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Rassismus Report 2006

Einzelfall-Bericht über rassistische


Übergriffe und Strukturen in Österreich

Zur kostenlosen Weitergabe. Darf nicht verkauft werden.




 
    

         


   
 
 

       
   
  



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Inhaltsverzeichnis

4 Impressum

5 Vorwort

6 Statistik

7 Öffentlicher Raum
8 Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m.

9 Die eigenen Rechte kennen

16 Internet

18 Politik und Medien

22 Rassistische Beschmierungen

23 Die eigenen Rechte kennen

25 Polizei
30 Die eigenen Rechte kennen

34 Sonstige Behörden und öffentliche Institutionen

36 Arbeit
37 Die eigenen Rechte kennen

42 Wohnen
43 Die eigenen Rechte kennen

45 Dienstleistungsverweigerungen in Lokalen und Geschäften


45 Die eigenen Rechte kennen

52 Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

57 Was wurde aus …?

60 Rückschau auf das Jahr 2006 –


Entwicklungen im österreichischen Antidiskriminierungsrecht

63 Was ist antirassistischer Sprachgebrauch?

65 ZARA-Forderungen

67 Glossar
Danksagungen
Danke an Barbara Liegl, Christine Lohwasser, Patrick
Zesar und Markus Hildenbrand, die bereit waren,
diesen Report unbezahlt zu korrigieren.

Danke an die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen von


ZARA: Caroline Manahl, Johanna Katzinger, Dominik
Krejsa, Monika Muhr, Romina Rabl, Stefan Radinger,
Oliver Schuster.

Impressum
Medieninhaber und Herausgeber: Verein ZARA –
Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit, Blattlinie: Der Rassismus Report erscheint jährlich
Luftbadgasse 14 – 16, 1060 Wien, www.zara.or.at und wird kostenlos abgegeben. Er beinhaltet Infor-
ZARA ist ein gemeinnütziger Verein mit Sitz in Wien. mationen über Rassismus in Österreich und Entwick-
DVR-Nummer: 2110769 und ZVR-Nummer: 236017119 lungen in der Europäischen Union. Schwerpunkte
bilden Berichte über Einzelfälle mit rassistischem
Chefredaktion: Xiane Kangela Hintergrund und ExpertInnenkommentare.
Redaktion: Xiane Kangela, Dieter Schindlauer, Katrin Wla-
dasch, Verena Krausneker, Karin Bischof, Hikmet Kaya- Das Team der ZARA-Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen
han, Marta Hodasz, Eva Matt und Wolfgang Zimmer von Rassismus ist für Terminvereinbarungen erreichbar:
Lektorat: Barbara Liegl, Christine Lohwasser, Patrick Zesar Mo – Mi 10 – 14 Uhr, Do 17 – 19 Uhr
Anzeigenleitung: Jamal Hachem T: (01) 929 13 99, F: (01) 929 13 99-99
Grafik und Layout: schultz+schultz / Alva Unger office@zara.or.at
Druck: Manz Crossmedia, 1050 Wien www.zara.or.at

Gefördert durch: Mit freundlicher Unterstützung von:

4
Vorwort
Der Rassismus Report erscheint in diesem Jahr zum Dieter Schindlauer in seiner „Rückschau auf das Jahr
siebenten Mal. Er ist zu einem fixen Bestandteil der 2006“.
Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit geworden. Wieder aufgenommen wurden die „ZARA-
Im Jahr 2006 hat das Team der ZARA-Beratungsstelle Forderungen“. Sie wurden überarbeitet und adap-
1.504 rassistische Vorfälle bearbeitet und dokumen- tiert, haben sich aber seit dem Erscheinen des ersten
tiert. An dieser Stelle möchte ich Ihnen meinen Dank Rassismus Reports im Jahr 2001 nicht grundlegend
dafür aussprechen, dass diese belastende Arbeit so verändert.
gewissenhaft und fundiert weitergeführt wird, umso Die Problematik, dass die Beschreibung rassis-
mehr, als den MitarbeiterInnen immer wieder das tischer Diskriminierungen in Rassismus Reporten
finanzielle Aus droht. unweigerlich dazu führt, dass oftmals Sprache und
Der Report ist wie immer eine qualitative Zusam- Logik des rassistischen Denkens wiedergegeben und
menstellung von rassistischen Vorkommnissen des etwa die Herkunft der Betroffenen aus der Perspektive
Jahres 2006, die ZARA gemeldet wurden. Der Bericht der Ressentiments beschrieben werden muss, bleibt
trifft keine Aussage über die tatsächliche Anzahl der bestehen. Deswegen stellt sich dieser Rassismus
rassistischen Vorfälle in Österreich. Leider gibt es ne- Report auch der Frage, inwiefern er zur Reprodukti-
ben dem Rassismus Report nur wenige offizielle Stati- on von Rassismus beiträgt, wenn etwa rassistische
stiken, die Aussagen über rassistische Diskriminierung Beschmierungen zitiert werden. Um Reproduktion zu
in Österreich möglich machen. Offizielle Wohn- oder vermeiden, werden die Beschmierungen nicht einzeln
Arbeitsmarktstatistiken erfassen zwar die Unterschiede ausgewiesen, sondern kumulative Statistiken über sie
zwischen österreichischen und nicht-österreichischen veröffentlicht. Doch auch im Kapitel über „Rassismus
Staatsangehörigen, der Migrationshintergrund öster- als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit“ drängt sich
reichischer StaatsbürgerInnen wird hingegen nicht die Frage auf, ob der Hetze nicht gar noch ein Forum
ausreichend beleuchtet. Rassistische Diskriminierung gegeben wird. Diesen möglichen Nachteilen steht
wird in diesen Statistiken nicht direkt sichtbar. Wichtig allerdings der Vorteil gegenüber, dass der Rassismus
wäre die Durchführung von Studien, die auch nach Report ein wesentliches Mittel zur Sensibilisierung
rassistisch motivierten Übergriffen fragen. gegen Rassismus darstellt; insbesondere für jene Men-
Informationen rund um das Gleichbehandlungsge- schen, die in ihrem Alltag keine Erfahrungen mit rassis-
setz bilden einen Schwerpunkt in diesem Rassismus tischer Diskriminierung machen müssen. Der Report
Report. Mit dem Gesetz und den neuen Institutionen soll indes nicht nur zur Sensibilisierung beitragen. Die
„Gleichbehandlungsanwaltschaft“ und „Gleichbe- rechtlichen Erläuterungen und Beispiele zeigen Mög-
handlungskommission“ wurden die rechtlichen Mög- lichkeiten auf, um sich gegen Rassismus zur Wehr zu
lichkeiten, sich gegen Diskriminierung zu wehren, setzen, und zwar unabhängig davon, ob jemand selbst
erheblich erweitert. In diesem Report wird durch Opfer eines Vorfalls wird oder ihn als Zeuge/ Zeugin
rechtliche Einschübe mit dem Titel „Die eigenen Rech- beobachtet. Zudem dient der Rassismus Report auch
te kennen“ und durch ein Glossar als Schlussteil ver- als Argumentationshilfe gegen jene, die der Meinung
sucht, den komplexen Bereich der Rechtslage in sind, dass Rassismus ein Kavaliersdelikt oder das Prob-
Zusammenhang mit rassistischer Diskriminierung für lem einiger weniger wäre.
die LeserInnen verständlicher zu machen. Der Jurist
Wolfgang Zimmer aus der ZARA-Beratungsstelle und
die Juristin Katrin Wladasch aus dem ZARA-Vorstand Unverändert blieb im Laufe der Jahre leider die finan-
haben sich bemüht, die manchmal spröde Materie ziell prekäre Situation von ZARA, die sich trotz des
anhand von Fallbeispielen zu erklären. großen zivilgesellschaftlichen Engagements noch
Neu ist das Kapitel „Was wurde aus …?“ Da sich nicht grundlegend gebessert hat. Deshalb möchte
die rechtlichen Verfahren in die Länge ziehen, kann ich Sie wie jedes Jahr bitten: Wenn Sie die Arbeit von
über einige Fälle nach Ablauf eines Jahres nur ein ZARA wichtig finden, werden sie förderndes Mitglied
Zwischenbericht abgegeben werden. Manche Fälle, oder Spender beziehungsweise Spenderin. Mit Ihrem
über die bereits im Rassismus Report 2005 berichtet Beitrag ermöglichen Sie die Unterstützung und Be-
wurde, konnten 2006 zu einem Abschluss gebracht treuung von Opfern von Rassismus, die Information
werden, andere werden nächstes Jahr erneut im für ZeugInnen und Interessierte, aber ebenso die Prä-
Report zu finden sein. vention von Diskriminierung und Aggression durch
Traurig ist, dass ein Anstieg von rassistischer Ag- Workshops und Lehrgänge.
gression gegen Anti-Rassismus-Arbeit verzeichnet
werden kann. Eine Auswahl dieser feindseligen Atta- Herzlichen Dank!
cken findet sich in diesem Report wieder.
Interessante Entwicklungen im Bereich der Diskri- Xiane Kangela
minierungsbekämpfung kommentiert ZARA-Obmann Redakteurin und ZARA-Vorstandsmitglied

5
Statistik

Statistik

2006 dokumentierte das ZARA-Team insgesamt Information zu den einzelnen Bereichen


1.504 rassistische Vorfälle. 45% der KlientInnen waren und ihren Bezeichnungen
Frauen, 46% Männer, 5% der Fälle wurden anonym
gemeldet, 4% von Organisationen. • Mit Öffentlicher Raum sind alle Vorfälle bezeichnet,
Der Anteil an ZeugInnen unter den ZARA- die sich an Orten, die einem nicht näher bestimmten
KlientInnen lag 2006 bei 54%. Direkt Betroffene wa- Personenkreis offen stehen, wie beispielsweise
ren 46%. Straßen, öffentliche Verkehrsmittel, in Medien und
in der Politik etc. zugetragen haben. Von den ver-
zeichneten 1.148 Fällen in diesem Bereich waren 793
Organisationen 4% rassistische Beschmierungen.
Anonym 5%
• Polizei umfasst alle Berichte, die in irgendeiner Form
Frauen 45%
mit der Sicherheitsverwaltung und Organen der
Männer 46%
öffentlichen Sicherheit, der Polizei zu tun haben.

• Sonstige Behörden und öffentliche Institutionen


bezeichnet alle Vorfälle, die zwischen privaten Ein-
zelpersonen und öffentlichen Institutionen und
Behörden (mit Ausnahme der Polizei) bzw. deren
VertreterInnen stattgefunden haben, wie etwa Äm-
tern, Justizanstalten, Schulen etc.

• Wohnen widmet sich Berichten über Vorkommnisse


im Wohnbereich, die von der Wohnungssuche bis zu
Betroffene 46% ZeugInnen 54%
Nachbarschaftskonflikten reichen.

• Arbeit beinhaltet Berichte über Vorkommnisse, die


im weitesten Sinne mit „Arbeit“ zu tun haben, also
Arbeitsmarkt, -suche, -kollegInnen, -bedingungen,
Stellenausschreibungen usw.

• Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit


bezeichnet jene Briefe, E-Mails und Anrufe, die sich
gegen ZARA, gegen Anti-Rassismus-Arbeit oder ge-
gen einzelne MitarbeiterInnen richten.
Gegen
Anti-Rassismus-
Arbeit 6%
Wohnen 4% Anmerkungen
Öffentlicher
Sonstige Behörden 4% Raum* 76%
Es gehört zu den Aufgaben der ZARA-BeraterInnen,
Polizei 5%
einerseits den Wahrheitsgehalt einer Sachverhalts-
Arbeit 5%
beschreibung zu überprüfen und sich andererseits
auch um die Sicht der „Gegenpartei“ oder einer drit-
ten Seite zu kümmern. Die BeraterInnen können
nicht garantieren, dass alle Informationen, die ihnen
– von verschiedenen Seiten – zugetragen werden, der
„Wahrheit“ entsprechen. Die Interessen jener Person,
die sich an die Beratungsstelle wendet, stehen an ers-
ter Stelle; deswegen wird deren Darstellung Vertrau-
en und Verständnis entgegengebracht. Ihre Aussagen
* Von den verzeichneten 1.148 Fällen in diesem Bereich waren
müssen ernsthaft angehört werden, dürfen deshalb
793 rassistische Beschmierungen. aber nicht unkritisch übernommen werden.

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Öffentlicher Raum

Öffentlicher Raum
Der öffentliche Raum ist im allgemeinen Verständnis zurückschrecken. Artikulationen jenseits des red-
ein für alle Menschen gleichermaßen zugänglicher lichen und (selbst)kritischen Denkens werden geför-
Raum. Dieser ideale öffentliche Raum existiert jedoch dert und verstärkt. Der/die LeserIn erhält zudem den
in der Realität nicht. Der öffentliche Raum gehört Eindruck, dass die getätigten Äußerungen oft von den
weder allen, noch können ihn alle mitgestalten oder BetreiberInnen der Foren völlig unkontrolliert stehen
sich in gleicher Weise darin aufhalten. Der öffentliche gelassen werden.
Raum in diesem Rassismus Report ist ein politischer, Im ganz konkreten Stadtraum, also zum Beispiel
medialer, virtueller, symbolischer, aber auch der ganz auf der Straße oder in öffentlichen Verkehrsmitteln,
konkrete Stadtraum. schockiert die Aggression, die immer wieder über
Mit dem politischen Raum wird im Rassismus Re- Opfer und ZeugInnen von Rassismus hereinbricht.
port weniger die Gesetzgebung als vielmehr die sym- Durch diese Angriffe ist die elementare Sicherheit der
bolische politische Ebene angesprochen. Die Politik von Diskriminierung betroffenen Menschen bei ihren
ist sehr eng mit den Medien verknüpft und benutzt alltäglichen Erledigungen gefährdet. Sie können sich
diese oftmals als Träger ihrer Botschaften. In diesem im öffentlichen Raum nur eingeschränkt bewegen.
Rassismus Report scheinen Fälle auf, in denen oftmals Alleine die Benützung öffentlicher Verkehrsmittel
Hetze gegen den Bau von Moscheen betrieben oder scheint, wenn man den Report liest, für manche in
die Verwendung des Wortes „Neger“ propagiert wird. Wien lebende Menschen gefährlich zu sein.
In der Politik selbst wurde in diesem Jahr während Auch die Beschmierungen an unzähligen Haus-
des Wahlkampfes mit dem Slogan „Daham statt wänden zeigen, wem der Raum gehört und wer lieber
Islam“ vorgegeben, wer sich in Österreich aufhalten verschwinden oder um sein Leben fürchten soll.
darf und wer nicht. Außerdem wird das Thema Integ- Gut ist, dass unzählige Zeugen und Zeuginnen
ration immer wieder dazu missbraucht, zu erklären, solche Vorfälle von ZARA dokumentieren lassen und
wer hierzulande fremd und wer ein „echter Österrei- es immer mehr Menschen werden, die couragiert für
cher“ ist. Im Mai 2006 berief sich die Innenministerin andere eintreten. Der Baumeister Baumann, der von
auf eine so genannte Integrationsstudie, die sie, wie sich aus mit seiner Idee der Beschmierungsambulanz
sich herausstellen sollte, überdies falsch zitierte, um an ZARA herangetreten ist, gibt Kraft und Mut (siehe
zu behaupten, dass 45% der in Österreich lebenden Kapitel „Beschmierungen“).
MuslimInnen „nicht integrationswillig“ wären. Gut ist auch, dass ZARA AnsprechpartnerInnen
Das Internet ist ein eigenständiges Medium des wie zum Beispiel die Wiener Linien oder den Wiener
öffentlichen Raums und daher wird dieser umfas- Bürgerdienst hat, die bei Meldungen rasch reagieren
sende und einer globalen Öffentlichkeit zugängliche und um Lösungen bemüht sind.
Bereich gesondert betrachtet. In zahlreichen Inter- Im Kapitel „Öffentlicher Raum“ werden die unter-
netforen können Menschen anonym ihre Meinung schiedlichsten Formen von Rassismus zusammen-
kundtun. Die Anonymität hat zur Folge, dass sich die gefasst. Die zahlreichen Orte, an denen rassistische
PosterInnen kein Blatt vor den Mund nehmen und Diskriminierungen stattfinden, sind Ausdruck für die
sich zu Stellungnahmen hinreißen lassen, die nicht Omnipräsenz von rassistischer Diskriminierung im
vor Denunziation, Diffamierung, Lüge oder Hetze Leben vieler Menschen.
Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m

Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m

1 Herr A., in Ghana geboren, lebt und arbeitet in


Österreich. Im Oktober geht er gegen 15 Uhr,
von seinem Arbeitsplatz in Schwechat kommend, im
eigene Leben bzw. die eigene körperliche Unversehrtheit
bedroht ist – nicht bei bloßer Gefahr für Hab und Gut.
Für Organe der Bundespolizei und der Gemeinde-
16. Wiener Gemeindebezirk an einem Haus vorbei. Aus wachkörper gibt es diesbezügliche Sonderbestimmun-
dem Haus rennt ein Mann auf ihn zu und fotografiert gen. Sie dürfen in Ausübung ihres Dienstes
ihn mehrmals. Auf die Bitte von Herrn A., das Foto-
grafieren zu unterlassen, schreit ihn der Mann an: „Ihr • im Falle gerechter Notwehr;
seid’s alle Drogenhändler, ich krieg Euch noch!“ Herr A. • zur Überwindung eines auf die Vereitelung einer recht-
verlangt, dass die von ihm gemachten Fotos gelöscht mäßigen Amtshandlung gerichteten Widerstandes;
werden. Der Mann weigert sich und wird noch aggres- • zur Erzwingung einer rechtmäßigen Festnahme;
siver. Herr A. versucht deshalb, die Kamera an sich zu • zur Verhinderung des Entkommens einer rechtmäßig
reißen. Im nächsten Moment taucht die Frau des ag- festgehaltenen Person;
gressiven Mannes auf und sprüht Herrn A. Pfefferspray • zur Abwehr einer von einer Sache drohenden Gefahr
in die Augen, dieser bricht vor Schmerzen zusammen.
Ihr Ehemann läuft in die ebenerdig liegende Wohnung von Dienstwaffen Gebrauch machen (§ 3 Waffenge-
und kommt mit einem Baseballschläger zurück. Nun brauchsgesetz) – und zur Grundausstattung jedes/r Exe-
greifen zwei PassantInnen ein, rufen die Polizei und kutivwachebeamtIn gehört Pfefferspray.
halten den Angreifer fest. Die gerufenen PolizistInnen Aber auch für die Anwendung von Pfefferspray gilt
wollen aber zuerst die Papiere von Herrn A. sehen und das Gebot der Verhältnismäßigkeit. „Gelindere Mittel“
kümmern sich wenig um das gewalttätige Paar. Die sind nach Möglichkeit jedenfalls vorzuziehen!
PassantInnen, die sich um Herrn A. sorgen, werden
von den PolizistInnen zurückgewiesen. Herr A. muss
mit der Rettung ins Krankenhaus gebracht werden.
ZARA begleitet Herrn A. durch das Strafverfah-
2 Frau O. lebt in Eisenstadt, wo jeden Sonntag
ein Flohmarkt stattfindet. Sie sieht, dass dort
Nazi-Devotionalien – wie Porträts von Hitler, Haken-
ren. Dieses ist zu Redaktionsschluss noch nicht abge- kreuze oder antisemitische Sprüche auf Blechtafeln –
schlossen. verkauft werden. Frau O. meint beobachtet zu haben,
dass, als die Männer anfingen, die Sachen zu verkau-
Pfefferspray fen, dies noch verdeckt passierte. Im Laufe der Zeit
wurden die Verkäufer jedoch immer ungenierter, bis
Der Erwerb und das Mitführen von Pfefferspray sind sie sich schließlich offen mit den Käufern über den
in Österreich nicht verboten und auch nicht geneh- Wert und Nutzen der „Ware“ unterhalten. Immer wie-
migungspflichtig. In zahlreichen Fällen, die im Rassis- der beobachtet sie Skinheads dabei, die auf ihren Pull-
mus Report beschrieben sind, wird Pfefferspray einge- overn, Hakenkreuze appliziert haben, solche Devoti-
setzt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der Einsatz von onalien zu kaufen. Frau O. macht Aufnahmen mit der
Pfefferspray als eine mindergefährliche Waffe gilt. Er Kamera ihres Mobiltelefons. ZARA leitet diese an das
zählt zu den so genannten reizauslösenden Mitteln. Im Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismus-
Regelfall führt die Verwendung von Pfefferspray zu einer bekämpfung weiter. Im Oktober berichtet das Lan-
Körperverletzung. Diese Körperverletzung ist strafbar, desamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbe-
wenn sie nicht durch den Rechtfertigungsgrund der Not- kämpfung Burgenland, dass die verbotenen Artikel
wehr gedeckt ist. sichergestellt und die Verkäufer nach dem Abzeichen-
gesetz angezeigt wurden.
§ § 3 StGB
„Nicht rechtswidrig handelt, wer sich nur der
Verteidigung bedient, die notwendig ist, um ei-
nen gegenwärtigen oder unmittelbar drohenden
rechtswidrigen Angriff auf Leben, Gesundheit,
körperliche Unversehrtheit, Freiheit oder Vermö-
gen von sich oder einem anderen abzuwehren.“

Die Verhältnismäßigkeit zwischen der gewählten Art der


Verteidigung und dem zu schützenden Gut muss aber
jedenfalls gegeben sein. Ein Eingriff in die körperliche
Unversehrtheit des Gegenübers durch den Einsatz von
Pfefferspray ist also nur dann gerechtfertigt, wenn das

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Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m

3 Frau S. sendet ZARA folgendes Flugblatt zur


Dokumentation. Das Flugblatt hing am Hanno-
vermarkt im 20. Wiener Gemeindebezirk auf einem
Für Beleidigungen im öffentlichen Raum sieht § 115
Strafgesetzbuch (StGB) vor, dass jemand, der öffentlich
(d.h. vor mindestens drei Personen, Opfer und TäterInnen
Stromverteilerkasten. nicht mitgerechnet) einen anderen
„beschimpft, verspottet, am Körper misshan- §
delt oder mit einer körperlichen Misshandlung
bedroht“
mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Monaten oder mit
einer Geldstrafe bis zu 180 Tagessätzen bestraft werden
kann.
Grundsätzlich gilt eine Beleidigung im Sinne des
§ 115 StGB als „Privatanklagedelikt“. Das bedeutet, dass
der/die TäterIn nur auf Verlangen des Opfers verfolgt
wird. Die Privatanklage muss binnen sechs Wochen
beim zuständigen Bezirksgericht eingebracht werden.
Der Nachteil einer solchen Privatanklage ist, dass der/
die PrivatanklägerIn für den Fall, dass der/die TäterIn
freigesprochen wird, die Kosten des Strafverfahrens
übernehmen muss.
Hat eine Beleidigung jedoch rassistische Motive,
nimmt sie etwa Bezug auf die ethnische Zugehörig-
keit oder die Religion der beleidigten Person, dann wird
das Privatanklagedelikt zu einem Ermächtigungsdelikt
(§ 117 Abs 3 StGB). Dies bedeutet, dass die Staatsanwalt-

4 Frau U. beobachtet in Bruck an der Mur um ein


Uhr morgens eine Gruppe stark betrunkener
junger österreichischer Frauen beim Feiern eines Pol-
schaft die rassistische Beleidigung mit Ermächtigung
des/der Beleidigten von Amts wegen zu verfolgen und
ein Strafverfahren gegen den/die BeleidigerIn einzulei-
terabends. Sie trinken und essen bei einem Döner-Im- ten hat. In einem solchen Verfahren trägt das Opfer kein
biss-Stand und grölen laut. Sie sprühen mit Parfum- Prozesskostenrisiko.
fläschchen herum. Frau U. erkundigt sich, wozu das Im Fall von Frau R. hätte die Polizei den Vorfall ei-
Parfum diene. Eine der Frauen antwortet laut: „Das gentlich aufnehmen und an die Staatsanwaltschaft wei-
brauch ma für die Neger, damit´s nicht mehr so stin- terleiten müssen, die dann auch die Ermächtigung zur
ken!“ Frau U. will den Fall dokumentiert wissen. Verfolgung der rassistischen Beleidiger von Frau R. hät-
te einholen müssen. Die Weigerung der Aufnahme eines

5 Eine Zeugin aus Salzburg will folgende Szene


dokumentiert wissen. Jugendliche spielen auf
einem Sportplatz Fußball, als plötzlich der Platzwart
Offizialdeliktes stellt eine Dienstpflichtverletzung durch
den betroffenen Beamten dar, die eventuell vor den UVS
(siehe „Glossar“) gebracht werden kann.
auftaucht und diese ohne ersichtlichen Grund an- Die Androhung des einen Mannes, Frau R. „eine auf-
schreit. Er beschimpft die Jugendlichen mit: „Ihr Küm- zulegen“, könnte auch als „gefährliche Drohung“ gemäß
mel-Krowoden, jetzt ist aber Schluss, geht’s da weg!“ § 107 StGB gesehen werden, welche die Verhängung
einer Freiheitsstrafe von bis zu einem Jahr nach sich
Die eigenen Rechte kennen ziehen kann. Dafür hätte Frau R. ernsthaft in Furcht und
Unruhe um ihre körperliche Unversehrtheit versetzt wer-
Beschimpfung auf offener Straße den müssen. Da die Beleidiger bei dieser Aussage gelacht
haben, hat es sich hierbei vermutlich um eine so genann-
Frau R., eine österreichische Staatsbürgerin tür- te „milieubedingte Unmutsäußerung“ gehandelt, die
kischer Herkunft, wird auf offener Straße von von der Beleidigung gemäß § 115 StGB mit umfasst ist.
zwei Männern als „Türken-Sau“ beschimpft, sie
solle sich „ham schleichen“, ansonsten würden die Was kann Frau R. tun?
Männer „ihr eine auflegen“, wie sie ihr unter lau- Frau R. kann, wenn sich die Polizei weigert, die Anzeige
tem Gelächter nachrufen. Mehrere andere Pas- entgegenzunehmen, eine Sachverhaltsdarstellung an
santInnen bemerken diese Verbalattacke, reagie- die Staatsanwaltschaft schicken. Wenn sich Frau R. an
ren jedoch nicht. Frau R. ist schockiert und geht ZARA wendet, übernimmt ZARA diesen Schritt und be-
zur nächsten Polizeiinspektion, um den Vorfall gleitet sie durch das Strafverfahren.
anzuzeigen. Dort teilt ihr ein Beamter mit, dass Problematisch bei solchen Übergriffen im öffent-
die Polizei für Beleidigungen unter Privatpersonen lichen Raum ist jedoch meistens der Umstand, dass
nicht zuständig sei und sie sich an das nächste die TäterInnen anonym bleiben. Bei Vorfällen, in denen
Bezirksgericht wenden solle. es um Beleidigung geht, wird die Polizei zumeist nicht

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Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m

verständigt und die Daten der beteiligten Personen wer- ren Schadenersatzansprüchen auch auf den Zivilrechts-
den nicht aufgenommen. Eine Anzeige gegen anonyme weg verweisen. In diesem Fall oder für den Fall, dass das
TäterInnen an die Staatsanwaltschaft dient somit nur Strafgericht zuwenig Schmerzengeld zuspricht, kann
statistischen Zwecken. Frau R. bis zu einem eingeklagten Betrag von 4.000 Euro
von ZARA vor dem Zivilgericht vertreten werden (bei
Einige Tage später begegnet Frau R. zufällig erneut einem höheren Betrag herrscht „Anwaltszwang“). Bei
den beiden Männern, die sie beschimpft haben. höheren Schmerzengeldforderungen oder wenn der Fall
Es ist mitten in der Nacht, die Männer sind offen- rechtlich zu kompliziert ist, vermittelt ZARA Frau R. einen
sichtlich betrunken. Einer der Männer erkennt Rechtsanwalt, der sie vor Gericht vertritt.
Frau R. wieder und meint: „Hamma Dir nicht ge- § 33 Z 5 StGB sieht für den Fall einer Verurteilung
sagt, du sollst verschwinden?“ Die beiden gehen der TäterInnen vor, dass das Gericht bei der Bemessung
auf Frau R. los und fügen ihr durch Schläge und der Strafe (im gesetzlich vorgesehenen Rahmen – bei
Tritte mehrere Prellungen am Oberkörper und im Körperverletzung ist dies eine Freiheitsstrafe von bis zu
Gesicht zu. Ein Passant verständigt die Polizei und einem Jahr oder eine Geldstrafe von bis zu 360 Tages-
die Rettung. Die Beamten treffen kurze Zeit später sätzen) eine höhere Strafe verhängen kann, da die bei-
ein und können die beiden Täter festnehmen. Frau den Täter aus „rassistischen und fremdenfeindlichen“
R. muss sich im Spital behandeln lassen. Motiven gehandelt haben und dies einen Erschwerungs-
grund darstellt.
Die Prellungen, die Frau R. von den beiden Männern
zugefügt wurden, erfüllen den Straftatbestand der Kör-
perverletzung gemäß § 83 StGB. Dabei handelt es sich
um ein so genanntes „Offizialdelikt“, die Polizei muss
6 Frau V. unternimmt im August eine Fiakerfahrt.
Während der Fahrt entwickelt sich eine poli-
tische Diskussion mit dem Kutscher. Er stellt sich als
den Sachverhalt an die Staatsanwaltschaft weiterlei- „Freiheitlicher von Geburt“ vor. Er fordert: „Ausländer
ten, die ihrerseits ein Strafverfahren einleiten oder die raus. Man soll das mit den Ausländern doch genauso
Täter durch diversionelle Maßnahmen (Diversion, sie- wie mit den Juden lösen. Damals hat man Deutsch-
he „Glossar“) zur Wiedergutmachung der Tat bewegen land und Österreich ja gereinigt und das brauchen wir
muss. Für den Fall eines Strafverfahrens hat Frau R. kei- jetzt auch.“ Frau V. ist wütend und beginnt einen Streit.
nerlei Einfluss darauf, ob und zu welcher Strafe die bei- Der Kutscher sagt: „Ich bin kein Rassist, verstehen Sie
den Männer verurteilt werden. Dem Strafverfahren kann mich nicht falsch, diskutieren wir das aus.“ Frau V. will
sich Frau R. als Privatbeteiligte anschließen. Als Privatbe- sofort anhalten und steigt aus. Sie meldet ZARA den
teiligte kann Frau R. bei Verurteilung der Täter vom Ge- Vorfall zur Dokumentation.
richt Schmerzengeld für die erlittenen Verletzungen
zugesprochen bekommen, ohne dass sich Frau R. geson-
dert an ein Zivilgericht wenden muss. Das Strafgericht
muss dies jedoch nicht tun, sondern kann Frau R. mit ih-
7 Herr G. berichtet per E-Mail, dass er an einem
Sonntag in Graz Zeuge einer Straßenszene wur-
de. Er beobachtet, wie nach dem „Aufsteirern“-Fest


   
Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m

drei gut angezogene, leicht betrunkene Männer und gieren würden. ZeugInnen sind gerade bei rechtlichen
eine Frau eine vor ihnen gehende Frau mit Kinderwa- Schritten sehr wichtig, ebenso wie das Verfassen eines
gen und zwei kleinen Kinder beschimpfen. Sie schreien Gedächtnisprotokolls.
die Frau, die ein Kopftuch trägt, an: „Ihr lebt auf unsere • Bei rassistischer Belästigung oder Mobbing am Arbeits-
Kosten, schleicht’s euch heim, du Islam-Drecksau.“ Die platz unbedingt Tagebuch führen; was, wann, wo und
schimpfende Frau droht der Muslimin sogar, sie zu tö- mit wem passiert ist.
ten. Als Herr G. sich einmischt und fragt, warum sie die • Das Erlebte erzählen – nicht schweigen: einen LeserInn-
Frau mit ihren Kindern beschimpfen, drohen sie ihm enbrief schreiben, einen Beitrag im Internet posten, sich
ebenfalls. Herr G. ist von den Beschimpfungen wie ge- an eine Beratungsstelle wenden.
lähmt. Er schreibt an ZARA: „Während dieser ganzen
Tiraden hab ich kein Wort herausgebracht, nur den
Kopf geschüttelt und hilfesuchend umhergeschaut.
Aber niemand in der zu diesem Zeitpunkt ziemlich
9 Im Mai schreibt Frau R. ein E-Mail, in dem sie ihre
Erlebnisse in der Wiener Filiale einer Supermarkt-
kette schildert. Sie beobachtet, wie eine junge Frau
vollen Gasse (das Fest war gerade zu Ende und alle und ihr Begleiter in der Warteschlage vor der Kassa
gingen nach Hause) hatte den rassistischen Äuße- stehen. Die Frau hält einen Hund am Arm. Eine Super-
rungen dieser Herrschaften etwas entgegenzusetzen. markt-Mitarbeiterin weist sie darauf hin, dass Hunde
Man ging weiter oder hörte sogar belustigt zu. Ich verboten sind. Die Frau entgegnet, der Hund würde
stand dort in der vollen Gasse zwischen hunderten schon nicht auf den Boden pinkeln. Die Mitarbeiterin
Leuten und kam mir völlig allein vor.“ wiederholt, es sei aus hygienischen Gründen verbo-
Herr G. will den Fall dokumentiert wissen. ten und sie solle das nächste Mal den Hund vor dem
Geschäft anbinden. Schließlich dreht sich die Frau mit

8 Frau B. sitzt mit einem Freund, der in Nigeria


geboren ist und in Graz lebt, in einem Kaffee-
haus am Bahnhof. Ein Mann betritt das Lokal und sagt
dem Hund zu Frau R. um und sagt: „Jeder beschwert
sich über Hunde, aber niemand über Tschuschen.“
Frau R. entgegnet: „Ich mag sympathische Leute, und
zu ihr: „Da tät ich mich ja schämen mit sowas!“ Die woher sie kommen oder welche Sprache sie sprechen,
KellnerInnen und andere anwesende Gäste finden das ist mir eigentlich egal.“
amüsant und pflichten dem Mann bei. ZARA bedankt sich bei Frau R. für die Meldung und
Frau B. will den Vorfall dokumentiert wissen. hofft auf viele couragierte NachahmerInnen.

Was tun gegen rassistische Diskriminierung? „Wie


funktioniert Zivilcourage?“
10 Herr B. meldet folgenden von ihm beobach-
teten Vorfall. Um etwa ein Uhr nachts gehen
auf einem großen Musik-Festival zwei Wachmänner
durch die Reihen von Zelten auf dem Campingbe-
Die schlechte Nachricht: Es gibt keine Patentrezepte und reich. Sie erkundigen sich bei Festivalgästen: „Geht es
es braucht wahrscheinlich immer eine Portion Mut. den Mädels eh gut?“ Es seien „Neger“ unterwegs, die
Die gute Nachricht: Rassistischen Sprüchen und Über- stehlen, Drogen verkaufen und Frauen vergewaltigen
griffen muss man nicht wehrlos gegenüberstehen. So- würden. Herr B. ist schockiert von den rassistischen Si-
wohl Betroffene als auch BeobachterInnen können und cherheitsanweisungen.
sollen sich zur Wehr setzen und/oder ihr Recht auf Nicht- ZARA ersucht die VeranstalterInnen um Stellung-
Diskriminierung einfordern. Denn Diskriminierung ist nahme, erhält jedoch keine Antwort.
gesetzeswidrig. Jede Form von rassistischer Diskriminie-
rung kann der ZARA-Beratungsstelle für Opfer und Zeu-
gInnen von Rassismus gemeldet werden. Das Beratungs-
team unterstützt Sie beim Vorgehen gegen Rassismus.
11 Herr K. ist Afro-Amerikaner und lebt in Wien.
Er geht zum Roten Kreuz Oberösterreich, um
Blut zu spenden. In Amerika ist er regelmäßig Blut
Eine weitere Möglichkeit ist, ein Zivilcourage-Training bei spenden gewesen, hier fragt man ihn, aus welchem
ZARA zu besuchen. Siehe: www.zara.or.at/trainings. afrikanischen Land er denn wäre. Herr K. erklärt, dass
er aus den USA komme, nicht aus Afrika. Daraufhin
Einige Beispiele, wie man sich gegen Diskriminierung wird er gefragt aus welchem afrikanischen Land sei-
und Rassismus wehren könnte: ne Eltern seien. Er wiederholt abermals, dass auch
• Die TäterInnen ablenken oder irritieren, indem man sie diese aus den USA kommen würden, alle wären seit
auf ein ganz anderes Thema anspricht. über 300 Jahren nicht in Afrika gewesen. Die Mitarbei-
• Schlagfertige oder humorvolle Sprüche können wirk- terInnen des Roten Kreuz glauben ihm nicht. Er darf
sam sein, die Situation entspannen und ein Gespräch nicht Blut spenden. Er versucht es einige Zeit später
ermöglichen. wieder, da er annimmt, es hätte sich möglicherweise
• Ich-Botschaften verwenden: Nicht selbst mit Verallge- nur um uninformierte MitarbeiterInnen gehandelt. Er
meinerungen kontern, sondern den eigenen Stand- wird jedoch abermals als Spender abgelehnt.
punkt klarstellen. Er wendet sich empört und enttäuscht an ZARA.
• In der Gruppe ist man oft stärker. Andere um Unterstüt- Eine Ärztin des Roten Kreuzes Wien teilt ZARA mit, dass
zung bitten und fragen, ob sie als Zeuge oder Zeugin fun- die USA wegen des „Westnile-Virus“ ein Risikogebiet

11

  
   
 

 
   

 
  

vida wird die Lebensbedingungen ihrer Mitglieder verbes-


sern und damit einen entscheidenden Beitrag zu mehr
Lebensfreude leisten.


Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m

sei. Nach einem vierwöchigen Aufenthalt in Österreich TäterInnen aus dem rechtsextremen Milieu achten
gehöre man jedoch nicht mehr zur Risikogruppe. Herr werden.
K. lebt seit einigen Jahren in Österreich. Er will den
Vorfall dokumentiert wissen.
15 Im Oktober steigt Herr S. mit einem Freund
in Wiener Neustadt in den Zug, um nach

12 Im März wird Herr W. Zeuge, wie ein Mann


von zwei alkoholisierten Jugendlichen,
rassistisch beschimpft wird. Sie schreien ihn an:
Wien zu fahren. Er setzt sich in ein Abteil, in dem
bereits zwei Männer sitzen. Auf halbem Weg kommt
der Zugbegleiter, um die Fahrkarten zu kontrollieren.
„Von wo bist du denn? Jugo oder Türke? Sag’s uns!“ Zu dem einen der Männer, der in diesem Moment
Herr W. mischt sich ein, sagt den Jugendlichen sie vor dem Abteil steht, sagt er unfreundlich: „Zeig mir
sollen mit den Beschimpfungen aufhören, woraufhin deinen Reisepass!“, zu dem anderen im Abteil: „Ich
er selbst beschimpft wird. Er will, dass der Fall doku- weiß schon, warum ich euch nicht mag.“ Als ihm der
mentiert wird. Erste den Reisepass zeigt, fragt er frech: „Das bist du?“,
gibt ihm den Pass zurück und geht weiter. Herr S. ist

13 Frau K. fährt mit dem Zug von Graz nach


Bruck an der Mur. Ein junger Mann sitzt ihr
schräg gegenüber. Als er seine Jacke auszieht, sieht
zu perplex, um etwas zu erwidern, allerdings schreibt
er eine Beschwerde an die ÖBB, der sich ZARA an-
schließt. Die Antwort umfasst eine Entschuldigung
Frau K. ein rot tätowiertes Hakenkreuz auf seinem und den Hinweis, dass mit dem besagten Zugbeglei-
Unterarm. Auf seinen Fingerknöcheln ist das Wort ter ein Gespräch geführt wurde, in welchem er auf die
„S K I N“ tätowiert. Wichtigkeit von korrektem und freundlichem Verhal-
Frau K. wendet sich an ZARA und will wissen, wie ten hingewiesen wurde.
sie in so einer Situation reagieren soll. ZARA informiert
sie, dass das Tragen von Hakenkreuzen – egal ob auf
der Kleidung oder auf dem Körper – nach dem Ver-
botsgesetz strafbar ist. Dennoch solle sie in so einem
16 Herr P. meldet per E-Mail folgende Szene, die er
beobachtet hat. Während einer Zugfahrt von
Linz nach Wels pöbelt ein betrunkener Mann eine Frau
Fall überlegen, wie hoch das Risiko für sie selbst ist, an. Er verlangt, dass ihr Ehemann, der nicht Deutsch
bevor sie interveniert. spricht, ruhig sein solle. Die beiden teilen ihm mit, dass
sie aus Holland sind, woraufhin der Betrunkene zu ihnen

14 Herr E. ist in Österreich geboren und lebt


in Zambia. Er macht mit seiner in Zambia
geborenen Frau und ihren drei Kindern Urlaub in
sagt: „Es tut mir leid, ich habe ja nichts gegen Holländer,
aber gegen Ausländer habe ich schon was (...) vor allem
gegen diese Scheißislamisten!“ Bei den letzten Worten
Österreich. Im September fährt die Familie mit der deutet er auf eine Gruppe spanisch-katholischer Wall-
Schnellbahn von der Station Leopoldau zum Südbahn- fahrerInnen, die sich ebenfalls im Abteil befindet. Herr
hof. Bei der Einfahrt in die Station Handelskai sieht P. will den Fall dokumentiert wissen.
Herr E., wie einige junge Männer mit kurzgeschorenen
Haaren in die Schnellbahnabteile schauen. Als einer
der Männer einen alleine sitzenden Schwarzen im Ne-
benabteil sieht, pfeift er seine Kumpanen herbei. Sie
17 Im Dezember meldet Herr M. telefonisch ei-
nen Vorfall in einem Autobus der Linie 11A.
Nachdem er bei der Station Vorgartenstraße einge-
steigen zu dem Mann ins Abteil. Herr E. kann aus den stiegen ist, bemerkt er einen sichtlich betrunkenen
Gesten erkennen, dass sie ihn beschimpfen und ihm Mann, der eine junge schwarze Frau rassistisch anpö-
Schläge androhen. Der Schwarze hält sich seine Hän- belt. Die junge Frau wechselt den Sitzplatz, um den
de und seine Einkaufstasche schützend vors Gesicht. Beleidigungen zu entkommen. In der nächsten Stati-
Bei einer Station versucht er auszusteigen, wird je- on steigt ein Bub ein, der nach Angaben von Herrn M.
doch davon abgehalten. Im letzten Moment vor dem „nicht österreichisch aussieht“. Sofort wendet sich der
Abfahren des Zuges schafft er es, hinauszuspringen Betrunkene dem Buben zu und fragt ihn aggressiv:
und wegzulaufen. Daraufhin öffnen die im Zug ver- „Woher kommst Du?“ Der Bub antwortet ihm, dass er
bliebenen Männer die Türen mit Gewalt. Der bereits aus Österreich sei, woraufhin der Mann ihn anschreit:
angefahrene Zug muss stehen bleiben, die Männer „Leck mich am Arsch, du Trottel! Ihr Ausländer seid’s
steigen aus und rennen dem Flüchtenden hinterher. alle gleich! Ihr gehört’s vergast!“ Die übrigen Fahrgäs-
Herr E. kann noch sehen, dass sie ihn einholen. Dann te fühlen sich nicht gestört, im Gegenteil, eine ältere
rollt der Zug an und er verliert sie aus den Augen. Herr Frau pflichtet dem Betrunkenen bei und keift den
E. ist von dem Vorfall schockiert und überlegt, ob er Buben ebenfalls an. Irgendwann hat Herr M. genug
wie geplant nach Wien ziehen und seine Kinder im und beginnt, die beiden in die Schranken zu weisen
nächsten Jahr hier zur Schule schicken soll. und sich mit einem weiteren Fahrgast um den Jungen
ZARA meldet den Vorfall an das Bundesamt für zu kümmern. Die drei steigen bei der nächsten Station
Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung. Die aus. Herr M. sagt zu dem Buben, dass nicht alle Men-
zuständigen BeamtInnen lassen ZARA wissen, dass schen so seien, wie die zwei aus dem Bus. Er möge
polizeiliche Streifendienste in Zukunft stärker auf sich nicht kränken.

13
Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m

18 Eines Abends wartet Herr G. vor dem Apollo-


Kino auf den Bus der Linie 13A. Herr G. ist re-
ligiöser Jude und trägt eine Kippa, eine traditionelle
„Selbstverständlich wollen wir kein rassistisches
Verhalten unserer Mitarbeiter tolerieren.
Daher wurde mit dem betreffenden Fahrer der
Kopfbedeckung. Drei Jugendliche in Uniformen des Linie 43 ein Gespräch geführt. In diesem gab er an,
österreichischen Bundesheeres kommen um die Ecke, dass er sich leider zu dieser unbedachten Äußerung
sehen ihn und beginnen, ihn anzupöbeln. Sie machen hinreißen hat lassen, nachdem er von einem LKW-
sich über seine Kippa lustig, sagen sie wären Mus- Fahrer beschimpft worden war. Ebenso führte er an,
lime und der Islam sei der einzig echte Glaube. Sie dass seinem Bekannten- und Freundeskreis sehr viele
sagen, sie würden bedauern, dass die Juden unter Menschen mit nicht-deutscher Muttersprache ange-
Hitler nicht ganz ausgerottet worden wären. Herr G. hören und er keinesfalls rassistisches Gedankengut
bleibt ruhig und versucht sie zu ignorieren, doch die hätte. Vielmehr bedauert er es sehr, dass er sich zu
Jugendlichen beginnen, ihn anzuspucken, ihn zu sto- diesem boshaften Ausdruck verleiten hat lassen und
ßen und zu treten. Einer schlägt ihm seinen Schlüssel- bittet Sie und alle Beteiligten um Entschuldigung.
bund auf den Kopf, doch keine/r der zahlreichen um- Auch wir schließen uns dieser Entschuldigung an
stehenden ZuschauerInnen tut etwas, auch nicht als und versichern Ihnen, dass wir verstärktes Augenmaß
Herr G. sie um Hilfe bittet. Schließlich kommt der Bus darauf legen werden, dass sich Derartiges nicht mehr
und die Jugendlichen steigen ein. Herr G. will den Fall wiederholen wird.“ Frau F. schickt den Fall zur Doku-
dokumentiert wissen. mentation.

19 Herr E. ist in Nigeria geboren und lebt in


Wien. Im März fährt er mit zwei afrikanischen
Freunden in der Wiener Schnellbahn. Sie unterhal-
21 Frau C. ist in der Türkei geboren und lebt in
Wien. Mit ihrer Tochter und einer türkischen
Freundin fährt sie in der Straßenbahnlinie 52 Richtung
ten sich und lachen, als plötzlich ein etwa fünfzig Baumgarten. Die drei sind mit ihren Einkäufen fertig
Jahre alter Mann die drei beschimpft: „Arschlöcher! und befinden sich auf dem Weg nach Hause. Kurz
Ihr Neger, verschwindet!“ Herr E. bittet den Mann, vor der Endstation kommt ein betrunkener Mann mit
sie in Ruhe zu lassen, doch dieser hört nicht auf mit Bierdose in der Hand auf sie zu und beschimpft sie:
seinen Beschimpfungen. Stattdessen zückt er einen „Sprecht’s nicht Türkisch! Schleicht’s euch in eure Hei-
Pfefferspray und sprüht ihn Herrn E. ins Gesicht. Herr mat! Scheißausländer! Scheißtürken! Ihr stinkt!“ Die
E. schreit vor Schmerzen, nun mischen sich andere drei Frauen bleiben ruhig und ignorieren den Mann,
Fahrgäste ein und verhindern weitere Angriffe des bis er beginnt, sie anzuspucken und sie mit der Bier-
aggressiven Mannes. Die Notbremse wird gezogen, dose auf den Kopf und ins Gesicht zu schlagen. Frau
der Zug angehalten und die Polizei verständigt. Drei- C. hat eine körperliche Behinderung, der Angreifer
ßig Minuten später trifft diese ein und nimmt den tritt sie und versucht, sie aus dem Waggon zu zerren.
Sachverhalt und die Daten aller Beteiligten auf. Sie schreit um Hilfe, ihre Tochter hat große Angst und
ZARA begleitet Herrn E. durch das Strafverfahren. weint. Auch die Freundin wird von dem Mann atta-
Der Staatsanwalt wählt den diversionellen Weg (siehe ckiert, kann aber die Notbremse ziehen. Der Straßen-
„Glossar“), der Angreifer muss gemeinnützige Arbeit bahnfahrer und ein Passant rufen die Polizei. Der Tä-
leisten und wird nicht weiter strafrechtlich verfolgt. ter versucht zu flüchten, doch der Polizei gelingt es,
ZARA bringt zusätzlich gegen den Angreifer eine so ihn zu fassen. Sogar als er bereits festgenommen ist,
genannte Mahnklage beim zuständigen Bezirksge- schreit er noch weiter: „Scheiß Ausländer! Ich lass´ mir
richt ein, damit Herr E. Schadenersatz für die erlit- nix gefallen von euch!“ Die BeamtInnen verhalten sich
tenen Verletzungen und Schmerzen bekommt. Das korrekt und fragen Frau C., ob sie die Rettung rufen
Verfahren läuft noch. sollen. Frau C. will aber lieber später selbst ins Spital
fahren. Sie und ihre Freundin haben Prellungen im

20 Frau F. wird Zeugin, als ein Fahrer der Stra-


ßenbahnlinie 43 in der Nähe der Station Lan-
ge Gasse einen in einem LKW sitzenden Fahrer mit fol-
Gesicht.
ZARA begleitet die beiden Frauen im Strafpro-
zess gegen den Täter. Es stellt sich heraus, dass dieser
genden Worten beschimpft: „Du Scheißtschusch! Ich zahlreiche Vorstrafen wegen Körperverletzung hat.
hau dir in die Pappen! Verrecke, du Tschusch!“ Nach Die Richterin weist den Beschuldigten, der auch vor
einigen weiteren Beschimpfungen mischt sie sich Gericht nicht aufhört, Frau C. rassistisch zu beschimp-
schließlich ein und fordert den Straßenbahnfahrer fen, immer wieder in die Schranken und verweist ihn
auf, seine rassistischen Beleidigungen zu unterlassen. schließlich sogar des Gerichtsaals. Die Haftstrafe für
Dieser wendet sich daraufhin ihr zu und sagt: „Blöde den Mann beträgt fünf Monate unbedingt. Die bei-
Drecksau! Schleich Dich!“ Als Frau F. am Schottentor den Frauen erhalten je 200 Euro Schadenersatz zu-
aussteigt, bekommt sie die Visitenkarte eines Zeugen, gesprochen.
der bereit ist, das Geschehen zu bestätigen. Sie mel-
det den Vorfall den Wiener Linien, diese schicken ihr
drei Wochen später ein E-Mail mit folgendem Inhalt: 22 Herr Dr. E. ist österreichischer Staatsbürger
und in Algerien geboren. Er fährt an einem

14
Straßen, öffentliche Verkehrsmittel u.v.m

Samstag im Oktober mit der Badner Bahn in die


Shopping City Süd einkaufen. In der Station Vösen-
dorf angekommen, steigt er aus und wird von einer
Kontrolleurin aufgehalten. Er zeigt ihr seine Jahreskar-
te der Wiener Linien, die jedoch außerhalb von Wien
nicht gilt. Nun wird er vor die Wahl gestellt, sogleich
60 Euro bar oder später per Erlagschein zu bezahlen.
Herr E. entscheidet sich später zu bezahlen und gibt
der Kontrolleurin zur Bestätigung seiner Identität sei-
ne Versicherungskarte. Ein zweiter Kontrolleur kommt
hinzu. Dr. E. möchte seine Versicherungskarte wieder
haben. Hierfür streckt er seine Hand aus, woraufhin
der Kontrolleur diese wegschlägt und Herrn E. be-
schuldigt, die Kontrolleurin angefasst zu haben. Die
Kontrollorgane geben ihm die Karte nicht zurück und
sagen ihm, er müsse auf die Polizei warten. Sie be-
haupten, die Karte sei gefälscht. Herr E. verlangt nun
seinerseits den Namen oder den Dienstausweis der
beiden. Sie ignorieren ihn allerdings. Schließlich wen-
det er sich an die Frau und bietet ihr fünfzig Euro an,
die er bei sich trägt. Sie nimmt das Geld, schreibt ihm
eine Quittung und händigt ihm die Versicherungskar-
te wieder aus.
Herr E. geht zur Gleichbehandlungsanwaltschaft
(siehe „Glossar“) und informiert ZARA. Die Gleichbe-
handlungsanwaltschaft kann sich erfolgreich mit der
Wiener Lokalbahnen AG auf eine Entschädigungszah-
lung für Herrn Dr. E. einigen.

23 Herr A. beobachtet an einem Sonntag am


Bahnhof Wien Meidling, wie ein etwa 35 Jah-
re alter Mann zwei Jugendliche nichtösterreichischer
Herkunft beschimpft. Er wirft ihnen vor, Mädchen
zu belästigen, und sagt, er werde die Polizei und
H. C. Strache benachrichtigen. Herr A. sieht aber kei-
ne Mädchen, sondern nur die beiden verschüchtert
wirkenden Jungen. Er nimmt an, dass es sich um eine
grundlose fremdenfeindliche Attacke handelt. Der
Mann hat die beiden mittlerweile gezwungen, ihm
vom Bahnsteig in den Bahnhofsbereich zu folgen. Nun
mischt Herr A. sich ein und bietet den Jugendlichen
an, für sie die Polizei zu rufen. Die beiden nehmen das
Angebot gerne in Anspruch. In Folge wird auch Herr A.
Ziel der Attacken des schimpfenden Mannes. Schließ-
lich kommt eine Mitarbeiterin der Wiener Linien und
nimmt die Daten der Jugendlichen und des Aggres-
sors auf.
Herr A. verlässt den Bahnhof, ohne das Eintreffen
der Polizei abzuwarten. Dennoch bittet er ZARA spä-
ter, sich zu erkundigen, wie die Amtshandlung verlau-
fen sei. Die Polizei lässt ZARA wissen, dass zwar alle
Daten aufgenommen wurden, es aber keine Anzeige
gegeben habe.

15
Internet

Internet

24 Ein Zeuge teilt ZARA per E-Mail mit, dass seit


Wochen folgender Eintrag im Gästebuch
der offiziellen Homepage der Gemeinde Eschenau
27 Im Oktober melden zahlreiche Personen,
dass sie folgendes E-Mail erhalten haben:

in Niederösterreich steht: „i find des einfach leiwand, „Es war im Jahre 2020. Die letzten Österreicher!
bei uns de natur genießen zu können und außadem Ich wurde wach vom Ruf des Muezzins, der über Laut-
steht ned in jeder eckn a tschusch.“ sprecher von der benachbarten Moschee in mein Ohr
Obwohl sich der Zeuge mehrmals beschwert, wur- drang. Ich hatte mich längst daran gewöhnt. Früher war
de der Eintrag nicht gelöscht. sie mal eine Kirche gewesen, aber sie war schon vor vielen
ZARA interveniert und wird kurze Zeit später vom Jahren zur Moschee umfunktioniert worden, nachdem
Bürgermeister des Ortes benachrichtigt, dass der es der islamischen Gemeinde in unserem Viertel in ihrer
betreffende Eintrag gelöscht wurde. alten Moschee zu eng wurde.
Die wenigen verbliebenen Christen hatten keinen

25 Frau P. arbeitet in einem Internetcafé in Wien


und meldet ZARA folgenden Fall. Im Septem-
ber kommt ein etwa fünfzigjähriger Mann, kauft sich
Einspruch gewagt. Unser türkischer Bürgermeister, Herr
Mehmezal meinte, es sei längst an der Zeit, der einzig
wahren Religion mehr Platz zu schaffen.
Internetzeit und nimmt an einem Terminal Platz. Als Die wenigen Österreicher die noch in unserer Gegend
sie an ihm vorbeigeht, sieht sie seine große Haken- wohnen, schicken ihre Kinder alle in die Koranschule, da-
kreuztätowierung. Wenig später beginnt er, an der mit sie es leichter haben sich zu integrieren. In den Schu-
Bar antisemitisch zu schimpfen. Er sagt: „Juden sol- len wird in türkisch unterrichtet, auch in jugoslawisch
len verrecken!“ und Ähnliches. Frau P. fürchtet sich vor oder arabisch, je nach der Mehrheit. Die wenigen ös-
ihm und wagt deshalb nicht einzuschreiten. Schließ- terreichischen Kinder müssen sich eben anpassen; Kin-
lich verlässt der Mann das Lokal mit Hitlergruß. Die der haben ja wenig Mühe mit dem Erlernen von Fremd-
in dem Café installierten Kameras dienen nur der Ab- sprachen. Alex, unser 10-jähriger, spricht zu Hause meist
schreckung und zeichnen das Geschehen nicht auf. gebrochen Deutsch, fällt aber immer wieder ins tür-
Auch der Verlauf der Internetzugriffe wurde beim kische; da wir das nicht können, schämen wir uns.
Abschalten des Geräts gelöscht. Der Besitzer des Alex ist das einzige Kind mit österreichischen Eltern
Cafés verspricht, in Zukunft dafür zu sorgen, dass die in seiner Klasse, er versucht sich so gut er kann anzupas-
Verläufe gespeichert und die Kameras für Notfälle auf- sen.
nahmebereit gemacht werden. Ich will die Nachrichten im Radio einschalten, finde
ZARA leitet den Vorfall an das Bundesamt für Ver- aber erst nach langem Suchen einen deutschsprachigen
fassungsschutz und Terrorismusbekämpfung weiter. Sender. Seit die Frequenzen nach dem Bevölkerungsan-
teil vergeben werden, müssen wir uns eben umstellen.

26 Frau E. meldet ZARA folgende im Eisenbahn


Forum Österreich stehende Unterhaltung:
User A: „Will jetzt nichts negatives sagen, aber es ist
Der Sprecher sagt, dass auf Druck der fundamentalis-
tischen Partei des einzig richtigen Weges im National-
rat ein Kopftuchzwang für alle Frauen eingeführt wird.
sicherlich aufgefallen, dass auf einigen Linien Fahrper- Meine Frau trägt auch eins, um weniger aufzufallen; sie
sonal unterwegs ist / war, welches dem Wiener Dialekt wird jetzt nicht mehr sofort als Österreicherin erkannt
nicht ganz so mächtig war. Ich urteile aber jetzt nicht und freundlicher behandelt.
über die Qualitäten des Fahrens an sich! Also bitte Außerdem soll auf einstimmigen Beschluss ein ‚Tag
keine Anspielungen.“ der Österreichischen Schande’ eingeführt werden, der
User B: „Aso! Du meinst die Tschuschen und an die Intoleranz der Österreicher erinnern soll, insbe-
Rasmurcheln, die jetzt die Züge durch die Tunnel sondere an die Ausländerfeindlichkeit. Ich sehe aus dem
kutschieren? Ja die sind mir in der Tat schon aufge- Fenster auf die Strasse. Die Barrikaden sind noch nicht
fallen! Gibts die Schulungsunterlagen eigentlich auch weggeräumt und rauchen noch; aber die Kehrrichtab-
in türkisch, als Beipacktext zum Koran und als Bild- fuhr ist schon am Aufräumen.
bände? Wissen diese Muselmanen und Taliban auch, Gestern hatten sich serbische und kroatische Jugend-
wo hin sie sich bei ihren Gebeten richten müssen, liche in unserer Strasse eine Schlacht geliefert - oder
wenn sie im Tunnel stecken? Kompass und Decke als waren es türkische und kurdische? Unsere Scheiben sind
Dienstutensilien?“ diesmal heil geblieben.
Frau E. bittet um Dokumentation. Der Wortwechsel Meine Frau hat wieder Arbeit gefunden, in einem
wurde auf ihre Beschwerde hin bereits gelöscht. türkischen Restaurant, als Aushilfe. Da Ausländer bei der

16
Internet

Arbeitsvergabe vorrangig behandelt werden, ist das ein wie viele unserer alten Bekannten und Nachbarn, in die
grosses Glück. Ich muss nicht mehr zum Arbeitsamt; mein anatolische Steppe auswandern. Die türkische Regierung
Berater, Herr Hassan Muftluft sagt, ich sei als Österreicher hat dort allen deutschsprachigen grosszügigerweise ein
nicht mehr vermittelbar und hat mir einen Sprachkurs in Stück Land angeboten. Es ist eine Art Reservat für uns, wir
Aussicht gestellt. Ich habe natürlich zugestimmt, so eine wären dort unter uns und könnten unsere Sprache und
Chance bekommt man nicht alle Tage. Kultur pflegen. Diese Idee beschäftigt uns schon lange!
Mein Vermieter, Herr Ali Yueksel, erwähnte gestern Es lässt sich jetzt darüber streiten, ob dieses Mail
beiläufig, dass er die Wohnung einem seiner Brüder und wegen den Wahlen vom 01. Oktober 2006 erstellt wurde.
dessen Familie versprochen habe und wir sollten uns Aber schickt es weiter, wenn es euch zusagt.
schon mal nach etwas anderem umsehen. Auf meinen Es lebe Österreich, ... noch!“
schüchternen Einspruch hin meinte er nur, er habe gute
Beziehungen zu den örtlichen Behörden. Nun müssen wir Recherchen von ZARA ergeben, dass dieser Text nicht
also raus, aber besonders schwer fällt uns der Abschied nur über E-Mail-Ketten in Umlauf gebracht wird, son-
aus unserer Gemeinde nicht. Wahrscheinlich werden wir, dern sich auch in zahlreichen Internet-Foren findet.

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Politik und Medien

Politik und Medien

28 Die Ortsgruppe der FPÖ Bruck an der Mur


stellt in ihrem Schaukasten die Bundes-
hymne mit folgendem Text aus:
Familien wesentlich mehr Geld vom Staat erhalten als
Flüchtlinge. Siehe auch www.zara.or.at/_doc/fakten_
statt_hetzen.pdf.
„Land der Türken und Araber, Land der Slawen und
auch Neger, Land der Moslems, fundamentalisten-
reich, Heimat hast Du wenig Kinder, brauchst daher
auch noch die Inder, multikulturelles Österreich.“
Mitglieder der Sozialistischen Jugend erstat-
ten Strafanzeige und benachrichtigen das Doku-
mentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes
(www.doew.at) und ZARA. derstandard.at berichtet
ebenfalls darüber.

29 Im Frühjahr melden mehrere ZeugInnen


ZARA ein E-Mail, das einen Text zum Wahl-
kampf 2005 des FPÖ-Magazins „Wir Wiener“ zum
Inhalt hat. Im Betreff steht: „Kohle leicht verdient -
Die Vorstellung vom Paradies ‚Wer bekommt jetzt
wie viel vom Staat? Österreichische Familien oder
Asylwerber? BARGELDLEISTUNGEN AN ASYLWERBER
IN ÖSTERREICH.“ Als Quelle für die zitierten Zahlen
werden der Arbeitersamariterbund und die Arbei-
terkammer angegeben. Dann folgen völlig falsche 30 Frau H. schickt ZARA folgende anti-islamische
OTS-Presseaussendung des Wiener Akade-
mikerbundes, der sich als Bildungsinstitution der ÖVP
Rechungen, wie viel Geld Flüchtlinge bekommen
würden und es wird behauptet, dass Österreicher versteht:
weniger Leistungen als Asylwerber erhalten würden.
„Wiener Akademikerbund: Islam - Nicht integrierbar!
Grundsatzposition des Wiener Akademikerbundes
- Zahlreiche Probleme, die die Welt von heute mit dem
Islam hat, sind nicht etwa Ausdruck eines ‚Fundamenta-
lismus’, sondern sind direkt im Koran und der gesamten
islamischen Tradition der letzten 1400 Jahre begründet.
... Willkürherrschaft und Despotismus. Geringschätzige
Stellung der Frau. Ablehnung von Rechtsordnungen,
die nicht in der koranischen Offenbarung grundgelegt
sind ...
- ... der Primat der Gewalt ein dutzendfach im Koran
verankertes Grundprinzip der Ausübung und Verbrei-
tung der islamischen Religion ...
- ... Es läßt sich ... zeigen, daß die islamische Gesell-
schaftsauffassung die unmittelbare Ursache für das
Siechtum der Ökonomien dieser Länder ist. Von den rei-
chen Ölländern, die ihren Luxus ebenfalls der westlichen
ZARA verfasst und veröffentlicht in Kooperation Kultur entlehnt haben, abgesehen, gibt es keine isla-
mit der asylkoordination Österreich und der Cari- mischen Staaten mit auf hohem Niveau dauerhaft pro-
tas Erzdiözese Wien eine Stellungnahme unter dem sperierender Ökonomie.
Titel „Fakten statt Hetze“. In der Stellungnahme wird - Das offizielle Österreich gefällt sich in der Rolle, den
erklärt, wie unseriös die Zusammenstellung der gleichberechtigten Dialog‚ mit den Muslimen zum
Zahlen ist. Es wird klargestellt, dass österreichische europäischen Exportartikel zu erklären. ... auf der

18
Politik und Medien

jüngsten Imamekonferenz ... wurde den Vertretern des


Islam ausladend Gelegenheit geboten, von der ‚to-
leranten und friedliebenden’ Qualität des Islam ... zu
32 Frau Y. meldet im März einen rassistischen
Artikel aus der oberösterreichischen regio-
nalen Gratiszeitung „Tips“. In der Kolumne „Zwischen
sprechen. Dieser Plattform dient ... propagandistischen den Zeilen“ schreibt eine Redakteurin unter dem
Phrasen ... islamische Grundsätzen werden unterschla- Titel „Ausländerfeindlich und Ausländerfreindlich“ elf
gen Gründe, warum Integration in Österreich scheitert.
- Die Probleme unseres Landes ... sind das Produkt einer Unter anderem:
völlig verfehlten Migartionspolitik (sic), die sich der eige-
nen Tradition gegenüber feindlich verhält und dem zer- „... Sie fragen sich, warum Ausländer auch nach ihrer
störerischen Phantasma einer ‚Multikulturellen Gesell- fünften Straftat nicht abgeschoben werden, warum die
schaft' verpflichtet ist ... meisten von ihnen arbeitslos sind (und somit Arbeitslo-
- Der Wiener Akademikerbund fordert daher ein sofor- sengeld kassieren), warum viele kriminell sind, warum
tiges Umdenken der politischen Entscheidungsträger ... Ausländer gerne Streit provozieren, warum sie nicht al-
Konkret wird u.a. verlangt: leine kommen sondern mindestens zu zehnt, warum
- Sofortige Beendigung der Vergabe von neuen Staats- diese fordern und fordern, beispielsweise den Bau von
bürgerschaften oder Aufenthaltsgenehmigungen an Moscheen oder die Einführung eines eigenen Badetages
Fremde mit islamischer Religionszugehörigkeit, sobald für Muslime) ...“
damit der Anteil von Muslimen 9,5 % der Gesamtbevölke-
rung überschreiten würde. Dies gilt auch für Asylanträge, und
die von Muslimen eingebracht werden, da die Probleme
ihrer Herkunftsländer letztlich nicht politischer, sondern „Und warum fliegen Sie gerade dorthin auf Urlaub, wo
religiös-kultureller Natur sind ... diese Ausländer herkommen und bringen auch noch den
Rest Ihres Geldes zu denen, die noch nicht bei uns sind?“
Rückfragehinweis: (Tips, Ausgabe März 2006 / 12. Woche, S. 2)
Wiener Akademikerbund“
(www.ots.at/presseaussendung.php?schluessel Der Kommentar löst zahlreiche Proteste aus. ZARA,
=OTS_20060505_OTS0159&ch=politik). das „OÖ. Netzwerk gegen Rassismus und Rechts-
extremismus“ (www.antifa.at) und andere Organi-
ZARA bittet den Wiener Akademikerbund um eine sationen und Privatpersonen beschweren sich bei
Stellungnahme, erhält jedoch keine Antwort. der Zeitung. Der Gesellschafter löst daraufhin das
Dienstverhältnis mit der besagten Redakteurin und

31 Herr H. meldet ZARA folgenden Artikel


des Magazins „Tangente“, dem Organ des
RFJ (Ring Freiheitlicher Jugend), Nr. 02/2006, S. 7:
distanziert sich von dem Kommentar. Die Redakteu-
rin selbst beteuert bis zum Schluss, dass es nicht ihre
Absicht gewesen sei, einen rassistischen Artikel zu
„Negerküßchen“. In diesem Beitrag erläutert ein Re- verfassen.
dakteur, weshalb der Begriff „Neger“ der einzig rich-
tige sei. In mehreren Fällen dieses Jahres wird von
Freiheitlichen dieser Wortgebrauch mit immer densel-
ben Argumenten legitimiert. Es wirkt, als habe sich
die FPÖ einer Kampagne für diese diskriminierende
Sprechweise verschrieben.
Herr H. will den Artikel lediglich dokumentiert wissen.

33 Ein aufmerksamer Leser meldet ZARA Po-


stings, die er auf www.vienna.at, einem
Nachrichten-Magazin, findet. Sie stehen unter einem
Artikel mit dem Titel „Islamischer Friedhof in Brand
gesteckt“:

19
Politik und Medien

„Langlebe osterreich aus der Türkei soll errichtet werden und dieser wird
ich bin in wien geboren aber mein vater ist argentinier. das christliche Gotteshaus noch überragen. (...)“ und
der islamischer friedhof hatt in oesterreich nichts zu tun. der Bürgermeister sagt: „(...) Wir haben aber denkbar
der Scheiß friedhof muss weg wie alle juden. heil Hitler!“ schlechte Karten, das Projekt zu verhindern. (...)“ Von
BürgerInnen ist in dem Artikel zu hören: „Nichts gegen
und diese Religion. Wir wollen aber keine moslemischen
Ansammlungen bei uns!“ Eine Anrainerin wird mit den
„ein Moslemischer Friedhof auf österr. Boden ist eine Ent- Worten zitiert: „Mir san direkte Nachbarn und haben
weihung der österr. Ehre und eine Demütigung eines je- somit das Quirx am Hals. Wenn des kommt, verkauf i
den Österreichers. Schleichts eich ,ihr deppaten Moslem- mei Haus, aber sicher nur an einen Türken, sonst will’s
Machos, ihr kriminellen Heinis, ab nach Anatolien, keiner eh kaner haben wollen! (sic!)“
braucht euch hier in Österreich, ihr Sozialschmarotzer!“

ZARA dokumentiert die Postings und fordert von der


Redaktion, derartige Hasspostings zu unterbinden.
ZARA bekommt keine Antwort.

34 Herr W. meldet empört einen Artikel des


Bezirksjournals Wiener Neustadt/Neunkir-
chen in der Märzausgabe 2006. Der Artikel berichtet
in hetzerischer Art und Weise über den geplanten
Bau einer Moschee in Natschbach-Loipersbach in
Niederösterreich. Die Schlagzeile auf dem Titelblatt
ist: „Schallt bald der Ruf des Muezzins?“ und etwas
kleiner darüber: „In Natschbach-Loipersbach droht
die Welt zusammenzubrechen.“ Im Artikel selbst
wird behauptet: „(...) Ein Gebetsturm für Moslems Herr W. will den Artikel dokumentiert wissen.

Die Menschenrechte
im Mittelpunkt

Die SPÖ steht für


die Einhaltung der
Menschenrechte.

Integration muss von


beiden Seiten mit
Leben erfüllt werden.

Jene Menschen,
die Asyl brauchen,
müssen rasch
Hilfe und Schutz in
Österreich erhalten.

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NEUER KURS FÜR ÖSTERREICH:


DIE MENSCHEN IM MITTELPUNKT.
Rassistische Beschmierungen

Rassistische Beschmierungen

ZARA dokumentiert bereits seit sechs Jahren ras- Statistik


sistische Beschmierungen im öffentlichen Raum.
Die Anzahl der gemeldeten Beschmierungen steigt 2006 wurden insgesamt 793 Beschmierungen an
jährlich, was aber nicht unbedingt auf eine Zunah- ZARA gemeldet, davon 127 in Fahrzeugen der Wiener
me insgesamt zurückzuführen ist, sondern auch ein Linien.
Indikator dafür ist, dass das Bewusstsein für das Prob-
lem Rassismus zugenommen hat und rassistische Be- 99% der Meldungen betrafen Wien.
schmierungen nicht nur wahrgenommen, sondern TÜR 1%
auch gemeldet werden. Da die Gesamtstatistik von ISL 1%
HAS 9%
den Meldungen der ZeugInnen abhängt, sind geo-
grafische Häufigkeiten von Beschmierungen für ZARA
AFR 70%
nicht messbar. Die ZARA-Statistiken sind keineswegs
repräsentativ für die Menge an Beschmierungen, die
es in Österreich tatsächlich gibt. Dennoch können aus RAS 19%
den Prozentzahlen (siehe Grafik) gewisse inhaltliche
Tendenzen abgelesen werden.
Auffallend ist, dass rassistische Beschmierungen
gegen Schwarze nach wie vor den größten Anteil
ausmachen. Die Beleidigungen lauten „Fuck Nigger“,
„Neger raus“, aber auch Todesdrohungen wie „Tötet
Neger“ sind erschreckenderweise keine Seltenheit. AFR „Anti-Afrikanisches“
Im Jahr 2006 kam es durch die Zusammenarbeit mit HAS „Hakenkreuze und Antisemitisches“
SOS-Mitmensch im Zusammenhang mit der Aktion RAS „Rassistisches“
„Rassismus streichen“ (www.rassismusstreichen.at) zu TÜR „Anti-Türkisches“
einer erheblich höheren Zahl von Meldungen, welche ISL „Anti-Muslimisches“
die ZARA-Statistik im Vergleich zu den letzten Jahren
stark verändert haben. Auch die stetige und konse- Bedeutung und Bedeutsamkeit
quente Öffentlichkeitsarbeit von ZARA erklärt warum
Beschmierungen häufiger gemeldet werden. rassistischer Beschmierungen
Beschmierungen haben eine starke Symbolkraft, da
der öffentliche Raum einer Stadt als Zeichen- und
Signalsystem funktioniert. Eine Stadt produziert
Informationen über Werbung, Lichtreklame, Plakate,
Graffiti, Straßennamen und dergleichen mehr.
Beschmierungen können sehr schnell produziert wer-
den und fungieren als Träger von Botschaften. Sie
unterliegen fast keiner Kontrolle. Die extreme Häufig-
keit von rassistischen Schmierereien und die Tatsache,
dass diese oft sehr lange nicht gemeldet und daher
auch nicht entfernt werden, beweist auch, dass die
österreichische Gesellschaft in ihrer stillen Duldung,
mit diesen rassistischen Äußerungen übereinstimmt.
Sie sind zudem oftmals Bestätigungen der Vorurteile
und brennen sich in die Köpfe der Menschen ein, die
tagtäglich daran vorübergehen.

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Rassistische Beschmierungen

Der kritische Umgang mit Rassismus im öffentlichen Freiheitsstrafe von einem bis zu zehn Jahren, bei
Raum muss noch weiter vorangetrieben werden. besonderer Gefährlichkeit des Täters oder der
Vielen Menschen fallen die Beschmierungen nicht Betätigung bis zu 20 Jahren bestraft.
auf, andere fühlen sich machtlos und denken, oh-
nehin nichts verändern zu können. Immer mehr kri- § 3h. Nach § 3g wird auch bestraft, wer in einem
tische Menschen melden jedoch Woche für Woche Druckwerk, im Rundfunk oder in einem anderen
Beschmierungen an ZARA mit der Bitte um Entfernung. Medium oder wer sonst öffentlich auf eine Wei-
Die konsequente Dokumentation und Entfernung se, daß es vielen Menschen zugänglich wird, den
stellt für ZARA die einzige Möglichkeit dar, gegen die nationalsozialistischen Völkermord oder andere
Beschmierungen und ihre Tolerierung vorzugehen. nationalsozialistische Verbrechen gegen die
Menschlichkeit leugnet, gröblich verharmlost,
Die eigenen Rechte kennen gutheißt oder zu rechtfertigen sucht.

Frau Z. ärgert sich über die rassistischen Be- Das Anbringen von Hakenkreuzen, SS-Runen oder Ähn-
schmierungen in Wiens Straßen. Sie geht täglich lichem kann unter diese Strafbestimmung fallen, sollte
an dutzenden „Neger raus“, „kill niggers“, „Scheiß- der/die BeschmiererIn auch den Vorsatz haben, sich
Türken!“ und ähnlichen Graffitis vorbei. damit im nationalsozialistischen Sinne zu betätigen
oder etwa NS-Verbrechen gutzuheißen. Sollte dieser
Wie ist eine solche Beschmierung erweiterte Vorsatz fehlen, kann der/die TäterIn immer
rechtlich zu bewerten? noch nach Art IX Abs 1 Z 4 EGVG bestraft werden, der
Laut § 125 Strafgesetzbuch (StGB) begeht eine Sach- eine Verwaltungsstrafe bis zu 2.180 Euro für die Person
beschädigung (SB), wer eine fremde Sache zerstört, vorsieht, die „nationalsozialistisches Gedankengut im
beschädigt, verunstaltet oder unbrauchbar macht. Bei Sinne des Verbotsgesetzes (...) verbreitet.“
Beschmierungen wird es sich zumeist um eine Verun-
staltung, d.h. eine nicht unerhebliche Veränderung im - Verhetzung (§ 283 StGB) §
äußeren Erscheinungsbild einer Sache, handeln, wo-
bei diese so intensiv sein muss, dass sie nur mit einem § 283. (1) Wer öffentlich auf eine Weise, die geeig-
gewissen Aufwand entfernt werden kann. Wenn die net ist, die öffentliche Ordnung zu gefährden, zu
„Geringfügigkeitsgrenze“ nicht überschritten wird, einer feindseligen Handlung gegen eine im Inland
wie z.B. bei kleinflächigem Bemalen einer Glaswand bestehende Kirche oder Religionsgesellschaft
mit einem wasserlöslichen Stift, liegt keine Sachbe- oder gegen eine durch ihre Zugehörigkeit zu einer
schädigung vor. solchen Kirche oder Religionsgesellschaft, zu ei-
Bei einfacher Sachbeschädigung liegt der Straf- ner Rasse, zu einem Volk, einem Volksstamm oder
rahmen bei einer Freiheitsstrafe bis zu 6 Monaten bzw. einem Staat bestimmte Gruppe auffordert oder
einer Geldstrafe von bis zu 360 Tagessätzen. aufreizt, ist mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren
Wenn der Schaden den Betrag von 3.000 Euro über- zu bestrafen.
schreitet oder durch die Beschmierung z.B. eine Kir- (2) Ebenso ist zu bestrafen, wer öffentlich gegen
che, ein Grab oder ein denkmalgeschütztes Objekt eine der im Abs. 1 bezeichneten Gruppen hetzt
verunstaltet wird, beträgt der Strafrahmen der Freiheits- oder sie in einer die Menschenwürde verletzenden
strafe bis zu 2 Jahre. Eine Geldstrafe bis zu 360 Tages- Weise beschimpft oder verächtlich zu machen
sätzen kann alternativ verhängt werden. Übersteigt sucht.
der Schaden 50.000 Euro, droht eine Freiheitsstrafe von
6 Monaten bis 5 Jahre. Dem Wortlaut dieser Bestimmung nach sollte es
Eine rassistische Beschmierung kann aber zusätz- eigentlich einen breiten Anwendungsbereich dieses Ge-
lich zur Sachbeschädigung auch gegen das Verbots- setzes gegen rassistische Beschmierungen geben. Eine
gesetz (VerbotsG), Art IX Abs 1 Z 4 EGVG („Einführungs- Beschmierung wie „Kill niggers“ oder „Neger raus“ sollte
gesetz zu den Verwaltungsverfahrensgesetzen“) oder als unzweifelhaft unter den Absatz 1 fallen, da durch diesen
so genannte „Verhetzung“ gegen § 283 StGB verstoßen. Slogan eindeutig zu einer „feindseligen Handlung“
Tötungsaufforderungen wie „kill niggers“ können auch gegen eine der in diesem Absatz aufgezählten Gruppen
unter § 282 StGB („Aufforderung zu mit Strafe bedroh- aufgerufen wird. Die erforderliche „Öffentlichkeit“ ist
ten Handlungen und Gutheißung mit Strafe bedrohter bei einer weithin sichtbaren Beschmierung grundsätzlich
Handlungen“) fallen. gegeben. Jedoch werden durch Abs 1 nicht die be-
troffenen Gruppen geschützt, sondern primär die
§ - VerbotsG / Art IX Abs 1 Z 4 EGVG öffentliche Ordnung, die durch solche Gewaltaufrufe
gefährdet werden muss. Für eine einzelne Beschmierung
§ 3g. Wer sich (...) im nationalsozialistischen Sinn ist dies nicht immer nachweisbar. Auch fallen allge-
betätigt, wird, sofern die Tat nicht nach einer meinere Hetzparolen wie „Ausländer raus“ nicht unter
anderen Bestimmung strenger strafbar ist, mit § 283, da der verallgemeinernde Begriff „Ausländer“

23
Rassistische Beschmierungen

keine der geschützten Gruppen darstellen. Die Gerichte mit Kreide die Worte „Kill Niggers“ durch. Dabei
legen die Bestimmung sehr eng aus, daher sind Verurtei- wird sie von einem Polizisten beobachtet.
lungen aufgrund des ersten Absatzes sehr selten.
Dieser spricht sie an, nimmt ihre Daten auf und
Der Anwendungsbereich des Absatz 2 sollte zur Ahndung meint, dass sie eine Anzeige wegen Sachbeschä-
schriftlicher rassistischer Beschimpfungen wie „Scheiß- digung erhalten werde.
Türken“ oder „Fuck Niggers“ ausreichen. Jedoch sind
davon auch nur jene Beschmierungen betroffen, durch Wenn eine bestehende Beschmierung übermalt wird
die bestimmten Gruppen „ein Lebensrecht schlecht- und dadurch ein zusätzlicher Schaden entsteht, wenn
hin“ abgesprochen wird oder diese als „minderwertige z.B. die Entfernbarkeit der ursprünglichen Beschmierung
Wesen“ dargestellt werden. Auch hier ist die Judikatur in aus Kreide durch nicht wasserlöslichen Lack erschwert
ihrer Beurteilung sehr restriktiv. wird, begeht auch der Übermaler der rassistischen Be-
schmierung eine Sachbeschädigung.
- Anstiftung (§ 282 StGB)
Bei der Übermalung z.B. einer den Tatbestand der Ver-
Wer eine breite Öffentlichkeit zu einer mit Strafe be- hetzung erfüllenden Beschmierung kann dahin gehend
drohten Handlung auffordert oder eine solche Hand- argumentiert werden, dass der/die ÜbermalerIn den
lung gutheißt, macht sich nach § 282 StGB strafbar. rechtmäßigen Zustand durch die Unkenntlichmachung
Alle Tötungsaufrufe gegen eine bestimmte Gruppe oder der verbotenen Parole / des verbotenen Zeichens wieder
einzelne Personen fallen unter diese Strafbestimmung. hergestellt hat und diesfalls ein Rechtfertigungsgrund
Allerdings muss man im Einzelnen untersuchen, ob diese vorliegt. Ob sich das Gericht dieser Ansicht anschließt, ist
„breite Öffentlichkeit“ durch die Beschmierung wirklich jedoch ungewiss.
erreicht wird. Der/die EigentümerIn des Objektes kann in die Verun-
staltung, soweit es sich um eine bloße Sachbeschädigung
Was kann Frau Z. gegen die handelt – allerdings nicht bei den bereits erwähnten
Beschmierungen unternehmen? Strafbeständen wie Verhetzung etc., sondern bei Über-
Bei Beschmierungen (egal ob diese zusätzlich gegen malung einer rassistischen Parole – einwilligen und somit
das VerbotsG oder § 282, § 283 StGB verstoßen) han- den/die SachbeschädigerIn vor einem Verfahren bewah-
delt es sich um Offizialdelikte, d.h. PolizistInnen müssen ren. Jedermann kann die Beschädigung einer in seinem
sie, wenn sie diese selbst wahrnehmen, zur Anzeige Eigentum befindlichen Sache durch andere von vorn-
bringen. Da dies selten geschieht, kann man diese Be- herein gestatten oder auch nachträglich genehmigen,
schmierungen auch mittels Sachverhaltsdarstellung an was wiederum einen Rechtfertigungsgrund darstellt und
die Staatsanwaltschaft übermitteln. Da die TäterInnen die Bestrafung des/der Täters/Täterin ausschließt.
jedoch meistens unbekannt sind, dient eine solche
Anzeige oft lediglich statistischen Zwecken. Beschmierungsambulanz
Frau Z. kann eine Beschmierung bei ZARA melden. Sie
muss Inhalt und Ort möglichst genau angeben (Adresse, Durch eine Kooperation zwischen ZARA und dem Best
Straßenbahnwagennummer und Linie …). Bauunternehmer Baumeister Ing. Alexander Baumann Practice
Bei ZARA bemühen sich die beiden ehrenamtlichen steht nun das Service zur Verfügung, rassistische Be-
Mitarbeiterinnen Monika Muhr und Johanna Katzinger schmierungen kostenlos übermalen bzw. entfernen
um die Entfernung der Beschmierung. Sie dokumentieren zu lassen. Der Baumeister „derbaumann“ wendet sich
Inhalt, Ort und Art der Beschmierung und organisieren, an HauseigentümerInnen und Hausverwaltungen
wenn möglich, auch eine fotografische Dokumentation. und bietet diesen die kostenlose Übermalung oder
Je nachdem, wo die Beschmierungen angebracht wur- Entfernung von rassistischen Beschmierungen an
den, treten sie in Kontakt mit den Hausverwaltungen, der Hauswänden von Privathäusern an. Wenn Hauseigen-
Wiener Gebietsbetreuung oder den Wiener Linien. Nach tümerInnen und Hausverwaltungen ein klares Zei-
einiger Zeit erfolgt die Kontrolle, ob die Beschmierung chen gegen Rassismus setzen wollen, können sie seine
auch wirklich entfernt wurde. Ist dies nicht der Fall, muss Dienste in Anspruch nehmen, um die Hauswände
der gesamte Ablauf neuerlich beginnen. Gemeldete frei von Rassismus zu machen. Es ist eine Erste-Hilfe-
Beschmierungen gelten bei ZARA erst dann als erledigt, Maßnahme gegen rassistische Beschmierungen. Wer
wenn diese tatsächlich entfernt wurden. dieses Service nutzen will, kann per Online-Formular
Bitte melden Sie rassistische Beschmierungen an Kontakt zu „derbaumann“ aufnehmen. Siehe: www.
office@zara.or.at oder benutzen Sie das Dokumentati- zara.or.at/_doc/Informationsblatt_Beschmierungs-
onsformular unter: www.zara.or.at/kontakt/dokumen- ambulanz.pdf.
tation.
Bilder zu den ersten erfolgreichen Entfernungen
Eines Tages beschließt Frau Z., eine Beschmierung rassistischer Beschmierungen finden Sie unter:
auf einem fremden Haus zu übermalen. Sie streicht www.der-bau-mann.com/index.php?id=45.

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Polizei

Polizei
Die Polizei ist eine wesentliche Schnittstelle zwischen abgeschoben werde soll, und dass er nicht einmal
Staat und Bevölkerung. Die Menschen im Polizeiappa- seine Frau und seine beiden Kinder davon in Kennt-
rat tragen eine besonders hohe Verantwortung, denn nis setzen konnte. Der Pilot weigert sich, Herrn J.
sie sind die direkten RepräsentantInnen des staatli- gegen seinen Willen im Flugzeug zu befördern. Die
chen Gewaltmonopols und mit besonderen Rechten WEGA-Beamten müssen das Flugzeug zusammen
ausgestattet. Umso mehr sind die gewalttätigen Über- mit Herrn J. wieder verlassen.
griffe, die von den BeamtInnen ausgehen, Besorgnis • Statt Herrn J. wieder in das Schubhaftgefängnis zu-
erregend. Es soll nicht ausgeblendet werden, dass die rückzubringen, fahren sie mit ihm in eine verlas-
Aufgabe der Exekutive schwierig ist. Jeden Tag mit Ge- sene Lagerhalle, die für gewöhnlich von der WEGA
walt konfrontiert zu sein und selbst Gewalt immer als zu Übungszwecken benutzt wird. Dort wird Herr J.
das letztmögliche Mittel anzuwenden, bringt Belast- von den drei Polizisten verprügelt und dabei schwer
ungen mit sich. Es gilt aber auch zu bedenken, dass verletzt. Sie drohen ihm, ihn zu überfahren, und be-
PolizistInnen im und aus dem Kontext der österrei- schimpfen ihn rassistisch. Bakary J. wird so schwer
chischen Gesellschaft denken und handeln. Sie leben verletzt, dass er ins Krankenhaus gebracht werden
wie alle anderen Menschen auch in einer Gesellschaft, muss. Das Allgemeine Krankenhaus Wien (AKH)
in der ganz bestimmte rassistische Vorurteile vorherr- diagnostiziert um 8 Uhr 57 Prellungen am Kopf, der
schen. Alleine die Kräfte der Exekutive als Schuldige zu linken Schulter und an beiden Hüften sowie eine
sehen, greift daher zu kurz. Dass MigrantInnen immer Zerrung der Halswirbelsäule. Die Polizisten erklären
wieder im Zusammenhang mit Kriminalität genannt den Ärzten, J. sei im achten Bezirk aus dem Polizeiau-
werden, kann nicht alleine der Exekutive angelastet to geflohen und hätte sich dabei verletzt. Die Ärzte
werden. Hier spielen u.a. ebenso die bereits erwähnten notieren „Widerstand gegen die Staatsgewalt bei
Medien eine entscheidende Rolle. Sie berichten tag- Fluchtversuch“ ins Krankenblatt.
täglich über MigrantInnen in kriminellen Zusammen- • Am 13. April werden die Vorwürfe öffentlich bekannt.
hängen. PolizistInnen müssen sich in ihrer Arbeit der Die Medien berichten ausführlich und die Behörden
Herausforderung stellen, einen klaren Trennstrich beginnen zu prüfen.
zwischen der rassistischen medialen Berichterstat- • In der Zwischenzeit haben sich sowohl Herr J. als
tung und den Menschen, denen sie begegnen, zu zie- auch die beschuldigten Polizisten Anwälte genom-
hen. Die Bewältigung dieser Herausforderung wird al- men. Allerdings kommen beide Anwälte aus dersel-
lerdings durch institutionelle Rahmenbedingungen ben Kanzlei. Die Rechtsanwaltskammer erklärt dies
erschwert, da weder relevante politische Entschei- für nicht zulässig.
dungsträgerInnen noch die Exekutive als Institution • Anfang Juni wird ein Gutachten veröffentlicht. Die
selbst ein klares Bekenntnis gegen Rassismus abge- Gerichtsmedizinerin stuft die Verletzungen als „dem
ben. Eher selten werden diskriminierenden Ausweis- Grade nach schwer“ ein. Unterdessen dehnt die
kontrollen, die alleine aufgrund von vermeintlicher Staatsanwaltschaft die gerichtlichen Vorerhebungen
„ethnischer Zugehörigkeit“ getätigt werden, in der auf einen vierten Polizisten aus.
ZARA-Beratungsstelle gemeldet. Zu ZARA kommt • Am 21. Juli erhebt die Staatsanwaltschaft Wien An-
hauptsächlich, wenn das erträgliche Maß überschrit- klage gegen die vier Polizisten. Ihnen wird das Quä-
ten wurde. Wenn etwa ein Gewaltausbruch erfolgte, len eines Gefangenen zur Last gelegt. Den Polizisten
nur weil jemand nach dem Weg fragte. Die an ZARA drohen im Fall einer Verurteilung bis zu drei Jahre
gemeldeten Fälle sind oft mehr als schockierend. Haft und ab einer mehr als einjährigen Haftstrafe
Der besonders traurige und entsetzliche Höhe- auch der Amtsverlust.
punkt dieses Jahres ist der Fall von Bakary J., einem • Zum Prozessauftakt am 30. August bekennen sich
Asylwerber aus Gambia. Anhand des Geschehenen alle angeklagten Polizisten schuldig. Sie geben zu,
wird deutlich, dass nicht nur die handelnden Beam- ihren „Frust“ an dem Gambier ausgelassen zu haben.
tInnen selbst das Problem darstellen, sondern der ge- • Bereits am 31. August werden drei Angeklagte zu
samte „Justizapparat“ und auch die Innenministerin, je acht Monaten bedingter Haftstrafe verurteilt. Ein
die nicht bereit war, klar und deutlich gegen Rassis- Polizist, der die Halle aufgesperrt hatte, erhält eine
mus und rassistische Gewalt einzutreten. Über den Strafe im Ausmaß von sechs Monaten bedingt. Herrn
Fall wurde breit in den Medien berichtet. ZARA hat J. werden 3.000 Euro Schmerzengeld zugesprochen.
ihn dokumentiert. • Die Innenministerin weigert sich öffentlich, sich bei
Herrn J. zu entschuldigen. Als Begründung führt sie
• Am 7. April 2006 um 5 Uhr früh soll der Asylwerber seine Verurteilung wegen eines Drogendelikts an.
Bakary J. aus Gambia durch drei WEGA-Beamte ab- • Bereits am 16. Dezember dürfen die vier rechtskräf-
geschoben werden. Im Flugzeug informiert Herr tig verurteilten WEGA-Beamten wieder Polizeidienst
J. die Flugbegleiterin, dass er gegen seinen Willen verrichten. Die Disziplinarkommission der Wiener

25
Polizei

Polizei verhängt Geldstrafen, die Suspendierung der hat wieder starke Schmerzen. Für den jungen Beam-
Beamten wird allerdings aufgehoben. Der Entscheid ten ist das Anlass dafür, ihn jedes Mal auf den Kopf zu
ist noch nicht rechtskräftig, da sowohl der Disziplinar- schlagen. Beide beschimpfen ihn weiter mit: „Scheiß-
anwalt auf Weisung des Innenministeriums als auch ausländer“. Beim Betreten des Bezirkspolizeikommis-
die Verteidigung der Beamten dagegen berufen. sariates Donaustadt wird er von den beiden Beamten
• Der Disziplinaranwalt hat für die Entlassung der gegen den Türpfosten der Eingangstüre gestoßen und
Beamten plädiert. Der Fall geht zur Disziplinar- in eine Zelle gebracht. In Anwesenheit eines älteren
Oberkommission. Zu Redaktionsschluss des Rassis- Kommandanten wird Herr P. kurz vernommen, jedoch
mus Reports gibt es noch kein endgültiges Ergeb- nicht mehr geschlagen oder beschimpft. Kurz vor
nis. zwei Uhr kann er das Kommissariat verlassen. Der
Herr J. lebt mit seiner österreichischen Frau und zwei Kommandant gibt ihm die Dienstnummern der bei-
Kindern in Wien, kann aber weiterhin jederzeit abge- den Beamten. Am darauf folgenden Sonntag sucht
schoben werden. Er ist in Therapie, um die trauma- Herr P. wegen der Verletzungen und Schmerzen am
tischen Erlebnisse zu verarbeiten. rechten Knie, an der Hüfte, in beiden Handgelenken
und in beiden Schultern das Unfallkrankenhaus Meid-

35 Herr P. ist mexikanischer Staatsbürger. Er


arbeitet als Sanitäter in Österreich. Im Juni
ist er mit FreundInnen am Donauinselfest, die er im
ling auf. Dort werden mehrere Verletzungen festge-
stellt und er bekommt schmerzstillende Tabletten
sowie Salben verordnet. Herr P. erhält eine Strafverfü-
Gedränge verliert. Er kennt sich in Wien nicht gut gung wegen aggressiven Verhaltens gegenüber den
aus und fragt zwei Polizisten nach dem Weg zur Beamten und soll 140 Euro Strafe bezahlen.
nächstgelegenen U-Bahn-Station. Einer der Beamten ZARA erhebt Einspruch gegen die Strafe und ver-
erwidert in äußerst aggressivem Ton: „Schleich dich! fasst für Herrn P. eine Sachverhaltsdarstellung an die
Verschwind, du Scheißausländer!“ Herr P. sagt, dass Staatsanwaltschaft. Das Verfahren ist zu Redaktions-
er als Hilfesuchender nicht so behandelt werden will schluss noch offen.
und verlangt Name sowie Dienstnummer des Beam-
ten. Daraufhin sagt der andere zu ihm: „Schleich dich,
oder wir verhaften dich, du kleiner Scheißer!“ Herr P.
betont nochmals, dass die Polizei dazu da sei, Men-
36 Herr Y. ist österreichischer Staatsbürger tür-
kischer Herkunft, Heeressportler und Ver-
treter Österreichs bei zwei olympischen Spielen. Er
schen zu helfen und sagt: „Was soll das alles? Hier steht wendet sich im November 2006 an ZARA und be-
P o l i z e i! Sie sollten mir helfen!“ Auf diese Aussa- richtet Folgendes: An einem Sonntagmorgen sucht
ge hin fühlt sich der ältere Beamte offenbar angegrif- er mit seiner Frau in der Nähe seiner Wohnung etwa
fen und stößt Herrn P. auf seinen jüngeren Kollegen, eine halbe Stunde lang erfolglos einen Parkplatz. Ein
der ihn sogleich wieder zurückstößt. Die beiden pa- Wagen folgt ihnen dabei mit zwei bis drei Metern
cken ihn, reißen ihn zu Boden und fügen ihm eine Abstand. Plötzlich überholt sie der Unbekannte und
tiefe Wunde an der rechten Hand, Prellungen am lin- steigt mit einem Baseballschläger in der Hand aus sei-
ken Arm, an der rechten Hüfte und Abschürfungen an nem Auto. Herr Y. fährt zur nahe gelegenen Polizeiin-
beiden Knien zu. Einer der Beamten kniet auf seinem spektion in Wien-Margareten. Der Mann folgt ihnen.
Rücken, der andere drückt seinen Kopf mit dem Stiefel Vor der Polizei hupt Herr Y. und erklärt den Beamten,
zu Boden und es werden ihm Handfesseln angelegt. die herauskommen, dass er von dem Mann bedroht
Sie zerren ihn wieder hoch und schreien ihn dabei an: wird. Einer der Polizisten sagt zu ihm und seiner Frau:
„Beweg dich nicht, du Scheißausländer!“ Sie führen „Halten Sie das Maul und bleiben Sie im Auto, Sie
ihn zu einem Container, welcher der Polizei offenbar brauchen sich nicht in die Hose zu scheißen.“
als provisorisches Wachzimmer am Donauinselfest Die Polizei unterzieht den Mann mit dem Base-
dient. Am Weg zum Container drücken sie seine ballschläger einem Alkoholtest und stellt fest, dass er
Arme stark nach oben, dies verursacht starke Schmer- sehr betrunken ist. Die Polizei nimmt alle Personalien,
zen, Herr P. bittet sie, aufzuhören und die Fesseln auch die des Ehepaars auf. Herr Y. erkundigt sich nach
zu lockern, sie reagieren nicht. Erst ein Beamter im dem Grund und wird daraufhin beschimpft. Die Po-
Container befiehlt den beiden, die Handschellen lo- lizisten schreien „Scheiß Tschuschen“, „Kanaken“ und
ckerer zu machen. Herr P. sagt, er habe nichts getan, „Schleich dich aus Österreich!“ Zu dem Betrunkenen
und fragt, was diese Behandlung bedeute. Man sagt sagen sie: „Warum haben Sie dem da nicht dreimal
ihm: „Du kannst eh bald heimgehen.“ Wenig später auf den Schädel gehaut?“
wird er von den beiden Polizisten mit einem VW-Bus Herr Y. wendet sich auch an die Medien. Diese
ins Polizeikommissariat Donaustadt gebracht. Der äl- berichten über den Fall. Das Büro für besondere Er-
tere Beamte sitzt am Steuer, der jüngere in der zwei- mittlungen (BBE), die internen ErmittlerInnen der
ten Reihe und Herr P. in der Dritten. Während der Fahrt Wiener Polizei, leiten rasch Untersuchungen ein. Nach
wird Herr P. vom jüngeren Beamten mit der rechten den ersten drei Einvernahmen der beschuldigten
Hand am Hals gepackt und gewürgt. Herr P. bewegt Beamten erklärt das BBE: „Die vier beschuldigten Be-
sich immer wieder, um die Arme zu entlasten, denn amten sind bis zur Klärung der Vorwürfe Dienststellen
die Handschellen wurden wieder enger gezogen, er ohne Parteienverkehr zugeteilt worden. Auf Grund

26
Polizei

des Ergebnisses der bisherigen Erhebungen liegen


strafrechtlich und dienstrechtlich relevante Verdachts-
momente vor. Diskriminierende Äußerungen der Exe-
38 Herr S. und sein Freund sind georgische
Staatsbürger. Beide leben und arbeiten in
Wien. Sie werden auf der Kärntner Straße von zwei
kutivbeamten können nicht ausgeschlossen werden.“ Polizisten angehalten und aufgefordert, ihre Aus-
Am 15. Dezember sendet das BBE eine Sachver- weise vorzuzeigen. Ohne einen Grund anzugeben,
haltsdarstellung an die Wiener Staatsanwaltschaft. nehmen die Polizisten Herrn S. und seinen Freund auf
ZARA berät und betreut Herrn Y. Am 19. Dezember die Polizeistation mit. Dort werden ihre Daten in das
wird eine Beschwerde gegen die betroffenen Beam- EKIS (Elektronisches kriminalpolizeiliches Informati-
ten beim Unabhängigen Verwaltungssenat (siehe onssystem) eingegeben. Weder bei Herrn S. noch bei
„Glossar“) eingebracht. Zu Redaktionsschluss ist der seinem Freund gibt es Vermerke mit Hinweisen auf
Ausgang des Verfahrens noch offen. vorangegangene strafbare Handlungen. Die Polizisten
ärgern sich sichtlich, dass sie nicht fündig werden,

37 Herr P. ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der


Technischen Universität Graz. Er ist indischer
Staatsbürger und lebt in Österreich. Eines Abends
und beleidigen die zwei Männer: „Georgier sind doch
alle Kriminelle, Arschlöcher, Schweine und Depperte.“
Im Anschluss muss sich Herr S. einer Leibesvisitation
fährt er mit dem Fahrrad nach Hause. Am Weg wird unterziehen, bei der ein Taschenmesser gefunden
er von zwei Polizeibeamten aufgehalten, er und sein wird. Dies nehmen die Beamten zum Anlass, aus ihm
Fahrrad werden kontrolliert. Das Licht am Fahrrad einen Kriminellen zu machen. Wenige Wochen später
funktioniert nicht, weshalb er seinen Reisepass vor- muss Herr S. im Rahmen einer Führerscheinbegutach-
weisen muss. Herr P. hat diesen leider nicht dabei, tung ein psychiatrisches Gutachten einholen, da die
befindet sich aber in unmittelbarer Nähe seiner Woh- Polizisten dem Verkehrsamt mitgeteilt haben, dass
nung und bittet die Beamten, ihn dorthin zu beglei- Herr S. aggressiv sei und sich im Drogenmilieu auf-
ten, um den Pass zu holen. Statt mit ihm den Pass zu halte. Darüber hinaus werden über ihn ein Waffenver-
holen, zwingen die Beamten ihn dazu, den Inhalt sei- bot und eine Verwaltungsstrafe über 70 Euro wegen
ner Taschen auf der Straße auszubreiten und untersu- aggressiven Verhaltens verhängt. Herr S. nimmt sich
chen alles. Herr P. fragt, ob sie für eine derartige Kon- einen Anwalt, der gegen die Strafverfügung Berufung
trolle einen Durchsuchungsbefehl haben, und er fragt einlegt. Das Verfahren wird in der Folge eingestellt.
nach dem Dienstausweis der beiden, da er deren Ver- Herr S. und seine Frau wenden sich an ZARA. Sie
halten nicht versteht. Auf diese Fragen hin wird ihm möchten den Fall melden. Eine ZARA-Mitarbeiterin
von einem der Polizisten Pfefferspray in die Augen ge- klärt sie über die prinzipielle Möglichkeit einer
sprüht, der andere wirft ihn zu Boden und legt ihm Beschwerde an den Unabhängigen Verwaltungssenat
Handfesseln an. Herr P. hat den beiden Polizisten zu (siehe „Glossar“) auf. Diese Möglichkeit kann jedoch
keinem Zeitpunkt auch nur den geringsten Anlass für nicht mehr in Anspruch genommen werden, da die
ein derartig brutales Vorgehen gegeben. Zufällig be- gesetzlich vorgeschriebene Frist bereits abgelaufen
obachten zwei Zeuginnen den Vorfall und geben den ist.
Sanitätern, die gerufen worden sind, um Herrn P. ins
Krankenhaus zu bringen, ihre Namen und Adressen.
Sie sind bereit auszusagen, dass Herr P. grundlos miss-
handelt wurde. Nach der Behandlung seiner gereizten
39 Herr P., in Nigeria geboren, lebt in Wien. Er
ist österreichischer Staatsbürger. Mit seiner
österreichischen Freundin, Frau G., will er nach Nigeria
Augen durchsuchen die Polizisten sein Mobiltelefon fliegen. Das Visum ist beantragt, sie müssen aber noch
und lassen ihn schließlich frei. In der Folge wird er we- allerlei Besorgungen machen. Auf dem Weg zum Arzt,
gen Widerstands gegen die Staatsgewalt angezeigt der ihnen eine Reiseapotheke verschreiben soll, war-
und ein Verfahren eingeleitet. Die Beamten behaup- ten sie bei einer Haltestelle auf den Bus und unterhal-
ten, er hätte sie geschlagen, gebissen und gekratzt. ten sich. Plötzlich werden sie von zwei Polizeibeamten
ZARA leitet den Fall an Helping Hands Graz (http:// angesprochen. Herr P. soll sich ausweisen. Er erklärt
helpinghands.htu.tugraz.at) weiter, um eine bessere den Polizisten, dass sein Pass bei der nigerianischen
Betreuung an Ort und Stelle gewährleisten zu kön- Botschaft liegt, weil er ein Visum beantragt hat. Herr P.
nen. Herr P. nimmt sich aber einen Rechtsanwalt. fragt auch, warum man seinen Ausweis sehen möchte.
Dieser bringt eine Beschwerde beim Unabhängigen Er bekommt keine Antwort, auch seine Freundin fragt
Verwaltungssenat Steiermark (siehe „Glossar“) ein. nach und erhält ebenfalls keine Antwort, statt dessen
Herr P. bekommt Recht, das Verhalten der Beamten wird sie angeschrieen: „Halt deinen Mund! Schleich
wird als menschenrechtswidrig beurteilt. dich!“ Die Beamten bestehen darauf, einen Ausweis
Wegen der Anzeige gegen ihn muss sich Herr P. zu sehen, also will Herr P. seinen Führerschein aus der
aber vor dem Landesgericht Graz verantworten und Hosentasche nehmen. Blitzschnell packt ihn daraufhin
wird dort in erster Instanz verurteilt. Sein Anwalt legt einer der Beamten und drückt ihn gegen die Wand,
allerdings Berufung ein. Ein Urteil der zweiten Instanz der andere versucht, ihm Handschellen anzulegen.
ist noch ausständig. Herr P. wehrt sich, ruft, er sei kein Krimineller, fragt wa-
Herr P. wendet sich auch an die Medien. Es wird rum man ihn fesseln wolle. Er erhält keine Antwort, die
ausführlich über den Fall berichtet. Beamten schleudern ihn zu Boden, der eine kniet auf

27
Polizei

ihm, während der andere ihm den Kopf in den Nacken Verwaltungssenat (siehe „Glossar“). Der Vorgesetzte
reißt. Ein Polizeiwagen kommt, Herr P. wird hineinge- des aggressiven Polizisten ruft sie an und entschuldigt
zerrt und auf ein Kommissariat gebracht. Seine Freun- sich für das Verhalten seines Mitarbeiters. Er habe ein
din darf ihn nicht begleiten. Sie folgt dem Wagen zu Gespräch mit ihm geführt und ihn ermahnt. Frau W.
Fuß. Auf dem Weg zum Kommissariat wird Herr P. vom kann die Entschuldigung nicht annehmen. Sie will,
Polizisten, der das Auto lenkt, mit „Scheißneger“ und dass sich der Beamte persönlich entschuldigt. Den-
„Neger stinken“ beschimpft. Er schreit wütend zu- noch betreibt sie die Beschwerde an den UVS nicht
rück: „Und Sie fahren sicher jede Nacht in den Prater weiter, da sie das Prozesskostenrisiko im Falle des
und ficken schwarze Frauen.“ Daraufhin hält ihm der Unterliegens nicht tragen kann.
Beamte, der neben ihm sitzt, seine Waffe an den Kopf
und droht ihm: „Halt deinen Mund, sonst erschieße
ich dich.“ Herr P. verhält sich daraufhin ruhig. Vor dem
Kommissariat sagt ein dritter Beamter zu ihm: „Komm
41 Herr B., ein anerkannter Flüchtling aus
Afghanistan, der gut Deutsch spricht, und
Herr S., ein afghanischer Asylwerber, der kaum
Bimbo!“, Drinnen muss er sich von einem Amtsarzt un- Deutsch kann, fahren im Juni am Nachmittag mit der
tersuchen lassen. Der Amtsarzt teilt ihm mit, dass ihm U6. Die U-Bahn ist ziemlich voll. Sie müssen stehen.
Körperverletzung und Widerstand gegen die Staats- Ein älterer Mann, um die 60 Jahre, kommt auf Herrn S.
gewalt vorgeworfen werden. Zehn Stunden später zu. Zunächst glaubt Herr S., dass dieser vielleicht Hilfe
wird er freigelassen. Seine Freundin hat lange gewar- benötigt. Der Mann meint jedoch zu ihm und seinem
tet und ist schließlich gegangen. Man hat Hernn P. er- Freund: „Was ist mit meiner Geldbörse? Gib sie mir
kennungsdienstlich fotografiert und ihm seine Fin- zurück!“ Herr S. sagt, dass sie sein Geld nicht gestoh-
gerabdrücke abgenommen. len hätten, er könne sie durchsuchen und die Polizei
Zwei Wochen nach dem Vorfall wenden sich Herr P. rufen. Der alte Mann erwidert, dass sie die Geldbörse
und Frau G. an ZARA. Die Verletzungen an den Händen sicher schon weitergegeben hätten. Alle steigen aus.
und am Rücken sind immer noch sichtbar. ZARA ver- Die Polizei kommt. Herr B. und Herr S. können nichts
fasst wegen rechtswidriger Fesselung, rechtswid- zu den Beschuldigungen sagen, stattdessen bekom-
riger Anwendung körperlicher Gewalt, rechtswidriger men sie vor allen Schaulustigen Handschellen ange-
Festnahme und rassistischer Diskriminierung eine legt und werden von den BeamtInnen in die nächst-
Beschwerde an den Unabhängigen Verwaltungssenat gelegene Polizeiinspektion gebracht. Dort sperrt man
(siehe „Glossar“). Zu Redaktionsschluss ist das Verfah- sie in getrennte Zellen, macht von ihnen erkennungs-
ren noch nicht abgeschlossen. Vor dem Strafgericht dienstliche Fotos und nimmt ihnen die gesamte Klei-
wird Herr P. vom Vorwurf der Körperverletzung und dung ab. Schließlich werden sie in das zuständige Be-
des Widerstands gegen die Staatsgewalt freigespro- zirkspolizeikommissariat überführt. Auch dort werden
chen. sie noch immer nicht zum Vorfall befragt, aber man
durchsucht sie erneut und trennt sie wieder. Gegen

40 An einem lauen Sommerabend sitzt Frau W.


mit ihren Freundinnen, die meisten von ih-
nen kommen aus dem ehemaligen Jugoslawien und
23 Uhr kommt ein Beamter zu Herrn B. und fragt ihn,
welche Sprache Herr S. spricht. Man sagt ihm, dass
der Dolmetscher erst am nächsten Tag verfügbar ist.
leben in Wien, auf ihrem Balkon. Ihre Kinder spielen Herr B. wird nun endlich zu dem Vorfall befragt. Sei-
auf dem Spielplatz im Hof. Als lautes Schreien vom ne Aussage wird schriftlich festgehalten und er un-
Spielplatz zu hören ist, weil die Kinder streiten, ruft terschreibt sie. Danach wird er wieder in seine Zelle
Frau W., die sieht, dass ihr Neffe von anderen Kindern geführt und muss die Nacht in Verwahrungshaft am
geschlagen wird, hinunter, sie sollen aufhören. Die Kommissariat verbringen. Herr S. hingegen bekommt
Freundinnen laufen in den Hof und versuchen, den lediglich ein Informationsblatt für Festgenommene
Streit zu schlichten. Völlig unerwartet schreit jemand auf Deutsch, aber keine Information über das weitere
vom Balkon: „Kusch ihr Tschuschen, wenn ihr euch Vorgehen und kein Essen bis zum nächsten Morgen.
nicht beruhigt dann komm ich runter. Ich bin Polizist!“ Im Beisein eines Dolmetschers wird er schließlich in
Frau W. und ihre Freundinnen sind aufgebracht über der Früh vernommen. Er sagt, dass es sich um eine
das Geschrei des Polizisten außer Dienst. Der Streit falsche Beschuldigung handle. Auch seine Aussage
der Kinder geht weiter und der Polizist wird immer wird protokolliert, vom Dolmetscher übersetzt und
aggressiver. Er droht: „Ich komme runter und sperr´ von Herrn S. unterschrieben. Als die beiden am Vor-
euch ein! Geht’s am Balkan!“ Die Frauen rufen zurück, mittag entlassen werden, sagt der Beamte, der ihnen
er solle sich lieber benehmen, wie es sich für einen Po- ihre Kleidung zurückgibt: „Ihr seid’s eh nur nach Öster-
lizisten gehöre. Der Mann beschimpft sie aber weiter: reich gekommen, um Diebstähle zu begehen.“ Herr B.
„Schleicht’s euch, ihr Tschuschen. Streitet´s am Balkan, versucht, ihm zu widersprechen, hat aber keine Kraft
aber net in Österreich.“ Schließlich kommt die Polizei und keinen Mut für Diskussionen. Die Strafverfahren
und nimmt den Vorfall auf. werden von der Staatsanwaltschaft rasch eingestellt.
Frau W. wendet sich an ZARA und fragt, was sie ZARA stellt einen Antrag auf Löschung der bei der
gegen den Polizisten unternehmen könne. ZARA Verhaftung angefertigten Fotos und bringt für Herrn
verfasst eine Beschwerde an den Unabhängigen B. eine Richtlinienbeschwerde beim Unabhängigen

28
Polizei

Verwaltungssenat (siehe „Glossar“) ein. Beim darauf dem er sich von einer Parkbank hätte fallen lassen.
folgenden Klaglosstellungsgespräch bei der Bundes- Mit einem Anwalt erhebt er gegen die Vorwürfe Ein-
polizeidirektion Wien wird seitens der Polizei zwar da- spruch.
rauf bestanden, dass die Festnahme auf rechtlicher Er meldet ZARA den Fall zur Beobachtung und Do-
Ebene korrekt war, dass jedoch trotzdem die Richt- kumentation. Die Verfahren sind zu Redaktionsschluss
linien für das Einschreiten der Organe des öffent- nicht abgeschlossen.
lichen Sicherheitsdienstes, insbesondere das Gebot
der Unvoreingenommenheit durch die betroffenen
BeamtInnen, verletzt wurden. Die BeamtInnen wer-
den von der Dienstbehörde zu Gesprächen geladen
43 Herr I. meldet folgenden Fall zur Dokumenta-
tion. Seine Freundin kommt aus der Slowakei
und parkt am Abend ihr Auto mit slowakischem Kenn-
und zur Einhaltung der Bestimmungen der Richtlinie zeichen im 15. Wiener Gemeindebezirk. Am nächsten
ermahnt. Herr B. und sein Freund sind mit dem Ge- Morgen hat sie einen Vorstellungstermin und ist des-
sprächsausgang zufrieden. wegen sehr in Eile. Als sie zu ihrem Auto kommt, sieht
sie, dass die Polizei, trotzdem es vorschriftsmäßig

42 Herr Dr. S. ist ägyptischer Herkunft, lebt seit


über 20 Jahren in Österreich und war Mitar-
beiter des Projekts „Polizei und Afrikaner“. Im Sommer
geparkt ist, eine Parkkralle, eine am Autoreifen befes-
tigte schlossgesicherte Blockierung, die ein Weg-
fahren des Autos verhindert, montiert hat. Sie kann
schlagen ihn zwei Jugendliche auf einem Straßenfest nicht rechtzeitig zu ihrem Termin fahren und muss
in Stammersdorf brutal zusammen. Danach rennen zur nächstgelegenen Wachstube gehen. Dort be-
die beiden weg. Als Herr Dr. S. ihnen später wieder schwert sie sich und eine Beamtin begleitet sie zu ih-
begegnet, ruft er die Polizei. Herr Dr. S. stellt sich vor rem Auto. Diese bestätigt, dass keine Gesetzesüber-
und will erläutern, warum er den Notruf gewählt hat. tretung vorliegt und sagt, dass ihr Kollege Slowaken
Die BeamtInnen fragen jedoch: „Ist das ein gekaufter nicht möge. Herr I. und seine Freundin verzichten auf
Titel?“ Herr S. zeigt auf die Jugendlichen und erzählt, weitere rechtliche Schritte.
was passiert ist. Die PolizistInnen halten die Jugend-
lichen fest und nehmen von allen dreien die Persona-
lien auf. Vor ihnen wird Herr S. von den Jugendlichen
rassistisch beschimpft. Er fordert die BeamtInnen auf,
44 Frau E. berichtet, dass sie im September we-
gen eines Wildschweins einen Verkehrsun-
fall gehabt habe. Als sie den Unfall bei einer Wiener
etwas dagegen zu unternehmen; diese sehen jedoch Polizeiinspektion meldet, beobachtet sie, wie man zu
tatenlos zu. Sie reagieren auch nicht, als einer der Ju- einem jungen Mann wegen eines Verstoßes gegen
gendlichen Dr. S. stößt und er auf den Boden fällt. Ein das Ausländerbeschäftigungsgesetz sehr unfreund-
Beamter meint lediglich lakonisch: „Was machen Sie lich ist. Die BeamtInnen fragen ihn nach seiner Wohn-
eigentlich noch hier. Fahren Sie endlich nach Hause!“ adresse. Er sagt, dass er seit zwei Jahren in einem Ca-
Herr S. ist aufgebracht darüber, dass die PolizistInnen ritasheim wohne. Beim Wiederholen der Angaben des
nichts tun, um ihm zu helfen. Selbst als er sie bittet, jungen Mannes sagt der Beamte: „Ihr gehört’s doch
die Rettung zu holen, weigern sie sich. Sie fragen ihn alle vergast!“ Frau E. spricht den Beamten, der ihre
stattdessen: „Wie lange sind Sie schon in Österreich? Meldung aufnimmt, auf das Verhalten seines Kollegen
Seit 20 Jahren? Dann wäre es besser, dass Sie wieder in an. Der meint, sein Kollege habe lediglich privaten
Ihre Heimat zurückfahren. Dort werden Sie die nächs- Stress.
ten 20 Jahre besser leben.“ Herr Dr. S. ruft die Rettung Frau E. wendet sich mit ZARA an die vorgesetzte
selbst. Sie kommt und bringt ihn ins Spital. Dort wer- Dienstelle des Beamten. In der Folge entschuldigt er
den mehrere schwere Prellungen im Gesicht festge- sich schriftlich bei ihr und gibt nun offiziell „privaten
stellt und er wird wegen Verdachts auf Kieferbruch Stress“ als Grund für sein Verhalten an.
untersucht. Er beschwert sich in den darauf folgenden
Tagen beim Wiener Polizeipräsidenten. Dieser gibt
ihm einen Termin im Büro für besondere Ermittlungen.
Herr S. schildert den Sachverhalt einem Beamten und
45 Frau A., eine junge Sozialarbeiterin, geht im
Jänner abends bei der U-Bahn-Station Land-
straße an einem Zeitungsverkäufer, der seine Ware am
lässt ein Protokoll anfertigen. Informell erfährt er dort, Boden ausgelegt hat, vorbei. Sie sieht, wie vier Skin-
dass die BeamtInnen den Vorfall in ihrem Protokoll heads auf die sorgfältig geschlichteten Zeitschriften
ganz anders schildern. Konkretes darf ihm aber noch urinieren und sie mit den Füßen durchwühlen und
nicht mitgeteilt werden. Beim Amtsarzt werden die zerreißen. Frau A. schreit die vier erschrocken aber
Verletzungen protokolliert. Einige Tage später erhält couragiert an: „Seid ihr wahnsinnig? Was macht ihr
Herr S. wegen Verletzung des öffentlichen Anstandes, denn da?“ Die Skinheads grölen im Chor: „Deutsch-
Lärmerregung und Behinderung einer Amtshandlung National“, bespucken sie und beschimpfen sie als
eine Strafverfügung über 310 Euro. Man wirft ihm vor, „Ausländerfickerin“. Unzählige Menschen gehen an
er hätte sich wie ein Rumpelstilzchen benommen, dieser Szene vorbei. Frau A. fühlt sich allein gelassen,
wäre herumgehüpft, hätte geschrieen, die Beamten hat Angst und ist den Tränen nahe. Endlich kommt ein
beleidigt, eine Beamtin gar als Polizeihure beschimpft Polizeiwagen. Zwei Polizisten steigen aus, der jüngere
und hätte eine angebliche Attacke vorgetäuscht, in- der beiden Polizisten spricht mit Frau A. und versucht

29
Polizei

zu verstehen, was los ist. Sie schildert den Vorfall und bin!“ Die Beamten sehen seine Reaktion als An-
möchte, dass die Beamten etwas gegen die Skinheads griff und drohen ihm an, ihn festzunehmen, wenn
unternehmen. Diese nehmen sie aber nicht ernst. Ei- er sich nicht beruhige. Herr G. erwidert: „Ich habe
ner der Männer bespuckt Frau A. vor der Polizei, die an- nichts getan, warum wollen Sie mich festneh-
deren beschimpfen sie weiterhin. Ein Polizist versucht, men.“ Einer der Beamten meint: „Ihr Schwarzen
die Skinheads zu beschwichtigen. Ihre Daten werden führt doch immer was im Schilde, wir werden
aber nicht aufgenommen. Frau A. ist fassungslos. Sie schon was finden!“ Er kommt auf Herrn G. zu,
ist besonders schockiert über das Verhalten der Be- verdreht ihm den Arm hinter den Rücken. Er wird
amten, aber auch über die mutlosen PassantInnen. zu Boden geworfen und es werden ihm Handfes-
Sie lädt den Zeitungsverkäufer, der sich die ganze Zeit seln hinter seinem Rücken angelegt. Ein Beamter
aus Angst versteckt hat, zu sich nach Hause auf einen schlägt ihm auf den Kopf und schreit „Jetzt siehst
Tee ein, wo sich die beiden von dem Vorfall erholen. du, was du davon hast, du depperter Neger!“ Herr
Um 2 Uhr früh geht Frau A. zu einer Polizeiinspektion G. wehrt sich in keiner Weise gegen die Festnah-
im dritten Wiener Gemeindebezirk, um Anzeige zu er- me. Einer der Beamten informiert Kollegen, die
statten. Die BeamtInnen wollen ihr erst die Türe nicht kurze Zeit später mit einem Einsatzwagen eintref-
öffnen, als sie es schließlich doch tun, teilen sie Frau A. fen. Zwei ZeugInnen beobachten den Vorfall und
mit, dass sie nichts machen würden, da sie nicht nach können Herrn G. in einem ruhigeren Moment eine
den Dienstnummern gefragt oder sich das Autokenn- Visitenkarte zustecken. Auf die Frage, ob eine/r
zeichen gemerkt habe. Frau A. insistiert aber und so der ZeugInnen Herrn G. als Vertrauensperson be-
nehmen die BeamtInnen eine Strafanzeige gegen un- gleiten kann, meint einer der Beamten, dass dies
bekannte Täter wegen Sachbeschädigung auf. nicht möglich sei. Herr G. wird schließlich auf das
Frau A. will den Vorfall dokumentiert wissen. Der zuständige Polizeikommissariat gebracht. Dort
Zeitungsverkäufer will nichts weiter unternehmen. wird er von einem Polizeijuristen einvernommen.
Er muss seine Aussage unterschreiben und wird
Die eigenen Rechte kennen schließlich mit der Ankündigung, dass er eine
Anzeige bekommen werde, entlassen. Einige Tage
Polizei später erhält Herr G. eine Strafverfügung wegen
„aggressiven Verhaltens gegenüber einem Organ
1. Der nigerianische Staatsbürger Herr G. wird auf der öffentlichen Aufsicht“ gemäß § 82 Sicherheits-
der Straße, kurz nachdem er sein Wohnhaus ver- polizeigesetz über 72 Euro. Eine Woche später teilt
lassen hat, von zwei Polizisten aufgehalten. „Aus- ihm die Staatsanwaltschaft Wien mit, dass ge-
weiskontrolle!“ Herr G. erklärt den Beamten, dass gen ihn ein Verfahren wegen Widerstands gegen
er seinen Ausweis leider nicht dabei habe, ihn die Staatsgewalt gemäß § 269 Strafgesetzbuch
aber gleich von zu Hause holen könne. Einer der eingeleitet wurde.
Beamten erwidert: „Das interessiert mich nicht!
Du musst aufs Revier mitkommen!“ Herr G. fragt Zur allgemeinen Zulässigkeit von
den Beamten, was er denn verbrochen habe und Identitätsfeststellungen und Festnahmen
ersucht ihn, ihn nicht mit dem „Du-Wort“ anzu- § 35 Sicherheitspolizeigesetz (SPG) setzt die Grenzen
sprechen. Der Beamte erwidert: „Aha, frech auch für die Zulässigkeit von Identitätsfeststellungen. Wenn
noch, jetzt nehmen wir dich mit!“ Herr G. wird aufgrund bestimmter Tatsachen anzunehmen ist, dass
zunächst an Ort und Stelle durchsucht, dann jemand im Zusammenhang mit einem „gefährlichen
muss er den Beamten zur nächsten Polizeiinspek- Angriff“ (grundsätzlich sind damit gerichtlich strafbare
tion folgen. Dort wird Herr G. zunächst fotogra- Handlungen gemeint) steht, über einen solchen Angriff
fiert. Einer der Beamten überprüft seine Daten Auskunft erteilen kann oder sich an einem Ort aufhält,
im Computer. Da nach kurzer Zeit feststeht, dass an dem sich Straftaten ereignen oder StraftäterInnen
Herr G. unbescholten ist, wird er wieder freigelas- verbergen, ist er verpflichtet, an einer solchen Identitäts-
sen, ohne dass sich jemand für diese für Herrn G. feststellung mitzuwirken. Somit sind sowohl mutmaß-
unbegründete Festnahme entschuldigt. Er fragt liche TäterInnen als auch ZeugInnen einer strafbaren
nach der Dienstnummer der Beamten, woraufhin Handlung zur Mitwirkung an der Feststellung ihrer
diese ihm mitteilen, dass ihn die Dienstnummern Identität verpflichtet. Sie müssen Name, Geburtsdatum
„nichts angehen“ würden. und Wohnanschrift bekannt geben und diese Daten,
wenn dies im Hinblick auf die vom jeweiligen Anlass
2. An einem der nächsten Tage gerät Herr G. wieder gebotene Verlässlichkeit notwendig ist, auch durch Ein-
in eine Ausweiskontrolle. Herr G. hat diesmal sei- sichtnahme in Ausweispapiere, etc. nachweisen. Einer
nen Ausweis dabei. Da dies aber schon der zweite Straftat Verdächtige können gemäß § 175 der Strafpro-
Vorfall dieser Art binnen kurzer Zeit ist, beschwert zessordnung festgenommen werden, wenn sie z.B. auf
er sich bei den Beamten: „Es ist immer das gleiche, „frischer Tat ertappt“ werden. Der/die Verdächtige muss
Sie kontrollieren mich doch nur, weil ich Afrikaner binnen 48 Stunden enthaftet oder dem zuständigen

30
Polizei

Gericht (Untersuchungsrichter) vorgeführt werden. lung Betroffenen seine/ihre Rechte mitzuteilen und der
Das Fremdenpolizeigesetz 2005 (FPG) sieht vor, dass Zweck des Einschreitens bekannt zu geben, es sei denn
nicht-österreichische StaatsbürgerInnen ein Reisedoku- dieser wäre offensichtlich oder dies würde die Aufgaben-
ment zum Nachweis ihres rechtmäßigen Aufenthaltes erfüllung gefährden.
bei sich führen oder an einem Ort verwahren müssen, § 7 der RLV sieht vor, dass Personen, die das Recht auf
von dem sie es ohne unverhältnismäßige Verzögerung Information oder Beiziehung einer Vertrauensperson
(innerhalb einer Stunde) holen können (§ 32 FPG). „Frem- oder eines Rechtsbeistandes haben, über ihre diesbezüg-
de“ im Sinne des FPG müssen sich auch Identitätsfeststel- lichen Rechte informiert werden müssen.
lungen unterziehen, wenn etwa der Verdacht besteht, Nach § 9 der RLV haben BeamtInnen von einer Amts-
dass sie sich rechtswidrig im Bundesgebiet aufhalten handlung betroffenen Personen auf deren Verlangen
(§ 34 FPG). Sollte ein/e „Fremde/r“ der Verpflichtung zur ihre Dienstnummer bekannt zu geben. Diese sollte, wenn
Mitsichführung eines Reisedokumentes nicht nachkom- möglich, auf einem Kärtchen übergeben werden.
men, kann auch eine Festnahme ausgesprochen werde. Festgenommene Personen sowie Personen, die einer
Die Haft darf diesfalls grundsätzlich maximal 24 Stun- Straftat verdächtig sind und bei denen anzunehmen
den dauern (§ 39 FPG). ist, dass sie einen Gegenstand bei sich tragen, von dem
Aus § 35 Verwaltungsstrafgesetz (VStG) ergibt sich, Gefahr ausgeht, können gemäß § 40 SPG durchsucht
dass Personen, die „auf frischer Tat“ bei einer Verwal- werden.
tungsübertretung ertappt werden, sich ebenfalls einer Das Anfertigen von Fotos gehört zur erkennungs-
Identitätsfeststellung unterziehen müssen. Sollte dies dienstlichen Behandlung (§ 64 ff SPG). Der/die Betrof-
vor Ort nicht möglich sein, kann auch hier eine Festnah- fene, der/die unter dem Verdacht steht, eine gerichtlich
me ausgesprochen werden. Die Anhaltung in Polizeige- strafbare Handlung begangen zu haben, hat Auskunft
wahrsam darf nicht länger als 24 Stunden dauern (§ 36 darüber zu erhalten, warum er/sie erkennungsdienstlich
Abs 1 VStG). behandelt wird und hat unter bestimmten Vorausset-
In jedem Fall muss dem/der Festgenommenen mit- zungen auch Anspruch auf Löschung dieser Daten.
geteilt werden, welcher Vorwurf gegen ihn/sie erhoben Jede/r Festgenommene hat das Recht, eine Vertrau-
wird. Die Festnahme muss ausdrücklich ausgesprochen ensperson oder einen Rechtsbeistand zu verständigen.
werden. Bei der Einvernahme wegen einer gerichtlich zu ahn-
§ 29 SPG normiert den so genannten Verhältnismä- denden Straftat kann jedoch weder die Vertrauensper-
ßigkeitsgrundsatz. Demnach sind unter anderem von son noch der Rechtsbeistand anwesend sein. Nur bei
mehreren zielführenden Befugnissen jene anzuwenden, Einvernahmen im Rahmen von Verwaltungsstrafverfah-
die voraussichtlich den/die Betroffene/n am wenigsten ren ist die Anwesenheit einer Vertrauensperson und/oder
beeinträchtigen, und es ist auf die Schonung der Rech- des Rechtsbeistandes möglich.
te und schutzwürdigen Interessen des/der Betroffenen
Bedacht zu nehmen. Der angestrebte Erfolg muss in Was kann Herr G. im ersten Fall unternehmen?
einem vertretbaren Verhältnis zu den zu erwartenden Da Herr G. kein österreichischer Staatsbürger ist, haben
Schäden und Gefährdungen stehen. PolizeibeamtInnen grundsätzlich die Befugnis zu über-
Rechte und Pflichten von beamtshandelten Personen prüfen, ob er zum Aufenthalt in Österreich berechtigt ist.
und Festgenommenen: Herr G. hat seine Unterlagen zwar nicht bei sich, jedoch
Jede beamtshandelte Person ist auf Verlangen vom hätten ihm die Beamten gestatten müssen, seine Doku-
Zweck des Einschreitens zu informieren und kann der mente aus der unmittelbar am Ort der Amtshandlung
Amtshandlung eine Person ihres Vertrauens hinzuziehen gelegenen Wohnung zu holen.
(§ 30 SPG). Dies gilt jedoch nicht, wenn dadurch die Erfül- Die Aufforderung, mit aufs Revier zu kommen, muss
lung der Aufgabe durch die einschreitenden BeamtInnen als Festnahme angesehen werden, für die jedoch die not-
gefährdet wäre. wendigen Rechtsgrundlagen fehlen. Auch die Personen-
Gemäß § 31 SPG wurden vom Bundesminister für durchsuchung und die Anfertigung der Fotos sind somit
Inneres Richtlinien für das Einschreiten der Organe des rechtswidrig.
öffentlichen Sicherheitsdienstes (Richtlinienverordnung Durch das Ansprechen mit dem „Du-Wort“ und die
- RLV) erlassen. Weigerung, die Dienstnummer bekannt zu geben, ha-
§ 5 der RLV besagt unter anderem, dass Polizei- ben die Beamten gegen die Richtlinienverordnung ver-
beamtInnen alles zu unterlassen haben, das geeignet stoßen.
ist, den Eindruck von Voreingenommenheit zu erwecken Wenn sich Herr G. an ZARA wendet, kann ZARA für
oder als Diskriminierung aufgrund des Geschlechtes, der ihn aufgrund der rechtswidrigen Festnahme, Perso-
nationalen oder ethnischen Herkunft, der Religion oder nendurchsuchung und Anfertigung der Fotos binnen
der sexuellen Orientierung empfunden werden kann. sechs Wochen eine Maßnahmenbeschwerde beim Un-
Weiters haben BeamtInnen alle Menschen, bei denen abhängigen Verwaltungssenat (siehe „Glossar“) ein-
dies üblich ist oder die dies verlangen, mit „Sie“ anzu- bringen, da er durch die „Ausübung unmittelbarer
sprechen. sicherheitsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt“
Gemäß § 6 der RLV sind dem/der von der Amtshand- in seinen subjektiven Rechten verletzt worden ist. ZARA

31
Polizei

kann in diesem Fall auch die Vertretung vor dem UVS enverletzung verneint wird oder diese Mitteilung binnen
übernehmen. drei Monaten nach Einbringung der Beschwerde nicht
Mittels so einer Maßnahmenbeschwerde kann nicht erstattet wird, dann kann der/die BeschwerdeführerIn
nur Beschwerde gegen einen Verstoß gegen die Vor- binnen 14 Tagen die Entscheidung des UVS verlangen.
schriften des Sicherheitspolizeigesetzes, sondern auch Der UVS hat dann in einem Verfahren wie bei einer
gegen einen Verstoß gegen verfassungsgesetzlich ge- Maßnahmenbeschwerde festzustellen, ob die Richtlinie
währleistete Rechte (z.B. Verbot der Folter und der verletzt wurde. Hinsichtlich der Konsequenzen für die
unmenschlichen oder erniedrigenden Behandlung ge- BeamtInnen gelten die oben gemachten Ausführungen
mäß Art 3 der Europäischen Menschenrechtskonven- zur Maßnahmenbeschwerde.
tion (EMRK), Recht auf Achtung des Privat- und Famili- Im Fall von Herrn G. wird aufgrund des Umstandes,
enlebens gemäß Art 8 EMRK, Bundesverfassungsgesetz dass eine Richtlinienbeschwerde für das Ansprechen
über den Schutz der persönlichen Freiheit) oder gegen mit dem „Du-Wort“, die rassistische Diskriminierung und
andere einfachgesetzlich zukommende Rechte, die Po- das Nichtbekanntgeben der Dienstnummer eingebracht
lizeibeamtInnen bei Amtshandlungen wahren müssen, und gleichzeitig ein Maßnahmenbeschwerdeverfah-
eingebracht werden. Das Verfahren ist einem Gerichts- ren eingeleitet wurde, ein Klaglosstellungsversuch wohl
verfahren ähnlich. Unabhängige UVS-RichterInnen nicht unternommen werden. Sollte die BPD den Richtli-
entscheiden, ob das Einschreiten der PolizistInnen nienverstoß nicht feststellen, werden beide Beschwerden
rechtswidrig war, ein Zuspruch von Schadenersatz für gemeinsam vor dem UVS behandelt werden.
das Opfer von rechtswidrigem Polizeihandeln ist nicht Hinsichtlich der von den Beamten angefertigten Fotos
vorgesehen. GegnerInnen in diesen Verfahren sind die kann Herr G. die Löschung dieser erkennungsdienst-
den BeamtInnen übergeordneten Dienststellen wie z.B. lichen Daten gemäß § 74 SPG beantragen, sollten diese
die Bundespolizeidirektion Wien. Die einzelnen Beam- nicht wie in § 73 SPG vorgesehen mangels gesetzlicher
tInnen sind Auskunftspersonen, die vom Erkenntnis des Voraussetzung von Amts wegen gelöscht worden sein.
UVS jedoch nicht unmittelbar betroffen sind. In Einzelfäl-
len sind anschließend an ein UVS-Verfahren disziplinar- Was kann Herr G. im zweiten Fall unternehmen?
rechtliche Konsequenzen für die BeamtInnen möglich. Auch in diesem Fall verletzten die BeamtInnen durch die
Der/die Betroffene hat auf ein solches polizeiinternes unbegründet brutale Festnahme, die Beschimpfungen
Disziplinarverfahren jedoch keinen Einfluss. Im Falle, und das Anlegen der Handfesseln Herrn G. in seinen
dass der UVS feststellt, dass das Einschreiten der Beam- subjektiven Rechten. Die Beamtinnen sind sichtlich vor-
tInnen nicht rechtswidrig war, muss der/die Beschwer- eingenommen und diskriminieren Herrn G. aufgrund
deführerIn die Kosten für das Verfahren übernehmen (im seiner Herkunft, wie sich an ihren Aussagen erkennen
Regelfall 600 – 700 Euro). lässt, und sprechen ihn wieder mit dem „Du-Wort“ an.
Wegen der Verstöße gegen die Richtlinien für das Hierbei handelt es sich um klare Verstöße gegen die
Einschreiten der Organe des öffentlichen Sicherheits- Richtlinienverordnung. Herr G. kann mit Hilfe von ZARA
dienstes (Richtlinienverordnung-, RLV) kann Herr G. sich wieder eine UVS-Beschwerden einbringen.
ebenfalls mit Hilfe von ZARA gemäß § 89 SPG binnen ZARA wird in diesem Fall Herrn G. aber nicht nur vor
sechs Wochen an den UVS wenden. Der UVS hat diese so dem UVS vertreten. Hinsichtlich der Verwaltungsstrafe
genannte Richtlinienbeschwerde zunächst derjenigen wegen „aggressiven Verhaltens gegenüber einem Or-
Behörde zuzustellen, die die Aufsicht über die jeweilig gan der öffentlichen Aufsicht“ ist eine Berufung an den
eingeschrittenen BeamtInnen hat. Dies wäre im vorlie- UVS möglich, der auch über die Rechtmäßigkeit von Ver-
genden Fall die Bundespolizeidirektion Wien (BPD). Nach- waltungsstrafen und die Angemessenheit der Strafhöhe
dem die BPD ihrerseits den Sachverhalt durch Befragung entscheidet. Da Herr G. sich nicht aggressiv verhalten
oder laut Meldung der betroffenen BeamtInnen ermittelt und so die Amtshandlung in keiner Weise behindert hat,
hat, hat sie nun dem/der BeschwerdeführerIn schriftlich was darüber hinaus von zwei ZeugInnen bestätigt wer-
mitzuteilen, ob eine Verletzung der RLV vorliegt. Die BPD den kann, sind die Chancen auf eine Aufhebung der Stra-
hat aber auch die Möglichkeit, eine Aussprache zwischen fe und eine Einstellung des Verfahrens gut. Überdies sieht
den betroffenen BeamtInnen und dem/der Beschwerde- § 85 SPG vor, dass Personen, die sich wegen derselben
führerIn zu ermöglichen. Ist die betroffene Person mit Tat auch vor Gericht verantworten müssen, nicht nach
dem Verlauf und dem Ergebnis dieses so genannten § 83 SPG bestraft werden können.
„Klaglosstellungsgespräches“ zufrieden, dann ist das Bezüglich der Strafanzeige wegen „Widerstands
Richtlinienbeschwerdeverfahren mit der schriftlichen gegen die Staatsgewalt“ gemäß § 269 StGB wird sich
Erklärung des/der Beschwerdeführer/in, nun klaglos ge- Herr G. vor einem (Landes-)Gericht verantworten müssen,
stellt worden zu sein, beendet und die BPD braucht sich das eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren verhängen
nicht mehr zum Vorfall zu äußern. Ist die betroffene Per- kann. Der Vorwurf lautet, dass sich Herr G. „aktiv“, das
son mit dem Gesprächausgang nicht zufrieden, z.B. weil bedeutet z.B. mit gezielten Schlägen oder Tritten, gegen
die BeamtInnen ihr Fehlverhalten nicht einsahen, dann die Amtshandlung oder seine Verhaftung gewehrt hat.
muss die BPD obige schriftliche Erklärung zum Vorlie- Ein bloßes „passives“ Erschweren der Amtshandlung,
gen einer Richtlinienverletzung verfassen und zustellen. wie z.B. durch ein „Versteifen“, welches das Anlegen der
Wenn in dieser Mitteilung das Vorliegen einer Richtlini- Handfesseln erschwert hat, oder durch den Versuch, sich

32
Polizei

dem Griff der BeamtInnen zu entwinden, reicht für eine Verfahren nicht mehr erwarten, als den Ausspruch
Verurteilung wegen § 269 StGB nicht aus. darüber, ob Gesetze oder eine Richtlinie verletzt wur-
Wenn sich Herr G. keinen Rechtsanwalt leisten kann, den oder nicht. Finanzieller Schadenersatz ist nur sehr
hilft ZARA ihm bei der Beantragung eines/r Verfahrens- eingeschränkt und in einem gesonderten Amtshaf-
hilfeverteidigers/in, der/die ihn kostenlos vertritt, der/die tungsverfahren unter weiterem Prozesskostenrisiko
ihm aber ohne Auswahlmöglichkeit von der Rechtsan- möglich. Wer dennoch die Unannehmlichkeiten all
waltskammer zugewiesen wird. Sollte Herr G. sich einen dieser Verfahren auf sich nimmt, sollte ernst genom-
Rechtsanwalt leisten können, ist er besser beraten, sich men werden und auch eine faire Möglichkeit bekom-
von einem kostenpflichtigen Anwalt seines Vertrauens men, seine Anliegen vorzubringen.
vertreten zu lassen. Einen Teil der Rechtsanwaltskos-
ten kann Herr G. im Falle seines Freispruches erstattet • Richtlinien- und Maßnahmenbeschwerden dienen
bekommen. der Durchsetzung elementarer menschenrechtlicher
Im Verfahren selbst werden Herr G., seine beiden Ansprüche und sollten daher kostenfrei abgewickelt
ZeugInnen und die eingeschrittenen BeamtInnen vom werden.
Gericht befragt. Oft ist es so, dass den Angaben des
Beschuldigten – wegen der erdrückenden Vielzahl von • Eine Verknüpfung der UVS-Feststellung über eine
gleichen Aussagen seitens der Polizei – nicht geglaubt Verletzung der Richtlinienverordnung, des SPG und/
wird. Unter Verweis auf den Amtseid wird den Aussagen oder der EMRK mit schadenersatzrechtlichen Konse-
von BeamtInnen in solchen Verfahren ein höherer Grad quenzen.
an Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit beigemessen
als jenen des Übergriffsopfers. Selbst Ungereimtheiten • Führung des Verfahrens vor dem UVS als Menschen-
in den Aussagen werden allzu oft mit diesem Argument rechtsverfahren, das die Verantwortlichkeit des
einfach weggewischt. Da Herr G. aber zwei unabhän- Staates für die Handlungen seiner Organe, unabhän-
gige ZeugInnen vorweisen kann, sind auch hinsichtlich gig von der individuellen Verantwortlichkeit der Be-
des Strafverfahrens die Chancen auf einen Freispruch amtInnen, zum Inhalt hat. Das ermöglicht und erfor-
gut. Bei einer Verurteilung wird Herr G. wohl zu einer dert eine Beweislastumkehr im Verfahren.
bedingten Freiheitsstrafe im Ausmaß von drei bis sechs
Monaten verurteilt werden. „Bedingt“ bedeutet, dass Angesichts der oftmaligen Konflikte rund um die
Herr G. die Strafe nicht antreten muss, wenn er sich in Einholung der Dienstnummern einschreitender Be-
einer Probezeit von zumeist drei Jahren keine gleichge- amtInnen bzw. angesichts der Unmöglichkeit dieser
lagerte Straftat zu Schulden kommen lässt. Herr G. hat Einholung fordert ZARA, dass PolizeibeamtInnen ihre
überdies die Möglichkeit, gegen die Verurteilung zu be- Dienstnummer für alle klar sichtbar an der Uniform
rufen. In diesem Fall entscheidet das Oberlandesgericht tragen. Das sichtbare Tragen der Dienstnummer auf
(OLG) endgültig darüber, ob Herr G. die Tat tatsächlich der Uniform ist etwa in den USA aber auch in Polen
begangen hat oder ob er freizusprechen gewesen wäre. oder Slowenien gelebter Standard.
Das OLG kann die Strafe auch verringern. Für den Fall, Die Zusammensetzung der Exekutivkräfte spiegelt
dass die Staatsanwaltschaft von ihrem Berufungsrecht derzeit nicht die multiethnische Zusammensetzung
Gebrauch macht, kann die Strafe auch erhöht werden. der österreichischen Gesellschaft wider. Insbeson-
Sollte sich im Verfahren herausstellen, dass die An- dere in Großstädten, wo ein großer Teil der Bevöl-
gaben der BeamtInnen, die zu einer Strafverfolgung von kerung nicht-österreichischer Herkunft lebt, könnte
Herrn G. geführt haben, nicht der Wahrheit entsprechen, der Einsatz „interkultureller Polizeiteams” deeskalie-
wird Herr G. nicht nur freigesprochen werden, sondern rend wirken und auch BeamtInnen vor vorschnellen
die Staatsanwaltschaft wird möglicherweise ein Straf- rassistischen Anschuldigungen schützen. Um einer
verfahren gegen die BeamtInnen einleiten, da sie durch multikulturellen und offenen Gesellschaft ge-
ihre Falschangaben jedenfalls das Delikt der „falschen recht werden zu können, fordern wir die verstärkte
Beweissaussage vor Gericht“ gemäß § 288 StGB, das Rekrutierung von BeamtInnen aus diskriminierten
Delikt der „Verleumdung“ gemäß § 297 StGB und mög- Gruppen.
licherweise das Delikt des „Missbrauchs der Amtsgewalt“ Der Beruf eines/einer PolizistIn ist psychisch be-
gemäß § 302 StGB begangen haben. lastend. BeamtInnen müssen oft dort vermittelnd
eingreifen, wo unterschiedliche Positionen anei-
ZARA-Forderungen nander geraten und andere Mechanismen bereits
versagt haben. Wir fordern verbesserte Schulungen
Opfer von rassistischen Polizeiübergriffen, die sich in angewandter und anwendbarer Streitschlich-
beim zuständigen Unabhängigen Verwaltungssenat tung und verstärkte psychologische Begleitung von
(UVS) beschweren wollen, tragen ein beträchtliches BeamtInnen auf der Ebene der Supervision. Diese
Kostenrisiko. Sie stehen meist mit ihrer Aussage meh- Maßnahmen sollten allerdings nicht erst dann ergrif-
reren gegenteiligen Aussagen seitens der beteiligten fen werden, wenn bereits die Auswirkungen der belas-
PolizistInnen gegenüber und können sich von dem tenden Tätigkeit sichtbar geworden sind.

33
Sonstige Behörden und öffentliche Institutionen

Sonstige Behörden und


öffentliche Institutionen
Häufig treten uns Menschen nicht als unabhängiges man über die Verwendung von „Neger“ oder „Nigger“
Individuum, sondern als VertreterInnen bestimmter eine Dissertation schreiben könne. Die Aussagen des
Institutionen oder Behörden gegenüber. Umgekehrt Beraters wären nicht gegen Frau D. gerichtet gewe-
treffen wir in vielen Situationen unseres Lebens auf sen. Mit ihrer Beschwerde würde sie nur sich selbst
Institutionen wie Kindergarten, Schule, Universität, schaden. Zudem seien ihre Anschuldigungen nicht
magistratisches Bezirksamt oder das Arbeitsmarkt- beweisbar, da Aussage gegen Aussage stehe.
service, in denen Menschen als Individuen agieren. Frau D. ist erschüttert, wie wenig Sensibilität es
Diese Menschen tragen einerseits mehr Verantwor- für das Problem Rassismus gibt und bittet ZARA neu-
tung, weil sie ihre Behörde augenscheinlich zu vertre- erlich, zu intervenieren. Daraufhin erhält ZARA ein
ten haben, doch andererseits können sie sich hinter Schreiben des Wirtschaftskammerpräsidenten Dr.
den meist genau geregelten Aufgabenbereichen und Christoph Leitl. Er bedankt sich für die Kritik und legt
Abläufen „verstecken“. Sie treten zwar als ausführen- seinem Schreiben Stellungnahmen des Beraters und
des Organ auf, können jedoch in dieser Funktion auch von dessen Vorgesetzten bei, in denen diese sich ent-
bestimmte Wertvorstellungen vermitteln. Wenn etwa schuldigen und darlegen, dass es ihnen fern liege,
eine amtsführende Wiener Stadträtin zahlreiche Pik- Menschen anderer Herkunft zu diskriminieren. Frau D.
togramme und Schilder geschlechtsneutral gestalten ist zufrieden und hofft, dass die beiden Beamten nun
lässt, wird der Vorbildcharakter ihrer Entscheidung ein Bewusstsein für das Themenfeld entwickelt haben.
deutlich. Ähnlich wie bei der Polizei prägt der gesell- Sie meint abschließend: „In gewisser Weise war dieses
schaftliche Hintergrund auch die Art des Handelns von Ereignis wohl auch eine Art ‚Interkulturelles Sensibili-
VerwaltungsbeamtInnen. Einem Beamten oder einer sierungstraining’“.
Beamtin alleine ihre rassistischen Handlungen vorzu-
werfen, greift zu kurz. Der österreichische Zusammen-
hang, die gesetzlichen Vorgaben und der öffentliche
Diskurs beeinflussen das Handeln dieser Menschen.
47 Ein Zeuge, Herr T., meldet ZARA, dass im Kin-
dergarten seines Sohnes und letztlich auch
in anderen Kindergärten der Stadt Wien durch die
Dennoch gilt auch für Verwaltungsbedienstete das Essenszulieferer immer noch „Mohr im Hemd“ ange-
Verbot rassistischer Diskriminierung. boten würde. Er will das nicht dulden und streicht
Erfreulich ist, dass es auch 2006 wieder eine gute zunächst selbst die Speise vom ausgehängten Es-
Zusammenarbeit mit dem Volksanwalt gegeben hat, sensplan. Weiters ruft er beim Magistrat an und de-
der für die Prüfung von Missständen in der Verwal- poniert dort eine Beschwerde. Eine Beamtin sagt
tung zuständig ist, die auch Gleichbehandlungsfra- zu ihm, er solle nicht so empfindlich sein und sich
gen betreffen können. Nähere Informationen hierzu nicht angegriffen fühlen. Es gäbe ja schließlich auch
finden sie unter www.volksanw.gv.at. Frankfurter und Wiener Würstel. Herr T. widerspricht:
„Wenn man es geschafft hat, aus ‚10 kleine Negerlein’

46 Frau D., die soeben einen Lehrgang über


„interkulturelle Kompetenzen“ abgeschlos-
sen hat, lässt sich von der Wirtschaftskammer in
‚10 kleine Geister’ zu machen, wird es doch wohl auch
möglich sein, aus dem ‚Mohr im Hemd’ eine ‚Schoko-
lade mit Hemd’ oder Ähnliches zu machen?“ Er erklärt
Wels beraten. Sie will wissen, wie sie sich am besten der Beamtin, dass es gerade im Vorschulalter wichtig
selbstständig machen kann. Ihr Berater zählt ihr meh- sei, den Kindern beizubringen, welche Worte rassis-
rere Gebiete auf, in welchen sie ihre Kompetenzen tisch beleidigend sind und welche nicht. Daraufhin
einsetzen könnte. So wäre es wichtig, Unternehmen lenkt die Frau ein, sie werde versuchen, auf die Firma
bei Konflikten mit „Schwarzen“ zu beraten, mit denen einzuwirken.
gäbe es ja immer Verständigungsschwierigkeiten. Wei- ZARA schließt sich der Beschwerde an und be-
ters erklärt er ihr, dass „Neger“ kein Schimpfwort sei. kommt von der Stadt Wien versichert, dass der Es-
Als Frau D. ihm widerspricht, meint er, dass in ihrer Hei- senszulieferer seine Speisenbezeichnungen von nun
mat Tirol das vielleicht anders sei. Frau D. bekommt an sensibler gestalten werde.
zwar das gewünschte Informationsmaterial über die
rechtlichen Rahmenbedingungen der Selbständigkeit,
ist aber über die Ansichten des Beraters empört.
Frau D. verfasst einen Beschwerdebrief, dem sich
48 Herr L. ist aus Angola, lebt in Wien und tritt im
Februar nach positivem Abschluss der theo-
retischen Führerscheinrüfung zur praktischen Fahr-
ZARA anschließt. In einer ersten schriftlichen Reakti- prüfung an. Bei der praktischen Prüfung durch den
on des Vorgesetzten des besagten Beraters steht, dass Landesbeamten Herrn K. fällt er durch. Weder sein

34
Sonstige Behörden und öffentliche Institutionen

Fahrlehrer noch Herr L. können jedoch die Gründe (AMS). Er touchiert mit der Stoßstange seines Autos
dafür erkennen. Überdies sagt der Prüfer, bereits die Stoßstange eines parkenden Waagens. Es ent-
bevor Herr L. in das Auto einsteigt, vor ZeugInnen: steht kein Schaden. Eine AMS-Beraterin schreit aber
„Ich habe noch keinen Schwarzen gesehen, der Auto plötzlich aus dem Fenster: „Du Tschusch! Geh schei-
fahren kann.“ ßen! Du hast das Auto da kaputt gemacht!“ und weiter
ZARA schreibt einen Brief an den Fahrprüfer. Er in den Raum hinter ihr: „Ich glaube, er ist ein Tunesier,
antwortet mit einem Schreiben, in dem er sich für dieser Tschusch!“ Herr J. geht zum Fenster und sieht,
seine diskriminierende Bemerkung und den dadurch dass die Frau beim Ausländerbeschäftigungsreferat
entstandenen Eindruck, er sei voreingenommen, ent- des AMS arbeitet. Herr J. ist über das Benehmen der
schuldigt. Er könne jedoch anhand eines ebenfalls Frau so entsetzt, dass er zu ihrem Vorgesetzten geht,
übermittelten Prüfungsprotokolls eindeutig belegen, um sich zu beschweren. Dieser erklärt sich für nicht
dass die Gründe für das Nichtbestehen der Prüfung zuständig, da es sich um eine Privatangelegenheit der
objektiv seien. Er habe den Erwerb der Lenkberech- Frau handle. Herr J. wird vom Leiter der Geschäftsstel-
tigung deshalb verweigert. Herr L. will keine weiteren le an die Landesgeschäftsstelle und die dort ansässige
Schritte unternehmen. Beschwerdestelle verwiesen. Gemeinsam mit ZARA
wird der Fall dort eingebracht. Einige Monate später

49 Herr J. ist Österreicher kurdischer Herkunft


und parkt sein Auto im Sommer vor ei-
ner Geschäftsstelle des Wiener Arbeitsmarktservice
kommt es zu einem Treffen zwischen Herrn J. und der
betreffenden Frau vom AMS, die sich bei ihm für ihr
Verhalten entschuldigt.

Ich bin dabei...


...weil wir gemeinsam
mehr erreichen können.
Sie leben in Österreich und besitzen keine österreichische Staatsbürger-
schaft oder haben diese erst während Ihres Aufenthaltes erworben?

Sie kommen zwar aus Österreich, leben aber derzeit in einem


anderen Land? Oder Sie engagieren sich in Beratungsstellen oder
Initiativen für und von MigratInnen?

... dann sind Sie bei uns in der Interessengemeinschaft (IG)


work@migration der GPA-DJP genau richtig.

work@migration - die Interessengemeinschaft


für MigrantInnen der GPA-DJP

GPA-DJP- und IG-Mitglieder haben es besser.


Überzeugen Sie sich selbst:

www.gpa-djp.at/interesse
Arbeit

Arbeit
Arbeit ist Lebensgrundlage für viele Menschen. Rassis- Jahr 2006“). Es bleibt zu hoffen, dass das Gleichbe-
tische Diskriminierung in der Arbeitswelt ist seit dem handlungsgesetz, dessen Auswirkungen noch nicht
Jahr 2004, seit dem Inkrafttreten des Gleichbehand- wirklich spürbar sind, den Betroffenen zu ihrem Recht
lungsgesetzes, in Österreich verboten. Gleichzeitig verhelfen wird und dazu beiträgt, dass sich ein Un-
wird zwischen den Themen Arbeitsmarkt und Migra- rechtsbewusstsein auf Seiten der potentiellen Täte-
tion häufig ein negativer Zusammenhang hergestellt. rInnen entwickelt .
MigrantInnen werden im öffentlichen Diskurs als Be-
drohung für die österreichischen ArbeitnehmerInnen
und arbeitslose Zugewanderte als Bedrohung für das
Sozialsystem dargestellt. Das jahrelange Wiederholen
dieser angeblichen Probleme und das Ignorieren des
eigentlichen Dilemmas, dem Mangel an Arbeitsplät-
zen im Allgemeinen, wirken sich negativ aus. Abge-
sehen von den restriktiven Zugangsrechten, die auf-
grund des Ausländerbeschäftigungsgesetzes für so
genannte Drittstaatsangehörige (siehe „Glossar“) gel-
ten, und neben der Tatsache, dass zahlreiche Migran-
tInnen gefährliche, „schmutzige“, saisonalen Schwan-
kungen unterworfene und schlecht entlohnte Arbeit
50 Herr R., Österreicher afrikanischer Herkunft,
ist auf Stellensuche im Gastgewerbe. Durch
einen Hinweis aus dem Freundeskreis erfährt er, dass
unabhängig von ihren Qualifikationen oder Ausbil-
ein renommiertes Innenstadtlokal die Stelle eines Sta-
dungen verrichten, sind sie rassistischer Diskriminie-
tionskellners ausgeschrieben hat. Herr R. stellt sich
rung bei der Arbeitssuche und am Arbeitsplatz selbst
beim Eigentümer vor und die beiden vereinbaren, dass
ausgesetzt.
Herr R. einen Probetag zu einem Stundenlohn von 11
Die gemeldeten Fälle von Diskriminierungen im
Euro absolvieren soll. Der Eigentümer ist am Ende des
Bereich „Arbeit“ sind zahlenmäßig weitaus geringer
Tages mit der Leistung von Herrn R. zufrieden. Es wird
als für den Bereich des „Öffentlichen Raumes“. Dies
beschlossen, dass das Anstellungsverhältnis fixiert
könnte mit den Ängsten und Schwierigkeiten verbun-
wird. Zum vereinbarten Termin bekommt Herr R. aber
den sein, die an die Meldung eines solchen Vorfalls ge-
knüpft sind. Von einer rassistischen Diskriminierung statt des versprochenen Arbeitsvertrages abermals
am Arbeitsplatz zu berichten, kann zu Konsequenzen Probetage angeboten. Der Eigentümer ist sich plötz-
führen, die zur Verschärfung der Situation beitragen, lich nicht mehr sicher, ob er mit der Leistung von Herrn
obwohl das Gleichbehandlungsgesetz Viktimisierung R. zufrieden gewesen ist. Dieser nimmt die Probetage
(siehe „Glossar“) ausdrücklich verbietet. Die Arbeit ist an und versucht seinen Vorgesetzten zu überzeugen,
Lebensgrundlage und somit von existenzieller Wich- dass er die geforderte Leistung erbringen kann. Am
tigkeit. Mögliche Probleme am Arbeitsplatz oder eine Ende der Probezeit wird ihm aber nur die Stelle als
eventuell mit einer Intervention verbundene Kün- Hilfskellner angeboten. Für Herrn R. ist das nicht ak-
digung stellen ein offenkundig einschüchterndes zeptabel. Er fordert lediglich noch die Ausbezahlung
Szenario für viele dar. Insbesondere, wenn auch noch des ausstehenden vereinbarten Lohnes. Als er zur Ab-
die Aufenthaltsmöglichkeit in Österreich von der rechnung der noch offenen Stunden erscheint, ist der
Beschäftigung abhängt. Lokalbesitzer schlechter Laune und herrscht ihn an,
Neben den aufgezählten Bereichen gibt es für po- was er zu dieser Zeit im Lokal wolle. Herr R. weist da-
tenziell Betroffene eine zusätzliche Gefährdung durch rauf hin, dass er zur vereinbarten Zeit gekommen sei,
rassistische Aggression, die ihnen am Arbeitsplatz und bittet um Auszahlung des Lohnes. Der Lokalbe-
droht, und zwar nicht nur von Vorgesetzten oder Kolle- sitzer geht in sein Büro, holt Geld und gibt es Herrn R.
gInnen, sondern auch von betriebsfremden Personen. mit dem Zusatz, dass er ihm lediglich 7 Euro und nicht
TaxifahrerInnen zum Beispiel sind immer wieder Atta- die vereinbarten 11 Euro pro Stunde für seine Arbeit
cken von Fahrgästen oder, wie im diesjährigen Report bezahle. Herr R. ist fassungslos und teilt sein Problem
beschrieben, von PassantInnen ausgesetzt. der anwesenden Ehefrau des Chefs und anderen An-
Diskriminierend ausgeschriebene Stellenanzeigen gestellten mit. Daraufhin erhält er 210 Euro, mit der
können seit Juli 2004 durch eine Bestimmung des Versicherung, dass er auf keinen Fall mehr bekommen
Gleichbehandlungsgesetzes angezeigt werden, man- werde. Herr R. nimmt das Geld, weist aber nochmals
gels der Durchsetzungskraft der Bestimmung kommt darauf hin, dass dies unfair sei. Der Eigentümer des
es jedoch kaum zu Bestrafungen. Dies ist die klägliche Restaurants wird deshalb so wütend, dass er Herrn R.
Bilanz der über 100 von ZARA angezeigten diskrimi- Schläge androht, ihn aus dem Lokal drängt und ihn
nierenden Stellenanzeigen (siehe „Rückschau auf das mit Worten wie „Negersau“ auf die Straße stößt.

36
Arbeit

Herr R. wendet sich zunächst an die Arbeiterkam- gleich fragt, wo er denn herkomme. Herr O. sagt, er
mer, die eine Auszahlung des restlichen vereinbarten sei in Nigeria geboren. Daraufhin erwidert der Mann
Lohnes erwirkt. unhöflich, dass er ihn nicht einstellen würde und legt
ZARA bringt für Herrn R. einen Antrag auf Feststel- auf. Frau O. ruft den potenziellen Arbeitgeber an und
lung einer Diskriminierung aufgrund der ethnischen sagt ihm, dass sie die unfreundliche Behandlung ihres
Zugehörigkeit sowie einer Belästigung bei der Gleich- Ehemannes nicht in Ordnung finde. Der Mann am
behandlungskommission (siehe „Glossar“) ein. An- Telefon erklärt ihr, sie müsse es ihm überlassen, wen
fang September findet die mündliche Einvernahme er einstellen würde. Außerdem arbeiten in seiner Kü-
vor Senat II statt. Die Entscheidung über den Antrag che hauptsächlich „Jugoslawen“ und diese beiden
ist bis dato noch ausständig. „Gruppen“ würden sich nicht vertragen. Mit den Wor-
ten: „Vergessen sie mich!“ legt er auf.

51 Herr S., in der Türkei geboren, ist österrei-


chischer Staatsbürger. Er lebt und arbeitet in
Wien. Im Juli wird er mit seinem Taxi in den 2. Wiener
ZARA informiert das Ehepaar O. über die mög-
lichen rechtlichen Schritte. Die beiden wollen aller-
dings nichts Weiteres unternehmen.
Gemeindebezirk bestellt. Seine Fahrgäste sind bereits
eingestiegen, als er bemerkt, dass ein Radfahrer vor- Die eigenen Rechte kennen
beifährt und seinem Auto einen Kratzer zufügt. Herr
S. stellt den Radfahrer zur Rede, woraufhin dieser ihn Herr P., ein gläubiger Moslem, arbeitet in einer
anschreit: „Ihr Ausländer, ihr Schweine! Ihr macht das Speditionsfirma. Es gibt eine Kantine, in der sehr
immer so! Du Jugo, du Scheißdreck! Wir werden euch günstige Mittagsmenüs angeboten werden. Auf
aus Österreich vertreiben! Gib mir deine Daten, ich das Ersuchen von Herrn P., doch auch immer ein
werde dich vernichten!“ Herr S. sagt mehrmals zu dem Menü ohne Schweinefleisch anzubieten, sagt
Mann, er solle sich beruhigen, als dieser aber nicht ihm sein Vorgesetzter: „Wo kommen wir denn da
aufhört, ruft er die Polizei. Plötzlich hebt der Radfah- hin, wenn wir euch alles recht machen würden?“
rer die Hand zum Hitlergruß und schreit: „Heil!“ Wenn Herr P. in den Arbeitspausen seinen Gebets-
Die eingetroffenen PolizeibeamtInnen fühlen sich teppich auflegt und betet, muss er sich von den
nicht zuständig, da es keinen Personenschaden gibt Kollegen Witze und Beleidigungen wie „Kameltrei-
und weigern sich, eine Anzeige aufzunehmen. ber“ anhören. Schließlich wird Herr P. mit der Be-
Herr S. insistiert, dass zumindest der Hitlergruß gründung gekündigt, dass er als Ausländer und
protokolliert würde, aber auch das verweigern die Be- Moslem einfach zu viele Probleme mache.
amtInnen und verweisen ihn an ein Gericht. Herr S.
muss also den Unfallbericht alleine mit dem aggres-
Das Recht, am Arbeitsplatz nicht benachteiligt zu wer-
siven Radfahrer ausfüllen. Währenddessen erzählt ihm
den, umfasst nicht nur das Recht auf gleiche Bezahlung,
der Radfahrer die ganze Zeit, wie „schrecklich“ Auslän-
gleiche Aufstiegschancen etc., sondern auch das Recht,
der für ihn seien. Herr S. reagiert darauf nicht.
alle (auch freiwilligen) betrieblichen Sozialleistungen in
ZARA bringt für Herrn S. einen Antrag wegen Beläs-
gleichem Maße in Anspruch nehmen zu können. Wenn in
tigung bei der Gleichbehandlungskommission (siehe
der Kantine der Speditionsfirma kein Menü ohne Schwei-
„Glossar“), Senat II, ein. Das Verfahren ist derzeit noch
nefleisch erhältlich ist, ist Herr P. als gläubiger Moslem,
offen. Zusätzlich erstattet ZARA Anzeige an die Staats-
der aufgrund seiner Religionszugehörigkeit kein Schwei-
anwaltschaft Wien wegen Verstoß gegen das Verbots-
nefleisch essen darf, von der Inanspruchnahme dieser
gesetz. Der Verhandlungstermin ist Anfang 2007.
Sozialleistung ausgeschlossen und damit mittelbar bzw.
indirekt diskriminiert (siehe „Glossar“).
Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat mehrmals entschie-
den, dass Ausrufe wie „Heil Hitler“ oder „Sieg Heil“ als Bei den Beleidigungen der Arbeitskollegen handelt
auch das Zeichen für den so genannten Hitlergruß cha- es sich um Belästigungen (siehe „Glossar“), die Diskri-
rakteristische Symbole des Nationalsozialismus sind. minierungen im Sinne des Gleichbehandlungsgesetzes
Somit ist der demonstrative Gebrauch dieser Parolen darstellen, weil sie sich sowohl auf die ethnische Her-
und Gesten in der Öffentlichkeit mit dem Vorsatz auf kunft als auch auf die religiöse Zugehörigkeit von Herrn
nationalsozialistische Betätigung verbunden und fällt P. beziehen und in ihrer Intensität durchaus die Würde
unter das Verbotsgesetz. Es handelt sich also durchaus seiner Person beeinträchtigen.
um eine strafbare Handlung. Siehe die Entscheidungen
vom 13.09.2000 des OGH unter www.ris.bka.gv.at, mit § 21 (2) GlBG §
den Geschäftszahlen 13 OS 45/00 oder 13 OS 47/00. Belästigung liegt vor, wenn eine unerwünschte Ver-
haltensweise, die mit einem der [verbotenen Diskri-
minierungs] Gründe im Zusammenhang steht, ge-
52 Herr und Frau O. kommen in die ZARA-
Beratungsstelle und berichten von fol-
gendem Vorfall. Herr O. liest in einer Zeitung eine
setzt wird,
1. die die Würde der betroffenen Person verletzt,
Annonce, in der eine Küchenhilfe gesucht wird. Er 2. die für die betroffene Person unerwünscht, unan-
ruft bei dem potenziellen Arbeitgeber an, der ihn so- gebracht oder anstößig ist und

37
Arbeit

3. die ein einschüchterndes, feindseliges, entwürdi- mögensschadens und auf etwaigen immateriellen
gendes, beleidigendes oder demütigendes Umfeld Schadenersatz.
für die betroffene Person schafft. Auf Basis eines entsprechenden Gutachtens der Gleich-
Gemäß den Bestimmungen des Gleichbehandlungsge- behandlungskommission kann Herr P. die Einführung
setzes hat ein/e Dienstvorgesetzte/r, sobald er/sie Kennt- eines schweinefleischlosen Menüs erwirken.
nis davon erlangt, dass ein/e MitarbeiterIn belästigt Im Falle einer Belästigung im Kontext eines Arbeits-
wird, zu handeln und dafür zu sorgen, dass die Diskrimi- verhältnisses und im Sinne des Gesetzes hat die betrof-
nierungen abgestellt werden, andernfalls macht er/sie fene Person Anspruch auf Schadenersatz. Im Falle einer
sich ebenfalls für die durch seine MitarbeiterInnen getä- Belästigung werden sowohl Vermögensschaden, wenn
tigten Belästigungen schadenersatzrechtlich haftbar. ein materieller Schaden aufgetreten ist, als auch immat-
Die Kündigung Herrn P.s als Reaktion auf seine Be- erieller Schadenersatz, der dem Ausgleich der erlittenen
schwerde stellt eine so genannte Viktimisierung (siehe persönlichen Beeinträchtigung dient, gewährt. Die
„Glossar“) dar, die eine ganz klare Verletzung der gesetz- Höhe des Schadenersatzes muss angemessen sein, be-
lichen Vorgaben bedeutet. trägt aber mindestens 400 Euro. Der Anspruch besteht
gegenüber dem/der Belästiger/in, sei es der/die Arbeitge-
§ 27 GlBG Benachteiligungsverbot
ber/in, ein/e Dritte/r in Zusammenhang mit dem Arbeits-
§ Als Reaktion auf eine Beschwerde darf ein/e Ar-
verhältnis oder ein/e Dritte/r außerhalb eines konkreten
beitnehmer/in innerhalb des betreffenden Unter-
Arbeitsverhältnisses. Zusätzlich besteht ein Anspruch
nehmens (Betriebes) oder auf die Einleitung eines
gegenüber dem/der Arbeitgeber/in, falls diese/r nicht
Verfahrens zur Durchsetzung des Gleichbehand-
in ausreichendem Maße Abhilfe gegen etwaige Belästi-
lungsgebotes nicht entlassen, gekündigt oder an-
gungen schafft. Ebenfalls schadenersatzpflichtig macht
ders benachteiligt werden. Auch ein/e andere/r
eine Anweisung zur Belästigung einer Person.
Arbeitnehmer/in, der/die als ZeugIn oder Aus-
Angefochten werden können schlussendlich auch
kunftsperson in einem Verfahren auftritt oder eine
ungerechtfertigte und durch Diskriminierungen moti-
Beschwerde eines/einer anderen Arbeitnehmers/
vierte Kündigungen oder Entlassungen, und zwar durch
Arbeitnehmerin unterstützt, darf als Reaktion auf
Klagseinbringung beim zuständigen Arbeits- und Sozial-
eine solche Beschwerde oder auf die Einleitung eines
solchen Verfahrens zur Durchsetzung des Gleichbe- gericht, dies gilt auch im Falle einer Viktimisierung, einer
handlungsgebotes nicht entlassen, gekündigt oder Benachteiligung oder Kündigung einer Person als Reak-
anders benachteiligt werden. tion auf eine Beschwerde oder Klage zur Durchsetzung
des Gleichbehandlungsgebotes.
Was kann Herr P. tun?
Herr P. ist jedenfalls gut beraten, wenn er seinen Fall an
ZARA oder an die Gleichbehandlungsanwaltschaft he- 53 Frau R. meldet ZARA, dass ihre junge Freun-
din S. bei einer großen österreichischen
Supermarktkette arbeitet. Sie hat sich nach dem Stu-
ranträgt und den Fall vor die Gleichbehandlungskom-
mission bringt. dium dort in der Verwaltung hochgearbeitet und kann
Bei Diskriminierungen betreffend der Gewährung frei- nun eine weitere Mitarbeiterin zu ihrer Unterstützung
williger Sozialleistungen, Maßnahmen der beruflichen einstellen. Sie entscheidet sich für eine schwarze
Aus- und Weiterbildung und Umschulung oder den Bewerberin. Ihre Vorgesetzte sagt dazu: „Wissen Sie
sonstigen Arbeitsbedingungen besteht Anspruch auf nicht, dass wir keine Neger einstellen?“
Gewährung der entsprechenden Sozialleistungen, Die Melderin und ihre Freundin finden das schreck-
Fortbildungsmaßnahmen, Herstellung gleichberech- lich wollen anonym bleiben und den Vorfall aber zu-
tigter Arbeitsbedingungen etc. oder auf Ersatz des Ver- mindest dokumentiert wissen.

Republikanischer Club – Neues Österreich


Rockhgasse 1
1010 Wien
www.repclub.at
Der Republikanische Club – Neues Österreich existiert Der Republikanische Club – Neues Österreich organi-
seit 20 Jahren. Das drängende Bewusstsein, mit der siert regelmäßig Diskussionsveranstaltungen in den
Vergangenheit aufrichtig und gewissenhaft umzugehen, eigenen Räumlichkeiten in der Rockhgasse 1, 1010,
machte die Gründung des RC notwendig. Im Zuge der Eingang Cafe Hebenstreit. Das Programm steht auf
Auseinandersetzung um Waldheims Vergangenheit ent- der Homepage: www.repclub.at . Falls Sie/Du regel-
standen, beschäftigt sich der RC seither mit den gesell- mäßige Programmzusendungen erhalten wollen, bitte
schaftlichen Phänomenen: Antisemitismus, Rassismus ein Email an repclub@repclub.at senden.
und Fremdenfeindlichkeit aber auch mit der kritischen
Auseinandersetzung mit sozialen Verhältnissen.
Arbeit

54 Frau Ö. ist in der Türkei geboren, lebt in


Kärnten und hat soeben ihr Medizinstudium
abgeschlossen. Eine Freundin vermittelt ihr eine Stelle
57 Herr W. ist Taxiunternehmer in Graz. Er mel-
det ZARA, dass KollegInnen nicht-österrei-
chischer Herkunft oftmals Probleme mit allen drei
bei einem praktischen Arzt. Sie kommt zu einem Vor- Grazer Taxizentralen haben. Eine der Vermittlungs-
stellungsgespräch mit dem Arzt und seiner Frau, die zentralen hat als Vertragskriterium, prinzipiell keine
ebenfalls Ärztin ist. Herr Dr. T. verlässt für kurze Zeit „Ausländer“ als FahrerInnen einzustellen. Die ande-
das Zimmer. Frau Dr. T. schaut die Bewerbungsunter- ren beiden vermitteln auf Wunsch der KundInnen so
lagen von Frau Ö. durch, sieht, dass diese in der Türkei genannte „Inländertaxis“. Herr W. will Auskunft über
geboren ist und fragt sie nach ihrer Religion. Frau Ö. die rechtliche Situation. ZARA informiert ihn über das
antwortet, sie sei Muslimin. Herr Dr. T. kommt nun Gleichbehandlungsgesetz und das EGVG (siehe „Die
auch dazu, er möchte gerne mit ihr über Arbeitszeiten eigenen Rechte kennen“).
und Gehalt sprechen, doch seine Frau unterbricht ihn.
Sie könne Frau Ö. als Muslimin nicht akzeptieren. Frau Die eigenen Rechte kennen
Ö. ist fassungslos und fragt, was ihre Religion denn mit
der Arbeitsstelle zu tun habe. Frau Dr. T. sagt, sie dulde Beispiel diskriminierendes Stelleninserat
muslimische Frauen in Österreich nicht, denn der Is-
lam würde Frauen unterdrücken. Frau Ö. versucht da- Folgendes Inserat wird von einem Büro geschal-
gegen zu argumentieren, doch auch Dr. T. bekräftigt tet: „Reinigungskraft, österr. StaatsbürgerIn mit
die Aussagen seiner Frau. Am nächsten Tag hinterlässt hervorragenden Deutschkenntnissen, gesucht.“
Dr. T. eine Nachricht auf dem Anrufbeantworter, er Frau R., eine österreichische Staatsbürgerin tür-
könne ihr die Arbeitsstelle nicht zusagen, da es noch kischer Herkunft, stellt sich bei dem Büro vor. Die
zwei weitere BewerberInnen gab. Personalchefin sagt zu ihr: „Haben Sie unsere
Frau Ö. fragt ZARA um Rat. ZARA verfasst für sie Anzeige denn nicht gelesen? Wir stellen keine Aus-
eine Beschwerde an die Gleichbehandlungskommis- länderin ein!“
sion (siehe „Glossar“). Das Verfahren ist zu Redakti-
onsschluss noch nicht abgeschlossen. derstandard.at Auf den ersten Blick scheint hier eine direkte Diskrimi-
bringt einen Artikel „Kein Job weil Muslimin“, nachzu- nierung vorzuliegen, die aber vom Diskriminierungs-
lesen unter: http://derstandard.at/?url=/?id=2716426. verbot des Gleichbehandlungsgesetzes nicht erfasst ist,
weil die Staatsbürgerschaft vom Geltungsbereich des

55 Die Mitarbeiterin einer Personalvermittlungs-


agentur meldet ZARA, dass eine ihrer Klien-
tInnen sich für eine Arbeitsstelle in einem Friseursa-
Gleichbehandlungsgesetztes ausgenommen ist. Das
Büro sucht eine Reinigungskraft und will keine „Aus-
länderin“ beschäftigen. Verboten ist eine solches Inse-
lon beworben hat. Als die junge Frau dort anruft, wird rat aber dennoch, da es ArbeitnehmerInnen aus an-
sie zunächst nach ihrer Herkunft und dann nach ihrer deren EU-Mitgliedstaaten diskriminiert und in ihrer
Religionszugehörigkeit gefragt. Sie sagt, sie komme ArbeitnehmerInnenfreizügigkeit einschränkt. Staatsbür-
aus Afghanistan und wäre Muslimin. Man antwortet gerInnen aus den neu beigetretenen EU-Mitgliedslän-
ihr daraufhin, dass man sie wegen ihres Religions- dern, für die noch Übergangsbestimmungen gelten, und
bekenntnisses nicht einstellen könne. Die Personal- Drittstaatsangehörige (siehe „Glossar“) dürften jedoch
vermittlerin ruft daraufhin selbst an und auch zu ihr unter bestimmten Bedingungen sehr wohl ausgeschlos-
wird gesagt, dass nur Personen römisch-katholischen sen werden. Dieser Ausschluss beruht auf ausländerbe-
Glaubens eingestellt würden. schäftigungsrechtlichen Bestimmungen, welche eine
ZARA informiert die Mitarbeiterin der Personalver- Anstellung von den beiden zuvor genannten Gruppen
mittlungsagentur und ihre Klientin über die mög- erschweren.
lichen rechtlichen Schritte. Die junge Frau will aber
nichts unternehmen. Staatsbürgerschaft

56 Eine aufmerksame Leserin stößt im Anzei-


genteil der „Badner Zeitung“ immer wieder
auf so genannte „Nur-Inländer“-Inserate. Trotzdem
Ungleichbehandlungen aus Gründen der Staatsbür-
gerschaft sind ausdrücklich nicht vom Diskriminie-
rungsverbot erfasst. Diese Ausnahmebestimmung
sie und ZARA wiederholt bei der Zeitung intervenie- kann sich allerdings bei gesetzeskonformer Inter-
ren und um Unterlassung solcher Inserate bitten, wer- pretation nur auf solche Fälle beziehen, in denen
den sie weiterhin veröffentlicht. ZARA leitet den Fall die Zugehörigkeit zu einer anderen als der österrei-
schließlich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft chischen Staatsbürgerschaft gewisse gesetzliche
(siehe „Glossar“) weiter und bittet diese auch, einen Sonderregelungen bedingt, wie Bestimmungen des
Brief an die Zeitung zu schicken. Zu Redaktionsschluss Ausländerbeschäftigungsgesetzes oder des Fremden-
hat die Gleichbehandlungsanwaltschaft noch keine oder Asylrechts. Dies kann jedoch nicht bedeuten,
Antwort erhalten. Die „Nur-Inländer“-Inserate werden dass Diskriminierungen aus Gründen der ethnischen
von ZARA dokumentiert. Herkunft, die sich hinter dem Deckmantel der Staats-

39
Arbeit

bürgerschaft verstecken – wie sie durch die im Rassis- Was kann Frau R. tun?
mus Report dokumentierten „Nur-Inländer“-Inserate Frau R. kann sich mit ihrem Fall an eine Beratungseinrich-
offensichtlich werden – aus dem Geltungsbereichw tung wie ZARA oder den Klagsverband (siehe „Glossar“)
des Gesetzes fallen. wenden, oder direkt an die Gleichbehandlungsanwalt-
schaft (siehe „Glossar“), die den Fall an die Gleichbehand-
Frau R. ist ja österreichische Staatsbürgerin und daher von lungskommission (siehe „Glossar“) herantragen kann.
diesen Bestimmungen gar nicht betroffen. Dennoch ist Der zuständige Senat II der Gleichbehandlungskommis-
sie „nicht Österreicherin genug“ und wird aufgrund ihrer sion erstellt nach Einholung einer Stellungnahme von
Herkunft nicht eingestellt, und daher gemäß §19(1) GlBG der beklagten Partei sowie nach Anhörung beider Par-
direkt bzw. unmittelbar diskriminiert (siehe „Glossar“). teien eine Einzelfallentscheidung, in der festgestellt wird,
ob eine Diskriminierung gemäß den Bestimmungen
§ § 19 (1) GlBG des Gleichbehandlungsgesetzes vorliegt oder nicht. Im
Eine unmittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn Rahmen des Verfahrens gilt eine Beweislasterleichte-
eine Person auf Grund eines in § 17 genannten rung (siehe „Glossar“) zugunsten der Antragstellerin. Die
Grundes in einer vergleichbaren Situation eine we- Gleichbehandlungskommission kann die Antragsgeg-
niger günstige Behandlung erfährt, als eine andere nerin weiters auffordern, ihr diskriminierendes Verhal-
Person erfährt, erfahren hat oder erfahren würde. ten einzustellen und geeignete Maßnahmen zu treffen,
(Sofern nicht gesondert angeführt beziehen sich um eine Wiederholung der von der Kommission festge-
Paragraphenangaben auf das Bundesgesetz, mit stellten Diskriminierung zu vermeiden. Im Verfahren vor
dem ein Bundesgesetz über die Gleichbehandlung der Kommission kann kein Schadenersatz zugesprochen
[Gleichbehandlungsgesetz – GlBG] erlassen und das werden. Das Gutachten ist aber eine gute Basis für ein an-
Bundesgesetz über die Gleichbehandlung von Frau schließendes Gerichtsverfahren vor einem Zivilgericht. In
und Mann im Arbeitsleben geändert werden.) den Job „hineinklagen“ kann sich Frau R. aber auch vor
Gericht nicht. Im konkreten Fall würde ihr lediglich ein
Die Stellenanzeige an sich verletzt das Gebot der dis- Schadenersatz in der Mindesthöhe eines Monatsgehalts
kriminierungsfreien Stellenausschreibung. Ausgenom- zustehen – außer die beklagte Partei kann nachweisen,
men wären nur Tätigkeiten, für deren Ausübung ein dass sie „lediglich die Berücksichtigung der Bewerbung“
bestimmtes Merkmal unabdingbar ist bzw. eine wesent- verweigert hat (d.h. Frau R. aufgrund ihrer ethnischen
liche Voraussetzung darstellt. Zugehörigkeit von vornherein vom weiteren Bewer-
Auch hier ist nicht die Beschränkung auf österrei- bungsprozess ausgeschlossen hat, sie den Job aber auf-
chische StaatsbürgerInnen relevant, sondern die Erfor- grund mangelnder Qualifikation ohnehin nicht bekom-
dernis „hervorragender Deutschkenntnisse“. Es handelt men hätte). Für diesen Fall stehen Frau R. maximal 500
sich um eine so genannte indirekte bzw. mittelbare Dis- Euro an Schadenersatz zu.
kriminierung (siehe „Glossar“), wenn wie hier eine schein- Kommt ein Arbeitsverhältnis somit aufgrund einer
bar neutrale Anforderung einen bestimmten Bevölke- Diskriminierung im Sinne des Gleichbehandlungs-
rungskreis aufgrund seiner Herkunft benachteiligt, und gesetzes nicht zustande (Nichtbegründung eines
dies nicht durch besondere berufliche Anforderungen Arbeitsverhältnisses), hat die betroffene Person An-
gerechtfertigt, angemessen und erforderlich ist. spruch auf Ersatz des Vermögensschadens sowie auf
monetäre Entschädigung für die erlittene persönliche
§ § 19 (2) GlBG Beeinträchtigung (materieller und immaterieller Scha-
Eine mittelbare Diskriminierung liegt vor, wenn denersatz). Der Schadenersatz beträgt dabei minde-
dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Krite- stens ein Monatsgehalt, wenn der/die StellenbewerberIn
rien oder Verfahren Personen, die einer Rasse oder die Stelle bei diskriminierungsfreier Auswahl bekom-
ethnischen Gruppe angehören, oder Personen mit men hätte und ist limitiert mit 500 Euro, wenn der/die
einer bestimmten Religion oder Weltanschau- ArbeitgeberIn nachweisen kann, dass „nur“ die Berück-
ung, eines bestimmten Alters oder mit einer sichtigung der Bewerbung verweigert wurde. Der Job an
bestimmten sexuellen Orientierung gegenüber sich kann nicht eingeklagt werden.
anderen Personen in besonderer Weise benach- Im Fall einer zivilgerichtlichen Schadenersatzklage ist
teiligen können, es sei denn, die betreffenden Vor- die Frage der Beweisführung zentral. Sowohl der Nach-
schriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein weis eines/einer StellenbewerberIn, dass er/sie der/die
rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Beste für die Stelle gewesen wäre, als auch der Nachweis
Mittel sind zur Erreichung dieses Ziels angemes- des/der potenziellen Arbeitgeber/in, dass die Berück-
sen und erforderlich. sichtigung einer Bewerbung nicht auf Grund eines be-
stimmten Merkmals verweigert wurde, wird im Einzelfall
Hervorragende Deutschkenntnisse als Anforderung für schwierig zu erbringen sein.
eine Reinigungskraft sind weder sachlich gerechtfertigt Bezüglich der Stellenanzeige kann von Frau R. ge-
noch zur Erreichung des Ziels angemessen und erforder- mäß § 24 Abs 2 GlBG auch ein Bestrafungsantrag an die
lich. Bezirksverwaltungsbehörde (siehe „Glossar“) verfasst

40
Arbeit

werden, die den/die ArbeitgeberIn verwarnen und im ZARA-Forderung


Wiederholungsfall eine Geldstrafe in der Höhe von bis
zu 360 Euro verhängen kann. Hauptproblem bei Anzei- Der einschlägige § 24 GlBG, der diskriminierende Stel-
gen an die Bezirksverwaltungsbehörde ist, dass Frau R. lenanzeigen unter Strafe stellt, sollte als Offizialdelikt
keine Parteistellung hat, was bedeutet, dass sie kein ausgestaltet werden, um die Schaltung solcher Inse-
Recht hat, zu erfahren, ob ihr/e potenzielle/r Arbeitge- rate wirkungsvoll zu unterbinden. Da bis jetzt noch
ber/in bestraft wurde oder nicht, und im Falle einer Nicht- nicht geklärt ist, welche Behörde über die Bestraf-
bestrafung gegen den Bescheid der Behörde auch nicht ungen gemäß § 24 GlBG ein Verzeichnis führen soll
berufen kann. Wenn sich Frau R. jedoch an die Gleichbe- und daher nicht dafür Sorge getragen werden kann,
handlungsanwaltschaft wendet, kann diese nicht nur dass über einen Wiederholungstäter tatsächlich eine
für Frau R. einen Bestrafungsantrag stellen, der Gleichbe- Geldstrafe verhängt wird, sollte die Möglichkeit einer
handlungsanwältin kommt im Verwaltungsstrafverfah- Verwarnung gestrichen werden und auch im Erstbe-
ren auch Parteistellung inklusive Berufungsrecht zu. Die gehungsfall eine Geldstrafe verhängt werden. Um
Gleichbehandlungsanwältin kann so ein Verfahren auch auch größere Firmen von der Schaltung solcher dis-
ohne eine vom Inserat konkret betroffene Person führen. kriminierenden Inserate abzuhalten, sollte die Straf-
obergrenze entschieden angehoben werden und
besonders im Wiederholungsfall die Bestrafung sol-
cher Firmen für diese auch finanziell spürbare Kon-
sequenzen haben. Ansonsten kann das Gesetz nicht
gewährleisten, dass Firmen, die sich die Maximalstra-
fe von 360 Euro ohne weiteres leisten können, ihre
diskriminierende Praxis einstellen.

41
Wohnen

Wohnen
Sicheres und adäquates Wohnen zählt zu den Grund-
bedürfnissen jedes Menschen. Schutz vor rassistischer
Diskriminierung ist daher von der Gesetzgebung
58 Herr und Frau M. wohnen in der Laxenbur-
ger Straße. Herr M. kommt aus Afrika, seine
Frau ist Österreicherin und schwanger. In unmittel-
neben dem Lebensraum Arbeit auch für den Lebens- barer Nähe ihrer Wohnung liegt ein Café. In der Nacht
raum Wohnen vorgesehen. Die österreichische Rea- läuten immer wieder betrunkene Gäste des Cafés an
lität macht aber deutlich, dass der Wohnraum nicht ihrer Tür. Dabei wird Herr M. rassistisch angepöbelt
annähernd diskriminierungsfrei ist. Abgesehen davon, oder um Drogen gefragt. So auch in einer Nacht im
dass statistisch gesehen Menschen mit Migrations- Mai. Herr M. geht hinunter, um nach dem Rechten
hintergrund unter weitaus schlechteren Bedingungen zu sehen, und bemerkt, dass drei Männer vor dem
wohnen, bezahlen sie durchschnittlich auch mehr für Haustor stehen. Er fragt, was sie wollen. Sie schreien
ihre Wohnungen. Allein die Ausgangsbedingungen, ihn an: „Wir wollen die Neger in den Arsch ficken!“ und
um eine Wohnung zu finden, sind nicht gleichwertig. beschimpfen ihn mit weiteren rassistischen Beleidi-
Die unterschiedlichen Konditionen ergeben sich oft gungen. Zwei der Männer fädeln ihre Gürtel aus, um
bereits aus dem jeweiligen rechtlichen Status der von mit diesen auf Herrn M. einzuschlagen. Eine Prüge-
rassistischer Diskriminierung betroffenen Person und lei entsteht. Herr M. wird verletzt. Einer der Angreifer
verhindern teilweise für MigrantInnen den Zugang bekommt unabsichtlich den Schlag eines seiner Kum-
zu Sozialwohnungen. Zu bedenken ist auch, dass für panen ab, weil Herr M. ausgewichen ist. Schließlich
manche Menschen eine eigene Wohnung mehr be- schafft es Herr M., die Polizei zu rufen, die den Vorfall
deutet als ein Ort, der Schutz und Sicherheit bietet. als „Raufhandel“ aufnimmt.
Drittstaatsangehörige (siehe „Glossar“) müssen, um ZARA begleitet Herrn M. zur Strafverhandlung ge-
eine Verlängerung ihres Aufenthaltstitels zu erlan- gen alle beteiligten Personen. Das Verfahren gegen
gen, einen Nachweis ihrer Wohnsituation erbringen. die Angreifer wird eingestellt. Herr M. muss sich je-
Gleichzeitig haben sie aufgrund struktureller Diskrimi- doch verteidigen, weil man ihm die Verletzung des
nierung, die MigrantInnen, die kürzer als fünf Jahre in einen Mannes anlasten will. Nur weil die drei Männer
Österreich leben, vom Zugang zu Sozialwohnungen widersprüchliche Angaben machen, wird Herr M. frei-
ausschließt, und rassistischer Diskriminierung nur gesprochen.
einen limitierten Zugang zum Wohnungsmarkt. Ihr
Verbleib in Österreich und somit ihre Lebensplanung
hängen davon ab, ob sie über eine geeignete Woh-
nung verfügen oder nicht.
59 Frau G. findet bei der Wohnungssuche im In-
ternet ein Inserat, in welchem steht, dass die
Wohnung nur an „Österreicher/innen“ vermietet wird.
Der erschwerte Zugang zu Wohnungen wird einer- Sie meldet diese Website an ZARA.
seits durch staatliche strukturelle Vorgaben verursacht ZARA verfasst einen Beschwerdebrief an die Betrei-
und andererseits durch Private verschuldet. Wenn die berInnen und erhält eine erfreuliche Antwort: „Danke
Hürde der Wohnungssuche genommen ist, kommt es für den Hinweis, das betreffende Inserat wurde ge-
zudem nicht selten zu nachbarschaftlichen Konflikten, löscht. Weiters habe ich die Begriffe ‚nur an Österrei-
die den Betroffenen das Leben schwer machen. Auf- cher’, ‚nur an Österreicherinnen’ und ‚keine Ausländer’
fällig ist, dass Kinder von MigrantInnen immer wie- meinem Wortfilter hinzugefügt, d. h. Inserattexte, die
der der Auslöser für Gewaltausbrüche oder Anzeigen diese Formulierungen enthalten, können nicht mehr
sind. Die Fragen: „Was ist Lärm und was ist Lärmbelä- veröffentlicht werden.“
stigung?“ scheinen sehr unterschiedlich gesehen zu
werden. Die unzähligen Aggressionsausbrüche, die in
diesem Kapitel dokumentiert sind, sowie die Heftig-
keit der Attacken erschrecken und führen vor Augen,
wie wichtig es ist, hier Lösungen zu finden.
ZARA freut sich über die gute Zusammenarbeit mit
der Wiener Gebietsbetreuung, die vielen KlientInnen
immer wieder mit Mediationsangeboten zur Seite
steht. Dennoch scheint es bisweilen schwierig, wei-
terhin Tür an Tür zu wohnen, nachdem allzu schlimme
Beleidigungen oder gar körperliche Übergriffe statt-
gefunden haben. Oft ist ein Wechsel des Wohnortes
die einzig mögliche Lösung.

42
Wohnen

Die eigenen Rechte kennen die Gemeinschafts-Waschküche unordentlich hinter-


lasse. Die NachbarInnen beleidigen sie mit „Scheiß
Herr Y. stammt aus Brasilien. Er ist auf Wohnungs- Neger“ und haben sogar das Jugendamt verständigt,
suche und liest folgendes Zeitungsinserat: „50 qm weil sie ihr unterstellen, sie würde ihr Kind vernach-
Wohnung, 600 € Hauptmiete, Vermietung nur an lässigen.
vertrauenswürdige Inländer, Besichtigungstermin ZARA vermittelt Frau V. einen Termin bei der
am 19.2., 18 Uhr an folgender Adresse: (...)“ Herr Gebietsbetreuung Favoriten, deren MitarbeiterInnen
Y. beschließt, sich die Wohnung anzusehen. Als er sie unterstützen und ihr helfen, eine neue Wohnung
zum besagten Termin in der Wohnung eintrifft und zu finden.
den Makler ansprechen möchte, meint dieser so-
fort: „Ja haben Sie das Inserat denn nicht gelesen?
Die Wohnung wird nicht an Ausländer vermietet,
Sie Scheißneger!“ Herr Y. verlässt die Wohnung im
62 Herr O., in der Türkei geboren, ist österrei-
chischer Staatsbürger. Er findet auf der Su-
che nach einer Wohnung ein Angebot für eine Miet-
Schockzustand. wohnung im Internet und ruft die angegebene
Telefonnummer an. Der Mann, der sich meldet, fragt
Was kann Herr Y. tun? Herrn O., für wen er anrufen würde, denn: „Manche
Sowohl das diskriminierende Inserat, das sich nur an Österreicher rufen für Ausländer an. Ich will die Woh-
„Inländer“ wendet, als auch das diskriminierende Verhal- nung nicht an Ausländer und Flüchtlinge vermieten,
ten des Maklers ermöglichen Herrn Y. eine Anzeige nach weil die die Miete nicht bezahlen.“ Herr O. ist verwirrt,
Art IX Abs 1 Z 3 EGVG (siehe Kapitel „Dienstleistungsver- erkundigt sich aber weiter nach der Wohnung. Der
weigerungen“, „Die eigenen Rechte kennen“). Vermieter sagt, er hätte die Miete reduziert. Als Herr
Zusätzlich hat Herr Y. Ansprüche nach dem Gleich- O. nachfragt, ob die besagte Summe brutto oder net-
behandlungsgesetz, dessen 3. Teil Diskriminierungen to sei, beginnt ihn der Vermieter anzubrüllen: „Ich hab
beim Zugang zu und bei der Versorgung mit Gütern Ihnen doch schon gesagt, dass ich die Miete reduziere.
und Dienstleistungen, einschließlich Wohnraum, regelt. Hab ich Ihnen nicht schon gesagt, dass ich die Mie-
Wenn sich Herr Y. an ZARA, den Klagsverband oder die te reduziere?“ und legt auf. Herr O. spricht mit einem
Gleichbehandlungsanwaltschaft (siehe „Glossar“) wen- deutlich hörbaren Akzent, der Vermieter war wohl
det, werden diese ihn unterstützen, einen Antrag an die deshalb so unfreundlich.
Gleichbehandlungskommission (siehe „Glossar“) zu stel- Herr O. beschließt mit Unterstützung von ZARA,
len, damit diese in einer Einzelfallentscheidung darüber einen Antrag an die Gleichbehandlungskommission
urteilt, ob es sich um eine unmittelbare Diskriminierung (siehe „Glossar“) zu stellen, um überprüfen zu lassen,
und eine Belästigung („Scheißneger“) aufgrund der ob in diesem Fall eine Diskriminierung vorliegt. Zu Re-
ethnischen Zugehörigkeit handle. Danach steht Herrn daktionsschluss war das Verfahren vor der Gleichbe-
Y. der Weg zu den Zivilgerichten offen, über die er Scha- handlungskommission noch anhängig.
denersatz (Ersatz des Vermögensschadens und eine
Entschädigung für die erlittene persönliche Beeinträch-
tigung) einklagen kann. 63 Frau N. ist in Innsbruck geboren und aufge-
wachsen, ihre Eltern kommen jedoch aus der
Türkei. Sie sucht gemeinsam mit ihrem Freund eine

60 Mehrere MieterInnen eines Wohnhauses in


der Wiener Innenstadt melden ZARA einen
Aushang am „Schwarzen Brett“:
Wohnung, dieser macht ein ansprechendes Objekt
ausfindig und sie gehen gemeinsam zum Besichti-
gungstermin. Die beiden sind begeistert und wollen
„Vielleicht gelingt es uns doch einmal auch in die- den Mietvertrag am liebsten sofort unterschreiben.
sem Haus alle Mitbewohner zu motivieren, Ordnung Die EigentümerInnen der Wohnung bestehen jedoch
zu halten, sodass das Haus dem Niveau eines Innen- darauf, die beiden persönlich kennenzulernen. Bei
stadthauses entspricht und man beim Öffnen der dem Gespräch wird ihnen gesagt, dass man sich keine
Müllraumtür nicht annehmen muß, sich hier in einem MieterInnen wünschen würde, die die ganze Zeit Par-
Ausländerquartier zu befinden.“ tys feiern. Frau N. versichert, dass sie dies nicht tun
ZARA interveniert schriftlich bei der Hausverwal- würde. Daraufhin sagt die Vermieterin zu ihr: „Woher
tung, fordert die Entfernung des Aushangs und wei- kommen Sie, wenn ich fragen darf?“ Frau N. erklärt,
ters, dass in Hinkunft ihre Schreiben diskriminierungs- dass sie in Österreich geboren und aufgewachsen
frei zu formulieren. Die Hausverwaltung entschuldigt sei und dass ihre Eltern aus der Türkei wären. Die Ei-
sich und „distanziert sich von jeglicher Intention, ras- gentümerin reagiert darauf mit einem sichtlich ent-
sistisch zu diskriminieren“. täuschten: „Aha“. Das Gespräch geht aber weiter und
man vereinbart, dass der Mietvertrag am folgenden

61 Frau V. ist afrikanischer Herkunft. Sie kommt


in die ZARA-Beratungsstelle und berichtet,
dass sie seit mehreren Jahren Probleme mit ihren
Tag aufgesetzt werden soll. Noch am selben Tag
bekommen die beiden einen Anruf des Maklers, der
ihnen sagen muss, dass sie die Wohnung nicht be-
NachbarInnen hat. Man wirft ihr vor, dass sie zu laut kommen würden, weil die Eltern von Frau N. aus der
sei, den Müll nicht trenne, „zuviel Dreck mache“ und Türkei seien. Er sei selbst schockiert und würde sich

43
Wohnen

den beiden als Zeuge zur Verfügung stellen, sollten len. Ein junges benachbartes Paar begleitet sie. Frau A.
sie rechtliche Schritte einleiten wollen. öffnet die Türe und schreit sie an: „Was is? Warum seid
ZARA klärt Frau N. über die Rechtslage auf und bie- ihr Tschuschen zu mir gekommen?“ Frau T. antwortet:
tet ihr an, sie am Rechtsweg zu begleiten. Sie bespricht „Das wollte ich Sie fragen. Warum kommen Sie zu mir
dies mit ihrem Freund, beschließt dann aber, nichts und drohen meinen Kindern mit der Polizei?“ Frau A.
gegen die EigentümerInnen zu unternehmen. zeigt auf jede und jeden einzelnen der Anwesenden
und sagt zu ihnen: „Du Tschusch, du Tschusch, du

64 Frau K. ist aus der Türkei und lebt in Wien.


Sie kommt wegen eines Nachbarschaftskon-
flikts zu ZARA. Ihre Nachbarin, Frau S., macht ihr und
Tschusch.“ Frau T. fragt sie, was sie von ihr wolle und
ob ihre Wut mit dem Brief von Wiener Wohnen zu tun
habe, dass sie nicht „Tschusch“ genannt werden wolle
ihrer Familie das Leben durch wiederholte Anzeigen und dass sie ihre Kinder in Ruhe lassen solle. Da Frau
wegen Lärmbelästigung schwer. Frau S. ist die einzige A. nur weiter schimpft, wollen sie wieder gehen. Plötz-
Person aus dem Haus, die sich beschwert und Frau K. lich schlägt Frau A. Frau T. mit der Faust ins Gesicht.
als „Scheißtürke “ oder „Scheißausländer“ beschimpft. Die Wucht des Schlages bringt Frau T. ins Wanken, sie
Einmal wird sogar ihr Briefkasten bespuckt. fällt beinahe gegen das Stiegengeländer. Ihre Nach-
ZARA unterstützt Frau K. im Verwaltungsstrafver- barin fängt sie glücklicherweise auf. Noch am selben
fahren, welches gegen sie läuft. Frau S. wirft ihr Lärm- Abend geht Frau T. zur Polizei, um den Vorfall anzuzei-
belästigung durch Kindergeschrei in den Nachtstun- gen. Drei Tage später bringt Frau T. den Befund eines
den vor. Der kleine Neffe von Frau K. hat einmal bei Krankenhauses über ihre Verletzungen im Gesicht
ihr übernachtet, sonst ist er ausschließlich tagsüber zu und am Ohr selbst zum Wachzimmer. Zufällig trifft sie
Besuch. Das Verfahren ist zu Redaktionsschluss noch auf dem Weg Frau A., die sie abermals beschimpft.
offen. Frau T. wendet sich schließlich an ZARA. Eine
ZARA-Mitarbeiterin verfasst eine Sachverhaltsdarstel-

65 Frau T. ist aus Russland und lebt mit ihren


zwei Kindern in einer Wohnbausiedlung der
Gemeinde Wien. Frau A. hat einen Hund und wohnt
lung an die Staatsanwaltschaft wegen rassistischer
Beleidigung. Die Verfahren einerseits wegen Kör-
perverletzung und andererseits wegen rassistischer
ebenfalls in dieser Siedlung. Frau A. geht regelmä- Beleidigung werden zusammengeführt. Die ZARA-
ßig mit ihrem Hund im Hof spazieren und lässt ihn Mitarbeiterin begleitet Frau T. zur ersten Verhandlung
auf einer Wiese in der Nähe eines Kinderspielplatzes und beobachtet den Prozess. Zu Redaktionsschluss ist
seine Häufchen machen. Für diese Wiese gilt Hunde- das Verfahren vor dem Strafgericht noch nicht been-
verbot, das auch mittels Hundeverbotsschild deutlich det, da die Befragung von weiteren ZeugInnen noch
gemacht ist. Frau T. weist Frau A. wiederholt darauf aussteht.
hin, dass es untersagt ist, Hunde im Hof auf besagte
Wiese Gassi zu führen. Eines Tages im September
geht der Hund wieder auf die Wiese und verrichtet
sein Geschäft. Frau T. macht Frau A. daraufhin wie-
66 Frau D. ist Jüdin und berichtet im April von
dem antisemitischen 16-jährigen Sohn ihrer
Nachbarin. Der junge Mann singt bei geöffnetem
der auf das Schild aufmerksam. Diese antwortet ihr: Fenster rechtsradikale Lieder, grölt mit seinen Freund-
„Du Tschusch, du können Deutsch sprechen?“ Frau A. Innen, die ihn besuchen, immer wieder „Heil Hitler“
erwidert: „Ich kann nicht nur Deutsch sprechen, son- oder „Judenschweine“. Einmal beobachtet Frau D.,
dern im Unterschied zu Ihnen auch lesen, was auf wie die Mutter des jungen Mannes ins Zimmer stürzt
diesem Schild steht.“ Einige Zeit später sieht Frau T. und ihn anschreit, er solle wenigstens das Fenster
von ihrem Fenster aus Frau A. und ihren Hund auf der zumachen.
Wiese. Frau T. bittet sie abermals, die Wiese zu verlas- Frau D. wendet sich an ZARA, bittet um Dokumen-
sen und wird nochmals mit den Worten: „Tschusch, tation und fragt nach den rechtlichen Möglichkeiten.
asoziale ausländische Schlampe, geh arbeiten, statt ZARA teilt ihr schriftlich mit, dass „Heil Hitler“ den
immer am Fenster zu sitzen“, beschimpft und ihr wird Tatbestand der Wiederbetätigung erfülle und unter
der Mittelfinger entgegengestreckt. Frau T. wendet Strafe stehe. Die Hausbewohner könnten angezeigt
sich an Wiener Wohnen, das mit Frau A. ein Gespräch werden. ZARA gibt aber auch zu bedenken, dass Frau
führt, worauf hin sich die Situation für einige Monate D. sich im Falle einer Anzeige als Zeugin zur Verfügung
bessert, bis sie abermals beginnt, ihren Hund auf die stellen müsste und der Täter ihr Nachbar ist. Wenn sie
Wiese zu lassen. Frau T. wendet sich nochmals an sich zu rechtlichen Schritten entschließt, würde ZARA
Wiener Wohnen. Das Kundendienstzentrum schreibt ihr zur Seite stehen. Bis Redaktionsschluss hat Frau D.
Frau A. einen Brief. Tage später verlässt Frau T. ihre sich nicht mehr gemeldet.
Wohnung, um kurz Besorgungen zu erledigen. Als sie
zurückkommt, sind ihre Kinder völlig aufgelöst und
haben Angst. Frau A. hat wild an die Türe geschlagen
und gedroht, die Polizei zu rufen, wenn die Kinder die
67 Herr G. wendet sich per E-Mail an ZARA und
berichtet, dass er seit einem Jahr mit seiner
Frau russischer Herkunft und zwei Kindern in einem
Türe nicht sofort öffnen würden. Frau T. nimmt ihre Wohnhaus im 12. Wiener Gemeindebezirk wohnt.
Kinder und geht zu Frau A., um sie zur Rede zu stel- Seitdem die Familie dort eingezogen ist, wird sie von

44
Dienstleistungsverweigerung in Lokalen und Geschäften

den NachbarInnen terrorisiert. Eine Nachbarin spricht auch alles tun werde, damit das so bleibe. Nach einer
Frau G. an und sagt gehässig zu ihr: „Du müssen put- weiteren Auseinandersetzung mit anderen Nachba-
zen!“ Zu einer der Töchter sagt sie: „Hier nix Russland, rInnen erhält Familie G. einen Anruf von der Vermie-
hier Österreich!“ Sie läutet zu jeder Gelegenheit an der terin. Daraufhin verfasst Herr G. seinerseits einen Brief
Wohnungstür der Familie. Einmal ist der Grund der an die Hausverwaltung und schickt jeweils eine Ko-
Müll, der nicht richtig getrennt wurde – sie untersucht pie an ZARA und den Wohnbaustadtrat. Von ZARA
regelmäßig den Müll der Familie –, das andere Mal ist wird Herr G. ausführlich über die rechtlichen Möglich-
es Rollsplitt im Gang. Mehrfach sagt die Nachbarin, keiten informiert. Da jedoch seit seinem Schreiben
in Anwesenheit von Frau G., dass das Gebäude im- keine weiteren Probleme aufgetreten sind, will er vor-
mer „frei von Ausländern“ gewesen sei und dass man erst nichts unternehmen.

Dienstleistungsverweigerung in
Lokalen und Geschäften
Rassistisch motivierte Dienstleistungsverweigerung- Prellung am Oberschenkel resultiert, die Herr D. im
en in Lokalen oder Geschäften sind zwar verboten, wie Krankenhaus auch diagnostizieren lässt.
dieses Kapitel zeigt aber immer noch Usus im Umgang
mit KundInnen, KlientInnen und KosumentInnen. Was kann Herr D. tun?
Aber auch in diesem Bereich gibt es neue rechtliche In beiden Fällen kann er gemäß Artikel IX Abs 1 Z 3 EGVG
Möglichkeiten, die genutzt werden können. und nach dem 3. Teil des Gleichbehandlungsgesetzes
gegen den Türsteher, den/die DiskothekbetreiberIn und
Die eigenen Rechte kennen den/die EigentümerIn des Geschäftes vorgehen.

Zugang zu Gütern und Dienstleistungen Artikel IX Abs 1 Z 3 EGVG


ist eine ziemlich versteckte Verwaltungsstrafbestim-
Herr D. aus Nigeria ist Asylwerber. Er möchte eines mung im so genannten „Einführungsgesetz zu den Ver-
Abends gemeinsam mit seiner Freundin eine Dis- waltungsverfahrensgesetzen“, die besagt, dass jemand,
kothek besuchen. Der Türsteher weist ihn jedoch der Personen aufgrund z.B. ihrer Hautfarbe, ihrer §
mit folgender Bemerkung ab: „Du darfst heute ethnischen Herkunft oder ihres religiösen Bekennt-
nicht hinein, aber Deine Freundin lassen wir rein.“ nisses ungerechtfertigt benachteiligt oder am Be-
Nach dem Grund gefragt, erwidert der Türsteher: treten von Orten oder bei der Inanspruchnahme von
„Heute dürfen nur Stammgäste mit Clubausweis Dienstleistungen hindert, eine Verwaltungsübertre-
herein.“ Herr D. sieht, dass bei anderen Gästen, tung begeht und eine Strafe von bis zu 1.090 Euro er-
die aussehen als wären sie österreichischer Her- halten kann.
kunft, solch ein Ausweis nicht verlangt wird, kann Für diese Anzeigen sind die Bezirksverwaltungsbehör-
aber beobachten, dass ein weiterer Mann dunk- den (in Wien: die Magistratischen Bezirksämter) zustän-
lerer Hautfarbe ebenfalls aufgrund eines feh- dig. ZARA kann für Herrn D. eine schriftliche Anzeige
lenden Clubausweises nicht eingelassen wird, und an die Behörde richten. Das Verfahren ist für den/die An-
tauscht mit ihm die Telefonnummern aus. Darauf- zeigerIn kostenlos, hat aber den Nachteil, dass diese/r
hin ruft Herr D. die Polizei. Kurze Zeit später kom- keine Parteistellung hat und somit das Verfahren nicht
men zwei Beamte hinzu, die jedoch meinen, dass beeinflussen kann und auch kein Auskunftsrecht über
sie für eine solche Einlassverweigerung nicht zu- dessen Ausgang hat. Ebenso ist dabei keinerlei Entschä-
ständig seien. digung für den/die Diskriminierte/n vorgesehen.
Am darauf folgenden Tag möchte Herr D. in Wer mehrfach gegen Art IX Abs 1 Z 3 EGVG verstößt,
einem Geschäft einen Anzug kaufen. Der Eigentü- dem kann die Gewerbebehörde die Gewerbeberechti-
mer des Ladens meint, er verkaufe an „Scheiß-Dro- gung entziehen. Fälle die zeigen, dass dies schon einmal
gennigger“ nichts und verweist ihn des Geschäfts. passiert ist, sind ZARA nicht bekannt.
Als Herr D. meint, das könne doch nicht sein Ernst Teil 3 des Gleichbehandlungsgesetzes sieht vor,
sein, stößt ihn der Eigentümer aus dem Laden und dass Personen, die beim Zugang zu Gütern und Dienst-
versetzt ihm einen Tritt, der in einer sichtbaren leistungen aufgrund ihrer ethnischen Zugehörigkeit

45
Dienstleistungsverweigerung in Lokalen und Geschäften

diskriminiert werden, sich zur Feststellung dieser Diskri- Möglichkeit, im Zuge eines Strafverfahrens dem Op-
minierung an die Gleichbehandlungskommission wen- fer auch Schadenersatz zuzusprechen, ohne dass das
den oder Schadenersatzansprüche vor den Zivilgerich- Opfer diesen auf eigenes Prozesskostenrisiko bei den
ten geltend machen können. Zivilgerichten einklagen müsste.
In beiden Fällen hat Herr D. Anspruch auf Ersatz des
tatsächlich erlittenen Vermögensschadens und zusätz-
lich auf Entschädigung für die erlittene persönliche
Beeinträchtigung durch die Einlassverweigerung bzw.
68 Herr M., im Iran geboren, Jus-Student, öster-
reichischer Staatsbürger, und sein Freund
wollen einen Tanz-Club im 22. Wiener Gemeindebe-
die Weigerung, ihm einen Anzug zu verkaufen. zirk aufsuchen. Der Türsteher lässt sie nicht eintre-
Im Fall der Diskothek wurde Herrn D. zwar nicht aus- ten und sagt ihnen, dass das Kontingent voll sei. Die
drücklich gesagt, dass er aufgrund seiner Herkunft nicht beiden fragen nach, ob es sich nur um eine vorüber-
eingelassen wird, doch sieht das Gesetz vor, dass Herr D. gehende Einlasssperre handle oder ob das für den
das Vorliegen dieses diskriminierenden Einlassverwei- ganzen Abend gelte. Der Türsteher wiederholt, dass
gerungsgrundes nur glaubhaft machen muss, was ihm das Kontingent voll sei. Die beiden Freunde gehen zur
durch die Aussage des ebenfalls nicht eingelassenen Seite, um zu beraten, was sie tun sollen. Sie beobach-
Afrikaners, mit dem er Telefonnummern ausgetauscht ten, dass andere Personen nach ihnen eingelassen
hat, gelingen wird. Der Diskothekenbetreiber muss nun werden. Also gehen sie abermals zum Türsteher und
seinerseits beweisen, dass andere Gründe für die Einlass- fragen, warum sie nicht in das Lokal dürfen. Dieser
verweigerung vorgelegen sind. erklärt ihnen nun, pro Abend wäre nur ein gewisses
Im Fall des aggressiven Ladeneigentümers liegt zu- Kontingent für andere Nationalitäten reserviert, für
sätzlich zur Diskriminierung beim Zugang eine so ge- diesen Abend sei es aber voll, sie sollten das nächste
nannte Belästigung vor. Durch die Beschimpfung als Mal früher kommen. Herr M. und sein Freund bedan-
„Scheiß-Drogennigger“ und die körperlichen Attacken ken sich für die Auskunft und verlassen das Gelände.
wird Herr D. zusätzlich in seiner Würde verletzt und ein Herr M. ruft bei der Polizei an und schildert den Vorfall.
einschüchterndes, beleidigendes und demütigendes Von den BeamtInnen erhält er den Rat, zum nächsten
Umfeld für Herrn D. geschaffen. Herr D. kann daher Wachzimmer zu fahren und Anzeige zu erstatten.
zusätzlich zu einem ihm – aufgrund der zugefügten Ver- Im nahe gelegenen Wachzimmer schildern die bei-
letzungen – zustehenden Schmerzengeldes für die durch den den Vorfall, woraufhin die diensthabende Poli-
die Belästigung erlittene persönliche Beeinträchtigung zistin nur lakonisch fragt, ob sie weiße Schuhe anha-
einen vom Gesetz vorgesehenen Mindestschadenersatz ben würden. Mit den Worten: „Das ist doch lächerlich,
in der Höhe von 400 Euro einklagen. warum kommen sie mit so etwas um diese Uhrzeit
hierher?“ weigert sie sich, eine Anzeige aufzunehmen.
Wie ist das Verhalten der Polizei zu werten? Herr M. sagt, er sei vom Polizeinotruf aufgefordert
Es handelt sich bei Art IX EGVG um ein so genanntes worden, hier Anzeige zu erstatten. Die Polizistin wie-
Offizialdelikt, d.h. dass PolizeibeamtInnen einen Vor- derholt, dass es lächerlich sei, und holt einen Kolle-
fall, den sie selbst wahrnehmen und der unter diese gen hinzu. Herr M. schildert abermals das Geschehen,
Verwaltungsstrafbestimmung fallen könnte, von sich doch der Polizist befindet, dass es sich dabei nicht um
aus protokollarisch aufnehmen und an die zuständige Diskriminierung handeln würde. Diese Art der „Selek-
Behörde (Bezirksverwaltungsbehörde bzw. in Wien an tion“ wäre „Hausrecht“. Man könne sich sowohl Mie-
das zuständige Magistratische Bezirksamt) weiterleiten terInnen als auch Gäste aussuchen und wenn man
müssen oder, wenn ihnen ein entsprechender Vorfall keine „Ausländer“ wolle, hätten diese eben Pech und
berichtet wird, eine Anzeige aufnehmen und ebenso müssten sich ein anderes Lokal suchen. Zudem wäre
weiterleiten müssen. „Ausländer“ ein nicht diskriminierender Überbegriff.
Erst wenn man „Juden oder Schwarzafrikaner“ nicht
ZARA-Forderung einlasse, sei es diskriminierend. Herr M. beginnt zu
diskutieren und klärt den Polizisten auf, dass „Diskri-
Eine Aufwertung dieses Diskriminierungsverbotes von minierung jegliche unsachliche Rechtfertigung von
einer verwaltungsstrafrechtlichen Nebenbestimmung Ungleichbehandlung“ sei. Dies findet der Polizist
zu einem Delikt im Strafgesetzbuch wäre wünschens- schwachsinnig und fragt, wo er das denn her habe.
wert. Eine Zuständigkeitsverlagerung zu den unab- Herr M. antwortet, dass er diese Definition aus der
hängigen Strafgerichten und zur Staatsanwaltschaft Richtlinie der Europäischen Union habe. Er wisse dies
als Anklagebehörde würde bedeuten, dass solche aus dem Jus-Studium. Nun ist der Polizist bereit, die
Vorfälle auch durch diversionelle Maßnahmen (Diver- Anzeige aufzunehmen.
sion, siehe „Glossar“) erledigt werden könnten, indem Herr M. wendet sich an ZARA. Man richtet gemein-
sich beispielsweise der/die DiskriminiererIn beim sam einen Beschwerdebrief an die Geschäftsführung
Opfer persönlich entschuldigen oder gemeinnützige der Diskothek und an den Beschwerdebeamten des
Arbeit leisten muss. Für WiederholungstäterInnen wä- betroffenen Wachzimmers. In beiden Fällen kommt
ren weitaus höhere Strafen als bei der jetzigen Ge- es zu einem Gespräch. Die PolizistInnen entschuldi-
setzeslage vorgesehen. Darüber hinaus bestünde die gen sich wiederholt und sagen, sie hätten an diesem

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Dienstleistungsverweigerung in Lokalen und Geschäften

Abend bereits zuvor einen schweren Fall gehabt. Herr und ruft: „Stopp!“ Sie bleiben stehen und beobachten,
M. erhält sogar zusätzlich eine schriftliche Entschul- wie andere Gäste weiterhin in das Lokal gelassen wer-
digung. Außerdem wird über Diskriminierung und den. Sie beschließen, in ein anderes Lokal essen zu
über ihre Pflicht nach Art IX Abs 1 Z 3 EGVG (siehe „Die gehen.
eigenen Rechte kennen“) gesprochen, nach der Or- ZARA bringt gemeinsam mit Herrn B. einen Antrag
gane des öffentlichen Sicherheitsdienstes in solchen auf Feststellung einer Diskriminierung bei der Gleich-
Fällen Anzeigen an die zuständige Bezirksverwal- behandlungskommission (siehe „Glossar“) ein. Das
tungsbehörde weiterzuleiten haben. Verfahren ist zu Redaktionsschluss noch offen.
Im Gespräch mit der Geschäftsführung des Lokals
entschuldigt man sich ebenfalls und gibt zusätzlich
eine schriftliche Entschuldigung ab. Herr M. bekommt
als Entschädigung eine VIP-Jahreskarte versprochen.
71 Ein Zeuge meldet per E-Mail folgenden Vor-
fall: Mit seinem in Indien geborenen und in
Wien lebenden Freund will er eine Diskothek, die ab
Er ist mit dem Ausgang beider Gespräche sehr zu- 4 Uhr früh geöffnet hat, besuchen. Der Türsteher ver-
frieden und bedankt sich bei ZARA für die Unterstüt- wehrt ihnen allerdings grundlos den Eintritt. Die bei-
zung. den beraten sich kurz und beschließen, den Türste-
her nach dem Grund zu fragen. In dem Moment, in

69 Herr C. ist Österreicher senegalesischer Her-


kunft. Er lebt und arbeitet in Wiener Neu-
stadt. Mit einem italienischen Freund will er in Wiener
dem sie die Türe öffnen, schlägt der Türsteher dem in-
dischen Freund mit der Faust ins Gesicht und schließt
die Türe. Sie rufen die Polizei, die auch kommt, aber
Neustadt ein Lokal besuchen. Sein Freund darf das nur die Daten aller Anwesenden aufnimmt. Der Mel-
Lokal betreten, ihm wird der Zutritt mit der Begrün- der will den Fall lediglich dokumentiert wissen.
dung „Nur Österreicher“ verweigert. Er sagt dem Tür-
steher mehrmals, dass er Österreicher sei, und ver-
langt den Chef zu sehen, der die Begründung des
Türstehers bestätigt.
72 Herr T. ist österreichischer Staatsbürger. Seine
Mutter kommt aus Israel. Mit Freunden will
er in einem Wiener Innenstadtlokal seinen Geburts-
Herr C. meldet den Vorfall dem zuständigen Wiener tag feiern. Er hat einen separaten Raum gemietet, in
Neustädter Magistrat (Bezirksverwaltungsbehörde welchem er von 23 Uhr bis 1 Uhr früh in Ruhe feiern
siehe „Glossar“) und dem Gewerbeamt. Gemeinsam kann. Dann werden sie von einem Kellner gebeten,
mit ZARA stellt er einen Antrag an die Gleichbehand- die konsumierten Getränke zu bezahlen. Sie tun das,
lungskommission (siehe „Glossar“). Zudem wird der als plötzlich ein Mann auf Herrn T. zukommt und ihn
Vorfall in den Niederösterreichischen Nachrichten anherrscht: „Platz, wir brauchen den Platz da! Geht’s
veröffentlicht. jetzt!“ Herr T. wollte ohnehin das Lokal wechseln, also
Dass Herr C. sich die diskriminierende Behand- teilt er dem Mann mit, der, wie sich später herausstellt,
lung nicht gefallen lässt, macht den Lokalbesitzer so der Lokalinhaber ist, dass er sein Glas noch austrinken
wütend, dass er seinerseits Herrn C. auf Unterlassung und dann gehen werde. Der Lokalinhaber versucht
der Verbreitung unwahrer Behauptungen verklagt. ihm daraufhin das Glas aus der Hand zu reißen und
Die Klage ist mit einem Streitwert von 7.000 Euro schüttet es dabei aus. Herr T. hält es jedoch fest, wo-
beziffert. Da ab einem Streitwert von 4.000 Euro An- durch es den Besitzer auf dem Kopf trifft. Sofort ent-
waltspflicht besteht, muss sich Herr C. vor dem Ge- schuldigt sich Herr T., doch sein Gegenüber rastet aus,
richt von einem Anwalt vertreten lassen. Die erste vor- wirft mit Gläsern und Aschenbechern um sich und
bereitende Verhandlung findet im Jänner 2007 statt. schreit: „Schleicht’s euch aus dem Lokal!“ Ein dritter
Herr C. bringt mit Unterstützung von ZARA neuer- Mann mischt sich ein und packt einen der Gäste am
lich einen Antrag bei der Gleichbehandlungskommis- Hemd. Herr T. und seine Freunde wollen das Lokal
sion wegen Verletzung des Benachteiligungsverbotes verlassen. Er wird aber von diesem neu hinzugekom-
ein. Das Benachteiligungsverbot ist im Gleichbehand- menen Mann gehindert, seine Jacke zu holen. Der
lungsgesetz geregelt und besagt, dass als Reaktion Mann packt ihn ebenfalls am Hemd und würgt ihn
auf eine Beschwerde oder auf die Einleitung eines Ver- kräftig. Herr T. kann sich befreien, indem er das Hemd
fahrens zur Durchsetzung des Gleichbehandlungsge- auszieht. Einer der Freunde schafft es schließlich, die
botes der/die Einzelne nicht benachteiligt werden Jacke zu holen, und ruft die Polizei. Herr T. verlässt das
darf. Zu Redaktionsschluss sind alle Verfahren noch Lokal, doch der Lokalinhaber und zwei weitere Män-
offen. ner folgen ihm. Sie drängen ihn vor dem Lokal in eine
Ecke, beschimpfen ihn mit „Judenbeidl“ und schla-

70 Aus dem selben Lokal in Wiener Neustadt


(siehe Fall 69) wird ZARA ein weiterer Fall ge-
meldet. Herr B., afrikanischer Herkunft, will gemeinsam
gen ihm ins Gesicht. Herr T. fällt zu Boden und verletzt
sich erneut. Endlich gelingt es ihm zu flüchten. Der
Lokalbesitzer schreit ihm nach: „Schleicht’s euch. Ihr
mit seinem ebenfalls aus Afrika kommenden Freund, Judenpack! Raus aus Österreich! Wir brauchen eure
wie andere Gäste vor und nach ihnen, das Lokal betre- Bilder nicht!“ In diesem Moment kommt die Polizei,
ten. Ein Mann vom Wachpersonal stellt sich den bei- nun versuchen die Aggressoren wegzurennen, wer-
den aber breitbeinig in den Weg, streckt die Arme aus den jedoch von den BeamtInnen eingeholt. Als Herr T.

47
Dienstleistungsverweigerung in Lokalen und Geschäften

zu den BeamtInnen kommt, schreit der Lokalbesitzer


ihn abermals an: „Da is er ja schon, der Judenbeidl!“
Herr T. bittet die BeamtInnen, das zu unterbinden,
75 Herr M. und sein Freund, der Engländer
afrikanischer Herkunft ist, wollen in ein
bekanntes Stadtbahnbogenlokal am Wiener Gür-
doch diese tun nichts, um weitere Beleidigungen und tel gehen. An der Türe wird den beiden der Zutritt
Drohungen zu verhindern. Der Lokalbesitzer droht verweigert, da „Leute mit schwarzer Hautfarbe Prob-
Herrn T. an, ihn mit einer Stange zu „bearbeiten“ und leme bereitet hätten“. Herr M. wendet sich an ZARA.
ihm diese „in den Arsch zu schieben“. Der Geschäftsführer wird kontaktiert. Er bedauert den
Herr T. wendet sich an ZARA. Es kommt zur Ein- Vorfall und sagt, es müsse ein Missverständnis vorlie-
leitung eines Verfahrens nach Art IX Abs 1 Z 3 EGVG gen. Das Personal habe die Anweisung bekommen,
(siehe „Die eigenen Rechte kennen“). Der Lokalinha- weder Drogenkonsumenten, Drogendealer noch Ran-
ber muss sich vor einem Strafgericht wegen Beleidi- dalierer in das Lokal einzulassen. Er entschuldigt sich
gung und Körperverletzung verantworten. für das Verhalten des Türstehers. Seit dem Gespräch
ZARA bringt einen Antrag bei der Gleichbehand- sind ZARA keine weiteren Beschwerden über dieses
lungskommission (siehe „Glossar“) wegen Diskri- Lokal zugetragen worden.
minierung aufgrund der ethnischen Zugehörigkeit
beim Zugang zu einer Dienstleistung und zusätzlicher
Belästigung ein. Das Verfahren ist noch nicht abge- 76 Frau H., ihr Freund kurdischer Herkunft und
zwei österreichische Freundinnen wollen an
einem Abend im März in einen bekannten Club tanzen
schlossen.
gehen. Die beiden Freundinnen werden eingelassen,
Frau H. und ihr Freund nicht. Als Begründung wird ihr
73 Herr V. kommt aus Nigeria, seine Freundin
aus Österreich. Gemeinsam wollen sie ein
bekanntes Tanzlokal besuchen. Sie werden vom Tür-
gesagt, das Lokal sei voll und es gebe eine Privatparty.
Kurze Zeit später versucht sie, alleine in das Lokal zu
gehen. Man lässt sie ein.
steher abgewiesen. Seine Freundin versucht es einige
Frau H. wendet sich an ZARA, gemeinsam be-
Zeit später alleine nochmals. Sie wird sofort in das
schließt man, einen Beschwerdebrief an den Club zu
Lokal gelassen. Herr V. erkundigt sich nach der recht-
schicken, der bleibt jedoch unbeantwortet.
lichen Situation, will den Fall aber schlussendlich nur
dokumentiert wissen.

77 Herr B. will mit zwei Freunden ausgehen. Alle


drei leben in Wien und kommen aus Kenia.
74 Herr U. ist Brasilianer. Er lebt und arbeitet
für ein Jahr als Gastprofessor in Wien. Eines
Abends will er eine Diskothek besuchen, der Türste-
Sie versuchen in drei verschiedene Lokale zu gehen.
Vor allen Lokalen sagt man zu ihnen: „Keine Schwar-
zen.“ Herr B. wendet sich an ZARA und erhält Auskunft
her verweigert ihm jedoch den Eintritt. Obwohl er
über die möglichen rechtlichen Schritte. Er will die
mehrmals nachfragt, wird ihm der Grund, hierfür
Vorkommnisse aber lediglich dokumentiert wissen.
nicht bekannt gegeben. Zwei weitere hinzugekom-
mene Security-Mitarbeiter fragt er ebenfalls nach
dem Grund und bekommt von einem zu hören: „Wir
wollen keine Drogendealer hier!“ Herr U. ruft bei der
78 Innerhalb kurzer Zeit erhält ZARA von Zeug-
Innen und Betroffenen acht Beschwerden
über ein Wiener Szenelokal. In allen Fällen wird Per-
Polizei an, diese weigert sich aber, zu kommen. Ihre sonen aufgrund ihrer Herkunft der Zutritt zum Lokal
Begründung ist, dass es sich um ein privates Lokal verweigert. ZARA und die Initiative „Gast und Wirt“
handle und sie in dem Fall nicht zuständig sei. Herr (www.hausordnung.org) verfassen einen Beschwer-
U. zeigt sich verwundert, denn in Brasilien würde die debrief an die Geschäftsführung, in welchem um eine
Polizei in solch einem Fall einschreiten. Die brasilia- Stellungnahme gebeten wird. In der Antwort verweist
nischen LokalbesitzerInnen würden Personen dann die Geschäftsführung darauf, dass die Türsteher sicher
doch einlassen, da ihnen sonst ein teurer Rechtsstreit keine rassistischen Motive hätten und es der Geschäfts-
drohen würde. führung um Drogendealer gehe, die nicht eingelassen
Herr U. wendet sich an ZARA und gemeinsam wurden. Weiters möchte sie klarstellen, dass „alle Kul-
wird ein Antrag an die Gleichbehandlungskommissi- turen gleich behandelt werden“. ZARA und der Verein
on (siehe „Glossar“) gestellt. Das Verfahren ist zu Re- „Gast und Wirt“ werden zu einem klärenden Gespräch
daktionsschluss noch nicht abgeschlossen. Herr U. eingeladen. Dort wird die Geschäftsführung über den
will, dass die Öffentlichkeit von diesem Fall erfährt Inhalt des Gleichbehandlungsgesetzes informiert. Im
und schreibt in der Zeitschrift „Stimme“ einen Arti- Gespräch betont der Geschäftsführer mehrmals, dass
kel, der in der Ausgabe Nr. 59/Sommer 2006 erscheint es in seinem Lokal ein Drogenproblem gebe und es
und darüber hinaus auf www.no-racism.net veröf- sicher nicht seiner Geschäftspolitik entspreche, ras-
fentlicht wird. ZARA vermittelt ein Interview mit ei- sistisch zu diskriminieren. Er weist immer wieder auf
ner Online-Standard-Journalistin, nachzulesen auf das gemischte Publikum hin. Die von ZARA und „Gast
derstandard.at. Auch die ORF-Sendung „Heimat frem- und Wirt“ angebotenen Vorschläge, gemeinsam eine
de Heimat“ berichtet über den Fall und führt einen menschenrechtskonforme und diskriminierungsfreie
Test mit weiteren Lokalen durch. Hausordnung zu erarbeiten oder die Möglichkeit für

48
Dienstleistungsverweigerung in Lokalen und Geschäften

MitarbeiterInnen, an ZARA-Workshops teilzunehmen, unbekannte Leute nicht einlasse, wenn diese aggres-
werden vom Geschäftsführer nicht angenommen. Er siv reagieren würden. Der Freund von Frau Y. war je-
habe ein Drogenproblem und kein Rassismusprob- doch zu keinem Zeitpunkt aggressiv, hingegen sagt
lem. In der Folge flammt eine mediale Diskussion auf. ein Gast und Freund des Türstehers zu ihm: „Go to
ZARA verfasst eine Stellungnahme, um die eigene Po- sleep. Go back to your camps!“ und will ihn angreifen,
sition klarzustellen. Siehe www.zara.or.at/materialien/ was Frau Y. verhindert, indem sie sich zwischen beide
stellungnahmen/stellungnahmen/2006/stellungnah- Männer stellt. Sie ruft den Rest der FreundInnen, die
me_flex.pdf. noch im Lokal sind an, und alle verlassen den Ort.
Seither gibt es keine weiteren Beschwerden über Frau Y. wendet sich an ZARA. Die Geschäftsfüh-
dieses Lokal. rung entschuldigt sich für den Vorfall und versichert,
dass das Security Personal eindeutig die Anweisung

79 Herr S., der nigerianischer Herkunft ist und


in Wien lebt, will in ein Wettlokal am Prater-
stern gehen. Er will sich Fußballspiele ansehen und
bekommen habe, niemanden „auf Grund seiner Haut-
farbe oder ethnischen Herkunft zu diskriminieren“.

eine Wettzeitung kaufen. Von einer Angestellten im


Lokal wird er mit der Begründung hinausgewiesen,
dass Afrikaner im Lokal vom Chef verboten wurden.
82 Frau P. geht mit einer Freundin in ein Tanz-
lokal in den Stadtbahnbögen am Wiener
Gürtel. Sie tanzen dort mit zwei Afrikanern auf der
Seine Frau meldet dies ZARA. Es wird ein Beschwer- Tanzfläche, als diese plötzlich von den Türstehern auf-
debrief an das Wettlokal verfasst, ZARA erhält jedoch gefordert werden, das Lokal zu verlassen. Nach dem
keine Antwort. Weitere mögliche rechtliche Schritte Grund gefragt, antworten die Türsteher: „Anordnung
werden von Herrn S. nicht ergriffen. von oben, irgendwas werden sie schon gemacht
haben.“ Die beiden Freundinnen sagen ihnen, dass sie

80 Herr und Frau L. wollen eine Diskothek auf


der Donauinsel besuchen. Herr L., in Mexi-
ko geboren, ist österreichischer Staatsbürger. Am Ein-
die ganze Zeit mit den beiden getanzt hätten. Die zwei
Männer hätten ganz sicher nichts Unrechtes gemacht.
Frau P. sagt zusätzlich, dass sie nicht in einem Lokal
gang will man nur Frau L. alleine einlassen. Die beiden sein möchte, in dem Menschen aufgrund ihrer Haut-
diskutieren länger mit dem Türsteher. Sie wollen den farbe rausgeschmissen würden. Sie bekommt hierauf
Grund für das Nichteinlassen erfahren. Der Türsteher die patzige Antwort zu hören: „Dann geh eben nicht
teilt ihnen mit, dass er seine Kriterien habe, dass es mehr her!“
sich um ein privates Lokal handle und er sich seine Frau P. meldet den Vorfall an ZARA, will jedoch kei-
Gäste aussuchen könne. Frau L. nimmt an, dass die ne Anzeige erstatten.
mexikanische Herkunft ihres Mannes ein Problem für
das Lokal darstellt. Freunde von ihnen besuchen das
Lokal am selben Abend, ohne an der Türe aufgehalten
zu werden.
83 Frau A., in Venezuela geboren, lebt und ar-
beitet in Österreich. Im August will sie mit
ihrem Sohn und einer Gruppe von FreundInnen ein
Frau L. wendet sich an ZARA. Sie will, dass ein Be- Lokal in Wiener Neustadt besuchen. Manche ihrer
schwerdebrief an die Geschäftsführung geschrieben FreundInnen sind ÖsterreicherInnen, andere nicht.
wird. Im Antwortschreiben wird abgestritten, dass Als Frau A. das Lokal betreten will, sagt der Türsteher
die Beschäftigten diskriminierend gehandelt haben zu ihr: „Kein Scheißneger darf hier hinein.“ Frau A. ist
könnten. Viele von ihnen seien selbst „Ausländer“. Der sprachlos. Ihr Sohn fragt den Mann von der Security,
Brief enthält keinerlei Entschuldigung. Trotz der unbe- was das solle. Dieser erwidert: „Das hat unser Chef
friedigenden Reaktion will das Ehepaar L. weder einen gesagt und wir machen, was der Chef sagt.“ Als der
Antrag an die Gleichbehandlungskommission (siehe Sohn versucht, seine Mutter zu verteidigen, wird er
„Glossar“) richten, noch eine Anzeige bei der Bezirks- vom Türsteher heftig zur Seite gestoßen. Zwei zufällig
verwaltungsbehörde (siehe „Glossar“) erstatten. Der daneben stehende Zivilpolizisten mit Dienstmarken,
Fall wird von ZARA dokumentiert. packen ihn und drehen ihm den Arm auf den Rücken.
Als er sagt, dass rassistische Diskriminierung verboten

81 Frau Y. geht mit einer Gruppe von Freun-


dInnen in ein Tanzlokal in den Stadtbahn-
bögen am Wiener Gürtel. Einer ihrer Freunde, ein Tan-
sei, antworten die Polizisten, dass ihnen das egal sei
und er trotzdem nicht in das Lokal dürfe. Nun mischt
sich Frau A. ein und sagt, sie sei auch Geschäftsfüh-
sanier, geht kurz aus dem Lokal, um sich von einem rerin in einem Lokal und wisse genau, was verboten
anderen Freund zu verabschieden. Als er zurück ins sei. Den Türsteher kostet das lediglich ein spöttisches
Lokal will, lässt ihn der Türsteher nicht mehr ein, der Lächeln. Ein Polizist fordert die Gruppe auf, in ein
angegebene Grund ist, dass nur Frauen Zutritt hätten. anderes Lokal zu gehen.
Er erklärt, er sei soeben aus dem Lokal gekommen Gemeinsam mit Frau A. bringt ZARA einen An-
und sei Tourist mit gültigem Pass und Visum. Seine trag auf Feststellung einer Diskriminierung bei der
Freunde würden drinnen auf ihn warten. Schließlich Gleichbehandlungskommission (siehe „Glossar“) ein.
ruft er Frau Y. an, die sogleich zur Türe kommt, um Das Verfahren ist zu Redaktionsschluss noch nicht
zu sehen, was los ist. Der Türsteher sagt ihr, dass er abgeschlossen.

49
Dienstleistungsverweigerung in Lokalen und Geschäften

84 Herr V. geht im Oktober die Laxenburger


Straße entlang. Als er an einem Pub vorbei-
kommt, bemerkt er eine Diskussion zwischen den
Zu Redaktionsschluss ist das Verfahren noch nicht
abgeschlossen.

zwei Türstehern des Lokals und einem Afrikaner. Die


beiden Türsteher erklären diesem, dass sie ihn nicht
in das Lokal lassen können, da die anderen Gäste
86 Im Dezember wollen Herr und Frau K. Ver-
träge mit einem Mobilfunkbetreiber ab-
schließen. Herr K., der einen jugoslawisch-serbischen
sich beschweren würden. Es gebe zu viele Fremde in Pass besitzt, soll der Vertragspartner sein. Sein Pass
der Gegend. Man könne ja nicht alle reinlassen. Herr wird jedoch als Legitimation nicht akzeptiert, sein in
V. mischt sich ein und widerspricht den beiden. Die Österreich ausgestellter Führerschein hingegen schon.
Türsteher drohen ihm jedoch und sagen, er solle ver- Das Ehepaar empfindet diese Behandlung als äußerst
schwinden. Er hätte ja keine Ahnung. Herr V. und der unangenehm und sucht einen anderen Mobilfunkbe-
Afrikaner gehen, da sie eine weitere Eskalation ver- treiber auf, der den jugoslawisch-serbischen Pass mit
meiden wollen. Herr V. verspricht ihm, den Vorfall zu gültiger Aufenthaltsgenehmigung akzeptiert.
melden. ZARA verfasst auf Wunsch der beiden einen Brief
Gemeinsam mit ZARA verfasst er einen Beschwer- an den ersten Mobilfunkbetreiber und fragt nach,
debrief an das Pub und es wird eine Anzeige nach warum der Pass als Legitimation nicht akzeptiert
dem EGVG (siehe „Die eigenen Rechte kennen“) ein- wurde. Im Antwortschreiben führt die Firmenleitung
gebracht. Zu Redaktionsschluss gibt es noch keine aus, dass das Vorlegen eines Reisepasses mit einem
Reaktion. noch mindestens sechs Monate gültigen Visum und
die Angabe einer österreichischen Bankverbindung,

85 Frau R. ist deutsche Staatsbürgerin indischer


Herkunft. Aufgrund der Absolvierung ihres
Europäischen Freiwilligendienstes lebt sie für ein
Voraussetzungen für das Abschließen eines Ver-
trages mit „Nicht-EWR-BürgerInnen“ mit Wohnsitz in
Österreich sind. Allerdings hätte im Frühjahr 2005 das
Jahr in Wien. Im April möchte sie mit einer Freundin Kriminalkommissariat Zentrum Ost vor Fälschungen
aus England einen Radausflug zum Neusiedlersee alter jugoslawischer Pässe gewarnt. Daher wurde
machen. Sie wollen sich in der Nähe des Eisenstäd- der Pass von Herrn K. abgelehnt. Diese Warnung
ter Bahnhofs bei einem Verleih Fahrräder ausborgen. sei zwar wieder zurückgenommen worden, jedoch
Als sie den Radverleih betreten, sind noch drei andere habe man dies offensichtlich nicht erfolgreich an alle
Kunden, ein 14 Jahre alter Junge, sein Vater und ein Vertragshändler kommuniziert. Die Firmenleitung
etwa 30-jähriger Mann, die ebenfalls auf Bedienung entschuldigt sich bei dem Ehepaar und lässt ihnen als
warten, anwesend. Der Ladenbesitzer ist gerade nicht Entschädigung eine Telefonwertkarte zukommen.
im Raum. Als er mit einem Mädchen zurückkommt,
fragt er, wer an der Reihe sei. Der Mann sagt, dass
Frau R. und ihre Freundin vor ihm gekommen wären.
Der Vater meint in Richtung des Ladenbesitzers: „Die
87 Frau L. ist im Kosovo geboren und lebt in
Wien. Sie leidet seit geraumer Zeit an Kreis-
laufbeschwerden und Ohnmachtsanfällen. Aus die-
beiden wollen etwas von Ihnen.“ Woraufhin dieser sem Grund geht sie zu ihrem Hausarzt. Diesem be-
spöttisch antwortet: „Die beiden haben von mir nichts richtet sie von den Beschwerden und erwähnt, dass
zu wollen, wenn sie etwas wollen, sollen sie zurück in sie arbeitslos ist. Der Arzt hört ihr erst zu, fragt sie
Ihre Heimat gehen!“ Der Junge und sein Vater lachen. dann aber: „Was willst du eigentlich? Kauf dir eine
Der Radverleiher ergänzt hämisch: „Ich bin beken- Zugkarte und fahr heim! Fahr nach Hause und geh
nender Rassist!“ Frau R. entgegnet: „Wenn das so ist, dort aufs Feld ernten! Was wollt’s ihr eigentlich hier?
sollten wir wohl besser gehen?“ – „Ja, geht’s dahin wo Wir sind hier doch in keinem Wohlfahrtsstaat!“ Frau L.
ihr hergekommen seid “, sagt darauf der Besitzer. Frau ist sprachlos, sie kann nichts erwidern und verlässt die
R. ergänzt noch, dass sie aus Deutschland komme. Ordination.
Woraufhin der Ladenbesitzer in zynischem Ton sagt: ZARA interveniert für Frau L. bei der Wiener Ge-
„Ja! Ich sehe Ihre Farbe, ich sehe ja Ihre Farbe!“ Frau R. bietskrankenkasse, der Wiener Ärztekammer und der
wird wütend und antwortet: „Sie hätten wohl besser Patientenanwaltschaft. Sie wurde nicht nur beleidigt,
vor 1945 gelebt, da hat es genügend Arschlöcher wie der Arzt hat ihr auch die Untersuchung verweigert.
Sie gegeben. Das wird für Sie noch Folgen haben!“ Die Klientin hat Angst vor dem Arzt und will anonym
Woraufhin der Mann die beiden mit den Worten: „So? bleiben, deshalb kann die Patientenanwaltschaft den
Macht’s, dass ihr wegkommt! Ich lass´ mich doch von Fall nicht übernehmen. Von der Ärztekammer erhält
so einer nicht bedrohen!“ rausschmeißt. ZARA keine Reaktion. Lediglich die Gebietskranken-
Der etwa 30-jährige Mann folgt den beiden, ent- kasse lässt wissen, dass sie den Fall zwar bedauere, sie
schuldigt sich und weist darauf hin, dass nicht alle aber Frau L. nicht weiterhelfen könne, da es keine Zeu-
Menschen in Österreich so seien. Er wusste nichts gen gäbe und Aussage gegen Aussage stehe.
von der Gesinnung des Ladeninhabers und werde in
Zukunft keine Räder mehr bei ihm ausleihen.
ZARA bringt für Frau R. einen Antrag bei der
Gleichbehandlungskommission (siehe „Glossar“) ein.
88 Frau S., tschechischer Herkunft, die seit vier
Jahren in Österreich als Fotografin lebt, geht
mit ihrer elf-jährigen Tochter und ihrem drei-jährigen

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Dienstleistungsverweigerung in Lokalen und Geschäften

Sohn auf einem Markt in der Nähe der Brünnerstra- die drei und fünf Jahre alt sind, in die Filiale eines Ge-
ße einkaufen. Sie beginnt um ca. 11 Uhr 30 mit der schäfts für Büro- und Schulartikel. Frau H. spricht mit
Auswahl der einzukaufenden Dinge bei einem Stand, ihren Kindern Spanisch und sagt ihnen, dass sie sich
der um 12 Uhr geschlossen wird. Frau S. benötigt et- gedulden mögen. Da die Kinder aber unbedingt ge-
was länger, da sie die genauen Mengenangaben in hen wollen, legt sie zwei Bücher und ein Puzzle aus
einem Kochbuch nachschlägt. Der Inhaber des Markt- der Hand und geht mit einem Buch zur Kassa. Eine
standes fordert sie auf, sich zu beeilen, da er seinen junge Verkäuferin folgt ihr und herrscht sie an: „Was
Stand schließen möchte. Frau S. antwortet, dass er haben Sie für eine unglaubliche Unordnung hinter-
kein Geschäft machen würde, wenn sie sich beeilen lassen. Ich habe Sie schon die ganze Zeit beobach-
müsse. Als sie schöne Pilze genauer begutachten will, tet, wie Sie überall die Bücher zuerst herausgezogen
schreit eine Verkäuferin sie an: „Greif das nicht an! und dann irgendwo weggelegt haben!“ Frau H. bittet
Geh´ heim in dein Land! Kannst du dich nicht beneh- die Verkäuferin, sie nicht anzuschreien. Diese antwor-
men wie wir Österreicher?“ Frau S. versucht zunächst tet, sie müsse schreien, da Frau H. sie sonst nicht ver-
ruhig zu bleiben, nachdem die Beschimpfungen aber stehen würde. Frau H. legt nun auch das letzte Buch
immer gemeiner werden, beginnt sie zu weinen und zurück und verlässt mit ihren Kindern das Geschäft.
schimpft zurück. Sie wirft den StandlerInnen Rassis- Die Kassiererin schreit ihr nach: „Du Tschuschin!“ Noch
mus vor, diese drohen ihr mit der Polizei. Schließlich am selben Tag schickt Frau H. eine Beschwerde an die
holt sich Frau S. Hilfe vom Marktamt, dessen Leiter erst Firma und erhält kurz darauf eine Antwort. Die Fir-
versucht, den Streit zu schlichten, dann aber damit menleitung entschuldigt sich für das Benehmen ih-
beginnt die Gesten und das Weinen von Frau S. nach- rer Mitarbeiterin und versichert, dass man mit ihr ein
zuäffen. Daraufhin verlässt sie das Marktgebiet. Gespräch geführt und sie ermahnt habe.
Frau S. kommt zu ZARA. Gemeinsam wendet man Frau H. ist mit dem Ausgang zufrieden und schickt
sich an die Gleichbehandlungskommission. Diese ent- den Fall zur Dokumentation an ZARA.
scheidet, dass zwar keine unmittelbare Diskriminie-
rung vorliegt, aber aufgrund der Beschimpfungen der
Tatbestand der Belästigung gegeben war. Mehr dazu
siehe: www.bmgf.gv.at/cms/site/attachments/9/1/3/
91 Frau N. will mit ihrem Freund aus Polen in
Salzburg im Stadtbus fahren. Ihr Freund te-
lefoniert und spricht Polnisch, woraufhin ihm der
CH0271/CMS1147954825402/gbk_iii_8.pdf. Busfahrer, keinen Fahrschein verkaufen will. Ein Paar
mischt sich unmittelbar ein und beginnt, rassistisch

89 Herr P. kauft in einer Postfiliale ein Buch mit


Kinderliedern. Er ist schockiert, als er darin
das Lied „10 kleine Negerlein“ findet und wendet sich
zu schimpfen. Als Frau N. und ihr Freund sich verbal
wehren, werden sie mit Pfefferspray attackiert. Frau
N. schafft es, auszuweichen, ihren Freund trifft das ät-
an ZARA. zende Gemisch im Gesicht. Frau N. kann die Polizei ru-
ZARA schreibt bezüglich des rassistischen Textes fen. Nun versuchen die TäterInnen zu flüchten, doch
des Kinderliedes an die Post und den Buchverlag. Zu der Busfahrer hält sie auf. Er ist gesetzlich dazu ver-
Redaktionsschluss liegt noch keine Antwort vor. pflichtet, aggressives Verhalten zu unterbinden und
seine Fahrgäste vor Übergriffen zu schützen. Die Poli-

90 Frau H. ist in Argentinien geboren und lebt


in Wien. Sie geht mit ihren beiden Kindern,
zei kommt und nimmt die TäterInnen fest. Frau N. mel-
det den Fall zur Dokumentation.

51
Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

Rassismus als Reaktion auf


Anti-Rassismus-Arbeit

ZARA betreibt seit längerer Zeit konsequente und ste-


tige anti-rassistische Öffentlichkeitsarbeit. Auf Kam- 93 Anfang Oktober erhält ZARA folgendes
E-Mail:
„Verbrechen das ihr an uns Österreicher begeht
pagnen und Stellungnahmen, aber ebenso wenn
ZARA diskriminierende Vorkommnisse medial auf- ist infam Die unnötigen, gegen dutzende Gesetze
zeigt, gibt es teils heftige Reaktionen; sowohl posi- verstossenden, Zugereisten Fremde Ausländer ha-
tive als auch negative. Die negativen Reaktionen sind ben bei uns nichts verloren. Und es ist ein Verbre-
Manifestationen von offenem und massivem Rassis- chen denen noch Millionen ? in den arsch zustecken!
mus, die dokumentiert und eine Auswahl von ihnen H E I M S C H IC K E N ! ! !“
im Rassismus Report veröffentlicht werden. Andere
Initiativen wie etwa die Website www.no-racism.net,
die den rassistischen Alltag sowie die rassistische Po-
94 Ein junger Mann beschreibt ZARA telefo-
nisch, mit schlecht imitiertem türkischem
Akzent, dass Skinheads seine Kebabbude demoliert
litik und deren Folgen in Österreich und in Europa do-
hätten. Ein ZARA-Mitarbeiter fragt nach, ob er dies
kumentiert oder www.ehe-ohne-grenzen.at, die sich
bereits der Polizei gemeldet habe. Er bejaht, will aber
für einen menschenrechtlichen Umgang mit binati-
nicht ins ZARA-Büro kommen, um von dem Fall zu be-
onalen EhepartnerInnen einsetzt, sind ebenso Ziel- richten. Stattdessen beginnt er zu lachen und schreit
scheiben rassistischer Angriffe. „Heil Hitler“ ins Telefon.
Dies ging in diesem Jahr so weit, dass Überwa- Im Juli kommen drei Jugendliche in die ZARA-
chungsmaßnahmen getroffen werden mussten, um Beratungsstelle. Sie stehen an der Tür herum und fra-
die ZARA-MitarbeiterInnen vor etwaigen Angriffen zu gen, ob sie Infomaterial bekommen können. Die drei
schützen. bedienen sich, brüllen „Heil Hitler!“ und rennen la-
ZARA legt Wert darauf zu betonen, dass diesem chend weg.
Hass keine Plattform gegeben werden soll, findet aber, Kurz darauf kommt ein Anruf, jemand schreit:
dass es notwenig ist, diese Realität hier abzubilden. „Scheißjuden! Heil Hitler! Ihr Hurenkinder!“
Es folgt ein weiterer Anruf, in dem gefragt wird:
Anmerkung: Alle hier wiedergegebenen Texte wur- „Warum verteidigt’s ihr Neger?“ Ein ZARA-Mitarbeiter
den ohne Korrekturen oder Hinzufügungen unverän- sagt zu dem Anrufer, dass er derartige Anrufe unter-
dert übernommen. lassen solle. Als Antwort kommt: „ZARA, wir werden
euch bombardieren!“
Es folgen unzählige weitere Anrufe mit Gewaltdro-
92 Als Reaktion auf eine Kampagne gegen rassis-
tisch diskriminierende Anzeigen im Jänner hungen.
Schließlich ruft ein ZARA-Mitarbeiter aufgrund der
erhält ZARA folgendes E-Mail:
„Ich habe heute mit großem Ärger und Abscheu von anhaltenden Drohungen die Polizei, die 45 Minuten
Ihrer jüngsten Hetzkampagne gegen österreichische später eintrifft. Der Vorfall wird von einer Beamtin und
Arbeitgeber und Vermieter erfahren! Was treibt Sie einem Beamten aufgenommen.
An den nächsten beiden Tagen befinden sich
zu solchen Aktionen,Sie jammern und schwätzen im-
neonazistische Nachrichten auf dem Anrufbeantwor-
mer von irgendwelchen fiktiven ‚Diskriminierungen’,
ter. ZARA informiert neuerlich die Polizei und wen-
jedoch sind solche Leute wie Sie es sind,die größten
det sich an die Medien. Es werden Sicherheitsvorrich-
Hasser und Rassisten in diesem schönen Land.Sie dis-
tungen wie Fangschaltung und Videoüberwachung
kriminieren alles was pro-österreichisch eingestellt
installiert. Die Ermittlungen des Landesamtes für Ver-
ist und auch die Leute,die aus verständlichen Gründ
fassungsschutz und Terrorismusbekämpfung sind zu
e,Ausländer,aufgrund ihres Benehmens,ihrer hier völ- Redaktionsschluss noch im Gange.
lig unangebrachten orientalischen ‚Sitten’ und auf-
grund ihrer hohen Anfälligkeit bzgl. Begehung von
Straftaten,nicht im Beruf oder-noch verständlicher-
im Haus haben wollen.Sie sollten sich schämen und
95 Im März ergeht folgendes E-Mail anonym an
ZARA, darin heißt es unter anderem: „Wenn
ich einmal nach Wien komme ist es ein Alptraum. Die
sich einmal um österreichische Verbrechens(Drogen/ Wiener und Österreicher leben alle in einer Argonie.
Vergewaltigungs etc.)opfer kümmern,anstatt immer Blind gehen alle durch die alten Häuserschluchten
diese würdelosen Hetzkampagnen zu starten!“ voller Türken, Tschuschen etc. Gegen diese Situation

52
Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

gehört sofort etwas unternommen. Der Großteil der


Ausländer ist Abschaum. Brutal, bewaffnetes, rück-
sichtsloses Gesindel!... Der Hass wird von Tag zu Tag
100 Im April sendet Herr D. ZARA Folgendes
per E-Mail:
„Wann werden seitens ‚ZARA’ endlich klare Worte ge-
zunehmen, wenn dieser Abschaum von Moslem nicht funden, die die hohe Kriminalität der Neger in Öster-
sofort sich zivilisiert benimmt. Es wird Krieg geben. reich verurteilen. Auch für Neger gelten die österrei-
Das kann ich Ihnen heute schriflich geben wenn sich chischen Gesetze - Privilegien auf Grund der Hautfarbe
nichts ändert... Wie schön war einmal der Reumann- ist Rassismus in Reinkultur. Die überwiegende Mehr-
platz beim Tichy. Lauter Türkengesindel. Millionen heit der Neger in Österreich verdienen ihren Lebens-
wird den Türkengesindel äin den Rachen gewor- unterhalt durch kriminelle Handlungen.“
fen und andere ÖSTERREICHER nagen am HUNGER-
TUCH!!!!!!!!!!!!!!!!“
101 Herr N. schreibt an ZARA:
„... AR***LÖ**ER WIE IHR SEID SCHULD

96 Herr B schreibt an ZARA: „Ihr seid wirklich


DAS Letzte. Die ur-einheimische Bevölke-
rung Österreichs verraten und denunzieren. Wo gibt’s
AM UNTERGANG DER WESTLICHEN ZIVILISATIONEN
UND WERDET HOFFENTLICH IM SELBEN MASSE BE-
ZAHLEN, WIE ALL JENE, DENEN DAS GEHIRN NICHT
denn so was? Seid ihr der Rest der Stasi? Scheint so. VOLLSTÄNDIG GEWASCHEN WURDE“
Wieso geht ihr nicht von dannen, wenn es euch nicht
paßt? Euch zwingt keiner dort zu bleiben. Zum Wohle
unserer benachbarten deutsch-österreichischen
Bevölkerung kann euch das Geld dort drüben gar
102 Im Januar 2006 erhält ZARA ein E-Mail, in
dem es heißt:
„Geht bitte was ist das für ein komischer Verein. WENN
nicht schnell genug ausgehen.“ ICH EINEN INLÄNDER SUCHE; WÜNSCHE ICH AUCH
EINEN: das ist ganz einfach. Wo können wir Österrei-

97 Herr K. schreibt an ZARA: „Ihre sehr idealis-


tischen und Menschenfreundlichen Aktivi-
täten erklären mir in keiner Weise warum ich Afrika-
cher hin gehen, wenn wir keine Arbeit haben. Nach
Serbien, Rumänien oder Türkei? Das sind doch alle
Verbrecher. Gehst 200 Meter wirst 3 x angeblödelt
nische Rauschgifthändler und Ostblockkriminelle in von den Negern wegen Rauschgift, gehst zu U-Bahn,
irgendeiner Weise unterstützen soll. Ich will sie weder sitzten die jungen und alten Weiber umher und bet-
diskriminieren noch schlecht behandeln . Sie sollen teln. Laßt Dei Frau wenns dunkel wird nach Haus
nur dorthin verschwinden wo sie her sind . Natürlich gehn, gehns die Tschuschn an. Sprich Jugo und die
kann jeder falls er es finanziert ,seine privaten Sozia- verdammten Türken. Da hat Strache recht.“
lutopien mit diesen Leuten ausleben . Aber nur wenn
er auch selbst finanziert. Für viele Mitbürger unseres
Landes sind viele der Gutmenschen-Aktivitäten eine
schwere finanzielle Belastung unsereres Landes die
103 Frau B. schickt folgenden Text an ZARA:
„wer schreibt mir vor was ich in mein in-
serat schreibe, wenn ich nur eine inländerin will und
rational niemals erklärbar ist. Oder doch ? Aber natür- gebrauchen kann, werde ich das in der annonce be-
lich werdet Ihr weitermachen wie bisher. Aber viele kanntgeben, ich stelle mich nicht mit 100 tschuschen
viele andere werden diesem Unsinn entgegentreten. her, schade um die zeit.
Dazu muß man ganz sicher kein Rassist sein.Oder ist sie können aber ihre arbeit besser machen und ver-
jeder der keine Ausländischen Kriminellen will einer suchen, das die sogenannten armen ausländer sich
? Na fein dann bin ich auch einer . Jedenfalls sind die anpassen, wenn sie kopftücher tragen wollen sollen
meisten Aussendungen und Meinungen Ihres Ver- sie dort hin gehen wo sie her kommen, die nächsten
eines richtige persönliche Einladungsschreiben für die wahlen werden es zeigen. bei gott, ich bin nicht mit so
oben angeführten Ostkriminellen und Afrikanischen einer eistellung auf die welt gekommen, aber jetzt bin
Rauschgifthändler. Und Ihr seid wirklich so anstän- ich ein rassist, ich habe nicht mehr in meinen eigenen
dig und gut das Euren Mitbürgern locker zuzumuten vier wänden ruhe, das habt ihr aus uns gemacht, die
? Wieso eigentlich ? Trotzdem , mit freundlichen Grü- fpoe-anhänger sind keine randerscheinung wir wer-
ßen . den noch mehr, lesen sie keine zeitung??? das sind
Rassist- K. K.“ größten teil ausländer die verbrecher, unser gesindl
fällt gar nicht mehr auf, noch ein tipp, wenn sie diese

98 Im März erhält www.no-racism.net folgendes


anonymes E-Mail: „ihr gehört eigentlich ale
ins KZ ihr scheiß zecken“
leute so lieben, dann nehmen sie sie doch mit zu sich
nach hause, lassen sie ordentliche INLÄNDER in ruhe.
straffällige gehören sowieso nach hause, aber die
regierung hat ja den überblick verloren wie viele wirk-

99 Frau S. schickt ein E-Mail, in dem geschrieben


steht:
„die groessten Faschos und Rassisten seids immer
lich da sind, für die zählt nur die macht. es wird nicht
mehr lange dauern und die türken reissen uns den
arsch auf, na viel vergnügen für euch, denn auf euch
noch ihr“ wird auch keine rücksicht genommen“

53
Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

104 Anonym wird dieses E-Mail geschickt:


„Aus dem niederländischen Parlament
und Territorium wurde ein verlogenes Negerweib
ich wurde selbst gefragt, Ihr meint sicher das sollte
man Tollerieren die armen schweine müssen sich ja
ernähren, natürlich auf kosten unserer Jugendlichen
entfernt! Is das nicht rassistisch? deren sucht Sie jeden Tag wieder zu unseren Nigeri-
Nein. Sollte man mit dem ganzen afroiden Asyliti- anischen freunden treibt. Mich Kotzt es so an das Ihr
ker-Abschaum machen, der auf Befehl von weißen Be- diese Sozialschmarotzer alle noch in Schutz nehmt,
amten falsche oder keine Angaben macht.“ Ihr denkt vieleicht ich bin nur ein kleiner dummer
wiederbetätiger, dazu kann ich nur sagen oft habe ich

105 www.no-racism.net meldet ZARA, dass


sie folgendes E-Mail erhalten haben:
„treffen sich wieder ein paar deperte wegen einem
versucht einige Ausländer zu verstehen wollte sogar
helfen, Als ich einen Nigerianer aus Benin City ken-
nengelernt habe.
Neger und ein paar emanzinnen wegen einem War kurzzeitig mit ihm befreundet als ich bemerkte
schwarzen Schwanz“ das er einen Scheinehenhandel betreibt daher spre-
che ich aus erfahrung ich möchte Ihnen nur gerne

106 An einem Vormittag im Mai schickt Herr


K. folgendes E-Mail an ZARA:
„obwohl ich als oesterreicher ca. 20 jahre meines
Mitteilen was die Laufbahn eines Nigerianers ist der
die Staatsbürgerschaft haben will :
Ankunft in Österreich
lebens im ausland verbrachte kann ich ihre ansicht Unterkunft in Wgls bis zu 120 m2 zu 10t
bezueglich einiger migranten bzw. asylantengrup- Kennenlernen der Gruppierungen in Wien
pen nicht teilen. moslems u. schwarze ! meine frau Treffen mit einen so gennanten Verteiler (Großvertei-
ist nichtoesterreicherin und hat auf grund ihrer spra- ler von Drogen)
chenvielfalt beruflich mit asylanten zu tun. Antritt an einen der Umschlagplätze (Anlernphase)-
sie wird speziell von negern aufs schlimmste be- das ‚Verchecken lernen’
schimpft und teilweise bedroht. so wie heute nach- Drogendealen bis man mindestens 8000 € zusammen
mittag. auf grund dieser drohungen ich bin des oefte- hat
ren gezwungen meine frau von der arbeit abzuholen. danach mit einen Vermittler treffen natürlich auch ein
ich frage sie: ist es des rechtens in einem fremden Schwarzafrikaner der sich dumm und dämlich ver-
land von dem ich soziale leistungen empfange, mich dient
so unzivilisiert aufzufuehren? Wenn Idealer Drogensüchtiger Österreicher gefunden
ist es rechtens bei wiederspruch sofort diskriminie- ist der dringen Geld Braucht wird geheiratet
rung zu schreien? voala Rezept für eine Staatsbürgerschaft
ich empfinde harte polizeiliche massnahmen ge- Ich möchte weiters Anmerken nicht die Kopftücher
rechtfertigt ! da viele schwarze asylanten moslems sind das Problem sondern das was drunter steckt,
sind, bin ich bei diesen sogar fuer die anwendung der denn der Plan für eine Türkische Familie
scharia. wie sie sehen stehe ich fremden religionen u. ist folgender:
kulturen durchaus offen gegnueber !“ Um so mehr Kinder wir fabrizieren um so mehr Geld
Am selben Tag ruft er auch an und diskutiert etwa bekommen wir Schlaraffenland Österreich.
20 Minuten lang mit einem ZARA-Berater. Der Berater Telefongespräch das ich mithören konnte als ich in ei-
ist bemüht, ein sachliches Gespräch zu führen, Herr K. nen Kaffe saß:
wird aber immer ausfälliger und rassistischer. Als nur Sagt Yusuf zu Ugur :
mehr Hasstiraden zu hören sind, bricht der Berater das he ugur wie geht,
Telefonat ab. Wenig später meldet sich Herr K. erneut. ja bin i jetzt wida da
Er lässt ZARA wissen, dass er sich bei den Geldgebern He kommsdu auch Ösreich gutes gibt alles braust
beschweren will. Der ZARA-Berater gibt ihm die Tele- nicht mal arbeit machen gehst nur zu stelle aaa schei-
fonnummer der Wiener Magistratsabteilung 17. Etwa se wie heisd aja heisd ams
eine Stunde später meldet er sich abermals, schreit gehst hin saxt “versteh nix” und dann griegst schon
und schimpft ins Telefon und legt wieder auf. geld und supa wonung griegst auch .
ok hörma späta

107 Folgendes, sehr ausführliches E-Mail sen-


det Herr W. an ZARA:
„Wo können sich Österreicher beschweren wenn Ihre
Und das mußte ich hören.
Als ich mit 18 Jahren brav mit meinen Vormerkschein
als Österreicher aufs Magistrat gegangen bin sagen
Kinder von Türkischen Jugendmafias in der Schule die mir :
halb Tod geprügelt werden. ‚Ja Herr W. wir können Ihnen folgende Wohnung an-
Ihr meint das unsere Polizei zu hart gegen Schwarz- bieten, 35m2 Toilette am Gang’ Kategorie 3
afrikaner vorgehen. Dann würde ich euch einmal In der Kabine neben mir eine Türkenfamilie mit 4 Kin-
empfehlen ab 20 Uhr am Schweden Platz zu fahren dern ohne Vormerkschein :
dort findet Ihr auf dem Platz neben der Bp Tankstelle ‚Ja Herr Ü. wir können Ihnen Anbieten 90 m2 Katego-
jeden Abend um die 30 Schwarzafrikaner die alle Dro- rie 1’ (Klo in der Wohnung mit Badewanne!)
gen anbieten WO bleibt da die gerechtigkeit !!!

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Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

Leute wie mich nennen Sie Wahrscheinlich ‚Neo Nazi’


bin ich aber nicht ich bin Geschichtlich im Bilde und
Verabscheue Adolf Hitler.
111 Im September erhält www.no-racism.net
folgendes E-Mail:
„ihr drecksäue gehörts alle an den eiern aufgehängt!
Meine Anschaungen habe ich alle selbst erworben ihr Scheißhunde seit es nich wert, als mitglieder der
und sie wurden mir auch nicht weitergegeben. menschlichen rasse bezeichnet zu werden!“
Ich Distanziere mich ausdrücklich von jeglichen Nati-
onalsozialistischen Hintergrund.
Ich bin es einfach leid am Abend auf meine Freundin
zu warten (Sie Kellnerin) und immer Angst haben zu
112
tungsstelle:
Im November schreibt Herr S. an ZARA
und beschimpft den Leiter der Bera-

müssen ob nicht wieder „Betreff: Tschusch


Irgend ein Türke aus einen Mercedes aussteigt und ihr Schönen Vormittag,
mit Vergewaltigung droht nur weil Sie sich selbst in Geht, nur eine Frage:
Ihren Glauben einschränken. Wie oft wird diese Sendung mit den Tschuschen, der
16ter Wiener Gemeindebezirk sich über die Polizei aufregt, noch gesendet. Das ist
Ihr könnt das gerne Löschen mir ists jetzt leichter !“ doch schrecklich.
Nur so nebenbei: das Wort Tschusch steht im Ös-

108
dieses E-Mail:
Im Juli erhält der Wiener Verein kultim-
port von einem Vienna City Terminal aus
terreichischen Wörterbauch, nicht erst jetzt, sondern
schon Jahrzehnte, als kein Schimpfwort. Sondern als
Menschen, welche von Spielfeld bis in den Orient und
„Von: A.H weiter bezeichnet werden. Gabs da nicht einmal eine
Betreff: Multikulturelle Verbrechen Werbung mit Plakaten? Aber von einem Ministerium.
Text: Ihr verfluchten Türkensäue !! Raus aus Österreich! ‚ich heiß Kolaritsch; du heißt Kolaritsch, warum sagen
Jetzt beginnt die Endzeit! Wir werden kanakenfreie sie zu mir- Tschusch’
Zonen schaffen- wie in Ostdeutschland!!“ Also der arme Tschusch soll sich nicht aufregen
über unsere Polizei, soll nachdenken wie es bei ihm zu

109 Die Initiative www.ehe-ohne-grenzen.at


erhält ein anonymes E-Mail:
Hause den Ausländern geht.“

„Kann man bei Euch auch was zum vögeln bestellen.


Wenn ja bitte eine frisch gewaschene Negerin, natür-
lich aidsfrei - zahle 50 EURO pro Stunde.“
113 Im Dezember geht ein Anruf bei der
ZARA-Beratungsstelle ein. Ein Mann
behauptet, er wäre soeben von „Skins“ überfallen wor-
den und brauche einen Beratungstermin. Der ZARA-

110
Herrn F.:
Im September erhält die Redaktion von
www.afrikanet.info folgendes E-Mail von
Berater sagt ihm, wann ein Termin möglich wäre, als
der Anrufer plötzlich „Heil Hitler! Wir jagen euch in die
Luft!“ ins Telefon grölt und auflegt. ZARA informiert
„Ich lasse mir von Ihnen weder einreden, daß Baka- umgehend das Bundesamt für Verfassungsschutz und
ry J. ‚nur so’ aus heiterem Himmerl verprügelt wurde Terrorismusbekämpfung. Dieses schickt eine Polizei-
- denn in Ihrem Artikel (aus der Zeit, als der Vorfall streife. Die BeamtInnen nehmen die Anzeige entge-
geschah) fehlt ‚rein zufällig’ die Schilderung, wie sich gen. Zu Redaktionsschluss sind die Ermittlungen noch
der ‚Herr’ zum Zeitpunkt seiner Abschiebung auf- nicht abgeschlossen.
geführt hat - noch lasse ich mri einreden, daß Wore
wie Neger oder Mohr oder Indianer oder Eskimo
jemanden beleidigen.
Diese Wörter haben in Europa eine lange Tradition.
114 Frau K. organisiert im Dezember eine an-
tirassistische Informationsveranstaltung
in Wien. Im Vorfeld der Veranstaltung erhält sie zwei
Wenn sich aufgrund der Verwendung eines solchen Morddrohungen am Telefon. Die Stimme sagt: „hey du
Wortes ein zugereister Afrikaner bemüßigt fühlt, ‚be- bist di, die das event organisiert, i sog da ans, wir legn
leidigt’ sein zu wollen, kann er das von mir aus natür- di um bzw. kum ma aufs event u zag da was rassismus
lich tun. ist.“ Frau K. erstattet Anzeige bei der Polizei, die Ermitt-
Ich mache mir allerdings so meine Gedanken, wie lungen aufnimmt. Kurz vor der Veranstaltung lauern
er denn wissen soll, was bei uns in Europa eine Belei- ihr zwei Männer auf der Straße auf. Sie flüchten, als sie
digung darstellt und was nicht. Denn, so unterstelle die Polizei verständigt. Kurz nach der Veranstaltung
ich mal, derjenige wird wohl kaum vom Tage seiner wird in ihre Wohnung eingebrochen, außer einigen
Ankunft der Deutschen Sprache mächtig sein und, Büchern zum Thema Rassismus fehlt in der durch-
ich unterstelle wieder, wahrscheinlich auch nicht die wühlten Wohnung allerdings nichts.
‚weltmännische Bildung’ der Mitarbeiter von afrikanet
haben, welche sich herausnehmen für mündige Bür-
ger festlegen zu wollen, welche Wörter eine ‚Beleidi-
gung’ dartellen und welche nicht.“
115 Herr G. ist Landesobmann des Rings Frei-
heitlicher Jugend Salzburg. Zu Weihnach-
ten schreibt er folgendes lange E-Mail an ZARA.

55
Rassismus als Reaktion auf Anti-Rassismus-Arbeit

„Sehr geehrte Damen und Herren! Zusammenhängen in Verbindung zu bringen, anstatt


Ich würde gerne mal wissen, inwiefern sie sich mit zu behaupten, daß das Wort ‚Neger’negativ besetzt sei
Rassismus gegenüber gebürtigen Österreichern (‚na- - was in den weitesten Kreisen nicht mal der Fall ist -
tives’) befassen. Ich selbst bin bereits mehrfach Opfer und in bester ‚1984’-Manier dieses Wort zu ächten und
rassistisch motivierter Gewalt geworden, weil ich ein unmöglich zu machen. ‚Neusprech’ kann ja wohl nicht
(Zitat) ‚scheiß Österreicher’ bin. die Antwort auf alles sein, oder?!
Wir können uns sicherlich darauf einigen, daß
Ich möchte dazu anmerken, daß ich blond und blau- ‚Negerküsse’, ‚Negerbrot’, usw. durchaus leckere Ange-
äugig bin und wohl als ‚Parade-Arier’ durchgehen legenheiten sind und daher positiv besetzt sind und
würde und deswegen u.a. vor einigen Monaten von deswegen durchaus dazu in der Lage sind negative
einem türkischen ‚Gang’ zusammengeschlagen wur- Besetzungen entweder zu neutralisieren oder sogar
de. Ein Freund, der mir helfen wollte, wurde ebenfalls soweit positiv zu besetzen, daß das Wort ‚Neger’selbst,
angegriffen und so mussten wir beide ins Kranken- wenn es denn jemals negativ gewesen sein sollte, was
haus. Ich hatte eine Verletzung am Auge und mehre- ich bezweifle, endlich als positiv darzustellen.
re Prellungen und blaue Flecken und besagter Freund Nun habe ich Ihnen einige meiner Gedanken mit-
knallte mit dem Hinterkopf so fest auf die Straße, daß geteilt und verbleibe somit
er minutenlang nur wirres Zeug redete. mit freundlichen Grüßen“
Die Polizei tat dies als ‚Pech’ ab. Ich sei in ein ‚Ein-
führungsritual’ einer Türken-Gang geraten, die jedem Ein ZARA-Berater bedankt sich bei Herrn G. und
neuen Mitglied eine ‚Einführungsrunde’ an unserer schreibt ihm: „ZARA kümmert sich grundsätzlich um
hiesigen Fortgeh-Meile zur Aufgabe machen. Die- alle Formen von Rassismus, egal von wem die rassi-
se besagt: Finde einen ‚offensichtlichen Österreicher’ stische Diskriminierung ausgeht. Es versteht sich von
und schlag ihn zusammen. selbst, dass Rassismus nicht etwas exklusiv Österrei-
Im Endeffekt stand dann die ganze ‚Gang’ um mich chisches ist. (...) Der Fall den Sie schildern ist ein Ge-
herum und feuerte ihr junges Neumitglied an, auf waltverbrechen; darum kümmert sich aber die Polizei.
mich einzuprügeln. Bei dieser Art von Verbrechen erscheint es uns irrele-
Da ich bereits zwei ihrer ‚Rassismus-Reporte’ gele- vant, welcher ‚Ethnie’ die Täter angehören. Wir haben
sen habe und ich schockiert darüber war, daß sie of- Gesetze, an die sich alle zu halten haben, egal woher
fensichtlich selbst Opfer ihres eigenen Rassismus ge- sie kommen. (...) In den Rassismus Report wird eine
worden sind und keinerlei Rassismus gegenüber den Auswahl der von uns bearbeiteten Fälle aufgenom-
‚natives’ in ihrem Berichten erwähnt wurden. men. Sie werden verstehen, dass wir nicht alle Fälle
Zudem möchte ich ihnen mitteilen, daß ich mir, veröffentlichen können, (...) Daher versuchen wir, eine
selbst Opfer rassistischer Gewalt, wirklich ‚verarscht’ repräsentative Auswahl aus den Bereichen zu brin-
(man entschuldige meine Ausdrucksweise) vor- gen. Tatsache ist, dass die rassistischen Fälle gegen-
komme, daß sie teilweise total simple Dinge wie über ÖsterreicherInnen aufgrund der bestehenden
‚Negerküsse’ skurrilerweise als rassistisch bewerten. Strukturen eine sehr geringe Zahl ausmachen. Für
Warum komme ich mir ’verarscht’ vor? 2006 haben wir lediglich 2 Fälle, in denen Österreicher-
1.) Weil ich bereits mehrmals von ausländischen Innen rassistisch diskriminiert wurden, gegenüber
Personen angegriffen wurde, nur weil ich blond und 1.500 Fällen, wo ÖsterreicherInnen rassistisch dis-
blauäugig bin. Diese Angriffe waren ausschließlich kriminiert haben. Als gebildeter Student werden Sie
gegen Leib und Leben gerichtet und bescherten mir sicher einsehen, dass wir in Österreich hauptsächlich
u.a. Krankenhaus-Besuche und somit finde ich es ein Problem mit von der Mehrheitsgesellschaft aus-
lächerlich, wenn derlei Nichtigkeiten wie Süßigkeiten gehendem Rassismus haben. (...) In meinen ‚weitesten
als ‚böse’ hingestellt werden. Kreisen’ wird das Wort ‚Neger’ nicht benutzt. Nicht aus
2.) Was soll daran schlimm sein von einem ‚Neger’ Gründen des ‚Neusprech’, sondern aus Respekt gegen-
Küsse zu bekommen? Wäre es denn nicht zielführen- über, Menschen. Warum in Ihren ‚weitesten Kreisen’
der damit sogar Werbung zu machen und ein, seit etwa diese Bezeichnung noch immer benützt wird, wissen
dem 18. Jahrhundert übliches, Wort lieber mit positiven Sie wahrscheinlich besser als ich. (...)“

56
Was wurde aus …?

Was wurde aus …?

Immer mehr Fälle können angezeigt und vor Gericht, rechtliches Verfahren nach dem neuen Gleichbehand-
die Gleichbehandlungsanwaltschaft oder die Gleich- lungsgesetz wegen unmittelbarer Diskriminierung
behandlungskommission gebracht werden. Aller- und Belästigung eingebracht. Im Verfahren in erster
dings mahlen die Mühlen der Justiz langsam. Deshalb Instanz wurde vom Gericht Diskriminierung und Be-
müssen die KlientInnen von ZARA oft länger als ein lästigung festgestellt und Frau E. Schadenersatz in
Jahr begleitet werden. In diesem Abschnitt berichten der Höhe von 700 Euro zugesprochen. Zu Redaktions-
wir über Fälle, von deren Ausgang wir Kenntnis haben, schluss ist das Urteil noch nicht rechtskräftig.
oder es wird über den aktuellen Stand informiert. Zu-
meist ist es für die ZARA-BeraterInnen sehr schwierig, Was 2006 geschah
das endgültige Ergebnis eines Falles in Erfahrung zu Frau E. ist mit dem Urteil nicht zufrieden. Sie findet,
bringen. Oft bekommt ZARA keine Auskunft von Be- 700 Euro stünden nicht in Relation zu dem erlittenen
hörden über den Verfahrensverlauf und/oder die Ent- Schaden und würden dem Täter nicht weh tun. Der
scheidung. Allerdings sind einige Entscheidungen der Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von Dis-
Gleichbehandlungskommission bereits veröffentlicht kriminierungsopfern (siehe „Glossar“) geht für Frau E.
und können online unter www.bmgf.gv.at abgeru- in Berufung. Zu Redaktionsschluss des Rassismus Re-
fen werden. Die Entscheidungen der Gleichbehand- ports 2006 wartet Frau E. auf den Ausgang des Verfah-
lungskommission führen jedoch zu keinen Sankti- rens in der zweiten Instanz.
onen. Eine behauptete Diskriminierung kann von der
Gleichbehandlungskommission nur bestätigt wer- Fall 26 aus dem Rassismus Report 2005
den. Dennoch, auch wenn ein Verfahren vor der Kom-
mission mit den eingeschränkten Durchsetzungs- Drei UNO-Beamte afrikanischer Herkunft haben sich
möglichkeiten nicht optimal erscheint, bietet es den an ZARA gewandt, da sie in einer Imbissstube von ei-
Betroffenen die Möglichkeit, gehört zu werden und ner Kellnerin nicht bedient wurden und zwar mit der
die TäterInnen zur Verantwortung zu ziehen. Auf die Begründung, der Boss wolle keine Schwarzen in sei-
Entscheidung der Kommission kann in einem eventu- nem Gastgarten, weil diese „dealen“ würden. ZARA
ell angestrebten Gerichtsverfahren außerdem aufge- dokumentierte den Vorfall. Die Betroffenen wand-
baut werden, zumal ein abweichendes Urteil begrün- ten sich an die Gleichbehandlungsanwaltschaft wel-
det werden muss. che den Fall vor die Gleichbehandlungskommission
brachte.
Fall 22 aus dem Rassismus Report 2005
Was 2006 geschah
Frau E., eine Muslimin, die ein Kopftuch trägt, geht Die Gleichbehandlungskommission hat den Fall mitt-
mit ihrem Baby und ihrer Freundin in ein Modewa- lerweile entschieden und „eine Anweisung zur Diskri-
rengeschäft. Sie wurde vom Verkäufer beschimpft minierung“ festgestellt. In der Entscheidung wird aus
und aus dem Geschäft getreten. Frau E. und ihre der Stellungnahme des Imbissstubeninhabers zitiert,
Freundin müssen wegen ihrer Verletzungen ins in welcher er bestätigte, seine Mitarbeiterin angewie-
Krankenhaus. Sie erstatten Anzeige und wenden sen zu haben, „Neger (‚für mich absolut kein Schimpf-
sich erschüttert von dem Vorfall an ZARA. Frau E. ist wort’, wörtliches Zitat aus der Stellungnahme des An-
seit dem Vorfall traumatisiert. ZARA leitet auf ihren tragsgegners), die sich auffällig in unserer Umgebung
Wunsch ein Strafverfahren in die Wege. Die Staats- benehmen, nicht zu bewirten, da die meisten mit
anwaltschaft schlägt einen außergerichtlichen Tat- Drogen dealen“. Die Gleichbehandlungskommission
ausgleich (siehe „Glossar“) vor. Der Täter zeigt keine schlug dem Imbissstubeninhaber vor, die Gleichbe-
Reue. Frau E. geht es nicht gut; das Strafverfahren handlungsanwältin zu kontaktieren und mit ihr eine
zermürbt sie. Ihre Aussagen sind nicht klar genug, diskriminierungsfreie und gleichbehandlungsge-
und der Verkäufer wird schließlich freigesprochen. rechte Hausordnung auszuarbeiten und seine Mitar-
ZARA vermittelt der Klientin deshalb ein Gespräch mit beiterInnen ausreichend und gleichbehandlungsge-
Peregrina, dem Therapiezentrum für Immigrantinnen setzkonform einzuschulen.
(www.peregrina.at). Frau E. wird dort therapeutisch Eine Zusammenfassung der Entscheidung sie-
betreut. Frau E. und ZARA haben gemeinsam mit dem he: www.bmgf.gv.at/cms/site/attachments/9/1/3/CH
Klagsverband (www.klagsverband.at) auch ein zivil- 0271/CMS1147954825402/gbk_iii_5.pdf.

57
Was wurde aus …?

Fall 27 aus dem Rassismus Report 2005 Fall 29 aus dem Rassismus Report 2005
Gemeinsam mit seinem Freund versucht Herr G., in Der Betreiber eines Campingplatzes in Osttirol hat
ein kubanisches Tanzlokal in der Wiener Innenstadt zu Schilder bei der Rezeption angebracht, auf denen
gehen. Beide sind österreichische Staatsbürger afrika- unter anderem zu lesen stand: „Kein Platz für Zigeu-
nischer Herkunft. Sie wollen das Lokal betreten, wer- ner“. Der Betreiber war der Meinung: „Wenn jemand
den jedoch von zwei Türstehern aufgehalten. Es wird kommt, der mir nicht gefällt, weise ich ihn ab. Hotels
ihnen kein Grund genannt, und sie werden zur Seite dürfen das ja schließlich auch.“
gedrängt. Schließlich wird ihnen erklärt, dass sie we- ZARA erklärte ihm, dass dem nicht so sei. Er erhält
gen ihrer Herkunft nicht hinein dürfen. Das war nicht eine Anzeige, die bei der Bezirkshauptmannschaft
das erste Mal, dass Herr G. in diesem Lokal rassistisch Lienz nach Art IX Abs 1 Z 3 EGVG eingebracht wird.
diskriminiert wurde. Deshalb wendet er sich an ZARA.
Gemeinsam wird Anzeige gegen die Lokalbetreiber Was 2006 geschah
nach Art IX Abs 1 Z 3 EGVG erstattet. Zudem stellt Der Betreiber des Campingplatzes wird nach Art IX
ZARA im Namen von Herrn G. einen Antrag an die Abs 1 Z 3 EGVG in erster Instanz durch die Bezirks-
Gleichbehandlungskommission, die feststellen wird, hauptmannschaft Lienz zur Zahlung einer Geldstrafe
ob es sich in diesem Fall um eine Diskriminierung auf- von 450 Euro verpflichtet. Er legt beim Unabhängigen
grund der ethnischen Herkunft beim Zugang zu einer Verwaltungssenat (siehe „Glossar“) des Landes Tirol
Dienstleistung handelt. Die Entscheidung der Kom- Berufung ein. Dieser bestätigt die Strafe. Der Betrei-
mission ist noch ausständig. ber kündigte an, sich deswegen an den Verwaltungs-
und den Verfassungsgerichtshof zu wenden, da „Zi-
Was 2006 geschah geuner“-Gruppen durch deren unleidliches Verhalten
Herr G. wurde bis heute nicht von der Kommission sein Geschäft ruiniert hätten. Ob er tatsächlich weitere
einvernommen. Die Kommission wollte das einge- rechtliche Schritte unternommen hat, ist ZARA nicht
leitete EGVG-Verfahren abwarten. Dieses wurde 2006 bekannt. Auch der derstandard.at berichtet nochmals.
mit der Einstellung des Verwaltungsstrafverfahrens Siehe: http://derstandard.at/?url=/?id=2669312.
gegen den Geschäftsführer des Lokals und die Türste-
her beendet. Eine Einvernahme vor der Kommission Fall 31 aus dem Rassismus Report 2005
soll 2007 stattfinden. Herr G. wartet.
Herr K. will den Dienstbus seines Arbeitgebers, des
Fall 28 aus dem Rassismus Report 2005 Evangelischen Flüchtlingsdienstes, zur Reparatur brin-
gen. Von dem Besitzer der Autowerkstatt wird er rassis-
Dr. R. und sein Kollege wollen in Innsbruck eine Disko- tisch beschimpft und von dessen Grundstück gejagt.
thek besuchen. Sie werden von zwei Türstehern auf- Von den Polizisten, die er zur Hilfe holt, wird er eben-
gehalten, weil sie Afrikaner sind und Ausländer gene- falls beschimpft und zu einem falschen Wachzimmer
rell keinen Zutritt zum Lokal hätten. ZARA hat Anzeige geschickt. Als Herr K. sich an ZARA wendet, hat er be-
nach Art IX Abs 1 Z 3 EGVG erstattet und stellt für Dr. reits eine Strafverfügung in der Höhe von 60 Euro we-
R. einen Antrag an die Gleichbehandlungskommissi- gen „aggressiven Verhaltens gegenüber Organen der
on wegen unmittelbarer Diskriminierung, da er auf- öffentlichen Sicherheit“ erhalten. Gegen diese erhebt
grund seiner Herkunft nicht in die Diskothek eingelas- eine ZARA-Mitarbeiterin Einspruch. Gleichzeitig wird
sen wurde. eine Richtlinienbeschwerde an den Unabhängigen
Verwaltungssenat (siehe „Glossar“) wegen des Verhal-
Was 2006 geschah tens der Polizisten gerichtet und ein Antrag bei der
Herr G. wurde im Dezember 2006 von der Kommissi- Gleichbehandlungskommission wegen des diskrimi-
on zum Vorfall einvernommen. Das Verfahren ist noch nierenden Verhaltens des Mechanikers eingebracht.
offen, da der Geschäftsführer der Diskothek meinte, Das Verwaltungsstrafverfahren gegen Herrn K. wegen
dass er doch sowieso schon im Rahmen des eben- „aggressiven Verhaltens“ wurde eingestellt. In Punkt 3
falls eingeleiteten EGVG-Verfahrens, dessen Ausgang der Richtlinienbeschwerde wegen Bekanntgabe eines
ZARA leider nicht bekannt ist, vor der Behörde ausge- falschen Dienstortes und falscher Dienstnummern be-
sagt habe. Der Geschäftsführer wird trotzdem auch kam Herr K. Recht. Das Verfahren in den übrigen Punk-
vor der Gleichbehandlungskommission aussagen ten (Verwendung des „Du-Wortes“ und Gebrauch dis-
müssen. Sollte er sich weigern, wird das Verfahren kriminierender Äußerungen) ist vor dem UVS noch
aufgrund der Aktenlage entschieden. anhängig, auch das Verfahren vor der Gleichbehand-
lungskommission ist noch nicht abgeschlossen.

58
Was wurde aus …?

Was 2006 geschah Was 2006 geschah


Im Juli 2006 beginnt das Verfahren vor der Gleich- Herr E. fordert in seiner Klage gegen zwei seiner ehe-
behandlungskommission. Zu Redaktionsschluss des maligen Kollegen und gegen die Firmenleitung, die
Rassismus Report 2006 war das Einzelprüfungsergeb- nichts gegen die Diskriminierung ihres Mitarbeiters
nis der Kommission noch ausständig. unternommen hat, Schadenersatz in der Höhe von
Der UVS hat, obwohl die gesetzliche Frist von sechs 8.000 Euro. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlos-
Monaten bereits abgelaufen ist, in dieser Causa noch sen.
immer nichts unternommen. ZARA versucht 2007,
eine Säumnisbeschwerde beim Verwaltungsgerichts- Fall 57 aus dem Rassismus Report 2005
hof einzubringen. Herr K. wartet auf den Verfahrens-
beginn. Herr Dr. C., ein italienischer Bioinformatiker, der in
Innsbruck lebt, interessiert sich für eine Wohnung,
Fall 45 aus dem Rassismus Report 2005 die von einer Immobilienfirma angeboten wird. Als
er sich im Immobilienbüro genauer informieren will,
Bereits im Rassismus Report 2004 wurde über die- bekommt er zu hören, dass die Wohnung nur für
sen Fall unter der Zahl 121 berichtet. Herr E., jorda- „Inländer“ zu haben sei.
nischer Staatsbürger, wurde an seinem Arbeitsplatz
in einer Speditionsfirma rassistisch diskriminiert. Es Was 2006 geschah
wurde schon damals eine rechtliche Entscheidung Herr Dr. C. wendet sich an die Gleichbehandlungskom-
gefällt und sein Arbeitskollege strafrechtlich wegen mission, damit diese eine Diskriminierung aufgrund
Körperverletzung verurteilt. Herr E. war arbeitsrecht- der ethnischen Zugehörigkeit beim Zugang zu Wohn-
lich schlechter gestellt als seine österreichischen raum feststellt. Er bekommt in der Einzelfallentschei-
Kollegen, wurde von diesen als „Kameltreiber“ oder dung bestätigt, dass die Weigerung des Maklers, ihm
„Araberarsch“ beschimpft, gemobbt und schließlich die Wohnung aufgrund seiner ausländischen Herkunft
so geschlagen, dass er im Krankenhaus landete. zu vermieten, eine ungerechtfertigte Diskriminierung
Die Gleichbehandlungskommission hat festge- aufgrund des Gleichbehandlungsgesetzes darstellt.
stellt, dass Herr E. Opfer von massiver Belästigung Ein Auszug aus dem genauen Wortlaut: „Der Senat III
geworden ist. Herr E. hat zu Redaktionsschluss des gelangte daher zur Meinung, dass im Umstand, dass
Rassismus Report 2005 eine Klage an das zustän- der Antragsgegner den Antragsteller hinsichtlich
dige Arbeits- und Sozialgericht vorbereitet, in wel- der Wohnung, an der ein Mietinteresse bestand, aus
cher er angemessenen Schadenersatz einfordert. Gründen seiner italienischen Herkunft als Mieter nicht
Dabei wird er von ZARA, dem Klagsverband zur einmal in Erwägung gezogen und somit dessen Zu-
Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern gang zu Wohnraum verhindert hat, eine unmittelbare
(www.klagsverband.at) und der Wiener Arbeiterkam- Diskriminierung des Antragstellers aus Gründen der
mer unterstützt. ethnischen Zugehörigkeit vorliegt“. Mehr Information
dazu siehe: http://www.bmgf.gv.at/cms/site/detail.
htm?thema=CH0271&doc=CMS1147954825402.

59
Rückschau auf das Jahr 2006 - Entwicklungen im österreichischen Antidiskriminierungsrecht

Rückschau auf das Jahr 2006


Entwicklungen im österreichischen
Antidiskriminierungsrecht
2006 war das sechste Jahr, seit auf europäischer Ebe- Um dieser Aufgabe nachzukommen, wurde eine Viel-
ne zwei sehr elementare Richtlinien zur Diskriminie- zahl von „spezialisierten Institutionen“ eingesetzt, die
rungsbekämpfung erlassen worden sind. Und lang- dem Gebot der Gleichbehandlung zur Durchsetzung
sam haben diese Minimalvorgaben auch in Österreich verhelfen sollen. Die wichtigsten davon sind:
auf rechtlicher Ebene Gestalt angenommen. Als letztes
Bundesland ist Mitte 2006 das Burgenland mit dem • Die Gleichbehandlungskommission,
Beschluss des Antidiskriminierungsgesetzes endlich • die Bundes-Gleichbehandlungskommission und
auch seiner Verpflichtung nachgekommen. Im Laufe • die Gleichbehandlungsanwaltschaft.
des Jahres wurden auch weitere rechtliche Lücken,
wie das Diskriminierungsverbot im Arbeitsrecht der Daneben gibt es noch in den Bundesländern Kom-
Land- und ForstarbeiterInnen in den Bundesländern missionen, Antidiskriminierungsstellen und Gleichbe-
geschlossen. Insgesamt befassen sich nunmehr sechs handlungsbeauftragte.
Bundesgesetze und 23 Landesgesetze wesentlich mit Es scheint also, als werde ein nicht unbeträchtlicher
der Umsetzung der Antidiskriminierungsrichtlinien. Aufwand betrieben. Warum aber ist so wenig spürbar
von einer Veränderung, von einem neuen Geist der
Ende 2006 nur ein abgeschlossenes Gleichberechtigung?
Wenn wir dieser Frage nachgehen, so entdecken
Gerichtsverfahren wir ein Bündel an Gründen, die aber alle eine ge-
Es wird also Zeit, sich einmal mit den Auswirkungen meinsame Ursache haben: mangelnden politischen
dieser gesetzlichen Neuerungen auseinander zu set- (Gestaltungs-)Willen.
zen. Dabei fällt auf, dass die von vielen GegnerInnen
des Antidiskriminierungsrechts in apodiktischen Kas- Die Gleichbehandlungskommission
sandrarufen prophezeite „Klagsflut“ gänzlich ausgeb-
Sehen wir uns dazu zunächst die Gleichbehandlungs-
lieben ist. Ja, wir haben Ende 2006 sogar nur Kennt-
kommission an: drei verschiedene Senate erstellen
nis von einem einzigen und ersten rechtskräftig
nicht rechtsverbindliche Gutachten und „Einzelfallprü-
abgeschlossenen Gerichtsverfahren nach dem neuen
fungen“. Jeder Senat besteht aus zehn oder elf Mitglie-
Gleichbehandlungsgesetz.
dern und dem/der Vorsitzenden. Das sieht nach viel
Dass das nicht daran liegt, dass Diskriminierung
Aufwand aus und ist es auch. Der Aufwand besteht
einfach so selten vorkommt, muss den LeserInnen
jedoch vor allem in der Koordination der Sitzungen.
des Rassismus Reports an dieser Stelle nicht näher
Die Mitglieder der Senate arbeiten nämlich ehrenamt-
erläutert werden. Woran liegt es also? Ist das Gesetz
lich für die Kommission, sind aber hauptamtlich in den
schlecht?
entsendenden Institutionen der Sozialpartner und der
Einfach zu behaupten, die neuen gesetzlichen
Ministerien angestellt. Einzig die Vorsitzenden sind für
Regelungen wären schlecht und daher untauglich,
ihre Kommissionstätigkeit gänzlich freigestellt und
greift mit Sicherheit zu kurz. Eigentlich sind die ver-
werden dafür bezahlt. Allzu häufige Sitzungen sind
schiedenen Diskriminierungsverbote recht klar und
also nicht möglich. Es ist daher kein Wunder, wenn Be-
geben eine taugliche Handhabe, um gegen eine
troffene auf eine (rechtlich nicht bindende) Entschei-
Vielzahl diskriminierender Handlungen vorzugehen.
dung der Gleichbehandlungskommission im Durch-
Dennoch ist die Antidiskriminierungsgesetzgebung
schnitt mehrere Monate oder ein Jahr warten müssen.
in Österreich bisher geradezu ein Lehrbeispiel dafür,
Dieser Umstand ist nicht auf die Trägheit oder den Un-
dass ein Gesetz, gar ein Verbot, nur dann wirksam in
willen der Senatsmitglieder zurückzuführen, sondern
die Lebenswirklichkeit von Menschen hereinspielt,
auf den geringen Spielraum, den ihnen diese Konstruk-
wenn es mehr ist als ein Stück Bundesgesetzblatt. Ge-
tion der Kommission lässt. Es ist insbesondere den Vor-
rade Themen, die tabuisiert und vielfach ideologisch
aufgeladen sind, brauchen vernünftige Rahmenbe- sitzenden und etlichen Mitgliedern der Senate II und
dingungen und flankierende Maßnahmen, damit III (die u.A. mit Rassismus befasst sind) absolut zugute
reale Veränderungen möglich werden. Auch das ist zu halten, dass sie mit Eifer und ernstem Bemühen an
eine europarechtlich vorgegebene Aufgabe für die ihre Aufgabe herangehen. Wenn sich die Rahmenbe-
Mitgliedsstaaten. dingungen aber nicht ändern, so wird die Kommissi-

60
Rückschau auf das Jahr 2006 - Entwicklungen im österreichischen Antidiskriminierungsrecht

on auch weiterhin kein wirksames Mittel sein, um den Gleichbehandlungsanwaltschaft


Zugang zum Recht für Betroffene unbürokratischer,
verständlicher und insgesamt leichter zu machen. Um Da das politische Verständnis für die Notwendig-
die Rahmenbedingungen zu ändern, braucht es aber keit und Nützlichkeit von angewandter Gleichstel-
den politischen Willen und – damit verbunden – das lungspolitik bislang fehlt, ist auch die Wirksamkeit
Bekenntnis dazu, dass die Bekämpfung von Diskrimi- der Gleichbehandlungsanwaltschaft eingeschränkt.
nierungen auch Geld kosten darf. Auch hier kann den eingesetzten neuen Gleichbe-
Doch nicht nur die Rahmenbedingungen für die handlungsanwältInnen (die auch für Rassismusfälle
Kommission müssen sich ändern, sondern auch das zuständig sind) selbst kein mangelndes Engagement
Selbstverständnis der Kommission an sich. Wer sich die vorgeworfen werden. Im Gegenteil – 2006 haben sich
bisher veröffentlichten (anonymisierten) Gutachten immerhin 970 Personen an die beiden neuen Gleich-
der Kommission ansieht, glaubt zunächst, Gerichtsur- behandlungsanwältInnen gewandt. Doch auch hier
teile vor sich zu haben. In geschwungenem, fälschlich ist ein eklatanter Mangel an Ressourcen und Perso-
als „Rechts- oder Beamtensprache“ missverstandenem nal festzustellen. Bis knapp gegen Ende des Jahres
Deutsch werden Sachverhalt und Verfahren sowie 2006 war in den beiden neu geschaffenen Teilen der
letztlich die Beurteilung durch die Kommission darge- Anwaltschaft jeweils eine einzige Person für das ge-
stellt. All das ist kein Problem für rechtskundige Lese- samte Aufgabenspektrum zuständig. Es ist unzumut-
rInnen, die daran gewöhnt sind, diese oft antiquierte bar, für ganz Österreich etwa für Diskriminierungen in
und verschachtelte Sprache auch selbst zu verwenden. der Arbeitswelt (aus Gründen der ethnischen Zugehö-
Für die Betroffenen aber, selbst wenn sie die deutsche rigkeit, der Religion oder Weltanschauung, des Alters
Sprache sehr gut beherrschen, stellt diese in der öster- oder der sexuellen Orientierung) alleine zuständig zu
reichischen Rechtspflege verbreitete Unsitte vielfach sein. Die Aufgaben beinhalten die Beratung von Hilfe
eine Barriere dar. Sie brauchen meist fremde Hilfe, um suchenden Menschen, die Parteistellung und Ermitt-
den Inhalt der Entscheidung zu verstehen. Das kann lung in Verfahren vor der Gleichbehandlungskommis-
demütigend sein. Es gibt jedoch keinen Grund für die sion, die Parteistellung in Verwaltungsstrafverfahren
Kommission, diese Sprache zu verwenden. Die Kom- und das Verfassen unabhängiger Untersuchungen
mission ist kein „Ersatzgericht“, sondern hat vor allem und Berichte. Allein diese Konstruktion zeigt bereits,
die Funktion, den Beteiligten bei einem Streit klar zu dass die politisch Verantwortlichen eigentlich davon
machen, wie das Gesetz mit der behaupteten Diskri- ausgegangen sein müssen, dass es keinen wirklichen
minierung umzugehen hat; zu erklären, warum ihrer Bedarf gibt. Aber es gibt einen erheblichen Bedarf. Die
Auffassung nach eine Diskriminierung vorliegt oder Gleichbehandlungsanwaltschaft könnte eine wirklich
nicht, sowie konkrete Verbesserungsvorschläge zu relevante Rolle im Kampf gegen Diskriminierung spie-
machen. Es geht also darum, dass das Opfer einer Dis- len, wenn sie mit den nötigen Ressourcen ausgestat-
kriminierung sieht und spürt, dass seine Anliegen ge- tet werden würde. Sie hat schon bisher gezeigt, dass
hört und verstanden werden und dass der Täter oder ihre Unterstützung der Betroffenen und auch das Aus-
die Täterin das begangene Unrecht einsieht und ent- verhandeln von tragfähigen bindenden Vergleichen
sprechende Abhilfe schafft. Im Idealfall können sich nützlich und wirksam sind. Es ist dringend notwendig,
beide dadurch die Beschreitung des mühsamen und diese Institution zu stärken. ZARA hat auch 2006 in-
kostspieligen Rechtsweges ersparen. tensiv und konstruktiv mit der Gleichbehandlungsan-
Es wäre also wünschenswert, wenn die Gleichbe- waltschaft kooperiert.
handlungskommission in Zukunft ihre Erkenntnisse
in einer verständlichen, barrierefreien Sprache abfasst NGOs sind für die Betroffenen leichter
oder zumindest eine mündliche Verkündung vorsieht, zugänglich
in der den Beteiligten (auch den TäterInnen) der Be-
fund verständlich gemacht wird. Die für die von rassistischer Diskriminierung Betrof-
Zusätzlich bleibt auch 2006 unverständlich, warum fenen niedrigstschwellige Form der Unterstützung
weiterhin die Expertise von Menschen, die sich als Ver- bieten nach wie vor NGOs wie ZARA an. ZARA hat sich
treterInnen von NGOs seit vielen Jahren mit Diskrimi- in den letzten Jahren daran gewöhnt, vom Bund, also
nierung auseinander setzen, in der Kommission nicht vor allem von den verschiedenen Ministerien, keine
ausreichend zum Tragen kommen kann. NGOs sind ernsthafte Förderung für die Aufrechterhaltung der
weder in der Kommission vertreten, noch wird ihre im Beratungsstelle für Opfer und ZeugInnen von Ras-
Gesetz vorgesehene Rolle als „Fachperson“ besonders sismus zu erhalten. Dass es diese Einrichtung noch
ernst genommen. Das ist sehr zu bedauern, da eine gibt, ist in erster Linie den zahlenden Mitgliedern und
ernsthafte und wertschätzende Einbindung von NGOs SpenderInnen und in zweiter Linie der Stadt Wien zu
die Wirksamkeit der Kommission mit Sicherheit mas- verdanken.
siv erhöhen könnte. Offensichtlich werden aber NGOs Es ist aber auch den MitarbeiterInnen der Bera-
immer noch eher als unprofessionelle Wichtigmache- tungsstelle selbst zu verdanken, die sich vom stets
rInnen und Störenfriede angesehen denn als echte wie ein Damoklesschwert über ihnen schwebenden
Verstärkung. finanziellen „AUS“ nicht abschrecken lassen. Sie ha-

61
Rückschau auf das Jahr 2006 - Entwicklungen im österreichischen Antidiskriminierungsrecht

ben sich daran gewöhnt, dass ihre Leistungen nicht Diskriminierende Stelleninserate
adäquat abgegolten werden können. Sie müssen
auch damit fertig werden, für ihre sehr belastende Tä- Eine Bestimmung des neuen Gleichbehandlungs-
tigkeit belächelt, verspottet und beschimpft zu wer- gesetzes gilt es hervorzuheben, deren mangelnde
den. Dafür, dass sie das auch dieses Jahr durchge- Ernsthaftigkeit in diesem Jahr offenbar geworden ist.
halten haben und unermüdlich weiter an der Seite Es handelt sich um die Paragraphen 23 und 24 GlBG.
der Menschen stehen, die Unterstützung brauchen, In diesen wird ein „Gebot der diskriminierungsfreien
möchte auch ich ihnen hiermit danken. Es bleibt nach Stellenausschreibung“ festgeschrieben und ein Zu-
wie vor eine Notwendigkeit, dass auch der Bund die widerhandeln mit einer Verwaltungsstrafe von bis
Sinnhaftigkeit dieser Arbeit erkennt und diese unter- zu 360 Euro bedroht. Ein Mitarbeiter der ZARA-Be-
stützt. ratungsstelle hat bereits 2005 100 diskriminierende
Stelleninserate (häufig: „nur Inländer“, „gebürtige In-
Wenige kennen ihre Rechte länder“ etc.) bei den zuständigen Bezirksverwaltungs-
behörden angezeigt.
Ein weiteres Problem, das sich auch 2006 nicht we- Das bedauerliche Ergebnis: Nichts. Gar nichts. Auf-
sentlich verbessert hat, ist die nach wie vor mangeln- grund der völlig missglückten Formulierung dieser
de Information der Bevölkerung über die (gar nicht Gesetzesstellen wurde für diese verbotenen Hand-
mehr so) neue Gesetzeslage. Immer noch staunen Op- lungen niemand bestraft. Allzu sehr in juristische De-
fer wie TäterInnen, dass viele diskriminierende Hand- tails zu gehen, würde an dieser Stelle zu weit führen.
lungen tatsächlich verboten sind. Das Bewusstsein, Deshalb sei nur noch einmal das Ergebnis festgehal-
dass es nicht um „gut sein“ oder „lieb sein“ geht, son- ten: Die zuständigen Behörden wurden über 100 of-
dern um die Einhaltung konkreter gesetzlicher Vor- fenkundige und an einen unbestimmbaren Perso-
schriften, ist nach wie vor sehr gering. ZARA hat sich nenkreis gerichtete Diskriminierungen informiert, die
auch 2006 sehr bemüht, mit kontinuierlicher Öffent- dem Gleichbehandlungsgesetz und einem der wich-
lichkeitsarbeit immer wieder auf diesen Umstand hin- tigsten Bestandteile des Europarechts, dem Diskrimi-
zuweisen. nierungsverbot, widersprechen und konnten nichts
Es war sehr interessant zu sehen, welche Reakti- dagegen unternehmen. Und das, obwohl die entspre-
onen dies hervorrief. Nach besonders öffentlichkeits- chenden EU-Richtlinien klar verlangen, dass Sankti-
wirksamen Medienberichten erhielt ZARA immer eine onen bei Diskriminierung „wirksam, verhältnismäßig
Unmenge an Reaktionen, Anrufen, E-Mails und Brie- und abschreckend“ sein müssen. Der Reformbedarf in
fen. Der Tenor dieser Reaktionen war oft wahrlich dieser Hinsicht ist also klar bewiesen.
erstaunlich. Viele Menschen warfen ZARA vor, „gut- Abschließend sei noch bemerkt, dass 2006 die
menschliche Teufeleien“ ausgeheckt zu haben oder Arbeit mit den neuen rechtlichen Möglichkeiten bei
unvertretbaren „Tugendterror“ zu betreiben. Diese ZARA und anderen NGOs angelaufen ist, eine doch
emotionalen Rückmeldungen kamen aber als Reak- nicht unbedeutende Anzahl von Verfahren vor der
tionen auf die nüchterne Darstellungen der gültigen Gleichbehandlungskommission und Gerichten an-
Rechtslage. hängig ist und die Ergebnisse ein spannendes Jahr
Es stünde dem offiziellen Österreich daher gut an, 2007 erwarten lassen.
selbst eine offensive und breitenwirksame Kampagne
zu starten, um den Inhalt der Gesetzesbestimmungen Dieter Schindlauer
zu erklären. Doch auch hierfür fehlt das nötige Be- Obmann von ZARA und Präsident des Klagsverbandes zur
wusstsein und der politische Wille. Durchsetzung der Rechte von Diskriminierungsopfern

62
Was ist antirassistischer Sprachgebrauch?

Was ist antirassistischer Sprachgebrauch?

Was darf man sagen und was nicht? Gibt es das spiel der Bezeichnungen „Weib“ oder „Frau“ lässt sich
richtige Wort? Es gibt keine einfachen Lösungen, deutlich erkennen, dass es sich bei dem Wortwandel
aber so schwer, wie manche behaupten, ist es auch auch um einen Bedeutungswandel handelt. Der Be-
wieder nicht. griff „Weib“ war ursprünglich die Bezeichnung für eine
weibliche Person im Gegensatz zu einer männlichen
Grundsätzlich geht es nicht nur um das Wort, sondern Person. Allerdings galt die Bezeichnung schon seit lan-
um den Inhalt, der transportiert wird. Das vermeint- gem nicht mehr weiblichen Personen höherer Stände,
lich richtige Wort heiligt nicht den Sinn, wenn sein diese wurden als „Frauen“ oder „Damen“ bezeichnet.
Subtext falsch ist. Wichtig sind nicht einzelne Begriffe, Stände sind heute keine Kategorie in unserem Werte-
sondern vielmehr was sie transportieren und in wel- system mehr. Das Wort „Weib“ ist aber immer noch ein
chem Kontext sie stehen. Wer spricht oder schreibt, eindeutig abwertendes, sein Unterton ist sogar noch
sollte sich daher fragen, woher das „Bild“ kommt, das verächtlicher geworden.
hinter einem Wort steht. Sprache schafft Realitäten
und Realitäten haben Einfluss auf die Sprache. Es gilt „Mohr“, „Neger“ und „Schwarzafrikaner“
daher zu beachten, was die Geschichte eines Wortes
ist und was die Geschichte hinter dem Wort bzw. der Im Bereich des Rassismus fehlt diese Sensibilität. Fast
Sprache ist. Unwissenheit schützt nicht davor, mit un- ganz Österreich weiß, was gesundes Essen ist und
sensiblem Sprachgebrauch beleidigend zu sein. Nicht wie es zubereitet wird. Zahlreiche Menschen finden
informiert zu sein, ist kein endgültiger Zustand. Sich sich mit den traditionellen Frauenrollen nicht ab, es-
weiterzubilden ist für die meisten Menschen immer sen biologisch angebautes Gemüse und machen sich
eine Möglichkeit. Information anzunehmen und sie um den Klimawandel oder Tiertransporte Sorgen. Bei
umzusetzen, steht jedem und jeder frei. Eine leben- Rassismus denken dieselben aber mit einem Augen-
de Sprache ist fortwährend im Wandel. Jeder und zwinkern, sie und ihr Freundeskreis wären ohnedies
jede trägt etwas zu ihrer Veränderung bei. Ohne Men- „ok“, keine Neonazis, keine RassistInnen und deshalb
schen, welche die Sprache verwenden, ist sie tot. Wir könnten sie sich rassistische Zoten erlauben. Hier soll
haben selbst Anteil am allgemeinen Sprachgebrauch, festgehalten werden, dass bei bestimmten Worten
an dessen Bestehen und an dessen Veränderung. Also das Motiv der Verwendung egal ist. Sie beleidigen im-
tragen wir auch Verantwortung dafür, wie wir Worte mer. Wie etwa die Bezeichnung „Tschusch“. Hier gibt
oder Sprache einsetzen. In jeder Situation und im es keinen geschichtlichen Bedeutungswandel des
Laufe der Zeit wird sich sowohl das, was eine Gesell- Wortes wie etwa bei den Begriffen „Weib“ und „Frau“.
schaft verändern will, als auch das, was gesagt wird, Nicht einmal der genaue Ursprung des Begriffs ist
wandeln. Was soll ich also zur Veränderung beitragen? wissenschaftlich erwiesen und es ist dennoch ein-
Mit einer sensiblen und aufmerksamen Verwendung deutig ein Schimpfwort (Infos zur Herkunft siehe
von Begriffen ist schon viel gewonnen. Wenn wir www.zara.or.at/materialien/gleiche-chancen/elear-
erkennen, dass Unterdrückungsmechanismen auch ning/hb/e_tschusch.htm). Im Kontext des Rassismus
in der Sprache und durch die Sprache ihre Wirkung Report wird zum Beispiel klar, dass alle Menschen, die
entfalten, dann müssen wir diese kennen, wenn wir darin das Wort „Tschusch“ verwenden, dies negativ,
sie brechen wollen. abwertend und beleidigend tun. In diesem Zusam-
menhang muss über die Verwendung heute nicht
„Weib“ oder „Frau“ mehr diskutiert werden.
Drei Worte, die einen bedeutenden geschicht-
Hier ein Beispiel aus dem Gender-Bereich, der dank lichen Hintergrund haben, sind „Mohr“, „Neger“ und
der feministischen Kritik seit den sechziger Jahren weit „Schwarzafrikaner“. Alle drei stehen in dem Kontext
gehend ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gedrungen eines rassistischen Sprachgebrauchs und im wei-
ist. Dies wird an den von der Stadt Wien eingeführten teren Sinn im Kontext der Unterdrückung, Ausbeu-
geschlechtersensiblen Piktogrammen, auf denen nun tung, Versklavung und Ermordung schwarzer Men-
etwa in der Straßenbahn ein Mann mit Kind und nicht schen. Auch der „Mohr“, der eigentlich eine veraltete
mehr eine Frau mit Kind neben dem Blinden und Bezeichnung ist, hält sich hartnäckig. So gibt es im-
der Schwangeren abgebildet sind, deutlich. Am Bei- mer noch den so genannten „Meinlmohren“, der die

63
Was ist antirassistischer Sprachgebrauch?

Kolonialgeschichte von Seiten der Kolonialherren denken. Diese Assoziation schwingt im Ausdruck
und Kolonialfrauen erzählt. Er repräsentiert die sexi- „Schwarzafrikaner“ ebenso mit.
stisch-exotistische Fantasie der ÖsterreicherInnen.
Ebenso dazuzuzählen ist der „Mohr im Hemd“, der in Es ist nicht so schwer!
Deutschland aus offenkundigen Gründen als Schoko-
ladekuchen mit Schlagobers bezeichnet wird. Auch Was ist nun der Schluss? Es geht um das Bild hinter
der „Mohr im Hemd“ bezieht sich auf die aus der „Fer- dem Wort und um die Bewusstwerdung der Geschich-
ne“ kommende Schokolade und spielt in diskriminie- te. Die Initiative www.blackaustria.at versucht es mit
render Art und Weise auf die vermeintlich schokola- einer positiven Imagekampagne. Sie zitieren Erwin
debraune Hautfarbe des so genannten „Mohren“ an. Ebermann und sagen: „So ist weitgehend unbekannt,
Immer und zu jeder Zeit gilt, dass es sich hierbei nicht dass 75 % der in Wien lebenden AfrikanerInnen Matu-
um Menschen mit gleichen Rechten gehandelt hat. ra und 33 % einen Universitätsabschluss haben.“ Die
Der Begriff „Mohr“ wurde im Zuge der Kolonialge- HerausgerberInnen Bratic/Johnston-Arthur/Ponger/
schichte und der Sklaverei durch den Begriff „Neger“ Sternfeld/Ziaja des Katalogs zum Projekt „Verborgene
ersetzt. Dieser Wandel schlug sich in weiteren öster- Geschichte/n. Remapping Mozart“, Wien 2006 schla-
reichischen Speisenamen wie „Negerbrot“ und „Eisne- gen vor: „Die beiden in eine weitgehend verharmloste
ger“ nieder. Diese Worte stehen in derselben Traditi- Geschichte des Kolonialismus, der Versklavung und
on rassistischer Vorstellungen. Zudem finden sich in eine österreichische, stereotype Darstellungstradition
der österreichischen Alltagssprache zahlreiche nega- eingeschriebenen Fremdbezeichnungen [Mohr] und
tive Redewendungen, wie etwa das „Neger-sein“, wo- [Neger] werden einer emanzipatorischen Schreibpra-
mit ausgedrückt wird, kein Geld zu haben, oder die xis folgend als M.- und N.-Wörter zitiert.“
Phrase „Ich bin ja nicht dein Neger“, wodurch gesagt Im Rassismus Report 2001 wurde erklärt, dass der
werden soll, man sei – und zwar allein der Herkunft Begriff „Schwarz“ eine eigene Geschichte hat, die
wegen – kein Knecht, wobei vorausgesetzt wird, dass Stolz und Kraft in den Vordergrund rückt (wie: „I‘m
Menschen aus Afrika sehr wohl solche wären. Hier be- black and I‘m proud“). Er wird, wenn er als politischer
zieht man sich deutlich auf die Sklaverei. Nicht zuletzt Begriff für alle von Rassismus betroffenen Menschen
sei noch das brutale Kinderlied „10 kleine Negerlein“ verwendet wird, groß geschrieben (Johnston-Arthur/
angesprochen, es zeigt schon den Kleinsten, wie we- Schindlauer in „Know Your Rights“ herausgegeben
nig das Leben schwarzer Menschen wert ist. Aber in von Helping Hands/Pamoja Wien, 1998).
letzter Zeit wurde der Begriff „Neger“ teilweise ersetzt.
Eines der wichtigsten Kriterien, um mit Sprache
Merkwürdigerweise erfreut sich der Begriff „Schwarz-
nicht zu verletzen, ist Respekt. Es geht bei der Wahl
afrikaner“, der aus dem statistischen und kriminolo-
der Worte, die Menschen benennen, um Respekt vor
gischen Bereich stammt, auch in jenen Textsorten
eben diesen Menschen.
besonderer Beliebtheit, in denen es eigentlich gar
Wieso scheint das bei manchen Worten so einfach
nicht primär um Hautfarben gehen müsste. Für die
und bei anderen so schwer? Vielleicht ist die Antwort
Exekutive in Österreich schrieb der Generaldirektor
sehr simpel. Eine steirische FPÖ-Politikerin, die sich
für öffentliche Sicherheit Michael Sika 1994, „das Wort
weigert, das Wort „Neger“ aus ihrem Sprachschatz
‚Neger’ [ist] im öffentlichen Sprachgebrauch tunlichst
zu streichen, tut dies mit Absicht und nicht aus Un-
zu vermeiden.“ Also müssen alle BeamtInnen, die bis
wissen. Sie kann nicht sagen, sie verfolge kein Ziel,
dahin von „Negern“ gesprochen und geschrieben ha-
ben, etwas anderes verwenden. Der Begriff „Schwarz- wenn sie den Wunsch der Bezeichneten negiert. Sie
afrikaner“ bot sich an. Aus den Polizeiprotokollen will „anschwärzen“, die Minderheit zu Gekennzeichne-
kam das Wort über die Medien in die Öffentlichkeit. ten machen. Die Motivation bei der Wahl der Worte
Ein Terminus, der meist ausschließlich im Zusammen- mag nicht bei allen so offensichtlich sein wie bei die-
hang mit Drogen oder anderen Delikten verwendet ser Politikerin. Vielen ist nicht bewusst, welche Wün-
wurde, wird plötzlich auf eine ganze Gruppe in allen sche und Ressentiments sich in ihrer Sprache verra-
Lebensbereichen angewandt. Kein Wunder, dass der ten. Bei manchen Wörtern besteht kein Zweifel und es
polizeiliche Blick, der im Ausdruck „Schwarzafrikaner“ ist nur allzu klar, dass es sich um Beleidigungen oder
mitschwingt, im wahrsten Sinne des Wortes abfärbt. Beschimpfungen handelt. Andere Wörter erleben im
Zudem wird mit dem Begriff „Schwarz“ ein Gegen- Laufe der Zeit eine Bedeutungsänderung. Wichtig
satz zu „Weiß“ geschaffen. Dies gilt für „Schwarzafri- ist, auf die Sprache zu achten, ihr zuzuhören, sie als
ka“ insgesamt, das so vom „erleuchteten, aufgeklär- Wirklichkeit ernst zu nehmen und das Bild hinter dem
ten, wirklich zivilisierten hellen Europa“ abgegrenzt Wort zu studieren, es mitzugestalten. Das gesuchte
werden kann. „Schwarzafrika“: die Bezeichnung lässt Bild ist jenes, in dem alle Menschen gleiche Chancen
unweigerlich an düstere Szenarien und Katastrophen und gleiche Rechte haben.

64
ZARA Forderungen

ZARA Forderungen
Trotz der Gleichbehandlungsgesetze und einiger • Gezielte Personalrekrutierung für Berufe im öffent-
landesgesetzlicher Bestimmungen gegen Diskri- lichen Sektor (wie beispielsweise BeamtInnen des
minierung und trotz der Einsetzung der Gleichbe- Jugendamts, RichterInnen oder PolizistInnen) aus
handlungsanwaltschaft und der Gleichbehandlungs- ethnischen Minderheiten.
kommission bleiben viele der seit dem Jahr 2000
bestehenden ZARA-Forderungen nach wie vor uner-
füllt. In manchen Bereichen indes verschlechterte sich
die Situation sogar. ZARA fordert ein umfassendes rechtliches Antidis-
ZARA fordert daher ein parteienübergreifendes kriminierungspaket. Hierbei gibt es noch gänzlich
Eintreten gegen Rassismus. Alle Fraktionen haben unerfüllte Forderungen.
politische Verantwortung für dieses Problem zu über-
nehmen. Dies bedeutet auf gesetzlicher Ebene zum Beispiel:

• eine echte Beweislastumkehr,

ZARA fordert eine rassismusfreie Migrationspoli- • abschreckende Schadenersatzregelungen für Opfer


tik und die Anerkennung, dass Österreich ein Ein- von Diskriminierung,
wanderungsland war, ist und bleiben soll.
• eine starke, unabhängige Ombudseinrichtung,
Dies bedeutet auf gesetzlicher Ebene zum Beispiel:
• die vorrangige Möglichkeit der außergerichtlichen
• Verknüpfung von Aufenthalts- und Beschäftigungs- Streitbeilegung,
recht für alle, nicht nur für Schlüsselkräfte: Wer hier
lebt, soll auch hier arbeiten können. • die Möglichkeit der Verbandsklage,

• Die Ermöglichung eines leichteren Übergangs von • kostenlose Beschwerde- und Klagsmöglichkeiten für
der unselbständigen Beschäftigung in die selbstän- Opfer von Diskriminierung (kein Kostenrisiko für Op-
dige und umgekehrt. fer von Diskriminierung),

• Recht auf Familienzusammenführung. • ein wirksamer Schutz vor Viktimisierung.

• Zugang für alle AbsolventInnen österreichischer Bil-


dungseinrichtungen zu weiterem Aufenthalt und
zum Arbeitsmarkt. ZARA fordert aber auch die Überarbeitung be-
stehender gesetzlicher Antidiskriminierungsbe-
stimmungen im Bereich des Verwaltungsrechtes,
im Sicherheitspolizeigesetz, sowie im Bereich des
Integration statt Assimilation. ZARA fordert, dass Strafrechts und Zivilrechts.
gleiche Chancen und gleiche Rechte für alle in Ös-
terreich lebenden Menschen geschaffen werden. Dies bedeutet auf gesetzlicher Ebene zum Beispiel:

Dies bedeutet auf gesetzlicher Ebene zum Beispiel: • Kostenlose Beschwerdemöglichkeiten für Opfer von
rassistischen Polizeiübergriffen.
• Politische Mitbestimmung für MigrantInnen – wie
etwa aktives und passives Wahlrecht auf kommu- • Richtlinien- und Maßnahmenbeschwerden dienen
naler Ebene, in ArbeitnehmerInnen- und sonstigen der Durchsetzung elementarer menschenrechtlicher
Interessensvertretungen. Ansprüche und sollten daher kostenfrei abgewickelt
werden.
• Unbürokratische Anerkennung im Ausland erwor-
bener Ausbildungen und Berufserfahrungen. • Eine Verknüpfung der UVS-Feststellung über Richtli-
nien- und Maßnahmenbeschwerde mit Schadener-
• Österreichische Staatsbürgerschaft für in Österreich satzansprüchen.
geborene Kinder und die Möglichkeit von Doppel-
staatsbürgerschaften. • Führung des Verfahrens vor dem UVS als Menschen-

65
ZARA Forderungen

rechtsverfahren, bei dem der Fokus auf der Verant- Arbeit leisten muss. Für WiederholungstäterInnen
wortlichkeit des Staates für die Handlungen seiner wären weitaus höhere Strafen als bei der jetzigen Ge-
Organe liegt, unabhängig von der individuellen Ver- setzeslage vorgesehen. Darüber hinaus bestünde die
antwortlichkeit der BeamtInnen. Das ermöglicht und Möglichkeit, im Zuge eines Strafverfahrens dem Op-
erfordert eine Beweislastumkehr im Verfahren (mehr fer auch Schadenersatz zuzusprechen, ohne dass das
dazu siehe „Die eigenen Rechte kennen“). Opfer diesen auf eigenes Prozesskostenrisiko bei den
Zivilgerichten einklagen müsste (mehr dazu siehe
Weitere unerfüllte Forderungen im Bereich der Exeku- „Die eigenen Rechte kennen“).
tive generell und des Sicherheitspolizeigesetzes sind:
Ausweitung des Schutzes vor
• Dienstnummern auf den Uniformen der Exekutive:
In Anlehnung an das slowenische oder polnische Verhetzung § 283 StGB
Modell sollen PolizeibeamtInnen in Österreich ihre Öffentliches Hetzen und das Schüren von Hass gegen
Dienstnummer für alle klar sichtbar an der Uniform bestimmte Bevölkerungsgruppen ist eine der wider-
tragen. lichsten Formen von Rassismus. ZARA fordert daher
eine Aufwertung des Schutzes vor Verhetzung dahin-
• Die Berücksichtigung der ethnischen Zusammenset- gehend, dass nicht allein die „öffentliche Ordnung“ als
zung der Bevölkerung bei der Rekrutierung von Exe- schützenswert gilt, sondern primär die betroffenen
kutivbeamtInnen. Gruppen unter dem Schutz des Strafrechts stehen
sollen. Der Tatbestand muss vereinfacht werden und
• Verbesserte Schulungen und psychologische Beglei- jede Form unerträglicher Verächtlichmachung von
tung: Schulungen sollen zum Ziel haben, dass Poli- Menschen und insbesondere MigrantInnen, Fremden
zistInnen lernen, die diskriminierende Dimension etc. unter Strafe gestellt werden, um den Gerichten
eines Vorfalls zu erkennen. Weiters sollen Schulungen die Verfolgung von Hassreden und hetzerischen Be-
in angewandter und anwendbarer Streitschlichtung schmierungen zu ermöglichen (mehr dazu siehe „Die
stattfinden und BeamtInnen sollen verstärkt psycho- eigenen Rechte kennen“).
logisch begleitet werden.

Ratifizierung des Protokolls No. 12 EMRK


Im Bereich der Dienstleistungs-
verweigerung Das Protokoll No. 12 Europäische Menschenrechtskon-
vention (EMRK) wurde von Österreich nur unterschrie-
Eine Aufwertung dieses Diskriminierungsverbotes von ben, jedoch nicht ratifiziert. Art 1 enthält das Verbot
einer verwaltungsstrafrechtlichen Nebenbestimmung von Diskriminierung in Bezug auf alle gesetzlich an-
zu einem Delikt im Strafgesetzbuch wäre wünschens- erkannten Rechte. Diskriminierung ist insbesondere
wert. Eine Zuständigkeitsverlagerung zu den unab- verboten aufgrund von Geschlecht, Rasse, Hautfarbe,
hängigen Strafgerichten und zur Staatsanwaltschaft Sprache, Religion, politischer oder anderer Überzeu-
als Anklagebehörde würde bedeuten, dass solche gung, nationaler oder ethnischer Herkunft, Zugehörig-
Vorfälle auch durch diversionelle Maßnahmen (Diver- keit zu einer Minderheit, Eigentum, Geburt oder ande-
sion, siehe „Glossar“) erledigt werden könnten, indem rem Status. Das Protokoll weitet die Zuständigkeit des
sich beispielsweise der/die Diskriminierende beim Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus.
Opfer persönlich entschuldigt oder gemeinnützige ZARA empfiehlt die Ratifizierung dieses Protokolls.
Glossar

Glossar

Belästigung Diskriminierung vorbringt; es ist dann zu beenden,


wenn der/die Beklagte beweist, „dass es bei Abwä-
Belästigung stellt immer dann einer Form der Diskri- gung aller Umstände wahrscheinlich ist, dass ein
minierung dar, wenn eine Person aufgrund eines oder anderes vom/von der Beklagten glaubhaft gemachtes
mehrerer spezieller Merkmale, die diese Person auf- Motiv für die unterschiedliche Behandlung ausschlag-
weist (etwa ihrer Hautfarbe, ihrer Religion, ihres Ge-
gebend war“.
schlechts oder aber auch aufgrund ihrer sexuellen
Orientierung), belästigt wird und die Belästigung als
Diversion und Außergerichtlicher
solche diese Person in ihrer Würde verletzt.
Tatausgleich (ATA)
Bezirksverwaltungsbehörde Unter Diversion versteht man die Möglichkeit, auf die
Durchführung eines förmlichen gerichtlichen Strafver-
Die Bezirksverwaltungsbehörden (BVB) sind grund-
fahrens zu verzichten. Nach Erledigung diversioneller
sätzlich die Bezirkshauptmannschaften oder das Ma-
Maßnahmen, die nur mit Zustimmung des Verdächti-
gistrat (in Städten mit eigenem Statut – in Wien über-
gen/der Verdächtigen durchgeführt werden können,
nehmen die einzelnen Magistratischen Bezirksämter
wird das Strafverfahren endgültig eingestellt und der/
diese Aufgabe), manche BVB-Agenden werden auch
die Betroffene gilt weiterhin als unbescholten. Solch
von den Bundespolizeidirektionen übernommen, so-
eine Maßnahme kann auch von dem/der Verdächti-
weit der Sachverhalt in deren örtlichen Wirkungsbe-
gen angeregt werden, wird jedoch in der Regel von
reich fällt. Die Bezirksverwaltungsbehörden sind ge-
der Staatsanwaltschaft oder dem Gericht initiiert.
nerell zur Ahndung von Verwaltungsübertretungen in
Zur Diversion gehören der außergerichtliche Tat-
erster Instanz zuständig.
ausgleich, das Gewähren einer Probezeit, die Verrich-
tung gemeinnütziger Leistungen oder die Bezahlung
Beweislasterleichterung/ eines Geldbetrages durch den/die Verdächtige/n.
Beweislastumkehr Der Außergerichtliche Tatausgleich wird vom Ver-
ein Neustart durchgeführt, wo SozialarbeiterInnen
Ansprüche auf Schadenersatz führen natürlich nur einen Ausgleich zwischen Opfer und TäterIn mittels
dann zum Erfolg, wenn Klagen bzw. Beschwerden Mediation ermöglichen sollen. Dies kann auch eine
nach den Bestimmungen des Gleichbehandlungs- Schadenswiedergutmachung und eine schriftliche
gesetzes erfolgreich sind. Wie in jedem anderen Ver- Regelung für den zukünftigen Umgang beinhalten.
fahren ist es letztlich eine Frage der Beweise und der Der/die Geschädigte muss dem ATA aber ebenfalls
Glaubwürdigkeit, wem ein Gericht oder eine Behör- ausdrücklich zustimmen.
de zuspricht, im Recht zu sein. Gerade im Bereich der
Arbeitsverhältnisse und umso mehr im Diskriminie- Drittstaatsangehörige
rungsbereich herrscht aber oft ein ungleiches Kräfte-
verhältnis. Der/die ArbeitnehmerIn ist typischerweise Drittstaatsangehörige sind Angehörige von Staaten,
in der schwächeren Position, sowohl im Hinblick auf die nicht Vertragspartei des Abkommens über den
die wirtschaftliche Kraft als auch die „Nähe zum Be- Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) sind. Zum EWR
weis“. Diesem Umstand wird im Bereich des Arbeits- zählen alle EU-Mitgliedsstaaten, Island, Liechtenstein
rechts ebenso Rechnung getragen wie im Rahmen und Norwegen.
der Gleichbehandlungsgesetzgebung. Europäischen
Vorgaben entsprechend sollte hier eine deutliche Gleichbehandlungsanwaltschaft
Verschiebung der Beweislast hin zum/zur Beklagten
stattfinden, der sie sich bei glaubhaft vorgebrachten Seit Jänner 2005 gibt es neben der Anwaltschaft für
Vorwürfen freibeweisen müsste. In Österreich ist diese die Gleichbehandlung von Männern und Frauen in der
Vorgabe nicht in letzter Konsequenz umgesetzt, was Arbeitswelt auch jeweils eigene Gleichbehandlungs-
eine etwas komplizierte und nicht sehr praktikable anwaltschaften für die Gleichbehandlung der anderen
Konstruktion mit sich bringt. geschützten Gruppen in der Arbeitswelt sowie für den
So ist ein Verfahren einzuleiten, wenn der/die Be- Bereich rassistischer Diskriminierung in sonstigen Be-
schwerdeführerIn/KlägerIn glaubhaft einen Fall von reichen. Die drei AnwältInnen für Gleichbehandlung

67
Glossar

werden vom dem/der BundesministerIn für Gesund- sind aber insbesondere, dass es kein Kostenrisiko gibt,
heit und Frauen bestellt und können von diesem/ das doch eine beträchtliche Hürde für ein Verfahren
dieser unter bestimmten Voraussetzungen auch wie- vor den ordentlichen Gerichten darstellt, und dass
der ihrer Funktion enthoben werden. der (Aus)Weg einer gütliche Einigung weitaus hö-
Die Gleichbehandlungsanwaltschaft ist zuständig here Chancen hat. Angesichts der Tatsache, dass das
für die Beratung von Betroffenen von Diskriminie- Gleichbehandlungsrecht „nur“ die Möglichkeit bereit-
rung, weiters kann sie Studien zur Diskriminierungs- stellt, Schadenersatz für erlittene Diskriminierungen
situation in Österreich sowohl in Auftrag geben als einzuklagen, nicht aber, sich in einen Job oder eine
auch selbst erstellen. An die Gleichbehandlungsan- bessere Position „hineinklagen“ zu können, ist dies
waltschaft herangetragene Fälle können von dieser auch eine wichtige Perspektive.
der Gleichbehandlungskommission zur Begutach-
tung vorgelegt werden. Die Anwaltschaft kann aber Klagsverband (www.klagsverband.at)
auch selbst der Wahrheitsfindung dienliche Maß-
nahmen ergreifen, so können unter anderem Arbeit- Der Klagsverband zur Durchsetzung der Rechte von
geberInnen zu schriftlichen Stellungnahmen aufge- Diskriminierungsopfern wurde 2004 als Dachverband
fordert werden und sie kann von einem Senat der von NGOs gegründet, die bereits in der Bekämpfung
Gleichbehandlungskommission im Bedarfsfall auch von Diskriminierungen und der Beratung von Diskri-
mit der Ermittlungstätigkeit im konkreten Betrieb minierungsopfern tätig waren. Heute gehören dem
beauftragt werden. Sie spielt hier also eine gewisse Klagsverband (KlaV) eine Reihe von NGOs an, die sich
Zwitterrolle als VertreterIn einer von Diskriminierung mit Diskriminierungen aus ganz unterschiedlichen
betroffenen Person und als ermittelnde Instanz, was Bereichen befassen (z.B. ZARA, Bizeps, Helping Hands
rechtsstaatlich nicht unbedenklich ist. Graz, u.A.).
Vereinszweck ist die Durchsetzung der Rechte von
Die Gleichbehandlungskommission Personen, die von Diskriminierung betroffen sind.
Weiters soll die Förderung des Bewusstseins in der
Die Gleichbehandlungskommission setzt sich aus Bevölkerung gestärkt werden, dass Nichtregierungs-
drei Senaten zusammen, die aus RepräsentantInnen organisationen einen wesentlichen Beitrag zur Wei-
von Ministerien und Sozialpartnerorganisationen be- terentwicklung der Antidiskriminierungsgesetzge-
stehen, und die ebenfalls beim Bundesministerium bung und -praxis leisten.
für Gesundheit und Frauen angesiedelt sind. Die ur- Der Klagsverband ist hauptsächlich als beratendes
sprüngliche Idee, auch jeweils zwei VertreterInnen Organ gegenüber den Mitglieder-NGOs und deren
von Nichtregierungsorganisationen in die Senate auf- Mandaten sowie in Verfahren vor der Gleichbehand-
zunehmen, wurde wieder fallen gelassen. Interessant lungskommission tätig (in der Funktion als Fachper-
ist in diesem Zusammenhang vielleicht auch, dass die son mit beratender Stimme).
Senatsmitglieder ehrenamtlich tätig sind. Durch die ihm in § 62 Gleichbehandlungsge-
Die Senate der Gleichbehandlungskommissionen setz (GlBG) eingeräumte Möglichkeit für Personen in
haben sich in ihrem Zuständigkeitsbereich mit allen einem gerichtlichen Verfahren als Nebeninterveni-
die Diskriminierung betreffenden Fragen zu befas- ent einzuschreiten, begleitet der KlaV die Opfer einer
sen. Sie sind insbesondere zuständig dafür, Gutach- mittelbaren oder unmittelbaren Diskriminierung
ten über allgemeine Fragen zur Diskriminierung zu auch durch den Prozess. Dieser zusätzliche Rechts-
verfassen, sowie in Einzelfällen auf Antrag der Gleich- schutz besteht sowohl bei Diskriminierungen im Rah-
behandlungsanwaltschaften oder von Interessenver- men eines Arbeitsverhältnisses, als auch in anderen
tretungen Gutachten über etwaige Verletzungen des Bereichen (z.B. Zugang zu öffentlichen Gütern und
Gleichbehandlungsgebotes zu erstellen. In diesen Dienstleistungen).
Verfahren haben die GleichbehandlungsanwältInnen Darüber hinaus vermittelt der Klagsverband dem
ebenso Parteistellung wie die Opfer selbst, die sich jeweils Betroffenen weiterführende Kontakte und An-
dabei aber auch von Personen ihres Vertraues, wie z.B. laufstellen.
VertreterInnen von Nichtregierungsorganisationen,
vertreten lassen können. Mittelbare Diskriminierung
Ergebnis eines solchen Verfahrens vor der Kom-
mission ist ein Gutachten, das im Gegensatz zu einem Eine mittelbare Diskriminierung liegt dann vor, wenn
gerichtlichen Urteil keine rechtliche Bindungswirkung dem Anschein nach neutrale Vorschriften, Kriterien
hat. Vorteile eines solchen Schlichtungsverfahrens oder Verfahren Personen, die bestimmte Merkmale

68
Glossar

aufweisen (z.B. Hautfarbe, Behinderung, ethnische können. Eine Anrufung der Höchstgerichte (Verwal-
oder nationale Herkunft, Weltanschauung etc.) ge- tungs- und Verfassungsgerichtshof ) ist aber möglich.
genüber anderen Personen in besonderer Weise
benachteiligen können, es sei denn, die betreffenden Unmittelbare Diskriminierung
Vorschriften, Kriterien oder Verfahren sind durch ein
rechtmäßiges Ziel sachlich gerechtfertigt und die Mit- Eine Unmittelbare Diskriminierung liegt dann vor,
tel sind zur Erreichung dieses Ziel angemessen und wenn eine Person aufgrund eines bestimmten Merk-
erforderlich. mals (z.B. aufgrund ihrer Hautfarbe oder ethnischen
Herkunft, einer Behinderung, ihres Geschlechtes etc.)
Unabhängiger Verwaltungssenat (UVS) in einer vergleichbaren Situation eine weniger güns-
tige Behandlung erfährt, als eine andere Person er-
Die unabhängigen Verwaltungssenate der Länder fährt, erfahren hat oder erfahren würde.
sind unter anderem für Berufungen gegen Strafer-
kenntnisse bei Verwaltungsübertretungen und für Viktimisierung
Beschwerden gegen die Ausübung unmittelbarer ver-
waltungsbehördlicher Befehls- und Zwangsgewalt Unter Viktimisierung wird eine Benachteiligung von
(UVS-Beschwerden gegen PolizeibeamtInnen) zustän- Personen verstanden, die in einen Fall von Diskrimi-
dig. Die UVS sind weisungsfreie Behörden an denen nierung entweder als Betroffene oder als ZeugInnen
unabhängige UVS-RichterInnen entscheiden. Sie er- insofern involviert waren, als sie den Fall aufgedeckt
lassen letztinstanzliche Entscheidungen, die auf dem oder angezeigt haben oder für den/die Betroffene/n
ordentlichen Rechtsweg nicht mehr bekämpft werden Stellung bezogen haben.

 

 
 

 
  
 


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