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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

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Gere EFZ+EBA

Lernziele

• Die Unterteilung in die fünf Arten der Wirbeltiere kennen.

• Wissen über Aufbau/Gliederung der Körper der Wirbeltiere aneignen.

• Massnahmen zur Verhinderung und Bekämpfung kennen.

• Die umweltgeschützten Wirbeltiere kennen.

 

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1 Körperbau der Wirbeltiere Stütz- und Bewegungsapparat

2

Verdauungssystem

3

Atmung

4

Blutkreislauf

5

Nerven, Sinnesorgane

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Lichtrezeptoren

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Schallaufnahme und -weiterleitung

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Raumlagesinn und Drehsinn

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Hautrezeptoren

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2 Wirbeltiere im und um das Haus

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Hausmaus

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Haus-/Wanderratte

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Tauben

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Fledermaus

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3 Umweltgeschütze Wirbeltiere

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Lernkontrolle

Alle Rechte vorbehalten. Kein Teil des Werkes darf ohne schriftliche Genehmigung des Verlags in irgendwelcher Form kopiert, vervielfältigt, verarbeitet, übersetzt oder in analoger bzw. digitaler Form reproduziert werden.

Quellennachweis: Dieses Lehrmittel basiert teilweise auf Fachliteratur und Prospekten. Für die Verwendung gewisser Texte und Abbildungen gebührt den betroffenen Autoren und Verlagen bester Dank.

Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

1 Merkmale der Wirbeltiere (Vertebrata)

Wirbeltiere sind der höchst differenzierte Stamm des Tierreichs. Sie verfügen über einen zweiseitig-symmetrisch reichgegliederten Körper. Wirbeltiere haben immer ein Achsenskelett, das heisst eine Wirbelsäule und eine Schädelkapsel. Sie haben nie mehr als zwei Paar Gliedmassen. Ferner besitzen Wirbeltiere ein zentrales Ner- vensystem aus Gehirn und Rückenmark. Sie haben ein bauchwärts gelegenes Herz mit Kammern und Vorkammern und ein Blutsystem. DieHautistvorwiegendmitHaaren,Stacheln,FedernoderSchuppen bedeckt. Die Fortpflanzung der Wirbeltiere erfolgt geschlechtlich.

Wirbeltiere sind Tiere, die ein knorpeliges oder knöchernes In- nenskelet mit einer gegliederten Wirbelsäule besitzen. Der Kör- per besteht aus Kopf, Rumpf, Schwanz (kann auch zurückgebildet sein) und zwei Gliedmassenpaaren. Nervensystem (Rückenmarkt, Gehirn) und Sinnesorgane sind hoch entwickelt. Fische und Lur- che im Jungstadium atmen durch Kiemen, alle andere Wirbeltiere durch Lungen. Alle Wirbeltiere pflanzen sich geschlechtlich fort:

Die meisten sind lebendgebärend; fast alle anderen legen Eier. Nur etwa 1/10 aller heute lebenden Tierarten gehört zu den Wirbel- tieren; die übrigen sind Wirbellose, das heisst, ihnen fehlt die Wir- belsäule.

Fische, Lurche und Kriechtiere sind wechselwarme Tiere, deren Körpertemperatur von der Aussentemperatur abhängt und stark schwanken kann. Vögel und Säugetiere sind hingegen gleich warm. Sie können ihre Körpertemperatur unabhängig von der Au- ssentemperatur regulieren, sodass sie weitgehend gleich bleibt. Unterstützt wird dies meist durch ein isolierendes Haar- oder Fe- derkleid.

Unter dem Begriff Körperbau wird Folgendes behandelt:

Stütz- und Bewegungsapparat

Verdauungssystem

Atmung

Blutkreislauf

Nerven, Sinnesorgane

Schallaufnahme und -weiterleitung

Raumlagesinn und Drehsinn

Hautrezeptoren

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© Copyrigh t by Allpura-Autorenteam 04052 2 – 2014 Säugetiere Amphibien Reptilien Vögel Fische Die fünf

Säugetiere

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Amphibien

Allpura-Autorenteam 04052 2 – 2014 Säugetiere Amphibien Reptilien Vögel Fische Die fünf klassischen Gruppe n der

Reptilien

04052 2 – 2014 Säugetiere Amphibien Reptilien Vögel Fische Die fünf klassischen Gruppe n der

Vögel

Fische
Fische

Die fünf klassischen Gruppen der Wirbeltiere

Fische Die fünf klassischen Gruppe n der Wirbeltiere Diese Elemente sind direkt von- ei nander abhängig

Diese Elemente sind direkt von- einander abhängig und wirken nur im Verbund.

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05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Vordere Extremität:

Oberarm (Humerus) Speiche (Radius) Elle (Ulna) Handwurzel (Carpus) Mittelhand (Metacarpus) Finger

Hintere Extremität:

Oberschenkel (Femur) Schienbein (Tibia) Wadenbein Fusswurzel (Tarsus) Mittelfuss (Metatarsus) Zehen

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Reptil (Alligator)

2

Vogel

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Affe

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Raubtier (Hund

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Paarhufer (Ziege)

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Einhufer (Pferd)

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Stütz- und Bewegungsapparat

Allen Wirbeltieren gemein ist ein knorpeliges oder knöchernes In- nenskelett. Als stützendes Gerüst bestimmt es die Gestalt des Tieres, dient dem Muskelansatz und schützt verletzliche Organe. Die gegliederte biegsame Wirbelsäule ist Grundlage des Skeletts. Wirbel umfassen hierbei Rückenmark- und Hauptgefässe, Rippen und Gliedmassen setzen hier an. Viele Wirbeltiere besitzen zum besonderen Schutz des Gehirns und wichtiger Sinnesorgane einen Schädel.

Der Fortbewegung dienen die Gliedermassen (Extremitäten). Ursprünglich trägt jedes Wirbeltier zwei, im Einzelnen sehr ver- schieden ausgebildete Gliedermassenpaare (Vierfüssigkeit). Flos- sen, Flügel, Beine und Arme lassen sich auf die gleichen Grund- elemente zurückführen, die allerdings stark modifiziert sind.

Hintergliedmassen von Wirbeltieren

k modifizier t sind. Hintergliedmassen von Wirbeltieren An den Spuren de r Wirbeltier e sin d

An den Spuren der Wirbeltiere sind drei grundsätzliche Gangarten zu unterscheiden:

Sohlengang = Aufsetzen des ganzen Fusses (z.B. Mensch, Affe, Bär)

Zehengang = Aufsetzen der Zehen (z.B. Katze, Vögel, Ratte)

Zehenspitzengang = Aufsetzen nur der Zehenspitzen (z.B. Pferd)

Bewegungen können entstehen, weil es Muskeln gibt. Viele läng- liche Zellen sind zu Fasern gebündelt, die wiederum zu den eigent- lichen Muskeln zusammengefasst sind. Muskelzellen haben die besondere Eigenschaft, sich auf einen Reiz hin zusammenzuzie- hen. Beim Zusammenziehen entsteht Spannung. Wenn Muskeln an zwei verschiedenen Körperteilen angewachsen sind, können diese gegeneinander bewegt werden. Ringmuskeln können Öffnungen schliessen, das Herz auch ein Muskel – kann Pumpbewegungen ausführen. Muskeln sind auch bei Insekten vorhanden.

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

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Verdauungssystem

Das Verdauungssystem besteht aus den verschiedenen Stationen der Nahrungspassage und den damit verbundenen Organen.

Die Nahrungsaufnahme erfolgt über die Mundöffnung am Kopf. Hier finden sich Einrichtungen zur mechanischen Zerkleinerung der Nahrung in verschiedener Form (Platten, Leisten, Zähne usw.). Meist wird die Nahrung mit dem Sekret der Speicheldrüse durch- setzt und somit schon hier teilweise chemisch aufgeschlossen. Durch den Schlund (Pharynx) und die Speiseröhre (Ösophagus) gelangt die Nahrung in den Magen, der bei den einzelnen Wirbel- tierklassen sehr unterschiedlich ausgebildet ist und aus mehreren Teilmägen bestehen kann. Bei den Vögeln kennen wir den Kropf, der als Sammelmagen dient und dessen Inhalt zur Fütterung der Jungtiere hervorgewürgt wird. Ebenfalls bei Vögeln ist der Kau- magen zu finden. Da die Nahrung erst hier zerkleinert wird, ist die- ser sehr muskulös und beinhaltet zum Mahlen kleine Steinchen. Allgemein dient der Magen aber dem chemischen Aufschluss der Nahrung. Sie wird durch die Magensäure und verschiedene Se- krete, die Enzyme enthalten, in kleinere Bestandteile aufgespal- ten. Eine Schleimhaut schützt den Magen vor Selbstverdauung. In den ersten Teil des Darmes werden die Sekrete der Galle und der Bauchspeicheldrüse entlassen. Galle wird in der Leber produ- ziert und enthält wichtige Enzyme zur Fettverdauung, die in der Gallenblase zwischengespeichert werden. Das Sekret der Bauch- speicheldrüse (Pankreas) dient hauptsächlich der Spaltung von Eiweissen und Kohlehydraten.

Die Passage durch Dünndarm und Dickdarm führt zur Aufnahme der Nahrungsbestandteile durch die aufnahmefähige Darmwand. Zahlrei- che Bakterien (Magen- und Darmflora) helfen zudem beim Nahrungsaufschluss. Im hinteren Darmteil erfolgt eine Eindickung des Speise- breis durch Wasserentzug. Im Mastdarm wer- den schliesslich die Exkremente vor der Aus- scheidung gesammelt.

Ein weiteres wichtiges Organ zur Regulierung der Salz- und Wasserausscheidung ist die Niere. Sie reinigt das Blut von Stoffwechse- lendprodukten und scheidet diese als Urin aus. Zusammen mit der Leber kann sie den Körper so von Schadstoffen oder unbrauchbaren Pro- dukten «entgiften».

Nahrungsaufnahme Verdauung Fäkalien (Darmbakterien)
Nahrungsaufnahme
Verdauung
Fäkalien (Darmbakterien)
Schlund Speiseröhre Magenpförtner Mageneingang (Pylorus) (Kardia) Zwölffingerdarm Magen Leber
Schlund
Speiseröhre
Magenpförtner
Mageneingang
(Pylorus)
(Kardia)
Zwölffingerdarm
Magen
Leber
Bauchspeicheldrüse
Gallengang
Gallenblase
querverlaufender
Dickdarm
absteigender
Dickdarm
aufsteigender
Dünndarm
Dickdarm
Mündung des
Dünndarms in den
Dickdarm
Blinddarm mit
Wurmfortsatz
Mastdarm
Endausgang des
Darms (After)

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05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Lunge Luft- säcke
Lunge
Luft-
säcke

Lunge der Taube mit Luftsäcken

Atmung

Lebewesen müssen für Oxidationsprozesse im Stoffwechsel Sau- erstoff aufnehmen und das entstehende Kohlendioxid abgeben. Für diesen Gasaustausch ist der Atmungsapparat vorgesehen. Auch dieser ist bei den verschiedenen Wirbeltierklassen unter- schiedlich aufgebaut. Fische und einige Gattungen früherer Ent- wicklungsstadien haben Kiemen. Sauerstoffreiches Wasser wird hier durch stark durchblutete Gewebeteile geführt, Sauerstoff vom Blut aufgenommen und Kohlendioxid abgegeben. Vorherrschend sind jedoch Lungen mit zuführenden Organen. Sauerstoffreiche Luft wird über Mundöffnung oder Nasenöffnung aufgenommen und über die Luftröhre und den Bronchialtrakt zur Lunge geleitet. Diese ist in kleine Bläschen (Alveolen) gegliedert, die von feinsten Gefässen umsponnen sind. Hier erfolgt der Austausch.

Die Druckdifferenzen, die zum Ein- und Ausatmen erforderlich sind, entstehen durch die Bewegung des Zwerchfells (Diaphragma) und spezieller Atmungsmuskulatur des Brustkorbs (Thorax). Die Lunge ist elastisch und kann über die Verbindung mit dem Brustfell (Pleura) diesen Bewegungen folgen. Die Atmung läuft automatisch – auch unwillentlich – ab.

Blutkreislauf

Lungenkapillaren Lungen- Lungenarterie vene Milchbrustvorgang rechter Vorhof linker Vorhof rechte Lymphgefässe
Lungenkapillaren
Lungen-
Lungenarterie
vene
Milchbrustvorgang
rechter
Vorhof
linker Vorhof
rechte
Lymphgefässe
Kammer
linke
Kammer
Aorta
Darm
Fett
Körpervenen
(Hohlvenen)
Chylus-
gefässe
Leber-
kapillaren
Niere
Lymph-
knoten
Harn-
stoff
Körper-
kapillaren
Körperarterien

Das Blut der Wirbeltiere fliesst im Gegensatz zu dem der Insekten in einem geschlossenen Kreis- lauf. Bei den höheren Wirbeltieren pumpt das Herz mit seiner linken Kammer das Blut durch die sich immer feiner verzweigenden arteriellen Gefässe in jeden aktiven Teil des Körpers. Über die Venen gelangt das Blut zurück zum Herz und wird nun von der rechten Kammer durch die Lunge gepumpt und wieder sauerstoffreich dem linken Herz zuge- leitet (doppelter Kreislauf). Blut transportiert viele Stoffe (O 2 , CO 2 , Nahrungsstoffe, Stoffwechsel- produkte usw.), es transportiert Wärme, sorgt r Signalübermittlung und spielt eine entscheidende Rolle in der Immunabwehr. Blut besteht aus ver- schiedenen Blutkörperchen und Plasma. Plasma ist flüssig und setzt sich zusammen aus Serum (Was- ser und gelöste Teile) und Fibrinogen. Letzteres ist verantwortlich für die Blutgerinnung. Die roten Blutkörperchen enthalten den Blutfarbstoff Hämo- globin, der den Sauerstofftransport übernimmt. Die weissen Blutkörperchen kommen in mehreren

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Typen vor und fressen Fremdkörper oder bilden Antikörper. Blut- plättchen sorgen schliesslich als Vorstufe zur Blutgerinnung r die akute Pfropfbildung an Wunden.

Bestandteile des Blutes

Blut Plasma Blutkörperchen Thrombocyten Blutserum Fibrinogen Erythrocyten (rot) Leukocyten (weiss) (Blutplättchen
Blut
Plasma
Blutkörperchen
Thrombocyten
Blutserum
Fibrinogen
Erythrocyten (rot)
Leukocyten (weiss)
(Blutplättchen

Nerven, Sinnesorgane

Wie bei den Insekten muss auch der Organismus der Wirbeltiere Informationen seiner Umwelt und seines Körperinneren erkennen und verarbeiten, um sich durch eine entsprechende Reaktion daran anzupassen. Man spricht von der Informationskette, die folgende Grundelemente enthält:

Reiz (von aussen oder innen)

Aufnahme durch Sinneszelle/Organ Weiterleitung über Nerven Verarbeitung der Information im Zentralnervensystem Weiterleitung über Nerven Reaktion, z. B. über Muskeln

Das Nervensystem besteht aus dem Gehirn als Schaltzentrale und den Nerven. Ein Nerv setzt sich aus vielen Nervenzellen (Neuronen) zusammen. Diese vermehren sich im Laufe des Lebens nicht mehr. Ihre Vernetzung steigt jedoch mit zunehmendem Alter und Training. Zerstörte Nerven können nicht regeneriert werden.

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05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Wir unterscheiden Aussenreize der Umwelt und Innenreize, die vom Körper selbst verursacht werden:

Aussenreize

Innenreize

Geruchsstoffe

Licht

Hunger

Geschmacksstoffe

Berührung

Durst

Schall

Druck

Hormone

Temperatur

Schwerkraft

Fremdstoffe

Auch Wirbeltiere können wie Insekten diese Reize durch verschie- dene Rezeptoren (Sinnesorgane) wahrnehmen, wenn sie über einer bestimmten Schwelle liegen.

Lichtrezeptoren

Wirbeltierauge Retina Pecten-Auge (Spiegelteleskopauge) Fliegenauge Linse Iris Ommatidium Linse distale Retina
Wirbeltierauge
Retina
Pecten-Auge
(Spiegelteleskopauge)
Fliegenauge
Linse
Iris
Ommatidium
Linse
distale Retina
proxim. Retina
Tapetum (Spiegel)
Pigment-
zelle
Photorezeptorzelle
Prototyp
eines Auges
Licht-Rezeptor
lichtempfindliche Zelle

Wie bei den Insekten heissen die Organe, die das Licht auf- nehmen und verarbeiten kön- nen, Augen. Typisch r alle Wirbeltiere ist das Linsen- auge.

Die Lichtstrahlen, die von ei- nem Gegenstand in das Auge fallen, werden zunächst vom optischen Apparat gesam- melt. Das Licht durchdringt hierbei die Hornhaut, wird gebrochen und gelangt durch das Kammerwasser zur Pu- pille, die von der Irisblende umschlossen wird. Die Pu- pille wird durch Erschlaffen der Irismuskeln enger, wenn

sich die Lichtintensität er- höht. Bei sinkender Lichtintensität wird die Pupille durch Zusam- menziehen der Irismuskeln weiter. Die folgende Linse bricht das Licht erneut. An der Linse sitzen ebenfalls Muskeln, die über soge- nannte Linsenbänder den Grad der Linsenwölbung und damit ihre Brechkraft verändern können. Zur Ferneinstellung entspannen sich die Muskeln und ziehen die Linsenbänder auf Spannung, sodass die Linse abgeflacht wirkt. Für das Nahsehen kontraktieren die Mus- keln und führen zur Bänderentspannung. Die Linse kann sich wie-

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

der wölben. Von der Linse wird das Licht auf die Netzhaut (Retina) geworfen, die den hohlen Glaskörper auskleidet. Auf der Netzhaut entsteht ein umgekehrtes, verkleinertes Bild, das hier durch die Sinneszellen in einzelne Bildpunkte zerlegt – aufgerastert – wird. Im Facettenauge der Insekten wird das Umweltbild, im Gegensatz dazu, bereits durch den optischen Apparat in Bildpunkte zerlegt. Die eigentlichen Sinneszellen liegen als Zapfen und Stäbchen vor, in denen Pigmente durch das einfallende Licht gespalten werden und so jeweils ein Rezeptorpotenzial entsteht.

Zapfen sind zuständig r farbiges Sehen bei heller Beleuchtung. Stäbchen ermöglichen hingegen Schwarz- Weiss-Sehen bei gerin- ger Beleuchtung (Dämmmerungssehen). Die Sinneszellen sind mit mehreren Schichten Nervenzellen verbunden, die Lichtreize schon in der Netzhaut verarbeiten und im Sehnerv als Impulse zur zent- ralen Weiterverarbeitung ableiten. Es führen etwa 1 Million Ner- venfasern von der Netzhaut des menschlichen Auges zum Gehirn.

Schallaufnahme und -weiterleitung

Die trichterförmige Ohrmuschel fängt die Schallwellen ein. Sie ist bei den Wirbeltierarten unterschiedlich stark ausgeprägt und kann von den meisten Tieren zusätzlich durch Muskeln zur Schallquelle ausgerichtet werden. Der Gehörgang leitet die Wellen weiter zu einer weich aufgehängten Membran, die Aussenohr und Mittelohr trennt – dem Trommelfell.

Das Mittelohr steht über die Ohrtrompete (Eustachische Röhre) mit dem Mund-Rachen-Raum in Verbindung, was einen Druckausgleich bei heftigen Druckwellen ermöglicht. Das durch die Schallwellen in Schwingungen versetzte Trommelfell gibt diese über die ebenfalls schwingfähigen und miteinander verbundenen Gehörknöchelchen – Hammer, Amboss und Steigbügel – zum lnnenohr weiter. Die Knöchelchen funktionieren dabei wie ein Hebelapparat, der die Schwingungen verstärken muss, um die schwerer verschiebbare Flüssigkeit des Innenohres zu bewegen.

Das lnnenohr besteht aus den Bogengängen des Gleichgewichts- organs und der knöchernen Schnecke. Letztere ist in drei Räume aufgeteilt: den oberen Vorhofgang, der am ovalen Fenster beginnt, den mittleren, von der häutigen Schnecke gebildeten Schnecken- gang und den unteren Paukengang, der an der Membran des runden Fens-ters wieder an der Grenze zum Mittelohr endet. Der Schneckengang endet blind in der Spitze der Schnecke. Vorhof- und Paukengang gehen dort ineinander über. Der Boden des Schne-

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05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

ckengangs wird von der Basilarmembran gebildet. Auf ihr sitzen die behaarten Sinneszellen. Über den Sinneszellen liegt eine sie berührende Deckmembran.

Schwingungen der Membran am ovalen Fenster führen zu einer Volumenverschiebung der Flüssigkeit im Vorhofgang. Die Wände des Schneckenganges geben dieser wellenförmigen Volumenver- schiebung nach, und die Deckmembran wird gegen die Haarzellen der Basilarmembran gedrückt. Durch diesen Berührungsreiz wird ein Rezeptorpotenzial ausgelöst, das von anliegenden Nervenzel- len weitergeleitet wird. Bei nachlassender Druckwelle hebt sich die Deckmembran wieder ab. Die Druckwellen enden am runden Fenster.

Die untere Hörgrenze liegt beim Menschen bei 20 Hz, die obere zwischen 15 kHz und 20 kHz. Dabei bedeutet 1 kHz = 1000 Schwin- gungen pro Sekunde. Der hörbare Bereich der anderen Wirbeltiere weicht z.T. erheblich von dem des Menschen ab. So können z.B. Hunde noch Töne bis etwa 50 kHz hören. Andere Tiere nehmen sogar den Ultraschallbereich wahr.

Die nächtliche Orientierung der Flederuse ist darauf zurückzu- führen, dass sie während des Fluges Tonstösse in der Frequenz von 30 bis 80 kHz ausstossen. Die Schallwellen werden beim Auftref- fen auf ein Hindernis zurückgeworfen und gelangen als Echo zum Ohr. Auf Grund des Zeitunterschiedes zwischen Schallaussendung und Rückkehr des Echos kann die Fledermaus den Gegenstand or- ten.

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Raumlagesinn und Drehsinn

Das Gleichgewichtsorgan, das im Bereich des Innenohres zu fin- den ist, beinhaltet 2 Sinne: den Raumlagesinn und den Drehsinn. Sie ermöglichen dem lndividuum durch das Erfassen der Schwer- kraftrichtung eine bestimmte Körperstellung und ermöglichen eine Orientierung bei der Fortbewegung.

Die Schweresinnesorgane der Wirbeltiere bestehen aus einem mit Flüssigkeit gefüllten Hohlraum, welcher sich durch eine Ein- schnürung in ein oberes und ein unteres Bläschen teilt. Am oberen Bläs-chen entspringen drei halbkreisförmige, in das Bläschen zu- rücklaufende Kanäle. Jedes Bläschen trägt am Boden einen Be- satz von Sinneszellen, auf deren Haaren zahlreiche winzige feste Körperchen liegen. Die Körperchen sind durch eine Gallertmasse untereinander und mit den Haaren verklebt. In Schieflage bewegen sich die Körperchen parallel zur Oberfläche der Sinneshaare und biegen diese ab. Diese Biegung liefert den Reiz für die Sinneszellen, der in einen Impuls umgewandelt wird.

Die mit Flüssigkeit gefüllten Bogengänge des Innenohrs sind das Drehsinnesorgan. Sie sind so nach den drei Richtungen des Rau- mes angeordnet, dass auch die einander entsprechenden senk- rechten Bogengänge im linken und rechten lnnenohr zueinander senkrecht stehen. Jeder Bogengang weist nahe der Einmündung ins obere Bläschen eine Schwellung auf, die am Grund mit Sinnes- zellen besetzt ist. Die Sinneszellen tragen feine Flimmerhärchen, die in einer Gallertzunge eingebettet sind und in die Flüssigkeit der Schwellung hineinragen.

Die Wirkung beruht auf dem Beharrungsvermögen dieser Flüssig- keit. Wird der Kopf nach rechts bewegt, bleibt die Flüssigkeit in den waagerechten Bogengängen durch ihre Trägheit in Ruhe, während die Wandungen der Gänge mitsamt der Gallertzunge bewegt wer- den.

Hierdurch wird die Gallertzunge abgebogen. Diese Bewegung reizt die Sinneszellen. Erkannt wird nur die Drehbeschleunigung, da bei anhaltender Drehung die Flüssigkeit bald der Drehung folgt. Hier- durch kann das Phänomen des Drehschwindels erklärt werden.

Gleichgewichtsorgan

Lagesinnesorgan

s erklär t werden. Gleichgewichtsorgan Lagesinnesorgan Drehsinnesorgan Cupula Sinneszellen Flimmerhärchen Nerv

Drehsinnesorgan

Cupula Sinneszellen Flimmerhärchen Nerv
Cupula
Sinneszellen
Flimmerhärchen
Nerv

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05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Hautrezeptoren

Die Haut des Körpers registriert Druck, Berührung und Vibration (zusammen Tastsinn), aber auch Temperatur und Schmerz.

Der Tastsinn ist eine der wichtigsten Orientierungshilfen r viele Wirbeltiere. Er spielt eine besondere Rolle r nachtaktive Tiere und Tiere, die relativ schlecht sehen. Die Rezeptoren r das Tas- ten liegen in der Haut und sind unterschiedlich ausgebildet. Mer- kel-Zellen und Tastscheiben werden durch den Druck, den eine Gewichtsauflage erzeugt, gereizt. Meissnerische Körperchen und Haarwurzelrezeptoren reagieren auf Berührung. Dabei ist nicht der Grad der Hautverformung oder Haarbiegung entscheidend, sondern die Geschwindigkeit der Reizänderung. Die Pacinischen Körperchen sind auf die Wahrnehmung von Vibrationen (hohe Geschwindigkeit der Reizänderung) spezialisiert.

1 Meissnersche Körperchen

2 Merkel-Zellen

3 Pacinische Körperchen

4 Haarwurzelrezeptoren

5 Tastscheiben

Berührung Hornhaut Epidermis Korium Haar Subkutis Nerven
Berührung
Hornhaut
Epidermis
Korium
Haar
Subkutis
Nerven

Unbehaarte Haut

Behaarte Haut

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

2 Wirbeltiere im und um das Haus

Hausmaus (Mus musculus)

Die Maus gehört zu den Nagetieren und ist ein Vorratsschädling. Auch Krankheiten können übertragen werden. In Häusern tritt in der Regel nur die Hausmaus auf.

Mäuse leben normalerweise in Revieren mit mehreren Weibchen. Jungtiere verlassen das Revier erst ausgewachsen im Alter von etwa 5 Wochen, dann bilden sie neue Reviere. Haususe ver- fügen über ein ausgeprägtes Kletterverhalten, Schwimmen ist möglich, und besonders Jungtiere haben ein gutes Sprung- vermögen. Die Haususe betreiben ein ausgeprägtes Nasch- verhalten sie fressen gerne an verschiedenen Nahrungsquellen. Die Nahrung wird nicht fortgetragen, keine Vorratshaltung. Gerin- ger Flüssigkeitsbedarf, jedoch bei einer reinen Trockennahrung ist eine Tränke notwendig.

Grösse: 8–9 cm erwachsenes Tier, Schwanzlänge etwa 9 cm.

Farbe: grau.

Nahrungsgewohnheiten: Pflanzenfresser; sie fressen Körnermaterial, Sämereien (Nagetrieb).

Legen Nester an warmen Stellen (wenn möglich) an, diese werden gut wärmeisoliert ausgestattet.

Wärmeliebend: Bevorzugte Temperatur von 28 °C.

Vermehrung: Durchschnittlich 6–8 Junge pro Wurf. 8–10 Würfe pro Jahr. Mäuse sind bereits nach 9–12 Wochen geschlechtsreif.

Lebenserwartung: Durchschnittlich 1 Jahr, maximal 3 Jahre.

Sinnesempfindungen: Gehör, Geruchs- und Tastsinn gut aus- gebildet. Farbempfindlichkeit kaum vorhanden.

Vorratsschädlinge/Materialschädlinge unter anderem Schä- digung von Lebens- und Futtermittel, Textilien, Papier, Leder u.a. durch Fressschäden und Verunreinigung durch Kot, Urin, Haare usw. Krankheitsträger, wie z.B. Mäusetyphus, Trichinose, Murines Fie- ber, Toxoplasmose, Tularämie (Nagerpest), Dermatomykose (Kopf- grind), Hirnhautentzündung u.a. Mäuse werden von vielen Men- schen als ekelerregend und lästig empfunden.

n Men- schen al s ekelerregen d un d lästig empfunden . Lebensweise Merkmale Schadwirkung/ Lästlinge

Lebensweise

Merkmale

Schadwirkung/

Lästlinge

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05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Bekämpfung

Bekämpfungsmittel muss an verschiedenen Stellen ausgelegt werden, da Mäuse naschen.

Befallsermittlung (Kotkrümel, Geruch von Kot und Urin, Fress- spuren) und Bekämpfung mit Ködermethode.

Köder werden in Köderboxen ausgelegt.

Bekämpfungsmittel muss an verschiedenen Stellen ausgelegt werden, da Mäuse naschen.

Köderwirkstoffe sind Antikoagulantien (Blutgerinnungshem- mer): (Brodifacoum, Bromadiolon, Difenacoum, Difethialon, Flocoumafen). Achtung: Gesetzliche Bestimmung.

Bei längerem Einsatz von Antikoagulantien können sich Resis- tenzen bilden; in diesem Fall sind die eingesetzten Köderwirk- stoffe wirkungslos. Der Wirkstoff muss gewechselt werden!

Kleine Populationen können durch Schlagfallen und auch mit Kat- zen bekämpft werden.

Schlagfallen un d auch mi t Kat- zen bekämpft werden. Schadenwirkung Lästlinge Tierschutz Maulwürfe (Talpidae)

Schadenwirkung

Lästlinge

Tierschutz

Maulwürfe (Talpidae)

Maulwürfe sind insektenfressende Kleinnager mit Grab- schaufeln, das heisst mit entsprechend ausgebildeten Vorder- extremitäten und einer rüsselförmig verlängerten Schnauze sowie kleinen, reduzierten Augen. Sie haben einen sehr gut entwickelten Geruchs- und Erschütterungssinn.

Sie ernähren sich vorwiegend von Insektenlarven und Regen- würmern und bauen sich unterirdisch umfangreiche Gangsysteme. So entstehen die bekannten Maulwurfhügel.

Überssige Vorkommnisse werden mit Mäusefallen und Katzen bekämpft, können aber auch durch Vergrämung mittels arten- eigenen Lauten, Schallwellen, oder durch elektromagnetische Felder reduziert werden.

Maulwürfe Verursachen keine Schäden von Bedeutung.

Bei zahlreichem Auftreten sind vor allem die Erdwülste lästig.

Maulwürfe sind geschützte Tiere.

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Hausratte/Wanderratte (Rattus rattus/Rattus norvegicus)

Wanderratten leben in Rudeln in einem festen Verband zusammen. Belegen feste Reviere, die gegen rudelfremde Tiere verteidigt wer- den. Um das Revier befindet sich ein erweiterter Aktionsradius. Hausratten leben nur in Gebäuden, während Wanderratten im Freien und im Gebäude auftreten.

Ratten laufen möglichst geschützt, d.h., sie suchen die Berührung von Wänden und Ähnliches mit den Schnurrhaaren.Sie legen um- fangreiche Wohnbauten an, ausserdem innerhalb des Reviers Vor- ratskavernen; manchmal auch kleine, blind endende Fluchtschächte. Ratten springen aus dem Stand etwa 75 cm hoch (in Flucht bzw. Pa-

nik wesentlich mehr), klettert gut, schwimmt recht weite Strecken.

RattenverfügenüberhoheLernfähigkeitundgutausgebildetesMiss-

trauen.Neben Hausratten kommen bei uns überwiegend Wander- ratten vor. Generell sehr hohe Fortpflanzungsrate (bis zu 12 Würfe à 3–22 Stück).

Grösse: Erwachsenes Tier: 19–25 cm, Schwanzlänge: 16–20 cm.

Farbe: Graubraun, meist mit heller Bauchseite.

Ohren: Relativ klein, kleiner als bei der Hausratte.

Abstand zwischen Ohren und Augen recht weit.

Nahrung: Allesfresser, über wiegend Pflanzenfresser. Trägt überschüssige Nahrung in Vorratskammern ein, frisst sich meist an einer Nahrungsquelle satt, also kein starkes Nasch- verhalten. Finden Wanderratten eine Nahrung nicht geniess- bar, wird sie mit Urin verwittert, sodass andere Ratten diese Nahrung nicht mehr aufnehmen.

Sinnesempfindungen: Gut ausgebildet sind Geruchssinn, Tastsinn und Gehör. Reagieren ausgezeichnet auf Hell-dunkel- Effekte. Das Sehen selbst ist weniger gut ausgebildet, Farben können kaum erkannt werden (nur Gelb und Grün).

Vorratsschädlinge/Materialschädlinge: Durch Frass- schäden sowie durch Kot und Urin werden Nahrungsmittel und auch Materialien verunreinigt bzw. geschädigt. Elektro- kabel können angenagt werden, dadurch ist ein Kurzschluss bzw. Kabelbrand möglich.

Gesundheitsschädlinge: Ratten können Krankheiten wie z.B. Tollwut, Amöbenruhr, Trichinose, Toxoplasmose, Tularämie (Nagerpest), Leptospirose (Weill’sche Krankheit) und vieles andere übertragen.

Lästlinge: Ratten werden von vielen Menschen als ekel- erregend und lästig empfunden.

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Lebensweise

lästig empfunden. © Copyrigh t by Allpura-Autorenteam 04052 2 – 2014 Lebensweise Merkmale Schadenwirkung 1 3

Merkmale

Schadenwirkung

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05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Bekämpfung

Bekämpfungsmittel

Bekämpfung mit Giften darf nur durch Fachpersonen vorgenommen werden.

Kleine Populationen mechanisch mit Hilfe von Fallen sowie mit Katzen.

Das Ziel der Bekämpfung besteht in der vollständigen Tilgung des akuten Befalls sowohl der lokalen Herdenbildung als auch der grossräumigen Bekämpfung der Tiere, was nur mit chemischen Mitteln erreichbar ist. Achtung: Gesetzliche Bestimmung.

Erkennen der Rattenwechsel, auch vermutete Rattenwechsel (Kot, Geruch von Kot und Urin, Fressspuren).

Auslegen der Köder, möglichst in Köderboxen. Art der Köder- boxen hängt vom Sicherheitsbedürfnis am Befallsort ab. Hohe Sicherheitsstufe (z.B. in Schulen) bedeutet zugriffsgeschützte Köderstationen.

Die Menge der auszulegenden Köder hängt ab vom Wirkstoff des Präparates. Bei Antikoagulantien der ersten Generation etwa 250–400 g je Köderstelle, bei Verwendung von Wirk- stoffen der zweiten Generation bis 200 g je Futterstelle. Anzahl der Köderstellen richtet sich nach Ausdehnung der Befallsstärke.

Erste Nachkontrolle nach einer Woche, danach wöchentliche Kontrolle und Nachlegen der Köder bis keine Annahme mehr erfolgt.

Antikoagulantien: Wirkstoffe, die die Blutgerinnung verhindern. Sie blockieren den Aufbau von Blutgerinnungsfaktoren in der Leber. Bei Antikoagulantien der ersten Generation ist eine mehr- malige Köderaufnahme notwendig. Beispiele: Warfarin, Couma- tetralyl. Antikoagulantien der zweiten Generation wirken bereits bei einer einmaligen Köderaufnahme erfolgreich. Beispiele: Dife- nacoum, Bromadiolon, Difethialon, Flocoumafen.

Akutgifte sollten gegen Ratten nur in Ausnahmefällen angewendet werden, da sie Köderscheu bewirken und daher nicht zur Tilgung des Befalls führen. Beispiele: Zinksulfid, Meerzwiebelextrakte.

Blausäure, Phosphorwasserstoff und andere Gase sind unter Umständen zum Vorratsschutz einsetzbar.

Eine andere Methode zur Rattenbekämpfung ist das Einbringen von klebendem Schaum in die Rattenlöcher, mit den Wirkstoffen Coumatetralyl und Cholecalciferol. Beim Durchschlüpfen bleibt Schaum am Fell kleben. Durch das Putzverhalten nimmt die Ratte die Wirkstoffe vom Fell bzw. von den Pfoten über den Mund in den Körper auf. Neben der Schaummethode gibt es noch das Ausbrin- gen von Puder. Puderausbringung erfolgt in gleicher Weise wie bei der Schaummethode.

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Tauben (Columbidae)

Typisch für Tauben ist, dass sich Angehörige verschiedener Brutschwärme zusammenfinden, um gemeinsam zu fressen. In- nert kurzer Zeit tauchen jeweils viele Tiere «aus dem Nichts» auf und versammeln sich auf einigen Gebäuden und lassen naturge- ss dort auch ihren Kot fallen. Nach etwa einer halben Stunde werden alle wie auf ein geheimes Zeichen hin aktiv und steuern den eigentlichen Fressplatz an. Sind sie satt, fliegen sie noch ein wenig «gesellig» umher und verschwinden dann genauso schell, wie sie vorher aufgetaucht waren. In Extremfällen können grosse Schwärme regelmässig zu genau bestimmten Zeiten an einzelnen Orten auftauchen, nämlich dann, wenn an bestimmten Orten ge- wisse Lebensmittel angeliefert werden, nach der grossen Pause auf dem Schulhof, beim Bahnhof, usw. oder wenn die ältere Dame pünktlich um 15 Uhr ihren Lieblingen Futter ausstreut.

Grösse: Erwachsene Tauben 25 bis 30 cm lang.

Farbe: Hellgrau und einige Körperteile dunkelgrau, Männchen farbige Halspartie.

Nahrung: Allesfresser von Körnern bis Würmer usw.

Nester: Legen in Gebäuden an geschützten, warmen Stellen einfache Nester an.

Vermehrung: Jährlich, vorwiegend im Frühling, durch Eier, nach zirka 8 Wochen geschlechtsreif.

Lebenserwartung: Durchschnittlich 8 Jahre

Säurehaltige Visitenkar ten: Taubenkot ist säurehaltig und sehr aggressiv. Allein schon bestens geeignet, um Sandstein zu zersetzen, wird sein Zerstörungspotenzial durch die zunehmende Luftverschmutzung noch vervielfacht, vor allem an den vielfälti- gen Verzierungen historischer Gebäude werden die angerichteten Zerstörungen sichtbar. Doch auch neuere und moderne Gebäude bekommen die Auswirkungen zu spüren: Die Kosten für Fassa- denreinigungen steigen deutlich aufgrund des erforderlichen Umfangs, zusätzlich sind Reinigungen in immer kürzeren Zeit- abständen notwendig. Durch Kot und ganze Nester blockierte Regenfallrohre führen zu Wasserschäden. Taubenkot auf Gehwe- gen, Bahnsteigen und dergleichen entwickelt bei Regen ähnliche Qualitäten wie Glatteis.

Gebäudeschutz: Taubenplage auf Dächern und Verschmutzung von Fassaden verursachen optischen Schaden bezüglich Aussehen und Kosten für besondere Reinigung und Renovationsarbeiten. Zudem ist das intensiv laute und anhaltende Guren der Tauben zu gewissen Tageszeiten, besonders am frühen Morgen, ein erhebli- cher Störfaktor.

Lebensweise

Morgen , ein erhebli- che r Störfaktor. Lebensweise Merkmale Verschmutzung von Fassaden © Copyrigh t by

Merkmale

, ein erhebli- che r Störfaktor. Lebensweise Merkmale Verschmutzung von Fassaden © Copyrigh t by

Verschmutzung von Fassaden

Störfaktor. Lebensweise Merkmale Verschmutzung von Fassaden © Copyrigh t by Allpura-Autorenteam 04052 2 – 2014 1

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05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere Taubenplage auf Dächern 1. Zecken + Milben 2. Flöhe 3.

Taubenplage auf Dächern

/ Körperbau der Wirbeltiere Taubenplage auf Dächern 1. Zecken + Milben 2. Flöhe 3. Speckkäfer 4.

1. Zecken + Milben

2. Flöhe

3. Speckkäfer

4. Tepichkäfer

5. Fliegen

6. Teppichmotten

Öffentliche Plätze: Es gibt öffentliche und auch private Plätze, wo Tauben eine wirkliche Plage sind. Es fallen überdurchschnitt- lich Reinigungsarbeiten an. Die Behörden können da vielfach nur beschränkt einwirken, da die Gebäude in Privatbesitz sind.

Die Untermieter der Tauben: Sogar ihre Nester bestehen haupt- sächlich aus Kot, vermischt mit Federn, Zweigen, Drahtstückchen und anderem geeigneten Baumaterial. Taubennester beherbergen in erheblichen Mengen eine Vielzahl von Insektenarten, die sich von Kot, von Federresten oder gar parasitisch von den Tauben er- nähren. Alle diese Lebewesen finden sich in ungenutzten Dachab- teilen, in Dachhohlräumen unmittelbar neben der Attikawohnung, in Innenhöfen und Lichtschächten.

In kürzester Zeit ist der Punkt erreicht, wo die Taubenkolonie ihren Untermietern nicht mehr in ausreichender Menge Nahrung liefert. Jetzt häufen sich in den umliegenden Wohnungen Meldungen über Taubenzecken, Speckkäfer, Teppichkäfer, Textilmotten, Fliegen; jetzt können bei den Bewohnern dieser Wohnungen rätselhafte Hautreizungen, Allergien oder vermeintliche Erkältungskrankhei- ten auftreten. Unmittelbare Folgen der Taubenplage. Doch auch wer von einer Insekteninvasion verschont bleibt, auch wer nicht an einer Ornithose erkrankt, wird sich mit der Zeit durch das per- manente Gurren der Tauben belästigt fühlen.

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Taubenkot ist voller Krankheitserreger: Die in den Exkremen- ten von Tauben enthaltenen Erreger sind gefährliche Mikroorga- nismen, Parasiten, die bei Menschen Infektionen, Allergien oder toxische Wirkungen hervorrufen können. Übelkeit, Durchfall und Fieber sind einige typische Symptome für eine Erkrankung durch Mikroorganismen aus Taubenkot. Als Folge können die Krank- heitserreger weitergehend Lungen- wie Darmerkrankungen ver- ursachen. Ferner bilden sich auf länger liegendem Taubenkot ge- fährliche Schimmelpilze, die Allergien auslösen. Ausserdem weist Taubenkot, wie auch Ausscheidungen anderer Vögel, einen pH- Wert auf, der ätzend wirkt. Die Beseitigung von Taubenkot um- fasst folglich einen direkten Gesundheitsschutz. Taubenkot ist nicht nur ein Ärgernis, sondern ein potenzielles Gesundheits- risiko. Die Beseitigung von Taubenkot umfasst gleichzeitig die Schädlingsbekämpfung von Parasiten, die zusammen mit den Tau- ben leben.

Sollten Massnahmen gegen Schadwirkungen durch Tauben auf lange Zeit wirken, müssen unbedingt die vorhandenen Möglich- keiten an Nist- und Ruheplätzen vollständig eingeschränkt werden.

Nistmöglichkeiten entziehen: Als standorttreue Tiere lassen Tauben sich nicht durch einfache Massnahmen vertreiben. Es ge- nügt daher nicht, sie nur von den bekannten Niststätten zu vertrei- ben, sondern man muss auch alle benachbarten Bereiche, welche die Vögel mit hoher Wahrscheinlichkeit als Nistplätze aufsuchen könnten, mit einbeziehen. Es darf ihnen nicht die geringste Chance bleiben, den Bereich selbst oder dessen unmittelbare Nähe anzu- fliegen. Notfalls müssen sogar ganze Fassaden mit Netzen über- spannt werden. Nur wer die Biologie und Lebensweise der Tauben kennt, kann abschätzen, wie sich die Massnahmen auf das Verhal- ten der Tiere auswirken, und entsprechend planen. Niemand will Städte ganz ohne Tauben, aber es gibt Bereiche, aus denen man sie unbedingt fernhalten muss.

Landeanflug zerstören: Der Markt bietet verschiedenartige, wirksame und erfolgreiche Landesperren an. Es gibt darunter al- lerdings einige, die vom Tierschutz aus fragwürdig sind. Andere verändern das Aussehen eines Gebäudes sehr stark. Spanndraht- systeme sind unauffällig und wirksam.

Bekämpfungsmittel: Die Bekämpfung kann durch Hormon- oder chemische Abwehrpräparate, durch abstossende Gerüche oder durch unangenehme Berührungsreize sowie durch Vogelabwehr- vorrichtungen erfolgen.

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gefährlicher Taubenkot

Taubenabwehr

vorrichtungen erfolgen. gefährlicher Taubenkot Taubenabwehr © Copyrigh t by Allpura-Autorenteam 04052 2 – 2014 1 7

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05

05 Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

Lebensweise

Merkmale

Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere Lebensweise Merkmale Spätfliegende Fledermaus Anatomie a Oberarm b Unterarm c

Spätfliegende Fledermaus

Anatomie

a Oberarm

b Unterarm

c Daumen mit Kralle

d übrige Finger

e Flughaut

f Schwanz

g Schwanzwirbelsäule

h Fersensporn

i Ohrdeckel

Schadenwirkungen

Bekämpfung

Fledermaus (Microchiroptera)

Die Fledermaus ist ein Dämmerungs- und Nachttier, ein dichtbe- haartes Säugetier mit Hufeisennase, kräftigem Gebiss und grosser, nackter, elastischer Flughaut zwischen den Armen und Beinen. Die Fledermaus ist ein ausgezeichneter Flieger, orientiert sich mit Ul- traschall (Radar). In der Ruhe befindet sich die Fledermaus meist aufgehängt mit dem Kopf nach unten. Als markanter Vertilger von schädlichen Insekten wirkt die Fledermaus meist nützlich.

Fledermäuse gehören zur Unterordnung der Flattertiere, der einzigen fliegenden Säugetiere. Flederuse sind 3–16 cm lang, die Flügelspannweite kann 40 cm erreichen. Die Ohren sind mit- telgross bis sehr gross und häufig über dem Kopf verwachsen, die Augen klein. Auf dem Kopf sitzen häufig bizarr geformte häu- tige Aufsätze. Die vorderen Gliedermassen der Flederuse sind zu Flügeln umgebildet. Eine dünne, elastische Haut spannt sich zwischen den sehr verlängerten Finger (mit Ausnahme des kur- zen krallenartigen Daumens) und zieht sich manchmal bis zu den Beinen einschliesslich des Schwanzteils. Fledermäuse orientieren sich durch Ultraschallortung (die Laute werden durch Nase oder Mund ausgestossen). Die einheimischen Fledermäuse halten sich tags-über und während des Winterschlafs meist in verlassenen un- berührten Orten auf, wobei sie an den Füssen mit dem Kopf nach unten hängen.

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Als markanter Vertilger von schädlichen Insekten wirkt die Fleder- maus meist nützlich.

Fledermäuse sind geschützte Tiere. Nur in absoluten Sonderfällen ist eine Bekämpfung notwendig.

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Merkmale / Körperbau der Wirbeltiere

3 Umweltgeschützte Wirbeltiere

Zu den unliebsamen Gästen aus der Tierwelt gehören einige, die keineswegs Schädlinge sind, die sogar zu den geschützten Tier- arten gehören, aber doch lästig werden können. Dazu gehören zum Beispiel

Marder

Fledermäuse

Siebenschläfer

Maulwurf

Gelegentlich wird der Schädlingsbekämpfer zur Beurteilung ver- meintlicher Schädlingsvorkommen herbeigerufen. Er steht dann als Vermittler zwischen den berechtigten menschlichen Interessen und der geschützten Bereicherung unserer Umwelt, zu der wir, wo immer es möglich ist, Sorge tragen müssen.

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