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Grundzüge I (WS 2007/08)

© Diaz-Bone

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Grundzüge der empirischen Sozialforschung I

Dr. Rainer Diaz-Bone (Vertretung des Lehrstuhls „Empirische Sozialforschung“) FB IV – Soziologie Universität Trier 54286 Trier Tel.: 0651-201-2655 Email: diazbone@uni-trier.de www.rainer-diaz-bone.de

Soziologie Universität Trier 54286 Trier Tel.: 0651-201-2655 Email: diazbone@uni-trier.de www.rainer-diaz-bone.de

Grundzüge I (WS 2007/08)

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Struktur der heutigen Vorlesung

• 5.1 Untersuchungsformen

• 5.2 Entdeckungs-, Begründungs- und Verwertungszusammenhang

• 5.3 Struktur des Forschungsprozesses (standardisierende Forschung)

des Forschungsprozesses (standardisierende Forschung) Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.1 Untersuchungsformen

• Unterschieden werden hier als Untersuchungsformen:

- Explorative Untersuchung

- Theorie- oder hypothesenprüfende Untersuchung

- Deskriptive Untersuchung

- Evaluation

• Uneinheitliche Begrifflichkeit für Design:

„Untersuchungsziele“ bei Diekmann (S.33ff), „Forschungsdesigns/Designtypen bei Kromrey (S.86ff) und Forschungsdesigns bei Weischer (S.106ff). -> zu unterscheiden ist „Design“ im Sinne von „Zweck“ (bei Diekmann: „das Ziel“) der Untersuchung und „Design“ im Sinne von Anlage der Datenerhebung (dem „Erhebungsdesign“) -> diese können oft mit verschiedenen Erhebungsdesigns kombiniert werden.

oft mit verschiedenen Erhebungsdesigns kombiniert werden. Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.1 Untersuchungsformen

• Beispiel: ist eine Evaluation das Ziel, so kann diese mit dem Experiment als Erhebungsdesign oder einem Längsschnittdesign kombiniert werden.

• Deskriptive Untersuchungen haben als Erhebungsdesign üblicherweise ein Querschnittsdesign

• Theorie- oder hypothesenprüfende Untersuchungen können das Experiment oder Paneldesigns als Erhebungsdesigns verwenden (-> denn diese unterstützen die Kausalanalyse, weil sie Daten zu mehreren Zeitpunkten erheben; allerdings könnte man auch zu einem Zeitpunkt retrospektiv befragen).

-> Erhebungsdesigns werden später noch ausführlicher besprochen

werden später noch ausführlicher besprochen Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.1 Untersuchungsformen

• Explorative Untersuchung

Ausgangssituation: über einen sozialen Sachverhalt (z.B. ein soziales Problem, einen soziales Feld) hat man noch zu wenig Wissen, um eine deskriptive Untersuchung bzw. um eine theorie- oder hypothesenprüfende Untersuchung durchzuführen. Ziel der explorativen Untersuchung ist, erste Grunddimensionen und erste Konzepte zu finden, so dass danach andere Untersuchungsformen zum Einsatz kommen können (die explorative Untersuchung ist dann eine „Vorstudie“)

Hierfür werden nicht-standardisierte Datenerhebungsinstrumente eingesetzt (Beispiele:

offene Interviews, teilnehmende Beobachtungen)

(Beispiele: offene Interviews, teilnehmende Beobachtungen) Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.1 Untersuchungsformen

• Theorie- und hypothesenprüfende Untersuchung

Ausgangssituation: eine oder mehrere hypothesenartige Aussagen, die nun anhand von Daten untersucht („geprüft“) werden sollen. -> voraussetzungsvoll: man muss theoretisches Vorwissen haben, um relevante Aussagen zu erhalten, die zu prüfen wert sind. Die Fragestellung muss so zugespitzt werden können, dass die Untersuchung einer oder weniger hypothesenartiger Aussagen (auf „richtig/falsch“) auch sinnvoll ist! Beispiel: mit Hilfe eine Experimentes soll untersucht werden, ob Gewaltdarstellungen in Spielfilmen auf Jugendliche so einwirken, dass deren Gewaltbereitschaft dadurch erhöht wird.

dass deren Gewaltbereitschaft dadurch erhöht wird. Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.1 Untersuchungsformen

• Deskriptive Untersuchung („Survey“)

Ausgangssituation: man möchte repräsentatives „Überblickswissen“ über einen sozialen Bereich (soziales Problem, ein bestimmtes Thema) erhalten. Die Frage ist: wie sind soziale Sachverhalte beschaffen und quantitativ verteilt? Die zentralen Dimensionen, für die Daten erhoben werden sollen, müssen durch eine vorlaufende explorative Untersuchung erkundet werden und/oder sie können aus vorangehender Forschung (aus der „Literatur“) bekannt sein. -> nicht-experimentelles Design Beispiel: Bevölkerungsumfragen, die soziodemographische Daten zusammen mit Einstellungen in standardisierter Form erheben (zu Fragen wie Politik, Gesundheit, soziale Ungleichheit etc.)

Fragen wie Politik, Gesundheit, soziale Ungleichheit etc.) Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.1 Untersuchungsformen

• Evaluation

Ausgangspunkt ist zumeist eine politisch-administrative Maßnahme („policy“), die ein soziales Problem lindern, oder sogar abstellen soll. Alternativ: die Machbarkeit einer Planungsmaßnahme/Reform oder der Erfolg eines Programms sollen bewertet werden. Die Evaluation untersucht dann wissenschaftlich die Wirkungen (bzw. Erfolge) dieser Maßnahmen, Planungen, Programme in der außerwissenschaftlichen Praxis. -> Evaluationen orientieren sich methodisch zumeist am Erhebungsdesign des Experiments oder des Quasi- Experiments. -> heutzutage gibt es viele Formen der Evaluation (Beispiel: formative oder summative Evaluation)

Evaluation (Beispiel: formative oder summative Evaluation) Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.2 E/B/V-Zusammenhang

• Entdeckungszusammenhang:

-> klärt, woher das Untersuchungsinteresse stammt Beispiele: Auftragsforschung (wie kommerzielle Marktforschung, Forschung für öffentlich-rechtliche Körperschaften), in der Wissenschaft: selbst gewählt Forschungsthematik

-> das der Forschung vorangehende Interesse (Auftraggeber, dessen Anliegen) muss vorher offen gelegt werden! Das entspricht der Klärung der Relevanz

-> hier spielen Werte und auf Werten beruhende Entscheidungen ein zentrale Rolle für politisch- administrative, kommerzielle, wissenschaftliche Interessen

administrative, kommerzielle, wissenschaftliche Interessen Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.2 E/B/V-Zusammenhang

• Begründungszusammenhang:

-> klärt, wie die Forschung durchgeführt werden soll

-> hat Gültigkeit für die Forschungsphasen, die Begründung der Wahl der Methoden und für ihren Zuschnitt.

-> Forschung soll frei gehalten werden von subjektiven und wertenden Aussagen! Aber: hier gelten die Normen wissenschaftlichen Vorgehens

Aber: hier gelten die Normen wissenschaftlichen Vorgehens Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.2 E/B/V-Zusammenhang

• Begründungszusammenhang:

„Im Begründungszusammenhang der Forschung haben subjektive Werturteile keinen Platz; hier haben sich die Wissenschaftler auf methodologisch begründbare Schlussfolgerungen und intersubjektiv nachprüfbare Aussagen zu beschränken.“ (Kromrey 2006:82)

nachprüfbare Aussagen zu beschränken.“ (Kromrey 2006:82) Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.2 E/B/V-Zusammenhang

• Verwertungszusammenhang

-> klärt, wozu die wissenschaftlichen Resultate dienen sollen.

-> auch hier kann man politisch-administrative, kommerzielle und wissenschaftliche Ziele unterscheiden.

-> hier sind wieder Werturteile zentral für das Treffen von Entscheidungen!

-> hierunter fallen die (angestrebten) Effekte der Forschungsresultate, ihre Wirkungen, diese sind vorher zu explizieren!

ihre Wirkungen, diese sind vorher zu explizieren! Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.3 Der Forschungsprozess

• Für deskriptive und prüfende Untersuchungen sowie viele Formen der Evaluation stellt der standardisierte Forschungsprozess eine bestimmte Abfolge von Forschungsphasen (Forschungsschritten) dar.

Aber: der konkrete Zuschnitt dieser Phasen und die Zuschnitte der Instrumente („Datenerhebungsinstrumente“) müssen für das einzelne Forschungsprojekt jeweils neu und individuell erfolgen!

(Ausnahme:

Wiederholungsstudien = Replikationsstudien)

(Ausnahme: Wiederholungsstudien = Replikationsstudien) Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.2 Der Forschungsprozess

• Und: im Unterschied dazu ist die explorative Untersuchung dadurch gekennzeichnet, dass hier diese standardisierte Abfolge von Forschungsschritten nicht gelten kann.

• Hinweis: Kromrey hebt hervor, dass sich Theorie- und Hypothesentests von deskriptiven Untersuchungen insbesondere dadurch unterscheiden, dass die Präzisierung und Strukturierung des Untersuchungsgegenstandes unterschiedliche Schwerpunkte setzt. Prüfende Untersuchung: semantische Analyse steht im Vordergrund Deskriptive Untersuchung: dimensionale Analyse steht im Vordergrund

Untersuchung: dimensionale Analyse steht im Vordergrund Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.2 Der Forschungsprozess

Phasen

(1) Formulierung des Forschungsproblems, Klärung des Entdeckungs- und Verwertungszusammenhangs

(2) Präzisierung der Forschungsfrage, Konzeptspezifikation (= semantische und dimensionale Analyse), Definition der Begriffe, Klärung ihres empirischen Gehaltes

(3) Operationalisierung (= „Messbarmachung“) und abschließende Konstruktion des Datenerhebungsinstruments (Pretest), spätestens hier:

Festlegung der Untersuchungsform („Design“)

[Parallel: Stichprobenkonstruktion und –ziehung]

[Parallel: Stichprobenkonstruktion und –ziehung] Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.2 Der Forschungsprozess

(4) Datenerhebung (= einheitlicher Einsatz des Datenerhebungsinstrumentes bei allen ausgewählten Einheiten in der Stichprobe. -> Befragung, Inhaltsanalyse, Beobachtung, Anwendung nicht-reaktiver Verfahren)

(5) Datenauswertung (da „Massendaten“ vorliegen, muss die Statistik herangezogen werden, um die Daten so zu verdichten, dass aussagekräftige Informationen gewonnen werden; bei prüfenden Untersuchungen kommt der statistischen Zusammenhangsanalyse zentrale Bedeutung zu)

(6) Berichterstattung/Publikation der Ergebnisse

zu) ↓ (6) Berichterstattung/Publikation der Ergebnisse Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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5.2 Der Forschungsprozess

Innerhalb einer Phase sind zumeist Rekursionen („Rückkopplungsschleifen) notwendig. In den einzelnen Phasen werden die jeweils folgenden Phasen antizipiert. Aber: die Phasen bauen aufeinander auf. Das heißt vorlaufende Entscheidungen schränken den Entscheidungsspielraum für folgende Entscheidungen ein. Zentral: Datenerhebung erfolgt nur einmal (in einem begrenzten Zeitraum) mit einem Instrument. Was hier nicht bedacht wurde, dafür hat man später keine Daten! Zuschnitt für unterschiedliche Designs ist verschieden:

-> „Abbildung: Strukturmodell nichtexperimenteller Forschung“ (Kromrey 2006:110) -> „Abbildung Design-Typ Theorie- und Hypothesentest“ (Kromrey 2006:92)

Design-Typ Theorie- und Hypothesentest“ (Kromrey 2006:92) Universität Trier – FB IV Soziologie 5. Vorlesung

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