr löchrig geworden in den letzten Jahren.
Die grossen haben zwar ein wenig von allem, aber dennoch nicht ein so vielfältiges Sortiment wie ein
Spezialgeschäft eines hat. Aber eben, die wirklich guten Spezialgeschäfte fehlen, aber das ist auch in
anderen Städten so, auch an der Bahnhofstrasse in Zürich, in Olten, es ist überall gleich.

Wie sieht es mit dem Angebot an Cafés und Restaurants aus?

Fernandez: Das hat in letzter Zeit gebessert, denn das Moser ist jetzt neu und das Spettacolo ist neu
aufgegangen, das auch am Sonntag offen hat und bis um 12 Uhr in der Nacht. Das ist vor allem gut,
weil man früher abends nirgendwo hin konnte ausser in eine Bar. Jetzt ist es auch nicht schlecht, weil
man jetzt auch in der Weiten Gasse draussen sitzen kann im Sommer, das ist erst seit ein paar Jahren
so. Ah ja, dann ist da noch das Piazza, da kann man auch draussen sitzen, ich weiss zwar nicht, wie es
abends offen hat, aber es ist auch noch gemütlich. Das hat also stark gebessert. Also ein schönes
Wienerkaffee fehlt, aber vielleicht kommt ja bald eines. Bei den Restaurants hingegen ist es zu einsei-
tig italienisch. Früher hatten wir noch ein jugoslawisches, ein türkisches und ein griechisches Restau-
rant gehabt und die sind jetzt alle weg und jeder, der ein neues Restaurant eröffnet, hat vor allem ein

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Baden ist. Infrastruktur Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

italienisches Angebot. Ich habe schon gerne italienische Kost, aber ich hätte auch gerne einmal etwas
anderes, wie zum Beispiel ein griechisches oder türkisches oder auch das jugoslawische, das wir in
der Krone unten hatten, das jedoch eingegangen ist, weil sie die Küche sanieren mussten. Solche
Restaurants fehlen.

Was macht die Stadt Baden für Auswärtige attraktiv?

Fernandez: Hm, ich glaube, nicht wahnsinnig viel. Also es hat da schon so Initiativen von Citycom,
die für die Geschäfte schauen, aber ich befasse mich eigentlich nicht damit, weil es ist jedesmal et-
was anderes, was sie zur Werbung verwenden wollen. Baden war früher viel mehr das Zentrum von
der ganzen Region gewesen. Heute ist natürlich auch noch Spreitenbach, aber auch die Grossvertei-
ler in den kleineren Dörfern, aber ich weiss nicht, ob Baden da wirklich mehr machen kann.

Hat es in Baden genügend Arztpraxen?

Fernandez: Ich glaube schon, wir haben auch noch diverse Hausärzte, die zwar meistens schon ziem-
lich alt sind, aber wir haben eigentlich wirklich alle Arten von Spezialisten hier. Gut, es kommt auch
darauf an, was man braucht, aber wir haben einen Augenarzt, Orthopäden und noch andere.

Begrüssen Sie es auch, dass Baden ein Kantonsspital hat?

Fernandez: Ja, das kenne ich auch aus Erfahrung, weil ich schon mehrmals auf der orthopädischen
Chirurgie gewesen bin. Es ist, glaube ich, nicht in allen Abteilungen gleich, aber ich war in der letzten
Zeit viermal dort und bin immer sehr zufrieden gewesen. Es kommt ein wenig auf die Abteilung an.

Wie sehen Sie das kulturelle Angebot an Museen und Galerien?

Fernandez: Das ist gut, also für so eine kleine Stadt wie wir sind. Gut, wir sind eine Zentrumsstadt,
aber ich würde sagen, dass das kulturelle Angebot für so eine Stadt sehr gut ist.

Nutzen Sie denn auch dieses Angebot?

Fernandez: Ja, ich bin Mitglied in der Theatergemeinde und wenn ein guter Film läuft, dann gehen
wir den anschauen. Ich habe einfach wenig Zeit, weil ich sonst noch sehr aktiv bin. Aber ich gehe
auch manchmal in Ausstellungen.

Lohnt es sich denn auch, 10 Millionen in die Renovation des Kurtheaters zu stecken?

Fernandez: Ich habe es nicht mitverfolgt. Ich nehme an, dass das aber schon stimmt, aber ich kann
es nicht beurteilen von der Grössenordnung her, aber dass man etwas machen muss, ist bereits seit
Jahren klar, glaube ich.

Finden Sie, dass in Baden Räumlichkeiten für die jugendliche Kulturszene fehlen und müsste da die
Stadt etwas unternehmen?

Fernandez: Also das Angebot ist sicher knapp. Die Pfadi und die Jungwacht haben sicher ihre Heime
oder Räume, aber sonst könnte ich mir schon vorstellen, dass man mehr machen könnte und das
wäre dann eindeutig die Aufgabe der Stadt. Dadurch hätten wir die ganzen Leute, die draussen her-
umlungern und auch den ganzen Lärm nicht mehr. Weil die Jungen, die nicht wissen was sie wollen,
lungern dann einfach draussen herum und wenn es da mehr Angebote hätte, meinte ich, dass es
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Baden ist. Infrastruktur Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

besser werden würde. Und ich kann mir gut vorstellen, dass dort noch eindeutig ein Mangel besteht.
Und dass dafür die Stadt zuständig ist, ist für mich klar.

Die Stadt sollte also etwas unternehmen, um die Jugendlichen von der Strasse weg zu bekommen.

Fernandez: Jawohl und zwar unter Umständen auch mit organisierten Anlässen oder Angeboten.
Und das muss schon die Stadt machen.

Vermarktet sich die Stadt in touristischem Sinne genügend gut?

Fernandez: Also ich weiss nicht, ob es viel zu vermarkten gibt bei dieser Situation in den Bädern
unten. Ich meine, die Bäder sind ja so vergammelt… ja also die Blume wäre da noch. Aber die ist auch
nicht jedermanns Sache. Und dann ist fertig. Ich meine, die grossen Badehotels gibt es nicht mehr,
das gedeckte Thermalbad ist langsam auch vergammelt, das müsste man auch renovieren und neben
Zurzach ist Baden halt nirgends im Moment, obwohl wir das bessere Wasser haben. Ich weiss nicht,
ob es wirklich mehr zu vermarkten gibt, bevor wir nicht wieder eine anständige Badregion hier unten
haben.

Dann sollte man das Bäderquartier schnellstmöglich sanieren?

Fernandez: Auf jeden Fall, aber unbedingt unter Berücksichtigung der architektonischen Strukturen,
weil es hat sehr viel Charisma. Sonst geht das, was das Bäderquartier ausmacht, einfach kaputt.

Sollte man es bei der Renovierung Ihrer Meinung nach eher volksnah oder auf Luxus ausgerichtet
gestalten?

Fernandez: Ich finde, dass es beides haben sollte. Es sollte erschwingliche Angebote haben, sowohl
in der Hotellerie als auch im Badebereich. Es darf aber auch ohne weiteres etwas Hochstehendes
haben. Ich finde, man müsste dort das Spektrum ziemlich breit machen.

Ist das Grand Casino eine Bereicherung für die Stadt oder bräuchte man das nicht?

Fernandez: Das müssten wir nicht haben. Das bringt zwar Geld, aber das ist vom moralischen Stand-
punkt her nicht gut, ich stehe da nicht dahinter. Man könnte schon sagen, die Leute sollen an einem
anderen Ort spielen gehen. Aber… ich bin nicht glücklich gewesen, als das kam. Ich dolmetsche auch
bei der Polizei und beim Gericht und da hatte ich einmal den einen Fall mit einem leidenschaftlichen
Spieler und ich meine der konnte im Casino spielen obwohl man wusste, dass der süchtig war und
das ist mir also unter die Haut gegangen. Diese Fälle gibt es und ob wir das in Baden wirklich brau-
chen ist die Frage. Ich selbst hätte aus dem Kursaal etwas anderes gemacht. Und das Casino in einem
normalen Rahmen und kein Grand Casino. Das ist nicht ganz klar für mich.

Mit dem Grand Casino hat man den Kursaal zusätzlich auch der Bevölkerung weggenommen.

Fernandez: Ja natürlich. Ich gehe nicht ins Trafo für ein klassisches Konzert. Da passt für mich der
Rahmen nicht. Früher gehörte uns der Kursaal noch und jetzt gehört er uns nicht mehr. Man muss
nun immer ins Trafo, weil auch die Tanzbälle dort sind, obwohl es keine Seele hat. Ich bedaure das
enorm und daher ist auch der Park zum Teil immer schlechter geworden. Es war vor dem Casino noch
eine Einheit, aber die Zeiten ändern sich.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

Fällt Ihnen gerade ein Hotel ein, das Sie jemandem empfehlen würden, der hier nach Baden
kommt?

Fernandez: Das Du Parc. Also ich war da noch nie, ich höre nur viel mehr Gutes vom Du Parc als von
der Linde. Oder eben, wenn jemandem das gefällt, also ich selbst ginge zum Beispiel auch in die Blu-
me.

Wie beurteilen Sie die Sicherheitslage in Baden, vor allem an den Wochenenden?

Fernandez: Also ich habe selbst nicht unbedingt Angst, aber ich weiss, dass es nicht unbedingt unge-
fährlich ist. Die Polizeipatrouillen sind spärlich und wenn irgendetwas ist und man ruft der Stadtpoli-
zei an, dann haben sie keine Zeit oder es ist nur einer da, der nicht weg kann. Also das ist nicht opti-
mal.

Was denken Sie darüber, dass die Stadt auch private Sicherheitsfirmen engagiert, wie zum Beispiel
vor dem Trafo?

Fernandez: Ich finde das gut, weil die Stadtpolizei überlastet ist und die Kantonspolizei andere Sa-
chen zu tun hat, das ist nicht ihr Bier.

Sehen Sie auch ein Problem darin, dass viele auswärtige Jugendliche hier nach Baden kommen und
auch teilweise gewalttätig sind?

Fernandez: Eindeutig ja, das ist ein Problem.

Was halten Sie von dem Vorschlag aus einem anderen Interview, dass auswärtige Gemeinden auch
einen gewissen Geldbetrag der Stadt Baden zahlen, dass die auch die Sicherheit gewährleisten
kann?

Fernandez: Wenn das realisierbar ist, ich sehe noch nicht ganz, wie man das machen sollte, um zu
wissen, wer kommt von dort und dort und wie hoch dieser Prozentsatz ist, das wäre wohl eine ziem-
lich knifflige Aufgabe, aber der Gedanke wäre eigentlich gut. Ich meine, die ganzen versprayten Fas-
saden und die Unordnung sind manchmal wirklich bedrückend. Da muss man sowieso etwas machen.
Ich weiss nur nicht, wieso man so etwas macht. Ich glaube, das müsste man den Eltern irgendwie
sagen, weil das liegt in ihrer Hand und sicher nicht in der Hand der Schule oder von sonst jemandem.
Diese Verantwortung für die Öffentlichkeit, die fehlt bei einigen.

Möchten Sie sonst noch etwas sagen, was wir vielleicht vergessen haben oder ihnen gerade am
Herzen liegt?

Fernandez: Ja, ich hätte noch etwas, das wären nämlich die Parkiermöglichkeiten. Also gerade für
uns hier sind die Parkplätze sehr knapp, wir haben zwar das Theaterplatzparkhaus, aber wenn man
beispielsweise von Wettingen kommt, muss man durch die ganze Stadt fahren, um parkieren zu kön-
nen. Es hat zwar auch bei der Hochbrücke unten Parkplätze, aber diese werden jetzt nochmals redu-
ziert. Sie haben bereits 3 weggenommen und wollen jetzt nochmals 6 wegnehmen. Dagegen haben
wir Einspruch eingelegt, aber das hat nichts genützt und ich finde, dass wir auf dieser Seite vom Tor,
weil die auf der anderen Seite haben das Parkhaus an der Badstrasse beim Bahnhofparkhaus oder
auch beim Coop und wir hier nur das Ländli. Es ist einfach eine Schwelle, von der Ländligarage her in
die Altstadt zu gehen und um ins Theaterplatzparkhaus zu gelangen ist es einfach eine weite Reise.
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Baden ist. Infrastruktur Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

Und jetzt stehen wir natürlich vor dem Problem, dass wir einerseits den Bus aus der Weiten Gasse
haben wollen, anderseits verlieren wir dadurch die Parkplätze beim Manor, was zu einer weiter Ver-
schärfung des Problems führen würde. Das ist halt einfach ein Problem, das man noch nicht gelöst
hat. Aber offenbar wird es da nicht sehr bald eine Lösung geben. Von mir aus hätte man anstatt dem
Falken dort ein Parkhaus bauen sollen.

Wie beurteilen Sie die Chancen, dass der Bus nicht mehr durch die Weite Gasse fährt?

Fernandez: Die Chancen stehen gut, weil man das uns schon vor Jahren versprochen hat. Das ist
einfach die Haltestelle beim Schulhausplatz auf der Seite vom Schulhausplatz. Diese Haltestelle muss
nahe bei der Weiten Gasse sein. Die bei der Brücke, also wenn man in die Stadt fährt, ist gut, aber
wenn man nach Wettingen oder Spreitenbach will, dann müsste man in unmittelbarer Nähe von der
Altstadt, das heisst von der Weiten Gasse einsteigen. Ich weiss es nicht genau aber ich glaube, es war
einmal ein Vorschlag in der Zeitung von jemandem, der eine Lösung für das Problem hatte, ich weiss
aber nicht mehr wie die ausgesehen hatte. Die Ersatzhaltestelle auf der Seite des Schulhauses ist für
die Nutzung sehr ungeeignet, weil man dann entweder durch die Unterführung muss oder über die
Strasse. Und das ist nicht gut, das ist auch das einzige grosse Problem, weil die Haltestelle, die bis
anhin vor dem Manor war, jetzt nach oben in Richtung Geleise verschoben wird. Aber eben, die an
der Kreuzung ist der Knopf und beim Schulhausplatz weiss man es auch noch nicht, will man da Un-
terführungen für Menschen machen oder für den Verkehr und was für Gefahren gäbe es dann, denn
es wird wohl eine Menge Frauen geben, die sagen, sie gehen in der Nacht nicht alleine unter dem
Schulhausplatz hindurch. Also es gibt schon noch Probleme.

Schwerpunkte:

 Befürwortet busfreie Weite Gasse


 Jugendliche lungern viel zu oft auf der Strasse herum
 Jugendkulturangebot ist zu knapp
 Grand Casino ist vom moralischen Standpunkt her nicht gut
 Theaterplatz und Trafoplatz sind nicht gut gelungen
 Die Renovation des Kurparks ist gut, aber man könnte das Geld sicher besser einsetzen
 Zu viele grosse Läden, die kleinen gehen dadurch ein
 Zu viele italienische Restaurants
 Schliessung des Blinddarmes und Neugestaltung des Schlossbergplatzes ist nur sinnvoll,
wenn der Bus nicht mehr dort durchfährt

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Interview Nr. 4
Interviewer: Severin

Interviewpartner Name: Max Romann

Funktion: Präsident Dorfverein Rütihof; Stellvertretender Kommandant der


Stadtpolizei

Ort, Datum: Stadtpolizei Baden, 07.05.2008

Der erste Teil betrifft die Verkehrsinfrastruktur. Zu Beginn gleich eine persönliche Frage: Wie ge-
langst du nach Baden?

Romann: Ich bin einer, der mit dem Auto fährt. Ich gehe mit meinem Auto zur Arbeit, wenn ich nicht
anders muss oder dazu gezwungen bin.

Und weshalb?

Romann: Ich möchte nicht angewiesen sein auf eine bestimmte Zeit und ich habe persönlich einfach
Mühe am Morgen in diese vollen Busse mit den Schülern einzusteigen. Dies stinkt mir einfach und ich
will wegen dem nicht früher gehen, wenn die Busse noch leerer sind. Um die Zeit wenn ich zur Arbeit
gehe, sind sie einfach immer überfüllt und deshalb gehe ich mit dem Auto.

Würde sich die Situation für dich ändern, wenn mehr Busse eingesetzt würden?

Romann: Ja, wenn so um Viertel nach Sieben, wenn die Schulbusse immer so überfüllt sind, noch ein
zusätzlicher eingesetzt würde, würde ich es mir überlegen.

Deiner Meinung nach ist das Angebot also nicht ausreichend?

Romann: Ich kenne viele, die gleicher Meinung sind wie ich. Denen stinkt es einfach, am Morgen in
diese Busse einzusteigen. Da könnte man also schon versuchen etwas zu ändern. Demnächst soll
auch ein zweiter Gelenkbus in Rütihof eingesetzt werden. Es sind also nicht mehr nur die kleinen
Busse und dies bringt vielleicht eine Erleichterung.

Wäre für dich dann das Velo eine Alternative?

Romann: Ich fahre sehr oft Velo, bin ein angefressener Mountainbiker. Was mein Problem ist, ist
nicht die Strecke, sondern dass ich immer schwitze, wenn ich Velo fahre. Wenn ich nach Baden fah-
ren würde, müsste ich Kleider mitnehmen oder duschen und das ist mühsam. Deshalb mache ich es
eher nicht. Aber ansonsten wäre es sicher eine Alternative.

Die Strecke und Parkplätze wären also vorhanden?

Romann: Die Strecke von Rütihof nach Baden ist gut. Man kann alles hinten durch fahren, das ist
absolut kein Problem und auch wegen dem Einstellen bei uns wäre es kein Problem.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Nun zum Auto. Wie sieht es dort mit den Parkplätzen aus?

Romann: Parkplätze sind einfach Mangelware und ja, es ist halt teuer. Entweder man parkiert im
Schadenmühleplatz, das ist halt noch vor der Stadt, da könnten wir auch Parkkarten haben, oder im
Ländli, das ist auch ein wenig ausserhalb. Da geht es aber bereits über den Schulhausplatz und dort
ist das Problem mit dem Verkehr über Mittag, das man fast nicht raus kommt. Es ist nicht einfach
zum Parkieren, es ist ein Erschwernis. Und es kostet natürlich ziemlich viel. Also ich habe aus Be-
quemlichkeit einen Platz im Ländli gemietet. Das ist gedeckt und ich habe es nicht weit.

Nun was hältst du von den vielen Fussgängerzonen in der Innenstadt? Sind die eher hinderlich oder
findest du sie nützlich?

Romann: Die sind gut, aber was da noch etwas das Problem ist ,und ich denke und hoffe, dass es
besser wird, sind die vielen Ausnahmebewilligungen, die die noch rein fahren dürfen und das stört,
das ist ganz klar. Die Fussgängerzonen wären gut, die Badstrasse, die ist gut. Wir haben dort den
Verkehr am Morgen mit denen, die die Geschäfte bedienen, die rein fahren bis um Elf. Ob man das
wirklich so handhaben muss… so lassen muss man das von mir aus nicht. Aber dort gibt es jetzt dann
auch eine Änderung, wahrscheinlich das man die Zeiten anpasst. Aber ich finde diese Fussgängerzo-
nen wirklich gut.

Sollte man auch die Weite Gasse für den Verkehr vollkommen sperren?

Romann: Von mir aus jeder Zeit, denn den Bus kann man da raus nehmen, das ist ja schon ein The-
ma, den braucht es da nicht. Der fährt nur durch und hält zu vorderst. Diese Haltestelle kann man
verlegen, weiter nach vorne. Absolut, das finde ich sogar dringend, dass man da etwas macht.

Was denkst du von der 30er Zone in ganz Rütihof?

Romann: Das ist gut, das ist absolut gerechtfertigt. Es braucht nicht mehr, man kann gar nicht
schneller fahren. Die einzige Strasse, das ist ein wenig ein Problem, ist die Ausfahrt Rütihof an der
Winkelmatt vorbei, da ist die Strasse ziemlich gross und breit und es ist auch noch 30, aber grund-
sätzlich finde ich es gut.

Ist Rütihof allgemein verkehrsmässig kein Problem?

Romann: Man muss schon sehen, der Verkehr hat zu genommen mit den neuen Überbauungen. Es
hat eine rechte Anzahl Neuzuzüger gegeben. Und man merkt schon, dass es mehr Verkehr gegeben
hat. Denn die neuen, da beim Haberacher, Hügelacher, die gehen nicht alle nach Brugg. Die fahren
natürlich auch nach Baden und dann fahren sie durchs Dorf. Man merkt also wirklich, an Hand dieser
Neuzuzüger hat der Verkehr zugenommen.

Siehst du deswegen Handlungsbedarf? Eventuell noch eine Strasse ausbauen oder so?

Romann: Es war mal ein Thema. Es gibt ja diese drei Zufahrten: von Mellingen unten rauf, von Bir-
menstorf und vom Twerenbold her. Und diese drei Zufahrten müssen einfach offen bleiben (sehr
bestimmt gesagt). Aber sonst gibt es eigentlich keinen Handlungsbedarf, man kann gar nichts ma-
chen. Diesen Leuten kann man nicht verbieten durchs Dorf zu fahren.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Gut, dann kommen wir zur Bildung. Ist eine eigene Schule in Rütihof nötig?

Romann: Ja, ich denke mit dieser Einwohnerzahl, die wir nun haben, 2400, braucht es eine. Auf je-
den Fall.

Könnte man auch über eine Oberstufe in Rütihof nachdenken?

Romann: Ich denke, im Moment ist dies noch nicht nötig. Ich denke es nicht (wirkt nachdenklich). Ja,
wir hätten auch nicht den Raum dafür, das Land würde fehlen. Irgendwo ist das nicht mehr machbar.

Und dass man zum Schwimmunterricht nach Baden gehen muss?

Ja das ist so. Aber auch das kann man kaum ändern. Diesen Dorfcharakter, den Rütihof hat und auch
die Grösse mit den Landreserven, das reicht gar nicht, um die Infrastruktur in diesem Bereich zu er-
weitern.

Weiter in der Bildung. Besuchst du manchmal die Stadtbibliothek?

Romann: Ich nicht, aber meine Töchter und meine Frau besuchen sie öfters, ja.

Die Stadtbibliothek wird ja von der Stadt mit viel Geld subventioniert. Sollte man da schauen, dass
sie selbsttragend wird?

Romann: Selbsttragend kann sie kaum sein. Ich finde es gut, dass sie subventioniert wird und da-
durch billig ist. Die Leute schätzen das auch, dass sie nicht zu viel zahlen müssen. Und ich finde es
gut, dass dadurch auch viele junge Leute da hin gehen und lesen und ich finde, das sollte man so
beibehalten.

Dann kommen wir zu den Dienstleistungen. Gibt es in Rütihof Kinderbetreuungsstätten?

Romann: Es gibt eine Spielgruppe, aber mehr glaube ich nicht. Ist mir also nicht bekannt.

Und eine Betreuung über Mittag ist auch nicht vorhanden?

Romann: Den Mittagstisch gibt es. Den gibt es natürlich. Wer ihn organisiert oder unterstützt weiss
ich nicht, aber den gibt’s.

Bist du auch noch in einem anderen Verein als dem Dorfverein?

Romann: Im Dorfverein ist ja eigentlich jeder, ich bin einfach noch im Vorstand. Aber sonst in einem
Verein bin ich nicht mehr. Mit meinen unregelmässigen Zeiten bei der Polizei ist das eher schwierig.
Ich bin lieber frei. Also wir haben eine Bikegruppe, das ist kein Verein, aber das funktioniert super.
Wir haben 20 Leute. Das ist ohne Vereinszugehörigkeit. Wer kommt, der kommt und sonst halt nicht.
Man ist nicht abhängig, man ist individuell. Man muss an nichts teilnehmen, an dem man nicht will.

Es fehlt also nicht am Angebot in Rütihof, sondern mehr daran, dass du keine Zeit hast.

Romann: Jaja, es hat ziemlich viel Vereinszeugs hier in Rütihof, erstaunlich.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Man muss also nicht nach Baden in einen Verein?

Romann: Nein, es hat wirklich von Turnen über Badminton wirklich alles.

Und werden die von der Stadt in irgendeiner Weise unterstützt?

Romann: Nein, gar nicht. Auch nicht vom Dorfverein, der Dorfverein unterstützt aber die Kultur. Wir
haben einen Jahresbeitrag, den wir auf die Seite legen für kulturelle Veranstaltungen. Da kann jeder
anfragen, ob er einen Teil davon erhält. Auch ein Verein kann dies für einen Anlass tun, aber allge-
mein werden Vereine nicht unterstützt.

Auch der Dorfverein wird nicht von der Stadt unterstützt?

Romann: Nein, wir finanzieren uns über den Jahresbeitrag.

Dann zu den Anlagen. Ist es für einen Sportverein nicht schwierig, überhaupt geeignete Anlagen zu
finden?

Romann: Ja, es hat das Fussballfeld und die Turnhalle. Und die Turnhalle ist schon ziemlich stark
frequentiert. Aber ich denke es ist so, dass es im Moment gerade reicht. Die Handballer sind oft drin
und die Turner, aber ich denke das reicht. Was wir noch haben, ist dass der FC Baden auf unserer
Wiese trainiert. Ob das wirklich nötig ist oder ob wir sie anders nützen könnten, das müsste man
abklären. Aber ich denke, im Moment ist es so ok, gerade noch an der Grenze wo es reicht.

Die Stadt hat ja auch entschieden, dass sie keine EM-Arena mitfinanziert. Findest du das gut?

Romann: Es gibt jetzt ja doch eine und zwar auf dem Theaterplatz. Die ist etwas anders, die andere
wäre ja die Public Viewing der Bank gewesen und die wollte man nicht. Da hatte man erstens den
Platz nicht gehabt. Der Theaterplatz war zu klein und einen anderen gab es nicht. Das Esp hätte es
noch gegeben, das wollten sie nicht, da sie es im Zentrum durchführen wollten. Für diese Anzahl an
Personen gibt es keinen Platz in Baden. Was man jetzt aber macht, ist eine Arena auf dem Theater-
platz für 1200 Leute. Das ist von privater Seite lanciert worden. Die Stadt unterstützt dies aber mit
100`000 Franken. So viele Personen bekommt man gerade noch auf den Platz. Bei dem Konzept der
Bank wäre auch die Sicherheit ein Problem gewesen. Das hätte es teuer gemacht.

Fehlen in Baden also schöne Plätze und Pärke?

Romann: Es hat schon, wenn man sie richtig gestalten würde. Es hat schon ganz schöne teilweise,
der Boveripark ist sehr schön und auch öffentlich, obwohl er privat ist. Dann der Casinopark, der ist
eigentlich sehr schön, da haben wir aber sofort das Problem gehabt. Es hatte viele Jugendliche, es
wurde gespritzt und Dreck liegen gelassen und andere Geschichten. Es gibt schöne Plätze, das hat es
wirklich. Auf was man schauen müsste, ist die Möblierung. Der Trafoplatz ist zwar an der Strasse
gelegen, da draussen, aber man hätte ihn schöner machen können. Mit dieser Möblierung, dieser
Ausstattung, kann man ihn für fast nichts gebrauchen. Der Theaterplatz ist ganz knapp daran vorbei,
er ist schön, er sieht gut aus. Wir haben da jetzt auch den Markt darauf und das funktioniert. Auch
mit den Bäumen und Bänken, das ist gut und recht, aber man muss immer auch schauen, dass man
da Veranstaltungen machen kann, sonst nützen diese Plätze nichts. Ich denke aber auch der Schloss-
bergplatz, der jetzt kommt, der wird sicher gut.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Findest du gut, dass die Stadt für über eine Million den Kurpark renoviert? Sie wollen beispielsweise
den Weiher erneuern und eine Beleuchtung installieren.

Romann: Sicherheitsmässig ist das natürlich sehr gut, wenn es ein wenig beleuchtet wird. Finde ich
gut, wenn sie das machen, das braucht es. Ob sie den Weiher wirklich sanieren müssen, weiss ich
nicht. Aber wenn es nötig ist, finde ich es gut, dass sie das machen. Vor allem das die Sicherheits-
standards erhöht werden und auch wegen dem Littering. Das man Abfalleimer aufstellt, das braucht
es einfach heute.

Apropos Abfalleimer, hat es genügend in Baden?

Romann: Ja, es hat zu wenig gehabt. Sie haben jetzt mehr aufgestellt. Was ein wenig das Problem
ist, ist das sie schön aussehen müssen. Das ist wichtiger als die Funktionalität. Mit den Haifischmodel-
len, die sie jetzt haben, da sind die Öffnungen zu klein. Es ist umständlich, etwas rein zu werfen. Sie
sind also nicht unbedingt praktisch.

Ist Littering also ein Problem in Baden?

Romann: Jaja. Wir haben ja auch die Bussen eingeführt. Wir könnten ja büssen, aber das liegt ein-
fach nicht drin. Wenn man gerade jemanden sieht, kann man büssen, aber sonst ist der Aufwand zu
gross und ob es etwas nützt ist auch fraglich. Den Take Aways haben wir Auflagen gemacht, dass sie
in ihrem Bereich alles sauber halten. Das hat gebessert.

Nun noch zu den Geschäften. Hat es genügend Geschäfte in Rütihof? Oder muss man nach Baden
einkaufen gehen?

Romann: Nein, also was es an Lebensmittel hat, an Grundausstattung, reicht es sicher. Wir haben ja
da die Migros. Wenn ich aber etwas Spezielles will, gehe ich halt nach Baden oder Fislisbach, bei-
spielsweise in eine Metzgerei oder Käserei. Aber grundsätzlich reicht es für die Grundausstattung in
Rütihof.

Fehlt dir irgendein Geschäft in Rütihof?

Romann: Nein. Auch eine Apotheke hat es gleich in Dättwil. Klar wäre es auch gut, eine Drogerie
oder Apotheke in Rütihof zu haben, aber es ist nicht dringend nötig. Was es aber unbedingt braucht
und ja nicht weg gehen darf, ist eine Beiz. Diese muss unbedingt bleiben.

Und wie sieht es in Baden aus? So apropos Diversität der Geschäfte?

Romann: Ja, es gibt schon Geschäfte die fehlen. Und zwar sind es so die Elektrospezialgeschäfte, die
verschwunden sind. Wenn ich etwas spezielles Elektrisches brauche, muss ich gleich in den Jumbo.
Aber so Spezialgeschäfte für Handwerkliches fehlen. Es ist mehr so Warenhausstil, wo man gerade
noch eine Glühbirne bekommt. Es überwiegt heute mit Brillen, Kleider und Schuhen. Früher gab es
noch so Spezialgeschäfte, beispielsweise den Loser. Da bekam man alles über Schrauben bis Zangen.
Letzthin wollte ich eine Flachzange kaufen, fand aber nirgends in Baden eine, unmöglich.

Sind also viele kleine Familienbetriebe verschwunden?

Romann: Ja und das ist auch schade.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Ist es die Aufgabe der Stadt dafür zu sorgen, dass diese bleiben?

Romann: Nein, auf diese Durchmischung schaut die Stadt nicht. Wenn einer einen Laden verkauft,
dann nimmt er den nächsten, der kauft. Auf den Mix schaut niemand. Da können zwei Kleiderge-
schäfte nebenan sein, oder auch drei. Das ist aber wirklich schade. Man sieht auch da den Lorenzo,
den Messerschmied, das ist auch ein Spezialgeschäft. Das finde ich gut, weder wenn es nur noch Ma-
normesser oder Coopmesser gibt.

Dann zum Gesundheitswesen. Einen Arzt gibt es ja in Rütihof ...

Romann: Ja den haben wir nun.

Aber Zahnarzt, Kieferorthopäde, gerade für die Kinder fehlt ja noch.

Romann: Ich denke, wenn man in Rütihof Kinder bekommt, dann sucht man einen Arzt in der Um-
gebung. Aber ich denke, man kann nicht alles in Rütihof ansiedeln. Es hat ja auch in Dättwil und Fis-
lisbach, das reicht.

Zur Kultur. Kennst du Museen oder Galerien in Baden?

Romann: In Baden, ja da kenne ich den Kirchenschatz da drüben, der ist ganz verrückt zum Anschau-
en. Das Kindermuseum kenne ich natürlich, die Galerie der Stadt, aber sonst keines mehr.

Nutz du dieses Angebot auch?

Romann: Selten.

Fehlen in dem Fall auch interessante Angebote?

Romann: Ja, das Kindermuseum haben wir speziell für Kinder. Aber was haben wir sonst noch so?

Ja, beispielsweise das historische Museum.

Romann: Ach ja…

Und Galerien hat es auch ein paar.

Romann: Ja, Bilder hat es. Aber Museen fehlen glaub ich ein wenig. Da muss man halt nach Zürich,
wenn man will.

Ein kulturelles Angebot fehlt also ein wenig?

Romann: Ja schon.

Und Kino und Theater besuchst du ab und zu?

Ja und das ist auch ein gutes Angebot. Mit dem Trafo und dem Sterk, das nun umgebaut wird. Vor
allem das Trafozentrum dünkt mich noch gut. Von dem her, man hat auch eine Beiz und so, alles
etwas zusammen.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Das Kurtheater wird ja für über 10 Millionen renoviert und die Stadt bezahlt einen beträchtlichen
Anteil. Sollte das Theater nicht selbständig funktionieren?

Romann: Ja, die können nicht alleine überleben. Und das braucht es aber, man muss sie unterstüt-
zen. Kultur braucht eine Unterstützung. Es gibt so viele Sparten die ohne Unterstützung halt nicht
auskommen, aber ich finde das so gut. Dass man etwas machen muss, es ist veraltet, das ist klar.

In Baden gibt es wenige Räume für die jugendliche kulturelle Szene. Ist es Aufgabe der Stadt diese
zu beschaffen? Diese Frage war auch im Einwohnerrat.

Romann: Da ist man jetzt daran. Denn vor allem das Angebot für unter 16 Jährige gibt es nicht. Aber
da ist man mit der Jugendarbeit daran, etwas auf die Beine zu stellen. Aber sonst was gibt es noch?
Ja, das Merkker und das LWB, ja das ist nicht unbedingt kulturell, aber auch noch das Nordportal.

Und auch der ganze Komplex mit der Seerose ist jetzt weg.

Romann: Ja, alles da herum. Da sollte die Stadt und die Jugendarbeit schon schauen, ja.

Nun zum Tourismus. Vermarktet sich die Stadt touristisch zu wenig?

Romann: Nein, ich denke die macht genügend. Ich kenne die Marketingstelle und die macht viel.
Man sieht es auch wieder, da im September ist die Schweizermeisterschaft im OL in Baden, ein Stadt-
OL mitten in der Stadt. Sie machen viele Veranstaltungen, auch die Badenfahrt. Gut, die ist nur alle
10 Jahre und auch das mit den Bädern, doch die vermarkten sich gut.

Auch für den Unterhalt der Sehenswürdigkeiten wird gesorgt?

Romann: Da wird viel gemacht. Auch die Ruine wird immer wieder saniert und jetzt gerade der
Stadtturm. Da wird schon geschaut.

Und das ist auch gut, dass man dafür viel Geld ausgibt?

Romann: Jaja.

Und was hältst du vom Casino? Auch aus der Sicht der Polizei.

Romann: Nun, finanziell ist es natürlich eine Bereicherung. Es ist halt eine anonyme Gesellschaft
dort. Wir haben schon hie und da Fälle dort, wenn die Securitas anruft, wenn sie falsch spielen oder
wir hatten einen, der sich falsch auswies. Aber es gibt wenige Einsätze. Die regeln es selber, da sie
natürlich die Polizei nicht vor dem Haus haben wollen, wegen dem Image. Was es öfters gab, ist das
Problem mit dem Parkieren. Die kommen natürlich die ganze Nacht, bis um Vier Uhr hat es offen und
es hat da aus allen Kantonen Leute. Und das Quartier hat da ein wenig Probleme wegen dem Parkie-
ren, also gehabt. Wir haben versucht es zu lösen.

Hat es zu wenige Parkplätze?

Romann: Jaja. Das Casinoparkhaus ist schnell voll. Bahnhof wäre eigentlich leer. Aber das ist zu teuer
oder sie finden es nicht, ich weiss es nicht. Sie sollten da rein, aber sie wollen möglichst nahe ran und
sie fahren halt in Quartierstrassen. Das ist natürlich störend für die Anwohner. Aber ich finde es gut.
Das Casino hat schon etwas gebracht.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Gäbe es ein Hotel in Baden, das du Bekannten empfehlen würdest?

Romann: In Baden?

Ja.

Romann: Jetzt im Moment gerade vielleicht zwei: Das Bluecity, das ist ja das neue, sehr modern, das
ganz sicher. Und dann noch das Du Parc. Und die Blume, die Blume, ja vielleicht noch die Blu-
me.(nachdenklich)

Im Bäderquartier sind die Hotels ja ein wenig am Verlottern.

Romann: Ja es gibt auch keine mehr dort. Es ist gerade noch die Blume.

Sollte da nicht die Stadt intervenieren und schauen, dass das Bäderquartier wieder aufkommt?

Romann: Doch, doch auf jeden Fall. Und da ist man ja auch daran. Es ist einfach eine Frage wer in-
vestiert und was kostet es. Vor allem wer macht es, doch.

Wäre dies die Aufgabe der Stadt?

Romann: Die Stadt alleine kann das nicht machen. Da braucht es Investoren. Es hat ja auch, es
kommt ja auch vermutlich. Es ist wahrscheinlich nur eine Frage der Zeit. Die Stadt muss sich sicher
aber auch mit einem grossen Teil daran beteiligen. Vielleicht weniger finanziell, aber sie muss sich
einsetzen, dass da etwas kommt.

Gut, nun zum Thema öffentliche Sicherheit, da kannst du sicher viel sagen.

Romann: Ja, das ist immer ein Thema.

Gibt es momentan viele Gewalttaten in Baden?

Romann: Ja, das gibt es schon.

Auch verglichen mit anderen Städten.

Romann: Nein, das nicht. Andere Städte mit ähnlichen Einwohnerzahlen und Angeboten, wie Solo-
thurn, Olten, Aarau, die haben alle etwa die gleichen Probleme. Was wir hier in Baden haben, ist,
dass wir ein grosses Angebot an Unterhaltungslokalen haben, die bis um Vier offen haben. Aarau hat
vielleicht nur gerade zwei. Wir haben Sieben oder Sechs. Und da haben wir das Problem, dass wenn
die um Vier zumachen, haben sie mindestens eine Stunde keine öffentlichen Verkehrsmittel. Weil die
fahren erst etwa wieder um Fünf Uhr und da gibt es ein Vakuum von etwa einer Stunde, wo nichts
fährt. Und da hängen sie herum und dann gibt es Schmierereien, Sachbeschädigungen usw. mit den
Betrunkenen. Wir haben sicher ein grosses Angebot und das zieht Leute von weit her an.

Ja, es kommen auch viele Jugendliche von ausserhalb.

Romann: Ja, vor allem Jugendliche. Ich muss schon sagen, das Angebot ist so für die 17 bis so 25
Jährigen. Darunter hat es nichts und darüber hat es wenig. Und die Gruppe zwischen 17 und 20 ma-
chen schon die meisten Probleme.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Was könnte man denn dagegen unternehmen? Auch dass so viele Jugendliche von aussen kom-
men?

Romann: Das ist eigentlich gut, man will nichts dagegen machen. Wir haben einmal vor einem Jahr
riesige Probleme gehabt, weshalb weiss man nicht genau. Da haben wir Kontrollen gemacht, einfach
jeden kontrolliert und da haben wir anhand der Statistiken gesehen, dass fast 80% Auswärtige sind.
Und zwar unteres Aaretal und die haben gesagt, ja was sollen wir bei uns machen. In Brugg läuft
nichts, es gibt nur Zürich oder Baden. Baden zieht sie halt schon an.

Kann man aber trotzdem noch ohne Angst um Vier Uhr morgens in Abend unterwegs sein?

Romann: Jaja, es kann natürlich passieren, dass man im falschen Moment am falschen Ort ist. Es
kann sein, dass ein paar Jugendliche blöd tun. Aber die Chance, dass man Opfer wird, ist sehr gering.

Wird auch beispielsweise Rütihof nicht vernachlässigt?

Romann: Nein, da sind wir natürlich viel. Da hatten wir auch das Problem mit den Jugendlichen auf
dem Schulhausplatz. Da hatten wir zu tun mit Sachbeschädigungen. Sie saufen dort und machen da-
nach Sachen kaputt. Da hatten wir also Probleme.

Fehlt für sie also etwas wo sie hingehen könnten in Rütihof?

Romann: Ja, das fehlt sicher. Sie haben zwar den Jugendraum, aber das sind genau diese, die nicht in
den Jugendraum gehen. Die wollen gar nicht, auch wenn sie das Angebot haben. Die wollen draussen
herum hängen, auf dem Schulhausplatz oder wo auch immer mit ihrer Clique. Wir hatten letzthin
einen Workshop zusammen mit der Jugendarbeit „Zusammenleben in Rütihof“ und man hat auch
gemerkt, man weiss nicht, was man denen anbieten soll, wenn sie gar nicht wollen. Die wollen draus-
sen bleiben. Das ist „Rum hängen“. Die machen „Rum hängen“. Mehr wollen sie nicht.

Man sieht in Baden oft Securitas am Abend. Was hältst du davon, dass Private Firmen die Sicher-
heit übernehmen?

Romann: Ja man sieht es oft. Aber wir machen das auch. Wir haben jetzt auch wieder eingestellt bis
Ende August, September. Uns bringt es viel. Die patroulieren auf der Achse vom Nordportal bis ins
Ventil und die können viele erste Interventionen vornehmen. Wenn die sehen, da braut sich etwas
an, da streiten sich zwei, dann gehen die und regeln das. Es kommt natürlich darauf an, wen man hat.
Wir haben die Securitas, die Offiziellen. Die sind ausgebildet und haben ein sehr gutes Auftreten. Und
die können uns viel Arbeit abnehmen. Die können auch präventiv wirken. Wir haben gemerkt, dass
es mit den Schlägereien abgenommen hat und wir führen das darauf zurück. Wir haben die einges-
tellt, da wir nur von den Leuten her, nicht in der Lage sind, genügend zu patroullieren.

Ihr hattet also nie Probleme mit Sicherheitsfirmen?

Romann: Nein, mit den Securitas nicht. Aber diese Sicherheitsfirmen sind halt aus dem Boden ge-
schossen wie Pilze und man muss schauen, wen man nimmt.

Sind sie denn auch kooperativ mit euch?

Romann: Ja, wir arbeiten eng mit ihnen zusammen.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Max Romann

Auch mit dehnen, die nicht bei euch angestellt sind?

Romann: Ja, das müssen wir auch. Auch mit denen vom Trafo oder dem LWB. Die Zusammenarbeit
wurde verstärkt und die braucht es auch.

Ja ich wäre eigentlich am Ende. Gibt es etwas, dass dir gerade spontan noch einfällt? Das du schon
immer loswerden wolltest? Egal ob zu Baden oder Rütihof.

Romann: (Nachdenklich) Ja, Baden find ich super. Es läuft viel, man kann in den Ausgang, man kann
etwas essen gehen, einfach durch die Stadt spazieren. Es hat Sachen zum anschauen, die Altstadt. In
Rütihof wohne ich, weil ich nicht in der Stadt wohnen will. Es hat einen ländlichen Charakter, man
kennt sich. Man ist aber trotzdem schnell in Brugg oder Baden. Es hat einen guten ÖV in dem Sinn.
Sonst weiss ich nicht gerade was zu sagen.

Gibt es nichts, das man unbedingt noch verbessern sollte?

Romann: Nein da fällt mir gerade nichts ein.

Schwerpunkte:

 Busse überfüllt
 Parkplatzmangel, vor allem beim Casino
 Viele Ausnahmebewilligungen in Fussgängerzonen
 Weite Gasse sollte man auch sperren
 Öffentliche Plätze nicht optimal
 Abfalleimer nicht funktional, Littering
 Keine Spezialgeschäfte mehr (Handwerklich); mehr Warenhausstil und Brillen-, Kleider- und
Schuhgeschäfte
 wenig Museen, kulturelles Angebot
 Angebot für unter 16 Jährige fehlt, wird aber etwas gemacht.
 Schauen, dass im Bäderquartier etwas läuft.
 Viele Lokale bis um 4 Uhr offen. Bis 5 kein Bus Probleme
 Angebot nur von 17 bis 25 Jahre
 Zentrumsstadt Baden
 „Rumhängen“ der Jugendlichen in Rütihof

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

Interview Nr. 5
Interviewer: Severin

Interviewpartner Name: Peter Sterk

Funktion: Eigentümer sterk cine ag

Ort, Datum: Trafo Baden, 08.05.2008

Wir beginnen einmal mit der Verkehrsinfrastruktur. Was denken Sie, mit welchem Verkehrsmittel
kommen die meisten Besucher in Ihre Kinos?

Sterk: Dies kommt ein wenig auf das Alter der Besucher an. Es gibt viele unter 18 Jährige, die ins Kino
kommen und diese kommen natürlich mit den öffentlichen Verkehrsmitteln, zu Fuss, dem Velo oder
dem Töffli. Es gibt aber auch die Generation, die mit dem Auto kommt. Dies war für mich von zentra-
ler Bedeutung. Alle Kinos sind sehr zentral gelegen, in der Nähe des Bahnhofes, Bushaltestellen und
es hat auch Parkplätze für Autos. Wir wollten die Kinos dort hin stellen, wo die Leute wohnen und
arbeiten.

Finden Sie Baden ist mit dem ÖV gut erschlossen?

Sterk: Ich finde es gut erschlossen. Es ist halt nicht alles machbar. Man kommt mit dem Zug, dem Bus
und dem Postauto gut nach Baden. Mit dem Auto ist es sowieso kein Problem. Ausser, dass wir in
den Stosszeiten, wie in allen Städten, einen Knoten haben. Doch dies ist nicht weg zu bringen, solan-
ge wir nicht total neue Verkehrswege erschliessen. Tunnels da und dort durch bauen, dies wäre eine
Variante, aber ob dies etwas bringt, ist fraglich. Ich glaube, die Leute gewöhnen sich auch daran und
gehen halt nicht während den Stosszeiten nach Baden. Da sie nicht eine halbe Stunde beim Dättwiler
Weiher und der Mellingerstrasse stehen wollen. Die Idee des Trafocenters war auch um 15, um 18
und ca. um 20 Uhr Vorstellungen zu machen. Damit auch die Leute direkt nach der Arbeit ins Kino
gehen können. Auch das Kino Sterk wird nach dem Umbau eine 18 Uhr Schiene erhalten.

Finden Sie, man müsste in Baden verkehrsmässig etwas ändern oder ist das eben einfach so, weil
Baden eine grosse Stadt ist?

Sterk: Ich stehe auch nicht gerne im Stau, aber in der Schweiz kann man hingehen, wo man will, in
den Stosszeiten steht man einfach im Stau. Da müssen halt die Leute umdenken, aber dazu kann man
sie nicht zwingen. Und andere Verkehrsmittel wie Trams oder Trolleybusse oder eine Hochbahn bau-
en, solche Ideen gab es schon vor 10, 15 Jahren, aber das ist wohl nicht realistisch.

Wie beurteilen Sie die Parkplatzsituation in Baden?

Sterk: Im Umkreis von etwa 300 Meter haben wir über 2000 Parkplätze, das dünkt mich schon mal
viel. Aber wenn dann doch 5000 mit dem Auto kommen, hat es halt doch keinen Platz. Unsere Besu-
cher sind schon auch ein wenig bequem. Die erwarten, dass sie, wenn sie ins Kino kommen, hier auch
einen Parkplatz finden. Doch im Kinobillet ist kein Parkplatz enthalten. Wenn es hier keinen Platz hat,

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

gibt es ja noch die Schmiede, Gartenstrasse, Langhaus, Bahnhof, Casino, Verenaächer. Es dünkt mich,
es gibt da also noch viele Parkplätze.

Sie finden also, es hat genügend Parkplätze, doch es scheitert an der Bequemlichkeit der Leute?

Sterk: Ja, man muss halt bereit sein 200-300 Meter zu laufen, was zumutbar ist.

Ist das Velo eine Alternative?

Sterk: Absolut. Wir haben viele Abstellplätze um das Trafo herum. Es ist auch die Idee, dass Leute,
die in der Stadt wohnen, und es gesundheitlich vertragen, mit dem Velo unterwegs sind. Vielleicht
nicht gerade in der Allmend, aber hier in der Stadt ist man mit dem Velo oft schneller als mit dem
Auto unterwegs. Wenn man das will, haben wir ein relativ gutes Fahrradwegkonzept in der Stadt.
Natürlich könnte man alles noch besser machen und mehr ausbauen. Baden ist halt eine Zentrums-
gemeinde und wenn alle, ich sage einmal 100`000 Leute der Umgebung, mit dem Auto nach Baden
kommen, dann hat es halt keinen Platz. Kämen sie mit dem Velo, bräuchte es auf einmal Velopark-
häuser wie in Amsterdam.

Sie finden also die Infrastruktur, um mit dem Velo anzureisen, wäre schon vorhanden?

Sterk: Absolut.

Gut, dann zu den Erholungsanlagen. Was halten Sie vom neuen Trafoplatz gleich hinter uns?

Sterk: Das ist ein verunglückter Platz, das ist meine ehrliche Meinung. Ich verstehe es nicht, dass
man das so gemacht hat. Ich finde, Baden ist ein Ort, wo etwa 60% Wald ist, wenn ich das richtig im
Kopf habe. Wieso müssen dann dort, wo ein Platz ist, auch noch Bäume stehen? Damit vor lauter
Bäume nichts mehr stattfinden kann. Ich wollte hier ein Openair-Kino machen. Früher habe ich das ja
zehn Jahre im Kurpark gemacht. Aber jetzt ist der Platz so gemacht worden, dass er für meine Ans-
prüche nicht genügt, um darauf ein Openair zu veranstalten. Ich habe zwar bereits in der Planungs-
phase geplant, hier eines zu veranstalten. Es sind Leitungen und Anschlüsse und alles Mögliche vor-
handen, aber ich habe auch gesagt, wie gross diese Tribüne sein sollte. Für einen Verein würde das ja
genügen, aber bei mir sind halt die Ansprüche höher. Eine Tribüne, damit es rentabel wird, hat kei-
nen Platz. Die Pläne für die Tribüne waren bereits vorhanden und die habe ich eingereicht, doch sie
haben es so gebaut, dass sie nun keinen Platz hat. Auch für Fluchtwege wäre es zu eng. Man könnte
also kein rentables Openair durchführen. Auch ein Zirkus oder so hat keinen Platz und Verankerun-
gen kann man auch nicht in den Boden schlagen, da es da eine Betonplatte hat. Wir haben den Platz
seit 5 ½ Jahren und es hat noch fast nichts darauf stattgefunden. Er ist einfach nicht attraktiv. Er ist
nicht belastbar und der Belag macht nur gelbe Schuhe. Ein Platz sollte so gemacht werden, dass man
ihn auch benutzen kann. Dies hat die Stadt auch eingesehen und sagte, sie wolle beim Theaterplatz
nicht mehr die gleichen Fehler machen. Da gab es aber auch wieder kleinere Fehler. Alle sagen, im
Ausland gibt es so tolle Plätze, doch diese sind überhaupt nicht speziell. Aber es sind Treffpunkte. Die
einzigen, die sich ab und zu auf dem Trafoplatz treffen, sind ein paar Bocciaspieler.

Auch für die Normalbevölkerung sind die Plätze nicht attraktiv?

Sterk: Sitzen Sie doch mal auf dem Platz irgendwo ab. Es ist überall dreckig und auf den Steinen tut
alles weh, wenn man absitzt. Es ist einfach unglücklich gestaltet.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

Gibt es also keinen guten Park oder Platz in Baden?

Sterk: Nun ja, die Villa Boveri oder die Langmatt sind noch schön.

Aber das sind alles private Pärke.

Sterk: Die die Öffentlichkeit aber auch benutzen darf. Ich liebe diese Stadt, aber ich denke, bei den
Plätzen hat man es nicht optimal gemacht.

Was halten Sie vom Kurpark?

Sterk: Den liebe ich, da habe ich ganz schöne Erinnerungen daran. Man ist jetzt ja auch daran, Ver-
änderungen vorzunehmen. Ich denke, mit dem neuen Weiher, den Wegen und der Beleuchtung
könnte das ein schöner Platz werden. Das ist eine wichtige Lunge und Begegnungsplatz. Wenn man
mit Wettingen vergleicht, dem Zentrumsplatz, da sagen ja auch alle, den kann man nicht benutzten.

Sehen Sie das Kurtheater als Konkurrenz an?

Sterk: Überhaupt nicht. Es ist höchsten ein Ansporn. Es ist wunderschön, dass wir in einer Kleinstadt,
so ein kulturelles Angebot haben. Wir sehen aber auch was passiert. Das Claque gibt es nicht mehr
und auch das Brennpunkt ist zugegangen. Auch der Verenahof hatte Säle, die man benutzen konnte.
Wir haben also auch abgenommen. Wir haben Säle, aber es würde nicht schaden, wenn es noch
mehr hätte. Zurück zum Kurtheater. Ich finde es wichtig, dass wir ein Theater in der Grösse haben,
aber viele haben Mühe mit der Bequemlichkeit. Die Bestuhlung ist zu eng. Auch verglichen mit unse-
ren Kinos sind die Sitze viel enger. Die Leute waren 1953, als das Kurtheater erbaut wurde, einige
Zentimeter kleiner. Heute müsste man dies halt anpassen. Jetzt investiert man ja gegen 16 Millionen.
Man hört immer vom berühmten Sachsfoyer und aussen ändert man ein wenig um den Eingang.
Aber am Saal ändert man nichts. Und das Theater findet ja im Saal statt und nicht im Foyer. Das an-
dere ist noch das Programm, das ist immer eine Geschmackssache. Man hat hier in den letzten Jah-
ren wohl auch ein wenig verpasst, das anzubieten, was die Leute wollen. Ich kenne viele Leute, die
sagen, einmal in der Pause rauslaufen geht ja noch, aber drei Mal nach einander ist zuviel. Aber ich
finde es toll, dass es das Kurtheater gibt oder auch das Thik.

Finden Sie es aber grundsätzlich gut, dass man das Kurtheater unterstützt? Und Sie müssen bei-
spielsweise alleine klar kommen.

Sterk: Nein nein, Ich finde es gut, dass das Kurtheater unterstütz wird, aber man setzt nicht immer
am richtigen Ort an. Ich wusste ja schon immer, dass ich für alles selber aufkommen muss. Ich weiss,
was alle meine Säle gekostet haben. Aber bei uns ist es kundenfreundlich und es tut mir Leid, aber
Sie haben mich das gefragt, wenn die Gäste wissen, es wurden 16 Millionen investiert und ich kom-
me jetzt an der Kasse anders vorbei und das Foyer ist grösser. Das sieht man ja alles. Aber jetzt kom-
men die Gäste in den Saal und es ist noch alles gleich. Das finde ich schade. Das ist meine ganz per-
sönliche Meinung. Aber ich finde es gut, dass man investiert und ich finde es wichtig, dass es ein
Theater hat.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

Sie haben auch erwähnt, dass viele Räume verschwunden sind. Im Einwohnerrat wurde auch disku-
tiert, dass viele Räume für die jugendliche kulturelle Szene verschwunden sind. Sollte da die Stadt
eingreifen und beispielsweise solche Räumlichkeiten aufkaufen oder muss auch dies wirtschaftlich
rentieren?

Sterk: Rein wirtschaftlich ist Kultur gar nicht möglich. Auch übrigens im Kino. Denn die Filme, die ich
im Studio zeige, wenn ich von diesen leben müsste, dann wäre es kein Familienbetrieb, sondern dann
würde eine Person hier arbeiten und diese müsste mit extrem wenig Geld zufrieden sein. Wenn ich
aber sage, ich möchte als Monopolplatz auch im Studiobereich etwas anbieten, muss ich das alles
selber finanzieren, denn ich erhalte keine Subventionen. Der Eintrittspreis des Kinos ist etwa die Hälf-
te des Theaters und wenn man weiss, dass gemäss Statistik des Berufstheaters Schweiz über 100 Fr.
pro Sitzplatz öffentliches Geld investiert wird, also wenn ich auch pro Sitzplatz 100 Fr. verlangen
müsste. Ich habe gar nichts, ich muss gerade stehen. Da scheint mir, ist etwas verloren gegangen. Als
zu meiner Zeit das Jugendhaus gebaut wurde, hat die damalige Jugend selber Hand angelegt und
nicht überall Geld geholt. Heute scheint es mir, denken alle, toll ich bin kulturell tätig, aber die ande-
ren sollen zuerst einmal das Geld geben. Man darf nicht immer die öffentliche Hand angehen, denn
das ist eine Einstellung, die auf Zeit nicht funktionieren kann. Die Leute die das Geld geben, der Ein-
wohnerrat oder wer auch immer, die haben so viele Gesuche, die können gar nicht alles unterstüt-
zen. Neben dem Kurtheater wird ja auch noch das Thik unterstützt, das ist auch richtig. Palino erhält
auch etwas. Dann haben wir noch drei internationale Festivals: Das Fantoche, das Figura und das
Blues Festival. Die Ausstrahlung der Stadt ist mit solchen Festivals gegeben. Dann redet man in der
Welt von Baden. Beim Fantoche beispielweise hat man jedes Jahr zwischen 42 und 48 Länder, die
vertreten sind aus der ganzen Welt. Und die Leute berichten zu Hause von diesen Festivals in Baden,
Schweiz. Das hat Ausstrahlung und das ist auch richtig, dass dies die Stadt Baden unterstützt. Aber
wenn irgendjemand sagt, er macht ein lässiges Stück und braucht 100`000 Franken, dann darf man
nicht enttäuscht sein, wenn dieses Geld nicht zur Verfügung steht. Also da bitte ich schon auch die
jungen Leute mit den Lokalen. Das Merkker wird ja auch irgendwoher unterstütz. Es gibt das Nord-
portal, wo auch einiges für die Jungen passiert. Das ist nicht so, dass die Stadt nichts unternimmt.
Aber nur der Stadt sagen, gebt uns das Geld und dann schauen wir weiter, das kann man nicht ver-
langen. Auch die Jungen werden in ein paar Jahren Steuern zahlen und wenn die Steuern zu hoch
sind, dann sagt man, gehen wir halt nebenan. Dies passiert ja auch. Ich meine, Zentrumsgemeinde
Baden. Wo ist etwas los in der Region Baden? Natürlich in Baden. Aber die anderen Gemeinden in
der Umgebung senken den Steuersatz und dann kommen die Leute in die Region und sagen, ich gehe
nach Wettingen, da bezahle ich 15% weniger Steuern. Da finde ich, sind die Lasten nicht richtig ver-
teilt. Bei einer Zentrumsgemeinde finde ich, sollten auch die umliegenden Gemeinden nicht nur den
Steuerfuss senken, sondern auch etwas zahlen. Denn das Geld wird knapper und deshalb kann man
einfach nicht mehr alle Bedürfnisse unterstützen.

Es kommen also auch viele Auswärtige in ihre Kinos?

Sterk: Ja natürlich. Das sehen wir an den Reservierung oder den Autoschildern, die bei uns parkieren.
Auch Zürich ist nur etwa 15 Minuten entfernt. Vom Höngg ins Zentrum von Zürich hat man etwa
gleich lang und wo finde ich da einen Parkplatz und da zahle ich etwa 4 Franken. Ich weiss, dass auch
viele Personen aus der Region Zürich kommen. Es sind erstaunlich viele. Aber damit die Leute kom-
men, muss eben auch die Infrastruktur stimmen, sonst kommen sie nicht. Dies wünsche ich mir eben
auch für das Theater, dass die Qualität auf der Bühne einen anspricht und dass man die Bequemlich-

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

keit des Gastes berücksichtigt. Und wenn wir es von den Parkplätzen hatten, wo kann man parkieren,
wenn man ins Theater geht? Im Moment kann man noch in die Verenaächer, aber dort gibt es eine
Überbauung und wo gehen dann die Leute hin? Die Leute sind verwöhnt, daran muss man denken.

Finden Sie, die Stadt vermarktet sich gut? Zieht sie allgemein viele Leute an?

Sterk: Man hat früher das Baden Tourismus gehabt, welches dann zum Standortmarketing wurde.
Am Schluss geht es zwar auch darum, dass man für Gäste die hier her kommen, aber auch für Gäste
die hier sind, etwas bietet. Aber auch dass Firmen hier her kommen. Ich finde, das Standortmarketing
hat einen super Job macht. Da bin ich fest überzeugt und dass es dazu verhilft. Die Leute die daran
sind, bemühen sich auch immer wieder neue Ideen zu verwirklichen. Ich verfolge dies natürlich ge-
nau. Weshalb soll jemand von irgendwoher nach Baden kommen? Wenn nichts ist, dann kommt ja
niemand. Provokativ gesagt, weshalb soll jemand nach Wettigen gehen? Ja, zum Wohnen, da er we-
niger Steuern bezahlt. Aber im Ausgang wird in Wettingen halt nicht viel gemacht. Das meine ich
nicht böse oder wertend. Das ist bloss eine Feststellung. Man muss halt schauen, was ist angeboten
und wenn ich dann sehe, dass eine Aussengemeinde als kulturelles Angebot eine Kegelbahn angibt,
da Frage ich mich, was das mit Kultur zu tun hat. Anders geht es schon finanziell nicht. Diese Orte
sind zu klein. Ich sagte schon vor 40 Jahren, man sollte mehr zusammen schliessen. Es braucht doch
nicht jedes Dorf einen eigenen Polizisten und eine Verwaltung. Baden ist eine weltoffene Stadt. 96
oder 97 Nationen glaube ich, die hier wohnen. Das hat sonst keine Kleinstadt zu bieten. Ich fände es
noch schön, wenn die um uns herum sagen würden, in der Schule haben wir doch gelernt: „unité fait
la force“. Es wäre schöner, wenn sie sagen würden, jawohl wir gehören in das grosse Zentrum, da ist
etwas los und wir beteiligen uns auch mit Steuern oder so. Also Baden macht einen guten Job nach
aussen, man kennt es nach aussen. Ich bin immer wieder mit Leuten aus dem kulturellen Bereich
zusammen gekommen und ich hörte immer wieder, immer wieder von den Romands, den Tessinern
und auch den Deutschschweizern: „ Du hast es gut. Du bist in einer Stadt die kulturell viel anbietet.“
Dies nimmt man in der ganzen Schweiz zur Kenntnis. In Baden hat man lange nicht zur Kenntnis ge-
nommen, dass wir extrem viel machen.

Was halten Sie von den Hotels in Baden? Gäbe es eines, das Sie empfehlen würden?

Sterk: Ja, natürlich ist es so, dass ich zu dem Thema immer wieder angesprochen werde. Wir haben
Hotels, es gab auch neuere, das Bluecity ist eines, im Limmathof unten das andere. Das Du Parc ist
halt mittlerweile in die Jahre gekommen, die Linde auch. Die Blume ist wunderschön mit dem Atrium.
Es hat vereinzelte Hotels. Nach meinem Dafürhalten klar zu wenig. Wo das Problem kommt, ist,
wenn im Kultur- und Kongresszentrum Trafo, wo wir hier drin sind, eine Tagung ist und es sind 600
Personen hier und die sollten übernachten, dann müssen sie nach Zürich oder weiss ich wohin. Das
will man nicht. Ich habe viele Sitzungen in meinem Leben gehabt und wenn ich eine über zwei Tage
hatte, mit übernachten, dann will man entweder mit dem Zug oder dem Auto hin fahren. Das heisst,
man muss vom Bahnhof schnell im Hotel sein, man muss das Auto parkieren können, man hat dort
die Sitzungsräume, man will dort essen, vielleicht hat es noch ein Hallenbad dort. Alles unter einem
Dach. Hier können nur eintägige Sitzungen sein. Wo will man hin bei zwei Tagen? Wir wären ein gu-
ter Kongressstandort, der optimal liegt. Der vor dem Baregg liegt mit dem Stau, den wir hatten. Ich
hörte immer wieder von grossen Firmen, wir suchen in Baden etwas. Ihr habt ein lässiges Kultur- und
Kongresszentrum, aber wo gehen wir schlafen? Damit haben wir ein Problem mit der Hotellerie. Ich
finde es eine Tragik, da stehe ich dazu, dass man das Flaggschiff Verenahof, das jetzt oft in der Presse
ist, das Flaggschiff des Kantons Aargau, dieses Hotel einen solchen Untergang erlitten hat. Da komme
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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

ich nicht darum herum auch gewisse Vorwürfe an die Inhaber zu machen. Unsere Familie ist 108
Jahre im Kinobusiness und wir hatten nie das Gefühl, wir lassen es jetzt sein und machen in 30/40
Jahren wieder etwas. Also man hat eine Verantwortung und man soll gefälligst jedes Jahr amortisie-
ren und investieren und das kann ich mit einem lächerlichen Betrag von einem Eintritt von 15. Fr.
Wenn ich aber einen Lohn in unglaublichen Sphären nehme, dann kann ich keine Investitionen mehr
machen. Die Leute sind heute verwöhnt. Weshalb sollten sie in ein Hotel gehen, dass nicht top ist?
Und ich finde es sehr mutig von dem Mann, der jetzt dahinter steckt, dass er etwas machen will. Das
ist wichtig für die Stadt. Wir haben das mineralreichste Thermalwasser der Schweiz und wir lassen
Millionen Liter in die Limmat raus. Wir wissen alle, und ich bin nicht speziell grün, die Wasserknap-
pheit ist die grosse Krise, die auf uns zukommt. Es ist nicht das Öl, sondern das Wasser und jetzt ha-
ben wir auch noch gesundes Wasser und das lassen wir einfach raus. Das kann es doch nicht sein.
Also zu Hotellerie, es braucht Badehotels. Ob die in Baden oder Ennetbaden stehen, ist mir schluss-
endlich gleich. Aber das Thermalwasser muss vernünftig genutzt werden. Es braucht Hotels für Kon-
gresszentren, damit das weiter bestehen kann und es braucht auch Stadthotels für Leute, die nicht
an Kongressen teilnehmen oder in die Bäder wollen. Es gibt auch sonst Leute, die hier übernachten.
Da ist ein Nachholbedarf, klar. Ich weiss schon, dass die Hoteliers sagen, es rentiert nicht. Ich kenne
das. Ich hatte auch mal ein Hotel, ich weiss was das heisst. Man muss halt investieren, investieren.
Die Leute kommen, aber sie haben Ansprüche.

Wenn hier die Privaten „versagen“, müsste dann die Stadt eingreifen?

Sterk: Schauen Sie, das ist immer eines dieser grossen Themen. Wann soll die Stadt eingreifen? Ich
war 20 Jahre in der Politik. Ich kenne auch diese Situation ein wenig. Man kann nicht eine Stadt für
alles verantwortlich machen. Als Mc Donald‘s und Burger King kamen, sagten gewisse Leute, sicher
nicht. Aber das ist in privaten Händen und als ich so jung wie sie war, wohnten die Geschäftsleute
noch in der Regel oben an ihren Geschäften, im gleichen Haus. Das war eine andere Zeit. Wir hatten
eine Vielfalt an Angeboten. Als diese Leute aufhörten, aus Altersgründen, und die Jungen das Ge-
schäft nicht wollten, hat man den Laden vermietet. Hat man da auf die Vielfalt geschaut oder sagte
man, es ist toll, dass es neben dem Migros noch einen Privaten gibt, also geben wir dem das fast gra-
tis? Es passierte, dass man sagte, man will möglichst viel Geld raus holen. Und da soll die Stadt ein-
greifen und sagen ihr Privaten dürft das nicht? Wir zahlen euch Steuergeld, damit ihr subventionierte
Läden rein tun könnt. Das funktioniert nicht. Und es ist nicht die Verantwortung der Stadt, dass wir
eine Vielfalt haben an Hotels, an Angeboten in den Läden, an den Bädern, an Sport, an Kulturanläs-
sen. Es ist schön, wenn das unterstützt werden kann, aber es ist schlussendlich nicht die Aufgabe der
Stadtbehörde. Sie intervenieren dort, wo sie die Möglichkeiten haben. Man kämpft sehr in den Bä-
dern. Da ist der heutige Stadtamann sehr aktiv. Das finde ich toll. Aber schlussendlich kann man nicht
sagen, liebe Einwohner wir erhöhen den Steuerfuss um fünf %, damit wir ein schönes Hotel haben.

Dann kommen wir noch zum letzten Thema, der öffentlichen Sicherheit. Haben Sie in ihren Kinos
manchmal auch Probleme mit der Sicherheit?

Sterk: Also in den Kinos drinnen haben wir das Problem nicht. Wir sind verantwortlich und schauen,
dass alles gut geht. Es gibt zwischen durch Störenfriede, da müssen wir halt schauen, wie wir damit
umgehen. Aber allgemein gibt es wenige Vorstellungen, wo es Probleme gibt. Wo es mit der Sicher-
heit anders ist, ist natürlich das Trafo. Nicht im Kino, aber wir haben hier eine Mall. Eine Mall ist öf-
fentlich. Wenn wir alle diese Center, diese Shoppingcenter in der Schweiz, anschauen, was fällt da
auf? Die schliessen alle um acht oder neun Uhr. Aber hier ist es nicht geschlossen, sondern offen bis
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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

um zwölf, halb eins, am Wochenende noch länger. Also was machen gewisse junge Leute? Und ich
rede gewiss immer nur von Minderheiten. Ich will nie von den (betont) Jungen reden. Aber es gibt
gewisse Junge Leute, die nicht soviel Anstand und Respekt haben. Die finden, das ist jetzt lässig, wir
gehen da rein und rumoren. Wir haben vielleicht zuviel getrunken, zünden die Leute an, legen uns
vielleicht auf den Boden. Wir haben so viel getrunken, dass wir uns übergeben. Wenn einer kommt
und provoziert, wird gepöbelt. Das ist etwas, das könnte hier drin statt finden. Jeder in seinem Laden
schaut schon in seinem Bereich. Es ist ja nicht der Sinn, dass der Restaurantbesitzer draussen nach
dem Rechten schaut. Darum haben wir die Security. Das ist etwas Neues. Unsere Firma hat über 100
Jahre Kino ohne Security gemacht. In unseren Kinos machen wir es auch ohne. Aber das ist halt ein
öffentlicher Platz. Denn wo kann man am Abend hin, wenn es kalt ist? Das Bahnhofsbuffet das ist
noch etwas, allenfalls in den Bushaltestellen. Das ist noch relativ kalt. Wenn man nichts konsumieren
will, wo kann man dann hin? Ich kenne nichts.

Sollte man also einen Ort gratis zur Verfügung stellen, wo man am Abend hingehen kann, ohne
etwas konsumieren zu müssen?

Sterk: Ja, vielleicht. Denn wo geht man jetzt hin? Ins Trafo. Alle Leute sind uns willkommen. Alle die
sich so benehmen, wie das in der Hausordnung steht. Wir haben ja eine Hausordnung, kein Problem.
Aber die, die sich nicht daran halten, sind das Problem. Wenn ihre Eltern ins Kino kommen und jetzt
werden sie angepöbelt. Je nachdem sagt vielleicht der Vater, das lässt er sich nicht gefallen und
schon kommt der andere und knallt ihm eine. Die sind sehr respektlos. Oder man sagt nichts, aber
fühlt sich einfach unwohl. Oder man muss aufs WC und geht aufs öffentliche WC und dort ist einfach
eine Schweinerei, weil das Zeugs kaputt geschlagen wird, Vandalismus, auf den Boden uriniert wird
und, und, und. Also wenn man da nur zuschaut, würden sich bald keine Leute mehr hier hinein ge-
trauen. Aber auch hier kann man nicht einfach sagen, dafür hat es eine Polizei, die soll da schauen.
Wir haben eine Polizei, sogar eine sehr gute. Ich finde, Martin Zulauf macht einen guten Job. Aber es
ist nicht nur die Stadt Baden, es sind jetzt glaube ich fünf Gemeinden, die die Stadtpolizei betreut.
Und wir haben nicht Hundert Polizisten, es sind zurzeit glaube ich 30. Die müssen sich aufteilen. Die
müssen 24 Stunden da sein. Da hat man pro Schicht vielleicht zehn Leute und da müssen noch zwei
auf dem Posten sein und die eine Patroullie ist in diesem Dorf und die anderem in jenem. Die können
einfach nicht überall sein.

Hat es zu wenig Polizisten? Oder soll man sich halt eben mit Privaten helfen?

Sterk: Das ist immer das berühmte Thema. Es gibt zwei Möglichkeiten: Man bewilligt zusätzliche
Stellen und das muss jemand zahlen. Da muss man Steuern erhöhen und das will man nicht. Oder
man kann sagen, jeder Private soll selber schauen, aber wo führt das hin? Ich weiss was ein Sicher-
heitsbeamter kostet. Da können sie Kopfrechnen wie sie wollen, irgendwo um die 50 Franken pro
Stunde. Und eine Patroullie besteht immer aus zwei Personen, das macht bereits 100 Franken. So
etwas können sich, beispielsweise Bewohner eines Quartiers wie die Allmend, wir wohnen ja beide
nicht mehr da, einfach nicht leisten. Das ist niemand bereit zu zahlen, aber sie wollen doch Sicher-
heit. Hier bezahlen das die beiden Eigentümer des Trafos und das ist beispielsweise ein Betrag der
war bei mir in keinem Budget. Das habe ich nicht gekannt, das wusste ich nicht, dass ich das haben
muss. Wir waren ja sieben Monate alleine hier. Wir haben aber keine eigene Security gebraucht,
wenn ein Problem entstand, bin ich runter gegangen, habe mit diesen Leuten geredet, dann war das
erledigt. Das geht heute nicht mehr, es sind zu viele Leute. Also muss eine Security her und die sind
nach meinem Dafürhalten gut ausgebildet, sie haben auch das Flair mit den Jungen umzugehen. Aber
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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

da gibt es halt einzelne junge Leute, die können nicht damit umgehen und die muss man dann halt an
die Kandare nehmen, sonst kommen die anderen Gäste nicht mehr rein. Was heisst denn das jetzt
umgemünzt? Sagen wir mal die Badstrasse, die Weite Gasse. Da hat es überall Geschäftsleute, die
sagen, wir wollen eine Patroullie. Wir wissen ja was das kostet. Müssen jetzt alle Geschäftsleute in
der Weiten Gasse, etwa eine Halbe Million zahlen im Jahr? Ich glaube nicht, dass sie das machen. Soll
dann die Polizei kommen? Dann geht’s wieder um die Steuern. Also irgendjemand muss bezahlen. Da
ist es halt eine Sache der Vernunft. Ich bedaure, dass gewisse Leute keinen Anstand haben. Das sind
nur wenige und wegen denen brauchen wir das. Aber so ist es heute. Wie viel Geld wir heute für
Vandalismus ausgeben. Aber ich kenne kein Rezept. Private sind nicht bereit zu zahlen und auch über
die Steuern will man es nicht. Und die Polizei, die wir haben, macht einen guten Job. Aber schluss-
endlich reicht es nicht.

Von mir aus wären wir durch. Gibt es noch etwas, das nicht angesprochen wurde, Ihnen aber noch
zu dem Thema einfällt?

Sterk: Also die wichtigsten Sachen sind selbstverständlich angesprochen worden, das ist klar. Das ist
mal der Verkehr als solches, wie, was, wo. Was haben wir für Möglichkeiten zum Ausgehen. Die Bil-
dung haben wir jetzt ausgelassen.

Ja, die habe ich jetzt absichtlich mal weggelassen.

Sterk: Ja, das ist auch wichtig und unsere Stadt macht viel für diesen Teil. Der Unterschied Zentrums-
stadt zu den umliegenden Gemeinden habe ich versucht zu zeigen in den Antworten. Wenn wir das
Thema ansprechen, kommt man nicht darum herum über Zusammenschlüsse zu reden. Ich meine,
Baden hat das gezeigt. Als ich in ihrem Alter war, da wurde Dättwil eingemeindet und Rütihof und
Münzlishausen. Und es heisst heute noch Münzlishausen, Dättwil und Rütihof unter Baden und sollte
das mit Neuenhof kommen, dann heisst auch Neuenhof noch Neuenhof. Es gehört einfach zu Baden.
Jede Gemeinde, die findet, wir gehören auch noch dazu, finde ich richtig. Ich meine, die brauchen
ihre Verwaltungen nicht mehr, die teuren Apparate, was das kostet. Ich war vor 40 Jahren Vizepräsi-
dent des FC Baden und ich war damals schon der Meinung, man sollte zusammen mit Wettingen
einen Sportclub haben. Das nützt nichts, wenn jeder seinen eigenen Sportplatz, Trainer, Vorstand,
weiss ich was, hat. Macht es doch zusammen. Aber wie man mich gegeisselt hat, dass ich solche
Ideen hatte. Und plötzlich redet man davon, das wäre doch noch toll. Man hat ja mit den Junioren
angefangen. Leider sind diesbezüglich viele Leute noch zu konservativ. Als dass man sagt, wir müssen
nach vorne schauen. Ich habe in meinem Beruf immer gesagt, das Visionäre ist wichtig, Tradition ist
ein Teil. Ich bin sehr wohl auch traditionell. Aber ich hatte auch Visionen. Ich bin auch der erste
Schweizer, der ein Kino wie das Trafo betreibt. Sonst waren es immer Ausländer. Ich habe gezeigt,
dass man das auch kann. Ich habe versucht, in Baden und auch in der Region, etwas zu bewegen, mit
dem was wir machen. Es läuft auch jetzt etwas, bei dem ich noch unter Schweigepflicht bin, aber es
hat etwas mit dem Ausgang zu tun. Man wird in zwei, drei Wochen etwas davon hören. Zum einem
Teil im Bereich Theater, multikulturell wird etwas passieren in dieser Stadt. Das voll (betont) auf pri-
vater Basis ist. Auch hier, man sollte als Privater nach Möglichkeiten suchen, Projekte zu ermögli-
chen. Es muss in dieser Stadt einen Platz dafür haben. Wie finanzieren wir das? Das einfachste ist, die
Stadt bezahlt das. Nein (betont). Man muss selber für sich schauen. Aber die Region sollte sich zu-
sammenschliessen und das Steuergeld, das dann rein kommt, für solche Projekte benutzen. Ja, das
war jetzt noch ein bisschen der von der Region.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Sterk

Schwerpunkte:

 Stau
 Parkplätze; Bequemlichkeit der Leute
 Gutes Velokonzept
 Zentrumsstadt
 Plätze nicht attraktiv
 Kurtheater nicht richtig renoviert
 Nicht alles subventionieren
 Zentrumsgemeinde: umliegende Gemeinden sollten sich beteiligen
 Gutes Standortmarketing
 Kulturell wird viel gemacht
 Zu wenige Hotels, bei den Bäderhotels nichts gemacht
 Badehotels, Hotels fürs Kongresszentrum, Hotels für normale Besucher
 Ort für Jugendliche, wo man nichts konsumieren muss, fehlt

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Heer

Interview Nr. 6
Interviewer: Gabriel

Interviewpartner Name: Peter Heer

Funktion: Einwohnerrat, Präsident Stadtturnverein Baden

Ort, Datum: Baden, 09.05.2008

Zuerst geht es um die Verkehrsinfrastruktur. Hier geht es auch um persönliche Ansichten und Mei-
nungen.
Wie gehst du hauptsächlich in die Stadt?

Heer: Mit dem PW

Wie beurteilst du denn die Anfahrt mit dem Auto? Geht es gut, mit dem Auto in die Stadt zu fah-
ren?

Peter: Nein, es ist sehr schwierig. Du kennst die Mellingerstrasse. Und es ist ja nicht nur die Mellin-
gerstrasse, es ist auch die Neuenhoferstrasse, die Bruggerstrasse, die Landstrasse, also von allen vier
Seiten steht man an diesem Knoten hier am Schulhausplatz an. Das ist extrem schwierig. Das können
wir auch städtisch nicht lösen. Das ist eine kantonale Aufgabe, es sind alles Kantonsstrassen. Ja,
schwierig.

Benutzt du also nicht so oft öffentliche Verkehrsmittel?

Heer: Bis vor fünf Jahren bin ich immer mit dem Bus in die Stadt gefahren. Das ist an sich besser. Man
verliert nicht viel Zeit, bei Staulage sowieso, dann ist es schneller mit dem Bus. Und man kann im Bus
etwas anderes machen, also man kann die Zeit besser nutzen. Aber ich brauche das Auto so viel und
am Abend bin ich so oft unterwegs, dann gehe ich mit dem Auto nach Hause, dann mag ich nicht
irgendwie um elf Uhr noch auf einen Bus warten. Und dann habe ich das Auto eben zu Hause, also
muss ich am nächsten Morgen wieder mit dem Auto gehen. (schmunzelt) Also nebst der Bequem-
lichkeit ist es eben schon das Engagement, das mich zwingt.

Findest du also schon, dass das Angebot im öffentlichen Verkehr gross ist?

Heer: Hervorragend. Absolut hervorragend. Nein, es ist wirklich gut.

Was denkst du dazu, mit dem Velo in die Stadt zu fahren? Gut, von Rütihof her ist es ein wenig
weit…

Heer: Machbar, ohne Weiteres.

Findest du das Velo ist eine Alternative, um in die Stadt zu gelangen?

Heer: Erstens von Rütihof her ist es absolut machbar. Auch untrainierte kommen in 20 Minuten in die
Stadt oder retour. Das ist nicht lang. Bei Stau hat man mit dem Auto eine halbe Stunde. Man könnte
dort noch ein bisschen etwas verbessern, wenn ja Infrastruktur das Thema ist, es gibt Punkte, die
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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Heer

schlecht sind. Kennst du den Hühnersteg? Hinauf ist gut, da hat es einen Veloweg, hinunter ist nichts.
Das ist jedesmal gefährlich, wenn ein Velo dort auf der Strasse ist. Also aus Sicht des Velofahrers sehr
ungemütlich. Und wenn man es genau analysieren würde, gäbe es auch sonst noch den einen oder
anderen Punkt. Vom Schadenmühleplatz hinunter ist in der Nacht nicht unbedingt angenehm und
wenn man unten herauskommt auf die Mellingerstrasse, dort über die Strasse, das ist heikel. Die
Verkehrsführung über den Schulhausplatz ist für mich immer noch ein wenig gefährlich. Ich denke
dort, im Vergleich mit deutschen Verhältnissen, könnte man noch viel mehr machen.

Wenn du dich in der Stadt selbst bewegst, findest du, es ist gut zu Fuss machbar?

Heer: Ja.

Auch z.B. Fussgängerzonen. Findest du, man sollte diese noch ausdehnen?

Heer: Ich denke, man ist auf dem richtigen Weg. Die Innenstadt ist ja weitgehend verkehrsbefreit.
Dort stören nur vereinzelte parkierte Autos, wo die Polizei besser die Ordnung durchsetzen sollte,
das ist eigentlich das einzige, was mich aufregt. Sonst kann man überall sehr gut zu Fuss gehen.

Wo findest du, kann man in der Stadt hin, um sich ein wenig aufzuhalten, zu erholen, etc.? Ist das
der Theaterplatz, in den Kurpark,…?

Heer: …Das ist ein schwieriges Thema, …finde ich. Es gab einmal ein Konzept „Aufwertung öffentli-
cher Raum“. Und eigentlich hat man nichts daraus gemacht. Ich finde den Theaterplatz schon sehr
gut, das ist auch der neueste Platz. Ich finde, da hat man sich wirklich Mühe gegeben, es hat doch
einige Bänke. Und trotzdem, selbst dort, muss ich sagen, könnte man noch in der Platzmitte eine
Imbissbude, ein paar Bänke und Tische hinstellen und das würde genutzt, zweifellos. Man könnte
noch mehr Stuhlgruppen hinstellen. Aber…zufriedenstellend.
Kurpark, das war das erste was mir aufgefallen war, als ich nach Baden kam. Das ist ein toter Park!
Eine riesige Grünfläche und da stehen irgendwo zwei Bänklein im Schatten! In England hätte man
hundert Liegestühle dort. Es ist nichts möglich in diesem Kurpark.

Der Trafoplatz ist auch ein wenig so, oder?

Heer: Der Trafoplatz ist die pure Katastrophe! Das ist total in die Hose. Dort ist die Stadt irgendwie
einem professionellen Platzgestalter aufgesessen.

Das haben jetzt schon einige gesagt. Eben auch der Kurpark, da sei kein Leben. Liegt denn das an
der Stadt? Das weiss doch die Stadt auch, dass es nicht gerade das Beste ist, oder? Finanziell wäre
es ja nicht ein so grosser Aufwand, einige Bänke aufzustellen z.B.

Heer: Ich glaube, da fehlt einfach der politische Wille. Man will das gar nicht. Wir müssen diesen al-
ten Baumbestand haben und man will, dass vom Stadtcasino her eine schöne Umgebung ist. Irgend-
wie will man die Öffentlichkeit gar nicht dort. Aber das müsste man einmal politisch hinterfragen,
müsste man dort nicht mehr machen? Aber jetzt wird ja der Kurpark saniert. Es werden neue Wege
angelegt, die Beleuchtung wird neu gemacht, Bäume werden gefällt oder wenigstens geschnitten.
…Und ich muss es auch rückblickend sagen, selbstkritisch auch, in diesem Prozess hat sich niemand
überlegt wahrscheinlich, wie könnte man diesen Park auch attraktiver machen für eine Dauernut-
zung. Eben, jetzt wo es schönes Wetter ist, wie bringt man dort jeden Tag 150 Leute in diesen Park?
Ich glaube nicht, dass sie sich das überlegt haben.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Heer

Es geht vor allem darum, dass es schön aussieht…

Heer: Ja. Ich meine ein so unschöner Platz wie der Bahnhofplatz, ich finde ihn an sich grau in grau…
aber diese Bänke sind immer voll. Ich denke, wo es einigermassen Sitzgelegenheiten gibt, da gehen
doch die Leute hin und treffen sich. Und dann kommt sofort einer mit einem Glace-Stand und dann
kommen noch mehr Leute. Dann kommt der zweite Glace-Stand und damit noch mehr Leute. Das
entwickelt sich auch.

Findest du, die Stadt sollte mehr tun für den Unterhalt der öffentlichen Plätze? Oder in einem Inter-
view sagte jemand, je weniger man mache, desto mehr lebe es.

Heer: Weniger Städtebau, mehr Leben. Weniger Architektur und mehr einfach laisser-faire.

Nun zum Sport. Zuerst eine allgemeine Frage: hat es genügend Sportanlagen in Baden?
…ich habe gehört, zumindest bevor das BBB gebaut wurde, dass es zu wenig Sportanlagen hatte,
um die Nachfrage zu decken.

Heer: Also wir sind sicher nicht schlecht bestückt. Das wäre Klagen auf hohem Niveau. …Und es ist
auch immer eine Interessensabwägung, wo man Mittel einsetzt. Der eine möchte Sportanlagen, der
andere möchte mehr Pärke, oder mehr Theater. …Aber… was wir sicher gut haben, weil wir eben
auch die Schulen so dezentral haben in jedem Quartier, ist, dass wir dort Turnhallen haben. Das ist
schon einmal gut. Das ist ganz wichtig, dass auch die kleinen Kinder im eigenen Quartier Sport trei-
ben können. Das ist eigentlich recht gut gewährleistet in Baden. Wenn man aber mit Aarau ver-
gleicht, wo man ja immer, ja,… schielt oder, (schmunzelt) dann hinkt man natürlich schon hinten
nach. Also Aarau hat eine Dreifach-Turnhalle, wo man zur Not 3000 Zuschauer hinein bringt, nicht
legal, aber zur Not, diese wird nun ausgebaut auf offiziell 3000 Zuschauer. Eine gute Sache und man
kann auch wirklich nicht nur Sportanlässe veranstalten, sondern auch sonstige Events, eine grosse
Generalversammlung, oder ein Stadtfest, etc. Aarau hat eine Kunsteisbahn, …Aarau hat eine ziemlich
gute Leichtathletikanlage, als Aussenanlage, Aarau hat eine hervorragende Pferdesportanlage, …ja
das ist so das, was mir spontan einfällt. Und ich muss ja nicht sagen, dass uns das in Baden einfach
ein wenig fehlt, oder. Wir haben nicht einmal eine Dreifach-Turnhalle. Unsere grösste Turnhalle ist
die Aue. Diese ist zwar sympathisch, aber…aber genügt den modernsten Anforderungen nicht mehr.
Auch wenn sie jetzt dann saniert wird. Wir haben jetzt mit dem BBB zwei… was sind es… Doppelturn-
hallen bekommen. Und das war einfach ein strategischer Fehler. Dass man dort nicht von Anfang an
zur Pflicht gemacht hat, eine Dreifach-Turnhalle zu bauen. Diese Dreifach-Turnhalle fehlt einfach. In
der Aue wird man keine Dreifach-Turnhalle bauen, dort wird man sanieren, das heisst man wird wei-
terhin, wenn man eine Dreifach-Turnhalle braucht, ins Tägerhard raus müssen.

Oder in der Kanti. Dort hat es eine Dreifach-Turnhalle…

Heer: In der Kanti… das ist auch eine Dreifach-Turnhalle. Aber sehr eine enge, oder? Ohne grosse
Tribünen? Dann ist Obersiggenthal die nächste.

Nein, Tribünen hat es praktisch keine. Die Turnhalle ist eben auf die Schule ausgerichtet, weniger
auf öffentliche Spiele oder Anlässe. Es hat also nicht viel Platz für Zuschauer.

Heer: Das fehlt eben deutlich in Baden.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Heer

Aber denkst du, die Nachfrage wäre da, wenn es jetzt noch die eine oder andere Dreifach-Turnhalle
geben würde?

Heer: Ja, 100%. Ganz sicher ist die Nachfrage da. Ich kann es an einem ganz kleinen Beispiel zeigen,
wie ich es im Stadtturnverein gerade erlebe: Unihockey. …junger Club, der macht das absolut lässig,
professionell, sie sind auch wirklich gut. Sie haben jetzt den Schritt gemacht zum Grossfeld. Und jetzt
brauchen sie eine Dreifach-Turnhalle. Von den Normen her. Jetzt kann man sagen, ja das ist ein Lu-
xusproblem, dass die Unihockeyaner keine Dreifach-Turnhalle haben, aber es ist schade. Weil das ist
eine gute Bewegung, das sind sehr viele Kinder in jedem Alter. Und die müssen jetzt, die müssen sich
jetzt nach der Decke strecken. Bei der Kanti ist die Schwierigkeit, dass die Hallen immer schon belegt
sind. Also wohin gehen sie jetzt mit diesen Kindern? Ich bin nicht sicher, ob Neuenhof noch eine Drei-
fach-Turnhalle hat, auch ohne Tribünen und so, aber von der Fläche her… Also man hofft jetzt auf die
Eingemeindung, also auf die Fusion (lacht).
Also das ist eine Schwierigkeit.

Bei der Aue, ist es die Stadt, die dort investiert und saniert?

Heer: Ja.

Findest du, es wäre eine Aufgabe der Stadt, dieses Angebot zu vergrössern?

Heer: Ja klar.

Jetzt spezifisch beim Stadtturnverein, wie sieht hier die Unterstützung der Stadt aus?

Heer: Also das ist gut. Die Hallen, die wir brauchen, die werden zur Verfügung gestellt. Unihockey ist
jetzt ein spezielles Problem, weil diese Halle einfach nicht existiert. Aber… es geht immer irgendwie.
Der Stadtturnverein ist ja nicht der einzige Club, es gibt jene Clubs, die Hallen brauchen. Da gibt es
eine Sportkommission, die die Hallen jeweils verteilt. Das klappt sehr, sehr gut.

Ist diese Kommission von der Stadt?

Heer: Ja, das ist städtisch koordiniert. Einer ist zuständig für die Sportanlagen. Zusammen mit Vertre-
tern der grösseren Vereine wird dann die Aufteilung der Hallen gemacht. Das läuft sehr gut.
Dann gibt es ein Reglement über die Nutzung der Sportanlagen, und bis um 10 Uhr abends ist es
dann eben für Badener Vereine gratis und wenn es länger geht, dann muss man eben allenfalls einen
Zusatzaufwand bezahlen. Was wir jetzt sogar erreicht haben, ist, für diese Clubs, die auch während
der Ferien trainieren müssen, wegen Meisterschaften, usw., dass diese im Frühling und im Herbst
jeweils eine Halle in der Stadt zur Verfügung haben. Das reicht, um das aktuelle Bedürfnis abzude-
cken.
Da muss ich sagen, war das Verständnis da. Natürlich kam sofort, ja aber es kostet, usw., aber man
hat sich geeinigt, dass man es jetzt einmal macht.

Ich habe gesehen, dass du beim Blues Festival Baden engagiert bist. Wie sieht im Kulturbereich die
Unterstützung von der Stadt aus? Beim Kurtheater z.B. unterstützt ja die Stadt finanziell den Um-
bau.

Heer: Ich meine, ein solches Kurtheater ist ein Standortvorteil für Baden. Das gibt es weit herum
nicht. …Und an dieser Kultursparte besteht ein öffentliches Interesse. Ich finde es gut, dass es eine

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Heer

private Trägerschaft ist mit dieser Theaterstiftung und ich finde es richtig, dass Baden, wie auch Wet-
tingen und auch andere Gemeinden Beiträge daran bezahlen. Wir bezahlen, glaube ich, jährlich etwa
450‘000.- Franken Betriebskosten ans Kurtheater, da kann man sagen, das ist relativ viel. …Aber das
Programm ist natürlich auch intensiv. Da ist auch ein bisschen ein Bildungsauftrag damit verbunden,
also die Schulen sollen ruhig auch einmal…. Man kann sich fragen, ob der Betrag nicht zu hoch ist.
Andere sagen vielleicht, er sei zu tief. Er ist sicher vertretbar. Jetzt rechnen wir mit Investitionen für
die Erweiterung des Kurtheaters von 16 Millionen Franken. Die Stadt Baden hat sich jetzt einmal dar-
auf eingestellt, 4.5 Millionen Fr. Beitrag zu bezahlen. Da muss ich persönlich jetzt sagen, das ist es mir
Wert für die Stadt Baden. 4.5 Millionen und dann haben wir wieder ein gutes Kurtheater. Die Hoff-
nung ist natürlich, dass es sich auch irgendwie auf die Qualität für den Zuschauer niederschlägt.
Stichwort enge Sitzreihen. Im Übrigen, glaube ich, ist das kulturelle Angebot in der Stadt Baden
gut…aufs Gesamte gesehen, man darf ja nicht nur das rein städtische Angebot anschauen, sondern
generell, finde ich es relativ ausgewogen. Ich persönlich finde, aber da gibt es auch andere Meinun-
gen, dass wir noch den einen oder anderen Bereich haben, der einfach unverhältnismässig viel kos-
tet. Der Melonenschnitz, also das Historische Museum, da mache ich keinen Hehl daraus, das habe
ich schon vor zehn Jahren gesagt, dass jeder Eintritt dort die Stadt mehr als 100 Franken kostet. Das
kann einfach nicht sein. …Ein kleines Ärgernis ist der Kunstraum, der irgendwie jedes Jahr 300‘000
Franken kostet und die einzigen, die ihn besuchen gehen, sind ein paar vergewaltigte Schüler. Denen
stinkt es ja allen, also ich meine, das hast du wahrscheinlich ja auch erlebt. Aber wenn es unbedingt
sein muss, dann ist es eben so. Ich finde, es gibt auch private Galerien, die das bieten.
Ich habe Freude am Nordportal, obwohl das auch sehr viel kostet, das ist eine sehr teure Geschichte
für die Stadt. Aber wenn das Nordportal zum Fliegen kommt, und ich glaube an das, ich glaube, dass
man das richtig gut bespielen kann, dann ist das irrsinnig für die Stadt. Ich vergleiche das mit dem
Kurtheater, das ist die gleiche Dimension. Da muss beides Platz haben in einer Stadt.
Trafo! Dort ist der Stadtsaal, den kann einfach man mieten, ist relativ teuer, aber dort läuft natürlich
auch etwas. Bereichert das kulturelle Angebot auch. Ja und dann unterstützen wir ja noch das Thik
und Flamenco en route, all die kleinen Sachen bis hin zum Palino und dort unterstützt man einen
Konkurs. Ich finde, man macht nicht zu wenig in der Stadt. Wir machen vielleicht nicht immer das
Effizienteste.

Das ist die Kulturkommission, die über diese Unterstützung der verschiedenen Sachen berät und
entscheidet, oder?

Heer: Früher haben wir immer stundenlang gestritten im Einwohnerrat. Ob jetzt Palino 3000 oder
5000 Franken bekommt. Und dann sagten wir einmal, hey, Kulturkommission, die kommen besser
draus, die sollen das machen… man delegiert die Aufgabe quasi ins operative Geschäft.

Da habt ihr also im Einwohnerrat nichts mehr zu sagen dazu?

Heer: Man kann natürlich Anträge stellen. Aber man gibt eigentlich mit einem Kulturkonzept die
Rahmenbedingungen, die dann durch die Kulturkommission umgesetzt werden. Und jetzt macht man
auf 2010 ein neues Kulturkonzept. Jetzt sind diese Diskussionen dann wieder.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Heer

Ein letzter Bereich ist noch der Tourismus, da vor allem das Bäderquartier. Findest du die Haltung
der Stadt gut, vor allem die Rahmenbedingungen zu setzen, den Weg zu ebnen für private Investo-
ren, oder sollte die Stadt dort selbst aktiv werden und investieren?

Heer: Das ist für mich klar keine öffentliche Aufgabe, ein Hotel zu führen oder ein Thermalbad zu
führen oder ein Gartenrestaurant zu führen dort unten. Sondern es ist eine öffentliche Aufgabe, die
öffentlichen Interessen abzudecken, die können in der Denkmalpflege sein, die können in der Zu-
gänglichkeit des Limmatufers sein, gute Verkehrsverbindungen, genügend Parkplätze, usw. Im Übri-
gen sollte man auch Privaten die Freiheit lassen, etwas zu machen. Und ein gutes Hotel, ein gutes
Thermalbad, eine gute Parkierungsanlage sind natürlich immer noch erfolgreiche, kommerzielle Ge-
schäfte. Das sollen die Privaten machen, sie sollen dann auch Geld verdienen und Steuern zahlen.
Also von da her ist, glaube ich, die Aufgabenverteilung schon richtig.

Macht die Stadt etwa das, was in ihrer Macht steht, was möglich ist? Die Stadt ist ja auch interes-
siert an neuen Hotels, usw.

Heer: Ja. Das hat sich jetzt irgendwie aus Unverträglichkeiten einfach blockiert dort unten. Im Vor-
dergrund war der Denkmalschutz, den die Privaten nicht akzeptieren wollten und der Kanton einfach
vorgab, man hat einfach den Rank nicht gefunden. Jetzt sind neue Private dort unten, jetzt geht es,
jetzt kommt dann die Änderung der Bau- und Nutzungsordnung (BNO). Der Gestaltungsplan ist auch
aufgegleist, jetzt rollt es wirklich sehr fruchtbar.

Ist das auch die Stadt, die diese BNO anpasst, oder? Um es auch attraktiver zu machen…

Heer: Das sind eben die Rahmenbedingungen. Was braucht es, damit dort unten eben eine gute Nut-
zung kommen kann. …Z.B. hat man im Limmatknie mittendrin eine ganz kleine Fläche öffentlicher
Park, die jetzt vielleicht Sinn macht, weil alle Wege sowieso rund herum führen, aber diese Fläche
stört jetzt. Wenn man an das neue Bad denkt, wenn man wirklich einen Befreiungsschlag macht und
schaut, was macht man idealerweise hier, dann stört einfach die Grünfläche. Das ist ein Grund, war-
um die BNO-Revision Sinn macht.

Findest du, ein neues Bad sollte eher volksnah gestaltet werden, also so wie Schinznach, oder eher
im gehobenen Segment mit Wellness, etc.? Kann da die Stadt mitentscheiden, oder liegt das allein
beim Investor?

Heer: Nein, da hat sie nichts zu sagen. In der BNO könnte man natürlich sagen, es müsse ein Plausch-
bad sein z.B., etwas anderes hat nicht Platz. Aber das macht man nicht, oder.
Persönlich meine ich, haben wir das Freibad, das sollte mehr Plausch sein, für die kleinen Kinder.
Dort unten ist es wahrscheinlich weniger geeignet für ein grosses Aussenbad mit riesen Rutschen und
solchen Sachen. Ich glaube eher, dass vom Thermalbad, vom Gesundheits- und medizinischen Aspekt
her, etwas im Wellness oder im medizinischen Bereich hinein passt. …Ich lasse mich überraschen.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Peter Heer

Schwerpunkte:

 Schulhausplatz als Verkehrsknotenpunkt.  Stau von allen vier Seiten


 Hervorragendes Busangebot
 Velowege verbesserungsfähig
 Tote Plätze und Pärke: Politischer Wille fehlt, Wunsch nach Schönem
 „Weniger Städtebau, mehr Leben“
 Verschiedene Sportanlagen fehlen im Vergleich zu anderen Städten
 Keine Dreifachturnhalle  Aufgabe der Stadt
 Breites Kulturangebot, einige Bereiche zu teuer
 Bäderquartier: Stadt soll Rahmenbedingungen setzen

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Baden ist. Infrastruktur Interview Monika Müller

Interview Nr. 7
Interviewer: Gabriel

Interviewpartner Name: Monika Müller

Funktion: Präsidentin Dorfverein Dättwil

Ort, Datum: Dättwil, 08.05.2008

Beginnen möchte ich mit der Verkehrsinfrastruktur. Mit welchen Verkehrsmitteln gehst du haupt-
sächlich in die Stadt? Bist du meistens mit dem Auto, mit dem Bus, mit dem Velo unterwegs?

Müller: Eigentlich alles. Ich kann nicht sagen, mit etwas besonders viel.

Benutzt du oft die öffentlichen Verkehrsmittel?

Müller: Nein, eigentlich eher das Velo.

Wieso brauchst du den Bus nicht oft? Findest du das Angebot nicht gut?

Müller: Also… Ich gehe eigentlich gar nicht oft nach Baden. Wenn ich mit den Kindern gehe, dann ist
es gleich schön, einen kleinen Ausflug zu unternehmen, oder dann wenn mein Sohn Saxophon Stun-
de hat, dann bringe ich ihn eigentlich immer mit dem Auto. Man kann zufahren, direkt zur Musik-
schule, man muss das Saxophon nicht schleppen. Es ist sicher auch einfach Bequemlichkeit. Wenn
man ein Auto zur Verfügung hat, dann… Aber die Infrastruktur ist sehr gut. Wir haben hier sowieso
viele Möglichkeiten, wir können mit dem Postauto oder mit der RVBW in die Stadt fahren.

Also findest du, das Angebot wäre schon attraktiv?

Müller: Ja, das Angebot ist sehr gut.

Wie beurteilst du denn die Anfahrt mit dem Auto? Im Bezug auf Stau, etc.?

Müller: Es ist mühsam. Es hat fast immer Stau.

Und z.B. die Parkplatzsituation?

Müller: Ja eben, ich fahre eigentlich nur zur Musikschule. Dort ist es ideal. Auch sonst parkiere ich
manchmal dort oben, es gibt Parkuhren für zwei Stunden, relativ günstig, das reicht mir im Normal-
fall.
Gestern z.B. waren wir am Jahrmarkt, da dachte ich eigentlich auch, mit dem Velo wäre es nicht
schlecht. Aber weil wir nachher noch in die Saxophon Stunde mussten, dachte ich, man kann doch
nicht das Instrument auf den Jahrmarkt mitnehmen, man müsste es irgendwo deponieren können,
und für das ist dann eben das Auto praktisch.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Monika Müller

Wenn du jetzt nicht Dinge mitnehmen musst, findest du dann das Velo eine gute Alternative zum
Auto, um in die Stadt zu gelangen?

Müller: Ja, sehr. Besser als mit dem Bus, man ist eigentlich schneller. In die Stadt hinein auf jeden
Fall. Die Radwege sind auch gut. Sie sind jetzt noch viel besser, seit der Radweg teilweise auf dem
Trottoir verläuft. Früher ging ich mit den Kindern jeweils zu Fuss, als es diesen noch nicht gab. Auf
dem Schulhausplatz hatte ich jeweils ein wenig Angst, das ist jetzt besser.

Dann in der Stadt selbst, findest du es als Fussgänger attraktiv, sich dort zu bewegen?

Müller: Ja.

Ein weiterer Bereich wären die Dienstleistungen, wie z.B. Kinderbetreuungsstätten. Weißt du hier
etwas über das Angebot? Auch im Bezug auf Dättwil.

Müller: Ja, also in Dättwil hat es jetzt eine Neue gegeben, im Rundturm. Ich glaube es hat eher zu
wenig. Es gibt viele Frauen, die berufstätig sind, sodass es eher ein Unterangebot ist. Ich kenne Frau-
en, die ihre Kinder weiss ich nicht wohin bringen in die Krippe, weil es in Dättwil keinen Platz hat.

Ist es in diesem Fall in Baden auch nicht besser, wenn du sagst, dass Mütter ihre Kinder weit weg
bringen müssen?

Müller: Speziell in der Stadt weiss ich es jetzt nicht. Ich selbst brauchte es nie, aber viele Leute, mit
denen ich geredet habe, sagten, es sei schwierig, einen Krippenplatz zu erhalten.

Findest du, es ist eine Aufgabe der Stadt, solche Betreuungsstätten anzubieten, damit es genügend
gibt?

Müller: …Ja… wenn es wirklich ein Bedürfnis ist der Frauen, die ja meistens betroffen sind, arbeiten
zu können, und es ein genügendes Arbeitsangebot gibt, damit beide Elternteile arbeiten können,
dann ist es, finde ich, schon fast eine Aufgabe der Stadt, dafür zu schauen, dass es genügend Be-
treuungsstätten gibt. Also, nicht das zu finanzieren, aber ich meine, Doppelverdiener müssen dann
eben auch bereit sein, dafür Geld auszugeben.

Vereine sind ja zwar nicht von der Stadt finanziert, aber jetzt auch speziell beim Dorfverein, wie
werdet ihr von der Stadt unterstützt? Gibt es da eine finanzielle Unterstützung?

Müller: Nein.

Seid ihr weitgehend auf euch selber gestellt?

Müller: Ja. Da sind wir auf uns allein gestellt, auf Sponsoren, auf Mitgliederbeiträge.

Also unterstützt euch die Stadt in keiner Form?

Müller: Nein. Also wir bekommen, glaube ich, die Aula bis etwa abends um zehn gratis, nachher müs-
sen wir sie auch bezahlen. Ein Externer müsste sie vermutlich immer bezahlen. Also insofern werden
wir unterstützt, indem wir Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt bekommen.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Monika Müller

Du hast vorher angetönt, wenn ihr eure Anliegen, die Anliegen der Leute im Dorf, der Stadt unterb-
reitet, ist diese nicht immer sehr hellhörig.

Müller: Nein, oftmals gar nicht. Man muss es dann über verschiedene Ecken machen, z.B. ein Thema
war jetzt gerade der Friedhof. Es gab an der Generalversammlung des Dorfvereins den Antrag, dass
man Urnengräber anlegen könnte im Friedhof in Dättwil, nicht nur grosse Gräber, weil es einfach
auch weniger zu tun gibt. Ich habe dann einige Male E-Mails geschrieben an Herrn Koch, der hier
zuständig ist. Dieser hat sich Mühe gegeben, viel geschrieben, aber es war einfach immer ganz klar:
Nein, es kommt nicht in Frage. Sobald dann Regula Dell’Anno von einer anderen Seite auch dieses
Thema aufgegriffen hat, sieht es jetzt doch so aus, als wäre es möglich. Ich habe es jetzt noch einmal
eingereicht beim Stadtrat. Wir haben Ende Mai eine Sitzung mit dem Stadtrat und den Quartierver-
einen, das gibt es immer einmal im Jahr, wo wir die Anliegen der Bevölkerung der Quartiere einbrin-
gen können, dort habe ich es noch einmal eingegeben. Jetzt müssen wir mal schauen, was sie dort
für eine Antwort haben. Meistens, wenn nur ich oder der Dorfverein mit den Anliegen gekommen ist,
dann sind wir gar nicht durchgekommen.
Oder auch Lampen… der Weg zwischen der Post und dem Schulhaus, wo heute der Pavillon steht, ist
im Winter immer stockdunkel. Da haben wir x-mal geschrieben und auch an einer solchen Sitzung
den Antrag gebracht, dass es nicht gut ist, wenn die Kinder im Dunkeln dort durch müssen, dass man
dort eine Lampe anbringen müsste. Die Antwort war immer, dass die Kinder eben beim Schulhäu-
schen vorbei, der Dorfstrasse entlang gehen, also einen anderen Weg nehmen müssten. Das war für
uns keine Alternative, weil es dort auch gefährlicher ist für kleine Kinder, wegen dem Verkehr, etc.

Das wäre ja nicht ein sehr grosser Aufwand für die Stadt…

Müller: Ja, oder dann sagten sie, sie hätten andere Ausgaben, sie könnten dies nicht finanzieren.
Also, solche Sachen vom Quartier, das ist schwierig.

Findest du, die Stadt kümmert sich also nicht sonderlich um das Dorf ausserhalb?

Müller: Nein. Sonst schon, wenn wir so viele Häuser bauen und so, wo die Stadt profitieren kann, mit
mehr Steuerzahler und Einwohnern.

Wir kommen nun zum Thema Geschäfte. Wo gehst du hauptsächlich einkaufen? Kaufst du die Din-
ge in Dättwil, oder, wenn du viel brauchst, in Baden?

Müller: Fislisbach. Einen Grosseinkauf mache ich einmal pro Woche. Dann brauche ich das Auto, ich
will nicht mit so vielen Taschen und Flaschen herum spazieren. Und das ist unbefriedigend in Baden,
im Parkhaus einen Parkplatz suchen.

Dann ist es für dich einfacher, nach Fislisbach zu gehen als nach Baden?

Müller: Ja, es ist auch näher. Und es hat keinen Stau.

Wie findest du das Ladenangebot in Dättwil?

Müller: Es ist ausreichend, denke ich. Ich bin einfach eine Migros-Kundin, da hat ja jeder seine Vorlie-
ben. Ich kaufe hauptsächlich dort ein, ich gehe aber nur einmal die Woche. Den Rest kaufe ich hier
ein, hauptsächlich in der Bäckerei.
Das Angebot ist sehr gross in Dättwil. Mit den Tag und Nacht Öffnungszeiten, die wir haben bei den

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Baden ist. Infrastruktur Interview Monika Müller

vielen Tankstellenshops. Der bei der Tamoil-Tankstelle hat neu den ganzen Laden bis um zehn Uhr
geöffnet. Vorher musste er immer den hinteren Ladenteil um sieben Uhr schliessen.
Ja, und das Gemüse hole ich beim Bauern in Dättwil.

Dann ist es für dich gar nicht nötig, nach Baden zu gehen, um einzukaufen?

Müller: Nein, ausser ich möchte mal Kleider kaufen oder so etwas. Aber wenig eigentlich.

Also gehst du nach Baden, wenn du solche Dinge brauchst? Findest du die Verschiedenheit der Ge-
schäfte in Baden gross?

Müller: Ja, also für mich ist es ausreichend. Früher ging ich noch ab und zu nach Spreitenbach ins
Shopping Center, aber das gefällt mir gar nicht mehr, ich gehe eigentlich lieber nach Baden.

Zum Kulturangebot: Gehst du eher in ein Kino oder ins Theater?

Müller: Beides. Aber seit wir Kinder haben nicht mehr so oft. Ich habe auch gar nicht das Bedürfnis,
viel fortzugehen.

Findest du das kulturelle Angebot in Baden gross?

Müller: Ja, ich finde Baden toll. Baden bietet kulturell sehr viel, eine tolle Stadt von dem her. Und
eben auch Kleintheater, etc. werden unterstützt. Ich finde das Angebot sehr gut.

Was in einer Stadt ebenfalls sehr wichtig ist, sind Erholungsanlagen, also Plätze und Pärke. Wo
gehst du in Baden hin, wenn du nicht einfach in einen Laden gehst und dann gleich wieder nach
Hause?

Müller: Also, welcher Park mir sehr gut gefällt, ist der Villa Boveri Park. Diesen Garten finde ich wun-
derbar, um sich einmal zu erholen. Aber ich gehe eigentlich gar nicht gerne einfach in ein Café oder
so.

Aber gefallen dir die zentralen Plätze, also der Theaterplatz z.B., der neu gemacht wurde?

Müller: Ja, ich finde es gut, ich meine, Strassencafés beispielsweise geben auch Atmosphäre. Dann ist
es schön, wenn es einen angenehmen Platz hat dazu. Der Theaterplatz… ich weiss gar nicht so recht,
ob mir der gefällt. Ich habe ihn irgendwie so das erste Mal an der Badenfahrt gesehen, ich bin wirk-
lich so wenig in Baden. Aber es ist sicher viel besser als vorher, mit der Parkhauslösung.

Findest du, die Stadt macht genug für den Unterhalt dieser öffentlichen Plätze?

Müller: Ich denke schon, ja. Der riesige Spielplatz, den sie unter die Hochbrücke hingestellt haben ist
natürlich super! Den konnte ich schon oft nutzen mit den Kindern. Der ist ganz toll. Da ging ich
manchmal wirklich nach Baden wegen diesem Spielplatz. Der ist öffentlich.

Nochmals zu dem was du vorher gesagt hast. Du gehst eigentlich nur nach Baden, wenn du konkret
etwas brauchst oder mit den Kindern. Manche gehen ja einfach so nach Baden, nicht weil sie etwas
kaufen wollen z.B.

Müller: Das gibt es selten. Dann eher als Familie. Dann gehen wir aber immer zu Fuss, hin und zurück.
Aber das ist nicht häufig, vielleicht so vier Mal pro Jahr.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Monika Müller

Das ist eigentlich alles. Fällt dir gerade noch etwas ein, vor allem auch im Bezug auf den Dorfver-
ein?

Müller: Ja, genau, einen Spielplatz z.B. hätten wir auch einmal gerne gehabt in Dättwil. Weil die
Spielplätze der Schulen sind immer erst ab 16 Uhr für alle zugänglich. Und das ist kein Zustand.

Also einfach ausserhalb der Schulzeiten.

Müller: Ja, genau. Oder am Mittwochnachmittag und sonst erst ab 16 Uhr. Dann bildeten wir eine
Gruppe, ich vom Dorfverein und zwei von den Elterngruppen. Wir machten uns bei der Stadt stark für
einen Spielplatz, oder zumindest für ein Provisorium. Denn jetzt mit dem Neubau des Zeka (Zentren
Körperbehinderte Aargau) sollte es dann einen geben, einen wirklich öffentlichen. Aber das ist jetzt
schon ein paar Jahre her. Und wir wussten, dass es noch ewig dauern würde, bis das Zeka gebaut
wird. Die Stadt hat einige öffentliche Plätze, wo wir fanden, es wäre möglich einen Spielplatz zu bau-
en. Irgendeinmal ist dann ein Zuständiger vom Bereich öffentliche Anlagen oder Gebäude, glaube ich,
gekommen und fand, man könne den Kindergarten im Schulhausneubau ausbauen zu einem Robin-
son-Spielplatz. Aber das war von der Lehrerschaft und von uns her keine gute Variante, weil es ja
dann wieder so gewesen wäre, dass man es erst ab 16 Uhr hätte nutzen können. Da habe ich also
schon gefunden, haben sie uns ziemlich im Stich gelassen. Ich schlug dann vor, oberhalb des Restau-
rants Pinte, auf dem Fussballplatz, das ist Land, das der Stadt gehört, irgendeine Rutschbahn und
eine Schaukel hinzustellen. Das hätte man ja dann auch zügeln können, wenn das Zeka dann endlich
einmal gebaut wird. Einfach dass die Eltern hinsitzen können, noch einen Tisch haben beispielsweise,
noch miteinander schwatzen können und die Kinder dort spielen. Denn das, denke ich, ist schon noch
ein Bedürfnis der jungen Mütter. Auch dass sie Plätze haben, wo sie sich treffen können. Gut, man
könnte sagen, es ist fast alles Blockquartier, sie können sich ja in ihrem Blockquartier treffen. Aber
dort ist dann das Problem, dass unsere Kinder nicht in ein anderes Quartier zum Spielen dürfen, dann
heisst es, es sei nur für Kinder von dort.
Ich denke, das wird jetzt langsam irgendwann wahrscheinlich einmal kommen, aber das finde ich, ist
schon schlecht gelaufen.

Also seid ihr in diesem Fall schon lange an dieser Sache?

Müller: Ja, wir haben das jetzt aufgegeben. Es hiess, es komme dann alles mit dem Zeka.

Was sind denn die Argumente der Stadt?

Müller: Ja das war sogar noch zu Zeiten Bürges. Es kamen sogar einmal ein paar von der Stadt, schau-
ten sich unsere Vorschläge und Plätze an. Also, da haben sie sich dann schon die Mühe genommen.
Es ist wie irgendwie immer alles zu teuer oder zu umständlich oder wer macht dann den Unterhalt,
usw.
Ich glaube, eben schon weil es ausserhalb ist. Wenn es in der Stadt wäre, dann würden sie vielleicht…
Ja und sie sagen, man könne den Bus nehmen und in Baden auf den Spielplatz gehen.

Aber sie geben euch nicht klare Argumente, wieso der Bau nicht erfolgt? Ist es immer eine Art Aus-
weichen?

Müller: Ja, schon. Sie sagen, es komme ja dann, es komme schon, wenn dann einmal eben dieses
Zeka gebaut wird. Aber das ist etwa drei Jahre zurück und man muss ja immer noch warten, es gibt
laufend Einsprachen gegen den Bau. Eigentlich wäre der Spatenstich jetzt erfolgt. Aber die Anwohner
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Baden ist. Infrastruktur Interview Monika Müller

reklamieren irgendwie ständig wegen der Höhe der Gebäude. Und solange es immer Einsprachen
gibt, müssen sie es immer wieder neu verhandeln, obwohl ja dann wahrscheinlich eh alles abgelehnt
wird. Aber sie mussten jetzt schon zwei Mal das Projekt ändern wegen den Einsprachen.
Vielleicht ist das ganze wirklich weil wir ein Aussenquartier sind. Aber Rütihof hat auch einen Spielp-
latz.

Schwerpunkte:

 Immer Stau
 Gute Radwege
 Eher zu wenig Kinderkrippen
 Kein Gehör bei der Stadt für Anliegen des Dorfvereins (Kein Geld, schon in Planung, etc.)
 Stadt kümmert sich nicht gross um Dorf ausserhalb
 Sehr gutes Ladenangebot in Dättwil (Tankstellenshops)
 Sehr gutes Kulturangebot
 Spielplatzproblem in Dättwil

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Baden ist. Infrastruktur Interview René Müller

Interview Nr. 8
Interviewer: Yvo

Interviewpartner Name: René Müller

Funktion: Quartiervereinspräsident Kappelerhof

Ort, Datum: Wettingen, 13.05.2008

Wenn Sie in die Stadt gehen, welches Transportmittel benutzen Sie dafür?

Müller: Primär das Auto aber auch mal das Velo und ab und zu den Bus. Aber sonst auf unser Quar-
tier bezogen wird der Bus sehr viel gebraucht, denn gemäss Aussagen der RVBW ist das die am häu-
figsten frequentierte Strecke des Netzes.

Welches Fortbewegungsmittel brauchen Sie denn, wenn Sie mal etwas weiter weg gehen? Bleiben
Sie beim Auto oder nehmen Sie dann häufiger den ÖV?

Müller: Ich bin ein Autofahrer. Aber ich denke, dass aus dem Quartier viele den Bus nehmen, weil es
nahe bei der Stadt ist. Und natürlich alle Schüler aus der Kanti oder Oberstufe nehmen den Bus. Also
ich bin nicht der typische Kappelerhöfler.

Wie sehen Sie als Autofahrer das Angebot an Parkplätzen in der Stadt? Gibt es da genügend?

Müller: Ich finde, es hat genug Parkplätze, es ist momentan zwar ein wenig schwierig mit der Schlies-
sung vom Blinddarm. Es gibt einfach eine Konzentration des Verkehrs auf der Haselstrasse, weil alle
Parkhäuser entleeren sich in diese Haselstrasse hinein und das gibt häufig einen Rückstau. Dann hat
man Mühe, überhaupt hinausfahren zu können.

Sie haben bereits erwähnt, dass der Blinddarm geschlossen wird. Befürworten Sie das und wie ste-
hen Sie zur Aufwertung des Schlossbergplatzes?

Müller: Ich finde es für die Stadt selbst und die Läden einen Gewinn, wenn der Blinddarm geschlos-
sen wird, ich finde jedoch schade, dass man früher eine Variante nicht umgesetzt hatte, die eine Ver-
knüpfung vom Blinddarm mit dem Parkhaus beim Theaterplatz vorgesehen hatte. Das wäre für mich
eine gute Variante gewesen, dass man die Parkhäuser auch von der Stadtturmstrasse her hätte errei-
chen können. Aber ich weiss nicht, woran das gescheitert ist. Aber ich finde es gut, wenn man den
Blinddarm schliesst.

Ist das Velo eine gute Alternative zum Auto, vor allem im Bezug auf das Vorhandensein von Velo-
streifen?

Müller: Ich finde diese Velostreifen sind gut ausgebaut.

Finden Sie es hat in Baden genügend Schulen?

Müller: Ja, das ist gut.

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Baden ist. Infrastruktur Interview René Müller

Und wie sieht es mit weiterführenden Schulen aus oder auch beispielsweise der Migros Klubschule?

Müller: Also ich habe auch schon etwa zweimal einen Kurs in der Migros Clubschule besucht. Aber ich
denke, das alles generell zu beurteilen, ist noch schwierig. Ich denke aber, sie haben auch einen
Sprung vorwärts gemacht mit dem Neubau beim Bahnhof, dem Nordhaus. Über die Qualität kann ich
nichts sagen aber ich finde gut, dass es solche Angebote hier gibt und es ist ja auch kostengünstig.

Fänden Sie es gut, wenn eine Internationale Schule hier nach Baden käme?

Müller: Also eine englische Internationale Schule, finde ich, ist höchste Zeit, dass so eine nach Baden
kommt. Das ist wichtig, auch für den Wirtschaftsstandort Baden mit der ABB, Alstom …, dass es auch
zum Wohnen attraktiv ist. Wenn ich jetzt ein Ingenieur wäre, der für eine gewisse Zeit hier hin zum
Arbeiten kommt und Kinder hätte, dann würde ich also schon darauf schauen, wo ich dann wohne
und dass das mit den Schulen gut geht, weil meistens ist so einer ja nur zwei bis drei Jahre lang hier
und die wollen ja auch gute Schulen.

Sind die Pflegedienste oder Altersheime, beispielsweise Spitex oder das Altersheim Kehl genügend
gut oder besteht in diesem Bereich Handlungsbedarf?

Müller: Also die Spitex ist sicher sehr gut ausgebaut, das kann ich auch aus Erfahrung sagen von mei-
nen Eltern her mit den Pflegeleistungen zu Hause und in unserem Vorstand ist auch jemand, die Be-
triebsleiterin bei der Spitex ist, also die Spitex ist gut. Das Altersheim Kehl, das ist jetzt ja im Um-
bruch, es wird jetzt teilweise abgebrochen und mehr in Richtung Alterswohnungen gemacht. Mein
Wunsch wäre jedoch, was wir auch bei der Stadt bereits ansatzweise eingebracht haben, dass die
alten Leute im Quartier bleiben könnten. Dass man beispielsweise eine Art Satellitenalterswohnung
oder ein betreutes Wohnen im Alter machen würde. Das wird eigentlich auch von der Stadt aus un-
terstützt, sie haben uns da auch einmal finanziell einen Projektbeitrag gegeben. Wir haben aber eben
noch Mühe, einen Standort zu finden. Aber ich finde, dass so ein dezentrales Wohnen für die alten
Leute sehr gut wäre, damit sie auch nicht aus ihrer gewohnten Gegend gerissen werden. In der Regel
bleiben sie ja so lange wie möglich in ihrem Haus, weil sie nicht weg wollen. Und wenn sie dann ein-
mal weg sind, kommen sie auch kaum noch zurück.

Sind Sie ausserhalb des Quartiervereins in einem anderen Verein auch noch tätig?

Müller: Ja, ich bin im Ballsport Kappelerhof. Das ist ein Verein, den ich mit Kollegen vor 10 Jahren
gegründet habe und wir sehen uns dort einmal in der Woche, am Montagabend. Dann haben wir die
Turnhalle für uns und zusätzlich bin ich noch in der Finanzkommission der Ortsbürger Baden und in
der Kulturkommission.

Sie haben gesagt, Sie hätten den Ballsportverein vor 10 Jahren gegründet. Bekamen Sie damals
oder bekommen Sie immer noch Unterstützung von der Stadt und fanden Sie leicht Zugang zu einer
Turnhalle oder war das eher schwierig?

Müller: Nein, die Turnhalle haben wir sehr leicht bekommen. Gut, wir haben sie halt auch via Quar-
tierverein bekommen aber es ist auch gerade etwas frei geworden. Das ist gut gegangen.

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Baden ist. Infrastruktur Interview René Müller

Ist das Angebot an Sportplätzen und Turnhallen demnach genügen gross und auch gut verteilt?

Müller: Ich finde, es ist schön verteilt, weil alle Quartiere haben ja irgendwelche Anlagen, auch mit
den Schulhäusern. Ich finde, die Sportanlagen sind wirklich gut verteilt.

Wie sieht es denn mit den Mitgliederzahlen bei ihrem Ballsportverein aus?

Müller: Die schrumpft leicht. Es ist halt auch eine Alterserscheinung, denn wir bekommen keinen
Nachwuchs mehr.

Was halten Sie von der Entscheidung, dass die Stadt Baden keine EM-Arena mitfinanziert?

Müller: Ah die EM-Arena. Es ist mir eigentlich noch egal, so lange es genügend andere Sachen gibt. Es
gibt ja die Sportarena im Baregg, auf dem Theaterplatz gibt es etwas, das Casino macht, glaube ich,
auch etwas. Ich denke, so lange es genügend public Angebote in der Stadt gibt, wie auch im Biergar-
ten, dann stimmt es für mich auch.

Sie haben soeben den Theaterplatz erwähnt. Wenn Sie in der Stadt Baden ein Naherholungsgebiet
suchen, wo, finden Sie, kann man hier am besten abschalten?

Müller: Also einerseits sicher im Limmatraum und bei uns im Quartier natürlich auch der Kappisee,
der ist gut gelungen und einfach im Wald oder am Fluss.

Bräuchte die Stadt noch weitere Plätze oder einen weiteren Park? Oder hat es bereits genügend
oder sogar zu viele, man wertet jetzt ja auch den Schlossbergplatz enorm auf?

Müller: Ja ich denke, zu viele Plätz kann man nicht haben. Es ist jedoch etwas eine Frage von Kosten
und Nutzen, weil ein Platz kostet auch Geld und nun ja, der Trafoplatz ist nun halt einmal ein Platz,
der nicht so lebt und der Theaterplatz dürfte auch noch ein wenig mehr Leben haben. Man müsste
halt vielleicht ein paar Strassencafés mehr machen, weil das Leben bringt. Und um auf den Schloss-
bergplatz nochmals zu kommen. Das ist sicher ein zentraler Platz. Das hat man auch schon an der
Badenfahrt gesehen, dass der gut funktioniert und ich finde, dass eine Stadt Plätze braucht. Es ist
dann auch immer ein Wechselspiel aus Enge und Weite.

Der Kurpark wird jetzt für eine Million Franken renoviert. Ist das Ihrer Meinung nach eine gute In-
vestition oder wirft man da nur Geld aus dem Fenster?

Müller: Das ist gut. Da muss man etwas machen. Es gibt dann auch einen grösseren Weiher. Das fin-
de ich gut.

Wenn Sie Einkäufe tätigen oder auch Ihre Frau, wo gehen Sie dann einkaufen?

Müller: Die Migros ist zur Hauptsache unser Laden und ab und zu einmal der Coop. Oder dann auch
immer wieder einmal der Wochenmarkt am Samstag. An diesen gehen wir öfters auch zu zweit.

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Baden ist. Infrastruktur Interview René Müller

Gibt es in der Stadt genügend Cafés und Restaurants? Sind die auch richtig verteilt oder bräuchte es
noch mehr? Sie haben ja bereits vorhin gesagt, dass es auf dem Theaterplatz wohl noch welche
bräuchte…

Müller: Ja eben, zum Beleben der Plätze, aber ich finde auch, dass dort, wo der Buchser (Musikge-
schäft) drin war, auch noch ein Café schön wäre. Aber sonst, finde ich, hat Baden ein sehr grosses
Angebot an verschiedensten Restaurants wo man essen kann, aber auch an Bars. Ja, das Angebot ist
gut.

Wie sieht es denn bei Ihnen selbst im Kappelerhof draussen aus?

Müller: Wir haben hier drei Beizen, wovon zwei eher schlecht laufen. Aber ich glaube, das ist ok wie
wir es momentan im Quartier haben. Schlimm wäre, wenn wir nun gar kein Restaurant mehr hätten.

Wie beurteilen Sie das Angebot an Arztpraxen in der Stadt?

Müller: In der Stadt hat es sicherlich genügend Ärzte, Zahnärzte und im Notfall ist da auch noch das
Kantonsspital. Aber es wäre halt schon noch schön, wenn wir hier draussen vielleicht auch einen
Hausarzt oder eine Apotheke hätten, aber im Moment müssen wir halt immer noch in die Stadt ge-
hen.

Braucht Baden mehr Museen, Galerien oder Ausstellungsräume, oder sind die momentan zur Ge-
nüge vorhanden?

Müller: Ich finde es hat genügend, es ist ein grosses Angebot, ja es ist genug. Wenn man mehr ma-
chen will, kostet es halt einfach wieder.

Nutzen Sie denn das Angebot?

Müller: Ja, aber ich könnte schon mehr gehen.

Vermarktet die Stadt das Kulturangebot genügend gut, beispielsweise mit dem Heft „Baden ist.
Programm“?

Müller: Nein, es ist zu wenig. Aber man arbeitet jetzt daran. Man hat auch ein Projekt in Angriff ge-
nommen, welches bereits in Aarau existiert und man möchte auch eben wie in Aarau eine Kulturzeit-
schrift herausgeben. Momentan arbeitet jetzt eine Projektgruppe daran, ob man das auch in Baden
machen kann, vielleicht auch in Absprache mit Aarau, also dass man eine eigene Kulturzeitschrift
oder ein Mitteilungsblatt herausgibt. Es dürfte aber auch mehr Plakatstellen geben, denn es hat,
glaube ich, nur etwa drei grössere Plakatstellen, an denen man Plakate aufhängen kann. Ich finde,
das wird zu wenig kommuniziert.

Finden Sie die Renovierung des Kurtheaters eine gute Investition?

Müller: Ja, das ist auch absolut nötig. Das hätte man auch schon vor Jahren machen können, weil vor
allem der Pavillon in einem sehr schlechten Zustand ist.

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Baden ist. Infrastruktur Interview René Müller

Wie sieht das Angebot in der jugendlichen Kulturszene aus, fehlt da etwas oder ist alles Nötige
vorhanden?

Müller: Also ich finde, was Baden ein wenig fehlt, ist ein Jugendhaus, in welchem die Jugendlichen
kostengünstig verweilen können. Das Merkker geht zwar bereits ansatzweise in diese Richtung aber
man muss halt doch meistens Eintritt zahlen und die Getränke sind nicht billig. Zudem ist es auch erst
ab 16 Jahren. Ich finde ein Angebot so für ab 14 Jährige, das auch nicht sehr teuer ist, wäre noch was,
denn früher gab es noch das Kornhaus und da hatte das Cola noch 50 Rappen gekostet. Und man
bezahlte keinen Eintritt, man konnte dort halt für wenig Geld ausgehen.

Wie beurteilen Sie die Situation, dass Jugendliche oftmals an Wochenenden draussen herum han-
gen und dass von der Stadt aus Inputs kommen sollten, dass man die wieder von der Strasse fort
bringt?

Müller: Ich weiss nicht, ob das eine Aufgabe der Stadt ist, aber sicher gut dagegen wäre sicher so ein
Jugendhaus. Es hat aber auch schon ein Projekt gegeben, das Midnight-Basketball hiess vor etwa
zwei Jahren und das ist ja mangels Teilnehmer gescheitert. Die Stadt versucht ja auch sonst manch-
mal Sachen zu machen. Im Sommer spielt das ja keine Rolle, dann können die Jungen wieder in den
Kurpark oder auf die Ruine Stein. Ich habe mit dem kein Problem.

Vermarktet sich die Stadt touristisch gesehen genügend gut?

Müller: Also ich glaube für das, was Baden anbieten kann, machen sie schon genügend. Ja, ich meine,
was hat Baden gross touristisch ausser den Bädern. Ich glaube auch, dass heute die Zeit des Bäder-
tourismus sowieso vorbei ist, denn wenn jemand Kurferien machen will, dann geht er lieber in die
Berge wo er mehr Sonne hat und die Landschaft sowieso schöner ist. Aber vielleicht könnte man den
Tagestourismus wieder aufgleisen, aber was man eben halt verschlafen hat, ist die Entwicklung im
Bäderquartier und da ist jetzt halt wirklich nichts mehr.

Finden Sie, dass der Investor, der das Bäderquartier sanieren will, das Ganze eher auf Luxus aus-
richten sollte oder eher volksnah gestalten?

Müller: Da finde ich sowohl als auch. Ich glaube, wenn man einfach Schinznach oder Zurzach kopie-
ren will, kommt das nicht gut. Vermutlich muss Baden versuchen, vom Angebot her eher ein wenig
im Hochpreisniveau zu fahren. Aber ich finde, dass dennoch ein öffentliches Bad vorhanden sein
muss, dass die Bevölkerung auch dieses Thermalwasser nutzen kann.

Finden Sie das Grand Casino eine Bereicherung für die Stadt?

Müller: Es ist sicherlich einmal eine Bereicherung bezüglich Steuern für die Stadt, denn diese können
dann wiederum in die Kultur, Bildung oder in die Stadtverschönerung fliessen. Das ist gut, ich habe
mit dem Grand Casino gar keine Probleme, denn wenn wir es nicht machen, dann macht es halt Zü-
rich oder eine andere Stadt. Also ich bin froh, dass Baden den Zuschlag bekommen hat.

Sie haben demnach auch keine Probleme damit, dass der Kursaal jetzt nicht mehr der Badener Be-
völkerung zugänglich ist und ins Trafo verlegt worden ist?

Müller: Nein, mit dem habe ich kein Problem, denn in dem Kursaal ist auch nicht wirklich viel gelau-
fen, also der ist eher ein wenig verstaubt gewesen.

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Baden ist. Infrastruktur Interview René Müller

Ist die Polizeipräsenz in Baden genügend hoch, vor allem an den Wochenenden natürlich und fühlt
man sich hier sicher?

Müller: Ja, also ich fühle mich sicher in der Stadt. Also, Sie wollen sicher ein wenig auf die Problema-
tik dieser Jugendschlägereien ansprechen, die es hier manchmal gibt, aber da weiss ich halt nicht, wie
man dem Herr werden kann. Das ist halt eine Last, die die Stadt tragen muss als Zentrumsgemeinde,
weil die Jugendlichen kommen aus der ganzen Region hierher und ja, ich meine bei Alkoholausschank
könnte man noch ein wenig mehr Kontrollen machen, aber ich glaube, das ist halt einfach ein Zei-
chen der Zeit.

Sie haben gerade erwähnt, dass die Jugendlichen aus vielen Gemeinden hierher kommen. Fänden
Sie es eine gute Lösung, wenn diese Gemeinden dann einen gewissen Beitrag an die Stadt Baden
für die Gewährleistung der Sicherheit zahlen müssten oder ist das nicht machbar?

Müller: Ich denke, das ist nicht machbar. Das ist halt eine alte Diskussion bezüglich Zentrumslasten.
Baden hat demnach sicherlich mehr Ausgaben bezüglich Sicherheit, Kultur und ein Stück weit auch
Bildung. Handkehrum hat Baden auch Vorteile als Zentrumsgemeinde, wie die ganzen Läden, die
Wirtschaft die hierher kommt aber auch als attraktiver Wohnort und Standort für Firmen. Wenn man
jetzt eben Baden mit den umliegenden Gemeinden vergleicht, hat Baden ein sehr hohes Steuerauf-
kommen von Firmen. Also dieses Abwägen von Lasten und Nutzen einer Zentrumsgemeinde ist
schwierig.

Was halten Sie davon, dass oft auch private Sicherheitsfirmen angestellt werden, zum Beispiel vor
dem Trafo?

Müller: Also ich bin nicht für so private Sicherheitsfirmen, das geht mir schon fast ein wenig in Rich-
tung Bürgerwehr und ich finde, es ist die Aufgabe des Staates für die Sicherheit zu schauen. Man
muss das halt einfach ein wenig im Auge behalten und vielleicht auch präventiv eine gewisse Stärke
zeigen, dass es ein wenig abschreckt.

Haben Sie persönlich noch etwas, was wir vergessen haben und Sie denken, dass dies noch wichtig
wäre?

Müller: Ja, also vor allem jetzt speziell für den Kappelerhof. Was uns eigentlich ein Anliegen wäre, ist
die ganze Integrationsthematik, denn wir sind das Quartier mit dem höchsten Ausländeranteil, näm-
lich um die 40%. So einen hohen Ausländeranteil haben wir natürlich dadurch, dass wir viele Hoch-
häuser und Blöcke haben und dadurch günstigen Wohnraum. Es müsste einfach noch etwas mehr
passieren bezüglich Integration. Die Integration ist halt bei uns immer ein Thema und auch der Ruf
des Quartiers ist deswegen nicht optimal, weil es Leute gibt, die sagen, sie würden nie in den Kappe-
lerhof wohnen gehen, weil es einfach zu viel Ausländer hat und fürchten, dass die Schule hier nicht
gut ist, weil es viele ausländische Kinder hat. Grundsätzlich glaube ich, dass die Stadt mehr für die
Integration machen müsste, dass die Leute auch wirklich abgeholt werden und in die Gesellschaft
integriert werden. Es gibt zwar schon so gewisse Projekte, aber die müsste man einfach konstanter
und permanenter durchführen, weil an diesem Problem muss man immer arbeiten und kann nicht
immer wieder einmal ein Vorzeigeprojekt lancieren.

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Baden ist. Infrastruktur Interview René Müller

Schwerpunkte:

 Fehlende Integration von Ausländern im Kappelerhof


 Grand Casino bringt Steuereinnahmen, der Kursaal war sowieso verstaubt
 Jugendhaus mit billigen Preisen wäre wünschenswert
 Ausgangsangebot bereits für 14 Jährige
 Bessere Vermarktung von Baden mit einer Kulturzeitschrift
 Strassencafés bauen, um Plätze zu beleben
 Velo ist eine gute Alternative zum Auto
 Wohnen im Alter in den jeweiligen Quartieren wäre wünschenswert
 Internationale Schule für Baden als Wirtschaftsstandort sehr wichtig
 ÖV sehr gut, die Linie vom Kappelerhof nach Baden wird am meisten genutzt
 Trafoplatz missraten

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Interview Nr. 9
Interviewer: Severin

Interviewpartner Name: Willi Peng

Funktion: Vorstand Quartierverein Limmat Rechts

Ort, Datum: Baden, 21.05.2008

Wir beginnen gleich einmal mit der Verkehrsinfrastruktur. Wie gehen Sie normalerweise in die
Stadt?

Peng: Ich gehe oft zu Fuss. Seit es da unten bei der Limmat den Lift hat, gehe ich da runter, gehe
über den Steg und nehme den Lift. Dann ist man gleich in der Stadt und das ist eine ganz tolle Sache.
Die Alternative ist, dass man, da meine Frau nicht mehr so gut zu Fuss ist, dass man an der Kanti auf
den Bus geht.

Sie gehen also nie mit dem Auto in die Stadt?

Peng: Nein. Ich gehe mit dem Auto einkaufen, aber nach Wettingen.

Finden Sie die öffentlichen Verkehrsmittel sind gut ausgebaut?

Peng: Ja für uns schon. Wenn wir da rüber gehen, haben wir alle zehn Minuten einen Bus.

Peng: Und Sie kommen damit überall hin?

Ja, für uns ist das Zentrum das wichtige und das ist gut erschlossen.

Mit dem Velo gehen Sie auch manchmal in die Stadt?

Peng: Nein, das hat aber mit dem Alter zu tun.

Sie haben gesagt, Sie gehen nie mit dem Auto in die Stadt. Weshalb nicht?

Peng: Ein Grund ist, dass man Parkplätze finden muss, Parkgebühren zahlen, die ziemlich hoch sind
und die anderen Verkehrsmittel sind so gut. Also ich kaufe keine schweren Sachen in der Stadt und
dann geht das.

Finden Sie es gut, dass es so viele Fussgängerzonen hat? Dass beispielsweise die Badstrasse für den
Verkehr gesperrt ist.

Peng: Ja, ich finde das gut. Das sieht man auch an einem Samstag, wie viele Leute da sind. Das finde
ich wirklich gut.

Finden Sie, man könnte auch die Weite Gasse schliessen, also auch für den Bus sperren?

Peng: Ja, ich denke schon. Allerdings ist es eigentlich noch bequem, dass man da auf den Bus kann.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Empfinden Sie den nicht als störend?

Peng: Nein, nein.

Dann zur Bildung. Empfinden Sie das Schulsystem in Baden als gut?

Peng: Ja, ich denke schon. Unsere Kinder sind in die Bez in Baden und die Tochter dann an die Kanti
in Wettingen. Ich finde es gut, so wie ich es beurteilen kann.

Befürworten Sie, dass es in fast jedem Quartier eine eigene Primarschule hat?

Peng: Nein, da müsste man die Quartiere schon geografisch anschauen und einzeln entscheiden.
Wenn die im Kappelerhof sagen, da unten muss es eine haben, dann finde ich das in Ordnung. Aber
hier oder in Kreuzliberg braucht es keine, die können gut nach Baden in die Schule.

Benutzen Sie manchmal die Stadtbibliothek?

Peng: Ich nicht. Meine Frau ging früher regelmässig. Aber jetzt nicht mehr, sie kann nicht mehr gut
lesen. Wir haben andere Quellen, wie beispielsweise Hörbücher.

Finden Sie es in Ordnung, dass die Stadt die Bibliothek subventioniert oder sollte sie selbstragend
sein?

Peng: (Zögert) Das kommt darauf an. Ich weiss jetzt nicht bis zu welchem Mass. Eigentlich bin ich
dagegen, dass man Sachen subventioniert die keine grosse Nachfrage haben oder ein Bedarf da ist.
Man müsste wissen, wie viele Leute besuchen sie und wie häufig werden Bücher ausgelehnt. Gerade
mit Bibliotheken, das hatten wir da drüben im regionalen Krankenheim erlebt. Da fand der Direktor,
wir brauchen eine Bibliothek und so. Aber da war keine Nachfrage. Die Leute wollten und konnten
nicht mehr lesen. Die Bibliothek müsste man wirklich anschauen, ist da ein Bedürfnis? Und wird es zu
wenig gebraucht, sollte man schauen, ob es wegen den Kosten ist. Das muss man wirtschaftlich an-
schauen, das kann ich nicht beantworten.

Dann zu den Dienstleistungen. Ich weiss nicht, ob Sie sich da noch auskennen, aber wissen Sie, ob
es hier im Quartier Kindertagesstätten oder einen Mittagstisch gibt?

Peng: Da kenne ich mich zu wenig aus, da ich keine kleinen Kinder mehr habe. Das es wichtig ist,
dass es so etwas hat. Ich war viel in Schweden und sah wie es da geht. Die brachten ihre Kinder den
ganzen Tag. Meine Tochter benutzt das in Zürich auch, Kinderhort oder Mittagstisch. Ich finde es
wichtig, dass eine Frau ihre Kinder bringen kann und sie da essen und ein Mittagsschläfchen halten
können und um Vier kann sie die Mutter wieder holen. Das finde ich eine sehr wichtige Sache. Das
sollte es in der ganzen Stadt geben, aber so, dass es günstig ist. Die Kosten sind dann eine andere
Frage. Es sollte nicht so sein, dass nur die Reichen sich das leisten können.

Das sollte also auch von der Stadt unterstützt werden?

Peng: Ja. Oder dass die Reichen halt mehr bezahlen. Aber dann muss man wieder auf die Einkom-
men schauen und es ist halt schwierig.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Sind Sie noch in einem anderen Verein als dem Quartierverein tätig?

Peng: Nein, bin ich nicht.

Aber gäbe es Vereine, in denen Sie Mitglied sein könnten?

Peng: Ich nicht, ich bin kein Vereinsmensch.

Aber allgemein, gibt es hier in ihrem Quartier ein Vereinsangebot?

Peng: In Baden gibt es genügend Vereine. Die da an der Limmat unten, die Schifffahrer. Sportvereine
gibt es sicher. Der Stadtturnverein. In ihrem Alter war ich auch noch aktiv im Turnverein. Mit der Zeit
kommt einem nur noch der Männerchor in den Sinn (lacht).

Vermissen Sie einen Verein, in dem auch Sie dabei sein könnten, etwas auch noch für Ältere?

Peng: Nein, nein. Vermisse ich nicht. Es gibt auch noch viele Sachen, die geboten werden für meine
Generation. Also Pro Senektute ist sehr aktiv. Macht gute Sachen. Hat ein gutes Programm, das muss
ich also schon sagen. Aber ich nutze es nicht.

Man wird als ältere Person also nicht vernachlässigt.

Peng: Nein, nein. Da wird viel gemacht. Das liegt an den Personen selber, wenn sie nicht mitmachen
wollen. Ein Problem, das alle Vereine haben, auch die Quartiervereine. Niemand will sich mehr enga-
gieren.

Das Schwimmbad hier gehört ja der Stadt Baden. Finden Sie, man unternimmt genügend für den
Unterhalt?

Peng: Ja (lautes Motorrad fährt vorbei, kurze Pause). Ja, die sollte man auch ein wenig bremsen kön-
nen (meint das Motorrad). Ja, ich meine, das Schwimmbad wurde schön ausgebaut. Das ist eine tolle
Sache, ich bin früher oft Schwimmen gegangen und Springen. Jetzt bin ich schon lange nicht mehr
gewesen, aber ich habe gesehen und gelesen, was sie alles machen.

Sie finden es auch richtig, dass man da soviel macht?

Peng: Jaja. Beim Hallenbad kann man sich noch fragen. Aber das Schwimmbad im Sommer das ist
gut. Ein Hallenbad brauchte mal jede Gemeinde und das ist ein riesiger Aufwand. Die Betriebskosten
sind gross, wenn man dann sieht, es sind nur ein paar Kinder am Schwimmen. Ich weiss aber nicht,
wie es jetzt so aussieht. Das müsste man auch so anschauen, wie die Bibliothek.

Wenn die Nachfrage da ist, sollte die Stadt also ruhig Geld hinein stecken?

Peng: Nein, nein. Das muss eine starke Nachfrage sein und die Leute sollen ruhig bereit sein etwas zu
zahlen. Denn wenn die Nachfrage gross ist, muss man nicht viel investieren. Wenn man Millionen
ausgibt für ein paar Leute, die hie und da ihre Längen schwimmen. Das meine ich, so ein wenig ex-
trem gesagt.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Die Stadt Baden finanziert mit etwa 100`000 Franken eine EM-Arena auf dem Theaterplatz. Finden
Sie es richtig, dass die Stadt das mitfinanziert?

Peng: Ich denke, das ist schon richtig. Auch wenn ich da nicht hingehe. Das interessiert mich nicht.
Die ganze EM ist viel zu stark hochgejubelt und kommerzialisiert. Aber wenn es um ein Fest geht, die
Leute sich dort treffen, wieder einmal zusammen etwas machen, dann finde ich es gut. Ob jetzt
100`000 angemessen sind, kann ich nicht beurteilen.

Wo würden Sie sagen, kann man sich am besten in Baden erholen? Beispielsweise einen Platz oder
so.

Peng: Ja, also die Liegewiese in der Baldegg, die finde ich noch schön, da ist`s noch gemütlich. Und
sonst kann man noch der Limmatpromenade entlang laufen, schön am Fluss entlang oder in die Wäl-
der kann man natürlich gehen, wenn man sich erholen will.

Werden diese Orte gut unterhalten? Beispielsweise die Limmatpromenade?

Peng: Für mich ist es gut genug. Es hat da ein paar architektonische Dinge, die am vergammeln sind,
weil es zu wenig gebraucht wird. Irgendwo hat es ja so einen Sandhaufen und Bänke herum, die nicht
gepflegt sind. Aber die Bänke weiter unten beim Tränenbrunnen, die sind sauber.

Was halten sie vom Kurpark?

Peng: Den finde ich schön. Irrsinnig schöne Bäume. Ja den finde ich gut.

Den renoviert man für über eine Million. Man erneuert beispielsweise den Weiher. Ist das nötig?

Peng: Ja, ich denke man sollte da schon etwas Schönes machen. Wenn man eine Stadt ist mit viel
Geld, sollte man auch für so etwas Geld ausgeben.

Was halten Sie denn vom neuen Theaterplatz?

Peng: Ich finde, der ist gut herausgekommen. Ich finde es auch sinnvoll, dass es unten eine Parkga-
rage gegeben hat und die Gestaltung ist auch in Ordnung. Man muss halt dann nochmal schauen,
wenn die Bäume ein wenig grösser sind.

Kann man ihn auch gut nutzen?

Peng: Beim Markt wird er ja genutzt und man muss ja nicht alles immer nutzen. Es hat schon Anlässe
gegeben und Zelte waren dort, als die Gemeinde etwas gemacht hat. Was war das schon wieder?
Also man kann ihn schon auch nutzen, wenn man will.

Dann zu den Geschäften. Sie sagten, Sie gehen nach Wettingen einkaufen.

Peng: Ja, alle die schweren Sachen. Am Wochenende gehe ich zwar schon auf den Markt und in die
Stadt gehen wir immer am Samstag. Dort kaufen wir dann ein paar Sachen, aber wenn es dann um
Flaschen oder so geht, dann gehe ich ins Tägi raus in den Coop.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Weshalb gehen Sie nicht nach Baden?

Peng: Im Tägi kann ich gut parkieren, sogar fast gratis. Im oberen Stock kann ich einkaufen, die Roll-
treppe ins Auto und wieder zurück. Und es läuft gut, wenig Verkehr dorthin.

Aber gäbe es in Baden auch gute Geschäfte?

Peng: Ja wir gehen auch manchmal in die Migros in Baden. Aber da nehmen wir nicht das Auto und
kommen zu Fuss mit zwei Taschen nach Hause. Oder auch in den Manor gehen wir und auch in die
kleineren wie den Metzger Müller.

Finden Sie, es gibt noch viele solcher kleiner Läden?

Peng: Ja, vorwiegend halt noch Kleiderläden in Baden. Wenn der Markt nicht wäre, bliebe nur noch
der Metzger Müller. Und dann hat es noch kleine Läden? Also für Lebensmittel nicht. Dann noch für
Schmuck und Brillen. Brillen hat es eine Menge. Und Bücherläden haben wir noch drei.

Gibt es ein Geschäft, das Sie vermissen?

Peng: Eigentlich hat man alles. Wenn man in die Migros oder den Manor geht, hat man schon mal
alles.

Finden Sie die Auswahl an Cafés und Restaurant gross?

Peng: Ja, ich habe halt meine Stammbeiz: das Isebähnli. Cafés hat es genug. Wenn man jetzt mit dem
Lift rauf kommt, kommt man ja gleich beim Himmel rauf, und weiter drüben ist noch eines. Und da
ist noch das Schwizerhüsli.

Denken Sie, die Stadt ist auch für Auswärtige attraktiv zum Einkaufen?

Peng: Nein, das sehe ich nicht. Höchstens mal zum Flanieren.

Zum Gesundheitssystem: Wo gehen Sie zu ihrem Arzt oder Zahnarzt?

Peng: Beides in Wettingen.

Weshalb? Hat es hier keine?

Peng: Nicht gerade hier, aber in Baden schon. Es ist halt einfacher, schnell mit dem Auto nach Wet-
tingen zu gehen. Wir sind halt auch in einem Grenzgebiet.

Kennen Sie Museen oder Galerien in Baden?

Peng: Ja, aber natürlich gehen wir nicht so oft. Da unten das Landvogteischloss, also der Schnitz.
Dann die Villa Langmatt und es gibt das Kindermuseum da drüben. Und das Trudelhaus hat ab und zu
Ausstellungen. Wenn man es mal gesehen hat, dann geht man nicht mehr so häufig. Kulturell ist Ba-
den also gut. Jetzt gerade mit der Jazzwoche und so. Jazz im Isebähnli, Jazz überall. Also Musik, ich
denke für euch bietet es viel.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Gehen Sie manchmal auch ins Kino oder Theater?

Peng: Nicht mehr so oft. Da meine Frau fast blind ist.

Die Stadt bezahlt gerade einen Beitrag an die Renovierung des Kurtheaters von einigen Millionen.
Finden Sie, die Stadt braucht ein Kurtheater?

Peng: Ja, das zeigt, dass es gebraucht wird. Es ist ja immer gut besetzt. Ich bin der Meinung, man soll
das haben, ja.

In Baden sind für die jugendliche kulturelle Szene viele Räumlichkeiten verschwunden. Dies wurde
auch im Einwohnerrat besprochen. Denken Sie, das ist die Aufgabe der Stadt, diese zu Verfügung zu
stellen, da von privater Seite oft das Geld fehlt?

Peng: (nachdenklich) Wenn es geeignete Lokale hat, die man mit wenigen finanziellen Mitteln, wie
da die Seerose jetzt oder sonst so was, dass man, wenn man seriöse Partner hat, ich sage mal in die-
sen Jugendgruppen, dann soll man die in einem gewissen Masse unterstützen, wenn es nötig ist.
Natürlich nicht alles. Die müssen sich ein wenig profilieren und dann bekommen sie ein wenig Geld.
Irgendeine Kasse sollte schon für so was da sein.

Vermarktet sich Baden touristisch gut? Kennt man Baden in der Umgebung?

Peng: Ja, in der Umgebung schon. Sie geben sich ja Mühe mit „Baden ist.“ und so. Die Frage ist, ob
sie sich in einem weiten Umkreis vermarkten müssten. Aber Städtchen wie Baden gibt es natürlich
andere, die auch schön sind: Bremgarten oder überall in der Schweiz, wie Murten und so. Also das
wird schon richtig gemacht, finde ich. Ob sie übermässigen Aufwand treiben, kann ich nicht beurtei-
len.

Gibt es ein Hotel, das Sie jemandem empfehlen würden?

Peng: (lange Pause) Ja also, am ehesten habe ich den Namen Du Parc im Sinn, aber dann wäre noch
das Blaue Hotel, das neue. Bei der Linde habe ich schon nicht so gute Erfahrungen gemacht und dann
weiss ich gar nicht, ob es in den Bädern noch eines gibt. Die Blume ist, glaube ich, noch eines. Das
kann ich natürlich schon empfehlen. Da haben die Leute den Plausch an dem Hotel.

In den Bäderquartieren ist alles ein wenig am Verlottern. Sollte die Stadt hier selber investieren
oder sollte sie schauen, dass sie Investoren findet oder soll sie sich da raus halten?

Peng: Ja nein, da sollte man schon was machen, das ist wichtig. Aber ich finde es nie gut, wenn der
Staat investiert, der hat nicht die gleichen wirtschaftlichen Interessen wie eine Hotelgruppe oder
eine Kette oder andere Investoren. Nein, ich meine, Baden sollte schon solche Sachen fördern, aber
nicht finanzieren. Oder teilweise finanzieren, wie sie auch das Casino finanziert haben. Das ist ja nicht
mal Baden, sondern, sind das, glaube ich, die Dorfbürger gewesen?

Apropos Casino, finden Sie, es ist eine Bereicherung für die Stadt?

Peng: (Lacht) Jaja, finanziell natürlich schon. Ich war noch nie darin. Ich bin nicht dafür, auf diese Art
Geld zu machen. Aber solange es genügend Leute hat, die Spielernaturen sind und solange es so gut
läuft, wie es jetzt läuft, kann man nichts dagegen haben.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Falls man das Thermalbad im Bäderquartier erneuern würde, sollte man da mehr auf Luxus setzen
oder sollte man mehr wie in Schinznachbad ein Familienbad daraus machen?

Peng: Es braucht beides. Wellness ist ja abgedeckt im einen Hotel. Nein ich denke, es sollte ein Bad
sein für Leute, die aus gesundheitlichen Gründen da hin gehen. Es sollte nicht unbedingt, wie in
Schinznach, auch für Kinder ausgerichtet sein. Die können hier im Freibad baden gehen. Die können
auch nicht lange in diesem Wasser planschen.

Sollte man überhaupt etwas machen an dem Thermalbad?

Peng: Es muss einfach sauber sein. So wie es jetzt ist, bin ich zufrieden. Ich gehe auch manchmal,
wenn ich Rückenbeschwerden habe, sonst nicht.

Nun noch zur öffentlichen Sicherheit. Wie beurteilen Sie diese? Muss man auch beispielsweise am
Abend keine Angst haben?

Peng: Nein, nein. Ich habe da keine Angst. Man hört und liest wieder, da muss es so krumme Natu-
ren haben. Einer, einer der muss da oben wohnen. Auf jeden Fall stellt er jedes Mal ein gestohlenes
Velo da unten hin und 200 Meter weiter oben sind Mc Donalds Becher und diese Powerdrinks in
diesen Dosen da, Red Bull. Die wirft er in den Garten. Aber es ist immer der gleiche, da kann man
nichts machen.

Wenn Sie gerade Littering ansprechen, sehen Sie das als Problem? Liegt viel Abfall auf den Strassen
rum?

Peng: Nein, nein, wenn die Füchse nicht kommen, wenn man es erst am Morgen raus stellt. Hier ist
es blöd, da hat man einmal ein Rundschreiben gemacht, man darf die Abfälle erst am Abend rausstel-
len, wegen den Füchsen. Da hab ich dem geschrieben, was er geschrieben hat, ist buchstäblich für
die Füchse, denn wenn man das so macht, hat man am nächsten Morgen eine riesige Sauerei. Also
muss man das sehr früh am Morgen raus stellen, die kommen schon um Sieben Uhr. Das stört mich
hier ein wenig. Manchmal wenn ich sie hier verpasse, fahre ich mit dem Auto in die Altstadt runter,
da kommen sie erst um zehn oder elf. (lacht) Das ist das eine, ja, ich habe gerade auch ein Gesuch an
den Stadtrat gestellt. Habe eine Anfrage gestellt, also zwei Sachen. Das eine ist, das haben sie viel-
leicht unter einem anderen Thema.

Nur zu.

Peng: Das eine ist bei der Kantonsschule, die Schüler, die auf den Bus gehen. Ich habe geschrieben,
der, der das geplant hat, also die Kantonsschüler sind keine Frösche. Man kann also keine Barriere
machen und eine Unterführung und annehmen, sie gehen unten durch. Die gehen quer über die
Strasse und auf den Bus. Und das finde ich in Ordnung. Aber ich finde nicht in Ordnung, dass man da
nicht einen Streifen mit einer Mittelinsel macht. Man könnte einen malen und so wäre es eine klare
Regelung für die Autos und die Schüler. Dann kann man da rüber und das ist etwas was ich im Namen
des Quartiers verlangt habe. Und dann noch eine andere Sache. Wir haben da im regionalen Kran-
kenheim, und auch sonst im Quartier, viele die nicht mehr so gut sehen. Als man da die Lichtanlage
umgebaut hat, hat man die Vibratoren weggenommen. Die sind nicht mehr da. Ich habe schon mal
ein Gesuch gestellt, aber jetzt habe ich es wieder frisch eingegeben.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Gut, also Sie können ruhig manchmal abschweifen. Kommen wir noch einmal zurück zur Sicherheit.
Was halten Sie davon, dass immer mehr private Sicherheitsfirmen eingestellt werden?

Peng: Das finde ich nicht nötig. So weit sollte man nicht gehen. Wenn das jemand finanzieren will,
dann soll er. Aber ich finde, das ist nicht nötig, denn so kriminell ist unsere Stadt nicht.

Ist es Sache der Stadt und somit der Polizei für die Sicherheit zu sorgen?

Peng: Ja, ich finde, man muss auch nicht übertreiben. Die Polizei ist ja da, wenn es wieder mal eine
Schlägerei gibt. Aber Schlägereien hat es zu unserer Zeit auch gegeben. Wir sollten ja nicht ein Poli-
zeistaat werden, auch wenn es Private sind.

Eine Untersuchung der Polizei ergab, dass 80% der Jugendlichen am Abend Auswärtige sind. Oft
sind es dann auch betrunkene Jugendliche, die Vandalismus etc. betreiben. Sollte man da etwas
dagegen unternehmen?

Peng: Nein, was wollen sie unternehmen. Baden bietet den Jugendlichen viel. Überall hat es, Ventil
und wie die alle heissen. Sie kennen die sicher. Aber es sind sicher 20 Orte, wo Jugendliche in ihrem
Alter hingehen können. In Birmenstorf hat es nichts und da nehmen sie den Bus und im Kappelerhof
hat es vielleicht auch nichts. Man geht dorthin wo man Kollegen trifft, also ist Baden ein Treffpunkt.

Das finden Sie auch gut?

Peng: Ja, das finde ich richtig. Das ist in der Ordnung. Dass es dann mal eine Schlägerei geben kann,
ist eine andere Sache. Die, die ins Ventil oder so gehen, die machen keine Schlägerei.

Ich wäre mit meinen Fragen durch. Haben Sie noch etwas, das sie anfügen möchten, das sie bei-
spielsweise gut oder eben nicht gut finden? In Baden allgemein oder in ihrem Quartier?

Peng: Ja man sieht halt allgemein bei allen Quartiervereinen, dass es schwierig wird, die Leute zu
finden, die mitmachen wollen. Das hat man auch bei der Badenfahrt gesehen. Da hatten alle die glei-
chen Probleme, die Leute zu mobilisieren. Man ist nicht mehr daran interessiert, den Nachbar besser
kennen zu lernen. Wir haben auch zu wenig Probleme, für die man zusammensitzen müsste und
besprechen.

Fehlt Ihnen also auch gar nichts in ihrem Quartier?

Peng: Ja, es fehlt eigentlich nichts Grosses. Nichts, das die Leute unbedingt wollen. Es fehlt ein we-
nig, dass man die Leute besser kennen lernt, mehr zusammen kommt. Für das ist die Badenfahrt gut.
Da bin ich sehr aktiv dabei gewesen, das war wirklich toll. Aber auch da hatte man nur gerade eine
Handvoll Leute, die mitmachten. Aber das ändert auch wieder. Eine Zeit lang sagte ich, das Quartier
ist überaltert, aber jetzt sind viele neue gekommen und haben kleine Kinder. In eine paar Jahren
sieht das Quartier auch wieder anders aus.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Willi Peng

Schwerpunkte:

 Nach Wettingen einkaufen, da von Verkehrssituation besser


 ÖV gut ausgebaut
 Stadtbibliothek/Schwimmbad wirtschaftlich betrachten: Nachfrage?
 Kindertagesstätten sollten vorhanden sein
 Auch ältere Personen werden nicht vernachlässigt
 Stadt mit viel Geld soll auch Geld ausgeben: Kurpark
 Diversität der Läden nicht allzu gross
 Touristisch gut vermarktet
 Bäderquartier soll nicht die Stadt investieren, bloss schauen, dass etwas läuft
 Sicherheit gewährleistet
 Baden=Treffpunkt

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Baden ist. Infrastruktur Interview Dominic Chenaux

Interview Nr. 10
Interviewer: Severin

Interviewpartner Name: Dominic Chenaux

Funktion: Leiter Kultur Merkker

Ort, Datum: Jugendarbeit, 15.05.2008

Also beginnen wir einmal. In welcher Form unterstützt die Stadt Baden das Merkker?

Chenaux: Die Stadt Baden unterstützt in zwei Hinsichten das Merkker. Das eine ist sicher die finan-
zielle Angelegenheit. Der Betrieb ist an sich selbsttragend, also die Veranstaltungen und die Gastro-
nomie. Aber das Personal wird durch die Stadt getragen. Das beinhaltet vor allem die Sicherheit, die
Technik und die verantwortlichen Personen, die am Abend dort sind, von der Jugendarbeit. Die ande-
re Seite ist natürlich auch die Unterstützung auf philosophischer Ebene, das heisst, dass sie dahinter
stehen, dass sie sich einsetzen dafür, dass sie Mittel, wie Material oder Dienstleistungen, zur Verfü-
gung stellen. Sei dies vom Kuvert, das sie finanzieren, bis dass sie sich politisch für den Erhalt des
Merkkers einsetzen.

Reicht diese Unterstützung?

Chenaux: Es kommt immer darauf an, was man erreichen möchte. Grundsätzlich ist das Merkker ein
Betrieb, wo Jugendliche mitarbeiten sollen und den Raum in einem sicheren Rahmen nutzen können.
Das heisst, finanziell ohne Risiko und aber auch mit der Möglichkeit, dass sie sich entwickeln, weiter-
kommen, etwas lernen. Von dem her reicht das Geld. Wir sind kein Klub, wir sind ein Kulturlokal.
Man arbeitet ehrenamtlich mit. Das funktioniert auch nur, wenn man ehrenamtlich mitarbeitet und
finanziell niederschwellig, das heisst nicht zu viele Ausgaben und erreichbar und möglich macht.
Wenn man mehr Geld investieren würde, könnte man Luxusmöglichkeiten haben, wie bessere Toilet-
ten. Aber ob das nötig ist, ist fraglich. Also grundsätzlich kann man sagen, wir kommen durch mit
dem.

Gibt es noch andere Lokale, die die Stadt unterstützt?

Chenaux: Es gibt sicher vom Bereich Kultur einzelne Beiträge die gesprochen werden für Kulturve-
ranstaltungsorte. Sei dies Theater oder das Kulturcafé Herbert oder diverse Geschichten. Das gibt es
schon. Ich möchte einfach dazu noch das sagen: natürlich könnte man mit mehr Unterstützung, auch
mehr realisieren, auch im Merkker. Im Merkker ist einfach auch der Rahmen ausgelastet, wir haben
gar nicht mehr mehr Platz. Wir haben gar keine Abende, an denen wir noch mehr machen könnten.
Aber es ist schon so, je mehr finanzielle Mittel, umso mehr Freiheiten hat eine Szene, also auch in der
Kultur. Beispielsweise möchte jemand eine viertägige Ausstellung in der Stadt machen, dann sind die
Mittel sicher nicht da. Also je mehr Mittel da sind, umso mehr Möglichkeiten bestehen auch. Aber
wenn die Mittel reduziert sind, heisst das auch, man muss kreativ versuchen, mit dem was vorhan-
den ist, etwas zu realisieren. In dem Sinn fördert das auch die Kreativität und es entstehen auch viele
gute Sachen dadurch.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Dominic Chenaux

Der Beitrag ist also angemessen. Wenn man etwas realisieren will, dann kann man das auch.

Chenaux: Ja, dann kann man es. Man muss halt auch wieder von vorne aufrollen, Unterstützung ein-
fordern. Aber grundsätzlich, ja eben, der Kostenrahmen oder die Beiträge, die gesprochen werden,
ist immer wieder ein Thema. Man kann auch mit viel Geld falsche Sachen machen, die nicht ge-
braucht werden. Darum ist es auch immer wieder eine Frage, wie viel Geld braucht jetzt das Merk-
ker.

Wo geht man hin, wenn man noch nicht 18 Jahre alt ist?

Chenaux: Also Lokale in dem Sinn oder Veranstaltungen, Konzerte sind ab 18 Jahren, grundsätzlich.
Das ist eine Gesetzgebung wegen der Mündigkeit. Das Jugendkulturlokal Merkker ist halt der einzige
Ort, wo man Veranstaltungen besuchen kann unter 18 Jahren. Als 16 Jähriger in der Stadt Baden geht
man hauptsächlich in Parks, Beizen, Restaurants, öffentliche Plätze. Was vielleicht auch etwas so mit
Szenenbewegungen zu tun hat. Es gäbe noch einen Jugendkeller in der Stadt, von der, ich glaube,
reformierten Kirchgemeinde. Der weisse Keller, der zugänglich ist für 14-16 Jährige, am Wochenen-
de. Aber grundsätzlich ist es schon so, dass diese Leute sich grundsätzlich im öffentlichen Raum be-
wegen oder in Quartieren.

Wäre hier ein Handlungsbedarf? Sollte es einen Ort geben, wo sie auch beispielsweise im Winter
rein gehen können?

Chenaux: Ja, man hat im Winter eine Bedarfsabklärung gemacht und man ist zum Urteil gekommen,
dass es vor allem in der Innenstadt Baden einen Raum braucht für zwischen 14 und 18 Jährige. Dass
die einen Raum brauchen, den man als Freiraum nutzen kann, das heisst, ohne dass die Erwachsenen
zu viel darauf schauen, aber auch einen Begegnungsort, wo sie sich frei fühlen können. Es sollte aber
auch ein begleiteter Betrieb sein, der als Anlaufstelle und Unterstützung für die Jugendlichen dient.
Das ist ein Bedürfnis, das hat man erkannt, das ist eine offizielle Stellungnahme und man hat eine
Gruppe gebildet, die daran ist, ein Lokal zu suchen und ein Konzept auszuarbeiten. Das ist aber nicht
nur Jugendarbeit Baden, die das macht, sondern das ist Jugendarbeit Regio. Das ist verbunden von
Brugg bis Spreitenbach, weil man einfach gemerkt hat, dass die Jugendlichen sich wandeln. Man hat
mehr Flexibilität, man hat mehr Bewegung, also das heisst, es kann durchaus sein, dass einer aus
Turgi regelmässig in der Innenstadt von Baden ist, am Wochenende. Das hat man erkannt. Deshalb
arbeitet man in der ganzen Region zusammen, damit man das in ein Modell fassen kann, dass es für
alle ein wenig stimmt und natürlich auch von der finanziellen Seite her. Dass die Stadt Baden nicht als
einziger Träger auftreten muss. Gerade Wettingen ist ein gutes Beispiel. Wie viele Leute aus Wettin-
gen sind in Baden? Damit man diese Kosten aufteilen kann.

Eine Untersuchung der Stadtpolizei hat ergeben, dass am Wochenende 80% der Jugendlichen von
aussen kommen. Kann dies nicht auch ein Problem sein?

Chenaux: Ein Problem grundsätzlich nicht. Es ist eine Frage, wie bei allen Zentrumsgemeinden, wer
die Kosten trägt. Beispiel bei den Jugendlichen, 80% ist extrem viel, dort gibt es beispielsweise viel
Vandalismus. Also wenn man von Problemen redet, geht man meistens von Lärm, Abfall, Vandalis-
mus aus und Gewalt natürlich. Ja, dann ist es natürlich schon ein Problem, teilweise, denn wer trägt
die Kosten, wenn jemand auswärts Spuren hinterlässt. Das ist trotzdem die Zentrumsgemeinde und
das ist schon ein Problem. Auf der anderen Seite, ich würde weniger von der finanziellen Seite, son-
dern auch ein wenig von der Wahrnehmung von den kleinen Gemeinden herum, sprechen. Dass das
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Baden ist. Infrastruktur Interview Dominic Chenaux

Angebot dort in diesen Gemeinden noch nicht gut genug ausgereift ist. Ich möchte ein gutes Beispiel,
Turgi, ansprechen, mit einem Café für Jugendliche, mit einem Jugendraum, mit einem Veranstal-
tungsraum und einer Ansprechperson, die nur Jugendarbeit macht. Eine kleine Gemeinde, die wirk-
lich gutes Jugendkulturangebot wahrnehmen kann. Turgi ist nicht weit weg von Baden. Sie hätten
sich auch zurücklehnen können und es Baden überlassen. Ich denke, so fährt man gut. Es ist natürlich
auch immer gut, wenn man die Leute kennt von den Agglomerationen. Wenn man weiss, die sind
von Turgi, dann kann man auch mal in Turgi im Jugendraum etwas unterstützen. Also grundsätzlich
kann man sagen, meistens ist es so, dass in den umliegenden Gemeinden das Angebot zu klein ist.
Eigentlich sollte es an den Gemeinden liegen, diese Aufgabe wahrzunehmen. Wenn sie sie nicht
wahrnehmen, dann muss es jemand anders tragen.

Im Einwohnerrat wurde einmal die Frage aufgeworfen, dass es zu wenig Räumlichkeiten für die
jugendliche kulturelle Szene hat. Ist es die Aufgabe der Stadt diese zur Verfügung zu stellen?

Chenaux: Von zwei Seiten ist die Verantwortung. Zum einen ist es die Aufgabe der Eigentümer, der
Grundbesitzer. Das ist eine soziale Verantwortung sozusagen, dass die die Räume haben und sie nicht
nutzen können, dass die diese dann zur Verfügung stellen. Ein Beispiel wäre hier, was jetzt abgerissen
wurde, leider, das ist die Kleiderfabrik. Das war so ein Ort, der weiter genutzt wurde mit einem Not-
mietvertrag. Einfach damit man ihn nutzt und den Raum nutzen kann. Auf der anderen Seite ist es
aber natürlich auch die Aufgabe der Stadt, Kultur zu fördern und dazu gehört natürlich auch der Frei-
raum. Freiraum heisst aber nicht totale Anarchie, sondern eben zum Beispiel Bandräume, Atelier-
möglichkeiten und da ist die Stadt sicher mitverantwortlich mit den Eigentümern dieser Objekte. Das
heisst, eigentlich muss man in einer solchen Gemeinschaft die Leute, die Geld haben, die, die Immo-
bilien haben, ein wenig anprangern und sagen, wenn schon die Möglichkeiten gegeben sind, dann
müssen die die soziale und gesellschaftliche Verantwortung auch wahrnehmen. Manchmal passiert
das und manchmal nicht. Aber die Stadt kann natürlich auch nicht die volle Verantwortung über-
nehmen. Da ist schlussendlich auch ein wirtschaftlicher Faktor dahinter. Aber grundsätzlich, einen
gewissen Teil müssen sie wahrnehmen, ja. Und wir versuchen das im Merkker zum Beispiel ja auch.
Es hat es noch nie gegeben, dass wir gesagt haben, nein das geht nicht. Wenn wir mal was abgelehnt
haben, dann konnten wir das begründen. Das ist nicht der richtige Rahmen, das ist nicht unterstüt-
zungswürdig. Beispiel, diese Flatrateparties, das heisst einmal Eintritt und dann trinken. Dann muss
man sagen, dass das wirtschaftlich unabhängig ist. Im Gegenteil, das ist wahrscheinlich wirtschaftlich
sehr kommerziell und dann muss man sagen, dass die keinen subventionierten, unterstützten Raum
brauchen. Wenn aber jemand eine Ausstellung machen will und weiss, Einnahmen habe ich sowieso
keine, dann ist es klar unsere Aufgabe da einzuspringen. Sozusagen quersubventionieren, im Sinn
dass wir Angestellte und Raum zur Verfügung stellen. Schlussendlich möchte ich die Verantwortung
auch den Jugendlichen selber in die Hand geben. Es gibt viele Objekte, wie das Merkker übrigens
auch, die nicht von der Stadt gegründet wurden. Das ging aus einer Art Demonstration heraus. Die
Jugend hatte zu wenig Raum und hat das gefordert und wenn es gefordert wird und ein Druck da ist,
dann muss sich die Stadt auch fügen. Die Stadt Baden ist da auch ein wenig speziell. Ich finde, ich bin
ein wenig ein gebranntes Kind vom Fricktal, wo man mit Interessen und Anliegen nicht immer will-
kommen ist und in Baden ist das nicht schlecht. Man hat relativ viele Ansprechpersonen, die einem
Unterstützung anbieten. Das finde ich nicht schlecht.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Dominic Chenaux

Der ganze Komplex mit der Seerose wurde ja abgerissen. Sollte man solche alte Gebäude erhalten
oder braucht es einfach eine Erneuerung?

Chenaux: Das ist jetzt eine extrem persönliche Meinung. Ich finde grundsätzlich, also erstens spürt
man es massiv, dass es diese Objekte nicht mehr gibt, dass sie nicht mehr aufgefangen werden kön-
nen. Ich selber sehe in Baden ein wenig ein Problem mit den billigen Räumen. Es hat bald keine be-
zahlbaren Immobilien mehr in der Innenstadt. Es wird alles erneuert. Man hat die Halle 36 neu ge-
macht, auch das Nordportal, das fantastisch ist, aber leider sehr neu und damit sehr teuer. Dann hat
man viele Gebäude, die zwischen genutzt wurden, vom Falken angefangen über die Halle 36, Seero-
se, Kleiderfabrik, das ganze Gstühl, aber auch da hinten, beim Martinsberg rauf. Es sind viele billige
Räume verloren gegangen, die jetzt durch teuren Raum und teuren Platz ersetzt werden. Man redet
ja von dieser Centrification, sagt man, glaube ich, wenn man günstigen Wohnraum umsiedelt oder
vernichtet und durch bauliche und kulturelle Aufwertung ein neues Publikum oder neue Bewohner-
schaft in diese Gebäude rein holt. Ich sehe einfach, normalerweise sollte sich das verschieben, dass
es in ein neues Gebiet geht. Ich sehe das einfach langsam erschöpft hier in Baden. Darum ist eine
gewisse Gefahr da. Beim Merkker zum Beispiel auch. Wir wissen, wir müssen in spätestens fünf Jah-
ren weg sein. Wir sind daran, ein neues Objekt zu suchen und wir stossen natürlich auf viele Proble-
me, weil wir keinen günstigen Raum finden. Es geht sogar so weit, dass man sogar für das Merkker
einen Neubau machen soll. Was ich aber nicht super fände.

Findest du, Baden hat allgemein ein grosses kulturelles Angebot? Beispielsweise Museen, Galerien
usw.

Chenaux: Ja, grundsätzlich schon. Für das, dass es eine eher kleine Gemeinde ist, hat es ein grosses
Angebot. Vor allem in der qualitativ hochstehenden Kultur, Theater, Museum ist es sehr, sehr gut
bedient, finde ich. Beim Atelierraum ist ganz klar ein Mangel da. Das weiss man aber auch. Ansonsten
finde ich, ist das Kulturangebot in Baden, ja (zögert). Ich sage immer, Kultur ist etwas, das sich entwi-
ckelt und nicht organisiert werden kann. Das heisst, Kultur kann man nicht programmieren, sondern
da muss jemand anklopfen und sagen, ich will das und das machen oder das und das versuchen und
darum, das ist auch wieder eine persönliche Meinung, für mich hat es zu wenig Freiraum, zu wenig
Möglichkeiten für Entwicklung. Es wird zuviel programmiert und gestellt. Aber, wir sind halt nicht
Berlin, und das ist auch wieder ein Mangel an Raum, dass das ein wenig provoziert.

Das Kurtheater wird bald renoviert und die Stadt Baden beteiligt sich daran mit einigen Millionen.
Was sagst du dazu?

Chenaux: Wieder eine persönliche Meinung. Da könnte man sich grundsätzlich Fragen über Kultur-
subvention in der Schweiz. Da gibt es ganz tolle Statistiken vom Bundesamt für Statistik, wo sich die
Entwicklungen der Subventionen zeigen und beispielsweise innerhalb der letzten 15 Jahre haben sich
die Kultursubventionen grundsätzlich fast verzehnfacht. Das ist eigentlich ein super gutes Zeichen.
Wenn man aber schaut, wo das Geld hingeht, dann gibt es drei grosse Eckpfeiler. Das sind Theater,
Galerien und Musikschulen, das heisst Orchester, Chöre usw. Jetzt könnte man sich fragen, was ist
unterstützungswürdig. Ich denke, dass es wahrscheinlich sinnvoller wäre das Geld etwas breiter zu
streuen. Auf der anderen Seite kann man aber sagen, gerade mit dem Kurtheater Baden, das ist eine
Institution, die funktioniert, die auch gute Zahlen schreibt, die nicht total abhängig ist von der Un-
terstützung des Staates. Es gibt Theater, die könnten den Betrieb gar nicht führen. Also die könnten
keine einzige Produktion machen ohne Unterstützung. Das ist beim Kurtheater ja nicht der Fall. Dar-

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Baden ist. Infrastruktur Interview Dominic Chenaux

um denke ich, unterstützungswürdig ist es so auf jeden Fall. Man kann sich aber grundsätzlich fragen,
ist es sinnvoll Galerien und Ausstellungen und so viele Theater zu fördern, wenn man kein Publikum
dafür hat? Aber es ist Kultur und genau aus diesem Grund ist es unterstützungswürdig.

Dann zu einem anderen Thema und zwar zur öffentlichen Sicherheit. Damit werdet ihr sicher auch
oft konfrontiert im Merkker. Kann man sagen, man ist, beispielsweise am Samstagabend, sicher in
der Stadt unterwegs?

Chenaux: Ja, sehr. Ich denke schon. Wir haben in den letzen zwei Jahren sehr viel daran gearbeitet,
am Thema Gewalt, Vandalismus und Littering und Lärm ist auch ein riesen Problem, ist für mich aber
nicht so prioritär. Ich denke, das wird es immer geben, das gehört zur Jugend. Was man wirklich beo-
bachtet hat, sind die Gewaltausschreitungen, die starken und vor allem die massiven. Es ist also nicht
bei Schlägereien geblieben, sondern es geht weiter. Grundsätzlich ist, finde ich, in Baden wieder sehr
viel Ruhe eingekehrt. Das ganze wurde auch gepuscht durch die Medien, aufgepeitscht durch Fern-
sehbeiträge. Man ist sehr sicher in der Stadt Baden, ja. Gerade im Fall vom Sicherheitskonzept der
Stadt Baden und der Clubs usw., muss man wirklich langsam sagen, es funktioniert. Wir haben jetzt
wirklich nur noch kleine Ausschreitungen und die halten sich wirklich in einem ganz kleinen Rahmen.
Also ich denke schon, man ist sicher.

Man sieht oft Securitas in der Stadt, vor allem an den Wochenenden. Was hältst du davon, wenn
sich Private um die Sicherheitslage kümmern?

Chenaux: Ja, da muss man sagen, die Firmen sind mit einem Leistungsauftrag von der Stadt anges-
tellt. Das heisst, die arbeiten im Namen der Stadt, sind sozusagen ausserordentliche Polizisten. Sie
haben also auch gewisse Polizeirechte. Zum Beispiel, sie dürfen den Verkehr lenken, sie dürfen Leute
aufhalten, sie dürfen Leute kontrollieren. Das ist nur möglich, wenn sie im Auftrag der Stadt arbeiten,
sonst wäre das gar nicht möglich. Ich möchte dazu noch was sagen. Soziale Verantwortung heisst
eben auch von den Besuchern soziale Verantwortung. Das ist etwas, was wir im Merkker extrem spü-
ren. Wenn bei uns jemand schlägt, dann hört er von allen Seiten, hey spinnst du, im Merkker schlägt
man niemanden, das ist wie eine Stube. Zuhause prügelt man auch nicht. Das ist für mich sehr schön,
dass ich weiss, dass mein Publikum, meine Stammgäste sich dafür einsetzen und auch Leute verurtei-
len, die Gewalt anwenden. Und das verlange ich auch mehr auf den öffentlichen Plätzen. Wenn ich
sehe wie eine erwachsene Person vorbeilaufen kann, während einer eine Flasche auf den Boden
wirft. Dann würde ich zuerst den Erwachsenen an den Ohren nehmen und würde ihn fragen, warum
er nichts sagt und dann würde ich zum anderen gehen und sagen, das ist non sense. Aber eben das,
finde ich, müsste man ein wenig fördern in der Stadt. Aber es gibt da auch Projekte, wie ich gehört
habe, die das in Zukunft etwas fördern. Aber grundsätzlich, die Sicherheit in Baden ist gewährleistet.

Ist die Ausbildung der Securitas genügend?

Chenaux: Wir sind einer der wenigen Kantone, die seit dem Januar 2008 eine Zertifizierung von Si-
cherheitspersonal erfordert. Das heisst, nicht jeder einzelne Angestellte, aber die Leiter bzw. die
Teamleader dieser Sicherheitsfirmen werden von der Kantonspolizei abgenommen. Dazu gehört
nicht nur ein Lehrgang sondern auch eine Prüfung. Darum kann man eigentlich sagen, im Kanton
Aargau zumindest, wird man keine Rambos mehr finden. Wenn man, das gibt es ab und zu wieder,
dass es schwarze Schafe gibt. Man merkt das aber relativ schnell. Wir haben das letztes Jahr im LWB
bemerkt, denn wir arbeiten mit allen Clubs da zusammen. Wir sitzen einmal im Monat zusammen
und besprechen solche Sachen. Wir haben gemerkt, wir haben einen, der ein wenig komisch auftritt
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Baden ist. Infrastruktur Interview Dominic Chenaux

und es ist genau eine Woche gegangen und der war nicht mehr in Baden, der steht jetzt in Zürich
irgendwo. Das Problem ist nicht gelöst damit, aber im Kanton Aargau sollte es das nicht mehr geben.

Dann zur Verkehrssituation. Findest du, die öffentlichen Verkehrsmittel sind gut ausgebaut? Auch
noch spät am Abend?

Chenaux: (zögert) Da weiss ich fast zu wenig darüber. Ich bin leider abhängig von meinem Auto. Ich
weiss, dass man eigentlich noch in der ganzen Nacht bis Basel kommt usw. Wie es in der Aglo aus-
sieht, weiss ich zu wenig. Da kann ich keine Meinung dazu kund tun. Ich merke es manchmal daran,
der letzte Bus fährt ziemlich früh. Da gäbe es sicher auch eine bessere Möglichkeit. Es gibt vielleicht
Nachtbusse, das wüsste ich gar nicht.

Die meisten Clubs in Baden schliessen um vier Uhr. Die ersten Busse fahren aber erst wieder um
fünf/sechs Uhr. Birgt das Probleme?

Chenaux: Ich denke, das ist ein wenig ein Problem. Um vier geht alles zu und es hat nichts offen, aus-
ser einem Club, so in der Halbillegalität, wo man um vier noch ein wenig rein gehen kann, wenn man
den Normen dieses Clubs entspricht. Aber ja, ich finde, das ist ein Problem. Ich finde die Idee von
einem Sammeltaxi oder so eine gute Lösung. So ein Regioshuttle, dass wenigstens die umliegenden
Gemeinden noch angefahren werden. Von da kann man dann nach Hause laufen. Wobei, ob sich das
lohnt. Wir arbeiten noch mit der Taxigesellschaft zusammen. Ich weiss, das ist ein teurer Spass. Auf
der anderen Seite kommen wir den Leuten entgegen und sponsern den Leuten zu mindest mal sechs
Franken, wenn sie ein Taxi nehmen. Also sie bekommen einen Gutschein von uns, den kann man an
der Bar verlangen. Man muss dazu sagen, die Taxigesellschaft in Baden ist da ziemlich kulant. Norma-
lerweise gibt es eine Regelung, dass man nicht mehr als drei Personen mitnimmt. Taxi Baden drückt
da noch ein Auge zu. Es ist keine Lösung, ich weiss, aber immerhin.

Du sagtest, du bist oft mit dem Auto unterwegs. Ist das einfach in Baden?

Chenaux: Ja, sehr. Mit den vielen Parkplätzen und so, provoziert man schon ein wenig, dass die Leute
mit dem Auto kommen. Es ist nicht ideal mit der langen Einfahrt, mit den vielen Staus, da von den
Autobahnen her, von allen Seiten. Zudem muss man sagen, viele Leute, die in Baden arbeiten, woh-
nen nicht hier und die, die in Baden wohnen, arbeiten nicht hier. Dies verursacht halt viel Verkehr.
Aber grundsätzlich muss man sagen, der Verkehr ist ziemlich gut ausgebaut, denke ich, mittlerweilen.
Da müsste man vielleicht auch ein wenig abwarten. Wir haben ja einen Bevölkerungsrückgang, einen
ziemlich starken. Da weiss ich auch nicht, ob sich das lohnt, weiter auszubauen. Da habe ich zu wenig
Ahnung.

Wie sieht die Situation mit dem Velo aus? Gibt es beispielsweise genügend Veloparkplätze, wo ich
mein Velo auch am Abend sicher abstellen kann?

Chenaux: Überwachte gibt es, glaube ich, keine in Baden. Es gibt Veloparkplätze, diverse. Auch solche
an nicht so frequentierten Stellen, wo also nicht so viele Leute vorbei kommen. Beispiel vor der
Stadtbibliothek, sogar mit Unterstand. Aber bewachte hat es keine in dem Sinn. Es hat dafür aber
überall Veloparkplätze. Das kenne ich sonst auch nicht.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Dominic Chenaux

Kleine Zwischenfrage. Wohnst du in Baden?

Chenaux: Nein, ich komme aus dem Fricktal.

Dann können wir noch ein paar andere Fragen durchgehen, die nicht direkt mit dem Merkker zu
tun haben. Tätigst du manchmal auch deine Einkäufe hier in Baden?

Chenaux: Ja, doch, doch. Zum Lädeln ist es der Hammer, angeblich. Ich bin da kein grosser Konsu-
ment. Ich kaufe nur, was ich brauche. Aber anscheinend für eine so kleine Stadt ist es super zum Lä-
deln oder so. Die Einkaufsmöglichkeiten sind, glaube ich, gegeben.

Ist es auch für Auswärtige attraktiv nach Baden einkaufen zu gehen?

Chenaux: Ich denke es durchaus. Vor allem hat es hier ein paar Läden, die es sonst nirgends gibt.
Viele noch so kleine Detailhandel, in der Altstadt, was es sonst ja fast nicht mehr gibt. Da muss ich
schon sagen, das ist cool.

Kennst du öffentliche Plätze in Baden?

Chenaux: Ja, doch doch. Die kenne ich recht gut von der Jugendarbeit her.

Findest du, die sind gut gestaltet? Laden sie zum Verweilen ein?

Chenaux: Man will es ja nicht. Man will ja nicht, dass sich zu viele Leute auf diesen Plätzen aufhalten.
Das plant man architektonisch auch so. Gerade im Beispiel des neuen Theaterplatzes hätte man die-
sen Platz natürlich viel besser nutzen können. Ist aber nicht das Ziel. Der Platz soll nicht bevölkert
werden oder nicht überbevölkert. Ich finde, es gibt ein paar ganz schöne Orte, wo man es sich ge-
mütlich machen kann. Es hat eine schöne Altstadt, schöne Parks. Eben ob das geduldet wird, ist dann
die andere Frage. Oder was geduldet wird. Es kommt immer auch ein wenig darauf an, wie man sich
dort benimmt. Aber grundsätzlich finde ich es recht cool, auch so mit dem Bahnhofsplatz. Da ist jetzt
ziemlich jeden Samstag irgendein Verein irgendwas am Machen. Das finde ich echt cool.

Werden sie auch gut unterhalten?

Chenaux: Unterhalten, ja, gereinigt, sagen wir mal so. Unterhalten heisst in diesem Sinn ja auch, dass
man auf einem Platz wie dem Theaterplatz, zum Beispiel auch, was soll ich sagen, irgendein Frisbee
holen kann, oder Bocciakugeln. Das wäre zum Beispiel gut unterhalten. Das ist jetzt cool, es gibt da so
ein Projekt, Container, in der Stadt, ab diesem Sommer. Da gibt es diverse Aussenstellen in einem
Container, wo mit vielen Möglichkeiten, mit Sachen die man nehmen kann, wie Infomaterial, aber da
hat es auch Leute, die sich den Jugendlichen annehmen. Dort gibt es auch die Möglichkeit, dass man
da seine Bocciakugeln holen kann, was ich recht cool finde.

Kennst du den Trafoplatz? Was hältst du von diesem?

Chenaux: (zögert) Ist ganz klar ein Platz, der gemacht worden ist, dass man den für Veranstaltungen
nutzen kann. Es ist kein Platz geschaffen worden, um sich da lange aufzuhalten.

Wäre es nicht auch das Ziel eines Platzes, einen Raum zu schaffen, wo sich die Bevölkerung aufhal-
ten kann?

Chenaux: Jetzt muss man aber fragen, wem gehört dieser Platz? Der ist nicht der Stadt Baden.
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Baden ist. Infrastruktur Interview Dominic Chenaux

Sie hat ihn aber mitfinanziert und auch bei der Planung mitgewirkt.

Chenaux: Ja, das ist eben der grosse Spagat, den die Stadt schaffen muss. Den wirtschaftlichen Grös-
sen gerecht zu werden und diese gut zu behandeln und der Bevölkerung etwas zu bieten. Das ganze
neue Baden dort hinten. Da hat es ganz viele Plätze, die man nutzen könnte. Mann muss aber auch
sehen, das ist der grösste Steuerzahler im Kanton, der Betrieb da. Somit haben die halt auch Anrecht
auf ihre Stimme. Ich finde aber auch klar, man sollte die grossen Plätze in Baden besser ausbauen. Es
beginnt bei Abfalleimern, Bänken über Kunstobjekte, Lichtobjekte, schön machen. Das könnte man
also schon. Ist sicher ein Bedürfnis. Aber eben, da kommt man in Konflikt mit Anwohnern, mit Besit-
zern, da gibt es ganz viel Konfliktpotential.

Schwerpunkte:

 Genügende Unterstützung durch Stadt, finanziell wie auch psychologisch


 Raum für unter 18 Jährige
 Zusammenarbeit der Jugendarbeit in der Region, da viele nach Baden kommen.
 Zentrumsgemeinde
 Umliegende Gemeinden machen zu wenig.
 Verantwortung für Räume für jugendliche kulturelle Szene:
Stadt Baden, Eigentümer der Gebäude und Jugend
 Keinen billigen Raum mehr in Baden. Alles neu und teuer.
 Gutes kulturelles Angebot
 Zu wenig Freiraum
 Kultur ist unterstützungswürdig, also auch das Kurtheater.
 Man ist sicher in Baden
 Gute Ausbildung für private Sicherheitsfirmen
 Ganz spät keine Busse mehr
 Grundsätzlich Verkehr gut ausgebaut; Staus bei Einfahrt nach Baden.
 Weiterer Ausbau aufgrund des Bevölkerungsrückgangs ev. überflüssig.
 Gut zum Lädeln in Baden
 Plätze besser ausbauen

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Baden ist. Infrastruktur Interview Barbara Riecke

Interview Nr. 11
Interviewer: Yvo

Interviewpartner Name: Barbara Riecke

Funktion: Leitung Kurtheater Baden

Ort, Datum: Baden , 28.05.2008

Sie wohnen ja in Zürich, wie kommen Sie denn von Zürich nach Baden?

Riecke: Ich komme mit dem ÖV, genauer gesagt mit dem Zug.

Sind die Zugverbindungen gut?

Riecke: Ja, finde ich gut.

Und sonst in Baden, brauchen Sie den ÖV um irgendwo hin zu kommen oder nicht?

Riecke: Also ich gehe viel zu Fuss, ich gehe auch gerne zu Fuss und sonst mit dem Velo, mit dem ÖV
eigentlich nicht.

Kommen Sie auch manchmal mit dem Auto nach Baden?

Riecke: Nein, nie.

Kommt man abends noch gut mit dem ÖV nach Hause, vor allem wenn Sie wohl nach irgendwel-
chen Aufführungen nach Hause müssen, oder hat es dann zu wenig Züge?

Riecke: Also ich denke, man kommt schon noch nach Hause, ich hatte noch nie Probleme. Aber ich
fahre auch nie später als 23 oder 24 Uhr nach Hause.

Tätigen Sie ihre Einkäufe auch hier in der Stadt oder flanieren Sie manchmal auch durch die Stadt?

Riecke: Ja.

Hat es denn hier genügend Läden, wo man auch alles findet oder vermissen Sie etwas?

Riecke: Nein, ich habe bis jetzt noch nichts vermisst.

Was halten Sie von der Fussgängerzone hier, ist die genügend gross oder sollte man die noch wei-
ter ausbauen? Und hat es auch genügend und schöne Plätze?

Riecke: Eigentlich gefällt es mir schon, ich bin ja zwar nicht so oft da und bin nicht jeden Tag in der
Stadt und mache auch nicht immer meine Einkäufe hier aber ich finde es gefällt mir.

Hat es denn auch genügend Restaurants und Cafés? Sind die auch vielfältig, also hat es beispiels-
weise nicht nur italienische Restaurants?

Riecke: Ja, ich finde schon, dass es genügend hat. Ich habe noch nichts vermisst.
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Baden ist. Infrastruktur Interview Barbara Riecke

Kommen wir nun auf das Kurtheater zu sprechen. Wie sieht es mit dem Verlauf der Besucherzahlen
in den letzten paar Jahren aus, sind die gestiegen, gesunken oder etwa gleich geblieben?

Riecke: Die sind ein wenig gesunken in den letzten Jahren.

Dagegen haben Sie sicher Massnahmen ergriffen? Was probierte man denn genau, dagegen zu
machen?

Riecke: Also es gibt jetzt eine neue künstlerische Leitung, das bin ich. Und man versucht das Kurthea-
ter attraktiv zu machen, indem man jetzt einen Umbau plant, also einen Um – und Erweiterungsbau
für das Jahr 2010. Damit versucht man wirklich, einen Schritt in die Zukunft zu gehen mit dem Kur-
theater.

Könnten Sie vielleicht kurz beschreiben was sich beim Umbau alles verändern wird?

Riecke: Das ist natürlich schwierig, aber es ist vor allem nötig, dass etwas passiert, weil das Kurthea-
ter in den 50er Jahren erbaut wurde und seither eigentlich nichts, ausser dem technischen Bereich
renoviert wurde und sonst wurde eben sehr wenig renoviert. Das heisst auch, dass das Haus aus Si-
cherheitsgründen und auch aus klimatischen Gründen eine Rennovation braucht. Man friert im Win-
ter in dem wunderschönen Saxfoyer. Im Glasfoyer friert man im Winter, weil es nur einfach verglast
ist und man heizt alles nach draussen und es zieht hinein und das muss jetzt gemacht werden. Im
Zuge dessen hat man sich auch überlegt, dass man den Bau verschönert und attraktiver macht, also
nicht jetzt einfach die Reparaturen, sondern den Bau auch wirklich verschönert. Da gab es auch einen
Architekturwettbewerb und eine Bedingung war, dass dieses Saxfoyer erhalten bleibt, in welcher
Form auch immer, aber dass es so erhalten bleibt, denn es gibt keinen kompletten Neubau. Das Sie-
gerprojekt sieht vor, dass das Saxfoyer vergrössert wird, aber so als eigentliches erhalten bleibt.

Der Kurpark wird jetzt auch renoviert, begrüssen Sie diese Massnahme?

Riecke: Ja, das kann ich nicht so beurteilen, weil ich noch nicht lange hier bin, nur als ich kam, also
mich hier beworben habe, machte er mir einen guten Eindruck, weil diese alten Bäume sind ja wun-
derschön. Ich hoffe, dass er schön bleibt.

Das Kurtheater hat ja eine grosse und eine kleine Bühne und dann gab es eine Ausschreibung von
einer mittleren Bühne, die ging dann aber jedoch nach Aarau. Finden Sie denn, Baden bräuchte
dennoch eine solche mittlere Bühne?

Riecke: Also ich glaube schon, dass es für den Kanton eine mittlere Bühne geben muss. Es wäre je-
doch schön gewesen wenn man diese mit dem Umbau ins Kurtheater hier in Baden integriert hätte.
Es hätte natürlich schon eine grössere Veränderung gebraucht, wenn man die mittlere Bühne integ-
riert hätte. Aber ich denke schon, dass es eine mittlere Bühne braucht.

Was wissen Sie vom sonstigen Kulturangebot in Baden? Können Sie mir vielleicht einige Beispiele
nennen?

Riecke: Ich finde, es hat ein gutes Musikangebot in Baden, ich bin sehr oft am Fantoche, ich war am
Figurafestival, ich war im Museum Langmatt und habe mich jetzt auch im Theaterprojekt „Hotel of-
fen“, welches unten im Bäderhotel war, engagiert. Ich gehe aber auch viel ins Thik, das Theater im
Kornhaus und ja, das ist meine momentane kulturelle Aktivität hier in Baden.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Barbara Riecke

Waren Sie auch am Bluesfestival?

Riecke: Nein, das habe ich nicht geschafft, aber an der Badenfahrt war ich.

Finden Sie das kulturelle Angebot in Baden genügend gross, oder vielleicht sogar zu gross?

Riecke: Nein, zu gross ist es sicher nicht. Ich finde, Baden ist kulturell sehr interessant. Für die Grösse
der Stadt gibt es kulturell hier sehr viel. Aber man kann nicht sagen, es wäre zu viel.

Wird Ihrer Meinung nach das Kulturangebot genügend gut nach aussen publiziert?

Riecke: Das kann ich noch nicht beurteilen, denn ich bin neu hier. Ich denke, dass ich in einem Jahr
das genauer sagen kann.

Als ich mit Herrn Müller aus der Kulturkommission gesprochen habe, hat dieser erwähnt, dass eine
Kulturzeitschrift in Zusammenarbeit mit Aarau im Gespräch ist.

Riecke: Ja, ja diese Zeitschrift mit Aarau zusammen, in dieser Kommission bin ich auch, das finde ich
auch gut.

Was wollen Sie denn konkret in dieser Zeitschrift publizieren?

Riecke: Das Kulturprogramm und ein bisschen Politik, also Kulturpolitik. Ich fände es gut, wenn es
mehr eine Zeitschrift wäre, die auch ein wenig freche und provokante Artikel hätte, also ein wenig
mehr in Richtung Zeitschrift ginge, damit man auch Leute erreicht, die jetzt nicht so ein reines Kul-
turprogramm lesen. Also einen starken redaktionellen Teil, dass es eine breitere Schicht anspricht.

Wie sieht Ihr Publikum altersmässig aus?

Riecke: Also das Stammpublikum ist sicher älter. Wir haben aber auch ein grosses Angebot für Schu-
len und Kinder und ich werde versuchen, jetzt auch verstärkt ein Programm für junge Leute zu ma-
chen. Also es gibt zwei Schwerpunkte in der nächsten Spielzeit, Zukunft 1 und Zukunft 2, mit jeweils
drei Vorstellungen hintereinander für junge Leute, also richtig für ein jugendliches Publikum, sprich
Teenager und älter und abends mit Gesprächsrunden, um die Leute mit Musik und Barbetrieb noch
ein wenig hier zu behalten. Also das ist ein Versuch, das Publikum ein wenig zu verjüngen.

Was für einen Ruf hat Baden denn in der Stadt Zürich? Hört man von Baden überhaupt etwas aus-
ser, dass das Grand Casino hier steht?

Riecke: Also man muss ganz ehrlich sagen, in Zürich hat Baden, vom ganzen Kanton Aargau, den al-
lerbesten Ruf. Als ich nach Baden ging und sagte, dass ich dort im Kurtheater die künstlerische Lei-
tung übernehme, haben alle Leute gesagt, Baden ist gut, Baden ist cool. Wenn ich aber in die Kan-
tonshauptstadt gegangen wäre, hätten die Leute das glaube ich nicht so positiv gesehen. Baden hat
also einen guten Ruf in Zürich.

Hört man denn auch vom Thermalbad hier in Baden noch etwas und geht man hier noch ins Ther-
malbad?

Riecke: Ja, ich kenne Leute, die ins Thermalbad gehen, nicht viele, aber ein paar.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Barbara Riecke

Haben Sie sonst noch etwas, was Sie vielleicht sagen möchten?

Nein, ich glaube nicht, es gefällt mir hier sehr gut.

Schwerpunkte:

 Kurtheater und Programm


 Renovation Kurtheater und mittlere Bühne
 ÖV Zürich – Baden sehr gut
 Kulturzeitschrift neu herausgeben
 Ruf Badens in Zürich ist der beste des Aargaus

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Baden ist. Infrastruktur Interview Anna Garavaglia Albrecht

Interview Nr. 12
Interviewer: Yvo

Interviewpartner Name: Anna Garavaglia Albrecht

Funktion: Schulpflege Baden

Ort, Datum: Baden, 04.06.2008

Welches Verkehrsmittel benutzen Sie hauptsächlich wenn Sie in der Stadt unterwegs sind?

Garavaglia Albrecht: Vor allem das Velo

Sind demnach die Velowege genügend gut ausgebaut und hat es sie auch an den wichtigen Orten?

Garavaglia Albrecht: Ich finde, dass es nicht so wahnsinnig viele Velowege hat, auf der Hauptachse
sind sie gut, aber generell wenn man auf der Hauptstrasse fährt, ist es halt nicht so angenehm neben
den vielen Autos zu fahren. Aber dafür ist es eigentlich das schnellste Fortbewegungsmittel in der
Stadt.

Benützen Sie denn auch den ÖV?

Garavaglia Albrecht: Ja, generell nehme ich schon oft den ÖV, wenn ich aber gross einkaufen gehe,
dann eher weniger, weil man mit dem Auto die Sachen weniger herumschleppen muss. Aber sonst,
wenn ich zu jemandem zu Besuch gehe, benutze ich eigentlich immer den ÖV. Auch sonst, wenn es
zu weit mit dem Velo ist um etwas zu erledigen oder es viel bergauf gehen würde, dann nehme ich
auch meistens die öffentlichen Verkehrsmittel oder das Auto.

Wenn Sie mit dem Auto beispielsweise einkaufen gehen, hat es dann genügend Parkplätze hier in
der Stadt oder hat man Mühe welche zu finden?

Garavaglia Albrecht: Also ich finde, ausser in dem Quartier in dem ich wohne, hat es ein recht gutes
Angebot an Parkplätzen, was Parkhäuser anbelangt. Wenn man jetzt öffentliche Verkehrsplätze, im
Sinn von dem, dass man nicht in ein Parkhaus muss sondern das Auto neben der Strasse parkieren
kann, finde ich, hat es fast zu wenig. Aber es ist halt auch eine Ermessenssache, wie viele Parkplätze
man haben will. Hier in der Innenstadt hat es ja viele Parkhäuser, also ich finde es hat schon fast zu
viele. Hingegen in den Strassen in denen die Leute wohnen, ist es dann wiederum schwierig
Parkplätzte zu finden, wie zum Beispiel im Martinsbergviertel da hat es praktisch keine Parkplätze.
Aber es hat auch andere Quartiere, wo man die Parkplatzsuche gerade vergessen kann.

Was haben Sie für eine Meinung zur Fussgängerzone in der Innenstadt? Begrüssen Sie es, dass man
jetzt auch den Blinddarm für den Verkehr schliesst, oder sehen Sie darin eher ein Problem, vor al-
lem bezüglich der Verkehrssituation?

Garavaglia Albrecht: Also wie es nachher aussieht, kann ich jetzt noch nicht beurteilen, denn ich kann
mir solche Sachen nicht gut vorstellen. Ich kann es verstehen, dass die Raserei bei der Kurve vor dem
Manor nicht so gut angekommen ist, aber ich finde auch schade, dass man jetzt überall Schwellen in

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Baden ist. Infrastruktur Interview Anna Garavaglia Albrecht

die Strasse einbaut um den Verkehr zu verlangsamen und das finde ich manchmal auch ein wenig
störend. Aber sonst finde ich es schön wenn es viele Orte gibt wo man einfach einmal ein wenig fla-
nieren kann.

Die Primarschulen sind in der Stadt ja dezentral gebaut. Finden Sie es gut, so wie es momentan ist
oder sollte man die eher an einem Ort zusammenlegen, beispielsweise aus administrativer Sicht?

Garavaglia Albrecht: Ja darüber hatten wir schon viele Diskussionen in letzter Zeit in der Schulpflege,
weil zum einen sagt man, dass es für die kleinen Kinder schön ist, wenn sie in der Nähe in die Schule
gehen können und über den Mittag nach Hause gehen können. Aber da gab es auch Diskussionen,
dass der Schulweg für die Kinder auch eine wichtige Erweiterung ihrer Persönlichkeit ist. Also das
Erleben „wie gehe ich in die Schule, was passiert da alles sonst noch um mich herum in der Stadt“
und darum ist es sicherlich nicht wünschenswert, wenn Kinder einen zu kurzen Schulweg haben.
Aber das Problem mit dem wir immer wieder konfrontiert werden, ist eben die schon genannte de-
zentrale Lage. Ich finde, es ist halt schon schön, aber es bringt auch enorme administrative Probleme
mit sich. Man muss dann jeweils schauen wie man die einzelne Schule vor Ort führt, weil der Schullei-
ter muss, so wie es jetzt ist, mehrere Schulhäuser an verschiedenen Orten betreuen und man braucht
auch mehr Schulleiter, wenn die Schulen so verteilt sind. Es ist schwierig.

Wie würde die Situation denn aussehen, wenn allenfalls das Bildungskleeblatt eingeführt wird?

Garavaglia Albrecht: Ja, da sind wir schon gespannt darauf, denn das hätte ja zur Konsequenz, dass
wir neue Räume bauen müssten für die Betreuung der Kinder und auch sonst Umbauten vornehmen
müssten, was natürlich auch Kosten mit sich bringt. Ein weiteres Problem ist dann auch, dass man die
Übersicht an den verschiedenen Orten nicht verliert. Das wird sicher eine spannend Herausforde-
rung, vor allem was die Schulraumplanung anbelangt. Aber im Moment haben wir dafür verschiede-
ne Szenarien, die wir anschauen und sobald einmal der Entscheid definitiv ist, ob das Bildungsklee-
blatt jetzt kommt oder nicht, werden wir die verschiedenen Szenarien genauer anschauen.

Wie sieht es denn im Moment mit der Lehrersituation aus? Finden Sie genügend Lehrekräfte oder
hat es auch Stellen wo man wirklich fast niemanden findet?

Garavaglia Albrecht: Also Baden hat ein gutes Ansehen was die Schule anbelangt, die Lehrer kommen
also gern nach Baden zur Arbeit. Aber zum Teil ist es halt schwer eine Lehrperson zu finden, die wirk-
lich genau die spezifischen Fähigkeiten mit sich bringt, die wir brauchen, also eben beispielsweise
genau das Pensum belegt, welches wir brauchen. Da haben die Schulleiter zum Teil schon richtige
Turnübungen machen müssen, um wirklich alle Stellen gut zu belegen, die sie brauchen. Aber der
Lehrermangel ist eigentlich hier noch nicht so gross, aber ich denke, dass es in der Zukunft schon ein
Problem geben könnte, wenn sich wieder Veränderungen im Schulsystem ergeben, weil es sieht so
aus, dass sich einiges verändern wird.

Mit der Sekundar- und Realschule haben Sie auch keine Probleme dort Lehrer zu finden?

Garavaglia Albrecht: Also in der Sekundar- und Realschule ist es halt schon schwieriger, genau das zu
finden was wir suchen, aber wir hatten eigentlich noch nie grosse Probleme, diese Stellen zu beset-
zen.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Anna Garavaglia Albrecht

Es gibt ja auch Schulen für Erwachsene, die diverse Weiterbildungsmodule anbieten. Die Migros
Clubschule, die auch ein breites Angebot hat. Nutzen Sie denn selbst ein solches Angebot?

Garavaglia Albrecht: Also in Baden selber nicht, aber ich mache sonst schon Weiterbildungen, die
eben nicht hier sind, darum habe ich selbst dieses Angebot in Baden nicht genutzt und weiss auch
nicht so genau was wirklich angeboten wird.

Benutzen Sie denn bei Gelegenheit auch die Stadtbibliothek?

Garavaglia Albrecht: Also ich war dort schon ein paar Mal. Ich finde schön, dass die Stadt so etwas
hat. Selber zum Teil ist mein Problem, dass wenn ich Fachliteratur suche, dass diese oft sehr spezi-
fisch ist und dann gehe ich eher nach Zürich. Aber ich finde es wichtig, dass Baden eine Stadtbiblio-
thek hat. Das Problem, das ich einfach sehe, ist, dass man mittlerweile ein wenig faul geworden ist, in
die Bibliothek zu gehen, weil man im Internet so viel findet und dass man da schauen muss ob man
nicht gewisse Sachen erweitern muss. Beispielsweise, dass es gewisse Möglichkeiten gibt, dass man
Bücher digitalisiert und online stellt und von zu Hause so auf die Bücher der Stadtbibliothek über das
Internet zugreifen kann.

Wie sieht es mit Kindertagesstätten in Baden aus?

Garavaglia Albrecht: Da ich keine kleinen Kinder habe, kenne ich mich da nicht so aus, ich weiss aber,
dass wir in Baden das Angebot momentan am Ausbauen sind, auch in Anbetracht der Tagesstruktu-
ren. Wir haben jetzt ja schon eine Tagesschule, einen Tageshort, wir haben Kinderkrippen, wir haben
Mittagstische, also wir haben einiges, das bezüglich Kinderbetreuung angeboten werden kann hier in
Baden. Ich kann mir auch vorstellen, dass man ein Ferienbetreuungsangebot machen könnte, damit
die Eltern noch flexibler arbeiten können. Es gibt also halt schon noch Verbesserungen, die man da
durchführen kann, aber ich würde nicht sagen, dass Baden in dem Bereich anderen Städten völlig
hinterherhinkt.

Sind Sie denn in einem Verein tätig?

Garavaglia Albrecht: Nein, ich bin nur in der Schulpflege.

Hat es genügend Turnhallen oder auch Fussballplätze in der Stadt und sind die dort wo man sie
wirklich braucht? Oder liegen die alle an einem Ort beisammen?

Garavaglia Albrecht: Also ich weiss es nicht genau, es ist noch schwierig zu beurteilen, dafür kenne
ich mich zu wenig aus.

Wo kann man sich in Baden Ihrer Meinung nach am Besten erholen?

Garavaglia Albrecht: Also ein Spaziergang an der Limmat ist sicher etwas ganz schönes. Ich liebe aber
auch den Platz, den sie auf dem ehemaligen Friedhof gebaut haben. Da finde ich vor allem sehr
schön, wie man sieht, was man wirklich aus dem Ort alles herausgeholt hat. Ich wohne ja auch gleich
nebenan. Also ich finde, in Baden hat es einige angenehme Ecken.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Anna Garavaglia Albrecht

In diesem Fall braucht es in Baden keine weiteren grosse Plätze und Pärke, nachdem der Schloss-
bergplatz jetzt ja auch noch neu gemacht wird?

Garavaglia Albrecht: Ich denke, man sollte schon schauen, dass man vielleicht nicht gleich alles ver-
baut, es muss ja nicht zwingend an noch freien Plätzen ein Park entstehen. Aber ich finde es nicht
schön, wenn alles völlig überbaut wird. Daher würde ich sagen, man muss nicht unbedingt mehr Plät-
ze haben aber man muss schauen, dass ein gewisses Gleichgewicht zwischen Überbauungen und
Plätzen nicht verloren geht.

Ich vermute, Sie tätigen Ihre Einkäufe hier in der Stadt. Vermissen Sie dabei jeweils ein bestimmtes
Geschäft?

Garavaglia Albrecht: Was mir in der Stadt fehlt, ist ein Bau- und Hobbymarkt, weil dafür braucht man
wirklich das Auto, um zum Beispiel in den Jumbo zu fahren. Aber sonst finde ich, ist das Angebot sehr
gut, man hat viele Auswahlmöglichkeiten. Man kann in den Manor, Migros, Coop, dann hat es kleine
Läden, Buchläden und viele Kleiderläden.

Wie sieht es denn mit dem Angebot bei den Cafés und Restaurants aus? Hat es da zu viele oder
eher zu wenige oder fehlen sie beispielsweise auf gewissen Plätzen?

Garavaglia Albrecht: Ich finde, mir fehlen Cafés, die am Sonntagnachmittag auch einmal etwas länger
offen haben, weil dadurch geht ein wenig von der guten Atmosphäre verloren, wenn man immer so
früh wieder gehen muss. Und die Cafés sollten dann aber nicht zu fest zugeraucht sein weil das so
angenehmer ist. Aber sonst finde ich, hat Baden eine sehr gutes Angebot, ausser dass eben die Cafés
und Restaurants für meine Verhältnisse zu früh schliessen.

Was denken Sie denn, macht die Stadt Baden für auswärtige Leute attraktiv?

Garavaglia Albrecht: Ich denke, sicher das Angebot an Unterhaltung, welches die Stadt bietet. Aber
auch wegen der vielen Bars und Cafés ist Baden sicherlich interessant für Leute aus der Umgebung.
Für Leute aus Zürich, denke ich aber eher weniger, weil die haben mit Zürich auch eine grosse Met-
ropole, wo sie viel unternehmen können. Was vielleicht etwas fehlt, sind die kleinen Theater.

Sie haben bereits ein wenig von der Kultur in Baden jetzt etwas gesagt. Was für Museen oder Gale-
rien kennen Sie, die in Baden sind und nutzen Sie diese?

Garavaglia Albrecht: Also ich bin nicht so ein Museumsfan, ich habe es viel lieber, wenn etwas live
geschieht oder interaktiv gestaltet wird. Aber das Landvogteischloss gefällt mir gut, ich weiss auch
dass es ein Kindermuseum gibt, aber eben wie schon gesagt ich bevorzuge es, wenn etwas live ge-
schieht.

Das Kurtheater wird ja momentan renoviert. Begrüssen Sie das demnach, da Sie lieber etwas live
sehen?

Garavaglia Albrecht: Ja, also ich sage es mal so, ich finde es grundsätzlich eine sehr gute Sache, weil
das Theater etwas ist, das man gemeinschaftlich besuchen kann. Was ich schade finde, wenn danach
alles monopolisiert wird, also dass es am Ende nur noch das Stadttheater gibt, weil die kleinen Sa-
chen vielleicht dadurch untergehen. Ich finde diese Tendenz etwas schade, weil so auch die Vielfalt
verloren geht.

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Baden ist. Infrastruktur Interview Anna Garavaglia Albrecht

Ich weiss nicht, wie gut Sie Einblick in die jugendliche Kulturszene haben als Schulpflegspräsidentin,
aber finden Sie dass das Angebot ausreicht oder dass man vielleicht auch von Seiten der Stadt oder
von Privaten mehr Sachen anbieten müsste?

Garavaglia Albrecht: Ich finde, dass da noch Verbesserungspotential besteht, weil die einzige Mög-
lichkeit für die Jugendlichen fast darin besteht ins Merkker zu gehen, finde ich, dass da sicherlich
noch zusätzliche Möglichkeiten gut wären, wobei wenn die Stadt so etwas finanzieren würde, wäre
das Angebot wohl eher etwas konservativer, wodurch die Jugendlichen dann auch nicht unbedingt
dorthin gehen. Aber die Stadt müsste halt vielleicht schauen, dass es Sachen gibt, die sie einfach fi-
nanziell unterstützen kann.

Kommen wir ein wenig zum Tourismus. Gibt es für Sie hier in Baden ein Hotel, dass Sie einem Aus-
wärtigen empfehlen würden?

Garavaglia Albrecht: Ich finde, die Jugendherberge ist sehr gut. Aber sonst, finde ich, fehlt ein Hotel,
welches nicht in einer hohen Preisklasse liegt und gut ist. Also das Hotel Blume empfehle ich auch
noch oft, weil es für mich einen gewissen Charme hat.

Was denken Sie über das Grand Casino? Ist das eine Bereicherung für die Stadt oder nicht?

Garavaglia Albrecht: Ich bin nicht so ein grosser Fan des Casinos. Ich kann mir aber gut vorstellen,
dass die Stadt dadurch viele reichere Leute anziehen kann und dass es der Stadt einen gewissen Sta-
tus gibt. Aber sonst finde ich, bräuchte man es nicht.

Das Bäderquartier wird jetzt ja dann von einem neuen Investor renoviert. Was würden Sie mehr
begrüssen, wenn es eher volksnah oder eher luxuriös gestaltet wird?

Garavaglia Albrecht: Ich finde es schon einmal gut, dass man jetzt endlich etwas macht und nicht
alles weiter vergammelt. Aber das Problem sehe ich darin, dass man es so gestalten muss, dass es
auch marktgerecht ist. Und vor allem wird es auch schwierig sein, ein Volksangebot zu machen, weil
Schinznach oder Zurzach haben da bereits ein viel besseres Angebot und man hat in der Stadt ja auch
nur beschränkt Platz. Also würde wahrscheinlich das Luxusangebot besser irgendwelche Nischen
abdecken aber man sollte schon schauen, dass es dennoch für alle Leute zugänglich bleibt.

Haben Ihrer Meinung nach die Gewalttaten in Baden in den letzten Jahren zugenommen? Wie be-
urteilen Sie beispielsweise die Sicherheitslage an einem Samstagabend?

Garavaglia Albrecht: Also ich habe ja schon in grösseren Städten gelebt und ich finde, Baden hat was
das anbelangt kein Sicherheitsproblem. Da ich erst seit 2004 hier lebe, kann ich die Veränderung
auch nicht gross beurteilen, aber ich finde schon, dass die Pärke in der Nacht nicht immer die sichers-
ten Orte sind, aber dass man einen Park abschliesst wird sicherlich auch keine gute Lösung sein. Aber
grundsätzlich habe ich nicht das Gefühl, dass Baden ein Sicherheitsproblem hat.

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