ICAHD (Israelisches Komitee gegen Hauszerstörungen) an Dr.

Gregor Gysi und Die Linke –
Bitte unterstützen Sie nicht Israels Apartheid!
Sehr geehrter Dr. Gysi, sehr geehrte Mitglieder und Unterstützer der Partei Die Linke,

Wir sind israelische Bürger und sind aktiv gegen die Besatzungs-, Kolonialismus- und
Apartheids-Politik unserer Regierung. Wir sind seit vielen Jahren engagiert im Kampf für die
Menschenrechte in unserer Gesellschaft. Vor Dr. Gysis Israelbesuch würden wir gerne
klarstellen, dass seine Position zu den obengenannten Themen mit den Prinzipien von
Gerechtigkeit und Gleichheit unvereinbar ist.

Die Regierung Israels vertreibt Palästinenser schamlos von ihrem Land, nicht nur in der
besetzten Westbank, sondern auch innerhalb Israels 67er Grenzen, z.B. als Teil des Prawer
Plans für das Negevgebiet. (http://972mag.com/special/prawer-plan-to-displace-bedouin/
Die israelische Wirtschaft beutet palästinensische Arbeiter aus, darunter auch Kinder, die
unter gefährlichen Bedingungen für sklavenähnliche Löhne arbeiten, statt zur Schule zu
gehen. (https://www.middleeastmonitor.com/blogs/politics/6518-palestinian-children-are-
among-workers-exploited-in-jordan-valley-settlements) Kinder werden mitten in der Nacht
verhaftet und zu Verhören gebracht, in den sie sogar gefoltert werden.
(http://www.abc.net.au/4corners/stories/2014/02/10/3939266.htm).

Die Linke ist eine bedeutende politische Partei und hat einen großen Einfluss in Ihrem Land.
Die deutsche Regierung hat sich mitschuldig gemacht an den Verbrechen, die von der
israelischen Regierung an dem palästinensischen Volk begangen werden, und zwar durch
finanzielle und diplomatische Hilfe für unsere Regierung und durch Aktivitäten, die Israel vor
Kritik schützen. Wir begrüßen die spürbare Änderung der öffentlichen Meinung in
Deutschland und die wachsende Bereitschaft, die Verbrechen zu diskutieren, die von der
israelischen Regierung begangen werden. Wir begrüßen auch die Entscheidungen einiger
deutscher Unternehmen wie z.B. die Deutsche Bahn, sich an diesen Verbrechen nicht zu
beteiligen. (http://www.bdsmovement.net/2011/db-exits-a1-6985).

Leider unterstützen einige Teile der Partei Die Linke und ihrer Führer diese israelische Politik.
Erst unterstützten sie den sogenannten „Friedensprozess“ mit dem Ziel einer „Zwei-Staaten-
Lösung“, aber der ist zusammengebrochen. Der Prozess basierte auf Lügen und Korruption,
und jetzt müssen wir uns der Realität stellen und nach neuen Lösungen suchen. Die
Mitglieder unserer Gruppe haben unterschiedliche Ansichten zu diesem Thema aber wir
weisen die Position der Linken zurück, die den Ruf nach einer Ein-Staat-Lösung als
antisemitisch bezeichnet. Im Gegenteil, eine Ein-Staaten-Lösung ist von Natur aus egalitär
und nicht durch ethnische Vorherrschaft bestimmt wie beim gegenwärtigen israelischen
Regime.
Darüberhinaus glauben wir, dass die deutsche Linke die globale BDS Kampagne unterstützen
sollte, die von der palästinensischen Zivilgesellschaft geleitet wird. Dies ist ein gewaltfreies,
demokratisches und moralisches Mittel gegen Israels antidemokratische und gewalttätige
Aktionen. Es hat sich immer wieder erwiesen, dass unsere Regierung ohne internationalen
Druck mit ihrer systematischen und brutalen Verletzung der Menschenrechte und des
internationalen Rechts fortfährt.
Jetzt rufen wir Die Linke und besonders ihre Führer auf, den Kampf für Gerechtigkeit in Israel
und Palästina anzuführen. Dazu bedarf es eines festen Standpunktes gegenüber der
israelischen Politik und der Solidarität mit der globalen, demokratischen und gewaltlosen
Kampagne gegen diese Politik. Darüber hinaus erwarten wir von der Partei Die Linke, dass sie
sich auch gegen die Komplizenschaft der deutschen Regierung in Sachen Israel wendet,
besonders gegen den Schutz Israels vor wohl-begründeten internationalen Resolutionen
gegen seine Politik.

Mit freundlichen Grüßen

Mitglieder und Unterstützer des israelischen Komitees gegen Hauszerstörungen – ICAHD
www.icahd.org