Sie sind auf Seite 1von 44
 
Athanasios Karathanassis (2006)
Marxsche Theorie, Regulationstheorie und das kapitalistische Naturverhältnis
Zusammenhänge kritischer Gesellschaftstheorien und naturdestruktiver Praxen
 
 
2
Inhalt
Zur Geschichte der Naturaneignung und -umwandlung  bis zum Fordismus 4
 Zur Neolithischen Revolution
5
 Zur Industriellen Revolution (IR)
7
  Zum Fordismus
9
 
Zusammenhänge naturgesetzlicher und ökonomischer Prozesse Wachstum und Naturzerstörung 11 Marxsche Theorie und die Naturfrage
 Allgemeine ökonomische Gesetzmäßigkeiten und ihre ökologischen  Konsequenzen
16
 
Regulationstheorie und die Naturfrage 28 Fazit 39
 
 
3
Bislang dominierende gesellschaftlich-ökonomische Verhältnisse zur Natur sind wesentlich gekennzeichnet durch ihre Rücksichtslosigkeit gegenüber ökosystemischen Gleichgewichtsverhältnissen, die für eine artenvielfältige  Natur zwingend sind, sowie durch Ignoranz gegenüber ökonomisch nachhaltigen Praktiken, die zum langfristigen Bestand entwickelter Zivilisationen erforderlich sind. Eingriffe des Menschen in die Natur werden zwar in vielfältiger Weise thematisiert. Empirische Evidenzen zur zunehmenden Ressourcenverknappung, zum wachsenden Missbrauch der Natur als Senke vielfältiger Schadstoffe bis hin zu ihrer Zerstörung sowie Umweltkatastrophen sind hierbei sowohl öffentlich in Massenmedien als auch in wissenschaftlichen Diskursen Gegenstand von Auseinandersetzungen. Zumeist bleiben diese aber in naturwissenschaftlich-technischem Kontext, auf subjektiv-moralisierender Ebene oder in deskriptiv-normativen Betrachtungen verhaftet,
1
 so dass das wirkliche Ausmaß und insbesondere die Ursachen o.g. Problematiken in ihren gesellschaftlich-ökonomischen Zusammenhängen nur unzureichend thematisiert werden. Was zumeist fehlt, ist ein kritisch-analytischer Diskurs gesellschaftswissenschaftlicher und naturwissenschaftlicher Zusammenhänge sowie insbesondere Fragen nach den gesellschaftlich-ökonomischen Ursachen eines kapitalistischen Naturverhältnisses, denn zum Verständnis dieses  Naturverhältnisses bedarf es nicht nur der Kenntnis von Entwicklungen, Funktionsweisen und Zusammenhängen in Naturprozessen sowie der Beschreibung von Zuständen. Es bedarf zudem einer Kritik spezifisch ökonomischer Gesetze, die in notwendigem Kontext zur Natur stehen, um das Verhältnis Natur-Kapital näher bestimmen zu können. Im Folgenden werden deshalb sowohl Inhalte der Marxschen Theorie, als auch der darauf aufbauenden Regulationstheorie zur kritischen Analyse kapitalistischer Naturverhältnisse herangezogen. Hierzu werden u.a. die im Marxschen „Kapital“ entfalteten ökonomischen Gesetzmäßigkeiten im Kontext von Naturgesetzen und -prozessen sowie Stoffverbräuchen untersucht, sowie die in der Regulationstheorie thematisierten gesellschaftlich ökonomischen Entwicklungsphasen analysiert. So wird es m.E. möglich, zum wissenschaftlichen und politischen ‚Mainstream’ erweiterte und alternative Sichtweisen und Handlungsansätze zu formulieren. Zwei Fragen stehen hierbei im Focus: 1. Was in der Marxschen Theorie und der Regulationstheorie dient der Analyse des kapitalistischen Naturverhältnisses und
1
 Belege hierfür finden sich u.a. in Schriften der OECD, diverser Enquete-Kommissionen, des „Club of Rome“, im Brundtland-Bericht oder in den Protokollen der Umweltkonferenzen von Rio und Kyoto, um nur einige wenige zu nennen.
576648e32a3d8b82ca71961b7a986505