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AKTUELL ❚ HIV
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Schnell handeln - Folgen vermeiden Lipodystrophie ist eine Nebenwirkung der HIV-Behandlung
Schnell handeln - Folgen vermeiden
Lipodystrophie ist eine Nebenwirkung der HIV-Behandlung
Wer eine HIV-Therapie macht, fürchtet sich besonders vor einer Begleiterscheinung: der Umverteilung von Körperfett,
Wer eine HIV-Therapie macht, fürchtet sich besonders vor einer Begleiterscheinung:
der Umverteilung von Körperfett, auch Lipodystrophie genannt. Priv. - Doz. Dr. med.
Jan van Lunzen, ärztlicher Leiter der Sektion Infektiologie Hamburg, erläutert, welche
Ursachen die Lipodystrophie hat, wie sie sich auswirkt und was man dagegen tun kann.
wieder abmildern. Eine große Studie zeigte sogar, dass mit dem Vertreter einer anderen Klasse der
wieder abmildern. Eine große Studie zeigte
sogar, dass mit dem Vertreter einer anderen
Klasse der HIV-Medikamente, dem Protease-
hemmer Lopinavir, das Unterhautfettgewebe
weniger zurückging als mit dem NNRTI
Efavirenz. Neben den Medikamenten steigt
das Risiko für eine Lipodystrophie, wenn
sich die Patienten wenig bewegen, zu
Übergewicht neigen, älter sind, rauchen
oder einen schlecht eingestellten Diabetes
haben. Gleiches gilt für ein stark ge-
schwächtes Immunsystem. Deshalb kann
ein rascher Therapiebeginn helfen, diese
Symptomatik zu vermeiden.
den und die Libido auch. Diese Faktoren
können dazu führen, dass man die Einnah-
mevorschriften der HIV-Medikamente
nicht mehr einhält. Durch eine Lipodystro-
phie können sich zudem die "schlechten"
Blutfette erhöhen, was langfristig mit ei-
nem höheren Risiko für Herzinfarkt oder
Schlaganfall verbunden ist.
gab-Magazin: Herr Dr. van Lunzen, welche
Ursachen kennt man bisher?
Dr. van Lunzen: Wir wissen bis jetzt, dass
eine ältere Gruppe von HIV-Medikamenten
in der Vergangenheit am häufigsten zu einem
Rückgang des Unterhautfettgewebes geführt
hat. Mit den neueren Medikamenten wie
FTC hat sich das sehr gebessert und die
Lipoatrophie lässt sich manchmal auch
gab-Magazin: Welche gesundheitlichen
Auswirkungen kann eine Lipodystrophie
haben?
Dr. van Lunzen: Die Patienten fühlen sich
zwar körperlich gut, sehen aber dennoch
krank aus. Nach meiner Erfahrung sind
diese Störungen bei etwa einem Drittel der
Patienten so ausgeprägt, dass sie sehr dar-
unter leiden. Besonders das Abmagern im
Gesicht belastet die Patienten sehr. Gerade
in der homosexuellen Szene ist das Phäno-
men mittlerweile so bekannt, dass man da-
durch als HIV-positiv stigmatisiert ist. Das
Selbstwertgefühl leidet, das Körperempfin-
gab-Magazin: Was kann man gegen Lipo-
dystrophie tun?
Dr. van Lunzen: Zum einen kann man von
Beginn an Wirkstoffe einsetzen, die selte-
ner zu dieser Nebenwirkung führen. Wenn
es während der Therapie zu einer Lipodys-
trophie kommt, sollte der Patient mit sei-
nem Arzt über einen möglichen Wechsel
der Behandlung sprechen. Gesunde Ernäh-
rung bringt bei einer durch Medikamente
verursachten Lipodystrophie meist nur we-
nig. Wichtig ist daher, Sport zu treiben, um
diejenigen Körperpartien wieder aufzubau-
en, die durch die Fettumverteilung beein-
flusst werden. Ist das Gesicht betroffen,
gibt es zudem kosmetisch-chirurgische Ver-
fahren, bei denen die Haut mit Milchsäure,
Kollagen oder eigenem Fettgewebe in re-
gelmäßigen Abständen unterspritzt wird.
(mg)
News Kaletra jetzt als Once-Daily Erwachsenen angewandt werden. "Eine therapeutische Neue HIV-Firma gegründet
News
Kaletra jetzt als Once-Daily
Erwachsenen angewandt werden. "Eine therapeutische
Neue HIV-Firma gegründet
Option wie Raltegravir eröffnet erwachsenen Patienten,
Der Pharmakonzern Abbott hat von der Europäischen
Anfang November wurde die Gründung einer neuen,
die gerade mit der Behandlung beginnen, eine neue
Kommission die Zulassung für die einmal tägliche Dosie-
auf HIV spezialisierten Pharmafirma bekannt gege-
Möglichkeit zur Bekämpfung des Virus", so Dr. Adriano
rung der Tablettenformulierung von Kaletra (Wirkstoffe:
ben. ViiV Healthcare ist ein Zusammenschluss der
Lazzarin, Professor für Infektionskrankheiten an der
Lopinavir/Ritonavir) für erwachsene, therapienaive
Unternehmen GlaxoSmithKline und Pfizer. Schwer-
Universität Vita-Salute San Raffaele, Mailand.
HIV-Patienten erhalten. In Kombination mit anderen
punkt der Zusammenarbeit soll auf Forschung und
antiretroviralen Wirkstoffen ist Kaletra bei dieser Patien-
Entwicklung neuer Medikamente und ihrer besseren
tengruppe nun sowohl für die einmal- als auch für die
Viramune hoch wirksam
Wirkung liegen, außerdem stehen Fortschritte bei
zweimal tägliche Anwendung zugelassen. Seit kurzem
Die aktuelle ARTEN-Studie widerlegt Zweifel an der
der Behandlung von Kindern im Fokus. Ziel sei die
steht das Medikament auch als 3 - Monats - Packung
Wirksamkeit aus Viramune und Truvada. "Die Ergebnisse
Versorgung aller HIV-Patienten, in Entwicklungslän-
erhältlich, wodurch unter anderem für die Patienten
bestätigen, dass die Kombination hoch wirksam ist und
dern ebenso wie in Industrienationen. Für Experten
geringere Zuzahlungskosten entstehen.
sogar das so genannte gute Cholesterin signifikant erhöht,
wie Siegfried Schwarze vom Münchner Projekt ist
zudem das Risiko von Herzinfarkten oder Durchblu-
es noch zu früh, die Möglichkeiten von ViiV Health-
Raltegravir
mit neuen Möglichkeiten
tungsstörungen verringert", so Prof. Vicente Soriano aus
care einzuschätzen. "Bei Fusionen dieser Art geht
Madrid. Viramune, von Boehringer Ingelheim erforscht
es primär um wirtschaftliche Effizienz und bessere
MSD erhielt kürzlich die Zulassungserweiterung für
und seit über zwölf Jahren erprobt, gilt heute in Kombi-
Vermarktung", so Schwarze. Daher erwartet er
Isentress (Wirkstoff: Raltegravir). Das Medikament kann
nation mit Truvada als Gold-Standard in der Behandlung.
"keine Wunderdinge" und zitiert augenzwinkernd
nun in Kombination mit anderen antiretroviralen Medika-
Im Laufe des nächsten Jahres soll das Medikament
die Bibel: "An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen!"
menten zur Behandlung von HIV-1-Infektionen bei
die Zulassung für eine Once-Daily-Einnahme erhalten.
(bm)

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zur Behandlung von HIV-1-Infektionen bei die Zulassung für eine Once-Daily-Einnahme erhalten. (bm) 8 DEZEMBER 2009

DEZEMBER 2009

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verwendet mit Erlaubnis von Seven Towns Ltd. www.rubiks.com. Das Leben ist kompliziert genug. Sprechen Sie mit
verwendet mit Erlaubnis von Seven Towns Ltd. www.rubiks.com. Das Leben ist kompliziert genug. Sprechen Sie mit

Das Leben ist kompliziert genug. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt über Ihre HIV-Therapie.

AKTUELL HIV

Nicht einengen lassen

Wenn junge Schwule positiv getestet werden

Diplom-Psychologe Dr. Gerhard Hutner betreut im Auftrag der Bayerischen Aids-Stiftung seit über 20 Jahren HIV-Positive der Dermatologischen Klinik der TU München. Mit uns unterhielt er sich über die besondere Situation frisch infizierter schwuler Männer.

Foto: photocase/ninino
Foto: photocase/ninino

gab-Magazin: In welcher Ver- fassung kommen Schwule mit positivem Testergebnis zu Ih- nen? Dr. Hutner: Es gibt Männer, die da relativ locker damit umgehen - gerade heute, wo Aids ein Stück weit von seiner ganz großen Bedrohung verloren hat. Andere wiederum geraten in eine schwere psychische Krise.

gab-Magazin: Welches sind die dringendsten Fragen Ihrer Klien- ten? Dr. Hutner: Wie geht es jetzt weiter und was bedeutet das für mich, mein Berufsleben oder mei- ne Lebensplanung? Beim Umgang mit einem positiven Testergebnis spielt das soziale Umfeld eine gro- ße Rolle und die Frage: wo kann ich mit Unterstützung rechnen

und offen darüber sprechen? Genau zu überlegen, wem man es sagt und wem nicht, finde ich sehr klug. Zwar hat sich die Einstel- lung der Gesellschaft gegenüber HIV gewandelt, trotzdem ist es für viele noch ein Tabuthema, gerade wenn es um die Eltern oder Arbeitskollegen geht. Im Vorder- grund stehen Ängste vor Neben- wirkungen der medizinischen Therapie, Zukunftsängste, Furcht vor Diskriminierung durch das soziale Umfeld, aber auch tat- sächliche Zurückweisungen und Benachteiligungen. Nicht selten bestehen Partnerkonflikte, Pro- bleme am Arbeitsplatz sowie depressive Erkrankungen, so dass psychologische Beratung oder therapeutische Maßnahmen und Hilfen sinnvoll beziehungs- weise notwendig werden.

gab-Magazin: Warum tun sich jüngere Schwule damit beson- ders schwer? Dr. Hutner: Weil die meisten in

dieser Altersgruppe denken, die Krankheit würde nur "ältere" Schwule betreffen. Deshalb hält sich gerade diese Gruppe beson- ders zurück, Gleichaltrigen von ihrer Diagnose zu erzählen - sie schämen sich. Leider kann das dazu führen, dass sie sich zu sehr zurückziehen und vereinsamen. Neben der persönlichen Problema- tik kann so bei jungen Schwulen das Thema HIV/Aids leicht aus dem Blickfeld geraten. Was man nicht sieht und erlebt, ist leicht zu verdrängen.

gab-Magazin: Was raten Sie frisch Infizierten? Dr. Hutner: Zum einen, die HIV- Infektion ernst zu nehmen und die Behandlungsmöglichkeiten in An- spruch zu nehmen. Darüber hin- aus empfehle ich auch, sich durch die Krankheit nicht einengen zu lassen, trotz der HIV-Infektion sein Leben zu leben, soziale Kontakte zu pflegen und sich nicht der Krankheit zu ergeben. (nowa)

Ritex Safety.
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