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Geschic

hte der
Sozialen
Arbeit
Protokoll der
Lehrveranstaltung
Geschichte der
Sozialen Arbeit von
Karin Moser
1.Semester und
Soziale Abreit VZ
Michaela Lukasser
Lehrender: Karl-Heinz Braun
Geschichte der Sozialen Arbeit – 1.Semester, Soziale Arbeit, VZ – Moser, Lukasser

Inhaltsverzeichnis

1. GESCHICHTE DER SOZIALPOLITIK.....................................................................................3

1.1. GILGAMESCH EPOS.................................................................................................3

1.2. KODEX HAMMURABI................................................................................................4

2. VORMODERNE............................................................................................................5

2.1. JOSEPHINISMUS.....................................................................................................5

3. ERSTE MODERNE (1848 – 1973)................................................................................7

3.1. FILM: „DAS JAHR 1933“.........................................................................................9

4. AUSGANGSPUNKT DES ROTEN WIENS (1897 – 1910)....................................................10

5. DAS ROTE WIEN (1918 – 1934)..............................................................................12

5.1. FÜRSORGEPOLITIK................................................................................................12

5.2. JUGENDFÜRSORGE................................................................................................13

5.3. GESUNDHEITSFÜRSORGE.........................................................................................13

5.4. ERWACHSENENBEZOGENE MASSNAHMEN DER FÜRSORGE...................................................14

5.5. DAS „WIENER SYSTEM DER FÜRSORGE (WOHLFAHRT)“ - ZUSAMMENFASSUNG.........................14

5.6. ENDE DES ROTEN WIENS........................................................................................15

6. KINDERFREUDE.........................................................................................................16

6.1. ERTRAG DER 10 LEITLINIEN DER KINDERFREUNDE...........................................................16

6.2. KRITIK DER 10 LEITLINIEN.......................................................................................17

6.3. VERGLEICH MIT DEN HEUTIGEN RICHTLINIEN DER KINDERFREUNDE.........................................18

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7. BILDINTERPRETATION...................................................................................................21

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BILDINTERPRETATION

Protokoll der Lehrveranstaltung: Geschichte der Sozialen Arbeit

Michaela Lukasser, Karin Moser, 1.Semester, Soziale Arbeit, VZ

Bei Herrn Karl-Heinz Braun

1. Geschichte der Sozialpolitik

Die erste Sozialstruktur gab es circa um 4300 vor Christus in Mesopotamien


(Mesopotamien = zwischen den Flüssen) jedoch das früheste Dokument einer
Sozialpolitik fand man erst 1500 vor Christus diese waren der Gilgamesch Epos.

1.1. Gilgamesch Epos

Dieser erzählt den Mythos des Königs Gilgamesch von Uruk, der seine Kräfte mit der
ganzen Welt messen will, nach der Unsterblichkeit strebt und schließlich auf die
Erkenntnis zurückgeworfen wird, dass auch für ihn das Leben endlich ist. Dieses
Epos wurde auf 12 Steinplatten eingraviert.

Der ethische Grundgedanke im Gilgamesch-Epos ist nicht zu übersehen. Es wird von


einem neuen Heldentyp berichtet, der zwar zu zwei
Drittel Gott und zu einem Drittel Mensch ist, seine
Unsterblichkeit aber dann verliert, als er die
menschliche Freundschaft entdeckt. Mit dieser
Menschwerdung der Halbgötter vollzieht sich, in
mythologischer Hinsicht, der Übergang vom Mythos
zur Geschichte. Das Gilgamesch-Epos ist aber auch
ein literarischer Ausdruck für das Selbstbewusstsein
des Menschen den Göttern gegenüber. Die Götter
spielen zwar noch eine wichtige Rolle im Alltag der
Menschen, doch die Menschen beginnen bereits,
göttliche Entscheidungen in Frage zu stellen oder
offen dagegen zu opponieren - ein erster Durchbruch aufklärerischen Denkens.
Dieses gewachsene Selbstbewusstsein, das sich auch an den Göttern misst,

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empfindet es als ungerecht und in der Welt schlecht eingerichtet, dass die
Menschen, im Gegensatz zu den Göttern, sterblich sind.

Die Suche nach der Unsterblichkeit ist das Grundmotiv der Gilgamesch-Dichtung.
Sie ist die erste Dichtung, welche das Lösen von den Göttern, zugleich aber auch die
Angst vor der Vergänglichkeit, der Unausweichlichkeit des Todes zeigt. Die tiefe
Erschütterung Gilgamesch angesichts des Erkennens der eigenen Endlichkeit und
seine verzweifelte Suche nach einem Ausweg führt einmal mehr die Tragik des
Menschseins vor Augen. Seit der Mensch sich seiner selbst bewußt ist und damit die
"Unschuld" der Natur hinter sich gelassen hat, begannen die existentiellen Ängste.
Das Gilgamesch-Epos ist damit auch das erste existentialistische Werk der
Menschheit.
Mit Sicherheit war damals bekannt, dass man dem Tod nicht entrinnen konnte. Aber
es ist interessant, dass in der altbabylonischen Version des Epos der Rat erteilt wird,
gerade eben darum das Leben zu genießen, sich nicht um das ohnehin
unvermeidliche Ende zu kümmern. Und es fehlt auch der Hinweis, durch
Frömmigkeit zu versuchen, das Wohlgefallen der Götter zu erringen und damit
vielleicht doch noch Unsterblichkeit zu erlangen.
In das Grundmotiv der Dichtung sind eine Reihe weiterer Themen eingeblendet, die
alle zusammen dem Epos seine besondere Spannung verleihen:
- Mensch und Natur
- Kultur
- Ablösung der alten Fruchtbarkeits- und matriarchalischen Religionen durch
patriarchalische Kräfte
- Freundschaft und Liebe
- die existenziale Angst des Menschen, der die Geborgenheit in der Natur
und bei den Göttern verloren hat.

1.2. Kodex Hammurabi

Der Codex Hammurapi, eine Rechtssammlung König Hammurapis


von Babylon (* 1810 v. Chr.; † 1750 v. Chr.), ist eine der ältesten
Gesetzessammlungen der Welt und zugleich eines der
besterhaltenen Exemplare der Literatur aus Mesopotamien. Der
König ließ in 280 Paragraphen die Gesetze seines Reiches und
die Strafen für ihre Übertretung festhalten. Sie sind auf einer
Steinstelle eingemeißelt, die den König in Gebetshaltung vor dem
Gott Schamasch, dem Garanten der Gesetze, zeigt.
Die Gesetze Hammurapis basieren überwiegend auf dem Prinzip

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der Spiegelstrafe und trotz des Umfanges regelten sie nicht alle Rechtsgeschäfte des
täglichen Lebens. In diesen Prinzipien werden zum Beispiel treulose Ehefrauen
streng bestraft. Aber auch Vergewaltigung und Inzest werden mit der Todesstrafe
geahndet.

Weiteres tauchte die Sozialarbeit im römischen Reich um circa 0 auf. Dort zeigte
sich die Sozialarbeit durch Ereignisse wie zum Beispiel „Brot und Spiele“. In Europa
gab es bis zum zweiten Teil des 19. Jahrhunderts ein großes „Loch“ der Sozialpolitik.
Nur die Kirche hatte nachweisliche Strukturen einer Sozialpolitik. Dort gab es einen
gesellschaftlichen Funktionskomplex. In dieser Machtstruktur regierten Priester und
Herrscher, dabei war eine strenge Hierarchie der Gesellschaft beobachtbar. Als
dann das römische Reich zerbrach gab es auch keine Sozialarbeit im damaligen
Sinn mehr. Erst im zweiten Teil des 19. Jahrhunderts wurde die Sozialpolitik wieder
bedeutender.

2. Vormoderne

Vor Maria Theresias um 1850 gab es nicht wirklich eine Sozialpolitik in Österreich,
erst durch sie wurden viele Sozialreformen durgeführt, wie zum Beispiel die
Einführung der Schulpflicht. Diese führte zur Errichtung zahlreicher Volks- und
Hauptschulen. Dies war von großer Wichtigkeit da Österreich nicht wirklich auf eine
Sozialpolitik verzichten konnte. Die zentralsten Probleme waren eindeutig die
Unterschiede zwischen der Gesellschaft und der zentralen Steuerungsinstanzen.
Diese Ungleichheit führte direkt zur Ungerechtigkeit. Leider gab es zu dieser Zeit
nicht die finanziellen Mittel für eine Verbesserung. Trotzdem wurde ein Steuergesetz
eingeführt, dass die Steuerfreiheit des Adels aufhob und weitere noch
Katasterregister eingeführt. In der Verwaltung wurden Zentralstellen eingeführt
(heute Ministerien), um dadurch den Einfluss der Stände einzudämmen. Außerdem
wurde ein neues Strafgesetzbuch ausgearbeitet. Dies war ein bedeutender Schritt
zur Anerkennung der Menschenrechte, denn die Folter wurde zur Gänze
abgeschafft. Maria Theresia wollte was schaffen was auch dem Volk zu gute kam.
Also wenn die Mehrheit der Bevölkerung „Hilfe“ brauchte sollte man diese auch
erteilen.

Neben Maria Theresias sind auch zwei ihrer Söhne sehr bedeutend für die
Sozialpolitik in Österreich, Leopold II und Joseph II. Joseph II hat weitere wichtige
Reformen geschaffen, die bis heute Auswirkungen zeigen. Der Josephinismus ist auf
Joseph II zurückzuführen.

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2.1. Josephinismus

Joseph II. als großer Reformator

Der Sohn Maria Theresias hat jene Reformen fortgesetzt, die seine Mutter Begonnen
hatte.

Er hat den Ruf, einer der größten Staatsmänner der Aufklärung zu sein: Joseph II.,
der älteste Sohn Maria Theresias. Am 27. März 1764 wurde er zum römisch-
deutschen König gewählt, nach dem Tod seines Vaters Franz Stephan von
Lothringen wurde er ein Jahr später Kaiser.
Über die Köpfe aller hinweg
Verschiedenste geistige Strömungen und Traditionen haben den Herrscher und
seine Ratgeber geprägt: So traf der Geist der Aufklärung unter anderem auf
jansenistische Ideen. Die durch den niederländischen Theologen Cornelius Jansen
(1585 - 1638) begründete katholische Bewegung ging davon aus, dass der Mensch
durch die Erbsünde von Natur aus schlecht sei und nur durch eine religiöse
Verinnerlichung in den Genuss der Gnade Gottes kommen und so die Lust am
Bösen überwinden könne. Aber auch Einflüsse des Febronianismus, eine Bewegung
innerhalb der katholischen Kirche, in der auch österreichische Bischöfe für eine
selbständigere Position dem Papst gegenüber und für eine Nationalkirche eintraten,
fanden Eingang und alle zusammen mündeten sie in dem, was heute unter
Josephinismus bekannt ist. War seine Mutter bei der Umsetzung neuer Ideen noch
vorsichtig, so agierte Joseph II. in der Regel viel zu stürmisch.
Friedrich II. sagte sogar, dass der Kaiser gelegentlich den zweiten Schritt vor dem
ersten mache. Zwar sollten die Reformen dem Volk zugute kommen, einbezogen
wurde es jedoch nie. Was dazu führte, dass manche der eigentlich gut gemeinten
Reformen von denen, denen sie Erleichterung verschaffen sollten, abgelehnt
wurden.

Aufhebung der Leibeigenschaft 1781


Vor allem im Rechtswesen setzte Maria Theresias Sohn die von seiner Mutter
eingeleiteten Maßnahmen weiter fort. So wurde die Trennung von Justiz und
Verwaltung weiter verfolgt, die grundherrliche Patrimonialgerichtsbarkeit zumindest in
den deutschen Erbländern weitgehend eingeschränkt. Ein weiterer großer Schritt
waren die Aufhebung der Leibeigenschaft 1781, die Abschaffung der Todesstrafe
und die Einführung des Allgemeinen Bürgerlichen Gesetzbuches. Neu geordnet
wurde auch die Grundsteuer.

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Toleranz gegenüber Andersgläubigen


Das Kernstück von Josephs Reformen waren allerdings die kirchenpolitischen
Maßnahmen. So ermöglichte das 1781 von ihm erlassene Toleranzpatent
Lutheranern, Kalvinern und Griechisch-Orthodoxen die bürgerliche Gleichheit mit
Katholiken und Kulturfreiheit. Auch die Juden erhielten zwar noch keine bürgerliche
Gleichstellung, aber doch wesentliche Rechte. So wurden sie zu Handwerken,
Gewerben, der industriellen Betätigung und an Hochschulen zugelassen. Auch noch
bestehende Bekleidungsvorschriften wurden abgeschafft.
Hart zu spüren bekamen hingegen Orden die Hand des Kaisers. So wurden
ebenfalls 1781 alle Klöster, die weder einen Beitrag zur Erziehung der Jugend noch
zur Krankenpflege leisteten aufgehoben. Kontemplatives Dasein allein reichte nach
Ansicht joseph II. nicht zur Daseinsberechtigung der Klöster. Mehr als 400 Klöster
wurden aufgelöst. Ebenfalls verboten wurden die meisten Prozessionen, Wallfahrten
wurden radikal eingeschränkt. Gleichzeitig allerdings wurden zahlreiche neue Pfarren
gegründet und Kirchen gebaut - niemand sollte länger als eine Stunde Weges zur
Pfarrkirche haben.
Charakteristisch für die Maßnahmen Josephs war die Ablehnung des Kaisers aller
Sonderstellungen und Privilegien. Die Monarchie sollte seiner Meinung nach
gleichzeitig Wohlfahrts- als auch Polizeistaat sein, um so die besten Bedingungen für
das Wohlergehen der Bevölkerung zu schaffen. Viele seiner Reformen wirken bis
heute nach - selbst das Allgemeine Bürgerliche Gesetzbuch ist noch in Kraft.

3. Erste Moderne (1848 – 1973)

Die Gesellschaft Österreichs wurde unterteilt in:

1. Nationalstaatliche Gesellschaft
2. Industriegesellschaft
3. Stadtbestimmte Gesellschaft
4. Klassengespaltene Erwerbsgesellschaft
5. Sozialstaatliche Gesellschaft

Es gibt einen Unterschied zwischen Staat und Nation.

Die Nation ist ein Zusammenschluss, eine Gemeinschaft beziehungsweise eine


Einheit wo sich mehrere Gebiete zusammenschließen. Dort entsteht eine Vielfalt der
Nationen oder eben auch eine Vielfalt innerhalb der Nation.
Weiteres ist die Nation eine staatsgeprägte Landschaft. Viele Nationen ergibt ein
System. Das System spiegelt sich im Vielvölkersaat wieder.

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Man unterscheidet eine Nation zwischen objektiven und subjektiven Begriffen.


Die objektiven Begriffe sind:

• Politische Traditionen
• Rasse
• Sprache
• Kultur
• Staatsform

Die Subjektiven Begriffe sind:

• Gemeinschaftliche Zustimmung
• Verschiedene Regionen (Orte) in einem Territorium in welchem Menschen
Gemeinsamkeiten haben
• Gemeinsam einer Sache zustimmen, obwohl man aus verschiedenen
Regionen kommt und so eine Gemeinschaft bildet
• Bekenntnis zu Österreich
• 1. Österreichischer Nationalstaat

Die Nation Österreichs hat sich in Form und Größe verändert. Die Sozialpolitik wurde
vernachlässigt. Heute ist Österreich kleiner, überschaubarer und daher kann die
Sozialpolitik wieder mehr in den Vordergrund rücken. Es gibt auch eine Vielfalt die
nichts mit Nation zu tun hat, zum Beispiel verschiedene Kulturen und Traditionen.
Der Begriff Nation ist spezifisch/typisch europäisch. Zum Beispiel würde man nie die
USA als vereinigte Nationen bezeichnen.

Ein Gedanke Emmanuel Kants war das die Welt zu komplex beziehungsweise zu
groß ist für zum Beispiel eine gemeinsame Innenpolitik. Doch im Allgemeinen
kritisiert Emmanuel Kant den Staat generell, da er der Meinung ist da diese nicht
legitimierbar ist. Aus dem einfachen Grund das der Staat sowieso die Bedürfnisse
aller nicht realisieren kann.

Unterschied von Nationalstolz und Nationalsozialismus

Der Nationalstolz beschreibt den Zustand, wenn man stolz auf seine Nationalität ist.
Zum Beispiel kann man in Österreich stolz auf Wolfgang Amadeus Mozart, Sigmund
Freud, oder auf die typisch österreichischen Traditionen und Landschaften sein.

Der Nationalismus hingegen beschreibt eine Überlegenheit im Negativen Sinne. Zum


Beispiel wenn man der Überzeugung ist, dass die eigene Nation die beste ist.

Der Staat hat eine Struktur, ist organisiert und durch die Regierung und deren
Regeln kommt es zu einer gewissen Ordnung sowie einer spürbaren Kraft.
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Unserer Meinung nach entsteht durch die Anhäufung von Menschen, eine
Gesellschaft die wiederrum eine Organisationsform und Regeln braucht. Und daher
einen „Gesellschaftsvertrag“ verlangt. Diese Gesellschaft übergibt ihre Macht dem
Staat, der somit die Aufgabe hat, für Ordnung und Struktur zu sorgen. Sozusagen ist
der Staat legitimierbar, durch die Ordnung, den Schutz und die Regeln den er uns
bietet.

Soziale Sicherheit und demokratische Verhältnisse bedürfen wohlfahrtsstaatlicher


Maßnahmen und sozialer Steuerungsinstrumentarien, notwendig sind aber auch
zivilgesellschaftliche Netzwerke. Diese bedürfen der aktiven und selbstorganisierten
Teilnahme der Bevölkerung.

Die Vielfalt der Nationen in einem Staat kann auch zu Problemen führen, wie zum
Beispiel Religionskriege, da es in einem Staat immer mehrere verschiedene
Religionen gibt. Hier stellt sich die Frage der Toleranz und Akzeptanz gegenüber
Andersdenkenden Menschen.

Natürlich sind Nation und Staat voneinander abhängig und beeinflussen sich auch
gegenseitig.

1.1. Film: „Das Jahr 1933“

 “Österreich in Bild und Ton 1933“


von Ernst Schmidt Junior
Wien Film 1876 – 1976
Filmarchiv Austria Edition
Standard „Der österreichische Film Nummer 41“

Dieser Kurzfilm zeigt eine Wochenschau zu Beginn des


Ständestaates. Damals herrschten
Arbeitslosigkeit und Krisen. Die
Auseinandersetzung damit führte
zu weiteren innenpolitischen
Verschärfungen der Lage und es
kam zu einer zunehmenden
autoritären Regierung. Im Mai 1933
wurde die vaterländische Front
gegründet. Das Idealbild eines
Staates war ein christliches,
autoritäres und deutsches. Durch
diese Propaganda, die auch im Kurzfilm zu sehen war,

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vermittelte man ein selbstbewusstes Bild Österreichs.


Weitere Inhalte dieses Films sind:

• Nationsfrage der Eigenständigkeit Österreichs


• Industrie – und Handwerksthemen
• Österreich, wie es damals aussah
• Charakter und Frage des Sozialstaates

In diesem Film wird ein wundervolles Scheinbild Österreichs dargestellt, bei welchen
zum Beispiel die katholische Kirche sehr oft gezeigt wird, die Politik sehr im
Vordergrund steht und typisch österreichische Merkmale wie Berge und Schnee
dargestellt werden. Es herrscht Zufriedenheit und Fröhlichkeit und die positiven
Szenen dominieren.

Doch hinter diesem Scheinbild steckte zum Beispiel die Spaltung bzw. Spannung
zwischen Obdachlosen / Armen und den Anderen / der „Oberschicht“, die beide bei
einer Einweihung eines Obdachlosenheims klar getrennt von einander stehen. Man
hat das Gefühl sehr viel über die Wohlhabenden zu erfahren, zum Beispiel wie sie zu
den Festspielen gehen und diese empfinden, aber die damaligen wirklichen
Probleme und Ansichten des bürgerlichen Volkes wurden mehr oder weniger
ausgeklammert. Weiteres stecken hinter diesem Scheinbild Österreichs
Unterdrückung und Armut, wie auch die Zwischenkriegszeit, jedoch dies wird aus
dem Film vollkommen ausgeklammert.

Auch die typische Geschlechtsteilung und somit das Hineindrängen in die typischen
Rollen sind beobachtbar. Zum Beispiel kann man auf der einen Seite eine Menge
Frauen sehen, die gemeinsam nähen, stricken und waschen und auf der anderen
Seite die Männer die dem Sport nachgehen. Sport war damals ein sehr wichtiges
integrations – und sozialisations Element und war auch bedeutend für den
bewaffneten Kampf. Auch das Militär spielt im Leben eines Mannes zur damaligen
Zeit eine große Rolle. Der Man wird als starker und konditionierter Arier, wie auch als
die perfekte „Militärwaffe“ dargestellt.

Das damalige Niveau des Militärs ist mit dem heutigen nicht mehr vergleichbar und
so ging Österreich seinen eigenen faschistischen Weg und kopierte, wie viele es
denken, Deutschland nicht. Auch die katholische Kirche hat diesen Weg befürwortet,
bis es 1936 zu der Ermordung schwererziehbarer Kinder kam. Der Faschismus stand
voll hinter diesem Vorfall, doch die Kirche protestierte gegen ein funktionsloses
umbringen von Kindern. Dadurch entstand eine Kluft zwischen der Kirche und dem
Faschismus.

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Im Film war auch die Produktion von Honig und Käse, wie auch Flugzeugen zu
sehen. Deshalb machten sie auch viel Werbung rund um ihre Produkte. Jedoch ging
die Produktion im Allgemeinen stark zurück, wodurch man mit Propaganda den noch
produzierenden Produkten mehr Bedeutung zusprach, dies stellte eine
„Überlebensstrategie“ unserer Heimat dar. Ab 1918 gehörten die zentralen
Industriegebiete nicht mehr zu Österreich, daher musste alles importiert werden, was
einen weiteren Rückschlag bedeutete. Ab diesem Zeitpunkt ersetzte die Elektrizität
die damalig in Österreich produzierte Kohle.

1933 herrschte in Österreich Massenelend, wegen der mangelnden Energie-


versorgung und Industriefähigkeit, wie auch den nicht vorhandenen Arbeitsplätzen.
Man initiierte Arbeitsbeschäftigungsmaßnahmen in dem man Beschäftigungsprojekte
startete, wie zum Beispiel den Bau der Großglocknerstraße. Dieser Bau war auch im
Film zu beobachten, doch das Drama rund um die damit verbundenen Problemen
wurden wieder ausgeklammert.

1. Ausgangspunkt des Roten Wiens (1897 – 1910)

Natürlich gab es die Sozialpolitik schon vor dem roten Wien, die unter anderem von
Karl Lueger geprägt worden ist. Diese Veränderungen Luegers fanden im Zeitraum
von 1897 – 1910 statt. Seine Schwerpunkte bezogen sich auf …

• die Kommunalisierung von der Gasversorgung,


Elektrizitätswerke und Stadtplan
• zweite Hochquellenwasserleitung
• öffentliche Wohlfahrt
• Alters- und Waisenhäuser
• Kinderheilstätten
• Brausen und Freibäder für die Hygiene vieler
• Erholungsgebiete
• Bebauungsplan mit Maximalhöhe und Minimalabstand
• Mieterschutz für Hauptmieter

Dieser Mieterschutz war zu dieser Zeit von großer Bedeutung und wurde erst nach
der öffentlichen Befragung am 6.Februar 1917 erlassen. Die Ergebnisse dieser
Befragung sind Folgende:

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Auswertung:

• Kleinwohnungen: 73%  ½ - 1 ½ Zimmer


• Kleine Mittelwohnungen: 2,9%  max. 2 Zimmer
• Große Mittelwohnungen: 13%  2 ½ - 3 ½ Zimmer
• Großwohnungen: 5%  4 und mehr Zimmer

 Küche zählt nicht zum Wohnraum

Durch die vielen Veränderungen zwischen 1850 und 1910 wie zum Beispiel die
Steigung der Einwohnerzahl von 444.000 bis zu 2.030.000 kam es zur großen
Wohnproblematik in Wien. Weiteres erschufen sie in dieser Zeit 440.000 Neubauten,
was bedeutete, dass Wien pro Jahr ca. 7000 neue Häuser erbaute und durch diese
Veränderungen kam es zum Wohnungselend von 1910. Außerdem waren zu dieser
Zeit 40% aller Häuser jünger als 20 Jahre, was zu massiven Veränderungen in Wien
führte. Dies hatte die Folge, dass

• Ca. 5 Personen in einer 30 km2 Wohnung untergebracht waren (dies war der
Durchschnitt)
• 22% der in Wien lebenden Menschen Toiletten in ihren Wohnungen hatten,
nur gerade mal 7% hatten ein Bad und eine Toilette, was zu dieser Zeit als
Luxus galt.
• Es 90.000 Untermieter gab, die durch das Mietschutzgesetz durchfielen.
• Es außerdem noch 75.000 Bettgeher (= keine eigene Wohnung, haben aber
Schlafrecht, d.h. nur ein Bett, dass für ein paar Stunden gemietet werden
kann. Jedoch wenn keines frei war, mussten sie sich selbst um ihre Unterkunft
kümmern) gab.

An diese Lage knüpfte das Rote Wien an.

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1. Das Rote Wien (1918 – 1934)

Keine Stadtverwaltung hat in den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen die
Aufmerksamkeit der ganzen Welt in einem solchen Ausmaß auf sich gezogen wie
Wien. Das Werk, das diese Beachtung hervorrief, war zunächst ein Aufbauwerk im
wörtlichen Sinn: der drückenden wirtschaftlichen Lage zum Trotz entstanden in nur
15 Jahren 63.000 neue Wohnungen. Und es war nicht nur die Qualität dieser Bauten
die beeindruckte: Viele Menschen kamen damit erstmals in den Genuss einer
Wohnung mit Belüftung und Belichtung aller Räume direkt vom Freien, mit eigenem
Gas- und Wasseranschluss.

Weiteres basierte der Wohnungsbau auf eine massive Bauweise, diese waren im
Stadtraum platziert und man begann auch mehr in die Höhe zu bauen. Diese
Baustrategie lässt aber nur wenig Platz für Grünanlagen.

1.1. Fürsorgepolitik

Die kommunale Fürsorgepolitik des roten Wiens unterschied sich deutlich von der
der anderen Bundesländer, in denen es bis auf die unter dem revolutionären Druck
1919 entstanden bundesweiten Verbesserungen (Arbeitslosenversicherung,
bezahlter Urlaub, Steuerumverteilung, Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und
Entlohnung) kaum eine Änderung gegenüber der K. und K. Zeit gab. Damals
formulierte man 4 Grundsätze die folgend lauteten: ,,Die Gesellschaft ist
gegebenenfalls auch ohne gesetzliche Vorschriften verpflichtet, allen Hilfsbedürftigen
umfassende Hilfe zu gewähren. Individualfürsorge kann rationell nur in Verbindung
mit Familienfürsorge geleistet werden. Aufbauende Wohlfahrtspflege ist vorbeugende
Fürsorge. Die Organisation der Wohlfahrtspflege muss in sich geschlossen sein:"
(Vor allem der letzt Punkt stand in krassem Gegensatz zu dem System der
Monarchie, wo sich die Wohlfahrt größtenteils aus verschiedenen, voneinander
unabhängigen, privaten Vereinen zusammensetzte).

1.2. Jugendfürsorge

Das Kernstück der Jugendfürsorge stellte das Jugendamt dar, das alle
Angelegenheiten benachteiligter Kinder regelte (Übernehmen der Vormundschaft,
Versorgung der in Familien untergebrachten Kinder durch Finanzmittel und
Naturalunterstützung, Elternberatung, psychologische Betreuung), wobei das Heim
als letzte Alternative angesehen wurde und die Familie als kleinste ,,Keimzelle" der
Gesellschaft vorgezogen wurde. 1931 verfügte die Stadt Wien über 111
Kindergärten, in denen die Kinder medizinisch und psychologisch (teilweise mit
Montessorimethoden) betreut wurden und drei Mal täglich essen konnten, was die

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Erwerbstätigkeit der Mutter möglich machte. Für die älteren Kinder wurden Horte
errichtet, um sie vor der ,,Bedrohung der Verwahrlosung" zu bewahren, da die
meisten aus ,,tiefsten proletarischen Milieu" stammten. Die alten
Erziehungsanstalten wurden zu Resozialisierungszentren umgewandelt, um das
Problem der Jugendarbeitslosigkeit zu mildern, wurden Tagesheime eingerichtet, in
denen die Jugendlichen essen und lernen konnten, später entstanden gemeinnützige
Arbeitsprogramme, bei denen die Mitarbeiter als Belohnung ein warmes Mittagessen
erhielten.

1.3. Gesundheitsfürsorge

Die Gesundheitsvorsorge zielte vor allem darauf ab, den Menschenverlust des ersten
Weltkrieges auszugleichen und die katastrophalen sanitären und gesundheitlichen
Bedingungen allgemein zu verbessern. Die Betreuung begann schon im
Kleinkindalter, alle Geburten mussten gemeldet werden, die medizinische Betreuung
der Mutter und des Kindes war kostenlos, Beratungsstellen unterstützten die Eltern
bereit während der Schwangerschaft und die Ausgabe von Gratiswindeln
verhinderten den damals üblichen Einsatz von Zeitungspapier zum wickeln. In der
Schule wurden die Kinder von Schulärzten und 15 Schulzahnkliniken betreut, die
sich auch um die Ausspeisung der Kinder kümmerten.

1.4. Erwachsenenbezogene Maßnahmen der Fürsorge

An erwachsene Personen wurde ein ,,Erhaltungsbeitrag" gezahlt, wenn diese nicht


im Stande waren ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten. Wichtiger als
Geldzuwendungen, die als nicht geeignete Mittel betrachtet wurden, waren Natural-
und Sachaushilfen wie die Ausgabe von Brennstoffen, Kleidern, Schuhen und
Nahrungsmittel. Auch die Errichtung von sogenannten ,,Wärmestuben" trug
maßgeblich zur Besserung der Lebensbedingungen der Bedürftigen, vor allem im
Winter, bei.

1.5. Das „Wiener System der Fürsorge (Wohlfahrt)“ - Zusammenfassung

Ziele:

Sozialpolitische Ziele / Verbesserung von:


a. Arbeitsbedingungen und Entlohnung
b. Schutz vor/Unterstützung bei Arbeitslosigkeit und Armut
c. Versicherungsschutz (Arbeitslosigkeit, Unfall, Krankheit, Invalidität,
Alter)

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d. Steuerumverteilung
e. Wohnung
f. Erholung

2. Sozialarbeiterische Ziele:
a. Allen Hilfsbedürftigen umfassende Hilfe geben
b. Individualfürsorge als Familienfürsorge
c. Aufbauende = Vorbeugend Fürsorge
d. Einheitliche Organisation durch das Jugendamt => wird zur
Zentralbehörde
e. Kollektive Praxis von Medizin und Fürsorge – Dienststellenleitung war
von Medizinern besetzt => Hierarchie
f. Qualifizierte Ausbildung der FürsorgerInnen als PädagogInnen

Institutionelle und interaktive Angebote und Maßnahmen:

Elternbezogene:
a. Eheberatung
b. Schwangerschaftsberatung
c. Mutterhilfe für Mitttellose
d. Wöchnerinnenhilfe
e. Fürsorge in Entbindungsheimen
f. Säuglingswäschepaket
g. Rechtsberatung/Rechtsdurchsetzung

2. Kindbezogene:
a. Familienfürsorge (Geld und Naturalien)
b. Erziehungsberatung – August Aichhorn
c. (Volks-) Kindergärten => unentgeltlich, Überweisung durch das
Jugendamt
d. Horte
e. Schulärztliche Betreuung
f. Erholungsfürsorge
g. Generalvormundschaft
h. Kinderübernahmestellen nach Diagnose
i. Rückgabe an die Eltern
– Pflegeelter

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– Kinderheim/Durchzugsheim => Kinderheim Baumgarten


von Siegfried Bernfeld

3. Jugendbezogene:
a. Tagesheimstätten (im Winter)
b. Freizeit für Arbeitslose (Jugend in Not, Jugend am Werk)
c. Jugendfürsorge – Anstalten (öffentliche und private Waisenhäuser)
d. Erziehungsanstalten
e. Heilpädagogische Betreuung
f. „Kinderfreunde“ => Otto Felix Kanitz

4. Erwachsenenbezogene:
a. Erhaltungsbeiträge (nur für WienerInnen)
b.Einmalige Fürsorgeakte
c.„Winterhilfe“ für Langzeitarbeitslose
d.Obdachlosenfürsorge (Wärmestuben, Obdachlosenheime)
e.Arbeiterbildung (Kulturangebote für Arbeiter, Bildung des Proletariats,
Bibliotheken => Wissen ist Macht)
Der Ursprung der Erwachsenenbildung ist in Österreich.

1.1. Ende des roten Wiens

Mit der Machtergreifung Dollfuß 1934 endete die Ära des roten Wien. Fast alle
sozialdemokratischen Reformen wurden rückgängig gemacht und durch ein
faschistisches System ersetzt. Viele im Roten Wien entstandene Projekte dauerten
nur fünf bis sechs Jahre. Auch wenn die sozialistische Stadtverwaltung ihre
Bestrebungen nicht gänzlich verwirklichen konnten (trotz zahlreicher Verbesserung
herrschte auch in Wien nie die angestrebte soziale Gerechtigkeit, zahlreiche
Menschen lebten trotz kommunalem Wohnbaus unter nicht zumutbaren
Bedingungen, die angestrebte proletarische ,,Gegenkultur" scheiterte bereits in ihren
Ansätzen, das Problem der Arbeitslosigkeit konnte nie unter Kontrolle gebracht
werden), so wurden doch Modelle geschaffen, die bis in die heutige Zeit nichts an
ihrer Vorbildwirkung verloren haben. Trotz seiner kurzen Dauer und seiner
verhältnismäßigen Unvollständigkeit war das rote Wien also Wegbereiter für eine neu
entstehende, demokratische Gesellschaftsordnung, die erst Jahre später auch auf
internationaler Ebene verwirklicht wurde.

2. Kinderfreude

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Eine Bewegung mit vielfältigen Aktivitäten, die im


Roten Wien
entstand,
heute aber
noch besteht,
stellten die
„Kinderfreunde
“ dar. Die
Basis dieser
bilden die
gemeinsamen Werte, Freiheit, Gleichheit,
Gerechtigkeit und Solidarität. Weil sich Politik und
Wirtschaft rasant entwickeln, müssen sie auf die
Bedürfnisse und Interessen der Familien umso
mehr Rücksicht nehmen. Die Kinderfreunde
fordern eine Gesellschaft, die nicht Geld und
Besitz, sondern den solidarischen Umgang mit
den Schwächeren zum obersten Prinzip zu
erheben.

Ihr Gründer war Otto Felix Karnitz, welcher in Wien 1894 geboren wurde. Während
des 1. Weltkriegs, beginnt er bei den Kinderfreunden aktiv zu werden. 1918 beginnt
er als pädagogischer Referent bei den Kinderfreunden zu arbeiten, daneben schließt
er ein Studium der Philosophie und Pädagogik an der Universität Wien ab. Kanitz
wird zum wichtigsten Theoretiker der Kinderfreunde. Weiteres formuliert er die
Überlegungen zur “Sozialistischen Erziehung” und die „10 Leitlinien der
Kinderfreunde“.

2.1. Ertrag der 10 Leitlinien der Kinderfreunde

1. Das Bürgertum ist nicht nur eine politische und wirtschaftliche, es ist um nichts
weniger eine gewaltige und einflussreiche, geistige Macht, die überaus stark
auf die Kinder des arbeitenden Volkes wirkt.
2. Der geistigen Macht des Bürgertums muss das Proletariat seine geistige
Macht entgegenstellen; daher müssen Arbeitereltern und mit ihnen alle
erwachsenen Proletarier ein neues Verhältnis zu den Kindern gewinnen, sie
im Geiste ihrer Klasse erziehen.
3. Die Erziehung bedingt das geistige Sein des Menschen nur zum Teil; die
Anlage und vor allem die Umwelt haben großen Einfluss auf die geistige
Entwicklung. Die Erkenntnis von der überragenden Bedeutung der Umwelt
leistet dem sozialistischen Erzieher große Hilfe.

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4. Der sozialistische Erzieher muss die Unmöglichkeit einer neutralen Erziehung,


die Gefährlichkeit der angeblich neutralen Erziehung erkennen. Erziehung an
sich gibt es nicht; wir haben nur zu wählen zwischen bürgerlicher und
sozialistischer Erziehung.
5. Die sozialistische Erziehung der Kinder muss entsprechend der seelischen
Struktur junger Menschen mit sozialistischer Gefühlsbildung einsetzten.
6. Die erste Forderung sozialistischer Erzieher in die Erziehung der Kinder zur
Solidarität. Die Weltanschauung unserer Kinder muss vom Gefühl der
Solidarität bestimmt sein.
7. Nicht nur mit dem Ziele des sozialistischen Kampfes, der solidarischen
Gesellschaft sind die Kinder gefühlsmäßig zu verbinden. Auch mit dem
Kampfe selbst müssen die Kinder gefühlsmäßig verbunden sein: daher
Bildung der Klassengefühls.
8. Sobald es die geistige Reife der Kinder erlaubt muss der sozialistischen
Gefühlsbildung die Verstandsbildung folgen; diese ist Erziehung der Kinder
zum soziologischen Denken und damit zum Klassenbewusstsein.
9. Die Erziehung zur Solidarität, zum Klassengefühl und zum
Klassenbewusstsein muss ergänzt werden durch die Erziehung zur
proletarischen Disziplin; diese muss die Kinder dereinst befähigen, sich
freiwillig den Aufgaben zu unterziehen, die Kampf und Aufbau an sie stellen.
10. Die sozialistische Erziehungsarbeit kann innerhalb der Familie und in der
Schule teilweise geleistet werden. die bürgerlichen Erziehungseinrichtungen
und die Kirche wirken ihre Natur nach gegen die sozialistischen
Erziehungsbestrebungen. Die Schule – und Kinderfreunde ausgebaut zu einer
umfassenden Erziehungsorganisation, vermögen alle sozialitischen
Erziehungsforderungen zu erfüllen.

1.1. Kritik der 10 Leitlinien

Dieses Menschenbild stellt sich sehr idealistisch dar. Es scheint so als werden
Menschen in Rollen gedränt und die Gesellschaft lässt nur wenig Individualität zu.
Weiteres definiert man die bürgerlichen Schichten sehr genau und kategorisiert damit
die Bevölkerung. Hier ist auch herauszulesen, dass das Arbeitervolk nur wenig an
Wert bzw. Bedeutung besitzt. Mit einigen „Prinzipien“ dieser Leitlinien stimmen wir
durchaus überein, da sie das Allgemeinwohl der Kinder sehr hervorheben und es
scheint ihnen auch sehr wichtig zu sein.

Andererseits gibt es einige Regeln die wir nicht übernehmen können und mit ihnen
auch nicht übereinstimmen. Zum Beispiel werden oft die Klassen erwähnt, in die man
die Kinder bzw. die Menschen drängt und ihnen auch somit keine Chance mehr lässt

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aus dieser auszutreten. Sie setzten sich vielleicht gar nicht höhere Ziele, da sie diese
mit großer Wahrscheinlichkeit nicht erreichen würden, eben durch diese

Klasseneinordung und somit könnte man sagen, dass sich die Kinderfreunde nicht
für die höheren Bestrebungen der Kinder einsetzten.

Durch die Einteilung der Klassengesellschaft und das damit hervorgehende verehren
des Kampfes bzw. des Kampfgefühls werden die Kinder gezwungen sich mit dem
Kampf nicht nur auseinanderzusetzten, sondern auch dem Kampf in ihre Gefühlswelt
mit einzubinden.

Weiteres ist uns auch aufgefallen, dass zwischen der Erziehung der Proletarier und
der andersschichtigen Bürger eine große Diskrepanz herrscht. Man versteht unter
der Erziehung der einen ganz was anderes als bei der, der anderen. Womit sich für
uns die Frage stellt, ob auch hier die Proletarier als „die Schlechten“ herausgehen.

1.2. Vergleich mit den heutigen Richtlinien der Kinderfreunde

 Es gibt keine wertfreie Erziehung

Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf zu erfahren, was ihre Eltern, aber
auch die MitarbeiterInnen der Kinderfreunde für richtig und falsch halten. Die
Erziehung der Kinderfreunde orientiert sich an den sozialdemokratischen
Grundwerten Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Wahlverhalten und
Parteizugehörigkeit sind dabei von untergeordneter Bedeutung. Es geht den
Kinderfreunden nicht um Bevormundung, sondern um die freie Entwicklung von
Menschen. Die Kinderfreunde treten für eine Erziehung ein, die als
partnerschaftliche, dialogische und verantwortungsbewusste Beziehung zwischen
Heranwachsenden und den Erziehenden verstanden wird.

 Selbstbewusst handeln

Kinder und Jugendliche werden durch die pädagogische Arbeit der Kinderfreunde
unterstützt, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Dazu muss das
Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen gestärkt werden. Sie sollen lernen, die
Welt nicht nur mit den eigenen, sondern auch mit den Augen der Anderen zu sehen.
Sie sollen lernen, ihre eigene Meinung zu vertreten und dabei auch die Meinungen
der Anderen zu respektieren. Das pädagogische Ziel der Kinderfreunde ist es,

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Kindern und Jugendlichen zu ermöglichen, an der Verwirklichung einer sozialeren,


humaneren und demokratischeren Gesellschaft mitzuwirken und ihren eigenen Platz
darin zu finden.

 Integration und Toleranz

Die Kinderfreunde bekennen sich insbesondere zu den politisch-pädagogischen


Prinzipien der Toleranz und Integration, der Ablehnung jeder Form von Gewalt und
der umfassenden Mitbestimmung von Kindern und Jugendlichen in allen sie
betreffenden Lebensbereichen.

 Menschenrechte und Kinderrechte


Die individuellen und sozialen Menschenrechte, im Konkreten natürlich die Rechte
der Kinder, sind ein wesentlicher Orientierungsrahmen für die Arbeit der
Kinderfreunde. Jede Form der Diskriminierung nach Rasse, Nationalität, Religion,
Geschlecht, sozialer Herkunft, demokratischer Gesinnung wird von ihnen abgelehnt.

Anführung der Unterschiede zu den Leitlinien des Roten Wiens

Wir haben die Ansicht gewonnen, dass die „neuen“ Leitlinien um einiges liberaler und
offener in ihrem Denken und Tun geworden sind. Weiteres entfernten sich die
Kinderfreunde weitgehend von den extremen Klasseneinteilungen der Gesellschaft
im Roten Wien. Die damaligen Proletarier, die Arbeiterschicht und das sogenannte
Gesindel gibt es in dem Sinne nicht mehr. Heutzutage ist der Begriff der
Gemeinschaft und der Chancengleichheit sehr viel bedeutender, was man auch in
den „neuen“ Ansichten der Kinderfreunde wiederfinden kann.

Solidarisches Handeln zeigt sich besonders im Umgang mit schwachen, behinderten


und durch andere Gründe ausgegrenzte Personen. Die Integration dieser
Gesellschaftsgruppen im Alltagsleben – und daher auch in der Arbeit der
Kinderfreunde – ist Maßstab für die Verwirklichung einer sozialen Demokratie.
Grundlage dafür ist aber bereits die Sensibilisierung gegenüber und der Widerstand
gegen alle Erscheinungsformen der Entsolidarisierung in unserer Gesellschaft.

Die Kinderfreunde wollen eine Gesellschaft, in der alle Generationen, Männer und
Frauen, partnerschaftlich zusammenleben. Nur das solidarische Handeln aller kann
die gesellschaftlichen Verhältnisse und damit die Lebensbedingungen der Einzelnen
verbessern.
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Die Kinderfreunde fordern eine Gesellschaft, die nicht Geld und Besitz, sondern den
solidarischen Umgang mit den Schwächeren zum obersten Prinzip erhebt.

Die Kinder werden zu selbstbewussteren Erwachsenen heran erzogen, müssen


gleichzeitig aber auch mit vielen Veränderungen und Erneuerungen leben und sich in
ihrer „neuen“ Welt einen für sie passenden Weg erkämpfen. Sie müssen sich in
unserer heutigen wertepluralen Welt orientieren, so wie mit der größeren Freiheit die
sie erhalten haben zurecht kommen.

Die jetzt aufwachsende Generation wird auch als „Kinder der Freiheit” bezeichnet.
Tatsächlich ist es so, dass es noch nie eine derart selbstbewusste Kinder- und
Jugendgeneration gegeben hat. Kinder haben vielfältigen Zugang zu Informationen
und somit Einblick in die Welt der Erwachsenen. Die dadurch eröffneten
Handlungsspielräume werden aber von vielen Kindern und Jugendlichen nicht nur
als Chance wahrgenommen, sondern im Sinn von „hilflosen Freiräumen” erlebt. Sie
können diese Entscheidungsbereiche für sich nicht nutzen, da sie dabei emotional
überfordert sind und zu wenig Hilfe und Förderung bekommen.

Die Aufgaben für Eltern, für PädagogInnen, wie auch für uns ändern sich damit
tiefgreifend, es gilt die Heranwachsenden in die Lage zu versetzen, die Chancen
wahrzunehmen. Für Kinder und Jugendliche ist der Umgang mit den elektronischen
Medien wesentlich selbstverständlicher als für Erwachsene. Auf diesem Gebiet ist
der übliche Wissensvorsprung der Erwachsenen nicht mehr gegeben und es ist
offensichtlich, dass diese von den Kindern etwas lernen können. Daneben bestehen
die traditionellen sozialen Barrieren in der Gesellschaft weiter fort: Kinder von
Benachteiligten sind immer auch benachteiligt!

Die Kinderfreunde gehen in ihren Überlegungen und in ihrer Arbeit von einem Ziel
aus: Die umfassende Persönlichkeitsentwicklung des Menschen. Demnach ist
Bildung ein lebenslanger Prozess, der alle Bereiche des Menschen einbezieht und
nicht auf die Vermittlung von Wissen eingeschränkt werden darf. Die Entwicklung
von persönlichen, sozialen und politischen Einstellungen und Verhaltensweisen
sowie konkreten Fähigkeiten und Fertigkeiten ist daher unser Ziel.
Die Notwendigkeit, für eine sich ständig ändernde Arbeitswelt qualifiziert zu sein, darf
nicht jene Bereiche zurückdrängen, die für eine zufrieden stellende persönliche
Lebensgestaltung und eine Beteiligung am politischen Geschehen (die Beteiligung
an der Gestaltung des gesellschaftlichen Zusammenlebens) erforderlich sind. Die
Schulen werden unserer Auffassung nach diesen Aufgaben noch immer nicht
gerecht. Die umfassende Persönlichkeitsentwicklung bedarf der Orientierung an den
Bedürfnissen der Kinder.

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1. Bildinterpretation

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Das Innere eines Quartiers – Hermann Drawe „1904“

Quelle der Bilder:

http://www.wienmuseum.at/frameset.asp?
submenu=2&page=http://www.wienmuseum.at/4272.htm
 Unterlagen von der Lehrveranstaltung

Das Bild thematisiert das Wohnraumproblem um das Jahr 1904.

Das Bild „Das Innere eines Quartiers von Hermann Drawe Zeigt mindesten drei
Menschen in einem Schlafraum. Einzig und allein vom Titel her können wir sagen
das es sich hierbei um einen Schlafraum handelt, den es könnte sich auch um ein
Kellerabteil handeln. Man kann erkennen, dass sie sich gegenseitig im Weg sind. Ein
Kind schläft im Hintergrund auf einer Pritsche. Bei sich hat es eine Puppe. Viele
Kleidungsstücke hängen an der Wand und sind auch im ganzen Quartier verteilt. An
der Wand hängen auch noch Töpfe und andere Kochutensilien.

Trotzdem das der Mann am Rande des Bildes zu sehen ist, zieht er doch den ersten
Blick auf sich. Dadurch, dass man nicht definieren kann, wohin der Mann schaut, es
scheint das der Mann aus dem Bild hinausschaut, wird der Blick des Beobachters auf
keinen weiteren bestimmten Punkt des Bildes hingelenkt. Auch sind vom dritten

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Menschen nur die Füße zusehen. Da sie sehr groß sind und in der Mitte des Bildes
platziert sind, ist die Präsenz des Menschen unverkennbar.

Uns schein, dass der Fotograf des Bildes darauf aufmerksam machen wollte, dass
die Umstände, wie viele Menschen in dieser Zeit gelebt haben, sehr bedürftig sind.
Es scheint sehr bedürftig trotzdem dass einige Kleidungsstücke vorhanden sind und
sie auch dicke Bettdecken gegen die Kälte haben.

Auf den ersten Blick wirkt das Bild sehr starr, da von den Personen keine
Bewegungen bzw. Dynamik ausgehen. Doch die Diagonale des Bildes und einige
unvollständige Linien wie zum Beispiel die herumhängenden Kleider, scheinen
Bewegung in das Bild zu bringen.

Der Mann im Vordergrund wirkt Abwesend und müde zu sein.

Wir erwarteten uns mehr Schmutz beziehungsweise eine dreckigere Umgebung.


Zum Beispiel löchrige und schmutzige Kleidung oder beschmierte Wände.

Es schein sich um eine Familie zu handel, da man den wo möglichen Vater und das
Kind eindeutig erkennen kann. Sie scheinen sich von den Strapazen des Tages zu
erholen und zu versuchen etwas schlaf zu bekommen. Auf Grund des kleinen
Quartiers kann man darauf schließen, dass die hier wohnenden Personen kaum
Privatsphäre genießen können. Auch keine Hygienemittel bzw. Hygienegegenstände
wie zum Beispiel eine Waschschüssel sind im Bild ersichtlich. Ob sie überhaupt eine
Toilette in diesem Gebäude benützen können ist fraglich.

Alles in allem ist es ein sehr eindrucksvolles Bild, das uns zeigt wie viele Menschen
damals gelebt haben. Nach näherer Betrachtung kommen immer mehr Details zum
vorschien die zu der Geschichte der Personen im Bild beitragen und uns einen Teil
ihres Lebens erzählen.

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