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X IN NEUER HERZSCHLAG

Bellas Sicht

Noch in der selben Nacht sprach Carlisle mit Eleazar und erlöste
uns von der Ungewissheit.
Der Grund unserer Schwäche war beinahe lächerlich unreal, jedoch
waren wir darauf nicht vorbereitet.
Ein Virus.
Ein Virus, den erkrankte Wildkatzen in sich trugen.
Den starken, warmen Körper dieses Tieres konnte es kaum
angreifen, denn erst bei zehn Grad verdünnte sich das Blut im
Körper stark.
Im Grunde waren wir unterernährt obwohl wir ausreichend unseren
Durst stillten.
Fassungslos lauschten alle Carlisles Worten als er von seinen
Erkenntnissen berichtete.
»Es wird einige Wochen dauern, doch wir können mit
Medikamenten radikal dagegen vorgehen. Allerdings wäre es völlig
wirkungslos wenn wir die Dosis einfach einnehmen würden, da
unser Körper nur auf die Einnahme von Blut reagiert«
»Du hast recht«, bemerkte Edward.
»Was heißt das?«, fragte Jasper hilflos.
»Wir werden einige Tiere im Wald markieren und ihnen das
Medikament einflössen. Sobald es sich in ihrem Blutkreislauf
verteilt, wird das Blut auch in unserem Körper wirken«, erklärte
Edward ernst.
Ich nickte stumm.
Bald würde alles wieder beim Alten sein.
»Jeder von euch wird von den präparierten Tieren trinken.«, sagte
Carlisle in einem ernsten Ton, sodass keiner es wagte ihm zu
widersprechen.
»Euer Körper reagiert auf das Virus indem es eure Gaben
einschränkt«, sagte Carlisle zu Alice, die verbittert hin und her
wippte, »Es dauert seine Zeit aber bald werden auch deine Visionen
deutlicher«
Er streichelte ihr über den Kopf und lächelte aufmunternd zu
Jasper, der wieder einmal seinen ernsten Blick aufgesetzt hatte.
Am frühen Morgen, bevor Carlisle seine Schicht als gewöhnlicher
Arzt begann, der Patienten wegen Grippe oder gebrochenen
Gliedern behandelte, fuhr er los um einen Vorrat einer Mixtur von
verschiedensten kleinen Fläschchen und Tabletten zu besorgen.
Sobald er uns die Dosierung erklärt hatte, zogen Edward, Emmett
und Jasper mit einer Spraydose los.

Carlisle hatte Recht behalten. Kaum zwei Wochen später drang


Edward wieder in jedermanns Gedanken ein und Alice nervte ihn
mit ihren Visionen. Auch Renesmee hatte sich vollkommen erholt
und lachte wieder mit der Sonne um die Wette.
Nur einige Male trübte sich ihr Lächeln, als sie nach ihm fragte.
Nach ihm, der seit dem zwanzigsten Juni wie vom Erdboden
verschwunden war.
Nach ihm, der keinem gesagt hatte das er fort geht. Nicht mir, nicht
Nessie, nicht einmal seiner Schwester. Leah stellte sich dumm, als
wüsste sie nicht was sein Verschwinden in mir auslöste und Seth
schien scheinbar wirklich nichts über seinen Aufenthaltsort zu
wissen.
Jacob wo bist du?

Jacobs Sicht

Stille.
Das Rauschen des Meeres, das Rufen der Möwen - und ich.
Allein.
Ich war erschöpft, mein ganzer Körper war ermüdet.
Eine lange Reise lag hinter mir und ich ruhte um nach diesen
Wochen als Wolf wieder meine menschliche Gestallt zu erlangen.
Ich würde wieder Jacob sein.
Gähnend steckte ich mich und legte meine rotbraune Schnauze auf
meine Pfote.
Es war eine laue Sommernacht und ich genoss die Stille, bis hinter
mir ein rascheln zu hören war und meine Betawölfin an meine
rechte Seite sprang und ihren Platz einnahm.
Na großer Anführer, erholst du dich?, hörte ich ihre besorgte
Stimme.
Ich nickte und atmete tief ein.
Du siehst aus als würdest du vor Angst gleich sterben, bohrte sie
weiter und legte ihren Kopf schief als ich ihr einen vernichtenden
Blick schenkte.
Komm schon Jake, du hast doch nicht wirklich Angst. Du bist ein
großer Junge!
Leah stupste mich mit der Schnauze in die Seite.
Du hast recht!, antwortete ich und richtete mich auf, ich muss zur
ihr.
Sie seufzte und heftete ihren Blick auf die untergehende Sonne.
Einige Sekunden folgte ich schweigend ihrem Blick ehe ich ihr den
Rücken kehrte und befahl, halt du hier die Stellung.
Ich verlies im Schritttempo die Klippen und lief den Weg zum
Wald entlang, der mich von Forks trennte. Die untergehende Sonne
reichte kaum durch die dichten Nadelbäume und lies es im inneren
düster aussehen.
Mein Weg der Schande.
Zielsicher aber zögerlich setzte ich eine Pfote vor die Andere auf
dem Weg zum kleinen Vampirhäuschen.
Die Gedanken hämmerten mit jedem Schritt gegen meinen Kopf.
Ich spitze meine Ohren - leichtfüßig aber dennoch schnell, nur
zwanzig Meter hinter mir, hörte ich einen kleinen Wolf.
Seth, was soll das?
Ich rollte mit den Augen.
Ich bin mir nicht so ganz sicher, aber ich denke du könntest
Unterstützung gebrauchen. Ich habe so ein Gefühl.
Er hatte mich eingeholt und rannte an meiner linken Seite neben mir
her.
Ich musste schlucken als ich daran dachte wie Bella mich zur
Schnecke machen würde.
Ich konnte schon ihre seltsame Stimme hören wie sie mir
Schuldgefühle einflösste.
Nun komm schon! Du sagst mir wochenlang nicht wo du bist und
jetzt willst du mich nicht mitnehmen. Was bist du denn für ein
Anführer?, bohrte er weiter.
Ich war schon eine Weile nicht mehr bei den Cullens, so rechne ich
mit einer dicken Standpauke. Ich will nicht dass du ins Schussfeld
kommst.
Gerade wollte Seth zum Protest ansetzten, da drang das laute
Aufheulen eines Wolfes durch den Wald.
Leah!
Sofort bremste ich, sodass eine Grube im Waldboden entstand, und
machte kehrt.
Mit großen, schnellen Sprüngen eile ich zu ihr. Meine Gedanken
waren nur noch auf die versteckte Klippe gerichtet, an der ich mich
von ihr verabschiedet hatte.
Dicht hinter mir tat auch Seth alles was er konnte um mitzuhalten.
Ein zweites Mal jaulte Leah.
Ein Jaulen voller Angst, Unsicherheit und auch Aufregung.
Ich versuchte noch schneller zu rennen als ich deutlich den Gestank
von fremden Vampiren vernahm.
Mit einem großen Sprung über eine hohe, verwachsene Stelle
befanden wir uns auf der Klippe.
Leah stand mit eingezogenem Schwanz am Rande des Abgrunds
und Knurrte dennoch eine Gruppe von Blutsaugern an.
Bereit zum Angriff schritten wir zu ihnen und fletschten die Zähne.
Die Vampire wanden sich von Leah ab und nahmen ebenfalls die
Kampstellung ein.
Ich begann sie zu zählen und die Kraft jedes einzelnen
einzuschätzen.
Es waren drei - nein, vier. Verdammt! Sie waren in der Überzahl.
Zwei Männer und zwei Frauen. Eine der Frauen sah noch sehr jung
aus. Vielleicht fünfzehn. Sie hatte die gleiche, kindliche
Ausstrahlung wie Jane, dieses kleine Miststück.
Stille Wasser sind tief, dachte ich und knurrte noch lauter.
Sie würde nicht stark sein, doch wer weiß welche Fähigkeiten
dieses Wesen hatte.
Seth! Lauf so schnell zum Haus der Cullens wie du kannst! Bring
sie hier her. Schnell!
Die Vampire lies ich nicht aus den Augen.
Ich lass euch nicht hier alleine!, widersprach Seth sofort ohne auch
seinen Blick von den Feinden abzuwenden.
Du wirst! Lauf! Ich befehle es dir!
Unterwürfig und widerwillig senkte er den Kopf und verschwand.
Leah! Fehlt dir etwas?
Ich bin in Ordnung! Sie kamen wie aus dem Nichts! Ich habe sofort
nach euch gerufen als ich sie bemerkt habe!
Verdammt! Wo waren die anderen Jungs? Sams gesamtes Rudel
schien nicht alarmiert zu sein.
Es ist OK, du hast alles richtig gemacht. Hey, wir schaffen das
schon, Leah.
Es wäre Selbstmord jetzt anzugreifen. Die Gruppe schien nicht auf
einen Kampf aus zu sein, denn sie starrten mich genauso abwehrend
an wie ich sie, ohne einen Angriff zu provozieren.
Ich ging einige Schritte zurück, in der Hoffnung sie würden mir
folgen. Leah könnte so unauffällig ihre heikle Position verlassen.
Mein Plan funktionierte tatsächlich und sie gingen einige Schritte
auf mich zu. Leah huschte blitzschnell hinter ihnen hervor und
nahm ihren Platz neben mir ein.
Sie blickten überrascht um sich und entfernten sich von uns, als wir
tief und einschüchternd knurrten.
Die jüngste der Blutsauger zuckte zusammen und versteckte sich
hinter dem größeren der beiden Männer.
Kein Wort war aus ihren Mündern zu hören. Nur ein Geräusch lies
auch uns verstummen.
Deutlich war ein schwacher Herzschlag zu hören.
Es war nur ein einziges Herz das schlug.
Ich schaute von einem Vampir zum anderen und mein Blick blieb
auf dem jungen Mädchen hängen, das bei näherem Hinsehen so gar
nicht in diese Gruppe passte.
Leah hob die Nase und schnüffelte in Richtung unserer Feinde und
auch ich roch einen kleinen Hauch Mensch.
Der Vampirgestank übertönte es beinahe, aber trotzdem roch ich
ein wenig Unseresgleichen.
Ich tauschte einige Blicke mit Leah aus und gab meine
Angriffsstellung auf, während sie ihre beibehielt.
Das Mädchen kam vorsichtig hinter dem Rücken des Riesen hervor
und schaute neugierig zu mir.
Sie sah mit jedem Blick, mit dem ich sie musterte anders aus. Zuerst
viel mir ihre seltsame Hautfarbe auf. Sie war unverkennbar blass,
jedoch mit einem beinahe schon rötlichen Ton.
Auf den zweiten Blick vielen mir ihre großen, braunen Augen auf,
die keinesfalls von einem Blutsauger stammen konnten.
Ihre Haare waren braun und nicht besonders lang, ein wirklicher
Haarschnitt war auch nicht zu erkennen.
Jedoch hatte sie typische zarte Gesichtszüge eines Vampirs, ein
rundes Gesicht mit einer Stupsnase und vollen Lippen.
Sie wurde mutiger und ging, trotz dem Einwand ihrer Begleiter,
einige Schritte auf mich zu und starrte mir regelrecht hypnotisch in
die Augen.
Leah knurrte und schnappte warnend nach dem Mädchen ohne sie
zu verletzten. Ich zuckte zusammen als ich ein lautes Piepen in
meinem Ohr hörte, dass sich unaufhaltsam in meinem Kopf
verbreitete. Er schmerzte nicht, jedoch war es unangenehm und
wich erst aus meinem Ohr als ich meinen Blick von ihr abwand.
Was war das, bitte?!
Alles in Ordnung?, hörte ich Leahs besorgte Stimme.
Stumm nickte ich und blickte wieder zu der kleinen Blutsaugerin
und ihren Begleitern.
Erneut surrte es in meinem Kopf als unsere Blicke sich trafen.
Ich starrte in ihre großen, braunen Augen und das Surren drang
immer tiefer in meinen Kopf ein, bis ich eine leise Stimme hören
konnte. Sie war kaum zu erkennen - wie bei schlechtem
Radioempfang - doch ich hörte immer deutlicher eine kindliche
Frauenstimme.
Kannst du mich hören?
Instinktiv antwortete ich in Gedanken, sprichst du mit mir?
Sie wurde mutiger und ging mit langsamen Schritten auf mich zu,
bis sie direkt vor mir stand.
Ich hielt Leah zurück und setzte mich ruhig auf den Boden.
Habt keine Angst. Wir wollen euch nichts tun. Wir sind nur auf der
Suche nach jemandem, hörte ich die Stimme nun ganz deutlich.
Ihr dürft diese Gegend nicht betreten, antwortete ich.
Sprichst du mit ihr?! Ich kann sie nicht hören, fragte Leah verwirrt
und hilflos.
Ist schon in Ordnung, geh zurück, befahl ich.
Leah befolgte widerwillig meine Anweisung und stellte sich
angriffsbereit hinter mich.
Es…es tut uns sehr leid. Das haben wir nicht gewusst. Wir wollen
niemandem etwas böses. Wir sind auf der Suche nach der Familie
Cullen, hörte ich wieder die Stimme des Mädchens.
Nun schien auch Leah sie zu hören und winselte leise, die Cullens?
Sie wand sich mir zu ohne ihren verzweifelten Tonfall abzulegen,
Jake, ich hab das Mädchen schon einmal gesehen…und diese
Stimme…ich habe sie schon einmal gehört!
Bleib ruhig, sie wollen nicht angreifen, antwortete ich ihr.
Schnelle Schritte, die aus dem Wald kamen, lenken unsere
Aufmerksamkeit auf den Waldweg. Blitzschnell war Seth mit
einem Sprung auf der Klippe gelandet und stieß sein bedrohlichstes
Knurren aus.
Und da kamen auch sie auf uns zu: Carlisle, Edward, Emmett,
Jasper und Bella.
Die stärksten Kämpfer waren gekommen und hatten ihr
Schutzschild mitgebracht. Auch sie hielten einen Augenblick inne
und schätzten die Situation ab.
Die Gruppe der Fremden wand sich von uns ab und ging vorsichtig
auf die Cullens zu.
»Mein Name ist Darius«, sprach der größte und verbeugte sich
leicht.
Carlisle ging direkt auf ihn zu und reichte ihm seine Hand.
»Mich nennt Man Carlisle und das sind meine Söhne und Töchter«,
stellte er sich und seine Familie vor.
»Unsere Freunde habt ihr scheinbar bereits kennen gelernt«, fuhr er
fort und musterte uns freundlich.
»Die Cullens…«, sagte Darius mit einem nicht zu deutenden
Tonfall »Wir möchten uns für das unglückliche Zusammentreffen
mit euren Wolfsfreunden entschuldigen«
Sein Blick schweifte zu uns und er nickte kaum merkbar eine
stumme Entschuldigung.
»Es ist ja nichts passiert«, sprach Carlisle ruhig.
»Ihr habt nach uns gesucht«, stellte Edward unfreundlich fest und
schob Bella hinter sich.
»Na, wenn das nicht Mr. Ich-hack-mich-in-deinen-Kopf ist«,
kicherte die große Frau mit einer so hohen Stimme, dass es mir
beinahe in meinen empfindlichen Ohren schmerzte.
Edward riss die Augen auf und kam aus dem Staunen nicht mehr
heraus. »Axinjah?«, presste er hervor.
»Ganz persönlich«, antwortete sie.
Durch die anscheinende Bekanntschaft wurde die Aufstellung
lockerer und sogar Bella wurde es gestattet nach vorne zu treten.
»Was führt euch denn her?«, fragte Edward.
»Jetzt tu doch nicht so als würdest du das nicht!«
Sie lachte wieder so laut und hell, dass ich sie verfluchte.
Der anscheinende Anführer der Nomaden ergriff erneut das Wort,
»Carlisle, wir freuen uns sehr deine Familie kennen zu lernen, in der
Tat sind wir nicht grundlos hier«
Er blickte liebevoll zu dem jungen Mädchen aus der Gruppe und
schob sie sachte hervor.
»Vor einiger Zeit ist uns diese junge Dame begegnet. Sofort war
uns klar, dass wir sie zu den legendären Cullens bringen müssen«
Sie lächelte schüchtern und brachte kein Wort hervor.
»Und was brachte euch zu dieser Entscheidung?«, fragte Carlisle.
Wieder kicherte die schöne Blutsaugerin und streichelte dem
Mädchen über ihren Kopf. »Ihr Name ist Amy. Sie ist uns in Seattle
begegnet, war verwirrt und allein. Sie hatte keine Ahnung wer oder
was sie war und so haben wir sie mit und genommen.«
»Hallo«, flüsterte Amy leise.
Carlisle kniete sich auf den Boden und sah sie freundlich an. »Hallo
Amy. Weswegen hast du nach uns gesucht?«
Sie schwieg und schaute verunsichert zu Darius.
Er seufzte und begann zu erklären, »Amy ist etwas besonderes, sie
ist speziell. Als wir sie mit uns nahmen weigerte sie sich, sich auf
natürliche Art von Menschenblut zu ernähren. So hatte Axinjah den
Einfall sie zu euch zu bringen«
Carlisle wechselte sekundenschnell einige Blicke mit seinen Söhnen
und nickte. Er streckte auffordernd seine Hand nach Amy aus und
lächelte freundlich.
»Willkommen bei uns Amy. Wir werden unser bestes tun, damit du
dich schnell an dein neues Leben gewöhnst«
Ich beobachtete aufmerksam das Geschehen, bis sich Leahs Stimme
wieder meldete, Ich weiß, dass ich sie nicht das erste Mal sehe!
Bleib geschmeidig Kleine, wir werden schon sehen.
Mir kommt sie auch bekannt vor!, mischte Seth sich ein.
Amy war zwischen die Cullens getreten und lies sich begrüßen.
»Habt ihr vor sie bei uns zu lassen, Ini?«, fragte Edward seine
Bekannte.
»Erst einmal, ja. Ihr werdet am besten wissen was in diesem Fall zu
tun ist«
In diesem Fall? Was meinte der Vampir damit, als er sie speziell
nannte?
Ich entschloss mich dazu, dass es nun an der Zeit war wieder auf
zwei Beinen zu gehen und meine Fragen zu stellen.
Ich machte kehrt um im Schutze des Waldes meine menschliche
Gestallt zu erlangen. Leah und Seth folgten mir und verwandelten
sich mit einem lauten Knall in meine zwei Freunde.
»Sie nehmen einfach eine Fremde zu sich! Sind die denn nicht mehr
ganz sauber?!«, zickte Leah auf dem Weg zurück zur Klippe.
»Du hast doch gehört, dass sie ganz allein ist. Was soll das arme
Mädchen denn machen?«, antwortete Seth.
Ich schwieg.
»Na, Holla! Habt ihr Jungs denn keine T-Shirts?«, fragte die blonde
Blutsaugerin als sie uns sah.
»Jacob«, stellte ich mich tonlos vor und nickte ihnen zu.
»Na, wenn ich es mir recht überlege, wären T-Shirts eine
Verschwendung!«, plapperte sie weiter und kicherte.
Ich räusperte mich und wand meinen Blick von ihr ab um zu den
Cullens zu sehen. Edward und Bella starrten mich an und ich war
mir nicht sicher wie wütend Bella war.
Ich bemerkte, dass Amy mich keines Blickes würdigte sondern nur
mit aufgerissenen Augen zu Leah und Seth schaute.
Den beiden entging es auch nicht, so wollten sie sich mit zögernden
Gesichtern vorstellen.
Leah machte den ersten Schritt und ging auf sie zu. »Hallo Amy,
mein Name ist…«
»Leah«, unterbrach Amy sie.
Ihre Kinnlade klappte herunter und sie stotterte, »Woher weißt
du….?«
»…und Seth…Clearwater«, flüsterte Amy und schluckte.
»Ich weiß wer du bist!«, schrie Seth plötzlich, als wäre er von einer
Biene gestochen worden.
Das erste mal zeichnete sich ein Lächeln auf Amys Gesicht ab.
»Du weißt es auch, Leah!«, schrie er weiter und zeigte ungläubig
mit dem Finger auf das schüchterne Mädchen.
Leah sah nun umso verwirrter aus und schaute mich hilfesuchend
an. Ich zuckte mit den Schultern und wartete auf Seths Erklärung.
»Das ist Amy! Von Tante Laura und Onkel Peter!«, sagte er und
schenkte Leah einen auffordernden Blick.
Sie starrte von Seth zu Amy und dann zu mir.
»Amy Isabel Clearwater«, sagte Amy leise und wartete auf eine
Reaktion.
Und die Reaktion lies nicht auf sich warten - Leah drehte sich um
und stürzte in den Wald.
Verdattert schaute ich ihr hinterher, denn ich hatte Leah noch nie
vor etwas davonlaufen sehen.
»Nimm ihr das nicht böse, Cousinchen. Sie brauchst Zeit«, sagte
Seth und drückte die kleine Amy fest an sich.
»Aber wie kann das sein?«, fragte er und musterte das Mädchen,
dass ihm etwa bis zur Brust reichte. »Du hast immer auf mich
aufgepasst und mir etwas zu Essen gemacht wenn wir euch besucht
haben. Du kannst doch nicht neunzehn sein!«
Sie lächelte nur verschüchtert über all die Aufmerksamkeit und den
plötzlichen Körperkontakt mit Seth.
»Möchtest du uns etwas über dich erzählen?«, fragte Edward und
setzte sein schiefes Lächeln auf.
Wie jede andere Frau schien sie sich davon beeindrucken zu lassen
und begann vorsichtig zu erzählen, »Es war vor etwa fünf Jahren.
Ich weis es noch ganz genau«
Sie setzte sich auf einen Baumstamm, schloss die Augen und fuhr
fort, »Ich war zu diesem Zeitpunkt vierzehn Jahre alt und lag mit
hohem Fieber im Bett. Meine Eltern hatten das ganze Haus
verbarrikadiert, da die Bewohner von Seattle vor Massenmorden
gewarnt worden sind.«
Ein erschrockenes Aufstöhnen von Bella unterbrach Amy. Edward
zog sie nah zu sich und flüsterte der verzweifelten Bella
beruhigende Worte ins Ohr. Alle wussten, was keiner aussprach -
Victoria.
»Alles woran ich mich erinnern kann, ist das ich in ein fremdes
Gesicht blickte…und, dass ich plötzlich brannte. Es hat alles so weh
getan und ich konnte mich nicht mehr bewegen. Nach einigen
Tagen war das Fieber weg und ich ging hinunter in das
Wohnzimmer um meinen Eltern zu sagen, dass es mir wieder gut
ging, aber sie lagen da…« Ihre Stimme brach und Tränen stiegen
ihr in die Augen.
An Edwards schmerzverzerrtem Gesichtsausdruck konnten wir alle
erkennen wie schrecklich dieser Anblick gewesen sein muss.
»Da habe ich gemerkt, dass ich anders bin und mein Elternhaus für
immer verlassen. Ich rannte einfach weiter und immer weiter.«
Ein weiteres Weinen riss mich aus Amys traurigem Schicksal. Leah
schritt langsam aus dem Wald, Tränen liefen über ihr schönes
Gesicht und tropften das Kinn herunter. Sie riss Amy in ihre Arme
und wiegte sie hin und her, »Ich werde auf dich aufpassen, Amy.
Ich werde dich nie wieder alleine lassen«
Alle standen um die beiden weinenden Mädchen herum und
blickten mit traurigen Gesichtern auf sie.
Um die Stimmung zu erheitern, versuchte Seth ein wenig zu
scherzen, »Wow, ich hab eine Vampircousine«
Schnell bemerkte er, dass keinem nach Lachen zumute war und
verkrümelte sich unauffällig hinter mich.
»Sie ist kein Vampir«, bemerkte Darius. »Sie stand nur wenige
Stunden vor ihrer Verwandlung zu einem Wolf, als sie gebissen
wurde. Ihr Herz war zu stark um von dem Gift eines einzigen Bisses
zu erkalten. Sie ist sterblich, doch trägt das Gift Unseresgleichen in
sich. Erst die Zeit wird zeigen, wie groß welcher Teil in ihr ist.«
»Der Fluch der Clearwaterfrauen«, flüsterte Leah leise und wischte
sich die Tränen aus dem Gesicht.
»Das ist sehr interessant! Das habe ich noch nie erlebt.«, sagte
Carlisle und musterte Amy anerkennend.
»Axinjah hat uns vor Jahren von eurer Familie erzählt - die
Tatsache, dass ihr euch nur von Tierblut ernährt. Amy weigerte sich
jemals einen Menschen zu töten und so dachten wir, sie wäre am
besten bei euch aufgehoben. Auch eure Freundschaft mit den
Wölfen macht auf der ganzen Welt seine Runde und als Amy eines
Tages diese Verwandlung durchlebte, waren wir uns sicher, dass es
ihr Schicksal ist bei euch zu leben«, sprach Darius.
»Wohl wahr mein Freund, wir danken euch von ganzem Herzen
dafür, dass ihr dieses wertvolle Familienmitglied zu uns nach Forks
gebracht habt«, sagte Carlisle ehrlich dankbar und legte ihm seine
Hand auf die Schulter.
»Auch ich danke euch«, sagte Leah entschlossen und umarmte den
fremden, stinkenden Vampir.
Mir stand der Mund offen und wollte nicht mehr zu gehen.
Axinjah setzte sich in die Hocke und nahm Amys Hände in ihre.
Leise und liebevoll sprach sie zu ihr »Amy, du hast deinen Platz
hier gefunden. Hier wird man dich lieben und für dich sorgen.
Unsere Arbeit ist getan.«
Wieder schossen Amy die Tränen in die Augen und sie fiel der
Blonden um den Hals.
Um ihr die Ruhe zu geben, sich von ihren Freunden zu
verabschieden verließen wir alle die Klippe und begaben uns zum
Waldweg.
Bella sprang blitzschnell an meine Seite und hob ihre Augenbraue.
»Gut, dass wir uns so zufällig begegnen, Jacob Black!«, sagte sie
mit einem bösen Blick.
Oh, oh.
»Es tut mir leid«, flüsterte ich und blickte zu Boden.
Alles Böse wich aus ihrem Gesicht und sie schaute nur noch
flehend zu mir. »Wo warst du nur? Ich hatte solche Angst um dich.
Warum hast du nur nichts gesagt?«
»Ich weis nicht«, flüsterte ich noch leiser und schaute ihr in die
goldenen Augen.
»Mach das nie wieder«, flüsterte sie mit gebrochener Stimme
zurück.
Sachte zog ich ihren kalten Körper in meine Arme und drückte sie
fest an mich. »Es tut mir so leid, Bella. Ich werde es niemals wieder
tun«, versprach ich ihr leise in Ohr.
Sie nickte stumm und ich löste meine Umarmung als Edward zu uns
kam.
Carlisle war der einzige, der auf der Lichtung geblieben war.
»Ich danke euch nochmals für eure großzügige und selbstlose Tat.
Wir würden uns über einen Besuch von euch sehr freuen«, sagte er
und schüttelte jedem aus der Gruppe die Hand.
Amy winkte noch einmal mit traurigem Blick und begleitete
Carlisle zu ihrer neuen Familie.