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...Publikationen...KKA - Interviewreihe "Gegengefragt" KKA - Interviewreihe "Gegengefragt" Printmedium "KulturKontakt" Transfer - Zeitschrift für Kulturvermittlung Publikationen zur Kulturvermittlung Bibliothek Manchmal gefällt auch ein Original Der Musiker und Komponist Richard Graf bringt Jugendlichen Mozart näher. Sie sind Musiker, Komponist, Autor, aber auch Pädagoge. Sie spielen Gitarre, machen aber auch elektronische Musik. Das ist ein breites Spektrum. Erzählen Sie bitte darüber! Das ist nicht so breit, denn es geht schlichtweg um Musik – in verschiedenen Ausprägungen. Als Gitarrist bin ich mit dem Instrument konfrontiert. Damit spiele ich vorwiegend eigene Kompositionen, andererseits arbeite ich auch im Bereich Improvisation. Hier kommt der Brückenschlag zur Elektronik, die ich auch beim Gitarrespiel live und in Echtzeit einsetze. Das wiederum ist eine Basis für meine Tätigkeit als Komponist, denn obwohl ich zum Komponieren oft einen intellektuellen Zugang habe, kommt es immer wieder auch vor, dass ich mich improvisatorisch neuen Ideen nähere und versuche Unbekanntes auszuprobieren und zu erforschen. Dieses Erforschen führt uns jetzt wieder weiter zur Pädagogik. Ich denke eines der spannendsten Dinge ist es, Musik zu erforschen; unvoreingenommen Klänge zu erkunden. Es ist mein Anliegen, das Jugendlichen zu vermitteln. Was bringt Kindern und Jugendlichen die aktive Auseinandersetzung mit Musik? Wir leben in einer Zeit, in der viele Kinder und Jugendliche praktisch nur mehr mit Musik aus der Konserve aufwachsen und keinen Zugang mehr haben, um aktiv Musik zu kreieren. Kinder, die aus musikalischen Familien kommen, haben einen anderen Zugang zur Musik und dadurch viele Vorteile. Wenn man zum Beispiel ein Instrument wie die Gitarre erlernt, dann ist das eine manuelle und intellektuelle Herausforderung. Zusätzlich kommt natürlich auch der emotionale Aspekt zum Tragen. Das Ganze soll ja Musik werden und etwas ausdrücken. Das ist eine Herausforderung für Jugendliche, die viele positive so genannte Sekundäreffekte liefert. Sie arbeiten an Schulen auch mit Musikvermittlung per Computer. Warum? Kinder und Jugendliche haben einen direkten, spielerischen Umgang mit Computern. Dadurch können sie den Computer grundsätzlich einmal relativ gut bedienen – im Gegensatz zu manchen Erwachsenen. Als ich einen Workshop zum Thema Neue Musik gemacht habe, habe ich einige Klänge und Kompositionen präsentiert, bei denen ich mit Hilfe des Computers Originalinstrumente verfremdete. Ich habe dann die Jugendlichen raten lassen, welche Instrumente es ursprünglich waren. Dann habe ich auch die Genesis dieser Umwandlung präsentiert: Was war das Ursprüngliche, wie hat es sich verändert und was ist das Ergebnis? Irgendwann habe ich einmal ein Streichquartett von Luigi Nono vorgespielt – ohne zu sagen, dass hier echte Instrumente gespielt wurden. Die Kinder haben einfach Sounds gehört und auch versucht, zu erraten, was das gewesen sein könnte. Eigentlich war das eine Falle von mir. Denn es waren keine computermanipulierten Instrumente, sondern Originaleinspielungen. Als die Jugendlichen dann erfahren haben, dass das von echten Instrumenten gespielt wurde und dass das Originalklänge waren, waren sie überrascht. Für mich war das ein positives Aha-Erlebnis: Denn wenn ich ihnen zuerst gesagt hätte, dass ich ihnen ein Streichquartett vorspiele, hätten sie wahrscheinlich ablehnend reagiert. Das ist etwas Langweiliges für sie - und dann hören sie auch nicht wirklich hin und finden alles furchtbar. Dadurch, dass ich ihnen zuerst manipulierte Klänge vorspielte, konnte ich das umgehen. Kann man Jugendlichen mittels elektronischer Musik also auch historische Musik näher bringen? Mein derzeit aktueller Workshop „Mozart Remixed“ ist ein Versuch, Jugendlichen etwas musikgeschichtlich Wichtiges, nämlich einen der bedeutendsten Komponisten, näher zu bringen. Auf der anderen Seite möchte ich, dass sie aktiv mit der Musik umgehen. Ich fordere sie auf, zu Hause CDs oder Schallplatten mit Musik Mozarts zu suchen und daraus Passagen zu wählen, die wir gemeinsam mit Hilfe des Computers manipulieren. Alleine dadurch müssen sie wirklich hinhören und mitunter passiert es, dass ihnen auch ein Original gefällt. Danach kommen wir zum wirklich interessanten Schritt: nämlich aktiv mit dem ausgewählten Material zu arbeiten. Es geht mir darum, das Hören zu schärfen – und das geht meines Erachtens nur durch das aktive Tun. Es macht wenig Sinn, einfach Mozart-CDs vorzuspielen. Das ist zwar schön und beruhigt vielleicht eine Zeit lang, aber wirklich profitieren – im Sinne von Sekundäreffekten – werden die Kinder und Jugendlichen nur, wenn sie selbst aktiv werden. Kann man denn Jugendliche mit Mozart hinter dem Ofen hervor locken? Mit Mozart allein gelingt dies schwer, aber mit dem Ausblick, dass sie zum Beispiel wie ein DJ arbeiten können. Es ist interessant, dass Jugendliche keine Scheu haben wirklich experimentell vorzugehen. Dadurch können auch wirklich schräge Sachen entstehen – schräge Sachen, die sie wahrscheinlich, wenn ich sie ihnen fix und fertig präsentiert hätte, abgelehnt hätten. Aber sobald sie selbst daran gearbeitet haben, haben sie einen anderen Zugang zum Hören. Und das ist eigentlich der Schlüssel für mich. Welche Rolle spielt Mozart für Sie? Mozart gehört sicher zu den Genies der Musikgeschichte. Es ist unglaublich, was er in seinem kurzen Leben vollbracht hat. Er ist für mich eigentlich auch ein Hitfabrikant. Ich lasse das jetzt einmal wertfrei so stehen. Er hat Musik kreiert, die überdauert hat und viele anspricht. Ich frage mich nur, welche Musik Mozart geschrieben hätte, wenn er nicht so früh verstorben wäre. Ich glaube nämlich, dass ein Genie wie Mozart noch zu ganz anderen Dingen fähig gewesen wäre, nämlich zu tiefgehenderen – sage ich einmal provokant –, denn mit Mozart assoziiert man ja grundsätzlich eher Leichtigkeit. Es wäre wirklich spannend, einen älteren Mozart zu hören. Sie sind auch Autor – warum? Ich schreibe musikpädagogische und musiktheoretische Bücher, die sich wiederum aus der Intention ergeben, dass ich den Menschen und vor allem Jugendlichen Musik näher bringen und auch neue, spannende Elemente vermitteln möchte. Ich habe bei

Redaktion Ihre Ansprechpartnerin für alle Fragen zu den Printmedien und zur Interviewreihe ist Mag. Ursula Hilmar t +43 1 523 87 65-14

Kulturkontakt Austria Universitätsstraße 5 1010 Wien/Vienna t +43 1 523 87 65-0 f +43 1 523 87 65-20 office@kulturkontakt.or.at ZVR 617 182 667

meinen Gitarrenpublikationen immer versucht, Neuland zu erschließen und bin damit manchmal auch auf Widerstand gestoßen. Mitunter „missbrauche“ ich die Gitarre als Percussioninstrument, sodass auch Kinder und Jugendliche wieder Spaß finden, klassische, akustische Gitarre zu spielen. Denn Tatsache ist, dass das rein klassische Gitarrespiel total rückläufig ist und die meisten Jugendlichen E-Gitarre spielen möchten. Das ist für mich auch durchaus nachvollziehbar. Womit hängt das zusammen? Jugendliche haben heute weniger Geduld und sind gewissermaßen kompromissloser. Sie wollen zwar oft Gitarre lernen, aber sie möchten nicht drei Jahre lang in ihren Augen fade Etüden spielen, bevor sie dann irgendwann einmal etwas Cooles spielen können. Die Zeiten wirklich vorbei. Hängt das mit der Schnelllebigkeit unserer Zeit zusammen? Das hängt sicherlich damit zusammen, aber auch mit der Reizüberflutung durch unsere Medienwelt. Da hat der Computer auch teilweise negativen Einfluss. Denn der Computer macht alles von allein – glaubt man. Jugendliche kommen erst relativ spät drauf, dass man im Leben wirklich etwas tun muss, um weiter zu kommen. Es fehlt aber oft an Geduld, ein Instrument zu erlernen. Wenn ein Instrument erlernt wird, ist es meistens die E-Gitarre, weil man die auf MTV oder GoTV sieht. Dass dies oft die erste Motivation ist, um ein Instrument zu erlernen, gilt es meines Erachtens zu nutzen. Man darf das auf keinen Fall wegschieben. Leider habe ich bei Lehrerfortbildungsseminaren aber genau das erlebt – und das finde ich wirklich schade. Damit vergrämt man Jugendliche für immer. Das heißt, Sie holen die Jugendlichen dort ab, wo sie stehen. Es ist wichtig, die Kinder und Jugendlichen ernst zu nehmen, mit ihren Anliegen, mit ihrer Motivation. Das bedeutet auch, sie dort abzuholen, wo sie sich gerade befinden. Ich zeige ihnen, dass die Musikerinnen oder Musiker, die sie bewundern, oft mehr draufhaben, als durch Musikvideos vermittelt wird. Dies ruft immer wieder Erstaunen hervor und kann mitunter eine Motivation sein, selbst all das zu lernen, was so manche „Stars“ können. [WEBTIPP] www.RichardGraf.com

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