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DOSSIER

Unternehmensversicherungen

Ein Wechsel kann sich lohnen

KRANKENTAGGELD Beim Abschluss von Kollektiv-Versicherungen sind die Prämienunterschiede je nach Wahl des Anbieters enorm. Vor allem Betriebe mit vielen krankheitsbedingten Absenzen wie die Bauindustrie haben das Nachsehen. Für Unternehmen zahlen sich regelmässige Vergleiche deshalb aus.

VON KURT SPECK

M it einer Krankentaggeldversi-

cherung wird der Erwerbsaus-

fall einer versicherten Person

ganz oder teilweise ausgegli-

chen. Der Arbeitgeber ist ge-

setzlich zu einer Lohnfortzahlung bei Krank- heit verpflichtet. Dabei muss er nicht zwingend eine Versicherung abschliessen. Einzig Unter- nehmen, die einem Gesamtarbeitsvertrag un- terstellt sind, verfügen meist über kollektive Taggeldversicherungen für ihre Arbeitneh- merinnen und Arbeitnehmer. Aus der Sicht einer Firma bietet eine solche Versicherung eine Sicherheit, weil die Lohn- fortzahlungspflicht besteht und häufig ein Er- satz für den arbeitsunfähigen Mitarbeiter ein- gestellt werden muss. In diesem Fall entsteht temporär eine doppelte Kostenbelastung. Nor- malerweise wird eine Lohnfortzahlung bis zum 720. Tag vereinbart, sodass für die Versicherten keine zeitliche Lücke bis zum eventuellen Be- ginn einer Invalidenrente entstehen sollte.

Verschiedene Einschätzungen

Nahezu alle Krankenkassen und Versiche- rungsgesellschaften bieten Taggeld-Lösungen an. Dabei zeigen unabhängige Untersuchun- gen, dass sich bei den Prämien je nach der Wahl des Anbieters grosse Unterschiede ergeben. Bei gleichwertigen Angeboten kann die Prämienhöhe bis zu 50 Prozent differieren. Entsprechend ist ein Wechsel der Krankentag-

geldversicherung für das Unternehmen durchaus interessant. «Ein regelmässiger Ver- gleich lohnt sich auf jeden Fall», sagt Rolf Wirz, Geschäftsleitungsvorsitzender beim Makler- zentrum Schweiz. Die Abweichungen bei den Offerten hängen in erster Linie mit unterschiedlichen Beurtei- lungen bei der individuellen Risikoeinschät- zung zusammen. Wird ein Unternehmen von einem Versicherer als schlechtes Risiko taxiert, schlägt sich das in einem Prämienaufschlag nieder. Das gilt beispielsweise für Betriebe aus der Bauindustrie, der Gastronomie oder dem Coiffeurgewerbe, die mit vielen krankheitsbe- dingten Absenzen konfrontiert sind. Die Tarife werden bei den Krankenkassen und der Asse- kuranz aufgrund der Erfahrungszahlen der Vergangenheit sowie der zukünftigen Risiko- einschätzung berechnet. Die erheblichen Kosten-Leistungsunter- schiede bei der Krankentaggeldversicherung sind auch abhängig von den diversen An-

Bei gleichwertigen Angeboten für Taggeld- Lösungen kann die Prämienhöhe bis zu 50 Prozent differieren.

28 NOVEMBER 2013 |

SCHWEIZER VERSICHERUNG

differieren. 28 NOVEMBER 2013 | SCHWEIZER VERSICHERUNG spruchsgruppen. So bieten viele Versicherer etwa für

spruchsgruppen. So bieten viele Versicherer etwa für Grossfirmen und KMU standardi- sierte Lösungen, die in der Regel deutlich kostengünstiger sind als spezialisierte Mo- delle für Selbständige. Letztlich entscheidet aber immer die Frage, welche Risiken abzu- decken sind. «Die Prämienunterschiede hän- gen mit der Rentabilität des Portefeuilles und der Zeichnungspolitik der Gesellschaft zu- sammen», bringt es Rolf Wirz auf den Punkt. Wird ein KMU als schlechtes Risiko einge- stuft, muss es mit steigenden Grundtarifen rechnen. In diesen Fällen ist es auch schwieri- ger, den Versicherer zu wechseln. Anders ist die Situation für kleine und mittlere Unter- nehmen mit einem guten Schadenverlauf. Sie werden teilweise mit Rabatten belohnt. Zu- dem ist es für solche Betriebe interessant, mit dem Einholen von Offerten das bestmögliche Angebot zu erhalten.

Vielfalt an Versicherungslösungen

Fast alle Arbeitnehmenden sind durch eine kollektive Krankentaggeldversicherung ihres Betriebs ausreichend versichert. Anders sieht es bei den selbständig Erwerbenden oder jenen Mitarbeitenden aus, deren Ar- beitgeber aus finanziellen oder anderen Gründen keine kollektive Krankentaggeld- versicherung abschliessen. Gemäss den Statistiken dürfte dies auf etwa jeden fünften

BILD: ISTOCKPHOTO

BILD: ISTOCKPHOTO Arbeitnehmer zutreffen. Wer gegen eine Prä- mie eine freiwillige Taggeldversicherung abschliesst, sieht

Arbeitnehmer zutreffen. Wer gegen eine Prä- mie eine freiwillige Taggeldversicherung abschliesst, sieht sich zwei Möglichkeiten gegenüber: Entweder eine Versicherung nach Krankenversicherungsgesetz (KVG) oder eine solche nach Versicherungsver- tragsgesetz (VVG). Für die Versicherer steht die Variante nach VVG im Vordergrund. Die Anbieter können bei dieser Taggeldversicherung die Auf- nahme eines Interessenten verweigern und die Prämien abhängig von Alter, Geschlecht und Gesundheitszustand gestalten. Kran- kenkassen lehnen oft ältere Bewerber mit ei- nem gesundheitlichen Handicap ohne An-

In guten Händen:

ten bemängeln allerdings, dass die KVG-Vari-

Dank der

ante in der Praxis lediglich ein minimales Tag-

Krankentaggeld-

geld beinhalte. Üblich sind Ansätze von 10 bis

versicherung wird

40 Franken pro Tag. Andererseits stehen die

der Erwerbsausfall

VVG-Versicherungen in der Regel nur den

eines Versicherten

eher jüngeren und gesunden Personen offen,

ausgeglichen.

weil die Versicherer grundsätzlich die guten Risiken suchen.

Wenig Transparenz

Insgesamt besteht bei der Krankentaggeldver- sicherung wenig Transparenz. Wer nicht von einer Kollektiv-Versicherung erfasst wird, der sieht sich einer eher unübersichtlichen Aus- gangslage gegenüber. Die jetzige freiwillige und flexible Lösung bei der Taggeldversiche- rung wird jedoch von einer Mehrheit der Be- völkerung einer staatlich verordneten Ein- heitslösung mit einem Obligatorium klar vorgezogen. Politische Bemühungen in dieser Richtung sind allesamt gescheitert. Eine von den Gewerkschaften 1997 lancierte Volksiniti- ative für eine obligatorische Krankentaggeld- versicherung wurde mangels Unterschriften nicht eingereicht. Schliesslich kam ein Bericht des Bundesrates über Reformvorschläge vor vier Jahren zum Schluss, dass die heute prakti- zierte Taggeldversicherung durchaus weiter- geführt werden könne. Für Unternehmen macht es Sinn, sich mit Garantien für eine längere Vertragsdauer von drei bis fünf Jahren gegen Prämienaufschläge zu schützen. Für Rolf Wirz ist auch wichtig, dass «die Wartefrist angemessen ist». Zu kurze Wartezeiten würden hohe Prämien verursa- chen, während lange Wartefristen ein finanzi- elles Risiko darstellen könnten. Um von güns- tigen Tarifen zu profitieren, lohnt sich eine regelmässige Ausschreibung. Dabei gilt es auch auf den Service zu achten, weil der admi- nistrative Aufwand bei den Krankheitsmel- dungen sehr gross sein kann.

Aufwand bei den Krankheitsmel- dungen sehr gross sein kann. gabe von Gründen ab, weil ihnen das

gabe von Gründen ab, weil ihnen das die Vertragsfreiheit gemäss VVG erlaubt. Bei einer Taggeldversicherung nach KVG sind Beitrittswillige von einer Versicherungs- gesellschaft oder Krankenkasse zwingend aufzunehmen. Ähnlich wie bei der obligatori- schen Grundversicherung gemäss Kranken- versicherungsgesetz besteht auch in diesem Fall ein Aufnahmezwang. Auch hier muss der Antragsteller jedoch Gesundheitsfragen be- antworten. Die Kassen können bei Taggeldversicherun- gen gemäss KVG für bestehende Krankheiten einen Vorbehalt anbringen, der aber nach längstens fünf Jahren verfällt. Vorsorgeexper-

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