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Mikrofone & Recording
Mikrofone & Recording

Oktava MK-219 und MK-319

Sommerloch und saure Gurken? Nicht bei uns! Im dritten Jahr in Folge zeigt Ihnen Pimp My Mike, wie Sie mit sehr wenig Geld mehr aus Ihren Mikros rausholen können.

CD

Datenteil

land. Kann es ein schöneres Kompliment für eine Modifikation geben als den Beifall des Herstellers? Soll heißen: Da geht noch eini- ges! Die folgende Modifikationsanleitung weicht sowohl von Michael Jolys Arbeiten als auch von Scott Dorseys Empfehlungen in einigen Punkten deutlich ab. Das liegt zum einen daran, dass der Hersteller die Fertigungsqua- lität inzwischen verbessert hat, und zum anderen, dass jeder Modifikator einen etwas anderen Blickwinkel und andere Präferenzen einbringt. Eine Priorität für diese Anleitung war nicht zuletzt die leichte Nachvollzieh- barkeit und das Vermeiden von unnötigen Arbeiten bzw. solchen, deren Nutzen in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. Bedanken

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Nutzen in keinem Verhältnis zum Aufwand steht. Bedanken 86 Mikrofonmodifikation: Die Spielregeln Wenn Sie den Drang

Mikrofonmodifikation:

Die Spielregeln

Wenn Sie den Drang verspüren, eines Ihrer Mikrofone zu „pimpen“, sollten sie folgende Punkte bedenken:

– Sie verwirken jeden Garantieanspruch.

– Gerade als Neuling auf dem Gebiet der Elek- tronik bzw. des Lötens können Ihnen leicht Fehler unterlaufen, die das Mikrofon unbrauchbar machen.

– Modifizieren Sie nicht wild drauflos. Über- legen Sie, was Sie erreichen möchten.

– Trennen Sie Musikmachen und Lötarbeiten streng voneinander.

– Arbeiten Sie nicht an Mikrofonen, die sie dringend in einer Produktion benötigen.

– Überprüfen Sie Ihre Lötarbeiten, bevor sie das Mikrofon an den Preamp anschließen. Achten Sie besonders darauf, dass keine überstehenden Bauteilbeinchen mit dem Metallgehäuse in Berührung kommen.

– Achten Sie bei Bauteilsubstitutionen auf die Polung bzw. Reihenfolge der Anschlüsse. Elkos und Tantalkondensatoren können bei falscher Polung explodieren!

U nsere Patienten unter dem Seziermesser sind dieses Mal das Oktava MK-219 und sein größerer Bruder, das MK-319. Schon seit Menschengedenken gelten diese beiden russi- schen Mikrofone als der Inbegriff des Pimp- Objekts. Verbesserungsvorschläge für diese Mikros kursieren ungefähr so lange, wie es das Internet gibt, und im Jahr 2005 mündete diese Diskussion in einem viel beachteten Artikel des Amerikaners Scott Dorsey. Ein anderer Amerikaner, Michael Joly, bietet seit einiger Zeit sogar einen Modifikationsservice für diese und andere Oktava-Mikrofone an (www.oktavamod.com), und der Hersteller selbst bzw. sein Vertrieb Oktava Online (www.oktava-online.de) importiert sogar von Joly modifizierte Mikrofone nach Deutsch-

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Bild 1: Weg mit dem Gitter:

Verhelfen Sie der Kapsel zur Freiheit!

möchte ich mich beim Vertrieb Oktava Online, der für diesen Artikel zusätzliche Mikros zur Verfügung gestellt hat.

Die Mikros

Betrachten wir zuerst mal die Modifikations- objekte. Uriger als das MK-219 kann ein Mikrofon kaum aussehen. Die Oberfläche wirkt weniger lackiert als vielmehr geteert und hat einen Hauch von Dampflok und industrieller Frühzeit. Das gesamte Gehäuse besteht aus zwei von nur einer einzigen Schaube zusam- mengehaltenen Schalenhälften aus Leicht- metall. Das Gehäuse gilt seit jeher als der größte Schwachpunkt. Klopft man leicht da- gegen, ertönt ein rundes, lang ausklingendes „Plonnng”, und diese Resonanzen – die natür- lich auch von Schallwellen angeregt werden – verfärben die Wiedergabe. Verstärkt wird dieses Problem durch den massiven, weitge- hend geschlossenen Grill unmittelbar vor der Kapsel. Die Schwachpunkte der MK-219-Gehäuse- konstruktion waren auch der Ausgangspunkt für die Entwicklung des MK-319. Letzteres kommt in einem traditionelleren Design, das grob an ein verkleinertes Neumann U47 erinnert. Der Mikrofonkorb ist akustisch offener als der des MK-219, allerdings besteht das Gehäuse immer noch aus Leichtmetall und ist immer noch etwas resonant. An beiden Mikros gibt es zudem einige ver- besserungswürdige Details auf elektronischer Seite. Trotzdem klingen die beiden Mikros auch un- modifiziert wirklich nicht übel; ihre Stärken liegen vor allem bei Gesang und Sprache. Typisch für Oktava-Mikrofone sind die vollen Mitten, ein runder, aber nicht überbetonter Bass sowie ein geschmackvoll abgestimmter Präsenzbereich, der Stimmen zu Durchset- zungskraft verhilft, ohne dabei harsch zu werden wie man es von manchen Fernost- mikros kennt. Die Exemplarschwankungen dieser mit 119 bzw. 139 Euro sehr günstigen Oktavas sind recht hoch, andererseits ist es durchaus drin, ein besonders gut klingendes Exemplar zu ergattern, das es mit deutlich teureren

[ Mikrofone & Recording]Praxis

mit deutlich teureren [ Mikrofone & Recording ]Praxis Mikros aufnehmen kann. Ziel der im Folgen- den

Mikros aufnehmen kann. Ziel der im Folgen- den vorgestellten Modifikationen ist es, dem Mikro zu einem etwas offeneren, detail- reicheren Klang zu verhelfen.

Ran an den Speck

Die Werkzeugliste für dieses Projekt habe ich der Einfachheit halber von einem alten Film der Olsenbande übernommen:

– ein Vileda-Wischtuch

– eine Tupper-Dose

– ein gepolsterter Umschlag, DIN A5

– Sekundenkleber

– eine Heißklebepistole

– eine Laubsäge mit Metallsägeblättern

– feines Schmirgelpapier

– ein Lötkolben

– ein schwarzer Filzstift oder CD-Marker

– Schlitzschraubendreher in verschiedenen

Größen

– elektronische Bauteile im Wert von knapp 5 Euro

– ein Regenschirm

Bevor wir uns über die Elektronik her- machen, möchte ich Ihnen einige Tipps an die Hand geben, wie Sie die Gehäusekonstruktion des MK-219 verbessern können. Das MK- 319 ist nicht so resonant, dass man unbe- dingt zur Tat schreiten müsste. Ich würde Ihnen aber raten, beide Mikros nicht mit der mitgelieferten Stativhalterung zu betreiben, sondern eine Mikrofonspinne mit möglichst enger Klemmhalterung zu verwenden. Die beiliegende Stativhalterung besteht nämlich aus einem einfachen Blechwinkel, der das Mikrofongehäuse geradezu zum Schwingen

und Vibrieren einlädt. Eine Spinne mit Klemmhalterung entkoppelt das Mikro nicht nur vor Trittschall und Vibrationen, sondern verhindert durch den Druck der Klemme,

dass das Gehäuse allzu sehr in Schwingung gerät. Nummer 1 auf der Pimp-Agenda ist der Mikrofonkorb. Dazu öffnen wir zuerst ein- mal das Mikrofon. Ist die Schraube gelöst, müssen Sie nur noch die obere Gehäuseschale vorsichtig (!) hochhebeln. Rund um den XLR-Stecker verwendet Oktava zwei dünne Metallstreifen, die für Halt sorgen und gleichzeitig eine optimale Masseverbindung zum Gehäuse herstellen. Passen Sie auf, dass diese Metallblättchen nicht verlorengehen. Legen Sie alle Kleinteile in die Tupper-Dose. Ist die obere Gehäuseschale entfernt, greifen Sie sich einen etwas größeren Schrauben- dreher, um das Gewindestück, in das die Schraube gedreht war, auszubauen, denn die- ses bildet seinerseits die Schraubverbindung, die die Elektronik in der unteren Gehäuse- schale verankert. Legen Sie nun die Elek- tronik in den gepolsterten Umschlag, um sie vor Staub und spontanem Vandalismus zu schützen. Wie Sie sehen, bestehen die Gehäuseschalen aus nichts als einem gegossenen Stück Leichtmetall, in das von innen jeweils ein doppellagiges Stück Metallgeflecht eingefügt wurde. Dieses Metallgeflecht lässt sich recht leicht mit einer Klinge, manchmal schon mit einem Schraubendreher aus der Gehäuse- schale hebeln. Gehen Sie behutsam vor, und legen Sie die ausgebauten Stücke Metall- geflecht in Ihre Tupper-Dose, Sie werden sie später wieder benötigen – wie übrigens fast alles, was wir ausbauen.

Sägen bringt Segen

Nun ist der Augenblick gekommen, zur Laubsäge zu greifen. Schon früh sind ver- schiedene Mikrofonmodifizierer darauf ge-

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88 Praxis[ Mikrofone & Recording]

Bild 3: Vorher und nachher: Das MK-219 hat durch das Makeover auch optisch gewonnen.

Bild 2:

Sauberer Klang

dank Vileda

auch optisch gewonnen. Bild 2: Sauberer Klang dank Vileda kommen, dass der äußere, in die Gehäuse-

kommen, dass der äußere, in die Gehäuse- schale integrierte massive Grill den Klang beeinträchtigt. Die einfachste Lösung ist, den äußeren Grill komplett zu entfernen, sodass die Kapsel später nur noch vom inneren Metallgeflecht geschützt wird. Am ungefähr- lichsten geht das mit einer Laubsäge. Ist der Grill entfernt, greifen Sie sich ein Stück fei- nes Schleifpapier und schmirgeln die über- stehenden Grate glatt. Für die Retusche der blanken Stellen hat sich ein schwarzer CD- Marker bewährt (Bild 1). Nun muss das Metallgeflecht wieder rein. Wenn Sie mögen (und handwerklich geschickt sind), können Sie das zweilagige Geflecht mit einer Klinge teilen und vorsichtig aus- einander ziehen. Ein einlagiges Geflecht ist akustisch ein wenig transparenter und hat sich als ausreichende elektrische Abschir- mung erwiesen. Bevor Sie das Korbgeflecht wieder fixieren, sollten Sie die Leimreste an der Innenseite des Gehäuses beseitigen. Das Metallgeflecht muss unbedingt eine leitende Verbindung mit dem Gehäuse aufbauen, und deshalb sollten Sie das Geflecht mit Löt- punkten fixieren. Das Leichtmetallgehäuse ist nicht sehr lötfreudig, aber es gibt einen Trick: Beim Löten an den Gehäuseteilen müssen Sie zuerst ein wenig Lötzinn auf die Spitze des Lötkolbens aufbringen und dann kurz warten, bis die Rauchentwicklung stoppt, d. h. das Lötfett verdampft ist. Denn das Flussmittel, das bei normalen Lötstel- len für bessere Verbindungen sorgt, verhin- dert ein Löten der Leichtmetallteil-Gehäuse- schalen.

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Zusätzlich zu den Lötpunkten, die vor allem der elektrischen Verbindung dienen, sollten Sie das Geflecht zur Stabilität mit Sekunden- kleber fixieren. Warten Sie aber, bis das Ge- häuse bzw. die Lötstellen vollständig erkaltet sind, denn viele Leimsorten sondern einen fies stechenden Geruch ab, wenn sie erhitzt wer- den.

Zeit für Vileda

Für die Behandlung des Resonanzproblems fiel meine Wahl auf ein Vileda-Wischtuch aus Viskose und Synthetik (Bild 2). Ich gebe zu, das schreiende Gelb passt nicht so recht zum dezenten Retro-Charme der Oktavas, aber im Innern sieht es ja niemand. Die verwendeten Kunstfasern haben den Vorteil, dass sie sehr gut isolieren, was wichtig ist, falls ein Teil des Wischtuchs die Hochimpedanzteile der Elektronik berühren sollte. Trotzdem ist es sinnvoll, das Wischtuch so zurechtzuschnei- den, dass die Teile direkt unterhalb der Kap- sel nicht davon berührt werden. Fixiert habe ich das Wischtuch mit Heiß- kleber, denn dieser entfaltet durch seine gummiartige Konsistenz ebenfalls eine däm- mende Wirkung. Bringen Sie erst ein wenig Heißkleber auf der Gehäuseschale auf, und drücken Sie dann das zuvor zurechtgeschnit- tene Stück Wischtuch hinein. Anschließend spritzen Sie weiteren Heißkleber unter die noch freiliegenden Wischtuchteile und pres- sen sie an. Ich habe beide Gehäuseschalen mit jeweils zwei Lagen Wischtuch ausgeklei- det, was die Resonanz immerhin von einem runden „Plonnng” auf ein knappes „Plock”

von einem runden „Plonnng” auf ein knappes „Plock” reduziert hat. Für zusätzliche Dämpfung sorgt, wie

reduziert hat. Für zusätzliche Dämpfung sorgt, wie gesagt, eine Spinne mit Klemm- halterung.

Elektronisch

Beide Oktava-Modelle unterscheiden sich lediglich in der Mechanik, die Schaltung ist identisch. Oktava verwendet beim MK-219 und MK-319 eine sehr einfache Elektronik, wie sie zu Anfang der Transistor-Ära üblich war. Als aktives Bauelement kommt lediglich ein einziger Feldeffekttransistor (FET) zum Einsatz. Ein FET funktioniert ähnlich wie eine Triodenröhre, und so waren die Schal- tungen früher Transistormikros auch denen ihrer Röhrenvorgänger sehr ähnlich, die ja in aller Regel auch nur eine einzige aktive Stufe besaßen. Schauen wir uns die Schaltung mal näher an (Bild 4): Das Kapselsignal gelangt über einen Kondensator (C2), der die Gleichspan- nung lockt, zum Gate des FET. Dieser dient sowohl der Verstärkung des Signals als auch der Impedanzwandlung. Die Kapsel stellt eine extrem hohe Impedanz dar, die am Ausgang des FETs immerhin in den Kiloohm-Bereich gewandelt wird. Das ist zwar sehr viel nied- riger als zuvor, aber immer noch zu hoch- ohmig für einen Mikrofonausgang, der ja im Bereich von etwa 200 Ohm liegen sollte. Die finale Impedanzwandlung übernimmt keine aktive Schaltung, sondern ein Übertrager, der das Signal am Drain-Anschluss des FET über einen 1-uF-Kondensator (C6) abgreift. Der Kondensator dient hier wieder dazu, die Gleichspannung abzublocken, denn am Drain

Bild 4: Die originale Schaltung des Oktava MK-219 bzw. MK-319 – die Werte einzelner Bauteile können variieren.

MK-319 – die Werte einzelner Bauteile können variieren. liegt auch die Versorgungsspannung des FET an. Das

liegt auch die Versorgungsspannung des FET an. Das Step-Down-Verhältnis des Ausgangs- übertragers liegt bei etwa 8:1; die Impedanz sinkt in etwa im Quadrat des Übersetzungs- verhältnis, also um den Faktor 64, womit wir nun am Ausgang eine Impedanz im gewünsch- ten Bereich von rund 200 Ohm erreicht haben. Der Ausgangsübertrager in der Schaltung des MK-219/319 übernimmt aber noch wei- tere Funktionen: Er wandelt nicht nur die Impedanz, er symmetriert auch das Signal, und er dient dazu, die Phantomspannung abzugreifen. Das geschieht an der Mittel- anzapfung der Sekundärseite. Hier liegen 48 Volt an, die über einen 500-Megaohm- Widerstand (R1) zur Kapsel gelangen, um diese zu polarisieren und über R8 und R5 den FET versorgen. Durch den Strombedarf der Elektronik sackt die Phantomspannung ein wenig ab, aber nur um 2–4 Volt, sodass eine recht hohe Spannung für die Polarisation der Kapsel übrig bleibt. Genau das ist auch der Hintergrund für die Verwendung von nur einer aktiven Stufe: Mit jedem weiteren stromfressenden Transistor würde die für die Polarisation der Kapsel verbleibende Spannung weiter absinken, und es wäre ein aufwendiger Spannungswandler vonnöten, um wieder eine vernünftige Polari- sationsspannung aufzubauen. In der Regel sind gute Schaltungen daher entweder sehr einfach oder sehr komplex. Die Oktava- Schaltung gehört zur ersteren Kategorie. Solch einfache Schaltungen bringen es mit sich, dass die Qualität einzelner Bauelemen-

te besonders wichtig ist, denn es besteht ja kaum eine Möglichkeit zur Kompensation. Glücklicherweise sind die wichtigsten Bau- elemente durchaus von adäquater Qualität, das betrifft vor allem die teuersten Kompo- nenten, nämlich Kapsel und den Ausgangs- übertrager.

To FET or not to FET?

In älteren Anleitungen wird empfohlen, den russischen FET durch einen Toshiba 2SK 170 zu ersetzen. Das halte ich für unnö- tig, vielleicht sogar kontraproduktiv. Oktava macht sich nämlich die Mühe, die beiden Source-Widerstände R6 und R7 auf den je- weils verwendeten FET individuell für jedes Mikro (!) zu optimieren. Genau das besagen nämlich die mysteriösen Zahlen, die mit Blei- stift auf das Übertragergehäuse gekritzelt wurden: Die haben nämlich gar nichts mit dem Übertrager zu tun, es sind die Werte die- ser beiden Widerstände, die nach dem Test eingelötet werden. Zudem ist R8 auf den Ver- wendeten FET-Typ abgestimmt – Oktava ver- wendet je nach Liefersituation variierende Bauteile, wundern Sie sich also nicht, wenn es in Ihrem Oktava etwas anders ausschaut. Wenn der Austausch des FET wirklich etwas bringen soll, wäre also ein Austausch und Neu-Abgleich der Widerstände R6, R7 und R8 erforderlich. Ein Aufwand, der in keinem Verhältnis zu den allenfalls marginalen Ver- besserungen stünde. Lassen Sie den FET samt den für ihn opti- mierten Widerständen unangetastet. Ohnehin hat sich die Fertigungsqualität der Oktava-

Mikrofone in den letzten Jahren verbessert, sodass übermäßiges Rauschen eigentlich kein Thema mehr ist. Die immerhin vier MK-219 und zwei MK-319, die ich im Vorfeld dieser Folge verarztet habe, waren schon ab Werk allesamt rauschärmer als die meisten chine- sischen Mikros derselben Preisklasse.

Guter Klang dank Kunststofffolie

Verbesserungswürdig sind die üblichen Ver- dächtigen, nämlich die signalführenden Kon- densatoren. Die Verbindung zwischen Kapsel und dem Gate des FET stellt ein einfacher Keramik-Kondensator (C2) her. Diesen soll- ten Sie entweder durch einen 1 nF Polypro- pylen-Kondensator ersetzen oder einen Styro- flex-Typ (1 nF = 1.000 pF; 820 pF reichen auch, die Spannungsfestigkeit sollte mindes- tens 63 Volt betragen). Polypropylen klingt offen und „Hi-Fi”, Styroflex etwas weicher, „vintage”, aber auch ein wenig belegt. Der originale Keramik-Kondensator klingt drecki- ger und ein wenig nasal, kann je nach per- sönlichem Geschmack aber durchaus einen gewissen Charme entfalten. Hier können Sie experimentieren. Ich persönlich greife gern zu Polypropylen-Kondensatoren, meist von BC-Components. Von allen Typen, die ich im Laufe der Jahre getestet habe, scheinen mir diese das Kapselsignal am wenigsten zu ver- fälschen. Säubern Sie die Platine nach den Lötarbeiten mit einem in hochprozentigem Isopropanol getränkten Wattestäbchen. Der zweite strategisch wichtige Kondensator im Signalweg ist der 1-uF-Kondensator C6

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90 Praxis[ Mikrofone & Recording]

90 Praxis[ Mikrofone & Recording ] Bild 5: Keine gewöhnlichen Schalter, sondern Reed-Relais aktivieren Low-Cut und

Bild 5: Keine gewöhnlichen Schalter, sondern Reed-Relais aktivieren Low-Cut und Pad.

Bild 6: Beim Oktava MK-319 sind die Schalter auf eine kleine Tochterplatine ausgelagert.

Bild 7: Das MK- 319 bringt es auf enorme Kabellängen im

Hochimpedanz-

teil. Die hier entstehenden Kapazitäten gilt es zu beseitigen.

Die hier entstehenden Kapazitäten gilt es zu beseitigen. zwischen dem FET und dem Ausgangsüber- trager. Dieser
Die hier entstehenden Kapazitäten gilt es zu beseitigen. zwischen dem FET und dem Ausgangsüber- trager. Dieser

zwischen dem FET und dem Ausgangsüber- trager. Dieser ist ab Werk als gepolter Elko ausgeführt.Transparenter klingt ein ungepol- ter Folienkondensator. Ideal wäre auch hier Polypropylen, allerdings werden Sie einen solchen kaum im Gehäuse unterkriegen. Glücklicherweise ist diese Stelle im Signal- weg nicht mehr ganz so kritisch, da sowohl die Impedanz als auch das Spannungsgefälle hier nicht mehr so hoch sind. Sie können daher beruhigt zu einem kompakteren Polyester- kondensator greifen. Ich empfehle einen MKS-2 Kondensator von Wima, der im Fach- handel überall erhältlich ist.Wenn Sie möch- ten, können Sie statt 1 uF auch einen etwas größeren Wert, z. B. 2,2 uF wählen, was die Basswiedergabe marginal verbessert.

Feinheiten

MK-219 und MK-319 sind mit Pad- und Low-Cut-Schaltern ausgestattet. Oktava be- nutzt dafür sogar Reed-Relais: Der Schalter wird nicht einfach mechanisch geöffnet und geschlossen; der Schieber bewegt einen klei- nen Magneten über das zugehörige Reed- Relais, das durch die magnetische Anziehung schließt. Das reduziert die Schaltgeräusche etwas (Bild 5). Leider sind die Schalter aber nicht ganz durchdacht implementiert. Auf dem Schalt- plan sehen sie relativ unschuldig aus, und ihre Funktion ist tadellos. Allerdings befin- den sich beide Schalter im Hochimpedanz- teil der Schaltung und verlängern diesen un- nötig. Je höher die Impedanz, desto kritischer sind die Leitungswege, denn zwischen den

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Leitern bauen sich unerwünschte Kapazitä- ten auf, die den Klang beeinflussen. Derarti- ge Effekte sind bei E-Gitarren wohlbekannt:

Ein übliches 6-Meter-Kabel bringt es auf eine Kapazität von 500–1000 pF, die die Resonanzfrequenz eines Strat-Tonabnehmers von 10 kHz auf rund 4 kHz drückt. Bei unse- rem Mikro liegt das Impedanzniveau aber noch um ein Vielfaches höher, und die Emp- findlichkeit für Kabelkapazitäten steigt ent- sprechend. Aus klanglichen Erwägungen empfiehlt es sich daher, die Pad- und Low-Cut-Schalter auszubauen; der Sound wird merklich trans- parenter. Beim MK-219 müssen Sie dazu eigentlich nur die beiden Reed-Relais auf der Unterseite der Platine auslöten. Beim MK- 319 ist der Umbau ein bisschen kniffliger, dafür aber umso lohnender. Hier verlaufen nämlich die Anschlussdrähte der Kapsel erst einmal zur kleinen Schalterplatine und erst von dort zur Hauptplatine (Bild 6). Die ein- fachste Methode ist, alle Drähte von und zur Schalterplatine abzulöten und die von der Kapsel kommenden Drähte direkt mit der Hauptplatine zu verlöten – Bild 12b zeigt, wie. Die Membran wird mit der Masse ver- bunden und die Gegenelektrode mit dem 500-Megaohm-Widerstand R1.

Lösen Sie die Handbremse!

Das Entfernen des Kabelwirrwarrs im MK- 319 hat noch einen weiteren positiven Aspekt. In Bild 7 sehen Sie, wie viele Drähte hier den Hochimpedanzbereich verlängern.

Die dabei entstehenden Kabelkapazitäten können sogar den Pegel absenken! Denn bei der Signalquelle handelt es sich ja selbst um einen Kondensator, weitere „tote” Kapazität, die kein Signal produziert, be- lastet die Signalquelle; es kommt zu einem Pegelabfall. Tatsächlich werden kleine Kon- densatoren ja auch als Pad eingesetzt, um das Kapselsignal bewusst abzusenken. Schau- en Sie sich mal das zuschaltbare Pad des Ok- tava auf dem Schaltplan genauer an. Für eine Pegelabsenkung von 10 dB wird ein Kondensator von 270 pF zur Kapsel parallel geschaltet. In der haarigen Realität baut sich aber bereits – ohne dass der Schalter über- haupt geschlossen ist – zwischen den Zulei- tungen zum Schalter eine kleine Kapazität auf. Damit noch nicht genug. Schauen wir uns mal kurz an, wie das Pad an einem Neumann KM84 implementiert ist (Bild 8), denn die Grundschaltung des Oktava ist dem Neu- mann’schen Design nicht ganz unähnlich. Hier sehen wir, dass man eine Pegelabsen- kung auch durch einen kleinen Kondensator zwischen der Plusseite der Kapsel und dem Drain-Anschluss des FET erreichen kann. Für eine Pegelabsenkung um 10 dB reichen schon 15 pF – so viel erreichen zwei ver- twistete Drähte bereits auf wenigen Zenti- metern! Tatsächlich verlaufen beim MK-319 gleich mehrere Kabel zur Kapsel bzw. zum Eingang des FET und ein anderes über kleinere Um- wege zum Drain des FET. Die Kapazität, die sich zwischen diesen Kabeln aufbaut, führt

Bild 9: Die modifizierte (unten) und unmodifizierte (oben) MK-219-Platine. Nicht im Bild: Auf der Unterseite wurden die Reed-Relais entfernt!

im Bild: Auf der Unterseite wurden die Reed-Relais entfernt! Bild 8: So ist das Pad eines

Bild 8: So ist das Pad eines Neumann KM84 aufgebaut.

Bild 8: So ist das Pad eines Neumann KM84 aufgebaut. zu einer Pegelabsenkung, die durch die

zu einer Pegelabsenkung, die durch die dazwischenliegenden Bauteile (C9 + C7 bzw. R9) zwar etwas abgemildert, aber nicht beseitigt wird. Im konkreten Fall des von mir modifizierten MK-319 stieg der Ausgangs- pegel (d. h. die Empfindlichkeit) um knapp 3 dB, nachdem ich die kleine Schalterplatine mitsamt ihrer Zuleitungen ausgebaut hatte. Da das Kapselsignal vor der Elektronik ab- gesenkt wird, verbessert sich auch der Rauschabstand etwas. Auch wenn das Mikro- fon bereits vorher recht rauscharm war, nimmt man eine solche Verbesserung doch gerne mit!

Prinzipiell können Sie die Platinen des MK- 319 und MK-219 noch um ein paar weitere Bauteile entvölkern, nämlich alle in den rosa und grün hinterlegten Bereichen im Original-Schaltplan. Nach dem Ausbau der Schalter sind die restlichen Bauteile des Low-Cuts eigentlich unnötig. Der Ausbau von C7 und C8 hat einen leichten Einfluss auf den Klang, zusammen ergeben sie eine Kapazität von etwa 180 pF, die als Tiefpass- filter agiert. Sein Einsatzpunkt liegt außer- halb des Hörbereichs; das Filter hat aller- dings Auswirkungen auf den Phasengang. Wenn Sie die beiden Kondensatoren entfer-

nen, kann der Höhenbereich durchaus ein wenig offener klingen. Wenn Sie die subtile Verrundung des Höhenbereichs jedoch mögen oder wenn Sie in unmittelbarer Nähe von Radiosendern wohnen, können Sie alternativ die beiden Keramik-Kondensatoren durch einen höherwertigen Polypropylen- oder Sty- roflex-Kondensator von 47–220 pF ersetzen – Geschmacksfrage!

Schöner schalten

Eigentlich benötigt man die Low-Cut- und Pad-Schalter der Oktavas eher selten, ihr Fehlen ist kein großer Verlust. Prinzipiell

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selten, ihr Fehlen ist kein großer Verlust. Prinzipiell 91 THE MASTER. YAMAHA KX 8 - USB

THE MASTER.

Fehlen ist kein großer Verlust. Prinzipiell 91 THE MASTER. YAMAHA KX 8 - USB KEYBOARD STUDIO

YAMAHA KX 8 - USB KEYBOARD STUDIO MIT 88 TASTEN

Die KX Masterkeyboard Legende lebt weiter in neuem Gewand als optimaler DAW Controller! Gewichtete Tastatur mit exzellentem Spielgefühl Fernsteuerung für Transport und VST Instrumente 30 Controller Templates für die beliebtesten Software Synthesizer Direkter Zugriff auf 8 Parameter USB Bus-Powered optimiert für Cubase 4 / Nuendo 4 inklusive Cubase AI4

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92 Praxis[ Mikrofone & Recording]

92 Praxis[ Mikrofone & Recording ] Bild 10: So lassen sich beim MK-319 Low-Cut und Pad

Bild 10: So lassen sich beim MK-319 Low-Cut und Pad ohne Klangeinbußen implementieren.

Kopfsache

und Pad ohne Klangeinbußen implementieren. Kopfsache Bild 11: Der neue Low-Cut setzt etwas tiefer ein als

Bild 11: Der neue Low-Cut setzt etwas tiefer ein als die Originalschaltung, arbeitet dafür aber steilflankiger.

Im allwissenden Internet finden Sie

zahlreiche Stimmen, die dringend dazu

raten, die gelochten Plastikscheiben vor

der Kapsel zu entfernen, da sie angeb-

lich die Höhenwiedergabe beeinträchti-

gen. Tatsächlich handelt es sich bei die-

sen Plastikscheiben um HF-Reflektoren,

die die Höhen sanft anheben – interes-

santerweise genau da, wo der massive

Mikrofongrill des MK-219 sie bedämpft.

Ursprünglich scheinen also diese HF-

Disks ersonnen worden zu sein, um die

Höhendämpfung des Gehäuses zu kom-

pensieren. Dennoch würde ich Ihnen

empfehlen, diese Scheiben auch nach

dem Umbau des Gehäuses auf der Kapsel

zu lassen, denn die Oktavas sind ohne-

hin keine besonders hell klingenden

Mikros. Die HF-Scheiben machen den

Klang auf angenehme Weise luftiger.

Zudem besteht beim Entfernen der Schei-

ben unmittelbare Gefahr für die Kapsel.

Überlassen Sie solche Modifikationen

lieber Experten wie Michael Joly.

Eine Differenzmessung belegt die verbesserte Höhenwiedergabe durch die Gehäusemodifikation. Entfernt man die HF-Disk vor der Kapsel, entspricht der Frequenz- gang fast wieder dem Ausgangs- zustand, der durch die 0-dB-Linie repräsentiert wird. Die Rest- welligkeit kommt durch die Paar- abweichung mit dem unmodifizier- ten Vergleichsmikro zustande.

kommt durch die Paar- abweichung mit dem unmodifizier- ten Vergleichsmikro zustande. Nur für Experten: Kapselmodifikation

Nur für Experten: Kapselmodifikation

kommt durch die Paar- abweichung mit dem unmodifizier- ten Vergleichsmikro zustande. Nur für Experten: Kapselmodifikation

sound&recording 08.2008

[ Mikrofone & Recording ]Praxis Bild 12a und 12b: Oberseite und Unterseite des modifizierten MK-319
[ Mikrofone & Recording ]Praxis Bild 12a und 12b: Oberseite und Unterseite des modifizierten MK-319

[ Mikrofone & Recording]Praxis

Bild 12a und 12b: Oberseite und Unterseite des modifizierten MK-319 mit neuen Pad- und Low-Cut-Schaltern

Der Autor

Andreas Hau ist Musiker, Mikrofon- spezialist und freier Autor. Sein Buch „Der Homerecording Guide“ ist

Andreas Hau ist Musiker, Mikrofon-

spezialist und freier Autor. Sein Buch

„Der Homerecording Guide“ ist soeben

im Carstensen Verlag erschienen.

besteht aber die Möglichkeit, diese Funktionen ohne Klangeinbußen zurückzuholen – frei- lich nur für Besitzer des MK-319 (Bild 10), im Gehäuse des MK-219 reicht der Platz nicht aus. Einen Low-Cut an einer weniger empfind- lichen Stelle zu implementieren, ist sehr ein- fach. Der Kondensator C6 bildet mit dem Übertrager einen Hochpass, dessen Einsatz- frequenz man durch Verkleinern der Kapazi- tät leicht nach oben verschieben kann. Ich habe mich bei C6 für einen 22-nF-Kon- densator von Wima in der Bauform MKS-02 entschieden, der exakt ins Lochraster passt. Die Einsatzfrequenz liegt bei etwa 80 Hz; wenn Sie eine deutlichere Bassreduzierung wünschen, können Sie 15 nF oder gar 10 nF wählen. Durch Zuschalten eines 1-uF-Kondensators (Wima MKS-2 oder MKS-4), den Sie auf der Platine in freigewordenen Löchern un- terbringen können, (s. Bild 12a) erhalten Sie wieder die volle Basswiedergabe (Low-Cut off).

Ein Pad herzustellen, ohne den Hochimpe- danzbereich zu verlängern, ist etwas schwie- riger. Ich habe mich für eine Methode ent- schieden, bei der die Polarisationsspannung der Kapsel über einen Spannungsteiler abge- senkt wird. Diese Methode hat zwei Vorteile:

Zum einen wird hier nur Gleichspannung um- geschaltet, kein Audiosignal – Kabelkapazi- täten spielen daher keine Rolle –, zum ande- ren wird die statische Anziehung zwischen Gegenelektrode und Membran verringert, wodurch die Kapsel etwas höhere Schall- drücke verarbeiten kann. Der Aufbau ist eigentlich nicht besonders schwierig, wenn Sie sich an den Fotos orien- tieren (Bild 12a und 12b). Allerdings müssen Sie für diese Modifikation eine Leiterbahn auf der Platine durchtrennen, nämlich die zwischen der Mittelanzapfung des Übertra- gers und dem 500-Megaohm-Widerstand zur Kapsel. Dieser Mod ist also nur für Mutige. Wie Sie sehen, habe ich für die neuen Schal- ter die alte Platine einfach neu bestückt. Sie können den 10-Megaohm-Widerstand benut-

zen, den Sie beim alten Low-Cut ausgebaut haben (R9). Als zusätzliche Bauteile benöti- gen Sie lediglich einen 3,9-Megaohm-Wider- stand, einen 100-nF-MKS-2-Kondensator von Wima (wegen der flachen Bauform) und einen 100-KiloOhm-Widerstand, der dazu dient, die Umschaltgeräusche zu minimieren. Ein optischer Nachteil der „neuen” Schalter soll nicht verschwiegen werden: Einer der beiden funktioniert nun umgekehrt wie auf der Beschriftung vorgesehen. Durch Drehen der kleinen Schalterplatine können Sie sich aussuchen, welcher: Sind die Reed-Relais am oberen Teil, funktioniert der Low-Cut wie vorgesehen, sind die Relais am unteren Ende, ist es das Pad, das der Beschriftung folgt.

Fertig

So, damit wäre fürs Erste die Welt gerettet. Zum Schluss möchte ich noch die brennende Frage beantworten, wozu Sie den Regen- schirm benötigen: Er dient dem Schutz vor Sommergewittern!

Text + Fotos: Andreas Hau

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