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die

T endenz zur Vereinfachung des Sprachsystems einerseits und das Stre­

ben nach Vervollkommnung der sprachlichen Ausdrucksmittel andererseits

entschei­

Als

eine

inhärente

Die

Gesetzmäßigkeit

der

der

Sprachentwicklung

sind

hier

von

ist

zu

vermerken.

Motive

Sprachökonomie

dender

Bedeutung.

immanenten Gesetze, die den Verlauf der

Sprachentwicklung bestimmen. Sie betreffen alle Bereiche des Sprach­ systems: den Phonembestand, den Wortschatz sowie den grammatischer Bau einer Sprache. Deshalb ist die Erforschung einer Sprache in Diachro­ nie von unverkennbarer Bedeutung. JJn e n ib sh d ic h —ist die historische Betrachtung der deutschen Sprache für einen Germanistik-Studenten, denn rriafi kann eine moderne Sprache nicht allseitig erfassen, ohne ihr System in historischer Perspektive gelernt zu haben, vor allem ihren Ursprung und ihre Entwicklung, sowie die geschichtlichen Beziehungen dieser Sprache zu anderen, in erster Linie benachbarten, Sprachen.

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Das

sind

die

wichtigsten

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§

J

2.

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Sprachfamilie

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J

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(

Die

indoeuropäische

,

f

Wie sich

im

Laufe

der

letzten zwei Jahrhunderte

herausstellte,

bie­

tet die beste Stütze für sprachgeschichtliche Forschungen die sogenannte

historisch-vergleichende Methode. Diese Methode stellt sich das Ziel, die Entwicklung einzelner verwandter Sprachen zu erforschen und kon­ krete Formen der Sprachveiwandschaft zu klären. Die letztere wird auf Grund der Übereinstimmungen in der lautlichen, grammatischen und lexikalischen Struktur der gegebenen Sprachen festgestellt.

Die Ähnlichkeit der Lautgestalt zum Beispiel der Wörter Bruder (dt.), brother (engl.), brodor (schw.), брат (ukr.), fratello (ital.) ist nicht zufällig. Ebenso ist die Übereinstimmung der Wörter* gel (ide.); geln

Existenzverbs ästi (aind.),

est (lat.), ist (got.), есть (aslaw.) kein Zufall. Die ähnliche Form und die gleiche lexikalische Bedeutung dieser Wörter lassen die Schluß­ folgerung zu, daß es hier um ein für diese Sprachen gemeinsames W ort­ gut geht. Um gegenseitige Entlehnungen kann es sich hier nicht han­ deln, denn die angeführten Beispiele gehören seit jeher zum Grundwort­ schatz jeder dieser Sprachen. Hier tritt also deutlich die genealogische Zusammengehörigkeit dieser sprachlichen Erscheinungen auf. Daraus ergibt sich, daß wenn wir die Gesetzmäßigkeiten der Entwicklung (vor allem der lautlichen, phonetischen Form) der verwandten Sprachen ken­ nen, so lassen sich dann die übereinstimmenden Einheiten zu einer ge­ meinsamen Ausgangsform zurückführen. (Die rekonstruierten Formen werden hier immer mit einem Sternchen * gekennzeichnet, das vor die rekonstruierte Form gesetzt wird). iJjj .der indoeuropäischen (ide.) Sprachfamilie können einige Sprach- gruppen herausgehoben werden, die enge Zusammenhänge verraten. Vor allem sei hier auf die Teilung der ide. Sprachen in zwei große Gruppen hin­ gewiesen. Das ide.* kintöm («hundert») bewahrte sich im Altgriecliischen in der Form he-katon, im Lateinischen als centum (sprich: kentum), im Germanischen als hund (got. h < k), dagegen im Altindischen als sdtäm,

im Litauischen als Simtas, im Ukrainischen als emo. Das bedeutet also,

(lat.), kalt (ahd.), холод (ukr.) oder des

.

(

'

daß die alten Verschlußlaute k , kh, wie auch g, gh entweder ihre alte

Q ualität behalten o d eL ^ eh in Reibelaute (Spiranten) verwandeln konn­

Kpntnm.sprarhen ( C lat,

centum «hundert») der Fall (z. B. im Keltischen, Germanischen, Itali­ schen, Griechischen), das zweite - ^ i n . densog. Satem sprachen (< ave-

stisch satam «hundert»), hierher gehören vor allem das Indische., Irani­ sche, Armenische, AlhamscEe, Baltische, Slawische. Allerdings erscheint diese Gliederung vielen Forschern vom Standpunkt der letzten Erkennt­

nisse

ten '(.s.

а

д

о

р

о

ж

н

ы

й

,

D a s

e r s tp

ist

in rlpn sn p

immer

mehr

anfechtbar.

Eine Gruppierung niedrigeren Ranges kann durch die germanisch­

slawische oder indisch-iranische Einheit vertreten sein, wo viele Gemein­ samkeiten der älteren Sprachzustände entdeckt worden sind (z. B. ahd. tal, ae. dael, aslaw. долъ). Noch engere Zusammenhänge verraten die Sprachen einer genetisch homogener Gruppe, z. B. germanische Sprachen. Am deutlichsten ist das

an den lexikalischen Ü bereinstim m ungen zusehen (z. B., dt.

eat, schw. äta; dt. fünf, engl, five, schw. fern), aber auch im Formenbau, z. B. im System der Deklination und der Konjugation (vgl.: dt. folgte, engl, followed, schw. följde), in der Bildung der analytischen Formendes Verbs (dt. er hatte gehabt, engl, he had had, schw. han hade haft), in den Steigerungsstufen der Adjektive (dt. jung — jünger — jüngst, engl, young — younger — youngest, schw. ung — yngre — yngst), sowie in Wortbildung (vgl. dt. Freundschaft, engl, friendship, schw. väns- kap). Diese genetischen Verhältnisse sind keineswegs gradlinig und expli­ zit. Darum ist die Bestimmung der gegenseitigen Einflüsse der einzelnen indoeuropäischen Sprachen sowie die Rekonstruktion der sogenannten ide. Ursprache ein Werk von unübersehbaren Schwierigkeiten. Also, die Verwandtschaft der indoueropäischen Sprachen ist auf Grund zahlreicheTiypologischer Gemeinsamkeiten in ihrem W ortschatz und in der grammatischen Struktur nachgewiesen worden. Die gemeinsame Grundlage dieser Sprachen nennt man Indoeuropäisch (ide.) *. Außer dieser großen Sprachfamilie gibt es zahlreiche andere wie z. B. die fin­ nougrische, die uraloaltajsche usw. c . Zn (’er ide. Sprachfam ilie gehören u. a. (s. Krähe, Задорожний, Schmidt)

essen, engl,

folgericTe §pr^cfizu'eige "Bzw.

Formen des Vedischen

und des Sanskrit überliefert. Die Veden sind die ältesten religiösen Schrif-

einzelne

Das. Altindische

Sprachen:

ist

—_Das

Indische.

Ln

den

Jen

Tndiens^Das Sanskrit

war die Kunstsprache der klassischen altindi­

schen Literatur und Wissenschaft. Das Neuindische existiert zur Zeit in zahlreichen Einzelsprachen, die in Indien, Pakistan und Bangladesh

gesprochen werden:

Hindi,

Urdu,

Bengali

u.

a.

m.

das Neu­

persische, das Kurdische, das Ossetische, das Afghanische, das Tad­ shikische vertreten.

— I>as

IraniscH?r-Hetrtzütage

ist

diese Gruppe u.

a.

durch

— Das Griechische^Das Altgriechische ist eine der ältesten aus den

sehrifttieti--ttberlieferten ide. Sprachen. Das Neugriechische entwickelte

* In der F achliteratur wird auch die B ezeichnung Indogerm anisch

10 —

(idg.) gebraucht.

sich aus der sogenannten Koine, einer gemeingriechischen Schrift- und U m gangssprache, die in der nachklassischen Zeit entstanden war. —("Das Italische.;, Es bestand aus zwei Dialektgruppen. Das Oskisch-

UmbrisctlF'wärTtfTon im Altertum ausgestorben. Das Latino-Faliskische entwickelte sich durch das Latein (später Vulgärlatein) zu einer Gruppe der romanischen Sprachen (Italienisch, Sardinisch, Portugiesisch, Spa­ nisch, Katalanisch, Französisch, Provenzalisch, Rätoromanisch, Rumä­ nisch, Moldauisch). —i: Das Keltischev^Das Festlandkeltische war in E uropa und K lein­ asien weit verbreitet, wie das toponymische Forschungen besagen. Heute vollkommen ausgestorben. Das Inselkeltische ist in dem Irischen (Ir­ land), dem Gälischen (Schottland), dem Kymrischen (Wales) und dem Bretonischen (westliche Bretagne) bis heute erhalten.

— Das Baltische. Hierzu gehören das Litauische, das Lettische und

das seit dem 16. J h . ausgestorbene Altpreußische. — vDas Slawische-. Man unterscheidet die Sprachgruppen: Ostslawisch (Russisch, Belorussisch, Ukrainisch), Westslawisch (Polnisch, Sorbisch, Tschechisch, Slowakisch) und Südslawisch (Bulgarisch, Makedonisch,

Serbo-Kroatisch, Slowenisch).

---------- —

— Das Gcrmanieche (s. unten), das Albanische, das Armenische

a. Die folgenden indoeuropäischen Sprachen sind ausgestorben: das Pnf}}gfiscne, das Thrakische, das Tocharische, das Hethitische, das Pe- lasgische, das Illyrische, das Venetische. .Das Deutsche gehört zur germanischen Sprachgruppe der indoeuro­ päischen Sprachjam ilie. Diese Sprachgruppe gliedert sich in zwefSprach- zweige,. Nordgermanisch sind folgende S prachen: Schwedisch, Dänisch, Norwegisch, Isländisch und Färöisch (gesprochen auf den Färöern, ei­ ner Inselgruppe im N ordatlantik). Zum westgermanischen Sprachzweig gehören Deutsch, Englisch, Niederländisch (außer3en N iederTanden auch im flämischen Teil Belgiens gesprochen), Afrikaans (eine der Staatspra­ chen der Republik Südafrika), Friesisch (auf den Friesischen Inseln sowie im Norden der Niederlande gesprochen) und Jiddisch.

u.

§

3.

Die

indoeuropäische

Grundsprache

Im Ergebnis der bisherigen Forschungen wurde festgestellt, daß eine indoeuropäische Grundsprache wirklich existiert hat. Viele Forscher betonen dabei, daß dieser Begriff sich auf kein Volk im Sinne einer eth ­ nischen Einheit beziehen kann, eher soll man darunter eine Gesamtheit von Stammesdialekten’verstehen. E. Meyer, W. Schmidt sind dagegen der Meinung, daß die ide. Grundsprache als eine Abstraktion, als «ein Inbegriff solcher sprachlicher Gemeinsamkeiten aufzufassen ist, die

sich aus

den

bekannten

historischen

ide. Sprachen ableiten lassen»

(Schmidt,

28).

Als die Zeit des Zerfalls dieser Ursprache wird gewöhnlich das 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung angegeben. Räumlich können

«Urindoeuropäer» nicht ausreichend bestimmt werden. Die Heimat der

Indoeuropäer wird

meistens

in

Europa

11

(z.

B.

an

der

unteren

und

m itt­

leren Donau) gesucht, einige Forscher treten auch für die asiatische Her­ kunft des Indoeuropäischen ein. Interessante Ergebnisse hat in der letz­ ten Zeit die Erforschung der alten Ortsnamen, Pflanzen- und Baumna­ men und vor allem der Gewässernamen (Don, Dnepr, Bug, Donau) gegeben (Krähe, Schmidt, Hutterer). Man vermutet, daß in der ältesten Periode der Sprachentwicklung die Stammformen der Wörter unverändert blieben. Die grammatischen Zusammenhänge wurden durch bestimmte Folge der Wurzel ausgedrückt. Die Relikte dieser «Wortwurzelperiode» sind in den ide. Formen des Im­ perativs und des Vokativs geblieben (Schmidt, 29). Diese erscheinen auch jetzt meistens als reine Stammformen. Auch die alten Komposita wie z. B. ahd. bota-scaf «Botschaft» sprechen darür, daß ursprünglich nur Wortstämme nebeneinandergestellt wurden. Eine spätere Entwicklungsstufe der hypothetischen ide. Grundspra­ che dagegen soll durch einen reich gegliederten Formenbestand (vor al­ lem im Bereich des Nomens und des Verbs) gekennzeichnet sein. Im Lau­ fe der späteren Entwicklung wurden viele grammatische Kategorien und Formen eingebüßt. Die älteren Sprachzustände zeigen wir am Bei­ spiel des Lateinischen. Das Substantiv verfügte über drei Genera (Maskulinum, Femininum, Neutrum), drei Numeri (Singular, Plural, Dual) und acht Kasus (Nomi­ nativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ, Vokativ, Lokativ, Ablativ, Instru­ mental). Die Deklination des Substantivs hing von dem Stamm-Morphem ab. Je nachdem, ob der Stamm auf einen Vokal oder einen Konsonanten endete, gab es zwei Arten von Stammklassen. Die vokalischen Stammklassen sind am besten durch die o-Stämme (Maskulina, Neutra) und durch die a-Stämme (Feminina) vertreten:

lat. lupus, equa. Zu den i- und u-Stämmen gehörten Substantive der drei Geschlechter: lat. hostis, ovis, mare, fructus, manus. Die konsonantischen Stammklassen zerfallen in n-Stämme (alle drei Genera, lat. homo, regio, nomen); r-Stämme (Maskulina, Feminina, lat. pater, mater); s-Stämme (alle drei Genera, lat. genus, corpus); nt-Stäm- me (alle drei Genera, lat. ferent-). Außerdem gab es noch die sog. Wurzelnomina, die kein Stammsuffix besaßen; lat. pes, pedis. Das ide. Verb besaß folgende grammatische Kategorien: drei Genera verbi (Aktiv, Medium, Passiv), drei Numeri (Singular, Plural, Dual), sechs synthetische Tempora (Präsens, Imperfekt, Aorist, Perfekt, Plus­ quamperfekt, Futur) und vier Modi (Indikativ, Konjunktiv, Optativ, Imperativ). Es gab bereits die infiniten Formen des Verbs — Infinitive und Partizipien. Der Formenbestand des ide. Verbs war reich entwickelt. Für die Mor­ phologie des Verbs waren die Reduplikation und der Ablaut charak­ teristisch. Die Reduplikation besteht in der Verdoppelung des anla­ utenden Konsonanten des Wurzelmorphems zur Bildung des Perfekts:

lat. tendo (ich spanne) — tetendi (ich habe gespannt). Die zweite Er­ scheinung (Ablaut) ist auch den späteren Stufen der Sprachentwicklung eigen und wird deshalb bei der Charakteristik des Althochdeutschen betrachtet.

12 —

Der Akzent war im Ide. frei, d. h. es konnte jede Silbe des Wortes unter bestimmten Verhältnissen betont werden (vgl. ukr. весело, весе­

лий, веселитися).

nung durch die Tonstärke (der sog. dynamische Akzent) oder durch die Tonhöhe (der sog. musikalische Akzent) unterscheiden. Meistens ver- flechteten sich diese beiden Eigenschaften in der Silbe.

Was ihre Q ualität betrifft, so konnte sich die Beto­

§

4.

Das

Germanische

Die

Germanen

in der

Völkerwanderungszeit.

Die germanischen Stäm­

heutige Dänemark)

und an der unteren Elbe herausgebildet. Von hier aus besiedelten sie

stoßen

sie zur Wisla und um 500 v. u. Z. zur R heinm ündung vor. Später beginnt auch die Expansion der Germanen in das Imperium Romanum, vor allem ins Gebiet der unteren Donau. Noch vor unserer Zeitrechnung errichteten die Römer zahlreiche Garnisonen und Legionslager am Rhein und an der Donau. Dank ständiger Kontakte zwischen den germanischen Stämmen und den römischen Vorposten in diesem Gebiet entstanden die ersten schriftlichen Überlieferungen über die Germanen, die von rö­ mischen Autoren verfaßt wurden. In den Werken «Germania» von Taci- tus und dem «Gallischen Krieg» von Cäsar wird die Lebensweise der alt­ germanischen Stämme ausführlich beschrieben. Die ältesten Germanen trieben Ja gd, später entwickelten sie die Viehzuch-t urui. den A ckerbau. Der Boden wurde gemeinsam bewirt-

me

h d w i

sich in Südskandinavien,

in J ü tla nd

(das

u n riü 0 0 "v . u. Z. das Gebiet der unteren Weser und Oder, dann

Germanische

Bauernsiedl иhg

— із —

FBIE«?

a

f

;A’gwao^

JÜTEN

^SKANDINAVIER

VMAHHEK

NORDGEfcMANEN

SKANDINAVIER

OSTGERMANEN

COTEN

VANDALEN

ßURCUNCER

WESTGERMANEN

INGWÄONEN:

FRIESEN

SACHSEN

ANGELN

JÜTEN

CHERUSKER

HERMINONEN:

SUEBEN

LANGOBARDEN

MARKOMANNEN

HERMUNDUREN

CHATTEN

ISTWÄONEN:

FRÄNKISCHE

STÄMME

Siedlungsgebiete der Germanen im 2.

Jh.

u.

Z.

schäftet. Die ansässigen Stämme führten Tauschhandel, entwickelten, römische Verfahren nachahmend, eigene Metallbearbeitung. Die Grundeinheit der Gesellschaft war die Sippe, d. h. die Einheit der blutverwändten Angehörigen. Die Sippe hatte einen Kuning an der Spitze; mehrere Sippen schloßgn sich in Stämme. Die wichtigsten Fragen wie z. TL T?ö3e~nverteilung, Kriegs- und Gerichtsangelegenhei(ten wurden durch die Volksversammlung (germ. thing, ding) entschieden. Im Kriegs­ fall gehörte die Führung dem Herizogo (Heerführer). Zu T acitus’ Zeiten (1. Jh. u. Z.) wurde die Macht im Stam m bereits vererbt. So entsteht der Stammesadel und somit die ersten Ansätze der sozialen Ungleich­ heit.

unserer Zeitrechnung entwickelt sich

bei den Germanen die Warenproduktion^ unter dem Einfluß Roms ent-

In

den ersten

Jahrhunderten

14 —

sfphtjjie

Geldwirtschaft,

erstarkt

das

Privateigentum.

Die

Gentilver­

fassung

weicht

also

der

frühen

Klassengesellschaft.

 

Um

(<^r her^i^

u. (Moskalskaja,

100

Z.

bildeten

46;

sich

drei

24):

Tuldava,

altgermanische

Stammesgruppen

 

1-

’N ordgerm anen

(Südskandinavien)

 

2.

Östgermanen

(an

der

Ostseeküste,

östlich

der

Oder

und

an

der

unteren

 

,

3.

Wisla) Westgermansn

Diese zerfallen in folgende

Stammesverbände: a) Ingwäonen (Angeln,

Sachsen, Jü te n , Friesen) an der Nordseeküste; b) Istwäonen (die späteren

Franken und Hessen) im Gebiet

nonen (Stämme, die später als Alemannen, Baiern, Thüringer erscheinen)

im Gebiet zwischen Weser und

spricht man nach Friedrich Maurer häufiger über die Dreiteilung der

Westgermanen

der modernen Germanistik

zwischen Rhein und Weser; c) H erm i­

Elbe.

In

in Nordseegermanen, Weser-Rhein-Germanen und Elb­

germanen, was im allgemeinen der obenangeführten Klassifikation ent­ spricht. Das Deutsche beruht auf elbgermanischer und weser-rhein-ger-'

manischer

E. Schwarz unterscheidet die Nordgermanen (zu denen er die aus dem skandinavischen Raum ausgewanderten Stämme zählt) und die Südger­ manen. Innerhalb der letzteren faßt er die Elbgermanen und die Weser- Rhein-Germanen als Binnengermanen zusammen. Wie aber A. Sztilc

mit Recht bemerkt, unterscheidet sich der Begriff des Südgermanischen im Prinzip nicht von dem des Westgermanischen.

Grundlage.

A.

Szulc

nimmt

für

die

Kontinentalgermanen

(Zeitspanne

200—

800 u.

Z.)

folgendes Ausgliederungsschema

an:

Kontinentalgermanen

1. Nordseegermanen

Weser-Rhein-Germanen

Elbgermanen

 

Frie-

Ang-

Säch-

Frän-

Hes-

Aleman-

sisch

lisch

sisch

kisch

sisch

nisch

III.

Frie-

Angei-

As.

Alt-

Alt-

Ober-

sisch

sächsisch

niede-

hoch-

deutsch

v)

 

frän-

frän­

kisch

kisch

 

-------*

v

 

----- V ------- Altnieder­

" V

Althoch­

IV.

Frie-

Alt —

deutsch

"

deutsch

J

sisch

englisch

Altd.

 

Bai-

Lango-

risch

bardisch

Lango-

bardisch

I — Stammesverbände; II — Stammessprachen; chen; IV — Nationalsprachen.

III — Territorialspra­

15 —

sprachen Stammesdialekte, die später das Schwe­

dische, Dänische, Norwegische, Isländische und Färöische ergaben. Die- S2 Sprachgruppe wurde von anderen altgermanischen Sprachen relativ weniger beeinflußt.

im,i2^ J h . üi. Zl in Bewegung.

Die Goten stießen nach Südosten vor und siedelten sich an der Küste des Schwarzen und des Asowschen Meeres, am unteren Dnepr und am unteren Dnestr an. Hier bestand im 3.— 4. Jh . u. Z. ein mächtiges Ostgo­ tenreich. Im Jahre 375 wurden die Goten von den Hunnen verdrängt und zogen weiter nach Italien (Ostgoten), Südfrankreich und Spanien (West­ goten), wo sie TjicTTgegen Ende des 6T(Ostgoten) und am Anfang des 8. Jhs. (Westgoten) in anderen Völkern auf lösten* (Moskalskaja, 47; 3ado- poMHUü, 40). Dasselbe Schicksal hatten die Wandalen, die durch Spa- n en nach Nordafrika kamen. Die Burgunder besetzten das Rhonegebiet in Südfrankreich und wurden hier romanisiert. .Aus den westgermanischen Stammesdialekten ergaben sich das Englis­

che, das Friesische, das DeütscheT das Niederländische, das Afrikaans und das Jiddische. Im 3. und 4. J h . entstehen größere westgermanische S tam ­ mesverbaride (Alemannen, Baiern, Franken, Thüringer, Sachsen, Friesen). Von entscheidender Bedeutung waren in diesem Prozeß militärische und ökonomische Gründe. Im Laufe der weiteren Entwicklung konsoli­ dierten sich diese Stämme zu ethnischm Einheiten (Völkerschaften). Im 3. J h . überquerten die Franken den Rhein und zogen weiter nach Westen bis an die Nordsee und nach Süden, bis im 5. Jh . fast das ganze Gallien (das heutige Frankreich) von ihnen kolonisiert war. Die West­ germanen an der Nordseeküste (Angeln, Jüten, Friesen und ein Teil der Sachsen) eroberten im 5.—6. J h . B ritannien. Ihre D ialekte bildeten die Grundlage des Altenglischen. Die an den alten Wohnsitzen gebliebenen Sachsen breiteten sich westlich der Elbe aus. Die Alemannen besetzten bis zum 9. Jh . den größten Teil der heutigen Schweiz, die Hermunduren ließen sich im heutigen Thüringen nieder, die Markomannen besetzten das heutige südliche Bayern und Österreich.

Die

Nordgermanen

D ie ^ iä m m e - d e r .Q ü te n

setzlpp

sich

Die

Epoche

der erwähnten

Wanderungen

der

ost-

und

westgermani­

schen Stämme wird in der Germanistik oft als die Völkerwanderungs­ zeit bezeichnet. '— H eutzutage gibt es auch neue Versuche (s. z. B. Arbeiten von Ernst ScHwarz, Hugo Moser, Stefan Sonderegger, Claus J ürgen Hutterer), die letzten Ergebnisse der Archäologie, der historisch-vergleichenden Sprachwissen­ schaft sowie anderer Wissenschaftszweige zur Bildung neuer Hypothesen über die Entstehung und Verbreit ungdergermanischenStämme auszunutzen. Die Sprache der Germanen. Indoeuropäische Formen müssen von den Sprachforschern erschlossen werden; Belege für das Germanische dage­ gen lassen sich bereits bei antiken Autoren sammeln. Diese Belege lassen vermuten, daß die Auflösung der hypothetischen ide. Spracheinheit be­ reits um 3000 v. u. Z. begonnen haben mag. Als Ergebnis dieses Prozes­ ses entstanden Einzelsprachen und ganze Sprachfam ilien im ide.

 

*

D as

G otische

ist

für

die

germ anistische

Forschung

von

größter

W ich tigk eit,

d

es

das

älteste

germ anische

Schriftdenkm al

überliefert

hat — «Codex Argenteus»,

die

Bibelübersetzung des W estgotenbischofs

W ulfila (311— 383).

-

16 —