Sie sind auf Seite 1von 181
Baden ist. Infrastruktur
Baden ist. Infrastruktur

Baden ist. Infrastruktur

Baden ist. Infrastruktur Maturarbeit von Severin Etzensperger Gabriel Müller Yvo Bühler Betreuerinnen Andrea Hofmann

Maturarbeit von Severin Etzensperger Gabriel Müller Yvo Bühler

Betreuerinnen Andrea Hofmann Brigitte Marti

Baden ist. Infrastruktur

Inhaltsverzeichnis

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

Seite

2

2. Vorgehen

Seite

3

3. Definition Infrastruktur

Seite

5

4. Unterteilung der Infrastruktur

Seite

6

5. Selektionierte Unterteilung der Infrastruktur

Seite

8

6. Interviewpartner

Seite

10

7. Fragebogen

Seite

11

8. Auswertung

Seite

13

8.1. Verkehr

Seite

14

8.2. Parkplätze

Seite

20

8.3. Bäderquartier

Seite

22

8.4. Hotellerie

Seite

26

8.5. Plätze und Pärke

Seite

31

8.6. Fussgänger

Seite

35

8.7. Kultur

Seite

40

8.8. Ausgangsmöglichkeiten für Jugendliche

Seite

44

8.9. Fazit

Seite

47

9. Interviews

9.1. Christine Zenz (QV Römer)

Seite

49

9.2. Regula Dell’Anno (Einwohnerratspräsidentin)

Seite

57

9.3. Elisabeth Fernandez-Sieber (QV Obere Altstadt)

Seite

69

9.4. Max Romann (DV Rütihof, Stv. Komm. Stapo)

Seite

77

9.5. Peter Sterk (sterk cine ag)

Seite

87

9.6. Peter Heer (Präs. STV, Einwohnerrat)

Seite

96

9.7. Monika Müller (DV Dättwil)

Seite 103

9.8. René Müller (QV Kappelerhof)

Seite 109

9.9. Willi Peng (QV Limmat Rechts)

Seite 116

9.10. Dominic Chenaux (Kultur Merkker)

Seite 125

9.11. Barbara Riecke (Leiterin Kurtheater)

Seite 133

9.12. Anna Garavaglia Albrecht (Schulpflege)

Seite 137

10. Auswertungstabellen

Seite 142

10.1. Positive Aspekte

Seite 143

10.2. Negative Aspekte

Seite 151

10.3. Gegenüberstellung

Seite 161

11. Schlusswort

Seite 177

12. Literaturverzeichnis

Seite 178

Baden ist. Infrastruktur

Einleitung

Einleitung

Als Bewohner der Stadt Baden werden wir tagtäglich mit ihrer Infrastruktur konfrontiert, sei es, wenn wir uns in der Stadt aufhalten oder wenn wir den regionalen Teil der Zeitung lesen. Seit Jahren inter- essieren wir uns auch für die politischen Diskussionen und verfolgen die rasante Stadtentwicklung aufmerksam mit. Diese Maturarbeit bot uns nun Gelegenheit, eine Standortbestimmung in verschie- denen Bereichen der Infrastruktur vorzunehmen. Folgende Fragestellung ist die Basis unserer Arbeit:

In welchen Bereichen der Infrastruktur entspricht die Stadt Baden den Vorstellungen ihrer Bewohner und wo besteht noch Handlungsbedarf?

Um diese Frage beantworten zu können, schien es uns unerlässlich, in den verschiedenen Infrastruk- turbereichen kompetente VertreterInnen zu interviewen und ihre persönlichen Meinungen zu erfah- ren. Die getroffene Auswahl an Interviewpartnern stellt sicher, dass möglichst viele unterschiedliche Meinungen erfasst werden. Die Durchführung und Auswertung der Interviews zeigte uns, dass sich die Hauptanliegen der Befrag- ten auf acht Themenkreise reduzieren lassen.

Baden ist. Infrastruktur

Vorgehen

Vorgehen

1. Teil

Als Ziel bis zur Zwischenpräsentation setzten wir uns die Durchführung einer qualitativen Umfrage. Die Arbeit bestand also hauptsächlich darin, die Interviews zu führen.

Um eine Basis zu schaffen, beschäftigten wir uns zuerst mit dem Begriff Infrastruktur. Wir stützten uns anfänglich auf eine Definition aus der Brockhaus Enzyklopädie, die die Infrastruktur in mehrere Teilbereiche gliedert. Im Laufe der Arbeit passten wir diese Unterteilung unseren Bedürfnissen an, da wir uns auf die Infrastruktur der Stadt Baden konzentrierten, die nicht alle Bereiche tangiert.

Vor der Formulierung des Fragebogens lasen wir uns mit Hilfe dreier Sachbücher in das Thema Inter- viewführung ein. Es war schon zum Vornherein klar, dass wir die Umfrage als Stichprobe (Teilerhe- bung) durchführen mussten, weil eine Vollerhebung angesichts der Einwohnerzahl der Stadt unmög- lich gewesen wäre. Beim Einlesen erkannten wir, dass eine repräsentative Umfrage den Rahmen unserer Arbeit bei weitem gesprengt hätte. Daher entschieden wir uns für eine nicht repräsentative, qualitative Umfrage, bei der die Anzahl der Befragten eher gering ist. Als Befragungsmethode wähl- ten wir das persönlich mündliche Interview (Face-to-Face-Interview), da dieses längere Gespräche und offene Fragen erlaubt und das Verhalten des Interviewpartners beobachtet werden kann. Dies wäre bei Alternativen wie der telefonischen oder der schriftlichen Umfrage nicht möglich gewesen. Das Problem der fehlenden Repräsentativität versuchten wir zu entschärfen, indem wir bei der Aus- wahl der Interviewpartner darauf achteten, dass wir aus möglichst vielen Infrastrukturbereichen eine Expertin, einen Experten befragen konnten. Als Experten betrachten wir Personen, die sich intensiv mit diesem Bereich beschäftigen und daher verlässlich darüber Auskunft geben können. Zudem in- terviewten wir VorsteherInnen verschiedener Quartiervereine, um etwas über die Befindlichkeiten in den verschiedenen Quartieren zu erfahren. Diese Personen sollten am besten über die Anliegen der Bevölkerung der jeweiligen Quartiere Bescheid wissen. Wichtig erschien uns auch, VertreterInnen der Aussenquartiere Rütihof und Dättwil zu befragen, um mehr über deren Situation herauszufinden. Im Gegensatz zu den Quartiervereinvertretern passten wir bei den Experten jeweils den Fragebogen so an, dass ihr Infrastrukturbereich vertieft behandelt und dafür einige andere Bereiche weggelassen wurden. 2

Als Grundlage für unsere Interviews erstellten wir einen Fragebogen, der auf unserer Selektionierung der Infrastruktur basiert. Wir formulierten zu jedem Bereich einige Fragen, die zum Teil auf spezifi- sche Sachverhalte in Baden Bezug nehmen. Vorgängig studierten wir die Einwohnerratsprotokolle der letzten drei Jahre, um erste Erkenntnisse über aktuelle Diskussionen, die die Badener Infrastruk- tur betreffen, zu gewinnen. Diese Erkenntnisse haben wir in die Fragen mit eingebunden, damit auch aktuelle Themen berücksichtigt werden. Bei der Frageformulierung achteten wir auf möglichst objek- tive und offene Fragen, die zu ausführlichen Antworten einladen sollten. Da dieser Fragebogen nur als Leitfaden gedacht war, führte es zu eher offenen Gesprächen, bei denen auch Ausschweifungen

2 Jost Reinecke, „Interviewer- und Befragtenverhalten“, VS Verlag für Sozialwissenschaften, 1991 Möhring & Schlütz, „Die Befragung in der Medien- und Kommunikationswissenschaft“, VS Verlag, 2003 Mayer, „Interview und schriftliche Befragung“, Oldenbourg Wissenschaftsverlag,

Baden ist. Infrastruktur

Vorgehen

möglich und erwünscht waren. Desweiteren konnte man spezifische und spontane Fragen auf vorhe- rige Antworten stellen.

2. Teil

Im zweiten Teil unserer Arbeit nach der Zwischenpräsentation stand die Auswertung der Interviews im Vordergrund. Wir analysierten unsere abgetippten Interviews nach einer festgelegten Auswer- tungsmethode. Dazu haben wir zwei verschiedene Tabellen erstellt. In der einen hielten wir die in den Interviews genannten negativen Aspekte zur Infrastruktur in Baden fest, in der anderen die posi- tiven. Neben dem konkreten Sachverhalt notierten wir dessen Grund, den betreffenden Ort, die da- für Verantwortlichen und Lösungsvorschläge des Befragten, sowie Besonderheiten zur Person, die konkret mit dieser Aussage in Zusammenhang stehen. In dieser Tabelle werden also nur die Ansich- ten und Meinungen der Interviewpartner vermerkt und noch keine Ergänzungen und Interpretatio- nen unsererseits vorgenommen.

Ähnliche und gleiche Sachverhalte, die von mehreren Befragten genannt wurden, hielten wir unter gleichen vorgegebenen Begriffen fest. Beispiele für solche Sammelbegriffe sind öffentliche Sicherheit oder Tourismus.

In einer nächsten Tabelle wurden nun die negativen und die positiven Aspekte zusammengelegt und nach den Sachverhalten geordnet. So wurde ersichtlich, welche Sachverhalte am meisten genannt wurden und dementsprechend von Bedeutung sind. Zu den wichtigsten Themen verfassten wir jeweils einen Bericht. Als Quellen dienten neben den In- terviews hauptsächlich Zeitungsartikel und Dokumente und Protokolle aus der Badener Politik. Jeder Auswertungstext beinhaltet die folgenden Bereiche: Darstellung des Sachverhalts, historischer Hin- tergrund, heutige Situation, geplante Projekte und Lösungsansätze der Stadt und, wo möglich, eigene Lösungsvorschläge. Um unsere Ergebnisse einem breiteren Publikum nahe zu legen, gestalteten wir als Endprodukt ne- ben diesem Dossier einen thematischen Stadtführer. Dieser führt den Leser zu den wichtigsten Orten unserer Auswertungen und stellt den jeweiligen Sachverhalt und unsere Ergebnisse in gekürzter Form vor.

Baden ist. Infrastruktur

Definition

Definition Infrastruktur

Zuerst mussten wir eine Definition des Begriffes „Infrastruktur“ erarbeiten, auf die wir uns während der Arbeit stützen konnten. Der Begriff „Infrastruktur“ ist aber nicht eindeutig zu definieren, daher gibt es verschiedene Erläuterungsansätze. Als Basis für eine Definition, die unseren Ansprüchen ent- sprach, verwendeten wir die Definition aus dem Brockhaus:

„*…+Erst seit Beginn der 1960er-Jahre ist Infrastruktur ein in den Wirtschaftswissenschaften und ver- wandten Bereichen (z.B. Raumplanung, Sozialpolitik) gebräuchlicher Begriff für die Gesamtheit der Anlagen, Einrichtungen und Gegebenheiten, die den Wirtschaftseinheiten als Grundlage ihrer Aktivi- täten vorgegeben sind. *…+ Es wird unterschieden zwischen personeller Infrastruktur *…+, institutio- neller Infrastruktur *…+ sowie materieller Infrastruktur *…+. Letztere, das heisst die Infrastruktur im engeren Sinne, umfasst die Gesamtheit der staatlichen und privaten Einrichtungen, auf denen die wirtschaftlichen Entwicklungen einer Gesellschaft beziehungsweise einer Region basiert, und gliedert sich in technische Infrastruktur (Einrichtungen des Verkehrs- und Kommunikationswesens, der Ener- gie- und Wasserversorgung sowie der Entsorgung von Abfallstoffen) und soziale Infrastruktur (Bil- dungseinrichtungen, Krankenhäuser, Kindergärten, Alten- und Pflegeheime, Sport- und Erholungsan- lagen, auch kulturelle Einrichtungen).“ 3

3 Brockhaus Band 13

Baden ist. Infrastruktur

Unterteilung

Unterteilung der Infrastruktur

Für unsere Arbeit ist nur die materielle Infrastruktur von Bedeutung. Gestützt auf die vorher zitierte Definition lässt sich die materielle Infrastruktur in die technische und soziale Infrastruktur untertei- len. Diese können in weitere Untergruppen und Bereiche aufgegliedert werden:

Technische Infrastruktur

Versorgung

Müllentsorgung

Abwasser

Wertstoffverwertung

Trinkwasser

Strom- / Gasversorgung

Kommunikation

Fernsehen

Internet

Telefon

Verkehrsinfrastruktur

Öffentlicher Verkehr

Individualverkehr

Strassen

Radwege

Gehwege

Soziale Infrastruktur

Bildungssystem, Bildungseinrichtungen

Bibliotheken

Schulen

Forschungseinrichtungen

Kinderkrippen

Dienstleistungen

Kinderbetreuungseinrichtungen

Pflegedienste

Vereinswesen

Sport- und Erholungsanlagen

Gesundheitssystem

Krankenhäuser

Rettungsdienste

Arztpraxen

Kulturelle Einrichtungen

Museen

Sehenswürdigkeiten

Tourismus

Baden ist. Infrastruktur

Öffentliche Sicherheit

Feuerwehr

Militär

Katastrophenschutz

Polizei

Rechtssystem

Gericht

Kanzlei

Recht

Verwaltung

Kommunalverwaltung

Regierung

Kirchen

Unterteilung

Baden ist. Infrastruktur

Selektionierte Unterteilung

Selektionierte Unterteilung der Infrastruktur

Basierend auf der vorherigen Unterteilung haben wir eigene Anpassungen vorgenommen: Gewisse Bereiche, die uns für unsere Arbeit nicht relevant erschienen, werden hier nicht mehr berücksichtigt, andere wurden dafür neu hinzugefügt. Daher ist unsere Definition nicht mehr völlig identisch mit der der Brockhaus Enzyklopädie, basiert jedoch auf denselben Grundsätzen und Gliederungen. Einige Definitionen unterteilen die Infrastrukturbereiche noch in staatliche und private Infrastruktur. So beispielsweise umfasst laut dem Duden Wirtschaft von A bis Z die Infrastruktur „*…+ alle staatli- chen und privaten Einrichtungen, die für eine ausreichende Daseinsvorsorge und wirtschaftliche Entwicklung als erforderlich gelten“. 4 Diese Unterscheidung ist auch für uns relevant, da man auf politischem Wege praktisch nur die staatliche Infrastruktur beeinflussen kann. Da wir die Infrastruk- tur einer Stadt analysieren, handelt es sich anstatt der staatlichen um die städtische Infrastruktur. Wir haben dies auch in unsere Unterteilung integriert und sie mit verschiedenfarbigen Symbolen gekennzeichnet:

städtisch/staatlich

städtisch und privat

privat

Technische Infrastruktur

Verkehrsinfrastruktur

Öffentlicher Verkehr

Individualverkehr

Strassen

Radwege

Fussgängerzonen

Soziale Infrastruktur

Bildungssystem, Bildungseinrichtungen

Bibliotheken

Schulen

Dienstleistungen

Kinderbetreuungseinrichtungen

Pflegedienste

Vereinswesen

Sport- und Erholungsanlagen

Geschäfte

Gesundheitssystem

Krankenhäuser

Arztpraxen

4 „Duden Wirtschaft von A bis Z“, 2. Aufl. 2004

Baden ist. Infrastruktur

Kulturelle Einrichtungen

Museen

Galerien, Kunsträume

Tourismus

Sehenswürdigkeiten

Bäderquartier

Hotels

Öffentliche Sicherheit

Polizei

Selektionierte Unterteilung

Baden ist. Infrastruktur

Interviewpartner

Interviewpartner

Severin

Name

Funktion

Datum

Max Romann

Präsident Quartierverein Rüti- hof, stellvertretender Kom- mandant der Stadtpolizei

07.

Mai 2008, 16.00 Uhr

Peter Sterk

Präsident sterk cine ag

08.

Mai 2008, 16.30 Uhr

Willi Peng

Vorstand QV Limmat Rechts

14.

Mai 2008, 15.00 Uhr

Dominic Chenaux

Leiter Kultur Merkker

21.

Mai 2008, 14.00 Uhr

Sabine Scheurer

Präsidentin QV Allmend - Münzlishausen

Trotz mehrmaligem Anfragen kein Treffen zustande gekom- men.

Ursula Willi

Präsidentin QV Hasel- Martinsberg

Trotz mehrmaligem Anfragen kein Treffen zustande gekom- men.

Gabriel

Name

Funktion

Datum

Regula Dell’Anno

Einwohnerratspräsidentin

30.

April 2008, 17.00 Uhr

Monika Müller

Präsidentin QV Dättwil

08.

Mai 2008, 16.00 Uhr

Peter Heer

Präsident Stadtturnverein, Ein- wohnerrat

09.

Mai 2008, 15.30 Uhr

Werner Eglin

Geschäftsführer Eglin Holding AG

Trotz mehrmaligem Anfragen kein Treffen zustande gekom- men.

Robert Sailer

Präsident Citycom

Trotz mehrmaligem Anfragen kein Treffen zustande gekom- men.

Yvo

Name

Funktion

Datum

Christine Zenz

Präsidentin QV Römer

30.

April 2008, 16.00 Uhr

Elisabeth Fernandez-Sieber

Präsidentin QV Obere Altstadt

05.

Mai 2008, 17.30 Uhr

René Müller

Präsident QV Kappelerhof

13.

Mai 2008, 11.30 Uhr

Barbara Riecke

Leitung Kurtheater Baden

28.

Mai 2008, 14.00 Uhr

Anne Garavaglia Albrecht

Co-Präsidentin Schulpflege

04.

Juni 2008, 16.30 Uhr

Baden ist. Infrastruktur

Fragebogen

Fragebogen - Infrastruktur Baden

Interviewer:

Interviewpartner Name:

Funktion:

Anonym?

Ja

Anonym? Ja Nein

Nein

Datum, Ort:

Name: Funktion: Anonym? Ja Nein Datum, Ort: Technische Infrastruktur 1) Verkehrsinfrastruktur a) Welche

Technische Infrastruktur

1)

Verkehrsinfrastruktur

a) Welche Verkehrsmittel benützen Sie hauptsächlich, um in die Stadt zu gelangen?

b) Benutzen Sie oft öffentliche Verkehrsmittel?

c) Sehen Sie das Angebot als ausreichend? Ist die Stadt gut mit dem ÖV erschlossen?

d) Ist das Velo eine gute Alternative zum Auto? (Parkplätze, Radwege, Sicherheit)

e) Wie beurteilen Sie die Anfahrt mit dem Auto? (Verkehrsleitsystem, Parkplätze, Parkprei- se, Stau, Erreichbarkeit)

f) Erachten Sie Fussgängerzonen eher als hinderlich oder nützlich?

Soziale Infrastruktur

2)

Bildung

a) Gibt es Ihrer Meinung nach in Baden genug Schulen? (Allmend)

b) Ist Ihrer Ansicht nach das Weiterbildungsangebot vielfältig? (Migros Klubschule, etc.) Fehlt Ihnen ein Angebot?

c) Besuchen Sie gelegentlich die Stadtbibliothek? Die Stadt Baden unterstützt die Stadtbibliothek jährlich mit rund 1 Mio. Befürworten Sie diese Subventionen?

3)

Dienstleistungen

a) Was wissen Sie über Kinderbetreuungsstätten in der Stadt Baden? Wie sieht das Angebot aus?

b) Sind Sie in einem (Sport)Verein tätig?

c) Gibt es für Vereine Unterstützung von der Stadt (finanziell, organisatorisch, Ortsfin- dung,…)?

d) Vermissen sie einen bestimmten Verein in Baden?

Baden ist. Infrastruktur

Fragebogen

4)

Sport- und Erholungsanlagen

a) Sehen Sie das Angebot an Sportanlagen als genügend gross an oder ist das Angebot zu klein? (Privat, wie auch aus Sicht von Sportvereinen)

b) Finden Sie die Entscheidung richtig, keine EM-Arena mitzufinanzieren? (Ca. 270‘000.-)

c) Wo in Baden kann man sich Ihrer Meinung nach am besten erholen, aufhalten, abschal- ten? (Plätze, Pärke, etc.)

d) Bräuchte es in der Stadt einen weiteren grossen Park, oder zentralen Platz?

e) Tut die Stadt genug für den Unterhalt und Entwicklung dieser öffentlichen Plätze? über 1 Mio. für Kurparkrenovation

5)

Geschäfte

 

a) Wo tätigen Sie Ihre Einkäufe? Weshalb?

b) Ist die Diversität der Geschäfte gross? Was für Geschäfte fehlen?

c) Fehlen in Baden noch weitere Cafés oder Restaurants?

d) Ist die Stadt für Auswärtige attraktiv bezüglich Einkaufsmöglichkeiten?

6)

Gesundheitssystem

a)

Wie weit entfernt ist die Praxis Ihres Hausarztes, Zahnarztes, etc.?

7)

Kulturelle Einrichtungen

a) Welche Museen und Galerien kennen Sie in Baden? Nutzen Sie dieses Angebot?

b) Besuchen Sie öfter ein Kino oder ein Theater? Lohnt sich eine Investition von rund 10 Mio. für die Renovation des Kurtheaters?

c) Baden fehlt es an Räumlichkeiten für die jugendliche, kulturelle Szene. Ist es Aufgabe der

 

Stadt, diese zur Verfügung zu stellen?

8)

Tourismus

 

a) Vermarktet sich die Stadt Baden touristisch zu wenig? Sorgt Sie für den Unterhalt der Se- henswürdigkeiten? (Altstadt, Ruine Stein, Bäderquartier) Befürworten Sie die Sanierung des Stadtturmes?

b) Ist das Grand Casino eine Bereicherung für die Stadt?

c) Gibt es ein Hotel, das Sie Auswärtigen empfehlen würden?

d) Sollte die Stadt selber Initiative ergreifen und sich an der Sanierung und Aufwertung der Hotels beteiligen? Vor allem im Bäderquartier

e) Soll das Bäderquartier volksnah gestaltet werden oder eher auf Luxus setzen? Sehen Sie im Bäderquartier überhaupt Handlungsbedarf?

9)

Öffentliche Sicherheit

a) Haben sie das Gefühl, es gibt oft Gewalttaten in Baden? Wie beurteilen Sie die Sicher- heitslage? (Z.B. Samstagabend)

b) Was denken Sie zu der Tatsache, dass immer mehr private Sicherheitsfirmen angestellt werden, um die Sicherheit zu gewährleisten?

c) Sollte etwas unternommen werden gegen die Tatsache, dass viele gewaltbereite Jugend-

liche von aussen kommen? (Ausgang in Baden)

Baden ist. Infrastruktur

Auswertung

Auswertung

Die auf den nächsten Seiten folgenden Texte zu den wichtigsten Themen stellen den Auswertungsteil der Arbeit dar. Dazu gehören jeweils eine Erörterung des Sachverhaltes, der historische Hintergrund, die aktuelle Situation und ein Ausblick in die Zukunft. Eine Lagebeurteilung und allfällige Verbesse- rungsvorschläge bilden den Schluss eines jeden Textes. Bei dieser detaillierten Auswertung konzentrierten wir uns aufgrund des beschränkten Zeitrahmens auf die acht Themen

Verkehr

Parkplätze

Bäderquartier

Hotellerie

Plätze und Pärke

Fussgänger

Kultur

Ausgangsmöglichkeiten für Jugendliche

Diese Themen betreffen aktuelle, für die Stadt Baden bedeutende Infrastrukturbereiche von grossem öffentlichem Interesse. Andere Bereiche, die ebenfalls verschiedentlich genannt wurden, haben wir nicht in unsere Auswer- tung integriert, weil sie nicht im Kompetenzbereich der Stadt Baden liegen. Als Beispiele seien hier die Bildung (vorwiegend kantonal) oder die Geschäfts- und Restaurantvielfalt (rein privatwirtschaft- lich) erwähnt.

Wir sind der Ansicht, mit den gewählten acht Themenschwerpunkten einen Grossteil der aktuell in der öffentlichen Diskussion stehenden Infrastrukturbereiche abzudecken.

Baden ist. Infrastruktur

Verkehr

Verkehr

Wie jede grössere Stadt hat auch Baden seine Verkehrsprobleme. Jeden Morgen und Abend stauen sich auf den wichtigsten Einfallachsen die Autos während längerer Zeit. Dieses Problem wurde auch von den Interviewpartnern als eines der wichtigsten erwähnt. Es herrsche eine sehr schlechte Ver- kehrssituation, die Anfahrt mit dem Auto sei sehr mühsam, man stehe immer im Stau, besonders vor der Hauptkreuzung, dem Schulhausplatz. 5

besonders vor der Hauptkreuzung, dem Schulhausplatz. 5 Der Schulhausplatz ist mit über 50 ‘000 Fahrzeugen pro

Der Schulhausplatz ist mit über 50‘000 Fahrzeugen pro Tag der grösste Verkehrsknotenpunkt der Region. 6

Das Problem ist den städtischen und vor allem auch den kantonalen Instanzen seit Jahrzehnten be- kannt. Wie die Vergangenheit jedoch gezeigt hat, ist und war eine schnelle Lösung aus folgenden Gründen nicht möglich.

Hauptverantwortlich für die sehr schwierige Verkehrssituation in der Stadt Baden ist ihre ausseror- dentliche geographische und topographische Lage. Die Stadt ist auf der östlichen Seite durch die Limmat, im Norden durch den Schlossberg (Lägern) und im Süden durch den Ausläufer des Heiters- bergs begrenzt. Dadurch ist der Ausbau der vier Ausfallachsen, die auf dem Schulhausplatz aufeinan- der stossen, sehr stark eingeschränkt. Als zentrale Kreuzung ist er der wichtigste Verkehrsknoten- punkt der ganzen Region. Von vier Seiten drängen Autokolonnen auf diesen Platz. Einerseits sind es die Autobahnzubringer zur A1 Richtung Zürich und Bern, andererseits die Hauptverbindungsstrassen nach Wettingen, Brugg und Siggenthal (Surbtal), auf denen jeden Tag Zehntausende von Fahrzeugen ins Stadtzentrum fahren. Die prekäre Verkehrssituation wurde noch verschärft durch die Sperrung der Schiefen Brücke in Ennetbaden. Sämtliche Stadtbesucher aus Ennetbaden und aus Richtung Höh- tal können nur noch über die sonst schon überlastete Hochbrücke oder die Siggenthaler Brücke in die Stadt gelangen.

5 Interview Nr. 2, S. 57; Nr. 3, S. 69; Nr. 5, S. 87; Nr. 6, S. 96; Nr. 7, S. 103/105 6 Aargauer Zeitung Tabloid Region Baden, 27.08.08, S. 2

Baden ist. Infrastruktur

Verkehr

So ist es nicht verwunderlich, dass sich sehr lange Rückstaus in alle vier Richtungen bilden. Wenn in den Stosszeiten auch noch 60 Busse pro Stunde den Schulhausplatz queren müssen, ist dieser Ver- kehrsknoten schlicht überlastet.

Um stehende Fahrzeuge im Wohnbereich der Einfallachsen zu vermeiden, wurden beim Badener Tor (Stadteinfahrt Mellingerstrasse) und auf der Bruggerstrasse vor der Siggenthaler Brücke (Kappeler- hof) Pförtneranlagen installiert. Sie regeln die Anzahl der stadtwärts fahrenden Autos. Es sollen nicht mehr Fahrzeuge in die Stadt gelassen werden, als der Schulhausplatz aufnehmen und in die verschie- denen Richtungen weiterleiten kann. Leider funktioniert dieses Konzept nur zum Teil. Am Morgen stehen beispielsweise die Autos Richtung Baden-City bis nach Birmenstorf, was zu einem gefährli- chen Rückstau in die Autobahnausfahrt führt. Sobald die Fahrzeuge bis auf die Autobahn stehen, verlängern sich die Grünintervalle des Signals Richtung Zentrum. Dies hat unweigerlich einen Stau auf der ganzen Mellingerstrasse bis nach Fislisbach zur Folge. Am Abend wiederholt sich dieses Szenario in umgekehrter Richtung.

Die Eröffnung der dritten Röhre des Bareggtunnels im Jahre 2004 hätte eine massive Verkehrsentlas- tung der Badener Innenstadt bringen sollen. Man hoffte, dass der Ausweichverkehr durch die Stadt wegen der alltäglichen Staus vor dem Baregg verschwinden würde. Kurzfristig konnte man eine sol- che Abnahme auch tatsächlich beobachten. Doch schon ein Jahr später kehrte der Trend wegen der allgemeinen Verkehrszunahme wieder in die andere Richtung. In den letzten Jahren nimmt die Ver- kehrsbelastung wieder kontinuierlich zu. 7

Ein weiterer wichtiger Grund für die starke Ver- kehrszunahme ist die Entwicklung im Industrie- und Wohnquartier Baden Nord. Dieser Stadtteil ist praktisch das letzte noch ausbaufähige Gebiet in Baden und erlebt in letzter Zeit einen riesigen Bauboom. Nach dem Bau der grossen Bürogebäu- de und der neuen Produktions- und Prüfanlagen von ABB und Alstom wurde in Baden Nord ein grosser Teil der Berufsbildung konzentriert. Ne- ben den schon dort ansässigen ABB-Lernzentren wurde für das BBB (Berufsbildung Baden) ein grosser moderner Neubau errichtet, die alten Gebäude des ehemaligen ABB-Gemeinschafts-

der Stadt Baden. 8

ABB und Alstom zählen zu den grössten Arbeitgebern

8 ABB und Alstom zählen zu den grössten Arbeitgebern hauses Martinsberg renoviert und verschiedene ehemalige

hauses Martinsberg renoviert und verschiedene ehemalige ABB-Hallen zu Eventlokalen (Nordportal) und Schulungs- und Beratungsräumen (Kantonale Schule für Berufsbildung, Berufsberatung, etc.) umgenutzt. Die wichtige Forderung der Stadt nach 25% Wohnanteil gemäss Entwicklungsrichtplan Baden Nord blieb jedoch bis vor kurzem unerfüllt. Mit der eben fertiggestellten Überbauung „Am Martinsberg“, die aus fünf Gebäuden mit insgesamt 176 Wohnungen besteht, ist die ABB nun aber dieser städtischen Forderung nach mehr Wohnungen nachgekommen. 9

7 Verkehrsmanagement Baden-Wettingen, S. 60

8 Bild: www.panoramio.com/photo/7537076, herunterg.: 02.10.08

9 www.am-martinsberg.ch, aufgerufen am 02.10.08 AZT, 19.09.08, S. 6

Baden ist. Infrastruktur

Verkehr

Gemäss neuesten Informationen planen ABB und Alstom im Industrieareal den Bau zweier Hochhäu- ser für insgesamt 1500 Arbeitsplätze, wovon 1000 neu entstehen sollen. 10 All diese grossen Baupro- jekte führen natürlich zu einem nicht zu unterschätzenden Verkehrszuwachs. Dieses Problem wird noch dadurch verschärft, dass dieser Teil der Stadt verkehrstechnisch schlecht erreichbar ist. Die beiden Zufahrtsachsen Richtung Autobahn (über den Schulhausplatz) oder Richtung Siggenthal / Brugg sind permanent staugefährdet.

Die heutige Verkehrsführung auf dem Schulhausplatz ist auch für den Langsamverkehr, das heisst für Radfahrer und Fussgänger, unattraktiv. Die Fussgänger werden in wenig einladende Fussgängerun- terführungen verdrängt und für die Radfahrer bestehen lange Wartezeiten. Zudem ist die Überque- rung des Schulhausplatzes mit dem Velo gefährlich, weil die Verkehrsverhältnisse auf der Kreuzung sehr eng und viele Spurwechsel nötig sind.

Schliesslich ist auch der Schulhausplatz selbst, was die Bausubstanz angeht, mittlerweile in einem sehr schlechten Zustand. Durch den enormen Verkehr und die vielen Busse sind tiefe Fahrrinnen und schwerwiegende Belagsschäden entstanden.

Es ist somit schon seit längerem klar, dass der Schulhausplatz als wichtigste Verkehrsdrehscheibe des Kantons Aargau dringend und komplett saniert werden muss. Die Stadt Baden hat dazu im Jahre 2003 erstmals ein öffentliches Verkehrsforum durchgeführt, wo Anliegen und Ideen zu den Themen Verkehr und Mobilität eingebracht und diskutiert werden konn- ten. Die Teilnehmenden forderten vor allem einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs, die Eindäm- mung des Suchverkehrs, eine umfassende Verkehrsplanung und die Reduktion der hohen Lärm- und Luftbelastungen. Zudem wünschen sie sich eine bessere Situation für den Langsamverkehr, die darin besteht, sichere und attraktive Velo- und Fussgängerverbindungen zu schaffen. 11 Aufgrund dieser Ergebnisse erarbeitete die Stadt zum Beispiel das bereits funktionierende Parkleitsystem und ein Fusswegkonzept, das ab 2008 umgesetzt werden soll. 12 Auf Kantonsebene entstand zudem der Kon- zeptbericht „Verkehrsmanagement Grossraum Baden-Wettingen“, der zum Ziel hat, den Verkehrsab- lauf in der Region Baden optimaler zu gestalten. 13 In den darauf folgenden Monaten fanden noch zwei weitere Verkehrsforen zum Thema Fussgänger und Jugendliche statt. Die Reaktionen auf diese öffentlichen Foren fielen durchwegs positiv aus. So war dann auch eine der abschliessenden Forde- rungen, diese Idee des Verkehrsforums weiterzuführen.

2005 wurden weitere Verkehrsforen organisiert, in denen der Schulhausplatz ins Zentrum rückte. Basierend auf den persönlichen Erfahrungen diskutierten die Teilnehmenden mögliche Lösungsan- sätze für die Verbesserung der Verkehrssituation am Schulhausplatz. Alle waren sich einig, dass hier der grösste Handlungsbedarf besteht, weil die aktuelle Situation nicht mehr tragbar ist. Bei der Dis- kussion der Lösungsansätze zeigte sich aber, dass die Vorstellungen darüber weit auseinander lagen. Einzig im Punkt, dass der neue Schulhausplatz zu einer städtebaulichen Aufwertung führen sollte, war man einer Meinung. Beim zweiten Schulhausplatz-Forum stellte man sich die folgenden Fragen zu den Sanierungsvarianten: Soll der neue Schulhausplatz eine Kreuzung bleiben oder zu einem Grosskreisel umgebaut werden und soll der Verkehr mehrstöckig, d.h. ober- und unterirdisch, geführt werden?

10 AZT, 19.09.08, S. 6/7

11 Antrag des Stadtrates an den Einwohnerrat 11/06

12 Fusswegkonzept Stadt Baden

13 Verkehrsmanagement Baden-Wettingen

Baden ist. Infrastruktur

Verkehr

Baden ist. Infrastruktur Verkehr Die Kreiselvariante sieht einen oberirdischen Kreisel für den motorisierten Verkehr vor
Baden ist. Infrastruktur Verkehr Die Kreiselvariante sieht einen oberirdischen Kreisel für den motorisierten Verkehr vor

Die Kreiselvariante sieht einen oberirdischen Kreisel für den motorisierten Verkehr vor und unterirdisch eine offene Ebene für Fussgänger, Radfahrer und eventuell auch für Geschäfte. 14

Bei der Kreuzungsvariante wird der Verkehr wie bis- her durch Lichtsignale gesteuert. Auch hier ist eine helle, attraktive Unterführung für den Langsamver- kehr geplant. 15

Der Grosskreisel fand am meisten Zustimmung, wobei sich hier Probleme für den öffentlichen und den Langsamverkehr stellen. Laut Vertretern des öffentlichen Verkehrs ist ein Kreisel für die Busse ein Nachteil, ebenso kam die Frage auf, ob diese Variante den enormen Verkehr überhaupt aufneh- men kann. Aus städtebaulicher Sicht bietet die Kreiselvariante den Vorteil der besseren Belichtung des unterirdischen Fussgängerbereiches. Die Kreuzungsvariante erlaubt jedoch eine bessere Bevor- zugung des öffentlichen Verkehrs. 16

Die Absichtserklärungen von Stadt und Kanton deuten in letzter Zeit darauf hin, dass der Varianten- entscheid mit grosser Wahrscheinlichkeit zu Gunsten der Kreuzung ausfallen wird, da sie weniger Nachteile aufweist.

Eine unterirdische Nord-Süd-Verbindung wurde aus städtebaulicher und verkehrstechnischer Sicht als nicht realisierbar bewertet. Der Hauptgrund besteht im Neubau des Tunnels für die Eisenbahn- strecke Baden - Zürich in den späten 1960er Jahren. Obwohl damals einige Experten für eine Verle- gung des Bahnhofes an den Martinsberg und somit eines Martinsbergtunnels plädiert hatten, wurde aus Kostengründen die Strecke über den bestehenden Bahnhof und unter der Schulhausplatzkreu- zung hindurch geführt, was heute eine mehrstöckige Autoverkehrsführung verunmöglicht. 17 Alle Beteiligten waren sich darin einig, dass die Sanierung des Schulhausplatzes zu keiner Kapazitäts- erhöhung für den motorisierten Verkehr führen dürfe, damit die Lärm- und Luftbelastung nicht wei- ter zunehmen. Klar war auch, dass eine einfache Belagssanierung nicht in Frage kommt, sondern die Chance genutzt werden soll, eine effiziente und nachhaltige Lösung für den Schulhausplatz zu finden.

14 Verkehrsforum Baden „Schulhausplatz Baden – Lösungen in Sicht“, Auswertung vom 27.10.07

15 VFB, Auswertung, 27.10.07

16 VFB, Auswertung, 27.10.07

17 AZT, 08.04.08, S. 2

Baden ist. Infrastruktur

Verkehr

Der Kanton Aargau ist in diesem Bauvorhaben federführend, da es sich beim Schulhausplatz und den hinführenden Strassen um Kantonsstrassen handelt. Im Jahre 2005 hat die kantonale Abteilung Tief- bau und Verkehr in enger Zusammenarbeit mit der Stadt mit der konkreten Planung einer Gesamter- neuerung Schulhausplatz begonnen. Es zeigte sich schon bald, dass bei der Projektierung neben dem Knotenpunkt Schulhausplatz auch die Mellingerstrasse, der Brückenkopf Ost (Wettinger Seite der Hochbrücke) und die zukünftige Busführung in die Planung miteinbezogen werden müssen. Die Stadt ist also gezwungen, den Routenentscheid für die innerstädtische Busführung vorgängig zu fällen. Die wichtigste, bis heute ungeklärte Frage ist, ob der Bus weiterhin durch die Weite Gasse verkehren soll. Es bestehen Projekte, das Parkhaus Tunnelgarage zu einer Busrampe umzubauen und die Velounter- führung Schulhausplatz für die Busdurchfahrt zu erweitern. Damit wird das Projekt Schulhausplatz zu einem Agglomerationsvorhaben ausgeweitet, das es erlaubt, Unterstützungsgelder vom Agglomera- tionsprogramm des Bundes zu erhalten. Diese Projektausweitung und die städtischen Abklärungen zur Busführung vergrösserten den Planungsaufwand und machten im August dieses Jahres einen ersten Zusatzkredit von 320‘000 CHF seitens der Stadt nötig. 18

Für die grösste Zubringerstrasse zum Schulhausplatz, die Mellingerstrasse, wird eine durchgehende Busspur gefordert, sodass die Busse ungehindert in die Stadt fahren können. Leider gibt es hier ein Platzproblem, da praktisch das ganze bestehende Trottoir für eine Busspur genutzt werden müsste und so der Langsamverkehr stark benachteiligt würde. Ein anderer wichtiger Punkt stellt die Eisen- bahnbrücke vor dem Bahnhof Oberstadt dar, die mit einer Durchfahrtshöhe von 3.90 Meter nicht mehr den heutigen Anforderungen entspricht. Regelmässig bleiben grosse Lastwagen stecken, die die Warntafeln auf der Mellingerstrasse übersehen haben. Die Stadt hat kein Interesse daran, die Strasse abzusenken, weil sonst der Weg für den Schwerverkehr über den Schulhausplatz freigegeben würde. Aus Kostengründen wurde das Projekt Mellingerstrasse aber wieder aus dem Planungsperi- meter des Schulhausplatzes gestrichen. Auch ein Ausbau des Brückenkopfes Ost wurde geprüft, je- doch schon bald wieder verworfen, da dies keine spürbaren Verbesserungen zur Folge hätte. Somit wird die Planung wieder auf den Schulhausplatz selbst fokussiert. Die einzelnen Varianten werden vertieft analysiert und die Kosten berechnet, die auf rund 35 Millionen Franken geschätzt werden. Der Variantenentscheid (Kreuzung oder Kreisel) des Kantons wird im Herbst 2008 erwartet. Im Frühjahr 2009 soll der Einwohnerrat Baden über den Projektierungskredit entscheiden. Nach der Genehmigung des Gesamtkredites durch den Grossen Rat werden rund ein Jahr später der Einwoh- nerrat und wenig später das Volk über den Baukredit zu entscheiden haben. Der Baubeginn ist für 2012 geplant und die Bauzeit wird rund zwei Jahre betragen. 19

Bereits in den 60er Jahren kam die Idee eines Martinsbergtunnels auf, der eine Umfahrung der In- nenstadt und damit eine Verbindung zwischen Dättwil und Baden Nord bringen würde. Damit könnte der gesamte Verkehr, den heute die Bruggerstrasse aufnimmt, vom Schulhausplatz ferngehalten werden. Damals scheiterte das Projekt an den gewaltigen Kosten. In Anbetracht des weiter zuneh- menden Verkehrs taucht diese Idee aber immer wieder neu auf. Man kann deshalb gespannt sein, ob diese Vision im Hinblick auf eine nachhaltige Verkehrslösung doch noch eine Realisierungschance erhält. 20

18 Antrag 53/08

19 AZT, 04.09.08, S. 6/7 Antrag 53/08

20 AZT, 01.10.08, S. 8

Baden ist. Infrastruktur

Verkehr

Die Verkehrssituation in Baden ist hochkomplex und von grosser Tragweite für die ganze Region. Die Sanierung des Knotens Schulhausplatz stellt nicht die Lösung sämtlicher Verkehrsprobleme dar. Das ist allen Beteiligten klar und wird auch seitens der Stadt immer wieder betont. Aber es ist sicher ein wichtiger Teil und die Grundvoraussetzung für weitere erfolgreiche Sanierungs- und Verkehrsverbes- serungsmassnahmen, wie zum Beispiel die Projekte „Verkehrsfreie Weite Gasse“, „Mellingerstrasse“ und „Brückenkopf Ost“.

Die Verkehrs- und damit verbundenen Umweltbelastungen werden aber trotz dieser Umbauten und Sanierungen nicht gelöst werden können. Auch wenn die Stadt eine Erhöhung der Verkehrskapazität ausschliesst, wird der Verkehr auf den Einfallachsen weiter zunehmen. Die Luft- und Lärmbelastun- gen in den Quartieren werden somit sicherlich hoch bleiben und kaum reduziert werden können. Nicht zuletzt besteht im ganzen Verkehrsmanagement ein Interessenkonflikt. Nicht alle Betroffenen begrüssen die Absicht, den Verkehr auf dem heutigen Niveau einzufrieren. Die Erreichbarkeit von Tausenden von Arbeitsplätzen zum Beispiel muss weiterhin gut gewährleistet sein. Zudem ist Baden ein regionales Zentrum für Bildung, Kultur, Sport, Wellness und Shopping. Die Interessenvertreter dieser Bereiche sehen in einer Limitierung der Verkehrskapazität oder in der Schaffung von neuen verkehrsfreien Zonen einen klaren Standortnachteil für die Stadt.

Daher ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Verkehrsproblem seitens der Stadt unabding- bar für ihre Standortattraktivität und Weiterentwicklung. Mit den durchgeführten Verkehrsforen wurde den Interessierten die Möglichkeit geboten, Lösungsvorschläge und Ideen einzubringen, die nun bei den verschiedenen Varianten auf ihre Umsetzbarkeit geprüft werden. Uns scheint, dass da- mit die Behörden ihre Bereitschaft zeigen, eine langfristige und nachhaltige Lösung zu finden, die möglichst viele Anliegen der Bewohner und Verkehrsteilnehmenden berücksichtigt. Ein Zeichen dafür ist auch die immer wieder verlängerte Vernehmlassungs- und Planungsphase, die bis heute noch nicht abgeschlossen ist und zu der immer wieder neue Vorschläge eingebracht werden. 21 Wir sind überzeugt, dass in absehbarer Zeit die Kritiken unserer Interviewpartner bezüglich einer besseren Verkehrssituation in der Innenstadt nicht mehr berechtigt sein werden.

21 AZT, 30.09.08, S. 6

Baden ist. Infrastruktur

Parkplätze

Parkplätze

Gibt es in Baden genügend Parkplätze? Diese Frage stellten wir unseren Interviewpartnern. Die Ant- worten fielen höchst unterschiedlich aus. Die einen meinten, es gäbe zu viele Parkplätze, die anderen sagten, es habe viel zu wenig. Es ist sehr schwierig, diese Frage schlüssig zu beantworten, weil sehr unterschiedliche Interessen bei der Beurteilung eine Rolle spielen. In jedem Quartier bietet sich eine andere Parkplatzsituation. Es ist offensichtlich, dass von den 13 Parkhäusern mit unbeschränkter Parkzeit nur die absolut zentralen eine gute Auslastung aufweisen. Das gleiche lässt sich auch für die Parkplätze auf den fast 30 öffentlichen Plätzen feststellen, die den Autofahrern zur Verfügung ste- hen. 22

die den Autofahrern zur Verfügung ste- hen. 2 2 Der etwas ausserhalb liegende Schadenmühleplatz ist einer

Der etwas ausserhalb liegende Schadenmühleplatz ist einer der grössten öffentlichen Parkplätze der Stadt. 23

Die gegenteiligen Meinungen der Interviewpartner spiegeln sich auch in den Diskussionen des Bade- ner Einwohnerrates wider. Letztmals zeigten sich die grossen Interessenunterschiede bei der Planung des neuen Theaterplatzes mit unterirdischem Parkhaus. Es ging dabei um die Aufhebung der auf die- sem Platz bestehenden Parkplätze und deren ebenbürtigen Ersatz. In Erwartung des Bauprojektes „Neugestaltung Schlossbergplatz und Blinddarm“ und der allfälligen Umnutzung der Tunnelgarage zu einem Bustunnel sahen die Befürworter die massiv erhöhte Anzahl an Parkplätzen im neuen Park- haus als gerechtfertigt. Die Gegner aber sahen in seiner zentralen Lage grosse Nachteile. Anstatt die Parkmöglichkeiten an der Peripherie zu platzieren, würde damit noch mehr Verkehr ins Zentrum geleitet. Die bereits durch den Busverkehr stark befahrene Bahnhofsregion erhielte dadurch eine noch grössere Belastung.

Nachdem anfänglich das Theaterplatz-Projekt gescheitert war und die Neugestaltung des Schloss- bergplatzes konkretere Formen annahm und damit klar wurde, dass weitere zentrale Parkplätze weg- fallen würden, fand die zweite Vorlage im Jahre 2004 eine breite Zustimmung. Die Vorbehalte der Linken, dass das neue Parking gar nicht gebraucht werde, konnten nie wirklich widerlegt werden, weil verlässliche Auslastungszahlen fehlten. In diesen Jahren entstanden zudem neue unterirdische Parkmöglichkeiten im Trafo-Center und im Langhaus (Coop).

Entgegen den Erwartungen der Befürworter weist das Theaterplatz-Parkhaus nur eine Auslastung von rund 40% aus, obwohl es wahrscheinlich das am zentralsten gelegene Parkhaus der Stadt ist. Gründe dafür könnten die schlechte Erreichbarkeit mit dem Auto und der etwas enge und kompli- zierte Innenausbau sein. Das Parkhaus „Ländli“ ist lediglich an 20 Tagen im Jahr voll besetzt.

22 I. 1/3/4/5/7/8/9/12 www.baden.ch/xml_1/internet/de/application/d1/d594/f265.cfm, aufgerufen am 07.10.08

23 Bild: Gabriel Müller, 2008

Baden ist. Infrastruktur

Parkplätze

Bei der Diskussion um eine verkehrsbefreite Weite Gasse und der Verlegung des Busverkehrs in die Tunnelgarage geht es unter anderem auch wieder um zentrale Parkplätze. Bei einer Umnutzung müsste das praktisch immer ausgelastete Parkhaus Tunnelgarage aufgehoben werden. Der Stadt Baden entgingen damit rund 660‘000 Franken an Parkgebühren. 24

Um den durch die Zentralisierung der Parkmöglichkeiten befürchteten Suchverkehr in der Innenstadt zu reduzieren, erstellte die Stadt ein Parkleitsystem und erhöhte die Parkgebühren auf zentralen Parkplätzen massiv. Damit sollte eine Regulierung der Parkplatzbenützung erreicht werden. Die drei zentralen Parkhäuser „Tunnelgarage“, „Theaterplatz“ und „Bahnhof“ weisen gegenwärtig die höchs- ten Gebühren auf, die etwas ausserhalb liegenden Parkings „Klösterli“, „Linde“ oder „Schadenmüh- leplatzbedeutend tiefere. 25

Wir sind der Ansicht, dass mit diesen letzten beiden Massnahmen die Stadt Baden erste Schritte für ein wirkungsvolles Verkehrsmanagement ergriffen hat. Wir fragen uns aber, warum für das Parkleit- system die in anderen Städten bestens bewährte Anzeige der in den verschiedenen Parkhäusern noch verfügbaren Parkplätze nicht gewählt worden ist. Beim jetzigen Parkleitsystem wird lediglich darüber informiert, ob ein Parkhaus besetzt ist oder nicht. Die Anzahl der freien Parkplätze wird aber nicht er- wähnt. Als Parkplatz suchender Automobilist möchte man aber bereits bei der Einfahrt in die Stadt wissen, wo wie viele Parkplätze noch zur Verfügung stehen. Momentan erfährt man erst nach der Überquerung des Schulhausplatzes, ob im Zentrum parkiert wer- den kann oder nicht. Mit einer Infotafel am Stadt- eingang liessen sich viele unnötige Fahrten in die Innenstadt vermeiden, weil dann direkt ein Parking am Stadtrand angesteuert werden könnte.

direkt ein Parking am Stadtrand angesteuert werden könnte. Als Automobilist wird man heute erst in der

Als Automobilist wird man heute erst in der Innen- stadt über die Parkplatzsituation informiert, hier zum Beispiel an der Bruggerstrasse aus Richtung Schulhausplatz. 26

24 Protokoll der Einwohnerratssitzung vom 27.01.04 Antrag 11/04

25 Vergleich Parkkosten Parkhäuser der Stadt Baden

26 Bild: Gabriel Müller, 2008

Baden ist. Infrastruktur

Bäderquartier

Bäderquartier

Die Thermalquellen im heutigen Badener Bäderquartier wurden schon von den Römern genutzt. Bis im Mittelalter entwickelte sich Baden zu einem weit herum bekannten Kurort. Doch von diesem Glanz ist heute leider nicht mehr viel zu spüren. Die Anzahl der Kurgäste ging in den letzten Jahrzehn- ten stark zurück, weil neue, modernere Bäder wie Schinznach oder Zurzach Baden den Rang abliefen. Diese beiden Kurorte erkannten in den letzten beiden Jahrzehnten den aufkommenden Wellness- Boom und schufen einerseits familienfreundliche Bade- und Vergnügungsmöglichkeiten und ande- rerseits investierten sie sehr viel Geld in den medizinischen Rehabilitationsbereich.

Die ehemals grossen und bei den Badegästen hoch angesehenen Hotels „Verenahof“, „Ochsen“ und „Bären“ mussten aufgrund mangelnder Auslastung ihren Betrieb einstellen. Ungenügende Investitio- nen im Hotel- wie im Badebereich führten dazu, dass diese Einrichtungen nicht mehr den Ansprü- chen der potentiellen Gäste entsprachen und darum je länger je mehr gemieden wurden. Damit be- gann in den 1980er Jahren der verheerende Teufelskreis, der dem einst berühmten Badener Bäder- quartier den Niedergang brachte. Das Fehlen von zeitgemässer Infrastruktur in Hotels und im Ther- malbereich führte zu weniger Besuchern und damit zu Einnahmeausfällen, die keine neuen Investiti- onen mehr zuliessen. Das Absinken in die Bedeutungslosigkeit als Bäderstadt fand damit seinen An- fang. Diese negative Entwicklung konnte leider bis heute nicht gestoppt werden. Eine Interviewpart- nerin sagte dazu treffend: „Es ist klar, dass die Stadt Baden nicht mehr die Bäderstadt ist, die sie vor 50 oder 100 Jahren war. Damals wusste man einfach, der Kurgast oder der Tourist kommt, ist einen Monat lang hier, badet, ist in Baden. Heute ist es Tagestourismus.“ 27 Das heisst, die Langzeitgäste sind zu Tagesgästen geworden. Die Hotels in Baden laden nicht mehr dazu ein, mehrere Tage oder Wochen in der Stadt zu bleiben.

dazu ein, mehrere Tage oder Wochen in der Stadt zu bleiben. Der Ochsen ist eines von

Der Ochsen ist eines von vielen Hotels, die ihren früheren Glanz verloren haben. 29

Bei einem Gang durch das heutige Bäderquartier ist der Niedergang an den leerstehenden und he- runtergekommenen Hotelgebäuden und den ehe- mals schönen, heute aber wild überwachsenen Pärken gut sichtbar. Auch der in den 70er Jahren erstellte Neubau des einstigen Gasthauses „Staad- hof“ ist bautechnisch in einem so miserablen Zu- stand, dass er abgebrochen werden muss. So wer- den die geplanten Investitionen ins Bäderquartier von allen Interviewpartnern als dringend nötig eingestuft, damit diesem vormals lebhaften und für Baden bedeutenden Quartier neue Impulse gegeben werden können. 28

27 I. 2, S. 64

28 AZT 18.03.08, S. 2

Baden ist. Infrastruktur

Bäderquartier

Seit über 20 Jahren versuchen die Entwicklungsabteilungen von Baden und Ennetbaden in enger Zusammenarbeit mit den Eigentümern der wichtigsten Hotels das Bäderquartier wieder zu neuem Leben zu erwecken, bis jetzt leider nur mit mässigem Erfolg. Die Hauptursache dieses Stillstandes lag in den schwierigen Besitzverhältnissen. Rund 75% des gesamten Quartiers gehörten der alten Besit- zerfamilie des Verenahofs. Sie konnte damit praktisch allein über das Schicksal des Bäderquartieres entscheiden.

Um eine nachhaltige Entwicklung zu garantieren, erarbeiteten die beiden betroffenen Gemeinden im Jahre 2002 den gemeindeübergreifenden „Entwicklungsrichtplan Bäderquartier Baden / Ennetbaden (ERP)“. Er setzt die Rahmenbedingungen für alle dieses Quartier betreffenden Projekte und sieht die Entwicklung des gemeindeübergreifenden Gebietes in fünf Teilen vor: Kernbereich der Bäder, Quar- tier Mättelipark / Thermalbad, Promenade Ennetbaden, Goldwand und Zentrum Ennetbaden. Damit waren weitere Vorgaben für die Ausgestaltung dieser Zone festgelegt. 30

für die Ausgestaltung dieser Zone festgelegt. 3 0 Der ERP gliedert die Bäderregion in fünf Gebiete.

Der ERP gliedert die Bäderregion in fünf Gebiete.

Nutzungskonzept 31

1 Kernbereich Bäder

2 Mättelipark / Thermalbad

3 Promenade Ennetbaden

4 Goldwand

5 Zentrum Ennetbaden

3 Promenade Ennetbaden 4 Goldwand 5 Zentrum Ennetbaden Obwohl sich die Stadt stets in Verhandlungen mit

Obwohl sich die Stadt stets in Verhandlungen mit den Grundbesitzern befand, fanden die Parteien aber wegen unüberbrückbarer Meinungsverschiedenheiten keine gemeinsame Lösung. Die beiden Partner hatten bezüglich des neuen Thermalbades und neuer Gebäudekomplexe zu unterschiedliche Vorstellungen. Oft waren aber auch die Pläne der Verenahof AG nicht mit dem Ortsbild- und Denk- malschutz vereinbar, sahen sie doch den Abbruch von denkmalgeschützten Bauten, wie dem „Och-

30 Entwicklungsrichtplan Bäderquartier Erläuterungen und Ziele 31 ERP Bäderquartier Bestimmungen und Pläne

Baden ist. Infrastruktur

Bäderquartier

sen“ oder dem „Bären“, vor. Höhepunkt der Auseinandersetzung zwischen Bauherr (Verenahof AG) und Stadtverwaltung bildete Ende 2005 die Ablehnung eines Baugesuches der Verenahof AG für ein neues Thermalbad aus den oben genannten Gründen. Danach waren die Verhandlungen und Pro- jektplanungen blockiert. 32

Ein Meilenstein in der Entwicklung des Bäderquartiers war der Herbst 2006, als eine Investorengrup- pe unter der Leitung von Benno Zehnder eine Aktienmehrheit von 70% der Verenahof AG übernahm und die Absicht bekundete, ein Gesamtprojekt zur Überbauung auszuarbeiten. Die Stadt und die Investoren setzten sich wieder an den runden Tisch und diskutierten ihre jeweiligen Vorstellungen. Auf Bitten der Verenahof AG wurde der Planungszeithorizont erweitert, der eine genaue Analyse der Rahmenbedingungen zulassen sollte. Die Bereiche Archäologie, Geologie, Quellennutzung und Denkmalschutz, die verkehrstechnische Erschliessung und schliesslich auch städtebauliche Anforde- rungen verlangten weitere Abklärungen, die in Zusammenarbeit mit den kantonalen Stellen durchzu- führen waren. Ende 2007 war man so weit.

Priorität hat bei den Investoren der Bau eines neuen öffentlichen Thermalbades. Damit sollen als erstes die täglich 1 Million Liter des schweizweit mineral- reichsten und 47 Grad warmen Thermalwassers ge- nutzt werden. Heute fliesst aus den 20 Quellen der grösste Teil ungenutzt in die Limmat. Zusätzlich möchte man auch das enorme Energiepotential für die Heizung des Aussenbades und der umliegenden Gebäude einsetzen. Der Investor rechnet für die Erstellung der Neubauten mit Kosten von rund 50 Millionen Franken. Die Etappierung der Investitionen wird damit begründet, dass ein rentabler Betrieb des Thermalbades die weiteren Projekte finanzieren soll. Dafür braucht es laut einer Machbarkeitsstudie etwa 500‘000 Eintritte pro Jahr, rund dreimal so viele wie heute.

Das jetzige Thermalbad entspricht nicht mehr den heutigen Anforderungen. 33

Anders als in Schinznach und in Zurzach sollen die neuen Anlagen weniger dem Vergnügen (Fun), als eher der Erholung der Gäste dienen. Ein ausgewogenes Wellness-Angebot soll diesem Anliegen Rechnung tragen.

Der Stadtammann Stephan Attiger sieht im Bäderquartier das grösste Entwicklungspotential der Stadt Baden. Für das gesamte Bäderquartier rechnet die Stadt mit Investitionen von rund 200 Millio- nen Franken. Die Nähe zu Zürich und zum süddeutschen Raum bietet ein Gästevolumen von unge- ahnter Grösse, wenn es gelingt, den ehemaligen guten Ruf als Bade-, Wellness- und Pflegezentrum wieder herzustellen. 34

Wellness- und Pflegezentrum wieder herzustellen. 3 4 3 2 AZ 18.03.08, S. 19 Antrag 30/08 3

32 AZ 18.03.08, S. 19 Antrag 30/08

33 Bild: Buch Franz & Hugo W.Doppler, „Baden, Vielfalt in der Kleinstadt“, Baden-Verlag 1989

34 AZT 18.03.08, S. 2 AZ 18.03.08, S. 19

Baden ist. Infrastruktur

Bäderquartier

Die zumeist unter Denkmalschutz stehenden ehemaligen Hotelbauten können nicht abgebrochen werden. Sie sollen „reaktiviert“, das heisst, mit modernster Infrastruktur versehen werden. Ziel ist es, im Dreieck „Ochsen“, „Bären“ und „Verenahof“ ein neues kleines Boutiquehotel entstehen zu lassen. Der Stadhoof ist neu für Wohnungen und Geschäfte vorgesehen, damit auch in diesem Quartier ein attraktiver Mix von Wohnen, Arbeiten und Freizeitgestaltung erreicht werden kann.

Für die neue Gestaltung des Bäderquartiers sind ein Sondernutzungsplan und eine Revision der Bau- und Nutzungsordnung (BNO) erforderlich, die Ende 2008 in Angriff genommen werden. Darin werden unter anderem auch die verkehrstechnische Erschliessung und das Parkplatzangebot geregelt. Es wird unumgänglich sein, neue Parkplätze zu schaffen. In der Abteilung Planung denkt man an einen Ausbau des Parkhauses Mättelipark, was einen Umweltverträglichkeitsbericht erfordert. Zurzeit läuft ein Studienauftragsverfahren, zu dem die Stadt zusammen mit der Verenahof AG fünf renommierte Planungsbüros eingeladen hat. An den Planungskosten von knapp zwei Millionen Fran- ken beteiligt sich die Stadt freiwillig zu rund einem Drittel. Damit zeigt sie ihr reales Interesse an einer zügigen und nachhaltigen Planung für die Aufwertung des Bäderquartiers.

Die Neubelebung der Limmatpromenade erfordert auch von Ennetbaden grosse Investitionen, die mit dem Bau des Umfahrungstunnels zum Teil bereits umgesetzt sind. Er ist eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine zukunftsweisende Entwicklung der Bäderhotels, weil nun die Uferprome- nade vom grossen Durchgangsverkehr befreit werden konnte. Bereits haben erste Investoren die Absicht bekundet, Ennetbadener Hotels zu renovieren und sie wieder als Badehotels zu führen. Mit dem Ausbau der Limmatpromenade und der Renovation der rechtsufrigen Gebäude strebt Baden eine allgemeine Aufwertung des gesamten Limmatraumes an. Weitere davon betroffene Aspekte sind im „gemeindeübergreifenden Konzept zur Aufwertung des Limmatraums“ aufgeführt, das 2007 publiziert wurde. Es sieht einerseits verschiedene kleinere Massnahmen im Bereich des Flussufers vor, die rasch umgesetzt werden können, andererseits aber auch grössere Projekte, die als separate Bauvorhaben betrachtet werden, wie zum Beispiel ein neues Beleuchtungskonzept für die Lim- matpromenade.

Die Projektstudien für das gesamte Bäderquartier sollen bis im Herbst 2008 vorliegen. Basierend darauf entstehen in der Folge die Sondernutzungsplanung (SNP) und die Revision der BNO. Gleichzei- tig wird das Baubewilligungsverfahren an die Hand genommen. Der Baubeginn ist nicht vor 2010, die Eröffnung des neuen Thermalbades etwa im Jahre 2012 zu erwarten. 35

Wir sind überzeugt, dass mit dieser nun klaren Planung wichtige Schritte in die Wege geleitet worden sind, die den ehemals guten Ruf der Stadt Baden als Bäderstadt wieder herstellen können. Künftige Investoren werden mit den zu erarbeitenden Planungsunterlagen (SNP und BNO) über klare Rah- menbedingungen verfügen, die es ihnen erlauben, zukunftsträchtige Projekte zu erarbeiten, die der alten Idee der „Blauen Stadt“ nachkommen werden.

35 AZ 18.03.08, S. 2/19 Antrag 54/07 www.baden.ch/xml_1/internet/de/application/d1/d1210/f633.cfm, aufgerufen am 05.10.08 Antrag 30/08

Baden ist. Infrastruktur

Hotellerie

Hotellerie

Schon lange sind die glorreichen Zeiten vorbei, als Touristen von weit her gereist kamen, um im Ba- dener Thermalwasser zu kuren. Baden war lange Zeit als Kurort weit bekannt, wovon auch die Hotel- lerie profitierte. Viele prächtige Hotels standen den Kurenden zur Verfügung. Noch heute erinnern einige dieser Hotels an den Glanz vergangener Zeiten. In Betrieb sind leider nur noch zwei. Zum einen das Atrium Hotel Blume, welches bereits 1421 das erste Mal in der Stadtgeschichte erwähnt wird 36 , zum anderen der Limmathof, welcher bereits im Jahre 1834 erbaut und in den letzten Jahren einer vollständigen Renovation unterzogen wurde. 37 Aber beim Spaziergang durch das Bäderquartier fallen einem auch viele Hotels auf, die geschlossen und am Verlottern sind. Sie haben vieles von ihrem ur- sprünglichem Glanz verloren, wie etwa auch das einstige „Flaggschiff des Kantons Aargau“ 38 , der Verenahof.

Doch wie sieht die allgemeine Situation in der Hotellerie heute aus? Fehlen wirklich die Gäste? Laut der Meinung unserer Interviewpartner ist dies überhaupt nicht der Fall. Es ist eher umgekehrt. Es fehlen die Hotels.

nicht der Fall. Es ist eher umgekehrt. Es fehlen die Hotels. Mit der Schliessung des Verenahofes

Mit der Schliessung des Verenahofes im Jahre 2002 erlitten die seit Jahren sinkenden Logiernacht-Zahlen

einen weiteren Einbruch. Die Kehrtwende Ende 2003 lässt aber auf eine bessere Zukunft hoffen. 39

Nach Jahrzehnten des Abschwungs hat in den letzten Jahren eine Kehrtwende stattgefunden und die Logiernächte nehmen mit über 5% pro Jahr zu. 40 Doch könnte die Zunahme nicht noch viel höher sein, wenn mehr Hotels vorhanden wären? Wahrscheinlich wäre dies der Fall, denn die meisten Ho- tels brillieren mit guten Auslastungen. Aber leider sind viele Hotels Urgesteine, die die goldenen Zei- ten schon hinter sich haben und mit der Entwicklung nicht Schritt halten konnten. So mussten unsere Interviewpartner oft etwas nachdenken, um auf die Frage zu antworten, ob sie ein empfehlenswer- tes Hotel in Baden kennen.

36 „Baden Portrait einer Stadt“, Hier + Jetzt Verlag, 2005, S. 64

37 www.limmathof.ch, aufgerufen am 05.10.08

38 I. 5, S. 91

39 Geschäftsbericht der Stadt Baden 2007, S. 54

40 GB 2007, S. 27

Baden ist. Infrastruktur

Hotellerie

In den letzten Jahrzehnten hat die Hotellerie in Baden eindeutig eine Veränderung mitgemacht. Frü- her machten die Kurgäste den grössten Teil der Übernachtungen aus. Doch dies ist seit längerem bei weitem nicht mehr der Fall. Mit den international erfolgreichen Firmen ABB und Alstom, die ihren Firmensitz in Baden haben, kommen sehr viele Geschäftsleute nach Baden. Man muss sich bloss einmal über die Mittagszeit vor den Trafokomplex stellen und die grosse Schar Personen in Anzügen ansehen, die vorbeimarschieren und in allen möglichen Sprachen miteinander sprechen. Es ist natür- lich nicht mehr so wie früher, als die Weite Gasse nach Feierabend von ABB Mitarbeitern überflutet war. Aber im Gegensatz zu damals kommen viel mehr Geschäftsleute aus aller Welt nach Baden im Auftrag der ABB oder Alstom. Diesen Wandel hat man auch beim Hotel Blume festgestellt. Obwohl die Blume im Bäderquartier liegt, also etwas weiter weg von den Firmenstandorten, sind 90% der Besucher Geschäftsleute von ABB, Alstom und anderen, kleineren Unternehmen. Die Auslastung von 70% ist ebenfalls im Steigen begriffen. 41

Auslastung von 70% ist ebenfalls im Steigen begriffen. 4 1 Diese Leute sind nicht unbedingt an

Diese Leute sind nicht unbedingt an einem Luxushotel in den Bädern interessiert, sondern sie brauchen ein Geschäftshotel, das nahe an ihrem Arbeitsort liegt und auch einfach zu errei- chen ist. Dies haben die Gründer der Blue City AG erkannt. Genau den Bedürfnissen der Geschäftsleute entsprechend, haben sie das neue Businesshotel Blue City gebaut. Dieses liegt ideal an der Güterstrasse, also direkt zwischen Bahnhof und Industrieareal. Bei der Einrichtung der Zimmer wurde sogar mit der Alstom gesprochen, damit die Zimmer alle technischen Eigenschaften haben, die die Gäste benötigen. Die Zielgruppe sind nämlich Geschäftsleute und Stadtgäste. Es überrascht also nicht, dass schon nach kürzester Zeit dieses Hotel mit einer Belegung von 90% brillieren kann.

Das Blue City Hotel gilt als Vorzeige- projekt für weitere Geschäftshotels. 42

Seit dem Jahre 1912 befand sich in diesem Haus das Gasthaus Löwen, bis zur Eröffnung des neuen Hotels im November 2007. Diesem Vorhaben ging die Gründung der Blue City Hotel AG im Jahre 2005 unter dem Unternehmer Werner Eglin und dem Architekt Stefan Wetzel voraus. Werner Eglin ist eine Figur, auf die man früher oder später stossen muss, wenn man sich mit der Entwicklung in Baden beschäftigt. Denn auch das neu eröffnete Restaurant Piazza am Theaterplatz gehört zur Blue City Hotel AG und mit dem Limmathof im Bäderquartier hat Baden ein weiteres Hotel Werner Eglin zu verdanken. Diese Konstellation soll auch Synergien bringen. So kann man zu guten Konditionen auch als Gast des Blue City Hotels das Wellness-Angebot des Limmathofes nutzen. Auch in Zukunft wird man wieder von Werner Eglin hören. Bereits plant er neue Investitionen, beispielsweise das Projekt „Hirschenim Bäderquartier und ein Bistro / Bar beim neu gestalteten Schlossbergplatz. 43

41 „Baden Portrait einer Stadt“, Hier + Jetzt Verlag, 2005, S. 65

43 AZT 27.10.07, S. 5 AZT 14.12.07, S. 6 AZT 21.12.07, S. 2 www.bluecityhotel.ch/xml_1/internet/de/application/d23/f24.cfm, aufgerufen am 06.10.08 Protokoll der Einwohnerversammlung Ennetbaden 14.06.2007, S. 12

Baden ist. Infrastruktur

Hotellerie

Ganz in der Nähe des Blue City Hotels befindet sich ein weiterer Gebäudekomplex, der unter dem Bettenmangel leidet: Das Kultur- und Kongresszentrum Trafo. Durch dessen Eröffnung vor wenigen Jahren wurde Baden eine sehr attraktive Stadt für Kongresse und Events. Baden liegt verkehrstech- nisch optimal an der Hauptverkehrsachse Zürich Bern und ist auch mit dem Zug sehr gut erreichbar. Die Trafohalle bietet alles, was man für einen gelungenen Kongress braucht, und auch Parkplätze sind genügend vorhanden. Doch es gibt einen grossen Nachteil. Man könnte hier Tagungen mit weit über 300 Personen durchführen, aber mit einem Hotelangebot mit gerade mal 390 Betten in der ganzen Stadt Baden ist es absolut unattraktiv, zweitägige Tagungen oder Tagungen mit Teilnehmern aus aller Welt durchzuführen. Bei solchen Anlässen sind die Teilnehmer gezwungen, sich in der wei- teren Umgebung ein Hotel zu suchen. Dieses Problem hat auch Peter Sterk erkannt, Inhaber der sterk cine ag, welche fünf Kinos im Trafo betreibt. Aus eigener Erfahrung weiss er, dass grosse Firmen interessiert wären, eine Veranstaltung im Trafo abzuhalten, aber aufgrund des Bettenmangels dies nicht tun. „Damit haben wir ein Problem mit der Hotellerie44 , findet Peter Sterk. Bei etwa 200 Events pro Jahr im Trafo würde sich also wohl auch hier eine Investition in ein neues Hotel lohnen. 45

auch hier eine Investition in ein neues Hotel lohnen. 4 5 Leidtragende des Bettenmangels sind unter
auch hier eine Investition in ein neues Hotel lohnen. 4 5 Leidtragende des Bettenmangels sind unter

Leidtragende des Bettenmangels sind unter anderem das Kultur- und Kongresszentrum Trafo und das Grand Casino Baden. 46

Als letzter Punkt bezüglich der Hotellerie ist das Grand Casino Baden zu erwähnen. Dieses ist seit einigen Jahren wohl das wichtigste Casino im ganzen Grossraum Zürich. Daher ist es verständlich, dass sehr viele Casinobesucher von weit her kommen. Dies hat erneut zu einer Zunahme der Gäste geführt, die hier gerne übernachten würden, denn nicht jeder will nach einem Abend im Casino wie- der nach Hause fahren. Für lediglich eine Nacht werden diese Gäste kaum den Luxus eines Badeho- tels brauchen, sie wären wohl froh um ein Stadthotel. Badens Tourismus besteht nicht nur aus Bade- gästen und Geschäftsleuten, die normalen Stadtbesucher darf man ebenfalls nicht vergessen. 47

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass eindeutig ein Bettenmangel in der Stadt Baden vorhanden ist. Grundsätzlich bestehen die folgenden drei Problemfelder:

Badehotels fehlen

Zu wenige Geschäfts-/Stadthotels

Hotel für das Kultur- und Kongresszentrum fehlt

44

45

46

47

I. 5, S. 91

www.trafobaden.ch, aufgerufen am 06.10.08

I. 5, S. 91/92

Bild rechts:www.grandcasinobaden.ch/unternehmen/jobs.php, herunterg.: 07.10.08

I. 2, S. 66

Baden ist. Infrastruktur

Hotellerie

Baden ist. Infrastruktur Hotellerie Die nächsten Jahre werden zeigen, ob der geschlossene Verenahof wieder zu einem

Die nächsten Jahre werden zeigen, ob der geschlossene Verenahof wieder zu einem führenden Badehotel werden wird. 48

Da der Gesamtsituation im Bäder- quartier ein eigener Bericht gewid- met ist, gehen wir hier nur auf des- sen Hotelsituation ein. Ohne Zweifel haben die Badehotels viel von ihrer Bedeutung verloren. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die gesamte Situation im Bäderquartier nicht ideal ist. Man ist sich einig, dass die Hotels nur zum alten Glanz zurück- finden können, wenn als erstes ein- mal das Thermalbad neu gestaltet wird. Nur so bringt man die Gäste zurück ins Bäderquartier, wodurch die Übernachtungen wieder steigen würden.

Seit dem Investorenwechsel bei der Verenahof AG im Jahre 2006 hat sich nun einiges getan. Auf- grund des riesigen Ausmasses des Bäderquartierprojektes will sich der Investor zuerst einmal auf das Thermalbad konzentrieren. Erst in einem späteren Schritt sollen Hotels und Wohnungen folgen. Ge- plant ist ein Boutiquehotel (eher kleines Hotel mit Ambiente). Dafür werden eventuell die ehemali- gen Hotels Verenahof, Ochsenoder Bärenreaktiviert. Da taucht aber das Problem des Denk- malschutzes auf, worüber eine kürzlich veranlasste Studie Aufschluss geben soll. 49

Mit dem Umfahrungstunnel in Ennetbaden hat auch dieses Gebiet wieder an Reiz gewonnen und die sogenannten kleinen Bäder“ auf der Ennetbadener Seite gewinnen wieder an Bedeutung. Dort in- vestiert bereits Werner Eglin mit seinem Projekt „Hirschen“. „Geplant ist ein sechsgeschossiger Bau mit 30 Wohnungen à la Apparthotel, 18 Hotelzimmern sowie ein Wellness- und Medizinbereich im Erdgeschoss. Ursprünglich sah man sieben Geschosse vor, reduzierte das Projekt jedoch aufgrund des Auflageverfahrens.“ 50 Dabei sollen auch Synergien mit dem Limmathof genutzt werden. Bereits Ende 2009 soll das neue Gebäude bezugsbereit sein. 51

Die Eröffnung des Blue City Hotels in der Innenstadt war wohl nur der Anfang, denn noch immer be- steht ein grosses Potential. Der Bettenmangel ist bei weitem noch nicht behoben. Doch weshalb dauerte es solange, bis überhaupt etwas getan wurde? Die Realisierung des Projekts Blue City Hotel hat mehrere Millionen gekostet. Dies ist eine eher langfristige Investition, die nicht einfach leichtfer- tig getätigt wird. Peter Sterk, selber einmal Eigentümer eines Hotels, führt dies auch darauf zurück, dass man glaubt, es rentiere sich nicht. Wenn man genügend investiert und ein gewisser Komfort besteht, dann kommen die Gäste schon. 52 Im Nachhinein kann man sagen, dass das Blue City ein Vorzeigeobjekt ist, welches die Erwartungen sogar übertroffen hat und Vorbild für neue Projekte sein kann. Ein solches Projekt ist auch bereits in Planung. Dieses wird dem Kongress- und Kulturzentrum Trafo, wie auch den Geschäftsleuten helfen. Das Trafo 2, die ehemalige Halle 38, soll aufgestockt und

48 www.thermalbaden.ch/photoalbum/index.html, aufgerufen am 07.10.08

49 AZT 18.03.08, S. 2

50 AZT 21.12.07, S. 2

51 AZT 21.12.07, S. 2

52 I. 5, S. 92

Baden ist. Infrastruktur

Hotellerie

ein neues Boutiquehotel inklusive Restaurant gebaut werden. Die Initiative geht dabei von der Alstom aus, welche dies dringend benötigt. Zurzeit werden noch Investoren gesucht, doch Stadtam- man Stephan Attiger ist guter Dinge, dass auch dieses Projekt gelingen wird. Es steht zwar noch am Anfang der Planung, aber es ist bestimmt eine notwendige Investition, um den Wirtschafts- bezie- hungsweise den Kongressstandort Baden zu erhalten und zu stärken. 53

Aus unseren Interviews ging hervor, dass der Hotelmangel bekannt ist. Doch bei unseren Recherchen haben wir bemerkt, dass dies nicht nur der Bevölkerung bekannt ist. Die Stadt engagiert sich sehr, zurzeit vor allem im Bäderquartier. Auch verschiedene Investoren, allen voran Werner Eglin, haben diese Situation bemerkt und handeln entsprechend. Keine Frage braucht Baden weitere Hotels. Ge- nau wie es vorgesehen ist, finden auch wir, dass man zuerst das Thermalbad in Schwung bringen muss. Danach würden die Gäste automatisch wieder kommen. Am ehesten sähen wir da eine Reno- vation und Wiedereröffnung der alten Hotels. Dieses Ambiente und die Geschichte die in diesen Wänden stecken, können durch einen kompletten Neubau nicht ersetzt werden. Dies ist ein schwie- riges und kostenaufwendiges Unternehmen auch in Bezug auf den Denkmalschutz. Doch wir denken, diese Investition würde sich lohnen. Gegen die allgemeine Bettennot wurde mit dem Blue City Hotel eine gute Teillösung gefunden. Eine idealere Lage gibt es aus unserer Sicht fast nicht. Doch es braucht weitere Hotels, da sind wir uns sicher. Am besten im Gebiet des Trafos. Zwischen Bahnhof und Industrieareal und in der Nähe des Trafokomplex wäre dies ideal. Dem würde das Boutiquehotel im Trafo 2 entgegenkommen.

Weitere Investitionen sind unserer Meinung nach unbedingt notwendig, doch dies ist nicht von heute auf morgen zu lösen. Unsere Interviewpartner sind der Meinung, dass dies nicht die Aufgabe der Stadt, sondern von Privaten ist. Es sind auch einige sehr gute Projekte im Gange. Im Bereich der Ho- tellerie ist es noch ein langer Weg, doch die laufenden Projekte zeigen aus unserer Sicht in die richti- ge Richtung.

zeigen aus unserer Sicht in die richti- ge Richtung. Hotels im Stadtzentrum 5 4 1 Hotel

Hotels im Stadtzentrum 54

1 Hotel Linde

2 Blue City Hotel

3 Best Western Hotel Du Parc

4 Hotel Limmathof

5 Atrium Hotel Blume

53 AZT 19.09.08, S. 6

54 Karte: http://maps.google.ch/maps?hl=de&ie=UTF8&q=hotel+Baden&fb=1&view=map&cd=1, herunterg.:

11.10.08

Baden ist. Infrastruktur

Plätze und Pärke

Plätze / Pärke

Baden verfügt über ein relativ grosses Angebot an öffentlichen Plätzen und Pärken. Dabei sind je- doch längst nicht alle bei der Bevölkerung gleich beliebt. Ein häufiger Kritikpunkt ist dabei beispiels- weise, dass diverse Plätze zu wenig belebt sind und dass sie falsch gestaltet wurden. Zudem gibt es auch erhebliche Unterschiede zwischen privaten Pärken (z.B. Boveripark, Langmatt) und solchen, die unter öffentlicher Verwaltung stehen. Es zeigt sich, dass private Pärke häufiger als besser gepflegt und gestaltet eingestuft werden. Die Bevölkerung schätzt die grosse Anzahl an Plätzen und Parkanla- gen und heisst deren Aufwertung durch Sanierungen (Kurpark, Schlossbergplatz, Theaterplatz) mit grosser Mehrheit gut. Da sich aber die Situation an den diversen Orten äusserst unterschiedlich prä- sentiert, werden wir nun die wichtigsten Plätze und Pärke genauer analysieren.

Trafoplatz

Der Trafoplatz hat bei unseren Interviews überwiegend negative Kritik einstecken müssen. So wurde er unter anderem als „völlig missraten“ 55 , ja sogar als „pure Katastrophe“ 56 bezeichnet. Kritisiert wird, dass der Trafoplatz „nun mal ein Platz ist, der nicht so lebt“ oder dass er „weit weg ist von dem, was er sein könnte“ 57 . Ausserdem fehlen dort eine passende Möblierung und Sitzgelegenhei- ten und der Kiesbelag wird als ungeeignet beurteilt. Auch die Stadt gesteht Fehler ein: „Prämissen bei der Platzgestaltung waren das Open-Air Kino und andere Events. Dazu benötigte man einen Bo- denbelag, der die Anlieferung mit schweren Lastwagen zulässt“, erklärt Stadtamman Stephan Atti- ger. In der Realität habe sich nun gezeigt, dass die Nähe zum Wohnquartier Martinsberg nur eine beschränkte Nutzung solcher Anlässe zulasse, sagte Attiger weiter. 58 Die Aargauer Zeitung schrieb dazu: „Bei der Kreditabrechnung für den Trafoplatz wird wohl weniger der finanzielle Aspekt zur Diskussion kommen, denn mit 2.325 Mio. Franken schliesst die Investition praktisch im Rahmen des bewilligten Kredites. Vielmehr hat der Platz als solcher die Herzen der Bevölke- rung noch nicht erobern können; oder anders herum: Die Gestaltung stösst ver- einzelt auf Kritik.“ 59 Demnach hat die Stadt bereits bei der Gestaltungs- und Nutzungsplanung Fehler begangen und die Nähe zum neu entstehenden Wohn- quartier nicht beachtet.

Nähe zum neu entstehenden Wohn- quartier nicht beachtet. Der völlig ausgestorbene Trafoplatz 6 0 5 5

Der völlig ausgestorbene Trafoplatz 60

55 I. 3, S. 71

56 I. 6, S. 97

57 I. 2, S. 60

58 AZT 04.12.07, S. 6

59 AZT 04.12.07, S. 6

60 Bild: Yvo Bühler, 2008

Baden ist. Infrastruktur

Plätze / Pärke

Gemäss der Meinung unserer Interviewpartner „müsste man halt ein paar Strassencafés mehr ma- chen, weil das Leben bringt61 . Mehr Sitzgelegenheiten würden auch Leute anlocken, um ein Buch zu lesen oder einfach dort zu verweilen. Die Stadt liess dazu jedoch verlauten: „Ja, der Trafoplatz ist nicht so herausgekommen, wie wir es uns vorgestellt hatten.“ Die Situation werde sich verbessern, wenn der zweite Teil des Trafocenters einmal in Betrieb gehe und die neuen Wohnbauten in der Nachbarschaft bezogen seien, ist der Stadtamman überzeugt. 62

Diese Aussage wiederspiegelt klar, dass die Stadt momentan keinen Handlungsbedarf sieht und da- von ausgeht, dass sich das Problem in Zukunft von selbst lösen wird.

Theaterplatz

Neben dem Trafoplatz hat bei unseren Interviews auch der Theaterplatz einiges an Kritik abbekom- men. Im Gegensatz zum Trafoplatz gab es aber auch einige positive Aussagen. Ein wichtiger Kritik- punkt war wie beim Trafoplatz der Kiesbelag. Dieser sei nämlich bei Trockenheit sehr staubig und bei Nässe sei er ebenfalls unangenehm. 63 Ein Leserbrief in der Aargauer Zeitung geht noch weiter: Der Theaterplatz wurde mit einer gestalterischen Kälte angelegt, dass sich die Leute nicht begegnen wol- len. Man durchquert den Platz irritiert, die meisten Menschen gehen intuitiv die asphaltierte Strasse um den Platz entlang.64 Dieser Leserbrief aus der AZ wird bestätigt durch die Aussage, dass es ein wenig mehr Leben auf dem Theaterplatz haben dürfte. 65 Dies sollte nach Meinung der Befragten durch zusätzliche Möblierung erreicht werden. Es gibt jedoch auch diverse positive Meinungen. Beispielsweise wird die Möblie- rung als gut beschrieben. Der zentrale freie Platz lässt sich gut für Veranstaltungen nutzen. 66 So wurde zum Beispiel die Live- übertragung der EM-Spiele auf dem Theaterplatz von diversen Seiten gelobt, da dadurch der Platz optimal genutzt werden konnte.

gelobt, da dadurch der Platz optimal genutzt werden konnte. Der neue Theaterplatz mit seiner kargen Möblierung

Der neue Theaterplatz mit seiner kargen Möblierung und dem Kiesbelag 67

Es ist aber nach wie vor so, dass sich die Geister am Theaterplatz scheiden. Die einen finden ihn ge- lungen, während andere ihn kritisieren. Der Stadtammann Stephan Attiger beschwichtigt und glaubt, dass der Theaterplatz einfach seine Zeit brauche. 68 Auch hier sieht der Stadtrat momentan keinen

61 I. 8, S. 111

62 AZT 26.11.07, S. 6

63 I. 3, S. 71

64 AZT 22.11.07, S. 11 (Leserbrief)

65 I. 8, S. 111

66 I. 4, S. 80

67 Bild: Yvo Bühler, 2008

68 AZT 26.11.07, S. 6

Baden ist. Infrastruktur

Plätze / Pärke

Handlungsbedarf und hofft, wie beim Trafoplatz, auf eine zunehmende Akzeptanz dieser Plätze in der Zukunft. Diese Haltung stimmt die Kritiker aber keineswegs zufrieden und sie verlangen einen durch Strassencafés belebteren Platz und die Schaffung zusätzlicher Sitzmöglichkeiten, die mehr Leute zum Verweilen einladen sollen.

Schlossbergplatz

Momentan sind die Bauarbeiten am Schlossbergplatz voll im Gange. Doch was soll eigentlich mit dieser millionenschweren Sanierung erreicht werden? Primäre Ziele sind sicherlich die Aufwertung des Stadtbildes und die Verbesserung der heiklen Verkehrssituation, treffen dort doch motorisierter Individualverkehr, Busse und reger Langsamverkehr (Fussgänger und Radfahrer) aufeinander. Zudem soll die Raserei in der Sodakurve, umgangssprachlich auch Manorkurve genannt, unterbunden wer- den. 69 Ein Ziel sei es weiter, mit der Neugestaltung des Blinddarmes (Unterführung Stadtturmstras- se) eine attraktive Verbindung zwischen der Innenstadt in den Gebieten westlich des Bahnhofs zu erreichen, in denen gegenwärtig 320 Wohnungen und 450 Arbeitsplätze neu geschaffen werden. 70 Der Schlossbergplatz ist der meistfrequentierte Platz der Innenstadt, der entsprechend seiner Be- deutung gestaltet werden soll. 71 Die Bevölkerung hat den Baukredit über 8.123 Millionen mit 2924 Ja zu 749 Nein Stimmen klar angenommen 72 und damit ihre Unterstützung zu diesem Projekt klar un- ter Beweis gestellt. Den- noch gibt es auch Kritiker der neuen Schlossberg- platzgestaltung. Sie fordern insbesondere eine Ver- kehrsbefreiung vom Bus und damit mehr Fussgän- gerfreundlichkeit. 73

vom Bus und damit mehr Fussgän- gerfreundlichkeit. 7 3 Computersimulation des geplanten Schlossbergplatzes 7 4

Computersimulation des geplanten Schlossbergplatzes 74

Die Befürchtung, dass sich durch die Schliessung des Blinddarmes die Verkehrssituation bei der Ha- selstrasse merklich verschlechtern würde, hat sich zum Glück nicht bewahrheitet. 75 Die Mehrzahl unserer Interviewpartner begrüsst aber die Sanierung. Man wünschte insbesondere mehr Fussgän- gerzonen, die sich bestimmt positiv auf das Kaufverhalten in den Innenstadtgeschäften auswirken würden. 76 Im Grossen und Ganzen freut sich die Bevölkerung auf einen neuen zentralen Platz.

69 AZT 27.09.07, S. 1

70 AZT 27.09.07, S. 6

71 AZT 27.09.07, S. 25

72 AZT 26.11.07, S. 1

73 I. 3, S. 71

74 http://www.hkp-bauing.ch/uploads/pics/big_WAB_innen_bearb_04.jpg, herunterg.: 24.10.08

75 I. 3, S. 70

76 I. 1, S. 50; I. 8, S. 109

Baden ist. Infrastruktur

Kurpark

Plätze / Pärke

Auch beim Kurpark gehen die Meinungen der Befragten auseinander. Einige begrüssen die Sanie- rung, andere reden von verschwendetem Geld. Die grösste bauliche Veränderung, der Ersatz des alten, undichten Weihers durch einen grösseren, stösst überall auf positive Resonanz. Auch die neue Beleuchtung und die Verlegung des Gehweges werden von allen gutgeheissen. Die bessere Beleuch- tung soll dazu beitragen, die Sicherheit im Park zu erhöhen und das Problem des Litterings in den Griff zu bekommen. 77

Grundsätzlich wirft man aber den Verantwortlichen vor, dass sie sich in der Vergangenheit nicht wirklich überlegt haben, was man grundsätzlich im Park ändern müsste, um ihn für eine Nutzung während des ganzen Jahres attraktiver zu machen. 78 Eine Antwort darauf kann sicher die aktuelle Umgestaltung nur zum Teil sein. Gefragt sind Ideen, die den Park als ganzes benutzerfreundlicher erscheinen lassen und möglichst viele Besucher zum Aufenthalt in diesem Park einladen.

Boveripark

Vorab ist zum Boveripark zu sagen, dass dies der einzige private Park ist, der in unserer Auswertung berücksichtigt wurde. Er erhielt seitens unserer Interviewpartner nur positive Rückmeldungen. Die folgende Aussage eines Interviewpartners fasst die allgemeine Meinung sehr gut zusammen: „Also sicher etwas vom Schönsten ist der Boveripark, dort hat es sehr wenige Leute, er ist wunderschön gepflegt, er ist historisch erhalten, und um ein wenig draussen zu sein, gehe ich dorthin.79 Dem- nach besteht beim Boveri- park momentan kein Hand- lungsbedarf für Verbesse- rungen und wir können nur hoffen, dass er auch in Zu- kunft so schön und gepflegt bleibt.

dass er auch in Zu- kunft so schön und gepflegt bleibt. Der Boveripark in seiner ganzen

Der Boveripark in seiner ganzen Schönheit 80

Zusammenfassend kann man sich aber fragen, ob Baden mit seinen grossen und attraktiven Naher- holungsgebieten (Baldegg, Lägern, Teufelskeller) überhaupt ein derartiges Angebot an Parks braucht, deren Pflege und Unterhalt relativ aufwändig sind. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Stadtbe- wohner kleinere Ausflüge in die Umgebung anscheinend vorziehen.

77 I. 4, S. 81

78 I. 6, S. 97

79 I. 3, S. 71

80 http://www.heimatschutz.ch/cms/dyn_media/gallery/pics/GP_Baden_Villa_Boveri.jpg, herunterg.: 24.10.08

Baden ist. Infrastruktur

Fussgänger

Fussgänger

Geologisch und topographisch gesehen befindet sich Baden an einem idealen Standort. Als im 13. Jahrhundert die Holzbrücke über die Limmat gebaut wurde, entwickelte sich Baden zum regiona- len Verkehrsknotenpunkt. 81 Daher wurde schon immer viel unternommen, um die Verkehrssituation zu verbessern. Auch jetzt steht mit der Schulhausplatzsanierung ein riesiges Projekt vor der Tür. Daneben darf man aber nicht die Fussgänger vergessen. Oft wird der Fussverkehr unterschätzt, ob- wohl das Zufussgehen 40% des Unterwegsseins ausmacht. 82 Er sollte also ein wichtiger Bestandteil jedes Verkehrskonzeptes sein.

In Baden hat man das schon früh gemerkt. Im Jahre 1973 führte Baden in der Badstrasse als erste Gemeinde der Schweiz eine verkehrsfreie Zone ein. 83 Die Badstrasse ist nun nicht mehr die Verkehrs- verbindung zwischen Altstadt und Bäderquartier, die sie über Jahrhunderte gewesen war. Bereits ab dem Jahre 1830 wurde die damalige Badhalde zur Ladenstrasse von Baden. Die Buchhandlung Dopp- ler an der Badstrasse gibt es beispielsweise schon seit über 120 Jahren. 84 Durch den Entscheid im Jahre 1973 wurde die Badstrasse endgültig zur Flaniermeile in der Stadt. Heute ist sie fast zu jedem Zeitpunkt mit Menschen bevölkert. Auch unsere Interviewpartner sind sich weitgehend einig, dass Fussgängerzonen sich positiv auf die Lebensqualität einer Stadt auswirken.

sich positiv auf die Lebensqualität einer Stadt auswirken. Aus der ehemals befahrenen Badstrasse wurde die erste
sich positiv auf die Lebensqualität einer Stadt auswirken. Aus der ehemals befahrenen Badstrasse wurde die erste

Aus der ehemals befahrenen Badstrasse wurde die erste Fussgängerzone der Schweiz. 85

Ein Alternative zur Fussgängerzone ist die Begegnungszone, die es als rechtlich definiertes Gebilde seit dem Jahre 2002 gibt. Bereits vorher existierten Projekte, die einen ähnlichen Charakter hatten. Aber erst 2002 wurde die Begegnungszone offiziell zugelassen. 86 Den Bahnhofplatz in Baden baute man daraufhin zu einer Begegnungszone um. Baden gehörte also auch hier zu den ersten Gemein- den, die dies einführten. 87

81 Fusswegkonzept, S. 13

82 Fusswegkonzept, S. 10

83 Uli Münzel, „Daten zur Badener Geschichte“, 1991, S. 32/44

84 Festschrift: Hugo W. Doppler, „Hundert Jahre Buchhandlung Doppler an der Badstrasse in Baden“, 1985

85 Bild links: Hans Krissler, „Badstrasse im Wandel der Zeit“, 1997 Bild rechts: Severin Etzensperger, 2008

86 www.begegnungszonen.ch/home/geschichte.aspx, aufgerufen am 06.10.08

87 www.begegnungszonen.ch/home/zone_liste.aspx, aufgerufen am 06.10.08

Baden ist. Infrastruktur

Fussgänger

In der Altstadt befindet sich weder eine Fussgängerzone noch eine Begegnungszone, trotzdem hat sie eine gewisse Attraktivität für die Fussgänger. Früher sah dies noch anders aus. Bis im Jahre 1845 zwängte sich noch der gesamte Durchgangsverkehr nach Mellingen durch die enge Mittlere Gasse. Mit dem steigenden Verkehrsaufkommen, bedingt durch den Bau der Spanischbrödlibahn (1847) und der Industrialisierung, entwickelte sich dann die Weite Gasse zur Verkehrsader. Diese war vorher lediglich die Marktgasse gewesen. Nun bildeten sich vor dem Schulhauplatz oft lange Fahrrad- und Autokolonnen, vor allem nach Dienstschluss bei der BBC. Heute ist der Individualverkehr weitgehend aus der gesamten Altstadt verbannt. Nur noch Zulieferern und Anstössern ist die Zufahrt erlaubt. Dies auch dank dem Bau der Hochbrücke im Jahre 1926, was eine grosse Verkehrsentlastung für die untere Altstadt zur Folge hatte. 88

Auch wenn die Mehrheit der Befragten die heutige Fussgängersituation an sich als gut beschreibt, gibt es doch auch einige Schwachstellen. Noch immer zwängen sich viele Busse durch die Weite Gas- se. Dies wird nicht von allen gutgeheissen. Mehrheitlich wären die Anwohner dafür, dass man den Bus aus der Weiten Gasse verbannen würde, bestätigt uns die Präsidentin des Quartiervereins obere Altstadt. 89 Man ist auch bereits daran, eine Lösung zu suchen. Mit der Sanierung des Schulhausplat- zes sollte auch gleich dieses Problem beseitigt werden. Eine Möglichkeit wäre, den Bus durch die Tunnelgarage zu führen, doch die Entscheide dazu stehen noch aus 90 Einen ersten Schritt, um den Fussgängern in der Weiten Gasse das Leben zu erleichtern, hat man bereits provisorisch bis zum de- finitiven Entscheid getan. Die Strasse wurde für den Verkehr enger gemacht und ist zwischen „Mode Baumgartner“ und „Little Italy“ nur noch einspurig befahrbar. Die Strassencafés können nun auf der verbreiterten Fussgängerzone Tische aufstellen und Fussgänger haben allgemein mehr Platz. Auf dieses Projekt gab es fast nur positive Rückmeldungen, was noch einmal verdeutlicht, dass man Pro- jekte zur Verkehrsberuhigung und zum Vorteil der Fussgänger unterstützt. 91

Doch es gibt auch Projekte, die etwas umstritten sind. So beispielsweise die vier Begegnungszonen in Baden (Bahnhofplatz, Lägernstrasse, Martins- berg, Schmiedeplatz). 92 Diese Zonen können auch Gefahren mit sich führen, bemerkten eini- ge unserer Interviewpartner. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Begegnungszonen noch nicht weit verbreitet und bekannt sind. Eigentlich hätte immer der Fussgänger Vortritt, aber dies ist bei weitem nicht der Fall. Es ist nicht immer allen Verkehrsteilnehmenden be- wusst, wie sie sich verhalten müssten. Dies kann auch zu gefährlichen Situationen führen. 93

Dies kann auch zu gefährlichen Situationen führen. 9 3 Bei der umstrittenen Begegnungszone Bahnhof Ost kreuzen

Bei der umstrittenen Begegnungszone Bahnhof Ost kreuzen sich Busse, Autos und Fussgänger. 94

88 Hugo W. Doppler & Edi Zander „Baden seine Weite Gasse“, Baden Verlag, 1987, S. 7/17 Uli Münzel, „Daten zur Badener Geschichte“, 1991, S. 41

89 I. 3, S. 69/70

90 AZT 08.04.08, S. 2

91 AZT 12.04.03, S. 1 AZT 26.04.03, S. 2

92 www.begegnungszonen.ch/home/zone_liste.aspx, aufgerufen am 06.10.08

93 I. 2, S. 58

94 Bild: Gabriel Müller, 2008

Baden ist. Infrastruktur

Fussgänger

Auch bei den Fussgängerzonen gibt es Ungereimtheiten. So gibt es sehr viele Ausnahmebewilligun- gen, um doch oder länger in die Fussgängerzone fahren zu können, was sich sehr störend auswirkt. Max Romann, stellvertretender Kommandant der Stadtpolizei Baden, hat uns aber mitgeteilt, dass sich dies in nächster Zeit ändern soll. 95

dass sich dies in nächster Zeit ändern soll. 9 5 Der architektonisch gelungene Limmatsteg erhielt im

Der architektonisch gelungene Limmatsteg erhielt im Jahre 2007 den Schweizer Stahlbaupreis „Prix Acier“. 97

Ein anderes, kürzlich realisiertes Projekt hat mehr Zustimmung gefunden: Der neue Prome- nadenlift inklusive Limmatsteg, der Ennetbaden mit dem Bahnhofplatz verbindet. Doch sogar hier finden sich kritische Stimmen. Die Gewerbe- treibenden aus der Unteren Altstadt klagen nun über weniger Kundschaft. 96 Der Limmatraum hingegen hat dadurch wieder mehr Aufwind erhalten.

Doch auch dort besteht noch Handlungsbedarf, damit er zu einem sehr schönen Erholungsraum wird. Er wurde lange Zeit vernachlässigt, doch nun will dies die Stadt mit dem Konzept Aufwertung Lim- matraum“ gemeinsam mit Ennetbaden ändern. Es stehen daher einige Veränderungen an. Man will beispielsweise die Möblierung verbessern, damit einige Stellen an der Limmat wieder richtig erlebbar werden. 98

Um auch die Meinung der Bevölkerung zum Thema Verkehr zu erfahren, wurden in den letzten Jah-

ren Verkehrsforen durchgeführt. Beim zweiten, das im Jahre 2004 stattfand, ging es um die Fussgän- ger. Dabei kam heraus, dass die Situation an sich nicht schlecht ist, aber ein Fusswegkonzept fehlt. Die Fussgängeranliegen seien unorganisiert und würden dadurch zum Teil vernachlässigt. 99 Die Stadt hat daraufhin reagiert und zusammen mit dem Verein „Fussverkehr Schweiz“ ein Fusswegkonzept

erarbeitet, welches Ende 2007 präsentiert wurde. Dieses soll „[

nuierliche Optimierung und Verbesserung der Fussgängersituation schaffen.100 Dabei wurde die ganze Innenstadt systematisch vor Ort untersucht und im Ganzen 197 Schwachstellen festgestellt. Problematisch zeigte sich die Trennwirkung der Hauptverkehrsachsen und die vielen Fussgängerun- terführungen wurden als unattraktiv eingestuft. Diese sind auf vergangene Planungsphilosophien der Verkehrstrennung zurückzuführen. Doch auch positive Sachverhalte zeigten sich. Als Qualitäten stell- ten sich die zentralen Fussgängerzonen, die Altstadt sowie die guten Bezüge zur Natur heraus. Die Ergebnisse wurden unter anderem in einer Qualitäts- und Problemkarte festgehalten. 101

]die

Voraussetzungen für die konti-

95 I. 4, S. 78

96 AZT 08.03.08, S. 6

98 AZT 05.12.07, S. 6

99 Antrag 11/06, S. 4/5 100 Fusswegkonzept, S. 5 101 Fusswegkonzept, S. 5

Baden ist. Infrastruktur

Fussgänger

Baden ist. Infrastruktur Fussgänger Die Karte zeigt klar die Hauptprobleme des Langsamverkehrs: Die Trennwirkung des

Die Karte zeigt klar die Hauptprobleme des Langsamverkehrs: Die Trennwirkung des Bahntrassees und der Bruggerstrasse, die unattraktiven Fussgängerunterführungen und die die Fussgänger benachteiligenden Licht- signale in Baden Nord. 102

Zurzeit unternimmt die Stadt Baden sehr viel in Bezug auf den Verkehr und auch im Bereich des Fuss- verkehrs bleibt sie nicht untätig. Dank der Schlossbergplatzerneuerung wird auch dieser zu einer Begegnungszone umfunktioniert. 103 Dies wird sicher die Qualität steigern, auch wenn aus unseren Interviews hervorging, dass man sich möglichst viele Fussgängerzonen wünscht. Eine Begegnungszo- ne ist aber sicher ein Anfang. Mit den Jahren werden diese Zonen sich wohl auch mehr etablieren und das Verhalten darin klarer werden. Mit dem Projekt Schulhausplatz wird sich schon bald auch die Frage klären, ob man den Bus aus der Weiten Gasse nehmen wird. Daneben kümmert man sich nun Schritt für Schritt um die vielen Schwachstellen, die man dank dem Fusswegkonzept entdeckt hat. Dies soll in den kommenden Jahren verwirklicht werden. Der Kredit von CHF 500`000 wurde Anfang dieses Jahres einstimmig vom Einwohnerrat genehmigt. 104 In der gleichen Sitzung wurde auch das Projekt Fussgängersignaletik bewilligt. Dies ist ein Anliegen, das schon seit Jahren besteht und nun aufgrund des Fusswegkonzepts realisiert werden soll. Es soll damit die Orientierung in der Stadt verbessert werden. 105

102 Fusswegkonzept, S. 5

103 Antrag 43/07

104 ER-Protokoll, 29.01.08, S. 20

105 ER-Protokoll, 29.01.08, S. 26

Baden ist. Infrastruktur

Fussgänger

Man kann nicht sagen, Baden wäre extrem fussgängerfreundlich, es gibt noch einige Ungereimthei- ten. Doch diese sind den Behörden klar. Die Stadt Baden hat oft eine Vorreiterrolle gespielt und ist nun auch wieder auf einem guten Weg, zu einer fussgängerfreundlichen Stadt zu werden. Eigene Lösungsvorschläge zu machen, wäre hier fast vermessen. Die Stadt hat in den letzten Jahren riesige Studien veranlasst, die wohl alle Probleme aufgedeckt haben. Diese muss man nun in den kommen- den Jahren beheben. Von uns aus gesehen ist es wichtig, die Innenstadt möglichst vom Individualver- kehr und auch von den Bussen zu befreien. Dies würde die Lebensqualität erheblich steigern. Doch auch da sind Experten daran, eine Lösung zu finden. Daher kann man in diesem Bereich sagen, dass die Stadt einen guten Job macht.

Baden ist. Infrastruktur

Kultur

Kultur

Will man die Qualität des Badener Kulturangebotes beurteilen, muss man auch hier die einzelnen Bereiche genauer unter die Lupe nehmen. In den verschiedenen Interviews wurde das grosse Ange- bot an kulturellen Anlässen immer wieder lobend erwähnt.

Kurtheater

Beim Thema Kurtheater waren sich alle Interviewpartner in einem Punkt einig, der dringend nötigen Renovation, die in den letzten Monaten Gegenstand vieler öffentlicher und politischer Diskussionen war. 106 Zentraler Punkt dabei waren der Umbau und die Neugestaltung des Sachsfoyers. Die eher konservativen Meinungen bevorzugen aus Respekt gegenüber den ehemaligen Architekten eine Renovation der bestehenden Gebäudeteile, die eher progressiven wünschen sich eine moderne Neugestaltung der Foyers, um das Kurtheater neu zu positionieren. Es wird von unseren Interview- partnern grösstenteils als eine kulturelle Bereicherung angesehen, die die Stadt unbedingt finanziell unterstützen muss. 107 Das Kurtheater soll neben seiner Funktion als wichtigstes Theater einer Gross- region im Rahmen der Wiederbelebungsversuche des Bäderquartiers auch seiner ehemaligen Funk- tion als Theater für die Kurgäste („Kur-Theater“) gerecht werden. Es ist unerlässlicher Bestandteil des Kulturangebotes in Baden. Das Theater soll jedoch nicht nur äusserlich renoviert werden, son- dern auch in der Programmgestaltung moderner werden und damit auch andere Besuchergruppen ansprechen. 108 Bedauert wird, dass dem Kurtheater Baden nicht die kantonale Funktion der „Mittleren Bühnezugeteilt wurde. 109 Neben dem Kurtheater verfügt Baden auch noch über mehrere Kleinthea- ter, unter denen das Thik (Theater im Kornhaus) eine führende Stellung einnimmt.

Thik (Theater im Kornhaus) eine führende Stellung einnimmt. Das Sachsfoyer des Kurtheaters, das bald renoviert wird.

Das Sachsfoyer des Kurtheaters, das bald renoviert wird. 110

106 I. 4, S. 83

107 I. 9, S. 121

108 I. 5, S. 89

109 I. 1, S. 52

110 Bild: Yvo Bühler, 2008

Baden ist. Infrastruktur

Kultur

Museen und Galerien

Auch im Bereich der Museen und Galerien hat Baden einiges zu bieten. Die beiden grössten und wichtigsten Museen sind das Historische Museum („Melonenschnitz“) und das Kindermuseum, das sich zu einem Publikumsmagnet entwickelt hat. 111 Die Villa Langmatt verfügt über eine über die Lan- desgrenzen hinaus bekannte Sammlung von hochkarätigen Bildern und organisiert regelmässig Aus- stellungen und musikalische Anlässe. Im städtischen Kunstraum, der vor allem bei den Politikern nicht unbestritten ist, wird vor allem lokalen und jungen Künstlern Gelegenheit geboten, ihre Werke auszustellen.

Trafo

Durch die Schaffung eines Multiplex-Kinos konnte im Trafo ein Angebot geschaffen werden, das je- des Wochenende unzählige Filmfreunde nach Baden lockt. 112 Daneben entstand ein neues Kultur- und Kongresszentrum, weil vor ein paar Jahren auch der damalige Kursaal hierher verlegt wurde. Kritisiert wird aber nach wie vor, dass der neue Trafosaal keinen ebenbürtigen Ersatz für den ehema- ligen Kursaal im Casino darstellt, da ihm der Charme fehlt. 113 Heute finden im Trafosaal unzählige Konzerte, Parties, nationale und internationale Tagungen und Ausstellungen statt. Weiter sind im Komplex unterschiedli- che Bars und Restaurants unterge- bracht, die das breite Angebot an Kul- tur sinnvoll ergänzen. Dank des gros- sen unterirdischen Parkhauses haben sich zudem besucherintensive Betriebe des Wellness-Fitness-Bereiches und verschiedene Geschäfte eingemietet. Das Trafo ist heute ein allseitig akzep- tiertes Begegnungszentrum, das ein breit gefächertes Freizeitangebot auf- weist.

das ein breit gefächertes Freizeitangebot auf- weist. Der Haupteingang zum Trafokomplex 1 1 4 1 1

Der Haupteingang zum Trafokomplex 114

111 I. 2, S.62

112 I. 4, S. 82

113 I. 1, S. 54

114 Bild: Yvo Bühler, 2008

Baden ist. Infrastruktur

Kultur

Casino

Die bei der Schaffung des Grand Casinos mit A-Lizenz geäusserten Bedenken im moralischen Bereich sind bei einem Teil der Bevölkerung auch heute noch nicht verstummt, obwohl die Casino-Betreiber alles unternehmen, um Spiel- süchtige vom ständigen Be- such abzuhalten. 115 Das Casino ist andererseits aber zu einem wichtigen Steuerzahler der Stadt Baden geworden und trägt damit zur guten finanziel- len Lage der Stadt bei. 116

damit zur guten finanziel- len Lage der Stadt bei. 1 1 6 Das Casino der Stadtzürcher,

Das Casino der Stadtzürcher, das Grand Casino in Baden. 117

Musikangebot

Das Musikangebot wird im Grossen und Ganzen von der Bevölkerung als sehr gut eingestuft. 118 Speziell werden immer wieder das Blues Festival und die Jazzwoche erwähnt. Zudem ist es der Stadt gelungen, im Nordportal der lokalen Musikszene Auftrittsmöglichkeiten zu verschaffen.

Grosse kulturelle Events

zu verschaffen. Grosse kulturelle Events Baden bietet neben dem grossen etablierten Kulturangebot

Baden bietet neben dem grossen etablierten Kulturangebot eine Viel- zahl von zusätzlichen Events, die in den letzten Jahren eine nationale und sogar internationale Ausstrahlung erreicht haben. Dazu gehören neben dem Blues Festival das Fantoche (Internationales Filmfestival für Animationsfilme) oder das Figura Festival (Theaterfestival). 119 Sie haben sich zu richtigen Publikumsmagneten entwickelt und neh- men im Badener Kulturkalender einen wichtigen Platz ein.

Fantoche-Plakat aus dem Jahr 2007 120

115 I. 3, S. 74

116 I. 4, S. 83

117 Bild: Yvo Bühler, 2008

118 I. 11, S. 134

119 I. 5, S. 90

Baden ist. Infrastruktur

Kultur

Fazit

Baden hat als doch relativ kleine Stadt ein verhältnismässig überdurchschnittliches Kulturangebot, das sehr vielen Interessen und Altersgruppen gerecht wird. Die von der Stadt für die Kultur einsetz- baren finanziellen Mittel sind jedoch beschränkt und das grosse kulturelle Angebot führt dazu, dass vor allem Nischenkultur ständig mit finanziellen Problemen zu kämpfen hat. In den letzten Jahren sind aus diesem Grunde verschiedene kleinere Kulturanbieter und auch Kulturräume verschwunden. Dies führte jedoch kaum zu einer Verkleinerung der Angebotsvielfalt, weil dieser Bereich in einem ständigen Wandel begriffen ist und immer wieder viel Neues entstehen lässt.

Baden ist. Infrastruktur

Ausgangsmöglichkeiten

Ausgangsmöglichkeiten für Jugendliche

Baden ist durch seine Grösse und zentrale Lage eine Zentrumsstadt. Sie zieht aus der ganzen Region Leute an, unter anderem auch viele Jugendliche. Jedes Wochenende strömen sie zu Hunderten aus den umliegenden Gemeinden nach Baden, um hier ihre Abende zu verbringen. Ein solcher Ansturm braucht eine entsprechende Infrastruktur, die nach Aussage unserer Befragten nicht überall gleich gut ausgebaut ist.

Kritisiert wird vor allem das Fehlen eines frei zugänglichen Jugendhauses, das nicht gewinnorientiert arbeiten muss. Ein solches sollte vor allem Jugendlichen unter 16 Jahren die Möglichkeit bieten, ihre Wochenendabende gemeinsam zu verbringen, da sie aufgrund ihres Alters oft keinen Zutritt in die anderen Lokale bekommen. Demzufolge hängen sie oft draussen herum, so zum Beispiel im Kurpark oder auf der Ruine Stein. 121 Bei schlechtem oder kaltem Wetter jedoch fehlt eine geeignete Alterna- tive. Vor allem auch für diesen Fall wird immer wieder von der Stadt gefordert, dass sie den Jugend- lichen zwischen 14 und 18 Jahren Räumlichkeiten zur Verfügung stellt, in denen sie sich auch wäh- rend der Woche treffen können. Es würde sich dabei um betreute Treffmöglichkeiten handeln, die es den Jugendlichen erlauben würden, hier junge Erwachsene zu finden, mit denen sie über ihre Prob- leme diskutieren können. Diese betreuten Angebote sollten aber sehr offen sein, damit sich die Jugendlichen immer noch frei fühlen, da sie sonst dieses Angebot kaum mehr nutzen wür- den. 122 Durch solche Mass- nahmen gingen gewiss ein Stück weit das viel getadelte „draussen Herumlungernder Jugendlichen und der durch gewisse Innenstadt- bewohner kritisierte Lärm zurück. 123

Innenstadt- bewohner kritisierte Lärm zurück. 1 2 3 Das Jugendhaus Merkker, das von der Stadt unterstützt

Das Jugendhaus Merkker, das von der Stadt unterstützt wird. 124

Ein weiterer Kritikpunkt besteht darin, dass allgemein das Angebot an Lokalen für die Jugendlichen in der Stadt zu wenig gross ist. Als Lösungsvorschlag zur Verbesserung dieses Schwachpunktes wurde vorgeschlagen, die Stadt solle den Jugendlichen mehr Ausgangsmöglichkeiten bieten. Hier wurde aber erneut unterstrichen, dass es auf keinen Fall nur kontrollierte Angebote geben sollte, weil sich dadurch die Jugendlichen wiederum unwohl fühlen würden. 125 Wir denken aber, dass durch das Angebot zusätzlicher Räumlichkeiten für Jugendliche das Problem der steigenden Kriminalität und

121 I. 1, S. 53

122 I. 10, S. 126

123 I. 3, S. 73

124 Bild: Yvo Bühler, 2008

125 I. 1, S. 55

Baden ist. Infrastruktur

Ausgangsmöglichkeiten

Schlägereien unter Alkoholeinfluss nicht zurück ginge. Ein Teil der Jugendlichen geht heutzutage nämlich nur noch in den Ausgang, um sich zu betrinken. Was sie dann in diesem Zustand tun, ist ihnen völlig egal. Da sie oft auch in Gruppen unterwegs sind, kommt es nicht selten zu einer negati- ven Gruppendynamik, was zu sinnloser Gewaltanwendung und Vandalismus führt. 126 Um dieses Problem in den Griff zu bekommen, müsste man wohl vermehrt auf Prävention setzen und vor allem bei Minderjährigen auch die Eltern für das Verhalten ihrer Kinder haftbar machen. 127 Bis jetzt ist aber in dem Bereich noch zu wenig geschehen. Die Aufstockung des Polizeikorps und das Engagement von privaten Sicherheitsfirmen haben dazu beigetragen, die Situation vielerorts zu verbessern.

Durch die grossen Veränderungen im Immobilienbereich vor allem in Baden Nord, hat die Stadt im- mer wieder grosse Probleme, das momentane Angebot an Treffmöglichkeiten für Jugendliche auf- recht zu erhalten. So hatte die Stadt beispielsweise 2007 grosse Mühe, neue Räumlichkeiten für das Merkker zu finden, da sie viel zu lange untätig war, obwohl sie genau wusste, dass der Mietvertrag auslaufen würde. 128 Glücklicherweise hat sich nun die Situation dank Entgegenkommen der Merker Immobilien zum Guten gewendet. Das Merkker konnte nach erfolgtem Umbau nun wieder am glei- chen Ort eröffnet werden.

Umbau nun wieder am glei- chen Ort eröffnet werden. Nebst dem Merkker gibt es in der

Nebst dem Merkker gibt es in der Stadt weitere grosse Lokale, in denen die Jugendlichen ihre freien Abende verbringen können. Eines ist das Löschwasserbecken (LWB). Wie in anderen Lokalen gilt auch hier: Wer nicht 18 Jahre alt ist, hat keinen Zutritt. Dieser Grund und der relativ hohe Eintrittspreis ver- unmöglichen es manchen Jugend- lichen, vom Angebot des LWB zu profitieren.

Das heute für Kulturzwecke umgenutzte Löschwasserbecken. 129

Das Ventil ist eine weitere gute Adresse für Jugendliche, weil neben Parties auch viele Konzerte und andere Events auf dem Programm stehen. Doch auch hier bestehen Alterslimiten für die Besuche- rInnen.

Das relativ grosse Nordportal organisiert immer wieder Konzerte für jüngere Bands. In diesem Jahr fand dort zum Beispiel das Band-X Aargau statt, ein Wettbewerb für Schülerbands, der den verschie- densten Bands die Möglichkeit bot, sich erstmals auf einer grösseren Bühne dem Publikum vor zu- stellen. Daneben finden vermehrt auch ganz spezielle Parties und Tanz-Workshops (Tango-Festival) statt, die sehr unterschiedliches Publikum anziehen.

126 I. 4, S. 85

127 AZT 09.06.07, S. 2

128 AZT 05.04.07, S. 5

129 Bild: Yvo Bühler, 2008

Baden ist. Infrastruktur

Ausgangsmöglichkeiten

Leider ist es heutzutage so, dass es immer mehr Jugendliche gibt, die die Angebote der Stadt gar nicht nutzen, sondern sich irgendwo herumtreiben wollen. 130 Zudem bildeten sich in letzter Zeit im- mer mehr Jugendgruppen, die sich untereinander nicht gut verstehen und demzufolge sich auch nicht an einem gemeinsamen Ort treffen wollen. 131 So kommt es immer mehr vor, dass wenn ein Lokal von einer bestimmten Gruppierung besucht wird, dieses für eine andere Gruppe als Aus- gangsmöglichkeit wegfällt.

Die Stadt hat wirklich eine schwierige Aufgabe zu bewältigen, wenn sie allen Gruppierungen gerecht werden will. Auch wir sind der Ansicht, dass vor allem für die jüngeren Jugendlichen eine günstige Ausgangsmöglichkeit geschaffen werden sollte. Auch viele kulturelle Veranstalter gewähren nur Leuten über 18 Jahren Zutritt, sodass es für die Jüngeren nicht einfach ist, ihre Abende in einem Lo- kal zu verbringen.

130 I. 4, S. 85 131 I. 1, S. 53

Baden ist. Infrastruktur

Fazit

Fazit

Baden ist. Zukunft. Dieser riesige Schriftzug ziert momentan den Badener Stadtturm und macht weit herum sichtbar, was die Verantwortlichen aus Verwaltung und Politik über ihre Stadt denken: Baden hat Zukunft und Zukunft heisst Verän- derung. Unsere Recherchen haben diesen Eindruck bestätigt und wir sind uns der rasanten Stadtentwicklung in den verschiedens- ten Bereichen bewusst geworden. Fast überall sind grosse Projekte in Planung oder sogar bereits in der Umsetzungs- phase. Schwerpunkte bilden die Aufwertung des Bäderquar- tiers, die Sanierung des Schulhausplatzes und die Neugestal- tung des Schlossbergplatzes. Sie alle werden in den nächsten Monaten und Jahren das Stadtbild nachhaltig verändern. Unsere Interviews und die in letzter Zeit durchgeführten Volksabstimmungen zu Projektierungs- und Baukrediten zeigen, dass auch die Mehrheit der Badener Bevölkerung diese Grossprojekte unter- stützt und einer zukunftsgerichteten Entwicklung der Stadt positiv gegenüber steht. Die bestehende Infrastruktur wird von unseren Interviewpartnern in grossen Teilen als gut beurteilt. In einzelnen Bereichen wie dem Verkehr besteht zwar dringender Handlungsbedarf, man ist sich aber auch der hohen Komplexität oder sogar der Unlösbarkeit des Problems bewusst.

Unsere Meinung deckt sich weitgehend mit der unserer Interviewpartner. Auch wir erkennen einige grössere Probleme, wie die schlechte Verkehrssituation, die Vernachlässigung und der Niedergang des Bäderquartiers, das fehlende Angebot in der Hotellerie, die teilweise schlechte Gestaltung öf- fentlicher Plätze und Pärke und das knappe Ausgangsangebot für Jugendliche. Einige dieser Probleme werden verstärkt durch die Zentrumsfunktion der Stadt Baden. Als Zentrumsstadt einer sehr grossen Region mit hoher Bevölkerungsdichte zieht Baden sehr viele Leute an. Ein grösseres Verkehrsauf- kommen vor allem am Abend und an den Wochenenden und ein grosser Bedarf an Ausgehmöglich- keiten für die Jugendlichen sind unmittelbare Folgen davon. Als Standort internationaler Konzerne weist die Stadt auch eine grosse Nachfrage nach Hotels im gehobenen Bereich auf, die durch den momentanen Bau von neuen Hotels erst nach und nach befriedigt werden kann. Die grössere Anzahl an Übernachtungen von Geschäftsleuten verlangt auch ein besseres Gastronomie- und Ausgehange- bot (Casino, Bars). Eng verknüpft mit der grossen Anzahl von Leuten, die nach Baden in den Ausgang kommen, ist das Thema der öffentlichen Sicherheit, die wir nicht explizit in unseren Auswertungstexten behandelt haben. Vor allem in den letzten Jahren nahm die Zahl von Delikten stark zu, was zu einem beträchtli- chen Mehraufwand im Sicherheitsbereich führte, zu dem die umliegenden Gemeinden kaum etwas beitragen. Neben den Subventionen im Kulturbereich muss Baden als Zentrumsgemeinde auch er- hebliche finanzielle Mittel für die Sicherheit der Besucher aufwenden.

Viele positive Rückmeldungen betreffen vor allem das Kulturangebot, die Fussgängerzonen und den dichten öffentlichen Verkehr. Um diesen erfreulichen Zustand zu erreichen, hat die Stadt sehr viele Steuergelder investiert.

Verkehr. Um diesen erfreulichen Zustand zu erreichen, hat die Stadt sehr viele Steuergelder investiert. Seite |

Baden ist. Infrastruktur

Fazit

In welchen Bereichen der Infrastruktur entspricht nun die Stadt Baden den Vorstellungen ihrer Be- wohner und wo besteht noch Handlungsbedarf? Bereiche, die überwiegend positives Echo erhielten, sind die Bildung, Fussgängerzonen, öffentlicher Verkehr, Restaurants, Kultur und die Tourismuspolitik der Stadt. Eher negativ bewertet wurden das Ausgangsangebot, die Parkplätze und die Verkehrssitu- ation. Viele gegenteilige Meinungen erhielten wir bei den Themen Kinderbetreuung, Geschäfte, Plät- ze / Pärke und der Fussgängersituation.

Soll sich die Stadt in nächster Zeit für Besucher und Einwohner qualitativ verbessern, müssen unseres Erachtens die folgenden Punkte umgesetzt werden. Erste Priorität hat sicher die absolut unbefriedi- gende Verkehrssituation. Neben dem Um- und Ausbau des Schulhausplatzes müssen überregional rasch Lösungen gefunden werden, die das Verkehrsaufkommen in der Stadt massiv reduzieren. Wir sind der Ansicht, dass weitergehende Mobilitätskonzepte bei den grossen Arbeitgebern in der Stadt vonnöten sind, um den Individualverkehr zugunsten des öffentlichen Verkehrs auf ein Minimum zu beschränken. Die Firmen müssen dazu gebracht werden, mit attraktiven Mobilitätsangeboten ihre Mitarbeitenden zum Umstieg auf den ÖV zu motivieren. Dem Langsamverkehr und insbesondere den Radfahrern ist grösste Aufmerksamkeit zu schenken und die nötige Infrastruktur in Form von Veloab- stellplätzen und attraktiven und sicheren Velowegen bereit zu stellen. Die Stadt Baden würde im Weiteren sicher von einer neu geschaffenen Bäderinfrastruktur enorm profitieren. Erste Projekte stimmen zuversichtlich, dass einerseits das Kurzentrum wiederbelebt, andererseits neu ein Wellnesszentrum in Baden geschaffen wird. Die Voraussetzungen dazu sind sehr gut. Sind einmal die ersten Schritte in diese Richtung gemacht, werden sich die nötigen Investoren finden lassen, um das einstige Ziel der „Blauen Stadt“ verwirklichen zu können.

Neben einem künftigen guten Angebot an schönen Wohnungen sind die zwei oben genannten Grossprojekte sicherlich entscheidend für die Zukunft der Stadt Baden und insbesondere für die Le- bensqualität ihrer Einwohner. Baden ist. Zukunft.

die Le- bensqualität ihrer Einwohner. Baden ist. Zukunft. Baden im Wandel 1 3 2 1 3

Baden im Wandel 132

132 Bild: http://www.panoramio.com/photo/9229290, herunterg.: 01.10.08

Baden ist. Infrastruktur

Interview Nr. 1

Interview Christine Zenz

Interviewer:

Yvo

Interviewpartner Name:

Christine Zenz

Funktion:

Präsidentin QV Römer

Ort, Datum:

Baden, 30.04.2008

Welche Verkehrsmittel benutzen Sie, um in die Stadt zu gelangen?

Zenz: Also ich nehme meistens das Velo, wenn ich Einkäufe tätige oder sonst etwas mache, weil es hat meistens nicht so viele Parkplätze, vor allem am Wochenende, wenn die Auswärtigen kommen, daher nehme ich meistens das Velo.

In diesem Fall ist das Velo eine gute Alternative zum Auto?

Zenz: Auf jeden Fall. Das Auto brauche ich eigentlich nur, wenn ich zur Arbeit fahre, aber für in die Stadt brauche ich es nicht.

Benutzen Sie öffentliche Verkehrsmittel?

Zenz: Weniger, weil ich… ja es gibt den Bäderbus, der hier nach untern fährt, aber den brauche ich eigentlich nur, wenn ich einmal ganz schwere Taschen habe. Aber sonst eigentlich nie.

Wie sieht es mit den öffentlichen Verkehrsmitteln aus, wenn sie vielleicht einmal ins Tägi gehen?

Zenz: Ja, dann nehme ich schon den Bus aber das ist selten. Früher, als wir noch etwas mit den Kin- dern unternommen haben, brauchten wir den Bus sicher häufiger, aber heute sehr selten. Die öffent- lichen Verkehrsmittel brauche ich eigentlich nur noch, um nach Zürich in den Ausgang oder so zu gehen, dann nehme ich den Zug.

Wie sieht denn das Angebot aus, ist es ausreichend oder bräuchte es noch mehr Verbindungen?

Zenz: Ja, es ist schon besser als früher, also man kommt nach dem Ausgang am Wochenende doch noch nach Hause, weil früher sind diese Züge nur bis um halb zwölf gefahren und jetzt hat man im- merhin noch einen späten und dann nochmals einen. Also da haben sie schon ziemlich vorwärts ge- macht, für meine Bedürfnisse ist es gut. Was man dann schauen muss, ist mit dem Thermalbad, wenn das dann gebaut wird, dann müsste man dort den öffentlichen Verkehr etwas anpassen und angleichen.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Christine Zenz

Was ist Ihre Meinung zu der Fussgängerzone in der Weiten Gasse und der Badstrasse? Ist das eine gute Idee oder müsste man diese zusätzlich noch ausweiten, wie man es jetzt mit der Schliessung des Blinddarmes tut?

Zenz: Für mich als Stadtbewohnerin gilt: Je mehr Fussgängerzonen desto besser. Absolut, ich finde es auch irrsinnig schön, wenn man autofrei flanieren kann, ohne dass man ständig schauen und zur Sei- te springen muss.

In diesem Fall befürworten Sie die Schliessung des Blinddarmes?

Zenz: Absolut. Ich bin dafür, weil ich brauche das Auto nicht in der Stadt, ich bin nicht darauf ange- wiesen, mitten in die Stadt zu fahren. Es ist eben schon ein Vorteil, wenn man bereits in der Nähe wohnt.

[Bildung + Dienstleistung weggelassen; kein Interesse, Kinder bereits zu gross und nicht mehr so oft gebraucht]

Wie sehen Sie die Vielfalt von Geschäften? Bräuchte es mehr Geschäfte, hat es zu viele oder vermis- sen Sie ein bestimmtes Geschäft?

Zenz: Ich finde es absolut ausreichend, es hat ein wenig viel Schuh- und Kleiderläden. Ein wenig mehr Vielfalt wäre noch wünschenswert, vor allem, dass nicht immer in den schönsten Häusern der Mc Donald‘s oder Burger King ihre Filialen eröffnen. Darauf, finde ich, sollte man ein wenig achten, aber das ist halt eben Privatwirtschaft. Da hat man meistens nicht so viel Einfluss darauf.

Was halten Sie davon, dass Migros, Coop und der Manor alle fast am selben Ort sind? Hätte man die nicht ein wenig weiter von einander entfernt bauen sollen?

Zenz: Nein, das ist tip top so wie es ist. Das ist für mich sehr praktisch.

Tätigen Sie ihre Einkäufe demnach hier in der Stadt?

Zenz: Ja, meistens in der Migros, weil die am nächsten liegt und wenn ich Wein brauche, gehe ich in den Coop oder zu Marinello, dem Italiener in der Bahnhofunterführung.

Wie beurteilen Sie das Angebot an Cafés und Restaurants?

Zenz: Auch hier gilt für mich: je mehr, desto besser. Es ist auch schön, dass man die Weite Gasse auf- gewertet hat, dass man jetzt auch draussen sitzen kann. Denn wenn man schon eine Fussgängerzone hat, dann soll es da auch Cafés haben, in denen man draussen sitzen kann und da bin ich also absolut dafür.

Nutzen Sie selbst denn dieses Angebot?

Zenz: Unbedingt. Es gehört für mich zur Lebensqualität. Wenn ich Zeit habe, gehe ich gerne.

Was ist für Auswärtige an der Stadt Baden attraktiv?

Zenz: Dass man alles bekommt natürlich und es hat ja an den Wochenenden jeweils wahnsinnig viele Leute hier, vor allem am Samstag, dann ist die Stadt jeweils proppenvoll. Und das ist halt so, weil wir in Baden auch fast alle Läden haben, ausser vielleicht ein Mango oder der Zara, für welche man halt

Baden ist. Infrastruktur

Interview Christine Zenz

speziell nach Zürich geht. Und wir haben natürlich wirklich viele Möglichkeiten um einzukaufen. Frü- her als Kind, als wir noch auswärtig gewohnt hatten, gingen wir viel nach Spreitenbach, weil da auch alles beieinander ist. Aber ich finde diese Qualität hat Baden auch, dass man recht nahe viele ver- schiedene Möglichkeiten hat. Gerade Schuhe und Kleider hat es bis zum Abwinken. Theoretisch muss man nicht nach Zürich. Und ich kenne mich auch aus und weiss in welchen Laden ich gehen muss, damit ich das und das bekomme.

Wie sehen Sie das Angebot an Naherholungsplätzen? Hat es zu wenige und müsste man vielleicht auch noch andere Plätze als der Kurpark aufwerten?

Zenz: Für mich hier natürlich nicht, weil ich bin hier gerade im Mättelipark unten und auch schnell beim Kappelersee. Ich habe also ein sehr nahes Naherholungsgebiet hier. Ein paar Meter und dann bin ich schon da, oder der Kurpark, der wird ja jetzt auch schaurig schön. Also, was ich finde, wo es in die Hosen ging, ist der Trafopark. Der ist wirklich für nichts. Da sitzt jetzt niemand hin und hat Freu- de, dass er sein Sandwich essen kann. Mehr Plätze, also wenn der Schossbergplatz auch noch fertig gemacht wird, der Theaterplatz ist ja bereits gemacht, braucht es nicht.

Finden Sie, der Theaterplatz ist gut gelungen?

Zenz: Ja, der ist wirklich gut gelungen. Der einzige Nachteil ist mit dem Flohmarkt, dass der jetzt ja auf dem Theaterplatz ist und ich habe das Gefühl, die Altstadt leidet. Einerseits mit der Brücke, ob- wohl sie viele Vorteile hat, von Ennetbaden hinüber nach Baden, andererseits wird die Altstadt ein- fach so bei Seite gelassen. Noch vor 15 Jahren, so 1990/92, als das Brückchen noch war und die klei- nen Lädelis noch waren, hat die Altstadt noch gelebt und jetzt dünkt es mich, ist es schaurig schade für die wenigen, die noch Läden dort haben. Für die ist es wirklich hart. Es ist ein hartes Pflaster, um dort zu überleben. Das dünkt mich schade, ich finde, dort müsste die Stadt wirklich etwas machen, dass die Altstadt angebunden wird mit Attraktivitäten und Aktivitäten, dass man irgend auf eine Wei- se wieder versucht, dass sie wieder Leben bekommt. Weil die wird sonst einfach links liegen gelas- sen, weil der Flohmarkt führt nicht mehr dort hinunter, weil der jetzt ja auf dem Theaterplatz ist. Aber grundsätzlich finde ich der Theaterplatz ist gut gekommen. Die Bäume könnten noch ein wenig wachsen.

Wie sieht es mit der Anzahl Arztpraxen hier in der Gegend aus?

Zenz: Ja hier hat es natürlich einen Haufen. Wobei, ich selbst habe das Hausarztmodell. Mein Arzt ist der Doktor Lipsig in Ennetbaden. Das ist natürlich auch ein Katzensprung von hier. Unsere ganze Fa- milie ist bei ihm, es ist also praktisch. Zahnärzte hat es ja auch genügend, im Langhaus hat es einige und da hat es ja diese Notfallgemeinschaftspraxis, die 24 Stunden täglich offen ist. Das ist sicher auch etwas Gutes.

Wie finden Sie Baden als Standort für ein Kantonsspital?

Zenz: Also das muss unbedingt sein, finde ich. Nur Aarau ist ein bisschen zu wenig.

Sind Sie persönlich kulturell interessiert?

Zenz: Ja, sehr.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Christine Zenz

Welche Museen in Baden kennen Sie und welche nutzen Sie selbst auch? Ist Ihrer Meinung nach das Kulturprogramm ausreichend und wird das auch genügend publiziert?

Zenz: Also wir haben da ja diese kleine Agenda die jeden Monat kommt: „Baden ist. Programm“ und dann natürlich auch die Tagespresse, in der das Zeugs ausgeschrieben ist. Und ja, je nach Angebot nutze ich das. Das Landvogteischloss ist beispielsweise etwas, wo man immer wieder schöne Sachen anschauen kann. Dann ist da die Galerie beim Langhaus. Der Kunstraum Baden, der hat auch immer wieder spannende Sachen. Dann das Trudelhuus, das ist in dem Sinn keine Galerie, aber es hat auch immer wieder Ausstellungen. Und… irgendwie… das Bärenmuseum, das ist ein kleines, das ist in der Altstadt unten.

Funktioniert Ihrer Meinung nach die Publikation dieser Anlässe gut?

Zenz: Ja, auf jeden Fall.

Wie sieht es mit dem gesamten Angebot aus? Ist es eher zu viel oder zu wenig?

Ja, also ich finde Baden braucht in diesem Sinn nicht mehr. Wenn man gute und grosse Ausstellungen sehen will, dann ist es nicht weit nach Basel oder nach Zürich. Baden ist nicht so eine grosse Stadt und für das hat es kulturell sehr viel zu bieten, vor allem musikalisch. Ich bin eher im musikalischen Bereich interessiert, dadurch, dass mein Mann Musiker ist, also ich gehe eher an ein Konzert, als an Ausstellungen. Die Fotogalerie gab es früher noch und das ist schade, dass es die nicht mehr gibt, weil ich arbeite selbst als Fotografin. Aber die überlebte leider nicht, was ich wirklich schade finde, wobei ein Grund dafür sicher war, dass sie, wenn schon dann schon, zentraler hätte liegen müssen. Die war eben in der Limmataue, also eben nicht am Weg. Aber es hat im Kunstraum auch immer wieder einmal eine Fotoausstellung, von dem her…

Was ist Ihre Meinung zur Renovierung des Kurtheaters?

Zenz: Das muss man auf jeden Fall machen. Das Kurtheater ist sehr wichtig, ich gehe gerade heute wieder. Aber auch sonst gehe ich immer wieder Sachen anschauen und ich finde, es hat ein sehr viel- fältiges Programm, welches immer wieder viele verschiedene Leute anzieht. Jetzt im Moment ist ja „Steps“, also tanzen und dann ist wieder einmal Theater und dann wieder eine Komödie, es ist sehr vielfältig, finde ich. Und es ist auch wirklich sanierungsbedürftig. Ich finde, das ist also schon renom- miert, es gibt das Theater jetzt dann bald seit 100 Jahren. Es ist absolut eine feste Institution, die zu Baden gehört und zu welcher man Sorge tragen muss. Ich finde schade, dass sie die Mittlere Bühne nicht bekommen haben. Das ist ja jetzt nach Aarau gegangen, das fehlt ein wenig. Also gerade für Tanz, weil man hat nur die grosse Bühne jetzt und dann noch eine kleine Bühne, also eine wirklich kleine, wo dann sehr wenige Leute Platz haben. Dazwischen gibt es wie nichts. Also etwas wo man mittlere Veranstaltungen machen kann, weil das Kurtheater hat 600 Leute und die kleine Bühne etwa 50. Also irgendetwas dazwischen hätte ich mir gewünscht und all diese Kulturschaffenden, die hier im Umfeld tätig sind, also Baden und Region, denen hätte ich eine mittlere Bühne gewünscht, dass sie das bekommen hätten. Es ist ja auch einmal, glaube ich, die Linde zur Diskussion gestanden. Aber ich glaube jetzt, dass Aarau trotzdem die Bühne bekommen hat. Hier kommt diese Bühne zu teuer. Aber das Kurtheater finde ich sehr wichtig für Baden. Es hat sich ja auch etabliert.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Christine Zenz

Wie ist das Angebot an Räumlichkeiten für die jugendliche Kulturszene?

Zenz: Es dürfte etwas mehr haben, vor allem auch etwas für unter 16 Jährige, weil meine Jungen sind jetzt 12 und 14 Jahre alt und die können eigentlich nirgendwo hin, denn das reformierte Kirchenhaus ist ja auch nicht der Rahmen, den sie sich wünschen in diesem Alter. Dann hängen sie halt im Kurpark herum oder sonst an geschützten Orten. Ich habe einen Antrag an die Stadt gestellt, hier etwas zu machen. Die sagen jedoch, es sei schwierig, weil es so viele Gruppierungen unter den Jugendlichen gibt, die sich untereinander nicht vertragen. Und das ist ein Standpunkt, den ich verstehe, aber min- destens eine Art Jugendhaus finde ich erstrebenswert. Das müsste man machen.

Demnach wollen Sie, dass die Stadt etwas für die unter 16 Jährigen anbietet?

Zenz: Genau. Ich glaube, die Villa Fluck dort bei euch bei der Kantonsschule hinten ist so etwas für unter 16, aber ich bin mir nicht sicher. Ich kenne es zu wenig, was sie dort genau machen. Und… was wollte ich noch sagen. Ah ja, was mir auch noch ein wenig fehlt, sind so ein wenig die Nischen. Zum Beispiel die Seerose, die man abgerissen hat und so ein wenig Nischenkultur, so sage ich dem einmal, das fehlt mir ein wenig und das wird auch immer weniger. Früher gab es ja noch das Kuba eingangs der Bruggerstrasse. Eben das ist halt so eine Nischenkultur die immer ein wenig mehr verloren geht und wie keinen Raum mehr findet in Baden, weil alles neu gemacht und abgerissen wird. Da muss man etwas aufpassen, dass man die Vielfalt und die Durchmischung ein wenig beibehält. Aber eben, ich finde, dass Baden sich da schon ein wenig mehr Mühe geben muss, vor allem mit den Jugendli- chen. Mit dem Merkker haben sie es ja auch ein wenig „verlaueret“. Es klappt ja jetzt Gott sei Dank, aber ich meine, die haben das gewusst, dass es das Merkker nicht mehr lange geben wird. Aber ich weiss nicht von meiner Seite her, was die alles gemacht haben, aber plötzlich hiess es dann fertig lustig. Und jetzt haben sie es ja Gott sei Dank abwenden können, aber sie mussten halt schon ziem- lich auf die Beine stehen. Sie können jetzt einmal vorerst bleiben. Auf jeden Fall muss sich die Stadt dafür einsetzen. Und zwar für Kultur für alle Alterssparten, jung, alt, auch Kinderkrippen, also von A bis Z. Und sie muss schauen, dass halt jeder sein Ding ein wenig hat.

Wie finden Sie denn, vermarktet sich die Stadt selbst?

Zenz: Ich finde das noch schwierig zu beurteilen. Ich bin hier ja nicht Tourist. Wenn ich jetzt ein Tou- rist von ausserhalb wäre, dann vielleicht, aber ich denke da müsste man fast Auswärtige fragen. Aber ich weiss gar nicht so genau, was Baden da so für Anstrengungen unternimmt. Also Casinowerbung sehe ich auch in Zürich. Wenn ich an den Bahnhof gehe, sehe ich das, aber… was sonst noch für An- strengungen laufen bezüglich Tourismus wüsste ich jetzt nicht.

Was halten Sie von der Renovierung des Stadtturmes, braucht die Stadt das wirklich?

Zenz: Also ich finde grundsätzlich, dass man sich mit allem, was erhaltenswert ist, Mühe geben und auch unterhalten muss. Da gehört ja auch der Stadtturm dazu.

Sie haben bereits vorhin das Grand Casino angesprochen. Finden Sie, dass es gut für die Stadt Ba- den ist? Ist das eine Bereicherung oder bräuchte es das nicht?

Zenz: Ja… wer bin ich jetzt wieder, bin ich jetzt Vereinsvorsitzende oder nicht. Ich habe natürlich eine eigene Meinung und die entspricht nicht unbedingt der des Quartiervereins.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Christine Zenz

Sie dürfen ruhig Ihre eigene Meinung sagen.

Zenz: Also ich finde das Grand Casino… ich finde es schade, also wirtschaftlich gesehen ist es fast nicht anders gegangen als wie es jetzt ist, weil das Restaurant und alles ist ja finanziell schwierig ge- wesen. Aber ich finde es schade, dass es in dem Sinn den Stadtsaal nicht mehr gibt. Dass dort drin jetzt nur noch die Spieler hocken, in dem schönen Gebäude. Das reut mich genauso, wie der Mc Do- nald‘s dort in dem Stadthaus oder der Burger King in dem Haus. Ich finde es einfach schade, dass der Raum mitten in der Stadt nicht mehr für die Badener Bevölkerung zugänglich ist. Das finde ich wirk- lich einen riesigen Nachteil, also dass nur noch Auswärtige, die eh den ganzen Tag Nacht haben oder dort drin hocken. Wenn ich da hinein gehe, kenne ich niemanden. Wenn ich irgendwo hin will, wo ich niemanden kenne, dann muss ich ins Casino gehen. Da kenne ich garantiert niemanden. Also es ist nicht für die Badener Bevölkerung da… nicht mehr. Das finde ich ein wenig schade, weil das war zu- vor ein Stadtsaal. Wir hatten dort Fasnacht, alles Mögliche konnten wir haben. Das Trafo, finde ich, hat noch lange nicht diesen Charme und das Ambiente wie das Casino und damals der Kursaal. Da finde ich, ist wirklich etwas Grosses verloren gegangen. Finanziell ist es natürlich eine enorme Berei- cherung für Baden. So viele Steuern zahlt sonst niemand. Oder sonst könnte Baden nicht so viele Investitionen tätigen, wenn wir das Casino nicht hätten.

Kommen wir auf das Bäderquartier zu sprechen. Sollte die Stadt das Bäderquartier aufwerten oder was sollte die Stadt genau machen?

Zenz: Ähm??

Also sollte es im Endeffekt eher volksnah sein oder mehr für die gehobene Schicht?

Zenz: Ja … also es wird natürlich so sein, dass es auf den Luxus setzen wird. Und ich persönlich finde das auch noch…. ein wenig schön. Also, dass es nicht ein 08/15 Bad geben soll, also im Bereich Ther- malbad bin ich jetzt. Weil ich meine, das ist der Grossgrundbesitzer an sich hier unten und der zielt natürlich, dass weiss man auch schon, dass das nicht ein Durchschnittsbad geben wird. Die wollen 150 Millionen investieren, das ist natürlich etwas, was ich grossartig finde. Es sollte etwas Spezielles und ein schönes Bad geben, denn sie haben wirklich fünf renommierte Architekten, die einen Wett- bewerb machen werden. Das finde ich natürlich grossartig. Ja, das finde ich gut.

Können Sie gerade so aus den Stehgreif schon ein Hotel für allfällige Gäste empfehlen?

Zenz: Ja, also die Blume natürlich, ein Hammer Hotel und natürlich der Schlüssel auch… ich hoffe auch auf das Thermalbad, wenn dann die Verenahof AG, die wollen ja zuerst das Thermalbad bauen und dann in einer weiteren Etappe, falls gewünscht und notwendig, ein Hotel. Das hoffe ich natürlich auch, dass das kommt. Und ich hoffe, dass das, was jetzt baufällig ist, saniert wird, dass es nicht ein- fach links liegen gelassen wird, sondern dass auch dort investiert wird. Nicht, dass es einstürzt, das wäre schade.

Sie sind demnach ganz klar für eine deutliche Aufwertung?

Zenz: Ja, absolut. Sicher, das ist schon lange Zeit, schon lange. Ich hoffe, dass jetzt durch den neuen Investor… und Aktionär Zehnder es jetzt wirklich auch mit Hand und Fuss angepackt werden kann. Ich glaube, das ist richtig. Ich glaube auch, man kann jetzt wieder miteinander reden, weil der Haupt- aktionär ja gewechselt hat vor bald zwei Jahren. Das ist natürlich… vorher war es ja total verrennt, die Stadt und die Verenahof AG, die hatten ja keinen gemeinsamen Nenner mehr gefunden. Der

Baden ist. Infrastruktur

Interview Christine Zenz

Benno Zehnder ist wirklich jemand, der sehr umgänglich ist und eine freundliche Persönlichkeit hat und auch das Ganze jetzt wieder vorantreibt. Ich hoffe, dass die sich jetzt finden. Und… die Stadt selber muss keine Initiative machen. Ich finde einfach, die Stadt muss die Hand anbieten, dass private Investoren investieren können und nicht abgeblockt werden. Das finde ich wichtig.

Kommen wir noch kurz auf die öffentliche Sicherheit zu sprechen. Sie haben im Verlaufe des Inter- views bereits kurz angesprochen, dass es mehrere verschiedene Jugendgruppierungen gibt. Haben Sie das Gefühl, dass dies vielleicht ein Auslöser für mehr Gewalttaten sein könnte? Weil die Gewalt hat in den letzten Jahren stetig zugenommen und die Stadt stellt jetzt auch private Sicherheitsfir- men ein.

Zenz: Das bekomme ich nicht so sehr mit, weil ich nachts nicht so viel unterwegs bin und ich denke, das ist vor allem in den Nachtstunden. Einmal abgesehen davon, dass auch einmal einer am Tag nie- dergeschossen wird und dann erst noch der Falsche. Aber ich denke, dass es schon noch wichtig ist, dass eine gewisse Präsenz markiert wird. Dass auch die Stadt dafür sorgt, dass genügend Leute vor- handen sind und dass die Jugendlichen weniger auf der Gasse rumlungern müssen.

Ihrer Meinung nach könnte man das Problem ein wenig lösen, indem es ein grösseres Angebot an Jugendkultur gibt?

Zenz: Ja, ich meine das Merkker ist ja auch von der Stadt. Und der Markus Widmer ist ja von der Stadt angestellt als soziokultureller Animator, der auch wirklich wichtig ist, dass jemand da ist, der auch eine Verantwortung übernimmt oder nicht kontrolliert. Weil ich finde, Jugendliche fühlen sich in dem Sinn in einem kontrollierten Raum nicht wohl und gehen dann auch nicht dorthin. Es muss eine gute Mischung sein zwischen einerseits Animation und auf der anderen Seite aber auch Verant- wortungsbewusstsein, dass wirklich auch jemand da ist, der den Zugang hat, aber auch da ist, dass man die Jugendlichen nicht einfach sich selber überlässt, so in dem Stil „da habt ihr und jetzt könnt ihr schauen was ihr damit macht“. Ich würde jetzt nicht sagen, dass ich Kontrollen nicht wirklich wünschenswert finde aber dass auch eine Ansprechperson da ist, das ist mir wichtig.

Wie ist Ihre Meinung zur Beschäftigung von privaten Sicherheitsfirmen?

Zenz: Ich weiss über das zu wenig. Ich weiss auch nicht vom Zahlen her, vom System her, wie das funktioniert. Warum macht das die Stadt Baden überhaupt? Wie funktioniert das? Arbeiten die im Stundenlohn? Ich habe da keine Ahnung. Da kann ich zu wenig Auskunft geben.

Ja, dann wären wir etwa durch mit den Fragen.

Zenz: Also… darf ich noch kurz etwas sagen?

Sicherlich.

Zenz: Also zu den auswärtigen Jugendlichen vielleicht noch. Ich finde, da müssten auch die Gemein- den, also die auswärtigen Gemeinden, die müssten sich irgendwo schon auch noch engagieren. Fi- nanziell einerseits auch, dass man sagt, man geht in Baden in den Ausgang, also trägt man auch eine gewisse Verantwortung und eine gewisse finanzielle Beteiligung mit.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Christine Zenz

Also dass wenn man im eigenen Dorf nichts hat, dass man dann etwas der Stadt Baden zahlen würde?

Zenz: Ja, ich finde eben, wenn die Gemeinde selbst nichts hat, dann sollte sie sich auch daran finan- ziell beteiligen. Bei kulturellen Sachen, zum Beispiel am Kurtheater beteiligen. Die Meisten machen das ja auch, aber ich finde diese Verantwortung müssen sie auch wahrnehmen. Dass wenn die Stadt Baden etwas zu bieten hat, dass man das auch fördert.

Haben Sie sonst noch etwas anzumerken, was wir vielleicht vergessen haben?

Zenz: Also ich meine, es ist schade, dass den Jugendlichen nicht mehr geboten wird. Ich weiss, es gibt ein Midnight Basketball zum Beispiel. So Sachen muss es wirklich mehr geben, weil wir haben wirk- lich viele Jugendliche im Kurpark. Und mit der Aufwertung des Kurparks, wo sehr viel Geld investiert wird und die Beleuchtung auch gut wird, hoffe ich, dass es besser wird. Denn es wird wahnsinnig viel herumgeschrien, gegrölt und gesoffen, geschmust und ständig ist unsere Scheibe vom Quartierkas- ten eingeschlagen. Das ist wirklich ein wenig mühsam, da finde ich, muss man wirklich etwas ma- chen. Vor allem die Stadt Baden müsste da irgendetwas machen, dass man zu mehr Möglichkeiten für den Ausgang kommt und wenn sie auch nur so Sachen wie das Midnight Basketball unterstützen und eben vor allem auch im sportlichen Bereich, dass man wirklich etwas zu tun hat und nicht nur Seich im Kopf hat. Und der Skaterpark ist natürlich auch etwas, wo man schauen muss, dass das noch ein wenig attraktiver wird. Also dass man dort ein wenig dran bleibt. Meine Jungs gehen jetzt viel dorthin. Aber man könnte es auch noch ein wenig besser machen, noch mehr machen.

Also beispielsweise auch einmal einen Event?

Zenz: Unbedingt. Da gibt es gar nichts und das fände ich ganz wichtig. Es sind ja einfach nur diese Rampen da und ich finde, dass dort die Stadt Baden wirklich schauen muss und sich auch noch ein wenig mehr hineinkniet. Vom musikalischen Angebot gibt es recht viel. Aber dort finde ich, müssen sie sich sicher ein wenig mehr hineinknien und vielleicht auch noch jemanden einstellen, der sich wirklich für das einsetzt. Und dass da bei den Jugendlichen etwas geht, etwas läuft.

Schwerpunkte:

Jugendangebot für unter 16-jährige

Mehr Angebote für Jugendliche

Grand Casino am falschen Ort, ehemaliger Kursaal fehlt

Trafoplatz unattraktiv

Renovation des Bäderquartiers absolut notwendig

Wenig Parkplätze in der Stadt

Viele und gute Möglichkeiten um einzukaufen

Je mehr Fussgängerzonen, desto besser

Baden ist. Infrastruktur

Interview Nr. 2

Interview Regula Dell’Anno

Interviewer:

Gabriel

Interviewpartner Name:

Regula Dell’Anno

Funktion:

Einwohnerratspräsidentin

Ort, Datum:

Dättwil, 30.04.2008

Zuerst geht es um die Verkehrsinfrastruktur: Mit welchen Verkehrsmitteln gelangst du hauptsäch- lich in die Stadt? Bist du mit dem Auto unterwegs, mit dem Velo?

Dell‘Anno: Bus und Velo.

In diesem Fall benützt du natürlich relativ oft öffentliche Verkehrsmittel.

Dell‘Anno: Ja.

Siehst du das Angebot also als gut und ausreichend?

Dell’Anno: Ja, ich finde es sehr gut. Wir haben hier noch die Möglichkeit von Postauto und RVBW. Wir sind also sehr gut angebunden.

Findest du auch, dass die Stadt allgemein gut erschlossen ist, auch von anderen Regionen her?

Dell’Anno: Ich denke ja. Es gibt sicher Ecken, wo man nicht mehr hinkommt, z.B. Ennetbaden zu Randstunden, wo das Angebot sicherlich noch ausgebaut werden könnte. Aber wenn man es auf Dättwil bezieht, oder vielleicht auf Baden-Wettingen, dann ist das eine super Abdeckung.

Wie du schon gesagt hast, du fährst oft mit dem Velo. Findest du dies eine gute Alternative zum Auto?

Dell’Anno: Für mich schon, ja.

Auch um in die Stadt zu gelangen, also im Bezug auf die Radwege, Abstellmöglichkeiten für das Fahrrad, etc.?

Dell’Anno: Ja, das finde ich gut. Da bin ich auch frech genug, das Velo abzustellen. Es kommt darauf an, ob man die offiziellen Plätze benützt, oder ob man einfach sagt, ich stelle es dort ab, wo ich es abstellen will. Nein, ich finde es gut. Die Grenze ist dort einfach das Schleppen. Irgendwann braucht man ein Auto, wenn man viele Sachen bei sich hat. Aber sonst, denke ich, gibt es für mich persönlich wenig Momente, wo ich denke, es müsste ein Auto sein. Ich bin zufrieden mit dem öffentlichen Ver- kehr und dem Velo.

Wie beurteilst du es, mit dem Auto in die Stadt zu gelangen?

Dell’Anno: Ich finde es ganz, ganz schwierig. Es fängt schon an mit dem Stau stadteinwärts, nachher geht es um den Parkplatz. Ich denke zwar nicht, dass wir ein Parkplatzproblem haben, wir haben so

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

viele Parkplätze, aber dann gibt es natürlich die Reaktion, dass man so nah wie möglich heran will, wenn man schon mit dem Auto unterwegs ist.

Man möchte ja nicht in irgendein Parkhaus.

Dell’Anno: Genau, du denkst, jetzt bin ich ja mit dem Auto, also gehe ich auch ins nächste Parkhaus. Dann bewegt man sich vielleicht von diesem Ort weg, dann muss man nachher wieder zurück. Das muss man beim Bus nicht, da kannst du einfach die nächste Bushaltestelle ansteuern und wieder einsteigen. Ich denke, das Hauptproblem ist wirklich der Stau, wenn man in die Stadt gelangen will oder wenn man wieder hinaus will.

Ist es bei dir vor allem der Umweltgedanke, dass du mit dem Velo oder Bus fährst? Oder möchtest du den Stau vermeiden, weil du sonst viel länger brauchen würdest?

Dell’Anno: Nein, es ist der Umweltgedanke einerseits, und andererseits habe ich ganz einfach kein Auto. Dann ist es einfach so. Ich meine, man könnte sich eines kaufen, aber dann überlegt man sich wieder, ob das wirklich sein muss, ob wir das wirklich brauchen. Und wenn ich zu Unzeiten unter- wegs bin, kenne ich immer jemanden, der mich nach Hause bringen kann. Es fahren so viele Leute alleine mit dem Auto in die gleiche Richtung!

Wie beurteilst du die Situation als Fussgänger? Wenn man sich als Fussgänger in der Stadt fortbe- wegt? Findest du es attraktiv, sich in der Stadt zu Fuss fortzubewegen?

Dell’Anno: Ja, sehr. Viel attraktiver. Die Fussgängerzonen könnte man von mir aus ausweiten. Schwierigkeiten bestehen, denke ich, nach wie vor in den sogenannten Begegnungszonen, wo eigent- lich der Fussgänger Vortritt hätte.

Also zum Beispiel Bahnhof Ost oder West.

Dell’Anno: Genau. Wo man aber schlussendlich gar nicht mehr richtig weiss, ob man jetzt als Fuss- gänger irgendeine Berechtigung hat, hier über die Strasse zu gehen, oder nicht. Hätte man vielleicht sogar Vortritt?

Es ist aber für dich schon eine Fussgängerzone? Eigentlich hätte man ja Vortritt als Fussgänger.

Dell’Anno: Ja, aber vom Empfinden her ist es überhaupt nicht so. Und vor dem Langhaus, wo noch die Busse sind, die zum Teil sehr schnell fahren, dort finde ich es etwas heikel.

Also eher entweder oder? Entweder eine reine Fussgängerzone oder dann eine normale Strasse?

Dell’Anno: Ja, oder dann klare Zeiten. Also zum Beispiel sagt man, es gibt Zeiten, wo man anliefern kann. Das ist klar, die Geschäfte brauchen auch ihre Gelegenheit einer Anlieferung. Aber dann weiss man, ab elf Uhr ist es fertig, und bis fünf Uhr ist es nicht mehr möglich zum Beispiel. Aber sonst finde ich Fussgängerzonen etwas total schönes, das sich auch gleich belebt. Man hat Leu- te dort, Kinder die spielen, Restaurants, die heraus getischt haben, es ist eine ganz andere Atmosphä- re.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

Das wäre der technische Teil der Infrastruktur gewesen. Ein weiterer Teil ist die soziale Infrastruk- tur mit der Bildung beispielsweise. Wir haben in Baden die Kantonsschule, die Bezirksschule, die International School, die bald kommt. Findest du, es hat genug Schulen? Auch auf Dättwil bezogen, wo wir eine Primarschule haben?

Dell’Anno: Ich denke, es ist gut aufgeteilt. Dass man sagt, man hat in jedem Quartier mindestens ein Kindergarten, man hat eine Unterstufe, das finde ich ideal. Die Oberstufe kann man gut in Baden zusammenziehen, das ist überhaupt kein Problem. Auch der Schulweg. Man ist dann ja auch in einem Alter, wo man den Horizont automatisch vergrössert. Ich glaube wir haben alles, auch mit dem Angebot der Tagesschulen, und wenn die International School kommt, ist das auch ein wichtiger Standortfaktor für die Stadt, wenn man das bieten kann. Ich glaube, wir haben eine gute Schulsituation in Baden.

Dann gibt es ja neben den Volksschulen, der Kantonsschule usw., auch noch ein Weiterbildungsan- gebot, also vor allem auch für Erwachsene. So z.B. die Migros Klubschule…

Dell’Anno: Dann gibt es noch das KV. Ob mir ein Angebot fehlt? Ich glaube, es ist schade, dass sich die Erwachsenenbildung bei uns konzentriert auf die Migros Klubschule und das KV. Diese decken so die klassischen Bedürfnisse ab: Sprache, Kochen, … Ich glaube es gäbe noch den Sektor der Erwach- senenbildung, der mehr in Richtung Soziales oder Psychologie geht, den wir nicht haben. Das finde ich schade. Vielleicht ist aber auch einfach das Einzugsgebiet zu klein. Ich denke, das Angebot ist wahrscheinlich ausreichend. Wenn man etwas sucht, dann findet man es in der Region, glaube ich. Wir haben viel, wenn man auch noch die Nähe zu Zürich berücksichtigt.

Dann gibt es ja auch noch die Stadtbibliothek. Benützt du die Bibliothek oft?

Dell’Anno: Gelegentlich. Ich denke, ich könnte sie mehr nutzen. Aber ich kaufe gerne die Bücher.

Aber du findest trotzdem, dass man eine Stadtbibliothek braucht?

Dell’Anno: Auf jeden Fall. Natürlich gibt es noch die Schulbibliotheken. Aber für alle, die nicht mehr in der Schule sind, also vor allem Erwachsene oder solche, die eine Lehre machen, die hätten dann keinen Zugang mehr. Und für Familien mit kleinen Kindern finde ich es etwas ganz Spannendes, dass man dort hin kann, alles ausleihen. Es muss auf jeden Fall eine Bibliothek haben, ich finde es ganz wichtig. Ich denke, sehr wichtig ist auch, dass eine solche Bibliothek aktuell ist, dass sie diese Dinge hat, die die Leute im Moment wollen. Dass sie auch mit den Medien, die sie anbieten à jour sind, versuchen, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Und die Dinge auch verfügbar sind. Wenn man in die Bibliothek geht, und alles ist immer ausgeliehen, dann ist das Angebot nicht attraktiv. Ich denke, dass ist ein wichtiger Auftrag, den sich die Stadt hier gibt.

Als wir die Einwohnerratsprotokolle durchgesehen haben, ist uns aufgefallen, dass ein Thema, das immer wieder diskutiert wurde, die Kinderbetreuung war. Also Kinderkrippen, Betreuungsstellen, etc. Wie beurteilst du in diesem Bereich das Angebot? Ist die Nachfrage immer noch sehr gross?

Dell’Anno: Es herrscht immer noch eine grosse Nachfrage, ja. Was man immer mehr sieht, ist, dass auch Firmen sich engagieren. ABB z.B. hat eigene Krippen.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

Sind dann diese Krippen nur für Kinder von Angestellten, oder auch für alle anderen?

Dell’Anno: Nein, auch für andere. Man zahlt unter Umständen einfach andere Tarife. Ich denke, das Angebot hinkt der Nachfrage aber immer noch nach. Es ist aber auch wichtig, dass solche Krippen nicht einfach boomen, und irgendjemand solche Krippen eröffnen kann, sondern dass die Qualität eben auch stimmt. Insofern hat Baden ja den sogenannten Krippenpool gebildet, wo sie die Krippen einladen, sich dort zu beteiligen. Es gibt dann gewisse Dinge, die sie miteinander teilen müssen, unter anderem gleiche Tarifstrukturen, aber auch gleiche Qualitätskriterien. So kann man Synergien nutzen, man hat aber auch eine gewisse Kontrolle. Als Eltern weiss man, das ist eine Krip- pe, die im Krippenpool ist, also kann ich auch Vertrauen haben. Das ist eine spezielle Form der Zusammenarbeit, die immer über Leistungsaufträge geht. Die Stadt könnte dies ja auch selbst anbieten, sie haben ja auch eine eigene Krippe. Man kann dies aber eben auch durch Leistungsvereinbarungen abschliessen. Man nimmt also z.B. einen Verein und sagt, wenn ihr die Kriterien erfüllt, dann unterstützen wir euch, meist finanziell, wir helfen euch. Und man bin- det sie an mit Leistungsvereinbarungen. Das heisst, die Stadt kann dann durch diesen Krippenpool den Leuten, die hier her kommen, garantieren, dass sie qualitativ gute Betreuungsplätze hat, die Stadt muss sie aber nicht selber anbieten. Es gibt auch Krippen in Nussbaumen, Wettingen, usw. Man versucht, dies möglichst weit auszudeh- nen. Weil es natürlich auch Leute gibt, die in Wettingen arbeiten, aber in Dättwil wohnen und es für sie eine Option ist, ihre Kinder nach Wettingen mitzunehmen und dort in die Krippe zu geben. Ein weiterer Vorteil ist auch eine einheitliche Tarifstruktur. Man weiss, man hat bei all diesen Krippen etwa den gleichen Tarif. Und die gleiche Qualität.

Im Bereich Dienstleistungen ist ein weiterer Teil das Vereinswesen. Das ist zwar nicht eine Dienst- leistung der Stadt, aber werden die Vereine von der Stadt unterstützt?

Dell’Anno: Das kommt drauf an. Also z.B. der FC bekommt relativ viel Geld. Was bei allen Sportverei- nen gleich ist, ist, dass sie die Infrastruktur unentgeltlich nutzen können. Sie bezahlen also keine Hal- lenmiete, etc. Aber sonst geht diese Unterstützung nicht weiter.

Kommt dir gerade ein Verein in den Sinn, der in Baden fehlt, den es noch bräuchte?

Dell’Anno: Da kommt mir spontan nichts in den Sinn. Ich glaube, wir haben über 300 Vereine in Ba- den. Ich denke, wenn du etwas suchst, dann findest du es. Und sonst müsstest du es gründen. Ich denke schon lange, es müsste in Dättwil etwas geben wie einen Kulturverein. Da müsste jemand kommen und Leute hinter sich bringen. Dann wäre der nächste Schritt, sich an die Stadt zu wenden und zu sagen, wir haben diesen Verein, wir wollen das machen, wir bräuchten einen Raum. Dann, denke ich, würde die Stadt handeln.

Erholungsanlagen, Plätze, usw. Wo findest du, kann man in Baden hingehen, wenn ich jetzt nicht einfach shoppen gehen will, sondern mich aufhalten will? Ist das der Kurpark?

Dell’Anno: Ja, wobei man dort sich dieses Recht ein wenig nehmen muss. Einerseits neben den Bau- stellen im Moment und andererseits ist es natürlich passiert, dass gewisse Leute kommen, und das ist dann wie ihr Ort. Insofern würde ich jetzt vielleicht nicht nach hinten in den Kurpark. Ich glaube, dass sich die Stadt ein wenig schwer tut mit der Gestaltung von öffentlichen Plätzen. Also, der Trafoplatz ist weit weg, von dem, was er sein könnte. Auch wenn sie sagen, dass da jetzt etwas passiert, dass es sich entwickelt. Ich finde ihn nicht einladend, es hat keine Sitzgelegenheiten, es „tö-

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

telet“. Und der Theaterplatz, der ist ein wenig besser, aber da denke ich auch, hätte anderes passieren kön- nen, für das viele Geld, welches man investiert hat. Der Ländliplatz z.B. wird überhaupt nicht genutzt. Ich glaube, die Stadt tut sich in diesem Bereich etwas schwer. Vielleicht hat es etwas damit zu tun, dass wir so einen hohen ästhetischen Anspruch haben in der Stadt. Man kann also nicht einfach einen Platz haben, wo dann etwas passiert, sondern man muss diesen Platz gestalten.

Dafür dann halt weniger Sitzgelegenheiten…

Dell’Anno: Genau! Dann hat man Angst vor Littering. Also baut man lieber keine Sitzbank, weil sonst auf diese Bank jemand sitzt und dieser isst ein Sandwich und dieses Sandwich ist in ein Papier einge- packt und am Schluss hat man dieses Papier am Boden und dann muss der Werkhof wieder ausrü- cken. Hier sind wir ein wenig lebensfeindlich, finde ich. Vor lauter ästhetischem Anspruch. Wenn du ins Ausland gehst, dann siehst du dort wunderschöne Plätze, die leben. Sie sind vielleicht nicht so toll und nicht von einem Stararchitekten geplant, aber sie leben.

Also würdest du eher sagen, man müsste die bestehenden Plätze aufwerten und entwickeln, als z.B. einen neuen Platz zu bauen?

Dell’Anno: Ja, ich denke schon. Abgesehen davon, dass wir in der Stadt gar keine freie Fläche mehr hätten. Wir machen jetzt ja den Schlossbergplatz, wo die Idee ist, dass wenn wirklich der Verkehr wegkommt, es einen Platz geben könnte. Ich hoffe, dass der Verkehr wegkommt, weil ein Platz, wo der Verkehr darüber rollt, das funktioniert nicht. Ich habe schon ein wenig das Gefühl, je weniger dass man macht, desto mehr lebt es. Der untere Bahnhofplatz, da hat man schon so lange nichts mehr gemacht, der lebt. Es hat immer Leute, dort passiert etwas. Und dort wo man versucht, alles schön zu haben, zu konstruieren und eben diese ästhetischen Ansprüche stellt, dort wird es ein wenig… steril.

Aber ich glaube, dass das doch auch jetzt ein Ziel ist bei der Kurparkrenovation. Also Sitzgelegen- heiten, etc. Oder geht es auch dort wieder vor allem um das Ästhetische und weniger um eine Be- lebung?

Dell’Anno: Ja, man versucht natürlich schon immer etwas Schönes zu machen, das ist schon das oberste bei der Stadt. Also es müssen die schönsten Lampen sein, usw. Es gilt dann, all das richtig zu kombinieren. Ich meine, man kann etwas Schönes machen, man muss aber das Leben zulassen. Das finde ich wichtig. Sonst hat man wunderschöne Sachen, die eben „tötelen“. Und der schönste Platz nützt einem auch noch nichts, wenn man nicht rundherum irgendwelche Läden oder Cafés hat, die jemanden anziehen. Beim Theaterplatz z.B. Das ist natürlich schon auch wichtig. Das sieht man im Bäderquartier. Wenn es nichts hat, das anzieht, dann kann es dort die schönsten Wiesen, die schöns- ten Pärke haben, und du gehst nicht dahin. Ein ganz schöner Park ist der BBC-Park. Aber da muss man wirklich sagen, ich gehe in diesen Park und habe sonst nichts, keine Infrastruktur. Da denke ich, ist der Mix wichtig.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

Du sagst, es ist wichtig, dass es dort auch Geschäfte hat. Wie findest Du die Vielfalt an Geschäften in Baden? Vor allem auch in der Weiten Gasse und der Badstrasse? Findest du die Ladenvielfalt gross?

Dell’Anno: Nein, in der Weiten Gasse hat man keine Vielfalt mehr. Auch in der Badstrasse. Es ist die Rendite, die dort zählt. Es gibt immer mehr Geschäfte mit Schuhen und Kleidern, das ist es. Also die Vielfalt ist nicht gegeben an diesen zwei Strassen. Aber wenn man sich nicht nur auf das Zentrum konzentriert, denke ich, gibt es alles in Baden.

Und auch um zu essen? Also Restaurants und Cafés. Findest du, es hat genug?

Dell’Anno: Ich glaube schon, dass wir ein grosses Angebot haben. Es hat vielleicht ein bisschen viel italienische… (lacht) Und wo man auch noch ein paar Änderungen vornehmen müsste, um auf den Konsumenten einzugehen, ist bei den Öffnungszeiten. Also wenn man am Sonntag oder Montag- abend in ein Café oder Restaurant gehen möchte, hat man Probleme. Dann hat einfach alles ge- schlossen. Aber ich denke, wir haben viele Cafés. Vielleicht wird es mit der Zeit auch wieder ein we- nig vielfältiger.

Du sagtest, es hat eigentlich alles in Baden, was man braucht. Denkst Du, es kommen Auswärtige wegen diesem Angebot nach Baden?

Dell’Anno: Ich weiss nicht ob wir eine sogenannte „Unique selling proposition“ haben, das heisst, etwas, das man nur in Baden hat. Das glaube ich nicht. Aber ich glaube, dass man nach Baden kom- men kann und alles hat.

Das Kulturangebot ist auch ein wichtiger Teil der Infrastruktur. Nutzt Du dieses Angebot oft? Also Museen, Galerien, etc.?

Dell’Anno: Nein, nicht viel. Ich bin nicht jemand, der immer in Museen geht. Ich kenne sie. Aber ir- gendwann hat man sie gesehen.

Aber denkst du, das Angebot ist gross? Sodass auch Leute, die nicht von Baden kommen, angezo- gen werden?

Dell’Anno: Ich glaube schon, dass es gewisse Anziehungspunkte gibt. Die Villa Langmatt zieht sicher ein Publikum an, das Kindermuseum ist sicher auch ein Magnet, wo die Leute wirklich von weit her kommen. …Das Historische Museum ist es leider nicht. Aber ich denke schon, dass wir, für die Grösse der Stadt, Magnete haben. Wobei natürlich gerade diese zwei Museen nicht städtische sind.

Werden sie aber von der Stadt unterstützt?

Dell’Anno: Sie funktionieren mit Gönner- und Fördervereinen und Stiftungen. Im Zusammenhang mit dem Kindermuseum weiss ich, dass die Stadt einen Beitrag zur Renovation des Gebäudes geleistet hat. Das ist immer die gleiche Haltung: Die Stadt sagt, seid initiativ, kommt mit guten Ideen. Dies hilft dann der Stadt schlussendlich auch, das ist Standortmarketing. Dann unterstützen wir als Stadt euch, aber ihr betreibt es. Das ist schon die Haltung der Stadt, nicht alles selber machen zu wollen, sondern konkrete Unterstützung zu leisten. Ich denke, das ist die richtige Haltung. Bis auf diese Dinge, wie z.B. das Historische Museum, wo es einfach Aufgaben gibt, die die Gemeinde hat. Also diese Objekte, die

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

die Stadt hat, muss sie auch pflegen. Das Archiv der Stadt muss die Stadt aktualisieren und dafür sorgen, dass es erhalten bleibt. Das sind quasi eigene Bereiche. Natürlich könnte man auch diese Dinge noch outsourcen, sie jemandem übergeben, und dafür bezahlen. Dann kann man die Entwick- lung aber auch nicht mehr so mitgestalten.

Ein Beispiel wäre hier das Kurtheater, das renoviert wird. Das wird ja ebenfalls nicht von der Stadt betrieben, aber die Stadt leistet einen beträchtlichen Beitrag an die Kosten. Findest du das gut, dass die Stadt sich hier finanziell so stark engagiert?

Dell’Anno: Auf jeden Fall. Das Theater könnte diese Kosten niemals selber tragen. Dann würde es einfach heissen, wenn sie nicht unterstützt werden, dann gibt es das Theater nicht. Das wäre die Alternative: das Theater zu schliessen. Aber die Renovation liegt auch im Interesse der Stadt. Es zieht wieder Leute an, es ist ein Standortmarketing-Faktor. Beim Kurtheater muss man diskutieren, wer nutzt es und wer trägt es? Dort kann es nicht sein, dass die Stadt Baden die Hauptlast trägt und vor allem Zuschauer aus anderen Gemeinden kommen, die nichts bezahlt haben. Das ist dann das Thema Zentrumsfunktion und Zentrumslasten. Wie viel muss man tragen als Zentrumsgemeinde, weil dieses Theater nun einfach hier steht, muss man es unterhalten, etc.? Und wie viel kann man aus den ande- ren Gemeinden herausholen, die dann sagen, aus reinem Goodwill, ja wir bezahlen etwas. Oder wenn dann ihre Finanzen nicht so gut sind, dann müssen sie sparen und bezahlen nichts ans Theater in Baden. Hier sind, denke ich, diese Fusionsgedanken und gespräche schon auch hilfreich.

Jetzt speziell im Bezug auf kulturelle Einrichtungen für Jugendliche. Das ist ja ein laufendes Prob- lem, dass es zu wenig Räumlichkeiten gibt. Findest du, es ist Aufgabe der Stadt, diese Räumlichkei- ten zur Verfügung zu stellen?

Dell’Anno: Ja. Ich finde, das ist eine Aufgabe der Stadt. Das ist ein Ziel. Das sind Betriebe, die nie rentabel sein werden, wenn das Angebot für alle sein soll. Oder du sagst einfach, ich mache Party pur. Wie im Löschwasserbecken, mit so und so viel Eintritt, ein Getränk kostet so und so viel. Wenn sie es so machen wollen, dann ist es gut für sie, dann rentiert es. Aber dann hat man noch lange nicht ein Angebot, das alle benutzen können. Und wenn man gleichzeitig eine Jugendarbeit betreiben will, also man will auch denen etwas bieten, die jetzt nichts haben, dann kann man das nicht selbst finan- zieren. Ich denke, das ist eine Aufgabe der Stadt. Diese Arbeit im soziokulturellen Bereich mit Jugend- lichen finde ich enorm wichtig für die Prävention. Alle, die hier eine Aufgabe bekommen und sich für etwas einsetzen, die hängen nicht herum. Und jeder, der irgendwo herumhängt, produziert unter Umständen einmal enorme Kosten. Darum denke ich ganz klar, dass das eine Aufgabe der Stadt ist. Und es ist auch eine Aufgabe der Stadt, die anderen Leute, die dann eben dagegen sind, wegen dem Lärm, dem Abfall, weil es sie stört, zu sensibilisieren.

Findest du, die Stadt tut in diesem Bereich zu wenig? Oder nimmt sie diese Aufgaben wahr?

Dell’Anno: Nein. Die Jugendarbeit ist immer ein Thema, das ist auch in der Natur der Sache. Das än- dert so schnell, es ist total dynamisch. Es kommen immer wieder neue. Nach vier Jahren denkt man, ok, jetzt weiss man, was diese wollen, aber in vier Jahren sind sie gar nicht mehr hier, und es kom- men wieder neue. Ich denke, es wird viel gemacht. Die Gefahr ist einfach, dass man so sehr kämpfen muss, dass es er- halten bleibt. Weil halt im Moment alles Rendite abwerfen muss. Dann heisst es, Party pur, das ge- nügt doch, warum man immer die alternative Szene unterstützen muss. Man muss immer wieder

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

vom Wert solcher Dinge reden, die nicht mit Geld abwiegbar sind, sondern wo es um Vielfalt geht, um andere Gedanken, um Experimentelles. Dafür muss man enorm kämpfen, immer. Man kann sa- gen, man wolle eine alternative Kulturszene, man wolle Freiräume für Jugendliche. Das kann man alles sagen, aber das heisst man bezahlt es. Sagen ich will es, aber kein Geld zur Verfügung stellen, das geht nicht.

Tut sich die Stadt denn schwer, Geld für solche Sachen zu sprechen? Gibt es jedes Mal lange Diskus- sionen, wenn ein solches Thema kommt?

Dell’Anno: Man kann nicht so allgemein sagen, die Stadt unterstützt generell alles, oder sie tut zu wenig. Es gibt so viele verschiedene Schauplätze, das Merkker, das Nordportal, etc. Es ist total viel in Bewegung. Und was das kulturelle betrifft, das läuft über die Kulturkommission, da diskutiert der Einwohnerrat eigentlich gar nicht mehr. Die Gelder, die vergeben werden, darüber entscheidet die- ses Fachgremium. Ein Fachgremium, das weiss, was es alles gibt, das Kriterien hat, das sagt, doch das ist eine gute Sache, das möchten wir fördern. Das finde ich recht so.

Wir machen jetzt einen Sprung und zwar zum Thema Tourismus. Findest du, die Stadt vermarktet sich touristisch gut?

Dell’Anno: Wir haben heute eine ganz gute Lösung. Einerseits ist es nicht mehr ein Verein, wie früher Baden Tourismus. Diese haben damals ein wenig etwas gemacht, so vor sich hin gearbeitet, mit dem Budget, das sie zur Verfügung hatten. Die Unternehmen konnten z.B. diesem Verein Geld geben, oder eben auch nicht. Das war auch viel Freiwilligenarbeit, das war nicht wirklich professionell. Man wollte dann dies mit viel Geld aufmöbeln, aber eigentlich mit den gleichen Strukturen. Und was wir jetzt haben ist eine Mischung. Wir haben das Standortmarketing, das eigentlich eine Abteilung der Stadt ist. Man sagte, es ist ganz wichtig, dass das innerhalb der Stadt selbst ist weil die Verwaltung weiss, was für Bedürfnisse da sind. Das ist nicht irgendeine Aussenstelle. Es ist ein Marketing, das nicht nur auf den Tourismus setzt, sondern auch den Bereich Gäste, den Bereich Einwohner und den Bereich Geschäfte hat. Dass man das alles abdeckt. Im Moment wird sehr viel bewegt. Wenn man z.B. am Hauptbahnhof in Zürich ist, dann sieht man Plakate vom Grand Casino Baden. Natürlich war das Grand Casino auch die grosse Chance wieder ein wenig nach aussen zu treten. Ich glaube es passiert viel, es gibt viele Ideen. Was aber einfach klar ist, ist, dass die Stadt Baden nicht mehr die Bäderstadt ist, die sie vor 50 oder 100 Jahren war. Damals wusste man einfach, der Kurgast oder der Tourist kommt, ist einen Monat lang hier, badet, ist in Baden. Heute ist es Tagestourismus.

Im Bäderquartier ist ja vor allem das Problem, dass die Besitzer der privaten Liegenschaften diese weder sanieren noch verkaufen wollen. Versucht die Stadt, diese Leute zum Verkauf zu bewegen, oder was unternimmt die Stadt für eine Entwicklung im Bäderquartier?

Dell’Anno: Ich glaube, man versucht vor allem, den privaten Investoren, und es sind dort ja alles Private, die Steine aus dem Weg zu räumen. Dann kommt es immer darauf an, mit wem man ver- handeln muss. Aber wie du gesagt hast, durch das, dass die Stadt nicht Eigentümerin ist, hat sie gar nicht viele Möglichkeiten. Sie kann also z.B. sagen, wenn jemand ein Projekt hat, wie jetzt z.B. mit dem Bad, dass die Stadt versucht zu definieren, wo das stattfinden könnte, dass man also die Ent- wicklung auch auf dem eigenen Grund und Boden anschaut. Man fragt sich, wo könnte dieses neue Bad hinkommen, wo könnte man gemeinsamen Nutzen entwickeln? Und das wiederum ist mit viel Geld verbunden. Eine solche Sondernutzungsplanung, da haben wir gerade Fr. 600‘000.- gesprochen, und das ist noch nicht abgeschlossen. Und es geht nur darum, es miteinander anzuschauen. Schluss-

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

endlich investiert nicht die Stadt, sondern die Privaten. Wobei diese jetzt gesagt haben, „wir investie- ren jetzt in die Bäder und dann möchten wir zuerst etwas zurück. Aber wenn es einen anderen Inves- tor gibt, der in Hotels investieren möchte, dann ist dieser willkommen.“ Die Stadt Baden kann alles rundherum optimal gestalten, also die Rahmenbedingungen setzen. Also z.B. „wir sind nicht stur mit der Bau- und Nutzungsordnung, wenn es darum geht, einen bestehenden Park umzunutzen, das kann man diskutieren. Wir schauen die Verkehrs- und Parkplatzsituation an.“ Bei all diesen Themen kann die Stadt Hand bieten. Aber „machen“ kann sie nichts.

Ginge es, sehr einfach gesagt, nicht um einiges schneller und effizienter, wenn die Stadt selbst Lie- genschaften erwerben würde, diese saniert und dann verkauft?

Dell’Anno: Wahrscheinlich ginge das schon. Einerseits besteht aber ein finanzielles Risiko und ande- rerseits denke ich, ist das nicht die Aufgabe der Stadt. Die Stadt muss nicht kaufen, bauen und wieder verkaufen. Ich denke, es ist eine Aufgabe der Stadt, wenn es ihr eigener Grund und Boden ist, zu sa- gen, hier kann das gebaut werden oder nicht. Aber das Geld, das die Stadt verwaltet, ist ja Steuer- geld, dann darf man auch nicht spekulieren. Die Stadt könnte, das stand auch schon zur Diskussion, den Investoren unter die Arme greifen. Aber was sagt man dann z.B. dem Erni Blumenladen? Dem hat man auch nicht unter die Arme gegriffen. Und Werner Eglin hat für den Limmathof auch nichts erhalten. Es braucht auch eine klare Haltung. Die Stadt versucht, ihren Teil so gut wie möglich zu machen, eine gute Zusammenarbeit zu haben und tritt aber nicht als Investor auf. Das ist meiner Meinung nach alles, was die Stadt tun kann. Im Moment sieht es gut aus, man ist auf gutem Weg.

Es gab ja einen Wechsel des Hauptaktionärs bei der Verenahof AG…

Dell’Anno: Genau. Und dieser neue Hauptaktionär hat auch wirklich ein Interesse, dass in diesem Quartier jetzt etwas geschieht. Er ist offenbar ein guter Gesprächs-und Verhandlungspartner.

Gibt es also wieder Verhandlungen und Planungen?

Dell’Anno: Ja, genau. Im ersten Moment geht es jetzt einmal um das Bad. Da haben wir soeben ei- nen Projektierungskredit gesprochen. Es geht jetzt einfach einmal darum, was auf diesem Gebiet möglich ist, wo dieses Bad hinkommen könnte, wie sieht es aus, wo besitzt die Stadt Land, das sie allenfalls abtauschen könnte oder wie viel würde die Stadt bezahlen für ein öffentliches Bad? Alles was die Hotels anbelangt, ist noch nicht Gegenstand der Verhandlungen. Einfach weil der Investor dies im Moment noch nicht anpacken möchte. Das sind Unsummen, also in das Bad werden wahr- scheinlich rund 50 Millionen investiert. Das ist auch verständlich, dass er sagt, er wolle dann zuerst einmal ein wenig Geld zurück haben, bevor er weiter investiert. Vor allem der Verenahof, der Bären und der Ochsen sind in so schlechtem Zustand, das ist grauen- haft. Da muss man im Prinzip alles abreissen bis auf die Teile, die unter Denkmalschutz stehen.

Welches Badener Hotel findest du, kann man empfehlen? Der Limmathof ist wahrscheinlich eines der bekannten, oder?

Dell’Anno: Ja, der Limmathof ist sehr schön und modern.

Und zum Beispiel das Hotel Linde, findest du das attraktiv?

Dell’Anno: Nein, ich finde nicht. Auch von der Lage her nicht.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

Wahrscheinlich dann eher das neue Blue City Hotel?

Dell’Anno: Ja, das ist auch nahe am Bahnhof gelegen. Es ist auch ausgelastet. Das war eigentlich von Anfang an ausgelastet. Es konnten fixe Verträge mit der Alstom abgemacht werden. Die Blume ist sicher ein schönes Hotel für die Nostalgiker. Das Du Parc ist, glaube ich, einfach ein teures Hotel, das aber den Komfort bietet.

Von der Nachfrage her könnte man aber sicherlich noch weitere Hotels eröffnen, oder? Auch in Verbindung dann mit dem Bad.

Dell’Anno: Ja, das sicher. Eine grosse Chance ist sicher auch das Casino. Die Leute, die die Nacht hindurch spielen und dann nicht zurück nach Zürich wollen, denen könnte man dann ein Zimmer bieten. Das sind im Moment auch so die Ideen. Dass man dort unten nicht ein fünf Sterne Hotel, aber eines im gehobenen Seg- ment baut. Es wird immer von einem Boutique Hotel geredet. Also klein, wenig Zimmer und schmuck. Weil den Massentourismus, den bringt man nicht mehr nach Baden. Und dann, denke ich, bräuchte es ein weiteres drei Sterne Hotel, das einfach sauber und gut ist für die Geschäftsleute. Denn die Firmen, die wir haben, die füllen sofort ein solches Hotel. Heute fahren diese Leute einfach nach Örlikon ins Swiss Hotel und füllen es dort. Wenn es also ein solches Hotel in Baden hätte…

Wenn du sagst, den Massentourismus bringt man nicht mehr nach Baden. Findest du, ein neues Bad müsste eher volksnah gestaltet werden wie in Schinznach, oder eher ein „Wellness-Bad“?

Dell’Anno: Im Moment ist das eine grosse Diskussion. Schlussendlich ist der Entscheid natürlich beim Investor. Will er ein Bad, wie z.B. in Vals, mit Wellness, luxuriös, oder will er eines wie Schinznach? Die Stadt möchte weniger ein Schinznach. Man möchte sich eher profilieren mit etwas Einmaligem. Auf der anderen Seite sagt der Investor, er brauche einfach rund 500‘000 Eintritte pro Jahr. Er will es wieder rentabilisieren. Das wäre dann etwa wie Bad Zurzach.

Hat die Stadt hier ein Mitspracherecht? Oder bringen sie einfach ihre Wünsche bei den Verhand- lungen ein?

Dell’Anno: Ja, mehr können sie nicht. Sie könnten höchstens sagen, wir bieten nicht Hand für ein so grosses Parkhaus beispielsweise. Das wäre dann einfach um gewisse Dinge zu verhindern. Aber man versucht natürlich, eine Win-Win-Situation hinzukriegen. Jeder, der nach Baden kommt und hier fin- det was er sucht und begeistert ist, der kommt wieder.

Dann gibt es als letztes Thema noch die öffentliche Sicherheit. Wir haben es bei der Jugendarbeit ein wenig schon angetönt. Findest du es sicher in Baden?

Dell’Anno: Ich fühle mich eigentlich total sicher in Baden. Aber das ist ganz subjektiv. Es gibt Leute, die gehen auf der genau gleichen Strasse, unter den genau gleichen Voraussetzungen und fühlen sich aber bedroht oder unsicher. Ich fühle mich sicher in Baden. Natürlich gibt es auch Gewalttaten. Aber ich war ja die letzten zwei Jahre in der Einbürgerungskommission und da haben wir Jugendliche, z.B. aus dem Balkan, immer wieder gefragt, ob das für sie ein Thema sei. Und da gibt es sehr viele, für die es kein Thema ist, weil sie dem aus dem Weg gehen, weil sie da gar nicht dazugehören. Ich denke, es gibt eine Gruppe, oder auch mehrere, die das beherrschen und immer wieder Zoff machen. Aber das ist nicht eine generelle Gewaltbereitschaft der Jugendlichen.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

In der Politik ist es auch ein Thema. Es wurden ja auch zusätzliche Polizisten eingestellt. Findest du das eine geeignete Massnahme?

Dell’Anno: Es ist eine Massnahme. Man kann sicherlich nicht nur auf das bauen. Aber es ist natürlich eine Massnahme. Präsenz markieren und so präventiv wirken. Es bräuchte aber auch Leute auf der Strasse, die mit den Gewalttätigen das Gespräch suchen und man müsste herausfinden, warum dies entsteht, warum passiert dies auf der Strasse. Was sind die Ursachen? Ich denke, es müsste hier auch verschiedene Pfeiler haben, wie man das Problem angeht. Dass man z.B. auch den Kontakt zu den Eltern nicht scheut, auch in der Schule, dass man vermehrt den Umgang mit Aggressionen lernt. Die Präsenz der Polizei erhöhen ist sicher eine Möglichkeit, die einerseits Dinge verhindert und anderer- seits den Leuten auch Sicherheit gibt. Wenn man patrouillierende Polizisten sieht, dann fühlt man sich sicher. Ich mag Polizeipräsenz auf der Strasse nicht, aber ich akzeptiere es, dass das sinnvoll ist.

Ist denn die Stadt in diesen anderen Bereichen, also Prävention z.B., aktiv? Oder blieb es bei dieser Polizeiaufstockung?

Dell’Anno: Ich denke, es ist schwierig. Die Stadt macht sicher was sie kann, innerhalb ihres Kompe- tenzbereichs und innerhalb ihrer Möglichkeiten, auch zeitlich z.B. Die Stadtpolizei Baden hat auch eine Zusammenarbeit, die bis nach Nussbaumen reicht. Das heisst auch, dass sie dort patrouillieren müssen, dann können sie auch nicht überall sein. Ich denke, es ist wichtig, dass sie zusammenarbei- ten z.B. mit Kulturvermittler, die eben auch mit diesen Leuten reden können. In vielen Fällen nützt es gar nichts, wenn ein Uniformierter vor ihnen steht. Das provoziert sogar noch eine andere Reaktion. Es kann gut sein, dass ein Uniformierter, weil er einfach eine Autorität repräsentiert, das Problem schlichten kann, es kann aber auch gerade das Gegenteil bewirken. Dann muss man wie mit „ihren“ Leuten und „ihren“ Argumenten das Problem angehen. Und hier denke ich, ist die Zusammenarbeit gut. Das könnte besser sein, aber dann kostet es einfach wieder zusätzlich. Das heisst, es bräuchte mehr Leute, die weniger dringende Dinge tun müssten und sich wirklich dem annehmen könnten. Aber ja… Das könnte man toll ausbauen, die Frage ist, wie viel man investieren will. Und dann kommt wieder die Diskussion, was man in die Prävention investiert und was in das Lösen von akuten Prob- lemen. Wäre es nicht gescheiter, mehr in die Prävention zu investieren? Und meistens gibt man diese Gelder nicht frei, wenn nicht die Not da ist. Ich meine, wenn es eine Schlägerei gibt, dann diskutiert niemand mehr, ob man jetzt da zehn Mann schicken muss, sondern dann schickt man diese zehn Leute und dann wird das Problem gelöst. Man könnte ja vielleicht diese zehn Leute auch woanders einsetzen. Das ist schlussendlich dann wieder ein finanzieller Entscheid.

Schwerpunkte:

Gutes ÖV-Angebot, jedoch noch ausbaufähig

Sehr schwierig mit dem Auto in die Stadt (Stau, Parkplätze, etc.)

Schwierig: Sog. Begegnungszonen

Gute Schulsituation, gute Aufteilung

Kinderbetreuungsstätten: Nachfrage immer noch grösser als Angebot

Krippenpool gut

Stadt tut sich schwer mit Gestaltung öffentl. Plätze, zu sehr auf Ästhetik

Infrastruktur nötig auf diesen Plätzen (Cafés, etc.)

Keine Geschäftevielfalt in der Badstrasse & Weiten Gasse, allgemein in Baden aber gut

Baden ist. Infrastruktur

Interview Regula Dell’Anno

Öffnungszeiten anpassen (Restaurants, etc.)

Kindermuseum & Langmatt Publikumsmagnete, Historisches Museum nicht

Im Kulturbereich gute Haltung der Stadt mit Unterstützung

Zentrumsfunktion, Nutzen- und Lastenverteilung

Soziokulturelle Jugendarbeit ist Aufgabe der Stadt

Gut: Kulturkommission als Fachgremium

Standortmarketing sehr gut

Bäderquartier: Stadt setzt Rahmenbedingungen

Weitere Hotels nötig

Polizeiaufstockung ist eine Massnahme. Prävention wichtig. Stadt tut, was sie kann

Baden ist. Infrastruktur

Interview Nr. 3

Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

Interviewer:

Yvo

Interviewpartner Name:

Elisabeth Fernandez-Sieber

Funktion:

Präsidentin QV obere Altstadt

Ort, Datum:

Baden, 05.05.2008

Welches Verkehrsmittel brauchen Sie, um in die Stadt zu gelangen? Oder gehen Sie nur zu Fuss?

Fernandez: Ich gehe nur zu Fuss, weil ich hier so zentral bin.

Benützen Sie denn öffentliche Verkehrsmittel, wenn Sie etwas weiter weg wollen?

Fernandez: Ja, die brauche ich viel, denn ich habe das GA.

Das Auto brauchen Sie in dem Fall selten?

Fernandez: Wir haben schon ein Auto aber wenn immer möglich nehme ich die öffentlichen Ver- kehrsmittel.

Wie ist das Angebot an öffentlichen Verkehrsmitteln hier in der Stadt?

Fernandez: Das ist gut. Die Busse fahren dicht, die Züge in die Umgebung eigentlich auch. Ich finde einfach, das Problem ist, dass die Busse hier unten gleich durch fahren, vom Lärm und von der Luft her, weil es fahren über 300 Busse pro Tag hier durch.

Das Velo brauchen Sie wohl weniger?

Fernandez: Also meine Familie schon, meine Kinder haben alle ein Velo, aber ich darf nicht mehr Velofahren wegen meinem Knie. Meine Tochter kommt jedoch oft mit dem Velo oder eben mit dem Bus von Wettingen nach Baden und dafür ist das Velo hier wirklich auch schon gut.

Wie denken Sie über die Fussgängerzonen, sind die gut oder verschlimmern sie nur das Verkehrs- problem?

Fernandez: Nein, ich finde sie gut, wenn sie respektiert werden. Aber in der Badstrasse zum Beispiel, werden die Anlieferzeiten nicht respektiert und dann wird es gefährlich und ich finde, dass auch die Weite Gasse eine komplette Fussgängerzone werden müsste, weil man merkt es vor allem, wenn Markt ist, dann hat es viel mehr Leute wenn der Bus nicht fährt. Aber natürlich auch wegen dem Markt. Aber nun ist der Markt ja nicht mehr hier in der Weiten Gasse und es hat dennoch mehr Leute hier am Samstagmorgen, die müssen irgendwie im Hinterkopf haben, dass hier kein Bus fährt. Das ist ganz lustig.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

Demnach befürworten Sie eine Ausweitung von den Fussgängerzonen und dass man den Bus aus- senherum leitet?

Fernandez: Ja, es kommt ja nur die Tunnelgarage als Durchgang für den Bus in Frage, aber dann müsste die Haltestelle auch sehr nahe bei der Weiten Gasse sein. Aber im Prinzip sind die meisten Anwohner dafür, dass der Bus aus der Weiten Gasse weg kommt und man ihn durch die Tunnelgara- ge führt. Aber eben, die Haltestelle beim Schulhausplatz vorne ist noch nicht klar.

Es tönt so, als wären Sie hier bereits tätig gewesen. Haben Sie denn einen entsprechenden Vor- schlag der Stadt vorgelegt?

Fernandez: Nein das ist im Gespräch, das ist im Gespräch. Es gibt da auch verschiedene Versionen, wir wurden einfach begrüsst zu einem Meinungsaustausch mit der Stadt. Daran sind die meisten Geschäfte auch interessiert und da gewesen, es hat also wenige aus der Weiten Gasse selber, die das nicht wollen. Der Manor will nicht, weil er Angst hat um seine Parkplätze in der Tunnelgarage.

Sind Sie denn auch dafür, dass man den Blinddarm auch schliesst?

Fernandez: Ja, da bin ich nicht unbedingt glücklich. Ich möchte einmal wissen wie es dann wird, weil als man das im letzten Jahr einmal probierte, hatten sie in der Haselstrasse unten unheimlich Mühe und ich weiss nicht, wie das gehen soll, wenn der ganze Privatverkehr untendurch fahren müsste. Ich weiss nicht ob das viel bringt, weil der Bus im Moment immer noch durch die Altstadt fährt und es ist immer noch keine Fussgängerzone.

Demnach wenn sie das machen, dann auch ganz?

Fernandez: Es ist halt, dass bei Baden die Verkehrssituation sowieso sehr, sehr kompliziert ist, weil man die grosse Verkehrssanierung in den 60er Jahren nicht gemacht hatte. Man hat ja auch einmal gesagt, man gehe durch den Martinsberg und dann wäre es eben anders herausgekommen. Und jetzt ist die Verkehrssanierung nur eine halbe Sache und dadurch haben wir nun den Salat auf der Piazza Insalata vorne und das hängt alles mit dem zusammen.

Wie sehen Sie das Angebot an Schulen? Ist es genügend gross oder hat es sogar zu viele?

Fernandez: Das ist sehr gut. Wir haben die neue Schule bei der ABB unten, bei der Berufsorientie- rungsschule dort ist mein Sohn sogar Lehrer, wir haben auch die Kantonsschule in der Nähe und dann auch noch diese in Wettingen, also ich finde das Bildungsangebot gut. Das ist schon ok. Wir haben auch nicht weit bis zur Universität in Zürich.

Weist das Weiterbildungsangebot wie zum Beispiel die Migros Klubschule auch so eine hohe Quali- tät auf?

Fernandez: Ja, das ist so ein Ding. Ich gebe mal ab und zu wieder Stunden, also in Spanisch oder Deutsch, und das waren dort oftmals Leute, die in der Migros Clubschule waren und fanden, sie kommen dort zu wenig schnell voran, weil dort halt auch Leute zum Teil hingehen, die die Aufgaben nicht machen oder mitarbeiten und die, die wirklich vorwärts kommen wollen, kommen halt da dann ein wenig zu kurz. Aber sonst kann ich das nicht beurteilen. Andere besuchen Malkurse und sind zu- frieden. Ich habe bereits beides gehört, sowohl Gutes als auch Schlechtes und ich kann mir nicht di-

Baden ist. Infrastruktur

Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

rekt ein Bild machen, weil ich habe dieses Angebot selbst nie genutzt. Aber offenbar ist das Angebot sehr vielseitig bei der Migros Klubschule.

Sind Sie ausser im Quartierverein sonst noch in einem anderen Verein aktiv?

Fernandez: Ja, ich singe im katholischen Kirchenchor.

Erhalten Sie als Verein da auch Unterstützung von der Stadt?

Fernandez: Nein, der wird von der Kirchgemeinde unterstützt.

Vermissen Sie persönlich einen bestimmten Verein in Baden, den es eigentlich noch bräuchte?

Fernandez: Also wir haben ja über 70 Vereine hier und ich glaube damit haben wir genug.

Wo kann man sich in der nahen Umgebung oder in der Stadt am besten erholen oder einfach ein- mal abschalten?

Fernandez: Also sicher etwas vom Schönsten ist der BBC Park, der Brown Boveri Park, dort hat es sehr wenige Leute, er ist wunderschön gepflegt, er ist historisch erhalten und um etwas draussen zu sein, gehe ich dorthin. In den Kurpark gehe ich nicht mehr, weil den haben sie kaputt gemacht. Dann ist da natürlich auch noch die Baldegg als schönes Naherholungsgebiet. Aber auch sonst sind wir überall sehr schnell im Wald, man kann ja beispielsweise von der Baldegg zum Petersberg und dann Richtung Schwabenberg und da ist man dann wirklich weg von der Stadt. Daher sind wir auch in dem Bereich sehr, sehr verwöhnt.

Bräuchte die Stadt dennoch weitere grössere Plätze, wie zum Beispiel der neue Schlossbergplatz, der momentan aufgewertet wird?

Fernandez: Ja, wenn der Bus nicht mehr durchfährt, sonst ist das ein absoluter Witz. Der Schloss- bergplatz ist nur ein Platz, wenn der Bus wegkommt, das ist hundertprozentig klar. Aber sonst glaube ich, dass wir genügend Plätze haben. Wir haben den Theaterplatz, der jetzt neu ist und gross und auch hier gerade noch den Kirchenplatz.

Finden Sie, der neue Theaterplatz ist gelungen oder nicht?

Fernandez: Nein, ich finde ihn nicht schön. Das heisst, ich finde, dass die einen Bäume zu nahe an den Häusern sind, ich wundere mich, dass die nicht reklamiert haben und vorne ist die Aussicht zwar schon schön, aber dort wird er im Sommer extrem heiss, weil es gegen Wettingen keine Bäume und keinen Schatten mehr hat. Und dann finde ich diesen Kiesbelag sehr staubig. Ich weiss, dass die Leute vom Flohmarkt sich beklagen, wenn es zu schönes Wetter ist und ihre Ware dort ausstellen. Wenn die Leute dann dort vorbeigehen, ist danach alles staubig. Und wenn es nass ist, ist er auch unange- nehm. Ich sehe auch die Rechtfertigung des Kiesbelages wegen dem Sickerwasser nicht, weil ich mei- ne, rundherum haben wir viel Grünes und dieser Platz müsste jetzt nicht unbedingt Wasser durchlas- sen. Das dünkt mich ein wenig fragwürdig. Also ich finde den Platz an und für sich von der Weite her schon schön aber die Bäume auf der Ostseite fehlen, also Richtung Wettingen und Ennetbaden, weil da hatte es zuvor grosse Kastanien aber die musste man wegen dem Parkhaus fällen. Ja und dann eben noch der Belag, also ich laufe immer aussen herum.

Baden ist. Infrastruktur

Interview Elisabeth Fernandez-Sieber

Ich vermute einmal, dass Ihnen der Trafoplatz auch nicht gefallen wird.

Fernandez: Nein, den finde ich auch nicht schön. Der ist missraten.

Was halten Sie davon, dass die Stadt jetzt so viel Geld für die Erneuerung des Kurparks investieren will?

Fernandez: Ja, wissen Sie, der Kurpark war in meiner Kindheit ein Eldorado. Wir waren jeden Sonn- tag im Kurpark am Spazieren oder am Sirup Trinken oder zum Musik Hören. Aber seit sie Eingriffe gemacht haben, zum Beispiel, dass sie rundherum das Gitter entfernt haben, finde ich extrem scha- de. Es hatte ja Schmiedeisengitter rundherum und durch die war der Park noch eine geschützte Zone gewesen. Nun haben sie ja noch zusätzlich alle diese Eiben oder was das waren rundherum gefällt und nun sieht man einfach durch den ganzen Park, man sieht also die Autos auf der Badstrasse durchfahren. Man ist auch irgendwie ausgestellt, die grossen Bäume stehen zwar noch, aber seine Seele hat er verloren. Und jetzt, wenn noch der Neubau kommt weiss ich nicht, ob man wirklich so viel Geld in den Kurpark investieren soll, aber ich weiss auch nicht was machen. Da ist eben dieser Park hier hinten, der ist auch ein historisch wichtiger Park, der von der Villa Boveri, der ist wirklich mit sehr viel Gespür restauriert worden, da haben sie ja auch das Gitter restauriert und sie haben ihn wirklich so gemacht, wie er sein muss. Aber beim Kurpark weiss ich nicht, wie das ganze am Ende heraus kommt, also ich finde die Idee an und für sich mit dem Teich schon richtig, aber man könnte das Geld wohl weitaus besser einsetzen.

Wo tätigen Sie ihre Einkäufe?