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Untersuchung des langjährigen Verhaltens der Niederschlags-,

Abfluss- und Unterschiedshöhen sowie der


Lufttemperatur im Einzugsgebiet Schäferbach/ Harz kkk

Christoph Schlächter, Prof. Dr. Frido Reinstorf, Prof. Dr. Jürgen Tiedge
Einleitung und Zielstellung Gemäß großklimatischer Einordnung handelt es sich um Mittelgebirgsklima am
Übergangsbereich von submaritimen zu subkontinentalen Klima.
Abflussereignisse während des Lagerstättenabbaus sind häufig von kurzer
Dauer und hoher Intensität und treten nur auf nach starken Niederschlags-
Das Untersuchungsgebiet Schäfertal ist Teil des Quellgebiets der oberen Selke ereignissen mit gesättigtem, gefrorenem oder ausgetrocknetem Gebiet.
und liegt ca. 190 km südwestlich von der Bundeshauptstadt Berlin, ca. 1 km
nordöstlich der Ortschaft Siptenfelde (Landkreis Harz,
Verwaltungsgemeinschaft Unterharz) auf der seit 1967 als
Landschaftsschutzgebiet ausgewiesenen östlichen Unterharzhochfläche, die zu
den Lößgebieten im Regenschatten des Harzes zählt. Mit der oberirdischen
Einzugsgebietsfläche 1,44 km² ist es ein kleines und flaches Muldental, das in
West-Ost-Richtung verläuft und dem Saale-Elbe-Flusssystem zugeordnet ist.
Durch oberirdische Wasserscheiden begrenzt, erfolgt der Abschluss des
Einzugsgebietes durch eine 57 m lange und 4 m hohe unterirdische Staumauer.

Abb. 3: Jahresgang des Niederschlags mit mittleren, minimalen und maximalen Monatsniederschlagshöhen

Abweichungen der Monatssummen und Monatsmitteltemperaturen vom Abb. 12: Niederschlag (o.) und Abfluss (u.) in den Sommermonaten 1969 -2008
jeweils langjährigen Mittelwert können mit Thermopluviogrammen Dieser Zusammenhang zeigt sich besonders bei Betrachtung der
veranschaulicht werden. 1979 sind sowohl die Winter- (blau) als auch die Niederschlagshöhen in den Sommermonaten, die weitgehend konstant sind
Sommermonate (rot) kalt und trocken. Die Jahresniederschlagshöhe erreicht und im Gesamtzeitraum nur mit geringer Signifikanz (t = -0.62, p = 53.4 % ) um
78 % und es ist 2,6 K kühler. 1994 bestehen durchschnittliche Temperaturen 6 mm abgenommen haben (Abb. 12). Bis 1975 sind in diesen Monaten
mit 6.7 °C (0.2 K) . Mit extremen Niederschlagshöhen in Dez., Jan., Mär. und kontinuierlich Abflusserereignisse (Abb. 8 & 9) eingetreten. In den folgenden
April ist die Jahresniederschlagshöhe 1036.3 mm bzw. 159 % (Abb. 4 & 5). Jahren bis 2008 treten hohe Wasserverluste durch unterirdischen Entzug auf.
Vereinzelt treten wie Jahr 2007 (Abb. 11) ähnliche Niederschlags-Abfluss-
Verhältnisse ein, die jedoch von großen Niederschlagshöhen abhängig sind.

Abb. 1: Bergbau im Selkegebiet [Wenk, 1998]

Seit Errichtung der hydrologischen Untersuchungsgebiete „Schäfertal“


und „Waldbach“ in den Jahren 1965/66 werden kontinuierlich hydrologische
Messgrößen zu langjährigen Zeitreihen aufgezeichnet (Niederschlag, Abfluss,
Grundwasser, etc.). Mit Fortschreiten der Auffahrung des Nordquerschlags
(Abb. 1) auf dem Niveau der 5. Sohle (190 m-Sohle) vom Fluorschacht
Straßberg zur Erschließung der Flussspatlagerstätte (CaFl2) Brachmannsberg
wurde das Wasserhaushaltsregime der hydrologischen Untersuchungsgebiete
Schäfertal (1975) und Waldbach (1979) nachweisbar beeinträchtigt. Deshalb
Abb. 4: Thermopluviogramm hydrl. Jahr 1979 Abb. 5: Thermopluviogramm hydrl. Jahr 1994
existieren hydrometrische Daten für eine mehrjährige Phase unter naturnahen
Bedingungen, für die anschließende Phase der Stollenauffahrung und des Die Temperaturzunahme in den Frühjahrsmonaten März - Mai ist bei saisonaler
Abb. 13: Niederschlag und Abfuss in den Wintermonaten
Lagerstättenabbaus und für die seit 1993 andauernde Renaturierung des Betrachtung am größten. Mit den ausgewählten statistischen Verfahren beträgt
Landschaftswasserhaushalts infolge der Bergverwahrung. die Erwärmung ca. 2.5 °C zwischen 1969 und 2008, mit t = 2.04 und p = 4.3 % Im Gesamtzeitraum haben die Niederschlagshöhen
Die Untersuchung der Messgrößen Niederschlag, Abfluss und (Abb. 6 o.). Die Untersuchung der Sommermonate Juni - August ergibt eine der Wintermonate mit hoher Signifikanz (t = 2.0,
Unterschiedshöhe sowie Lufttemperatur zwischen 1969 und 2008 im Erwärmung von 1.4 °C, mit t = 2.54 und p = 1.2 % (Abb. 6 u.). Signifikante p = 4.8 %) um 20 mm zugenommen (Abb. 13).
Untersuchungsgebiet Schäfertal führt zu der umfassenden Beschreibung des Erwärmung von 2.35 °C ist auch in den Wintermonaten Dezember bis Februar Das statistische Prüfverfahren ergibt bei den
Gebietswasserhaushaltes. Hierbei ist vor allem von Interesse, wie sich diese festzustellen, mit t = 2.61 und p = 1.0 %. Frühjahrs- und Herbstniederschlägen keine
Größen vor, während und nach dem anthropogenen Einfluss der untertätigen signifikanten Langzeitentwicklungen. In den
Erschließungsmaßnahmen verhalten und ob seit Beginn der Bergverwahrung Herbstmonaten sind Abflussereignisse geringfügig
die Rückkehr zum selbstregulierten Wasserhaushalt stattgefunden ist. häufiger als in den Sommermonaten. Das Abfluss-
regime der Frühjahre gleicht dem der Winter stark.
Material und Methoden Mit Füllung der unterirdischen Speicher in den
Die Messwerte liegen als Tagesmittelwerte der Temperatur in °C (2 m über Jahren 1991/92 setzt die Grundwasserneubildung in
GOK) und als Niederschlags- (hN) sowie Abflusshöhen (hA) in mm/d vom den Frühjahrs- und Wintermonaten seit 1993
01.05.1968 bis 31.10.2008 vor. Die Unterschiedshöhe (hU) wird mit der wieder ein. Die Folge sind häufige und zunehmend
vereinfachten Wasserhausbeziehung hN = hA – hU ermittelt. konstante Abflussverhältnisse ggü. den Vorjahren
1976 bis 1993 (Abb. 13).
Für die elektronische Datenverwaltung der langjährigen Zeitreihen wurde ein
Datenbankmanagementsystem erstellt. Die Datenanalyse erfolgt mit „R“, eine
Programmiersprache und Umgebung für statistische Datenbearbeitung und
grafische Darstellung.
Abb. 6: Zeitreihe der Temperatur in den Frühjahrs - (o.) und Sommermonaten (u.)
Die langjährigen Zeitreihen der Größen Niederschlag, Abfluss und
Lufttemperatur, aggregiert zu Monats- und Jahreshöhen sowie Monats- und
Jahresmittelwerten der hydrologischen Jahre 1969 bis 2008, werden grafisch Tab. 1: Jahreswerte hN, hA, hU, T Tab. 2: Statitsik mit Monatswerten von T, hN, hA 1969-75 & 2002-08
dargestellt, mit linearer und polynominaler Regression sowie gewichteten
Von 1969 bis 1975 ist der Wasserhaushalt natürlich und selbstreguliert.
gleitenden Mittelwerten auf Entwicklungen untersucht und deskriptiv
Unterirdischer Wassersentzug zwischen 1976 und 1993 führt sehr häufigen
(Extremwerte, Mittelwert, Standardabweichung, Perzentile) ausgewertet.
Trockenperioden im Einzugsgebiet Schäferbach. Die Abflusskomponenten sind
Die Regressionsanalyse mit dem einfachen linearen Modell ŷ = β1 + β2x dient
überwiegend Oberflächen- , Direkt- und Zwischenabfluss. Durch unterirdischen
der Feststellung von linearen Trends (Tendenzen) im zeitlichen Verlauf.
Wasserentzug und schnelle Abflusskomponenten bildet sich nur schwer eine
Die Annahme eines Trends wird mit einem statistischen Testverfahren
natürliche Flora und Fauna aus. Mit Beginn der Bergverwahrung und Füllung
untersucht, indem die Hypothese (H0) über den Anstieg der geschätzten
des unterirdischen Hohlraumkomplexes, setzt die Renaturierung des
Ausgleichsgeraden b2 aufgestellt wird. Eine Überprüfung dieser Hypothese
Untersuchungsgebietes ein. Durch steigende und zunehmend konstante
erfolgt mit Hilfe der Prüfgröße t, deren Wert über ihre Verwerfung oder Nicht-
Grundwasserstände geht dem Gebiet weniger Wasser verloren. Von 1993 bis
Verwerfung entscheidet. Dabei soll die Wahrscheinlichkeit für eine fälschliche
2008 sind dennoch längere Zeiträume ohne Gebietsabfluss eingetreten, wobei
Verwerfung der Hypothese eine vorgegebene Schranke α, auch
die Ursachen nicht ausschließlich auf Bergbaufolgen zurückzuführen sind.
Signifikanzniveau und Irrtumswahrscheinlichkeit genannt und zwischen 0 und 1 Abb. 7: Zeitreihe der Temperatur in den Herbst - (o.) und Wintermonaten (u.)
liegend, nicht unterschreiten. Statistische Programmsysteme wie „R“ teilen in
der Regel keine Testentscheidung mit, sondern den sogenannten p-Wert. Der Mit Ausnahme des Winters sind die Signifikanzen beim Langzeitverhalten der
Wert p ist die unter H0 berechnete Wahrscheinlichkeit, dass die Testgröße t so Niederschlagshöhen sowohl mit Monats- als auch mit Jahresnieder-
extrem oder noch extremer ausfällt als der aktuelle Wert t(x) dieser Größe. Ist schlagshöhen als Berechnungsgrundlage sehr gering.
ein Signifikanzniveau α vorgewählt, so verwirft man H0 falls p kleiner gleich Gebietswasserhaushalt
diesem α ist, sonst verwirft man nicht. Anders formuliert: p ist der kleinste Bis 1975 ist das Abflussregime von weitgehend konstanten Abflussfüllen
Wert des Signifikanzniveaus, auf dem H0 gerade noch verworfen wird gekennzeichnet, wogegen der Schäferbach von 1976 bis 1993 oftmals und über
(Überschreitungswahrscheinlichkeit). lange Zeiträume durch den unterirdischen Wasserentzug des Grubengebäudes
trocken fällt. 1977, 80 und 1992 wird kein Abfluss registriert.
Untersuchungsergebnisse
Klima (1969 – 2008)
Im Regenschatten des Harzes, bei einer Höhenlage von 394 mNN, ist die
mittlere Jahresniederschlagssumme 653 mm. Der Leeeffekt ist mit der
Jahresmitteltemperatur von 6.5°C erkennbar. Der Januar ist mit -1.5 °C der Abb. 13: vereinfachte Wasserhausbilanz mit hN, hA und hU jedes hydrologischen Jahres von 1969 bis 2008
kälteste und Juli mit 15.2 °C der wärmste Monat (Abb. 2). Im Winterhalbjahr
beträgt die mittlere Temperatur 1.1 °C, im Sommerhalbjahr 12 °C.
Schlussfolgerungen und Ausblick
Die detaillierte Beschreibung des Landschaftswasserhaushaltes im Einzugs-
gebiet Schäferbach bedarf zusätzlich die Einbeziehung der Grundwasserdaten
und ggf. die Dokumentation und Bilanzierung der Standwasserableitungen im
Grubengebäude sowie Kennzahlen der Grubenwasseraufbereitung in Folge der
Bergverwahrung. Weiterhin ist die Temperatur ein bedeutungsvoller Faktor bei
der Untersuchung von genauen Wasserhaushaltsbeziehungen. Insoweit kann
mit dieser Untersuchung nicht eindeutig nachgewiesen werden, dass sich der
Abb. 8: hN , hA und hU 1973 Abb. 9: hN , hA und hU 1974
Gebietswasserhaushalt nach den unterirdischen Erschließungsmaßnahmen
vollständig erholt hat. Die Renaturierung ist deshalb bedingt, weil es sich um
Grubenwasseraufbereitung mit Regulierung des Wasserstands im
Grubengebäude handelt. Die Bergverwahrung hat somit weiterhin direkte
Auswirkungen auf den Wasserhaushalt im Untersuchungsgebiet.
Das Langzeitverhalten der Größen Niederschlag und Lufttemperatur kann mit
Verteilungsannahmen, die die Verteilung der Größen besser als die
Abb. 2: Jahresgang der Lufttemperatur mit mittleren, minimalen und maximalen Monatsmittelwerten angenommene Standardnormalverteilung berücksichtigen, weitergehend
Im Winterhalbjahr umfasst die mittlere Jahresniederschlagshöhe 317.6 mm, im untersucht werden und somit Ergebnisse mit höheren Signifikanzen erzielen.
Sommerhalbjahr 335.2 mm. Die mittlere Monatsniederschlagshöhe beträgt
54,5 mm. Der Juli ist mit 61.4 mm regenreich, der Februar hingegen mit 44.9 Hochschule Magdeburg – Stendal (FH)
Wasser- und Kreislaufwirtschaft
Studiengang Wasserwirtschaft
Fachgebiet Hydrologie
1. Gutachter:
Prof. Dr. rer. nat. habil. Frido Reinstorf
mm trockener. (Abb. 3). Die mittlere Tagesniederschlagshöhe beträgt 1.8 mm. Breitscheidstraße 2 Bachelorarbeit frido.reinstorf@hs-magdeburg.de
39114 Magdeburg Christoph Schlächter 2. Gutachter:
Der Höchstwert der Tagesniederschlagshöhe konnte für den 13. April 1994 mit Tel.: (0391) 8 86 43 57 Matrikel-Nr.: 20052828 Prof. Dr. rer. nat. habil. Jürgen Tiedge
90.2 mm festgestellt werden. Abb. 10 hN , hA und hU 1981 Abb. 11 hN , hA und hU 2007 E-Mail: dekanat.wk@hs-magdeburg.de c.schlaechter@googlemail.com juergen.tiedge@hs-magdeburg.dee