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Stiefel/mn Oslnn '999 - ElisalH'lh Stipfpll \larioll ,"Oll ».\rh

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Mörder: Hin Render zur hulturnfisit'rulIlI d"r Ok(}fJ(JIIJ;e. BI"'lill 1 I)')'J.

VoB I Pongratz 1998 -

neue Grundform der Wan' Arllf·iL'ikraft?

chologie 5U (199SI. S.131-I:iS.

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in: "'-;j(1/er ZI·;I",.hr;jf für S"::i,,{,,.'1;'· III/d

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Ulrich Bröckling

Bakunin Consulting, Inc.

Anarchismus, Managl'nH'nt ulld dip Kunst, niehl r,'giprt zu wprdell

»/Jel'iancp is the source of all i1/1/ol'ation. It:<; the ll'ellspring of lIeu' ideas.

products. neu' !u'rsollalities, al/(I. ultimatel!J, m'lI' markets. /t call be a force for goo(/ or for el'i( (alld sometimes bot/t). ITI its pI/rest seil se, efel'iallce is realI.'! lIothillg more - 01' less - thall all!l oflls takillg oTle measlIrable stell au'a!lfrom t!1!' miefdie of th/' mad. Erte1/d that step ollce more, al/(l !Joll'lI fiT/d !lours/'lj mo!'illg from t/w ('omfort of tlU' accepted illto the fast·pa('eef Il'orld of tll!' trendsetter. Take anotlter small stel', (/lid !Jou'lI land in t/I(' ratified realm ofthe ultra('()ol at'allt·yarde. Fe/Hllre olle Itesitallt step fllrlhe/: 1II1d !JOll are in tlte .wJ/lwtimes seductil'l', more often friglttellil/g lI'orld oftlte CIlltist al/(l t/I!' fanatic.

/Jart' tll lake that lasllolle SII'P, ami !fOll'lI ('rash Iwad·oll into the Iteart oftlte soda I darkness: t111' wor/d of naked. plIre, IIIwbashecl. (md large/e!l frightl'lIillg

ele/'ianc/'. « - l'vlat lH'wS I Wa('ker 2002, S. 71 .

lJackunin is back in IOlNI - im Nadnlstrpifenanzug, mit ßerat!'J"\'l'rtrag, Pownq)Oint-Präsnlltation und bisweilen mit Bühlwnnl'bpl: Ein liner von Managnnwntgunls und UntnnwhnH'nseonsultants. vlln PPI'sönlkhkeits- trailwl"Il und Hatgpberautonm run die Ihwolution im Untertwhn1l'n aus und lwdi!'nt sich 11I'mmungslos im Fundus a\'antgardistischer und subver- siv!'l' Traditionen. Sie Partizipation statt formaler Autorität. statt hio.-archischer Kontrolle. Autonomie statt Fa- brikdisziplin. Was vor nicht langer Zeit noch als poinl elf> resislal/('I' gpgen Entfremdung, Auslwutung oekr Untt'rdriickung in Ans!"hlag gpbracht wur- de. fungiert inzwischen als sozialtechnologisch zu l'rsrhlieBnnde Res- Mit den institutiOlwllnn llierarchion soll aU<:h das Arkanwissen Etagen an die pyramidl'nf'ürmiger Organisa- tiOlwn sollpn pigpnv!'nmtwortliche Tpams treten. die in t'inem Nl'tz\\,prk vnrbunden sind. Persönlidws Wachstum und das ekr Firma, der Kampf um individuelle Autonomie lind der um dip Marktl'ührpl'schaft sol\pn zusamml'nfallen. GP(·ordm·t wird nin sehöpfnl"iscJws Subjl'kt. das sieh nicht in dpr vprmeintlidum Sieherlwit von Houtilwn ausruht, sondern spinn Arbeit jndnn Tag neu nrfindnt: Creale !Jour job! IHirokratie, vormals das Idpalbild rationaler Organisation, gilt als das Übnl schlechthin.

I<)

ULRICH BRÖCKLllIiG

Das große delournement treibt die profpssionollpll dps So- zialen zu paradoxen Diagnosen:

(Pongratz / Voß I997), »Herrschaft dureh Autonomip« (Moldaschl 2(01). »Mehr Druck durch mehr Freiheit« (Glißmann / Pntnrs 20(1). lautnn dio soziologischen Befunde. Wenn als Thnrapin nicht mindpl' panLdoxp »Befreiung aus der Mündigkeit« (Honnpth 2(02) ompfohlpn wird. so signa- lisiert das vor allem die Verunsicherung kritisdwl' Gpspllschaf'tstlwo!'ip. Die Erfahrung, dass Begrifl'e die FrontpI1 gpwpchsplt habpn. und Un- gewissheit darüber, wo überhaupt dip Fnmtml vm'laufml. bildpn auch don Ausgangspunkt der folgenden Überlpgungnn. \<Vl'nll das vprtrauto Koonli- natensystem nicht mehr stimmt. mag ns sinnvoll sPin. zunächst das de neu zu vermeSSfln. statt unbeirrt alto !'ositiOlwn zu verteidigen oclm' hektisch neue zu beziehfln. In diesem Sinn konfl'ontim't nwin Hoit.nlg in ni- ner Parallellektüre Texte anarchistisdwl' Klassikl'r. dm'pn Konzeptn williger Selbstorganisation vieles vorwnglwhnwn. \NaS hputp im Zddwn

von business reengineering und change l1l[lfwge/flent postulipf't winl. mit

den Schriften des Bestsellerautors und Prototyps allpr Managpnwntgunls Tom Peters. aus dessen Beschwörung »jenseits der Hierarchien« der »neue Goist Kapitalism us« (ßoltanski / Chiapello 1999) in besonders reiner Form spl'icht.

DIE KUNST. NICHT HEGIEHT ZU WEHDEN Den Ausgangspunkt dinsnl' Gegenüberstellung bilden eine alte Geschkhtn und (fast) aktlwllm' Hat- schlag:

knapp (lr'nißig

Am 8. Mai des .Iahres 1877 erreichto

Ilino Schal' von

Anarchisten nach einem mehrtägigen Marsdl über die noch

deckten Berge der süditalienischen Provinz Bnnpvnnto das Dorf Mit

entrollter roter Fahne drangen sie

Gemeinderat tagte. erklärten die Absetzung des Königs. vprlangten dill Herausgabe der ofl'iziellen Dokumente lind konfiszierten die Waffnn und

die

ins

ein. wo gI'nLdo

Kasse. Der Gemeindesekretär. der ci no Autorisation wünschtn. el'hildt

ein Schriftstück: »Wir. die Unterzeichneten, orklären im Nanwn dm' sozia-

len Revolution. die Waffen in der Hand. das Gnmnindehaus von Letino bo- setzt zu haben.« Die beschlagnahmten WafT(m und das vmnigp fundene Geld wurden an die Dorfbevölke/'ung oin zur

der Mahlsteuer benutzter Apparat wurde zOI'trümmert. und alle Akten. ausgenommen jene. die Wohlfahrtsangelcgpnlwiten betrafen. wurden brannt. Anschließend zog die Gruppe in ein Naehbardurf, brach auch dOl'{ in das Gemeindehaus ein. vernichtete die und vel'teilte Waffen und Geld. Die Hoffnung, mit ihrer Aktion einen lokalen Aufstand und ausgn-

auch Insurrektionen in andpnm PI'-

wies sich jedoch als trügerisch. Die BatHlI'n. obwohl dpl' Regim'ung fnind- lieh gesonnen. misstrauten den ortsfremden Hovnlutionärml und sehlossPI1

hend von diesem

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IJrtk/lnin Cons/liling. II/C'.

sieh ihnen nicht an. als Militäl' anrückte und die Dörfer umzingelte. Auf der Flucht die Anarchisten sehließlich von einem Bauern verraten und fnstgenomnwn. Als man ihnen nach sechzehn l\'lonaten Untersuchungshaft dcn Prozess machte. konnten sie von einer allgemeinen Amnestie profitie- ren und verließen das Gericht als freie Männer. (vgI. Nettlau 1<)221I 973) Ein zeitgenössisches anarchistiscl1l's Blatt feierte ihre Aktion als vorbild- liclw Propaganda der Tat:

»Durch das Verbrennen der Archive haben unsere Freunde dl'1ll Volk gezeigt. welche Achtung es vor dem Eigentum zu haben hat. Sie haben das aus den StcucreinhebungtHl eingelaufene Geld dem Volk zurückge- geben. und so zeigten sio ihm. welche Verachtung man für die Hegierung habon müsse.« (zit. nach Zoceoli 1<)00/1976. S. 520)

Soweit die alte Geschichte. 110 .Iahre später. 1987. konnte man in einem der Boslseller von Tom Ppters dpn folgenden Sabotageaufruf

»Eifern und rasen Sie: Zerreißen Sie Papiere. Weigern Sie sich. sie zu le- sen. Schwänzen Sie Sitzungen. Kurzfristig mögen Sie damit Ihre Karrie, re gefährden. Aber wenn Sie Ihre Karriere nicht an diesem Punkt aufs Spinl setzen. dürfte sie langfristig gefährdet sein: nämlich wl'nn das Ge- schäft vor dem Zusammenbl'ueh steht, die Stadt ihre Schulden nicht mehr bnzahlen kann oder andere Katastrophen drohen. Seien Sie mutig. Be- freien Sie sieh von all den Aktenordnern - stellen Sie große Pappkartons rund um Ihren Schreibtisch auf. und werfen Sie all das Zeug. das Sie er- halten. dort hinein - ungelesen. Kleben Sie einen großpn roten Zpttel auf

dip Kartons: )Ungelesene Papien' dinser Woche.< [

tisch. Veranstalten Sie einmal monatlich eine kleine Feipr. Frpitag-

1 Spien Sip drama-

nachmittag um 16 Uhr - vor dem Heiß\\'olf! Bringen Sie BiN mit. und ver- nichten Sie coram publieo all die Papiere. die Sie erhalten. aber nicht ge- losen haben. Das nächste Treffen könnte in einem Wald stattfinden. Bringen Sie diesmal Bier und Schaufel mit. Graben Sie ein Loch. Schlep- pnn Sie einen kleinen hölzel'lHln Sarg heran. Füllen Sie ihn mit all den Formularen. Bestimmungen und Berichten. die von lhlwn und Ihren Leu- tnn zur sofortigen Eliminierung bestimmt sind. Wenn Sie nervenstark sind. begraben Sie das Kopim'gnrät mit. Tragen Sip ein Singen Sie. wenn der Sarg lind der Kopierer in die Grubp gl'lassen wer,

den: )Niemals wieder Berichte. nie wieder FormblättN.< [

1 Si" haben

zwei Möglichkeiten: (I) Finden Sie Ihren eigenen Stil. um so I'twas zu ma- e1lell. oder (2) gehen Sie vor dio lIunde.« 1<)88. S. 5481'.)

Was soll diese Gegenüberstellung'? Was verbindet dilc1 Aktion dm- italie- nisdwn Sozialrevolutioniir(\. in clnr oxemplarisch Größn wip E10nd der

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Vf.IIIC/I

BlliiCKU:"iG

gesamten anarchistisdlPn aufsdll·in!'n. mil 1'1'11'1's' H!'gipanwni- sung für ein IIappl'ning. in dpr si('h. I'lwllf'alls PXPIllP- larisch, die Hatio zeitgenössisdlPI' I\lanagpll1pntll'hl'l'll Auf den ersten Blick I'rsdlPint der Vl'rgll'il'hspunkt allzu ()IH'rrIiil'hlil'h: zWl'i- mal Aktenvernichtung. Ansonstpn kiinnt!' di!' Distanz z\\'iscl1l'n d!'n Staats- feinden in den italinnisdlPn ßprgnn lind dpll1 Li!'bhabl'l' cll's ;\Ial'ktl's mit Büros in den best<m Lagen von Palo Alto. Boston. Chi(·ago. Cincinnati und London kaum größer sein. Auf' der l'il1l'n S!'itp I'in Akt dl'r I·:xpropriation. zerstört wurden amtliche Dokunwntp, dip 1·:ig!'ntulllstitl'l. Stl'ul'rf'ordnrun- gen und Ähnliclws festhielten; auf dor and!'rpn Spill' I'in Spnktakpl, gn-

richtet gegen institutionelle Houtilwn und Ili/'ralTIJil'll, dl'l'/,n gung die betriebswirtschaf'tlidlP EI'f'izil'nz !'inl's Llntl'l'llpl1J111'ns st!'igprn

auf' {;011'1' und (;(-1<1. kUI'z:

jenes Privateigentum zu akkull1ulien·ll. das di!' Anar('IJistl'n mit den Organen der staatlichen Macht wolltpll. Dip JWI'lllalwntp Hevolution im Untel'l1llhmen zu und dalwi nur dpn An;u'- chisten zu vertrawm. \vie Peters (I<)<):{, S. 751) ps fOl'dl'l't man I'S schafft. die des Anarchistl'll zu nutzpn. wird pt' dl'rj!'nigp spin, dl'l' die Firma vorantreibt. leh bin der Überzpugung, daß sil' dip künftigpn IW- ter unserer Firmenkultur spin wprdpn.«). das ist kpill Aufruf' zu Bl'tripbs- besetzung oder Kollektivierung. sondcl'll pilw Stl'atogil' zur Bphauptung auf den Märkten. Deren rasanter Wandnl niitigt dip UntpJ'lwhnwn zu noch rasanteren Anpassungs- und Antizipationsl(dstungpn, sonst wOl'{ll'n im Konkurrenzkampf unterliegen. Petprs' Managpl1wnt« will zwar. um eine von Dil'k BaeckpI' ( 1<J<)()) au f'zu IW hl11('l1. dip organisatorisclwn Fornwn dps Unt<!rrwhnwl1s Ulllstlil'ZPIl. nicht abnr das Unternehmen als ökonomische und FOI'l11. Der Hpkurs auf sub- versive Traditionen dabei höehst SP Ipktiv u Ild ti IgL i jene Fundamentalkritik an Staat und Kapital. auf' dm'f'1l Abschaffung dip organisatorischen Anstrengungen cI(H' Kornmunis!pn zipltl'n. Und doch ist es mehr als nur ein ironisiprondes I'adikalpr Spmantiken. wenn Peters (1998. S. :{5) - zu pinpll1 Tagpssatz von 65 non Dollar - Bakunins (1842. S. 96) programmatisches Diktum »Dip Lust dpI' Zerstörung ist zugleich eine I.ust!« in pin /'Japsigf's »Zer'störung ist cool!« übersetzt. Theorip und Praxis dns Anal'chismus ulld Iland- lungslehren zeitgonössischer Managnnwntprognl/l1I1W, f'iir dip PptpI'S' Bücher nicht zuletzt wegpn ihres ChaJ'aktprs als f'xPlllpla- risch gelten dürfen. Lr<'ff'en sich in nine/l1 wpnl1 nicht idpntisdwn, so doch eng verwandtpn Modell der »(;ouverIwl11pntaliUit«. I\lit dipSf'1ll aus gOlllwrner und menta/ile zusarnnwngnseLztnn Npologisll1us bpzpichlwt Miehel FoucaulL (:woo) dip Rationalitiitnn und Tpchnologipn dps Begiel'pns und Sich-selbst-Hnginrens. historischen Transf'orma!.ifllwn (H' vor al- Inm in seinen späLen Arbeiten nachging. Sein Ikgriffdps »Hpgipr'Plls« gl'eif't

und diesem dazu soll, jelw BI'('htstitpl

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!lnkllnill C()lISlIltillfl. 111(,.

dabei wpit ii1wr din Sphäre dps Staatps hinaus beziphungswnisp setzt wpit staatJidwr Interventiorwll oin und bpzieht sich auf »die Gesamt- Iwit von Prozeduren. Techniken. Mnthodnn, weldw dip I.enkung der l\len- sdwn lrntpl'einHndel' gf'währleisten« (Foucault 1996, S. I 18 f.l. Foucuult (1987, S. 2:i5) spricht in dipspm Zusammpnhang auch von dpr »Führung d('r Führungpn«. wobei »fühn'll« im Dopppisinll dps f'ranzösischen (se) ('Olle/ilire gleidwrrnaßpn »dip Tiitigkpit dps )Anf'ührens< anderl'r (vf'rmögp nwhr oder weniger strikter Zwangsnwchanisn1f'n) und Wpisp des Skh- in nirwm mehr oder ofTpnen Feld von Möglic.hkeiten«

pinsc.hließt. So naht' ps ist. Managpnwnt als Kunst dpr zu Iwgrpifpn. so sehr mag es bef'remdpn, Husgprpehlwt die anarchistiscl1f' Auf- lellllung alle FornlPn dpr Ill'rrschaf't mit dem IkgrifTdps »Begiprpns« zu assoziipren. der Anarchismus nicht. um noch pinmal Foucault zu zitieren. auf die Snit(· der Kritik an »Hegiprbarmadllll1g der Gesellschaf't und der Indivichwn«'( - Zweifdlos. Die Kritik bildet jedoch. wie Foueault (1992, S. (2) wl'itnr ausführt. nicht nur das »Gegpnstück zu dpn Hpgie- 1 ,1. als Weisp ihl1f'n zu mißLraupn, sip abzulpllllen, siE' zu bp- grenzen und auf ihr Maß zurückzuführen, sip zu transformipren, ihlwn zu entwischen oder sip immerhin zu \'erschieben zu sueIwn«. sondprn sie pnhvirf't ein Programl11 zur des Hegierpns. In seinen Analysun klassisclwn des Neolibnralisl11us 1 zeigt pr. dass dum liberalen Gnll1dverdaeht, es werde zu viel regiprt. die Anrufung einns rationalen. sich splbst steuernden Individuums sowip die Vorstellung pilwr Ilarrnonin von individueller Inten'ssPI1\·prfolgung und all- gpn1f'inem Wohlstand die durch staatliche Intpl'\'entior1l'n nur gestört können, Der radikalisiprt und übpr- sowohl diese Kritik des Hegi(H'pnS wie dipses Modell rationalt'r Ik- giprung. Die versehimienen Auspriigung(m des Liberalismus stimmen bei all(m sonstigen darin Obm·ein. uneingeschriinkte Frt'iheit nur l'iir die dl's Marktps gelten zu hissen, auf reehtliclw Absieherung und staatliclwn Schutz des aber nicht gänzlich vprzichten Zll wollt'n. Im Untl'rschipd dazu postuliert der Anarchisl11us nicht die Vpr- schlankung dl's Leviathans. sondpI'11 seine Liquidierung, und er überträgt das liberaIn Kontraktsdenken auf alle Bnreichp des Sozialen. »Der Vertrag zwischpn (;Inichnn bildet die 1110mlisdw Grundlagp Organi- sation«. etwa der Anarchosyndikalist Hudolf'Hockpr (1973. S. 2<) 1'.), »Ij Inde Form dpr nwnsehlieIH'n Gruppipnrng ist Zwang. ist l>Pspotisrnus der Vorrpchte.« Konstruiprpn die Libprall'n eillP polan' Bp-

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rindpn sich in s,'irll'n bislang nul' ill i\us/iig.'n flubILd"I'II'11 VOll 197X/7'J; vj.(1. dazu clil' ZusHllInlllnt'assllng bpi I'lIuraull t IIJI)

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am tom,g.' dl' slI\\'ip dip ausl'iihl'li-

1'114'11 KOllllllplltipl'ung.'1\ hni (;onlol1 119911; I.l'lIIkp 1"J97. S.

172 rr

:l:{IJ Ill.

ULRICII nRÖCKLING

ziehung von Staat und bürgerlicher Gesellschaft. um als Anwalt der Frei- heit die auf Totalisierung drängende Macht des Souvel'äns in ihre Sehran- ken zu weisen, so zielen die Anstrengungen der Anarchisten auf die kon- sequente »Befreiung der Gesellschaft vom Staat«.2 An die Stelle dm' Zwangs- vereinigung durch Recht und Gewalt soll die freie Assoziation den sozialen Zusammenhang stiftet ein Netzwerk freiwilliger. stets kündbarer Vereinbarungen zwischen souveränen Individuen und Gruppon. Eine etwas unentschiedene Formulierung Foucaults (1992. S. 12) aufgreifend. deI' die politische und moralische Haltung der Kritik als »die Kunst nicht I'ngiert zu werden bzw. die Kunst nicht auf diese Weise und um diesen Preis regiert zu werden« bestimmt, ließe sich sagen, der Liberale will »nicht auf diese Weise und um diesen Preis«, der Anarchist dagegen überhaupt nicht re- giert werden, sondern sich in allen Belangen selbst regieren. Dieser Einspruch beschränkte sich, auch das eine zum klassi- schen Liberalismus, nicht allein auf den Staatsappar'at. sondern dchtete sich ebenso gegen die Machteffekte anderer Institutionen. Zugleich er- schöpfte er sich nicht im Widerstand gegen despotische Willkür. sondet'n bezog sich auch auf den Typus legaler Herrschaft, als dessen l'einste FOI'm Max Weber (1972, S. 835) die »bürokratische Organisation mit ihrer Spe- zialisierung der geschulten Facharbeit, ihrer Abgrenzung der Kompeten- zen, ihren Reglements und hierarchisch abgestuften Gehorsamsverhält- nissen« identifizierte. So sehr die Befürchtungen der Anarchisten sich mit Webers (ebd.) Prognose deckten, im Verein mit der toten Maschinerie sei die lebendige Maschine der Bürokratie dabei, »das Gehäuse Ilörigkcit der Zukunft herzustellen, in welche vielleicht dereinst die Menschen sieh, wie die Fellachen im altägyptischen Staat, ohnmächtig zu fügen ge- zwungen sein werden«, so sehr lassen sich ihre Aktionen als fortgesetzter Versuch deuten, Webers (ebd., S. 834J pessimistische These von der »Un- entrinnbarkeit« einmal etablierter bürokratischer Herrschaft praktisch zu widerlegen. Nicht von Appellen und Petitionen, nicht von Beteiligung an Parlamenten erhofTten sie die Befreiung der Gesellschaft. sondern von di- rekter Aktion und egalitärer Selbstorganisation. Sie propagierten Dienst- verweigerung, Boykott, Sabotage, Streik bis hin zur allgemeinen Volks- erhebung. Ergänzt werden sollten die Aktionen der Niehtzusammenarbeit und Obstruktion durch den Aufbau autonomer. rütedemokratisch organi- sierter Institutionen, föderative Zusammenschi üsse sollten zentralisiel'te Machtzusammenballungen ersetzen. Ein geschlossener Kanon anarchisti- scher Lehren existiert allerdings nicht - cr wäre ein Widerspruch in sieh -. sondern der Anarchismus zeigt sich als eine heterog(me. zwischen indivi- dualistischen und kollektivistischen, gewaltfreien und militanten, struktiven und konstruktiven Richtungen changierende Bewegung.

2 -

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So der Titel eines programmatischen Essays VOll Erich Miihsnrn (I 9:{:dJ 97:{1.

ßakllnin ConslI/ting. [ne.

Ein kohärentes Programm wird man auch in den Schriften von Tom Peters schwerlich rinden. sieht man von der durchgängigen Intention ab. alle Ge- wissheitcn über erfolgreiche Unternehmensführung in Frage zu stellen. Das Pathos eines freiheitlichen Kommunismus. das die Texte der anarchistischen »Klassiker« ausstrahlen, liegt Peters indes so fern wie ihr Traum von der Ab- schaffung des Staates. Es ist vielmehr die idiosynkratische Abneigung gegen alle Bürokratie. die den Bestsellerautor. der sich selbst als »Stechfliege. Sauer- topf, Meister der kühnen Misserfolge, Prinz des Chaos, Dirigent der Be- geisterung. Unternehmenseheerleader, Marktliebhaber, kapitalistisches Sehwein und eingetragenes Mitglied der Amerikanischen Bürgerfreiheitsbe- wegung« vorstellt (zit. nach erainer 1998, S. 2 I). mit den radikalen Feinden des Regiertwerdens verbindet. Seine Kritik hierarchischer Organisationen wie sein Programm permanent zu destruierender und wieder neu zu schaffender Institutionen speisen sich nicht aus der Empörung über Repression und Fremdbestimmung, sondern aus dem Vorwurf mangelnder ökonomischer Ef- fizienz. Peters ist kein Anarchist im politischen beziehungsweise antipoliti- schen Sinne des Wortes, sondern, weit über seine glühende Bewunderung für die Theorien Friedrich August von Hayeks hinaus (vgl. Peters 1993. S. 65 0f f.). ein Neoliberaler. Er weiß um die unhintergehbare Anarchie des Marktes. aber glaubt diesel' nicht mehr durch langfristige Planung, zentrale Steuerung und minuziöse Reglementierung. kurzum: durch bürokratische Kontrolle bei- kommen zu können wie noch die Managementlehren der fordistischen Ära. Stattdessen setzt er auf »permanente Revolution« und »kreatives Chaos«, um die immer schnelleren Bewegungen von Angebot und Nachfrage, von sich öff- nenden und wieder schließenden Marktlücken einzuholen. wenn nicht zu an- tizipieren. Statt die Kontingenzen des Marktgeschehens zu begrenzen. sollen sie in mimetischer Angleichung und Überbietung produktiv gemacht werden. 3 Nach Foucault ist die Gouvernementalität neoliberaler Prägung generell dadurch gekennzeichnet, dass der Markt als »eine Art permanentes öko- nomisches Tribunal« fungiert, vor dem sich jede Form des Regierens und Sich-selbst-Regierens zu verantworten Vor dieses Tribunal zerrt Pe, ters jedes Unternehmen, das er in seinen aus unzähligen Fallbeispielen kompilierten Büchern und Aufsätzen erwähnt, und die oft monierten Wi- dersprüche zwischen älteren und neueren Veröffentlichungen belegen nichts anderes. als dass es hier weder eine definitive Verurteilung, noch ei- nen endgültigen Freispruch geben kann. 5 Das Erfolgsrezept von heute ist

3 - Zu diespn bl'iden Formen der Kontingenzbewältigung vgl. grundlegend Makropoulos ( 1 <)<)0.

ItJ97).

4 -

5 - (1998. S. XV) splbst wprt!'t den VOl'\vurrdl'r Widerspriil'hlichkeit denn aueh als KOII1-

plinwnt: »>Man, sagt. ich sei inkonsequent. Ich bl'trarhle das als !'ine Auszl'irhnung. 0.11. ich hor-

('p. ieh hall!' mirh wpiterpnlwickl'lt lI'in wl'nigl weilerzuentwiekeln.«

und kann daher auch Ihnen (pin wenig) dabl'i helrl'n. sich

Vnrlesung am College de FranCl' vom 21.3.1979. zit. nach Lemke (1997. S. 2491.

25

ULRJCH

BRÜCKU;o;G

morgen schon der sichere Weg in dip Plnitn. Vor dipsps Tribunal ZPJ"!"t pr aber auch seine Leserinnen und Lpspr. dip 1'1' mit dnm katpgorisl'lwn Im- perativ »Brand yourself!« traktiprt und aurTordnrt »T\laclwn Sip aus sich die ICH AG« (Peters o.J .• S. 200I J.

Gegen die Verfahrensrationalitiit bürokratisl'l1l'r StpIH'J'ung Sl'tzt Pl'tl'rs die unternehmerische Risikoberpitschal't und Innovationsf1ihigkpit. die Starrheit hierarchischer OrganisatiOlll'n hringt pr das PJ'inzip gI'11I','a-

lisierter enlrepreneurship in Anschlag - und damit jpnp

Max Weber ([972. S. 129) als einzig!' zutrautl'. »gr'gl'l1 dip Unl'lltl'innhar- keit der bureaukratischen rationalpn Wissnnshl'J'J'sc-hal't« wpnigs\.pns rda-

tiv immun zu sein. Jede Institution. so Pntnrs' Botschaf't. soll sich als Un- ternehmen. jeder Einzelne als spilln,' splbst Iwgndren; clips

autonomen Wirtschal'tseinheiten solll'n

aber auch bei vollem Geschäftsrisiko ihr C;likk madll'n. und si!' sollpn os

umso eher maclwn können. je si hungen marktf'iirmig gestalten. »f)ps Marktps Will

er (1993. S. 68 I J. nicht ohne ßlasphpmi

Instanz. c1

r schon

in

vollpr

S

lbstvnrantworlung.

auch ihn' Billlwnlwzip- gpse/wlw«. fOJ'Jnulipl't

olwrslps CrI'Clo.

Die neoliberale Gouvernementalität. als c1PJ'(Hl Katl'chismus spilH'

" Anarchist!'n nicht dip

Hationa-

Schriften hier interessieren. will andp,'s als dip d

Gesellschaft vom Staat befreien. sondpl'll in alll'l1 Bprpichpn di

lität IIandelns zur (;oltung bl'ingell und Intztlkh

auch

den Staat managen cine Gescllsehaf't

lidwn Hechts. \,ypnn

auch

die elementaren Modelle sozialer Syntlwsis lind dip dazugnhii,'ignll An- thropologien sich diametral widcl'spredwn - IliIfp stldlt Konkurrenz, das solidarische GattungswnsPI1 gegpn dpl1 homo o('('ollo/lli- cus-. so berühnm sich anarchistiscJw und GouvPl'lwnwntalitiit gleichwohl im Postulat »Regiere Dich splbsl!«. in ih,'pm Kontnlklualislllus

sowie in ihren paradoxen Organisationstlworien. \'Vpnn hipr niniW' Bau-

steine dieser anti-institutionellen

Peters' Schriften mit anarchistischen Positionpn konfrontinrt so geschieht das nicht zuletzt in der Absicht. den Ort odnr bpsspr die Fluchtlinien der Kritik in einer neu zu bllstirnmen. in die Sub- version der Ordnung Teil ihrer OptimilH'ung gnwoJ'(lnn ist.

und

ANARCH[STISCHE

(DES-)ORGANISATIONSI.EIIHEN

Da

sind

zunikhst

das Primat der Tat und ein radikale,- Volunlarislllus. Pelprs ( I <)1J5b. S. 15 r.)

zitiert den IBM-Gründer Thomas Watson:

»Wenn Sie Spitzenleistungen woll1m. kiillnpn Sip dips sorol't schafTen. Sie einfach noch damit auf. wpnigf'" als

te Arbeit abzuliefern. [

) Ob man don Sprung von hipl' nach da scharrt.

hängt zu 99.!) Prozent von der ab. ihn zu vvagpn und ohne Komprornissn an seinom Vorhabnn rnst.zuhaltnn. auch wnnn pilWIll

26

J1aklll/il/ C()l/slIltil/g. II/c.

von spiner Umwelt (pinschlidHkh (kr Iipbpn Kollegen) noch so vielp Hin- dprnissl' in den "VPg wonlnn.«

Ca nz ii hnlkh klingt es in Gustav Landauprs (I908. S. !) [ f.) Gründungs- nugbla tt für den »Sozialistisclll'n Bund«:

»l\lan hat Euch gesagt. die sozialistisch<, Gpsellschaft kiilllH' erst in ('ilwm unbl's\.immtpn. rprnlipgpndpn Zlitpunkt an die St<,lI(' dpr Ausbeutung. dl'r Pl'Olptarisiprung. dps Kapitalismus trl'tpn. Man hat Euch auf die Ent- wicklung verwiesen. Wir sag1m: dnr Sozialismus kommt gar nicht. wenn ihr ihn nicht schalTet. Es lebon wnkhe unter Euch. die saglHl: muß die Hevolution kommen. dann kann der Sozialismus beginnnn. Aber wie'?

] Wir sagen: umgekphrt wil'd

Von olwn eingpführt? Staatssozialismus? [,

pin Schuh daraus! Wir warten nieht auf dip Revolution. damit dann So-

zialismus beginne. sondprn wir fangen an. den Sozialismus zur Wirk- zu machen. damit dadurch dpr großP llmschu'uflg komme!«

Beim lilwrtiiren Sozialisten will bnirn Protagonisten dl's »Libpration C\la- llagnnwnt« din gleiche Hhetorik c1n!' Mobilmachung. die glpidw Ungpduld dns »Wann. wenn nicht jetzt«. Der gemeinsame Feind ist dil' Passivität dps Abwartnns. bei I.andaupr vnrkiiqll'!'t im Attentismus der Vo!'kriegs-Sozial- und dnr ihl' willig folgenden Arbeit!'r. bpi Petel's in dpr Iüh- nwnden Schwerkraft institutiondler wie individueller Houtilwn. Überwlln- dnn \wrden sollen sie dureh nin Ethos des Beginnens. das nicht auf günstign Gplegenheiten hal'rt. sondern sie aktiv herbeiführt. Dill suggesti- VI' Auf'fordnnmg »Laß Tatl'n sprndH'n« (petprs I<)<)5a. S. 305) duldet kpin Versehil'iwn auf' Morgpn und pinen unaulhörliclwn Sog: i\lit d"m Anf'angl'n wird man niemals rnrtig. Wenn der Erfolg alll'in von dpr oigpnpn EntsehiNlenheit abhängt. ist jnder Miss!'rfolg ein Beweis. dass man sich ninf'ach noch nieht genug hat. Der Revolutionär \Vip das Plller- prising se({bleiben deshalb stds hintnr ihren eigenen Ansprüdwn zurück. abm' gm'adn diese Kluft zwisdwn Ideal und Wirklichkeit hült sin in Bewe- gung. Dml Vorrang des Handeins zu proklamieren impliziert zuglnieh. tlwore- tisdw Hdlnxion und Planung wenn schon nicht abzulphlwn. so doeh auf' den zweiten Platz zu verwpisen. Auch hipr parallein Frontstnllungen: So ziehen PptI'rs und sein Koautor Watprman ([<)<)3. S. 53) gegen eine »zahlpnglüubign. rationalistisch" i\lanagpmnntll'hrp« ins Fnld. »mI' jede Entscheidung eine abgeklärte. analytischl' H('chtfprti- gung« vl'rlange. aber wndnr »dip llinwenduug zum KlIndnn« h'hre. noch dil' Erkpnntnis vnrmittln. »daß sieh jeder gewöhnliche Mitar- Iwitllr als Iield und Gewinnnr f'ühllHl muß«. Die Anarchisten windprum wit- tnm im »wissenschaftlielwn Sozialismus« der Marxistpn ein autoritäres

ULRICH

BRÖCKLlJI;G

Machtdispositiv zur Entmündigung dps Volkps. Bakllllin ( [X73. S. 563) ar- gumentiert dabei unverhohl(,11 vitalistisch:

»Es wäre ein Jammer für dip i'vlpnsehlwit. wl'nn I'inst das Denken zum Quell und einzigen MaBstab d('s 1.('1)(,lls würdp. Wl'lln Wissenschaft lind Lehre die Gesellschaft lenkten. Das U'lwn müßt" vl'rsil'gell. lind die menschliche Gesellschaft verwandPltc sich in cirw stumn1l' lI('rdc von Sklaven.«

Wie der russische Revolutionär vNklärt auch P('tprs ( [9<J5b. S. 22 r.) dip Weisheit der einfachen Leute. und was für Bakunin dip Uhr'pnarbeiter der Jura-Föderation. das sind für dpn l\lanagrm1Pllt-Popstar' din Farmer' der amerikanischen Provinz:

»Ich lebe einen Großteil dps Jahres in dcr bÜlIprliclwn Umgpbung von Vermont. Die Farmer dort beherrschpll ein!' Unzahl von Dingen. Der durchschnittliche >Hinterwäldler< aus nwilwm ist ein cleverer Netzwerkarbeiter / Händler / mit viplen Fähig- keiten. Viele meiner Nachbarn besitzen kcirwn Grad. aber sie würden mühelos jeden durehschnittIichpn Unternehnwnsl11a- nager in die Tasche stecken.«

Beide Male spricht. sich in dem (von Intcllpktucllen vorgetragenen) anti- intellektuellen Ressentiment der Vcrdaeht aus, die Suche nach wissen- schaftlich abgesicherten Entscheidungsgrundlag(H1 führe in

die

unternehmerischer Initiative beziehungsweise revolutionären Elans. was für Peters ohnehin ein und dasselbe ist. Der gemeinsame Wille zur Beschleunigung entspringt nicht zuletzt einem parallelen Modus des Umgangs mit Kontingenz. Während die Hationalisten der Managementtheorie wie des historischen Matedalismus Unsicherheit in kalkulierbare Risiken zu überführen und die Kontingenzen des Marktes be- ziehungsweise des politischen Kampfes mit den Mittdn probabilistischer Vernunft oder geschichtsphilosophisehcr Ableitungen zu bändigen suchten. schlagen sich die Anarchisten wie Peters (1995<1. S. 68) auf die Seite der Un- gewissheit. »Wir leben in einem chaotischen Zeitalter. soviel steht fest«. schreibt Letzterer. »[ulm damit fertig zu werden, gilt es jedo(',h nicht. das Chaos zu managen (und abzuwürgen). sondern die Vielfalt vOI'behaltlos an- zustreben.« Zu diesem Zweck setzt Peters (H)95h, S. 2 I 7) auf eine aktivisti- sche Strategie des trial and error: »Anlegen - Feuer - Ziden«, variiert er ein bekanntes militärisches Kommando. »Werfen genug Spaghetti an die Wand. vielleicht bleibt etwas hängfln.« Totale Mobilmachung (vgl. Brückling 2000) und permanente Revolution fallen zusammen.

oder erweise sieh

als

28

Baklillin COllslilting. fnc.

Ganz ohne Skherheitsdispositive kommt freilich auch die emphatischste Bejahung der Unsicherheit nicht aus. soll sie nicht in puren Hasard um- schlagen. Die paradoxe Aufgabe. die Kontingenz zugleich zu steigern und nutzbar zu machen. lässt sich nur lösen, indem man von Fremd- auf Selbst- steuerung umschaltet und die Mobilisierung der Leidenschaften an die Stelle rationalen Kalküls treten lässt. Die Energieströme sollen entfesselt, zugleich aber auf ein gemeinsames Ziel hin ausgerichtet werden. Organi- sier'en heißt hier. Kraftfelder zu erzeugen (vgl. Krell / Weiskopf 2001). »Wenn die Leute die volle Kontrolle über ihr Unternehmen haben«. zitiert Peters (J()95a, S. 74) einen Manager aus der IT-Branche. »dann führt das auch zur bestmöglichen emotionalen Beteiligung.« Der Aktivismus braucht Akteure. die sich nicht hinter Betriebshierarchien oder Parteidisziplin ver- stecken. sondern sich vorbehaltlos einsetzen und sich dabei nicht durch starre Dienstwege oder behäbige Reglements ausbremsen lassen. Was den Apparatschiks und Experten des scientific management ihre Krisen- und Entwicklungstheorien. ihr Organisations- und Planungsoptimismus, ihre Marktanalysen und Controllingwerkzeuge. das sind den Propagandisten der Tat daher die Begeisterung für die Sache, 150-prozentige Leistungs- bereitschaft und Teamgeist - Qualitäten. die sich nicht disziplinarisch einüben oder amtlich dekretieren lassen, sondern mitreißender Appelle und enthusiasmierender Vorbilder bedürfen. So stilisiert Bakunin (187 2•

S. 118) mit geradezu religiösem Eifer die von ihm gegründete »Internatio-

nale Allianz der sozialistischen Demokratie« zu einer »Gesellschaft von Brüdel'l1. die bis zum Tode solidarisch sind und kein anderes Ziel mehr kennen als den Sieg unserer Hevolution«. Peters betitelt gleich ein ganzes Buch »Leistung aus Leidenschaft« (Peters / Austin 1986). und auch in sei- nen anderen Büchern wimmelt es von »geradezu absurd motivierten Champions« (1988. S. 278), »Firmenstürmern« (ebd .• S. 51). »widerspen- stigen Unternehmern« (1993. S. 752). »Superstar-Geschäftsleuten« (199 8 •

S. 128), »Sonderlingen«. »Piraten« (2001. S. 190) und anderen »neuzeitli-

chen Helden« (T 995b. S. 344). Für letztere stellt er eine Liste von Eigen- schaften auf. die in der Summe so etwas wie ein Anforderungsprofil des unternehmerischen Selbst abgeben: »Eigenständig«, »Wandlungsfähig«. »Leidgeprüft«, »Wißbegierig«. »Naiv wie ein Kind«. »Unbelastet von der

Vergangenheit«. »Selbstsicher«. »Lustig«. »Waghalsig und ein wenig verrückt«. »Bilderstürmerisch«. »Multidimensional«, »Ehrlich«. »Über- lebensgroß«. (ebd., S. 344 ff.) Dem ausgeprägten Voluntarismus entspricht die moralische Aufladung des anarchistischen wie des Managementdiskurses und beider Hypostase des heroischen Nonkonformisten. Letztlich soll alles von der Entscheidung des Einzelnen abhängen. sich in revolutionärer Assoziation mit Gleichge- sinnten zusammenzuschließen und die Apparate der Herrschaft zu zerset- zen beziehungsweise sich durch Spitzenleistungen und permanente Inno-

29

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zu lIlal'ill'll. das Ihn'll lllll'ingl'sl'ill'iinktl'l1 1·:iJlsalz vl'rdil'llt'!«

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\;iclll IlIilldl'l' panldClx ist dip :\lIfgal)('. dip I>issidf'ntpll so Zll

dass si!'

I('n, 011111' dass sich andl'J'('rsf'its Ill'lIf' Ilipran'hpll lind FlIllktioJ1iire etab- lil'rpn. \Vil' lwrpits I{olwrt I\lidlf'ls (J<)2!)1 in spilwr S'o=i%git' des par· (eill'('S('IIS aufgpzpigt hat. Pfltgt'llI'll al/('h dip raclikalstPfl Kritiker Auto.-itiil Ilidlt cl 1'/1) VOll ihm so gl'/I,lIl1lL('1l »pisP/,IlP/1 (;psp!z d<'r Oligar- chip«. Dipsps lwsagl. \'prpillfacht i1l1SgPdl'ückt, dass sozial<' O/'ganisation('n

- <lw·h jPIIP. »c!PI'pn pillzigp 1':xislPllzlH'rnchtigung /

ilu'rspils plTizipnl kOClppriprpll ulld sil'h SYlwrgi(,pffpktP pinsLPI-

/ darin Iingl, das Werk

dpr Vprllichtung dp/' ()rganisation dps Staatps in spinpr lwutignn Form sachgPllliiB und syslp/lwtisch vorzuhp/,pitpn« (I'hel., S. 4(>7 f.) - mit zUlwh- I1wndpr lind KornplpxiUit auf Führt'r allgpwil'spn sind und oligar-

chisd1l' Billlwnstruklul'l'n Iwraushildpn. f)pn A/larchistpn spricht Midwls das Vprdipllst zu, nwlll' als <llfp alldl'rPIl Striirnungpn dpr sozialistiselwn

lI/li ihl' pntgPgt'nzuarbeiten,

habe

auch dip analThistisC'lw Bpwpgung ihn· Fiih/,pI'; dipsI' unlprsclwidnn sich jpdoch VOll ihrpll sozialdplllOkratisC'lll'n Kollpgp/l. so Michpis (pbd., S_ 455), nicht flUI' pill wpit hiilll'J'I's MaB an Ic(palislllus. sond('1'Il auch durch andpr!' SITatpgipll, ihn' Machtnnspriiclw zur C;nltullg zu b/'ingnn: »Es sind dip Miul'l elps Aposlnls lind dps Hpdlll'/'s: dip f'lallllllnlHip IVlachl clpr Gedan-

Bp\\'pgullg auf dips<, C;

fahr hingpwipsPIl Ulld,

auf fl's(l' organis<ltol'isdw FOrllll'/l vprziehtnt

zu

ha 1](,11.

JJakul/ill (:OIlSlIltillg. 1111'.

kpn, dip (;I'iiBp clnr AufopfPI'ung, dip Ti"fp d!'r Übl'l'ZPugung. Statt dpr Herr- schart ülwr Organisation dip tpchnisclH' Unentbchrlkhkpit, die II('nschal't iilwr di" (;pmiil"r.« Charisma soll ausglddwn und übPl'trl'lTnn, was an formaler Amtshiprarchip fphlt und Ipid!'nsehaftlieh bekämpft wird, wo si<> aufkdmt. Dl'n 'IYpus dps charismatisd1l'n Führers Ppters in eigenpr P"rsoll. »Er ist k('in askl'tisc!wr, spiritu{'lIl'r Lphr!'r, sondprn vinlmehr ein dl'r s"ilw um sich samllH'lt«. porträtiert ihn d!)r Eco- fl(J/nis{. »1:1' nimmt sich pPl'sünlich d"r Sorgpn spi!wr Schäfdwn an und )Auch ihl' kiinnt g0rl'ttpt wprdpn«<. Bpi snillpn Auftrittpn zieht PI' alll' /{pgistpl' und sehr"ckt splbst vor dpm Einsatz nll1 Bühlwllnnbpl nicht zurück. »In S"minaren (dip VVahlkundgd)Ungen gleidwn) ras-

snlt PI' k"in!' TIH'oriPn odm' Zahl"n h"l'unter,

erzühlt

- I1wist (;ll'ichnissl' ii1wr Untpl'lwhnwn wip dip dpr Zuhörer, dpnpn dip Au- g('n gpiil'J'rwt wurdpn, so daß si" Erlüsung fandPIl.«I. Doch nicht allein sei- als Gutnr Ilirtp, sondnrn auch spin Evangelium folgt dem Prinzip dnr Fühnll1g Charisma. zl'iehnen sieh, so eirw aus spinel11 zusammen mit Hobprt H. \Vatprman VI'I'- fassten Bnstsnllpl'/n .''';earch oJE.t·('el/ellcc> (1993, S. 36S), d('m Buch, das sei- nen Huf Iwgründpt<" dadurch aus, dass sip dpn Widprspruch zwisehen AUßon- lind Innenoriontierung aurIiispn:

»Sip bidnn ihren

nieht nur Geld. SOl1dnrn aueh nin gpwis-

sps nicht 11tll' SplbstbpslÜtigung, sondl'rn auch niIw )Mission<. Jndpl' wil'd zum Pionil'r, macht Expl'rimente, übpl'nimmt

Fühnlllgsallfgabnn. Das Untel'lwhmel1 vl'rmittdt das und sehal'ft nil1 Klima elnr Begeistnl'lmg, das Gd'iihl, zu den Büsten zu gehiil'(lI1, das Gnfühl, selbst an anerkannter Qualität mitzuwirkml. Auf dipsp Wpisp gibt jndp)' sPin B('stns.«

Und wenn nicht. so nur der radikale Schnitt. Hmlpgatpnjagdpn wa- rell zwal' VOI' allem Sadw der Partpikommuniston doch ziPlllHl sich Ver- nltsvol'würfe, Konversionnn und Brüdw auch dureh dip Gc- schiehtp dnl' anarchistisdwn Bp\Vpgung. Wo existnnziplle Insubordination gefordel·t und staatlidw Verfolgung allgegenwärtig war, gab PS k('inpn Platz für Laue und UnentschlossPlw. Bei Pntm's gdlt es nieht Ulll Zu- gehiirigkeil zu piner egalitären Gnsinnungsgenwinsehart, um To- talidnl1tifikation mit dpll1 LJntpl'lH'hnwn. Die Anrufung des Nonkonf'ormi-

(,- HA i\fpss

r I'arabl,·s«. in: TI/(' 1:(,flT/olI/ist f5. 1 :.!.I<)<)21. ,fit. IHwh Crain"r fltj'JS. S. 2201. Zu

Ppt

rs als »f'harislIlalic prophpl« vJ.(1. du (;ay (2000. S. 7' r.l: allgPIIJPin ZUI' Bpdpulung dps Pnl"

rlllativpn

t'

11 'J!J61.

hpi 111'11 Mal1l1gl'lIl1'lllgllrlls "gI. I\Iit-klplhwait t \Voflldl'idgl' 11<)<)6): Clarkpt SalaJllun

IIrtkllnin Oll/slIlting. 11Ic.

UJ.RICII

JlIIÖCKLlNG

sten fmdet spätestens dort ihre Grenze, wo dessen Eigensinn mit dm' cor- parate identity kollidiert:

»Die exzellenten Firmen zeichnen sich durch sehl' ausgppI'ägte Finnen- kulturen aus, die nur eine Alternative lassen: sich voll in Norm einzufügen oder auszuscheiden. Einen Mittelweg gibt ps l'ül' die meisten

Mitarbeiter dieser Unternehmen nicht.« (ebd

S.

1°4)

Peters wie die Anarchisten suchen nach nkht-büro- kratischen Formen der Organisation. abm' ihre Bl'gründungpn vl'l'haltpn sieh komplementär zueinander: Müssen die bewl'isnn. dass ihre freien Assoziationen keine neuen llen'sehal'tsvl'l'hiiltnisse Pl1tstehen lassen, so muss Peters seine Leser und Zuhörer davon übl'l'zeugl'n. dass nur die Auflösung der alten Herrschaftsvl'l'hältnissc Untl'rnl'hnwn VOl' dem wirtschaftlichen Ruin bewahren kann. Bcidl) bemülwn dazu den To- pos der notwendigen Relation von Zielen und MittPln. So sd1J'nibt etwa Landauer (1909. S. 33):

»Niemals kommt man durch Unfreiheit zur dureh Bün>kratie zur Selbständigkeit. durch Gedankenlosigkeit zum dureh Vm'- zieht und Ohnmacht zur Macht. Aber auch umgekehl,t gilt ps: an den Mitteln. die gewählt werden. erkennt man. auf was für pin Zid eigent- lich losgesteuert wird. gleichviel. ob man es sdlOn dl'utlieh weiß odm' nicht.«

Peters wiederum wird nicht müde. scinen Anti-lnstitutiomLiismus mit dem Argument zu rechtfertigen. auf den höchst I'luiden Märkten könnten nur

ebenso radikal

jene Unternehmen überleb(m. die ihre internen

verflüssigen. In ihren Schlussfolgerungen sind sich und dpr Managn- mentguru weitgehend einig. Auf anarchistischm' Seitn hat Colin Ward (1966. S. 408) in den sechziger Jahren die GrundpI'inzipipn einer Iibertiinm Organisationstheorie formuliert: Organisationen müssen danach

»(1) freiwillig, (2) funktionsgerecht. (3) zeitlieh begrenzt und (4) klein sein. Freiwillig sollen sie aus naheliegenden Gründen spin, Dpnn unspr

(, "we(. 'k-

Eintreten für individuelle Freiheit und Verantwortlichk(,'lt

Z

.

.

los. wenn wir gleichzeitig Organisatiol1pn forderten. bpi dnnpl1 die Mit- gliedschaft obligatorisch ist. Aus ähnlieh nalwlieglmden. alwr nicht immer beachteten Gründen sollen sie eine eehte Funktion haben. Orga- nisationen neigen dazu. auch dann wPitm'zubnstehen. wpnn sil' gar kei- ne Funktion mehr haben oder ihre frühpren haben. Zeitlich begrenzt sollon sie eben deshalb sein, Wl'i! din pprmanpnte Exis-

tpnz ej[lPr der Faktorpn ist, dip Arterien pinpr Organisation v(H'kal- ken Hißt, indpm sie das Interesse am l'igclwn Überleben lind damit dip fest begl'ündet, eher dpn lntprpssen <kr Funktionäre als der Ausübung der scheinbaren Funktionpn zu dienen. Klpill soIlpn si" wpil in kleilwn Gruppen, in denen man sich untereinander kennt, dl(' bürokratisierendf'n und hi('l'archischen Tmldpnwn, die jeder Organisa- tion illlH'Wohlwn, sich am wenigstpn pntf'alten können.«

In dml zPitgenössischen Managemonljargon übprsPlzt. ist das nichts ande- rps als dip Skizzp pilH's Projpktteams. jpnps soziah'n Nukleus. auf dpn auch spilw Organisations- beziehungsweise \)psorganisationslphrp auf- haut. und ihre rhizomatisdw Verkniipfung zu Netzwerkpn sol\pn jl'lH' Diskontinuierungs- und Besrhlpunigungspll'pktP produzipren könnpn, 'auf' angmviesen sind. llIn die diskontinuiprlirhen und im- nwr schnnIleren Marktturbulenzpn bpwälligtm zu kÖ11llPn. (vgl. Bapckel'

1999.

S.

1Ho, 19 2 )

.

.

Mit Freiwilligkeit dos Zusammenschlusses hapert ps dabeI 1'111 \ve- nig. doch da nimnand gezwungen wird, für pin bpsti.mmtps zu arbeiten. erfolgt auch die l'vlitarbpit in einem ProJPkttpam letztlich aus Stücken, Man kann schließlich kündigen. wnnn es eilwm nicht passt. Zur Del'inition piner Projektgruppp gehört. dass sie sich im llinblick auf l'ilW bestimmte Aufgabe bildet und danach wiNler aufliist. Zusam- nWllsetzung wie ihre Lebensdauer hängen allein an ihrpr Kohäsionskräftp von Primärgruppenbeziphungen solll'n genutzt. dIP Stor-

pli onZIa

1

.

I !)('rsönlieher Zu- oder Abneigungpn abpI' "bpnso minimipI't wpr-

.,

,

den win innovationshemmpnde KooperationsroutiJH'n. Spine raison (['eire l'indet ein Projcktteam im gpnwinsam orstpl\h'n und Produkt. Ikzogml auf zeitlidHl Dimension prophezpit Peters (1993.

S. 224):

»Dynamisdw. kurzlnbigp Projoktkonl'iguratiOlwn werdpn an dpr Tagps- onillung sein. Es wird nkht Hußorgewöhnlich im Lauf<,

odpr mnf Projl'kUpams odN in mehn'rpn Teams glpwhzPltlg

mitzuwiJ'ken - aber man wird nif'mals in gel1au dersdben gruppn I'in zwnitps Mal Uitig nicht einmal in einer z\vanzigjährigpn

>Karriore<.«

in

Was sehlil'ßlich die Größn angpht, radikalisiert pr (H)<)5 a . s. 4 I) noch Wards Pliidoyer für das Prinzip small is beallt{(ulund fordprt. dl'r anzusptzen« und dip Slllbstzl'rstörung dnr Ilwnsorganisation Als Form dps Organigramms lässt

S. 2()()) nin Triipf'elbild Jackson Pollocks gP\tpl1. Ordnung muss

nicht werdpn. so Pptl'rs' Grundiiberznugung. sin pntslnht und

pr (pbd

ULRICII

IInÖCKLI:-'-G

verfestigt sich von alll!in. und zwal' in wpit hiillPrPIll 1\laBp. als PS pin Un- ternehmen in einer chaotischen Umw"lt brau"'lPll kann. Nicht sin zu halten und zu optimieren. tut deshalb Not. Nur i\lilllPsis kann Ikttung brin- gen - »Thriving on Chaos« (Pptel's (()XXI. \\'1'1' nl'l'olgrpil'h sl'in will. muss die Ordnung immer wieder zprschlagl'n und dpn krpati\'I'n KI'liften der Un- ordnung Raum schalTen (vgl. Volk 20011. Was pr damit nll'int. erläutert Pcters (I99Sa. S. 43 1'.) - wie so oft - mit "inl'm Bl'ispil'l:

»Das 1904 gegründetp UnterIwhnwn Oticon, l'inl'l' dl'r wl'ltweit fiihron- den lIersteHer von lIürhill'en. hall!' starke Hückschliig" VPI'zl'jchrwt. J)or Marktanteil war im Intztpn Jahl'zl'hnt um di" IIiill'tp zurückgpgang(m. Kolind [der dps UntprIwhnwns; d.VLJ riß \-\tiin<ll' pin. beseitig- te Sekretärinnenstdlen. strich Arlwitsplatzbps('hl'pihungl'n und gien. um eine hundertprozentig projpktoripntil'l,tl' (;ps('hiiftseinheit zu schalTen. in der Mitarbpitpr ihn' AlIl'gabpn sl'lhst f'indpn und in

Selbstverantwortung erlediw'n.

das

Unternehmen das alte Bürolllobilial' an Sl'ill" I'vlital'beiter. Die- ser Schachzug unterstrich dip UnwiderrllrIkhk"it dpl' Umstruktu- rierung, Jetzt verstaupn dip Mitarlwitpr ihn' SadH'1l in pCI'sönlidwn

Hollcontainern. die sie in der wpitriiumigPIJ Ilallp jpwl'ils dorthin schie- ben können. wo für dip Arlwit mit Kollegen er- forderlich ist. Nach überraschend wonigen Umstellungssdnvierigkeiten verzeichnete Oticon Hekordgnwinnc 1 1. Auf dip FI'i\.gn. ob el' dieses

Wunder an

Kreativität und auf spinn vpl'schwornmelle und

wilde neue Organisationsform zul'i.ickführp, antwortl'tl' Kolind: >Unbe- dingt. Wir haben uns dafür entschieden, uns von d"r frülwren Struktur zu trennen. Keine Abteilungen mehr. Kein!' Managnrtitnl Ilwhr. Und da- mit auch keinen Bürokram mehr. Ktdne Sekrntäril1l1l'1l mehr. um uns zu schützen. Wir haben die Organisationsstruktur abgeschafft. Wir verfügen dnen enormen weil wir uns

nicht um Formalitiiten kümmern. Wir uns nur um Leistullg und Ergebnisse.«(

EiIwn :'"vlonat spätpr I

J

FLUCHTLINIEN DEH KRITIK Was sind die FllIchtlinipll deI' Kritik. wenn die Subversion deI' Ordnung Teil ihn\r Optimierung ist. lautete die Ausgangsfrage. J)as Koordinatensystem hat sich verschoben; Begl'iffe wie Autonomie. Selbstorganisation. Dissidenz oder auch Befreiung haben die Fronten gewechselt. und es ist unklar. wo überhaupt Fronten ver- laufen. Fanden der liberale wie der anarchistische Einspnlch gegen die »Hegierbarmachung der Gesellschall ulld der IndividuPIl« gemein- samen Nenner darin. das passive Hpgim'twerden durch "ill aktives Sich- selbst-Regieren ersetzen zu wollen. so dieses Programm in dem Maße seinen Stachel. in dem Freiheit lIidü mehr die von I-Ierr-

34

lJuklll/in (."ollsilltillf/. IIIC',

schaft darstelIt. sondern den anllldertestpn ihr"r Ausübung. Ein Teil der Ort- und Oriontierungslosigkeit von Kritik hat sei- Grund in der unbequemen Erkenntnis. dass der vermeintliche Sand. mit dpm man das Getriebe blockieren zu können, dinsns inzwiseiwll als Schmiermittd am Laul'en hält. Wir sind Zeugen niner ppochalen Trans- formation dcr GOll\'crnementalität. dip sich nicht zulptzt dadurch aus- dass ihre Hationalitätskriterien. Sozialtpchnologipn und Selbst- praktiken die Gegenkräfte vergangener RegieJ'lmgskonf'iguratiOlwn aufgesogen habml. Was ehedem Widerstandspositionen fun- giert inzwisdwn als InnovationsgenoJ'ator. sind zu LernhiI- f(m mutiert. dio, als kybernetisdw IHickkopplungpn pingpbaut. Anpas- sungsbpdarl' signalisieren und ('in l'Iexibles Aussteuprn ermöglichen. In einer solehen Lage mag ps sinnvoll sein. gelwalogisch \'orzugelwn und den Versuch einer Neubestim/11ung der Kunst. nicht beziehungsweisp nieht dermaßen regiert zu werden, damit zu beginnen. dass man die his- torischen Dispositive dCl' Kritik in Erinnerung ruft und ihre Umcodierun- nachzeichnet. Darauf zielte das etwas abenteuerliche Unterfangen. die Klassiker des Anarchismus mit aktuellen I\lanagplllenttheorien zu konfrontieren. Dip Gegenüberstellung zpigt einmal nwhr. dass der Markt- und eben auch der Markt der Managementkonzppte - niehts kpunt. das nieht ökonomisch nutzbar zu machen wäre. Peters' Provokationen ent- sprechen darin denen des Modelabds »Prada«. das seine T-Shirts mit HAF- Insignien bedrucken ließ, Umgekehl't rückt die Konfrontation mit dem »Li- beration Management« aber auch die libertäre Tradition in ein anderes Lieht: Der Anarchislllus schillert zwischen einem radikalisiprten Libpralis- mus und einem Kommunismus der Freiheit. zwischen der Apotheosp dps Individuums als Eigentümer und dcm kategoriscllPn Impprativ »Jpdem nach seinen Bedürfnissen«. Unversöhnlicher als andpre Hadikale denun- zierten die Libertären die unterdrückenden und disziplinier'endcn Mecha- nismen staatlicher Hegierung; eine anarchistische Kritik des Sich-selbst- Hegierens steht dagegen noch aus. Als Ertrag der ParalleIlektüre bleibt ein Katalog von Aufgaben. von ell'- nen ich abschließend nur zwei andputen will:

Kritik der Ilen'schaft war bisllPr. auch in ihren radikalen Ausprägun- gen. entweder Kritik der Gewalt oder Kritik des Gesl'tzes. nicht jedoch Kri- tik der vertraglichen Vereinbarung. Wenn die Unterwerfung und MobiJi- si(\J'llllg der Individuen. einschließlich ihrer Selbstllnterwerfung und Selbstmobilisierung. heute weniger über Mechanismen des Zwangs. Disziplinierung oder der bürokratisdlPn Kontrolle, als viplmehr über COI11- l11itnlPnt erfolgt. dann hätte Heflexion ihr Allgenmprk insbeson- dere auf jen(m Vergesellschallungslllodus zu richten. der den positivtHl Fluchtpunkt der anarc,histischen Sozialutopien bilcldll: die freie Assozia- tion. Die Analysen dns souverännn Hochts über Leben und Tod, wie sie sich

35

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ptwa in dpn ArlJI'itpl1 \lid1l'1 FOlwaults lind Ciorgio :\gambl'lls l'indpJ1, v"ii/'Pil rortzusdlrf'ilH'n und zu J'I'giill/J'1l durcl1 J'illl' CJ'llI'alllgk dos Pri- I [prallszupriiparip!"l'/l \\,ii/'l'/l dip \lachtpfTpktp. dip in rl't+ willigpn. kllnspnsu;t!PIl und auf' Ik/ipro/iliit IwrlllH'IHlpll wirk- sam sind. \ViNlp/" aUrZllllphIllf'1l \\'ii/'l' da/LI /lidll zulptzt das l\larxsdH' Projpkt dpl' dpr p"litisd1l'/l Okllllolllip. ol1/H' rn'ilidl an dpssl'J1 Z\\'l'i- HpidlP-!.ph/'p rpSlZllhallf'n. dip Frpil1pit ulld HI'/iprozitiit dpr ZirkulatioJ1S- sphiin' (»Anan'hip df's \larklps«l. /.wallg IIlld t'lllprdl'iil'kullg (kr P/'oduktionssphiir p (»f)f'spotip r!pr Fabrik« I /.us(·hliigl. f)pr KapitalislllUS dpr ist dpmgpgp/liilw/' gpraclt' dadurl'll gpkpllnz"iclllwt. dass auch dip Fabrik wif' pill \Ia/'ktplat/ runktio/liprPIl ulld auch d,,/' LohlH'mp- f"iingpr \Vip pin Entl'pprp/lPtll' handpl/l soll. C;PW'llütwr dp/l 1':xZPSSf'11 staatlil'll organisiprlpr 11f'ITSdwrt. dip das \'1'1'- gangpnl' Jahrhundprt pI'iigtpn. Illag ps ausJ"('il'lw/ld gpwpspn spill. dpll Eill- das illl :--.Jal1WIl il1dividupllpr Fn'iJwit zu f)(lm radikalisif'rtf'11 I.iIJl'ralisfllus clpr C;"gpnwarl ist \'Oll Po- sition aus allprdings kaulll Iwizukollllllf'n. rordprl. ul1d f'iird"rt dk Trans- f'onnation dpr C;l'sl'lIsdlart im /.pidlPI1 dps i\larktps doch W'nld" j"lwn Ty- pliS df's autonOlllPl1 Il1dividuums. dpl1 dip antitotalitiin'n Kriif'tp wolltf'll. f)istinktiol1szwang hat df'll Furor clpr Ilolllogl'/lisif'rung abgpliist.

(;Ilgpn dip vprs"hipdpllf'n Val'ialltf'll dps auloritiirl'/l Allstaltsstaats war vinllpieht niitig. dil' C;pslalt dns CitOYl'1l stark zu mach"n; im Bourgeois. dllr im Iwolilwntl"n I.l'ilbild d"s ('fllr('!Jrl'II('uri(({ .·w(f' zur Iwgl'lllol1ialpll 1111- thropologisdwn Figul' aufgpstipgpll ist. trilT! di"sl'r daw'gl'l1 l1ur auf die an- dpr!' Spitl' sldlwr splllst. Etwnso v"rkürzl. wl'il dplll aul:"itzpncl. was Fou- cault in andprplll f{pp/'pssiollshypotlwsf' gf'nal1l11 hat. ist ps, die ()konolTlisiPrLlIlg dps Sozial"n I"diglich als /.I'rfall politisclwr Ordnung und \Nipdl'rk"hr "irH's Ilobl)('ssdlPlI Kripgs allpr gngen alle zu bn-

s<:hrnibnn. Dioso populiirp Vprsion d"I'

lisiprungskritikorn von »Atta('« vprtr"t"l1 wil'd. mündp!. st"ts in don Huf I'inem zumind"sl im IIinblick auf spin" sozial"n SiclH'rungssystonH' und spint> wirtschaf'tspolitischl' [ntprv"l1tionsberpitschal'l starkpn Staal. 7 Statt das Spil'g"lspipl von Staal und Markt. von h()m(} po!iticllS und homo ()('('onorniCliS und wahhvl'is" dip gf'gnll dip andere

tn auszuspielen odor ihr Vnrhältnis n('lI HlIsbalancil'["('1l zu woll(H). 11<1<:h WPgfm zu sudwn. c1insf>s Spint hintl'/" sich zu lassl'll.

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von (h111 Globa-

i-Mit dnr i"nal.illniin·" J.;lagf·. "di

IUfld 'H',pugUI "All

g"gl'fI das produkt.ivl' J.;apil.al ausspil'lplI und

dl'r (;Iohalisil'rungskritiknl' vgl. HWrflWlI1I 120021.

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,·" /ud,,,,, ihn'r I.ogik fl1I

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Karen Usa Goldsehmidt Salamon

Magie Business limes

Spiritlll'll(' Entwieklllng am Arbeitsplatz

»Unsm-e Zeiten sind aus den Fugen geraten

sie verlangen

förmlich

nach Führungskräften. die selbst aus dpn Fugen geraten«.

schrieb Tom Petcrs im Jahr 1997 (dt.: 1998. S_ 495). In den »aus dpn Fu- gen genltclwn« neunzignr Jahren allerorten der Ruf nach Flpxibi- Iisierung. man entdeckte Subjektivität und Affektivität als Produktivkräfte und propagierte neue Modelle von »Leadership«. In diesem Text geht es um Managementideale pben dieser aus den Fugen gpratenen Zeit. Im Ein- zelnen möchte ich diskutieren. in welcher Weise einige l\lanager/innen und

Organisationsentwickler/innen ihre Tätigkpit als ein kulturelles Projpkt der Subjektivierung und Kreation neuer Sinnwelten aufgefasst haben. Die neunziger Jahre waren insgesamt gekennzeichnet von einer wach- senden Professionalisier-ung des Managements_ »Führungsqualität« a\'an- eierte zu persönliclwn Tugend und sozialen Begabung. derpn rieh- tige Handhabung durch spezifische »Technologien des Selbst« noch verbessel-t werden konnte. akademische Managmnnntexpert/innen. so genannte »Wisspnsmanager/innen« inner- halb von Firmen und Personalabteilungsleiter diskutiprten auf Tagungen und in lokalen über I'vlanagementprogramme; Wirtschal'ts- journalist/innen. Weitnrbildungspraktikpr/innen und Politiker/innen ver- und vermarkteten neue »Managenwnt« erschien weit über Fragen der betrieblichen Organisation und Leitung hin- aus als Allheilmittel für nahezu alle sozialen Übel. In diesem kur- sierten eilw Heihe von Schlagwörtern - zum BeispipI sprach man von »va- lues-based« Management. von »servant-Ipadership« (Greenlcaf 1977), »ganzheitlicher Organisation« (Vgl. Salarnon 2000) sowie von »Selbstma- nagement« (BBkman 1999). Die Maßstäbe und Kategol'iml des vernwintlich »gesunden Menschenverstands« wurden neu definiert. Be- grifi'p wie »Solidarität« Bord geworfen und durch IlPUe \Vip »win-win relationships« ersetzt. In derselben Logik "vurden Probleme individueller Lebensbewältigung - vor allem negative Erfahrungen um Arbeitsplatz - in Entwicklungschancen und Ansatzpunkte für »Positive Learning«-MaBnah-

nach

ja

T:G \ 03

Das Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst (ith) betreibt Grundlagen- und angewandte Forschung und entwickelt entlang aktueller ästhetischer Fragen ein Theorieverständnis. das in engem Bezug zur Praxis der Gestaltung und Kunst und deren gesellschaftlicher Rel!wanz stC'ht. Die Arbeit ist transdisziplinär und auf Wissenstransfer und Vernetzung ausgerichtet.

Die Publikationsreihe T:G (Theorie: Gestaltung) wird realisiert als Koproduktion des Instituts für Gestaltung und Kunst (ith) und Edition Voldemeer Zürich I Springer Wiell New York.

Marion von Osten (Hg.)

LNorm der Abweichung

Mit Beiträgen von

Beatrice von Bismarck tue Boltanski Ulrich Bröckling Eve Chiapello Helmut Draxler Karen Usa Goldschmidt Salamon Michael Hardt Tom Holert Angcla McRobbie Yann Moulier Boutang Keith Negus raith Wilding

ith Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst

Edition Voldemeer Zürich SpringerWien NewYork

Marion von Osten Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst fith). Zürkh

.Iiirg Iluh"r) ist '('"i/ c!"s

Departement Cultural Studips in Art. Media. and Oesign (Leitung Prof'. 1>,'. Sigrid Schad,,) d"r

Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürkh (JIGKZ. Leitung Prof'. Ur. Ilans,P"t"r S(·hwarzl.

Das Institut für Theorie der Gestaltung und Kunst (ith. Lpitung Prof.

1>1'.

Der Aufbau des Instituts für Theorie der Gestaltung und Kunst (ith) wird maflg"hli(']l IIllt"!'Sliilzl

durch die Gebert Rüf Stiftung.

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R Ü F

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Lektorat: Ulrich Bröckling. Frlliburg i. Br./ Ulrich Hechtfischllr. Freiburg i. Ur. Satz: Peter Conrad. Brandis bei Leipzig Umschlagfoto: Regula Bearth. Zürich I Labor k3000. Zürieh / Version. Ziirich Gestaltung Insert: siehe Seite 208 Druck: Gcbr. Klingenberg Buchkunst Leipzig

Printed in Germany

Gcbr. Klingenberg Buchkunst Leipzig Printed in Germany Mit 48 Abbildungen ISBN 3-211'40411-2 Springer-Verlag

Mit 48 Abbildungen

ISBN 3-211'40411-2 Springer-Verlag Wicn New Vork

Springer Wien New York Sachscnplatz 4-6 A-1201 Wien www.springer.at

Wien New York Sachscnplatz 4-6 A-1201 Wien www.springer.at Inhalt MAHION VON OSTEN Einleitung 7  

Inhalt

MAHION

VON

OSTEN

Einleitung

7

 

Tedlllologien

ULHICII

BHÖCKLING

Bakunin Consulting, Ine.: Anarchismus.

Management und die Kunst, nieht regiert zu werden

19

KAHEN

J.JSA

GOLDSCHMIDT SALAMON

Magie Business Times:

Spil'ituelll'. Entwicklung am Arbeitsplatz

39

LUC

BOLTANSKI /

EVE

CHIAPELLO

Die Arbeit der Kritik

und der normativl'. Wandel

 

57

Produklionssysteme

ßEATRICE VON ßIS!\IARCK Kuratorisches Handeln:

Immateril'.lIe Arbl'.it zwischen Kunst und Managementmodellen ANGELA MCHOBBIE I was knitting anway day and night:

Die Bedeutung von Kunst und Handwerk im Modedesign KEITH N EG us Kl'nativität und die Kulturl'.11 der Pl'Oduktion

HELMUT

DHAXLER

Ohne Dogma:

Time Code als Allegorie der gnsellschaftlichcn Fabrik

InsPrt

Be Creative! Der kreative Imperativ

81

99

119

'39

159

Ökonomien

MICHAEL [[ARDT

TOM

HOlERT

Affektive Arbeit Phantome der Norm und I-Ieuristiknll

des Schlauseins: Die kulturelle Dimension kogllitivnr I\rbnit

Kollektive Instandhaltung:

Ein performativer Vortrag

FAITH WllDING

YANN

MOULIER

BOUTANG

in der Politischen Ökonomie

Neue Grenzziehullgcll

Anhang

Autorinnen und Autoren

Neue Grenzziehullgcll Anhang Autorinnen und Autoren 211 Marion von Osten Einleitung Norm lind I\bweichung,

211

Marion von Osten

Einleitung

Norm lind I\bweichung, Konformität und Dissidenz, Affirmation und Kritik sind Sehlüsselbegrill'e, um das Verhältnis zu beschreiben zwisclwn dl'n Dis- positiven Machtallsübung und den Anstrengungen, sich ihnen zu wi- dersetzen, ihre I\nf'ordl)rungen zu unterlaufen oder sie umzudeuten. So- ziale Bewegungen, Subkulturen, künstlerische und politische Avantgarden, aber auch die vielfältigen Mikropolitiken des Alltags demonstrieren, dass die Apparate dllr Macht den der Subjl'kte nicht vollständig ab- sorbim'p.n kiinnlln. Dlln Stl'atp.gien der Anti-Disziplin, wie sie sich in den dispamten Alltags- lind Subkulturen finden. korrespondiert das kulturwis- snnschaf'tlichn IntOl'llsse an den widerspenstigen Akteunm und ihren Hand- lungswnisen. Was abllr, wenn die »Anti-Disziplin« inzwischen selbst zur Norm geworden wiire'?

hat in seinem »Postskriptum über die Kontrollgespll-

schaften« (1993) darauf hingewiesen, dass die partikularen. informellen. taktischen Ilandlungnn von Gruppen und Individuen. welehe die Hegl!'- mentierungen der Disziplinarregime im 19. und 20. Jahrhundert zu unter- laufen suchten, sich heute einpassen in die Anforderungsprofile der Ill'Uen Optimierungseliten. So habnn die Kritik am patriarchalen Familienzusam- menhang und die sexuf'lIe !l('volution alternative Lebens\\,pisen hervorgp-

bracht, in denen sieh nPlIe Subjektivitäts- und Beziehungsmodellp ent- wickelten. Dill damit einhergdwnde soziale Ungebundpnheit harmoniert indes tremich mit dlln Mobilitäts- und Flexibilitätszumutungpn, dip den In-

dividuen

modell!' ehemals subkulturelll'r Gegenwelten sind ein fpstcr Bestandteil sieh globalisierenden Ökonomie. Wenn Dissidenz. Kritik und Subversion zum Motor der Modernisierung jener werden, die zu unterminieren, abzuschalTen oder wenigstens zu dnnunzinrnn sie einmal angetreten waren, verkehrt sieh das Verhältnis von NOI'm und Abweichung. Grund jedenfalls. über gängige Pl'ii- missen und Handlungs('onnon naehzudenken und die Bedingungen d!'I' Subvlwsion, dos WidlH'stands. der Kritik neu auszuloten.

abwrlangt wprden. Die Begehrensstrukturen und Praxis-

Gilles

7