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Japanische Kartographie

Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Kartographie in Japan

Dieter Höller, 1109369

Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

1

2 Die Anfänge der Kartographie in Japan

2

3 Japanische Formen der Visualisierung von Karten

6

4 Aktuelle japanische Kartographie

7

5 Zukunft der Kartographie in Japan

9

6 Zusammenfassung

10

1 Einleitung

Japan has a long history of cartography […]. This lengthy heritage […], is rooted in various aspects of Japanese culture, and can provide valuable visual insights into Japanese perspectives on the landscape, their country, the world at large, and the entire cosmos.“ (POTTER 2007b: 209) Dieses Zitat verdeutlicht, dass Kartographie nicht nur bei der Orientierung im Gelände behilflich sein kann. Karten können in Hinsicht auf ihren Entstehungsort und dem Zeitpunkt ihrer Erstellung auch

kulturelle Informationen preisgeben. Vor allem in Karten mit Zeichnungen und künstlerisch anspruchsvollen Illustrationen kommt diese Tatsache zum Vorschein. Dieser Faktor trifft auch auf die japanische Kartographie zu. Natürlich kann von der Entstehung der Kartographie in Japan nicht berichtet werden, ohne auf die Geschichte des Landes einzugehen. Diese wird allerdings nur kurz erwähnt bzw. vernachlässigt. In Kapitel 2 soll eine Übersicht über die ersten Anfänge der Kartographie in Japan gegeben werden. Darauf aufbauend wird in Kapitel 3 die künstlerische Auseinandersetzung der Japaner mit dem Medium Karte behandelt. Diese Auseinandersetzung führt schließlich zu Kapitel 4. Darin wird auf die japanische Kartographie des 20. Jahrhunderts eingegangen. Abschließend soll in Kapitel 5 ein kurzer Ausblick auf die Zukunft der Kartographie des Landes gegeben werden. Kapitel 6 ist eine Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse und stellt den finalen Abschnitt der Seminararbeit dar. In dieser Arbeit sollen 2 Forschungsfragen beantwortet werden. Die Antwort auf die erste Frage wird in Kapitel 2 und 3 ausgearbeitet: „Welchen Ursprung hat die Kartographie in Japan und wie hat sie sich künstlerisch entwickelt?“. Die zweite Forschungsfrage „Wie hat sie sich die japanische Kartographie im 20. Jahrhundert im Vergleich zu ihren Ursprüngen verändert und welche zukünftigen Entwicklungen sind möglich?“ wird in den Kapiteln 4 und 5 behandelt. Wie bereits erwähnt wird in Kapitel 6 eine Zusammenfassung über die wichtigsten Erkenntnisse der Arbeit gegeben und die Seminararbeit damit beendet.

2 Die Anfänge der Kartographie in Japan.

Die Anfänge der Kartographie in Japan sind mit der Geschichte des Landes verknüpft. Über den Zeitpunkt der Entstehung der ersten Karte bzw. des ersten kartographischen Hinweises auf eine Karte gibt es verschiedene Auslegungen und Belege, die sich leicht unterscheiden. Die meisten Quellen gehen von dem Jahr 738 n. Chr. aus. Wie viele andere Aspekte der heutigen japanischen Kultur ist auch die Kartographie durch buddhistische Mönche aus China nach Japan gebracht worden, hat sich danach allerdings unabhängig entwickelt. Die japanische Kartographie entwickelte sich ganz unabhängig.“ (BAGROW et. al. 1994: 263) Erste geschichtliche Hinweise auf die Kartographie in Japan lassen im Jahre 646 n. Christus finden. Der damalige Kaiser verhängte einen Erlass, der die Angabe der Größe der einzelnen Provinzen mit Hilfe einer Karte befahl. Im Jahr 738 n. Chr. wurde ein Karte jeder Provinz Pflicht. Diese Form wurde im Jahr 796 weiterentwickelt. Ein neuer Erlass verlangte nicht nur die Größendarstellung der Provinz, sondern auch die Beschreibung der Dorfgrößen, ihrer Lage und ihrer Entfernung untereinander. Gleichzeitig wurden die Form wichtiger Gebirgszüge und die Breite großer Flüsse verbindlich. (vgl. ARNBERGER 1986: 361) Die Karten dieser Provinzen sind allerdings nicht mehr erhalten. Ihre Existenz lässt sich nur durch japanische Geschichtswerke aus dem 8. Jahrhundert belegen. Die graphische Umsetzung ist daher

ebenso unbekannt. Im Gegensatz zu den Provinzkarten gibt es eine gut erhaltene Karte des Todaiji- Tempels.

gibt es eine gut erhaltene Karte des Todaiji- Tempels. Abbildung 1: Karte von Reisfeldern 756 n.

Abbildung 1: Karte von Reisfeldern 756 n. Chr. (Quelle: ARNBERGER 1986: 362)

Die Karte stammt aus dem Jahr 756 n. Chr. und zeigt die Gebäude und Grundstücke der Tempelanlage. Zusätzlich sind auf dieser Karte Gitternetzlinien, die von Norden nach Süden bzw. Osten nach Westen verlaufen, eingetragen. Das lässt den Schluss zu, dass auch die Provinzkarten mit Gitternetzlinien versehen wurden. Das Verwenden von Gitternetzen wurde bereits im alten China betrieben und von den Japanern übernommen. In Shōsōin, dem Aufbewahrungsort der Karte, lassen sich noch 20 weitere Karten finden. Diese auf Papier und Leinen gezeichneten Karten zeigen Reisfelder. (vgl. ebd.) ARNBERGER (1986: 361-362) schreibt weiter: „Zu den erhaltenen frühen Generalkarten von Japan gehören eine Karte aus 1305 […] und die ‚Dai-Nihon Koku Zu‘ […].“ Die Dai-Nihon Koku Zuist eine Karte von Japan und zeigt die damaligen Hauptstraßen des Landes. Auf Küstenlinien und Provinzgrenzen wurde allerdings nicht geachtet. 1364 wurde vom buddhistischen Mönch Jūkai die Karte ‚To-Tenjiku Zu‘ erstellt. Auf ihr ist die buddhistische Welt eingezeichnet. Die abgebildete Landmasse Jambudvipa genannt und besteht größtenteils aus Indien. Karten dieser Art sind keine originären Karten aus Japan, sondern Ergänzungen und Kopien von Kartenwerken, die aus China übernommen wurden. Neben den Chinesischen Karten müssen auch Koreanische Karten übernommen worden sein. Genaue Aufzeichnungen darüber gibt es aber nicht. Bis zum Eintreffen der europäischen Kartographie in Japan im 16. Jahrhundert waren alle japanischen Weltkarten durch das buddhistische Weltbild geprägt. (vgl. ebd.: 362-363)

Abbildung 2 zeigt die Dai-Nihon-Koku Zu. Auf dieser Karte sind rein qualitative Informationen zu erkennen. Wie bereits erwähnt zeigt sie die damaligen Hauptstraßen des Landes. Auf den ersten Blick wirkt sie recht unübersichtlich. Trotz ihrer frühen Entstehungszeit ist das Inselreich Japan meiner Meinung nach innerhalb von 7 Sekunden zu erkennen. Die Informationen die transportiert werden sollen, könnten allerdings durch die Sprachbarriere verloren gehen.

könnten allerdings durch die Sprachbarriere verloren gehen. Abbildung 2 : „Dai - Nihon Koku Zu“, Kodex

Abbildung 2: „Dai-Nihon Koku Zu“, Kodex aus 1589 (Quelle: ARNBERGER 1986: 363)

Wie bereits erwähnt wurde die europäische Kartographie im 16. Jahrhundert in Japan eingeführt. Ein genaues Datum wurde nicht überliefert. Mitte des 16. Jahrhunderts brachte der Jesuit F. Xavier den Japanern bei, dass die Erde eine Kugelgestalt hat. Der damalige Kaiser Japans (Oda Nobunaga) besaß 1580 einen Globus. Im folgenden Jahr wurde er mit einer europäischen Weltkarte beschenkt. Japanische Gelehrte reisten nach Europa. Bei ihrer Rückkehr 1590 nahmen sie Instrumente für den Gebrauch in der Kartographie, Astronomie und Navigation mit. Außerdem brachten sie einen Atlas von Abraham Ortelius, Globen, Seekarten und ein Astrolabium. (vgl. ebd.: 363) Eine von Matteo Ricci gefertigte Weltkarte, ausgestattet mit chinesischen Schriftzeichen, kam 1605 nach Kyōto. Diese Karte wurde auf Grund ihres künstlerischen Werts von der Bevölkerung Japans geschätzt und zierte bald, von Hauseigentümern nachgemalt, unzählige Wände als Innendekoration. 1645 wurde diese Karte erstmals in Nagasaki gedruckt. 1639 wurde Japan durch die eigene Regierung für europäische Länder, mit Ausnahme der Niederlande, abgeriegelt. (vgl. ebd.) Durch diesen Vorgang wurden im Laufe des 17. Und 18. Jahrhunderts viele Kartenwerke und Globen aus dem Niederländischen ins Japanische übersetzt. Wie in europäischen Werken aus dieser Zeit

wurde die Welt auf Karten hauptsächlich in stereographischer Projektion dargestellt. Weltkarten aus dieser Zeit bestehen aus der östlichen und westlichen Hemisphäre innerhalb zweier Kreise. 1810 wurde von den Astronomen des Shoguns die ‚Shintei Bankoku Zenzu‘ fertiggestellt. Diese Weltkarte ist keine Übersetzung sondern beruht auf einem original japanischen Entwurf, indem Japan im Zentrum liegt. 1816 wurde eine nachgebesserte Kupferstichversion der Karte publiziert. Sie zeigt eine detailliertere Abbildung des nordöstlichen Asiens, als es in Europa zu dieser Zeit möglich war. Für dieses Projekt wurde die alte stereographische Projektion verwendet. Allerdings benützte eine der Quellen die Mercartor-Projektion, die dadurch im Laufe der Zeit auch in Japan immer beliebter und schließlich übernommen wurde. Erste Drucke japanischer Karten mit dieser Projektion stammen aus dem Jahr 1846. (vgl. ebd.: 364) Japanische Karten erfuhren zu dieser Zeit eine starke qualitative Steigerung. Das ist vor allem den niederländischen Kartographen und ihren Werken zuzuschreiben, welche japanische Kartographen als Quellen und Inspiration verwendeten. (vgl LOH 2013: 57) Im Lauf der Jahrhunderte gab es immer wieder Regierungsprojekte und Versuche offizielle Grundkarten Japans herzustellen. Belege dafür sind aus den Jahren 1605, 1644, 1697 und 1835 bekannt. Über den ersten Versuch gibt es keine Detailberichte. Beim zweiten wurden Regeln erlassen um eine Vereinheitlichung zu ermöglichen. So wurde z.B. ein Maßstab von 1:21 600 festgelegt. Jede Karte zeigt eine einzelne Provinz. Alle diese Karten wurden mit Farben versehen. Im 18. Jahrhundert verbreiteten sich gedruckte Karten, deren Quellen immer die offiziellen Karten waren. Zusätzlich verbesserte sich die Technik des Mehrfarbendrucks, also ein Jahrhundert vor den westlichen Ländern. (vgl. ARNBERGER 1986: 365) Viele Karten aus dieser Zeit wurden mittels Vielfarbendruck hergestellt. Sie sind ästhetisch, künstlerisch und handwerklich makellos verarbeitet, vermissen allerdings die geographische Genauigkeit, da viele Anwender der Vielfarbendruck-, und Drucktechnik generell, keine kartographische Ausbildung besaßen. (vgl. BAGROW et. al. 1994: 265-266) Aus dem Jahr 1754 stammt die ‚Nihon Bunya Zu‘, eine Karte Japans die mit einem Netzwerk aus Parallelkreisen und Meridianen ausgestattet ist. Es handelt sich hierbei allerdings nicht um eine Projektion, sondern um eine einfache Ergänzung. Zusätzlich gibt es keine Gradangaben. Diese Karte entstand durch den Einfluss von Portolankarten. Außerdem wurde die Existenz sphärischer Koordinaten in der traditionellen japanischen Kartographie bis zu diesem Zeitpunkt kaum beachtet. Astronomen des Shoguns erstellten 1821 schließlich die 1. Karte von Japan mit Längen- und Breitengraden, die auf Beobachtungen der Gelehrten basiert. Die topographische Aufzeichnungen der Küsten begann bereits 1800. (vgl. ARNBERGER 1986.: 365) Die erste topographische Karte auf Basis einer Triangulation wurde schließlich 1871 hergestellt. 1944 umfasste das Kartenwerk im Maßstab 1:50 000 komplett Japan.

3 Japanische Formen der Visualisierung von Karten

From some unclear time in the middle of the Heian Period (794-1192) until early in the Meiji (1868- 1912), and officially during the Edo (1603-1867), the Japanese word used for mapwas ezu […], which translates literally as picture-diagramand hints at the importance placed on the pictorial component(s) of such a composition.(POTTER 2007a: 58) Das japanische Wort für Karte war lange Zeit ezu. Dieses Wort lässt sich mit Bilddiagramm übersetzen. Ein Hinweis dafür, dass die graphische Auseinandersetzung mit Karten und ihr künstlerischer Wert eine zentrale Rolle in der japanischen Kartographie der Heian-, Meiji- und Edo- Periode spielten. Die Edo-Periode war für Japan ein überaus produktiver Zeitabschnitt. In dieser Zeit kam es auch zum Aufblühen der Karten als Werkzeug für Orientierung auf Wegstrecken, dem Zuschreiben von Grundstücken und als Dekoration, Ausschmückung oder Verzierung von Wänden. Außerdem gab es in der Edo-Periode, und davor, kein Reglement für die künstlerische Gestaltung von Karten, allerdings gab es vereinzelt Regeln innerhalb gewisser Kartenarten. Beispiele dafür wären die bereits erwähnte Jambudvipa, eine Karte der buddhistischen Welt oder andere Karten religiöser Gemeinschaften. Zwar gab es viele Karten, die sich topographische Richtigkeit und korrekte kartographische Signaturen zum Ziel setzten, gleichzeitig wurden aber auch sehr viele Karten hergestellt, die sich rein künstlerisch mit der Materie beschäftigten. Ziel dieser Karten war es, die breite Masse zu erreichen. Jeder Japaner, egal welcher Herkunft, sollte die Informationen des Kartenbildes verarbeiten können. Es wurde besonders viel Wert auf Farben gelegt. Eine beliebte Form der Herstellung für diese visuell sehr schön anzusehenden Karten war der Holztafeldruck. (vgl. ebd.) Grundsätzlich kann man die künstlerischen Wurzeln der Kartographie der oben erwähnten Perioden stilistisch in vier verschiedene Typen unterteilen: Ukiyoe, Yamatoe, Karae und Miyamandara. Ukiyoe ist ein Genre, welches durch farbliche Übertreibung auffällt, Schlüsselelemente eines Bildes bzw. einer Karte sollen aber so realistisch wie möglich dargestellt werden. Bei der Stilrichtung Yamatoe werden Formen, Linien und Flächen generalisiert und vereinfacht abgebildet. Yamatoe ist eine Reaktion auf Karae, einem sehr ähnlichen Stil, der allerdings von den Chinesen im 6. Jahrhundert nach Christus nach Japan gebracht wurde und dort lange Zeit der bewährte Stil für Bilder war und sich in den oben erwähnten Perioden auch auf die damaligen Karten auswirkte. Karae kann als Gegenstück zu Ukiyoe verstanden werden, da bei dieser Ausrichtung weiche Farben verwendet werden. Farben sollen nicht Dominanz ausstrahlen, sondern Harmonie. Das Kartenbild wirkt sauber, ruhig und ausgeglichen. Yamatoe setzt auf starke Farben. Zusätzlich werden Signaturen, egal welcher Art, übereinandergelegt, was dem Kartenbild ein leicht verwirrtes und chaotisches Aussehen verleihen kann. Karea und Yamatoe setzen auf Dreidimensionalität, was durch Perspektive und

Signaturen erreicht wird. Das Miyamandara hat im Gegensatz zu Yamatoe, Karae und Ukiyoe religiöse Ursprünge. Miyamandara kann mit Schrein-Mandala übersetzt werden. Diese Stilrichtung entwickelte sich aus Yamatoe und buddhistischen Glaubenskonzepten. Karten dieses Typs zeigen Schreine und Tempelanlagen von schräg oben, was dem Abbild einen dreidimensionalen Charakter verleiht. Diese Form der Darstellung zielt auf eine möglichst realistische und gleichmäßige Darstellung von Schreinen bzw. Tempeln und ihrer dazugehörigen Ländereien. Auch das Zeigen von Anwohnern, die ihrem Alltag nachgehen, ist nicht ungewöhnlich. (vgl. ebd.: 58-59) Eine weitere wichtige Stilrichtung ist Manga (siehe Abb. 3). Diese Form der Darstellung hat sich während der Edo- Periode entwickelt und hat ihren Ursprung in Ukiyoe. Manga bedeutet zwangloses ungezügeltes Bild und kann mit Comics der westlichen Welt verglichen werden. Diese Stilrichtung entwickelte sich während der Abschottung Japans von der westlichen Welt. Typisch für diesen Stil ist das Fehlen von Formen und Perspektiven, was der Karte einen zweidimensionalen Aspekt verleiht. Die Signaturen sind einfach gehalten. Der Stil ist auf viele beliebige Kartentypen anwendbar. Außerdem wird Manga auf Karten auch heute gerne verwendet, da diese Darstellungsform in Japan sehr beliebt und durch teilweise stark generalisierte Formen

einfach zu interpretieren ist. Manga findet vor allem auf Karten, die öffentlich dargestellt und ausgehängt werden, Verwendung (z.B. Tourismusorte, Pläne von Vergnügungsparks, usw.). Zusätzlich finden sich viele Elemente des Manga-Stils auf gestalterisch- künstlerischen Karten bzw. Illustrationen. (vgl. ebd.: 59) Die verschiedenen erwähnten Stilrichtungen sind auch in heutiger japanischer Kartographie zu finden. Seit dem 18. Jahrhundert wirkten Einflüsse aus Nordamerika und Europa auf die japanische Kartographie, allerdings lassen sich Elemente der früheren Darstellungsformen auf heutigen Kartenprodukten nicht verleugnen. (vgl. ebd.)

auf heutigen Kartenprodukten nicht verleugnen. (vgl. ebd.) Abbildung 3: Ausschnitt: „Motomiya Gaido“, (Quelle:

Abbildung 3: Ausschnitt: „Motomiya Gaido“,

(Quelle: POTTER 2007: 63)

4 Aktuelle japanische Kartographie

Die heutige Kartographie Japans ist von der Kartographie Europas und Nordamerikas beeinflusst. Wie in der westlichen Welt haben auch in der japanischen Kartographie Geoinformationssysteme und digitale Karten stark an Bedeutung gewonnen. Sie hat sich also im Vergleich zu ihren Ursprüngen, sei es Technik oder Visualisierung, stark verändert. Japanische Kartographie des 21. Jahrhunderts wird von der GSI, der Geospatial Information Authority of Japan, überwacht und weiterentwickelt. Sie ist

für das komplette Japan zuständig. Die GSI verfolgt Ziele die der topographischen Kartographie, aber auch der thematischen Kartographie zuzuschreiben sind. Karten von regionalen Themen und Sachgebieten werden von den dementsprechenden Behörden und Organisationen bearbeitet. Beispiele dafür sind z.B: die Behörde für Forstwirtschaft oder das Ministerium für Land, Infrastruktur, Transport und Tourismus (MLIT). Nautische Karten werden von der hydro- und ozeanographischen Abteilung der japanischen Küstenwache zur Verfügung gestellt. (vgl. NAKAJIMA 2011: 9) Für die topographische Kartographie steht an erster Stelle die Entwicklung und Aktualisierung der digitalen Grundkarte Japans. Diese Karte steht nicht nur für Stadtplaner und Risikoforscher sondern auch für die Bevölkerung zur Verfügung. Sie wurde mit dem Gedanken erstellt, die Bedürfnisse und Anforderungen verschiedenster Benutzer zu erfüllen. 2003 veröffentlichte die GSI ein digitales Höhenmodell, das seine Daten durch Fernerkundung gewonnen hat. Topographische Karten des GSI wurden u. a. im Maßstab 1:10.000, 1:25.000 und 1:50.000 digital veröffentlicht. (vgl. ebd. 10). Offizielle topographische Kartenprodukte für Japan sind ab einem Maßstab von 1:10.000 in gedruckter Form verfügbar und erwerbbar. Wie auch bei der ÖK üblich, ist die Karte in einzelne Blätter aufgeteilt, die nummeriert sind. Ein Kartenblatt hat eine Größte von 52 x 73,8 cm. Insgesamt gibt es 307 Kartenblätter. Neben der topographischen Karte Japans im Maßstab 1:10.000 gibt es noch Produkte im Verhältnis 1:25.000 und 1:50.000. Die offizielle Karte Japans hat einen Maßstab von 1:1.000.000 und ist in 3 Kartenblätter aufgeteilt, die jeweils eine Größe von 78,8 x 109,1 cm haben. Die Karte mit dem kleinsten offiziellen Maßstab zeigt Japan mit den dazugehören Inseln und Meeren. Sie hat einen Maßstab von 1:5.000.000 und wird auf einem Kartenblatt in der Größe 78,8 x 109,1 cm abgebildet. Digitale Karten sind in einem Maßstab von 1:2.500 bis 1:5.000.000 verfügbar. Je nach Nutzung der Karte zeigt diese verschiedenste Informationen. Für die Metropolregionen Japans gibt es eine Karte über die Nutzungsarten des Geländes. Dieses Produkt hat einen Maßstab von 1:5.000. Digitale Karten auf denen komplett Japan zu finden ist, gibt es ab einem Maßstab von 1:25.000. Des Weiteren werden digitale Höhenmodelle in verschiedenen Größen angeboten. Das DHM für Tokyo hat eine Punktauflösung von 5 m. Modelle in dieser Auflösung sind auch für andere große Metropolregionen Japans erhältlich. Daneben gibt es noch ein digitales Höhenmodell mit einer Punktauflösung von 10 m, das sich den 24 vulkanisch aktiven Gebieten der 4 Hauptinseln widmet. Für ganz Japan ist ein Modell mit einem 50 m bzw. 250 m Raster verfügbar. (vgl. ebd. 10) Die GSI publiziert auch thematische Karten. Diese entstehen in Kooperation mit staatlichen Organisationen und stehen meistens unter dem Schwerpunkt der regionalen Entwicklung (Bevölkerung, Wirtschaft, Siedlungsausdehnung) und dem Katastrophenschutz (Vulkane, Erdbeben, Tsunamis). Die thematischen Karten sind, wie die topographischen Karten, in verschiedenen Maßstäben erhältlich und digital verfügbar. Zwischen 2007 und 2010 wurde eine Karte der Vulkane Japans im Maßstab 1:10.000, eine Karte über die Seen Japans (1:10.000) und verschiedene Karten

über den Zustand des Bodens publiziert. Diese hatten einen Maßstab von 1:10.000 bzw. 1:25.000. Zusätzlich wurde eine digitale Karte über die Landnutzung erstellt, die als Grundkarte eine Kombination aus Orthophotos und der Karte für städtebauliche Planung verwendet. (Maßstab 1:5.000 hat). (vgl. ebd. 11) Japan ist auch im Bereich der Fernerkundung aktiv. 2006 wurde das Projekt ALOS, Advanced Land Observing Satellite, gestartet. Der Satellit kreiste in einem sonnensynchronen Orbit und erfasste einmal alle 46 Tage die gesamte Erdoberfläche. Die mittlere Entfernung zur Erdoberfläche betrug 691,5 km. Am 11. März 2011 wurden seine gesammelten Daten dazu verwendet, die Auswirkungen des Tsunamis und die Veränderungen des Geländes zu erfassen. Leider wurde das ALOS- Projekt am 22. April 2011 beendet, da es Probleme bei der Energieversorgung des Satelliten gab. Die Japanese Aerospace Exploration Agency (JAXA) versuchte wieder Kontakt zum Satelliten aufzunehmen, allerdings ohne Erfolg. (vgl. ebd.: 32) ALOS war mit einem Panchromatic Remote- sensing Instrument for Stereo-Mapping (PRISM) ausgestattet. Die Ortsauflösung am Boden betrug 2,5 m. Außerdem war der Satellit mit Instrumenten für den nahen Infrarotbereich, das Radiometer AVNIR-2 und einem L-Band-Radar (PalSAR) zur Radarinterferometrie und damit der

Möglichkeit zur Erfassung der Veränderung der Erdoberfläche, bestückt. (vgl. JAXA)

der Veränderung der Erdoberfläche, bestückt. (vgl. JAXA) Abbildung 4: Geomorphologische Karte Mt. Fuji 2010 (Quelle:

Abbildung 4: Geomorphologische Karte Mt. Fuji 2010 (Quelle:

MORITA 2011: 12)

5 Zukunft der Kartographie in Japan Die Zukunft der Kartographie in Japan liegt, wie in der westlichen Welt, bei Geoinformationssystemen. Schon jetzt gibt es unzählige Projekte in staatlichen und privatwirtschaftlichen Institutionen, die sich immer besser werdenden digitalen Karten widmen. (vgl. NAKAJIMA 2011: 40) Mit Smartphones, Tablets und anderen neuen Technologien werden Karten auch in Japan immer mehr in die Alltagswelt integriert und sind so gut wie immer abrufbereit. Auch im Bereich der Fernerkundung hat Japan nach der beendeten ALOS-Mission neue Pläne. Die JAXA arbeitet an ALOS-

2, einem Nachfolger für ALOS. Der Start der Mission und der damit verbundene Abschuss von ALOS- 2, in den Weltraum, ist für die Nacht von 23. auf 24. Mai 2014 geplant. (vgl. SPACEFLIGHTNOW)

6 Zusammenfassung Japanische Kartographie blickt auf eine lange Tradition zurück und entwickelte sich zum Teil aus chinesischen Techniken und Stilen von kartographischer Darstellung und zum anderen Teil selbstständig, während der Abschottung des Landes gegenüber der Außenwelt. Die Vorreiter der heutigen Karten waren sehr kunstvoll gestaltet. Stilrichtungen, deren Auswirkungen auch heute noch teilweise zu sehen sind. Im heutigen Japan werden kartographische Produkte von der GSI kontrolliert und überprüft. Die Behörde beschäftigt sich mit topographischen und thematischen Karten. Ziel ist die laufende Verbesserung und Weiterentwicklung der Grundkarte Japans. Die Karten werden digital und zum Teil analog publiziert. Außerdem sind sie in verschiedenen Maßstäben erhältlich.In Zukunft werden Geoinformationssysteme noch mehr an Bedeutung gewinnen. Außerdem ist ein fortschreitendes Angleichen an Karten der westlichen Welt meiner Meinung nach möglich. Zusätzlich startet am 24. Mai 2014 ALOS-2. Auch in Zukunft wird in einem Land wie Japan, in dem die ständige Beobachtung von Vulkanen und anderen Umweltgefahren von großer Bedeutung ist, die Kartographie eines der wichtigsten Visualisierungsmittel für Informationen bleiben.

Literaturverzeichnis

ARNBERGER E. (Hrsg.) (1986): Lexikon zur Geschichte der Kartographie. Von den Anfängen bis zum Ersten Weltkrieg. Wien. (= Die Kartographie und ihre Randgebiete C/1).

BAGROW L. u. SKELTON R. A. (1994): Meister der Kartographie. Berlin.

JAXA (2006): Image data acquired by the PRISM onboard the "Daichi". o.O. http://global.jaxa.jp/press/2006/02/20060215_daichi_e.html (2014-05-04)

LOH J. F. (2013): When Worlds CollideArt, Cartography, and Japanese Nanban World Map Screens. Dissertation, Columbia University, New York. http://academiccommons.columbia.edu/catalog/ac:155502 (2014-05-04)

NAKAJIMA M.: (2011): Cartography in Japan. 2007-2011. National report of the 15 th general assembly of the international cartographic association. Paris. http://icaci.org/files/documents/national_reports/2007-2011/Japan.pdf (2014-05-04)

POTTER S. (2007a): Artwork in Publicy Illustrated Maps in Japan as a Medium for Cultural Insights. In: Studies in language and culture (3), 57-72. http://ir.nul.nagoya-u.ac.jp/jspui/bitstream/2237/8190/1/M&CVol3-Potter.pdf (2014-05-04)

Studies in language and culture 28 (2), 209-225. http://ir.nul.nagoya-u.ac.jp/jspui/bitstream/2237/7841/1/potter.pdf (2014-05-01)

SPACEFLIGHTNOW: www.spaceflightnow.com http://www.spaceflightnow.com/tracking/index.html (2014-05-04)