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AUFNAHMEPRÜFUNG BERUFSMITTELSCHULE

WAS MÜSSEN SIE BEI DER VORBEREITUNG BEACHTEN?

I.
WELCHE FEHLER MÜSSEN SIE VERMEIDEN?

Man kann viele Dinge falsch machen, wenn man sich auf die Prüfung vorbereitet.
Das aber ist schade: Wer beim Vorbereiten Fehler macht, vergeudet seine Zeit
und riskiert erst noch, dass ihm die Prüfung misslingt.

Auf den folgenden Seiten habe ich die häufigsten Fehler aufgelistet, die beim
Vorbereiten gemacht werden. Vermeiden Sie diese Fehler!

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Fehler 1
Man überschätzt sich

Wer sich auf eine Prüfung vorbereitet, muss wissen, ob er genug gelernt hat oder
nicht.

Dutzende von Untersuchungen machen jedoch einen traurigen Sachverhalt klar: Die
Menschen können nur schlecht abschätzen, ob sie sich genügend gut auf eine
Prüfung vorbereitet haben oder nicht.

Meistens überschätzen sie sich: Sie glauben, dass sie gut vorbereitet sind, obwohl
dies gar nicht stimmt.

Daraus lässt sich ein Ratschlag ableiten: Verlassen Sie sich nie auf Ihr Gefühl,
wenn Sie wissen wollen, wie es um Ihre Vorbereitung steht. Ob Sie wirklich gut
vorbereitet sind, müssen Sie überprüfen.

Sie müssen es immer überprüfen - sonst passiert Ihnen ein weiterer Fehler.

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Fehler 2
Man lässt sich täuschen, weil einem das Lernen leicht gefallen ist

Manchmal fällt einem das Lernen leicht. Dann versteht man den Lernstoff sofort und
bringt ihn ohne Mühe in den Kopf.

Weil man sich den Stoff ohne Mühe hat einprägen können, glaubt man, dass man ihn
auch an der Prüfung können wird. Man verzichtet deshalb darauf, sein Können zu
überprüfen.

Das ist jedoch gefährlich: Als Lernender überschätzt man sich ganz besonders leicht
bei jenen Dingen, die man ‚einfach’ findet und die man mühelos gelernt hat.

Vermeiden Sie diesen Fehler und überprüfen Sie Ihr Wissen unbedingt auch
bei jenen Dingen, bei denen Ihnen das Lernen leicht gefallen ist! Gehen Sie nie
davon aus, dass der Stoff ‚einfach’ ist und dass Sie ihn ‚dann schon können
werden’!

Viele Lernende nehmen sich diese Ratschläge zu Herzen und prüfen ihren Wissens-
stand - um dann allerdings einen weiteren Fehler zu begehen: Ihren Wissensstand
überprüfen sie falsch.

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Fehler 3
Man überprüft den Wissensstand unter unrealistischen Bedingungen

Stellen wir uns einen Lernenden vor, der Mühe mit der Mathematik hat. Um sich zu
helfen, engagiert er einen Nachhilfelehrer. Seinen Vorbereitungsstand überprüft der
Lernende, indem er Übungsbeispiele löst.

Der Lernende hat keine Mühe, die Beispiele zu lösen. Er ist sich deshalb sicher, dass
er sich gut vorbereitet hat.

Die Prüfung fällt jedoch schlecht aus. Dafür gibt es einen Grund: Als der Lernende
die Übungsbeispiele löste, war der Nachhilfelehrer anwesend. Dieser gab dem
Lernenden immer wieder den einen oder andern Hinweis, der ihn auf den richtigen
Lösungsweg führte.

Damit aber hat der Lernende sein Wissen unter sehr unrealistischen Bedingungen
überprüft: Während der Prüfung nämlich ist kein Nachhilfelehrer vorhanden, der
einem weiterhilft.

Das bedeutet für Sie:

Wenn Sie Ihren Vorbereitungsstand prüfen, sollten Sie dies unter realistischen
Bedingungen tun. Sie sollten sicherstellen, dass Sie die Aufgaben unter exakt
jenen Bedingungen lösen können, die Sie an der Prüfung vorfinden.

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Wenn Sie sich prüfen, sollten Sie sich nur auf jene Hilfen abstützen, auf die Sie sich
auch während der Prüfung abstützen können.

Und noch etwas: Vergessen Sie den Faktor ‚Zeit‘ nicht

Die Aufgaben, die Ihnen bei der Prüfung vorgelegt werden, müssen Sie innerhalb
einer bestimmten Zeit lösen.

An diesen Punkt denken manche Lernende nicht, wenn sie sich auf die Prüfung
vorbereiten. Sie prüfen dann zwar, ob sie die Aufgaben können, doch sie stellen sich
für die Überprüfung unrealistisch viel Zeit zur Verfügung.

Das müssen Sie vermeiden, und so gilt:

Kontrollieren Sie, ob Sie die Aufgaben innerhalb jener Zeit lösen können, die
Ihnen an der Prüfung auch wirklich zur Verfügung steht.

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Fehler 4
Man vergeudet beim Lernen Zeit

Was tut ein Lernender eigentlich, wenn er sich auf eine Prüfung vorbereitet?

In der Regel schaut er sich den Prüfungsstoff an und liest ihn mehrere Male durch.

Das Durchlesen erfreut sich grosser Beliebtheit. Es ist jene Lernform, auf die am
häufigsten zurückgegriffen wird.

Das aber ist tragisch.

Wissenschaftliche Untersuchungen kommen nämlich immer wieder zum gleichen


Ergebnis: Es trägt wenig zum Lernerfolg bei, wenn man den Stoff lediglich durchliest.

Und was noch schlimmer ist: Es nützt auch nur wenig, wenn man den Stoff mehrere
Male durchliest. Liest man den Stoff mehrere Male durch, bringt dies etwa so viel,
wie wenn man ihn nur ein einziges Mal durchgelesen hätte - und das ist nun wirklich
nicht sehr viel.

Wie ist es mit dem Leuchtstift, den viele Lernende einsetzen, wenn sie Prüfungstexte
durchlesen? Obwohl auch diese Vorbereitungsform sehr beliebt ist, sei hier eine
Warnung angebracht: Es gibt keine Untersuchung, die hieb- und stichfest belegt,
dass das Unterstreichen mit dem Leuchtstift wirklich den Lernerfolg verbessert.

Wenn Sie sich vorbereiten, sollten Sie also aufs Durchlesen verzichten. An seine
Stelle sollte eine andere Vorbereitungsform treten - nämlich das Abfragen.

Sehr viele Lernende begehen jedoch den Fehler, dass sie auf das Abfragen
verzichten.

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Fehler 5
Man unterlässt das Abfragen

Von einem ‚Abfragen’ spricht man, wenn Sie sich in irgendeiner Form darum
bemühen, das Gelernte aus Ihrem Kopf hervorzubringen

Das geschieht

 indem Sie Karteikärtchen benutzen

 indem Sie sich abfragen lassen,

 indem Sie sich selber abfragen

 indem Sie einen Text lesen und zu diesem Fragen beantworten

Auch heute noch kommt es vor, dass Lernende an die Aufnahmeprüfung gehen,
ohne sich ein einziges Mal abgefragt zu haben. Das allerdings ist ein massiver
Fehler. Das Abfragen ist nämlich die wirksamste Vorbereitungsform, die es gibt, und
so ist es äusserst schade, wenn man auf diese Vorbereitungsform verzichtet.

Wie wirksam diese Vorbereitungsform ist, zeigen sehr viele Untersuchungen auf:
Wer statt aufs Durchlesen auf das Abfragen setzt, kann allenfalls seinen Lernerfolg
mehr als verdoppeln.

Es genügt allerdings nicht, wenn man sich abfragt. Wenn man sich abfragt, sollte
man dies auch richtig tun, sonst begeht man einen weiteren Fehler.

Worauf Sie beim Abfragen achten müssen, will ich in einem zweiten Teil schildern.

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II.
WORAUF SOLLTEN SIE BEIM ABFRAGEN ACHTEN?

Wenn Sie sich abfragen möchten, sollten Sie wie folgt vorgehen:

1.
Setzen Sie sich hin und nehmen Sie sich den Stoff vor, den Sie an diesem Tag
lernen möchten.

2.
Lernen Sie diesen Stoff so lange, bis Sie ihn im Kopf haben - wobei auch hier die
Kontrolle wichtig ist: Überprüfen Sie, ob Sie wirklich alles korrekt im Kopf haben!

3.
Wenn Sie sich sicher sind, dass Sie alles im Kopf haben, legen Sie den Stoff zur
Seite.

Verzichten Sie darauf, den Stoff anschliessend noch mehrere Male durchzulesen.
Dieses Durchlesen ist reine Zeitverschwendung.

Haben Sie sich den Stoff für einmal eingeprägt, müssen Sie ihn nicht mehr
durchlesen. Wenn Sie sich etwas Gutes tun wollen, gehen Sie nach dem Einprägen
am besten schlafen - der Schlaf nach dem Lernen hilft dem Gedächtnis!

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4.
Fragen Sie sich den Stoff erst nach einigen Tagen ab.

Was genau heisst ‚einige Tage‘?

Aus Untersuchungen weiss man, dass hier die Zehnprozent-Regel gilt. Diese lautet
wie folgt:

Klären Sie ab, wie gross die Zeitspanne zwischen dem ersten Lernen und der
Prüfung ist. Teilen Sie diese Zeitspanne durch 10 - das Ergebnis sagt Ihnen,
wie lange Sie warten müssen, bis Sie sich ein erstes Mal abfragen.

Wenn Sie heute lernen und es bis zur Prüfung noch 30 Tage geht, sollten Sie sich
also erst nach 3 Tagen abfragen.

5.
Lesen Sie den Stoff vor dem Abfragen nicht durch!

Wenn Sie ihn vorher durchlesen, nützt das Abfragen sehr wenig!

6.
Schauen Sie in jedem Falle die richtige Antwort nach, wenn Sie sich abfragen.

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Warum sollten Sie zwischen dem Einprägen und dem Abfragen einige Zeit vergehen
lassen - und wieso macht es keinen Sinn, wenn Sie vor dem Abfragen den Lernstoff
nochmals anschauen?

Dafür gibt es folgenden Grund:

Es nützt Ihnen sehr, wenn Sie sich den Lernstoff abfragen. Allerdings nützt es Ihnen
nur dann, wenn Sie sich beim Abfragen anstrengen müssen - wenn sich Ihr Gehirn
anstrengen muss, damit es mit der Erinnerung ans Gelernte klappt.

Wenn Sie vor dem Abfragen den Stoff nochmals durchlesen, haben Sie Ihr Wissen
wieder aufgefrischt. Dann fällt es dem Gehirn leicht, sich an ihn zu erinnern. Es muss
sich nicht mehr anstrengen, und weil keine Anstrengung vorhanden ist, hilft auch das
Abfragen nicht.

Wenn Sie sich allzu schnell nach dem Einprägen abfragen, ist ebenfalls keine
Anstrengung notwendig.

Anstrengen muss sich das Gehirn beim Abfragen jedoch dann, wenn zwischen dem
Einprägen und dem Abfragen einige Zeit vergangen und der Stoff schon fast wieder
vergessen ist - und so sollten Sie darauf achten, dass Sie sich nicht zu früh abfragen!

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III.
WAS SOLLTEN SIE UNMITTELBAR VOR DER PRÜFUNG TUN - UND
WAS SOLLTEN SIE NICHT TUN?

Wenn die Prüfung näher kommt, sollten Sie an folgende Punkte denken:

1.
Schlafen Sie genug

Im Schlaf verarbeitet das Gehirn das Gelernte. Das führt dazu, dass es besser im
Gedächtnis bleibt.

Deshalb sollten Sie darauf achten, dass Sie in den Nächten vor der Prüfung
genügend gut und auch genügend lange schlafen. Auf den Schlaf zu verzichten
und stattdessen eine ganze Nacht lang zu lernen, hilft Ihnen überhaupt nichts.

2.
Vorsicht mit dem Abfragen vor der Prüfung!

An dem Tag, an dem Sie eine Prüfung haben, sollten Sie sich nicht abfragen.
Mit dem Abfragen sollten Sie 24 Stunden vor der Prüfung aufhören.

Wenn Sie sich unmittelbar vor der Prüfung abfragen, kann das dazu führen, dass
bereits gelernter Stoff blockiert wird. Dann haben Sie den gelernten Stoff zwar im
Kopf, bringen ihn aber während der Prüfung nicht hervor.

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3.
Wenn Sie unmittelbar vor der Prüfung das Gefühl haben, Sie müssten unbedingt
noch lernen…

Wenn Sie dieses Gefühl haben und wenn Sie glauben, dass Sie unbedingt kurz vor
der Prüfung noch lernen sollten, gilt für Sie:

Verzichten Sie unmittelbar vor der Prüfung auf das Abfragen und beschränken
Sie sich auf das Durchlesen. Das Durchlesen führt zu keinen Blockaden.

Hanspeter Weiss

Nähere Angaben zur verwendeten Literatur:

lernberatung.hpweiss@gmx.ch

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