Fachbereich VI: Geographie und Geowissenschaften

Studiengang: Angewandte Umweltwissenschaften

Diplomarbeit
Thema:
Analyse eines möglichen
Meteoritenimpakts im Bereich
der Prims (Nalbach, Saarland)

Erstprüfer: Prof. Dr. Jean-Frank Wagner
Zweitprüfer: Dr. rer. nat. Dipl.-Geologe. Friedwalt Weber

Eingereicht am 14.02.2014

Vorgelegt von:
Nico Berger
Neuhäuselerstraße 74, 66386 St. Ingbert-Hassel


Erklärung zur Diplomarbeit

Hiermit erkläre ich, dass ich die Diplomarbeit selbstständig verfasst und keine anderen
als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt und die aus fremden Quellen direkt
oder indirekt übernommenen Gedanken als solche kenntlich gemacht habe. Die
Diplomarbeit habe ich bisher keinem anderen Prüfungsamt in gleicher oder
vergleichbarer Form vorgelegt. Sie wurde bisher auch nicht veröffentlich.


_____________________ _____________________
Ort, Datum Unterschrift


Inhaltsverzeichnis:

1.Einleitung ........................................................................................... 1
2. meteoritische Einschläge (Impakte) ............................................... 2
3. Untersuchungsgebiet (geologischer Rahmen) ............................... 4
4. Material und Methoden .................................................................. 8
4.1 Beschreibung der Proben ............................................................................. 8
4.2 Beschreibung der angewendeten Methoden .............................................. 19
4.2.1 Rasterelektronenmikroskop (REM) .......................................................................... 19
4.2.2 Röntgendiffraktometrie (XRD) ................................................................................. 21
4.2.3 Elementaranalyzer (Kohlenstoff und Schwefel) ....................................................... 24
3.2.4 Glühverlust (Loss of ignition) .................................................................................. 25
4.2.5 Atomabsorptionsspektrometrie (AAS) ...................................................................... 25
4.2.6 Dünnschliffe ............................................................................................................. 28
5. Ergebnisse ....................................................................................... 29
5.1 Rasterelektronenmikroskop........................................................................ 29
5.2 Röntgendiffraktometer ............................................................................... 33
5.3 Glühverlust ................................................................................................. 36
5.4 Kohlenstoff- und Schwefelanalysator ........................................................ 38
5.5 Atomabsorptionsspektrometer ................................................................... 40
5.6 Dünnschliffe ............................................................................................... 44
5.6.1 Schockeffekte in Dünnschliffen ................................................................................ 44
5.6.1.1 Diaplektisches Glas ....................................................................................................... 45
5.6.1.2 Ballenstrukturen ............................................................................................................ 49
5.6.1.3 planare Brüche(PFs, planar fractures) ........................................................................... 54
5.6.1.4 planare Deformationsstrukturen (PDFs, planar deformation features) ........................ 57
5.6.1.5 unregelmäßige Brüche im Quarz ................................................................................... 60
5.6.1.6 Spallation ....................................................................................................................... 62
5.6.1.7 Knickbänderung in Glimmern ....................................................................................... 65
5.6.2 Gläser ....................................................................................................................... 71
5.6.2.1 Gläser vom Fundort ....................................................................................................... 71
5.6.2.2 Referenzglas Industrie ................................................................................................... 77



6. Diskussion und Schlussfolgerungen ............................................. 79
7. Fazit und Ausblick ......................................................................... 83
8. Abbildungsverzeichnis .................................................................. 84
9. Tabellenverzeichnis ....................................................................... 86
10. Literaturverzeichnis .................................................................... 86
11. Anhang .......................................................................................... 89
1.Einleitung

1 | S e i t e

1.Einleitung

Als der Hobbyarchäologe Werner Müller aus Nalbach bei Geländebegehungen im Jahre 2009
auf zahlreiche grünlich-bläulich-blauschwarze Glasbruchstücke stieß, konnte er dieses
Material nicht mit den regionalen Gegebenheiten in Einklang bringen. Sein erster Verdacht
fiel auf römisch-keltische Glasherstellung, doch der partiell erhebliche Magnetismus sowie
Glasfunde mit größeren metallischen rostfreien Einschlüssen ließen eine anthropogene
Bildung fraglich erscheinen. Daraufhin erwog W. Müller die Möglichkeit einer
extraterrestrischen Herkunft der Gläser, kontaktierte verschiedene Institute (Hamburg,
Heidelberg) und verschickte Probenmaterial, das von den zuständigen Wissenschaftlern ohne
jede Analyse als menschliches Produkt eingestuft wurde. Unzufrieden mit dieser
Einschätzung führte W. Müller weitere gründliche Geländeuntersuchungen durch und fand
dabei mehr fremdartiges Materials, darunter deformierte Gesteine, die Anzeichen extremer
Temperatureinwirkungen aufwiesen. Archäologische Bezüge sowie geologische Prozesse,
z.B. Regional- oder Kontaktmetamorphose, schienen mehr als fraglich (Müller, 2011).
Kontakte zu den Geologen M. Schmieder und E. Buchner von der Universität Stuttgart
führten zum ersten Mal zu detaillierteren Analysen, mit denen Ballen-Cristobalit und
Ballenquarze als deutlicher Hinweis auf Schockeffekte sowie ein beachtlicher Nickelgehalt
(bis zu > 10%) in den metallischen Einschlüssen der schwarzen und blauen Gläser
nachgewiesen wurde (Buchner et al. 2011). Ein Vergleich der Gläser von W. Müller mit
Impaktgläsern von den Wabar-Meteoritenkratern in Saudi-Arabien erbrachte überraschende
Ähnlichkeiten (Schmieder et al., 2011). Grundsätzlich hielten (Buchner et al., 2011) und
(Schmieder et al., 2011) ein meteoritisches Impaktereignis für möglich und angesichts
fehlender Impaktkrater einen Airburst, also ein explosionsartiges Auseinanderbrechen eines
Himmelskörpers (Asteroid, Komet) in der Atmosphäre, als Ursache der Schmelzgläser für
denkbar.
In der Folge gerieten die Stuttgarter Untersuchungen ins Stocken; gleichzeitig stieß W. Müller
auf Publikationen zu einem jungen, holozänen Impaktereignis im Chiemgau (Ernstson et al,
2010) mit verblüffend ähnlichen Funden und Befunden, was zu einer gemeinsamen
Bearbeitung des Primstal-Materials mit Prof. Ernstson führte (Müller, 2011; Müller, 2012).
Die vorliegende Arbeit baut auf diesem Kenntnisstand auf und versucht, über bisher noch
unterbliebene geochemische Untersuchungen und Dünnschliff-Analysen einen Beitrag zur
grundsätzlichen Frage zu liefern, ob sich die Vorstellungen zu einem kosmischen Ereignis mit
2. meteoritische Einschläge (Impakte)

2 | S e i t e

einem Impakt im Raum Nalbach/Primstal erhärten lassen. Wichtige Aspekte dabei sind die
Einordnung der Funde in den regionalen geologischen Rahmen und insbesondere die Frage
der Verwechslung mit anthropogenem Material, zum Beispiel mit Gläsern der Industrie, eine
Frage, die sich angesichts der weit zurückreichenden Besiedlung sowie eines weit verbreiteten
Verhüttungswesens und einer intensiven Glasproduktion in der Region aufdrängt.
2. meteoritische Einschläge (Impakte)

Ein Meteoritenimpakt beschreibt ein Ereignis, bei dem ein Himmelskörper (Impaktor) auf die
Oberfläche von Planeten oder ihrer Monde mit sehr hoher Geschwindigkeit aufschlägt. Die
ursprüngliche kinetische Energie des herabstürzenden kosmischen Projektils wandelt sich
beim Aufprall fast augenblicklich in mechanische und thermische Energie von Schockwellen
um, die zu extremen Drücken (bis in den Bereich von Megabar) und, bei Druckentlastung, zu
extremen Temperaturen (bis zu 10 000 Grad und mehr) im Projektil und im Untergrund
führen. Als Folge der Schockausbreitung verdampft das Projektil mehr oder weniger
vollständig. Dasselbe geschieht in Form einer gewaltigen Explosion mit einem vergleichbar
großen Volumen des Untergrundes, an das sich bei abnehmender Schockintensität eine Zone
des Gesteinsschmelzens und bei noch weiter abnehmender Intensität nur noch Zertrümmerung
(Brekziierung) anschließen. Mit dem Fortschreiten der sich halbkugelförmig in den
Untergrund ausbreitenden Schockfront, werden die betroffenen geschmolzenen und
zertrümmerten Gesteine nach unten und seitwärts beschleunigt, was im Zusammenwirken mit
an der Erdoberfläche reflektierten Entlastungswellen zu einem wachsenden Krater mit
Ringwall und sich daran anschließendem Schleier aus Auswurfmassen (Ejekta) führt. An
diese Phase der Exkavation schließt sich eine Modifikationsphase an, in der sehr große Krater
kollabieren und im Zuge einer weitgehenden Wiederauffüllung Zentralberge und innere Ringe
bilden können. Kleinere Krater verbleiben dagegen schüsselförmig.
Im Zuge der Kraterbildung hinterlassen die Schockwellen in Gesteinen und Mineralen
charakteristische Veränderungen (Schockeffekte, Schockmetamorphose), die diagnostisch für
einen meteoritischen Einschlag sein können. Dazu gehören z.B. planare
Deformationsstrukturen (PDFs, planar deformation features) in Quarz und anderen Mineralen
(10 – 25 GPa=Gigapascal) sowie diaplektische Glasphasen (30 – 50 GPa). In neuerer Zeit
werden auch multiple Scharen planarer Brüche (PFs, planar fractures, Spaltbarkeit) in Quarz
als ein Impakt belegendes Merkmal angesehen (French & Koeberl, 2010, S. 134). Typisch bei
einem Impakt und als Folge des Schocks, aber nicht zwingend diagnostisch, entstehen
2. meteoritische Einschläge (Impakte)

3 | S e i t e

Mineral-Hochdruckmodifikationen (z.B. die SiO
2
-Polymorphe Coesit 3 GPa und Shishovit 7
GPa), unregelmäßige Brüche in Quarz, Knickbänder in Glimmern und Spallationsbrüche.
Auf der Erde kennen wir mittlerweile grob 200 solcher Impaktereignisse, wobei manche
Krater aufgrund von Erosions- und Verwitterungsabläufen schon völlig überprägt sind. Einer
der bekanntesten Einschläge vollzog sich vor rund 65 Millionen (Mio.) Jahren auf der
Halbinsel Yucatán in Mexiko und schuf eine heute nur durch Bohrungen und Geophysik in
großer Tiefe erschlossene Impaktstruktur mit einem Durchmesser von etwa 200 km. Die
Auswirkungen dieses Impaktes am Übergang von der Kreide zum Tertiär werden heute noch
kontrovers diskutiert.
Den vom Umfang her größten nachgewiesenen Krater verzeichnet jedoch der afrikanische
Kontinent in Form des 2-3,4 Milliarden (Ma) Jahre alten und ursprünglich über 300 km
messenden Vredefort-Kraters in Südafrika.
In Deutschland bildet das Nördlinger Ries mit einem Durchmesser von 25 km die populärste
Impaktstruktur. Dieses Einschlagsereignis fand mit dem des kleineren Steinheimer Beckens
3,4 km Durchmesser und nach jüngeren Angaben etwa 7 km (Ernstson, 1984), vermutlich
zeitgleich vor etwa 15 Mio. Jahren statt, wobei die Gleichzeitigkeit bisher aber nur
paläontologisch mit Fossilien des Steinheimer Beckens datiert ist
Auch aus dem jüngsten Zeitabschnitt der Erdgeschichte (Holozän ), der vor etwa 11.000
Jahren begann, sind mehrere Impaktereignisse bekannt, darunter Campo del Cielo in
Argentinien vor 400-5000 Jahren, Henbury in Australien vor etwa 5000 Jahren und Kaalijärvi
in Estland vor ca. 3500-3900 Jahren (Heide & Wlotzka, 1995). Der Wabar-Krater in Saudi-
Arabien wird nach (Heide & Wlotzka, 1995) in einen ähnlichen Zeitraum vor etwa 6400
Jahren eingeordnet, soll jedoch nach neueren Untersuchungen (Prescott et al., 2004) nicht
älter als 260 Jahre sein.
Das jüngste Impaktphänomen konnte man jedoch vor etwa einem Jahr im Februar 2013 in
Russland (Tscheljabinsk) beobachten, bei dem Forscher ein etwas größeres Teil eines
Meteoriten nach einem explosionsartigen Auseinanderbrechen in der Atmosphäre bergen
konnten.
Zu den holozänen Einschlägen zählt auch der seit etwa 10 Jahren untersuchte Chiemgau-
Impakt mit einem großen Kraterstreufeld (Ernstson et al, 2010), der heute trotz eindeutig
diagnostischer Schockbefunde (PDFs, diaplektische Gläser) immer noch in der Diskussion
steht.

3. Untersuchungsgebiet (geologischer Rahmen)

4 | S e i t e

3. Untersuchungsgebiet (geologischer Rahmen)

Das Untersuchungsgebiet im Saarland nahe der französischen Grenze (Abb. 1) erstreckt sich
von Nalbach in Richtung Diefflen rechtsseitig der Prims über mehrere hundert Meter.


Geologisch übersichtsmäßig dominieren quartäre Ablagerungen (Terassensande/-kiese,
Lehme, Hangschutt), die die Talsohlen der Prims bedecken und neben Sedimenten des
unteren Rotliegend (ru) und des mittleren Buntsandsteins (sm) vorherrschen (Müller, 2012).
Prägnant ist zudem die im Norden herausragende Erhebung des Litermonts (414 m), die
jedoch außerhalb von Abb.2 liegt. Im Zeitalter des Perms vor ungefähr 270 Mio. Jahren
verzeichnete der Litermont einen aktiven Vulkanismus, aus dem Rhyolith als magmatisches
Gestein hervorging (Konzan et al., 1981).
An Tektonik ist die weitgespannte Primsmulde. mit herzynisch streichenden Störungen zu
nennen, von denen eine am rechten oberen Bildrand in Abb. 2 eingetragen ist
Abb. 1: Übersichtslageplan für das Untersuchungsgebiet
3. Untersuchungsgebiet (geologischer Rahmen)

5 | S e i t e


Abb. 2: geologische Karte des Saarlandes/ Raum Nalbach mit Fundstelle der Proben (Erdbaulaboratorium Saar, 2013)
3. Untersuchungsgebiet (geologischer Rahmen)

6 | S e i t e

Für die Diskussion der in der Arbeit beschriebenen Gesteinsveränderungen ist diese relativ
unbedeutende tektonische Überprägung der Region erwähnenswert.
Im Detail bringt Abb.2 eine geologische Karte des Raumes Nalbach dar, die vom
Erdbaulaboratorium Saar (ELS) in Riegelsberg angefertigt wurde. Hierbei ist zu
berücksichtigen, dass die Legende der Karte sich auf den gesamten geologischen Raum des
Saarlandes bezieht und die meisten Einheiten auf dieser Karte nicht vertreten sind. Speziell
gliedert sich im Gebiet der sm in zwei Schichten, die Trifels- und die Rehbergschichten. Die
Trifelsschichten (kräftige rote Farbe in der Karte) setzen sich aus Konglomeraten mit
zwischengeschalteten feldspathaltigen Sandsteinlagen zusammen. Darauf folgen die jüngeren
Rehbergschichten (blasses Rot) mit verkieselten Sandsteinbänken und teilweise mit tonigen
Lagen versehen (Schneider, 1991). Rotliegend-Sedimente sind in diesem Kartenabschnitt
nicht vertreten.
Die Ablagerungen der Talauen (hellblaue Farbe), wie auch der eigentliche Verlauf der Prims
zeigen, dass das Gewässer früher stark mäandrierte und womöglich auf das Fundgebiet
Einfluss (z. B. Erosion) genommen hat (Abb. 3).
Im Hinblick auf das Auffinden der untersuchten Proben und ihre Ansprache sind die frühe
Besiedelung der Region und rasche Industrialisierung mit merklicher anthropogener
Überprägung ein wichtiger Punkt. Künstliche Aufschüttungen, darunter Auffüllungen von
Bombenkratern des zweiten Weltkrieges, sind weit verbreitet, und die Unterscheidungen von
geologischem Material und solchem aus der Industrie nicht immer einfach.
3. Untersuchungsgebiet (geologischer Rahmen)

7 | S e i t e

Abb. 3: Der Primslauf von 1800-1830 mit Markierung der Fundstelle der Proben (Hein, 2010). Violette Linien stellen Grenzen zu den ehemaligen Wohngebieten dar.
4. Material und Methoden

8 | S e i t e

4. Material und Methoden
4.1 Beschreibung der Proben

Das im Rahmen der Arbeit untersuchte Probenmaterial umfasst insgesamt 24 Proben aus dem
Untersuchungsgebiet von W. Müller sowie zwei Proben als Vergleichsmaterial aus der
Industrie.
Die erste Probe (Probe Nr. 1,Abb. 4) beschreibt ein extrem poröses schwarzes Material, das
an zerkleinerten offenen Oberflächen einen gewissen Glasglanz aufweist.

Auf den ersten Blick würde man zu einem kohleähnlichen Material tendieren, jedoch wird es
mit einem parallel in Südost-Bayern auftretenden Stoff in Verbindung gebracht. Aufgrund des
Fundortes im Chiemgau wird er dort als Chiemit bezeichnet und nach gegenwärtigem Stand
der Forschung als neues Impaktgestein betrachtet (Müller, 2012). Seine Entstehung geht dabei
auf extreme Temperaturen und Drücke zurück (Shumilova et al., 2012). In der vorliegenden
Arbeit wird für die Probe 1 und entsprechende Funde in Gesteinen, angesichts der
verblüffenden Ähnlichkeit mit den Entdeckungen im Chiemgau, der Name Chiemit
übernommen.
Abb. 4. Probe 1: schwarzes extrem poröses kohleartiges Material (Chiemit)
4. Material und Methoden

9 | S e i t e

Die Proben Nr.2, 3 und 4 (Abb. 5, Abb. 6) sind unterschiedlich blau, grün und schwarz
gefärbte Gläser mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen. Teilweise sind fließende
Farbübergänge zu beobachten, was mit unterschiedlichem Chemismus (2- und 3-wertiges
Eisen) zusammenhängen dürfte.


Abb. 5. links Probe 2: blaues Glas mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen; rechts Probe 4: schwarzes Glas mit Gesteins- und
metallischen Einschlüssen
Abb. 6. Probe 3 (links): grünes Glas mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen
4. Material und Methoden

10 | S e i t e

Probe Nr. 5 und Nr. 6 stammen als blaue und schwarze Glasschlacke von der ehemaligen
Glashütte in St. Ingbert (Saarland). Mit Hilfe dieser beiden Referenzmaterialien soll
festgestellt werden, ob sich die im Gelände gesammelten Gläser und die Industriegläser
charakteristisch unterscheiden.

Von 23 Proben aus dem Untersuchungsgebiet wurden Dünnschliffe angefertigt, dazu ein
weiterer Schliff von einer Glasprobe aus der Industrie als Referenzmaterial (Probe 6:
schwarze Glasschlacke, Abb. 7).
Die Schliffe 7-11 sowie die Schliffe 16-18 stammen von verschiedenen hellen Quarzit-
Geröllen, die im Gelände wegen ihrer meist vollkommen ummantelten Glashaut auffallen.
Nach dem Aufsägen und teilweise polieren zeigt sich, dass das Glas auch in sich zum Inneren
hin öffnende Zugrisse gewandert ist (Abb. 8; stellvertretend für ähnliche Proben 7-11, 16 und
17).
Abb. 7. Probe 6: schwarze Glasschlacke aus ehemaliger Glashütte St. Ingbert; stellvertretend für ähnliche Probe 5:
blaue Glasschlacke
4. Material und Methoden

11 | S e i t e

Der Schliff 21 zeigt einen mit Glas überzogenen Sandstein mit teilweise bunten Schlieren in
der Glashaut (Abb. 9).
Abb. 8. Beispiel für eine glasummantelte Quarzit-Probe mit glasgefüllten Rissen, Schliffprobe 18, ähnliche Schliffproben
7-11, 16 und 17
Abb. 9. glasierter Sandstein mit teilweise bunten Schlieren in der Glashaut; Schliffprobe 21
4. Material und Methoden

12 | S e i t e

Von Proben mit Brekziengefüge und Glas- oder klastischer Matrix stammen die Schliffe 13-
15 und 26 (Abb. 10, Abb. 11). Dabei wird zwischen monomikten Brekzien (aus einem
Ausgangsgestein entstanden) und polymikten Brekzien (aus mehreren Ausgangsgesteinen
gebildet) unterschieden. Die Schliffe 13 und 14 sind Beispiele für eine monomikte Brekzie
mit Glasmatrix im Verband mit schwarzem Glas. Die Komponenten setzen sich zusammen
aus Gesteins- (quarzitisch) und Glaspartikeln sowie teilweise eingebackener Chiemit (Abb. 10
Schliffprobe 14 untere Seite). Da die Probenaufnahmen vor dem Anfertigen der Dünnschliffe
gemacht wurden, sind auf den Gesteinen in Abb. 9 noch Markierungen (schwarze Kreuze) zu
erkennen.

Abb. 10 zeigt eine polymikte Brekzie (stellvertretend für ähnliche Schliffprobe 26) mit
Gesteins- und Glasfragmenten in einer dominierenden sandigen Matrix, wobei nach (Müller,
2011), die eingeregelten Partikel eine Fließstruktur nachzeichnen. Die rötlichen Fragmente
deuten dabei auf Glimmer (Biotite) hin.

4. Material und Methoden

13 | S e i t e


Abb. 8. monomikte Brekzien im Verband mit schwarzem Glas und vermutlich Chiemit (rechte Abbildung)eingebacken links
Schliffprobe 13 und rechts Schliffprobe 14
Abb. 9. polymikte Brekzie mit Glas- und Gesteinsfragmenten in sandiger Matrix; Schliffprobe 26; ähnlich Schliffprobe 15
4. Material und Methoden

14 | S e i t e

Einen Sandstein mit glimmernden Partikeln in einer dunklen Glasmatrix zeigt Abb. 12.
Weiterhin ist in das Gefüge noch ein helles Sandsteinfragment eingebacken, das rötliche
Einsprenglinge besitzt.
Die Schliffproben 23 und 24 (Abb. 13) gehen ebenfalls aus einem Sandstein mit Glimmern
hervor, aber unterscheiden sich von Schliffprobe 20 deutlich. Das Material scheint keine
Glaspartikel zu enthalten, noch von einer Glashaut ummantelt zu sein und ist deutlich feiner
strukturiert.

In mehreren Proben bildet Glas den Hauptbestandteil, in dem Einschlüsse untergeordnet
auftreten (im Gegensatz zu den Brekzien in der Glasmatrix). Die Einschlüsse bestehen aus
metallischen, kugelförmigen Komponenten (Abb. 5, Abb. 6) und eckigen
Gesteinsfragmenten, die sich aus rötlichen Sandsteinbruchstücken sowie weißen,
quarzitischen Partikeln zusammensetzen (Abb. 14.).
Abb. 10. Sandstein mit Glimmern in einer Glasmatrix und eingebackenem Sandsteinfragment (hell); Schliffprobe 20
4. Material und Methoden

15 | S e i t e



Abb. 11. feiner Sandstein mit Glimmer; links Schliffprobe 23, rechts Schliffprobe 24
Abb. 12. blaues Glas mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen; Schliffprobe 12; ähnliche Schliffproben 2-4, 22 und 25
4. Material und Methoden

16 | S e i t e

Zur Übersicht werden in der folgenden Tabelle noch einmal alle Proben und die
angewendeten Methoden aufgelistet. Da für die Proben 1 (Chiemit) und 5 (blaue
Glasschlacke) keine Dünnschliffe angefertigt wurden, werden sie bei der Nummerierung der
Schliffe nicht berücksichtigt.

Tab. 1: Übersicht der Proben/Schliffe und angewandte Analyseverfahren (Teil 1)
Bezeich-
nung Nummer makroskopisches Aussehen REM XRD Cges + S GV AAS DS
Probe 1
Chiemit; schwarz bis
gräuliche Farbe,
feinstrukturiert und porös
x x x x x _
Probe/
Schliff
2
blaues Glas mit großem
Anteil dunkler Matrix,
Gesteins- und metallische
Einschlüsse, Hohlräume
x x x x x x
Probe/
Schliff
3
grünes Glas mit Gesteins-
und metallischen
Einschlüssen, Hohlräume
x x x x x x
Probe/
Schliff
4
schwarzes Glas mit Gesteins-
und metallischen
Einschlüssen, Hohlräume
x x x x x x
Probe 5
Glasschlacke (blau); diche
schlierige Matrix
x x x x x _
Probe/
Schliff
6
Glasschlacke (schwarz);
dichte schlierige Matrix
x x x x x x

Abkürzungen:
 REM = Rasterelektronenmikroskopie
 XRD = Röntgendiffraktometrie
 Cges + S = Kohlenstoff- und Schwefelanalysator
 GV = Glühverlust
 AAS = Atomabsorptionsspektrometrie
 DS = Dünnschliff
4. Material und Methoden

17 | S e i t e

Bezeich-
nung Nummer
makroskopisches
Aussehen
REM XRD Cges + S GV AAS DS
Schliff 7
Quarzit mit Glashaut
und glasgefüllten
Zugrissen
_ _ _ _ _ x
Schliff 8
Quarzit mit Glashaut
und glasgefüllten
Zugrissen
_ _ _ _ _ x
Schliff 9
Quarzit mit Glashaut
und glasgefüllten
Zugrissen
_ _ _ _ _ x
Schliff 10
Quarzit mit Glashaut
und glasgefüllten
Zugrissen
_ _ _ _ _ x
Schliff 11
Quarzit mit Glashaut
überzogen
_ _ _ _ _ x
Schliff 12
dunkelblaues Glas
mit Gesteins- und
metallischen
Einschlüssen,
Hohlräume
_ _ _ _ _ x
Schliff 13
monomikte Brekzie
mit Glasmatrix,
Quarz- und
Sandsteinfragmente
_ _ _ _ _ x
Schliff 14
monomikte Brekzie
mit Glasmatrix im
Verband mit Chiemit
und schwarzem Glas
_ _ _ _ _ x
Schliff 15
polymikte Brekzie
mit Gesteins- und
Glasfragmenten,
sandige Matrix
_ _ _ _ _ x
Schliff 16
Quarzit mit Glashaut
und glasgefüllten
Zugrissen
_ _ _ _ _ x
Schliff 17
Quarzit mit Glashaut
und glasgefüllten
Zugrissen
_ _ _ _ _ x
Schliff 18
Quarzit mit Glashaut
und glasgefüllten
Zugrissen
_ _ _ _ _ x
Tab. 2 Übersicht der Proben/Schliffe und angewandte Analyseverfahren (Teil 2)
4. Material und Methoden

18 | S e i t e



Bezeich-
nung Nummer
makroskopisches
Aussehen REM XRD Cges + S GV AAS DS
Schliff 19
grünes Glas mit
Löchern und
metallischen
Einschlüssen
_ _ _ _ _ x
Schliff 20
Sandstein mit
Glimmer und
dunkler
Glasmatrix mit
hellem
Sandsteinfragment
eingebacken
_ _ _ _ _ x
Schliff 21
buntes glasiertes
Sandsteingeröll,
teils quarzitisch
_ _ _ _ _ x
Schliff 22
schwarzes Glas,
viele kleine
Löcher und weiße
Einschlüsse
_ _ _ _ _ x
Schliff 23
homogene Matrix,
winzige Löcher,
durchgehend
hellglimmernd
_ _ _ _ _ x
Schliff 24
homogene Matrix,
winzige Löcher,
durchgehend
hellglimmernd
_ _ _ _ _ x
Schliff 25
grünes Glas,
löchrig und rissig,
enorme
metallische
Einschlüsse teils
rötlich
_ _ _ _ _ x
Schliff 26
polymikte Brekzie
mit Gesteins- und
Glasfragmenten,
sandige Matrix
_ _ _ _ _ x
Tab. 3 Übersicht der Proben/Schliffe und angewandte Analyseverfahren (Teil 3)
4. Material und Methoden

19 | S e i t e

4.2 Beschreibung der angewendeten Methoden

4.2.1 Rasterelektronenmikroskop (REM)

Die Rasterelektronenmikroskopie stellt ein Analyseverfahren dar, mit dem die Struktur und
auch Morphologie kleinster Komponenten inspiziert wird. Im Vergleich zu anderen
Mikroskopen, besitzt das REM eine bessere Auflösung sowie Vergrößerung und erzielt
darüber hinaus eine beträchtliche Tiefenschärfe (Hiltmann & Stribrny, 1998). Das Gerät wird
überwiegend benutzt um pflanzliche oder biogene Partikel zu erforschen, aber auch amorphes
(Glas) oder kristallines abiogenes Material kann mit dieser Methode analysiert werden.
Zunächst werden durch thermische Energiezufuhr eines Wolframdrahtes (Kathode)
Elektronen ausgesendet und in einem Steuerzylinder (Wehnelt-Zylinder) konzentriert.
Nebenher werden die Elektronen im luftleeren Raum mittels einer aufgebauten Spannung von
5 bis maximal 60 keV beschleunigt und in der Folge in einem elektromagnetischen
Linsensystem (Kondensoren, Endlinse) ein Elektronenstrahl erzeugt, der die Oberfläche der
Probe erreicht. Im Zuge des auftreffenden Elektronenstrahls kommt es sowohl zur partiellen
Rückstreuung von Primärelektronen (back-scattered electrons=BSE), als auch zur Emission
von Sekundärelektronen (secondary electrons=SE) der infiltrierenden Elektronen. Letztere
beschreiben dabei freigesetzte Elektronen aus einem Atomverband als Folge der
Wechselwirkung zwischen Primärstrahlung und durchdrungener Materie und werden mittels
eines Detektors aufgezeichnet. Mit dem Abtasten der Probenoberfläche durch den
Elektronenstrahl, geht die Erfassung der Sekundär- und auch Rückstreuelektronen in jedem
einzelnen Punkt einher. Die so erzeugten Signale werden intensiviert, in digitale Werte
transformiert und das Bild im Speicher eines Computers aus den einzelnen Bildpunkten
gestaltet. Dieses so entstandene Foto ist geprägt durch einen hohen Kontrast wie auch eine
hohe Tiefenschärfe und ist zudem aus zahlreichen Einzelpunkten aufgebaut.
Darüber hinaus kann man die REM-Analyse mit einem energiedispersiven Röntgendetektor
(EDX) verknüpfen, um die chemische Zusammensetzung der untersuchten Proben zu
ermitteln (Hiltmann & Stribrny, 1998).

4. Material und Methoden

20 | S e i t e

Probenpräparation:
Zunächst ist es bei Proben die für das REM eingesetzt werden unbedingt notwendig,
elektrisch leitendes Verhalten aufzuweisen. Daher werden nicht leitende Proben wie
Kunststoff, Minerale, oder auch Glas mit einer Schicht überzogen, die diese Eigenschaft
haben. Damit die Probe bei der rasterelektronischen Untersuchung im Vakuum frei bewegt
werden kann, wird sie mit einer Edelmetallschicht versehen, in unserem Fall mit Argon
bedampft. Dabei muss die Durchführung gleichermaßen im Vakuum erfolgen.

4. Material und Methoden

21 | S e i t e

4.2.2 Röntgendiffraktometrie (XRD)

Als Röntgenstrahlen bezeichnet man den Teil des elektromagnetischen Spektrums, der sich
von etwa 10
-3
bis 10nm erstreckt. Sie werden durch rasches Abbremsen der sich schnell
bewegenden Elektronen, wenn diese auf die Materie aufprallen, erzeugt (Klug & Alexander,
1974). Zur Generierung der Röntgenstrahlen benutzt man eine evakuierte Röntgenröhre,
bestehend aus einem Wolframglühdraht als Kathode und einer metallischen Auffangelektrode
(Chrom (Cr), Fe, Kupfer (Cu)) als Anode (Allmann, 2008). In dieser Röhre werden nun die
aus der Kathode hervorgehenden Elektronen mittels einer angelegten Spannung von 20-60kV
rasch in Bewegung gebracht und auf die Anode geschleudert, wo durch das Auftreffen
Röntgenstrahlen entstehen.
Bei der Röntgendiffraktometrie bedient man sich monochromatischer Strahlung. Diese
intensive Röntgenstrahlung entsteht, wenn die Elektronen eine höhere Energie aufweisen, als
die Ionisierungsenergie der Anodenatome auf den tiefer liegenden Elektronenschalen. Tritt
dieser Zustand ein, so werden die Atome ionisiert und damit einhergehend die Elektronen aus
den tiefer liegenden Schalen verdrängt. Damit die Atome nicht in einem unbeständigen
Zustand verweilen, fallen Elektronen aus höheren Schalen auf die tiefe ionisierte Schale
zurück (Allmann, 2008). Im Zuge dieses Vorgangs kommt es zur Freisetzung
elektromagnetischer Quanten in einem spezifischen Wellenlängenbereich, die sich als
charakteristische Röntgenstrahlung definieren lassen (Ulery & Drees, 2008).
In einem Röntgendiffraktometer wird nun in der Röntgenröhre ein monochromatischer
hochenergetischer Röntgenstrahl erzeugt und auf das Probenmaterial gerichtet. Daraufhin
wird der Strahl in einem definierten Winkelbereich an den Netzebenen der einzelnen
Kristallgitter gebrochen und mittels eines photoelektrischen Detektors (Szintillationszähler)
die Intensität des reflektierten Strahlenbündels erfasst. Dabei zirkuliert der Detektor um die
zentral platzierte Probe mit doppelter Winkelgeschwindigkeit.
Im Rahmen der Arbeit wurde die Röntgenpulverdiffraktometrie eingesetzt, bei der die
Gitternetzabstände mit Hilfe der Braggschen Gleichung berechnet werden. Die Wellenlänge λ
der Röntgenstrahlen ist hierbei ohnehin bekannt, während der Winkel θ der einzelnen Reflexe
am Kristallgitter gemessen wird. Die Braggsche Gleichung lautet:
n*λ=2d*sin θ

4. Material und Methoden

22 | S e i t e

wobei:
 d= Abstand zwischen parallelen Gitterebenen
 λ= Wellenlänge der Röntgenstrahlen
 θ= Winkel zwischen Röntgenstrahl und Gitterebene (Glanz-, Braggwinkel)
 n= natürliche Zahl, die die Beugungsordnung beschreibt.
Da die einzelnen Kristalle in der Probe zufällig ausgerichtet sind, wird die Röntgenstrahlung
an einer bestimmten Netzebene reflektiert und somit für ausreichend Kristalle unter einem
definierten Braggwinkel θ die Braggsche Gleichung befolgt (Allmann, 2008). Jede
Röntgenbeugung an den einzelnen Gitterebenen zeichnet das Gerät im Diffraktogramm in
Form eines Peaks auf. Das fertiggestellte Diffraktogramm gilt es anschließend auszuwerten,
wobei sich an der Universität Trier zwei Möglichkeiten bieten. Die erste Methode beruht
dabei auf einem computergestützten Programm, das die Peaks der in der Datenbank
vorhandenen Minerale nacheinander aufruft und über das eigene Diffraktogramm legt.
Stimmen die Peaks des Diffraktogramms mit denen des verwendeten Minerals überein, ist
dieses sicher in der untersuchten Probe enthalten. Die andere Möglichkeit besteht darin, die
genauen Gitternetzabstände im Diffraktogramm anzuschauen und in einschlägiger Literatur
nachzuschlagen, für welche Minerale diese zutreffen. Diese vorgeschlagenen Minerale
werden daraufhin wiederum dem Diffraktogramm der Probe überlagert, bis eines sich mit den
Gitternetzabständen der Probe deckt. Mittels der beiden beschriebenen Methoden werden
somit allmählich Röntgendiffraktogramme analysiert. Die Ergebnisse der vorliegenden Arbeit
werden im nächsten Kapitel vorgestellt.

4. Material und Methoden

23 | S e i t e

Probenvorbereitung
Die Proben werden in einem Backenbrecher (Fritsch, Pulverisette Typ 09003, Idar-Oberstein)
zwei bis drei Minuten auf Staubgröße zermahlen. Bei manchen Proben musste der Vorgang
wiederholt werden, bis keine Schichtung der pulverisierten Substanz mehr zu erkennen war
und das Maximum der Korngrößenverteilung etwa zwischen 5 und 20µm lag. Anschließend
werden nacheinander Präparatträger mit dem jeweiligen zerkleinerten Material befüllt und mit
einem Deckglas abgedichtet, sodass sich die Oberfläche der Proben mit den Begrenzungen
des Trägers auf einer horizontalen Ebene befinden. Ein weiterer Effekt den das Abdecken des
Präparatträgers mit sich bringt, ist die Ausrichtung der Mineralkörner in bevorzugte
Raumlagen, welche vom Habitus der beteiligten Kristalle abhängt. Durch wiederholtes
seitliches Aufklopfen des Behälters wird der auftretende Textureffekt unterbunden. Dabei
sind das Befüllen des Präparatträgers sowie das seitliche Aufklopfen mehrmals
durchzuführen, bis sich schließlich eine homogene Substanz gebildet hat.

4. Material und Methoden

24 | S e i t e

4.2.3 Elementaranalyzer (Kohlenstoff und Schwefel)

Mit einem besonderen Infrarotspektrometer (Leco SC-144DR, Mönchengladbach), dessen
Messzellen einzig die Wellenlänge des Kohlenstoffdioxid (CO
2
) abdeckt, wird der Anteil an
Kohlenstoff (C) ermittelt. Zunächst wird das Probenmaterial in einem Verbrennungsrohr
platziert und dort durch stetige thermische Energiezufuhr bis mindestens 900°C aus seinen
Verbindungen gelöst. Daraufhin leitet ein Trägergasstrom wie etwa Sauerstoff die Probe
durch die Infrarotzelle, wo der freigelassene Kohlenstoff zu CO
2
oxidiert. Benutzt man
anstelle des Sauerstoffs (O
2
) Stickstoff (N) als Trägergas, wird ausschließlich die Verbindung
an Kohlenstoff bestimmt, die sich zuvor als Carbonat in der Probe befindet. Somit kann der
Gesamtkohlenstoff und der Anteil an anorganischem Kohlenstoff differenziert werden. Um
schließlich den organischen Anteil an Kohlenstoff zu erhalten, wird der anorganische Gehalt
vom Gesamtkohlenstoff abgezogen.
Analog zur Kohlenstoffmessung wird auch ein Infrarotspektrometer zur Analyse von
Schwefel verwendet. Der Wellenlängenbereich ist auf das zu untersuchende Element
angepasst und die Verbindungen werden wiederum mittels kontinuierlicher
Temperaturerhöhung aufgebrochen. Jetzt folgt der gleiche Vorgang wie bei der
Kohlenstoffmessung, indem der Schwefel sich an das Trägergas Sauerstoff bindet und als
Schwefeldioxid (SO
2
) durch die Messzelle bewegt wird. Allerdings muss eine stärkere
Erhitzung von wenigstens 1350°C stattfinden, um den Schwefel aus seinen sulfatischen
Verbindungen zu lösen.

4. Material und Methoden

25 | S e i t e

3.2.4 Glühverlust (Loss of ignition)

Der Glühverlust (in %) stellt ein Parameter dar, mit dessen Hilfe der organische Anteil einer
Probe festgestellt wird. Bei der vorliegenden Arbeit wurde zunächst das Leergewicht der
Tiegel bestimmt und daraufhin jeweils 2g der Probe eingewogen. Als nächstes wurden die
Tiegel samt Inhalt in einem Muffelofen (Haereus M110, Hanau) untergebracht, wo sie bei
1050°C geglüht werden, bis keine Veränderung des Gewichtes mehr zu registrieren ist. Bei
diesem Vorgang entweicht der Kohlenstoff in Form von CO
2
. Bei Tonmineralen und großen
Gewichtsverlusten kann auch chemisch gebundenes Wasser verloren gehen. Zuletzt addiert
man die jeweils 2g der Probe zum Leergewicht der Tiegel und zieht diese Summe vom
Glührückstand ab. Das Resultat bildet den Glühverlust.

4.2.5 Atomabsorptionsspektrometrie (AAS)

Die AAS stellt eine schnelle Methode zur quantitativen und qualitativen Ermittlung von
Elementen dar. Dabei wird zunächst eine wässrige Lösung in einer Gasflamme
(Luft/Acetylen, Lachgas-Acetylen) durch thermische Energiezufuhr atomisiert (Heinrichs &
Herrmann, 1990). Die freien Atome im Grundzustand haben nun die Eigenschaft Strahlung
bestimmter Wellenlänge für jedes Element zu absorbieren. Sie nehmen Strahlungsenergie in
Form von Lichtquanten (h*v) auf und werden somit in einen angeregten Zustand überführt
(Welz, 1983). Nach kurzer Zeit jedoch kehren die angeregten Atome in ihren
Ausgangszustand zurück und geben die gleiche Energiedifferenz die zuvor emittiert wurde
wieder ab. Man nennt diesen Vorgang Atomfluoreszenz.
Probenvorbereitung:
Reagenzien:
 Borsäure (H
3
BO
3
)
 Lithiumnitrat (LiNO
3
)
 Spectroflux (LiBO
4
= 47%; Li
2
CO
3
= 36,67%; La
2
O
3
= 16,33%)
 Probenmaterial Salzsäure (HCl, 1N, 2N)

4. Material und Methoden

26 | S e i t e

Geräte:
 Platintiegel
 Platinzange
 Bunsenbrenner
 elektronischer Rührer

Durchführung :
Zunächst werden mit einer Einwaage (Sartorius, Leco-250) 50 mg des Probenmaterials, 50
mg LiNO
3
sowie 50 mg H
3
BO
3
abgestimmt und mit 600 mg des Spectroflux in einen
Platintiegel gegeben. Mittels Spatel wird der Inhalt des Tiegels vorsichtig durchmischt. Im
Zuge der nun folgenden Erhitzung des Platintiegels auf 1200°C geht das Gemisch vollständig
in einen flüssigen Zustand über. Tröpfchen, die sich am Rand absetzen werden durch
vorsichtiges Drehen des Tiegels mit der Platinzange wieder eingefangen. Danach wird die
Lösung 15min über der Flamme gelassen. Nach Ablauf der Zeit nimmt man den Tiegel
vorsichtig von der Flamme. Durch das rasche Abkühlen bildet sich aus der Flüssigkeit eine
Glasperle. Daraufhin bringt man die Perle durch leichtes Aufklopfen zu Bruch und gibt die
Bruchstücke in ein Becherglas. Ein elektronischer Rührer (H+P, Variomag, Multipoint HP15,
Oberschleißheim) unterstützt die Auflösung der Glasfragmente, welche durch Zugabe von 40
ml HCl (1N) eingeleitet wird. Hat sich die Suspension schließlich vollends zersetzt, wird sie
in einen Messkolben gegeben und zuletzt mit demineralisiertem Wasser (Aqua demin) auf
100 ml aufgefüllt und durchmischt. Neben den mit Probenmaterial hergestellten wässrigen
Lösungen wird zusätzlich ein Blindwert hergestellt, der zur späteren Kalibrierung der AAS
notwendig ist. Statt der oben verwendeten Konzentration wird dabei die doppelte Menge der
Reagenzien verwendet (100mg LiNO
3
, 100mg H
3
BO
3
, 1200mg Spectroflux) und die Zugabe
des zu untersuchenden Stoffes entfällt. Die Schritte zur Generierung des Blindwertes bleiben
hierbei die gleichen, nur dass bei der Auflösung der Schmelzperle eine 2N HCl gleicher
Konzentration hinzugefügt wird. Schließlich benötigt man zwei Standards, die in gleichem
Verhältnis wie das Probenmaterial und seine Beimengungen in eine wässrige Lösung gebracht
werden. Standards lassen sich beschreiben als „Gesteine und Minerale, deren chemische
Zusammensetzung hinsichtlich Richtigkeit (accuracy) der Konzentrationen durch die
statistische Auswertung einer Vielzahl von Einzelmessungen gut bekannt ist.“ (Heinrichs &
Herrmann, 1990). Es handelt sich bei den Standards um den JP-1 (Peridotit) und den GXR-3a.

4. Material und Methoden

27 | S e i t e

Messung:
Die Messung erfolgt mit dem Atomabsorptionsspektrometer (Varian, SpactrAA 220), mit
dem hier zehn der Hauptelemente des Periodensystems gemessen werden. Als
Strahlungsquelle dient dabei eine Hohlkathodenlampe (HKL), die aus einem Glaszylinder
aufgebaut ist, in den zwei Elektroden eingeschaltet sind. In diesem Glaszylinder befindet sich
Argon oder Neon und es herrscht ein Druck von wenigen hundert Pascal (Heinrichs &
Herrmann, 1990). Die Anode hat die Form eines Drahtes und enthält Wolfram oder Nickel,
während die Kathode einem Hohlzylinder gleicht und das zu interessierende Element birgt.
Die Hohlkathodenlampen müssen vor jedem Messvorgang etwa 30 min leuchten, sodass sich
die Lichtintensität auf dem höchsten Stand befindet. Außerdem werden die Lampen nach
Beendigung des Messvorgangs für jedes Element einzeln gewechselt.
Bei der Behandlung mit dem Spektrometer stellt man zur quantitativen Ermittlung eines
Elements eine Vergleichslösung her. Dafür wird eine Stammlösung mit bekannter
Konzentration des zu bestimmenden Elements mit Säure behandelt und danach verdünnt.
Dieser Schritt erwies sich hier als überflüssig, da solche Konzentrate für die zu bestimmenden
Stoffe schon angesetzt wurden. Anschließend werden Bezugslösungen durch geeignetes
Verdünnen aus der Stammlösung angefertigt, die bekannte Konzentrationen des zu
ermittelnden Elementes verzeichnen. Ferner enthalten diese Bezugslösungen denselben Anteil
an spektrochemischem Puffer, welcher auch der Probenlösung beigemischt ist, um
weitgehend chemische Zusammensetzung sowie physikalische Eigenschaften anzugleichen
und Messfehler zu vermeiden.
Im Rahmen dieser Arbeit wird die Kalibrierung mit Hilfe des Additionsverfahrens vollzogen.
Hierbei werden Bezugslösungen gleicher Volumina hergestellt und diesen das zu ermittelnde
Element in abnehmender Konzentration zugeführt (Welz, 1983). Die zu untersuchenden zehn
Elemente des Periodensystems erhalten jeweils zwei Bezugslösungen unterschiedlicher
Verdünnung, wobei für Mangan (Mn) und Eisen (Fe) zwei Eichkurven erstellt wurden.
Daraufhin extrapoliert man die Bezugsfunktion bis die Extinktion den Nullpunkt erreicht.
Somit lässt sich die Konzentration der unbekannten Probenlösung bestimmen und graphisch
auswerten.
4. Material und Methoden

28 | S e i t e

4.2.6 Dünnschliffe

Bei Dünnschliffen handelt es sich um ein Verfahren, mit dessen Hilfe Details in Gesteinen,
Böden oder der Keramik unter einem Mikroskop sichtbar gemacht werden, die mit dem
bloßen Auge nicht wahrzunehmen sind. Bei diesem Prinzip wird die Gesteinsprobe mit einer
Diamantsäge geschnitten, poliert und anschließend auf einem gläsernen Objektträger einer
Größe von 48x28 mm angebracht. Zur Befestigung des Präparats wird ein Kunstharz
verwendet. Folglich wird nun das angeklebte Gesteinsbruchstück unter Verwendung von
rotierenden Schleifscheiben grobgeschliffen und daraufhin auf Glasplatten mit Siliziumcarbid
verfeinert, bis es eine Dicke von etwa 30µm erreicht hat (Humphries, 1994). Durch die
Interferenzfarbe von Quarz, bzw. einem anderen leicht zu bestimmenden Mineral, wird die
Schliffdicke unter dem Polarisationsmikroskop festgestellt..
Als Polarisationsmikroskop bezeichnet man ein spezielles Lichtmikroskop, das das linear
polarisierte Licht zur Analyse von Mikrogefügen (z. B. Gesteine) verwendet.
In der vorliegenden Arbeit traten bei den benutzten Gesteinsfragmenten aufgrund ihres harten
und spröden Charakters Schwierigkeiten auf. Die Einschlüsse, besonders Metalleinschlüsse,
weisen meist eine relativ schwache Bindung zur umgebenden Matrix auf. Wegen der daraus
resultierenden Gefahr von Kornausbrüchen beim Schleifen ist eine besondere, von der
üblichen Dünnschliffpräparation etwas abweichende Verarbeitung erforderlich. Die in den
meisten Proben vorhandenen Poren, Blasen und Risse werden mit Kunstharz aufgefüllt, um
ein Einfangen von Schleifabrieb und Schleifkorn (Diamant) zu verhindern. Man bezeichnet
diesen Vorgang als Imprägnation. Die normale Schliffdicke von petrologischen Dünnschliffen
beträgt ca. 25µm. Bei dieser Dicke zeigen Quarzkörner, sofern sie enthalten sind, im
orthoskopischen Strahlengang des Polarisationsmikroskops mit gekreuzten Polarisatoren bei
maximaler Doppelbrechung in Strahlrichtung das Grauweiß der ersten Interferenzordnung. Da
Gläser jedoch in der Regel isotrop sind, entfällt die Möglichkeit der Dickenbestimmung mit
Hilfe der Interferenzfarbe und sie muss mikrometrisch gemessen werden. Wegen der
genannten Empfindlichkeit solcher Proben bezüglich Kornausbrüchen, sollte in Fällen, in
denen dies die Untersuchung nicht stört, nicht bis 25µm heruntergeschliffen, sondern der
Schliff etwas dicker belassen werden (etwa 40µm). Zur Materialschonung bzw.
Strukturerhaltung, d.h. um die Abtragkräfte beim Schleifen zu verringern, findet Öl als
Suspensionsflüssigkeit bzw. Kühlmittel Verwendung.
5. Ergebnisse

29 | S e i t e

5. Ergebnisse
5.1 Rasterelektronenmikroskop

Bei dieser Analysetechnik werden in der vorliegenden Arbeit nur sechs Proben verwendet,
jedoch aufgrund ihrer ähnlichen Mikrostruktur nur vier davon dargestellt. Dabei handelt es
sich um den Chiemit (Probe1), das blaue und das grüne Glas
(Proben2 und 3) und schließlich als Referenzmaterial die schwarze Glasschlacke (Probe 6).

Wie bereits in der Beschreibung der Materialien erwähnt, wird in Abb. 15 das faserige Gefüge
des Chiemits deutlich dargestellt. Die REM-Aufnahme zeigt seine poröse und löchrige
Struktur, in die kleinste Einsprenglinge unbekannter Natur mit eingelagert sind.

Abb. 13. REM-Aufnahme der Probe 1 (Chiemit)
5. Ergebnisse

30 | S e i t e


Das blaue Glas zeigt unter dem REM eine stark reliefierte Matrix mit unterschiedlich großen
Blasenhohlräumen (Abb. 16). Weiterhin lassen die, über die gesamte Fläche verteilten, runden
Aggregate auf Sphärulen hindeuten. Dabei handelt es sich um millimetergroße
Schmelzkügelchen, welche sich zum einen beim Eintreten eines Meteoriten in die
Erdatmosphäre von diesem lösen, oder aber sich auch unter besonderen Bedingungen schon
als kosmische Sphärulen im Universum bilden. Solche Gegebenheiten herrschen durch immer
wieder auftretende Einschläge und das Abspalten kleinster Partikel in einem
atmosphärenfreien Milieu vor und wird anhand charakteristischer Funde von Sphärulen in der
Mondmaterie belegt (French, 1998). Abb. 17 stellt eine Nahaufnahme einer solchen
vermuteten Sphärule dar, die in der Glasmatrix schwimmt und winzigste Bruchstücke
verschiedener Aggregate enthält.

Abb. 14. REM-Darstellung des blauen Glases
5. Ergebnisse

31 | S e i t e


Die Abbildungen 18 und 19 unterstreichen die schon bei dem blauen Glas angebrachten
Aussagen. Auch hier hat die Glasmatrix Sphärulen zu verzeichnen, die sich von kleinsten bis
hin zu größeren Körpern erstrecken. In Abb. 18 sind auch hier deutlich die Fragmente
innerhalb der oberen mittigen Schmelzkügelchen zu erkennen. Wegen der Ähnlichket der
Struktur wurde auf die Abbildung des schwarzen Glases hier verzichtet und diese im Anhang
nachgereicht.
Abb. 15. Nahaufnahme einer Sphärule des blauen Glases unterm REM
Abb. 17. REM-Aufnahme der Probe 3 (grünes Glas) mit
mehreren Sphärulen in der Matrix
Abb. 17. REM-Darstellung der Probe 3 (grünes Glas) mit
großer Sphärule im Vordergrund
5. Ergebnisse

32 | S e i t e


Schließlich wird mit der schwarzen Glasschlacke (Probe 6) das Industrieprodukt als
Vergleichsprobe herangezogen. Im Gegensatz zu den vermuteten Impaktgläsern weist sie ein
dichtes, sehr homogenes Gefüge auf. Zudem enthält sie keine größeren Einschlüsse von
Gesteinen oder metallischen Komponenten. Die blaue Glasschlacke (Probe 5) wurde aufgrund
identischer Eigenschaften nur im Anhang aufgeführt. In dem später unter 5.6.2 folgenden
Abschnitt „Gläser“, wird der Unterschied der Glasschlacke zu den mutmaßlichen
Impaktgläsern noch deutlicher zum Ausdruck gebracht.

Abb. 18. REM-Aufnahme der Probe 6 (schwarze Glasschlacke) als Referenz, stellvertretend für blaue
Glasschlacke
5. Ergebnisse

33 | S e i t e

5.2 Röntgendiffraktometer

Da von den sechs mittels XRD-Messungen bearbeiteten Proben fünf einen amorphen
Charakter aufweisen, sind die Ergebnisse, die hier erzielt wurden, nicht von großem Nutzen
zur Klärung der Forschungsfrage. Dennoch werden die Ergebnisse im Folgenden aufgelistet.
Aufgrund der Ähnlichkeit der Röntgendiffraktogramme bei den Proben 2-6 wird nur eines der
Gläser kurz beschrieben und die anderen Materialien im Anhang dokumentiert.

Abb. 19. Röntgendiffraktogramm der Probe 1 (Chiemit) unbearbeitet
5. Ergebnisse

34 | S e i t e


Abbildung 22 zeigt das Röntgendiffraktogramm des Chiemits. Der Name über dem
Diffraktogramm bezeichnet dabei die Probe, lässt sich also noch nicht mit der verknüpften
Datenbank zur Mineralanalyse auswählen. Anhand des bearbeiteten Diffraktogramms ist zu
sehen, dass Kalziumkarbonat (CaCO
3
) mit den auftretenden Peaks gut korreliert. Darüber
hinaus passen die Werte von Lignit (C-SiO
2
) auf die größten Peaks der Gitternetzabstände im
Diffraktogramm zusammen. Lignit entsteht durch den Inkohlungsprozess aus Holz-, oder
Pflanzenmaterial, weist deutliche Holzstrukturen auf und kann sich in Braun-, Steinkohle,
Anthrazit bis hin zu Graphit umwandeln. Beim Aufprall bzw. Airburst eines Meteoriten
herrschen hohe Temperaturen und Drücke vor, welche den Inkohlungsprozess fördern und die
Umwandlung von pflanzlicher Materie in ein kohlenstoffhaltiges Material gestatten
(Shumilova et al., 2011; Bauer et al.,2013).
Abb. 20. Röntgendiffraktogramm der Probe 1 (Chiemit) bearbeitet; rote Linien= Kalzit (CaCO
3
); blaue Linien= Lignit (C-
SiO
2
)

5. Ergebnisse

35 | S e i t e


Die restlichen fünf Proben zeigen aufgrund ihres amorphen Charakters keine eindeutig
zuzuweisenden Gitternetzabstände an. Die Atome verfügen also über keinen geordneten
strukturellen Aufbau und sind deshalb für mineralogische Zusammensetzungen ungeeignet.
Hier soll trotzdem noch das Diffraktogramm des blauen Glases (Abb. 23) gezeigt werden. Als
charakteristisch für Glasform wird der kleine Buckel auf der linken Seite angesehen. Die
übrigen nicht gezeigten Proben sind im Anhang aufgereiht.

Abb. 21. Röntgendiffraktogramm der Probe 2 (blaues Glas); unbearbeitet
5. Ergebnisse

36 | S e i t e

5.3 Glühverlust

In der vorliegenden Arbeit wird der Glühverlust anhand von insgesamt sechs Proben (Probe
1-6) durchgeführt. Dabei handelt es sich bei Probe 1 um den Chiemit, während die Proben 2-4
die verschiedenen Gläser des Fundortes bilden. Abschließend werden die beiden
Glasschlacken aus St. Ingbert untersucht, die als Referenzproben dienen.

Tab. 4: Glühverlust der Proben (Einheit aller Spalten in Gramm (g)
Name Leergewicht Probe
LG
+Inhalt nach brennen Glühverlust
(1) Chiemit 19,934 2,0001 21,9341 20,6348 1,2993
(2) blaues Glas 21,3284 2,0006 23,329 23,3483 -0,0193
(3) grünes Glas 20,4428 2,0001 22,4429 22,4642 -0,0213
(4) schwarzes Glas 21,4922 2,0008 23,493 23,5096 -0,0166
(5) blaue Glasschlacke 20,7186 2,0004 22,719 22,7281 -0,0091
(6) schwarze Glasschlacke 20,9878 2,0005 22,9883 23,0039 -0,0156

In Tab. 4 sind die einzelnen Glühverluste der sechs Proben dokumentiert. Auffällig sind die
negativen Vorzeichen bei fünf der sechs behandelten Proben. Dies bedeutet, dass bis auf eine
Probe alle Komponenten an Gewicht zunehmen. Aufgrund dieser Umstände wurde der
Glühverlust für alle Proben neu bestimmt. Die Gewichtszunahme wurde bei den gleichen fünf
Proben allerdings bestätigt. Möglicherweise gibt es also eine andere Erklärung für die
Gewichtszunahme. Betrachtet man die Ergebnisse der Atomabsorptionsspektrometrie
(nächster Abschnitt) so erkennt man dass die mutmaßlichen Impaktgläser einen hohen
Eisengehalt haben und auch die Referenzproben und der Chiemit kleinere Gehalte aufweisen.
Das Eisen liegt hierbei vermutlich als Eisen(II)-Oxid vor, welches unter dem Namen Wüstit
(FeO) bekannt ist. Mit der im Muffelofen erfolgenden Verbrennung bei 1050°C, reagiert der
Wüstit mit den Sauerstoffmolekülen der Luft und oxidiert zu Fe
2
O
3
, welches die Minerale
Hämatit und Maghemit bildet. Darüber hinaus und das ist das Entscheidende, bringt die
Umwandlung in Eisen(III)-Oxid eine Gewichtszunahme mit sich. Da alle behandelten Proben
Eisen enthalten, könnte diese Stoffumwandlung das erbrachte Resultat rechtfertigen. Dass der
Chiemit dennoch fast 1,3 g an Masse verliert, deutet daraufhin, dass eine weitere Reaktion
abgelaufen sein muss. Aus der schon zuvor erläuterten röntgendiffraktometrischen Analyse,
ergibt sich für die Probe ein Hauptbestandteil an Kalzit (CaCO
3
). Unter einer Wärmezufuhr
von 1000°C, wie sie auch im Muffelofen vorherrscht, reagiert der Kalzit zu Calciumoxid
5. Ergebnisse

37 | S e i t e

(CaO) und Kohlenstoffdioxid CO
2
(Eisner et al., 1995). Die Reaktion beschreibt folgende
Gleichung:

CaCO
3
 CaO + CO
2
(bei 1000°C Erhitzung)

Man bezeichnet diesen Prozess als Kalkbrennen, bei dem ein enormer Teil an CO
2
entweicht
und somit eine Gewichtsabnahme des mutmaßlichen Chiemits bewirkt.
Außerdem wären auch Messfehler der Waage in Betracht zu ziehen, die bei einer
Abweichung im Tausendstel-Bereich durchaus vertretbar erscheinen.

5. Ergebnisse

38 | S e i t e

5.4 Kohlenstoff- und Schwefelanalysator

Für die Kohlenstoff- und Schwefelgehaltmessung werden dieselben sechs Proben verwendet
mit denen der Glühverlust bestimmt wurde. In der folgenden Tabelle sind die Werte für die
einzelnen Werte aufgelistet.
Tab. 5: Kohlenstoff- und Schwefelgehalte der Proben
Nr/Name Kohlenstoff Schwefel Gewicht Nr/Name Kohlenstoff Schwefel Gewicht
(2) blaue Gläser 0,297 0,073 0,025 (6) schwarze Glasschlacke 0,883 0,681 0,025
(2) blaue Gläser 0,08 0,03 0,303 (6) schwarze Glasschlacke 0 0,617 0,31
Mittelwert 0,188 0,051 Mittelwert 0,441 0,649
Stabw. 0,153 0,031 Stabw. 0,624 0,045


(5 )blaue Glasschlacke 1,281 0,812 0,02 (4) schwarze Gläser 0,071 0,338 0,025
(5) blaue Glasschlacke 1,368 0,737 0,021 (4) schwarze Gläser 0,619 0,115 0,027
(5) blaue Glasschlacke 0,546 0,767 0,02 (4) schwarze Gläser 7,035 0,717 0,022
Mittelwert 1,065 0,772 (4) schwarze Gläser 0 0,408 0,021
Stabw. 0,452 0,038 Mittelwert 1,931 0,394
Stabw. 3,41 0,248

Blank -0,219 -0,33 0,1 (3) grüne Gläser 0,403 0,115 0,021
CaCO3 11,924 -0,014 0,025 (3) grüne Gläser -0,295 -0,006 0,035
CaCO3 12,065 -0,007 0,026 Mittelwert 0,054 0,054
Mittelwert 11,994 -0,011 Stabw. 0,494 0,086
Stabw. 0,099 0,005



(1) Chiemit 51,341 0,571 0,025

(1) Chiemit 51,811 0,291 0,022

Mittelwert 51,576 0,431

Stabw. 0,332 0,198

Sowohl für die Kohlenstoffbestimmung als auch für Schwefel werden, wie in Tab. 5
ersichtlich, für alle Proben Mehrfachbestimmungen (mindestens zwei Messungen) von der
gleichen Probe durchgeführt und der Mittelwert bestimmt. Die vermuteten Impaktgläser
(blaue, grüne und schwarze Gläser) unterscheiden sich bzgl. Kohlenstoff- und Schwefelanteil
deutlich. Dies ist zurückzuführen auf die Mehrfachmessungen für die jeweils einzelnen
Proben zur Bestimmung des Mittelwertes, da diese teilweise sehr stark voneinander
abweichen. Ein Extrembeispiel verzeichnen die vier Messungen der schwarzen Gläser. Neben
zwei recht ähnlichen Werten weichen zwei Proben deutlich ab. Auch bei den Referenzproben
(schwarze und blaue Glasschlacke) sind Varietäten der Resultate erkennbar.Vor der Messung
des Chiemits wird das Gerät mit einer 12%-igen CaCO
3
Standardlösung erneut kalibriert.
5. Ergebnisse

39 | S e i t e

Daraufhin ergibt sich nach zwei Messungen ein Mittelwert für Chiemit von über 51%.
Aufgrund der schon zuvor erläuterten Bestandteile der Probe sowie anderen
Voruntersuchungen (Shumilova et al., 2011) wurde dieser Wert jedoch deutlich höher
erwartet. Möglicherweise variiert der Chiemit aus Nalbach hinsichtlich seiner
Kohlenstoffgehalte deutlich.

5. Ergebnisse

40 | S e i t e

5.5 Atomabsorptionsspektrometer

Zunächst haben neben den für die Analyse verwendeten Proben die Gesteinsstandards die
Aufgabe, eine zweckmäßige Kalibrierung des Spektrometers zu erzielen. Dabei wird anhand
referenzierter Daten überprüft, ob die benutzten Standards zur Kalibration geeignet sind. In
Tab. 6 sind sechs verschiedene Standards dargestellt, wobei sie teilweise nur für höchstens
zwei Elementuntersuchungen dienen.

Tab. 6: Ergebnisse der AAS-Analyse für verschiedene Standards und die verwendeten Proben in %Oxid
Nr/Sample
Si Ti Al Fe Fe Mn Mn Mg Ca Na K Ni
%Oxid
JP - 1 41,34 0,12 1,25 17,56 0,12 0,52 0,31
GXR - 3 12,33 0,16 29,01 0,00 0,00 0,00 2,86 1,39 17,95 2,02 1,66 0,00
JSD-3 norm. Aufschl. 0,00 0,58 0,00 17,64 0,00 0,00 0,00 2,23 0,00 0,00 8,39 0,00
JA-2 norm.Aufschl 0,00 0,82 0,00 25,34 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
MRG-1 norm.Aufschl. 0,00
(1) Chiemit 7,88 0,28 8,96 -0,18 0,83 0,03 0,00 0,18 19,46 1,85 0,87 0,02
(2) blaues Glas 57,74 0,36 14,39 19,86 0,00 0,00 1,91 0,92 13,15 0,58 6,74 0,03
(3) grünes Glas 58,85 0,38 13,91 24,32 0,00 0,00 1,94 0,73 10,58 0,71 6,76 0,03
(4) schwarzes Glas 52,85 0,46 15,25 17,36 0,00 0,00 1,77 1,73 14,66 0,99 5,79 0,03
(5) Glasschlacke (blau) 42,34 0,50 23,60 -0,13 0,92 0,00 1,80 3,79 31,01 0,75 3,79 0,02
(6) Glasschlacke (schwarz) 41,10 0,48 25,77 0,02 1,06 0,00 1,11 3,06 34,45 0,52 3,20 0,03

NIM - S 2,87

Nachdem die Standards durchgelaufen und für die einzelnen Elemente die Eichkurven
konstruiert sind, werden die Proben auf den Inhalt des jeweiligen Elementes bestimmt. Dabei
wird bei allen Vorgängen die Hohlkathodenlampe mit dem nächsten interessierenden Stoff
ausgetauscht. Die Werte sind in Tab. 6 dargestellt.
Auffällig ist der hohe Gehalt an Silizium (Si) der vermuteten Impakt- sowie der
Referenzgläser gegenüber dem mutmaßlichen Chiemit. Dies hängt damit zusammen, dass der
Chiemit hauptsächlich aus Kohlenstoff besteht und nur Teile des Siliziums möglicherweise
als Lignit (C-SiO
2
) (vgl. Ergebnisse Röntgendiffraktometer) an den Kohlenstoff gebunden
sind. Dagegen umfassen sowohl die Impaktgläser als auch die Glasschlacken industrieller
Herkunft einen überwiegenden Anteil an Silizium, welcher in Form von Siliziumdioxid
(SiO
2
) vorliegt.
5. Ergebnisse

41 | S e i t e

Die Werte an Titan (Ti) unterscheiden sich nur geringfügig, wobei Chiemit mit 0,28 %Oxid
noch über den niedrigsten Wert verfügt.
Die Referenzproben aus der Industrie beinhalten den größten Anteil an Aluminium (Al)
nämlich 23-25%Oxid und differenzieren sich somit leicht von den vermuteten Impaktgläsern,
die Werte um die 15%Oxid aufweisen. Wiederum der Chiemit hat mit etwa 9 %Oxid noch
kleinere Werte an Al.
Den größten Kontrast bilden jedoch die Eisengehalte der einzelnen Proben. Sowohl für den
Chiemit, als auch für die Industriegläser muss eine weitere Eichkurve mit höherkonzentrierter
Lösung erstellt werden. Die Eisenwerte bleiben dennoch sehr gering, wohingegen die der
Impaktgläser mit 17-24% deutlich höher liegen. Wie schon in der Beschreibung der
Materialien angesprochen, bergen die Impaktgläser augenscheinlich metallische Einschlüsse,
die vermutlich viel Eisen enthalten.
Weiterhin variiert der Anteil an Mangan (Mn) zwischen den Impakt- und Industriegläsern
unwesentlich. Lediglich der Chiemit weicht deutlich mit minimalsten Gehalten von
0,03%Oxid von den anderen Proben ab, weshalb erneut eine weitere Eichkurve aus einer
höher konzentrierten Lösung erstellt wird.
Gleichermaßen verhält sich der Anteil an Magnesium (Mg) wie auch Kalium, die beide im
mutmaßlichen Chiemit am wenigsten vorhanden sind. Die Werte der Impaktgläser gegenüber
den Industriegläsern verzeichnen dabei im Falle des Mg kleinere Werte und bei K etwas
höhere. Diese Elemente lassen sich genau wie Titan und Mangan jedoch nicht klar deuten,
weshalb sie nur am Rande thematisiert werden.
Der Chiemit zeigt einen enormen Gehalt an Calcium (Ca) auf, der die Impaktgläser mit
19%Oxid merklich übertrifft. Diese reichliche Menge lässt sich vermutlich damit in Einklang
bringen, dass als einer der Hauptbestandteile Kalzit vorliegt und aufgrund dessen viel Ca
vorhanden ist. Einzig die Glasschlacken bereiten mit über 31%Oxid noch beträchtlich höhere
Anteile an Ca.
Ansonsten verfügt der mutmaßliche Chiemit in Bezug auf Natrium (Na) mit 2%Oxid über den
größten Gehalt, während die Gläser sich von 0,5-1% verteilen.
Schließlich ist in allen Proben Spurenanteile von Nickel enthalten, was jedoch im
Zusammenhang mit kosmischer Herkunft sich als wenig aussagekräftig erweist.
Dennoch zeigen die hohen Eisengehalte eine erste Tendenz hinsichtlich eines
Schockereignisses an, jedoch keine konkreten Befunde.

5. Ergebnisse

42 | S e i t e

Tab. 7: Endergebnis der AAS unter Einberechnung von Cges; S; und Glühverlust in %
Standards + Proben
Nummer der Proben

Infrarot-
spektrometer
Canorg Corg
Summe_AAS
(+C+S)
Glühverlust
(1050°C)
Summe AAS
(+C+S+Glüh-
verlust)
ENDSUMME
(AAS)

Summe_AAS Cges S
% % % % % % % % %
JP - 1 61,22
GXR - 3 67,37
JSD-3 norm. Aufschl. 28,84
JA-2 norm.Aufschl 26,16
MRG-1 norm.Aufschl. 0,00
(1) Chiemit 40,17 51,58 0,43 48,23 3,35 92,18 1,30 93,48 41,90
(2) blaues Glas 115,68 0,19 0,05 115,92 -0,02 115,90 115,71
(3) grünes Glas 118,20 0,05 0,05 118,31 -0,02 118,29 118,24
(4) schwarzes Glas 110,88 1,93 0,39 113,21 -0,02 113,19 111,26
(5) Glasschlacke (blau) 108,39 1,07 0,77 110,23 -0,01 110,22 109,16
(6) Glasschlacke (schwarz) 110,81 0,44 0,65 111,90 -0,02 111,88 111,44


5. Ergebnisse

43 | S e i t e

Tab. 7 zeigt die Endberechnung der AAS-Analyse mit allen einzelnen zu berücksichtigenden
Faktoren. Die erste Spalte stellt die gesamten %Oxid-Werte für die zehn gemessenen
Elemente aufsummiert dar. Obendrein werden in der sechsten Spalte die schon zuvor
behandelten Parameter der Kohlenstoff- und Schwefelanalyse mit einbezogen und zu den
aufsummierten %Oxid-Werten addiert. Weiterhin wird auch der Glühverlust beachtet und in
der achten Spalte hinzugerechnet. Da der Gesamtkohlenstoff (Cges) ein Teil des
Glühverlustes darstellt und deswegen nicht doppelt berücksichtigt werden soll, subtrahiert
man diesen schließlich vom Endresultat.
Vergleicht man die letzten beiden Spalten von Tab. 7, fallen sofort die abweichenden Werte
des Chiemits auf. Während alle Glasproben über 100% erreichen, weist der Chiemit in der
Endsumme einen Prozentsatz von etwa 42% auf. Dies ist wiederum auf den enormen Cges-
Gehalt des Chiemits zurückzuführen, der über 50% liegt, wohingegen die Gläser im höchsten
Fall knapp 2% Cges verzeichnen. Der hohe Kohlenstoffanteil ist vermutlich in die, wie auch
im Rötgendiffraktogramm dargestellten, vermuteten Hauptkomponenten Kalzit und Lignit
eingebunden.

5. Ergebnisse

44 | S e i t e

5.6 Dünnschliffe
5.6.1 Schockeffekte in Dünnschliffen

Schockeffekte oder auch Schockmetamorphose zeigen sich in der Veränderung von Gesteinen
und Mineralen durch das Einwirken von stoßweise auftretenden Schockwellen. Schockwellen
können anthropogen durch Laborexperimente oder bei Atombombenexplosionen erzeugt
werden, während auf natürlichem Wege Schockwellen einzig bei einem Impaktereignis
entstehen (Ferrière et al., 2009). Wenn ein großer extraterrestrischer Körper (Asteroid,
Komet) mit der Erdoberfläche zusammenstößt, bilden sich Schockwellen, die sich in den
Impaktor sowie den Untergrund ausbreiten. In der Schockfront entstehen extreme Drücke bis
in den Bereich von Megabar und - bei Druckentlastung - Temperaturen bis zu 10.000° C,
wobei diese Temperaturen genügen, das kosmische Objekt sowie ein vergleichbar großes
Volumen des Bodens zu verdampfen. Beim Fortschreiten der Schockwellen in die Gesteine
nehmen Energie und damit die Drücke und Temperaturen stark ab. Somit schließt sich der
Verdampfungszone eine Zone des Gesteinsschmelzens an, bis schließlich das Gestein bei
weiterer Energieabnahme nur noch mechanisch verändert, deformiert und zerbrochen
(brekziiert) wird. Außer der Bildung von Schockschmelze, auf die im Kapitel über die
mutmaßlichen Impaktgläser eingegangen wird, treten im Zuge dieser Deformation
Schockeffekte unterschiedlicher Intensität in Mineralen auf, die, sofern sie in den
untersuchten Proben auftreten, nachfolgend beschrieben werden.

5. Ergebnisse

45 | S e i t e

5.6.1.1 Diaplektisches Glas

Bei hohen Schockdrücken (30-50 GPa) (French & Koeberl, 2010), gehen Minerale optisch
vollständig in ein Glas über, ohne ihre strukturellen Eigenschaften wie Brüche und
Korngrenzen zu verlieren. Diese isotropisierten Minerale bezeichnet man als diaplektische
Gläser, die im Gegensatz zu herkömmlichem Glas keine Schmelz- oder Fließphasen
durchlaufen haben, sondern durch Schockzerstörung entstehen (French, 1998). Formen sich
die Minerale aufgrund geringerer Drücke nur teilweise um, so werden sie als diaplektische
Kristalle bezeichnet. Nach gegenwärtigem Kenntnisstand können diaplektische Glasphasen
nicht durch endogene Prozesse entstehen, weshalb sie als diagnostisch für Schockereignisse
angesehen werden (French & Koeberl, 2010, S. 131).
In den von W. Müller bei Nalbach gesammelten Proben ist diaplektisches Glas ungemein
stark verbreitet. So sind sämtliche mit Schliffen beprobte Quarzite, die eine Glashaut und mit
Glas gefüllte Risse besitzen, praktisch vollständig optisch isotrop und damit zu einem
diaplektischen Glas geworden. Als Beispiel zeigt Abb. 24 den Schliff 7 in voller Größe unter
gekreuzten Polarisatoren, bei dem die Quarzkörner einheitlich dunkel erscheinen. Im helleren
Bereich hat bei den diaplektischen Quarzkörnern Rekristallisation mit der Bildung von
Ballenstrukturen eingesetzt, was im nächsten Abschnitt 5.6.1.2 beschrieben wird. Zum
Vergleich zeigt Abb.24 einen Schliff in voller Größe (gekreuzte Polarisatoren) von einem
ganz gewöhnlichen Quarzit, der das bekannte Muster der unterschiedlich angeschnittenen und
unterschiedlich auslöschenden Quarzkörner zeigt.

5. Ergebnisse

46 | S e i t e




In einer Ausschnittsvergrößerung zeigen die Abb. 25 und 26 das diaplektische Glasgefüge
einer anderen Quarzitprobe (Schliff 11) sowohl im planparallelen Licht als auch unter
gekreuzten Polarisatoren, und man erkennt die durchgehend erhaltenen Korngrenzen ohne
jegliche Fließstrukturen eines Schmelzglases. Bei den hellen Mineralkörnern handelt es sich
um wenige Quarze, die offensichtlich der Schockumwandlung entgangen sind.
Abb. 22: oben Schliff von einem gewöhnlichen Quarzit (alpines Geröll; unten Schliff 7: Quarzit diaplektisch
umgewandelt; beides gekreuzte Polarisatoren (xx); Bildbreite 48mm. Bei den schwarzen Linien handelt es sich um mit
Glas gefüllte Risse im Quarzit
5. Ergebnisse

47 | S e i t e



Abb. 24.Schliff 11: Quarzit mit diaplektischem Quarzkorngefüge; linear polarisiertes Licht (II);
Bildbreite 560µm
Abb. 24. Schliff 11: Quarzit mit diaplektischem Quarzkorngefüge; gekreuzte Polarisatoren (xx);
Bildbreite 560µm
5. Ergebnisse

48 | S e i t e

Nicht nur der Quarzit von Schliff 7 ist vollständig isotropisiert worden. Auch die in ihn
eingebetteten, als Sanidine angesprochenen länglichen Mineralkörner sind sämtlich zu
diaplektischem Glas umgewandelt worden (Abb. 27), wobei Korngrenzen sowie Brüche
erhalten geblieben sind.

Hellere Partien im Schliff bei gekreuzten Polarisatoren vermitteln sphärulitische
Rekristallisation, z.T. aber auch wenige offenbar schwächer geschockte Quarzkörner. Die
Sanidin-Kristalle entstammen vermutlich aus der Geologie des Rotliegend, durch die der
Fundort geprägt ist.
Abb. 25.Schliff 7: oben diaplektische Sanidin-kristalle im Quarzit links bei II und rechts bei xx; Bildbreite 560µm unten Nahaufnahme
eines diaplektischen Sanidin-kristalls links ll und rechts xx;
5. Ergebnisse

49 | S e i t e

Einen Vergleich mit einem ähnlich zu diaplektischem Glas umgewandelten Quarzgestein
zeigt Abb. 28. Ein Sandsteinfragment in einer stark geschockten Brekzie aus der Azuara-
Impaktstruktur (Spanien), besteht aus isotropisierten Quarzkörnern in einer partiell
rekristallisierten Silikatschmelze .
5.6.1.2 Ballenstrukturen

Quarz ist ein sehr wandlungsfähiges Mineral, das unter verschiedenen Temperatur- und
Druckbedingungen in viele SiO
2
-Polymorphe übergehen kann. Dazu gehören neben den
Hochdruckmodifikationen Coesit und Stishovit, auch die Hochtemperaturmodifikationen
Tridymit und Cristobalit. Letzterer ist ein seltenes Mineral und aus Vulkaniten bekannt. Im
Rahmen einer Schockmetamorphose bildet er sich bei Temperaturen um 1700° C aus
diaplektischem Glas oder dem Kieselglas Lechatelierit, (amorphes SiO
2
) (Ferrière et al.,
2009). Ein fundamentales Merkmal für den Übergang von Quarz zu Cristobalit stellt die
Ausbildung eines ballenartigen Gefüges dar, das runde, oval geformte Bündel darstellt, die
aus Aggregaten gestreckter Lamellen bestehen. Eine solche dachziegelartige Ballenstruktur
gilt nach neueren Untersuchungen (Ferrière et al., 2009) als diagnostisch für
Impaktereignisse.
Abb. 26: Ein zu einem diaplektischen Glas umgewandeltes Sandsteinfragmentin einer stark geschockten polymikten
Brekzie aus der Azuara-Impaktstruktur (Spanien). Links ll, rechts xx, Bildbreite 600µm. Aus (Ernstson et al., 2002);
farbiges Bild aus http://www.impaktstrukturen.de/seite-schock-metamorphose/
5. Ergebnisse

50 | S e i t e

Abb. 27: Schliff 12 blaues Glas) mit Ballenstruktur; linear polarisiertes Licht und gekreuzte Polarisatoren; Bildbreite 560 µm
5. Ergebnisse

51 | S e i t e

Als sehr charakteristisches Beispiel zeigt Abb. 29 Ballenstrukturen im Schliff 12 eines blauen
Glases. Die vielen, möglicherweise Flüssigkeitseinschlüsse und Rekristallisation, sorgen
dafür, dass die Ballenstrukturen unter gekreuzten Polarisatoren undeutlich werden, was von
Ballenstrukturen in anderen Impaktgesteinen bekannt ist (Ferrière et al, 2009). Zum Vergleich
zeigt Abb. 30 Ballenstrukturen aus den Impaktstrukturen Bosumtwi (Ghana) und Mien
(Schweden).
Ballenstrukturen in dieser oder sehr ähnlicher Ausbildungen konnten in insgesamt 13 der
untersuchten 23 Schliffe nachgewiesen werden, darunter außer in den Gläsern auch in den
diaplektischen Quarziten und den Gläsern mit Brekziengefüge. Außer dem Ballenstrukturen
bildenden Cristobalit konnte in einigen Schliffen auch die SiO
2
-Hochtemperaturmodifikation
Tridymit nachgewiesen werden. Im Schliff 14 (Abb. 25) tritt er im Kontakt mit
Ballenstrukturen auf und ist an der sehr niedrigen Doppelbrechung und den typischen
keilförmigen Verzwilligungen (MacKenzie & Guilford, 1981) zu erkennen.
Der unmittelbare Übergang von Ballen-Cristobalit in Tridymit kann mit unterschiedlicher
Schock-Erhitzung oder Abkühlung des Quarzkornes erklärt werden.
Abb. 28. Ballenstrukturen in Cristobalit aus dem Suevit der Bosumtwi-Impaktstruktur (Ghana) (a) und Ballenquarz in
einem Impaktgestein der Mien-Impaktstruktur (Schweden) (b). Aus (Ferrière et al., 2009)

5. Ergebnisse

52 | S e i t e

Abb. 29. Schliff 14: Cristobalit übergehend in Tridymit; gekreuzte Polarisatoren und ganz leicht gekreuzte Polarisatoren; Bildbreite 1,4 mm
5. Ergebnisse

53 | S e i t e

Ein weiteres Schockmerkmal in den Schliffen sind Quarze mit grieseligem Bild und
Braunfärbung. Man spricht von einem „getoasteten Quarz“ (engl. „toasted quartz“), der nach
derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen als Schockeffekt anzusehen ist (Ferrière, et al.,
2009). Zuerst wurde getoasteter Quarz in geschockten Gesteinen des Manson-Impaktkraters
in Iowa beschrieben (Short & Gold, 1996), später auch in vielen anderen Impaktstrukturen
identifiziert.

Schliff 17 (Abb. 32) von einem Quarzit mit Glashaut und glasgefüllten Rissen zeigt einen
solchen getoasteten Quarz, der zudem die typischen Ballenstrukturen aufweist. Man erkennt
unzählige winzigste rote Einsprenglinge, die als Flüssigkeitseinschlüsse gedeutet werden und
nach mehrerer Autoren (Short & Gold, 1996); (Whitehead et al., 2002) für die Toast-Struktur
des Quarzes verantwortlich sind. Sie bilden sich während einer Rekristallisationsphase durch
das Entmischen Wassers von Glas (Whitehead et al., 2002).
Abb. 30. Schliff 17: getoasteter Ballenquarz; II; Bildbreite 560µm
5. Ergebnisse

54 | S e i t e

5.6.1.3 planare Brüche(PFs, planar fractures)

Grundsätzlich verfügt Quarz über keine Spaltbarkeit, wie fast durchgehend in der Literatur
und auch im Internet zu lesen ist. Ganz selten wird eine einfache Spaltbarkeit nach dem
Rhomboeder berichtet (Floerke et al., 1981). Dagegen gehört Spaltbarkeit in Quarz zum
regelmäßigen Inventar der Schockmetamorphose und entwickelt sich bereits bei
Schockdrücken <10 GPa (French & Koeberl, 2010). Der gegenwärtige Stand der
Impaktforschung besagt: „Multiple PF sets are definitely the product of impact-generated
shock waves; they are developed in the rocks of established impact structures …” (French &
Koeberl, 2010, S. 134), was sinngemäß bedeutet, dass multiple Scharen von PFs als
diagnostisch für ein Schock- und Impaktereignis beurteilt werden. Abb. 33 zeigt im Schliff 15
ein Quarzkorn mit multiplen Scharen von PFs, deren unterschiedliche Richtungen farblich
markiert sind.



Abb. 31. Schliff 15: Quarzkorn mit einer Vielzahl von Systemen planarer Brüche (PFs), bei
denen einheitliche Richtungen farblich einheitlich markiert sind; xx, Bildbreite 560 µm
5. Ergebnisse

55 | S e i t e

Zu einer Schockentstehung der PFs passen die unter gekreuzten Polarisatoren und bei
rotiertem Mikroskoptisch auslöschenden Stellen als Anzeichen einer partiellen Isotropisierung
im Quarzkorn, also die Umwandlung in diaplektisches Glas.
Multiple Scharen von PFs als Schockeffekte sind in vielen Impaktstrukturen nachgewiesen
worden. Abb. 34 stellt den Schliff eines geschockten Kreidesandsteins aus der Azuara-
Impaktstruktur dar, der mehrere planare Brüche in Quarz verzeichnet
Dass das Quarzkorn von Abb. 34 mit den multiplen Scharen von PFs und Flecken
diaplektischen Glases keinen Einzelfall darstellt, belegt Abb. 35 mit weiteren Quarzen aus
demselben Schliff 15.




Abb. 32. Multiple Scharen planarer Brüche in Quarz aus einem geschockten Kreide-Sandstein der Azuara-Impaktstruktur,
Spanien; Dünnschliffaufnahme; xx; Bildbreite 800 µm Aus Ernstson & Claudin, http://www.impaktstrukturen.de, Original
in (Ernstson, Claudin, Schüssler, & Hradil, 2002)
5. Ergebnisse

56 | S e i t e




Abb. 33. Zusammenstellung multipler Scharen von PFs und Flecken diaplektischen Glases in weiteren Quarzkörnern des Schliffes 15 ; xx; Bildbreite
560µm
5. Ergebnisse

57 | S e i t e

5.6.1.4 planare Deformationsstrukturen (PDFs, planar deformation features)

Planare Deformationsstrukturen in Quarz lassen sich als mehrere, parallel eng nebeneinander
laufende isotrope Lamellen charakterisieren. Sie orientieren sich nach kristallographischen
Ebenen, entstehen bei Schockdrücken von 10-25 GPa. und gelten als diagnostisch für eine
Schockbeanspruchung (French & Koeberl, 2010). Im Gegensatz zu den PFs sind PDFs keine
offenen Risse (French, 1998) und unterscheiden sich durch ihren viel geringeren Abstand (≤
1µm- 10µm) und ihre geringe Breite (≤ 1µm). Sind die Lamellen der PDFs mit winzigen
Flüssigkeitseinschlüsse belegt, spricht man von dekorierten PDFs (French & Koeberl, 2010).
In den Schliffen 15 und 21 werden Scharen von planaren Elementen beobachtet, die bis auf
den Nachweis der kristallographischen Orientierung die Merkmale von PDFs besitzen (Abb.
36, Abb. 37).

Abb. 34 Schliff 15: Vermutete PDFs (schwarzer Pfeil) und PFs (weißer Pfeil) in Quarz; xx
5. Ergebnisse

58 | S e i t e


In beiden Schliffen treten die vermuteten PDFs zusammen mit PFs auf, eine Verbindung, auf
die auch (French & Koeberl, 2010) mit Blick auf geschockte Quarze hinweisen.
Die Schar relativ kurzer planarer Elemente im rechten oberen Bereich des Quarzes von Abb.
37 ist möglicherweise kristallographisch orientiert, da sie unmittelbar mit einer
streifenförmigen undulösen Auslöschung einhergeht. Undulöse Auslöschung bei gekreuzten
Polarisatoren belegt eine plastische Verformung des Kristallgitters, die bei Quarz als Folge
tektonischer Beanspruchung häufig auftritt. Da die planaren Elemente, die zudem leicht
gebogen sind, der kristallographisch bedingten undulösen Auslöschung folgen (Trepmann &
Spray, 2005), kann es sich bei ihnen um echte schockproduzierte PDFs handeln.
Vermutlich handelt es sich dann eher um eine schwächere Schockbeansprung, da nur jeweils
ein einziges System ausgebildet ist und mit zunehmenden Schockdrücken immer mehr sich
kreuzende Scharen von PDFs auftreten, wie es z.B. die PDFs der Impaktstrukturen
Rochechouart und Ries zeigen (Abb. 38, 39).
Abb. 35 Schliff 15: Zwei Sets von vermuteten PDFs (weiße Pfeile) und PFs (schwarze Pfeile) in Quarz; xx
5. Ergebnisse

59 | S e i t e



Abb. 36 multiple Sets an PDFs dekoriert; Suevit-Brekzie von Rochechouart
(Frankreich); xx; Maßstab 0,1 mm (French B. M., 1998)
Abb. 37 . multiple PDFs im Quarzkorn eines Suevits vom Ries-Krater; xx; Maßstab 0,1
mm (French B. M., 1998)
5. Ergebnisse

60 | S e i t e

5.6.1.5 unregelmäßige Brüche im Quarz

Brüche können sich in Quarzen sowohl durch geringe tektonische Deformation, als auch
durch leichte Schockwellen entwickeln (French & Koeberl, 2010). Quarz zeigt hierbei
unregelmäßige, gerade bis gekrümmte und zufällig orientierte Frakturen, die sich auch in den
umliegenden Körnern fortsetzen können. Da eine Unterscheidung tektonisch -
schockproduziert nicht möglich ist (French & Koeberl 2010), gehören hier unregelmäßige
Brüche in Quarz zunächst zu vermuteten Schockeffekten. Etwas anders verhält es sich mit
unregelmäßigen offenen Spallationsbrüchen, die im nächsten Unterpunkt beschrieben werden.


Bruchbeanspruchungen in Quarz treten in den Schliffen von Nalbach verbreitet in einer
derartigen Intensität auf, dass es sehr schwer fällt, sie einer tektonischen Deformation
zuzuschreiben. Abb. 40 zeigt den Ausschnitt einer Dünnschliffaufnahme mit einem extrem
zertrümmerten Quarz, der in einer Glasmatrix eingebettet ist (Schliff 13). Die einheitliche
Auslöschung aller Fragmente mit erhalten gebliebener "Passgenauigkeit" an den Korngrenzen
deutet auf Zugbrüche oder ein Zerbrechen unter sehr hohem, allseitig wirkendem Druck hin.
Bei gerichtetem Druck mit Scherung wäre eine Rotation der Komponenten zu erwarten, was
Abb. 38. Schliff 13: nahezu pulverisiertes Korn; links ll, rechts xx; Bildbreite 600 µm
5. Ergebnisse

61 | S e i t e

jedoch im Schliff nicht zu erkennen ist. Da die Risse wegen der Auslöschung unter gekreuzt
polarisiertem Licht glasgefüllt erscheinen, deutet die Deformation auf durchgehende
Zugbeanspruchung, die mit Vorstellungen über eine tektonische Beanspruchung nicht
verträglich ist.
Ein vollständiges derart beanspruchtes Quarzkorn mit denselben Merkmalen der feinsten
Zertrümmerung bei erhalten gebliebenem Zusammenhalt der Fragmente zeigt Abb. 41.

Abb. 39. Schliff 13: feinste Zertrümmerung eines Quarzkorns bei bestehendem Zusammenhalt der
Fragmente; ll; Bildbreite 3mm
5. Ergebnisse

62 | S e i t e

5.6.1.6 Spallation

Im Zuge eindringender Schockwellen tritt bei Impaktereignissen der Prozess der Spallation
auf. Die Schockwellen durchlaufen als Druckwelle das heterogene Gestein und werden, wenn
sie auf eine freie Oberfläche treffen, dort als Zugwelle gleicher Energie reflektiert (Ernstson,
et al. 2001 ). Auch an Grenzflächen im Gestein, an denen es zu einem starken Rückgang der
sogenannten Impedanz (Impedanz = Produkt aus Dichte und Schallgeschwindigkeit des
Materials) kommt, wird ein beachtlicher Teil des Drucks in Form von Zug reflektiert. Es
entstehen Zugbrüche, die zum Absplittern und Abplatzen (englisch: spallation) von
Gesteinsfragmenten führen können (Ernstson et al., 2001 ). Geometrisch und durch die
Zugbeanspruchung bedingt, stellen sich diese Spallationsbrüche oft als Spiegelbild der
Kornoberflächen dar (Ernstson et al., 2001 ). Dem Prozess der Spallation kommt entgegen,
dass im Allgemeinen die Zugfestigkeit aller Materialien, auch die der Gesteine, deutlich
geringer ist als die Druckfestigkeit. Somit richten bei Impaktereignissen die reflektierten
Entlastungswellen meist den weitaus größeren Schaden an, als der Druck der Schockwellen.
Das Ausmaß der Spallation variiert dabei von Mikrostrukturen bis hin zur Deformation
riesiger Gesteinskomplexe.

Abb. 40.Schliff 21: Offene, glasgefüllte Spallationsbrüche in zwei Quarzen, die jeweils in drei größere
Fragmente zerteilt wurden. xx, Bildbreite grob 0,8 mm Für jedes Fragment lässt sich grob eine
Symmetrielinie zu den Umrissen aus Kornoberfläche und Spallationsrissen ziehen. Mehr im Text.
5. Ergebnisse

63 | S e i t e


Typische, als Spallationsbrüche gedeutete Brüche, zeigt Schliff 21 (Abb. 42) mit zwei derart
beanspruchten Quarzkörnern, die in einer Glasmatrix schwimmen. Die oben bereits
angesprochene Geometrie solcher Spallationsbrüche, die aus dem Reflexionsprozess an der
freien Kornoberfläche resultiert, ist in beiden Körnern gut zu beobachten, was in Abb. 42
weiter verdeutlicht wird. Zuvor zeigt Abb. 43 zum Vergleich ein offenbar nahezu identisch
deformiertes Quarzkorn mit glasgefüllten Rissen aus einem geschockten Gestein des
Chiemgau-Impaktes. Auch hier lassen sich die charakteristischen Symmetrielinien innerhalb
der Fragmente ziehen.
Zudem wird Wert darauf gelegt, dass es sich in Abb. 42 nicht um einen Einzelbefund handelt,
sondern dass sich die typische Spallaltionsgeometrie der offenen Risse regelmäßig in den
Quarzkörnern identifizieren lässt, was Abb. 44 zeigt.
Abb. 41: Quarzkorn mit wahrscheinlichen Spallationsrissen aus dem Chiemgau-Impakt; xx;
Bildbreite = 0,8 mm (Ernstson et al., 2010)
5. Ergebnisse

64 | S e i t e



Abb. 42: Zusammenstellung von durch Spallation betroffenen Quarzkörnern aus Schliff 21; xx; grob 1,2 mm; blau: einige
markierte "Spalls“; rot: Symmetrielinien innerhalb von Spallationsfragmenten.
5. Ergebnisse

65 | S e i t e

5.6.1.7 Knickbänderung in Glimmern

Knickbänder sind charakteristische Deformationsstrukturen, die häufig in geschockten
Glimmern von Impaktgesteinen auftreten (Hörz, 1970). Sie formen sich bei geringen
Schockdrücken durch Gleitungen und Rotationen im Kristall und verlaufen quer zur basalen
Spaltbarkeit (Abb. 45).









Da Knickbänder jedoch auch in Gesteinen auftreten, die durch sehr starke tektonische
Deformation beansprucht wurden, kann man sie nicht eindeutig einem Schockereignis
zuordnen. Nach (Hörz, 1970, Schneider, 1972) unterscheiden sich schockbeanspruchte
Knickbänder durch ihre hohe Anzahl im Korn, große Engständigkeit und die Asymmetrie der
Knickwinkel von tektonisch deformierten. Zudem gehen geschockte Glimmer oft mit Scharen
von PDFs einher (z. B. beim Ries-Krater, (Schneider, 1972)), ein Merkmal, das auf tektonisch
beanspruchte Glimmer nach heutigem Kenntnisstand nicht zutrifft.


Abb. 43: Entstehung von Knickbändern
Abb. 44 Schliff 26: Unregelmäßig eingebettete Glimmer (Biotite) in polymikter Brekzie;
ganzer Schliff; ll; Bildbreite 48mm
5. Ergebnisse

66 | S e i t e

Von den untersuchten Schliffen fällt Schliff 23 mit unregelmäßig eingebetteten Biotiten in
einer polymikten Brekzie auf (Abb. 46). Die meisten dieser Glimmer weisen eine intensive
Knickbänderung und Scharen planarer Deformationsstrukturen (PDFs) auf (Abb. 47, 48,49)
Abb. 45. Schliff 26: Glimmerkorn (Biotit) mit intensiver Knickbänderung (NNW – SSE) quer zur Spaltbarkeit
(SW – NE). xx, Bildbreite 750 µm.
5. Ergebnisse

67 | S e i t e

Zur Veranschaulichung, wie das Modell in Abb. 47 im geknickten Glimmer realisiert ist, zeigt
Abb. 48 einen stark vergrößerten Ausschnitt, in dem die wesentlichen Merkmale markiert und
bezeichnet sind.


In einem Vergleich zeigt Abb. 49 einen Biotit mit ebenfalls intensiver Knickbänderung, von
der angenommen wird, dass sie das Resultat einer Schockdeformation in einem
Impaktereignis (Chiemgau-Impakt) ist.

Abb. 46: Beschreibung der Knickbandgeometrie in einem Biotit von Schliff 26; xx; Bildbreite 120 µm
5. Ergebnisse

68 | S e i t e


Eine Besonderheit bei den beanspruchten Glimmern mit Knickbänderung von Nalbach ist das
Auftreten weiterer Scharen von im allgemeinsten Sinne planaren Deformationsstrukturen
(PDFs), bei denen nicht immer zu klären ist, ob es sich um äußerst schmale Knickbänder oder
auch z.B. um Gittergleitungen handelt, wie für die Glimmer aus dem Rieskrater diskutiert
wird (Schneider, 1972).
Abb. 47. Ausgeprägte Knickbänder in Glimmer, die einen großen Winkel mit der Spaltbarkeit (001) bilden. Gneis, Chiemgau-
Impakt (Deutschland); Dünnschliff; xx; Bildbreite 650 µm (Ernstson & Claudin, http://www.impaktstrukturen.de)
5. Ergebnisse

69 | S e i t e

Schließlich wird die Vielfalt an Knickbändern und anderer planarer Deformatonsstrukturen in
den Biotiten aus schliff 26 in einer kleinen Zusammenstellung zum Ausdruck gebracht (Abb.
51).
Abb. 48. Zwei Glimmer aus Schliff 26 mit mehreren Scharen von PDFs, die die leicht erkennbare
Spaltbarkeit queren. Gekreuzte Polarisatoren, Bildbreiten oben 540 µm und unten 1,4 mm.
5. Ergebnisse

70 | S e i t e

Abb. 49: Zusammenstellung von Schliffbildern (Schliff 26), die die Vielfalt von planaren Deformationsstrukturen in Biotiten vermitteln. Die Bildbreiten liegen jeweils
bei grob 0,5 mm.
5. Ergebnisse

71 | S e i t e

5.6.2 Gläser

Der Reichtum an verschiedenfarbigen mutmaßlichen Impaktgläsern bildet ein Hauptmerkmal
von W. Müllers Funden und soll deshalb hier unter einem eigenen Unterpunkt aufgeführt
werden. Zunächst wird auf die charakteristischen Eigenschaften der bunten Gläser an sich
eingegangen und danach ein Vergleich mit einem industriellen Referenzprodukt angestellt.
5.6.2.1 Gläser vom Fundort

Die mutmaßlichen Impaktgläser besitzen ein Spektrum an grünen, blauen und schwarzen
Farben, die vermutlich von Eisenoxiden herrühren und weisen Blasenhohlräume in einer
Glasmatrix auf. Es bestehen fließende farbliche Übergänge, die sich in einer
schlierenförmigen Bänderung über die gesamte Matrix fortsetzen. Über makroskopisch
ähnliche Gläser aus der Zhamanshin-Impaktstruktur hat (Koeberl, 1988) berichtet.

Abb. 52 zeigt ein blaues Glas als Dünnschliff. Das gesamte Glas ist mit zahllosen dunklen
Einschlüssen, mit bis zu winzigsten Formaten angereichert.

Abb. 50. Schliff 12: Löcher und Einschlüsse in makroskopisch blauem Glas; II; Bildbreite 350µm
5. Ergebnisse

72 | S e i t e

Sie bilden möglicherweise Gas- oder Flüssigkeitseinschlüsse, können aber ohne genauere
Untersuchungen nicht weiter charakterisiert werden. Teilweise erscheinen sie undeutlich, was
damit zusammenhängt, dass sie kleiner als die Schliffdicke sind (<30µm) und nicht
einheitlich scharf gestellt werden können. Die weißen Kreise repräsentieren die
Blasenhohlräume des Glases.
Außer als individuelle Glaskörper gibt es Gläser auch in den unterschiedlichsten Gesteinen
des Untersuchungsareals. Dazu gehören die mit Glas ummantelten hellen Quarzit-Gerölle
(Abb. 8), polymikte Brekzien mit gleichermaßen Gesteins- und Glaskomponenten (Abb. 10,
Abb. 11) sowie Gesteine mit Glasmatrix und polymiktem Brekziengefüge (Abb. 5, 6, 14). Ein
schwarzes Glas (Schliff 7-11; 16-18) füllt die offenen Risse in den hellen Quarzit-Geröllen
(Abb. 8). Abb. 53. zeigt einen solchen mit Glas gefüllten Riss im Dünnschliff. Innerhalb des
Risses setzt entlang der Hohlräume (schwarze Flächen) Rekristallisation ein. Bei den
Mineralen könnte es sich um Hellglimmer handeln.

Weitere Rekristallisationserscheinungen treten vorwiegend entlang der Löcher in den offenen
Rissen und an Blasenhohlräumen auch in weiteren Schliffen (Abb. 54) auf.
Abb. 51. Schliff 7: Glas gefüllter Riss im Quarzit; xx; Bildbreite 1,4mm
5. Ergebnisse

73 | S e i t e

In mehreren Schliffen (2,19) sind verschiedene Glassorten im Kontakt zu beobachten. Abb.
55 zeigt in der oberen Hälfte die Glasmatrix des Gesteins mit scherbigem Gefüge. Die untere
Hälfte wird von der andersartigen Glasmatrix einer Komponente eingenommen (Abb. 55). In
ihr schwimmen quarzitische Partikel, die ein Fließgefüge im Glas zeigen und Ballenstrukturen
als Schockindikator aufweisen (5.6.1.2 Ballenstrukturen). In beiden Glaskomponenten treten
opake, vermutlich metallische Sphärulen auf, von denen die geschwänzten größeren im
partikelreichen Glasfluss (untere Hälfte des Schliffs) eingeregelt erscheinen. Durch welchen
Prozess die unterschiedlichen Glassorten und auch die ursprünglich wohl geschmolzenen
opaken Sphärulen in den Proben zusammengefunden haben, bleibt vorerst unklar.

Abb. 52. Schliff 13: Rekristallisation an Hohlraum in grünem Glas mit Schlierengefüge und metallischen
Einschlüssen (dunkle Partikel); xx; Bildbreite 4mm
5. Ergebnisse

74 | S e i t e


Größere Glaskomponenten mit quarzitischen Komponenten können die dachziegelartige
Ballenstruktur des Quarzes und die opaken Sphärulen mit der im schlierigen Glasfluss
eingeregelten Schwänzung deutlicher zeigen (Abb. 56, Schliff 2).

Abb. 53.Schliff 19: Kontakt zweier Glasfronten im grünen Glas mit opaken Sphärulen; ll; Bildbreite 1,4mm
5. Ergebnisse

75 | S e i t e


Ein großes opakes, metallisch erscheinendes Partikel in einem der Gläser zeigt Schliff 25 in
Abb. 57, 58. Im selben Schliff treten neben den schon bekannten Blasenhohlräumen mit
beginnender Rekristallisation, opaken Sphärulen und winzigsten Einschlüssen unbekannter
Natur auch feinere glasgefüllte Risse auf, die nach dem Erkalten und der Verfestigung der
Glasmatrix entstanden sein müssen.
Abb. 54. Schliff 2: Glas mit Ballenstruktur und metallischen Sphärulen; ll; Bildbreite 1,4mm
5. Ergebnisse

76 | S e i t e


Abb. 55. Schliff 25: Glasgefüllte Risse in Glasmatrix; ll; Bildbreite 6mm
Abb. 56. Schliff 25: Glasgefüllte Risse in Glasmatrix; xx; Bildbreite 6mm
5. Ergebnisse

77 | S e i t e

5.6.2.2 Referenzglas Industrie

Die Referenzprobe stammt aus der ehemaligen Glasverhüttungsanlage St. Ingbert im Saarland
und ist ein schlackenähnliches Material aus gräulich schwarzen bis grünlichen Farbtönen (s.
Abb. 7). Mit den mutmaßlichen Impaktgläsern hat dieses Glas wenig gemeinsam. Es hat ein
dichtes, schlieriges, sonst aber sehr homogenes Gefüge (Abb. 59) mit nur ganz seltenen
Blasenhohlräumen. Es gibt keine Gesteinsfragmente und keine größeren metallischen
Einschlüsse.
Das Fehlen der quarzitischen Gesteinspartikel und der in den Impaktgläsern regelmäßig
auftretenden Ballenstrukturen als diagnostischer Schockindikator sowie das Fehlen der
Koexistenz verschiedener Glasformen (z.B. Abb. 55 und 56) machen den ganz wesentlichen
Unterschied aus. Hinzu kommen weitere unterschiedliche Merkmale, wie z.B. eine
durchgehende beginnende Rekristallisation des Industrieglases (Abb. 60) im Gegensatz zu
einer nur sporadischen Rekristallisation an Blasenhohlräumen oder Rissen beim Glas aus dem
Untersuchungsgebiet.

Abb. 57. Schliff 6: dichtes schlieriges Gefüge des Industrieglases mit opaken (metallischen ?) Sphärulen (schwarze
Partikel); ll; Bildbreite 4mm
5. Ergebnisse

78 | S e i t e


In beiden Gläsern sind allerdings opake Sphärulen vorhanden, die beim Industrieglas strahlige
Auswüchse einer Rekristallisation zeigen und durch eine dichte Aneinanderreihung das
streifige Gefüge in Abb. 59 verursachen. Ohne weitere chemische Analyse stellen sie kein
Unterscheidungsmerkmal dar.
Wenn sich auch das im Gelände auftretende mutmaßliche Impaktglas und Industriegläser
nicht immer auf Anhieb makroskopisch unterscheiden lassen, so dürfte in aller Regel eine
mikroskopische Schliffuntersuchung in den meisten Fällen eine eindeutige Ansprache
erlauben. Insbesondere Gläser mit silikatischen Einschlüssen, die Schockeffekte wie die
regelmäßig auftretenden Ballenstrukturen belegen, schließen nach dem gegenwärtigen Stand
der Kenntnisse eine anthropogene Bildung aus.

Abb. 58. Schliff 6: durchgehende Rekristallisation des Industrieglases; xx; Bildbreite 350µm
6. Diskussion und Schlussfolgerungen

79 | S e i t e

6. Diskussion und Schlussfolgerungen

Aufgrund äußerer Umstände (Ausfall von Apparaturen) liegt ein Schwerpunkt der Arbeit auf
der Untersuchung von Dünnschliffen. Die Analysen erbrachten den Nachweis einer Häufung
von Mineralveränderungen, die nach heutigem Stand der Wissenschaft als diagnostisch für
eine Schockbeanspruchung zu gelten haben. Das wichtigste Merkmal ist das Auftreten
diaplektischer Gläser, die nicht bei endogenen Prozessen auftreten können (French &
Koeberl, 2010). In den vorhandenen Dünnschliffproben weisen überwiegend die Quarze aber
auch Sanidine (Abb. 18 Schliff 7) solch eine optische Isotropie auf, wobei ihre strukturellen
Eigenschaften wie Korngrenzen und Brüche erhalten blieben. Die aufzubringenden
Schockdrücke, um eine vollständige diaplektische Umwandlung der Minerale zu gestatten,
betragen 30-45 GPa (French, 1998). Bei geringeren Drücken kann es auch zu partieller
Isotropisierung mit fleckenhafter Auslöschung bei gekreuzten Polarisatoren kommen. Solche
diaplektischen Quarzkristalle wurden ebenfalls beobachtet. Weiterhin gelten nach neueren
Untersuchungen (Ferrière et al., 2009) Ballenstrukturen, die in sehr vielen Proben auftreten
(Abb. 29-32, Schliffe 12, 14, 17; Abb. 55-56, Schliffe 19, 2) als eindeutiges Schockmerkmal.
Das trifft auch für die multiplen Scharen planarer Brüche in Quarz zu, die in diversen
Quarzen auftreten (siehe Abb. 35). Eine solche ausgeprägte Spaltbarkeit ist in Quarz
unbekannt und nur im Zusammenhang mit Impaktereignissen zu beobachten (French &
Koeberl, 2010, S. 134). Einfache planare Brüche sind in Ausnahmefällen aus tektonisch
beanspruchten Gesteinen einer starken Regionalmetamorphose bekannt. Eine so starke
Tektonik ist für das Untersuchungsgebiet jedoch nicht gegeben.
Andere in den Schliffen beobachtete Mineraldeformationen werden nicht als eindeutiger
Beweis für eine Schockbeanspruchung angesehen, sind hier aber ebenfalls mit großer
Wahrscheinlichkeit dazuzurechnen. Genannt werden planare Deformationsstrukturen (PDF)
in Quarz, die in einer Ausbildung als isotrope Lamellen nach kristallographisch orientierten
Flächen durchaus als diagnostisch für Schock gelten. Die in den Schliffen nur sporadisch
scharenweise auftretenden planaren Elemente in Quarz zeigen zwar die typische Ausbildung,
was Dicke und Abstand der Lamellen im Mikrobereich betrifft, ihre kristallographische
Orientierung wurde jedoch nicht nachgewiesen. Eine typische Schockdeformation bei
geringeren Schockdrücken sind auch Knickbänder in Glimmern, die aber auch tektonisch
erzeugt auftreten. Nach (Hörz, 1970) sollen sich Knickbänder einer Schockbeanspruchung
durch eine hohe Frequenz im Korn, große Engständigkeit und durch vorherrschende
Asymmetrie von tektonischen Knickbändern unterscheiden. Genau diese Merkmale treffen
6. Diskussion und Schlussfolgerungen

80 | S e i t e

auf die stark geknickten Glimmer im Schliff Nr. 25 zu. Hinzu kommt, dass sich die meisten
dieser Glimmer durch weitere Scharen planarer Deformationsstrukturen auszeichnen, was für
tektonisch deformierte Glimmer offenbar so nicht bekannt ist, jedoch aus geschockten
Gesteinen z.B. des Ries-Kraters berichtet wird (Schneider, 1972).
Ebenfalls sehr ungewöhnlich sind die in mehreren Schliffen beobachteten extremen
Zertrümmerungen der Quarze, die in vielen Fällen einer Pulverisierung nahekommen. Um die
Vielfalt der Pulverisierung in weiteren Schliffen (Abb. 40,41; Schliff 13) zu belegen, wird mit
in Abb. 61 noch ein weiterer Schliff (Schliff 20) mit ähnlichen Merkmalen gezeigt. Es fällt
schwer, bei der trotzdem meist erhaltenen Passgenauigkeit der Fragmente eine tektonische
Beanspruchung in Betracht zu ziehen.


Tektonisch nicht erklärbar sind auch die unregelmäßigen, offenen und mit Glas gefüllten
Zugrisse in Quarzen, die in großen Mengen auftreten. Wegen des Charakters der
Zugbeanspruchung und ihrer besonderen Geometrie vielfach als Spiegelbild der
Kornoberflächen können sie als schockinduzierte Spallationsrisse gedeutet werden (5.6.1.6
Spallation, Ernstson et al., 2001).
Abb. 59. Schliff 20: völlige zertrümmerte Quarze (pulverisiert); xx; Bildbreite 3mm
6. Diskussion und Schlussfolgerungen

81 | S e i t e

Die hier noch eimal zusammengestellten wesentlichsten Befunde der Schliffuntersuchungen
mit eindeutigen, sehr wahrscheinlichen und zudem in den Gesteinen des Untersuchungsareals
offenbar weitverbreiteten Schockeffekte mit höchster Druck- und Temperatureinwirkung
sprechen ohne Zweifel für ein Impaktereignis, wofür gegenwärtig aber noch keine
Einschlagstruktur gefunden werden konnte.
Dafür lassen sich verschiedene Gründe anführen. Ein solcher Krater könnte existiert haben,
aber durch alluviale Überprägung des Geländes und Erosionsarbeit des Flusses verschwunden
sein.
Eine weitere, eher spekulative Möglichkeit für das Fehlen eines Kraters, die bereits von
(Buchner et al., 2011) für das Gebiet Nalbach erwogen wurde, ist die Annahme eines
Airbursts. Wenn sich ein kosmisches Projektil (Asteroid, Komet) mit einer hohen
Geschwindigkeit (> 10 km/s) durch die Erdatmosphäre bewegt, wird die vor ihm befindliche
Luft stark verdichtet. Im Zuge dieser Kompressionsdrücke und Hitzeentwicklung kommt es
zu einem leichten Zersplittern des Objekts, wodurch mehr Angriffsfläche für die Reibung mit
der Luft geschaffen wird und die Reibungstemperatur schlagartig ansteigt. Eine folgende
gewaltige Detonation (Explosion) bewirkt einen Hochtemperaturstrom in Richtung
Erdoberfläche, der dabei seine kinetische und innere Energie an die Atmosphäre überträgt
(Boslough & Crawford, 2008). Kollidiert dieser hochenergetische Strahl in der Folge mit der
Erdoberfläche, so breitet sich ein radial expandierender Feuerball aus, der die
Schmelztemperaturen der Mineralien übersteigt und nach (Osinski, et al., 2008) zu der
Glasumwandlung führt, wie sie auch im Untersuchungsgebiet charakteristisch vorzufinden ist.
Ein Airburst könnte auch das verbreitete und reichhaltige Vorkommen an Chiemit-Material
im Areal Nalbach erklären, das nach Untersuchungen an vergleichbaren Vorkommen beim
Chiemgau-Impakt auf eine Bildung unter höchsten Drücken und Temperaturen
zurückzuführen ist (Shumilova et al., 2012). Danach bewirkt ein Airburst eine Schock-
Inkohlung, bei der die betroffene Vegetation nicht wie bei der gewöhnlichen Kohlebildung
(organisches Material > Torf > Braunkohle > Steinkohle > Anthrazit) durch einen
langandauernden Prozess verändert wird, sondern spontan in dichtes Kohlenstoffmaterial
überführt wird (Bauer et al., 2013). Für einen solchen Prozess liefern eingebackene Holzreste
und teilweise angedeutete Rindenstrukturen im Chiemit sowie kaum zu übersehende
Pseudomorphosen von Chiemit nach Holz überzeugende Argumente.
Darüber hinaus ließen sich die verblüffenden Parallelen zwischen den Funden in Nalbach und
dem Chiemgau auch auf einen Airburst übertragen der im Zusammenhang mit Beobachtungen
beim Chiemgau-Impakt erwogen wird (Ernstson et al., 2010).
6. Diskussion und Schlussfolgerungen

82 | S e i t e

Eine geologisch verhältnismäßig einfache Erklärung für das Fehlen einer Impaktstruktur im
Raum Nalbach ist eine allochthone Bildung der Impaktite, die über Transportvorgänge mit
Prims und Nebenflüssen an den Fundort als zweite Lagerstätte gelangt sein könnten. Der sehr
geringe Rundungsgrad der meisten Proben spricht allerdings gegen weite Transportwege.
Ziel weiterführender Untersuchungen muss zwangsläufig eine Klärung einer Allochthonie mit
Schürfen und flachen Bohrungen sein, wobei eine Verdichtung der Funde über weitere
Strecken flussaufwärts wichtige Hinweise auf eine möglicherweise weiter entfernte, bisher
nicht als solche erkannte Impaktstruktur geben könnte.
Schließlich bleibt die Diskussion zur Frage der zeitlichen Einordnung des Impaktereignisses.
Daten einer absoluten Datierung der vom Impakt betroffenen Gesteine (Thermolumineszenz,
Radiokarbonmethode) liegen nicht vor. Entsprechend der Möglichkeit einer sekundären
Lagerstätte sind die Ablagerungen in geringer Tiefe innerhalb der Auenlehme stratigraphisch
wenig aussagekräftig. Die sehr frisch wirkenden Gläser sprechen allerdings für eine sehr
junges, vermutlich nacheiszeitlich, holozänes Alter. In dem Zusammenhang scheinen
Überlegungen interessant, ob der Mensch dieses Ereignis erlebt hat und ob in archäologischen
Ausgrabungen der Region entsprechende Hinweise zu entdecken sind. Das wäre im Hinblick
auf eine Gleichzeitigkeit mit dem Chiemgau-Impakt von Bedeutung, bei dem gemeinsame
Funde von archäologischem und Impakt-Material stratigraphisch ein Alter
Bronzezeit/Keltenzeit belegen.


7. Fazit und Ausblick

83 | S e i t e

7. Fazit und Ausblick

Ziel der vorliegenden Diplomarbeit war es, Oberflächenfunde von ungewöhnlichen
Gesteinsproben und Gläsern aus dem Raum Nalbach/Prims mit geochemischen und
mineralogischen Methoden zu untersuchen, um die seit wenigen Jahren vorliegende
Vermutung eines kosmisches Ereignis mit einem meteoritischen Impakt zu stützen oder auch
in Frage zu stellen. Ein wesentliches Augenmerk war auf mögliche Verwechslungen mit
anthropogenem Material zu richten. Die von geochemischen Analysen erwarteten Ergebnisse
blieben hinter den Erwartungen zurück. Sie zeigten, dass die untersuchten Gläser hohe
Eisengehalte und Sphärulen enthalten, die als typisch im Zusammenhang mit einem
kosmischen Ereignis gelten können, aber keineswegs als beweiskräftig anzusehen sind. Einen
entscheidenden Fortschritt erbrachten Dünnschliff-Untersuchungen am
Polarisationsmikroskop von insgesamt 21 Gesteins- und Glasproben aus dem Gelände sowie
einer industriellen Glasprobe. Dabei konnten reichlich ungewöhnlich starke Schockeffekte
nachgewiesen werden, die nach heutigem Kenntnisstand nicht durch endogene Prozesse
entstehen können und als diagnostisch für einen meteoritischen Impakt gelten. Sie dienen
auch als eindeutiges Unterscheidungsmerkmal zu industriellen Gläsern der Region.

Da bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt ein Hinweis auf den Ort eines solchen Einschlags in
Form eines Impaktkraters fehlt, sind ein kosmisches Ereignis ohne direkte
Einschlagmerkmale in Form eines Airbursts vorstellbar, aber auch geologische Ursachen wie
das Verschwinden einer ursprünglich vorhandenen Struktur durch Erosion und/oder
Sedimentation zu diskutieren. Schließlich müssen die Funde kein autochthones Material
angetroffen haben, das sich nunmehr auf zweiter Lagerstätte befindet. Schürfe und flache
Bohrungen am Fundort selbst und weiter flussaufwärts könnten die Frage einer Allochthonie,
sei es durch geologische oder anthropogene Verlagerung, klären helfen. Insbesondere am
Fundort entlang der Prims könnten Grabungen zu weiteren Erkenntnissen führen, da nach H.
Hein dieses Areal seit knapp 200 Jahren vollkommen unberührt von künstlichen
Aufschüttungen der Industrie geblieben ist. Untersuchungen zur stratigraphischen Lage der
geschockten Materialien oder auch eine mögliche Identifizierung einer Impaktstruktur im
Oberlauf der Prims würden auch die wichtige Frage einer Datierung dieses ungewöhnlichen
Ereignisses, möglicherweise zu einer Zeit, als die Region bereits besiedelt war, einer Lösung
näherbringen. Solche spannenden Arbeiten, die über den Rahmen der Diplomarbeit
hinausgingen, bleiben weiterführenden Untersuchungen vorbehalten.
8. Abbildungsverzeichnis

84 | S e i t e

8. Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Übersichtslageplan für das Untersuchungsgebiet ....................................................................... 4
Abb. 2: geologische Karte des Saarlandes/ Raum Nalbach mit Fundstelle der Proben
(Erdbaulaboratorium Saar, 2013) ............................................................................................................ 5
Abb. 3: Der Primslauf von 1800-1830 mit Markierung der Fundstelle der Proben (Hein, 2010).
Violette Linien stellen Grenzen zu den ehemaligen Wohngebieten dar.................................................. 7
Abb. 4. Probe 1: schwarzes extrem poröses kohleartiges Material (Chiemit) ......................................... 8
Abb. 5. links Probe 2: blaues Glas mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen; rechts Probe 4:
schwarzes Glas mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen ................................................................ 9
Abb. 6. Probe 3 (links): grünes Glas mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen ............................... 9
Abb. 7. Probe 6: schwarze Glasschlacke aus ehemaliger Glashütte St. Ingbert; stellvertretend für
ähnliche Probe 5: blaue Glasschlacke ................................................................................................... 10
Abb. 8. monomikte Brekzien im Verband mit schwarzem Glas und vermutlich Chiemit (rechte
Abbildung)eingebacken links Schliffprobe 13 und rechts Schliffprobe 14 ........................................... 13
Abb. 9. polymikte Brekzie mit Glas- und Gesteinsfragmenten in sandiger Matrix; Schliffprobe 26;
ähnlich Schliffprobe 15 ......................................................................................................................... 13
Abb. 10. Sandstein mit Glimmern in einer Glasmatrix und eingebackenem Sandsteinfragment (hell);
Schliffprobe 20 ...................................................................................................................................... 14
Abb. 11. feiner Sandstein mit Glimmer; links Schliffprobe 23, rechts Schliffprobe 24 ....................... 15
Abb. 12. blaues Glas mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen; Schliffprobe 12; ähnliche
Schliffproben 2-4, 22 und 25 ................................................................................................................. 15
Abb. 13. REM-Aufnahme der Probe 1 (Chiemit) ................................................................................. 29
Abb. 14. REM-Darstellung des blauen Glases ...................................................................................... 30
Abb. 15. Nahaufnahme einer Sphärule des blauen Glases unterm REM .............................................. 31
Abb. 17. REM-Aufnahme der Probe 3 (grünes Glas) mit mehreren Sphärulen in der Matrix .............. 31
Abb. 17. REM-Darstellung der Probe 3 (grünes Glas) mit großer Sphärule im Vordergrund .............. 31
Abb. 18. REM-Aufnahme der Probe 6 (schwarze Glasschlacke) als Referenz, stellvertretend für blaue
Glasschlacke .......................................................................................................................................... 32
Abb. 19. Röntgendiffraktogramm der Probe 1 (Chiemit) unbearbeitet ................................................. 33
Abb. 20. Röntgendiffraktogramm der Probe 1 (Chiemit) bearbeitet; rote Linien= Kalzit (CaCO
3
);
blaue Linien= Lignit (C-SiO
2
) ............................................................................................................... 34
Abb. 21. Röntgendiffraktogramm der Probe 2 (blaues Glas); unbearbeitet .......................................... 35
Abb. 22: oben Schliff von einem gewöhnlichen Quarzit (alpines Geröll; unten Schliff 7: Quarzit
diaplektisch umgewandelt; beides gekreuzte Polarisatoren (xx); Bildbreite 48mm. Bei den schwarzen
Linien handelt es sich um mit Glas gefüllte Risse im Quarzit .............................................................. 46
Abb. 24.Schliff 11: Quarzit mit diaplektischem Quarzkorngefüge; linear polarisiertes Licht (II);
Bildbreite 560µm ................................................................................................................................... 47
Abb. 24. Schliff 11: Quarzit mit diaplektischem Quarzkorngefüge; gekreuzte Polarisatoren (xx);
Bildbreite 560µm ................................................................................................................................... 47
Abb. 25.Schliff 7: oben diaplektische Sanidin-kristalle im Quarzit links bei II und rechts bei xx;
Bildbreite 560µm unten Nahaufnahme eines diaplektischen Sanidin-kristalls links ll und rechts xx; . 48
Abb. 26: Ein zu einem diaplektischen Glas umgewandeltes Sandsteinfragmentin einer stark
geschockten polymikten Brekzie aus der Azuara-Impaktstruktur (Spanien). Links ll, rechts xx,
Bildbreite 600µm. Aus (Ernstson et al., 2002); farbiges Bild aus http://www.impaktstrukturen.de/seite-
schock-metamorphose/ .......................................................................................................................... 49
Abb. 27: Schliff 12 blaues Glas) mit Ballenstruktur; linear polarisiertes Licht und gekreuzte
Polarisatoren; Bildbreite 560 µm .......................................................................................................... 50
8. Abbildungsverzeichnis

85 | S e i t e

Abb. 28. Ballenstrukturen in Cristobalit aus dem Suevit der Bosumtwi-Impaktstruktur (Ghana) (a) und
Ballenquarz in einem Impaktgestein der Mien-Impaktstruktur (Schweden) (b). Aus (Ferrière et al.,
2009) ...................................................................................................................................................... 51
Abb. 29. Schliff 14: Cristobalit übergehend in Tridymit; gekreuzte Polarisatoren und ganz leicht
gekreuzte Polarisatoren; Bildbreite 1,4 mm .......................................................................................... 52
Abb. 30. Schliff 17: getoasteter Ballenquarz; II; Bildbreite 560µm ..................................................... 53
Abb. 31. Schliff 15: Quarzkorn mit einer Vielzahl von Systemen planarer Brüche (PFs), bei denen
einheitliche Richtungen farblich einheitlich markiert sind; xx, Bildbreite 560 µm .............................. 54
Abb. 32. Multiple Scharen planarer Brüche in Quarz aus einem geschockten Kreide-Sandstein der
Azuara-Impaktstruktur, Spanien; Dünnschliffaufnahme; xx; Bildbreite 800 µm Aus Ernstson &
Claudin, http://www.impaktstrukturen.de, Original in (Ernstson, Claudin, Schüssler, & Hradil, 2002)
............................................................................................................................................................... 55
Abb. 33. Zusammenstellung multipler Scharen von PFs und Flecken diaplektischen Glases in weiteren
Quarzkörnern des Schliffes 15 ; xx; Bildbreite 560µm ......................................................................... 56
Abb. 34 Schliff 15: Vermutete PDFs (schwarzer Pfeil) und PFs (weißer Pfeil) in Quarz; xx .............. 57
Abb. 35 Schliff 15: Zwei Sets von vermuteten PDFs (weiße Pfeile) und PFs (schwarze Pfeile) in
Quarz; xx ............................................................................................................................................... 58
Abb. 36 multiple Sets an PDFs dekoriert; Suevit-Brekzie von Rochechouart (Frankreich); xx; Maßstab
0,1 mm (French B. M., 1998) ................................................................................................................ 59
Abb. 37 . multiple PDFs im Quarzkorn eines Suevits vom Ries-Krater; xx; Maßstab 0,1 mm (French
B. M., 1998) .......................................................................................................................................... 59
Abb. 38. Schliff 13: nahezu pulverisiertes Korn; links ll, rechts xx; Bildbreite 600 µm ...................... 60
Abb. 39. Schliff 13: feinste Zertrümmerung eines Quarzkorns bei bestehendem Zusammenhalt der
Fragmente; ll; Bildbreite 3mm .............................................................................................................. 61
Abb. 40.Schliff 21: Offene, glasgefüllte Spallationsbrüche in zwei Quarzen, die jeweils in drei größere
Fragmente zerteilt wurden. xx, Bildbreite grob 0,8 mm Für jedes Fragment lässt sich grob eine
Symmetrielinie zu den Umrissen aus Kornoberfläche und Spallationsrissen ziehen. Mehr im Text. ... 62
Abb. 41: Quarzkorn mit wahrscheinlichen Spallationsrissen aus dem Chiemgau-Impakt; xx; ............ 63
Abb. 42: Zusammenst. von durch Spallation betroffenen Quarzkörnern aus Schliff 21; xx; grob 1,2
mm; blau: einige markierte "Spalls“; rot: Symmetrielinien innerhalb von Spallationsfragmenten. .... 64
Abb. 43: Entstehung von Knickbändern ............................................................................................... 65
Abb. 44 Schliff 26: Unregelmäßig eingebettete Glimmer (Biotite) in polymikter Brekzie; ganzer
Schliff; ll; Bildbreite 48mm .................................................................................................................. 65
Abb. 45. Schliff 26: Glimmerkorn (Biotit) mit intensiver Knickbänderung (NNW – SSE) quer zur
Spaltbarkeit (SW – NE). xx, Bildbreite 750 µm. .................................................................................. 66
Abb. 46: Beschreib. der Knickbandgeometrie in einem Biotit von Schliff 26; xx; Bildbreite 120 µm67
Abb. 47. Ausgeprägte Knickbänder in Glimmer, die einen großen Winkel mit der Spaltbarkeit (001)
bilden. Gneis, Chiemgau-Impakt (Deutschland); Dünnschliff; xx; Bildbreite 650 µm (Ernstson &
Claudin, http://www.impaktstrukturen.de) ............................................................................................ 68
Abb. 48. Zwei Glimmer aus Schliff 26 mit mehreren Scharen von PDFs, die die leicht erkennbare
Spaltbarkeit queren. Gekreuzte Polarisatoren, Bildbreiten oben 540 µm und unten 1,4 mm. .............. 69
Abb. 49: Zusammenstellung von Schliffbildern (Schliff 26), die die Vielfalt von planaren
Deformationsstrukturen in Biotiten vermitteln. Die Bildbreiten liegen jeweils bei grob 0,5 mm. ....... 70
Abb. 50. Schliff 12: Löcher und Einschlüsse in makroskopisch blauem Glas; II; Bildbreite 350µm ... 71
Abb. 51. Schliff 7: Glas gefüllter Riss im Quarzit; xx; Bildbreite 1,4mm ............................................ 72
Abb. 52. Schliff 13: Rekristallisation an Hohlraum in grünem Glas mit Schlierengefüge und
metallischen Einschlüssen (dunkle Partikel); xx; Bildbreite 4mm ........................................................ 73
9. Tabellenverzeichnis

86 | S e i t e

Abb. 53.Schliff 19: Kontakt zweier Glasfronten im grünen Glas mit opaken Sphärulen; ll; Bildbreite
1,4mm .................................................................................................................................................... 74
Abb. 54. Schliff 2: Glas mit Ballenstruktur und metallischen Sphärulen; ll; Bildbreite 1,4mm ........... 75
Abb. 55. Schliff 25: Glasgefüllte Risse in Glasmatrix; ll; Bildbreite 6mm ........................................... 76
Abb. 56. Schliff 25: Glasgefüllte Risse in Glasmatrix; xx; Bildbreite 6mm ......................................... 76
Abb. 57. Schliff 6: dichtes schlieriges Gefüge des Industrieglases mit opaken (metallischen ?)
Sphärulen (schwarze Partikel); ll; Bildbreite 4mm ............................................................................... 77
Abb. 58. Schliff 6: durchgehende Rekristallisation des Industrieglases; xx; Bildbreite 350µm ........... 78
Abb. 59. Schliff 20: völlige zertrümmerte Quarze (pulverisiert); xx; Bildbreite 3mm ......................... 80

9. Tabellenverzeichnis

Tab. 1: Übersicht der Proben/Schliffe und angewandte Analyseverfahren (Teil 1) .............................. 16
Tab. 2 Übersicht der Proben/Schliffe und angewandte Analyseverfahren (Teil 2) ............................... 17
Tab. 3 Übersicht der Proben/Schliffe und angewandte Analyseverfahren (Teil 3) ............................... 18
Tab. 4: Glühverlust der Proben (Einheit aller Spalten in Gramm (g) .................................................... 36
Tab. 5: Kohlenstoff- und Schwefelgehalte der Proben .......................................................................... 38
Tab. 6: Ergebnisse der AAS-Analyse für verschiedene Standards und die verwendeten Proben in
%Oxid .................................................................................................................................................... 40
Tab. 7: Endergebnis der AAS unter Einberechnung von Cges; S; und Glühverlust in % ........................ 42

10. Literaturverzeichnis

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11. Anhang

89 | S e i t e

11. Anhang

1. Anhang: Schliffe/Proben ............................................................. 90
1.1. Quarzite mit glasgefüllten Zugrissen und Glashaut; links Schliff 7, rechts Schliff 8 .. 90
1.2. Quarzite mit glasgefüllten Rissen und Glashaut; links Schliff 9, rechts Schliff 10 ..... 90
1.3. Schliff 11: Quarzit mit glassgefüllten Rissen und Glashaut ....................................... 91
1.4. Quarzite mit glasgefüllten Rissen und Glashaut links Schliff 16; rechts Schliff 17 .... 91
1.5. Schliff 22: Schwarzes Glas mit Gesteins- und metallischen Einschlüssen ................. 92
1.6. Schliff 26: polymikte Brekzie mit Glas- u. Gesteinsfragmenten in sandiger Matrix .. 92
1.7. Schliff 25: Grünes Glas mit Gesteinseinschlüssen und großer metallischer Fläche .. 93
2. Anhang: REM-Aufnahmen ......................................................... 94
2.1. REM-Aufnahme von schwarzem Glas (Probe 4) ........................................................ 94
2.2. REM-Aufnahme von blauer Glasschlacke (Probe 5) .................................................. 94
3. Anhang: Röntgendiffraktometer ................................................ 95
3.1. Röntgendiffraktogramm von grünem Glas (Probe 3) ................................................ 95
3.2. Röntgendiffraktogramm von schwarzem Glas (Probe 4) .......................................... 95
3.3. Röntgendiffraktogramm von blauer Glasschlacke (Probe 5) .................................... 96
3.4. Röntgendiffraktogramm von schwarzer Glasschlacke (Probe 6) ............................. 96
4. Weitere Dünnschliffe mit vermuteten Schockeffekten............. 97
4.1. Schliff 21 Nahaufnahme großes Quarzkorn diaplektisch getoastet und planare
Brüche, linear polarisiertes Licht; Bildbreite grob 350µm ................................................... 97
4.2. Schliff 15: Quarzkorn mit mutiplen Scharen an planaren Brüchen; gekreuzte
Polarisatoren; Bildbreite 560 µm ......................................................................................... 98
4.3. Schliff 26: multiple Scharen von PDFs in Glimmer (Biotit); gekreuzte Polarisatoren;
Bildbreite grob 0,5 mm ......................................................................................................... 99
4.4. Schliff 26 starke Knickbänderung in Glimmer; gekreuzte Polarisatoren; Bildbreite
grob 0,5 mm ....................................................................................................................... 100
4.5. Schliff 13: Zertrümmertes Quarzkorn nahezu pulverisiert; linear polarisiertes Licht;
Bildbreite 3 mm .................................................................................................................. 101
4.6. Schliff 21: Quarzkörner mit vermuteten Spallationsrissen; gekreuzte Polarisatoren;
Bildbreite 2,8 mm ............................................................................................................... 102
4.7. Schliff 12: blaues Glas mit winzigsten Einschlüsse und Ballenstruktur; linear
polarisiertes Licht; Bildbreite 1,4 mm ................................................................................ 103
11. Anhang

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1. Anhang: Schliffe/Proben
1.1. Quarzite mit glasgefüllten Zugrissen und Glashaut; links
Schliff 7, rechts Schliff 8
1.2. Quarzite mit glasgefüllten Rissen und Glashaut; links Schliff 9,
rechts Schliff 10
11. Anhang

91 | S e i t e

1.3. Schliff 11: Quarzit mit glassgefüllten Rissen und Glashaut
1.4. Quarzite mit glasgefüllten Rissen und Glashaut links Schliff 16;
rechts Schliff 17

11. Anhang

92 | S e i t e

1.5. Schliff 22: Schwarzes Glas mit Gesteins- und metallischen
Einschlüssen
1.6. Schliff 26: polymikte Brekzie mit Glas- und
Gesteinsfragmenten in sandiger Matrix
11. Anhang

93 | S e i t e

1.7. Schliff 25: Grünes Glas mit Gesteinseinschlüssen und großer
metallischer Fläche


11. Anhang

94 | S e i t e

2. Anhang: REM-Aufnahmen
2.1. REM-Aufnahme von schwarzem Glas (Probe 4)
2.2. REM-Aufnahme von blauer Glasschlacke (Probe 5)
11. Anhang

95 | S e i t e

3. Anhang: Röntgendiffraktometer
3.1. Röntgendiffraktogramm von grünem Glas (Probe 3)
3.2. Röntgendiffraktogramm von schwarzem Glas (Probe 4)

11. Anhang

96 | S e i t e

3.3. Röntgendiffraktogramm von blauer Glasschlacke (Probe 5)
3.4. Röntgendiffraktogramm von schwarzer Glasschlacke (Probe
6)
11. Anhang

97 | S e i t e

4. Weitere Dünnschliffe mit vermuteten Schockeffekten
4.1. Schliff 21 Nahaufnahme großes Quarzkorn diaplektisch
getoastet und planare Brüche, linear polarisiertes Licht;
Bildbreite grob 350µm

11. Anhang

98 | S e i t e

4.2. Schliff 15: Quarzkorn mit mutiplen Scharen an planaren
Brüchen; gekreuzte Polarisatoren; Bildbreite 560 µm

11. Anhang

99 | S e i t e

4.3. Schliff 26: multiple Scharen von PDFs in Glimmer (Biotit);
gekreuzte Polarisatoren; Bildbreite grob 0,5 mm


11. Anhang

100 | S e i t e

4.4. Schliff 26 starke Knickbänderung in Glimmer; gekreuzte
Polarisatoren; Bildbreite grob 0,5 mm


11. Anhang

101 | S e i t e

4.5. Schliff 13: Zertrümmertes Quarzkorn nahezu pulverisiert;
linear polarisiertes Licht; Bildbreite 3 mm


11. Anhang

102 | S e i t e

4.6. Schliff 21: Quarzkörner mit vermuteten Spallationsrissen;
gekreuzte Polarisatoren; Bildbreite 2,8 mm


11. Anhang

103 | S e i t e

4.7. Schliff 12: blaues Glas mit winzigsten Einschlüsse und
Ballenstruktur; linear polarisiertes Licht; Bildbreite 1,4 mm

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