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16.11.

09 09t29233

Hallo nochmals!

In meinen Unterlagen habe ich nun doch etwas gefunden, was meine unten stehende
Mitteilung, Andi Loepfe habe sich im Zusammenhang mit seinen Fußnoten auf
Rassinier etc. zugeknöpft gezeigt, ziemlich relativiert. Ganz im Gegenteil hat er sich
nämlich offen und ausführlich dazu geäußert und seine Bezugnahme darauf mir
erläutert gehabt. Ehe ich nun aber weiterhin nur fragile Vermutungen, die nur auf
meinem ramponierten Erinnerungsvermögen beruhen, weitergebe, bitte ich Dich,
lieber selbst mit ihm Kontakt aufzunehmen, um seine authentische Beurteilung zur
Sache zu kriegen.

Solltest Du Kritik zu dem haben, was ich als meine Einschätzung des Falles und
darüber hinausgehend Dir geschrieben habe, bin ich natürlich an weiterem Austausch
interessiert.

Im übrigen ist die von Andi ins Deutsche übersetzte Schrift von Claude Bitot: Wasfür
eine andere Welt ist möglich? Zurück zum kommunistischen Projeh bereits fertig und
über die bekarurte Verlagsadresse zu beziehen.

Andi sucht, wie er mir schreibt, Interessenten, Buchhandlungen, Organisationenzur


Belieferung seiner Produkte. Vielleicht kann sich ja da zwischen Euch doch noch
etwas tun. Mich würde es jedenfalls sehr freuen. - Meine diesbezügliche
Kontaktnahme mit Dir teile ich Andi noch mit.

Beste Grüße,

t...1 .

p.s. Bist Du eigentlich auch auf der Literaturmesse in Nürnberg am Wochenende


26.127 .128.11.09? Ich habe, wenn's mir ausgeht, unter Umständen vor, mich mal dort
umzuschauen, genauer: mir am Samstag die Vorstellungen von Klopoteks Niederlage
in der Niederlage und der Demokratie-Broschüre von Revolution Times/Soziale
Befreiung anzuhören.

09.11.09 12:27234

Lieber [...],

warum Andi Loepfe Rassinier's Die Lüge des Odysseus anbieten will, wtißte ich auch
ganz gerne.

Vor circa 7 Jahren hatte er sich zugeknöpft gezeigt, als ich ihn auf seine Hinweise auf
Rassinier u.a. ansprach. Ein, wie er mir miueilte, von Linken initiierter Boykott zur
Verbreitung seines Printmaterials hatte eine einer Klärung dienliche
Auseinandersetzung selbst mit mir, seinem langjährigen Briefpartner, nicht mehr
ermöglicht
Was mir damals aber ftir seine Erwähnung von Rassinier u.a. fürderlich erschien, war
die Schrift Das Schwinden des antifaschistischen Mythos seines Weggeftihrten
Jacques Camatte, auf die Andi Loepfe in einer Anmerkungin Exitus Nr. 2 sich in
einem anderen Zusammenhang bezieht. - Jeweils gescannte Auszüge daraus in der
Anlage zu Deiner Kenntnis.

Eine indirekte Rechtfertigung dürfte dann die Publizierung des Artikels Zionismus,
Revisionismus und Demolvatie aus der im Buchhandel nicht vertriebenen Broschüre
der französischen Revue tr***rr und des N.N.-Beitrages Zum linksradikalen
Revisionismus und zum (Anarcho)Primitivismus in Exitus Nr. l0 zu sehen gewesen
sein.

Exitus Nr. 2 bieteL er ja nun als zensurierte Fassung, was immer darunter zu verstehen
sein mag, an, während er Exitus Nr. IA lt. Blogeintrag nur mehr auf persönliche
Anforderung hin offeriert. - Solltest Du Probleme haben. bei Interesse diese Ausgaben
zu bekommen" was ich nicht glaube. kann ich Dir Kopien anfertigen.

Ob aus den Veröffentlichungen insgesamt unbedingt Deckungsgleichheit der


Auffassung Andi Loepfes mit den Ansichten der französischen Ultralinken in Form
deren Wendung zurcalenNegationistenzuerschließen ist, bez'uveifle ich nach allem,
was ich von ihm kenne und weiß, man mag es jedoch prüfen. Wiewohl ich selber der
Meinung bin, daß die Reaktion hierzulande, eventuell auch anderswo, ich weiß es
nicht, wesentlich Verletzung antifaschistischen Ehrgefühls zu demonstrieren, um sich
darauf aufbauend auch noch das Recht zu Repressalien die Zirkulation ungeliebter
Literatur betreffend herauszunehmen, anmaßend und grundverkehrt ist, glaube ich,
daß sich Andi Loepfe in der Sache verrannt hat, sie zumindest mißverständlich
vertritt, wenigstens zu wenig tut, Irritationen diesbezüglich aus der Welt zu schaffen.
Mit den sibyllinisch wirkenden Ankändigungen auf eine zensurierte Fassung von
Exitus Nr. 2 und des nur auf persönliche Anforderung hin zu realisierenden Angebots
von Exitus Nr. 10 tut er sich bestimmt einen schlechten Gefallen.

Schlimm wäre meines Erachtens nichtsdesto trotz nicht, daf erRassiniers Die Lage
des Odysseas herausgibt, vielmehr, wenn er dies ohne einen Kommentar, der seinen
theoretischen Bezugsrahmen aufzeigt, eben Bordiga, Camatte, auch die Historie, in
die ursprünglich die provokativen Diskussionen der französischen Ultralinken so viel
ich weiß eingebettet waren, tun würde.

Ansonsten weißt Du vermutlich besser als ich, daß es sich beim genannten Buch von
Rassinier um dessen Erstling in der diesbezüglichen Sache gehandelt hat, eine
Publikation, die im Gegensatz zu seinen späteren Tendenzschriften damals noch
weitgehend Anerkennung gefunden hatte, Ablehnung im Besonderen dort, wo die
intellektuelle Blockade der dem Wirkungs- und Organisationsfeld der Stalinisten
zvzurechnenden Welt die Aufnahme unliebsamer Wahrheiten von vornherein
ausschloß. Daß Rassinier ja einmal zuwr gar nicht so schlechten Linkssozialismus und
Radikalpazifismus gehört hatte, immerhin seine Eigenerfahrung in KZs, eben ein
Vernichtungs- und Arbeitssystem, das in der Organisation durchaus auch die
Verkehrungen seiner Feinde aufgewiesen hat, gewichtig einbringen kann, ist für die
Odysseus eben auch noch zu konstatieren. Camatte weist in seiner Studie auf den
größeren Zusammenhang der falschen Rede von der Singularität nationalsozialistisch-
faschistischer Verbrechen hin. Seine Anmerkungsbezüge auf eben u.a. Rassinier,
Faurisson sind dazu gar nicht relevant, vielleicht liegt deren Unverständlichkeit ja
auch in der Übersetzung des französisches Originals begründet. Aktuell nun ist
sowieso die Demokratie-legitimatorische und -affirmative Funktion der ganzen
Debatte fiir den staatstragenden Antifaschismus von heute von Bedeutung, wie damals
auf andere Weise auch schon, folgt man in dem Punkt Bordiga in der Grundaussage,
daß die Antifaschisten mit der Aufgabe des proletarisch-kommunistischen
Widerstands im Namen einer fiktiven Einheit der Bewegung mit der Bourgeosie
größere bzw. wichtigere Feinde der proletarischen Bewegung als die Faschisten selber
waren, freilich eine Theorie, die dem gewöhnlichen Gemüt nicht leicht zu verdauen
ist, nur meines Erachtens dennoch etwas Wahres an sich hat. Was natürlich nicht
heißen kann, immer gleich Faschismus und Antifaschismus als zeit-invariante
Henschaftsformen kapitalistischer Demokratie über einen Leisten zu schlagen, damit
sich die Analyse der Geschichte gleich zu ersparen, einer Tendenz, wie sie bspw. bei
der ehemaligen Marxistischen Gruppe immer wieder durchkam und im
Antihistorismus deren Nachfolgeprojekts GegenStandpunkt erst recht propagiert wird.
Umgekehrt wird das, was als moderner Faschismus in den imperialistischen und anti-
imperialistischen Demokratien wie durchaus auch in deren abhängigen Geschöpfen
war, ist und vorscheint, bei denen, die ihre dogmatischen Verengungen nur aus ihren
Parteinahmen für verflossene und noch gültige Staats-Projekte haben, in der Regel
noch nicht einmal erwogen.

Und weil ich da selbst auf der ignorierten Seite mich befinde, lobe ich mir
selbstverständlich den Andi Loepfe, der mit dem von ihm publizierten und mir privat
übermittelten Material mir in meinem Bildungsprozess mehr gebracht hat, als alle
anderen zusünmen. ln Anbetracht dessen könnte ich's ihm noch nicht einmal allzu
verübeln, wenn er mit dem Rassinier-Buch ein Fettnäpfchen aufmacht. Wer macht
keine Fehler, wenn's denn überhaupt einer [siehe oben] sein wird? Die Leute, die
damals gegen ihn vorgegangen sind, kenne ich, zwar wenig persönlich, aber ihrem
Charakter nach: sie haben mich auch gezwungenermaßen veranlaßt, das, was ich bis
dato im Internet veröffentlicht hatte, soweit es ging tilgen zu lassen und mich nur
noch mit extremer Vorsicht überhaupt irgendwo einzubringen.

Ich kopiere Dir hier noch etwas ein, was ich vor nicht lange r Zeitjemand anderem
geschrieben habe, so brauche ich mich nicht zu wiederhplen:

"Rassinier habe ich damals auch mal gelesen, die Bücher, die in einem wohl mehr als
rechtslastigen Duffel-Verlag o.s.r). verlegt worden sind. Was er im Detail schreibt,
will ich ihm gar nicht bestreiten. Das mag eben sein Erfohrungshorizont sein.
Weniger hat mich auch sein Negationismus dann gestört, qls seine Tendenziösitrit
gegen jede Abweichung von eben diesem, verbunden mit und gegründet auf einem
pr ofunden, j e de D ffi r e nz i e r un g v e r ab s c he ue nde n Ant i ka mmuni s mus, so isf's
wenigstens bei mir hringen geblieben. Ob das, wes er verbrochen hat, auch alles sein
Mist war, weiJ| ich nicht, soll auch nichts zurüclcrtehmen, er hritte sich, wenn nicht,
nur miJsbrauchen, bnu., was ja auch nicht ohne ist, von seinen Feinden, die mal seine,
des ehemaligen Linkssozialisten, Freunde weren, in diese Ecke drängen lassen. Nur
meine ich, soweit ich's mitbekommen habe, auch, dafr die große Kampagne, die da
dann selbst im im Vergleich zu hier etwas unbefangeren Franlcreich gefahren worden
ist, und von der nicht mal Dauve verschont geblieben ist, in der Hauptsache eine aus
antifaschistischem Ehrgefiihl war, elso von der theoretischen Rechtfertigung her
keinen Deut besser. Nimm' Dir doch, ohne das eine zu relativieren, mal die stalinsche
Geschichte der KPdSU her, geltt's darin wirHich unter entgegengesetzten Vorzeichen
anders zu? Undwas blieb dem gewöhnlichen KP-Mitglied, darin geschult, übrig, als
zu glauben, was darin stand, wollte er sich nicht zum Abtrünnigen und damit
Geha/3ten machen? Rsssinier hat sich umgekehrt zu einem solchen gemacht, seine
Motive kenne ich nicht, doch hatte ich zumindestfür seinen Ausgangspunkt
Verstöndnis, nrimlich einfach eine Lüge, bnv. das, was ihm dofü, erschien, nicht mehr
mitmachen zu wollen. Ich meine, die Kritik malSte je in beiden Fallen viel radikaler
ausfallen, als dalS sie nur deren negatorisches Moment aufspielSt und Abscheu
entwickelt."

Jedoch, das alles ist ein weites Feld, es diskutiert sich auch hier ohne Feed-back nicht
so gut. Wenn Du zur angesprochenen Sache oben Fragen oder Einwände hast: ich bin
aufgeschlossen.

Einen Link zu Kommentaren in Blogs, auf die eben auf der Seite von Andi Loepfe
nnn verwiesen wird, hatte ich Dir am 14.10.2009 schon geschickt. Deshalb ist mir
Deine jetzige Nachfrage nicht verständlich. Zunächst will ich Dich also nicht weiter
damit belasten; sie sind vielleicht nur mit Kenntnis der jeweiligen Diskussion
nachvollziehbar, auch mein Stil ist nicht der zug?inglichste und verständlichste, aber
das wäre gewiß nicht der entscheidende Punkt. Meine gelegentliche Wortmeldung
dort beruht wie gesagt auch eher auf meiner eigenen Isolation, als daß ich viel davon
hielte.

Weil ich mich aber, um mir dieses Urteil wieder einmal zu bestätigen, gerade auf dem
Neoprene-Blog umgeschaut habe, hier dann aber doch noch was aus meinen
Einmischungen, was auch Dich interessieren könnte:

http://neoprene.blogsport.de/2009/07l17lfegefeuer-zum-x-ten-mal/#comment-36027

http://neoprene.blossport.de/2009/04/30/austausch-ueber-an-exchange-on-nestor-
makhno/#comment-3 2064

Damit aber vorerst wirklich genug.

Über Deine Ikitik wärde ich mich freuen. Möglichst privat. Aber wenn es Dir ratsam
erscheint, auf dem Blog zu antworten, bitte. Der Meinungsaus- und abtausch dort
wtirde dann wenigstens bereichert.

Beste Grüße,

t...1