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30.11.

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Maria Stuart: Fortsetzung
Funktion und Form der Figurenrede
Die Figurenrede hat die Funktion, äußere und innere Vorgänge darzustellen und somit für den
Zuschauer sichtbar zu machen, dass er sich Ungesagtes erschließen kann.
Äußere Vorgänge Innere Vorgänge
• Figur charakterisiert sich selbst • Ziele, Beweggründe, Interessen der
→ Mentalität, soziale Stellung handelnden Personen
• Figur wirkt auf andere ein • Interpretation der Situation durch die Figur
→ veranlasst zu Reaktionen (z.B. Elisabeths
Gespräch mit Untergebenen)
• Beziehung der Figuren wird deutlich • Taktik der Figur, um Situation in ihrem Sinne
Art des Umgangs miteinander (Rang + zu verändern
Stellung, z. B. Elisabeth alleine mit Leicester
und in Gesellschaft)
• Handlungszusammenhang
wird dem Zuschauer deutlich gemacht

Formen der Figurenrede s. Arbeitsblatt

Fragen an den Dialog bei einer Szenenanalyse


• Gehen die Personen aufeinander ein? Reden sie aneinander vorbei?
• Welche Argumente werden vorgebracht? Warum?
• Stimmen Handeln und Sprechen überein? Bedeutung?
• Stellt eine Person eher Fragen oder gibt sie eher Antworten? Bedeutung?
• Welche Person spricht mehr? Warum?
• Welche Gesprächsstrategie verfolgt eine Person? Was will sie erreichen?
• Was verraten Regieanweisungen?
• Welche Ausdrücke verwenden die einzelnen Personen? Warum?
• Gibt es besondere Satzzeichen (z.B. Gedankenstriche, unvollständige Sätze)? Was bedeuten
diese?
Der 3. Akt
Funktion im klassischen Drama: Höhepunkt, Peripetie (=Wendepunkt); meist beides
Gesprächsverlauf: III.2 und III.3 → Maria begegnet Paulet und Shrewsbury
→ Vorbereitung auf Begegnung mit Elisabeth
Ankündigung → Stimmungsumschwung: Ekstase → Verzweiflung
→ Illusion der Freiheit wird zerstört
→ führen zum Höhepunkt
→ geben eine Vorschau auf das Folgende
Die Begegnung der Königinnen - III.4
vernunftgesteuerte Ausbruch von
Beherrschung Rache

Maria Triumph
im Park: Illusion der
Freiheit
→ Euphorie 1. Bitte um 3. Versöhnungs- 5. Thronverzicht 7. kapituliert 9. Provokation
schaudernd Mitleid Angebot fast
Zerstörung der Illusion
Begegnung steigender Affekt
Schein der Zufälligkeit
überrascht, 2. Verweigerung, 4. Vorwurf der 6. Verhöhnung 8. Provokation:Angriff 10. Bestürzung,
kühl Beleidigung früheren Verbrechen auf Maria als Frau → Sprachlosigkeit
Elisabeth persönlicher Bereich
auf der Jagd

Demütigung

statt rollengemäßem Ausleben reinen


Gnadenerweis Machttriebes

Gesprächsverlauf:
Marias Versuche, die Begnadigung zu erreichen:
1. Versuch: die Bitte
2. Versuch: Verzicht und Erniedrigung
3. Versuch bittet um Edelmut der Siegerin
Elisabeths Verhalten: Die Demütigung
geht nicht auf Maria ein, dass sie da ist, ist Gnade genug
Angriff Marias wegen der Demütigung, Unterwürfigkeit → Angriff
1. Angriff: Elisabeth als Frau
2. Angriff: Elisabeth als Herrscherin
Elisabeth verbirgt Makel unter Deckmantel der Tugend
Verhalten Elisabeths: Maria hat Elisabeth totgeredet
Der Triumph Marias – III.5
• Maria fühlt sich als Siegerin
• Maria kostet ihren Triumph aus
• Kennedy warnt vor Folgen aber
• Maria verdrängt folgen ihres Handelns
• Bedeutung für die Handlung: Marias Tod ist endgültig besiegelt

Bedeutung der Zusammenkunft derKöniginnen


III.4 = Höhepunkt des Dramas
III.1- III.5 = Peripetie des dramatischen Gefüges
III. 4 zeigt tragische Paradoxie:
• Zusammentreffen war zur Rettung Marias geplant
• Treffen bringt Maria letztendlich die physische Vernichtung
• Maria verzichtet auf Freiheit und Leben um ihre knigliche Würde und persönliche ehre
zu retten
• Maria nimmt ihren Tod bewusst an (Deutung)
Schiller: eher sterbe ich, als dass ich mich so weit erniedrige, dass ich mir selbst nicht mehr treu
sein kann.
3. Akt hat eine besondere Stellung im Drama, s. Dramentheorie nach G. Freytag (1816-1895)
3. Akt ist in sich unterteilbar: klassisches Drama im Kleinen

4 : Peripetie
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Gespräch zwischen Elisabeth und Leicester nach dem Königinnen- Treffen:


Elisabeth:
Ich hab's gewusst, die Schalmpe hat den Tod verdient.
Du hast mich dazu verleitet, die Unwürdige zu sehen,
deinetwegen lass ich mich so verhöhnen.
Ich soll ihr den strick bezahlen und noch hat sie zu fordern,
noch hat sie den Stolz und die Frechheit im Herzen.
Und ich soll sie beneiden?
Leicester:
Schwach ist sie, die ihre Beherrschung verliert.
Du bist stark geblieben und hast ihr getrotzt.
Elisabeth:
Nicht getrozt hab' ich ihr, geschlagen hat sie mich!
Welche Schande! Ich bin die Königin!
Wenigstens habt Ihr mir die Entscheidung erleichert,
ja selbst gefällt hat sie ihr Urteil.