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Vorlesungsunterlagen

SEILBAHNBAU

am Institut für Infrastruktur, Arbeitsbereich intelligente Verkehrssysteme

Universität Innsbruck

Sommersemester 2012

intelligente Verkehrssysteme Universität Innsbruck Sommersemester 2012 Lektor: Dipl.-Ing. Dr. techn. Peter SEDIVY
intelligente Verkehrssysteme Universität Innsbruck Sommersemester 2012 Lektor: Dipl.-Ing. Dr. techn. Peter SEDIVY
intelligente Verkehrssysteme Universität Innsbruck Sommersemester 2012 Lektor: Dipl.-Ing. Dr. techn. Peter SEDIVY
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intelligente Verkehrssysteme Universität Innsbruck Sommersemester 2012 Lektor: Dipl.-Ing. Dr. techn. Peter SEDIVY

Lektor: Dipl.-Ing. Dr. techn. Peter SEDIVY

Inhaltsverzeichnis

1 ENTWICKLUNG DES SEILBAHNBAUES

2 TERMINOLOGIE

3 SEILE

3.1

Seildraht

3.1.1

Drahtherstellung

3.1.2

Querschnittsformen von Seildrähten

3.1.3

Prüfung der Seildrähte

3.2

Litze

3.3 Arten der Seilkonstruktionen

3.4 Seilherstellung

3.5 Normung und Begriffe

3.6 Erläuterung zu Schlaglänge und Schlagwinkel

3.7 Berechnungsgrößen

3.8 Seillängung

3.9 Querschnittsverminderung

3.10 Seildrall

3.11 Kontrollen des Seiles

3.12 Seilschäden

3.13 Wartung der Seile

4 SEILVERBINDUNGEN

4.1 Seilspleiß

4.2 Seilmuffen

4.2.1 Vergussverbindung

4.2.2 Klemmenhülse

4.3 Plattenklemme (Schraubklemme)

4.4 Trommelverankerung

4.5 Weitere Seilendverbindungen

5 SEILSTATIK

5.1 Leeres Seil

5.2 Die Seilkurve unter der Wirkung einer Einzellast

5.3 Die Seilkurve unter der Wirkung mehrerer Einzellasten

5.4 Tragseil der Zweiseilbahn

5.5 Fundamentalsatz der Seilstatik

5.6 Fixverankerte Seile (fix abgespannte Seile)

5.7 Spanngewichtshub

5.8 Stützenlasten aus dem Seil

6 FESTIGKEITSLEHRE DER SEILE

6.1 Zugbeanspruchung

6.2 Biegebeanspruchung

6.2.1 Biegung mit vorgegebener Krümmung

6.2.2 Biegung mit freier Krümmung

6.2.3 Überlagerung der Biegerandspannungen

6.3 Oberflächenpressung

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SEILBEMESSUNG

7.1 Tragseil

7.2 Zug- und Gegenseile

7.3 Förderseil

7.4 Seile von Materialseilbahnen

8 SEILBAHNSYSTEME

8.1 Standseilbahn

8.2 People Mover, Cable Liner, MiniMetro

8.3 (Zweiseil-) Pendelbahn

8.4 Funifor

8.5 Zweiseilumlaufbahn

8.6 Einseilumlaufbahn

8.6.1 kuppelbare Einseilumlaufbahnen

8.6.2 festgeklemmte Einseilumlaufbahnen

8.6.3 Bemessung von Einseilumlaufbahnen

8.7 Gruppenumlaufbahn, Gruppenpendelbahn

8.8 Doppeleinseilumlaufbahn (DMC, DLM, Funitel)

8.9 Schlepplift

8.9.1 Schlepplifte mit niederer Seilführung

8.9.2 Schlepplifte mit hoher Seilführung

Literaturhinweise

Bemerkung:

Die im Skriptum enthaltenen fotographischen Bilder wurden mit freundlicher Zustimmung der Herstellerfirmen aufgenommen.

Bemerkung:

Der eingerahmte Text dient ausschließlich der Erläuterung und stellt keinen Prüfungsstoff dar.

SEILBAHNBAU

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1 ENTWICKLUNG DES SEILBAHNBAUES

400 v. Ch.

wurde eine chinesische Tuschezeichnung angefertigt, auf der erstmals eine seilbahnähnliche Anlage (Zweiseilbahn) zum Transport von Steinen zum Bau einer Befestigung dargestellt ist.

1200

wurden in Japan Seilbahnen zum Güter- und Personentransport über Schluchten errichtet.

1405

wurde in Europa erstmals in einem Buch zur Bergbaukunde eine Einseil-Materialbahn mit Kurbelantrieb erwähnt.

1411

wurde erstmals in einem Buch eine Einseilbahn mit geschlossener Seilschleife erwähnt.

1617

gibt Faustus Verantius eine vollkommene Darstellung einer Seilfähre zur Personenbeförderung wieder.

1834

erfand der Bergrat Albert in der Bergbaustadt Clausthal im Harz das Drahtseil.

1837

baute Wurm in Wien die erste Verseilmaschine.

1862

wurde die erste öffentlich verkehrende Standseilbahn in Lyon errichtet.

1868

erste Einseilbahn in England.

1873

ging die erste Cable-Car der Welt in San Franzisko in Betrieb.

1874

wurde in Hütteldorf bei Wien die erste kuppelbare Standseilbahn errichtet.

1894

wurde vermutlich die erste Pendelbahn zum öffentlichen Verkehr in Mailand in Betrieb genommen.

1908

erster Ski-Schlepplift im Schwarzwald.

1915

Im Zuge des österreich-italienischen Alpenkrieges entdeckte der Südtiroler Luis Zuegg die modernen Seilspannungsgesetze

1926

erste Pendelbahn in Österreich auf die Rax bei Wien.

1935

erste Sesselbahn in Sun Valley (USA).

1945

erste kuppelbare Sesselbahn in Flims (CH)

1946

erster fixer Einersessellift in Österreich (Bad Gastein)

Von da an erfolgten die touristische Erschließung der Berge mit Hilfe der Seilbahnen und die rasante technische Entwicklung der Seilbahnen weltweit.

1984

wurde die erste DMC (Double-Mono-Cable) von Denis Creissels in Serre-Chevalier (Frankreich) errichtet.

1985

erste Luftkissen-Standseilbahn in Serfaus.

1987

erstes Fahrgastförderband bei einer fixgeklemmten Sesselbahn in Obergurgl.

1991

Inbetriebnahme der neuartigen 3-S-Bahn in Saas Fee.

2004

Inbetriebnahme der ersten 3-S-Bahn in Österreich (Kitzbühel)

2010

erste Seilbahn System FUNIFOR in Österreich (Bezau)

der ersten 3-S-Bahn in Österreich (Kitzbühel) 2010 erste Seilbahn System FUNIFOR in Österreich (Bezau)
der ersten 3-S-Bahn in Österreich (Kitzbühel) 2010 erste Seilbahn System FUNIFOR in Österreich (Bezau)

SEILBAHNBAU

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SEILBAHNBAU 2 Weltweit stehen ca. 30000 Seilbahnen (ca. 11000 Seilschwebebahnen und Standseilbahnen und ca. 19000
SEILBAHNBAU 2 Weltweit stehen ca. 30000 Seilbahnen (ca. 11000 Seilschwebebahnen und Standseilbahnen und ca. 19000

Weltweit stehen ca. 30000 Seilbahnen (ca. 11000 Seilschwebebahnen und Standseilbahnen und ca. 19000 Schlepplifte) in Betrieb. Die Gesamtförderleistung beträgt ca. 20 Mio. Pers/h.

Entwicklung des Seilbahnbaues in Österreich Die ersten Seilbahnen in Österreich waren Standseilbahnen. 1874 wurde eine Standseilbahn auf die Sophienalpe (Ausflugsort bei Wien) errichtet. Allerdings wurde der Betrieb dieser Seilbahn nach wenigen Jahren wieder eingestellt. 1892 folgte die Salzburger Festungsbahn, 1894 die Grazer Schlossbergbahn und 1906 die Hungerburgbahn (Innsbruck). Nach in der Zwischenzeit erfolgten Umbauten sind diese heute noch in Betrieb.

Eine lebhafte Bautätigkeit setzte in Österreich in der Zwischenkriegszeit ein, als die "klassischen" Pendelbahnen, z.B. Raxbahn (1926), Tiroler Zugspitzbahn (1926), Nordkettenbahn in Innsbruck, Hahnenkammbahn in Kitzbühel, zuletzt die Galzigbahn in St. Anton/Arlberg (1938) errichtet wurden.

Etwa die Hälfte dieser Seilbahnen ist heute nicht mehr in Betrieb. Sie wurden abgetragen und durch moderne Pendelbahnen oder andere Seilbahnsysteme ersetzt.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde erst Anfang der 50-er Jahre neuerlich in größerem Umfang mit dem Bau von Seilbahnen, vornehmlich in Fremdenverkehrsgebieten begonnen. Aus den zaghaften Anfängen hat sich dabei ein bedeutender Wirtschaftszweig entwickelt, der besonders in den 70-er Jahren stark expandierte. Die rege Bautätigkeit hat aber bis heute nicht nachgelassen. Nach 1950 wurden zunehmend Einseilsysteme gebaut, zunächst festgeklemmte Sessellifte mit Einzelsitzen, ab 1954 mit Doppelsessel und ab Mitte der 70-er Jahre auch mit mehrplätzigen Sesseln. Mitte der 50-er Jahre wurden als "Massentransportmittel" kuppelbare Zweiseilumlaufbahnen (ein Tragseil und ein Zugseil) gebaut, von denen einige noch in Verwendung stehen. 2004 ging die erste Umlaufbahn mit 3 Seilen (zwei Tragseile und ein Zugseil) in Kitzbühel als kuppelbare Umlaufbahn in Betrieb. Im Vergleich zum Ausland wurde die erste kuppelbare Einseilumlaufbahn mit geschlossenen Wagenkästen in Österreich erst relativ spät (1972) errichtet (im Ausland, insbesondere in der Schweiz bereits seit Ende der 50-er Jahre in Verwendung).

SEILBAHNBAU

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Waren zuerst 4 Personen je Wagen das Maximum sind es derzeit 15 Personen (Talbahn in Nassfeld, EUB Steinplatte in Waidring, EUB Mauterndorf). Der größte Wagenfassungsraum eines Einzelwagens bei einem Umlaufbahnsystems beträgt dzt. 24 Personen (Doppeleinseilumlauf Funitel, erstmals in Hintertux). Seit 1976 werden auch kuppelbare Sesselbahnen errichtet, wobei bei modernen Anlagen im Allgemeinen Sessel mit 4 oder 6 Plätzen, seit 1999 auch mit 8 Plätzen verwendet werden.

In Österreich stehen derzeit etwa 3200 Seilbahnen, davon etwa 2000 Schlepplifte, in Betrieb. Nur in den USA sind mehr Seilbahnen in Betrieb als in Österreich. In Österreich werden jährlich mehr Personen mit Seilbahnen befördert (600 Mio./Jahr), als mit Eisenbahnen und Linienbussen gemeinsam. Auf dem Materialseilbahnsektor ist die Bautätigkeit im Inland derzeit praktisch zum Erliegen gekommen.

Seilbahnen, Gesetzliche Grundlagen in Österreich Seilbahnen sind gesetzlich den Eisenbahnen zugeordnet. Grund für diese Zuordnung ist die mit Eisenbahnen gleichartige Zwangsspurführung. Mit dem Seilbahngesetz 2003 (SeilbG 2003) wurde eine neue gesetzliche Basis geschaffen. Bis dahin waren Seilbahnen im Eisenbahngesetz 1957 verankert.

erläuternde Bemerkung

Schlepplifte sind seit Seilbahngesetz 2003 nunmehr auch Seilbahnen. Vor 2003 waren sie gewerbliche Betriebe.

Mit dem Inkrafttreten des SeilbG 2003 wurde die Richtlinie 2000/9/EG vom 20. März 2000 der europäischen Union in Österreich umgesetzt. Auf Grundlage der Richtlinie 2000/9/EG wurden Seilbahnnormen (Auflistung siehe Anhang) europaweit harmonisiert. Die letzte Norm der harmonisierten EN-Normen „Sicherheitsanforderungen für Seilbahnen für den Personenverkehr“ erschien im Jänner 2006.

erläuternde Bemerkung

Die Ausführung einer Seilbahn wird sehr stark von den in den einzelnen Staaten und Länder anzuwendenden technischen Regelwerken beeinflusst. So war z.B. der größtzulässige Bodenabstand in jedem Staat verschieden festgelegt. Oder der Nachweis der Dauerfestigkeit eines Fahrzeuges unterlag verschiedenen einzelstaatlichen Bestimmungen. Das führte dazu, dass für einen neuen Fahrzeugtyp auf mehreren Arten dessen Dauerfestigkeit nachzuweisen war. Technisch war diese Vorgangsweise nicht nachvollziehbar und begründbar und erschwerte für den Hersteller der Fahrzeuge die Einführung eines neuen Produktes.

Jede Seilbahn für den Personenverkehr (mit Ausnahme der Schlepplifte und Materialseilbahnen mit Werksverkehr oder mit eingeschränktem öffentlichem Verkehr) benötigt für den Bau und Betrieb eine Konzession. Damit erwirbt der Betreiber, das Seilbahnunternehmen, das Recht auf den Bau und Betrieb einer Seilbahn (Einnahmen durch den Verkauf von Fahrkarten, Konkurrenzierungs- rechte); er übernimmt damit aber auch die Verpflichtung der Beförderung (Fahrplan, Betriebszeiten).

SEILBAHNBAU

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erläuternde Bemerkung

erläuternde Bemerkung Mit der Konzession erwirbt das Seilbahnunternehmen das Recht auf eine gewisse Zeit (zwischen 30

Mit der Konzession erwirbt das Seilbahnunternehmen das Recht auf eine gewisse Zeit (zwischen 30 und 50 Jahren) ohne Konkurrenz die Seilbahn auf der Strecke von A nach B bauen und betreiben zu dürfen. Er hat somit das Recht bei einem geplanten Bau einer Seilbahn, die in unmittelbarer Nähe von seiner errichtet werden soll, dagegen Einspruch zu erheben. Das Konkurrenzierungsrecht stammt aus Zeiten, wo Eisenbahnlinien neu errichtet wurden. In einem Skigebiet heutigen Umfanges und moderner Struktur führt dieses Recht oft zu absurden Situationen.

Die behördliche Zuständigkeit für Seilbahnen in Österreich ist in Abhängigkeit vom Seilbahnsystem zwischen dem Bund und den Bundesländern aufgeteilt. So befinden sich in Bundeskompetenz alle Standseilbahnen, Seilschwebebahnen im Pendelbetrieb (vulgo Pendelbahnen), Zweiseilbahnen, Doppeleinseilumlaufbahnen, Gruppenumlaufbahnen, Kombibahnen und kuppelbare Seilbahnen mit geschlossenen Fahrzeugen. In Landeskompetenz befinden sich Schlepplifte, fixgeklemmte Sesselbahnen und Materialseilbahnen. Bei kuppelbaren Sesselbahnen ist eine geteilte Zuständigkeit gegeben. Die Konzessions- und die Baugenehmigungskompetenz liegt beim Bund; die Betriebs- bewilligungs- und die Aufsichtskompetenz im Betrieb der Seilbahn beim jeweiligen Bundesland (genauer beim jeweiligen Landeshauptmann).

Für jede neu zu errichtende Seilbahn für den Personenverkehr, aber auch für jeden Umbau einer bestehenden Seilbahnanlage, sind eine Baugenehmigung und eine Betriebsbewilligung erforderlich. Die Baugenehmigung erfolgt anhand eines Bauentwurfes. Seit Inkrafttreten des SeilbG 2003 ist erstmals in Österreich, so wie in den meisten europäischen Ländern, die Erstellung einer Sicher- heitsanalyse erforderlich, in der alle Gefährdungen von der Seilbahn selbst (Absturz, Kollision, Entgleisen usw.) als auch die von außen auf die Seilbahn wirkenden möglichen Gefährdungen (Lawinen, Brand, Erdbeben usw.) sicherheitstechnisch zu betrachten sind.

SEILBAHNBAU

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TERMINOLOGIE

SEILBAHN: Verkehrsmittel für den Transport von Personen oder Lasten in Fahrzeugen, wobei diese durch ein oder mehrere Seile getragen und bewegt oder nur bewegt werden.

STANDSEILBAHN: Seilbahn, bei der das Laufwerk der Fahrzeuge (Wagen) auf Schienen geführt wird und von einem oder mehreren Seilen gezogen werden.

SEILSCHWEBEBAHN: Seilbahn, bei der das Laufwerk oder Gehänge der Fahrzeuge auf einem oder mehreren zwischen frei stehenden Stützen gespannten Seil geführt und gezogen wird.

ZWEISEILBAHN: Seilschwebebahn, bei dem die Fahrzeuge durch mindestens ein Tragseil getragen und durch mindestens ein Zugseil bewegt werden.

EINSEILUMLAUFBAHN: Seilschwebebahn, bei welcher die Fahrzeuge durch ein Seil (Förderseil) getragen und bewegt werden.

KOMBIBAHN: Einseilumlaufbahn, bei der auf dem Förderseil gleichzeitig Kabinen und Sessel befördert werden.

DOPPELEINSEILUMLAUFBAHN: Seilschwebebahn, bei der die Fahrzeuge durch zwei synchron laufenden parallelen Förderseilschleifen (DMC Double Monocable) oder einer Doppelschleife (DLM Double Loop Monocable) getragen und bewegt werden.

SCHLEPPLIFT: Seilbahn, bei der Personen auf Skiern oder anderen Sportgeräten auf einer Schleppspur mittels einem Gehänge durch ein Seil gezogen werden.

SEILBAHN im PENDELBETRIEB: Seilbahn, bei der das bewegende Seil seine Bewegungsrichtung nach jedem Fahrtspiel umkehrt; bei der also die Fahrzeuge oder Gruppen von Fahrzeugen zwischen den Stationen pendeln.

SEILBAHN im UMLAUFBETRIEB: Seilbahn, bei der das bewegende Seil immer in derselben Bewegungsrichtung läuft, wobei kontinuierlicher oder intermittierender Betrieb möglich ist, also bei der die Fahrzeuge in gleich bleibender Richtung verkehren.

PERSONENSEILBAHN: Seilbahn, die der Beförderung von Personen dient.

MATERIALSEILBAHN: Seilbahn, die der Beförderung von Materialien (z.B. Schüttgut) dient.

KUPPELBARE SEILBAHN: Seilbahn, bei denen die Fahrzeuge in den Stationen vom Zug- oder Förderseil getrennt werden.

FESTGEKLEMMTE SEILBAHN: Seilbahn bei der die Fahrzeuge in den Stationen vom Zug- oder Förderseil nicht getrennt werden.

FAHRZEUGE (FAHRBETRIEBSMITTEL): geschlossene Beförderungsmittel (Wagen, Kabinen) oder offene Beförderungsmittel (Sessel, Stehkorb) ohne eigene Antriebsenergie, ausschließlich durch die Zugwirkung des Zug- oder Förderseiles bewegt.

erläuternde Bemerkung

Die österreichische Terminologie hat zwischen Fahrzeuge und Fahrbetriebsmittel unterschieden. Das Fahrzeug wird durch eigene Antriebsenergie bewegt (z.B. LKW, Auto, Eisenbahn). Dies trifft bei einer Seilbahn nicht zu. Der in Deutschland gängige Ausdruck „Fahrzeug“ wurde bei der europaweiten Harmonisierung der Normen übernommen.

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SEILE

So vielseitig die Verwendung der Drahtseile in der heutigen Technik ist, so verschieden sind auch die Seile selbst, deren Werkstoff und Aufbau dem jeweiligen Verwendungszweck angepasst sein muss. Das Stahldrahtseil ist zweifellos das wichtigste Bauelement des Seilbahnbaues. Die große Bedeu- tung, die dem Seil zukommt, zeigt sich in den umfangreichen wissenschaftlichen Arbeiten, die für die Herstellung, Berechnung und Verwendung der Seile geleistet werden.

erläuternde Bemerkung

Die Herstellung von Drähten durch Drahtziehen wurde bereits im Mittelalter erfunden. Aber erst 1834 wurde das erste Stahldrahtseil moderner Ausführung von Oberbergrat Albert für die Grube Carolina bei Clausthal im Harzgebirge in Handarbeit hergestellt. Das Seil war aus 3 Litzen mit je 4 Drähten von 3,5 mm Durchmesser in Gleichschlag (daher auch die noch veraltete Ausdrucksweise: Albertschlag) hergestellt; Drahtfestigkeit ca. 400 N/mm², Drahtlänge ca. 20 bis 40 m. Die praktische Einsatzmöglichkeit des Stahldrahtseiles in größerem Umfang ergab sich erst durch die Verbesserungen der Drahtziehmethoden und schließlich durch die Erfindung der Verseilmaschine durch den Wiener Mechaniker Wurm bei der Fa. Felten & Guilleaume 1840. Erst damit konnten Seilbahnen bis hin zu den modernsten Systemen entwickelt werden.

Ein Drahtseil besteht aus Drähten, die zu Litzen verseilt werden und aus einer Einlage, um die die Litzen verseilt sind.

und aus einer Einlage, um die die Litzen verseilt sind. 1 Drahtseil 2 Draht 3 Litze

1

Drahtseil

2

Draht

3

Litze

4

Einlage

 

Abb.:

Bestandteile eines Seiles

 

3.1

SEILDRAHT

3.1.1 Drahtherstellung Ausgangsmaterial für die Drahtherstellung von Seilen für Seilbahnen ist unlegierter Kohlenstoffstahl mit 0,5 % bis 1,0 % C-Gehalt in Form von Walzdraht, Drahtdurchmesser 9 - 12 mm. Drähte haben üblicherweise einen kreisförmigen Querschnitt. Diese werden als Runddrähte be- zeichnet. Bei der Drahtherstellung wird die bei einer Kaltverformung von Stahl entstehende Festigkeitssteigerung ausgenutzt, um Drähte mit der gewünschten Festigkeit zu erhalten. Die Kalt- verformung wird beim Ziehen des Drahtes durch im Querschnitt abgestufte Ziehdüsen (Ziehsteine)

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erzielt, wodurch die gewünschte Kaltverformung in Form einer Querschnittsabnahme erreicht wird. Bei der Herstellung von Runddrähten hat der Ziehstein (Ziehdüse) einen kreisrunden Querschnitt. Bei der Herstellung von Formdrähten (beliebiger Querschnitt der Drähte) ist eine entsprechend geformte Ziehdüse erforderlich. Die Kaltverformung bewirkt im Draht außer der Festigkeitssteigerung auch eine Verminderung des Verformungsvermögens und damit eine Versprödung. Dies ist vor allem an einer Verminderung der Bruchdehnung und der Brucheinschnürung des Werkstoffes im Zugversuch zu erkennen. Vor dem Ziehen muss der Draht einer Wärmebehandlung unterworfen werden, um ein günstiges metallographisches Ziehgefüge zu erreichen (Glühen auf fein lamellaren Sorbit = Patentiergefüge). Beim Ziehen kommt es wieder zu einer Vergröberung des Gefüges, was einer Versprödung des Werkstoffes entspricht. Daher sind nach mehreren Zügen Zwischenglühungen (Patentieren) des Drahtes erforderlich.

Die Bruchfestigkeit des Ausgangsmaterials beträgt 700 - 1000 N/mm² je nach C-Gehalt. Die Bruchfestigkeit des fertigen Stahldrahtes beträgt bis zu 2200 N/mm² (für Seilbahnseile) und darüber. Die Drähte werden blank oder aus Gründen des Korrosionsschutzes verzinkt gezogen.

3.1.2 Querschnittsformen von Seildrähten Runddraht mit einem Kreisquerschnitt Formdrähte

-

Keildraht mit einem trapezförmigen Querschnitt (T)

-

Z-Draht mit einem Z-förmigen Querschnitt (Z)

-

Taillendraht mit Ausnehmungen für einen Runddraht (H)

-

Sonderformen

Abb.: Drahtformen
Abb.:
Drahtformen
einen Runddraht (H) - Sonderformen Abb.: Drahtformen Die Formdrähte (Keildraht, Z-Draht, Taillendraht) können

Die Formdrähte (Keildraht, Z-Draht, Taillendraht) können als Außenlagen über das durch Rund- drähte gebildete innere Seil angebracht werden und haben den Zweck die Oberfläche des Seiles zu formen. Diese Seilkonstruktionen werden als verschlossene Seile bezeichnet. Die Verbindungs- fläche Runddraht-Formdraht ergibt jedoch keinen ausreichenden Verschluss in der Außenlage gegen Eindringen von Feuchtigkeit.

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3.1.3 Prüfung der Seildrähte

Die Anforderungen an die Seildrähte und die zulässigen Abweichungen sowie die Prüfmethodik sind in den Normen ÖNORM EN 10264-1 bis 10264-4 festgelegt. Demnach sind zu prüfen:

- Maßtoleranzen: Durchmessertoleranz;

- mechanische Eigenschaften: Zugfestigkeit, Hin- und Herbiegeversuch, Verwindeversuch;

- Anforderungen an die chemische Zusammensetzung des Stahldrahtes;

- Anforderungen an Überzüge: Zink oder Zinklegierung nach ÖNORM EN 10244-2.

erläuternde Bemerkung

Die Biegezahl ist ein Maß für das Verformungsvermögen des Drahtes und gibt eine Aussage im Hinblick auf die Verseilung und die Beanspruchung im Seil. Die Verwindezahl ist ein Maß für das Verformungsvermögen und die Homogenität des Drahtmateriales, sowie für die Gleichmäßigkeit des Ziehgefüges.

3.2

LITZE

Eine Litze entsteht, wenn Drähte in einer oder mehreren Lagen um einen gemeinsamen Kerndraht verseilt werden. Sie ist das Aufbauelement der Litzen- und Litzenspiralseile. Die Litzen werden in verschiedenen Macharten hergestellt:

einlagige Litze

in verschiedenen Macharten hergestellt: einlagige Litze Machart Seale parallel verseilte Litze (mindestens zwei

Machart Seale

Macharten hergestellt: einlagige Litze Machart Seale parallel verseilte Litze (mindestens zwei Drahtlagen)

parallel verseilte Litze (mindestens zwei Drahtlagen)

Seale parallel verseilte Litze (mindestens zwei Drahtlagen) Machart Warrington Machart Filler (Fülldraht)

Machart Warrington

Litze (mindestens zwei Drahtlagen) Machart Warrington Machart Filler (Fülldraht) nichttragende Fülldrähte
Machart Filler (Fülldraht) nichttragende Fülldrähte
Machart Filler (Fülldraht)
nichttragende
Fülldrähte

Machart Warrington-Seale

Kernlitze

Drahtlagen) Machart Warrington Machart Filler (Fülldraht) nichttragende Fülldrähte Machart Warrington-Seale Kernlitze

SEILBAHNBAU

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Die Litzen der Seilbahnseile weisen durchwegs einen Kerndraht und mindestens zwei

Drahtlagen auf. Ausnahme dazu ist eine der drei Warrington-Seale Macharten. Dabei ist der Kerndraht durch eine Kernlitze ersetzt. (oben dargestellt)

Wird eine Anzahl von Litzen um die Einlage geschlagen, entsteht ein Rundlitzenseil, oder allgemein Litzenseil. Wird um eine Litze weitere Drahtlagen geschlagen, entsteht das Litzenspiralseil oder Spiralseil.

3.3 ARTEN DER SEILKONSTRUKTIONEN

Nicht alle der möglichen Seilkonstruktionen werden auch für Personenseilbahnen verwendet. Die nachfolgenden Angaben sind der ÖNORM EN 12385-2 entnommen.

Spiralseil:

Verwendung als Tragseil. Das Seil ist aus Runddrähten mit (üblicherweise) gleichem Nenndurchmesser (Drähte in den Lagen gegen- sinnig geschlagen). Solche Seile werden heute nur mehr für Materialseilbahnen als Tragseil verwendet. Nachteil:

Bei Bruch eines Außendrahtes treten die Enden des gebrochenen Drahtes und der Draht selbst sehr leicht aus dem Seilverband heraus.

und der Draht selbst sehr leicht aus dem Seilverband heraus. Kerndraht 1. Lage 2. Lage 3.

Kerndraht

1. Lage

2. Lage

3. Lage

vollverschlossenes Spiralseil:

Verwendung als Tragseil. Um ein Kernseil aus Runddrähten (Spiralseil) werden eine oder mehrere Lagen aus Formdrähten gegensinnig ge- schlagen; für Materialseilbahnen: mindestens 1 Formdrahtlage in der Außenlage. für Personenseilbahnen: mindestens 2 Formdraht- lagen in den Außenlagen. Durch die außenliegenden Formdrahtlagen wird ein Aufsteigen eines Runddrahtes aus dem Seilverbund verhindert. Bei Drahtbruch eines außenliegenden Formdrahtes kann die Bruchstelle durch Verlöten gefüllt werden. Der Draht ist als nicht tragend zu bewerten.

werden. Der Draht ist als nicht tragend zu bewerten. erläuternde Bemerkung Hinsichtlich der Schlagrichtung

erläuternde Bemerkung

Hinsichtlich der Schlagrichtung und Lage der Profildrähte in der Außenlage gilt: die Drähte sollten so befahren werden, dass sie sich infolge Belastung durch die Laufrollen des Fahrzeuges am Fuß des Nachbardrahtes, und nicht auf einer allenfalls darunter befindliche Runddrahtlage abstützen können. Um eine Lastverteilung der von Laufrollen aufgebrachten punktförmigen Belastung auf das Spiralseil zu erzielen sind für Personenseilbahnen immer mindestens zwei Formdrahtlagen in gegensinniger Schlagrichtung vorgesehen.

SEILBAHNBAU

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Litzenspiralseil:

Verwendung als Tragseil. Das Seil ist aus gleichartig aufgebauten Litzen (üblicherweise) in Kreuzschlag hergestellt. Fallweise kann die Kernlitze einen anderen Aufbau als die Litzen der einzelnen Lagen aufweisen. Es entstehen zwischen den Litzenlagen Drahtkreuzungen, daher sind Druckkerben und daher Dauerbrüche eher möglich; ungünstig für die Lebensdauer.

Dauerbrüche eher möglich; ungünstig für die Lebensdauer. Litzenseil : Verwendung als Zug- und Förderseile. Eine
Dauerbrüche eher möglich; ungünstig für die Lebensdauer. Litzenseil : Verwendung als Zug- und Förderseile. Eine

Litzenseil:

Verwendung als Zug- und Förderseile. Eine Anzahl von gleichartig aufgebauten Litzen wird in einer Lage (oder mehreren Lagen) um eine Einlage geschlagen. Die Litzen werden in verschiedenen Macharten, die Seile mit verschiedener Litzenanzahl hergestellt. Die Einlage dient zur Bettung der Litzen und wurde früher ausschließlich als Fasereinlage ausgeführt. Derartige Seile werden vor allem dort angewendet, wo die Seile häufig auf Biegung beansprucht werden.

wo die Seile häufig auf Biegung beansprucht werden. Litzenseil aus einlagigen Litzen mit einem

Litzenseil aus einlagigen Litzen mit einem Seilnenndurchmesser 7 bis 32 mm

Litzenseil in Machart Seale Seilnenndurchmesser 20 bis 54 mm

Litzenseil in Machart Warrington Seilnenndurchmesser 20 bis 54 mm

SEILBAHNBAU

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SEILBAHNBAU 11 Litzenseil in Machart Filler Seilnenndurchmesser 20 bis 54 mm Litzenseil in Machart Warrington-Seale
SEILBAHNBAU 11 Litzenseil in Machart Filler Seilnenndurchmesser 20 bis 54 mm Litzenseil in Machart Warrington-Seale

Litzenseil in Machart Filler Seilnenndurchmesser 20 bis 54 mm

Litzenseil in Machart Warrington-Seale Seilnenndurchmesser 28 bis 60 mm

Seil mit verdichteten Litzen (Seil mit kompaktierten Litzen):

Verwendung als Zug- oder Förderseile. Das Seil stellt eine Sonderform eines Litzenseiles dar, bei dem Runddrähte in konventioneller Weise zu Litzen geschlagen werden. Anschließend werden die Litzen vor dem Verseilen einem Verdichtungsverfahren (plastische Verformung z.B. durch Ziehen, Walzen oder Hämmern) unterzogen, wodurch sich der Durchmesser der Litzen entsprechend verkleinert, die Quer- schnittsformen der Drähte (insbesondere der Drähte in der Außenlage) entsprechend "verquetscht" werden, jedoch der metallische Querschnitt der Drähte erhalten bleibt. Bei nahezu gleichem metallischem Querschnitt (daher nahezu gleicher Bruchlast) wird dadurch ein kleinerer Seildurchmesser erhalten. Die Oberfläche der Litzen wird geglättet, wodurch sich der Fahrkomfort erhöht (ruhigerer Seillauf). Die Berührungslinien der Einzeldrähte vergrößern sich zu Flächen. Seile aus verdichteten Litzen haben eine höhere Bruchkraft und Flexibilität gegenüber Seilen aus konventionellen Litzen mit gleichem Durchmesser und Nennfestigkeit.

Litze vor dem Verdichten

z e v o r d e m V e r d i c h t

Litze nach dem Verdichten

e v o r d e m V e r d i c h t e
e v o r d e m V e r d i c h t e

Rundlitzenseil mit verdichteten Litzen

SEILBAHNBAU

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SEILBAHNBAU 12 Abb.: Rundlitzenseil mit verdichteten Litzen (keine Runddrähte mehr) Litzenseil mit

Abb.:

Rundlitzenseil mit verdichteten Litzen (keine Runddrähte mehr)

Litzenseil mit Kunststoffzwischenlage: (Seil mit gepolsterter Einlage)

Die Kunststoffzwischenlage aus einem Massiv-Polymer zwischen den Litzen ist eine neuere Seilbauart, bei der eine vorgeformte Kunststoffeinlage gemeinsam mit den Litzen zu einem Seil geschlagen wird. Die Kunststoffeinlage vermeidet die Flanken- berührung der Außenlitzen, hält das Seilgefüge zusammen, wirkt einer Korbbildung entgegen, schließt die Schmiermittel ein, wirkt inneren Drahtbrüchen entgegen und absorbiert dynamische Beanspruchungen.

entgegen und absorbiert dynamische Beanspruchungen. Seil mit Füllung aus Massiv-Polymer: Seil, dessen freie

Seil mit Füllung aus Massiv-Polymer:

Seil, dessen freie Innenräume mit einem Massiv-Polymer ausgefüllt sind. Das Polymer reicht bis zum äußeren Umfang des Seils oder etwas darüber hinaus. Diese Seilmachart zeichnet sich durch eine extreme Laufruhe und Geräuscharmut im Betrieb aus. Es wird nur in Sonderfällen verwendet.

3.4

SEILHERSTELLUNG

Es wird nur in Sonderfällen verwendet. 3.4 SEILHERSTELLUNG Für die Verseilung wird üblicherweise eine

Für die Verseilung wird üblicherweise eine Korbverseilmaschine verwendet. Die Drähte oder Litzen werden um eine Achse (bei Litzen meist ein Kerndraht, bei Seilen eine Einlage) geschlagen und dabei gleichzeitig durch den Verseilkopf gezogen, wodurch die Schraubenlinienform des Drahtes bzw. der Litze im Seil entsteht. Die Schlaglänge im Seil ergibt sich aus der Drehzahl, mit der die Drähte (Litzen) um die Achse geschlagen werden, und der Geschwindigkeit, mit der das Seil aus der Maschine gezogen wird. Im Verseilkopf wird das flüssige (warme) Schmiermittel eingebracht, überschüssiges Schmiermittel wird unmittelbar nach dem Verseilkopf wieder abgestreift, so dass die Seiloberfläche möglichst fettfrei ist. Vor dem Verseilkopf werden die Drähte bzw. Litzen vorgeformt, so dass sie sich besser in den Litzen- bzw. Seilverband einlegen, nach dem Verseilkopf wird das Seil durch einen Richtapparat gezogen, um Verseilspannungen abzubauen; dies ergibt die drall- und spannungsarme Ausführung.

SEILBAHNBAU

13

3.5 NORMUNG UND BEGRIFFE

Seilbahnseile sind in der Normenreihe ÖNORM EN 12385 genormt. In diesen Normen sind Begriffe, Berechnungsgrößen, Seilaufbau mit Angabe der Drahtnenndurchmesser, Festigkeitsstufen der Seildrähte, Qualitätsanforderungen an Seildrähte und an Seile etc. festgelegt.

Seil/Litzendurchmesser Durchmesser des dem Seil bzw. der Litze umschriebenen Kreises.

Φ Abb.: Definition des Seildurchmessers
Φ
Abb.:
Definition des Seildurchmessers

Einlage (C) Material, das zur Bettung (vornehmlich) der Litzen im Seil dient. - weiche Einlage aus Natur- oder Kunstfaserseilen oder aus Kunststoff (Seilseele) - harte Einlage aus Stahldraht, aus einer Stahl-Litze oder aus einem Kernseil aus Stahldraht

Fasereinlage (FC) Die Einlage wird entweder aus Naturfasern (NFC) oder aus Synthetikfasern (SFC) hergestellt.

erläuternde Bemerkung

Fasereinlagen werden üblicherweise in der Reihenfolge Fasern zu Garnen, Garne zu Litzen und Litzen zum Seil hergestellt.

Stahleinlage (WC) Einlage aus Stahldrähten, die als Drahtlitze (WSC) oder als unabhängig verseiltes Drahtseil (IWRC) ausgeführt ist

erläuternde Bemerkung

Die Stahleinlage und/oder ihre Außenlitzen können auch mit Fasern oder Massiv-Polymer ummantelt sein.

SEILBAHNBAU

14

Einlage aus Massiv-Polymer (SPC) Einlage aus einem Massiv-Polymerwerkstoff, die eine zylindrische Form oder eine zylindrische Form mit Rillen aufweist. Sie darf auch ein Innenelement aus Draht (Drähten) oder Fasern enthalten.

Die Einlage hat die Aufgabe, die durch die Seilspannkraft entstehenden radialen Kräfte der Litzen aufzunehmen und so das gegenseitige Abstützen der Litzen (Gewölbewirkung) zu verhindern. Durch das Einbetten der Litzen in die Einlage (Setzen des Seiles) kommt es zu einer bleibenden Dehnung des Seiles infolge der Betriebsbelastung. Diese Dehnung beträgt je nach Seilkonstruktion etwa 1,5 % bis 3 % und kann durch Wahl von einem möglichst druckfesten Einlagewerkstoff entsprechend vermindert werden.

erläuternde Bemerkung

Seildehnungen erfordern bei Zug- und Förderseilen ein mehrmaliges Kürzen des Seiles (neuer Seilspleiß), um nicht allzu große Spannwege ausführen zu müssen. Zu harte Einlagewerkstoffe führen zu erhöhter Beanspruchung der Seildrähte.

Drall- und spannungsarme Ausführung

Ausführung, bei der die Drähte oder Litzen den Litzen- bzw. den Seilverband nicht oder nur gering verlassen, wenn man die Seilenden freigibt; dies wird durch Vorformung und Nachformung erreicht. Durch spezielle Seilkonstruktionen kann ein drehungsarmes Seil, das unter Belastung nur ein vermindertes Drehmoment erzeugt, erreicht werden.

Schlaglänge und Schlagwinkel

Ganghöhe bzw. Steigungswinkel der Schraubenlinie der Drähte oder Litzen.

Steigungswinkel der Schraubenlinie der Drähte oder Litzen. Abb.: Definition der Schlaglänge einer Litze
Steigungswinkel der Schraubenlinie der Drähte oder Litzen. Abb.: Definition der Schlaglänge einer Litze

Abb.:

Definition der Schlaglänge einer Litze (rechtsgängig) und eines Seiles (Kreuzschlag)

Die Schlaglänge ist der parallel zur Seil/Litzenlängsachse verlaufende Abstand, innerhalb dessen ein Außendraht eine vollständige Windung um die Achse der Litze/des Seiles vollführt. Der Schlagwinkel ist der Winkel der Drähte in der Außenlage zur Längsachse der Litze.

Schlagrichtung

Richtung der Schraubenlinie der einzelnen Drähte in den Litzen oder der Litzen im Seil (rechts- gängig oder linksgängig). EN 12385-2 unterscheidet:

Schlagrichtung der Litze (z oder s): Richtung rechts (z) oder links (s) entsprechend der Schlag- richtung der Außendrähte in Bezug zur Längsachse der Litze.

SEILBAHNBAU

15

SEILBAHNBAU 15 Abb.: Definition der Schlagrichtung Litze: z (rechtsgängig), s (linksgängig) Schlagrichtung des Seiles

Abb.:

Definition der Schlagrichtung Litze: z (rechtsgängig), s (linksgängig)

Schlagrichtung des Seiles (Z oder S): Richtung rechts (Z) oder links (S) entsprechend der Schlagrichtung der Litzen in Bezug zur Längsachse des Seiles.

Schlagart

bezeichnet die Schlagrichtung der Drähte in den Litzen in Bezug auf die Schlagrichtung der Litzen im Seil, bzw. die Schlagrichtung in zwei aufeinanderfolgenden Drahtlagen eines Seiles:

- Kreuzschlag (nur für Litzenseile definiert: sZ oder zS)

- Gleichschlag (nur für Litzenseile definiert: zZ oder sS)

- Gleichschlag (nur für Litzenseile definiert: zZ oder sS) Abb.: Kreuzschlag sZ und zS Abb.: Gleichschlag

Abb.:

Kreuzschlag sZ und zS

definiert: zZ oder sS) Abb.: Kreuzschlag sZ und zS Abb.: Gleichschlag zZ und sS Schlagweise bezeichnet

Abb.:

Gleichschlag zZ und sS

Schlagweise bezeichnet die Art der Verseilung der Drähte in den einzelnen Lagen einer Litze,

- Normalschlag (Standardverseilung, Standardschlag)

Die einzelnen Lagen sind gleichsinnig oder gegensinnig geschlagen. Die Drähte haben im Allgemeinen die gleichen Nenndurchmesser. Die Lagen haben meist gleiche Schlagwinkel, daher verschiedene Schlaglängen. Die Drähte von benachbarten Drahtlagen weisen Kreuzungen im Seilverband auf (Druckstellen, Druckkerben, Dauerbruchstelle), wobei bei gegensinniger Schlagart der Lagen die Drähte in der Litze oder im Seil mehr Kreuzungspunkte aufweisen als bei gleichsinniger Ausführung. Die Herstellung solcher Seile erfordert je Drahtlage einen gesonderten Arbeitsgang.

SEILBAHNBAU

16

- Parallelschlag (Parallelverseilung)

Alle Drähte in der Litze haben die gleiche Schlaglänge, daher jedoch in den einzelnen Drahtlagen verschiedene Schlagwinkel. Die Litzen oder Seile können in einem Arbeitsgang verseilt werden. Die Drähte weisen untereinander Linienberührung, daher weniger Druckstellen etc. auf, was günstiger gegenüber Dauerbeanspruchung ist.

Normalschlag

Drahtachsen Mantelerzeugende Berührungspunkte
Drahtachsen
Mantelerzeugende
Berührungspunkte

Parallelschlag

Drahtachsen Berührungslinien
Drahtachsen
Berührungslinien

Normalschlag gleiche Schlagwinkel

l 2 l 1 α 1 =α 2 d 1 π d 2 π
l
2
l
1
α
1 =α 2
d 1 π
d 2 π
Abb.: Schlagweise Parallelschlag gleiche Schlaglänge l 1 = l 2 α 2 α 1 d
Abb.:
Schlagweise
Parallelschlag
gleiche Schlaglänge
l 1 = l 2
α 2
α 1
d 1 π
d 2 π

d 1 : Durchmesser der inneren Drahtlage α 1 : Steigungswinkel der inneren Drähte l 1 : Schlaglänge der inneren Drähte

d 2 : Durchmesser der äußeren Drahtlage α 2 : Steigungswinkel der äußeren Drähte l 2 : Schlaglänge der äußeren Drähte

Abb.: Unterschied zwischen Normalschlag und Parallelschlag

SEILBAHNBAU

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Seilnormbezeichnung

sie dient dazu, ein Seil im technischen Schriftverkehr in Kurzform zu beschreiben. Die Grundlagen sind in der ÖNORM EN 12385-2 zusammengefasst. Dabei wird die zur Beschreibung eines Seiles erforderliche Mindestmenge an Informationen angegeben. Die Seilnormbezeichnung muss folgende Angaben enthalten:

Maße, Seilkonstruktion, Konstruktion der Einlage, Seilfestigkeitsklasse, Oberflächenausführung der Drähte, Schlagart und Schlagrichtung.

Beispiel:

 

32

636WS SFC

1960

A zZ

bedeutet:

Seil mit 32 mm Nenndurchmesser, 6 Litzen aus je 36 Drähten in Machart Warrington-Seale mit synthetischer Fasereinlage, Seilfestigkeitsklasse 1960 N/mm², Oberfläche mit Zinküberzug der Klasse A, Gleichschlag rechtsgängig.

erläuternde Bemerkung

Beispiel nach ÖNORM M 9500 (überholt):

Zugseil ÖNORM M 9534 - 32 E 1960 GR - BV - znk - SF - spa bedeutet:

Zugseil nach ÖNORM M 9534 mit 32 mm Nenndurchmesser in Sondermachart E (Warrington-Seale), Nennfestigkeit 1960 N/mm², Ausführung in Gleichschlag rechtsgängig, Drähte für besondere Verwendungszwecke in verzinkt gezogener Oberflächenqualität, mit synthetischer Fasereinlage, in drall- und spannungsarmer Ausführung.

3.6 ERLÄUTERUNG ZU SCHLAGLÄNGE UND SCHLAGWINKEL

Die ideale Schlaglänge bzw. der Schlagwinkel der Drähte in der Litze oder im Seil bzw. der Litzen im Seil lassen sich auf Grund geometrischer Zusammenhänge berechnen. Die Bedingungen werden vorgegeben: z.B. Anzahl der Drähte in den einzelnen Drahtlagen und Anzahl der Draht- lagen in der Litze, Draht- bzw. Litzendurchmesser, Abstand der Drähte in der Litze je Lage vom Seilmittelpunkt bzw. der Litzen im Seil etc. Bei Seilen oder Litzen, die aus Drähten mit gleichem Nenndurchmesser hergestellt werden und sich die Drähte in den einzelnen Lagen berühren, ergibt sich bei

Drähte in den einzelnen Lagen berühren, ergibt sich bei ∞ vielen Lagen ein Schlagwinkel von ω

∞ vielen Lagen ein Schlagwinkel von ω = 17,27°

Der Schlagwinkel liegt daher in Bereich zwischen 15,0° und 17,3°. Der tatsächliche Schlagwinkel

wird auf Grund der Ungenauigkeiten beim Ziehvorgang etwas kleiner gewählt. Wird die Schlaglänge als Vielfaches des Seildurchmessers oder Litzendurchmessers angegeben, kann daher für alle Seile oder Litzen angenommen werden:

Schlaglänge = 7-facher Seildurchmesser bei Kreuzschlagseilen

Schlaglänge = 8-facher Seildurchmesser bei Gleichschlagseilen

SEILBAHNBAU

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Die Größe des Schlagwinkels (Flechtwinkel) beeinflusst die Seilsteifigkeit und den E-Modul E Seil des Seiles. Die Steifigkeit nimmt mit zunehmendem Schlagwinkel (bei kleinerer Schlaglänge) ab. Biegsame Seile erhält man daher durch Vergrößern des Schlagwinkels bzw. durch Verkürzen der Schlaglänge. Da sich bei Gleichschlagseilen der Schlagwinkel der Drähte in der Litze und der Schlagwinkel der Litzen im Seil summieren, ist verständlich, dass Gleichschlagseile biegsamer sind als Kreuzschlag- seile. Hingegen liegen die Außendrähte der Litzen über eine größere Länge an der Außenseite des Seiles. Ein Drahtbruch wird durch optische Kontrollen leichter erkennbar, jedoch trägt der Draht erst nach einer größeren Länge wieder in voller Größe. Die Seiloberfläche ist glatter als bei Kreuzschlagseilen. Bei Kreuzschlagseilen verschwinden die Außendrähte im Vergleich zu Gleich- schlagseilen etwa nach der halben Länge wieder im Seilverband. Das bedeutet, dass Kreuz- schlagseile einen besseren Seilverband haben, und die Außendrähte über eine kürzere Länge an der Außenseite des Seiles liegen. Drahtbrüche von Außendrähten sind nicht so leicht durch Augenschein erkennbar, dafür trägt der Draht bereits nach kurzer Länge wieder in voller Größe. Wird bei einem Seil nachträglich die Schlaglänge geändert, wird dadurch der Seilverband (die rich- tige Anordnung der Drähte im Seil) wesentlich gestört, was zu einem ungleichmäßigen Tragen der einzelnen Drähte und damit zu Drahtbrüchen führen kann. Für den Betrieb ist es daher wichtig, dass Einflüsse, die zu einer Veränderung der Schlaglänge im Seil führen können (z.B. Verdrehen des Seiles infolge von Fehlern beim Auflegen der Seile, schlecht fluchtende Rollenbatterien, schlechter Einlauf des Seiles in Seilscheiben), durch ent- sprechende Maßnahmen verhindert werden.

3.7

BERECHNUNGSGRÖßEN

Nennzugfestigkeit des Drahtwerkstoffes R

Die Nennfestigkeit R ist die der Berechnung der rechnerischen Mindestbruchkraft oder der rechne- rischen Bruchkraft des Seiles zugrundegelegte Zugfestigkeit des Drahtes von 1200 N/mm² bis 2200 N/mm².

erläuternde Bemerkung

Seilfestigkeitsklasse R r Anforderungsniveau der Seilfestigkeit (Bruchkraft), die durch eine Zahl bezeichnet wird (z.B. 1770, 1960) Dies bedeutet nicht notwendigerweise, dass die tatsächlichen Nennfestigkeiten der Drähte im Seil dieser Seil- festigkeitsklasse entsprechen. Die ÖNORM EN 12385-8 legt die Festigkeitsstufen für Seilbahnseile mit 1570, 1770 und 1960 N/mm² fest. Andere Nennfestigkeiten sind ausführbar, es handelt sich jedoch dann um eine Abweichung von der Norm. Gemäß der ehemals anzuwendenden ÖNORM M 9500 waren folgende Festigkeitsstufen genormt: 1370, 1570, 1770, 1960 und 2160 N/mm².

Füllfaktor f

Der Quotient metallischer Seilnennquerschnitt und Fläche des umschriebenen Kreises wird als Füllfaktor f bezeichnet und für die Berechnung der Mindestbruchkraft herangezogen.

f

A

A

u

Spiralseile: f 0,75

A : metallischer Querschnitt

A u : umschriebene Kreisfläche

Rundlitzenseile: f 0,46

SEILBAHNBAU

19

Faktor für den metallischen Nennquerschnitt C vom Füllfaktor abgeleiteter Faktor, der bei der Berechnung zur Bestimmung des metallischen Nennquerschnitts eines Seils verwendet wird

C

f 4

A

A

u

4

metallischer Nennquerschnitt A Produkt aus dem Faktor für den metallischen Nennquerschnitt (C) und dem Quadrat des Seilnenndurchmessers

A C d

2

f

4

d

2

f

d

2

A d

2

4

A

u

4

Rechnerischer metallischer Querschnitt A c Summe der Nennquerschnitte der tragenden Drähte in einem Seil im unverseilten Zustand (loses Drahtbündel). Die Drahtquerschnitte sind daher Kreise entgegen der tatsächlichen Ellipsenform. Diese Vereinfachung ist bei kompaktierten Litzen nicht möglich. Der Nennquerschnitt weicht vom tatsächlichen Istquerschnitt ab.

A

c

n

i 1

2

i

4

δ

Drahtdurchmesser

i … Anzahl der Drähte

erläuternde Bemerkung

Verseilverlustfaktor k Der Verseilverlustfaktor wird als Quotient der rechnerischen Bruchkraft aus Nennquerschnitt (F e.c.min ) zur rechnerischen Mindestbruchkraft (F c.min ) des Seiles oder als Quotient der rechnerischen Bruchkraft (F e.min ) zum festgelegten Wert der Mindestbruchkraft (F min ) des Seiles, definiert. Die Größe wird vom Seilhersteller angegeben.

Mindestbruchkraftfaktor K Der Mindestbruchkraftfaktor zur Bestimmung der Mindestbruchkraft wird empirisch ermittelt. Für gebräuchliche Seile (Normseile) ist der Faktor in den Normen angegeben.

K

f k

4

Bruchkraft F Die Bruchkraft des Seiles stellt die wichtigste Größe für die Berechnung und Auswahl der Seile dar.

erläuternde Bemerkung

Auf Grund der verschiedenen Definitionen der Bruchkräfte des Seiles muss bei der Wahl von Sicherheitsfaktoren auch die Bezugsgröße (Bruchkraft) berücksichtigt und angegeben bzw. definiert werden. Zugsicherheitsbeiwerte, die in verschie- denen Normen oder Vorschriften angegeben werden, sind daher nicht ohne weiteres vergleichbar.

Mindestbruchkraft F min festgelegter Wert in kN, der von der in einer vorgeschriebenen Bruchkraftprüfung gemessenen Bruchkraft (F m ) nicht unterschritten werden darf und üblicherweise als Produkt aus dem Quadrat des Nenndurchmessers (d), der Seilfestigkeitsklasse (R r ) und dem Bruchkraftfaktor (K) berechnet wird.

SEILBAHNBAU

20

rechnerische Mindestbruchkraft F c.min Wert der Mindestbruchkraft, errechnet auf der Grundlage von Drahtnenndurchmesser, Nennzug- festigkeit des Drahtes und des Verseilverlustfaktors entsprechend den Angaben des Herstellers.

erläuternde Bemerkung

Auf Grund des in Europa versuchten Übereinkommens zur Vereinheitlichung der Bemessung von Seilbahnen (harmonisierte Norm) wurden viele Begriffe für die wichtigste Größe für die Berechnung und die Auswahl der Seile eingeführt. Dies trägt aber wesentlich zur Verwirrung bei. Beispiele nachfolgend

wirkliche Bruchkraft F m die nach einem vorgeschriebenen Verfahren (Strangbruchversuch) ermittelte Bruchkraft.

rechnerische Bruchkraft F e.min festgelegter Wert in kN, der durch die in einer Prüfung erhaltene ermittelte Bruchkraft nicht unterschritten werden darf. Der Sollwert in kN wird üblicherweise nach nachstehender Formel errechnet:

F

e

.min

d

2

R C

r

1000

d Seilnenndurchmesser

R r

C Faktor für den metallischen Nennquerschnitt

Festigkeitsklasse (Nennfestigkeit)

rechnerische Bruchkraft aus Nennquerschnitt F e.c.min Wert der rechnerischen Bruchkraft der aus der Summe der Produkte aus den Querschnitten (basierend auf dem Draht- nenndurchmesser) und der Nennzugfestigkeit jedes Drahtes aus dem Seil, entsprechend den Angaben des Herstellers, berechnet wird.

reduzierte rechnerische Bruchkraft aus Nennquerschnitt F e.red.min festgelegter Wert, den die ermittelte reduzierte Bruchkraft aus Nennquerschnitt nicht unterschreiten darf und der aus d er Summe der Produkte aus den Querschnitten (basierend auf dem Drahtnenndurchmesser) und der Nennzugfestigkeit jedes als lasttragend vereinbarten Drahtes des Seiles berechnet wird.

ermittelte Bruchkraft F e.m Summe der gemessenen Bruchkräfte aller Einzeldrähte aus dem Seil.

ermittelte reduzierte Bruchkraft F e.red.m Summe der gemessenen Bruchkräfte der als lasttragend vereinbarten Drähte aus dem Seil.

rechnerische wirkliche Bruchkraft F m.c Produkt aus der Summe der wirklichen Bruchkräfte der aus dem Seil entnommenen Einzeldrähte und dem aus den Ergebnissen der Typprüfung abgeleiteten anteiligen Verseilverlustfaktor.

rechnerisch ermittelte Bruchkraft F e.m.c der Wert, der durch Dividieren der wirklichen Bruchkraft (Fm) des Seiles durch den aus den Ergebnissen der Typprüfung abgeleiteten anteiligen Verseilverlustfaktor errechnet wird.

längenbezogene Masse (Metergewicht) g S Ist eine Rechengröße, die außer dem Gewichtsanteil der Seildrähte auch die Gewichtsanteile der Einlage und des Schmierstoffes berücksichtigt. Sie ist eine für die Berechnung der Seillinie wichtige Größe, z.B. für die Ermittlung der Höhenspannkraft.

Seil(nenn)durchmesser d Durchmesser des dem Seilquerschnitt umschriebenen Kreises. Der Seilnenndurchmesser dient bei vielen Bemessungsregeln (z.B. für die Länge des Seilspleißes, für die Wahl des Seilscheiben- durchmessers) als Bezugsgröße.

SEILBAHNBAU

21

3.8 SEILLÄNGUNG

Unter Seillängung wird die bleibende Dehnung bezeichnet. Sie entsteht primär durch das Setzen der Litzen in der Seileinlage infolge des zur Seilachse auf die weiche Einlage einwirkenden Schnür- druckes. Sekundär entsteht Längung durch das Setzen der Drähte in den Litzen. Zur Verminderung der primären Seillängung werden neuerdings die Einlagen bei Zugseilen durch eine Vollverfüllung mit Kunststoff hergestellt. Zur Verminderung der bleibenden Dehnung werden Seile auch vor ihrer Verwendung vorgereckt.

3.9 QUERSCHNITTSVERMINDERUNG

Durch den Schnürdruck der einzelnen Litzen auf die weiche Einlage erfolgt vor Allem durch die Lageänderung der Litzen im Seilverband eine Verminderung des Seilquerschnittes.

3.10 SEILDRALL

Jeder Seildraht im Seil hat bei Aufbringung einer Zugkraft das Bestreben aus seiner gekrümmten (geschlagenen) Form eine gerade Form anzunehmen. Die Seile sind daher an den Seilenden gegen das Aufdrehen zu sichern. Bei Seilen, wo die Schlagrichtung der Drähte und der Litzen gleichartig ausgebildet ist (Gleichschlag), ist der Seildrall wesentlich größer als bei einem Seil, wo die Schlagrichtung der Drähte und der Litzen unterschiedlich sind (Kreuzschlag).

erläuternde Bemerkung

Der Seildrall wird später noch behandelt.

3.11 KONTROLLEN DES SEILES

Seile sind einer Dauerbeanspruchung mit unterschiedlichen Belastungsgrenzen ausgesetzt. Im Normalfall unterliegen Seildrähte einer Schwellbeanspruchung (ausschließlich Zugspannung) und keiner Schwingbeanspruchung (Zug- und Druckspannung). Die Zugspannung überwiegt gegenüber der Biegerandspannung im Seildraht. Aufgrund der Dauerbeanspruchung werden Seile in periodischen Abständen Kontrollen unterzogen.

Augenscheinliche Kontrolle (visuelle Kontrolle):

Bei einem Zug- oder Förderseil wird bei geringer Seilgeschwindigkeit (ca. 0,3 m/s) das Seil in einer Station visuell am gesamten Umfang kontrolliert. Bei einem Tragseil wird die Kontrolle vom Fahrzeug aus durchgeführt. Erkennbar sind äußere Schäden wie Drahtbrüche und Blitzschlagschäden.

SEILBAHNBAU

22

Kontrolle des Seildurchmessers: die Durchmesserkontrolle ergänzt die visuelle Kontrolle und gibt Anhaltspunkte für Verschleiß im Seilinneren, für Versagen der Einlage etc.

Magnetinduktive Prüfung: Die magnetische Querschnittsmessung erlaubt als zerstörungsfreies Prüfverfahren die Abschätzung der Restbruchkraft von Drahtseilen, die durch Korrosion, Verschleiß oder Drahtbrüche geschwächt sind. Die Messung des Seilquerschnittes ist rückführbar auf eine induktive Messung des magnetischen Seilflusses. Diese Prüfmethode beruht auf dem physikalischen Prinzip, dass das Seil als ferromagnetischer Werkstoff auf eine kurze Länge (etwa 30 cm) bis zur magnetischen Sättigung magnetisiert wird. Dies kann durch Elektromagnete oder durch Dauermagnete erfolgen. Das dabei um das Seil entstehende Magnetfeld wird durch Inhomogenitäten im Werkstoff, im metallischen Querschnitt oder im Aufbau des Seiles gestört. Es entsteht ein magnetisches Streufeld. Wird eine Messspule über das magnetisierte Seil bewegt, wird durch die Radialkomponente des Streufeldes in der Spule eine Spannung induziert. Diese Spannung wird verstärkt, aufgezeichnet und ausgewertet. Je nach Schadensart ergibt sich ein charakteristischer Verlauf der Spannung bzw. des Registrierschriebes. Drahtbrüche verursachen charakteristische Inhomogenitäten im Streufeld und sind in der Mess- signalaufzeichnung erkennbar. Sie können erkannt werden, wenn die Drahtbruchenden eine entsprechende Klaffweite aufweisen. Auf Grund des Seilaufbaues weist jeder Messschrieb einen "Grundpegel" von Ausschlägen auf, der von der Seilmachart, der Geräteauswahl und Geräte- einstellung, der Prüfgeschwindigkeit, der Verstärkung des Messsignales etc. abhängt.

der Verstärkung des Messsignales etc. abhängt. Abb.: Aufbau eines Messgerätes für die magnetinduktive

Abb.: Aufbau eines Messgerätes für die magnetinduktive Seilkontrolle

Messsignales etc. abhängt. Abb.: Aufbau eines Messgerätes für die magnetinduktive Seilkontrolle Abb.: Messung am Seil
Messsignales etc. abhängt. Abb.: Aufbau eines Messgerätes für die magnetinduktive Seilkontrolle Abb.: Messung am Seil

Abb.: Messung am Seil

SEILBAHNBAU

23

erläuternde Bemerkung

Die Anforderungen an diese Prüfmethode im Hinblick auf die Anwendung bei Personenseilbahnen sind in der Norm ÖNORM EN 12927-8 angeführt.

Die Auswertung und Beurteilung des Messschriebes erfordert große Erfahrung und gute Kenntnisse des Prüfverfahrens, der Geräteeinstellung und der Aufzeichnungsverfahren, aber auch hinsichtlich der Seilherstellung, der Seilbeanspruchung und der Seileigenschaften. Die Aufzeichnung des Messergebnisses erfolgt verhältnismäßig einfach und ohne größeren Zeitaufwand; die Prüfgeschwindigkeit liegt meist zwischen 3 m/s und 5 m/s. Die Auswertung benö- tigt jedoch einen großen Zeitaufwand. Daher versuchen alle Prüfer, diesen Aufwand zu auto- matisieren. In jüngster Zeit werden hierzu EDV-Programme erstellt, die in der Lage sind, die Kurven des Messschriebes zu analysieren und mit charakteristischen Kurvenformen zu vergleichen. Die EDV-Auswertung ergibt dann eine Tabelle mit der Lage und Anzahl der Drahtbrüche (oder sonstigen Schäden).

erläuternde Bemerkung

Derartige Methoden sind beispielsweise in zwei Artikeln im Heft 5/95 der ISR beschrieben.

Untersuchungsfristen: Seile haben eine begrenzte Lebensdauer. Durch regelmäßig durchgeführte zerstörungsfreie Kontrollen sollen die Grenzen der Verwendbarkeit rechtzeitig erkannt werden, ehe die Betriebssicherheit der Seile gefährlich eingeschränkt ist. Die Ablegereife (Eintritt einer unzu- lässigen Schwächung der Seiltragkraft) muss rechtzeitig erkannt werden können. Die Unter- suchungsfristen müssen daher so gewählt werden, dass die zu erwartende Schädigung (der Schadensfortschritt) bis zur nächsten Untersuchung noch in zulässigem Rahmen bleibt. Art und Umfang der erforderlichen Untersuchungen werden in den meisten Ländern durch behördliche Vorschriften, teils auch in Normen (z.B. ÖNORM EN 12927-7) festgelegt.

Augenscheinliche (visuelle) Kontrollen sind monatlich vorzunehmen. Die Fristen für magnetinduktive Untersuchungen schwanken zwischen 4 Jahren (für neue Förderseile) und 6 Jahren (für neue Trag- und Zugseile). Diese Fristen verkürzen sich jedoch mit zunehmender Verwendungsdauer eines Seiles und werden auf Grund des Gesamtzustandes des Seiles und des zu erwartenden Schadensfortschrittes vom Prüfer festgelegt. Sie sind so zu wählen, dass bis zur nächsten Untersuchung keine unzulässige Schadensentwicklung mit Eintritt eines betriebs- gefährlichen Zustandes zu erwarten ist. Um eine Grundlage für die spätere Auswertung der Messschriebe zu erhalten, ist eine Grunduntersuchung innerhalb von 18 Monaten nach Auflage des Seiles durchzuführen (Grunddiagramm).

3.12 SEILSCHÄDEN

Seilschäden treten als Drahtbrüche, Korrosionsnarben, Abnahme des metallischen Querschnittes durch Verschleiß, Druckkerben, lockere Drähten, korkenzieherartige Verformungen und Korbbildungen auf. Korrosionsnarben und Druckkerben führen zu Dauerbrüchen von Drähten. Lockerdrähte sind nicht mittragend und daher wie ein gebrochener Draht zu werten.

SEILBAHNBAU

24

erläuternde Bemerkung

Lockerdrähte können durch leichtes Klopfen mit einem kleinen Hammer auf die Seildrähte festgestellt werden. Lockere Drähte sind nicht so hell klingend wie ein gespannter Draht (gespannte Saite). „Korkenzieher“ entstehen durch ungleich- mäßige Vorspannung einer Litze beim Verseilen. Korbbildungen entstehen bei ungenügender Seilspannkraft (Schlaufenbildung) z.B. bei Spleißen, wenn das Seil nicht abgespannt wird.

Drahtbrüche sind, wenn es keine außenliegende Drahtbrüche sind, im Seil zu belassen. Bei außen- liegenden Drähten sind diese durch Hin- und Herbiegen an den in den Seilverband verschwin- denden Drahtenden abzubrechen. Bei verschlossenen Seilen kann ein außenliegender Drahtbruch des Formdrahtes durch Verlöten der Bruchstelle saniert werden. Der gebrochene Draht trägt üblicherweise nach 2 - 3 Schlaglängen wieder in voller Höhe mit.

 

erläuternde Bemerkung

Die Ursachen von Seilschäden können sehr unterschiedlich sein:

-

Unregelmäßigkeiten an den Drähten

Durch Unregelmäßigkeiten oder Fehler an den Drähten können bereits beim Verseilvorgang oder später im Betrieb

Drahtbrüche auftreten. Ein Fehler im Drahtquerschnitt (z.B. unzulässige Durchmesser-Abweichung, Unrundheit) kann zu Druckkerben und Reibung zwischen den Drähten führen und so zu einem Drahtbruch führen.

-

mangelhafter Schmierzustand

Durch zu geringe oder keine Schmierung können sowohl Korrosionsschäden als auch Verschleiß (zu hohe innere Reibung

zwischen den Drähten und Drahtlagen) mit daraus folgenden Dauerbrüchen der Drähte entstehen.

-

thermische Wirkungen

Thermische Wirkungen treten z.B. bei Blitzschlag, bei Brand im unmittelbaren Seilbereich oder bei Schweißarbeiten in der Nähe des Seiles auf. Sie führen zu Änderungen im metallurgischen Gefüge der Drähte, insbesondere werden dadurch Aufhärtungen an der Drahtoberfläche (Martensitbildung) verursacht. Bereits eine Erwärmung von 300° C führen zu einem starken Abfall der Festigkeit. Versprödung oder Anrisse führen zu Dauerbrüchen. Aufhärtungen können auch durch Rutschen von Klemmen oder Klemmapparaten am Seil entstehen (Reibmartensit). Aufhärtungen an der Seiloberfläche können durch vorsichtiges Abschleifen der Martensitschicht beseitigt werden. Draht- brüche können durch Einlegen von Drähten/Litzen entfernt werden.

-

chemische Wirkungen

Diese können zur Beschleunigung von Korrosion der Drähte und zur Verrottung der Einlage führen. Die Drähte können durch Verzinkung und Schmierung gegen Korrosion geschützt werden. Bei den Seileinlagen werden Kunststoffe (synthe- tische Fasern) anstatt Hanf verwendet.

-

mechanische Wirkungen

Dauernde mechanische Einwirkungen treten bei betrieblichen Beanspruchungen (Scheibenumlauf, Klemmstellen, Auflie- gen auf Unterstützungen oder Umlenkungen, Lauf über Stahlrollen etc.) auf und führen zu Dauerbrüchen von Drähten. Mechanische Einwirkungen als Folge des Seilaufbaues (Drahtkreuzungen, Litzenberührung) führen meist zu erhöhtem Verschleiß an der Drahtoberfläche, zu Kerben und Druckstellen und in Folge zu Dauerbrüchen von Drähten. Weitere mechanische Einwirkung treten als Folge von Unregelmäßigkeiten im Betrieb, z.B. Seilentgleisungen, Rutschen von Klemmen auf, Baumwurf auf das Seil und führen zu Veränderungen oder Lockerungen des Seilgefüges, Kerben an den Drähten und zu Drahtbrüchen (Gewaltbrüche). In diese Gruppe von Schadensursachen sind auch Schäden infolge unzureichender Tragwirkung der Einlage zu zählen (Litzenberührung infolge Gewölbewirkung), wodurch die Mehrzahl der Förderseile vorzeitig abzulegen sind.

3.13 WARTUNG DER SEILE

Seilschmierung Ziel der Seilschmierung ist der Schutz gegen Korrosion und Reduzierung der inneren Reibung im Seil (Reibung zwischen den Drähten bei Scheibenumlauf oder Rollenüberfahrt). Es ist jedoch bei der Wahl des Schmiermittels zu beachten, dass aus dem Seil austretendes Schmiermittel nicht den Reibungskoeffizienten zwischen Seil und Antriebsscheibe unzulässig vermindert oder den Futterwerkstoff von Seilrollen zerstört. Die Wartung der Seile einer Seilbahn erstreckt sich vor allem

SEILBAHNBAU

25

darauf, den ausreichenden Schmierzustand des Seiles zu erhalten. Bei Rundlitzenseilen soll zwischen den Litzen ein „Fugenverschluss“ durch das Schmiermittel entstehen, wodurch das Eindringen von Feuchtigkeit in das Seilinnere verhindert wird. Im Laufe der Lebensdauer des Seiles wird dieser Fugenverschluss spröd und bröckelt aus. Die Wartung muss daher auch darauf abzielen, diesen Fugenverschluss entsprechend geschmeidig zu erhalten. Die chemische Industrie bietet verschiedene Nachschmiermittel an. Dabei ist jedoch zu beachten, dass das Nachschmiermittel mit der Grundschmierung des Seiles chemisch verträglich ist.

Biegewechselzahl in % 200 gefettet und nachgefettet 150 gefettet 100 50 entfettet 0 100 200
Biegewechselzahl in %
200
gefettet und nachgefettet
150
gefettet
100
50
entfettet
0
100 200
300
400
500

Zugspannung N/mm²

Abb.: Einfluss der Seilschmierung auf die Lebensdauer der Drähte

Schmierung der Tragseilschuhe Das Tragseil wird auf den Stützen in Tragseilschuhen geführt. Durch den Betrieb der Seilbahn und durch Temperaturänderungen wird das Tragseil auf den Stützen in Längsrichtung bewegt. Diese Längsbewegung kann in Abhängigkeit von den an die Stütze angrenzenden Seilfeldlängen mehrere Dezimeter bis Meter betragen. Die Einlage (Futter) der Tragseilschuhe sind daher aus einem weichen Metall (Bronze) gefertigt und müssen regelmäßig geschmiert werden.

Nachlassen von Tragseilen Das regelmäßige Nachlassen der Tragseile (alle 4 bis 12 Jahre) soll jene Seilstellen, die im Betrieb auf den Stützen aufliegen und damit einer höheren Belastung ausgesetzt sind, in das freie Seilfeld verlegt werden.

Versetzen der Klemmen Bei Sesselbahnen mit fixen Klemmen und bei Schleppliften werden die Klemmen regelmäßig am Seil versetzt, da dadurch die hohe Beanspruchung des Seiles an der Klemmstelle zeitlich begrenzt wird. Insbesonders bewirkt der Scheibenumlauf des Seiles mit nicht vom Förderseil lösbaren Klemmen eine hohe Biegebeanspruchung der Seildrähte, da die Klemme örtlich das Seil von der Scheibeneinlage abhebt. Daher sind die Versetzintervalle von der Anzahl der Scheibenumläufe abhängig. Das größtzulässige Versetzintervall beträgt 250 Betriebsstunden.

SEILBAHNBAU

26

4

SEILVERBINDUNGEN

Die Art der Seilverbindung ist vom Einsatzzweck des Seiles abhängig. Soll eine biegsame Seilverbindung hergestellt werden, die ein Laufen des Seiles um die Antriebs- oder Gegenscheiben und über Seilrollen ermöglicht, wird der Seilspleiß gewählt. Die auf Stützen aufliegenden unverrückbaren Tragseile werden mit Muffen verbunden. Entweder als Verbindungsmuffe zweier Seile (z.B. Verbindung des Tragseiles mit dem Spannseil) oder als Seilendverbindung des Tragseiles. Die Wagen von Standseilbahnen oder Kabinen von Pendelbahnen können mit Seilmuffen an das Zugseil verbunden werden (kein Scheibenumlauf). Die Seilklemmen ermöglichen ebenfalls die Verbindung zweier Seilstücke oder der Verankerung von Seilenden ruhender Seile.

4.1

SEILSPLEISS

Hinsichtlich der ausgeführten Länge eines Seilspleißes wird unter Kurz- und Langspleiß unter- schieden. Im Seilbahnbau wird bei der Verbindung von Zug- oder Förderseilen ausschließlich der Langspleiß verwendet. Der Langspleiß als Seillängsverbindung dient zur Herstellung einer geschlossenen Zug- oder Förderseilschleife. Der Kurzspleiß ist ausschließlich für untergeordnete Zwecke, z.B. als Montagehilfsmittel zulässig. Nach den österreichischen Seilbahnvorschriften beträgt die Mindestlänge des Langspleißes 1300 . d (1300facher Seildurchmesser); europaweit wird dies mit 1200 . d zugelassen.

Einsteckenden L/12 L/6 L/6 L/12 L/2
Einsteckenden
L/12
L/6
L/6
L/12
L/2

Spleißlänge L 1300 . d

Abb.:

Langspleißschema

Um einen Spleiß herzustellen müssen die beiden zu verbindenden Seilenden eine gleiche Litzenanzahl, weiche (nicht tragende) Einlagen (Seelen), einen etwa gleichen Seil- und Litzen- durchmesser sowie gleiche Schlaglänge aufweisen. Spleiße sind biegsame Verbindungen, bei denen jeweils ein Litzenende (Einsteckende) in das Seilinnere geführt wird und die Einlage in diesem Bereich herausgeschnitten wird. Die Einsteckenden werden umwickelt, damit einerseits eine Schonung der umgebenden Litzen erfolgt und um andererseits die Abstützwirkung der umgebenden Litzen an der Seele aufrecht bleibt. Wenn dies nicht oder nur unzureichend erfolgt, kann der Spleiß „einfallen“. Die Einführung der Litze in die Seilmitte anstatt der Seilseele erfolgt an den Spleißknoten.

SEILBAHNBAU

27

Im Seilspleiß muss die volle Seilspannkraft wie im ungestörten Seil übertragen werden können. Die Übertragung der Spannkraft erfolgt durch Reibung zwischen den Außenlitzen und der als Einlage in die Seilmitte eingelegten Litze (Einsteckende). Der Spleiß muss unter Zug stehen, damit die Verbindung hält. Aus diesem Grund ist die größte zulässige Zugsicherheit im Seil nach oben begrenzt (n z max < 20). Das Einsteckende muss eine Mindestlänge aufweisen, um die Reibkraft übertragen zu können.

Spleißknoten d Einsteckende ≈ L/12 ≈ 108 . d
Spleißknoten
d
Einsteckende ≈ L/12 ≈ 108 . d

Abb.:

Spleißknoten mit eingeführtem Einsteckende

Aus theoretischen Überlegungen (z.B. Czitary: „Seilschwebebahnen“) und auf Grund von empirischen durchgeführten Versuchen gelangt man bei einem Seil mit sechs Litzen (übliche Bauart für ein Zug- oder Förderseil) zur Mindestspleißlänge vom 120-fachen der Schlaglänge (etwa das 1000-fache des Seilnenndurchmessers).

L

Spleiß

_ min

120

l

Seilschlaglänge

1000

d

erläuternde Bemerkung

Arbeitsschritte beim Spleißen

Auflegen der beiden Seilenden

d erläuternde Bemerkung Arbeitsschritte beim Spleißen Auflegen der beiden Seilenden Seil auf die richtige Länge kappen

Seil auf die richtige Länge kappen

d erläuternde Bemerkung Arbeitsschritte beim Spleißen Auflegen der beiden Seilenden Seil auf die richtige Länge kappen

SEILBAHNBAU

28

abgeschnittenes Seilende

abgeschnittenes Seilende Entfernen der Seele (weiche Einlage) Ineinander legen der Litzen in die richtige Lage Lage

Entfernen der Seele (weiche Einlage)

abgeschnittenes Seilende Entfernen der Seele (weiche Einlage) Ineinander legen der Litzen in die richtige Lage Lage

Ineinander legen der Litzen in die richtige Lage

Einlage) Ineinander legen der Litzen in die richtige Lage Lage der Litzen vor dem Verbund Lösen

Lage der Litzen vor dem Verbund

Litzen in die richtige Lage Lage der Litzen vor dem Verbund Lösen der Litzen an den

Lösen der Litzen an den Seilenden

Litzen vor dem Verbund Lösen der Litzen an den Seilenden Kürzen der sechs Litzen auf die

Kürzen der sechs Litzen auf die richtige Länge

der Litzen an den Seilenden Kürzen der sechs Litzen auf die richtige Länge Flechten mit der

Flechten mit der Hand

der Litzen an den Seilenden Kürzen der sechs Litzen auf die richtige Länge Flechten mit der

Litzen einrichten

der Litzen an den Seilenden Kürzen der sechs Litzen auf die richtige Länge Flechten mit der

SEILBAHNBAU

29

Markieren des Spleißknotens

Markieren des Spleißknotens Spleißknoten vor dem Einstecken Einstecken der Litzenenden in das Seil mit der Spleißahle

Spleißknoten vor dem Einstecken

Markieren des Spleißknotens Spleißknoten vor dem Einstecken Einstecken der Litzenenden in das Seil mit der Spleißahle

Einstecken der Litzenenden in das Seil mit der Spleißahle

Spleißknoten vor dem Einstecken Einstecken der Litzenenden in das Seil mit der Spleißahle fertiger Spleißknoten
Spleißknoten vor dem Einstecken Einstecken der Litzenenden in das Seil mit der Spleißahle fertiger Spleißknoten

fertiger Spleißknoten

Spleißknoten vor dem Einstecken Einstecken der Litzenenden in das Seil mit der Spleißahle fertiger Spleißknoten

SEILBAHNBAU

30

4.2 SEILMUFFEN Seilmuffen können als Vergussverbindung mittels Vergusskegel oder als Klemmverbindung mittels Klemmenhülsen hergestellt werden. Die Verbindung wird sowohl bei Tragseilen als auch bei Zugseilen eingesetzt. Bei Personenseilbahnen dürfen Tragseilmuffen nicht befahren werden. Das bedeutet, dass bei einem irreparablen Tragseilschaden das Seil vollständig erneuert werden muss. Seilmuffen können als Kupplungsmuffen (Verbindung zweier Seile) oder als Endmuffen (Verbin- dung des Seiles mit einem anderen Konstruktionsteil, z.B. mit dem Gehänge oder Laufwerk einer Pendelbahn oder mit dem Spanngewicht des Tragseiles oder mit der Tragkonstruktion) ausgeführt sein. In Folge von Seilschwingungen treten im Betrieb in der Nähe der Muffen in den Drähten Wechselspannungen auf. Besonders beim Austrittsquerschnitt des Kegels entstehen Drahtbrüche. Die Kegel sind daher regelmäßig ca. alle 4 bis 6 Jahre zu erneuern. Eine weitere Schutzmaßnahme sind vorgesetzte Hülsen, die Schwingungen weitgehend eliminieren.

Hülsen, die Schwingungen weitgehend eliminieren. Abb. b) Abb. a) Abb. c) Abb. a): Kupplungsmuffe zwischen
Hülsen, die Schwingungen weitgehend eliminieren. Abb. b) Abb. a) Abb. c) Abb. a): Kupplungsmuffe zwischen

Abb. b)

Abb. a)

die Schwingungen weitgehend eliminieren. Abb. b) Abb. a) Abb. c) Abb. a): Kupplungsmuffe zwischen einem

Abb. c)

Abb. a):

Kupplungsmuffe zwischen einem verschlossenen Tragseil und einem Spannseil

Abb. b):

Endmuffe als Verbindung eines verschlossenen Tragseiles mit der Tragkonstruktion

Abb. c):

Muffen als Verbindung eines Zugseiles mit dem Gehänge eines Seilbahnwagens

SEILBAHNBAU

31

4.2.1 Vergussverbindung

SEILBAHNBAU 31 4.2.1 Vergussverbindung Abb.: Vergussmuffe 1 Länge des Vergusskörpers einschließlich vorhandener

Abb.:

Vergussmuffe

1

Länge des Vergusskörpers einschließlich vorhandener zylindrischer Teile und einschließlich des Radius am Seileintritt

2

schmales Ende des Vergusskörpers

3

breites Ende des Vergusskörpers

4

Öffnungswinkel des Vergusskörpers

5

Hülsenbohrung (innerer Durchmesser der Seileintrittsöffnung)

6

Bolzenachse

7

Länge des sich verjüngenden Teils der Seilhülse

8

Länge des zylindrischen Teils der Seilhülse einschließlich des Radius am Seileintritt

9

aus dem Verguss herausstehende Drähte

10

Länge des Drahtbesens

11

Wurzel des Drahtbesens

Der Vergusskegel hat üblicherweise folgende kennzeichnende Abmessungen:

Kegelneigung ca. 1 : 10, Nutzlänge ca. 5d

Der Öffnungswinkel des Vergusskörpers darf nicht kleiner als 9,5° und nicht größer als 18° sein.

(5-facher Seildurchmesser).

Herstellung des Vergusskegels Das Seil wird mit Draht abgebunden, damit ein Aufgehen des Seilverbundes verhindert wird. Nach dem Abbinden werden die Drähte des Seilendes zu einem Besen geöffnet, entweder an ihrem Ende um 180 ° gebogen oder auf ihre freie Länge wellenförmig verformt, und in einer kegelförmigen Seilhülse mit Weichmetall vergossen. Vor dem Vergießen sind die Drahtenden zu entfetten (organisches Lösungsmittel wie Tri- oder Perchloräthylen) und werden durch Tauchen in ein Zinnbad mit Oberflächenschutz versehen. Das Weichmetall (meist Legierung aus Blei und Zinn, Antimonblei) soll einen Schmelzpunkt von weniger als 500 °C haben (meist 300 bis 350 °C), damit keine negative Gütebeeinflussung auf den Seildraht entstehen kann. Nach dem Erhärten des Weichmetalls wird die Vergusshülse zurückgeschlagen und der Kegel augenscheinlich kontrolliert. Beim Verguss kann der Zustand des Seiles nicht kontrolliert werden und die Gefahr einer Korrosion ist nur bei einwandfreier Herstellung des Vergusskopfes nicht gegeben.

SEILBAHNBAU

32

erläuternde Bemerkung Tabelle ÖNORM EN 12927-4: Zusammensetzung des Vergussmaterials
erläuternde Bemerkung
Tabelle ÖNORM EN 12927-4:
Zusammensetzung des Vergussmaterials

Bemessung der Muffe Seilmuffen sind so zu dimensionieren, dass deren statische Bruchsicherheit nicht kleiner ist als die Zugsicherheit des Seiles. Bei einem Zerreißversuch versagt nie die Muffe, sondern immer das Seil.

V p* σ t D
V
p*
σ t
D
α p p* ρ D
α
p p*
ρ
D
S
S

Abb.: Kräfte und Spannungen in der Seilmuffe unter der Seilspannkraft S

σ t

Die Bemessung der Kupplung erfolgt unter Berücksichtigung der

1. Längsspannungen

2. Tangentiale Zugspannungen (führen zum Reißen in der Erzeugenden)

3. Flächendruck von innen nach außen

Diese Beanspruchungen führen zu einem dreidimensionalen Spannungszustand in der Muffe.

S

Längszugspannung :

Radiale Druckspannung:

z

A

p

t

d

*

(nach der Ringzugformel):

mittlere tangentiale Zugspannung

t

S

A tan

 

S

Seilspannkraft

A

Querschnitt einer Muffenhälfte in der Längsrichtung

tan α

Kegelneigung gegenüber der Längsrichtung

ρ

Reibwert zwischen Vergusskegel und der Muffe (theor. 0,10)

SEILBAHNBAU

33

S

D   p *

S

p

*

S

D

tan

a

1,15

S

A

S/Dπ

tan

 

    a  1,15 S A S/Dπ tan    → p*

p*

α+ρ

p Ringzugformel:

V p *D

t

 

V

 
 

tan

V

S

3,55 S

 

A

A

tan

 

A

Bei einer Überfahrung der Seilmuffe (bei Seilbahnen mit Personenbeförderung nicht zulässig) sind zusätzlich noch Biegespannungen zu berücksichtigen.

erläuternde Bemerkung

1974 wurden von ROSINAK an der TU Wien umfangreiche experimentelle Untersuchungen (Dehnungs- und Spannungs- messungen) und theoretische Untersuchungen (finite Element-Methode für den drehsymmetrischen Belastungsfall) durchgeführt. Das in der Literatur angeführte Rechenmodell (Ringzugformel) ist unzulässig, weil die Ringzugformel einen Zylinder und nicht eine konische Muffenhülse berücksichtigt. Insbesonders der Reibwert ρ beeinflusst die tatsächlichen Spannungsverhältnisse im Muffenkörper. Durch das nach dem Verguss notwendigen Zurückschlagen der Muffe unter Umständen mit Fettaufbringung auf dem Vergusskegel wird der Reibwert stark beeinflusst.

4.2.2 Klemmenhülse Die Vergussverbindung ist eine sehr verlässliche und bewährte Verbindung. Die Herstellung ist allerdings aufwendig und erfordert große Fachkenntnisse. OPLATKA hat an der ETH Zürich als Befestigungsvorrichtung für Litzenseile die Klemmenhülse entwickelt. Dabei wird der Vergusskegel durch einen starren Kegel ersetzt. Die Seilzugkraft wird durch Klemmen der einzelnen Litzen, also durch Reibschluss auf die Außenhülse, übertragen. Am Ende des Seiles wird der Seilverband geöffnet und die einzelnen Litzen so gerichtet, dass sie annähernd auf den Mantel eines Kegels zu liegen kommen. Der Innenkegel und die Außenhülse sind mit einem plastisch deformierenden Material (Aluminium oder Aluminiumlegierung AlMg) ausgekleidet. Die Kunststoffbuchse dient zur Vermeidung von Wechselbiegebeanspruchungen des Seildrahtes aus den Seilschwingungen. Die Länge des Innenkegels entspricht dem 7-fachen Seildurchmesser (selbsthemmend). Die Länge der Umlenkhülse beträgt mindestens den 2-fachen Seildurchmesser.

SEILBAHNBAU

34

SEILBAHNBAU 34 Abb.: Klemmenhülse (ÖNORM EN 12927-4) 4.3 PLATTENKLEMME (Schraubklemme) Abb.: Plattenklemmen

Abb.: Klemmenhülse (ÖNORM EN 12927-4)

4.3 PLATTENKLEMME (Schraubklemme)

(ÖNORM EN 12927-4) 4.3 PLATTENKLEMME (Schraubklemme) Abb.: Plattenklemmen Plattenklemmen sind sehr häufig
(ÖNORM EN 12927-4) 4.3 PLATTENKLEMME (Schraubklemme) Abb.: Plattenklemmen Plattenklemmen sind sehr häufig

Abb.: Plattenklemmen

Plattenklemmen sind sehr häufig verwendete Verbindungen zur Übertragung der Seilspannkraft auf ein Tragwerk, z.B. bei Tragseilen zur Übernahme der Restspannkraft bei Trommelverankerungen. Seilklemmen können nicht befahren oder um Seilscheiben geführt werden. Die Plattenklemmen bestehen aus zwei mit Seilrillen versehenen Stahlplatten, die durch Schrauben miteinander zusammengepresst werden. Die Keilflächen, an denen sich die Berührungslinien des Seiles mit den Klemmplatten befinden, sind 45° geneigt. Da die Zugkraft in den Schrauben erhalten bleiben muss und eine zu große Pressung das Seil nachträglich schädigen könnte, wird bei Personenseilbahnen an den Klemmschrauben ein Kraftspeicher (meist Tellerfedern) vorgesehen. Damit kann eine geometrische Kontrolle (Federweg der Tellerfedern) als auch eine kraftgemäße Kontrolle (Anziehen der Schrauben mit dem Drehmomentenschlüssel begrenzt die Schrauben- kraft Z 1 ) erfolgen. Die Schraubenanzahl und damit die Länge der Klemmplatten wird durch die zu übertragende Seilspannkraft und der Schraubenkraft bestimmt.

SEILBAHNBAU

35

Abb.: PlattenklemmeSEILBAHNBAU 35 kann die erforderliche Anzahl der Schraubenpaare n ermittelt werden, die bei einer aufgebrachten

kann die erforderliche Anzahl der

Schraubenpaare n ermittelt werden, die bei einer aufgebrachten Schraubkraft Z 1 für die Übernahme der Seilspannkraft durch die Seilklemme erforderlich ist.

Aus den Beziehungen S

4n D

und

D Z

1

2
2

n

S 4   Z  2 1
S
4
 Z 
2
1

Der zulässige Reibwert µ ist in Abhängigkeit vom Widerstand des Seiles gegenüber der Querkontraktion bzw. der Oberflächenbeschaffenheit des Seiles μ = 0,13 (bei verschlossenen Tragseilen) und μ = 0,16 (bei Zugseile) vor.

erläuternde Bemerkung Bei den neueren Ausführungen wird das Seil vollflächig umfasst. Die ÖNORM EN 12927-4:2004
erläuternde Bemerkung
Bei den neueren Ausführungen wird das Seil vollflächig umfasst. Die ÖNORM EN 12927-4:2004 legt die Berechnung der
S 
  d  L
Rutschkraft zwischen dem Seil und der „Schraubklemme“ fest, wobei die Berührungsfläche S mit
360
ermittelt wird.
L
….
Länge der Berührungsfläche zwischen dem Seil und der Seilrille
d
….
….
Seildurchmesser
Kontaktwinkel

SEILBAHNBAU

36

Der Klemmendruck p wird mit

p

2 CF

360

d L

ermittelt.

CF ….

Klemmkraft und die Summe der Einzelkraft jeder Schraube, multipliziert mit der Gesamtanzahl der Schrauben

um 20% verringert.

Die Rutschkraft SF wird berechnet mit SF 2CF f wobei f der Reibungskoeffizient zwischen den Klemmbacken und dem Seil darstellt ohne deren Größe anzugeben.

und dem Seil darstellt ohne deren Größe anzugeben. Abb.: Schraubklemme mit vollflächiger Umfassung des Seiles

Abb.: Schraubklemme mit vollflächiger Umfassung des Seiles (vollverschlossenes Tragseil)

SEILBAHNBAU

37

4.4

TROMMELVERANKERUNG

SEILBAHNBAU 37 4.4 TROMMELVERANKERUNG Abb.: Trommelverankerung ohne (links) und mit Vorratsseil (rechts) An der Trommel
SEILBAHNBAU 37 4.4 TROMMELVERANKERUNG Abb.: Trommelverankerung ohne (links) und mit Vorratsseil (rechts) An der Trommel

Abb.: Trommelverankerung ohne (links) und mit Vorratsseil (rechts)

An der Trommel liegen die Spannseile auf, die mit Seilmuffen (Kupplungsmuffen) mit dem Tragseil verbunden sind (indirekte Abspannung) oder die Tragseile liegen direkt auf (direkt abgespannt). Die Trommel wird meist in Stahlbeton in stehender oder liegender Ausführung gefertigt. Die Futterung der Trommel besteht aus Holz.

erläuternde Bemerkung

nach den österreichischen Drahtseilbedingnissen ist Hirnholz aus gedämpfter Weißbuche, Esche oder Lärche zu verwenden. Eichenholz ist auf Grund der im Holz enthaltenen Säure ungeeignet.

Für den Reibwert ist die Annahme eines Mindestwertes ausreichend. Eine genaue Ermittlung ist im Einzelfall nicht möglich, da abhängig von der Seiloberfläche und durch das Eindrücken des Seiles in die Holzfutterung nicht nur eine ausschließliche Reibverbindung, sondern auch eine Verzahnung stattfindet.

Die Annahme der Gültigkeit der Euler-Eytelwein'schen Formel mit gleich über die Kontaktfläche Seil-Holz angenommenen Reibwert μ (Gesetz nach Coulomb) wird als Rechenmodell verwendet, ist aber nur als Näherung anzusehen.

Die Vereinfachungen sind:

- μ

- Die Seilkrümmung ist konstant

- Ein starres Seil

- Eine starre Unterlage

ist über die Auflagefläche konstant

genau genommen:

ist Coulomb nicht zulässig ändert der Eindrückmodul die Krümmung ist es kein starres Seil ist die Futterung elastisch

SEILBAHNBAU

38

Auf Grund des Forschungsergebnisses von ENGEL kann für die Ermittlung der Restspannkraft im Seil nach den Umschlingungen ausreichend genau mit einem „theoretischen Reibwert“ μ’ gerechnet werden. Der theoretische Reibwert μ’ beträgt mindestens 0,10 und wird in dieser Größe als Berechnungsgrundlage herangezogen. Tatsächlich ist der „Reibwert“ insbesondere bei längerer Auflagedauer wesentlich höher. Der Umschlingungswinkel beträgt mindestens 1080° (drei volle Umschlingungen).

S  S  e ' U  S  S 1 2 1 2
S  S  e
'
U  S  S
1
2
1
2
α
μ’
S 1
S 2
Umschlingungswinkel
theoretischer Reibwert 0,10
einlangende Seilspannkraft
Restspannkraft
U
Umfangskraft
erläuternde Bemerkung
Ableitung der Euler-Eytelwein'schen Formel:
S
S+dS
dφ/2
φ
dN
S
dS
dN
dT
dT
dφ/2
S
Mit der Näherung dT  dS ergibt das Kräftegleichgewicht an einem Seilelement, das mit der Seilkraft S (φ) belastet ist, die
d
d
dN  S
2
dS
 Sd
Radialkraft
2
2
dT dN
Um das Rutschen des Seiles zu verhindern muss für die Reibungskraft gelten
dS 
d
Somit wird dS Sd
und durch Umformen folgt
S
 dS
ln S
  
d
 
 ln S
 
 0

Die Integration
führt zu
,
 0
S
 0
ln S
1
ln
S
2

ausgewertet für die am Ende der Aufliegelänge wirkenden Seilspannkräfte S 1 und S 2 wird
,
S
1
ln S
 
gleichbedeutend mit
.
2
S
1
 S 2 e

Somit ergibt sich die bekannte Euler-Eytelwein’sche Bedingung:
S
 S 2 e

1
Wenn die Restspannkraft S 2 an der Abspanntrommel ermittelt wird, ist die Grenzbedingung
anzusetzen.

SEILBAHNBAU

39

Ø
Ø

S 1

α Abspanntrommel S 2
α
Abspanntrommel
S 2

Anschlagpunkt

Halteklemme

Sicherheitsklemme

Abb.: Kraftansatz bei der Trommelverankerung

Die Restspannkraft S 2 muss gesichert in die Tragkonstruktion übertragen werden. Dies geschieht mittels einer Halteklemme, der eine Sicherheitsklemme nachgeordnet ist. Beide sind als Platten- klemmen ausgeführt. Die Sicherheitsklemme wird mit einem festgelegten Spalt unmittelbar nach der tragenden Halteklemme angeordnet. Der Abstand zwischen der tragenden Halteklemme und der Sicherheits- klemme ist festgelegt (wenige Millimeter). Dieser Abstand wird mit einem "Spion" regelmäßig kontrolliert, ob das Seil in der Halteklemme gerutscht ist. Bei einem Rutschen trägt die Sicherheits- klemme mit.

Anschlag Halteklemme Sicherheitsklemme Seiltrommel Messspalt Abb.: tragende Seilklemme und Sicherheitsklemme
Anschlag
Halteklemme
Sicherheitsklemme
Seiltrommel
Messspalt
Abb.: tragende Seilklemme und Sicherheitsklemme

Die Trommelverankerung ist eine „Fixabspannung“. Das heißt, dass Längsbewegungen des Tragseiles an diesen Abspannpunkten nicht möglich sind.

erläuternde Bemerkung

Bei direkter Abspannung des Tragseiles an einer Seiltrommel wird eine größere Seillänge des Tragseiles vorrätig aufgewickelt, da bei der Seilbestellung das regelmäßige Nachlassen des Tragseiles berücksichtigt werden muss.

SEILBAHNBAU

40

4.5 WEITERE SEILENDVERBINDUNGEN

Zu diesen zählen die Pressklemmenverbindungen, Endspleiße, Seilschloss, Seilklemme. Diese dienen in erster Linie nur bei untergeordneten Seilen und werden nur in einem geringen Umfang im Seilbahnbau verwendet.

erläuternde Bemerkung

4.5.1 Pressklemmenverbindungen

Zu den Seilendverbindungen mit Pressklemmen zählen die Aluminium-Pressverbindungen, die Flämischen Augen mit Stahl- oder Aluminiumpressklemmen und die Bolzenverpressungen. Die Pressklemmenverbindungen sind unlösbare Seilendverbindungen.

Aluminium-Pressverbindungen Die Pressverbindungen können mit oder ohne Kausche hergestellt werden. Normen geben die Anforderungen an die Tragkraft und die Ausführung (ÖNORM EN 13411-3). Das zu verpressende Seil wird zur Schlaufe gebogen, dann die Aluminiumpressklemme aufgeschoben und verpresst.

dann die Aluminiumpressklemme aufgeschoben und verpresst. Abb.: Pressverbindung ohne Kausche Abb.: Pressverbindung mit

Abb.:

Pressverbindung ohne Kausche

und verpresst. Abb.: Pressverbindung ohne Kausche Abb.: Pressverbindung mit Kausche Flämische Auge Beim

Abb.:

Pressverbindung mit Kausche

Flämische Auge Beim Flämischen Auge wird das Seilendstück in zwei Hälfte geteilt und aufgedreht. Mit den beiden Hälften wird eine Schlaufe gebildet und im Schlaufenbereich wieder zu einem Seil zusammengedreht.

Das Tragvermögen sinkt auf etwa 60 % der Seilbruchkraft. Die Befestigung der losen Litzenenden erfolgt mit einer Verpressung durch Stahl- oder Aluminiumpressklemmen. Das Flämische Auge kann mit oder ohne Kausche hergestellt werden. Zur Herstellung des Flämischen Auges dürfen nur spannungsarme, einlagige Rundlitzenseile mit Stahleinlage verwendet werden.

SEILBAHNBAU

41

Abb.: Herstellung des flämischen Auges Bolzenverpressung Die Bolzenverpressung ist eine sehr dünne Seilendverbindung.

Abb.:

Herstellung des flämischen Auges

Bolzenverpressung Die Bolzenverpressung ist eine sehr dünne Seilendverbindung. Sie wird nur selten im Seilbahnbau, viel öfter dagegen in der Luftfahrt, verwendet. Über das Seilendstück wird eine Stahlhülse geschoben und diese durch Aufpressen, Aufziehen, Aufwalzen oder Aufhämmern an das Seil gepresst. Mit diesen Verbindungen werden Bruchkräfte von 90 bis 100 % der Seilbruchkraft erreicht.

4.5.2 Endspleiße, Seilschloss, Seilklemme

Endspleiße Es wird dabei unter Schlaufenspleiß und Kauschenspleiß als schlaufenbildende Spleiße unterschieden. Das Spleißen ist eine handwerkliche Tätigkeit, die mit Werkzeugen aber ohne Maschinen durchgeführt wird. Bei Zerreißversuchen erreicht die Endverbindung etwa 80 bis 90 % der Seilbruchkraft, die Dauerschwing- oder schwellfestigkeit ist allerdings gering.

Seilschloss Seilschlösser sind in der ÖNORM EN 13411-6 angegeben. Sie arbeiten auf dem Prinzip der Selbsthemmung (Verkeilung), wenn das Seil unter Zug gebracht wird. Die Zugkraft wird im Seilschloss allein durch Reibung zwischen dem Seil und dem seilumschlungenen Keil bzw. dem Schlossgehäuse übertragen. Die Verbindung kann gelöst werden.

übertragen. Die Verbindung kann gelöst werden. Abb.: asymmetrisches Seilschloss Abb.: Seilendverbindung mit

Abb.:

asymmetrisches Seilschloss

Die Verbindung kann gelöst werden. Abb.: asymmetrisches Seilschloss Abb.: Seilendverbindung mit einem Seilschloss

Abb.:

Seilendverbindung mit einem Seilschloss

SEILBAHNBAU

42

Seilklemme Seilklemmen dienen ebenfalls zur Herstellung von lösbaren Seilendverbindungen (ÖNORM EN 13411-5). Die Endverbindung besteht aus einem Klemmbügel und einer Klemmbacke und kann sowohl mit als auch ohne Seilkauschen hergestellt werden. Die Schlaufenlänge soll mindestens das Dreifache des Aufhängebolzendurchmessers, mindestens jedoch das 15-fache des Seildurchmessers betragen.

jedoch das 15-fache des Seildurchmessers betragen. Abb.: Seilklemme gesamt und Klemmbacke Abb.:

Abb.:

Seilklemme gesamt und Klemmbacke

betragen. Abb.: Seilklemme gesamt und Klemmbacke Abb.: Seilendverbindung mit drei Seilklemmen und einer

Abb.:

Seilendverbindung mit drei Seilklemmen und einer Kausche

SEILBAHNBAU

43

5

SEILSTATIK

Die Seilstatik dient zur Bestimmung der Linienführung der Seilbahn, zur Austeilung der Stützen, der Bemessung der Seile und der Bemessung der durch Seile belasteten Bauteile.

Fachbegriffe:

LEERES SEIL: Seil, das nur durch sein Eigengewicht belastet ist

LEERSEIL: Seil, das mit leeren Fahrzeugen belastet ist

VOLLSEIL: Seil, das mit vollen Fahrzeugen belastet ist

SEILLINIE: jene Kurve, die ein Seil unter der Wirkung von Lasten (Eigengewicht, äußere Be- lastungen) einnimmt. LEERSEILLINIE: Seillinie des leeren Seiles (Seil ohne Fahrzeuge)

VOLLSEILLINIE: Seillinie eines Vollseiles bei Annahme einer gleichmäßigen Verteilung der äußeren Belastungen LASTWEGKURVE: jene Kurve, die das Tragseil unter Belastung einer Einzellast oder mehrerer Lasten einnimmt. Sie wird aus der Verbindung des Tragseildurchhanges am einzeln betrachteten Seilort ermittelt. SEILFELD: Seilabschnitt zwischen zwei Seilunterstützungen

FELDSEHNE: Linie zwischen den Seilunterstützungen an den Feldenden

FELDLÄNGE l: horizontale Distanz zwischen den Sehnenschnittpunkten benachbarter Seilfelder

SCHRÄGE FELDLÄNGE l*: Distanz zwischen den Sehnenschnittpunkten an den Feldenden

l

*

l

cos

FELDHÖHE

h: Höhenunterschied zwischen den Sehnenschnittpunkten an den Feldenden

DURCHHANG

f: Höhendifferenz zwischen der Feldsehne und dem Seil

SEHNENNEIGUNG

γ: Winkel zwischen der Feldsehne und der Horizontalen

tan

h

l

SEILNEIGUNG α: Winkel zwischen der Tangente an die Seilkurve und der Horizontalen

SEILSPANNKRAFT S: Zugkraft im Seil

HORIZONTALSPANNKRAFT H: Horizontalkomponente der Seilspannkraft

GRUNDSPANNKRAFT S 0 : Durch ein Spanngewicht oder durch eine hydraulische Spanneinrich- tung eingebrachte konstante Seilspannkraft HÖHENSPANNKRAFT S H : Durch die Eigenmasse des Seiles erzeugte Seilspannkraft

UMFANGSKRAFT U: Die an der Antriebsscheibe wirkende Differenz der Seilspannkräfte

SEILBAHNBAU

44

In den folgenden Abschnitten werden lediglich die Grundlagen zur Berechnung der kenn- zeichnenden Größen angegeben und im Wesentlichen die wichtigsten Formeln angeführt und erläutert. Für eine weitere Vertiefung wird auf die Fachliteratur, insbesondere auf das Standardwerk von Czitary, "Seilschwebebahnen", 2. Auflage 1962, verwiesen.

In der Seilstatik werden die gespannten Drahtseile grundsätzlich als biegefreie Tragelemente betrachtet. Die Fahrbahn einer Seilbahn wird durch ein oder zwei Seilen gebildet (ähnlich den Schienen bei der Eisenbahn). Damit das Befahren möglich ist, muss das Seil gespannt werden. Bei einer großen Seilspannkraft wird das Befahren ruhiger und äußere Störeinflüsse (z.B. Windkräfte, Belastung durch das Fahrzeug) wirken geringer auf das Fahrverhalten der Seilbahnfahrzeuge. Die Vorspannung des Seiles wird durch die Grundspannkraft S 0 erzeugt. Diese Vorspannung ist für die Seilstatik wesentlich. Ihre Wirkung soll kurz dargestellt werden:

Ein vollkommen biegsames Seil ist zwischen zwei Stützen lose gespannt und durch eine Einzellast Q belastet. Zeichnet man für eine beliebige Laststellung sowohl das Seilpolygon als auch das Kräftepolygon erhält man die Seilspannkräfte an den Abspannpunkten und eine in horizontaler Richtung wirkende Komponente dieser Seilspannkräfte, die als HORIZONTALSPANNKRAFT H bezeichnet wird.

3 2 1 Q Q Q Wagenortskurve
3
2
1
Q
Q
Q
Wagenortskurve

Q

1 H 1 2 H 2 H 3 3
1
H 1
2
H 2
H 3
3

Abb.: Kräftepolygon eines Seilfeldes, in dem das Seil lose gespannt aufliegt

Aus dem Kräftepolygon ist erkennbar, dass die Laststellung im Seilfeld die Größe und die Neigung der Seilspannkraft beeinflusst. Das Befahren dieses zwischen zwei Stützen aufgehängten losen Seiles wäre nicht möglich, da das Fahrzeug nicht auf die Stütze gelangt. Deshalb muss das Seil durch eine Spanneinrichtung (Spanngewicht oder hydraulischer Zylinder) vorgespannt werden. Die nächste Abbildung zeigt das Schema eines durch ein Spanngewicht vorgespannten Seiles. Die Größe der Horizontalspannkraft H ist von der Größe der Grundspannkraft S 0 (Masse des Spanngewichtes G bei Einzelabspannung oder G/2 bei einer geschlossenen Zug- oder Förderseilschleife) abhängig. Grundsätzlich wird im Seilbahnbau die Grundspannkraft S 0 und die Horizontalspannkraft wesentlich größer als die Einzellast Q gewählt. Der Quotient Q/H bzw. Q/S wird als QUERBELASTUNGSVERHÄLTNIS definiert. Dieses beträgt höchstens 1/10 (bei Tragseilen) und 1/15 (bei Förderseilen). Somit kann mit ausreichender Genauigkeit angenommen werden, dass die Horizontalspannkraft für jedes einzelne Seilfeld konstant ist. Je größer die Horizontalspannkraft H ist, umso geringer wird der Durchhang des Seiles.

SEILBAHNBAU

45

Q Q Q 3 2 1 G
Q
Q
Q
3
2
1
G
H 1 ≈ H 2 ≈ H 3 1 Q 2 3
H 1 ≈ H 2 ≈ H 3
1
Q
2
3

Abb.: durch ein Spanngewicht stark gespanntes Seil und Kräftepolygon dazu

H = konstant für jedes Seilfeld

Bei geneigten Seilfeldern mit unterschiedlichen Sehnenneigungen ist die Horizontalspannkraft jeweils verschieden groß.

S i+1 =S i H i  i  i+1 H i+1 S i Stütze
S i+1 =S i
H
i
 i
 i+1
H i+1
S i
Stütze i
H i
 S cos
, H
 S
 cos
i
i
i
1
i
1
i
1
,

S

i

S

i 1

bei Vernachlässigung der Seilreibung auf der Stütze

Die Annahme einer im Seilfeld konstanten Horizontalspannkraft ist Voraussetzung für alle Berech- nungen der Seilstatik und gilt für alle nachstehenden Formeln.

erläuternde Bemerkung

Das Querbelastungsverhältnis Q/H beeinflusst nicht nur die Seilgeometrie un d die Seilspannkräfte, sondern auch die im Seil auftretenden Zug- und Biegebeanspruchungen. Es sind daher aus anderen Sicherheitsüberlegungen wesentlich geringere Querbelastungsverhältnisse vorteilhaft; insbesonders aus Gründen der Dauerfestigkeit von Einzeldrähten im Seil.

SEILBAHNBAU

46

5.1 LEERES SEIL

Bei der Annahme eines biegefreien Seiles kann das Seil nur Zugkräfte aber keine Querbelastung oder Biegemomente übertragen.

Seilspannkräfte Als Last tritt neben der Grundspannkraft S 0 nur die lotrecht wirkende Seilmasse q in Erscheinung.

d s d y α d x S q . d s
d s
d y
α
d x
S
q
. d s

S+dS

S+dS α dα/2 q . ds α S H
S+dS
α
dα/2
q . ds
α
S
H

Abb.: Kräfte und Lasten an einem Seilstück

dS q ds sinq ds

dy

ds

q dy

und beim Übergang vom Differential- zum Differenzenquotient wird

S

i

1

S

i

(

q y

i

1

y

i

)

S

i

 

q

y

und die Änderung der Seilspannkraft wird

 

S

S

i 1

S

i

 

q

y

Die Änderung der Seilspannkraft ΔS ist zum Höhenunterschied Δy proportional.

Die Höhenspannkraft S H wird aus der Seilmasse q und dem Differenzenquotient Δy ermittelt.

S H q  y

Die gesamte Seilspannkraft an der betrachteten Seilstelle beträgt damit:

S

i

S S

0

H i

S 0 ist die durch ein Spanngewicht oder durch eine hydraulische Spanneinrichtung erzeugte konstante Seilspannkraft (meist in der Talstation).

Die Seilspannkraft S x an einem betrachteten Seilort x im Seilfeld oberhalb der Stütze i wird zu:

S

( x )

S q x tanf

i

x

 

und im markanten Punkt Seilfeldmitte

S m

S

i

q

   h 2

f

m



S

i

1

q

   h 2

f

m

Es ist erkennbar, dass ohne Kenntnis des Durchhanges f (x) keine weitere Bestimmung möglich ist, da die Verformung (Durchhang) einen wesentlichen Einfluss auf die Berechnung hat und daher nicht wie bei der Theorie I. Ordnung vernachlässigt werden kann.

SEILBAHNBAU

47

Δx S i+1 f x Stütze i+1 f m h Δy γ S i l
Δx
S
i+1
f x
Stütze i+1
f m
h
Δy
γ
S i
l
Stütze i
x

Abb.:

Kräfte im Seilfeld

Um die Seilspannkraft S und weitere für die Auslegung und Dimensionierung notwendige Kenngrößen im Seil wie Tangentenneigung an den Stützen, Seildurchhang usw. ermitteln zu können, ist es notwendig die Seilgeometrie zu betrachten.

Seilgeometrie Da das Seil keine Biege- oder Querbelastung übertragen kann, nimmt das Seil die Form einer gespannten Kette ein (Kettenlinie).

x y  a cosh a ρ a h l a -x x Abb.: Kettenlinie
x
y  a cosh
a
ρ
a
h
l
a
-x
x
Abb.: Kettenlinie
x
y  a cosh
Allgemeine Gleichung der Kettenlinie
a

Durch die Bestimmung vom kleinsten Krümmungsradius a ist die Form der Seilkurve festgelegt, wobei der Parameter a in Meter angegeben wird.

a

H

q

SEILBAHNBAU

48

Die Seillinie des leeren Seiles ist durch

y

H

q

cosh

x q

H

bestimmt.

Die Seilneigung an der betrachteten Seilstelle wird allgemein

y  tansinh sinh

x

x q

a H

Der Krümmungsradius ρ wird zu

a

cosh

2

x a

 

H

a cos

2

q

cos

2

Die Bogenlänge λ des Seilfeldes beträgt bis zu einem Punkt x

 sinh

x

a

x

a

     sinh a x 2  sinh a x 1 und
     sinh
a
x 2
 sinh
a
x 1
und
x
2
x
1
a
a
und durch Einsetzen der Seilfeld bekannter Größen des
Seilfeldes h und l wird
2
l 
l q
2
 l
3
 cos
h
2
a
sinh
 
mit Reihenentwicklung nach Taylor:
   2
2 a 
cos
 24 H
2
f m h γ λ l x
f m
h
γ λ
l
x

Abb.: Seilfeld unter einer Gleichlast

Parabeltheorie Um mit einfachen Mitteln die geometrische Lage des Seiles bestimmen zu können, wird die Kettenlinie durch eine Parabel ersetzt. Die Form der Parabel wird dadurch ermittelt, dass die im Seilfeld tatsächlich von der Seilneigung α variable Vertikallast q durch eine mit dem Sehnen- neigungswinkel γ konstante Vertikallast ersetzt wird.

q  

x

q

cos

x

q  x f m α x h γ l x
q
x
f m
α x
h
γ
l
x

wird ersetzt durch

q



q

cos

q  f m α x h γ l x
q
f m
α x
h
γ
l
x

Abb.:

Vereinfachte Verteilung des Seilgewichtes in einem Seilfeld als Lastannahme

SEILBAHNBAU

49

q' ist somit das auf die Feldsehne bezogene Gewicht des Seiles. Die Gleichlast q’ ändert sich von Feld zu Feld, bleibt aber in einem Feld konstant.

Da die Biegesteifigkeit E I im Seil gleich Null ist, entspricht der Durchhang des Seiles der Momentenlinie eines starren Trägers, also einer quadratischen Parabel.

q’ 3 3 2 f m3 q’ 2 γ 3 h 3 λ 3 l
q’ 3
3
2
f m3
q’ 2
γ 3
h 3
λ 3
l 3
h 2
f m2
q’ 1
λ 2
1
γ 2
l 2
h 1
f m1
λ 1
0
γ 1
l 1

Abb.: Seilfelder mit über die Sehne gleichmäßig verteilten Gleichlasten

erläuternde Bemerkung

Die Bezeichnung der in einem Seilfeld auftretenden Größen erfolgt immer von der Nummer der am Ende des Seilfeldes befindlichen Stütze.

Für jedes einzeln zu betrachtendes Seilfeld gilt

y



y

2

x

2 c

x

c

k

1

k x

1

k

2

c

y

Parameter der Parabel,



1

c

c

H

q

cos

H

q

1. Randbedingung:

k 2 wird durch die Wahl der Lage des örtlichen Koordinatensystems (Ursprung in der Seilhöhe der Stütze) zu Null

x   y   k

0

0

2

0

2. Randbedingung:

bei x = l ist y definiert

x

l

 

y

  

h

h

l

2

q

2

H

cos

k

1

l

 

k

1

h

l q

l

2 H

tan

l

2

c

Bei Anwendung beider Randbedingungen und Einsetzen in die Gleichung y (x) folgt

y

2

x

2

c

x tan

l

2 c

und damit wird die Gleichung der Seilparabel festgelegt.

SEILBAHNBAU

50

Gleichung der Seilparabel:

Durchhang allgemein

Durchhang in Seilfeldmitte

Seilspannkraft

S

( x )

S

i

y

x

tan

f x

x l x

2 c

l

2

f m 8 c

x l x

2 c

q y

S

i

q x

tan

f

x

x

S

i

tan

f

x

q x

tan

x

l

x

2

c

erläuternde Bemerkung

siehe dazu die allgemeine und hergeleitete Formel für die Seilspannkraft S vor dem Kapitel „Seilgeometrie“

Seilspannkraft S m in Seilfeldmitte

S

m

S

(

x l

/ 2)

S

i

q

l

2

tan

l

2 l    

2

l

2

c

S

i

q

  h

2

l

2

8

c

 

S

i

q

 

h

q l

2

2

8

H

cos

 

erläuternde Bemerkung

Sehr gut ist hier die Affinität zum Biegemoment des Trägers auf zwei gelenkig gelagerten Stützen unter einer gleichmäßig verteilten Linienlast g zu erkennen.

2

2

2

 

g l

1

q

l

'

q l

M

;

g

H cos

;

f

 

8

c

m

8 c

 

8 H

l  x 2 y  tan   Die Seilneigung an der betrachteten Seilstelle
l  x
2
y  tan
 
Die Seilneigung an der betrachteten Seilstelle wird allgemein
2 c
Und an den markanten Punkten der Seillage an den Stützen i und i+1 sowie in der Seilfeldmitte
l
l l
x  0  tan  tan 
x  l 
tan
tan
x 
tan
tan
i
2 c
i
 1
2 c
2
m
i+1
y
α
i+1
h
h/2+f m
i
γ
f
m
x
f
m -h/2
γ = α m
α
i
f
m
l/2
l/2
Abb.:
geometrische Eigenschaften der Seilparabel

SEILBAHNBAU

51

Aus

der

Abbildung ist erkennbar, dass in Seilfeldmitte die Horizontalkomponente H aus

H S

m

cos

bestimmt werden kann.

Übliche Vorgangsweise bei der Ermittlung der in einem Seilfeld konstanten Horizontalkomponente H der Seilspannkraft S:

Gegeben ist die Grundspannkraft S 0 im Seil in einer Station. An den Stützen i und i+1 werden die Seilspannkräfte S i und S i+1 ermittelt. Die Höhendifferenzen betragen dabei Δh i und Δh i+1 .

S  S  q h S  S   q h S 
S
 S  q h
S
S
 
q
h
S
 S
i
0
i
i
1
0
i
1
S
i
i  1
und
m
i
 1
2
H
S
 cos
i
 1
mi
i 
1
1
S i+1
Stütze i
Stütze i+1
S
i
y
α
H i+1
i+1
h i+1
γ i+1
S m i+1
x
Δh i+1
H
α i
i+1
H
i+1
Δh i
S 0
l i+1 /2
Abb.:
Darstellung für die übliche Ermittlung der Horizontalkomponente H
G

Die Seilkrümmung an einer beliebigen Seilstelle wird durch den Krümmungsradius ρ bestimmt:

1

y

2

1,5

1

tan

2

1,5

 



y

1

 

c

c

1

tan

2

1,5

SEILBAHNBAU

52

und im markanten Punkt Seilfeldmitte

c

q H cos cos

3

cos

3

erläuternde Bemerkung H   bei Lösung nach der Kettenlinie wird 2 q  cos
erläuternde Bemerkung
H
bei Lösung nach der Kettenlinie wird
2
q  cos
i  1
1
 y  dx
2
Die Bogenlänge λ des Seilfeldes beträgt
i
i  1
mit Reihenentwicklung nach Taylor

i

i

i 1

i 1

l

q

2

l

3

cos

cos

24 H

2

 

l

8

m 2

f

cos

3

cos

3

l

i

(erst im dritten Reihenglied treten Abweichungen zur Kettenlinie auf!)

Bemerkung zur Näherung durch Parabel Die Näherung der Kettenlinie mit der Parabel ist bei einem sehr großen Parameter c sehr gut. Merkliche Abweichungen sind nur bei Pendelbahnen mit großen Seilfeldlängen (bei Seilfeldlängen ab 2000 m) merkbar. Bei einem Tragseil bewegen sich die Parameter c zwischen 4000 m und 6000 m. Bei geringen Lasten und kleinen Gehängeabständen am Seil (z.B. bei Sesselliften), oder wenn keine besondere Genauigkeit des Ergebnisses gefordert wird, kann mit einer über die Seillänge verteilte Gleichlast gerechnet werden. Die Gleichlast q* wird zu

q * g

s

Q

w

für das Gesamtsystem der Seilbahn oder

q * g

i

s

n Q

i

l

i

*

für ein einzeln betrachtetes Seilfeld i

g

Q

n i

w

l i *

s

Seilmasse

Masse des beladenen Fahrzeuges Anzahl der Fahrzeuge im Seilfeld i

Abstand der Fahrzeuge am Seil schrägen Seilfeldlänge (Sehnenlänge)

Die Grenze der Anwendung dieser vereinfachten Bemessungsart liegt bei weniger als drei Fahrzeugen in einem Seilfeld und bei mehr als vierplätzigen Fahrzeugen. Bei Fahrzeugen, die eine größere Personenanzahl befördern können oder bei größeren Abständen am Seil sind am Seil Einzellasten anzunehmen. Wird die Methode mit gleichmäßig verteilten Lasten angewendet, ist es erforderlich, bei der Ermittlung extremer Stützenbelastungen zusätzlich zur Stützenlast herrührend aus den Seilwinkeln bei Tragstützen noch das Gewicht ein einzelnen Fahrzeuges zu addieren und bei Niederhaltestützen das Gewicht eines einzelnen Fahrzeuges zu subtrahieren.

SEILBAHNBAU

53

5.2 DIE SEILKURVE UNTER DER WIRKUNG EINER EINZELLAST

Die Einzellast Q befindet sich in einem Seilfeld an der Stelle x. Das Seil ist masselos und biegefrei und ist am oberen Ende des Seilfeldes verankert und am unteren Ende durch ein konstantes Spanngewicht vorgespannt. Der Durchhang am Lastort x wird mit dem Biegemoment eines gedachten Ersatzbalkens ermittelt.

H Q B x l-x S r f x H S l A l Q
H
Q
B
x
l-x
S
r
f
x
H
S l
A
l
Q
M
x
A
B
H S l A S r B Q
H
S
l
A
S
r
B
Q

Abb.: Seilfigur unter einer Einzellast, gedachter Ersatzbalken

Aus der Ähnlichkeit der Dreiecke ist ersichtlich:

f x

Die Auflagerlast A des Ersatzbalkens ist

A

Q l x x

l

A

H

Und somit ist der Durchhang f x an der Seilstelle x:

f x

A x

Q x

l

x

H H l

Aus der Durchhangsgleichung ist ersichtlich, dass die Seilfigur durch eine wandernde Einzellast im Seilfeld (Lastwegkurve) bei masselosem Seil eine quadratische Parabel ist.

Für den Sonderfall Last in Seilfeldmitte x=l/2:

f f

m