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26. November 1942

Umschaa

Stahl und

Eisen

1009

Ueber Vorgänge beim Verschleiß von H artm etallegierungen wurde in dieser Zeitschrift von W . D a w ih l3-) bereits berichtet. Mit den in der Regel vorkom m enden S p a n fo r m e n b ei der D r e h b e a r b e itu n g von Stahl m it H artm etallegierung und den M öglichkeiten zur Beeinflussung von Spanform und Spanabfluß befassen sich m ehrere A rbeiten von H. H em -

s c h e id t33) 34).

dreizehn Grundform en von Spänen beschrieben und ihre Unterscheidung in Lang- und

Z uerst33)

werden

K urzspäne

arüber hinaus werden noch

verschiedene Gruppen glei­ cher äußerer Spanform zu­

sam m engefaßt; es sind dies Band-, W irr-, Wendel- und Spiralspäne. Eine planmäßige

R

undfrage im Betrieb stellte

D

vorgenommen.

erw artungsgem äß Band- und

W irrspan

Spanform en heraus, doch kann ein der Langspanform angehöriger Wendelspan durchaus erwünscht sein.

die

Spanstauchung ergaben, daß diese m it zunehmendem Vor- schub, Spanwinkel und steigender Schnittgeschwin­

digkeit abnim m t (Bild 6).

U ntersuchungen

als

ungünstigste

über

Spanwinke! in Grad Bild 6. Abhängigkeit der Span- Bauchung verschiedene Drehbearbeitung vom Vorschübe Spanwinkel von Stahl bei mit der lür H. 100 digkeit Hemscheidt. kg mm2 120 Zugfestigkeit m/min, (Schnittgeschwin­ Spantiefe nach 1,0 mm.)

D araus

rigere Tem peratur des Spanes bei hoher Schnittge­ schwindigkeit erklärt, da hier der Stauchgrad geringer und

wird

auch

die nied­

damit die Erw ärm ung kleiner ist als bei niederer Schnitt­ geschwindigkeit. In zwei w eiteren A rbeiten34) beschäftigt sich Hemscheidt in um fangreichen Versuchen m it der s p a n f o rm e n ­ den S c h n e id e . Die bisherigen Erkenntnisse lassen wohl er­ gehen, daß als bedeutendste Einflußgröße bei Festlegung einer zur Erzielung guter Spanform en erforderlichen Treppenbreite der Vorschub gelten kann, doch kennt m an die Beziehungen zwischen Spantreppenform und -abmessungen einerseits und Schnittbedingongen und W erkstoff anderseits noch zu wenig. Nachdem aus einer Reihe von Schneidenform en eine neuartige,

leicht herstellbare Treppenform m it schrägem Rückenwinkel (50°) als günstig festgestellt wurde, konnten für diese Schneiden- fonn R ichtw erttafeln für Spantreppenabm essungen aufgestellt werden, deren Geltungsbereich sich auf B austähle beschränkt. Standzeitversuche zeigten für die Treppenschneide eine Ver­ minderung der Standzeit um 21 bis 44 °'0 gegenüber Meißeln aus Hartmetallegierung ohne Treppe, ein W ert, der also niedriger liegt als der bisher m it 50 % Standzeitabfall angenommene. Diese Standzeitm inderung sei jedoch m it R ücksicht auf einen störungsfreien Ablauf des B earbeitungsrorganges als tragbar in Kauf zu nehmen. Franz Rapatz und Josef Frehser.

Die Einführung der Weißblechindustrie

in

Sachsen 1536.

Nach den Forschungen von O tto V o g e l1) h atte die W eiß­ blecherzeugung ursprünglich ihren Sitz in den Städten N ürn­ berg und Wunsiedel. D ort w urden die auf den H äm m ern bei Amberg geschmiedeten oder vorgeschm iedeten Schwarzbleche gebeizt und verzinnt. Die E ntstehung der später sehr bedeuten­ den jüngeren W eißblechindustrie im sächsischen Erzgebirge war bisher in D unkel g eh ü llt. E r i c h M a t t h e s 5) h a t je tz t die Zusammenhänge klargestellt. Noch im Anfang des 16. Jah rh un derts w ar die Erzeugung der vielen alten Eisenwerke des Erzgebirges so unbedeutend, daß Eisen eingeführt wurde. Im Jah re 1534 w urden nun auf Betreiben des tatkräftigen Pfalzgrafen Friedrich, Herzogs in Bayern, späteren K urfürsten Friedrich II. von der Pfalz, in Amberg eine Zinnblechhandelsgesellschaft sn d ein Zinnhaus mit vier Pfannen errichtet. D am it ging Am berg selbst zur H er­ stellung des Fertigerzeugnisses über. E in A usfuhrverbot für Schwarzblech erschwerte den N ürnberger Zinnern die Beschaf­

” ) Stahl u. Eisen

33) Techn. Zbl. p rak t. M etallbearb. 51 (1941)

**) Techn.

61

(1941)

S. 210/13.

51

S. 408 14.

S.

461/67.

Zbl.

p rakt.

M etallbearb.

(1&41)

513/17 u. 569/75.

l) Stahl u. Eisen 29 (1909) S. 1097/1107.

3) Arch. Sippenforsch. 19 (1942) S. 121/27 u. 154/59.

Der Aufsatz enthält viele fam ilienkundliche Anm erkungen, auf die verwiesen sei.

fung ihres Rohstoffs. Dieser Vorgang w ar offenbar die U r sa c h e dafür, daß sich der vermögende N ürnberger Zinnhändler A n ­ d re a s (Enders) B la u , in den A kten auch von Plauen genannt, vom sächsischen K urfürsten Johann Friedrich (dem G roß­ m ütigen) die Genehmigung zur Anlage von Blech häm m ern im Erzgebirge geben ließ. Blau, ein echter Sohn des früh k ap ita­ listischen Zeitalters, faßte das U nternehm en m it K raft und Großzügigkeit an. B ald „verlegte“ er über 30 Bergleute und Gewerkschaften des Amtes Schwarzenberg, d. h. er gab ihnen

Vorschüsse und vertrieb ihre Erzeugung. Seine eigene industrielle

Tätigkeit nahm von Schneeberg aus ihien Anfang. D ort begann er m it der E rrichtung von fünf Bleehhäm m era und förderte dii’ B auten so, daß die ersten W erke schon Ende 1536 in B etrieb kam en. Das erste Zinnbans wurde in dem O rte B lauental an der Mulde errichtet, der offenbar eine Gründung von Andreas B lau w ar. E in weiteres Zinnhaus kam später nach Zwickau,

nachdem der M agister und zeitweilige Bürgerm eister von Zwickau, O sw a ld L a s a n , F.inflnS auf die neue Industrie erlangt hatte. Die neuen W erke im Erzgebirge waren der alten W eißblech­ erzeugung weit überlegen. W enn auch die sächsischen Erze eisenärmer waren als die Amberger, so war die um ständliche

Zwischenbeförderung vermieden, und der weitläufige H erstel­

lungsgang vom Erz bis zum fertigen W eißblech lag in einer H and. Schwierig war die Beschaffung der erforderlichen Facharbeiter und deren Ansiedlung in der unwirtlichen Gegend. B lau ging hier rücksichtslos vor: E r spannte den W erken in Amberg. Nürnberg und Wunsiedel ihre A rbeiter aus, indem er den Leuten durch Agenten höhere Löhne, ja das Doppelte ihrer bisherigen

Bezüge versprach. Verschuldete H am m erbesitzer köderte er. indem er ihnen ihre Schulden bezahlte, so daß sie abw andem konnten. Auch bei den V erm ittlergebühren und bei der Be­

gleichung von Reiseauslagen sparte er nicht.

Ferner sorgte er

für die Errichtung kleiner H äuser für die A rbeiter. D er Pfalzgraf sah dem Treiben von Andreas B lau nicht untätig zu. Fortgezogene, die in die H eim at zurückkehrten, um ihre Fam ilien zu besuchen, wurden festgenommen und u nter

Androhung der Folter einem Verhör unterzogen, dessen Fragen der Pfalzgraf selbst aufgesetzt hatte. Von den Aussagen ist beson­ ders diejenige des Hammermeisters Ludwig K ödnit aus Bleistein (Pfalz-Sulzbach) aufschlußreich. Danach liefen die Fäden des ganzen Unternehmens bei Andreas Blau zusammen. Dieser war

etwas preth laufe, so

schafft er ihnen R at, denn er hab stets zwei Schreiber, gebe alle

Wochen bis an die 200 Gulden Lohn aus zur A ufrichtung der Häm m er und Arbeiten im Bergwerk“ . N ach K ödnits Angaben wären die technischen Schwierigkeiten verhältnism äßig glatt überwunden worden. Anscheinend schmolz m an das E rz sowohl

Rennfeuer als auch in etwa 3 m hohen Stücköfen, die täglich

„O berster

Prinzipal,

denn

wenn

einem

im

zwei Luppen von je 7 Zentner Gewicht lieferten. Die Amberger Blechmaße wurden übernommen, so daß auch der A bsatz wohl nicht zu wünschen übrigließ. Aus allem geht hervor, daß Blau ein Fachm ann war. Die Vernehmungen lassen aber erkennen, daß es nicht leicht war, die Frem den in der „W ildnis“ anzu­ siedeln. Manche kehrten in ihre H eim at zurück, bei denen, die ausharrten, ließ sich der Gegensatz zwischen dem „ungezähm ten Volke“ aus der Frem de und den Einheim ischen n ur langsam überbrücken. Auch das Vorrecht, frei backen, schlachten und brauen zu dürfen, das sich Blau für seinen Hof zu Sosa und für seine Häm m er h atte geben lassen, stieß bei den S tädten auf

im

sächsischen

H üttenw esen

nicht die F rucht seiner ebenso kühnen wie erfolgreichen U nter­ nehm ungen. Der Neid und die M ißgunst der einheimischen U nternehm er brachten ihn schon bald beim K urfürsten in U n­ gnade. Sein Schicksal weiter zu verfolgen, w ird eine besondere

Aufgabe der Heim atforschung sein.

B lau, die sächsische

Weißblecherzeugung begründet und dam it das alte städtische

W iderspruch.

Blau,

der nach seinen Angaben

Berg-

und

an

die

13 000

h atte,

Gulden

verbaut

erntete

Es

bleibt das Verdienst des A ndreas

ans

Zeit

h at

sich

dann

behalten h at.

besonders

in

Wenn

die

H andwerk der Zinner zur Industrie entw ickelt zu haben. Vom

Erzgebirge

E n g l a n d " verbreitet. Die Anwendung des W alzwerks gab der

englischen W eißblechindustrie eine Vorzugsstellung, die sie bis

W eiß­

Fortschritte

Blechstraßen^ und

und Verzinnmaschinen

daß es ein Deutscher, daß es der N ürnberger Z innhändler A n­

vergessen,

Beiz-

B reitbandkaltw alzw erke,

in =unsere

große

nach

W eißblechherstellung

h at

dann

die

Staaten,

Neuerdings

den

blecherzeugung.

Vereinigten

gem acht.

wir die riesigen

kontinuierlichen

die

Glüh-,

der gewaltigen

Otto Johannen.

betrachten,

wollen wir nicht

G rundstein zu

— dreas Blau gewesen ist, der den

eißblechindustrie unserer Zeit gelegt h at.

W