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Tobias Rühmer Experiment Nr.1 11.12.

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Aufgabenstellung:

1. Messen Sie mindestens 100-mal die Periodendauer eines einfachen


Fadenpendels!

2. Bestimmen Sie den Mittelwert und die Standardabweichung der Einzelmessung


und
den Fehler des Mittelwertes! Um welche Fehlerart handelt es sich?

3. Teilen Sie die Messergebnisse in eine geeignete Anzahl von Intervallen ein und
zeichnen
Sie ein Histogramm (Häufigkeitsverteilung). Vergleichen Sie die Verteilung Ihrer
Messwerte mit einer Gauß-Verteilung.

4. Messen Sie die Pendellänge und schätzen Sie den Messfehler ab. Welche
Fehlerart
haben Sie für diese Messung bestimmt?

5. Bestimmen Sie aus Ihren Messwerten die Erdbeschleunigung g und geben Sie
deren
Fehler mit Hilfe des Fehlerfortpflanzungsgesetzes an.

Das Mathematische Pendel bei kleinen Amplituden

Unter einem mathematischen Pendel versteht man eine idealisierte


Vereinfachung des physischen Pendels mit folgenden Eigenschaften:
Die gesamte Masse m sei im Schwerpunkt S vereinigt, ferner sei S mit
dem Aufhängepunkt durch eine masselose Aufhängung der Länge l
verbunden.
Außerdem sei die Amplitude auf kleine Winkel beschränkt, so das
näherungsweise sinα≈α gesetzt werden kann.

Methode und Gang der Messung

Eine gute Näherung eines mathematischen Pendels wird realisiert durch


eine kleine, schwere Metallkugel, die an einem dünnen Faden hängt. Die
Pendellänge l zählt vom Aufhängepunkt bis zum Mittelpunkt der Kugel.
Die Schwingungsdauer T misst man zunächst mit einer Stoppuhr, indem
man das Pendel n mal Schwingen lässt (für n>3) und T dann durch n teilt.
Weiterhin ist es erforderlich die Dauer von mindestens 100 Schwingungen
zu bestimmen.
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Man erhält so einen recht genauen Wert für g. Noch genauere Werte
ergeben sich mit der Koinzidenz. Mit Hilfe zweier ebener Spiegel S1 und S2
bringt man das Bild des ruhenden Versuchspendels mit einem
Sekundenpendel(Uhrpendel), dessen Schwingungsdauer 2 Sekunden
beträgt, zur Deckung. Das lässt sich durch verstellen von S1 und S2
erreichen.
Beide Pendel erregt man zu kleinen Schwingungsweiten. Gehen beide
gelichzeitig von der gleichen Seite durch die Ruhelage, so nennt man dies
eine Koinzidenz.
Im dem Augenblick, in dem beide durch die Ruhelage gehen, beginne man
die vollen Schwingungen des Sekundenpendels bis zu dem Augenblick zu
zählen, indem beide Pendel wieder koinzidieren. Es seien n ganze
Schwingungen, zu denen das Sekundenpendel die Zeit tn =n∙2s gebraucht
hat.
Das versuchspendel hat dann in der Zeit tn n+1 oder n-1 Schwingungen
vollführt.
Die Schwingungsdauer des Versuchspendels beträgt demnach:
Tm=nn±12s.

Theoretische Vorbetrachtung
Kinetische Energie : EKin=12mv2
EKin=12m(lα)
Potentielle Energie: EPot=m∙g∙h
EPot=m∙g∙l∙(1-
cosα)

Da gilt Eges=const. Eges= EKin+ EPot=0 (1)

(1)m∙l∙α∙α+m∙g∙l∙sinα=0

Für kleine Winkel kann sinα≈α angenommen


werden

Daraus folgt: α=- gl∙α


Lösung: α(t)=α̂ ∙cosω0t

Durch einsetzen erhält man ω0=gl=2π∙f


T = 1f = 2πgl  Periodendauer

Berechnung vom Ortsfaktor g

g=4π2lT2
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Grundlagen zur Fehlerbetrachtung

Systematische Fehler
Sie verändern das Meßergebnis in eine Richtung, der Wert ist entweder immer größer oder immer
kleiner als der wahre Wert. Sie entstehen durch Unvollkommenheit der Meßgeräte und -verfahren,
aber auch durch Unzulänglichkeiten des Experimentators (fehlerhafte Skalierung oder Eichung von
Geräten, Nichteinhaltung der Temperaturkonstanz in einer Richtung, ständiges Titrieren über den
Äquivalenzpunkt hinaus usw.). Viele solcher Fehlerquellen lassen sich im Grundpraktikum durch den
Studenten nicht überprüfen oder vermeiden.

Zufällige Fehler
Sie verursachen Schwankungen der Einzelergebnisse um den wahren Wert. Wiederholt man eine
Messung genügend oft, ergibt sich eine Häufung der Werte um einen bestimmten Wert. Diese Fehler
sind nicht vermeidbar. Sie werden mit Hilfe der Wahrscheinlichkeitsrechnung statistisch beschrieben.

Fehlerfortpflanzung
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Mit Hilfe des Fehlerfortpflanzungsgesetzes kann der Fehler des Endresultats aus den Fehlern der
eingehenden Größen berechnet werden. Dieser ergibt sich für ein Resultat z, das aus zwei Größen x
und y nach einer Gleichung der allgemeinen Form z=f(x,y) bestimmt wird, nach dem Taylorschen
Satz als
∆z=∂z∂x∙∆x+∂z∂y∙∆y
Dabei sind Δx und Δy die Fehler der Ausgangsgrößen, für die sowohl Größtfehler,
Standardabweichung
oder Fehler von Regressionskoeffizienten verwendet werden können. ∂z/∂xund ∂z/∂x sind die
absoluten Beträge der partiellen Differentialquotienten von z nach x bzw. y.

Häufigkeitsverteilung

Die Ergebnisse der Einzelmessung zeigen, bedingt durch zufällige Abweichungen, eine Streuung um
den wahren Wert. Einen anschaulichen Überblick liefert die Häufigkeitsverteilung (Histogramm)
h(x).

Der Streubereich xmax-xmin wird in geeigneter Weise in m Intervalle ∆mx eingeteilt; dann
entfallen auf jedes Intervall nm Einzelmessungen der relativen Häufigkeit
hm,rel=nmn mit mhm,rel=1; mnm=n

Gaußverteilung

Für die Gaußverteilung(Normalverteilung) gilt:

h(x)= 1√(2πSn-1^2)∙exp-(x-x)^22(Sn-1)^2

wobei gilt: XminXmaxh(x)∙dx=1

Auswertung
Systematische Fehler
– Ungenauigkeit der Messmittel
– Keine reibungsfreie Schwingung/Aufhängung
– Keine ungedämpfte Schwingung
– Faden nicht masselos
– keine homogene Masseverteilung der Kugel
– Winkelauslenkung möglicherweise zu groß

Zufällige Fehler
– Reaktionszeit bei der Zeitmessung
– Ungenaue Angabe der Messgeräte/Stoppuhr
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Als Kenngrößen einer Messreihe, bei der eine Größe mehrmals bestimmt wurde,
werden das arithmetische Mittel und die Standardabweichung angegeben.
Auch der Fehler des Mittelwertes ist eine Kenngröße für den zufälligen Fehler.

Fehlerfortpflanzung
Die Größen mit Messunsicherheiten sind Pendellänge l und Periodendauer T.
Damit ergibt sich nach dem Fehlerfortpflanzungsgesetzt:
absoluter Größtfehler Δg=± 4π2T2(Δl +2 lT∙ΔT)
relativer Größtfehler δg= Δgg =±(Δll +2 ΔTT)
Für den t Faktor ergibt sich bei 264 Messungen der Wert 3,00.

Messwerte T[s]
1,6 2,1 2,1 1,8 1,9 2,1 2,0 1,8 1,9 1,8
1,97 6 3 6 4 2,12 1 9 4 6 6 8
1,9 1,9 2,1 2,0 2,0 1,8 2,0 1,9 2,0 2,1
2,19 9 7 6 3 2,03 9 7 7 2 4 1
2,0 1,9 1,9 2,0 2,0 2,0 1,9 2,2 1,9 1,8
2,00 0 4 7 0 1,84 4 7 1 5 2 9
1,8 2,1 1,6 1,9 1,9 1,8 2,0 2,0 1,8 1,9
2,06 1 6 8 4 2,09 1 8 0 3 6 5
1,8 1,9 2,0 1,9 2,0 2,0 2,1 1,9 1,9 1,9
2,28 8 7 9 4 2,06 4 3 2 0 3 4
2,1 1,8 1,8 1,8 1,9 2,1 2,1 1,9 1,8 1,8
2,09 2 4 1 7 1,91 7 2 0 0 6 9
1,9 2,0 1,9 1,9 2,0 1,8 1,9 2,0 1,9 2,0
2,03 4 0 1 3 2,06 0 8 1 0 3 2
1,8 2,1 2,0 1,9 1,8 2,0 2,0 1,9 1,9 1,9
1,87 6 0 6 0 2,00 7 0 3 2 5 5
2,0 2,0 1,8 2,0 1,8 1,9 1,9 1,9 1,8 1,8
2,00 0 0 7 9 2,03 7 1 1 6 6 9
1,9 2,0 1,9 2,1 2,0 2,0 1,9 1,9 1,9 1,9
2,03 0 0 7 8 2,06 0 6 8 3 2 2
1,8 1,9 2,2 2,1 2,0 2,1 1,8 1,8 1,9 1,8
2,03 7 4 2 2 2,09 0 2 1 0 0 2
2,0 1,8 2,0 1,9 1,9 1,8 1,8 1,9 1,8 1,9
2,00 4 1 4 4 2,09 1 7 7 6 9 7
1,8 2,0 1,9 1,8 2,1 1,8 1,8 1,7 1,9 1,9
1,94 8 0 1 2 2,16 2 4 1 8 2 2
1,9 2,0 1,9 1,8 2,1 2,0 2,0 1,8 2,0 1,9
2,03 7 3 6 8 2,06 9 0 3 5 6 4
2,1 1,9 2,0 2,0 1,9 2,0 1,9 1,9 2,0 2,0
2,04 0 7 3 9 2,07 4 9 0 7 6 4
1,9 1,9 1,8 2,0 1,8 1,9 1,9 1,9 2,0 2,0
2,18 4 0 1 6 1,97 9 6 7 0 1 3
1,9 1,9 2,0 2,1 2,2 1,9 1,9 1,9 1,9 2,0
2,03 0 7 9 9 1,91 1 1 4 3 4 6
2,0 2,0 2,0 1,8 1,9 2,0 2,0 2,1 1,9 2,1
1,93 0 9 6 1 2,00 4 0 6 2 5 3
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1,97 2,0 2,0 2,0 2,1 2,00 1,9 2,1 1,8 2,0 2,0 2,0
3 9 9 5 4 5 1 3 1 7
1,9 2,0 2,0 2,1 2,0 2,1 2,0 2,1 1,9 2,0
1,92 1 4 0 9 2,10 3 6 0 6 5 3
1,9 2,0 2,0 1,9 1,9 2,0 2,0 1,8 2,0 2,1
1,97 4 5 3 8 1,84 1 3 3 6 3 0
2,1 2,0 2,1 1,8 1,9 1,9 2,1 1,9 1,9 2,1
1,85 0 3 3 4 1,94 4 4 2 4 6 0

Anzahl der Messungen


n 264
1,98
Mittelwert von T 5
0,10
Standartabweichung 2
Max 2,28
Min 1,66
l[m] 1
0,00
Δl[m] 5
0,01
Fehler des Mittelwerts 6
10,0
Ortsfaktor g[m/s^2] 1
1,08
absoluter Größtf. Δg ± 3
0,10
relativer Größtf. δg[%] ± 8
Die Pendellänge wurde schätzungsweise auf 5 mm genau gemessen und zählt
zu den systematischen Fehlern.
Damit ergibt sich für den Ortsfaktor ein wert von 10 m∙s-2 ± 1 oder
±10%
Nach Literaturangaben ist bekannt, dass der exakte Wert 9,81 ist. Somit liegt
der Wert in unserem Intervall und stimmt zu 98,1% mit dem 10 m∙s-2 überein.

Häufigkeitsverteilung

Intervall (Max-Min)/20=0,031

Intervall Anzahl

1,691 0,031 2
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1,722 0,062 0

1,753
0,093 0

1,784 0,124 1

1,815 0,155 8

1,846 0,186 8

1,877 0,217 17

1,908 0,248 19

1,939 0,279 28

1,97 0,31 46

2,001 0,341 30

2,032 0,372 27

2,063 0,403 23

2,094 0,434 17

2,125 0,465 14

2,156 0,496 5

2,187 0,527 10

2,218 0,558 6

2,249 0,589 1

2,28 0,62 2
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Für die Normalverteilung h(x) ergibt sich dann:

(mit Derive 5 geplottet)

Man sieht, dass das Histogramm in etwa der Normalverteilung ähnelt. Ein
Unterschied besteht darin, dass die Werte in der Nähe des arithmetischen Mittels
beim Histogramm stärker vertreten sind als in der Gausverteilung. Diese ist
jedoch auch eine idealisierte Darstellung. Wie erwartet liegen die meisten Werte
in der Nähe des Mittelwertes(1,985), wobei mit zunehmendem Abstand die
Wahrscheinlichkeit der Werte abnimmt.
Schließlich ist damit klar, dass die zufälligen Fehler beim mathematischen Pendel
Normalverteilt sind.

Zusammenfassung

1. Die Erdbeschleunigung wurde lag im angegebenen Intervall und der


Exakte wert stimmte zu 98,1% mit dem Mittelwert überein. Damit hat
das Experiment ein gutes Ergebnis geliefert.
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2. Es hat sich gezeigt, dass die zufälligen Fehler beim mathematischen


Pendel normalverteil sind. Auf Grund der vielen Messungen kann man
somit ein repräsentatives Ergebnis erhalten.