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Chemie

06

Inhaltsverzeichnis

Begriffe und Erklärungen

1

Physikalische und chemische Vorgänge

1

Reine Stoffe – Mischungen

2

Elemente – Verbindungen

4

Analyse – Synthese

6

Organische Verbindungen – anorganische Verbindungen

6

Atome

7

Moleküle

8

Ionen

9

Neutralisation

10

Messgrössen für die Charakterisierung der Reinigungsmittel

11

Oxidationen und Reduktionen

14

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Quellennachweis: Dieses Lehrmittel basiert teilweise auf Fachliteratur und Prospekten. Für die Verwendung gewisser Texte und Abbildungen gebührt den betroffenen Autoren und Verlagen bester Dank.

Chemie

Begriffe und Erklärungen

Physikalische und chemische Vorgänge

Jeder Gegenstand aus unserer Umgebung hat eine eigene Form und besteht aus einem bestimmten Stoff. Daran kann er von anderen Gegenständen unterschieden werden. Zu den charak- teristischen Eigenschaften gehören z. B. Farbe, Form, Geruch, Geschmack, Material usw. Im Prinzip können alle Stoffe in den drei verschiedenen Ag- gregatzuständen fest, flüssig oder gasförmig auftreten. Bei Eis (fest), Wasser (flüssig) und Wasserdampf (gasförmig) handelt es sich um den gleichen Stoff Wasser, allerdings bei verschie- denen Temperaturen. Somit kann nur der Aggregatzustand in Zusammenhang mit einer bestimmten Temperatur als charak- teristische Eigenschaft für einen bestimmten Stoff bezeichnet werden.

Zur Unterscheidung der beiden Gebiete Chemie und Physik kön- nen wir folgende Definitionen verwenden:

Bei physikalischen Vorgängen werden die Stoffe der Natur nicht verändert.

Das Produkt unterscheidet sich nicht vom Ausgangsstoff. Phy- sikalische Vorgänge sind z. B. Zerkleinern, Mischen, Trennen, Verändern des Aggregatzustands.

Bei chemischen Vorgängen (Reaktionen) werden die Stoffe natürlich oder künstlich umgewandelt.

Das Produkt unterscheidet sich vom Ausgangsstoff und ist im- mer mit einer Energieänderung verbunden (z. B. Abgabe oder Zufuhr von Wärme, Licht oder elektrischer Energie). Chemische Vorgänge sind Reaktionen und können vielfach z. B. an einer Farbveränderung, Lichterscheinung, Niederschlagsbildung oder einer Temperatur veränderung erkannt werden

Gefährliche Stoffe

Temperatur veränderung erkannt werden Gefährliche Stoffe 06 © Copyrigh t by Allpura/FO-Publishing 04052 2 – 2014

06

06

Chemie

Stoffe, die nicht mehr getrennt werden können, nennt man Reinstoffe.

Mischungen werden in homogene und heterogene Mischungen eingeteilt. Homogene Mischungen nennen wir Lösungen oder Gasgemische, heterogene Mischungen nennen wir Dispersionen, Emulsionen oder Suspensionen.

Eine homogene Mischung besteht aus einer Phase.

Heterogene Mischungen bestehen aus zwei oder mehreren Phasen.

Die Dispersion ist der Ober- begriff für Emulsion und Suspension.

Suspension <=> Mischung fest/flüssig

Emulsion <=> Mischung flüssig/flüssig

Reine Stoffe – Mischungen

In der Natur sind reine Stoffe sehr selten. Die meisten Stoffe sind Stoffgemische, bestehend aus zwei oder mehreren Stoffar- ten. Stoffgemische können physikalisch getrennt werden. Man erreicht dies z. B. durch Sieben, Filtrieren, Sortieren usw.

Einige Mischungen können sofort als solche erkannt werden (heterogene Mischungen), andere hingegen sind durch und durch einheitlich (homogene Mischungen).

Bei homogenen (einheitlichen) Mischungen (z. B. Glas, Leitungs- wasser, Reinigungslösungen) sind die einzelnen Bestandteile weder von Auge noch mit Hilfe eines Mikroskops sichtbar.

In heterogenen (uneinheitlichen) Mischungen (z. B. Granit, Milch, Schmutzwasserflotte) können wir, eventuell nur mit dem Mikroskop, einzelne, getrennte Bestandteile unterscheiden.

Mischungen, bei denen die eine Phase mehr oder weniger fein in einer anderen Phase verteilt ist, bezeichnen wir als Disper- sionen.

Wir unterscheiden bei heterogenen Mischungen die Begriffe Emulsion oder Suspension, je nach Beschaffenheit der einzelnen Phasen. Die Suspension ist eine heterogene Mischung von festen und flüssigen Bestandteilen.

Die Emulsion ist eine heterogene Mischung von flüssigen Be- standteilen.

Einige Beispiele von Mischungen

Chemie

Beispiele

Physikalische

Phasen

Typ

Bezeichnung

Kunststein

Gemenge

fest/fest

heterogen

Milch

Emulsion

flüssig/flüssig

heterogen

Schaum von Reinigungsprodukten

Schaum

gasförmig/flüssig

heterogen

Polymerdispersion

Suspension

fest/flüssig

heterogen

Reinigungsemulsion

Emulsion

flüssig/flüssig

heterogen

Klare Reinigungslösung

echte Lösung

flüssig

homogen

Glas

feste Lösung

fest

homogen

Rostfreier Stahl

feste Lösung

fest

homogen

Zuckerwasser

echte Lösung

flüssig

homogen

06

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Chemie

Stoffe, die sich durch che- mische Reaktionen nicht mehr weiter zerlegen las- sen, nennen wir chemische Grundstoffe oder Elemente.

Verbindungen sind aus Elementen aufgebaute Reinstoffe.

Elemente – Verbindungen

Die meisten Reinstoffe können durch chemische Reaktionen in weitere Stoffe zerlegt werden. Es ist eine der wichtigsten und schwierigsten Aufgaben des Chemikers, aus Mischungen reine Stoffe zu isolieren. Er erreicht dies z. B. durch Destillieren, Ex- trahieren usw.

Der Chemiker verwendet zur Bezeichnung der Elemente interna- tional einheitliche Symbole (Abkürzungen). Sie erleichtern das Aufschreiben und Verstehen von chemischen Reaktionen. Die Symbole bestehen aus einem oder zwei Buchstaben, die den deutschen oder lateinischen Namen entnommen sind. Heute sind im sogenannten Periodensystem die Symbole in 105 Ele- menten aufgeführt.

Beispiele von Elementen sind:

Sauerstoff (O)

Kohlenstoff (C)

Wasserstoff (H)

Chlor (Cl)

Aluminium (Al)

Schwefel (S)

Magnesium (Ma)

Natrium (Na)

Kalium (K)

Fluor (F)

Das Element Kohlenstoff spielt in der Natur eine wesentliche Rolle.

Den Aufbau eines Reinstoffes aus Elementen bezeichnet man als Verbindung.

Im Gegensatz zu Mischungen sind die Bestandteile einer Ver- bindung die Elemente. Im Gegensatz zu Mischungen sind die Bestandteile einer Verbindung in einem ganz bestimmten Ver- hältnis aufgebaut.

Vereinfachtes Periodensystem

18

VIII A

4.0

He

2

20.2

Ne

10

 

39.9

Ar

18

83.3

Kr

36

131.3

Xe

54

(222)*

Rn

86

(293)

Uuo

118

17

VII A

 

19.0

F

9

 

35.5

Cl

17

79.7

Br

35

126.9

J

53

(210)*

At

85

 

16

VI A

 

16.0

O

8

 

32.1

S

16

79.0

Se

34

127.6

Te

52

(209)*

Po

84

(289)

Uuh

116

15

V A

14.0

N

7

 

31.0

P

15

74.9

As

33

121.7

Sb

51

209.0

Bi

83

 

14

IV A

12.0

C

6

 

28.1

Si

14

72.6

Ge

32

118.7

Sn

50

207.2

Pb

82

(285)

Uuq

114

13

III A

10.8

B

5

 

27.0

Al

13

69.7

Ga

31

114.8

In

49

204.4

TI

81

 

12

II B

 

65.4

Zn

30

112.4

Cd

48

200.6

Hg

80

(277)

Uub

112

11

I B

63.5

Cu

29

107.9

Ag

47

27.0

Au

79

(272)

Unn

111

10

 

58.7

Ni

28

106.4

Pd

46

195.1

Pt

78

(271)

Uun

110

9

VIII B

   

58.9

Co

27

102.9

Rh

45

192.2

Ir

77

(266)

Mt

109

8

 

Elementenannahme

Element

Oxidationsstufen

Atommasse

55.8

Fe

26

101.1

Ru

44

190.2

Os

76

(265)

Hs

108

7

VII B

54.9

Mn

25

(99)*

Te

43

186.2

Re

75

(262)

Bh

107

6

VI B

 

52.0

Cr

24

95.9

Mo

42

183.8

W

74

(263)

Sg

106

5

V B

50.9

V

23

92.9

Nb

41

180.9

Ta

73

(262)

Db

105

4

IV B

47.9

Ti

22

91.2

Zr

40

178.5

Hf

72

(261)*

Rf

104

3

III B

45.0

Sc

21

88.9

Y

39

Lantha-

noide

Acti-

noide

2

II A

9.0

Be

4

 

34.3

Mg

12

40.1

Ca

20

40.1

Ca

20

137.3

Ba

56

 

Ra

88

1

IA

1.0

H

1

6.9

Li

3

 

23.0

Na

11

39.1

K

19

85.5

Rb

37

132.2

Cs

55

(223)* (226)*

Fr

87

Haupt-

Gruppe

1

   

2

   

3

 

4

5

 

6

 

7

 

174

Lu

71

260

Lr

103

173

Yb

70

259

No

102

168

Tm

69

258

Md

101

167

Er

68

257

Fm

100

164

Ho

67

252

Es

99

162

Dy

66

251

Cf

98

158

Tb

65

247

Bk

97

157

Gd

64

247

Cm

96

151

Eu

63

243

Am

95

150

Sm

62

244

Pu

94

146

Pm

61

237

Np

93

144

Nd

60

238

U

92

140

Pr

59

232

Pa

91

140

Ce

58

232

Th

90

138

La

57

227

Ac

89

Lan-

noide

tha-

Acti-

noide

Chemie

künstlich erzeugte Elemente

Radioaktive Elemente

Gasförmige Elemente

Flüssige Elemente

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06

Chemie

Eine chemische Verbindung wird durch eine Analyse in ihre Elemente zerlegt.

Aus Elementen entstehen durch Synthese chemische Verbindungen.

Analyse – Synthese

Die Analyse steht im Gegensatz zur Synthese.

Stoffe

Stoffe Mischen Reine Stoffe Synthese Trennen Mischungen Elemente Verbindungen Homogen Heterogen Analyse
Stoffe Mischen Reine Stoffe Synthese Trennen Mischungen Elemente Verbindungen Homogen Heterogen Analyse

Mischen

Reine Stoffe Synthese
Reine Stoffe
Synthese
Stoffe Mischen Reine Stoffe Synthese Trennen Mischungen Elemente Verbindungen Homogen Heterogen Analyse
Stoffe Mischen Reine Stoffe Synthese Trennen Mischungen Elemente Verbindungen Homogen Heterogen Analyse

Trennen

Mischungen

Stoffe Mischen Reine Stoffe Synthese Trennen Mischungen Elemente Verbindungen Homogen Heterogen Analyse

Elemente

Elemente Verbindungen Homogen Heterogen

Verbindungen

Homogen

Heterogen

Elemente Verbindungen Homogen Heterogen

Analyse

An anorganischen Verbindungen können alle Elemente ausser Kohlenstoff beteiligt sein.

Organische Verbindungen anorganische Verbindungen

Verbindungen werden in organische und anorganische Verbin- dungen aufgeteilt. Das Vorhandensein des Elements Kohlen- stoff macht die Unterscheidung.

In organischen Verbindungen ist immer das Element Kohlen- stoff enthalten.

Chemie

Atome

Alle Elemente sind aus unendlich kleinen Bausteinen, den Ato- men, zusammengesetzt.

Man muss sich die Atome als winzig kleine Kügelchen mit einem Kern und einer oder mehreren Schalen vor- stellen.

mit einem Kern und einer oder mehreren Schalen vor- stellen. Kern positiv geladen Schalen Elektronen negativ

Kern positiv geladen

Schalen

Elektronen negativ geladen, kreisen auf den Schalen um den Kern.

Es handelt sich aber immer um so winzige kleine Teilchen, dass wir sie nicht sehen können, auch mit dem Mikroskop nicht. Um eine «Perlenkette» von aneinander gereihten Atomen von 1 cm Länge zu erhalten, müsste man 100 Millionen Atome (100 000 000) in einer Reihe anordnen.

Das Atom im Vergleich Zum besseren Verständnis dieser Grössenordnungen kann man die folgende Überlegung anstellen:

kann ma n die folgende Überlegung anstellen: Ein Atom Kirsche 100 000 000 × vergrössern 100

Ein Atom

kann ma n die folgende Überlegung anstellen: Ein Atom Kirsche 100 000 000 × vergrössern 100

Kirsche

100

000 000 ×

100 000 000 ×

vergrössern

100

000 000 ×

100 000 000 ×

vergrössern

× vergrössern 100 000 000 × vergrössern Kirsche Erde Atome sind auch mit Mikros- kop nicht

Kirsche

vergrössern 100 000 000 × vergrössern Kirsche Erde Atome sind auch mit Mikros- kop nicht sichtbar.

Erde

Atome sind auch mit Mikros- kop nicht sichtbar.

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Chemie

Jedes chemische Element ist aus den Atomen aufge- baut.

Die Atome sind die Bau- steine der stofflichen Dinge unserer Welt.

Atome können weder erschaffen noch zerstört werden. Alle Atome eines bestimmten Elementes sind gleich. Im Element Gold finden wir Goldatome, im Eisen Eisenatome usw.

Die Atome der einzelnen Elemente unterscheiden sich in der Grösse, in der Masse (Atomgewicht) und im inneren Bau (Kern und Schalen).

Atome können sich zusammenschliessen und werden durch elektrische Bindungskräfte zusammengehalten. Die positive Ladung des Kerns ist gleich gross wie alle negativen Ladungen der Elektronen auf den Schalen zusammen.

Ein Atom ist nach aussen elektrisch neutral.

Ein Molekül ist ein fest ver- knüpfter und abgeschlosse- ner Verband von mindestens zwei Atomen.

Moleküle

Die Atome, die miteinander verknüpft sind, können gleichartig oder verschieden sein. Die Zusammensetzung der Atome be- stimmt die Eigenschaften der gebildeten Moleküle.

Einige Modelle solcher Moleküle:

der gebildeten Moleküle. Einige Modelle solcher Moleküle: Sauerstoff Kohlenstoff Wasserstoff Wasser Methan Oxalsäure
der gebildeten Moleküle. Einige Modelle solcher Moleküle: Sauerstoff Kohlenstoff Wasserstoff Wasser Methan Oxalsäure
der gebildeten Moleküle. Einige Modelle solcher Moleküle: Sauerstoff Kohlenstoff Wasserstoff Wasser Methan Oxalsäure

Sauerstoff

Kohlenstoff

Wasserstoff

Wasser

Methan

Oxalsäure

In einem Wassertropfen finden wir eine riesige Menge von Wassermolekülen. Sie haften aneinander. Sobald das Wasser gefriert, bildet sich ein fester Kristall, in dem die Wassermole- küle nach einer geometrischen Ordnung fixiert sind. Erwärmen wir das Wasser, bis es kocht, entsteht Wasserdampf. In der Dampfform bewegen sich die Wassermoleküle völlig losgelöst voneinander im Raum.

Ionen

Im Unterschied zu den Atomen sind Ionen elektrisch geladene Teilchen. Sie treten in der Natur vor allem als Bausteine von Salzen auf.

Chemie

Ionen sind Atome oder Mo- leküle, die elektrisch nicht mehr neutral sind.

Durch die Abgabe und Aufnahme von Elektronen aus der Hülle neutraler Atome bilden sich Ionen. Bei vielen chemischen Reak- tionen geschehen solche Verschiebungen von Elektronen.

Im Kochsalz haben wir positiv geladene Natriumionen (Na+) und negativ geladene Chlorionen (Cl–).

Positiv geladene Ionen be- zeichnet man als Kationen

(z. B. Na+).

geladene Ionen be- zeichnet man als Kationen (z. B. Na+). Natriumion Negativ geladene Ionen be- zeichnet

Natriumion

Negativ geladene Ionen be- zeichnet man als Anionen

(z.

B. Cl–).

Chloriom

Es gibt auch Tenside, die sich im Wasser in einen positiv und negativ geladenen Teil aufspalten. Wir sprechen dann von:

Wirkung Tenside
Wirkung Tenside

Tensidmolekül

wasserfreundlich

wasserabstossend/

fettfreundlich

wasserfreundlich = hydrophil wasserabstossend = hydrophob fettfreundlich = lipophil

Die Tenside lagern sich am Schmutzteilchen an und lösen es vom Werkstoff. Die angelagerten Tensidmoleküle sorgen dafür, dass der Schmutz in der Reinigungs- flotte schwimmt und sich nicht auf den Werkstoff setzt.

Anionischen Tensiden (negativ geladen) Kationischen Tensiden (positiv geladen)

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Chemie

Neutralisation nach dem Einsatz von konzentrierten sauren und alkalischen Rei- nigungslösungen.

Beim Arbeiten mit konzen- trierten Säuren und Alka- lien oder entsprechenden Reinigungsmitteln immer Schutzbrillen und Gummi- handschuhe tragen.

Neutralisation

Die chemische Reaktion zwischen einer Säure und einem Alkali bezeichnet man als Neutralisation. Die neuen Produkte, die auf- grund der Reaktion entstehen, sind Wasser und Salze.

Säure + Alkali = Salz + Wasser

Salzsäure + Natronlauge = Kochsalz + Wasser

HCl

+ NaOH

= NaCl

+ H2O

Saure und alkalische Reinigungslösungen neutralisieren sich, d. h., ihre Wirkung hebt sich auf, wenn sie im richtigen Men- genverhältnis zusammengebracht werden.

Mit einem Indikator kann in wässrigen Lösungen der pH-Wert bestimmt werden. Der gebräuchlichste Indikator ist «Lackmus».

Lackmus verfärbt:

Saure Lösungen rot Neutrale Lösungen violett Alkalische Lösungen blau

Lackmus ist flüssig oder auf Papier (Lackmuspapier) erhältlich. Anhand einer Farbskala zeigt die Verfärbung des Papiers den pH-Wert der betreffenden Lösung an. Nach jeder Neutralisation muss der pH-Wert der Lösung über- prüft werden, um sicher zu sein, dass diese erfolgreich war.

In der Gebäudereinigung wird zum Beispiel nach der «Zement- schleier-Entfernung» die gereinigte Oberfläche neutralisiert. Grössere Mengen alkalischer oder saurer Reinigungsflotte sind vor dem Einleiten ins Abwasser zu neutralisieren.

Konzentrierte Säuren und Alkalien oder konzentrierte saure und alkalische Reinigungsmittel sind gefährliche Verbindungen.

alkalische Reinigungsmittel sind gefährliche Verbindungen. 10 © Copyrigh t by Allpura/FO-Publishing 04052 2 –
alkalische Reinigungsmittel sind gefährliche Verbindungen. 10 © Copyrigh t by Allpura/FO-Publishing 04052 2 –

Chemie

Messgrössen r die Charakterisierung der Reinigungsmittel

Messgrössen werden in Sicherheitsdaten-, Produktedatenblät- tern und auf Gebindeetiketten verwendet.

Form Mit Hilfe der Beschreibung der Form wird die Beschaffenheit eines Produktes definiert. Typische Bezeichnungen für die Form eines Produktes sind: gasförmig, flüssig, fest, Emulsion (Mi- schung flüssig/flüssig), Dispersion (Mischung flüssig/fest) usw.

Messgrössen geben dem Benutzer Hinweise zur Ver- wendung und Identifikation der Produkte.

Farbe Die Farbe kann ein Produkt beschreiben. Nicht alle Farben sind in stark sauren, alkalischen Produkten und unter Lichteinfluss (UV-Bestrahlung) stabil. Ein Reinigungsprodukt kann die Farbe verändern, ohne an Reinigungsleistung einzubüssen. Veränderte Farben können aber auch Hinweis auf zersetzte Produkte sein.

Geruch Jedes Reinigungsmittel hat seinen spezifischen Geruch. Die Geruchswahrnehmung ist von Mensch zu Mensch sehr unter- schiedlich. Für Reinigungsmittel gibt es keine fest definierten Geruchsbeschreibungen wie zum Beispiel für Weine.

Schmelzpunkt/Schmelzbereich Bei festen Stoffen wird derjenige Punkt, bei welchem ein Produkt schmilzt (Änderung der Form von fest zu flüssig), als Schmelzpunkt bezeichnet. Der Schmelzpunkt wird in Grad Cel- sius (C°) angegeben. Da Reinigungsprodukte in der Regel Mi- schungen sind, kann kein exakter Schmelzpunkt, sondern ledig- lich ein Schmelzbereich bestimmt werden.

Siedepunkt/Siedebereich Beim Siedepunkt bilden sich Dampfblasen im Innern der Flüs- sigkeit, die zur Oberfläche aufsteigen. Der Siedepunkt ist stark vom Luftdruck abhängig. Wasser siedet auf Meereshöhe bei 100 °C, auf 3000 m über Meer siedet dasselbe Wasser bereits bei 90 °C. Reinigungsmittel sind Mischungen, welche einen Sie- debereich haben und keinen exakten Siedepunkt.

06

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Chemie

Flammpunkt Der Flammpunkt ist eine Kennzahl zur Beschreibung von brenn- baren Flüssigkeiten (z. B. Ethanol). Als Flammpunkt gilt die niedrigste Temperatur bei der das Lösungsmitteldampf-/Luft- gemisch mittels einer Flamme vorübergehend zur Entzündung gebracht werden kann. (Flammpunkt von Alkohol +11 °C / Ace- ton –17 °C).

Brennpunkt Der Brennpunkt ist erreicht, wenn die gesamte Substanz brennt. Der Brand erlischt erst, wenn die Substanz verbrannt ist. Der Brennpunkt liegt immer einige Grad über dem Flammpunkt.

Zündtemperatur/Selbstentzündlichkeit Ist diejenige Temperatur bei der sich eine Substanz ohne Zündquelle (Flamme, Funken) entzündet. Zündtemperaturen von: Aceton 540 °C, Alkohol 425 °C, Benzin 240 °C, Petrolium 300 °C, Terpentin 220 °C.

Explosionsgefahr Gibt Hinweise ob, und unter welchen Umständen, eine Subs- tanz explodieren kann.

Dichte Ist eine sehr wichtige Grösse. Sie gibt das Gewicht (in Gramm) eines Kubikzentimeters (cm 3 ) bzw. eines Milliliters (ml) eines Stoffes an. Die Dichte wird immer in Gramm/Kubikzentimeter (g/cm 3 ) an- gegeben. Der Gebäudereiniger braucht die Dichte vor allem zur Umrechnung von Volumen in Gewicht bzw. von Gewicht in Vo- lumen.

Beispiel: Sie haben berechnet, dass Sie für die Beschichtung von 20 Schulzimmern 25 l Kunststoffdispersion benötigen. Der Kilopreis der Kunststoffdispersion beträgt Fr. 4.10. Die Dichte des Produktes ist 1,125 g/cm 3 . Wie teuer ist das Material für die Beschichtung? Lösung: 25 l entsprechen 25 000 cm 3 oder 25000 ml

1 cm 3 entspricht 1,125 g

25 000 cm3 entsprechen 28 125 g bzw. 28,125 kg

1 kg kostet Fr. 4.10.

28.125 kg kosten Fr. 115.31

Löslichkeit Die Löslichkeit gibt Auskunft darüber, worin und wie gut das Produkt gelöst werden kann. Bei Reinigungsprodukten wird in der Regel die Löslichkeit in Wasser definiert.

Chemie

pH-Wert Mit dem pH-Wert wird der Säure- bzw. Alkaliengehalt einer wässrigen Lösung angegeben. (Definition: der pH - Wert ist der negative dekadische Logarithmus der Wasserstoff-Ionen-Kon- zentration.) Der pH-Wert ist eine der wichtigsten Messgrös- sen für Reinigungsmittel. Der pH-Wert wird in der Regel vom konzentrierten Produkt und der typischen Anwendungskonzen- tration angegeben.

MAK-Wert MAK-Wert bedeutet Maximale Arbeitsplatz-Konzentration und ist für die Gebäudereinigung von grosser Bedeutung. Der MAK-Wert ist die höchst zulässige Konzentration eines Ar- beitsstoffes (z. B. Lösungsmittelreiniger) in der Luft am Arbeits- platz. Diese Konzentration des Stoffes darf die Gesundheit über einen längeren Zeitraum nicht beeinträchtigen. Der MAK-Wert wird in ppm (parts per million entspricht ml/m 3 ) oder in mg/m 3 angegeben.

Je kleiner der MAK-Wert desto gefährlicher ist ein Produkt

Bei Reinigungsprodukten werden in der Regel nur die Inhalts- stoffe mit dem MAK-Wert deklariert und nicht das gesamte Produkt.

Einige Beispiele von MAK-Werten:

Substanz

MAK Wert

Aceton

1000

ppm

Ethanol

1000

ppm

Butylglykol

20

ppm

Ammoniak

50

ppm

Essigsäure

10

ppm

Oxalsäure

1

ppm

Ameisensäure

5

ppm

Die MAK-Werte werden permanent an die neusten toxikologi- schen Erkenntnisse angepasst.

06

06

Chemie

Eine Oxidation ist stets an eine Reduktion eines ande- ren Stoffes gekoppelt.

Oxidationen und Reduktionen

Diese chemischen Reaktionen sind für die Gebäudereinigung aus verschiedenen Gründen von grosser Bedeutung. Die Reduk- tion wie auch die Oxidation werden in der Reinigung regelmäs- sig eingesetzt. Sehr häufig sind Schäden, welche durch den unsachgemässen Einsatz eines Reinigungsmittels entstehen, auf eine Reduktion bzw. Oxidation zurückzuführen.

Oxidation Die Oxidation auf den zu reinigenden Oberflächen kann durch den Einfluss von Sauerstoff aus der Luft wie auch durch den Einfluss von Reinigungsmitteln mit entsprechenden Inhaltsstof- fen stattfinden.

Typische Beispiele von Oxidationsvorgängen sind:

Jede Verbrennung (z. B. Verbrennen von Holz), Korrosion von Metallen (Rosten von Eisen, Patinierung von Kupfer), Anodisierung von Aluminium (Eloxal = elektrolytisch oxi- diertes Aluminium), Bleichen von Cellulose

Wichtige Oxidationsmittel sind:

Javelwasser (Natriumhypochlorit, NaOCl), Wasserstoff- peroxid (H2O2)

Oxidationsmittel haben eine stark desinfizierende Wirkung und werden auch als Desinfektionsprodukte verwendet.

Oxidationsmittel findet man zum Beispiel in folgenden Reini- gungsmitteln:

Sanitärreinigern

Desinfektionsmitteln

Fleckenentfernungsprodukten

Einige Einsatzbeispiele von Oxidationsmitteln:

Für die Bekämpfung des schwarzen Schimmelpilzes (Aspara- gillus niger) hat sich verdünntes (5%) Javelwasser sehr gut bewährt. Javelwasser ist stark alkalisch (pH 12) und darf nie mit Säuren gemischt werden, da sich sonst das höchstgiftige Chlorgas bildet. Es wirkt auf vielen Metallen korrodierend und ist aus ökologischen Gründen nur für spezifische Problemlösun- gen einzusetzen. Wasserstoffperoxid wird für die Entfernung von Flecken und zur Desinfektion eingesetzt und ist in kleinen Mengen ökologisch unbedenklich.

Chemie

Reduktion Eine Reduktion ist eine chemische Reaktion. Dabei kann Was- serstoff im entstehenden Reaktionsprodukt eingebunden wer- den, oder es wird Sauerstoff abgegeben. Eine Reduktion ist stets an die Oxidation eines anderen Stoffes gekoppelt.

Typische Beispiele von Reduktionsvorgängen sind:

Entfernen von Rostflecken mit Oxalsäure

Herstellung der meisten Metalle aus Erzen

Bleichen von Wolle

Entfernung von Farbflecken auf Textilien mit Reduktionsmitteln

Wichtige Reduktionsmittel sind:

Oxalsäure

Schweflige Säure

Natriumdithionit

Reduktionsmittel haben auch desinfizierende Eigenschaften, werden aber in der Praxis nicht als Desinfektionsmittel einge- setzt.

Einige Beispiele von Fleckenentfernungen:

Rost auf Textilien lässt sich mit Oxalsäure (COOH2) beseitigen. Obstflecken auf Textilien lassen sich gut mit Schwefliger Säure (H2SO3) entfernen. Zum Entfärben von vielen synthetischen und natürlichen Farb- stoffen hat sich Natriumdithionit (Na2S2O4) sehr bewährt. Diese Substanz ist auch im «Tintenkiller» enthalten.

Reduktionsmittel werden häufig zur Flecken- entfernung eingesetzt.

Reduktionsmittel sind we- niger aggressiv als Oxidati- onsmittel

Vorsichtsmassnahmen:

Beim Einsatz von Oxidations- und Reduktionsmitteln ist geeig- nete Schutzkleidung zu tragen, im Speziellen Schutzbrille und Handschuhe. Die Anwendungsvorschriften der Hersteller sind genau zu befolgen.

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Chemie

Der nicht vorschriftsge- mässe Gebrauch von sauren Reinigungsprodukten ist oft die Ursache von uner- wünschten Korrosionen in der Gebäudereinigung.

Zum Beispiel können un- reines Wasser, Rückstände aus Reinigungsmitteln oder Handschweiss, je nach Situation, elektrolytisch wirken.

Korrosionen Mit Korrosion ist die Zerstörung von Metallen gemeint. Korro- sion entsteht durch oxidative oder reduktive chemische Vor- gänge. Diese Zerstörung kann zum Beispiel durch Feuchtigkeit, Sauerstoff oder Säuren erfolgen.

Man unterscheidet:

chemische Korrosion

elektro-chemische Korrosion

Bei der chemischen Korrosion von Metallen entstehen neue Verbindungen.

Einige Beispiele von chemischen Korrosionen:

Mit Sauerstoff bilden sich Metalloxide (das Metall wird oxi- diert). Kohlensäure aus der Luft bildet auf Kupfer eine Patina. Essigsäure bildet auf Messing (Legierung aus Kupfer/Zink) Grünspan.

Bei der elektro-chemischen Korrosion (auch Kontaktkorrosion genannt) muss eine elektrisch leitende Flüssigkeit (saure, alka- lische oder salzhaltige Lösung) zwischen zwei verschiedenen Metallen vorhanden sein.

Eisenpartikel auf einer eloxierten Aluminiumfassade zerstören die schützende Aluminiumoxidschicht aufgrund einer elektro- chemischen Korrosion.