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Wolfgang Detel

Das Dilemma, das sich an dieser Stelle zeigt, ist unschwer zu erkennen: Wahrnehmungsaussagen der Form ,M nimmt wahr, daB p" eignen sich nicht zur Überprüfung der Wahrheit oder Falsch- heit beliebiger Satze, weil sie allenfalls als Aussage über je eigene psychische Zustande, nicht aber als Aussagen über die AuBenwelt intersubjektiv verbindlich sind. Weil Wahrnehmungen als Wahr- heitskriterien allesamt wahr sein müssen, wird die empirische Basis derart eingeschrankt, daB ih:re Elemente keine Wahrheitskriterien mehr sind. Ea gibt keine Belege dafür, daB Epikur die Tragweite dieses Problems erkannt hat. Dennoch laBt sich in seiner Kanonik ein Losungsansatz erkennen. Vlie bereits angedeutet, scheint er Hypo- thesen darüber aufgestellt zu haben, unter welchen Umstanden die Struktur der Bildchen verandert wird. Die Beseitigung dieser Umstande würde Sinnestauschungen vermeiden, also den Über- gang von subjektiven Wahrnehmungsaussagen zu intersubjektiven

empirischen Pradikationen ermoglichen

über

21 .

Die

Hypothesen

niichste Satz zeigt, nur darauf hingewiesen werden, daf3 das Wahrnehmungs- vermogen passiv ist, d. h. sich weder selbst aktiviert wie das Erinnerungs- vermogen noch von sich aus den Wahrnehmungen etwas beifügt wie der Verstand: OVTE yap, v<p' ex(rrfís OVTE v<p' hépov K1VT)6Eicrex 8vvexTexÍ Tl 1Tpocr6eivext a<pEAEiv, ibid .) . Epikur würde nicht davor warnen, das, was aufgrund der Wahrnehmung gegenwiirtig ist (To Trexpov KCXTa TJiv exícr6T)crtv), zu verwechseln m.it dem, was no ch der Bestiitigung bedarf (To Tipocr¡JÉvov, K. D 24), wenn nicht auch Wahrnehmungen beschreibbar wiiren. Das stiindig herangezogene Turmbeispiel (z. B . Sext. Emp. adv . math . VII 208) wie auch andere Beispiele (z. B. Lukr. Rer. N at. IV 432ff.) sprechen ebenfalls dafür: die reinen Wahr- nehmungen eines runden (in Wirklichkeit eckigen) Turmes oder des Ein- tauchens der Sonne in das Meer lassen sich offenbar in Siitzen beschreiben. Ich halte es daher für zuliissig, von Wahrnehmungsaussagen zu sprechen. 2 1 In den Zeugnissen wird meist die Verringerung der Entfernung zwischen Beobachter und O bjekt als Beispiel genannt, vgl. z. B. Diog. Laert. X 34, Sext. Emp. adv. math. VII 207-209, Plut. adv. Col. 25, 1121 a . Für den Fall der Wahnvorstellungen versagt jedoch diese Losung; hier scheint Epikur ein Intersubjektivitiitskriterium benutzt zu haben: auch Wahrnehmungs- aussagen fremder Personen gehoren zur empirischen Basis (Erinyen werden z. B. nur von w enigen ,gesehen") , vgl. Philod. De sign. col. XXXII 18ff. De Lacey sieht genau hier, in der ,Sozialitiit der Sprache", die Auflosung des epikureischen Solipsismus, vgl. Ph. H. de Lacey, The Epicurean Analysis of Language, in : American Journal of Philology 60, 1939, S. 85-93 . Vgl. auch Ph. u. E. de Lacey, The Development of Epicurean Logic and Methodology,

in : dt. , Philodemus: On Methods of Inference. A study in ancient empiricism.

Philadelphia 1941, S. 138-156: ,The view that truth is on the level of percep- tion rather than on the level of opinion m.ight seem to lead to epistemological solipsism or scepticism; yet Epicurus gave it a positive social significance

Aicr6T)CY1S und 1\oytcr¡.¡ós. Zwei Probleme der epikureischen Methodologie

Beobachtungshindernisse beruhen nun

b

.

.

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Physik und Psychologie. Das h "Bt -- .ah er a uf der atormstischen

empirische Basis, die als Wahrh:~t k n.~c !s anderes,. als daB eine

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ist die Inkonsistenz des epik~:::~c;:~ierd~~ kann. Genau darin mp1nsmus zu sehen22.

nur mit Hilfe einer Theorie

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our.na! of Philology 79, 1958, s :

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