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Šejla Kameric´

What do I know
Remakes of Memories

Anselm Wagner Der Begriff Ge- kollektiven Gedächtnis. Siegreich Kriegs- viel bedeutete, sie die Nachricht von M. Hoornik Modell, eine ehemalige Pro-
dächtnis bedeutet herren pflegten immer schon alles, was der Vernichtung der Nationalbibliothek stituierte, die er schwanger und völlig
zweierlei: allgemein das Erinnerungs- an die Besiegten erinnert, zu vernichten. dennoch zum Weinen brachte. Vielleicht verzweifelt auf der Straße aufgelesen
vermögen, und konkreter, in einer etwas Zu den perfidesten Auslöschungsver- hat dieses Ereignis mit dazu beigetragen, und bei sich aufgenommen hatte. Sien
veralteten Verwendung, die Erinnerung suchen eines kollektiven Gedächtnisses dass historische Relikte und Erinnerun- kauert nackt auf einem flachen Stein
an Verstorbene. In beiden Fällen geht es gehört dabei die Zerstörung von Biblio- gen in Kamerics Kunst später so wichtig oder Baumstumpf, die Beine angezogen
um die Vergegenwärtigung von etwas, theken: Als die bosnische National- und geworden sind und viele ihrer Arbeiten und den Kopf zwischen den verschränk-
das unwiederbringlich vergangen ist. Universitätsbibliothek von Sarajevo im um den Begriff des Gedächtnisses – im ten Armen vergraben. Der breit am
Es ist die Kluft zur unmittelbaren, leben- August 1992 nach dem Beschuss von doppelten Wortsinn – kreisen. Dabei rechten unteren Bildrand angebrachte
digen Gegenwart, bzw. das Gefühl eines Granatwerfern in Rauch aufging, ver- bedient sie sich meist vorgefundener Schriftzug „Sorrow“ verwandelt den Akt
Verlustes, welche das Erinnern erst brannten 90 Prozent ihres Gesamtbe- Bilder, deren Fähigkeit, Geschichte(n) in die Verkörperung eines abstrakten
möglich machen. Andererseits ist ein standes: zweieinhalb Millionen Bücher, zu erzählen, sie aufgreift, hinterfragt, Begriffes, eine symbolistische Allegorie
Leben ohne Gedächtnis kaum vorstell- Karten, Bilder und Fotos. Das zentrale manchmal auch destruiert. Oft wird sexueller Ausbeutung, Einsamkeit und
bar. „Ein Leben ohne Gedächtnis wäre Archiv einer ganzen Kultur sollte zum dabei der Akt des Erinnerns bzw. der Entfremdung. Den Titel ergänzte van
kein Leben“, schreibt Luis Buñuel in Verschwinden gebracht werden. Rekonstruktion von Vergangenem in Gogh noch durch ein Zitat des Histori-
seinen Lebenserinnerungen: „Unser Šejla Kameric, ´ 1976 in Sarajevo geboren, selbstreflexiver Weise Teil der Arbeit. kers Jules Michelet: „Comment de fait-il
Gedächtnis ist unser Zusammenhalt, war damals ein Teenager. Ein Jahr darauf „Sorrow“ (2005), ein Großbilddia in qu’il ya ait sur la terre une femme seule
unser Grund, unser Handeln, unser fiel ihr Vater dem Krieg zum Opfer, und einem Leuchtkasten, ist in diesem – délaissé“ („Wie kann es sein, dass in
Gefühl. Ohne Gedächtnis sind wir erst nach zwei weiteren langen Jahren Zusammenhang besonders aufschluss- der Welt eine Frau alleine ist – im Stich
nichts.“ war die Belagerung Sarajevos zu Ende. reich. Es zeigt die Re-Inszenierung gelassen“). Bild, Titel und Zitat funktio-
Das römische Recht kannte nicht nur Heute erzählt sie, dass in einer Zeit, in einer 1882 entstandenen Zeichnung nieren dabei wie Eikon, Lemma und
die physische Auslöschung eines Ver- der die Zerstörung von Gebäuden ange- gleichnamigen Titels von Vincent van Subscriptio eines barocken Emblems,
brechers, sondern mit der „damnatio sichts des Schmerzes über den Verlust Gogh. Für das Blatt saß ihm seine da- also Sachverhalt, These und Erläuterung.
memoriae“ auch seine Tilgung aus dem von Freunden und Verwandten nicht malige Lebensgefährtin Clasina „Sien“ Letztere appelliert an das Gewissen des
Betrachters: So wie er, Vincent, Mitleid
mit Sien empfand und sich mit ihr als
einer Leidensgenossin identifizierte, soll
der Betrachter sein Mitgefühl ähnlichen
Schicksalen gegenüber nicht verweigern
und dementsprechend handeln.
Šejla Kamerics Re-Präsentation von van
Goghs „Sorrow“ nimmt diese Identifi-
zierung wörtlich, indem die Künstlerin
nun selbst in der Rolle von Sien/Sorrow
posiert. Anlass ist dabei ein Akt der
Wiedererinnerung: Kameric hatte im
Impressum/Imprint Alter von zwölf Jahren eine van Gogh-
Anna Sigmond Gudmundsdottir
Artist in Residence im/at O.K: 29.4–29.5.2003
Monografie geschenkt bekommen und
Ausstellung/Exhibition: 28.5–13.7.2003 war von einer Abbildung der „Sorrow“
The offer no one can refuse, only because the majority was invented tief beeindruckt gewesen. Viele Jahre
O.K Centrum für Gegenwartskunst Oberösterreich später erinnerte sie sich an die damalige
Direktor O.K/Director O.K: Martin Sturm Faszination, die im Rückblick wie eine
Kuratorin/Curator: Stella Rollig
Produktion/Production: Norbert Schweizer
Vorwegnahme der kriegsbedingten
Aufbau/Setup: Alfred Fürholzer, Martin Haselsteiner, Andreas Steindl, Traumatisierungen wirkt, und schlüpfte
Mario Aron Rynda, Michael Weingärtner, Dietrich Killer nun tatsächlich in die Rolle der „Sorrow“,
O.K Team: Erika Baldinger, Max Fabian, Maria Falkinger, Wolfgang Feichtenschlager,
Rainer Jess, Markus Schiller, Ulrike Schimpl, Georg Seyfried wobei sie genau genommen nicht nur
Artists in Residence Broschüre/Brochure – 2 van Goghs Bild, sondern auch ihre
Redaktion/Editors: Stella Rollig, Genoveva Rückert
Lektorat/Copy-Editing: Aileen Derieg, Horst Ebner
eigene kindlich-pubertäre Identifikation
Übersetzung/Translation: Aileen Derieg, Ingrid Fischer-Schreiber einer Reinszenierung unterzog. Die
Fotos/Photos: O.K: Otto Saxinger, Mittel, die sie dafür einsetzte, sind aber
Visuelle Gestaltung/Graphic Design: Erwin Bauer KEG ± www.d-lab.at
Druck/Printing: Holzhausen Druck & Medien der krypto-expressiven, einer Ästhetik
© O.K, Künstlerin und AutorInnen 2003 des Hässlichen und Ärmlichen verpflich-
Dank an/ Thanks to: Eivind Slettemeås, Johanne Getz, Matias Faldbakken,
teten Methode van Goghs diametral
O.K Centrum für Gegenwartskunst Oberösterreich entgegengesetzt. Kamerics „Sorrow“ ist
O.K Center for Contemporary Art Upper Austria Mit Unterstützung/With support from: ein großformatiges Dia in einem aus der
Dametzstraße 30, A-4020 Linz
Tel. +43(0)732-78 41 78 Werbung geläufigen Leuchtkasten, das
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leuchtet und mit den weich gezeichneten
Sorrow, 2005
Self-portrait, colour photograph
Light box, 177 x 133 cm
Konturen eines makellosen Körpers vor alle Zuseher durch ihre die Malerei zwischen Eikon und Lemma, und der Muslime, die beim „Ezan“, dem Ruf des
seidig-weißer Draperie – das pure Ge- übertreffende Vollkommenheit (man kleingedruckte Hinweis auf den Ursprung Muezzins, die Arbeit unterbrechen.
genteil von van Goghs ungelenk-harten fühlt sich an Kamerics Ästhetisierung des Graffitis fungiert wiederum als er- In der auf die Dialoge verzichtenden
Umrissen. Sieht man vom Inhalt einmal der „Sorrow“ erinnert), aber sie bringen läuternde Subscriptio, die aber nicht – Installationsfassung des Films, wo
ab, so wirkt der am unteren Bildrand auch „eine Art von ängstlicher Empfin- wie traditionell in Emblematik wie dieser auf vier Projektionsleinwänden
groß eingeblendete Schriftzug „Sorrow“ dung hervor“, die sich als dunkle Vor- Werbung üblich – eine versöhnliche zeitlich gestaffelt, manchmal auch
in diesem Kontext wie der Name eines ahnung entpuppen wird (so wie die Lösung herbeiführt, sondern erbittert synchron projiziert wird, sodass epische
Kosmetikprodukts, auf dessen nähere 12-jährige Šejla etwas von den Kata- Anklage erhebt. Gleichzeitigkeit die lineare Erzählung
Eigenschaften sich das nur aus der strophen der nächsten Jahre zu ahnen Kamerics jüngste Arbeit, der 15-minütige ersetzt, ist die Existenz der Protago-
Nähe lesbare Michelet-Zitat beziehen scheint). Zum Beispiel nimmt Ottilie, Kurzfilm bzw. die 23-minütige, darauf nisten als reine (Erinnerungs-)Bilder
könnte. die weibliche Hauptfigur des Romans, basierende vierteilige Filminstallation noch offensichtlicher.
Die Übersetzung von van Goghs Zeich- angesichts eines tödlich verunglückten „What Do I Know“ (2007), beschäftigt Die Wahl der Kinder erfüllt mehrere
nung in eine derart kommerzielle Spra- Kindes eine Pose ein, in der sie schon sich mit einer weiter zurück liegenden Funktionen: Einerseits verdeutlicht sie
che erzeugt einen Verfremdungseffekt, zuvor in einem tableau vivant erschienen Vergangenheit, der Zeit, als ihre Groß- die Differenz von Person und Rolle, von
der nicht zuletzt auf der emblematischen ist, wobei ihr eigener Körper „an Weiße eltern noch jung waren. Schauplatz ist Geschichte und ihrer erinnernden Re-
Struktur der Vorlage beruht. Deren und leider auch an Kälte dem Marmor das Haus des Großvaters in Sarajevo, konstruktion, die ein Remake aufgrund
appellative Bild-Text-Kombination findet gleicht.“ Die wieder erinnerte (bzw. in der im Erdgeschoß ein Café betrieben von Erzählungen, Vermutungen, Gerüch-
sich in der Werbung des 20. Jahrhunderts Kamerics Fall bereits in der Kindheit und im Obergeschoß gewohnt hatte. ten und Mutmaßungen darstellt, die
wieder, in der die mit dem Barock prak- verinnerlichte) Kunstform dient als In dem heute leer stehenden Gebäude über Generationen hinweg tradiert
tisch verschwundene Emblematik ihr habituelles Muster und Halt für existen- scheint die Zeit stehen geblieben zu werden und immer mehr ein Eigenleben
Revival erlebt. Darüber hinaus rufen zielle Situationen, um aber zugleich sein: Möbel, Tapeten, Geschirr und führen, damit aber auch immer jung
Eikon und Lemma in der traditionellen eine Erfahrung des Todes zu vermitteln. sonstiger Hausrat atmen ausnahmslos bleiben. Schließlich bedeutet Erinnern
Emblematik oft eine rätselhaften Span- In einem anderen Fall, dem Plakat den Geist der 50er Jahre. Mittels Groß- nicht bloß das Aufrufen von Vergange-
nung hervor, welche erst die Subscriptio „Bosnian Girl“ (2003), hat Kameric die aufnahmen und langsamer, von leiser nem, sondern eine aktive Konstruktions-
auflöst. Bei Kameric driften hingegen in emblematische Struktur und Ästhetik Klaviermusik unterlegten Kamerafahrten arbeit: „Erinnern konstruiert Jetzt-Ver-
typisch nachmoderner Weise Inhalt und von Werbung eingesetzt, um ganz direkt durch die verlassenen Räume wird das gangenheit durch Geschichten, in deren
Form auseinander, sodass die rekon- an den Genozid in Bosnien bzw. die ihn Haus zum Stillleben seiner selbst. Konstruktion unsere aktuellen Vorstel-
struierende Aneignung im Sinne eines ermöglichende Geisteshaltung zu erin- Dazwischen treten Kinder auf, die in lungen von der Beschaffenheit der
„Gedächtnisses“, aber auch der noto- nern. Um 1994/95 hatte ein holländischer historischen Kostümen die Erwachsenen Vergangenheit eingehen“, schreibt der
rische Zwiespalt zwischen westlich- UNPROFOR-Soldat einen rassistischen von damals spielen. Drei verschiedene, Gedächtnisforscher Siegfried J. Schmidt.
kapitalistischem Glücksversprechen und Witz an die Wand seiner Armeebaracke ineinander greifende Liebesgeschichten Andererseits ist Kindheit auch der
real existierendem Elend spürbar wird, in Potocari gekritzelt (er gehörte zu jener mit unglücklichem bzw. tödlichem Aus- utopische Ort einer sentimentalen Erin-
das sich seit Michelets und van Goghs Einheit, die durch das nicht verhinderte gang werden kurz angedeutet. nerung an die eigenen Ursprünge, jener
Tagen zwar lokal verlagert, aber kaum Massaker von Srebrenica traurige Archaische gesellschaftliche Regeln er- paradoxen Heimat, von der Ernst Bloch
verringert hat. Berühmtheit erlangen sollte): „Keine lauben keine Gefühle, die entweder nur sagt, dass sie „allen in die Kindheit
Kameric bezieht sich mit ihrem „Sorrow“- Zähne ...? Ein Schnauzer ...? Riech wie im stillen Kämmerlein geäußert werden, scheint und worin noch niemand war“.
Remake aber nicht nur auf Werbe- Scheiße ...? – Bosnisches Mädchen!“ In oder sich in abrupten Ausbrüchen ent-
ästhetik, sondern natürlich auch auf einer spektakulären Plakat-, Postkarten- laden. So hört man von einem Mord
Jeff Walls inszenierte Fotografien in und Inseratenkampagne lässt sich aufgrund eines Streites beim Karten-
Leuchtkästen, die an kunsthistorischen Kameric selber als attraktives Covergirl spiel – oder war es wegen einer Frau?
Vorbildern orientiert sind und deshalb mit großen dunklen, den Betrachter Und am Schluss verlässt eine Frau ihren
oft an lebende Bilder, einem beliebten fixierenden Augen und ätherisch aufge- Mann im Schlafzimmer, um zu ausgelas-
Gesellschaftsspiel um 1800, erinnern. löstem Körper abbilden, das hässliche sener Roma-Musik in der Gaststube zu
Tatsächlich posiert Kameric hier als Graffiti von Potocari über ihren Ober- tanzen, umringt von aufgestapelten
Modell, das einerseits die Studiositua- körper projiziert, sodass man den Tischen und Stühlen und vor einer
tion in van Goghs Den Haager Atelier Eindruck gewinnt, sie blicke in einen Kühlvitrine, deren einziger Inhalt ein
rekonstruiert und verlebendigt, ande- Spiegel, auf den ein Unbekannter die Zierfisch aus Glas ist.
rerseits erstarrt sie zu einer Art Statue. Schimpfworte geschmiert hat, um sie Die szenischen Miniaturen werden
So lässt einen der matt glänzend und bei jeder morgendlichen Toilette erneut durch zwei als roter Faden fungierende
wächsern wiedergegebene Teint ihres zu demütigen. Zugleich trifft ihr ernst- Zwillingsschwestern, alte Jungfern und
Körpers ein bisschen daran zweifeln, vorwurfsvoller Blick den (männlichen) ewige Tanten, verbunden. Sie treten stets
ob hier eine lebendige Person oder eine Betrachter, der unweigerlich selbst in gemeinsam auf, so wie sie Kameric auf
hyperrealistische Skulptur fotografiert die Rolle misogynen, rassistischen einer alten Fotografie im Familienalbum
worden sind. Diese für tableaux vivants Soldaten gerät (und vielleicht ist es zu- entdeckt hat. Sie flüstern, stecken die
symptomatische Ambivalenz von Leben allererst diese Identifikation, welche die Köpfe zusammen, sind wohl auch selbst
und Tod bzw. Kunst hat Goethe in seinen schockierende Wirkung von „Bosnian Objekte wie Subjekte unerfüllter Sehn-
„Wahlverwandtschaften“ (1809) thema- Girl“ ausmacht). Der brutale Gegensatz süchte. Immer wieder halten sie inne,
tisiert. Die im zweiten Teil des Romans von Bild und Text radikalisiert die beobachtend, wartend, am Rande ste-
geschilderten lebenden Bilder bestechen traditionelle emblematische Spannung hend, wie tableau vivants oder fromme
Anselm Wagner The term memory is often part of the work in a self- sing, presented as technically perfect matic of the tableaux vivants, is dis-
has a twofold reflexive way. studio photography, professionally cussed in Goethe‘s “Elective Affinities”
meaning: generally the capacity of “Sorrow” (2005), a large format slide illuminated, and with the softly drawn (1809). The living pictures described
remembering and, more concretely in a light box, is especially revealing contours of an immaculate body in in the second half of the novel capti-
and in a somewhat old-fashioned use, in this context. It shows a re-enactment front of silky white drapery, it is the vate all the viewers with their perfect-
rememberance of the dead. Both cases of a drawing by Vincent van Gogh with pure opposite of van Gogh‘s ungainly ion that surpasses painting (one feels
involve making something present that the same title from 1882. His model hard outlines. If one disregards the reminded of Kameric‘s aesthetization
is irretrievably lost. It is the distance for the picture was his companion at subject matter, the word “Sorrow” of “Sorrow”), yet they induce “a kind
to the immediate, living present or a the time, Clasina “Sien” M. Hoornik, superimposed in large letters at the of anxious sensation”, which will turn
feeling of loss that first makes it pos- a former prostitute that he had found edge of the picture has the effect of out to be a dark presentiment (just as
sible to remember. On the other hand, pregnant and thoroughly desperate in the name of a cosmetics product in the 12-year-old Sejla seemed to sense
living without memory can hardly be the street and taken in. Sien crouches this context, and the quotation from the catastrophes of the coming years).
imagined. “A life without memory naked on a flat stone or tree stump, her Michelet, which can only be read close For example, Ottilie, the main female
would be no life,” writes Luis Buñuel legs drawn up and her head buried in up, might refer to the details of the protagonist of the novel, assumes a
in his memoires: “Our memory is what her crossed arms. The word “Sorrow” properties of this product. pose before a child that has died by
holds us together, it is our ground, our broadly lettered on the lower right The translation of van Gogh‘s drawing accident, in which she had already
action, our emotion. Without memory edge of the picture transforms the nude into a commercial language of this appeared in a tableau vivant, whereby
we are nothing.” into the embodiment of an abstract kind creates an effect of alienation, her own body “resembles marble in
Roman law recognized not only the concept, a symbolic allegory of sexual which is based, not least of all, on the whiteness and unfortunately also in
physical annihilation of a criminal, exploitation, loneliness and alienation. emblematic structure of the original. coldness”. The art form recalled here
but also the removal of the criminal Van Gogh expands on the title with Its appellative image-text combination (or already internalized, in Kameric‘s
from collective memory with the a quotation from the historian Jules is found again in the advertising of the case, in childhood) serves as a habitu-
“damnatio memoriae”. Victorious gene- Michelet: “ Comment de fait-il qu’il ya 20th century, in which the emblem, al pattern and support for existential
rals have always taken care to destroy ait sur la terre une femme seule – which practically vanished with the situations, but also conveys an expe-
every reminder of the conquered. One délaissé” (“How can it be that there is baroque era, undergoes a revival. rience of death at the same time.
of the most perfidious attempts to erase in the world one woman alone – deser- In addition, the picture and motto In another case, the poster “Bosnian
collective memory is the destruction ted?”). The picture, title and quotation in traditional emblems often evoke Girl” (2003), Kameric employed the
of libraries. When the Bosnian National function here like the picture, motto a mysterious tension, which only the emblematic structure and advertising
and University Library in Sarajevo and epigram of a baroque emblem, epigram resolves. With Kameric, on aesthetic to very directly recall the
went up in smoke in August 1992 in other words situation, thesis and the other hand, content and form drift genocide in Bosnia and the mental
under attack by grenade launchers, explanation. The latter appeals to the apart in a typically post-modern way, attitude that made it possible. Around
90 percent of its entire stock was de- conscience of the observer: just as he, so that the reconstructing appropriat- 1994/95 a Dutch UNPROFOR soldier
stroyed by fire: two and a half million Vincent, felt pity for Sien and identified ion in the sense of a “memory”, but scratched a racist joke on the wall
books, cards, paintings and photos. with her as a fellow sufferer, viewers also the notorious ambivalence bet- of his army barrack in Potocari (he
The central archive of an entire culture should not refuse to empathize with ween western capitalist promises of belonged to the unit that was to become
was to be made to vanish. similar fates and act accordingly. happiness and actually existing misery tragically famous for not preventing
Sejla Kameric, ´ who was born in 1976 Sejla Kameric‘s re-presentation of van become palpable. And although this the massacre in Srebenica): “No teeth ...?
in Sarajevo, was a teenager at that Gogh‘s “Sorrow” takes this identifica- misery has shifted locally since the A moustache ...? Smell like shit ...?
time. A year later her father became tion literally by posing the artist her- days of Michelet and van Gogh, it has Bosnian girl!” In a spectacular poster,
a victim of the war, and the siege of self in the role of Sien /Sorrow. The hardly been reduced. postcard and advertisement campaign,
Sarajevo only ended a further two occasion for this is an act of recollect- With her “Sorrow” remake, however, Kameric had herself photographed as
years after that. Today she says that ion: Kameric was given a van Gogh Kameric refers not only to advertising an attractive covergirl with large dark
in a time when the destruction of buil- monograph at the age of twelve and aesthetics, but naturally also to Jeff eyes fixed on the viewer and an
dings meant little in light of the pain was deeply impressed by a depiction Wall‘s staged photographs in light aesthetically dissolved body with the
of the loss of friends and relatives, the of “Sorrow”. Many years later she boxes, which are oriented to art ugly graffiti from Potocari projected
news of the destruction of the National remembered her fascination at the historical originals and thus often over her upper body, so that one has
Library still made her cry. Perhaps this time, which in retrospect seems like recall living pictures, a popular social the impression she is looking in a mir-
event has contributed to the way that an anticipation of the traumatizations game around 1800. On the one hand, ror, on which a stranger has smeared
historical relics and memories later of war. She then actually slipped into Kameric actually poses here as the the insulting words to humiliate her
became so important in Kameric‘s art, the role of “Sorrow”, re-enacting not model, reconstructing and vivifying again every morning. At the same time,
and many of her works revolve around only van Gogh‘s picture, to be precise, the studio situation in van Gogh‘s her serious reproachful gaze meets
the concept of memory – in a double but also her own childish adolescent atelier in Den Haag, but on the other the (male) viewer, who inevitably ends
sense. At the same time, she usually identification. The means that she uses hand she freezes into a kind of statue. up in the role of the misogynist, racist
makes use of found images, taking up for this, however, are diametrically The mutely shining and wax-like com- soldier (and perhaps it is, first of all,
their capacity for telling stories and opposed to the crypto-expressive plexion of her body raises some doubts this identification that results in the
recounting history, questioning and method of van Gogh, devoted to an ae- about whether a living person has shocking effect of “Bosnian Girl”). The
sometimes even destroying this capa- sthetic of the ugly and the impoveris- been photographed here or a hyper- brutal contrast between image and text
city. Here the act of remembering or hed. “Sorrow” is a large format slide realistic sculpture. This ambivalence radicalizes the traditional emblematic
the reconstruction of what is past in a light box familiar from adverti- between life and death or art, sympto- tension between picture and motto, and
Dream House, 2002
Videoinstallation, Loop
Installationsansicht, OK Offenes Kulturhaus Linz, 2007
View of installation at OK Center for Contemporary Art, 2007
Foto / Photo: Otto Saxinger

the small-print information about the quiet piano music through the aban- Kameric discovered them in an old ing a remake based on stories, conject-
origin of the graffiti functions in turn doned rooms, the house becomes a photograph in the family album. They ures, rumors and speculations that
as an explanatory epigram. In this still-life of itself. Children appear in whisper, put their heads together, are have been passed on for generations
case, however, unlike the traditional between, dressed in historical costumes themselves both objects and subjects and take on more and more of a life
convention of both emblems and of adults at that time. There are brief of unfulfilled desires. They pause, of their own, thus also remaining for-
advertising, it does not result in a allusions to three different interlocking again and again, observing, waiting, ever young. Remembering ultimately
reconciling resolution, but instead love stories with unhappy or fatal ends. standing at the edge like tableau does not mean merely recalling the
raises a bitter accusation. Archaic social rules allow no feelings, vivants or pious Muslims interrupting past, but is instead an active work
Kameric‘s most recent work, the 15- so they are expressed either solely in their work for the “Ezan”, the call of of construction: “Remembering con-
minute short film and the 23-minute private or vented in abrupt explosions. the Muezzin. In the installation version structs now-past through stories, into
four-part film installation based on it, Thus one hears of a murder because of of the film, which dispenses with dia- the construction of which our current
“What Do I Know” (2007), deals with a fight during a card game – or was it logue, it is projected onto four screens notions of the constitution of the past
another distant past, the time when because of a woman? And in the end, at staggered intervals, sometimes also flow,” writes the memory researcher
her grandparents were still young. a woman leaves her husband in the synchronously, so that epic simultan- Siegfried J. Schmidt. On the other hand,
The setting is the house of her grand- bedroom to dance in the restaurant to eity replaces linear narrative. This childhood is also the utopian place of
father in Sarajevo, who ran a cafe on wild Roma music, surrounded stacks makes the existence of the protagonists a sentimental memory of our own ori-
the ground floor and lived upstairs of tables and chairs and in front of a as pure images (of memory) is even gins, the paradoxical home, of which
from it. In the now vacant building, it refrigerated vitrine containing nothing more obvious. Ernst Bloch said that “it seems to every-
seems as though time has stood still: but a decorative fish made of glass. The choice of children fulfills several one to be in childhood and yet no one
furniture, wall paper, dishes and other The scenic miniatures are linked by functions: on the one hand they illu- was ever there”.
household items all breathe the spirit two twin sisters, old maids and eternal strate the difference between person
of the 1950s. With close-up shots and aunts, functioning as a red thread. and role, between history and its re-
slow camera pans accompanied by They always appear together, just as membering reconstruction represent-
Middle Room, 2007
Rauminstallation
Installationsansicht, OK Offenes Kulturhaus Linz, 2007
View of installation at OK Center for Contemporary Art, 2007
Foto / Photo: Otto Saxinger
What Do I Know, 2007
4-Kanal Videoinstallation, PAL, 23 Min.
Director of photography: Vladimir Trivic
Editing: Timur Makarevic
Music: Dušan Vranic
´
Sound design: Igor Camo
Imagine, 2004
Video, 2 Min.
Installationsansicht, OK Offenes Kulturhaus Linz, 2007
View of installation at OK Center for Contemporary Art, 2007
Foto / Photo: Otto Saxinger
Untitled/Daydreaming, 2004
Video, Loop
Installationsansicht, OK Offenes Kulturhaus Linz, 2007
View of installation at OK Center for Contemporary Art, 2007
Foto / Photo: Otto Saxinger

Before Beginning, 1999/2007


Videoinstallation, 1’30’’
Installationsansicht, OK Offenes Kulturhaus Linz, 2007
View of installation at OK Center for Contemporary Art, 2007
Foto / Photo: Otto Saxinger
Remains, 2006
2-Kanal Installation, Kleid
Installationsansicht, OK Offenes Kulturhaus Linz, 2007
View of installation at OK Center for Contemporary Art, 2007
Foto / Photo: Otto Saxinger

Bosnien Girl, 2003


Public project
Šejla Kameric´
Geboren / Born in 1976 in Sarajevo, Bosnia and Herzegovina Auswahl Einzelausstellungen, Interventionen im öffentlichen
lebt und arbeitet in / lives and works in Sarajevo and Berlin Raum / Selected Solo Exhibitions, Public Projects and
Interventions:
1999 Studienabschluss / completed studies at the 2007 What Do I Know, OK Center for Contemporary Art,
Academy of Fine Arts in Sarajevo, Department CROSSING EUROPE – Film Festival, Linz / AT
of Graphic Design. 2007 Sometime, Never, May·be, public project,
1997 - 2000 Künstlerische Leitung bei / worked as Art Sarajevo / Berlin / Geneva / BA, DE, CH
Director in the creative team „Fabrika“ in 2006 Brand New, Contemporary Art Institute EXIT, National
Sarajevo. Art Gallery Pristine / KOSOVO / KS
Seit / since 2002 Mitglied / member of the European Cultural 2006 The Final Sale, Karver, Podgorica / Montenegro XX?
Parliament.
Seit / since 2005 Mitglied / member of Young Global Leaders Auswahl Gruppenausstellungen / Selected Group Exhibitions
Forum.
2007 Deutscher Akademischer Austauschdienst /  2007 “Hell is... other people”, Stedelijk Museum Bureau
DAAD-Berlin, Berliner Künstler-Programm /  Amsterdam / NL
Artist in Residency Fellowship 2007 INBETWEENESS, Ex Carceri del Complesso di San Michele
a Ripa, Rome / IT
2007 FREI, Galleri Susanne Ottesen, Copenhagen / DK
2007 Between Borders, MARCO, Museo de Arte Contemporánea
de Vigo, Vigo / ES
2007 Vocal Verbal, Gallery SC, Zagreb / HR
2007 Sarajevo - Memory and Communication, Shiga Art creation
hall, Shiga-pref, Shin-bi, Kyoto / JP
2006 Zones of Contact, 15th Biennale of Sydney, Sydney / AU
2006 Sweet Taboos: A Mini Tirana Biennial in NYC, Apexart,
New York / US
2006 NORMALIZATION, Rooseum Center for Contemporary Art
Malmö / SE
2006 Kontakt, The Art Collection of Erste Bank-Group at the
Museum of Modern Art (MUMOK) in Vienna and at the
transit workshops in Bratislava / AT, SK
2006 On Difference #2, Stuttgart Kunstverien, Stuttgart / DE
Šejla Kameric´
What do I know

O.K Artists in Residency

Das OK Offenes Kulturhaus Ober- The OK Center for Contemporary Art


österreich ist ein Experimentallabor is an experimental laboratory in mat-
in Sachen Kunst. Es hat die Heraus- ters of art. It has especially taken up
forderungen an ein zeitgenössisches the challenges that face an institution
Kunsthaus in besonderer Weise ange- of contemporary art today and focuses
nommen und konzentriert sich nicht explicitly on the production of art
nur auf die Präsentation, sondern auch works, rather than on presentation.
ausdrücklich auf die Produktion von The Artists in Residence programs
künstlerischen Arbeiten. In den „Artist offer a mostly younger generation of
in Residence“-Programmen wird einer trans-regionally interesting and inter-
zumeist jüngeren Generation von nationally active artists a public plat-
überregional interessanten und inter- form, infrastructure and laboratory
national arbeitenden KünstlerInnen situation in one – from the develop-
öffentliche Plattform, Infrastruktur und ment of an artistic idea to its imple-
Laborsituation in einem geboten – von mentation. The invited artists, whose
der Entwicklung einer künstlerischen residence generally lasts 3 months,
Idee bis zu ihrer Ausführung. Die im are discursively accompanied by the
Regelfall dreimonatigen Residence- OK curators and supported by an
Aufenthalte der eingeladenen Künstler- experienced production team.
Innen werden von den OK-KuratorInnen
diskursiv begleitet und von einem
erfahrenen Produktionsteam betreut.