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#unibrennt

Über die Organisation und


interne Kommunikation der
Studierendenproteste in Wien
im Herbst 2009

Eine studentische Dokumentation im Rahmen der Vorlesung und Übung


INTOR (Interne Organisationskommunikation) von Kristina Pilz und Michel
Reimon am IPKW der Universität Wien, Wintersemester 2009.

Kontakt: michel.reimon@univie.ac.at
Vorwort

Im Herbst 2009 ging von Wiener Universitäten eine spontane und


basisdemokratische Protestbewegung aus, die binnen weniger Wochen
Dutzende Hochschulen in ganz Europa erfasste. Wir, Kristina Pilz und Michel
Reimon, hatten das Glück, in diesem Semester eine Lehrveranstaltung über
„Interne Organisationskommunikation“ im Masterstudiengang am Institut für
Publizistik und Kommunikationswissenschaften der Universät Wien zu halten
– und eine Klasse ausgesprochen motivierter und engagierter Studierender
unterrichten zu dürfen.
Die Besetzung des Audimax fand zwischen unserer ersten und zweiten
Lehreinheit statt. Spontan entschlossen wir uns (mit Zustimmung der
Studierenden), den Lehrplan abzuändern und die Protestbewegung mit den
Mitteln und Theorien der Organisationskommunikation zu untersuchen. Dabei
entstanden neun sehr unterschiedliche, aber allesamt interessante und
lehrreiche Arbeiten, die wir hiermit – ebenfalls mit Einverständnis der
Studierenden – öffentlich zugänglich machen wollen.

Während wir dieses Dokument veröffentlichen, dauern an vielen Orten die


Lehrsaalbesetzungen noch an. Von einem klugen Fazit sehen wir daher ab.

Kristina Pilz, Michel Reimon


Wien, Dezember 2009

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Inhalt/Überblick

1. Einleitung: Über die Konstitution der Protestbewegung 04

2. Kommunikationsstrukturen und Entscheidungsfindung 22

3. Kommunikationsprozesse zwischen unterschiedlichen


Organisationskulturen 34

4. Interne Kommunikation in den Arbeitsgruppen 41

5. Kommunikation zwischen den Arbeitsgruppen 56

6. Kommunikation zwischen den Unis 63

7. Nutzung von Social Networks in der internen Kommunikation 70

8. Kommunikation zur Erhaltung/Koordination der Infrastrukturen 81

9. Analyse der Gegengruppen 88

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Einleitung: Über die Konstitution der
Protestbewegung #unibrennt

Von Andrea Feichter, Roman Hudernik und Vanessa Racz

„Interne Organisationskommunikation“ ist ein Begriff, der meistens mit Unternehmen,


Management oder generell Firmenstrukturen in Verbindung gebracht wird. Doch wie ist es zu
verstehen, wenn sich eine Gruppe von Menschen aufgrund eines gemeinsamen Gedankens und
eines gemeinsamen Zieles zusammenschließen und eine „Organisation“ aufbauen?
So geschehen in den letzten Wochen an den österreichischen Universitäten.

Dies war für uns der Ausgangspunkt, die Entstehung sowie die Entwicklungen zu untersuchen
und uns mit der internen Struktur dieser Organisation zu beschäftigen.

Im folgenden Text werden nun die von uns besuchten und untersuchten Hochschulen:
Universität Wien (Racz Vanessa), Akademie der bildenden Künste (Feichter Andrea) sowie die
Technische Universität (Roman Hudernik) behandelt.

Wir haben versucht, die Struktur und Entwicklung der Besetzungen von verschiedenen
Ausgangspunkten zu bearbeiten und gleichzeitig auch eine Verbindung zu bekannten Theorien zu
finden.

Wenn man die Situation an den Universitäten betrachtet, kann die entsprechende
Organisationsstruktur die auf alle drei Hochschulen herrscht erkannt werden. Die Studenten haben
die Besetzung der Universitäten durch Arbeitsteilung so gut strukturiert wie man es bisher nicht in
dieser Form gekannt hat. Besonders durch die gute Vernetzung und Kommunikation konnte diese
Bewegung einen weiten Anklang und Solidarität finden.

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Die Theorie von Elias Canetti „Masse und Macht“, kann durchaus auch auf die Situation an den
Universitäten übertragen werden. Folgende Aussagen sind besonders prägnant:
„Mensch ist von Natur aus kein soziales Wesen.“ Es herrscht eine „Furcht vor der Berührung“ zu
Anderen. Canetti sagt, dass einzig in der Masse der Mensch diese Furcht überwinden kann, es
kommt zu einer sogenannten „Entladung“, dem Moment wo alle Menschen ihre Verschiedenheiten
„loswerden“ und sich gleich fühlen.  Führt zu einem Verlust der Individualität. Dies wird jedoch
positiv gesehen, da der Einzelne nicht mehr alleine dasteht.
In der Masse wird das „Andere“, das in der Welt draußen herrscht jedoch nun bewusster
wahrgenommen. Dieses „Andere“ wird als Bedrohung gesehen, da es Alternativen zu dem
Zustand der „Gleichheit“ zeigt. So will die Masse um das „Eigene“ vor der Zerstörung zu sichern,
1
das „Andere“ vernichten.
 Wenn man diese Theorie nun auf die Uni umschlägt, könnte man sagen, dass man als
einzelner Student auch als „Einzelkämpfer“ dasteht. Oft gegen die Mitstudenten um Plätze
in Lehrveranstaltungen oder im Hörsaal „kämpft“. Durch die Entstehung dieser Masse wird
dies jedoch aufgehoben und man kämpft gemeinsam gegen diese Zustände. „Das Andere“
= Politiker, die für die Zustände auf den Universitäten verantwortlich sind.

Universität Wien - „Die Zentrale“

Eine Struktur auf der Hauptuniversität ist ganz klar vorhanden.


Durch die ersten Beobachtungen wird klar, dass zwar keine „klassische“ Hierarchie vorhanden
ist. Die Struktur die sich hier entwickelt hat, wird als „ganz natürliches“ Miteinander gesehen. Es
herrschen keine „Gelüste“ nach Macht von Einzelnen, jeder Student will seinen persönlichen
Beitrag leisten, egal ob in einer AG, beim Zettel verteilen vor der Uni oder durch Mithilfe bei der
Essensausteilung.

Als Außenstehender ist der „Info-Point“ die erste Anlaufstelle, wo fast im Minutentakt neue
Informationen über den Ablauf der Besetzung eintreffen. Alle interessierten oder beteiligten
Studenten können sich an dieser Stelle Auskünfte bzgl. der täglichen Plenum- und
Diskussionsversammlungen holen. Es gibt sogar ein „Infoboard“ hinter dem Infostand, auf dem
täglich alle Veranstaltungen mit Uhrzeit und Ort für alle öffentlich aufgelistet zeigt.

Außerdem fällt hier bereits die Organisation und Vernetzung zwischen den Studenten auf.
Mittels Laptop werden alle Neuerungen sofort Online gestellt, man ist via eigens gestalteter
Homepage inkl. „Wiki“-Seite, „Facebook Fansite“, einem eigenem „Twitter“ Account und

1
Canetti, Elias: Masse und Macht, Claasen, Hamburg, 1960

5
zahlreichen Skype-Verbindungen mit vielen solidarisierten Unis in ganz Österreich vernetzt. Es
zeigt sich also eine enorme Wandlung der Kommunikation bei solchen Ereignissen. Nur durch
diese rasche und sich weitverbreitende Möglichkeit, war es auch möglich in einem kurzen Zeitraum
so viele Studenten zu mobilisieren.

Der eigens eingerichtete Presseraum neben dem Audimax ist Dreh- und Wendepunkt der
täglichen Anfragen von „Außen“. Hier werden Informationen für Journalisten und TV-Stationen
weitergegeben. Die Vernetzung ist hier auch ein enorm wichtiger Faktor, an jedem „Schreibtisch“
ist ein Laptop vorhanden, man ist auch per Telefon untereinander vernetzt. Was auffällt: Vor dem
Presseraum ist ein Aushang, auf dem vor der Veröffentlichung von „Informationen“ auf
Homepages, Blogs oder anderen Netzwerken gewarnt wird, da „Politiker, Polizei oder andere
Gegner“ auf diese Informationen zugreifen können. Man soll sich gut überlegen, was ich wo Online
stelle.

Auch wenn es auf der Hauptuniversität durch die enorm große Anzahl an Studenten anfänglich
zu Problemen bzgl. Übersicht der Arbeitsgruppen (etc.) gab, hat sich diese Problematik relativ
schnell aufgelöst. Die doppelten AGs haben sich zusammengeschlossen, so dass momentan etwa
120 Arbeitsgruppen alleine auf der Uni Wien tätig sind. Diese Gruppen sind ebenfalls durch eine
gut organisierte Struktur unterteilt, es sind AGs zu Themen wie „Aktionen“, „Inhalte“,
„Organisation“, „Vernetzung“ oder „Workshops“ vorhanden. Diese lassen sich weiter unterteilen, so
dass (fast) jeder Bereich der ganzen Unibewegung abgedeckt ist und man sich zu jedem Thema
an die verantwortlichen Studenten wenden kann. (Bsp.: Button AG, Chroniken „Was bisher
geschah“ AG, Forderungen AG, AG Online Kommunikation, Räume AG, Rechtshilfe AG,
Vernetzung Uni/Lehrende etc.)

Ein weiterer Punkt der sich durch die große Masse an Studenten an der Universität Wien
entwickelt hat ist, dass sich die Hauptuniversität mittlerweile als die „Zentrale“ in ganz Österreich
gilt. Von der Uni Wien entstehen die Ideen für Proteste auf den Straßen, durch deren Besetzung,
sind erst die Medien und die Allgemeinheit auf die Zustände die auf den Universitäten im ganzen
Land herrschen aufmerksam geworden und dies obwohl die Hauptuni nicht er Ausgangspunkt für
die Studentenproteste war. Schon einige Tage vor Beginn der Besetzung ist es zu einem
Studentenprotest auf der Akademie der Bildenden Künste gekommen.

Ebenfalls zu erwähnen ist die Situation mit der Österreichischen Hochschülerschaft. Nach
außen zeigt sich das Bild, dass die ÖH „nichts“ mit der Besetzung zu tun hat, da sie nicht durch die
ÖH begonnen hat. Intern steht die Hochschülerschaft jedoch hinter den protestierenden
Studenten, man teilt die Forderungen und Ansichten und arbeitet gemeinsam an Lösungen.

6
Die Akademie der bildenden Künste - Ausgangspunkt der österreichweiten Proteste

Wir schreiben das Jahr 2009 und im Oktober dieses Jahres startet eine Bewegung, die in dieser
Form schon lange nicht mehr existiert hat.
Seit vielen Jahren werden zwar die Missstände der Bildungspolitik in Österreich diskutiert und
angeprangert, jedoch fanden bis dato keine Aktionen statt, welche die Politik dermaßen in
Bedrängnis brachte, als das sie Maßnahme zur klaren Verbesserung der Zuständen herbeiführen
müsste. Zum momentanen Zeitpunkt erscheint es jedoch, als ob die laufenden Maßnahmen der
Universitäten und deren Solidarisierungsgruppen zu einer Änderung dieser Tatsache führen
könnten. Ein Versuch zu erklären warum dies so ist und von wem diese Aktivitäten ausgehen soll
durch ein Zitat von Elias Canetti eingeleitet werden:

Eine ebenso rätselhafte wie universale Erscheinung ist die Masse, die plötzlich da
ist, wo vorher nichts war. Einige wenige Leute mögen beisammen gestanden haben,
fünf oder zehn oder zwölf, nicht mehr. Nichts ist angekündigt, nichts erwartet worden.
Plötzlich ist alles schwarz von Menschen. Von allen Seiten strömen andere zu, es ist,
als hätten Strassen nur eine Richtung. Viele wissen nicht, was geschehen ist, sie
haben auf Fragen nichts zu sagen; doch haben sie es eilig, dort zu sein, wo die
Meisten sind. Es ist eine Entschlossenheit in ihrer Bewegung, die sich vom Ausdruck
gewöhnlicher Neugier unterscheidet. Die Bewegung der einen, teilt sich den anderen
mit, aber das allein ist es nicht: sie haben ein Ziel. Es ist da, bevor sie Worte dafür
gefunden haben: das Ziel ist das schwärzeste – der Ort, wo die meisten Menschen
beisammen sind.2

Wie im vorangegangenen Text erwähnt fand der Protest seinen Ursprung nach einer
Pressekonferenz der Akademie der Bildenden Künste Wien, am 20. Oktober. In der
Pressekonferenz wird angeführt, dass die Universitätspolitik im Sinne des Bologna Prozesses zu
einer Rückentwicklung des in den 70er Jahren begonnenen Demokratisierungsprozess der
Hochschulen führt.
Die Autonomie der Universitäten führt demnach nicht zu mehr Freiheit, sondern bringt die
Universitäten unter den Druck des kapitalistischen, marktorientierten Handelns von
Privatunternehmen.

2 Canetti, Elias: Masse und Macht, Claasen, Hamburg, 1960

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Studierende u. Lehrende der Akademie der bildenden Künste sprechen sich klar gegen eine
berufsorientierte Ausbildung für Künstler aus. Im Gegensatz zur Universität Wien war an der
Akademie der bildenden Künste die ÖH von Anfang an unmittelbar an den Protesten beteiligt.
Die Pressekonferenz war am 20. Oktober um 12:00 angesetzt. 25 Minuten später wird die Aula
der Akademie der bildenden Künste von Studierenden und Lehrenden besetzt. Weitere Proteste
werden angekündigt.
Am 22. Oktober um 8:30 finden sich die Protestierenden vor dem Wissenschaftsministerium ein,
um die Verhandlungen zwischen dem Rektor der Akademie der bildenden Künste, Stephan
Schmidt-Wulffen und Minister Hahn zu verfolgen.
Kritikpunkt hier ist der Ausschluss der Beteiligten Studierenden, denen es wichtig wäre über die
Form ihrer Ausbildung zu diskutieren. Zu Mittag desselben Tages versammeln sich Beteiligte des
Protests im Votivpark – ab hier bekam der gesamte Protest eine ungeahnte Dynamik.
Was zuerst nur ein Protestmarsch durch die Universität Wien werden sollte, mit einem Aufruf zur
Solidarisierung, führte kurzerhand zur Besetzung des Audimax und einer rasanten Ausbreitung der
Protestbewegung.
Im Gespräch mit Protestierenden der Akademie der bildenden Künste kommt auf, dass von
Anfang an schon Studierende anderer Universitäten an den Protesten der Akademie beteiligt
waren. Es gab am Anfang keine klare Aufforderung nach außen, die Proteste zu unterstützen und
es wird oft angeführt, dass manchen Menschen „einfach da“ waren. Diese Spontanität, welche im
Zuge dieses Protests immer wieder aufkam scheint auch eine treibende Kraft innerhalb der
Proteste zu sein.

Im Vergleich mit den anderen Universitäten erscheint der Protest der Akademie der bildenden
Künste von Beginn an besser strukturiert und organisiert. Sofort werden Gruppen eingerichtet, die
für den Ablauf des Protestes notwendig sind3. Die ersten AG's werden Gegründet. Sie tragen
Namen wie AG Essen, AG Aula, AG Dezentrale (schon in der Begrifflichkeit wollen die Protestieren
klar aufzeigen, dass es keine Hierarchien, bzw. keine „zentralen“ Anlaufstellen gibt, welche
prinzipiell den Verlauf des Protests steuern), AG Externe Vernetzung, etc.
Die AG „Externe Vernetzung“ ist für die interne Kommunikation zwischen den verschiedenen
Gruppen, bzw. Universitäten zuständig. So wie auch die anderen Universitäten via digitaler Medien
kommunizieren, tut dies auch die Akademie der bildenden Künste. Gegenseitige Information und
Aussprachen sollen dazu führen, dass sich nicht zu viele Aktionen überschneiden u. daher
gegenseitig die Unterstützer entziehen.
Jedoch unterscheidet sich die Akademie der bildenden Künste in ihrer Kommunikation von den
„großen“ Universitäten. Aufgrund der kleineren Struktur und eines persönlicheren Umgangs der

3 Hierzu ein Paper im Anhang, welches Abläufe und Strukturen der Akademie der bildenden Künste darstellt.

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Studierenden und Lehrenden untereinander, funktioniert die Kommunikation der Akademie der
bildenden Künste auch via Mobiltelefon. Kurzfristiges wird via SMS bekannt gegeben u.
Informationen werden zum Teil auch über Telefongespräche ausgetauscht.
An der Universität Wien wurde anfänglich auch versucht mit Telefonlisten zu arbeiten, aber hier
zeigte sich bald, dass nicht eine einzelnen Person rund um die Uhr zur Verfügung stehen kann und
aufgrund der nicht-bestehenden Strukturen, wechselten auch ständig die Zuständigkeiten.
Dies lässt sich jedoch auch auf die Akademie der bildenden Künste übertragen. Auch hier gibt
es Listen mit Menschen, welche Ansprechpartner für gewisse Bereiche sein sollen, die sich jedoch
aus welchen Gründen auch immer, nicht mehr am Protest beteiligen, bzw. ihn nicht mehr in dieser
Form unterstützen.
Aufgrund der Tatsache, dass es keine klar strukturierte Protestaktion war, lässt sich annehmen,
dass die enormen organisatorischen Kräfte, die im Zuge dieses Protestes freigesetzt wurden und
werden, auf der Freiheit der Einzelnen beruhen, bzw. in der Auflösung in einer annähernd
interessensgleichen Masse.
Um wieder auf Elias Canetti zu verweisen soll der Begriff der „Leitung/Führung“ kurz betrachtet
werden. Sigmund Freud und Gustave Le Bon (französischer Arzt4) prägten den Begriff der
„Massenpsychologie“. Jedoch gingen diese beiden Wissenschaftler mehr von einer negativen
Konnotation des Begriffs aus. Freud bringt den Begriff der Masse mit dem der Beeinflussung
zusammen und zeigt eine libidinöse Bindung an etwaige Führer auf und Le Bon spricht gar von
einer „Regression des Verstandes auf das Niveau von Wilden“5.
Canetti hingegen meinte, dass die Masse keiner Führung bedarf und Beweis dafür sind die
Universitätsproteste dieser Tage. Vieles in dieser Protestbewegung funktioniert wahrscheinlich so
gut, gerade weil keine „Führung“ gegeben ist. Den Einzelnen (Bspl. AG's) ist es möglich aktiv zu
sein und zu werden, aufgrund der Tatsache, dass sie eine Masse hinter sich stehen haben, die
gemeinsam eine Straße entlang gehen, wenn auch nicht jeder die gleichen Forderungen stellt.

Einzig in der Masse, diesem von „Affekten“ geleiteten Gebilde verliert der Mensch
seine Furcht vor der Berührung, kann es zu einem Zustand der „Entladung“ kommen,
zu dem Moment, an dem alle „ihre Verschiedenheiten loswerden und sich als gleiche
fühlen“ 6

Die Protestbewegung der Akademie der bildenden Künste geht so weit, dass sie nicht nur die
Bildungspolitik hinterfragen, sie gehen sogar so weit, dass sie sich gesamtgesellschaftlichen

4 http://de.wikipedia.org/wiki/Gustave_Le_Bon
5 http://de.wikipedia.org/wiki/Masse_und_Macht
6 Ebd.

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Problematiken7 entgegen stellen und auch die beteiligten anderen Universitäten zeigen in
Diskussionsrunden, AG's und anderen Aktivitäten einen gesamtgesellschaftlichen Zusammenhang
der Thematik auf.

TU Wien

http://unsereuni.at/wiki/index.php/Main_Page
http://www.pressetext.at/pte.mc?pte=091105029

http://tu-brennt.at/wiki/Hauptseite

Die Protestbewegung wurde von den Architekturstudenten ausgehend in die Technische


Universität getragen. Vertreter der TU waren bereits auf der Protestveranstaltung der Akademie
der Bildenden Künste zugegen. Auf der Technischen Universität wurde eine Vollversammlung
abgehalten bei der beschlossen wurde sich den Protesten anzuschließen und den Hörsaal zu
besetzen. Seit 27.10.2009 ist der Hörsaal C1 durch Studenten besetzt.
Die Technische Universität hat sich somit erst einige Tage nachdem Studenten bereits das
Audimax besetzt hat den Protesten offiziell angeschlossen, verhalten sich zu den Studierenden an
den anderen Universitäten hinsichtlich der Forderungen solidarisch, arbeiten jedoch auch TU
spezifische Problemstellungen aus.
Kommunikationsstrukturen wurden rasch aufgebaut - eine eigene WIKI-Seite wurde eingerichtet
und die Kommunikation wurde zu einem großen Teil in das Netz verlegt und über den
elektronischen Weg abgewickelt.
Universitätsübergreifende Arbeitsgruppen wie Sexismus sind auch auf der TU zu finden. Die
Ergebnisse der Arbeitsgruppen werden wie an der Universität Wien im Plenum besprochen.

Die Studierenden produzieren universitätsspezifische Ansteckbuttons mit den Slogans: TU


brennt, TU Was++ aber auch generische Buttons „VÜR MEER BIELDUNG“ um den Anschluss an
die Protestbewegung nach außen zu tragen (erhältlich beim Infopoint vor dem Hörsaal C1).

7 http://www.malen-nach-zahlen.at/?page_id=97

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Die Organisation der Proteste ist gut strukturiert vor dem Hörsaal befindet sich analog zur
Universität Wien ein Infopoint der als Anlaufstelle für die interessierten Studenten und
Organisationszentrale dient.
Neben den Mitgliedern von Studienrichtungsvertretungen sind auch Studenten der Basis
vertreten, die an der Besetzung des Hörsaales teilnehmen. Viele Studenten sind auch via Live
Webstream mit dabei – so war dies z.B. die Möglichkeit für einen Studenten, der krank wurde
trotzdem Teil der Protestbewegung zu bleiben.

Kritisiert wurde vor allem die Zurückhaltung der ÖH Vertretungen an der TU – hier ist die GRAS
eine der führenden Studentenvertretungen – die jedoch nach Ansicht der Studenten nicht die
erwartete „Protestbereitschaft“ gezeigt hat.

Es werden laufend Informationen und Mobilisierungsaufforderungen von den


HörsaalbesetzerInnen an alle Studenten der TU Wien versendet (siehe folgende Emails vom 05.
November und 11. November an alle Studierenden der TU Wien).

Forderungen der TU (siehe TU brennt WIKI):


Zentrale Forderungsbereiche:
Freier Bildungszugang für alle
Gegen Ökonomisierung von Lehre und Forschung
Für Demokratisierung der Universitäten
Ausfinanzierung der Universitäten

Unterpunkte:
Diskussion: Forderungen
konkrete Forderungen für Informatik
Datensammlung der AG Gesellschaftsbild Bildungsgesellschaft

Wie an den anderen Universitäten wurden Arbeitsgruppen gebildet – jede/r StudentIn kann eine
Arbeitsgruppe gründen. Registrierung erfolgt über den Infopoint.
Die Arbeitsgruppen werden in die Obergruppen Inhalte, Organisatorisches und Andere.

Untergruppen der Arbeitsgruppe INHALTE:


Forderungen / Inhalte
Daten und Faktensammler der Studienrichtung Maschinenbau
Gesellschaftsbild Bildungsgesellschaft

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Plenum
Podium / Einladungen
Demo
Mobilisierung (Flyer, Plakate, Aktionen)
Auf-Druck T-Shirts
Presse / Öffentlichkeitsarbeit
Vernetzung Extern (andere Unis, etc.)
Vernetzung mit SchülerInnen & Lohnabhängigen
Brieftaube
Solidarisierung/Lehrende
Lehramt
Alternative Lehrveranstaltungen - squatting teachers
Untergruppen der Arbeitsgruppe ORGANISATORISCHES:
Infopoint / Interne Vernetzung
Aufbau interner Strukturen
Erste Hilfe
Essen
Müll / Reinigung
IT
Internes Krisenmanagement
Untergruppen der Arbeitsgruppe Andere:
Abendplanung
Fahrradselbstreparatur
Musik

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Anhang

Quelle:
http://www.malen-nach-zahlen.at/?page_id=444

ABLÄUFE und STRUKTUREN bei der AKADEMIE-BESETZUNG

- VORBEREITUNG vor der BESETZUNG


- PLENUMS-STRUKTUR
- ORGA-STRUKTUR
- DIE AG´s
-AG DEZENTRAL
-AG FEM. THEORIE UND GESELLSCH. EINBETTUNG
-AG AKTIONEN
-AG VERNETZUNG EXTERN
-AG PRESSE
-AG DOKUMENTATION
-AG TECHNIK
-AG FORDERUNGEN
-AG ESSEN
-AG AULA (Programm)

-„VERANTWORTUNG…“
- MAIL-ADRESSEN

VORBEREITUNGEN vor der BESETZUNG:

- Schlafraum bzw. ggf. Dusche organisieren, Klopapier kaufen im schlimmsten Fall ggf. Dixie-Klo
für Besetzung organisieren
- Homepage und Presseaussendung vorbereiten
- Flyer mit „der Hörsaal ist besetzt“ vorproduzieren
- Flyer mit inhaltlichen Forderungen vorproduzieren ggf später aktualisieren
- Techn. Equipment für Verständigung im Plenum (Funk-Mikro is supa) organisieren
- Essen und Getränke (Zentralschlüssel Wien & Müllschlüssel organisieren)
- Kohle aufstellen (ÖH anzapfen)

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- am Eingang der Besetzung haben wir eine Info-TZisch eingerichtet
- Transparente vorbereiten
- Mailaussendung an Student_innen. Lehrende. allg. Personal, Presse vorbereiten…
- Bemühung um Solidarisierung mit Lehrenden – in besetzten Raum LVs o.ä. zu bringen,
in den LVs wurde spontan auf die bestehende Situation reagiert, Workshops zu Protesten usw.
- Pressekonferenz zu Besetzung vorbereiten

Der Besetzung ist eine Vollversammlung vorangegangen, wo einige Personen die Besetzung
stark gemacht haben.

Am 1. Tag gab es eine kleinere Party mit wenig Alkohol – danach versuchten wir uns auf unsere
Arbeit zu konzentrieren. Nach zwei Tagen Besetzung und vorhergehender Vorbereitung waren die
inneren Orga-Leute zum großen Teil übermüdet und krank. Deshalb organisierten wir die
Arbeitsgruppen erneut mit wesentlich mehr Leuten, die sich im Laufe der wenigen Tage unserem
Protest aktiv anschlossen. Rücksicht auf Student_innen mit existenziellen Pflichten wie Prüfungen
usw. nehmen.

Es gab am ersten Abend mit der Party-Situation tlw. Probleme (siehe weiter unten
Verantwortung)
PLENUM-STRUKTUR:

- jeden Tag um 18h ct. Plenum (mind. 2 Stunden anberaumen)


- Moderation mit Redner_innenliste
- am Anfang werden Besprechungspunkte gesammelt
- die Arbeitsgruppen machen Berichte über ihre Arbeit, was sehr produktiv ist, da es für alle die
Möglichkeit gibt sich einzubringen und Vorschläge/ neue Ideen zu machen
- zwischen den AG-Berichten haben wir Raum für spontane Diskussionen und anfallend
allfälliges gelassen, da haben wir aba auch aufpassen müssen, dass es nicht ausufert
-daher haben wir die Erfahrung gemacht Zeitfenster zu achten – damit für ALLE Punkte Zeit und
Konzentration übrig bleibt
-protokollführung (Protokoll vom Vortag wird ausgedruckt und bei Plenum am Folgetag verteilt,
damit wir nichts vergessen)
-Reinigungsgruppe: während Plenum wird aufgerufen, dass sich Personen am näxten
morgendlichen Aufräumen beteiligen – so sind nicht immer dieselben Personen verantwortlich

ORGA-STRUKTUR:

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-es haben sich Arbeitsgruppen zu 4-10 Personen gebildet (wobei darauf zu achten ist, dass es
zu keiner Spezialisierung kommt, dh. dass nicht immer alle Leute viele Tage dieselben Aufgaben
erledigen müssen – abwiegen zwischen Anerkennung von Kompetenzen und Wissenshierarchie –
dafür die AG-Berichte und der Versuch Informationen über den Arbeitsprozess der AG möglich
transparent zu halten damit Leute „einsteigen“ können)
-ein anderer Punkt ist die Gender-Parität in den Gruppen (bspw. waren am Anfang in der AG
Essen viele Frauen* - da liegt es an den Männern dagegen zu steuern und an den Frauen sich zu
weigern)
- Ansprechpartner_innnen in den AGs - 1Kontaktperson pro Gruppe ggf. im Rotationsprinzip
(Telefonnummer, Email) außerdem wurde eine Email-Adresse pro AG eingerichtet

Die AGs:

AG DEZENTRAL:
„zentrale Kommunikationsstelle für interne Kommunikation“:
-homepageaktualisierung (Soliaufruf nicht vergessen bzw. Reiter für Soli-Erklärungen von
anderen Orga-s und selbst auch Soli-Erklärungen mit anderen Orga-s artikulieren)
-es gibt an einen klar ersichtlichen Ort (in unserem Fall im Streik –Büro) Mappen: eine Mappe
mit Kontaktadressen der AGs und weiteren Kontakten (externe Vernetzung, Protokolle von Plena
etc.) in der anderen Mappe befinden sich Infos der AGs (Protokolle, allg. Infos etc, diese Infos
auch immer digital an die ALLE-Liste – gefiltert von AG DEZENTRAL)
- alle wichtigen Infos der einzelnen AGs gegen an die AG DEZENTRAL (zb wenn etwas auf die
Homepage gestellt werden soll, wenn Programm upgedatet werden soll etc.)

AG THEORIE:
einer der Schwerpunkte der AG Theorie ist eine feministische Perspektive einzunehmen.
Gesamtgesellschaftliche Einbettung der Proteste, Solidarisierungstexte, theoretische Texte,
Links zu Bildungspolitischen Homepages,…

AG AKTIONEN:
Aktionistische Planungsgruppe( Umsetzung mit weiteren Personen),Demos, Aktionen usw

AG VERNETZUNG EXTERN:
- Kontakte, Austausch und Vernetzung mit anderen UniProtestGruppen und darüber hinaus
- Momentan Kontakt mit UniWien über Live-Video-Stream per Skype
(die Überlegung, dass die Live-Konferenz mit allen Besetzten Unis um 18.30Uhr synchronisiert
stattfinden kann)

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- alle gesammelten Kontakte sollen den anderen AG`s je nach Tätigkeitsbereich weiter geleitet
werden, damit ein Austausch zwischen den AG`s unterschiedlicher Unis stattfinden kann…
voneinander lernen!

AG PRESSE:
- ab morgen wird ein Person per Wertkarten-Handy erreichbar sein, diese verteilt Interview-
Termine je nach Anfrage (Verantwortlichkeit im Rotationsprinzip):
- Die Person meldet sich mit “Besetzte Akademie – Guten Tag“
- …nicht eine einzelne Person aus der AG PRESSE ist Interviewpartner_in, (Personalisierung
der Proteste verhindern!), sondern alle der AG PRESSE sollen sich einbringen (können).
- Wichtig ist darüber bescheid zu wissen welche Person sich für welche Anfrage interessieren
könnte, wo ihre Kompetenzen liegt (tauscht euch aus) –auf Genderparität achten!
- Presseaussendungen verfassen (anfangs täglich)
z.B.: für Montag sind Aktionen geplant, eine Presseaussendung für Dienstag wird schon vorher
vorbereitet
- Übersetzungen: auf alle in Englisch übersetzen, wenn möglich in möglichst viele Sprachen (es
kommen auch schon Angebote/Anfragen)
- Betreuung der Hompage-Mail-Adresse

AG DOKUMENTATION:
- Die Gruppe filmt, schneidet und fotografiert (und macht Gesichter ggf. unkenntlich)
- Überlegung: Selber Video-Clips zu Situationen zu produzieren die Medienpartner_innen
verwenden können (Selbstdefinition der Proteste ohne Färbung der Medienberichterstattung)
!J- Gemeinsam Ergebnis angucken und reflektieren

AG TECHNIK:
- Infrastruktur vorbereiten (z.B.: PC, Internet, Beamer etc.)
- Steht in Kommunikation mit ZID (zentraler Informatik Dienst an der Akademie - stellen z.B. W-
LAN-Router für externe Gäst_innen-Zugang zur Verfügung…)

AG FORDERUNGEN:
Der Forderungskatalog wurde in drei Kategorien unterteilt:
- Forderungen ans Rektorat
- Forderungen an den Unirat
- Forderungen an Verantwortliche der Bildungspolitik (Bundesregierung, Ministerien etc.) bzw.
gesamtgesellschaftliche Einbettung
Bezüglich gesamtgesellschaftliche Einbettung: die AG FEMINISTISCHE THEORIE &

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GESELLSCHAFTLICHE EINBETTUNG kümmert sich in Absprache und Unterstützung mit der AG
FORDERUNGEN um die gesamtgesellschaftliche Einbettung (z.B. Arbeitsbedingungen des Uni-
Personals, Diskriminierungs-Formen – Sexismus, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus…)

-> Ein Teil der Plena sind Diskussionen über Inhalte der Forderungen und der inhaltlichen
Einbettung/Theorieproduktion
- geplant sind inhaltliche Diskussion mit Protokollierung, Workshops, Screenings mit
Diskussion etc. bei dem der Kontakt mit Gruppen/Initiativen/Projekten aus Nicht-Universitärem-
Umfeld forciert werden möchte (AG EXTERN…)

AG ESSEN:
(What we need: Geschirr, Kochplatten, Wasserkocher, Essen, ggf. Wasserspender, ggf. Klopapier)
- geplant: Dumpstern – von Supermarkt-Ketten weggeworfenes Essen „Recyclen“, optimal
wäre gemeinsam mit anderen Aktiven einen „Dumpster-Plan“ für Wien zu entwickeln

AG AULA/(PROGRAMM)

- kümmert sich um das Veranstaltungs-Programm


- aktiv versuchen solidarische Lehrpersonen einzuladen die ihre Lehrveranstaltungen in den
besetzten Räumlichkeiten abhalten wollen (wichtig: offen für Alle, thematischer Schwerpunkt
bezüglich Protest/Besetzung, alternative pädagogische Konzepte – keine One-to-Many Situation –
Diskussion, Inputs etc.)
- kümmert sich darum eine möglichst angenehme und adäquate Raumsituation während der
Besetzung zu schaffen (Koordinierung der Veranstaltung, Schlafmöglichkeiten, mehr Gemütlichkeit
- Hängematten etc.)

„VERANTWORTUNG…“

Bei der Besetzung wurde die Protest-Form „Besetzung“ am ersten Tag von einigen
missverstanden, tlws. wurden Plena mit „Party-Geprächen“ gestört, die Räumlichkeiten zugemüllt
usw. Es wurde im Rahmen des Plena von einigen Personen darauf aufmerksam gemacht dass
möglichst alle Personen gemeinsam Verantwortung übernehmen, und es absolut okay ist, wenn
mensch Personen bei beschissenem Verhalten zur Rede stellt. Anwesende Personen die an den
Plena scheinbar kein Interesse hatten, diese aber durch Privatgespräche hörbar störten, wurden
direkt angesprochen und eingeladen sich beim Treffen einzubringen.

Die MAIL-ADRESSEN der einzelnen Gruppen für Austausch/Kontakt/Mitmachen:

20
Fehler! Linkverweis ungültig.
aktion@malen-nach-zahlen.at
vernex@malen-nach-zahlen.at
aula@malen-nach-zahlen.at
theory@malen-nach-zahlen.at
doku@malen-nach-zahlen.at
essen@malen-nach-zahlen.at
forderungskatalog@malen-nach-zahlen.at
presse: contact@malen-nach-zahlen.at

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INTERNE ORGANISATION

Michel Reimon | Kristina Pilz


WS 2009/2010

Student/Innenbewegung 2009

Kommunikationsstrukturen und Entscheidungsfindung


dargestellt anhand des Plenums und der Arbeitsgruppe Forderungen

Verena Grether
Roman Sonnberger
Sabine Weinberger

22
INHALTSVERZEICHNIS

1. AG Forderungen.................................................................................................................... 24
1.1. Organisation der AG Forderungen ............................................................................... 24
1.2. Entstehung des Forderungskataloges ......................................................................... 24
1.3. Kommunikations- und Organisationsstruktur der Arbeitsgruppe „Forderungen“ -
Beobachtung vom 31.10.2009.................................................................................................. 25

2. Plenum ................................................................................................................................... 27
2.1. Selbstverständnis des Plenums ................................................................................... 27
2.2. Entstehung des Plenums .............................................................................................. 28
2.3. Organisation des Plenums ............................................................................................ 29
2.4. Ablauf eines Plenums - Beobachtung am 7.11.2009 ................................................... 30

3. Interaktion Plenum und AGʻs............................................................................................... 31

4. Resümee ............................................................................................................................ 31

5. Interviews .............................................................................................................................. 33

23
1. AG Forderungen

Aktuell8 existieren zwei Forderungskataloge, wobei der erste konkret an die Universität Wien
gerichtet ist. Dieser behandelt Forderungen, die auf der Ebene der Universität durchgesetzt
werden sollen. Der Allgemeine Forderungskatalog spricht im Unterschied dazu die österreichische
Politik an.9

1.1. Organisation der AG Forderungen

Zu Beginn der Student/Innenbewegung waren etwa 12 Personen Teil der Arbeitsgruppe.


Grundsätzlich ist die Arbeit dieser AG stark von der personellen Fluktuation geprägt. Dies bringt
zwar Vorteile mit sich, da sich immer wieder neue Leute mit den Forderungen auseinandersetzen.
Andererseits „sind aber auch teilweise sehr progressive Sachen wieder raus genommen worden“.
Zudem stoßen immer wieder Personen dazu, die eine Diskussion anstreben, wie beispielsweise
dass man alles auf die Forderung Geld reduzieren sollte, weil das die Leute draußen verstehen
würden. Das war den meisten Mitgliedern der Arbeitsgruppe zu simpel, woraufhin sehr lange über
dieses Thema diskutiert wurde. Dadurch wurde der Fortschritt aufgehalten, was möglicherweise
dazu geführt hat, dass die meisten Personen nicht länger als fünf Tage in dieser Gruppe
verblieben.
Einen Chef/In für die AG Forderungen existiert nicht, allerdings werden organisatorische
Funktionen eher von Personen übernommen, die etwa schon beim letzten Mal anwesend waren.
Grundsätzlich ist es teilweise schwierig, einen Konsens herzustellen, weil der Prozess durch die
starke Fluktuation der Leute unterbrochen wird.10

1.2. Entstehung des Forderungskataloges

Der aktuelle Forderungskatalog baute ursprünglich bereits auf älteren Katalogen auf, solche
existieren zum Teil seit Jahren, auch die ÖH war und ist sehr qualifiziert darin, Kritik am
derzeitigen Bildungssystem zu üben. Zu Beginn wurden die Forderungen mehr oder weniger
schlagwortartig von einem Flyer auf der Akademie übernommen, wobei auch dieser Flyer in
Kooperation mit Personen der Uni Wien entstanden war. Daraufhin bildete sich die AG
Forderungen. Zuerst ging es noch nicht darum, den Katalog zu erweitern, sondern sich kritisch

8
Stand: 11.11.2009
9
vgl. http://unsereuni.at/?cat=8.
10
Interview mit Tom.

24
damit auseinanderzusetzen, was man nach außen vermitteln wolle. Die Schlagworte sollten
Substanz erhalten, damit auch Leute außerhalb der Universität verstehen, was damit gemeint ist -
auch ohne ein spezielles Wissen von der Materien zu haben. Zu Beginn ging es also darum, zu
definieren, wie die Gruppe selbst die Forderungen versteht.11

Der erste Katalog beinhaltete folgende Forderungen12:

 Re-Demokratisierung und Stärkung der Mit- und Selbstverwaltung in allen


Bildungseinrichtungen!
 Ausfinanzierung der Unis!
 Selbstbestimmtes Lernen und Leben ohne Konkurrenz- und Leistungsdruck!
 Freie Masterzugänge!
 Keine verpflichtende STEPS!
 Abschaffung aller Bildungs- und Studiengebühren!
 Keine Aufnahmeprüfungen!
 Unabhängige Lehre und Forschung!
 Schluss mit prekären Dienstverhältnissen für Lehrende, Angestellte und ArbeiterInnen!
 Genug Studienplätze für alle!
 Abschaffung der Erweiterungscurricula!
 Flexible und selbstbestimmte Studienpläne!

1.3. Kommunikations- und Organisationsstruktur der Arbeitsgruppe „Forderungen“ -


Beobachtung vom 31.10.2009

Von einem Mitarbeiter der Pressestelle bekamen wir einen Hinweis auf ein Treffen der
Arbeitsgruppe Forderungen um 14:00 Uhr sowie zwei Namen und Telefonnummern von
Ansprechpartner/Innen. Als wir uns zur angegebenen Zeit an besagtem Ort (HUS) einfanden,
mussten wir feststellen, dass außer uns noch niemand seinen Weg hierher gefunden hatte und der
bezeichnete Raum abgesperrt war. Vor dem Gebäude wartend, gesellten sich mit der Zeit mehrere
Kollegen zu uns, wobei niemand Näheres darüber wusste, ob das Treffen tatsächlich hier
stattfinden würde und wer verantwortlich sein würde.

11
Interview mit Tom.
12
Email von der ÖH an alle Studierenden der Universität Wien, 22.10.09.

25
Beide Ansprechpartner/Innen wurden angerufen, eine Kollegin war erkrankt, ein zweiter teilte uns
mit, er wäre Teil einer anderen Gruppe, die sich zwar ebenfalls mit den Forderungen, jedoch mit
dem Thema der konkreten Umsetzung jener befasste.
Etwa 25 Minuten nach 14:00 Uhr erschien eine Kollegin, die einen Schlüssel für den Raum hatte,
mittlerweile waren ungefähr 10 bis 15 Personen versammelt. Nachdem man sich in den Raum
begeben und sich jeder kurz vorgestellt hatte, wurden erste Rollen verteilt. Eine Kollegin, die mit
einem Laptop ausgestattet war übernahm das Protokoll, eine andere führte eine Redner/Innenliste.
Einer der anwesenden Kollegen war ein Rechtsanwalt, der sich anbot, die Forderungen auf
eventuell auftretende rechtliche Problematiken hin zu untersuchen. Die Kollegin mit dem Schlüssel
fragte, ob jemand anderer moderieren möchte, „weil das muss nicht unbedingt ich machen, nur
weil ich den Schlüssel hab“. Im Endeffekt übernahm sie im Laufe der Zeit informell trotzdem diese
Position, was unter anderem auch daran lag, dass sie einen Informationsvorsprung gegenüber den
anderen Teilnehmer/Innen der Arbeitsgruppe hatte. So bot sie den Anwesenden kurz einen
Überblick darüber, was bis jetzt geschehen sei und informierte über die Tatsache, dass sich eine
Untergruppe gebildet habe, die sich mit den Zahlen auseinandersetzte.
Danach wurde eine Diskussion darüber gestartet, was zu tun sei und in welche Richtung der
Forderungskatalog entwickelt werden sollte. Noch im Anfangsstadium der Diskussion kamen
weitere Personen hinzu, die sich ebenfalls kurz vorstellten. Die Diskussion verlief schließlich sehr
geordnet, indem sich jeweils die Personen mit Handzeichen meldeten, sobald sie eine Aussage
kommentieren wollten, die Kollegin mit der Redner/Innenliste notierte die Reihenfolge und vergab
das Wort an die jeweiligen Personen. Nach etwa eineinhalb Stunden wurde die Diskussion
vorläufig beendet, und es wurden Arbeitsgruppen gebildet.
Grundsätzlich können folgenden Charakteristika der Organisation und Kommunikation festgehalten
werden: Die Tatsache, dass es sich nicht um formalisierte und geregelte Kommunikationsabläufe
handelt führt bisweilen dazu, dass die Kommunikation zwischen verschiedenen Arbeitsgruppen
oder daran teilnehmenden Personen chaotisch verläuft - so gibt es keine festen Mitglieder der AG
Forderungen, die bei jedem Treffen anwesend waren, und wir erhielten von der Pressestelle
Fehlinformationen bezüglich der Ansprechpartner/Innen für das besuchte Treffen. Die Fluktuation
der teilnehmenden Personen ist äußerst hoch, so eine der teilnehmenden Personen: „Inzwischen
komplett andere Leute, ich glaub niemand ist mehr von den ersten Treffen da“. Auch blieb
teilweise unklar, was genau die zweite Gruppe behandelt und inwiefern sich die beiden
Arbeitsgebiete überschneiden. Diese fehlende Vernetzung birgt grundsätzlich die Problematik von
Redundanzen in der Arbeit. Das Fehlen von fixen Ansprechpartner/Innen (bis zum Zeitpunkt
unserer Beobachtung haben sich solche in der Gruppe AG Forderungen offenbar nicht
herausgebildet) verbessert diese Situation nicht.

26
Auch entstand der Eindruck, die Gruppe hätte gerne noch länger diskutiert, wurde dann aber von
der Kollegin mit dem Schlüssel darauf hingedrängt, sich in Arbeitsgruppen einzufinden und an der
Gestaltung/Formulierung des Forderungskataloges zu beginnen. Dies dürfte daran liegen, dass
Personen, die neu dazukommen, gerne über das Thema diskutieren möchten, wohingegen solche,
die öfters am Thema arbeiten, eher die weitere Arbeit im Auge haben beziehungsweise schon über
ähnliche oder gleiche Themen diskutiert haben.
Andererseits kann festgehalten werden, dass trotz der teilweise chaotischen Organisation der
Treffen durchaus ein Fortschrittsprozess innerhalb der Arbeitsgruppe stattfindet, auch unabhängig
von hohen personellen Fluktuationen. Die Kommunikation innerhalb der Gruppe verlief geordnet
und sachlich. Die Organisation der AG Forderungen stützt sich also offenbar mehr auf
Arbeitsstrukturen denn auf handelnde Personen.
Auch in einem grundsätzlich basisdemokratischen Arbeitsverhältnis ohne formale Machtstrukturen
bildet sich eine Rollenverteilung, hier vor allem durch Informationsvorsprung.

2. Plenum

2.1. Selbstverständnis des Plenums

Die regelmäßige stattfindenden Plena im Audimax sollen verschiedene Funktionen erfüllen und
gehen vor allem von den Arbeitsgruppen aus.
Bei den Plenumsvorbereitungen werden kurze Ankündigungen, wichtige Diskussionsfragen, die
alle betreffen und Anträge zu Abstimmungen von ein bis zwei Personen (bei zwei Personen muss
mindestens eine Person weiblich sein) der AGs vorgebracht. Die wichtigsten Fragen werden dann
nach Priorität gereiht. Aus Zeitmangel können jedoch nicht alle Themen oder Fragen behandelt
werden. Das Ziel der Diskussion ist jedoch vielmehr eine gemeinsame Meinungsbildung, denn eine
Entscheidungsfindung.
Die Plenumsvorbereitung beginnt täglich zwei Stunden vor Plenumsbeginn im USI, das Plenum
selbst wird ebenfalls täglich zu einem fixen Zeitpunkt eröffnet und ist strukturiert in13:

 Ankündigungen, Infos:
Hier werden Tagesordnungen vorgestellt und organisatorische Dinge geklärt.
 Diskussion:
Die Diskussion soll nicht entscheidungszentriert gestaltet werden sondern vielmehr Raum
für Argumentationen schaffen. Sie wird mit ein bis drei wichtigen Fragen, die alle betreffen

13
Der Infopoint stellte uns eine gedruckte Ausgabe des „Plenums-Vorschlag“ zur Verfügung.

27
eröffnet. „Tuschelrunden“ (kurze leise Gesprächsrunden mit drei bis sieben Personen, die
in der Nähe sitzen) sollen sodann zwecks Meinungsbildung geführt werden. Die Themen
werden danach in 20 bis 30 Minuten diskutiert.
 Anträge:
Wichtige Anträge, die Richtungsentscheidungen betreffen, sollen hier zur Abstimmung
gelangen. Ein Beschluss ist endgültig, Änderungen oder Abschaffungen der
Entscheidungen müssen jedoch täglich möglich sein.

2.2. Entstehung des Plenums

Ganz zu Beginn war kaum so etwas wie eine Organisation vorhanden, eine solche bildete sich erst
mit dem ersten Plenum14. Anfangs drängten sich Leute nach vor, die etwas zu sagen hatten,
irgendwann hieß es: „Machen wir ein Plenum.“. Relativ schnell ging es dann am Abend darum, zu
besprechen, wie es weitergehen sollte, was das Ziel sei. Daraufhin bildete sich eine sogenannte
Orga-Gruppe, die sich in einem Raum versammelte und versuchte, zu diskutieren und danach eine
Tagesordnung für das Plenum zu schaffen. Anfangs gab es kaum Basisdemokratie, sondern
Personen stellten sich auf die Bühne und wollten rasche Abstimmungen erzwingen. Am ersten Tag
bestand die Orga-Gruppe aus ca. 40 Personen, am zweiten Tag ließ sich ein Komitee von sechs
Personen wählen, welches das Plenum vorbereitete. Die Zahl der Teilnehmer/Innen vergrößerte
sich dann wieder - es dauerte etwas, bis sich diese Situation eingependelt hatte. Nach wie vor
existieren allerdings Unstimmigkeiten zwischen Personen, die zentralistische Strukturen
anstreben und solchen, die flache Hierarchien bevorzugen. Auch gibt es Diskussionen zwischen
Fraktionen, die längere Diskussionen wünschen, um zu gemeinsamen Entscheidungen zu
kommen, und anderen, die möglichst rasche Abstimmungen erreichen wollen.15
Von Beginn an wurden jedoch Entscheidungen durch das Plenum getroffen. Es gab zwar eine/n
Moderator/In, der/die sich allerdings meist spontan gefunden hatte und das Plenum fragte, ob es in
Ordnung sei, wenn er/sie die Moderation übernimmt. Außerdem wurde von einer Person eine
Redner/Innenliste geführt, an diese Person konnte man sich wenden, wenn man etwas zu sagen
hatte, wobei sich anfangs nicht alle daran hielten16.

14
Interview mit Luca Hammer.
15
Interview mit Tom.
16
Interview mit Luca Hammer.

28
Nach Weick (1985) steht zu Beginn einer Gruppenbildung nicht das gemeinsame Ziel im
Vordergrund, sondern der persönliche Nutzen der einzelnen Individuen. Die Gruppe bzw. soziale
Organisation ist zunächst nur ein Mittel für die Beteiligten, deren eigenen Ziele zu erreichen.17

„Wenn die Mitglieder einmal über die ineinandergreifenden Tätigkeiten als Mittel zur
Erreichung verschiedener Ziele übereinstimmen, tritt eine subtile Verschiebung weg von
verschiedenartigen Zielen hin zu gemeinsamen Zielen auf. Die verschiedenen Zielen
bleiben bestehen, werden aber einem entstehenden Satz von gemeinsamen Zielen
untergeordnet.“18

2.3. Organisation des Plenums

Nach mehreren Plena wurde teilweise die Struktur derselben in Frage gestellt,19 worauf sich nach
etwa einer halben Woche die AG Plenum bildete, die versuchte, das Plenum zu optimieren und
auch Vorschläge dafür entgegennahm. Die AG erarbeitet Verbesserungen und bringt sie als
Vorschlag wiederum ins Plenum ein: „Wird die neue Struktur angenommen (manchmal mit
Abänderungen, manchmal ohne) wird sie direkt angewandt.“20
Die Kommunikation verbesserte sich im Laufe der Zeit, wobei das Wiki einen wichtigen Beitrag
dazu lieferte. Dort ließen sich erstmals alle AGʻs abbilden, mittlerweile wird es immer mehr genutzt
und sorgt dafür, dass Prozesse überschaubar und transparent bleiben. Fortschritte gab es auch
bei der Redekultur im Plenum, so müssen beispielsweise Redner/Innen, die nichts zum Thema
beitragen, die Bühne verlassen. Außerdem wurden mit der Zeit Regeln definiert; sehr bald wurde
etwa entschieden, dass per Handzeichen abgestimmt wird. Seit kurzen müssen Anträge
mindestens zwei Stunden vor Beginn des Plenums im Wiki stehen, es gibt eine gegenderte
Redner/Innenliste, Eilanträge müssen begründet werden. Weiters existiert eine Veto-Möglichkeit,
die einen Antrag jedoch maximal um einen Tag verzögern kann21. Nachteile des Vetos sind, dass
sich teilweise Entscheidungen sehr verzögern können, da bereits mit einem Veto die
Entscheidungen nicht mehr per Mehrheitsbeschluss gefasst werden können. Andererseits konnten
durch das Veto öfters unüberlegte Anträge durch Argumente verbessert werden.22
Angekündigt werden Plena jeweils im vorangegangenen Plenum, außerdem sind die Termine auf
der Website und im Wiki verzeichnet. Außerdem werden sie häufig von User/Innen über Twitter
angekündigt. Man kann grundsätzlich davon ausgehen, dass jeden Tag zwischen 18:00 und 20:00

17
Sperka, Markus: Psychologie der Kommunikation in Organisationen, Essen 1996: S. 129.
18
Weick, Karl: Der Prozeß des Organisieren, Frankfurt 1985: S. 134, in: Sperka, Markus: Psychologie der
Kommunikation in Organisationen, Essen 1996: S. 130.
19
Plenum 29.10.2009 und 3.11.2009, http://unsereuni.at/wiki/index.php/Plenum_Wien.
20
Interview mit Luca Hammer.
21
Interview mit Luca Hammer.
22
Interview mit Tom.

29
Uhr ein Plenum stattfindet und etwa vier Stunden andauert. Mittlerweile sind die Anträge, die
behandelt werden, vorab im Wiki zu finden.
Vorteile der Struktur des Plenums sind laut Luca, dass es keine/n Anführer/In oder eine Gruppe
gibt, die entscheidet, sondern die Entscheidungen von allen getroffen werden. Andererseits dauert
es teilweise sehr lange, bis Beschlüsse verabschiedet werden, da jeder gleichberechtigt ist, auch
entstehen aus Lappalien bisweilen große Diskussionen. Ein weiterer Nachteil ist, dass durch die
lange Dauer der Plena bestimmte Personen daran gehindert werden an ihnen teilzunehmen, aus
privaten Gründen wie beispielsweise Kinderbetreuung oder beruflichen Verpflichtungen.23

2.4. Ablauf eines Plenums - Beobachtung am 7.11.2009

Obwohl die Proteste bereits fast drei Wochen dauerten, war das Plenum immer noch sehr gut
besucht, es dürften etwa 120 Personen anwesend gewesen sein. Um 19 Uhr, auf diesen Zeitpunkt
war der Beginn angesetzt, wurden ein/e Schriftführer/in und ein/e Moderator/In gesucht, wobei
mitgeteilt wurde, dass es von Vorteil wäre, wenn die Person die Organisation und Struktur eines
Plenums kennt, auch wenn das nicht unbedingt von Nöten wäre. Weiters sollten alle Anträge für
eine Abstimmung zur Bühne gebracht werden. Grundsätzlich würden diese zwar bereits immer um
17 Uhr in der Vorbereitung eingebracht, aber um 19 Uhr könnten von AG-Besucher/Innen, die nicht
bei der Vorbereitung waren, noch sogenannte Last-Minute-Anträge eingebracht werden.
Nachdem alle organisatorischen Angelegenheiten erledigt waren, begann das Plenum schließlich
um etwa 19:30. Zuerst wurden allgemeine Dinge besprochen, unter anderem, dass die Volksküche
streiken wolle, da ab jetzt jeder sein eigenes Geschirr mitbringen sollte. Weiters wurde
besprochen, dass das Rektorat abgelehnt hätte, ins Audimax zu kommen und die ÖH selbst
Personen nominieren sollte, die zum Rektorat gehen. Schließlich wurde noch thematisiert, dass die
AG Button und die AG Forderungen noch Leute suchten. Bei letzterer fand beispielsweise am
Samstag davor kein Treffen statt, obwohl eines angekündigt war.
Danach wurden zwei bis drei Themen aufgegriffen, über die dann ca. 30 Minuten im Plenum
gemeinsam diskutiert wurde. Nach der Diskussion gab es eine Pause, dann wurden Anträge
gestellt. Hier wird in normale und brennende Anträge unterschieden, wobei letztere den nächsten
Tag betreffen. Nach dem Vorbringen der Anträge gab es eine sogenannte Tuschelrunde, in der
sich die Plenumsbesucher/Innen kurz austauschen konnten. Nachdem eventuelle
Verständnisfragen geklärt waren, wurde schließlich abgestimmt. Nach jeder Abstimmung werden
Vetos gesammelt. Sofern solche vorhanden sind, gehen die Abstimmungen in eine zweite Runde
und werden mit einfacher Mehrheit beschlossen.

23
Interview mit Luca Hammer.

30
Grundsätzlich scheint es, dass die Themen sich immer wieder wiederholen, ebenso wie die
Meinungen in den Diskussionsrunden. Dies kann bisweilen mühsam sein, auch weil es scheint,
dass sich teilweise Student/Innen melden, die sich selbst gerne reden hören. Ein weiterer
negativer Faktor ist, dass alles insgesamt sehr lange dauert. Abgesehen davon wirkt das Plenum
mittlerweile durchwegs gut organisiert.

3. Interaktion Plenum und AGʻs

Für Luca bilden den Kern der gesamten Organisation die Arbeitsgruppen und das Plenum, die auf
folgende Art zusammenspielen: „In den AGs werden Dinge er- und bearbeitet, und in den Plena
werden Dinge entschieden und grundsätzliche Richtungen diskutiert.“24 Beschlossen wurde diese
Form der Organisation in der Plenumssitzung vom 24.10.2009 um 11 Uhr: Fundierte,
grundsätzliche Entscheidungen werden vom Plenum beschlossen; sollte es zu keiner Einigung
kommen, werden die Themen von den jeweiligen AGʻs weiter ausgearbeitet.25 Niko von der
Pressestelle betont, dass nicht automatisch alle Kleinigkeiten ins Plenum getragen werden,
sondern nur wichtige Entscheidungen. Auf die Frage, ob es jemanden gebe, der entscheide, was
im Plenum abgestimmt werden müsse und was nicht, sagt er: „Das machen wir! Es herrscht
Vertrauen, auch von außen.“26
Grundsätzlich gibt es auch hier Gruppen, die alles im Plenum legitimiert sehen wollen und andere,
die dafür eintreten, dass die Arbeitsgruppen autonomer handeln können.27

4. Resümee

Bezüglich Kommunikations- und Organisationsstrukturen können aufgrund der Beobachtungen


und Interviews folgende Schlüsse gezogen werden:
Erstens ist feststellbar, dass die Organisation insgesamt mehr auf Strukturen, denn auf Personen
aufbaut. Mehrmals wurde auf eine hohe Fluktuation der beteiligten Personen hingewiesen, was
dazu führt - wie etwa innerhalb der AG Forderungen zu bemerken war - dass Organisation und
Arbeitsprozesse verkompliziert werden, wenngleich dadurch die Chance besteht, dass neue
Impulse hinzukommen. Insgesamt drängt sich allerdings der Eindruck auf, die negativen

24
Interview mit Luca Hammer.
25
vgl. http://unsereuni.at/wiki/index.php/Plenum_Uni_Wien#Samstag.2C_24.Oktober_2009.
26
Interview mit Niko.
27
Interview mit Tom.

31
Auswirkungen würden hier überwiegen, da sich Diskussionen wiederholen und Arbeitsprozesse
verschleppt werden.
In einem größeren Rahmen gesehen - also nicht nur innerhalb einer Arbeitsgruppe - lässt sich
jedoch durch die Fluktuation und Austauschbarkeit der Personen sowie die dezentrale
Organisation eine hohe Flexibilität ausmachen, was sich etwa daran äußert, dass personelle
Lücken schnell geschlossen werden, beziehungsweise sich Teile der Organisation bei Bedarf
schnell rearrangieren können.28
Zweitens lässt sich an fast allen Punkten feststellen, dass auch in einer theoretisch
basisdemokratischen Organisation, sich in der Praxis Organisations- und Machtstrukturen
herausbilden. So meinte Tom etwa zum Thema Plenum: „ob das hier jemals basisdemokratisch
funktioniert hat, stell ich jetzt mal so in den Raum.“ Informelle Strukturen ließen sich auf insgesamt
vier Ebenen beobachten, beziehungsweise auf folgende Ursachen zurückführen:

- Informationsvorsprung: In der AG Forderungen konnte beobachtet werden, dass eine Person, die
schon mehrmals anwesend war, bewusst oder unbewusst eine gewisse Führungsrolle
übernimmt.
- Informationen zurückhalten: Laut Luca gibt es manche AGʻs, die nicht alle Informationen
weitergeben. Allerdings kommt hier das dezentrale Netz an Personen dazwischen, die solche
Unebenheiten oft ausgleichen können. Ein anderer Fall war, dass die AG IT sich weigerte,
Änderungen an der Website im Plenum zur Diskussion zu stellen. Hier wurde fehlendes Wissen
ausgenutzt. Wird ein derartiges Problem allerdings größer, so wird es im Plenum angesprochen.
- Vertrauen und Kompetenz: Niko von der Pressestelle betonte, dass nicht alle Punkte immer
abgesprochen werden würden, so sei es möglich sich eine gewisse Position innerhalb der
Organisation durch Vertrauen und Kompetenz zu erarbeiten. Man merke dann, wer
verantwortungsbewusst sei, wer oft anwesend sei, mit wem man vernünftig sprechen oder
diskutieren könne und auf wen man sich verlassen könne.

- Ausnützen der Struktur für eigene Themen: Hier wurde als Beispiel die Frauen AG genannt, die
mit vielen Redebeiträgen und Anträgen eine starke Präsenz bei den Plena zeigt und somit
versucht, den Protest zum eigenen Nutzen zu verwenden.

28
Interview mit Luca Hammer.

32
5. Interviews

Niko - Mitarbeiter der Pressestelle (31.10.2009).


Tom - Engagiert in der AG Forderungen und im Plenum (09.11.2009).
Luca Hammer - War erst in der AG IT tätig und erstellte „mehr oder minder im Alleingang“ die erste
Homepage, mittlerweile kümmert er sich um Livestream und Chat und hilft bei der Bühne aus,
ohne aber einer AG zugehörig zu sein (11.11.2009).

33
Kommunikationsprozesse zwischen
unterschiedlichen Organisationskulturen
am Beispiel von „Uni brennt“

von Maggie Fituch, Manuela Kammerer und Julia Rychetsky

1.) Einleitung

Seit über drei Wochen halten Studierende das Audimax der Universität Wien besetzt. Das
Ziel der Protestbewegung: ein freier Bildungszugang für alle. Die Besetzung ist nicht auf
Initiative der Studentenvertretung entstanden, sondern wurde von unabhängigen StudentInnen
spontan ins Leben gerufen. Es handelt sich um einen Protest von der Basis aus,
dementsprechend gibt es keine hierarchischen Strukturen. Alle Beteiligten sind
gleichberechtigt und können sich gleichermaßen engagieren.
Das Rektorat der Uni Wien steht der Besetzung mit Skepsis gegenüber. Bisherige Versuche
einen Dialog zwischen „Uni brennt“ und dem Rektorat herbeizuführen sind gescheitert. Zwei
unterschiedliche Organisationskulturen treffen aufeinander, bestehende
Kommunikationsstrukturen erweisen sich als Hindernis für gemeinsame Gespräche.

2.) Kommunikations- und Organisationskulturen

Was unter dem Begriff der Kommunikation zu verstehen ist soll hier nicht näher
thematisiert werden. Vordergründig wird in diesem Abschnitt hingegen die Definition des
Begriffes „Kultur“ behandelt. Miteinbezogen sollen hier besonders die unterschiedlichen
Unternehmenskulturen werden, die nicht zuletzt die Kommunikation eines Unternehmens
prägen. Damit geben sie vice versa Aufschluss über Kommunikationshierarchien.

Zum Kulturbegriff im Allgemeinen

Kultur als Bündelung internalisierter Handlungsstrategien - Ann Swidler meint, Kultur sei
eine Sammlung von Symbolen, Geschichten, Ritualen und Weltsichten, aus welchen die
Individuen zur Verwirklichung ihrer Handlungsstrategien schöpfen.29

29
vgl. Sima, 1994, S. 43

34
Kommunikation im Unternehmen

‐ Das Unternehmen als Kommunikationssystem

Zur Erhaltung jeden Systems, so auch des Unternehmens ist der Austausch von
Informationen notwendig. Das Unternehmen ist ein System, das aus vielen Individuen
besteht. Diese sind großteils zu Teams zusammengeschlossen.

Dass die Kommunikation innerhalb des Teams besser ist als unter einzelnen
Individuen begründet Gordon mit dem darin herrschenden Abbau von
Statusunterschieden. Es kommt dadurch zu einer offenen und ehrlicheren
Kommunikation zwischen den Mitgliedern.

‐ Arten der innerbetrieblichen Kommunikation:

Das innerbetriebliche Kommunikationssystem kann in einen formalen und


informalen Kommunikationsprozess gegliedert werden.30
Zu der Kategorie der formalen zählen jene Kanäle und Medien, die zum Wohle der
Kommunikation eigens vom Unternehmen geschaffen wurden. Im Gegensatz dazu ist
das informale Kommunikationsnetz jenes, welches auf sozialen Beziehungen der
MitarbeiterInnen untereinander beruht. Doch von einander trennbar sind sie nicht, da
sie sich wechselseitig überschneiden.
Die formale Kommunikation steht in engem Zusammenhang mit der
Organisationskultur, der Informationsphilosophie und dem Führungsstil. Informale
Kommunikation umfasst alle Informationsströme, die nicht bewusst organisatorisch
festgelegt wurden. Sie hat den Vorteil, dass Information sehr schnell unter Ausschluss
von Hierarchien ausgetauscht werden kann. Je mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
ein Unternehmen hat, desto mehr informale Kommunikationsbeziehungen sind
vorhanden.

‐ Unternehmenskulturen31

Unternehmenskulturen prägen die Intensität und das Verhalten der Kommunikation.


Cäsar unterscheidet zwischen vier verschiedenen Unternehmenskulturen, die in Folge
näher beschrieben werden:

‐ Autokratische Machtkultur:

Es gibt eine zentrale Person, von der alle Aktivitäten ausgehen.


Dementsprechend passiert das in dieser Art von Unternehmenskultur auch mit der
Kommunikation. Die Möglichkeit eines Feedbacks ist kaum gegeben.

30
vgl. Cäsar, 1988, S. 51.
31
vgl. Cäsar, 1988, S. 57.

35
‐ Funktionale Rollenkultur:

Es gibt eine Unternehmensleitung, die das Dach des Unternehmens bildet. Die
Arbeit der einzelnen Bereiche, die hier die Säulen des Unternehmens darstellen,
wird durch Stellenbeschreibungen und Kompetenzabgrenzungen sowie
Kommunikationsregelungen gesteuert. Horizontale Interaktion findet nur auf der
hierarchischen Ebene des Top-Managements statt. Ansonsten dominiert Interaktion
auf vertikalem Dienstwege.

‐ Projekt- oder teamorientierte Kultur:

Diese Art der Unternehmenskultur wird als Leistungskultur bezeichnet, in der


der Einfluss von ExpertInnen ausgeht. Durch die Förderung von Teamarbeit sollen
individuelle Ziele niedrig gehalten und Statusunterschiede vermieden werden. Die
Bedeutung des informalen Kommunikationssystems nimmt hier stark zu. Der
Interaktionsprozess basiert hauptsächlich auf einer horizontalen
Kommunikationskultur.

‐ Individuenzentrierte Personenkultur:

Jede Person holt sich in dieser Form von Unternehmen die Information, die
ihren individuellen Zielen dient selbständig. Diese Art der Kultur lässt sich jedoch
nur in kleinen Unternehmen durchführen.

3.) Organisationskulturen an der Universität Wien

Hierarchie vs. Basisdemokratie

In der Diskussion um die Uni-Besetzung sind unterschiedlich strukturierte Organisationen


beteiligt.
Die Österreichische Hochschülerschaft ist die gesetzliche Interessensvertretung der
StudentInnen in Österreich, als Institution ist sie hierarchisch organisiert. Alle zwei Jahre
werden die Funktionäre der ÖH neu gewählt. An der Spitze steht derzeit die Vorsitzende
Sigrid Maurer.32
Die Universität Wien ist ebenfalls eine streng hierarchisch strukturierte Organisation. An
der Spitze stehen das Rektorat, der Universitätsrat sowie der Senat. Nach außen vertritt das
Rektorat mit dem derzeitigen Rektor Georg Winckler die Universität.33
Im Gegensatz zu den oben genannten Organisationen ist die Protestbewegung „Uni brennt“
basisdemokratisch strukturiert. Die Basisgruppen der Universität Wien verstehen

32
vgl. http://www.oeh.ac.at/ueber_die_oeh/ (Stand: 05.11.2009)
33
vgl. http://www.univie.ac.at/organisation/ (Stand: 05.11.2009)

36
Basisdemokratie als „den Versuch, Hierarchien abzubauen und beständig zu hinterfragen.
Ein wesentliches Element besteht darin, dass sich Entscheidungs- findungsprozesse
breitestmöglich und konsensual gestalten (offenes Plenum) und nicht, wie in herkömmlichen
demokratischen Strukturen, eine Minderheit zwangs- läufig immer überstimmt wird.“34
Nach diesem Prinzip der gemeinschaftlichen Entscheidungsfindung ohne Führungsperson
agieren die Studierenden der „Uni brennt“ Bewegung.

Einordnung der Universität Wien

Im üblichen Universitätsalltag herrscht an der Universität Wien grundsätzlich die


Autokratische Machtkultur, in der es eine entscheidungsbefugte Person, den Rektor gibt.
Dass das Rektorat neben dem Rektor jedoch noch weitere zum Teil eingeschränkt
entscheidungsbefugte Personen beinhaltet weicht die starre Hierarchie etwas auf. Weiters ist
die Möglichkeit des direkten Feedbacks für einen Bereich des Unternehmens Universität
Wien gegeben und noch mehr sogar sehr erwünscht, der ÖH. Dadurch hat die Universität
auch sehr starke Grundzüge einer Funktionalen Rollenkultur. Kompetenzabgrenzungen und
Kommunikationsregeln liegen hier steuernd vor.
Neben den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Rektorats und der ÖH gibt es jedoch
nicht zuletzt noch die einzelnen Institutsvorstände, die besonders viel Einfluss haben.

Derzeit, zur Zeit der Besetzung der Universität Wien dominiert vielmehr eine Projekt- oder
teamorientierte Kultur, bei der Arbeitsgruppen mit spezifischen Aufgaben gegründet werden.
Diese werden jedoch nicht von oberster Stelle festgelegt, sondern konstituieren sich
selbständig. Individuelle Ziele und Statusunterschiede haben gegenüber der Gruppe, dem
Team, das Nachsehen.

4.) Kommunikationsflüsse

„Uni brennt“ und Rektorat


Die BesetzerInnen des Audimax zeigten sich von Beginn an gesprächsbereit gegenüber
dem Rektorat der Uni Wien. Ein persönliches Aufeinandertreffen scheiterte bislang an der
Bereitschaft des Rektors persönlich im Plenum zu erscheinen und an der Bereitschaft der
Studierenden eine Vertretung für ein Gespräch aus dem Plenum zu wählen. Beide Parteien
halten an ihren Prinzipien fest und sind nicht gewillt ihre Kommunikationskultur zu ändern.
Das einzige persönliche Gespräch zwischen StudentInnen und dem Rektorat fand am
27.10.09 am Universitätscampus statt. Studierende der Internationalen Entwicklung drohten
mit der Besetzung des Hörsaals C1 am Gelände des Alten AKH. Nach einer kurzen
Abstimmung erfolgte ein Anruf bei der Universitätsleitung. Im Zuge dessen wurde ein
Ultimatum gestellt: Entweder das Rektorat entsendet eine Vertretung um die Forderungen der
StudentInnen entgegen zu nehmen, oder der Hörsaal C1 wird besetzt. Kurze Zeit später stellte
sich Vizerektorin Dr. Mag Schnabel der Diskussion mit den Studierenden. Nach einem
zweistündigen Gespräch wurde der Forderungskatalog übergeben und der Hörsaal vorerst

34
http://basisgruppen.at/#basisdemokratisch (Stand 10.11.2009)

37
geräumt.35
Im Übrigen beschränkt sich die bisherige Kommunikation zwischen der Universitätsleitung
und den BesetzerInnen auf offene Briefe und Stellungnahmen im Internet und in den Medien.
Seitens der StudentInnen erging ein offener Brief an den Rektor, die Minister und den
Kanzler mit einer Einladung zum Gespräch im Plenum.36 Einzig die Universitätsleitung
reagierte mit einem Antwortschreiben an das Audimax. In diesem beteuerte Rektor Winckler
seine Bereitschaft zu einem Gespräch, jedoch nur mit einigen wenigen VertreterInnen des
Plenums im Beisein der ÖH.37 Eine Gegenüberstellung vor dem versammelten Audimax ist
von der Universitätsleitung bislang ausgeschlossen worden.38
Stattdessen lädt die Uni Wien Mitglieder des Universitätsrates, des Senats und des
Rektorats sowie VertreterInnen der Fakultäten, der Studienprogrammleitungen und der
Betriebsräte zu einem Gesprächsforum ein. Seitens der Studierenden sind neben der ÖH und
der Mitglieder der Studierenden im Senat auch VertreterInnen des Plenums willkommen. Ob
sich „Uni brennt“ an dem Treffen beteiligen wird ist noch unklar.39 Zur Vorbereitung auf
mögliche Gespräche mit der Universitätsleitung wurden eigens die AGs
„Gesprächsbedingungen Rektorat Univie AG“40 und „Gespräche Rektorat Uni Wien“41 ins
Leben gerufen.

ÖH und „Uni brennt“


Die ÖH (Österreichische Hochschülerschaft) hat mit den Protestaktionen nur indirekt etwas
zu tun, sie steht zwar hinter der Besetzung und Forderungen der StudentInnen, greift aber in
keinster Weise in das Geschehen ein oder übernimmt das Zepter, so Matthias, ein Sprecher
einer Arbeitsgruppe.42 Die ÖH-Vorsitzende Sigrid Maurer, sowie andere Mitglieder der
Studentenvertretung engagieren sich lediglich als Privatpersonen an der Bewegung.
Begründet wird diese Zurückhaltung dadurch, dass die ÖH die Proteste nicht ins Leben
gerufen hat. Das basisdemokratische Prinzip soll aufrechterhalten werden, die ÖH soll nicht
als Vertretung der Besetzerinnen und Besetzer fungieren.43
In der Öffentlichkeit solidarisiert sich die ÖH mit den Besetzern. Per Mail ruft sie
Studierende dazu auf sich an der Protestbewegung zu beteiligen, Sigrid Maurer tritt
unterstützend in den Medien auf, auf der Internetseite der ÖH werden Stellungnahmen
veröffentlicht und sogar eine finanzielle Unterstützung wird den Besetzern zugesprochen.44
Die Kommunikation zwischen der ÖH und „Uni brennt“ erfolgt demnach über das Internet,
die Medien aber indirekt auch persönlich, indem sich ÖH-Funktionäre vor Ort an den
Diskussionen beteiligen.

35
vgl. http://unsereuni.at/?p=3578 (Stand: 10.11.2009)
36
vgl. http://unsereuni.at/?p=2290 (Stand: 10.11.2009)
37
vgl. http://public.univie.ac.at/index.php?id=6576&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=
13181&tx_ttnews[backPid]=6088&cHash=0361f53e46%20%28Stand:%2010.11.2009%29
38
vgl. http://derstandard.at/fs/1256744436725/Nachlese-Tag-19-Studierende-fordern-Stellungnahme-der-Uni-
Leitung-im-Audimax (Stand: 10.11.2009)
39
vgl. http://public.univie.ac.at/index.php?id=6576&no_cache=1&tx_ttnews[tt_news]=13301&tx_ttnews
[backPid]=6088&cHash=58c7d3239b (Stand: 13.11.2009)
40
vgl. http://unsereuni.at/wiki/index.php/Gespr%C3%A4chsbedinungen_Rektorat_Univie_AG (Stand:
12.11.2009)
41
vgl. http://unsereuni.at/wiki/index.php/Gespr%C3%A4che_Rektorat_Uni_Wien (Stand: 12.11.2009)
42
vgl. http://unsereuni.at/wiki/index.php/Gespr%C3%A4che_Rektorat_Uni_Wien (Stand: 04.11.2009)
43
vgl. http://derstandard.at/fs/1256744436725/Nachlese-Tag-19-Studierende-fordern-Stellungnahme-der-Uni-
Leitung-im-Audimax (Stand: 04.11.2009)
44
vgl. http://www.oeh.ac.at/quicklinks/presse/browse/1/?cHash=de6e969346 (Stand: 10.11.2009)

38
Kommunikation im Plenum

Die Kommunikation im Plenum wird durch ein Moderationsteam latent geleitet.


Grundsätzlich kommt jeder zu Wort, der sich durch Aufzeigen um das Mikrofon bemüht hat.
Das Plenum ist der Ort, an dem die AGs zusammenkommen und sich untereinander
austauschen.
Vernetzungs-AG: Diese Gruppe wird namentlich auf der Wiki-Seite publiziert und enthält
Vertreter diverser Unis.

Kommunikation der Pressestelle

Die Pressestelle kommuniziert per Mail oder Telefon mit den AGs. Sie organisiert täglich
eine große Besprechung mit den AGs, worunter sich u.a. auch eine eigene für offene Briefe
befindet. Besonders mit der AG Abendgestaltung kooperiert die Pressestelle intensiv. Über
das aktuelle Tagesgeschehen werden zwei bis drei Mal pro Tag Sitzungen abgehalten.

5.) Hypothesen und Schlussfolgerungen

Als Informationsquellen für diese Arbeit dienten das Internet, Medienberichte, Gespräche
mit Uni-BesetzerInnen und ein Gespräch mit der Pressestelle von „Uni brennt“. Trotz unserer
Bemühungen haben sich weder das Rektorat, noch die Vertretung der ÖH für ein Interview
bereit erklärt. Dennoch ist es gelungen einen groben Überblick über die
Kommunikationsprozesse zu gewähren. Nicht zuletzt aufgrund der enormen Menge an
Informationen, die zu diesem Thema im Internet vorhanden ist.

Eine wesentliche Schlussfolgerung lässt sich aus den Beobachtungen ziehen:

Die Universitätsleitung als hierarchische strukturierte Institution trifft auf eine heterogene
Masse an Studenten. Es gibt weder eine Führungs- noch eine Anspruchperson, das Rektorat
sieht sich einem neuen Phänomen gegenüber. Sollte Rektor Winckler sich dennoch für
Gespräche bereit erklären, so müsste er sich auf ungewohnte Kommunikationsstrukturen
einlassen. Aus dieser Überlegung lässt sich folgende Hypothese generieren:

• Die Kommunikationsstrukturen an der Universität Wien sind nicht mehr von den
Organisationshierarchien abhängig.

39
Literatur

Cäsar, Claudia: Unternehmenskultur als neue Kommunikationsstrategie. Club


Niederösterreich, Wien, 1988.

Sima, Anna Rosa: Interkulturelle Kommunikation. Interaktionsstil in internationalen


Organisationen. Wien, 1994.

40
 [Beispielhafte Untersuchung der 
internen Kommunikation einiger 
Arbeitsgruppen (AGs) der 
StudentInnenproteste                  
„Uni brennt“ 2009 an der 
Universität Wien]   
[INTOR: interne 
Organisationskommunikation 
WS 2009/10 bei Kristina Pilz 
& Michel Reimon] 

13.11.2009 
Vera Meinl  
Dominique Platz  
Thomas Wagner  

41
1. Das Teamrollenmodell nach Belbin

Um eine Einordnung und kritische Reflexion der Kommunikation und Organisation innerhalb der
Arbeitsgruppen zu ermöglichen, werden zunächst einige theoretische Überlegungen zu Teamarbeit und
Rollenaufteilungen in Arbeitsgruppen dar gelegt. Es folgt die Beschreibung der Kommunikation und
Organisation innerhalb der befragten Arbeitsgruppen, auf die eine abschließende kritische Analyse
aufbaut.
Das in den 1970er Jahren von Prof. Meredith Belbin entwickelte Verständnis von
Teamzusammensetzungen geht davon aus, dass Teams die höchste Effizienz erreichen, indem
Mitglieder Aufgaben übernehmen, die ihren Fähigkeiten entsprechen. Bereits 1921 fasste der
Schweizer Mediziner und Psychologe Carl Gustav Jung acht verschiedene Typen von Menschen
zusammen, wobei in den Bereichen Denken, Fühlen, Intuition und Empfinden jeweils ein intro- und
ein extrovertierter Typ unterschieden werden. Die Zuteilung der einzelnen Rollen erfolgt im
Belbin'schen Modell durch Befragung und Beobachtung (vgl. Sommer et.al. 2009: 2ff).
Auch wenn das Belbin'sche Modell in der Praxis häufig als starr und die einzelnen Rollen als
konstruiert betrachtet werden, zeigt das Modell die Notwendigkeit einer gewissen Aufgabenteilung
und auch der Bereiche, die in einem Team abgedeckt werden müssen. Da sich die Arbeitsgruppen von
„Uni brennt“ sehr schnell organisieren mussten und auch die Untersuchung dieser durch den enormen
Zeitdruck beider Seiten nicht ins Detail gehen können, kann auf den folgenden Seiten anhand des
Teamrollenmodells von Belbin gezeigt werden, wo Stärken und wo Schwachpunkte in der internen
Organisation und Kommunikation innerhalb der einzelnen Arbeitsgruppen liegen.
Die von Belbin überarbeitete Version des Teamrollenmodells unterscheidet handlungsorientierte,
kommunikationsorientierte und wissensorientierte Rollen. Die folgende Tabelle soll einen Überblick
über die einzelnen Rollen geben:

handlungsorientiert kommunikationsorientiert wissensorientiert


Macher Koordinator Neuerer/Erfinder
(setzt Ideen mit viel (trifft projektbezogene (ist offen für Neues; bringt
Engagement in die Tat um) Entscheidungen) Ideen ein)
Umsetzer Teamarbeiter Beobachter
(ähnlich Macher; weniger (spürt und löst Konflikte) (achtet auf Durchführbarkeit)
selbstständig, aber sehr
zuverlässig)
Perfektionist Wegbereiter Spezialist
(bringt Projekte gewissenhaft (knüpft und festigt Kontakte nach (wurde später ergänzt) (liefert
zum Abschluss) außen) Fachwissen)
Abb. 1: Teamrollenmodell nach Meredith Belbin

42
Die Gruppe hat den Versuch gewagt das Belbin'sche Modell grafisch darzustellen. Die sich
ähnelnden Rollen von Macher und Umsetzer sowie Koordinator wurden hier zusammengefügt. Um
Belbins Originalsprache gerecht zu werden, hat die Gruppe hier auf Genderneutralität verzichtet, in
weiterer Folge wurde jedoch auf genderneutrale Sprache geachtet.

Macher/Umsetzer

Neuer er/Erfinder Kontr olle

Koordinator/
Beobachter
Teamarbeiter Wegber eiter

Perfektionist

Abb. 2: Grafische Umsetzung des Belbin'schen Teamrollenmodells

2. Methodische Umsetzung

2.1. Erhebung

Die Ergebnisse entstanden aus der Analyse von fünf AGs durch drei persönliche und zwei E-Mail-
Interviews. Die vor Ort geführten persönlichen Interviews wurden anschließend durch Beobachtungen
und Fotos ergänzt. Durch die Betrachtung der AG Presse, der AG IT, der AG Zeitung, der AG
Rechtshilfe und der AG Infotisch konnten fünf für die Protestbewegung sehr wichtige und funktional
völlig unterschiedliche Bereiche abgedeckt werden. Nach der Transkription der Interviews, der
Ergänzungen aus Beobachtungen und Fotos wurde versucht das Gesagte mit der Theorie über
Rollenaufteilungen in Verbindung zu bringen. Die Rollenaufteilungen konnten aufgrund der kurzen

43
Zeit, des knapp bemessenen Ausmaßes der Arbeit und des Fehlens wirklicher teilnehmender
Beobachtung nur schemenhaft in der Komplexität des Modells von Belbin analysiert werden, weshalb
im Folgenden meistens grob von den kommunikationsorientierten, handlungsorientieren oder
wissensorientierten Rollen die Rede sein wird. Weiters wären auch Beobachtungen des Prozessualen
und damit einhergehend der Eigendynamik, die sich in den AGs manifestiert hat, eine
Forschungsrichtung gewesen. Im vorgegebenen Rahmen der vorliegenden Arbeit mussten weitere
Ansätze jedoch ausgeklammert werden.

2.2. Die AG IT

“Ist wahrscheinlich aus dem Bedürfnis heraus entstanden intern zu kommunizieren. Das wird eine
Selbstverständlichkeit gewesen sein, dass das da sein muss und dann werden sich halt ein paar Freaks
der Sache angenommen haben. Ich war jetzt aber auch nicht von Anfang an dabei …” (Anonym)
Über die Anfänge der AG konnten die Gesprächspartner zwar keine konkrete Auskunft geben, da
sie selbst zu dem Zeitpunkt noch keine Mitglieder waren, allerdings sticht schon im
Eingangsstatement heraus, dass es sich bei der AG IT um eine sehr handlungsorientierte AG handelt.
Einzelne MacherInnen sind mit ihren Ideen auch gleich selbst zur Tat geschritten. Die
Koordinationsrolle wurde dabei, wenn man so will, von den technischen Problemen selbst und von To-
Do-Lists übernommen, die im Kollektiv entstanden sind. Über technische Entscheidungen wird auch
nicht basisdemokratisch diskutiert, sie werden während des Machens getroffen. Diese lose
Organisation anhand von To-Do-Lists ist auch deshalb möglich, weil man in der IT zur Erledigung der
Aufgaben nicht permanent anwesend sein muss. Wer etwas auf einer To-Do-Liste sieht, kann es
machen. Sollte dennoch einmal Anwesenheit notwendig sein, so entsteht diese per Zufall oder wird
über IRC oder Skype koordiniert.
Generell versteht sich die AG eher als ein Netzwerk denn als eine geschlossene Gruppe. Deswegen
ist die Anzahl ihrer „Mitglieder“ schwer auszumachen. Die einzige wirkliche Hierarchie – und auch
diese entsteht durch die zu Beginn geschaffenen Fakten – kann darin gesehen werden, dass diejenigen,
die Server und ähnliches zu Beginn aufgesetzt haben auch die Admin-Rechte dafür halten und nicht an
jedes Mitglied gleich zu Beginn alle Berechtigungen vergeben werden.

44
2.3. Die AG Presse

“Also ich hab jetzt keinen fixen Stellvertreter und dass ich das die meiste Zeit mache ist eigentlich
eher Zufall gewesen ...” (Barbara)

Abb. 3+4: Tafel und Pressespiegel in den Räumlichkeiten der AG Presse


Der Raum der AG Presse gleicht am Tag unseres Interviews einem War Room, wie man ihn aus
Filmen zu Präsidentschaftswahlkämpfen kennt. Flipcharts, Pressespiegel und jede Menge Notebooks
um die sich die Mitglieder scharen, um ihren Aufgaben nachzugehen. Eine Person kümmert sich dabei
um die Koordination der Aufgaben, die Entgegennahme von Anfragen und die Kommunikation mit
Neuankömmlingen und anderen AGs. Zu diesem Zeitpunkt zählt die AG Presse zwischen 8 und 16
Mitglieder und ist inmitten des strukturellen Umbaus auf ein Organisations- und Leistungsniveau, das
die langfristige Durchführung der Funktion ermöglicht.
Auch bei der AG Presse war unsere Ansprechpartnerin nicht von Beginn an dabei. Auch hier
handelt die Gründungsgeschichte von Menschen, die sahen das „etwas gemacht gehört“, die Ideen
dafür gehabt haben, wie es gemacht gehört und die – zu Beginn zumindest – in 20-30 Stunden-
Schichten hart dafür gearbeitet haben. Ideen, MacherInnen und viel hektische Arbeit – so der Befund
über die ersten Tage der Arbeitsgruppe.

Im Laufe der ersten Woche wurden die Rollenaufteilungen klarer und eine stärker geregelte Struktur
geschaffen. So wurde eine Tafel aufgestellt, in die Zeit und Aufgaben eingetragen werden, die
Tischaufstellung wurde funktionaler vorgenommen und eine Liste mit Namen und Telefonnummern
erlaubt die Koordination der Anwesenheit. Zwei bis drei mal am Tag trifft sich die Gruppe nun zu
internen Koordinationsmeetings bei denen wichtige Dinge besprochen, basisdemokratisch abgestimmt
und geplant werden. Aber auch das variiert durch sich spontan ergebende Situationen. Die Rolle der
Koordination wurde mit der Zeit „automatisch“ von jenen übernommen, die bereits am längsten dabei
sind. Damit ist allerdings bei der AG Presse keine Hierarchie oder Entscheidungsbefugnis verbunden.
Unsere Ansprechpartnerin sieht sich selbst nicht als Chefin – ihre Rolle lässt sich nach Belbin
vielmehr als die einer Teamarbeiterin und Wegbereiterin beschreiben.

45
2.4. Die AG Zeitung

Die Produktion einer Zeitung bringt eine Vielzahl an Aufgaben und einen relativ komplexen
Arbeitsprozess mit sich. Darum verwundert es nicht, wenn sich gleich eine ganze Liste an Rollen in
der AG Zeitung findet:
„LektorInnen, InnenvernetzerInnen, eine Finanzgruppe, Außenvernetzung,
OrganisatorInnen, AutorInnen, LayouterInnen/GrafikerInnen, Leute, die hauptsächlich für die
Fotos zuständig sind, Leute, die die Rechtsfragen klären, EDV...“ (Bibi)
Auch bei der AG Zeitung lässt sich in der internen Organisation und Kommunikation zwischen den
Anfängen und der heutigen Struktur unterscheiden.
Die erste – 12-seitige Ausgabe – entstand in sechs Stunden. Zwar gab es zum damaligen Zeitpunkt
bereits eine gewisse Aufgabenteilung. Wie man aber bei einer Zeitspanne von sechs Stunden
annehmen kann, war der formale Koordinierungsgrad noch relativ gering.
„Im Endeffekt war aber jedeR total im Stress und wusste nicht mehr, was er/sie tun sollte,
also hat einfach jedeR so gut es ging alles gemacht.“ (Bibi)
Inzwischen hat sich – auch wenn immer noch manchmal aus Zeitgründen die Mitglieder einer
Gruppe die Aufgaben von anderen übernehmen müssen – vieles zum Besseren verändert. So ist
jemand für die Verwaltung des nach Gruppen geordneten E-Mail-Adressbuches zuständig, das für die
interne Koordination verwendet wird. Die LektorInnen haben sich auf die Art und Weise geeinigt, wie
lektoriert wird. Artikel werden in einen Ordner kopiert und dann in das Redaktionssystem gespielt.
Die Aufgabenbereiche wurden aufgeteilt und die Kommunikation und Vernetzung besser strukturiert.

Auch wenn das durch ein E-Mail-Interview nur sehr oberflächlich feststellbar ist, wirken die
beschriebenen Entwicklungen und Rollen, als hätte die AG Zeitung eine robuste, arbeitsfähige und
dem Kontext angepasste flexible Struktur gebildet, die sowohl handlungs-, kommunikations- und
wissensorientierte Rollen berücksichtigt. Eine formale Hierarchie gibt es auch bei der AG Zeitung
nicht. Zwar gebe es eine „Kerngruppe“, die hauptsächlich aus Leuten besteht, die seit dem ersten oder
zweiten Tag dabei sind und auch beim Plenum sprechen meistens dieselben Personen. Beschlüsse und
Entscheidungen werden jedoch basisdemokratisch getroffen und es gibt keine offizielle Sprecherin
oder offiziellen Sprecher.

46
2.5. AG Infotisch

Abb. 5+6: Kommunikation mittels Plakaten am Infotisch

Die Infotisch AG wir durch den Tisch selbst und die dahinter liegende Wand organisiert. Bei der
kurzen Befragung stellte sich heraus, dass immer wieder andere den Tisch besetzen und Auskunft
geben – einfach dadurch, dass sie herkommen, sich eintragen und die Aufgabe übernehmen. Die AG
ist somit kein wirklich fixes Team. Wer den Tisch sieht und ein Plakat aufhängt, ist sozusagen schon
latentes Teammitglied.

Abb. 7+8: Dienstplan und Plakat-Infos vom Infostand

2.6. AG Rechtshilfe

„Die AG ist am Wochenende nach der Besetzung entstanden aus der Notwendigkeit von
rechtlicher Beratung rund um eine mögliche Räumung der Besetzung, bzw. für rechtliche
Fragen bei Polizeikontakt.“ (Anonym)
Aus dem Interview geht hervor, dass sich die AG in eigenen Plenen, per Privathandy, per E-Mail-
Verteiler und über die offizielle Wiki-Seite organisiert. In den persönlich abgehaltenen Plenen werden
die Aufgabenbereiche diskutiert, definiert und verteilt. Dabei werden die Entscheidungen im Konsens
getroffen und alle Mitglieder bestimmen selbst in welcher Form sie sich einbringen wollen. Formelle
Hierarchien gibt es keine und Informationen werden möglichst transparent gemacht, um mögliche

47
„informelle Hierarchien“ abzubauen.
Insgesamt macht die Arbeitsgruppe den Eindruck einer – innerhalb gewisser Fixpunkte wie Plenen
– flexiblen und sehr basisdemokratischen Organisation. In den Rollen von Belbin hieße das, dass zwar
einerseits eine sehr handlungsorientierte Organisation vorhanden ist, dass allerdings entweder alle
Mitglieder TeamarbeiterInnen sind oder dass es gewisse Menschen gibt, die sich der internen
Kommunikation annehmen und diese im Plenum behandelt wissen wollen.

3. Conclusio

Zu Beginn dieses Forschungsvorhabens standen die Belbin'schen Überlegungen in Weiterführung


des anthropologischen Rollenverständnisses bei Jung (s. 1. Kapitel). Wenngleich ihr Starrheit in ihren
Ausführungen zum Rollenmodell vorgeworfen wurde, die Aufgabenteilung stand bei Meredith Belbin
stets im Vordergrund. Im Zusammenhang mit dem hier vorliegenden Forschungsvorhaben konnten die
Überlegungen Belbins sehr anschaulich auf das Forschungsobjekt, die Arbeitsgruppen, übertragen
werden.
Ein Faktor, der bei Belbin keine dezidierte Beachtung findet, ist im Zusammenhang mit bereits
angesprochener Dynamik hier jedoch vorgekommen: Die Zeit. Vor dem Hintergrund des Prozessualen
sind Eigenschaften bei den Teammitgliedern ausgemacht worden, die sich bei einigen wesentlich vom
Zeitpunkt der Gründung und dem der Befragung – und damit einhergehend die Entwicklung –
unterscheiden, bei anderen hat so gut wie keine Rollenentwicklung stattgefunden. Der Gruppe ist es
gelungen zwei Tabellen, die der Belbin'schen nachempfunden sind und auf die AGs angewendet
wurden, zu erstellen. Sie sollen die Ergebnisse skizzieren, welche im Anschluss verdeutlicht werden.

handlungsorientiert kommunikationsorientiert wissensorientiert

Schwerpunkt in der KoordinatorIn ErfinderIn


Gründungsphase basisdemokratisch oder Schwerpunkt in der
technikdeterminiert Gründungsphase
Keine formalen Hierarchien.

TeamarbeiterIn und BeobachterIn


WegbereiterIn weniger „wichtig“ / harte Arbeit /
lange Schichten / Enthusiasmus

SpezialistIn
Freiwillige Aufgabenübernahme

Abb. 9: Rollenverteilung zum Zeitpunkt der Gründung

48
handlungsorientiert kommunikationsorientiert wissensorientiert

Strukturiertere KoordinatorIn ErfinderIn


Aufgabenverteilung basisdemokratisch (alle AGs) Aufrechterhaltung der
technikdeterminiert (AG IT) Funktionen
Keine formalen Hierarchien.

TeamarbeiterIn und BeobachterIn


WegbereiterIn Wichtiger im Laufe der Zeit:
Entstehung von Effektive Verwendung der
Koordinierungsrollen (AG Presse, Ressourcen.
AG Zeitung)
SpezialistIn
Freiwillige Aufgabenübernahme

Abb. 10: Rollenverteilung zum Zeitpunkt der Erhebung

Insgesamt fällt auf, dass in der Gründungsphase vor allem ungeplantes Handeln auf der
handlungsorientierten Ebene auszumachen ist. Dies ist darin begründet, dass das spontane Moment der
Besetzung zunächst vor allem Handeln ohne Struktur erforderte. Im Gegensatz dazu, konnte zum
Zeitpunkt der Erhebungen eine strukturierte Aufgabenverteilung erkannt werden, was auf das
Bewusstsein und das sich auf die Situation besser einstellen können sowie planerische Aspekte
zurückzuführen ist.
Auf der kommunikationsorientierten Ebene ließen sich bei den KoordinatorInnen keine
Veränderungen ausmachen. Die Arbeitsgruppen haben ihr ursprüngliches Organisationskonzept der
basisdemokratischen Entscheidungsfindung über den (zum Zeitpunkt der Erhebungen zwischen
eineinhalb und zwei Wochen nach der Besetzung gelegenen Zeitraum) beibehalten, was von
stringentem Durchführen der Ideale zeugt. Formale Hierarchien existierten und existieren nach wie
vor nicht. In Sachen Teamarbeit und Wegbereitung konnten für die Anfangsphase keine genauen Daten
eruiert werden, da die „AG-GründerInnen“ als InterviewpartnerInnen nicht zur Verfügung standen
bzw. mitunter gar nicht mehr aktiv sind/waren. Zu konstatieren ist trotzdem, dass die Ideen der
Organisation und Arbeitsgruppen aus dem Plenum im Audimax gekommen sind und somit einer
basisdemokratischen Entscheidungsfindung zugrunde liegen. Ganz augenscheinlich wurden (zum
Erhebungszeitpunkt) diverse Koordinierungsrollen vor allem bei der AG Presse und der AG Zeitung
ausgemacht. Zwar sind Hierarchien im Sinne der Entscheidungsfindung auch hier ausgeklammert,
allerdings schien es innerhalb der AGs ein Begehren nach (vielwissenden) AnsprechpartnerInnen zu
geben, was vor allem die interne – aber auch die externe – Entscheidungsfindung erleichtert.
Auf der wissensorientierten Ebene lässt sich vor allem beim Rollentypus „ErfinderIn“ eine
Entwicklung verzeichnen. Ist der Start der Besetzung zunächst der Schwerpunkt dieses Typus
gewesen, ist ihm heute vielmehr die Aufrechterhaltung der Funktionen zuzuschreiben. Aufseiten der
BeobachterInnen ist ebenfalls eine virulente Entwicklung erkannt worden. Waren sie zu Beginn Teil

49
eines langen, harten Entstehungsarbeitsprozesses, sind ihre Beobachtungen mittlerweile Teil der
Strukturen und können so zur steten Verbesserung der internen
Arbeitsgruppenorganisationskommunikation beitragen. Aufseiten der SpezialistInnen hingegen wurde
keine Entwicklung erkannt. Vor allem die AG IT ist hier zu nennen, bei der der Faktor technischer
Determinismus eine freiwillige und am Zeitgeschehen orientierte Handlungsweise bedingt.

4. Literaturverzeichnis 
Sommer, Frank et.al. (2009): Grenzen des Teamrollenmodells nach Belbin in der Praxis. o.A.: Verlag
für akademische Texte

5. Anhang: Transkription, Beobachtungen, Anmerkungen

5.1. Rollen
WegbereiterIn
TeamarbeiterIn
KoordinatorIn
MacherIn
UmsetzerIn
PerfektionistIn
NeuerEr/ErfinderIn
BeobachterIn
SpezialistIn

5.2. AG IT

(Interview mit Anonym am 3.11.2009)


“Ist wahrscheinlich aus dem Bedürfnis heraus entstanden intern zu kommunizieren. Das wird eine
Selbstverständlichkeit gewesen sein dass das da sein muss und dann werden sich halt ein paar
Freaks der Sache angenommen haben. Ich war jetzt aber auch nicht von Anfang an dabei …”
Unsere Ansprechpartner sind am 3. Tag dazugekommen. Einfach „weil ein Projekt dieses Umfangs
Mithilfe bedingt“. Es ist heute noch so dass da einfach Leute sind die alles dafür machen dass das
einfach am Laufen bleibt. Die Gruppe bestand zum Zeitpunkt der Befragung aus relativ vielen Nicht-
Studierenden, vor allem war für unsere Gesprächspartner auffällig, dass sich kaum InformatikerInnen
in der AG befanden.
Zu Beginn wurde von Luca der Live-Stream aufgesetzt und von der AG das Netzwerk für die Presse
aufgesetzt, das E-Mail-System und die Vernetzung der AGs per Wiki in Angriff genommen.

50
Entwicklung
Zu Beginn war die Organisation in To-Do-Listen organisiert, die soweit sich die Befragten erinnern
können im Kollektiv entstanden sind. Die elementaren Dinge dieser Liste sind inzwischen
abgearbeitet. Die wesentliche Arbeit besteht somit in der Aufrechterhaltung des Systems und der
Implementierung von weiteren Verbesserungspunkten, die die Bewegung/Organisation insgesamt
besser funktionieren lässt.
Im Allgemeinen wird die Organisation als ziemlich lose empfunden. Es gibt keinen Zeitplan,
Treffen oder Anwesenheit entstehen entweder durch Zufall oder durch anlassgebundenes persönliches
oder elektronisches Ausmachen.
Für die IT Arbeitsgruppe wird Anwesenheit im Gegensatz zu anderen, inhaltlichen AGs für die
Zusammenarbeit nicht wirklich als erforderlich angesehen. (Niedriger Grad an formeller Koordination,
hoher Grad an Koordination anhand der Aufgaben) Am Server kann per Fernwartung gearbeitet
werden, intern kommuniziert wird über IRC, Mail und Skype. Allerdings wird “intern” wird weit
aufgefasst: Das heißt, wenn über Twitter und Facebook die Neuigkeit in die Welt verbreitet wird, dass
etwas gebraucht wird kommen Leute sofort in die AG – und sind somit in der AG. Die Struktur der
AG wird somit sehr netzwerkartig aufgefasst.

Hierachie/Aufgabenteilung:
Manche Leute behalten manche IT-Sicherheitsbefugnisse aus Sicherheitsgründen zurück. Admin-
Rechte haben jene, die am Längsten da sind und das System aufgesetzt haben oder es nach einer
gewissen Einarbeitungszeit verstehen. Es besteht aber für jeden die Möglichkeit sich einzubringen, nur
eben aus Sicherheitsgründen nicht am ersten Tag gleich auf absolut höchster Admin-Ebene. Auch weil
man sich mit dem technischen System erst auseinandersetzen muss.
“Es wäre eine Katastrophe über technische Inhalte in dem Umfang im Plenum abzustimmen...”
Wie bei To-Do-Lists üblich erfahren die anderen Mitglieder von “Entscheidungen”, wenn sie
umgesetzt sind. Dabei handelt es sich aber meist um schnell notwendige, technische Entscheidungen,
bei denen es nicht um „Mehrheiten“, sondern um „technische Notwendigkeiten“ handelt.
Insgesamt gibt kaum Wissen über die genaue Entstehung der Gruppe und wer warum was gemacht
hat.

5.3. AG Presse

(Interview mit Barbara am Samstag, 31.10.2009)


Unsere Ansprechpartnerin arbeitete als Koordinatorin. Auch sie war nicht beim Beginn der Proteste
dabei, sondern erst ab Samstag.
Die AG Presse bestand zum Zeitpunkt der Befragung aus 8-16 Leuten. Davon kümmern sich 2
immer um PressevertreterInnen, geben selbst kurze Interviews oder vermitteln AnsprechpartnerInnen,
jemand kümmert sich immer um die E-Mails und 2 Leute kümmern sich um “Social Media”

51
Plattformen wie Facebook und Twitter. Die AG Presse steht damit einerseits auf der Seite der
klassischen Pressebetreuung, andererseits aber auch auf der Seite der Medienschaffenden. Man habe
einfach gemacht was als notwendig erschienen war. Die Mitglieder kommen aus den verschiedensten
Studienrichtungen und haben sich rund um die gemeinsame Sache schnell organisiert.
Im Wesentlichen bestünde die AG Presse aus einem harten Kern, die aus Spaß und Überzeugung
sehr hart, zu Beginn 20-30 Stunden-Schichten, arbeiten würde und anderen Leute die immer wieder
mal Unterstützung liefern. Es wird auf eine breite Aufstellung des Teams Wert gelegt, so dass jedeR
alles machen kann und keine Abhängigkeiten entstehen.
Zum Zeitpunkt der Befragung war gerade ein Rückbau auf ein Niveau das langfristig haltbar ist im
Gange. Dafür wurden die wesentlichen Aufgaben (Medienspiegel, Homepagebetreuung,
Medienbetreuuung, Emails, Interviewanfragen) und benötigten Ressourcen definiert und auch die
Räumlichkeit strukturell verändert.
Der Rest wird zurückgefahren um auf Schlaf, Privatleben etc. Rücksicht zu nehmen.

Interne Struktur/Kommunikation
Die interne Struktur hat sich über die erste Woche hinweg durch die anfallenden Aufgaben
„langsam entwickelt“. Mit der Zeit wurden die Aufgaben konkreter – E-Mail und Website, Facebook
und Twitter, Medienbeobachtung und Pressebetreuung. Eine Tafel mit den Aufgaben wurde aufgestellt
und auch die Tischanordnung hat sich mitentwickelt.
„Es hat sich intern vieles intern getan.“
Der Raum der AG Presse gleicht inzwischen einem War Room, wie man ihn aus Filmen zu
Präsidentschaftswahlkämpfen kennt. Flipcharts, Pressespiegel und jede Menge Notebooks um die sich
die Mitglieder scharen um ihren Aufgaben nachzugehen. Eine Person kümmert sich dabei um die
Koordination der Aufgaben, die Entgegennahme von Anfragen und die Kommunikation mit
Neuankömmlingen und anderen AGs. Diese Person ist nicht basisdemokratisch gewählt sondern hat
aus dem Bedürfnis heraus einfach damit Begonnen die Funktion zu erfüllen.
“Also ich hab jetzt keinen fixen Stellvertreter und dass ich das die meiste Zeit mache ist eigentlich
eher Zufall gewesen ...”
Für Außenstehende sieht es aus als wäre persönliche Anwesenheit und Kommunikation die
Grundlage für die Arbeit in der AG Presse wäre. Hierarchien, Aufgabenbereiche oder genaue Abläufe
– abgesehen von der Koordination – sind zumindest auf den ersten Blick von außen nicht erkennbar.
Grundsätzlich gibt es keine fixe Arbeitsteilung sondern eine Tafel in der man sich für Zeiten und
Aufgaben eintragen kann. Auch die Koordination – die wiederum keine direkte Machtfunktion an sich
ist – ist nicht fix. Sie bestand zum Zeitpunkt der Befragung aus 3-4 Leuten die bereits länger dabei
waren, abwechselnd anwesend sind und wissen was benötigt wird. Zwei bis drei mal am Tag trifft sich
die Gruppe zu internen Koordinationsmeetings bei denen wichtige Dinge besprochen,
basisdemokratisch abgestimmt und geplant werden. Da allerdings – zumindest zum Zeitpunkt des

52
Interviews – kein Tag wie der andere läuft, gibt es jeden Tag vor Ort, spontan und je nach
Bedürfnislage neue Terminvereinbarungen. Trotz gefestigterer Strukturen nach 8 Tagen Besetzung ist
also noch alles im Fluss.

Als Medium für die interne Kommunikation, und damit der Fluss nicht abreißt, kommen vor
allem die privaten Handys zum Einsatz. Es gibt eine Liste mit Namen und Telefonnummern in die man
bei Bereitschaft zur Mitarbeit eingetragen wird und die man bei Bedarf durchrufen kann. Intern gibt es
Ordner in denen bearbeitete Inhalte geladen werden und für alle anderen Mitglieder wieder zugänglich
sind.

5.4. AG Zeitung/Morgen

(E-Mail Interview mit Bibi vom 9.11.2009)


Die AG wurde am 26.10. am Plenum von P. Wagner ausgerufen, wo sich schon einige Menschen
zusammen fanden. Am darauf folgenden Dienstag, 27.10., wurden einige Menschen dazu aufgerufen,
bei der Besetzung der Alten Druckerei zu helfen. Durch diesen Aufruf erfuhren weitere Leute von der
AG Zeitung und so entstand quasi die AG, wie sie im Moment ist.
Wie sieht die Organisation innerhalb der Gruppe aus?
3. Welche Rollen gibt es?

Es gibt LektorInnen, InnenvernetzerInnen, eine Finanzgruppe, Außenvernetzung,


OrganisatorInnen, AutorInnen, LayouterInnen/GrafikerInnen, Leute, die hauptsächlich für die
Fotos zuständig sind, Leute, die die Rechtsfragen klären, EDV...
 Wie sieht die Arbeitsteilung aus?

Das ist meistens recht verschieden. Die oben beschriebenen Rollen beschreiben die Aufgaben(-
verteilung) schon recht genau. Es kommt aber immer wieder vor, dass Leute aus einer Gruppe die
Aufgaben von anderen übernehmen. Viele Aufgaben verschwimmen aber auch ineinander. Oft
haben nicht immer dieselben Leute gleich viel Zeit.
4. Gibt es eine Hierarchie oder werden Entscheidungen basisdemokratisch getroffen?

Es gibt keine "Höchste Instanz", aber es gibt tatsächlich so etwas wie eine "Kerngruppe". Diese
besteht hauptsächlich aus Leuten, die ab dem 1. oder 2. Tag bei der AG dabei waren oder auch
welche, die jetzt immer wieder in der Redaktion präsent sind. Wenn wichtige Themen auf der
Tagesordnung stehen, dann versuchen wir in höchstem Maße, basisdemokratisch zu entscheiden. Oft
wurden schon Themen quasi basisdemokratisch beschlossen, jedoch waren bestimmt nicht alle Leute
anwesend und auch nicht diejenigen, die immer wieder da sind und sich schon überall auskennen.
Prinzipiell ist es für diese Art von AG sehr schwierig basisdemokratisch zu entscheiden wegen all
der Termine.

53
War es eine kontinuierliche Entwicklung?
Der erste Redaktionstag inklusive Entstehungstag und Druck war ein sehr chaotischer
Haufen. In 6h (!) haben wir ohne unsere eigenen PCs, in einem PC-Raum im NIG, eine 12-Seiten-
starke Zeitung herausgebracht. Da gab es auch schon minimale und vage Aufgabenverteilungen, im
Endeffekt war aber jedeR total im Stress und wusste nicht mehr, was er/sie tun sollte, also hat
einfach jedeR so gut es ging alles gemacht. Das ist zwar teilweise jetzt auch noch so, aber wir haben
eine offizielle Einteilung. Wir haben mittlerweile alle Emailadressen geordnet je nach "Gruppe" (oder
Gruppen), das ist ein unheimlicher Fortschritt gewesen (Koordination). Alle Emailadressen
einheitlich in einem Adressbuch zu haben ist schon sehr viel wert, wenn's etwa heißt: "Bitte den
LektorInnen eine Email schreiben, dass die Texte schon hochgeladen sind. sie können mit dem
Lektorat beginnen".
Wie läuft die Kommunikation zwischen den Gruppenmitgliedern ab?
Welche Medien verwendet ihr? Grundsätzlich verwenden wir unsere privaten Emailadressen für die
interne Kommunikation untereinander, aber auch das Handy kommt sehr oft in Einsatz (sei es SMS
versenden oder Anrufe), auf Skype werden meist spontane Dinge kommuniziert oder
Entscheidungsfragen. Facebook dient zur Kommunikation und Information nach "außen" ebenso wie
Twitter. Zusammenfassend: Email und Handy.
Wie koordiniert ihr euch?
Email und Handy. Treffen im Redaktionsraum und ungefähre Aufgabenverteilung, was wirklich
schwierig ist.
Gibt es aktive Akquisition von MitarbeiterInnen? Wie sieht diese aus?
Grundsätzlich: Ja, gibt's! Plenum, Facebook, Twitter. Ausführlicher: Während dem Zeitung verteilen
sprechen wir manchmal Leute an: „Wenn ihr möchtet, dann kommt doch mal vorbei oder schreibt ein
Email.“ Über Facebook: In unserer Info steht, dass wir grundsätzlich an neuen MitarbeiterInnen
interessiert sind, (etwa an AutorInnen und LektorInnen). Zum Verteilen brauchen wir auch immer
wieder Leute, da läuft die Akquisition übers Plenummikro, Twitter, Facebook.
Gibt es RepräsentantInnen nach außen? (SprecherIn, GründerIn, …)
Es gehen ungefähr immer wieder die selben Leute zum Plenum und sprechen ins Mikrophon.
Das ist aber entweder Gewohnheit oder Mangel an präsenten Menschen zu den jeweiligen
Plenarzeiten. Für Doku usw. haben wir keine eigenen SprecherInnen bestimmt, auch der Gründer
selbst definiert sich wahrscheinlich nicht als der Repräsentant nach außen, obwohl er oft
Plenaransagen übernimmt. Und wichtig: Wenn wir jemanden bestimmen würden, wären das
100%ig zwei Menschen: Eine Frau und ein Mann.
Wo bestehen Probleme in der internen Kommunikation? (Oder hat es welche gegeben, wie
wurden sie gelöst?)
Die Probleme waren die vielen immer wieder geänderten neu hinzukommenden Emailadressen. Das
Problem wurde gelöst, indem sich die meisten ein Emailprogramm runtergeladen haben, damit wir ein

54
einheitliches haben. Jetzt kümmert sich einer von uns um die Verwaltung des Adressbuches:
aktualisiert es beinahe jeden Tag und schickt die aktualisierte Liste weiter.
Und die interne Kommunikation bezüglich ausgewählten Artikeln, lektorierten Artikel usw. war
beim ersten Mal eine Katastrophe, obwohl das System, auf das die Artikel geladen wurden, prinzipiell
ein Gutes ist - das Problem war wahrscheinlich (mMn) der Mangel an Kommunikation,
Vernetzung und die schwimmende Grenze zwischen den Aufgabenverteilungen. Das wurde zum
Großteil gelöst, indem wir das Emailprogramm dafür verwenden, die LektorInnen untereinander
sich abgesprochen haben, wie sie lektorieren. die fertig Lektorierten kommen zur Kontrolle
nochmal in einen Ordner. Von dort werden sie dann im Endeffekt auf das Redaktionssystem (von
unserem EDV-Mensch ausgearbeitet) geladen und schließlich landen sie im Druck.

5.5. AG Infotisch

(kurze Befragung mit Anonym am 31.10.2009)


Die Infotisch AG wir durch den Tisch selbst und die dahinter liegende Wand organisiert. Bei der
kurzen Befragung stellte sich heraus, dass immer wieder andere den Tisch besetzen und Auskunft
geben. Die AG kommuniziert, da nur aktiv wenn anwesend, persönlich, ist aber kein fixes Team. Wer
den Tisch sieht und ein Plakat aufhängt ist sozusagen schon latentes Teammitglied. Am Tisch liegt ein
Dienstplan. Wer sich einträgt ist dabei.

5.6. AG Rechtshilfe

(E-Mail-Interview mit Anonym vom 3.11.2009) Die AG ist am Wochenende nach der Besetzung
entstanden aus der Notwendigkeit von rechtlicher Beratung rund um eine mögliche Räumung der
Besetzung, bzw. für rechtliche Fragen bei Polizeikontakt.
Die Gruppe organisiert sich auf eigenen Plena, die etwa jeden zweiten Tag stattfinden und über E-
Mail sowie ihre Wiki Seite. Alle Gruppenmitglieder haben gleich viel zu sagen, es wird im Konsens
entschieden und alle bestimmen wie sehr sie sich einbringen. Arbeitsaufgaben werden aufgeschlüsselt
und dann verteilt. Dabei nimmt sicher jedeR was er/sie gerne machen würde. Es gibt keine offizielle
Hierarchie. Durch möglichst transparente Information wird versucht informelle Hierarchien
abzubauen. Die Organisation in den Plena hat sich nicht wirklich verändert. Diskussion aller
Anwesenden und im Konsens.
Kommuniziert wird über E-Mail, Privathandy und das offizielle Wiki, sowie Dienstpläne.
Die Entscheidungen werden per Mail und am Plenum verbreitet.
Neue Mitglieder finden sich ohne aktive Werbung.
Die Gruppe wird durch diejenigen vertreten die sich am Plenum für den akuten Fall der Vertretung
melden und wenn die Gruppe damit einverstanden ist. Die Kommunikation läuft recht gut, der
Mailverteiler hat das Problem der Nicht-Erreichbarkeit behoben.

55
Organisation/Kommunikation zwischen den
einzelnen Arbeitsgruppen (AGs)

INTOR
Interne Organisationskommunikation

Pilz Kristina, M.A. Kommunikation


Reimon Michel, MBA Organisationsentwicklung

WS 2009/2010

ausgearbeitet von

AFSHIN SEFAT Homajon


KOUHKILOUI Mitra
POPESCU Ilinca
ROTHMAIR Sabine

Wien, November 2009

56
Organisation/Kommunikation zwischen den einzelnen Arbeitsgruppen (AGs)
Noch nie nahm ein „Uni-Streik“ solche Ausmaße an, wie jetzt. Durch die neuen Medien
verbreitete sich die Nachricht in Windeseile in ganz Österreich und verschiedene
Gruppen formieren und organisieren sich seither selbst. Genau diese Tatsache zeugt
von einer perfekten Kommunikation und Organisation. Ob dies nun der Realität
entspricht, gilt es in dieser Arbeit zu analysieren. Als Untersuchungsobjekt wird hierfür
die Kommunikation zwischen den verschiedenen Arbeitsgruppen gewählt.

Eine genaue Anzahl der Arbeitsgruppen lässt sich nur vermuten, insgesamt sollen
schon 80-100 Arbeitsgruppen gegründet worden sein. Fast täglich kommen neue hinzu –
manche sind aktiv, andere halten sich eher im Hintergrund. Die Arbeitsgruppen decken
sämtliche Themenbereiche ab und reichen von der AG „Psychosoziale Betreuung“ bis
hin zur AG „Weihnachtsprogramm“.
Wir haben uns auf die Suche begeben und einige Vertreter diverser AGs getroffen.

Rund um das Audimax findet man alle nötigen Informationen. Hauptanlaufstelle stellt
der so genannte Infopoint dar. Hier werden aktuelle Termine auf Infotafeln geschrieben
und jeder der Informationen braucht, kann sich an die Personen dort wenden. Uns wurde
gesagt, dass an diesem Punkt die aktuellsten Informationen zu finden sind. Leider ist die
Bewegung mittlerweile so groß, dass die Betreuer des Infopoints teilweise nicht immer
auf dem neusten Stand sein können, da es ständig neue Informationen gibt. Allerdings
sind diese auch online auf www.unsereuni.at zu finden. Die Studenten45 am Infopoint
waren jedoch sehr bemüht uns weiter zu helfen und uns die Struktur der Arbeitsgruppen
näher zu bringen. Dort erfuhren wir die Uhrzeit und den Ort für das nächste „Orga-
Treffen“. Man gab uns die Information, dass dies ein tägliches Treffen für alle
Arbeitsgruppen sei. Dort werden alle aktuellen Themen besprochen und die anwesenden
Vertreter der Arbeitsgruppen können sich austauschen und neuen Input holen.

45
Auf Grund der einfacheren Lesbarkeit wird in dieser Arbeit lediglich die maskuline Schreibweise verwendet.
Natürlich sind damit Frauen und Männer gleichermaßen angesprochen.

57
Arbeitsgruppen
Die Arbeitsgruppen (AGs) sind lose Gruppen, die sich selbst gründen und keinen
formalen Regelungen unterworfen sind. Jeder Student kann eine AG gründen, es bedarf
keiner Genehmigung oder sonstiger administrativer Wege. Ein Problem dabei ist, dass
dadurch einige Themengebiete von mehreren AGs parallel bearbeitet werden. Eine
Zusammenlegung dieser AGs wäre effizienter.
Deswegen gibt es die Möglichkeit AGs über die Webseite www.unseruni.at „offiziell“ zu
machen. Dort ist eine Großzahl der AGs mit ihren thematischen Schwerpunkten,
Kontaktadressen und weiterführenden Infos aufgelistet, was die Kommunikation
zwischen den AGs erleichtert.
Jede AG hat einen bestimmten Themenschwerpunkt, wodurch auf freiwilliger und
demokratischer Basis alle wichtigen Tätigkeiten, von Küche bis Vernetzung über
Forderungen, aufgeteilt werden.

Kommunikation zwischen den Arbeitsgruppen


Anfänglich begann der Streik mit wenigen Gruppen, von Organisation war hier noch
nicht die Rede, dennoch funktionierte das „System“. Durch die überschaubare Größe
war die Kommunikation untereinander einfach und informell. Mit der Zeit wurde die
Kommunikation organisierter, da sich immer mehr Studierende der Protestbewegung
anschlossen und ein strukturierter Kommunikationsfluss unumgänglich wurde. Es wurde
eine eigene Arbeitsgruppe gegründet, die sich voll und ganz der Organisation verschrieb.
In der Theorie, gibt es täglich „Orga-Treffen“, bei dem die wichtigsten Inhalte besprochen
werden. Weiters haben neue AGs hier die Möglichkeit ihre Konzepte und Forderungen
vorzustellen. Auch Diskussionsthemen für das Plenum werden hier besprochen.
Zusätzlich wird hier das nächste Treffen (Uhrzeit, Ort) ausgemacht:
Das Orga- Treffen findet 1-2x täglich statt, um jeweils einem bis mehreren Vertretern
jeder AG die Möglichkeit zu geben sich auszutauschen. Zudem wird Protokoll geführt,
um anderen Studierenden die Möglichkeit zu geben sich zu informieren. Ein Moderator
wird vor Ort gewählt. Um niemanden zu diskriminieren wird hier viel Wert darauf gelegt,
dass 1. die Moderation immer jemand anderer übernimmt und 2. dass es abwechselnd
eine Frau und ein Mann ist. Nach demselben Schema wird ein Schreiber/in, der/die
anschließend das Protokoll online stellt ausgewählt. Anfangs war die ORGA-AG eine
eigenständige AG. Doch gegenwärtig wird diese von den wechselnden Vertretern der
AGs beschickt. Die Kommunikation beim Orga-Treffen läuft sehr diszipliniert ab. Durch
den Moderator wird eine Sprecherliste erstellt, die Teilnehmer lassen sich aussprechen
und kommentieren lediglich Beiträge mit Handzeichen. So kam es oftmals vor, dass

58
„stumme Zustimmung“ kundgetan wurde, indem die anderen Teilnehmer in
Gebärdensprache dem Sprecher zustimmten.

Strukturen und Informationsaustausch


Es fand eine interessante Diskussion während des Orga-Treffens statt, in der es
darum ging, dass das Wort „Struktur“ durch das Wort „Informationsaustausch“ ersetzt
werden soll. Die Teilnehmer des Treffens haben unterschiedliche Vorstellungen warum
es dieses Treffen gibt und wie die Organisation strukturiert werden soll. Das Interessante
dabei ist, dass bei der gemeinsamen Arbeit ein solcher Wert auf etwaige Details gelegt
wird, obwohl eigentlich die Aufgabenverteilung und Berichte der Arbeitsgemeinschaften
im Mittelpunkt stehen sollen. Es scheint so als würde das effektive Arbeiten durch
fehlende Strukturen beziehungsweise ein unterschiedliches Verständnis von Strukturen
extrem gehemmt werden. Ein Mitglied im Orga-Treffen sagte auch explizit, dass das
Wissen und die Kompetenz im Vordergrund stehen sollen. Trotzdem ist dies ohne
bestimmte Strukturen anscheinend nicht möglich. Dieser Eindruck bestätigte sich bei
einem Besuch im Audimaxx, in dem eine Diskussion stattfand, die sich mit der
Organisation des Aufstandes beschäftigte. Dort wurde gefordert, dass die Anliegen der
Arbeitsgruppen auch angehört werden und nicht untergehen und dass ebenso andere
Meinungen akzeptiert werden bzw. zumindest angehört werden sollen. Es war eine
gewisse Frustration unter den Besetzer spürbar.
Die wichtigsten Informationen werden in Form eines Protokolls auf
http://unsereuni.at/wiki online gestellt, ebenso die Zeiten für das nächste Treffen.
Zusätzlich werden sie am Infopoint in Plakatform ausgehangen.
Dies hat zur Folge, dass jeder Zugriff zu den Informationen hat und so exakt
nachvollzogen werden kann, was wann, wie, bei welchen AGs beschlossen wurde und
welchen Konzepten gearbeitet wird.
Diese absolute transparente Form der Informationsweitergabe und Kommunikation ist
die Stärke des Systems. Dadurch wird keiner vom Informationsfluss ausgeschlossen und
die Koordination zwischen den AGs wird wesentlich einfacher.
Ein Mitglied der Sanitäter berichtete uns jedoch, dass es schön wäre wenn es eine
Kommunikations-AG gäbe, die sämtliche Neuigkeiten schnell aufbereitet und zur
Verfügung stellt, da es oftmals nicht möglich ist in das Orga-Treffen zu gehen und der
Informationsfluss doch nicht so gut funktioniert, wie er das eigentlich sollte. Interessenten
sind somit selbst verantwortlich sich die neusten Informationen zu beschaffen.
Werden neue Ressourcen von Arbeitsgruppen benötigt, wie z.B. neue Mitglieder oder
Hilfe von anderen AGs, werden diese Personen entweder direkt angesprochen oder über

59
die Presse-AG gesucht. Dort werden die Anliegen aller AGs online gestellt und
dokumentiert.
Aufgrund der Tatsache, dass Entscheidungen nur gemeinsam getroffen werden
können und diese überwiegend aus einem gemeinsamen Konsens entstehen und keine
Kompromiss-Entscheidungen sind, können diese Prozessen sehr langwierig sein. „Man
darf nicht vergessen, dass es sich hier um ein Experiment handelt!“, so ein Mitglied einer
AG.
Alle Entscheidungen werden „basis-demokratisch“ beschlossen, jeder hat das Recht
zu sprechen und seine Forderungen zu argumentieren. Was die allgemeine Fairness
und das Mitspracherecht aller fördert. Es wird so sowohl eine systematische als auch
kommunikative Hierarchie vermieden. Allerdings wurde bei unseren Gesprächen mit
Vertretern der Arbeitsgruppen die Forderung nach festeren Strukturen für
Krisensituationen gestellt, da eine schnelle Reaktion durch die basis-demokratische
Entscheidungsmöglichkeit mit dem Plenum am Abend verhindert wird. Deswegen
werden Probleme oftmals bewusst aufgeschoben und vernachlässigt.

Die interne Kommunikation bekommt zudem den Druck von außen zu spüren, welcher
sie zwingt ihre Strukturen zu ändern. Denn letztendlich müssen die intern beschlossenen
Forderungen mit der Politik diskutiert und verhandelt werden. Dieser Druck von außen
wird von einem AG-Mitglied als sehr positiv bewertet, da dadurch die Arbeit der Gruppen
produktiver wurde. Die interne Kommunikation wird somit durch den Druck von außen
verbessert.

Basis-Demokratie
Was sich bei der Kommunikation zwischen den Arbeitsgruppen zeigt, ist die basis-
demokratische Herangehensweise. Ein Zugang für das Treffen von Entscheidungen, der
so in der Wirtschaft, Politik oder auch in der Gesellschaft per se kaum vorzufinden ist.
Eine genaue Definition dieser demokratischen Form gibt es nicht und ist auch für die
Studenten ein neuer Zugang, der sich entwickelt.
Er widerspricht all den gängigen Entscheidungs- und Hierarchieformen die wir kennen.
Denn hier hat tatsächlich jeder Teilnehmer das gleiche Recht und jede Meinung hat
dieselbe Wertigkeit. Dies kommt Jürgen Habermas Theorie der idealen Sprechsituation
sehr nahe:

„Die ideale ideale Sprechsituation ist die Utopie herrschaftsfreier


Kommunikation, in der völlige Chancengleichheit bei der Wahrnehmung der

60
Dialogrollen besteht und systematische Verzerrungen der Kommunikation
ausgeschlossen sind.“46

Dieses Prinzip spiegelt sich in der Kommunikation zwischen den AGs wieder.

Zusammenfassung
Die Kommunikation zwischen den Arbeitsgruppen erfolgt demnach zusammenfassend
über zwei primäre Kanäle: in offenen Diskursen und über die Online Plattformen. Wobei
niemand von den Informationsquellen ausgeschlossen wird. Die Informationen müssen
sich die Mitglieder der Arbeitsgruppen selbst beschaffen, wobei ihnen die drei
Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden, die der vollständigen Transparenz
entsprechen: das Protokoll, der Infopoint und die Internetseite der Bewegung.

Hinsichtlich der Kommunikationsprozesse zwischen den Organisationen, muss


unterstrichen werden, dass keine Muster oder Theorien verfolgt werden; es handelt sich
um ein Experiment der Demokratie und gleichzeitig auch um einen Experiment das die
Kommunikation zwischen den AGs betrifft.
„Nicht die Schule, nicht die Uni und auch nicht das Leben, sondern das jetzige
Experiment hilft uns den Weg zu finden“, meint einer unserer Gesprächspartner.
Kommunikation in diesem Ausmaß wird einem nirgends beigebracht und er meinte, dass
diese Erfahrung ihn für sein weiteres Leben schon sehr geprägt hat. Anfangs war die
Kommunikation sehr chaotisch, aber auf Grund der geringeren Anzahl an Teilnehmern
trotzdem gut. Nach den ersten zwei Tagen hat sich die Kommunikation gebessert, da
neue Kommunikationsmittel (Orga-Treffen, online, Infostand) hinzugezogen wurden, um
mehr Leute zu erreichen. Der Selbstorganisierungsprozess half dabei die
Kommunikation zu verbessern, da überlegt wurde wie man am Besten die Leute
erreichen kann. Als es zu der Anzahl von 80 – 100 AGs kam, wurde die interne
Organisationskommunikation erneut etwas chaotisch, was sich aber folglich des Drucks
von Außen sehr schnell wieder normalisierte.
Da es keine langfristigen Pläne gibt, wird auch die Kommunikation an die gegebenen
Koordinaten angepasst. Obwohl eine Kommunikationsoptimierung angestrebt wird, bleibt
jedoch das Problem, dass Entscheidungen nur im Plenum getroffen werden können und
somit eine geringe Entscheidungsflexibilität besteht.

46
BURKART, Roland. Kommunikationswissenschaft. Grundlagen und Problemfelder. Umrisse einer
interdisziplinären Sozialwissenschaft. 4.Auflage. Wien: Böhlau Verlag, 2002. S 441.

61
Hinsichtlich der Basisdemokratie, sind die aktiven Teilnehmer an der Bewegung sehr
zufrieden. Manche beklagen allerdings den zu großen Rahmen, der den Diskussionen
gegeben wird und keine konkrete Entscheidung folgt. Bei den Orga-Treffen werden sehr
viele Probleme hervorgehoben werden, die alle auch im Plenum Platz finden müssen.
Statt diese jedoch durchzusprechen und für das Plenum aufzubereiten, wird sehr lange
darüber diskutiert. Dadurch kommt es zu zeitlichen Problemen und am Ende weiß man
so viel wie vorher. Dies wird jedoch bereits durch die paraverbale Ausdrucksweise der
Teilnehmer versucht einzuschränken.
Obwohl die Bewegung über eine gute interne Kommunikation verfügt, erscheint doch
das Problem, dass sie keinen festen Ansprechpartner haben. Aufgrund der
Basisdemokratie und des Mangels an einer Hierarchie, kann die Kommunikation zu einer
Krisensituation gelangen, da es keine Repräsentanten und somit auch keine festen
Ansprechpartner gibt.

Um eine Schlussfolgerung zu formulieren, lässt sich sagen, dass dieses multilaterale


Experiment, einen Erfolg darstellt. Die interne Kommunikation zwischen den
Organisationen stellt sich, trotz aller Unsicherheiten eines Experiments als erfolgreich
dar. Dabei ist es interessant zu beobachten, wie sich ein Kommunikationsnetz auf Basis
der Universitäts-Probleme gegründet hat und wie das Wachstum und die Strukturierung
der Bewegung sich direkt in der immer besser werdenden Qualität der internen
Kommunikation widerspiegelt.
Dieses Beispiel der internen Organisationskommunikation zeigt wie produktiv der
Selbstorganisierungsprozess ist und wie eine Krisensituation durch äußeren Druck zu
einer verbesserten Strategie der internen Kommunikation führen kann.

62
INTOR – „Uni brennt“ Kommunikation 
zwischen den Unis 
bei Kristina Pilz und Michel Reimon 

Bernhard Herzog
Christina Santatic
Christian Gstoettner

1. Vernetzung allgemein
Die Anfänge der Studentendemos 2009 fanden in Wien statt, als sich Studierende dazu
entschlossen den Hörsaal Audimax der Universität Wien zu besetzen. Die Schlagwörter der
Demo sind unter anderem freier Zugang zur Bildung, keine Ökonomisierung der
Universitäten und Abschaffung der Studiengebühren. Die Liste der Forderungen ist gemäß
den Missständen auf den Universitäten sehr lang.
Studierende vernetzen sich vor allem elektronisch über die Web 2.0-Medien Facebook,
Twitter und über Wikis, StudiVZ spielt weniger eine Rolle. Zu den Anfangszeiten seien auch
Studierende in Lehrveranstaltungen anderer Universitäten gegangen, um für ihre Anliegen zu
werben, erzählte uns eine 22-jähriger JUS-Studentin im Audimax. Allerdings würden die
Besetzungen im Juridicum der Universität Wien eher negativ gesehen, weswegen wir auch
einen 21-jährigen Studenten im Audimax des Hauptgebäudes getroffen haben, der sich dort
und nicht im Juridicum an der Besetzung beteiligt. Das Juridicum wäre nur kurze Zeit besetzt
gewesen.
In den Wikis posten die TeilnehmerInnen der Arbeitsgruppen ihre Namen, E-Mailadressen
und Telefonnummern. Unter anderem auch finde sich dort auch die jeweiligen Netzwerk –
Arbeitsgruppen der verschiedenen Universitäten, oder nur die AnsprechpartnerInnen, wenn es
keine Vernetzungsgruppen gibt. Die Arbeitsgruppen (AGs) geben im Wiki auch ihre Treffen
bekannt.
An der Universität bestehende Kommunikations-Strukturen werden abgelehnt, das betrifft
nicht zuletzt die ÖH. Man ist froh, unabhängig von Netzwerken existierender, aber

63
möglicherweise ideologischer Apparate arbeiten zu können, auch wenn das heißt, dass
AnsprechpartnerInnen an anderen Universitäten zuerst unbekannt sind und viele Netzwerk-
Strukturen neu erschaffen werden. Wenn es um Geld für die Bewegung geht, ist die ÖH aber
eine willkommene Partnerin.
Für Facebook wird an einem Ersatz bzw. einer Weiterentwicklung namens „Synaps“
gearbeitet. Das Rad wird neu erfunden, was viel Zeit in Anspruch nimmt. Nicht nur bei der
Software, sondern auch bei der Kommunikation insgesamt scheint das Neue besser als das
Alte zu sein und es wird lieber bei Null begonnen. Wie das ein Student ausgedrückt hat,
werde die neue Universität bereits gelebt, nicht nur Forderungen erhoben.
Ein Instrument der Vernetzung ist das meist abendlich in den besetzten Hörsälen
stattfindende Plenum, in dem Studierende von anderen Universitäten zu Gast sind und von
ihren Erfahrungen berichten. Dann gibt es noch reine Vernetzungs-Plena. Ein solches hat am
Freitag, den 6. November 2009 in der TU Wien stattgefunden. Studierende von der JKU Linz
haben dort angegeben, dass für sie eine wichtige Funktion dieser Treffen sei, Energie
mitzunehmen. Sie wurden bei ihrer Rede auch reichlich mit Applaus bedacht.
Bei solchen Plena werden immer wieder Live-Schaltungen in andere Universitäten
vorgenommen. Das funktioniert leidlich über die Live-Streams im Internet, die Einblick in die
besetzten Hörsälen geben und so eine interuniversitäre Kommunikation ermöglichen. Manche
Universitäten experimentieren mit Skype, das ist aber bei den Wiener Universitäten weniger
beliebt. So warfen beim Vernetzungstreffen Studierende der Universität Salzburg den
KollegInnen an der TU Wien auch prompt vor, dass sie im Skype nur selten online seien. Es
werde auch öfters versucht, Videokonferenzen über Skype durchzuführen.
Immer wieder wird eingemahnt, doch die elektronischen Medien, also vor allem die Wikis,
zur internen Kommunikation zu nützen. Dem entgegen wurde beim Vernetzungstreffen der
Wert von persönlichen Treffen hervorgehoben, wo man die „Gesichter“ der anderen sehen
könne.
Ein Ziel ist bei der Vernetzung, dass Arbeitsgruppen wie zu den Themen „Forderungen“,
„Pressearbeit“, „Mobilisierung“ und „externe Vernetzung“, aber auch „Strategie“, über
Universitäten hinweg miteinander kommunizieren. Eine Möglichkeit, die beim
Vernetzungstreffen diskutiert wurde, wäre die Entsendung von Delegierten in die
Arbeitsgruppen der anderen Universitäten. Dabei wird aber befürchtet, dass das das
basisdemokratische System untergräbt und eine Hierarchieebene geschaffen wird. Es wird als
Gefahr gesehen, wenn es nur einige Personen gibt, die „Übersicht über alles haben“.
Eine wichtige Frage ist, wer dann entscheidet, etwa wenn es um Forderungen geht oder

64
überhaupt welche Forderungen erfüllt werden müssen, damit ein Hörsaal geräumt wird und
die Proteste erfolgreich sind. Diese Entscheidungsschwäche im anarchistischen Setting ist ein
großes Problem, wie man immer wieder in den Plenums-Diskussionen bemerkt hat, etwa
wenn es schon um einfache Dinge wie die Festlegung des nächsten Termins geht.
Durch fehlende Hierarchien bzw. daraus entstehende Vernetzungsprobleme werden
Forderungen immer wieder und doppelt an verschiedenen Universitäten diskutiert. Fehlende
Verantwortlichkeiten führt dazu, dass manchen Personen zu viel aufgebürdet wird, was zum
Burnout führt. Gerade bei den Forderungen wäre eine Koordination zwischen den
Universitäten wichtig, vor allem und nicht zuletzt um in der Kommunikation mit den Medien
einen klaren Standpunkt zu haben.

2. Vernetzung lokal (Wiener Universitäten)


Bei den Wiener Universitäten gibt es eine sehr starke Audimax-Zentriertheit.
Presseanfragen kommen sehr häufig an die Arbeitgruppe Presse, die die große Anzahl gar
nicht alleine bewältigen will, da sie diese Audimax-Zentriertheit als Problem sieht.
Ein Vorteil bei der lokalen Kommunikation ist, dass es für die Arbeitsgruppen einer
Universität einfach ist, das Plenum einer anderen Universität persönlich zu besuchen und dort
einen Redebeitrag abzugeben oder eine kurze „Brand“-Rede zu halten. Die Fahrtkosten
innerhalb von Wien sind gering, das ist bei Reisen zwischen den Bundesländern oder
international ganz anders. Als Beispiel dafür wurden beim Vernetzungstreffen die hohen
Fahrtkosten nach Innsbruck erwähnt.
In der Universität Wien gibt es zwar eine Arbeitsgruppe zur (externen) Vernetzung, die
meiste Vernetzungsarbeit wird aber von der Presse-Arbeitsgruppe erledigt oder vorbereitet.
Das ist bemerkenswert, ist diese Arbeitsgruppe doch auch mit der PR nach außen befasst. Da
aber den BesetzerInnen Transparenz ein großes Anliegen ist, die interne Kommunikation also
auch von außen nachvollziehbar sein soll, ist das weniger verwunderlich.
Die Arbeitsgruppe Vernetzung an der Universität Wien erscheint uns personal unterbesetzt.
Bei unserer Recherche haben wir festgestellt, dass im Wiki bekannt gegebene Treffpunkte
nicht immer stimmen. Den wirklichen Treffpunkt konnten wir erst herausfinden, als wir die
entsprechende Person am Mobiltelefon anriefen, und das war dann ein Treffen einer anderen
Arbeitsgruppe, nicht der Arbeitsgruppe Vernetzung. Die Arbeitsgruppen ändern sich sehr
rasch, eine Arbeitsgruppe zur Vernetzung namens „Brieftaube“ existiert nicht mehr.
Aber andererseits ist das Fehlen einer dezidierten Vernetzungs-AG ein Problem für andere

65
Universitäten, dass etwa auch von der Vernetzungs-AG der Bildenden Künste beim
Vernetzungstreffen als Problem gesehen wurde. Oft ist keine klare Ansprechperson
vorhanden.
Kritisiert wird auch immer wieder die Informationspolitik. Informationen werden oft sogar
innerhalb der Universität nicht ausreichend kommuniziert bzw. sorgen für Überraschung bei
Beteiligten.
Ein gemeinsames Projekt war die Pflanzung eines Kirschbaums in der Universität Wien.
Dabei haben die Universität Wien, die Universität für Bodenkultur und eine Schule für
Gartenbau zusammengewirkt. Schutz dieses Projekts bzw. Baumes erhofft sich die
Studierende durch die Öffentlichkeit, also die Medien.

3. Vernetzung bundesländerweit
Österreichweit zeigten sich die Unis solidarisch und schlossen sich der Protestbewegung
an. Bereits am 2. Demonstrationstag besetzten Studierende den Hörsaal 06.01 der Vorklinik
an der Uni Graz. Auch die TU Graz schloss sich den Protesten an. Der Hörsaal 1 der Johannes
Kepler Universität (JKU) in Linz wurde am 27. Oktober von etwa 100 Studenten besetzt. In
Innsbruck demonstrierte man erstmals am 29. Oktober. Organisiert wurde die Bewegung von
der Plattform „Unbeschränkt Studieren“. Zu den Demos in Salzburg ist in einem Artikel der
Oberösterreichischen Nachrichten zu lesen: „Rund 500 Studierende haben sich am
Mittwochnachmittag bei einer Demonstration durch das Zentrum der Mozartstadt beteiligt…“
(APA, 28.Okt. 2009). Auf der Uni Klagenfurt haben sich besonders viele Professor/Innen und
Uni-Mitarbeiter/Innen mit den Protestierenden solidarisiert. Ein Mitdemonstrant aus Wien, 23
Jahre, meint dazu: „Die Unis solidarisieren sich miteinander, weil sie die gleichen Missstände
erleben. Die Professoren bekommen ein mieses Gehalt. So kann es nicht weiter gehen.“
Aus kommunikationswissenschaftlicher Sicht betrachtet kann man die Protestbewegung als
eine Art Organisation sehen. Es ist sehr spannend zu betrachten wie es diese Bewegung
geschafft hat sich selbst zu organisieren und eine so große Zahl an Mitgliedern in einer kurzen
Zeit zu mobilisieren um auf die Straßen und in die Unis zu gehen und öffentlich zu
demonstrieren. In einem Artikel des Standard heißt es dazu: „Studentenproteste 2.0: The
revolution is twittered. Der Protest findet heute nicht nur in den besetzten Hörsälen und auf
der Straße, sondern auch online statt.“
Für die Kommunikation mit den Unis ist speziell die selbstorganisierte Arbeitsgruppe „Uni
Vernetzung AG“ zuständig. Phillip aus der AG Wien erklärte uns dazu die Vorgehensweise:

66
„Über die Studentenproteste wurde in den Medien laufend berichtet. Die Ansprechpersonen
aus den einzelnen Bundesländern haben sich darauf hin selbst bei uns gemeldet und uns E-
Mail Adressen und Handynummern hinterlassen. Die Kommunikation mit den anderen Unis
verläuft vor allem über E-Mails und über die offizielle Protest-Homepage www.unsereuni.at.
Dort werden alle neuen Entwicklungen online gestellt.“
Die studentische Bewegung hat vor allem die Vorteile der neuen Medien genutzt.
Das Internet bietet die Möglichkeit Informationen sehr schnell zu übertragen und einer
breiten Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen. Da besonders die junge Generation das
Internet gerne nutzt, ist die Reichweite sehr groß. Wer privat keinen Internetzugang besitzt hat
möglicherweise am Arbeitsplatz einen zur Verfügung. Im Vergleich zu anderen
Verbreitungsmöglichkeiten ist das Internet die kostengünstige Variante. Soziale Netzwerke
wie Facebook und Twitter haben sich als gutes Instrument zur Mobilisierung erwiesen. Dazu
wird nicht mal Internet benötigt. Mit einem GPS-fähigen Handy können Twitter Nachrichten
versendet und empfangen werden. Auf Facebook hat die Gruppe „Die Uni brennt“ zurzeit
etwa 26.000 Fans, Tendenz steigend, aus dem Inland wie auch aus dem Ausland, die sich
ständig über die Entwicklungen und neue Protestmaßnahmen austauschen. Auf der Plattform
YouTube wurden eine Reihe an Videos veröffentlicht, Aufnahmen aus den besetzten Hörsälen
und von den Demonstrationen. Eine Ethnologie Studentin aus Wien, 23 Jahre, meinte dazu
folgendes: „Die Mobilisierung fand vor allem über Facebook, Twitter und die offizielle
Homepage statt, auch über das Handy…“ Die Protesthomepage der Uni Wien
www.unsereuni.at wurde aufgebaut um die Diskussion um das Thema Universitäten und
Bildung anzuregen. Die Website dient als Plattform um sich über die Demonstrationen zu
informieren. Sie wird laufend mit neuen Terminen, Beiträgen und Kontakten aktualisiert.
Parallel dazu hat die Uni Graz die Homepage www.unigrazgehoertuns.org errichtet. Auf den
Homepages finden via Live Stream direkt aus den besetzten Hörsälen Übertragungen statt,
um die Entwicklungen für alle Beteiligten und Interessierten nachverfolgbar zu machen. Die
Uni Wien war der Vorreiter dieser Methode. Darauffolgend wurde auch in der Uni Graz, TU
Graz, Uni Innsbruck, Uni Linz und Uni Klagenfurt ein Live Stream eingerichtet. Gesendet
wird in Echtzeit. Man bekommt die Möglichkeit vom Sofa aus mitten drin und „live dabei“ zu
sein. Das Internet ist zum Hauptkommunikationsmittel in der internen
Organisationskommunikation der Demonstrant/Innen geworden. In diesem Fall kann man von
einer dialogischen horizontalen Kommunikation sprechen, die in viele verschiedene
Richtungen geht. Kommuniziert wird mittels sozialer Plattformen, die vor allem auch
Studierende und andere Interessierte erreichen, die räumlich voneinander getrennt sind, z.B.

67
im Ausland, und Öffentlichkeit schaffen. Mittels personeller Kommunikation, E-Mail
Austausch und Handy/ Mobiltelefonie wird laut Philipp aus der Uni Vernetzung AG ebenfalls
viel kommuniziert. Dabei haben sich die Studierenden sehr gut selbst organisiert und ein
Netzwerk geschaffen, das einen ständigen Austausch untereinander möglich macht.

4. Vernetzung international
“We believe that there are problems on an international level, problems that can't get solved
solely within a national context. Our first step is to provide a tight network for the current
movement in Vienna and protesting institutions worldwide. Together we stand for change.“
(http://unsereuni.at/wiki/index.php/Internationale_Vernetzung; 11.11.2009)
Die internationale Vernetzung konzentriert sich vor allem auf den europäischen Raum, und
hier sehr intensiv auf Deutschland. So sind in unserem Nachbarland – ausgehend von den
österreichischen Protesten- bereits 18 Universitäten besetzt (Stand: 11.11.2009). Außerdem ist
jeweils eine Universität in Großbritannien und in der Schweiz besetzt.
Für die internationale Pressearbeit wurde eine eigene Arbeitsgemeinschaft mit dem Namen
„Int. Presse AG“ ins Leben gerufen, die sich täglich mit der „Presse AG“ sowohl formell, als
auch informell austauscht, um anschließend mit den Kollegen im Ausland Erfahrungen und
Forderungen auszutauschen.
Die internationale Vernetzung findet, mangels der Möglichkeit von persönlicher
Kommunikation, fast ausschließlich im Internet statt. So wird in eigenen, mehrsprachig
verfassten Facebook-Gruppen und auf eigens eingerichteten Homepage sowie auf Twitter und
Wiki versucht, auch außerhalb von Österreich eine Community aufzubauen.
Das wichtigste interne Kommunikationsmittel ist der Mailverkehr, außerdem wird Skype
genutzt, um mit Studenten in anderen Ländern preiswert in Kontakt treten zu können.
Natürlich sind die Kommunikation und der Vernetzungsgrad zwischen den Studierenden
verschiedener Staaten ein anderer, als auf lokaler oder nationaler Ebene, da andere Faktoren
berücksichtigt werden müssen. Zum Beispiel müssen in anderen Staaten, aufgrund
abweichender Rahmenbedingungen, andere Forderungen gestellt werden, und außerhalb des
deutschsprachigen Raumes sprachliche Barrieren in der Kommunikation miteinbezogen
werden.

68
Quellen:

Der Standard: „Ausstiegsszenarien-Solange Essen da ist, wird besetzt" vom 29. Okt. 2009

Der Standard: „Studentenproteste 2.0: The revolution is twittered” vom 29. Okt. 2009

Der Standard: „Bundesländer- Auch abseits von Wien werden Unis besetzt“ vom
27. Okt. 2009

Der Standard: „Uni-Besetzung Tag 6“ vom 27. Okt. 2009

69
VO+UE Interne Organisationskommunikation
Kristina Pilz, M.A. • Michel Reimon, MBA
WiSe 2009/10

Nutzung von Social Networks in der Internen


Organisationskommunikation

Klug Patrycja
Schuster Magdalena
Prüwasser Michael

70
Nutzung von Social Networks in der Internen
Organisationskommunikation

Unserer Gruppe hat sich im Seminar Interne Organisationskommunikation mit der


Verwendung von Social Networks bei der Audimax Besetzung an der Universität Wien
beschäftigt. Den Rahmen in dem die interne Kommunikation stattfindet, haben wir wie folgt
festgelegt: Da es sich um eine sehr offene Organisationsstruktur handelt, zählen wir die
Kommunikation zwischen Studenten, Lehrpersonal und Verwaltung zur internen
Kommunikation. Gemäß dem Grundgedanken der Bewegung, möglichst viele betroffene
Personen einzubinden, bieten Social Networks die effektivste Möglichkeit intern zu
kommunizieren. Aufgrund der Vernetzung ihrer User ist es möglich, Informationen innerhalb
kürzester Zeit an alle zu versenden.

In einem ersten Gespräch mit Mitgliedern der Arbeitsgruppe (AG) Presse verschafften wir
uns einen Überblick über die Kommunikationsstruktur der Audimax Besetzung. Zu den
wichtigsten verwendeten Social Media Plattformen zählen Facebook, Twitter, StudiVZ, Flickr,
Wiki, aber auch diverse Blogs wie beispielsweise „Kellerabteil“ und „phsblog.at“. Auf die
Verwendung von Blogs wird in diesem Beitrag nicht eingegangen, was nicht heißen soll,
dass sie nicht auch einen großen Beitrag für den Diskurs im Netz leisten, sie aber nicht direkt
zu den Social Networks zählen.

In der AG Presse, die wir hier beispielhaft für die AGs anführen, arbeiten derzeit
ca. 20 Personen mit, dabei bestehen keine Spezialisierungen und Hierarchien, jeder
arbeitet dort, wo gerade Bedarf ist. Zumeist wird jedoch ein Koordinator für einen Tag
bestimmt, der dann die Mitglieder an der richtigen Stelle einsetzt. Viele Mitarbeiter
sind auch dazu übergegangen nicht nur über die offiziellen Accounts zu
kommunizieren, sondern auch von privaten Konten aus ihre Meinung kundzutun.
In einem Interview mit dem AG-Mitglied Luca Hammer zeigt sich, dass die Social
Networks innerhalb der Organisation sehr wichtig sind, aber nicht ausschließlich der
internen Kommunikation dienen, „es gibt kein rein Internes [Social Network]. Jede
Kommunikation versucht transparent gemacht zu werden. Sehr wichtig sind hierfür
Wiki und Livestream sowie Twitter, aber auch Facebook. Es wird öffentlich gemacht,
wo noch Hilfe gebraucht wird und so finden sich in kurzer Zeit Menschen, die helfen.
Oder Dinge die gebraucht werden.“ An dieser Aussage lässt sich der Geist der
Bewegung festmachen, wobei gerade die erwähnte Transparenz gewährleistet, dass
jeder Außenstehende jegliche Informationen abrufen kann und nichts im

71
Verborgenen bleibt. Hierin spiegelt sich auch der basisdemokratische Grundgedanke
der Bewegung. Dahinter steht also keine zentral organisierte Hierarchie, sondern
jeder wird dazu angehalten zu partizipieren. Im phsblog ist hierzu folgendes zu lesen
„Weil die Kommunikation in hohem Maße transparent und dezentral verläuft, fällt es
weniger zentralen NetzteilnehmerInnen leichter sich einzubringen, als dies bei
klassisch hierarchischen Organisationsformen je möglich wäre: Wer etwas braucht
oder beitragen will, holt sich nicht vorab die Erlaubnis vom Zentrum, sondern speist
die Info ins Netzwerk ein. So organisieren die einen eine Volxküche, die mit Essen
versorgt, mehrere Websiten wurden ins Netz gestellt und wieder andere verbreiten
antisexistische Flyer. Eine zentrale Organisation stieße hier bald an ihre
Koordinations-Grenzen. Das Netzwerk hingegen kann schier unendlich wachsen. …
Wenn die Bewegung netzwerkartig weiterwächst, kann sie sogar auf die Bevölkerung
übergreifen. In der Theorie liegen die Stärken eines Netzwerkes ja in der Fähigkeit,
Widersprüche zu überbrücken und heterogene Teile zu integrieren. Gelingt es,
hunderte Knotenpunkte in der Bevölkerung zu aktivieren, die vom Anliegen
angesteckt werden, dann scheint alles möglich.“

Größtes Problem bzw. größte Schwierigkeit an diesem System ist, dass eine Holschuld
besteht, und somit nur wirklich interessierte Menschen erreicht werden können. Aber es
ermöglicht eine direkte, unverfälschte Kommunikation, anders als jene über die
herkömmlichen Massenmedien, wie beispielsweise Print und TV.

Das heißt, auch die offiziellen Accounts, wie beispielsweise bei Facebook „Audimax
Besetzung in der Uni Wien - Die Uni brennt!“, sind den AGs frei zugänglich. Es gibt also
keine Hauptverantwortlichen „es schreibt wer will. Viele Arbeitsgruppen haben selbst Zugang
zur Website, von dort werden Inhalte auf die verschiedenen Plattformen gepusht. Bei
Facebook gibt es ein kleines Team aus Admins [Administratoren]… auch im Twitter Account
schreiben inzwischen mehrere Personen.“, so Luca.

Zu Beginn der Bewegung war, laut Luca, mit großer Wahrscheinlichkeit, vor allem Twitter
maßgeblich daran beteiligt Leute zu mobilisieren. Durch dieses schnelle Medium konnten
innerhalb kürzester Zeit die wichtigsten Informationen weitergeleitet werden. Schnell kam
dann Facebook hinzu, somit wurden die Informationen einer breiteren Masse zugänglich
gemacht. Auch im StudiVZ wurden Gruppen zum Thema der Audimax Besetzung gegründet.
Mit Hilfe von Flickr werden Fotos zur Verfügung gestellt. Die wichtigste Kommunikations-
plattform ist Wiki, diese ist öffentlich zugänglich, dient aber vor allem auch der internen

72
Verständigung. Ausschlaggebend ist hierbei wieder der Transparenzgedanke. Auf dieser
Seite sind unter anderem auch alle AGs, deren Kontaktdaten und Inhalte zu finden.

Der Sozialwissenschaftler Hans Christian Voigt sieht im Vorfeld die Social Media
Plattformen als sehr wichtig an, da die Vernetzung schon vor dem Beginn der
Besetzung am 22.10.09 dort begonnen hat. Das heißt die Initiatoren kannten sich
noch nicht, waren vorab schon virtuell vernetzt, auf dieser Basis wurden dann die für
die Besetzung nötigen Strukturen aufgebaut. Auch er selbst hat über Social Networks
über die Demonstration und die Besetzung erfahren und diese auch sofort
kommentiert und weiterkommuniziert. Dabei handelt es sich zwar um ein
Einzelbeispiel, zeigt aber wie das Prinzip Informationen weiterzugeben in dieser
Organisationsstruktur funktioniert. Informationen werden aufgenommen und an den
virtuellen Bekanntenkreis weitergeleitet, somit ist jeder bzw. kann jeder in diesem
System Empfänger aber auch Sender sein.
Zum Zeitpunkt unserer Interviews mit der AG Presse wurde an der Entstehung
eines internen, also nur für die AGs bestimmten, Social Networks gearbeitet. Luca
Hammer sieht darin aber den falschen Weg und betont wieder den
basisdemokratischen Grundgedanken der Bewegung und die Transparenz im
Umgang mit Informationen.
Die interne Kommunikation der einzelnen AGs läuft weniger über Social Networks,
sondern eher via Skype, Telefon oder face-to-face vor Ort ab, die Plattformen
wenden sich an den gesamten Interessentenkreis. Sensible Daten werden in
Google.docs zugänglich gemacht. Die Terminkoordination erfolgt maßgeblich auch
über Goole.calender. Zudem besteht für jede AG ein allgemeiner E-Mail Account
über den kommuniziert wird.

Hans Christian Voigt hat nach wenigen Tagen der Besetzung auf der Plattform
Flickr den Account zu unibrennt/unsereuni aufgebaut und betreut diesen auch
weiterhin. Die folgende Grafik wurde am 13.11.09 um 00:56 erstellt, zu diesem
Zeitpunkt verzeichnete der Account 100.000 Zugriffe seit seinem Bestehen.

73
An dieser Grafik ersichtlich: schon am dritten Tag verzeichnete der Account 13.237
Zugriffe, bis zum 4. November lagen die Nutzerzahlen zwischen ca. 5.000 und
10.000 täglichen Zugriffen. Ab dem 5. November ist ein Einbruch zu verzeichnen, am
10. November gab es wieder ca. 10.000 Zugriffe. Das hier entstandene „Loch“
zwischen dem 05.11 und 10.11 lässt sich wie folgt erklären: in den Tagen zuvor und
danach wurden die Updates am Flickr Account vor allem über Twitter, aber auch über
Facebook bekannt gemacht. Im Zeitraum des Einbruchs wurde das nicht getan, dies
machte sich sofort in den sinkenden Zugriffszahlen bemerkbar. Ab dem 10.
November wurde die „Bewerbung“ der Fotos fortgesetzt und die Nutzerzahlen
stiegen wieder an.
Hier zeigt sich deutlich, dass durch die Vernetzung und Kommunikation über Social
Networks sehr viel möglich ist. Es fehlt jedoch eine Person, die den Gesamtüberblick
behält, dadurch kann es passieren, dass wie in dem zuvor angeführten Beispiel nur
eine Person aktiv auf das Angebot eingeht. Fällt diese Person jedoch aus, oder kann
sich dem aufgrund des Arbeitsaufwandes nicht widmen, leiden die Nutzerzahlen. Das
heißt die Aufmerksamkeit muss auch aktiv auf einzelne Angebote gelenkt werden, da
ja eine Holschuld bei den Interessierten besteht. Dies ist aber gerade über Social
Networks sehr gut und sehr schnell zu bewerkstelligen.
Christian hat für Flickr eine kleine Gruppe gegründet, dadurch können die
angemeldeten Personen (Fotografen) selbst die Fotos online stellen. Die Fotografen
geben dann die Information, dass neues Bildmaterial zur Verfügung steht, selbst
weiter, dies läuft hauptsächlich über Twitter.
Auf Flickr wurde nach und nach versucht eine übersichtliche Struktur herzustellen
d.h. derzeit ist der Account in Fotoordnern strukturiert, es gibt beispielsweise einen
eigenen Ordner mit hochqualitativen Fotos für die Presse (dies hat auch die Arbeit
der AG-Presse erleichtert und professionalisiert) und eigene Ordner zu jeder
besetzten Uni.
Auf der Onlineplattform StudiVZ findet man zwei unterschiedliche Seiten, welche

74
die Audimax Besetztung an der Universität Wien thematisieren. Klickt man auf die
Homepage von uniscreen, findet man viele verschiedene Informationen. Gleich zu
Beginn wird man aufgeklärt was sich hinter der Bezeichnung uniscreen verbirgt.
Hierbei handelt es sich um studentisches Fernsehen welches auf diversen
Universitäten, in den verschiedensten Mensen und Studentencafes ausgestrahlt
wird. Uniscreen ist nicht geründet worden um auf die Missstände an den
Universitäten aufmerksam zu machen, vielmehr handelt es sich hierbei um eine
Seite, welche Videos sammelt, die sich den Studentenstreik zum Thema gemacht
haben. Leider ist die Seite nicht immer auf dem neuesten Stand was sich besonders
auf die Teilnehmerstatistik negativ auswirkt, denn lediglich 145 Personen haben
geklickt, dass sie uniscreen gut finden. Vergleicht man die Zahlen mit den Gruppen
anderer Plattformen, dann sieht man sehr schnell, dass es sich hierbei um keine
allzu wichtige Seite handelt. Ganz anders sieht es bei der StudiVZ Seite von
dieunibrennt aus. Nicht nur, dass es österreichweit an die 5350 Personen gibt, denen
die Gruppe gefällt, es werden auch viel mehr streikspezifische Themen abgehandelt.
Einerseits wir auf die tagesaktuellen Themen aufmerksam gemacht, andererseits
werden auch Links zu anderen Onlineplattforen und besetzten Unis bereitgestellt.
Nichtsdestotrotz muss man auch hier die nicht vorhandene Aktualität bemängeln.
Weitaus beeindruckendere Zahlen liefert Facebook. In folgender Grafik lässt sich
der Fan-Zuwachs auf der Facebook Seite „Audimax Besetzung in der Uni Wien- Die
Uni brennt!“ erkennen. Der verzeichnete Einsturz auf 0 Fans ist ein Grafikfehler, den
wir leider nicht beheben können. Trotz allem zeigt sie die Entwicklung der
Mitgliederzahl sehr gut. Am 12.11.09 um ca. 10:20 wurden 29.714 Mitglieder
verzeichnet.

75
Luca Hammer hat die Homepage ins Leben gerufen, an welcher dann in weiterer
Folge von TU Studenten gearbeitet wurde. Diese hatten zwar das technische Know-
how, doch die usability musste darunter leiden. Auf der Homepage unsereuni.at
finden sich jegliche Informationen zur Bewegung uni brennt/unsereuni. Dazu gehören
der Pressespiegel, aktuelle Meldungen und Aktivitäten werden gepostet,
Pressearchive der partizipierenden Universitäten, Fotos und Videos werden zum
Download zur Verfügung gestellt und vieles mehr. Man findet hier auch den
Livestream über den man zu jeder Zeit das Geschehen im Audimax verfolgen kann.
Optimierungspotential ist generell immer vorhanden. Christian meint, dass via
Plug-ins auf der Homepage, automatisch geführter Statistiken, abgekürzter URLs
etc. noch einige Verbesserungen möglich wären. Weiters werden einige
Informationen öfter veröffentlicht, hier fehlt eine Person, die den Überblick behält.
Auch Standardisierungen in allen Bereichen wären von Vorteil. Der aktuelle
Informationsstand ist hier das Problem, aufgrund der Größe der Organisation ist es
schwierig, dass alle Aktiven immer up-to-date zu sind. Dies ist jedoch kein
technisches Umsetzungsproblem, sondern eher ein Problem des „In-der-Gruppe-
Lernens“. Es besteht also eine Diskrepanz zwischen der Verwendung der Social
Networks und dem Wissen um deren Potential, aber auch deren Risiken.

76
Fazit:
Die Unabhängigkeit von den Massenmedien stellt einen der größten Vorteile der
Social Networks dar. Massiges und breites Auftreten wird gewährleistet, dadurch
werden die Massenmedien gezwungen der Bewegung Aufmerksamkeit zu schenken.
Es ist also die direkte Kommunikation für alle sichtbar, nicht nur eine massenmedial
vermittelte.
Christian spricht aber nicht von der nicht wegzudenkenden Wichtigkeit der Social
Media, wie einige web 2.0 Fürsprecher, sondern davon, dass sich Bewegungen
dieser Art auch früher in vergleichbarer Geschwindigkeit formiert haben, also sind die
Social Networks sicher nicht Voraussetzung für die Organisation, erleichtern jedoch
vor allem die Kommunikation nach Außen. Es besteht eine Informationsflut und eine
starke Holschuld bei allen Interessierten, dennoch ermöglichen die Social Media sich
schnell einen Überblick über alle relevanten Informationen zu verschaffen.
Interaktionen finden schnell und direkt z.B. über Posts und Retweeds statt.
Social Networks dienen der Bewegung nicht als reines internes
Kommunikationsmittel, das würde dem „Mitmachprinzip“ widersprechen. Dass einige
sensible Daten (beispielsweise Namen und Telefonnummern der AG Mitglieder) der
Kernorganisation nur über Passwort geschützte Google,docs laufen, ist verständlich.
Dennoch sind die Social Networks die primären Informationswerkzeuge, ebenso ist
die grundsätzliche Ausrichtung der selbigen – jeder kann zum Sender innerhalb des
Netzwerks werden – ganz im Sinne der Bewegung bzw. erklärt gerade diese
Möglichkeit der Social Media deren tragende Rolle bei der Informationspolitik.

77
Anhang
Beispielhaft nun noch einige Fakten zu Facebook. Alle Grafiken dazu wurden am
12.11.09 im Zeitraum von ca. 10:20- 12:00 erstellt.
Die folgende Grafik zeigt die nahezu Gleichverteilung der Nutzer bezüglich des
Geschlechts:

Demografie (siehe auch vorherige Grafik)

Interaktionen im Zeitverlauf

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Zahlen der letzen Woche/ aktive Fans

unsubscribes/resubscribes

79
Seitenaufrufe: ca. 45.000!!! am 27.10.09

80
Formelle und informelle interne
Kommunikation der Studenten bezogen auf die
Errichtung, Erhaltung und Koordination der
Infrastruktur während der Studentenproteste

von Gerald Beer, Lisa Milneritsch und Sarah Weber

Im Rahmen unserer Beobachtungen bzw. Interviewführungen haben wir uns in


erster Linie mit der Infrastruktur in den Bereichen Küche, Versorgung, Reinigung,
Schlafräume und Technik auseinandergesetzt.
Bereits zu Beginn des ersten Interviews mussten wir feststellen, dass wir auf die
von uns zuvor besprochenen Fragen nicht wirklich die Antworten bzw. Informationen
erhalten würden, die wir uns erhofften. Fragen nach der Organisation, den
Verantwortlichen, Hierarchien und Funktionsweisen des Managements wurden mit
dem Satz: „Hier herrscht kollektive Intelligenz, wir funktionieren von alleine – ganz
wie ein Vogelschwarm“ (ein Helfer der Küche, männlich 35) beantwortet.

Bevor wir auf die einzelnen, von uns untersuchten Bereiche bzw. deren
Infrastruktur näher eingehen, ein bisschen etwas Allgemeines zur Organisation bzw.
Verantwortlichkeit.
Ohne jemanden interviewen zu müssen, wurde uns schnell klar, dass die
Kommunikation vor Ort großteils über handgeschriebene und/oder gedruckte, meist
A4 große Zettel erfolgt, welche kreuz und quer auf den Wänden vor dem Audimax
aufgeklebt sind. Über diesen „banalen“ Weg erhält man Informationen über benötigte
bzw. nicht mehr benötigte Lebensmittel, Sachgegenstände und Hilfskräfte aber auch
über „besetzte“ Schlafräume („Diese Räume sind besetzt“), Organisationstreffen und
andere wichtige Veranstaltungstermine.
Da nur die wenigsten Protestierenden ein Notebook mit Internetzugang vor Ort
ständig zur Verfügung haben, erscheint die Art der Informationsweitergabe als Teil
eines umfangreichen Kommunikationsplanes als zweckmäßig gewählt.
81
Sollte man dennoch Fragen haben, welche von den Plakaten nicht beantwortet
werden, so kann man sich an den Infopoint direkt vor dem Audimax wenden. Zwei
bis drei Studenten sind hier unter anderem dafür zuständig, Informationen ins Netz
zu stellen bzw. Antworten auf verschiedenste Fragen zu geben.

Die Küche:
Ein Kleiner Raum vor dem Audimax wurde von den protestierenden Studenten und
auch Nicht-Studenten quasi „besetzt“ und unter dem Namen „Volxküche“ zum
Versorgungsmittelpunkt umfunktioniert.
Von einem freiwilligen Helfer der „Volxküche“ haben wir erfahren, dass
„irgendwann, irgendjemand“ damit begonnen hat für die streikenden Studenten zu
kochen, dieser jemand mittlerweile aber nur mehr ab und zu vorbeikommen würde.
Die Helfer in der Küche sind teilweise Studenten, teilweise aber auch Menschen, die
weder an den universitären Zuständen noch am Streik interessiert sind, sondern
einfach gerne Kochen und helfen wollen.
Offiziell gibt es in der Küche keine Hierarchie, jedoch übernehmen jeweils ein bis
zwei Personen das Sagen indem sie versuchen, die freiwilligen HelferInnen ein
wenig einzuteilen bzw. den Überblick zu bewahren. Diese Personen werden weder
gewählt noch bestimmt, „es ergibt sich einfach von selbst“ erklärte uns einer der
Helfer.
Die „Mitarbeiter“ kommen entweder von selbst, oder wenn zu wenige vorhanden
sind, werden sie direkt vor Ort von den anderen Helfern angesprochen und gefragt,
ob sie nicht ein wenig mithelfen wollen.
Sollten dennoch zu wenig StudentenInnen bzw. Nicht-StudentInnen in der
„Volxküche“ vertreten sein, so arbeitet die Küche mit der nicht weit entfernten
Pressestelle zusammen. Ein Helfer der Küche teilt dann entweder persönlich oder
per Telefon der Pressestelle mit, dass gerade ein Mangel an Mithelfer besteht. Ein
Mitarbeiter der Pressestelle stellt dann wiederum diese Information auf Twitter und/
oder Facebook bzw. auf die Homepage www.unsereuni.at und innerhalb kürzester Zeit
melden sich Freiwillige.
Die Lebensmittel in der Küche werden auch zum Teil von verschiedenen
Institutionen gespendet. Sollte dennoch etwas fehlen bzw. benötigt werden, sprechen
sich die Helfer intern ab, besorgen das Notwendigste aus dem Supermarkt und

82
bezahlen es mit freiwilligen Spenden.
Gekocht wird – worauf man Lust hat bzw. was aus den vorhanden Lebensmitteln
zubereitet werden kann. Auch diese Entscheidungen werden nicht abgestimmt oder
einfach festgelegt, sondern spontan miteinander beschlossen.
Trotz „kollektiver Intelligenz“ und der damit verbundener gut funktionierender
Selbstorganisation, hat man versucht, in der Küche Plakate wie „Interne
Einkaufsliste“, „Wir brauchen“ oder auch „Abwaschplan“ an den Wänden zu
platzieren. Wie wir von den Helfern der Küche erfahren haben, haben diese Plakate
nicht wirklich einen Sinn, da sowieso alles von selbst funktionieren würde und Listen
dieser Art somit nicht notwendig wären. Lediglich Listen für die zu besorgenden
Lebensmittel sind praktisch und werden deshalb auch zumindest teilweise in
Anspruch genommen.

Die Versorgung:
Zur Versorgung der „Volxküche“ ist die direkte – persönliche Absprache zwischen
Küche und dem Ansprechpartner der AG Versorgung notwendig. Die Kommunikation,
vor allem zu Firmen erfolgt zum größten Teil über Handy. Der Bedarf an Ressourcen
(Personal, Auto) wird über Aufruf im Plenum, in informellen Gesprächen und auf der
Homepage angemeldet.

Die Reinigung:
So wie für die meisten Bereiche bzw. Aktivitäten im Rahmen der
Studentenproteste, gibt es auch für die Reinigung eine eigens gegründete
Arbeitsgruppe. Wie wir von
den Studenten am Infopoint erfahren haben, ist diese Arbeitsgruppe jedoch nicht
wirklich aktiv, sondern existiert mehr oder weniger lediglich am „Papier“.

Auch bezogen auf die Reinigung wird mit Plakaten wie „Bitte entsorgt eure
Essensreste“ darauf hingewiesen, dass jeder/jede selbst dafür verantwortlich sei,
den eigenen Müll zu entsorgen bzw. gebeten, dass man herumstehenden Müll
entsorgen solle.
Im bzw. vor dem Audimax finden sich an die Wand gelehnte Straßenbesen und an
den Pult geklebte Müllsäcke sowie Plakate mit der Aufschrift „Clean it up!“ oder
„Wenn der Müll voll ist, stapelt!“.

83
Die Gänge sowie die sanitären Anlagen werden täglich vom Reinigungspersonal
der Universität Wien gesäubert, die Reinigung des Audimax und der besetzten
Lehrsäle
liegt jedoch in der Selbstverantwortung der StudentenInnen welche meinen, dass
man „ab und zu durch die Räume gehen würde“ und „denn groben Müll einfach
entsorgen würde“.
Man brauchte niemanden zu fragen um zu erkennen, dass die Kommunikation auf
diesem Gebiet nicht wirklich funktioniert.
Im Gegenteil zum Küchenpersonal, welches sich aktiv um freiwillige HelferInnen
kümmert, konnten wir ein ähnliches Vorgehen im Bereich der Reinigung nicht
beobachten. Vielleicht deshalb, weil es nicht wirklich aktive Reinigungs- HelferInnen
gibt, sondern man sich eher darauf verlässt, dass jemand anderer den Müll entsorgt.
Es wurde zwar eine Müllkolonne AG gegründet, Ansprechperson wurde aber keine
namhaft gemacht.
Der mangelnde Einsatz der Protestierenden in diesem Bereich lässt sich
möglicherweise aus der Zweifaktorentheorie nach Herzberg ableiten. Die
Zufriedenheit respektive Unzufriedenheit mit der Arbeit wird laut dieser Theorie von
zwei unterschiedlichen Faktorengruppen beeinflusst. Den Hygienefaktoren
(Unzufriedenmacher) und den Motivatoren (Zufriedenmacher). Als wichtige
Motivatoren werden Erfolg, Anerkennung, Entfaltungsmöglichkeiten, Übernahme von
Verantwortung von Herzberg genannt. Motivatoren sind also die Faktoren die bei
Menschen eine Zufriedenheit auslösen wenn er z.B. Anerkennung erfährt, eine
verantwortungsvolle Tätigkeit ausübt usw. Als Hygienefaktoren werden
Arbeitsbedingungen, Beziehungen zu Gleichgestellten, Status etc. genannt. Im
speziellen Fall der Reinigung des Audimax sind das Faktoren die sich in der
Gruppenarbeit als Hindernisse zur Bedürfnisbefriedigung auswirken (Dissatisfieres).
Motivatoren sind bei der Aufgabenstellung „Reinigung“ nur marginal zu erkennen.
Der Arbeitsinhalt als intrinsische Arbeitsmotivation besitzt hier großen Stellenwert.47

47
Vgl. Rosenstiel, Lutz von (1987): Grundlagen der Organisationspsychologie. Basiswissen und
Anwendungshinweise. 2. überarbeitete Auflage. Stuttgart: Poeschel, S. 67ff

84
Technik:
Die „Abteilung – Technik“ scheint von den untersuchten Bereichen wohl am besten
zu funktionieren – vielleicht auch gerade deshalb, weil sie an der Quelle sitzt.
Grundsätzlich kann man sagen, dass die HelferInnen der Technik eine wichtige
„Übermittlerfunktion“ darstellen. Die dafür benötigten Laptops werden von diversen
„unbekannten“ StudentenInnen für die gesamte Zeit des Streiks bereitgestellt. Ein
Mitglied der AG Technik berichtete uns folgendes: „Ich weiß eigentlich gar nicht, wem
die Laptops gehören bzw. wer sie gebracht hat. Die stehen einfach da.“
Die Technik wird intern immer dann in Anspruch genommen, wenn man
HelferInnen, Sachgegenstände oder Ähnliches benötigt. Wird beispielsweise ein
Moderator für eine Podiumsdiskussion benötigt, so wendet sich eine Person der
Diskussionsgruppe, meist per Skype an einen/eine HelferIn und teilt ihm/ihr dies mit.
Der/die HelferIn welcher/welche direkt am Podium im Audimax hinter einem der
vielen Laptops sitzt, liest die Nachricht und stellt eine Anfrage durch das Mikrofon.
Freiwillige melden sich dann und werden an die jeweiligen Ansprechpersonen
verwiesen.
Die Personen der Technik-Abteilung haben vor allem bezogen auf die interne
Kommunikation eine wichtige Funktion. Alleine die Instandhaltung, und Aufbereitung
der technischen Geräte ermöglicht den StundentInnen ihre Anliegen sowohl extern
wie auch intern zu positionieren bzw. diskutieren.

Pressestelle:
Wie bereits anhand des Beispiels, in dem es um den Aufruf nach
KüchenhelferInnen ging, gezeigt wurde, hat die Pressestelle bezüglich der internen
Kommunikation ebenfalls eine enorm wichtige Funktion eingenommen. Der Point of
Contact (POC) dieser Protestbewegung ist zweifelsohne die Pressestelle die
räumlich mit der IT verbunden ist.
Zum einen arbeitet die Pressestelle eng mit der IT- Abteilung zusammen und zum
anderen versuchen die MitarbeiterInnen der Pressestelle externe wie interne
Anfragen schnellst möglich zu bearbeiten bzw. weiterzuleiten. Im Rahmen dieser
Studentenproteste kann man sagen, dass die Pressestelle eine Art Gatekeeper-
Funktion eingenommen hat

85
Bei näherer Analyse der vorgefundenen Kommunikationsstrukturen innerhalb der
Protestbewegung wurde sehr bald deutlich, dass die vom Kollegen in der Küche
angesprochene “kollektive Intelligenz“ doch nicht ganz ohne Organisation auskommt.
Es wurden bewusst oder aber auch unbewusst Regelungen geschaffen, um das
Zusammenwirken von Menschen, Informationen und Arbeitsmittel aufeinander
abzustimmen. Zur Erledigung bestimmter Aufgaben (Ideenfindung,
Problemlösungen, Beseitigung von Konflikten) wurden gruppenorientierte,
hierarchieüberlagernde Strukturprinzipien angewendet. Die Pressestelle gemeinsam
mit dem Plenum ist, dem Aufbaustrukturprinzip des gruppenorientierten Systems
zufolge jenes Gremium, das Ziele und Prioritäten setzt und über Vorschläge und
Alternativen entscheidet. Um entscheidungsreife Vorschläge auszuarbeiten und
zielgerichtet agieren zu können, wurden die Arbeitsgruppen (AG`s) ins Leben
gerufen. Nach Entscheidung über Vorschlag bzw. Alternativen wird die
Ausführungsgruppe gebildet, die sich in erster Linie aus den Mitgliedern der
Protestbewegung zusammensetzt und die getroffenen Entscheidungen letztendlich
realisiert. Die Vorteile dieses gruppenorientierten Systems sind vor allem, dass nur
so viele Arbeitsgruppen gebildet werden wie notwendig sind und die Spezialisten zur
Realisierung der Aufgaben nur dann eingesetzt werden, wenn sie fachlich auch
wirklich benötigt werden.

Aufkommende Grundsatzfragen (WER, WAS, WANN, WIE, WO, WOMIT) können


in den gebildeten Arbeitsgruppen im Zuge diverser Sitzungen basisdemokratisch
geklärt, Fehler, Verzögerungen und Doppelarbeit durch Gespräche in der Gruppe
minimiert werden. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppensitzungen können im Plenum
des Audimax vorgestellt werden. Grundsätzliche Entscheidungen werden dann
basisdemokratisch im Plenum beschlossen. Variabel eingeteilte Sprecher der
Arbeitsgruppen haben im Plenum zusätzlich die Möglichkeit sich zu artikulieren und
Wünsche, Probleme, Erfordernisse zu thematisieren. So werden beispielhaft für die
Küche der Bedarf an Arbeitsmitteln, personellen Ressourcen und Lebensmitteln, für
den Bereich der Technik erforderliche Batterien für das Mikrofon, von der AG Räume
organisierte Schlafräume zur Übernachtung und für den Bereich Reinigung
notwendige Arbeitsmittel, den im Audimax Anwesenden mitgeteilt. Ein großes
Problem stellt hierbei die Tatsache dar, dass lediglich ein kleiner Teil der
Protestbewegung über die Inhalte und Ergebnisse der Plenumsbesprechung erreicht

86
wird. Zwar erfolgt die Weitergabe von Information auch in Form der informellen
Kommunikation, aber auch nur unmittelbar auf die in der UNI Wien Protestierenden.
Um den Kommunikationsfluss auch nach „Außen“ sicherzustellen, wurde eine
eigene Website unter der Adresse www.unsereuni.at angelegt. Auf dieser Website
wurde unter anderem ein Livestream eingerichtet, um auch jene Menschen in das
Geschehen im Audimax einzubinden, die physisch dort nicht anwesend sein können.
Der Kommunikationsfluss erfolgt jedoch nur in eine Richtung. Die Zuschauenden und
Zuhörenden sind lediglich konsumierende und haben keine adäquate Möglichkeit
sich aktiv in die Diskussion des Plenums einzubringen. Zumindest wird aber
sichergestellt, dass eine interessierte Öffentlichkeit auf Wünsche und Erfordernisse
der von uns untersuchten Bereiche reagieren kann.
Plenum Protokolle wurden erstellt und auf die Website gestellt. Somit ist auch die
Historie der Geschehnisse dokumentiert und getroffene Entscheidungen transparent
gemacht. Neu zur Protestbewegung hinzukommende Personen wird mit dieser
Serviceleistung der Einstieg zur Mitarbeit in den Arbeitsgruppen wesentlich
erleichtert.
Zur Unterstützung der dezentralen Organisationen und des Informationsflusses
wurde ein hypertext - System für Webseiten (Wiki) auf der Homepage zur Verfügung
gestellt. Die Inhalte des Wiki können von den Benutzern sowohl gelesen, als auch
online geändert werden. Hier finden sich als Ergänzung zur den bereits erwähnten
DIN A4 Zettel die am Gang vor dem Audimax ausgehängt wurden, der Diskussion im
Plenum und der Auskunft am Info Stand als persönlichen Kommunikation auch, eine
Rubrik unter dem Namen „Biete und Suche“. In dieser Rubrik wird unter anderem der
dringende Bedarf fehlender Ressourcen mitgeteilt, aber auch die mögliche
Zurverfügungstellung von Arbeitskraft und Material. Des Weiteren wurde von der IT
zusätzlich ein eigener IRC Channel, der ohne vorherige Registrierung und mit Voice
Rechte für alle ausgestattet ist, eingerichtet.

Wie in der Analyse erkennbar, hat sich Im Zuge der andauernden


Protestbewegung neben der anfänglich dominanten informellen Kommunikation auch
verstärkt die formelle interne Kommunikation durchgesetzt. Die Aussage: „Hier
herrscht kollektive Intelligenz, wir funktionieren von alleine – ganz wie ein
Vogelschwarm“ kann somit nur zum Teil bestätigt werden.

87
Marina Janda
Kornelia Bauer
Claudia Hilmbauer
Hanna Kolbe

Arbeit zur internen Organisationskommunikation anlässlich der


Besetzung der österreichischen Universitäten
Analyse der Gegengruppen

INTOR WiSe 09/10 bei Michel Reimon und Kristina Pilz

Aufgrund der neuersten Bildungspolitischen Entwicklungen in Österreich ist diese


Arbeit den Organisatoren der „Audimax Besetzung der Uni Wien – Die Uni brennt“
gewidmet.

88
1. Einleitung

Im Fokus der vorliegenden Arbeit steht die Beleuchtung des


Kommunikationsprozesses zwischen den Unibesetzern von „Die Uni brennt“ und
deren Gegengruppen, sowie der gruppeninterne Diskurs von „Die Uni brennt“ über
ihre Gegengruppen.
Die betrachteten Gegengruppen kommen nur aus studentischen Kreisen, es sind
die Gruppe „Studieren statt Blockieren“ und die Fakultätsvertretung der Jus-
Studenten. Die Auswahl von Gegengruppen aus der Studentenschaft selbst erschien
aufgrund des Nahverhältnisses besonders interessant.
„Audimax Besetzung der Uni Wien – Die Uni brennt“
Die Universität Wien ist seit nun mehr 25 Tagen (Stand 14.11.2009) besetzt, wobei
diese Besetzung ausgehend vom Audimax spontan entstanden ist und ihr zu Beginn
keine Gruppe bzw. Organisation zugrunde lag. Aus dieser Spontanität heraus ergab
sich ein ungeheuer dynamisches System dessen Kommunikation stark über digitale
Medien funktioniert und durch einen von unten nach oben gehenden
Kommunikationsfluss bestimmt ist.
Nach dem ersten Besetzungstag hat sich eine völlig autark funktionierende
Organisation gebildet, welche die Koordinierung aller anfallenden Dinge übernimmt.
Dies geht von infrastrukturellen Angelegenheiten bis zu politischen. Hierzu wurden
Arbeitsgruppen gegründet, welche anfallende Themen bearbeiten, es sei jedoch
angemerkt, dass diese Gruppen einer starken Mitglieder Fluktuation unterliegen.
Eine Gruppe die sich mit studentischen Gegengruppen zur Bewegung „Die Uni
brennt“ und sich vor allem um den Dialog mit diesen bemüht gibt es nicht.
Alle Entscheidungen darüber wie und was „Die Uni brennt“ unternimmt werden
immer auf basis-demokratischen Weg im Plenum getroffen. In diesem Plenas wären
grundsätzlich alle studentischen Gegengruppen willkommen, die in ihrer
Grundhaltung nicht diskriminierend sind.
Zum Ablauf im Organisationskern von „Die Uni brennt“ mit der speziellen Frage
nach den Gegengruppen haben wir am 30.10.2009 den FH-Studenten Andreas
interviewt. Er ist seit Beginn bei der Besetzung dabei und hat vor allem die
Berichterstattung im Online Medium Studentenkurier über.
Zum Dialog mit den Gegengruppen hat uns Andreas folgendes erzählt:
„Generell steht es jedem offen im Plenum mit zu reden, einfach herkommen und
los geht´s. Aber viele, wie etwa die AG haben immer noch ein Problem damit ihren

89
eigenen Standpunkt zu finden. Die AG weiß bis jetzt nicht, ob sie uns unterstützen
soll oder nicht. Jetzt tun sie halt gar nix. Andere Institutionen, wie etwa
Burschenschaften sind weniger gern im Plenum gesehen, obwohl man ja da auch
Unterscheidungen machen muss.“
Bezüglich des gruppeninternen Diskurses über Gegengruppierungen, wie etwa
„Studieren statt Blockieren“ meinte Andreas:
„Naja, eigentlich wird nicht viel über so etwas gesprochen. Der Kontakt zu denen
hat nicht unbedingt Priorität. Es zählen andere Dinge, wie etwa Pressemitteilungen
die raus müssen oder das Programm im Audimax. Wir haben einfach nicht die
Möglichkeiten und auch nicht die Zeit uns darüber viele Gedanken zu machen.“
Als Fazit für die Kommunikation der Gruppe „Audimax Besetzung der Uni Wien –
Die Uni brennt“ mit ihren studentischen Gegengruppen kann gesagt werden, dass
es von „Die Uni brennt“ aus keine Bemühungen gibt, um Kontakt aufzunehmen, und
sich an zu nähern. Dies liegt jedoch nicht unbedingt an Desinteresse sondern viel
mehr an mangelnden Ressourcen.
Im Folgenden werden nun die Ergebnisse der Befragungen der einzelnen
Gegengruppen geschildert.

2. Gegengruppe Fakultätsvertretung Jus

Die Fakultätsvertretung Jus ist deswegen als Gegengruppe zu betrachten, da sie


sich seit Beginn an gegen die Audimax-Besetzung ausspricht.
Die FV.jus äußerte sich am 23. Oktober (Tag 2 der Audimax-Besetzung) erstmals
auf ihrer Homepage zu den Geschehnissen. Ihre Botschaft seit diesem Tag lautet,
dass sie den Protesten grundsätzlich nicht negativ gegenüber stehen, aber sie
unterstützen diese auch nicht, da die Besetzer ihrer Meinung nach nicht auf konkrete
Probleme die Uni betreffend eingehen, sondern auch sehr gesellschaftspolitische
Themen forcieren.
FV.jus prangert an, dass sich die Besetzer nicht mit den konkreten
Verbesserungen der Studienpläne aller Studienrichtungen auseinandersetzen. Diese
Verbesserung wäre für die Mitglieder der Fakultätsvertretung der einzige legitime
Grund, um das Audimax zu besetzen. Hier scheint für sie der wahre Grund der
dramatischen Universitätszustände zu liegen.
Weiters sind sie konkret auf den Forderungskatalog der Besetzer eingegangen,

90
haben ihre Sicht der Dinge (und der Zustände am Juridicum) geschildert.
Erwähnenswert ist dabei der Punkt 7: Keine Aufnahmeprüfungen: Die FJ.jus spricht
sich nicht konkret gegen diese Aufnahmeprüfungen aus, denn gerade das Juridicum
hat mit einer großen Zahl an Studienanfänger zu „kämpfen“. Laut Fussenegger
würde es zwei Möglichkeiten geben: Der Wissenschaftsminister baut ein zweites
Juridicum oder die Einführung von Aufnahmeprüfungen bzw.
Studieneingangsphasen.
Zusammenfassend wird die Besetzung als gesellschaftspolitische Aktion
gehandelt, die zum Teil als zu kommunistisch oder als zu allgemein und wenig
durchdacht gehalten werden.
Nach über einer Woche meldete die FV.jus auf ihrer Homepage: „Einladung zur
Vollversammlung“. Nachdem sich die Agru Juridicum, die zu den Besetzern gehört,
speziell mit den Anliegen des Juridicum auseinandergesetzt hat und einen eigenen
Forderungskatalog entworfen hat, der auch den Mitglieder der FV.jus zusagt, fand
am 2. November die erste Vollversammlung statt. Die Arbeitsgruppe hat in diesem
Fall den Kontakt mit der FV.jus aufgenommen. Da sich viele Forderungen der
Fakultätsvertretung in diesem Katalog befinden, wurde ihnen sofort die
Unterstützung zugesagt.
Das heißt nun, dass die Rechtswissenschaften-Studierenden die mediale
Aufmerksamkeit der Besetzung des Audimax nützen, um ihre eigenen Anliegen
vorzubringen. Von der Besetzung und den Demonstrationen selbst distanzieren sie
sich weiterhin.
Wer sind ihre Mitglieder?
Sämtliche Mitglieder der Fakultätsvertretung Jus.
Welche Erwartungshaltungen hat die Gruppe?
Fakultätsvertretung Jus fordert im Speziellen die Überarbeitung des
Rechtswissenschaften Studienplanes und die weitere Ablehnung, auch von Seiten
des Rektorats, der Umwandlung in ein BA/MA Studium.
Mittlerweile hat die FV.jus einen eigenen Forderungskatalog entstellt. Unter der
Überschrift „Das ist Basisdemokratie“ verschickten sie einen Fragebogen, der Fragen
zu diesen Forderungen enthielt, an die Jus-Studierenden. Die Ergebnisse sollen
dann dem Rektorat und der Studienprogrammleitung vorgelegt werden.
Wie sieht die interne Kommunikation der Gruppe aus, wie organisiert sie
sich?

91
Nur Vorsitzende der Fakultätsvertretung (Thomas Fussenegger) äußert sich zu
Wort, egal ob auf der Homepage oder in diversen Medien. Aber restliche Mitglieder
der Fakultätsvertretung stehen geschlossen hinter ihm und in Bezug auf die
Audimax-Besetzung seiner Meinung. Pro Woche treffen sich die Mitglieder der
Fakultätsvertretung und beraten über ihre weiteren Maßnahmen (nicht nur die
Besetzung betreffen), der restliche Kontakt verläuft über Email oder das Forum.
Fussenegger vertritt die Meinung der restlichen Mitglieder in der Öffentlichkeit .
Gibt es Kontakt zur Gegengruppe, also den Audimax Besetzern?
Nicht direkt. Es gibt nur mit der Agru Juridicum Kontakt. Dieser wurde seitens der
Agru forciert.
Weiters gibt es Kontakt zur ÖH. Die FV.jus teilt immer wieder mit, dass sie es für
absolut unverständlich halten, dass die ÖH die Besetzer unterstützt.

Wenn nein, warum kam kein Kontakt zu Stande?


Wird nicht erwünscht.
Wenn nein, gibt’s überhaupt Interesse am Kontakt zur Gegengruppe?
Nein, es gibt kein Interesse am Kontakt zur Gegengruppe. Sie forderten jeglich,
das Audimax zu räumen, da es für die Einführungsvorlesungen gebraucht wird.
Kommuniziert wird weiterhin NUR mit der Agru Juridicum.
Über welche Kanäle erfolg die Kommunikation mit „außen“, also der Öffentlichkeit,
den Medien etc?

Kommuniziert mit „außen“ wird mittels der Homepage der FV.jus und Emails, die
an alle Jus-Studierenden gesendet werden. Fussenegger nahm mittlerweile auch
schon an einigen TV-Diskussionen teil.
Gibt es Kontakt zu anderen Gruppen, die sich auch von den Besetzern
distanzieren?
Nein!
3. Studieren statt blockieren

Die Gegengruppe mit dem Namen „Studieren statt blockieren“ wurde von Wiener
Johannes Bauer, einem 20-jährigen Studenten der Publizistik und
Kommunikationswissenschaft, gegründet. Seit 23. Oktober um 19 Uhr 09 existiert die
Facebook-Gruppe der Bewegung, außerdem gibt es die Homepage
www.studierenstattblockieren.at.tt.
Auf der Homepage stand bis vor kurzem als Begründung für eine Gruppe wie
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diese zu lesen: „Wir wollen uns nicht mehr von einer kleinen, wenn auch lautstarken
Gruppe, die nicht die Interessen der Studierenden, sondern nur ihre ewiggestrige
Ideologie vertritt, instrumentalisiert werden! Wir wollen endlich wieder unserem
geregelten Studium nachgehen können! Wir wollen diesen angeblichen
Studentenprotest beenden, der hauptsächlich von bezahlten Funktionären von ÖGB,
ÖGJ und SPÖ getragen wird!“

Am 2. November wurde der Passus „der hauptsächlich von bezahlten


Funktionären von ÖGB, ÖGJ und SPÖ getragen wird...“ entfernt, allerdings mit dem
Hinweis, dass es sich dabei nicht um eine Vermutung gehandelt hätte, sondern
„diese Personen“ tatsächlich in einem „bezahlten Arbeitsverhältnis“ mit diesen
Organisationen stünden. Weiters wird behauptet, ein Großteil der Studierenden
stände nicht hinter den Besetzern des Audimax. Vergleicht man allerdings die beiden
Gruppen „Studieren statt blockieren“ und „Audimax Besetzung der Uni Wien – Die
Uni brennt“ miteinander, so bringt es erstere auf 27,222 Fans und die Gruppe der
Besetzer auf 30.830 Fans (Stand: 13.11.09, 23:40). Zwar sind die Gruppen somit fast
gleich auf in ihrer Fan-Zahl, allerdings muss man bedenken, dass auf beiden Seiten
längst nicht alle Mitglieder Studenten sind und eine Vielzahl der Gegenbewegungs-
Fans zwar gegen die Besetzung sind aber auch nicht mit allen Forderungen der
Bewegung konform gehen, wie aus zahlreichen Postings zu entnehmen ist.
Der Gründer der Gegengruppe hielt sich von Anfang an mit Postings eher zurück,
überhaupt herrschte eine große Bandbreite an vertretenen Meinungen innerhalb der
Gruppe. Einerseits waren viele gegen die Besetzung, konnten sich aber sehr wohl
mit den Forderungen der Besetzer identifizieren, andererseits wurden Menschen
Fans, weil sie es „einfach lustig“ fanden und mit Studenten „sowieso nix am Hut“
hätten (Zitat Bernd F., seines Zeichens gelernter KFZ-Mechaniker). Die Beiträge der
Poster reichen nach wie vor von sachlichen Diskursen und Bemühungen,
Lösungsvorschläge zu bringen bis hin zu Sprechdurchfall-ähnlichen Äußerungen.
Aktivitäten außerhalb des virtuellen Raumes gibt es allerdings nicht.
Nachdem allerdings die Diskussionen abschweiften und sich in Beschimpfungen
des „linken Packes“ erschöpften, wurde die Initiative ausgelagert, die Gruppe „Uni
verändern“ wurde gegründet und soll zur konstruktiven Kritik und Diskussion genutzt
werden. Gründer und Pressesprecher ist weiterhin Johannes Bauer. Der Wortlaut der
Gruppenbeschreibung lautet „Konstruktive Initiative zur Verbesserung der

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universitären Zustände“. Indirekt distanziert man sich von den Pöbeleien und Pöblern
jener, die in der „Studieren statt blockieren“ Gruppe Überhand nahmen. Bisher (13.
November 2009, 23 h) verzeichnet die Gruppe 942 Fans. Aus dem
Eröffnungsposting vom 3. November 2009 ist zu lesen:

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleginnen und Kollegen!


Wir, die Initiative auf Basis der Gruppe „Studieren statt Blockieren“, welche
sich für die konstruktiven Ansätze (u.A. die beiden Pressetexte inkl. dem
Verbesserungsvorschlagskatalog) verantwortlich zeigt, haben uns zu einem
weitreichenden Schritt entschlossen. Die Gruppe wird durch ihren Namen als
Plattform der puren Ablehnung von Veränderungen verstanden, nicht nur von
Außenstehenden, sondern auch von vielen Mitgliedern, was für unsere
konstruktiven Ansätze das falsche Umfeld darstellt. Dies äußerte sich in
Diskursen, geprägt von Unsachlichkeiten bis hin zu Beleidigungen und
anderen inakzeptablen Äußerungen. Bis zuletzt waren wir um Erlangung von
Administrationsrechten bemüht, um diese Unangebrachtheiten, die dem Bild
der Gruppe schaden, einschränken zu können. Leider gab es diesbezüglich
nie eine Einigung. So mussten wir uns mittels Klarstellungen immer und
immer wieder aufs Neue bemühen, unsere Arbeit richtig darzustellen. Dies
bedeutete einen zuletzt fast unbewältigbar werdenden Arbeitsaufwand.
Als funktionierende Gegenmaßnahme wurde uns von verschiedensten
Seiten die Gründung einer eigenen Gruppe empfohlen. Wir hatten bislang
unsere Gründe, dies abzulehnen.
Wir wollten uns nicht von der Gruppe abgrenzen, und sind weiters der
Meinung, dass eine Initiative wie die unsrige ohne eine entsprechende Anzahl
an Unterstützern im Rücken von den Medien nicht wahrgenommen worden
wäre.
Mittlerweile haben die Nachteile gegenüber den Vorteilen aber die
Überhand gewonnen. Wir haben uns schließlich doch für die Auslagerung der
Initiative und die Gründung einer neuen Gruppe entschieden. Durch einen
neutraleren Namen wollen wir eventuelle Vorurteile ausräumen und gesittete
Diskussionen ermöglichen. Zudem haben wir auch die lange geforderten
Moderations- und Administrationsrechte inne. Mit diesen können wir uns nicht
nur klarer beschreiben, sondern auch aktiv gegen Beleidigungen und sonstige

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unangebrachte Ausdrucksweisen vorgehen.
Da wir denken, dass sich eine große Zahl an Leuten voll mit unserem Tun
identifizieren kann, starten wir hiermit den Aufruf, uns in die neue Gruppe zu
folgen und damit auch weiterhin die Unterstützung für die Sache zu zeigen.
Unser bisheriges und weiteres inhaltliches Handeln und unsere Standpunkte
werden von dieser Änderung unberührt weitergeführt.
Wir begrüßen außerdem jeden, der sich konstruktiv-kritisch einbringen will.
Wie bereits klargestellt, werden wir aber auch dafür sorgen, dass dies mit
einem gewissen Niveau geschieht. Wir hoffen, dass die neue Gruppe als
sachliche Diskussionsplattform respektiert und von Unsachlichkeiten,
Unangebrachtheiten und Belanglosigkeiten verschont bleibt. Wir freuen uns
über eure Unterstützung!
Um die genauen Beweggründe für die Gründung der ursprünglichen Gruppe zu
erfahren, wurde mit Johannes Bauer am 31. Oktober 2009 Kontakt via Facebook-
Nachricht aufgenommen. Er hat sich dazu bereit erklärt, unsere Fragen zu
beantworten, aber gleichzeitig festgehalten, dass er nicht weiß, wie schnell und
ausführlich er antworten kann, da er „das (Anm.: die Gegenbewegung) nicht
beruflich“ macht. Folgende Fragen wurden ihm zur Beantwortung vorgelegt:
• Wie entstand die Gruppe?
• Aus welchen Beweggründen entstand die Gruppe?
• Wer sind ihre Mitglieder?
• Welche Erwartungshaltungen hat die Gruppe?
• Wie sieht die interne Kommunikation der Gruppe aus, wie organisiert sie sich?
(Kommunikationskanäle innerhalb der Gruppe, Organisationsstruktur im Sinne
einer Basisdemokratie/hierarchisch etc.)
• Gibt es Kontakt zu Gegengruppe (in diesem Fall die Besetzer)
• Wenn ja, wie sah dieser Kontakt aus?
• Wenn nein, warum kam kein Kontakt zustande?
• Wenn nein, gibt’s überhaupt Interesse am Kontakt zur Gegengruppe?
• Hat „Studieren statt blockieren“ auch Untergruppen bzw. Arbeitsgruppen?
o Wenn ja: Über welche Kanäle wird kommuniziert?
• Über welche Kanäle erfolgt die Kommunikation mit „außen“ – also der
Öffentlichkeit, den Medien etc.?

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• Gibt es Kontakt zu anderen Gruppen, die sich auch von den Besetzern
distanzieren? (z. B. AG)
• Warum habt ihr euch von „Studieren statt Blockieren“ getrennt?
o Was ist jetzt entstanden?

Johannes Bauer hat bis 13. November 2009, 23 h, nicht geantwortet. Einige der
Fragen sind jedoch auch aus Postings der Gruppen ersichtlich, ebenso wie aus
Statements auf der Homepage. Als Kommunikationsmittel wählte die „Studieren statt
blockieren“ Gruppe das Internet mit seinen Möglichkeiten der Vernetzung (Facebook,
studiVZ, Twitter) und Informationsverteilung (Postings, Statements auf der
Homepage). Intern wird aufgerufen, sich an der E-Mail Kampagne gegen die
Besetzung zu beteiligen, es wird ein Musterbrief zur Verfügung gestellt, ebenso wie
die E-Mail Adressen der Verantwortlichen Rektoren.

Laut eigener Aussage in einem Posting versteht sich die Gruppe nicht als
basisdemokratisch, vielmehr betätigen sich die Moderatoren der Gruppe als
Zensoren, da Beiträge, die Pro-Audimax-Besetzung sind oder gar Kritik an der
Gruppe an sich äußern, hemmungslos gelöscht werden (Beiträge zB vom 3.
November, 14:39). Während „Studieren statt blockieren“ keine Untergruppen bzw.
Arbeitsgruppen hatte, hat sich „Uni verändern“ anders organisiert und nutzt zur
Kommunikation nach Außen mittels T-Shirt (Slogan „Uni verändern“),
Presseaussendungen, Pressesprecher ist Johannes Bauer.

Hier wird auch aktiv der Kontakt zu den Besetzern genutzt, laut Postings in der
„Uni verändern“ Gruppe gab es bereits Treffen der „Uni-Verändern“ Vertreter Gregor
Nosek und Johannes Bauer mit der AG Entradikalisierung der Besetzter. Es wird von
einem positiven Gesprächstklima berichtet, auch Berührungspunkte zwischen den
beiden Gruppen seien entdeckt worden. Bemerkenswert ist auch, dass das Klima auf
der „Uni-Verändern“ Gruppe (noch) sehr zivilisiert ist und man sich tatsächlich um
Austausch und Ideen bemüht. So diskutieren Besetzer (Vertreter der AGs,
beispielsweise Lukas Rauscher) mit Besetzungs-Gegnern auch virtuell. Es scheint
also von beiden Seiten mittlerweile doch Bemühungen zu geben, miteinander in
einen Dialog zu treten.

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Da sich Johannes Bauer, wie erwähnt, noch nicht gemeldet hat, wir aber
berechtigte Hoffnung hegen, dass er dies noch tun wird und uns unsere Fragen in
aller Ausführlichkeit beantworten wird, würden wir gerne bis zum 05.12.09 mit der
endgültigen Fassung unserer Arbeit warten und diese bis dahin noch weiter
ausbauen und die Entwicklung der Gruppen auch noch weiter im Auge behalten.
4. Fazit

Zusammenfassend lässt sich über die Kommunikation zwischen den Besetzern


und den Gegengruppen zur Bewegung feststellen, dass sie fast ausschließlich über
externe Kanäle wie Printmedien oder TV passiert. Eine direkte Auseinandersetzung
ist offenbar von beiden Seiten kaum erwünscht. Eine Ausnahme bildet hier offenbar
die neue „Uni-Veränderer“ – Gruppe, die bewusst die Kommunikation mit den
Besetzern sucht. Die Gruppen zeichnen sich durch unterschiedliche
Kommunikationsstrukturen aus, etwa gibt es sowohl bei der Fakultätsvertretung Jus
als auch bei der Studieren statt Blockieren / Uni-Veränderer Gruppe deklarierte
Ansprechpartner bzw. Gründer. Uni Brennt wurde zwar in den Massenmedien
mehrmals durch die selben Personen vertreten, jedoch wurde stets betont, dass dies
eine zufällige, nicht dauerhafte Vertretung sei, die vom Plenum nur für den jeweiligen
Medienauftritt beschlossen wurde.
Wie weiter oben schon erwähnt, fehlen für die vorliegende Arbeit nach wie vor
wichtige Informationen von Johannes Bauer, weshalb sie bei weitem noch keinen
Anspruch auf Vollständigkeit erheben kann.

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