Sie sind auf Seite 1von 85

Der Golfstrom-Code

Tomaten aus dem 132. Stock

Liebe Leserin, lieber Leser,

bald werden sieben Milliarden Menschen auf der Erde leben, die Ballungszentren ver- dichten sich mehr und mehr, während die Flächen für Weiden und Felder gleich-zeitig immer knapper werden. Was tun? Seit Jahren beschäftigt diese Frage Agronomen und Architekten. Inzwi- schen arbeiten sie fast alle auf die gleiche Lösung hin: Die Landwirtschaft muss in die Luft gehen, damit die Menschen in den Megastädten auch in Zukunft mit Nah- rungsmitteln ausreichend und preiswert ver- sorgt werden können. »Vertical Farming« heißt das Zauberwort, hinter dem sich kühne Visionen verbergen, die bereits erfolgreich getestet wurden. Die Pioniere der Etagenlandwirt-schaft wollen nicht nur Parkhäuser und Lagerhallen in den Innenstädten zu lokalen Agrarfabriken auf- rüsten, sondern bis zu 600 Meter in den Himmel ragende Silos bauen, in denen auf Dutzenden Etagen Kühe weiden, Tomaten wachsen und Orangen gedeihen.

Konkrete Baupläne gibt es bereits. Das spektakulärste Projekt nennt sich »Dragon- fly« und soll, ginge es nach den Planern, auf einer Insel vor Manhattan errichtet werden. »Die grüne Arche Noah« (s. Seite 38) in umittelbare Nähe der dicht besiedelten Me- tropole böte den Einwohnern zahlreiche Vor- teile: Statt Fast Food und Tiefkühlkost könnten die New Yorker frische Waren von nebenan essen, die mehr Vitamine und Nährstoffe ent- halten als herkömmlich angebaute Lebensmit- tel und überdies nicht von weither herange- karrt werden müssten, um zum Endverbraucher zu gelangen. Das spart Energie und hält die Luft von den Abgasen der Lieferwagen sauber. Zugegeben, bevor es so weit ist, werden kleine Schritte erforderlich sein, um dieses hochgesteckte Ziel irgendwann zu erreichen. Aber die Forschung hat sich in mehreren Län- dern bereits auf den Weg gemacht. Denn die Vorteile der in die Höhe strebenden landwirt- schaft sind beachtlich. Und wahrscheinlich alternativlos.

Hans-Hermann Sprado

Chefredakteur

Editorial

alternativlos. Hans-Hermann Sprado Chefredakteur Editorial Jetzt neu im Handel: P.M. Fragen & Antworten WIE VIEL

Jetzt neu im Handel:

P.M. Fragen & Antworten

WIE VIEL WAHRHEIT STECKT IM ABERGLAUBEN?

Magie und Zauberei sind bis heute Tell unserer Alltagskultur. Hinter der Sehnsucht nach Horoskopen, Engeln und Dämonen steckt eine tiefe Sehnsucht, die so alt ist wie wir. Denn vieles an unserer Existenz bleibt rätselhaft und offen für Irrationales.

84 Sind Sie der neue Einstein?

Die NASA hat Wettbewerbe ausgelobt, in denen es um die Lösung wissen- schaftlicher Probleme der Zukunft geht. Teilnehmen kann jeder - und die Preisgelder sind nicht zu verachten!

3O Wohnt Gott in unserem Gehirn?

Die Neurotheologie entwirft ein völlig neues Verständnis von Religion:

Mystische Erfahrungen erreichen uns nicht von außen, sondern entstehen in einem handtellergroßen Hirnareal

7 6 Endlich wieder Affe sein! Nach Jahren in den Labors der Medizin haben die

76 Endlich wieder Affe sein!

Nach Jahren in den Labors der Medizin haben die Versuchstiere einen respektvollen Ruhestand verdient - in »Chimp Haven«, dem ersten Altersheim für Affen

64 Hilfe für den Golfstrom

Kommt der Golfstrom zum Erliegen? Forscher haben jetzt entdeckt, dass ihm eine andere Meeresströmung offenbar beim »Überleben« hilft. Messsonden sollen Klarheit schaffen

»Überleben« hilft. Messsonden sollen Klarheit schaffen TITEL-THEMA 3 8 LANDWIRTSCHAFT Die grüne Arche

TITEL-THEMA

38

LANDWIRTSCHAFT

Die grüne Arche Noah

12

RADAR

Wissen zum Mitreden

22

NATURKATASTROPHEN

Hypercanes: Gigantische Wirbelstürme verändern das Antlitz der Erde

30

NEUROTHEOLOGIE

Wohnt Gott in unserem Gehirn?

SO

AUGENHEILKUNDE

Sehen wie ein Terminator

58

GELD & WIRTSCHAFT

Wem gehört der Mond?

64

MEERESSTRÖMUNGEN

Kann ein Killerstrom Europa retten?

70

AUTOTECHNIK

Elektroflitzer im Praxistest

76

ALTERSHEIM FÜR TIERE

Endlich wieder Affe sein!

82

BÜCHER, DIE DIE WELT VERÄNDERTEN

»Versuch über die Ungleichheit der Menschen- rassen« von Joseph Arthur de Gobineau

84

WISSENSCHAFTSWETTBEWERBE

Sind Sie der neue Einstein?

94

RECHENMEISTER

Die Philosophen der Zahlen

STANDARDS

46

FRAGEN & ANTWORTEN

56

LOGIK-TRAINER

57

KREUZWORTRÄTSEL &LÖSUNGEN

92

LESERBRIEFE

93

IMPRESSUM & SERVICE

100

ZITATE

106

VORSCHAU

Wissen zum Mitreden

Wissen zum Mitreden

Wissen zum Mitreden

Bienen sind eher für ihren Fleiß als für ihre Intelligenz bekannt - bisher! Jetzt haben Biologen gezeigt, dass die summenden Honigsammler ziemlich clever sind,Sie

haben Bienen be igebracht , menschliche

unterscheiden,Dazu zeigten sie den Bienen gerasterte Bilder von Köpfen.Mit Zuckerwasser als Belohnung trainierten sie die Bienen nach und nach darauf,jenes

Bild anzusteuern , auf dem das Gesicht am deutlichsten zu erken- nen war,Dann konnten sie die Tierchen sogar auf bestimmte Gesichter trainieren, Wenn sie die Gesichter vermischten,also Mund,Augen,Nase und Ohren anders kombinierten,kamen die Bienen durcheinander. Ungeklärt iSt, warum die Insekten Gesichter so genau differenzieren können , denn das bringt im Bienenalltag keinen Vorteil.

Gesichter zu

Minus 89 2 Grad Celsius

keinen Vorteil. Gesichter zu Minus 89 2 Grad Celsius ist die kälteste Temperatur, die je auf
keinen Vorteil. Gesichter zu Minus 89 2 Grad Celsius ist die kälteste Temperatur, die je auf

ist die kälteste Temperatur, die je auf der Erde

gemessen wurde: am 21. Juli 1983 an der russischen Forschungsstation Vostok in der Antarktis. Das ist so kalt, dass Kohlendioxid gefriert! Bislang war es ein Rätsel, wie die Temperatur derart ti ef fallen konnte. Britische Atmo- sphärenforscher haben jetzt die Erklärung gefunden: Ein ungewöhnlicher Luftwirbellag unbeweglich über der Station. Er verhinderte, dass wärmere Luft vom Meer einströmte. Als der Wirbel sich auflöste, stieg die Tempera- tur schlagartig um 20 Grad. Bei noch niedrigeren Windge- schwindigkeiten als damals könnte die Temperatur an der Vostok-Station auf minus 96 Grad fa llen, auf der nahe gelegenen Hochebene Dome Argus sogar auf minus 100 Grad. Sie wäre demnach die kälteste Gegend der Erde.

16 PM. 05 / 2010

Wissen zum Mitreden PHYSIK ~. Fußball, Pferderennen - wer dafür ein Gefühl hat, kann mit

Wissen zum Mitreden

PHYSIK

~. Fußball, Pferderennen - wer dafür ein Gefühl hat, kann mit Wetten viel Geld verdienen. Jetzt kann man auch auf Teilchen- physik setzen! Auf der Webslte www.bet-on- the-higgs.com kann man Wetten darauf abgeben, wann das rätselhafte Higgs-Teilchen endlich dingfest gemacht wird. Es muss existieren, da sind die Physiker sicher. Der neue Superbeschleuniger LHC soll es aufspüren. Eine vernünftige Wette ist allerdings, dass es noch ein paar Jahre dauern wird.

ist allerdings, dass es noch ein paar Jahre dauern wird. Als unsere Vorfahren vor 1,8 Deutsch

Als unsere Vorfahren vor 1,8

Deutsch Menschenfresser. Tatsäch li cll tragen Menschenknochen, die zuvor dort gefunden wurden, Bissspuren von Krokodilen. Die Forscher glauben, dass Anthropophagus mit seinen 7,5 Metern Länge das größte Raubtier

seiner Zeit war . Er

Hörner über den Augen , die vermutlich der Verteidigung des Territoriums dienten, ähnlich wie das Geweih bei Hirschen.

Millionen Jahren durch die ostafrikanischen Regenwälder streiften , war das Baden in Flüssen lebensge- fährlich für sie. Denn dort lauerte das Riesen- krokodil Crocodylus anthropophagus. dessen fossile Überreste amerikanische Forscher jetzt

in der Olduvai- Schlucht

haben. Sein lateinischer Name bedeutet auf

trug markante dreieckige

in Tansan ia gefunden

bedeutet auf trug markante dreieckige in Tansan ia gefunden 18 PM. 05 1 2010 GESCHMACKSFORSCHUNG Fliegen
bedeutet auf trug markante dreieckige in Tansan ia gefunden 18 PM. 05 1 2010 GESCHMACKSFORSCHUNG Fliegen

18 PM. 05 1 2010

GESCHMACKSFORSCHUNG

Fliegen macht scharf: auf Tomaten

Stewardessen rätseln seit Langem darüber: Warum

~)

~ bestellen so viele Fluggäste Tomatensaft, wo ihn doch am Boden kaum jemand trinkt? Aroma-Chemiker des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik sind der Frage nachgegangen und haben herausgefunden, dass es am veränderten Geschmacksempfinden im Flugzeug liegt. In

der Kabine über den Wolken ist der Luftdruck niedriger als

am

weniger, Säuren dagegen unverändert. Daher fanden die Testschmecker den Tomatensaft im Flieger angenehm fruchtig,am Boden jedoch muffig. Die Lufthansa, die die Forscher beauftragt hatte, will ihre Kochrezepte jetzt den neuen Erkenntnissen anpassen.

Boden, dadurch schmecken wir Salz, Zucker und Kräuter

Was tu n Menschen nicht alles für einen Ad ren al instoß: Sie stü r

Was tu n Menschen nicht alles für einen Ad ren al instoß: Sie stü r zen sich an Gummisei len von Brücken und Türmen , rauschen in Schlauchbooten reißende Flüsse hinunter. Wem das nicht genügt. der kann sich an die französische Firma Ultime Realite (www .ultimerealite.fr) wenden . Sie bietet Kidnappings, Men- schenj agden und ähnliche Abenteuer für

den ultimativen Kick an. Beim Kidnapping

zum Be ispiel w ird der Kunde irgendwann plötzlich, vielleicht beim Spazierengehen oder Besteigen seines Autos, entführt, gefesselt und für mehrere Stunden eingesperrt. 900 Euro kostet das Grundpaket, dazu sind Extras wie Lösegeldverhandlungen und Verfol - gungsjagden buch bar. Und ganz neu im Angebot: Scheintod inklusive Aufwachen auf dem Autopsie- Tisch.

MEDIZIN

Schneller nüchtern mit Sauerstoff

'" ~ Wer Alkohol trinkt, will meist

~ nach dem Gelage schnell wieder nüchtern sein. Dabei hilft Sauerstoff, haben südkoreanische Forscher festgestellt. Sie gaben 30 Männern und 19 Frauen je ein großes

Glas eines Getränks mit 19,5 Prozent

Alkohol- das entspricht einem kräft igen Reiswein. Dann maßen sie den Blutalkohol. Nach ungefähr fünf Stunden war er auf null gesunken, aber wenn die Forscher zuvor in dem Getränk Sauerstoff gelöst hatten, ging es eine knappe halbe Stunde schneller.

r~[~~ ·

~,.

·

Wissen zum Mitreden

FLUGTECHNIK

Superman

Seit dem James-Bond-Film

,,~

~ »Feuerball« (1965) ist der

Raketenrucksack legendär. Bond nutzt ihn darin zu einer spektakulären Flucht. Tatsächlich tüfteln Militäringenieure seit Jahrzehnten an so einem Fluggerät zum

Anschnallen. Jetzt

Das neuseeländische Unternehmen Martin bietet es für 75000 Dollar an. Es ist

von zwei Propellern angetrieben, mit einer

Leistung von 200 PS. Mit einer Tankfüllung

herkömmlichen Autobenzins kommt der Flugrucksack rund 50 Kilometer weit , bei einer Höchstgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde. Maximale Flughöhe: 2400 Meter! Das damals von James Bond geflogene Modell konnte nicht einmal eine halbe Minute in der Luft bleiben

kann man es kaufen .

. - - . - , - , . . - . - -

.-

-

.

- ,

-

,.

.-.-

-
-
. - - . - , - , . . - . - -
G ebetsmühlenartig wie- derholen Wissenschaft- ler seit Jahrzehnten die- se These: Vor 65 Mil- lionen
G ebetsmühlenartig wie- derholen Wissenschaft- ler seit Jahrzehnten die- se These: Vor 65 Mil- lionen

G ebetsmühlenartig wie- derholen Wissenschaft- ler seit Jahrzehnten die- se These: Vor 65 Mil- lionen Jahren hat ein

Asteroideneinschlag an der Küste Mexikos die Dinosaurier ausge- löscht und damit den Säugetieren

- auch uns - den Weg geebnet. Aber neuere geologische Studien widersprechen der alten These: Der Chicxulub-Krater auf der Halbin- sel Yucatan datiert 300 Millionen Jahre zurück ins Erdaltertum, als es noch gar keine Dinosaurier gab.

Zwar trifft es zu, dass auch vor 65 Millionen Jahren die Hölle in Form eines Asteroiden auf die Welt kam

- aber es passierte ganz woanders und war noch viel heftiger, als wir bisher dachten. Denn der Einschlag setzte Wirbelstürme von unglaub- licher Gewalt in Gang, die in der Folge das Antlitz der Erde formten

- und die wir erst heute ver- stehen.

WO DER GEWALTIGE CRASH wirklich

stattfand, brachten Bohrungen im Indischen Ozean an den Tag. Die Offshore-Industrie war hier auf eine große Senke im Meeresboden gestoßen. Sankar Chatterjee, Geo- loge an der Texas Tech University, nahm sie unter die Lupe und stell- te kürzlich fest: Sie hat einen Durchmesser von 500 Kilometern, und das Gestein ist bis in große Tiefen so stark verdichtet, dass nur ein Schluss bleibt - hier muss ein Asteroid eingeschlagen sein, und zwar vor 65

Jahren, Millionen wie

Gesteinsun-

tersuchungen

nahelegten.

Der

Koloss

hatte

einen

Durchmesser von 40 Kilo- metern: das

24 PM. 05 / 2010

Mengen, und

die Oberflä-

chentempera-

tur des In- dischen Ozeans steigt auf einer Fläche von hun- dert Quadrat- kilometern auf

über 50 Grad

bisher größte bekannte kosmische Geschoss in der Erdgeschichte. Was genau sich damals abge- spielt hatte, simulierte US-Meteo- rologe Kerry Emanuel, renom- mierter Professor am Massachusetts Institute ofTechnology (MIT), an seinem Rechner. Der Asteroid nä-

hert sich der Küste Indiens, mit 200 000 km/h schlägt er nahe Bombay (heute Mumbai) fast un- gebremst aufs Wasser und bohrt die heute Shiva-Krater genannte Senke in den Meeresboden. Dabei setzt er eine Sprengkraft von 4,8 Milliarden Megatonnen TNT frei. Das ist 700 ooo-mal so viel wie alle Atomsprengköpfe der Erde

zusammen - ausreichend, um die

48 Kilometer dicke Erdkruste zu durchschlagen und die Seychellen vom indischen Festland abzu- reißen. Der Knall ist rund um die Erde

zu hören. Eine enorme Flutwelle überrennt die Küsten des Indischen Ozeans. Viele hundert Billionen Tonnen Gestein werden in die At- mosphäre geschleudert und regnen als Meteoritenregen im Umkreis von 1000 Kilometern herunter. Ein dichter Staubschleier bleibt hängen und schirmt das Sonnenlicht ab, sodass die Temperaturen schlag- artig fallen. Doch die eigentliche Apokalyp- se steht erst noch bevor. Flüssiges Gestein, 1200 Grad Celsiusheißes Magma, kommt aus der Tiefe an die Oberfläche und erhitzt das Meerwasser. Explosionsartig ver- dampfen riesige

Der größte Asteroid aller Zeiten prallte mit 200 000 km/h auf die Erde. Rund um den Planeten war der Knall zu hören

Celsius an - beide Effekte sind Grundbe- dingung für die Entstehung ge- waltiger Wir- belstürme.

Celsius an - beide Effekte sind Grundbe- dingung für die Entstehung ge- waltiger Wir- belstürme. Man kennt solche Vorgän-

ge aus dem Golf von Me- xiko: Sein warmes Wasser ist eine Hexenküche der Orkane. Von hier

aus fallen sie in Zentralamerika oder im Süden der USA ein . Die ~1aya nannten diese Stürme »Hu- racan« nach dem Namen ihres Windgottes - daraus wurde die heutige Bezeichnung Hurricane (deutsch: Hurrikan). Die »Gottes- stürme« stellen immer neue Re- korde auf: Andrewerreichte 1992 Windgeschwindigkeiten von über 250 km/h und hinterließ Hundert- tausende Obdachlose. Im Jahr 2005 kamen Katrina und Wilma bereits auf 300 km/ho

Nach dem Einschlag brach die Hölle los : ein inferna lischer Sturm, der drei Viertel aller Lebe- wesen dahinraffte

und katapul- tiert ihn him- melwärts. Der Wirbel gewinnt an Größe - das Sturmtief wächst. Stun- denlang, ta-

gelang. Ema- nuels Simu- lation zeigt: Setzt sich das Hurrikan-Wachstum über 40 Stun- den lang fort, braut sich ein Hyper-

cane zusammen. Seine Ausmaße sind gigantisch. Der Durchmesser entspricht der Strecke von Berlin bis Rom - mehr als 1500 Kilometer. Der Wirbel ist so gewaltig, dass er 30 Kilometer hoch bis in die obere Stratosphäre reicht. Die Windgeschwindigkeiten in diesem Monster erreichen 800 Kilometer pro Stunde - so viel wie ein Passagierflugzeug. Dieser Sturm lädt sich mit so viel Energie auf, dass er völlig außer Kontrolle gerät und »durchgeht«, wie Emanuel sagt. Er zieht über weite Teile der Erde hinweg und schlägt alles, was ihm in den Weg kommt, kurz und klein. Nur we- nige Lebewesen können dem Monstersturm entkommen - die unförmigen Dinosaurier gehören nicht dazu. Sie erliegen dem Hy- percane, der mit ihnen 75 Prozent des Lebens auf unserem Planeten vernichtet. Der Wind macht auf allen Kontinenten Tabula rasa.

EMANUELS SIMULATIONEN des As-

teroideneinschlags im Indischen Ozean vor 65 Millionen Jahren brachten ihn zu der Überzeugung:

Damals muss es einen noch viel »schnelleren« Wirbelsturm gege- ben haben, denn nach seinen Be- rechnungen schaffen es selbst kilo- metergroße Gesteinsbomben aus dem All nicht, die Erde an den Rand des Untergangs zu bringen. Der Koloss aus dem All muss auf der Erde einen Mittäter gehabt ha- ben - einen Hurrikan, der alle Vor- stellungen sprengt. Emanuel nennt ihn: Hypercane. In seinem Computer ließ er ihn noch einmal tosen. Die vom N1ag- ma erzeugten Dampfschwaden ballen sich zu Wolken zusammen und steigen in die Höhe . Durch die Erdrotation formen sie sich zur Spirale, die sich immer schneller dreht. In ihrem Zentrum entsteh t wie in einern Kamin Unterdruck. Dieser saugt immer mehr und im- mer schneller den Wasserdampf an

DOCH DAS ZERSTÖRUNGSWERK geht

weiter. Beim normalen Hurrikan kühlt sich der Wasserda mpf, der die Wolken bildet, auf dem Weg nach oben ab - kleine Wassertrop- fen bilden sich, es beginnt zu reg- nen. Ganz anders beim Hypercane:

Die Tröpfchen werden weiter in die Höhe geschleudert, bis sie zu klei- nen Eiskristallen gefrieren. Sie kön- nen jahrelang in der Stratosphäre bleiben - und dabei unheilvolle chemische Reaktionen auslösen, denn aus dem Salz des Meerwas-

sers wird Chlor abgespalten, das sich mit Ozon verbindet und dieses abbaut: Ein riesiges Ozonloch reißt auf.

AUF DER ERDE VERSCHWINDET der

Schurz vor den gefährlichen ultra- violetten Strahlen der Sonne. Das kurzweIlige Licht dringt bis auf den Boden vor und attackiert die Blätter. Die Pflanzen verlieren ihre Fähigkeit zur Photosynthese: Sie können das Kohlendioxid in der Luft nicht mehr in Sauerstoff um- wandeln - die Atmosphäre begin- nt zu kollabieren. Außerdem stel- lendie Pflanzen keine Stärke mehr her, ihr Grundnahrungsmittel, und verdorren: Wer Flutwelle und Monstersturm überlebt hat, findet bald kein Fressen mehr. Zuerst ver- abschieden sich die Pflanzen, dann werden die vegetarisch lebenden Tiere dahinge-rafft, schließlich si nd die Fleisch fresser an der Reihe. Es wird immer unwirtlicher auf der Erde, auch in den Meeren. Die kurzweiligen UV-Strahlen lassen die Algen sterben, die im gesunden Zustand 90 Prozent des Luftsau- erstoffs erzeugen . Folge: Der C02- Gehalt der Atmosphäre nimmt sprunghaft zu, der Treibhauseffekt beschleunigt sich rasant. Es wird immer heißer, was das Massenster- ben weiter anheizt - das Leben steht auf der Kippe. So geschehen vor 65 Millionen Jahren im Indischen Ozean. Der Attentäter aus dem All, der der Erde beinahe den Garaus gemacht hätte, war 40 Kilometer lang. Emanuels Simulationen zufolge müssen kos- mische Kör-

per minde- stens fünf Kilometer lang sein, um einen Hyper- cane zu trig- gern. In der Erdvergan - genheit dürf-

ten einige Geschosse dieses Kali- bers die Erde getroffen haben. Von den bekannten Crashs, die via Hy- percane ein Massensterben auslös- ten, ist der Yucatan-Einschlag vor 300 Millionen Jahren der früheste; der auslösende Asteroid hatte eine Länge von zehn Kilometern. Dann folgte vor 250 Millionen Jahren das zweite Massensterben durch einen erst kürzlich entdeckten Ein- schlag vor der australischen Küste; schließlich von 65 Millionen Jah- ren der Einschlag im Indischen Ozean. Und wie stürmisch wird die Zu- kunft? In den nächsten Jahrzehnten droht kein Hypercane, beruhigt der Wiener Impaktforscher Chris- tian Koeberl. Selbst der berüchtigte Apophis-Asteroid hat sich als harmlos entpuppt: Nach neuesten Erkenntnissen wird er am Freitag, dem 13. April 2029, die Erde knapp verfehlen. Mit 270 Metern wäre er auch zu klein für ein Monster- srurmereignis. Aber nicht alle Stö- renfriede kündigen sich vorher an. Der Komet Hale-Bopp tauchte erst zwei Jahre vor seinem Vorbeiflug an der Erde in den Teleskopen auf. Und: Die Anziehungskräfte der Planeten können die Bahnen der Flugkörper jederzeit verändern.

AUSSERDEMDROHT die Gefahr nicht nur von oben, sondern auch von unten. Ein Hypercane könnte auch vom Ausbruch eines Unterwasser- vulkans ausgelöst werden. Solche

Feuerberge gibt es überall dort auf den Meeresböden, wo Erdplatten aneinanderstoßen. Einige dieser Vulkane liegen fast vor unserer Haustür. Der

Empedokles bei Sizilien zum Beispiel. In der Vergangenheit war er hoch- aktiv und hat mehrere Tsuna- mis ausgelöst - ein Kandidat? Nein, sagt der

Verheerende Folge des Hyper-Orkans:

Etliche Vu lkane erwachten. 700 000 Jahre lang spien sie Feuer und Schwefel

28 PM 05 / 2010

Krater in Utah (r.). Die meisten EinschlagsteIlen befinden sich

aber auf den

Vulkanologe Ulrich Küppers von der Universität München, die Vul- kane vor Sizilien seien zu klein

Vulkanologe Ulrich Küppers von der Universität München, die Vul- kane vor Sizilien seien zu klein für einen Hypercane. Die größte Ansammlung von Feuerspuckern findet sich in den Meeren entlang des Mittelozea- nischen Rückens in einer Tiefe von 2500 Metern. Dort ist das Wasser nur vier Grad Celsius warm: Ein gigantischer Ausbruch wäre nötig, um es auf 50 Grad an der Oberflä- che zu erhitzen und einen Hyper- cane einzuleiten. Das ist wohl eher Theorie - aber sicher kann man nicht sein . Viele Unterwasservul- kane sind unerforscht und die meisten unterseeischen Asteroiden- krater noch unbekannt; auf Empe- dokles ist man auch erst vor vier Jahren gestoßen.

ALSO KEINE ENTWARNUNG, außer-

dem: Weltuntergänge kommen selten allein, sagt Emanuel. Der Shiva-Asteroid hat nicht nur den Hypercane entfesselt, sondern da- rüber hinaus auf dem indischen Festland eine Reihe schlafender Vulkane wachgerüttelt. 700 000 Jahre lang haben sie Staub, Schwe- fel, Kohlendioxid gespuckt und den Subkontinent, bis heute sichtbar, mit Hunderttausenden Kubikkilo- metern Basalt überzogen. Eigentlich ist es ein großes Wun- der, findet Emanuel: Dass der Pla- net und die damaligen Lebewesen diese Hyper-Katastrophe über- lebten, dürfe uns bei allem Erschre- cken schon wieder zuversichtlich stimmen.

~~

WEBWEISER ,

cken schon wieder zuversichtlich stimmen. ~ ~ WEBWEISER , Sankar Chatterj ee u. Shiva - Krater

Sankar Chatterj ee u. Shiva - Krater :

www.depts.ttu.edu/gesc/Fac_

pages/chatterjee/index.html

Hypercanes und Monsterstürme:

www.dailygalaxy.com/my_weblog

/2009/04/is-a-mega-katri.html

Atmosphärenforscher Emanuel:

wind.mit.edu/-emanuel/home.html

TEXT: KARSTEN FLOHR D ie ~) Area 51 « in der Wüste von Nevada (USA)

TEXT: KARSTEN FLOHR

D ie ~) Area 51 « in der Wüste von Nevada (USA) umfasst 100 Quadratkilometer und ist der geheimnis-

vollste Ort der Welt. US-Militärs

experimentieren hier mit Außerir- dischen, behaupten Verschwö- rungstheoretiker. Noch geheimnis- voller ist die Area 9. Sie umfasst die Größe eines Handtellers und liegt im vorderen linken Bereich des menschlichen Gehirns. Auch hier wird mit Überirdischem experi- mentiert: Wissenschaftler sind da- bei, Schritt für Schritt dieses Zent- rum mystischer Visionen und göttlicher Eingebungen zu erfor- schen - Gottes Mailbox, Fenster Gottes oder Gottesmodul, sagen sie salopp dazu.

Korrekt heißt es prä frontaler

Cortex, vorderer Schläfenlappen. Dysfunktionen an dieser Stelle können zu allerlei Problemen füh- ren: Depressionen, Parkinson, Tin- nitus. Und Epilepsie. Eine seltene Variante, die Herd-Epilepsie, ließ Hippokrates (ca. 460 - 370 v. Chr.), den bedeutendsten Arzt der Anti-

32 PM. 05 / 2010

ke, den Begriff von der »heiligen Krankheit« prägen. Denn die Pati- enten haben während ihrer Anfäl- le Begegnungen mit Göttern, Geis- tern und Gespenstern, so berichten sie. Damals wie heute. Heute ist die Medizin in der Lage, auch bei Nicht-Epileptikern religiöse Regungen und Erlebnisse göttlicher Gegenwart hervorzuru- fen, indem sie diese Hirnregion künstlich stimuliert. Der US -ame- rikanische Hirnforscher Michael Persinger war der Erste, der das in den 1980er Jahren tat - was sich seitdem abspielt zwischen Neuro- logen, Psychologen, Evolutionsfor- schern und Theologen, ist ein er- bitterter Streit um die Deu- tungshoheit der höchsten Instanz des Universums: Gott. Belegen die Experimente Gottes Existenz oder tun sie das genaue Gegenteil:

Outen sie ihn als eine Erfindung des menschlichen Gehirns? Sitzt er im menschlichen Gehirn und spricht von dort zu uns? Oder ist er eine Halluzination des linken vorderen Schläfenlappens ? Neuro- theologie (Neurologie + Theologie)

nennt sich die grenzübergreifende Wissenschaft, die das zu klären versucht. Fakt ist: Es funktioniert nicht nur bei »Schläfenlappen-Persön- lichkeiten«, wie mystisch veranlag- te Menschen genannt werden, son-

dern bei fast

allen . 80 Prozent von

über 1000 Probanden der Persin- ger-Versuche hatten sie: Erlebnisse der dritten Art.

PERSINGER, Professor an der Lau- rentian University in Sudbury (On- tario/Kanada), hat etwas konstru- iert, was als »Gottes-Helm« in die Geschichte der Neurologie einge- gangen ist. Eine Art Motorradhelm, in den zweimal vier Magnetspulen, um die Schläfen- und Scheitellap- pen gruppiert, integriert sind. Künstlich fluktuierende Magnet- felder werden 30 Minuten lang horizontal auf den Schädel der Ver- suchsperson geleitet, so schwach wie die Strahlung eines Computer- bildschirms. Was sich dann einstellt nennt Persinger ~~gefühlte Präsenz « :

Die Probanden hören Stimmen, haben Visionen, wähnen überir-

disehe Kräfte in ihrer Nähe, fühlen sich eins mit dem Universum oder haben das Gefühl,

disehe Kräfte in ihrer Nähe, fühlen sich eins mit dem Universum oder haben das Gefühl, ihr Körper wür- de vibrieren und schweben. Einige wenige bekamen Panikattacken, rissen sich den Helm vom Kopf und ergriffen die Flucht. Allen gemein- sam war, dass sie vorher nicht ein- geweiht worden waren - sie glaubten, an einem Entspannungs- Experiment teilzunehmen. Und sie waren religiös gut durchmischt:

Vertreter aller Glaubensrichtungen bis hin zu Atheisten befanden sich unter den Teilnehmern. Der zweite Forscher, dessen aufsehenerregende Experimente

»Gottes-Helm«:

Probanden, die den von

Neurowissen-

schaftlern präparierten Helm 30 Minuten

tragen, hören

Stimmen und

haben Visionen

Helm 30 Minuten tragen, hören Stimmen und haben Visionen die Öffentlichkeit polarisieren, ist der Radiologe und

die Öffentlichkeit polarisieren, ist der Radiologe und Religionswis- senschaftIer Andrew Newberg, Professor an der University of Pennsylvania (USA), der Persin- gers Entdeckungen vertieft und ausgeweitet hat: Er untersuchte, was im Gehirn vor sich geht, wenn Menschen in den Zustand höchster religiöser Konzentration geraten. Dazu filmte er die Gehirne von Franziskaner-Nonnen und tibe- tischen Mönchen im Gebet bzw. bei der Meditation, indem er ih- rem Blut radioaktive Substanzen als Kontrastmittel zuführte und dann ihre Gehirnfunktionen in einem bildgebenden Verfahren namens SPEeT (Single-Photon Emission Computed Tomography) darstellte.

DASS ERGEBNIS IST eine signifikante Abnahme jener Hirnaktivitäten, die der Orientierung dienen, sowie eine nachlassende Durchblutung der Großhirnrinde. Die Teile des Gehirns, die die Grenze zwischen dem Ich und dem Rest der Welt bestimmen, fahren ihre Aktivitäten

drastisch zurück, wodurch der me- ditierende Mensch das Gefühl be- kommt, mit dem Gegenstand sei- ner Meditation ganz und gar eins zu werden. Newberg: »Mystische Erfahrung ist also wissenschaftlich real und nachweisbar. Was wir als Realität ansehen, ist eine vom Gehirn erzeugte Darstellung von Realität.« Newbergs Erkenntnisse gelten seither als plausibelste Erklärung für Wunderwahrnehmungen von Menschen - trotzdem verwahrt er sich gegen die Interpretation, alles sei Einbildung, und schob einen überzeugend-witzigen Versuch nach: Er ließ Probanden Apfelku- chen verzehren und zeichnete im Computertomografen auf, was sich dabei in deren Gehirnen abspielte - das Genuss-Erlebnis ist neurolo- gisch sichtbar. Newbergs Frage: Ist der Apfelkuchen eine Einbildung, nur weil der Essgenuss im Gehirn sichtbar gemacht werden kann? Seine Antwort: »Wer spirituelle Erfahrungen als bloße neurolo- gische Aktivität abtun will, muss auch allen anderen Wahrneh-

mungen der materiellen Welt durch das Gehirn misstrauen.« Das tun allerdings viele. Physik- Nobelpreisträger Albert

mungen der materiellen Welt durch das Gehirn misstrauen.« Das tun allerdings viele. Physik- Nobelpreisträger Albert Einstein (1879-I955) zum Beispiel war der Meinung: »Physikalische Begriffe sind freie Schöpfungen des Geistes und ergeben sich nicht etwa zwangsläufig aus den Verhältnissen der Außenwelt. « Der führende deutsche Hirnforscher Wolf Singer, Professor und Leiter des Max- Planck-Instituts für Hirn forschung in Frankfurt/M., erregte im vor- vergangenen Jahr die Öffentlich- keit mit seinen Thesen, der freie Wi lIe des Menschen sei eine pure Illusion, eine Handlungsautonomie existiere nicht. Singer, Festredner bei Angela MerkeIs 50. Geburtstag (Thema:

»Das Gehirn - ein Beispiel zur Selbstorganisation komplexer Sys- teme«), hat eine Weile unter Ere- mitenmönchen auf dem Berg Athos in Griechenland verbracht und ihre Visionen und Kontakte mit Gött- lichem beobachtet. Sein Ergebnis:

»Das ist aus neurobiologischer Sicht erstaunlich, es ist das typische Ergebnis von Schlafentzug und

34 PM 05 / 2010

Hyperventilation. Auch das Jesus- Syndrom kann auftreten, ein epi- leptisches Krankheitsbild, bei dem die Patienten wunderbare Gefühle haben, sich eins mit der Welt und erleuchtet fühlen. Da krampft sich ein Stück Hirn zusamlnen, das normalerweise als innerer Zensor fungiert. «

DIE VISIONEN VON Moses, Paulus,

Mohammed - alles nur Gehirn- Verkrampfungen? Der Welt be- kanntester Religions-Bekämpfer,

Oxford-Professor Richard Dawkins Der Gotteswahn « ), sieht sich be- stätigt von den neurobiologischen Erkenntnissen Persingers und New- bergs, mehr noch: »Der Glaube ist in der Lage, Menschen derart zu gefährlichem Wahnsinn zu treiben, dass er sich in meinen Augen als Geisteskrankheit darstellt«, sagt er. Und Michael Schmidt-Salomon

Virus des Glaubens «), Phi-

(»Vom

losoph in Trier: »Gott ist ein ima- ginäres Alphamännchen, eine Pri- matenhi rnkonstruktion.« So weit gehen die Verursacher der Debatte nicht. Persinger: »Wenn ein Mensch die Erfahrung Gottes

nicht. Persinger: »Wenn ein Mensch die Erfahrung Gottes Orientierungs- verlust: Während der Meditation zeigt das

Orientierungs-

verlust: Während der Meditation zeigt das Gehrin eines buddhis- tischen Mönchs

im SPECT-Com-

puterbild eine

Abnahme der

Hirnaktvitäten, die der Orientie- rungdienen

macht, kann ich sagen, was dessen Gehirn dabei tut, aber ich kann nichts darüber sagen, ob dieser Mensch sich wirklich in Gottes Ge- genwart befindet. Ich will und kann Gott nicht als Phänomen beseiti- gen, ich versuche nur zu verstehen, was er mit unseren Gehirnen macht.« Und sein Kollege Newberg ergänzt: »Gott nähert sich den Menschen nicht von außen. Visi- onen, Stimmen und andere Erschei- nungen produziert er im Gehirn, es sind neurologische Vorgänge, die wir sichtbar machen können.« Für den Magdeburger Neurobio- logen Professor Gerald Wolf (»Der

Hirngott«) ist das selbstverständ- lich: »Wo sonst, wenn nicht im Gehirn, sollte die Gotteswahrneh- mung

Hirngott«) ist das selbstverständ- lich: »Wo sonst, wenn nicht im Gehirn, sollte die Gotteswahrneh- mung vonstatten gehen? «, kontert er. Professor Matthias Petzold, Theologe aus Leipzig, geht weiter:

»Das Gottes-Modul ist eine Erfin- dung der Hirnforscher, sie ver- wechseln die Schöpfung mit dem Schöpfer. « Einen Kompromiss bietet der Religionswissenschaftler Michael Blume aus Filderstadt: »Gott ist kein Fehler unseres Gehirns, unser Hirn ist mit Fähigkeiten ausgestat- tet, die biologische Vorteile haben. « Worauf er anspielt: Evolutionsfor- scher sind sich sicher, dass Religion und Gottesglaube beim Siegeszug der Menschheit entscheidende Be- deutung zukommen. Sie haben einen »kognitiven Imperativ« aus- gemacht, eine Art Zwangshand- lung, die uns dazu anhält, nach Sinn in der uns umgebenden Rea- lität zu suchen und dabei auch übernatürliche Erklärungsmodelle zu erfinden, wenn keine rationalen vorhanden sind. Es gibt sogar ein Datum, seit wann der Mensch dazu in der Lage

ist. Der weltberühmte amerika- nisehe Psychologe Julian Jaynes (1920-1997, »Ursprung des Be- wusstseins «) glaubt: Mit dem Auf- kommen des Homo erectus, dem aufrecht gehenden Menschen, habe der »Urknall des menschlichen Be- wusstseins« stattgefunden: Vor zwei Millionen Jahren entstanden neuronale Brücken zwischen der rechten und der linken Hirnhälfte, und es bi Ideten sich komplexe Scheitellappen heraus, die »Grund- lage der internen Kommunikation des Gehirns mit sich selbst sind« - das Ich-Bewusstsein. Seitdem sei der Mensch in der Lage, Mythen und Religionen zu bilden mit dem Ziel, in einer feindlichen Umge- bung besser zu überleben als ande- re Lebewesen.

MICHAEL BLUME: »Die Fähigkeit, den Strom unseres Bewusstseins zu analysieren, bringt praktische Überlebensvorteile für den Men- schen. « Außerdem stärken religiöse Bande den Zusammenhalt im so- zialen Verband - ein weiterer evo- lutionärer VorteiL Der britische Zoologe Matt Ridley: »Rituale,

Mythen und Religionen dienen dazu, Gruppen nach innen zu festigen und nach außen stark zu machen.« Ist Religion also ein Produkt der Evolution und somit Teil der menschlichen Natur? »Läg' nicht in uns des Gottes eigne Kraft, wie könnt' uns Göttliches entzücken? «, beantwortet Dichterfürst Goethe (1749-1832 ) die Frage mit einer Gegen frage. Rel igionswissen- schaftler Michael Blume sagt es pragmatischer: »Neurologen auf der Suche nach Gott sind wie Leu- te, die den Fernseher aufschrauben auf der Suche nach dem Nachrich- tensprecher. «

WEBWEISER ,

Der A ll mClcht ige steckt im Hirn

www.zeit.de/zelt-wissenI2008/01/

Titel-Kasten-Gotteshelm?page=all

Oie JLl ian - Jaynes-Gese li schaft

www.julianjaynes.org

Hornepage von Michael BIl.J;'11e:

www.blume- religlonswissen- schaft.de

D ie Erde ist für uns der ide- ale Lebensraum: Sie bietet Wasser, Sauerstoff, erträg-
D ie Erde ist für uns der ide- ale Lebensraum: Sie bietet Wasser, Sauerstoff, erträg-

D ie Erde ist für uns der ide-

ale Lebensraum: Sie bietet

Wasser, Sauerstoff, erträg-

liche Temperaturen und dank ei- ner schützenden Atmosphä re nur wenig gefährliche Strahlung. Wel- che Bedingungen würden unsere Nachkommen aber auf anderen Planeten vorfinden, wenn sie eines Tages versuchen sollten, außer- halb der Erde neue Welten zu be- siedeln? Mit dieser spannenden Frage be- fassen sich die Forscher, die den Zuschauer der DVD »Gefährliche Planeten « (Abbildung oben) auf einer Reise durch das Sonnensys- tem begleiten. Könnte man Him- melskörper, über denen giftige

Säurewolken schweben oder Wind- geschwindigkeiten von mehr als 2200 km/h toben, überhaupt be- treten? Lässt sich der Mars, auf dem sich ja einst Wasser befand, trotz seiner extrem hohen Strah- lung eines Tages zur zweiten Hei- mat für Menschen machen? Auf einer dramatischen Expediti- on, bei der Millionen Kilometer zurückgelegt werden, erläutern Wissenschaftler, wie sie die Chancen für eine zukünf- tige Besiedelung naher und ferner Planeten be- urteilen. Der Nlars mit seinen Sandstürmen, die Venus mit ihren Schwefelsäurewolken

Spannend und informativ:die DVD » Gefähr-

liche Planet en «

aus de r Edit ion

» Welt des Wissens«

liche Planet en « aus de r Edit ion » Welt des Wissens« und der Neptun

und der Neptun mit seinen töd-

lichen Winden sind nur drei der Stationen dieser aufregenden Reise durch das All.

) Gefährliche Planeten «

ist in der P.M.-Dokumentarfilm- Reihe »Welt des Wissens« erschie- nen (weitere Themen unter ande- rem: Raumfahrt, Technik, Natur und Umwelt). Diese und alle anderen DVDs der P.M.-Edition sind einzeln im Han- del erhältlich (unverbindliche Preis- empfehlung pro Folge: 9,99 Euro) oder im Internet unter

Die DVD

www.pm-magazin.de/dvd

Hier können Sie auch Trailer der verschiedenen DVDs sehen und an einem Gewinnspiel teilnehmen.

36 PM. 05 / 2010

Das Projekt »Dragonfly« ist eine kühne Vision belglscher Architekten: Auf einer Insel vor Manhattan soll

Das Projekt »Dragonfly« ist eine kühne Vision belglscher Architekten:

Auf einer Insel vor Manhattan soll ein gigantisches Hochhaus entstehen, mit Obst, Gemüse und Viehweiden auf 132 Etagen

In Megastädten wie New York drängen sich die Menschen auf engstem Raum. Kein Platz für Landwirtschaft -dachte man bisher!

W as wäre, wenn alle Menschen in Bungalows

leben würden? Ein Albtraum wäre es. Die

Städte würden sich ausbreiten, das freie Land

schwinden. Man wäre noch länger unterwegs zur Arbeit, zum Einkaufen und zu Freunden, weil alles weiter auseinander läge. Stattdessen haben sich Städ- te, seit es sie gibt, immer weiter verdichtet: Die Men- schen rücken immer enger zusammen, die Fläche wird zu Stockwerken übereinandergestapelt. In München, der am dichtesten besiedelten Großstadt Deutschlands, leben 4300 Menschen auf einem Quadratkilometer. Paris ist sogar fast sechsmal so dicht besiedelt. Gut so. Sonst wäre der Globus längst von einem gleichmäßigen Siedlungsbrei überzogen. Inzwischen lebt über die Hälfte der Menschheit in Städten. Aber ihre Nahrung kommt wie eh und je vom Land. Seit zehntausend Jahren wird Landwirtschaft in der Ebene betrieben, als hätte der Raum keine dritte Dimension. Die 6,8 Milliarden Menschen, die derzeit die Erde bevölkern, nutzen eine Fläche von der Größe Südamerikas für Ackerbau und Viehzucht. Die horizontale Landwirtschaft gerät unter Druck:

immer höher die Flächenerträge, immer mehr Dünger und Pestizide, immer weiter die Transportwege. Wer heute Obst oder Gemüse kauft, zahlt einen Großteil seines Geldes für den Transport. Und der Landfraß hält an. Wenn die Weltbevölkerung so weiterwächst,

wie Demografen vorhersagen, müsste in den nächsten vierzig Jahren eine zusätzliche Fläche landwirtschaft- lich nutzbar gemacht werden, die dem Doppelten der Europäischen Union entspricht. Unmöglich! Denn so viel urbar zu machendes Land gibt es gar nicht.

SO KANN ES ALSO nicht weitergehen. Wie dann? Die Landwirtschaft muss jetzt denselben Weg gehen wie einst die Städte, sind viele Ingenieure überzeugt: in die Vertikale! Sie wollen Gemüsefelder übereinandersta- peln wie Stockwerke. »Vertical Farming« lautet das Zauberwort. Der amerikanische Biologieprofessor und Vertical-Farming-Vordenker Dickson Despom- mier stellt sich Gebäude vor, ganze Straßenblöcke groß, in denen Essbares auf 30 Etagen wächst. »Inge- nieure, Städteplaner und Agronomen sind nicht nur überzeugt, dass Vertical Farming machbar ist«, ver- kündet Despommier, »sondern auch, dass es gemacht werden sollte.«

Mehr Vitamine, kaum Pestizide, geringerer Wasserverbrauch. Und:

~

keine Transportwege!

Tomaten könnten im Projekt Dragonfly hydroponisch angebaut werden, also in Wasser wurzelnd (oben). Überdies würde das Landwirtschafts-Hochhaus den Menschen einen grünen Erho- lungsraum mitten in der geschäftigen Großstadt bieten (unten)

Die Konzeptstudie » Tour Solargreen« des Pariser Büros SOA Architectes: ein Bürohaus mit bepflanzten Fassaden

Senkrechte Felder gibt es schon heute zu kaufen. Hier das System der kanadischen Firma Valcent

Die Idee der vertikalen Landwirtschaft krempelt so ziemlich alles um, was Bauern gewohnt sind: Die Pflanzen wachsen drinnen, unter streng kontrollierten Bedingungen, sie bekommen exakt so viel Licht, Wasser und Nährstoffe, wie sie brauchen. Hagel und

gefräßige Schädlinge bleiben draußen. Insgesamt:

Laboratmosphäre statt Landromantik. Auch mit der Selbstverständlichkeit, dass Pflanzen in Erde wachsen, wäre es vorbei. Stattdessen kommen drei andere Techniken infrage:

~ Tropfberieselung: Die Pflanzen schlagen ihre Wur- zeln in leichte Granulate wie Vermiculit. Kleine Rohre im Granulat betröpfeln die Wurzeln gezielt mit nähr- stoffhaltigem Wasser. Die Methode ist geeignet für Getreide. ~ Hydroponik: Es gibt keinen festen Untergrund mehr, die Pflanzen wurzeln direkt in Nährstofflösung. Tomaten, Spinat und Beeren lassen sich besonders gut hydroponisch ziehen. ~ Aeroponik: Die Pflanzen hängen in der Luft, ihre Wurzeln werden mit Nährstoffen bedampft. Gut ge- eignet für Kartoffeln und Wurzelgemüse. Alle drei Techniken sind bereits erfolgreich erprobt. Zum Beispiel zogen die Amerikaner im Zweiten Welt- krieg auf Inseln im Südpazifik mehrere Millionen Kilogramm Gemüse in hydroponischen Kulturen, um ihre Truppen zu versorgen. Heute ist Hydroponik in Gewächshäusern etablierter Standard. Wem ange- sichts dieser Technik die Sorge vor wässrigen Gurken und bleichen Tomaten aus gesichtslosen Agrarfabriken kommt, der kann sich von Dickson Despommier be- ruhigen lassen: »Unser Essen würde besser schme-

cken «, versichert er,

»und >regional angebaut<würde

die Norm. « Es wäre auch gesünder, weil es kaum

noch mit Schädlingsgiften gespritzt werden müsste. Vor allem aber würde sich der Wir- kungsgrad der Landwirtschaft enorm erhö- hen: Der Verbrauch an Wasser und Dün- gemittel sänke auf einen Bruchteil des heutigen Werts.

In New York ist die Herausforderung besonders groß. Dort drängen sich 27 500 Einwohner pro Quad- ratkilometer, mehr als irgendwo in Europa, dazu kommen Pendler und Touristen. Nach oben wachsen die Wolkenkratzer, unter der Erde rattert die Subway - New York ist eine Stadt mit drei Dimensionen. Die nächsten freien Anbauflächen sind zig Meilen entfernt. Jede Tomate, die auf einem an der 5th Avenue ver- kauften Sandwich liegt, ist weit gereist. Dickson Des- pommier hat seine Studenten auf die Suche nach verlassenen Gebäuden und Plätzen ausgeschickt, die für Vertical Farming geeignet sind. 120 haben sie gefunden: die üblichen Bauruinen, einen verfallenen Lokschuppen, einen alten Militärflugplatz. »In allen Städten der Welt gibt es solche Ürte «, sagt Des- pommler. Natürlich wäre einiges zu klären, bevor sie landwirtschaftlich genutzt werden könnten: Investoren müssten gefunden werden, und die Versorgung mit Energie müsste gewährleistet sein. Ideal wären Anlagen, die städtisches Abwasser in Nutzwasser umwan- deln. Aber das sind eher bürokra- tische als technische Hürden. Und das wäre nur der erste Schritt. Das Architekturbüro Vincent Calle- baut Architectures hat sich überlegt, wie Vertical Farming in Vollendung aussähe:

Die belgisehen Planer haben eine gigantische »metabolische Farm« für New York entworfen. Das Projekt »Dragonfly« (Libelle) auf Roosevelt Island im East River soll die in Sichtweite gelegenen Wahrzeichen der Metropole, das UN-Gebäude und das Chrysler Building, weit überragen: 600 Meter hoch soll es sein!

IN JEDEM DER 132 STOCKWERKE gedeihen andere Früch-

te, von Algen im Souterrain über Pilze, Kräuter, Erd- beeren bis zu Orangen und Pfirsichen ganz oben. Dazwischen weiden Kühe und gackern Hühner, auch für Milch, Eier und Fleisch wäre damit gesorgt. Statt Fast Food und Tiefkühlkost könnten die New Yorker frisch von nebenan essen - und bessere Luft atmen, denn drinnen reinigen die Pflanzen die Raumluft, und draußen spart es Abgase, wenn die Viktualien nicht mehr langwierig herangekarrt werden müssen. Der Riesenkomplex böte reich- lich Raum zum Leben und Arbeiten im Grünen und eine fantastische Aussicht auf Manhattan. Mit Wasser und Energie ver- sorgt sich das Dragon- fly-Gebäude komplett

Der Vordenker

des Vertical

Farming, Dickson

Despommier,

glaubt, die

Lösung des

globalen

Ernährungs-

problems

gefunden zu

haben

Beim aeropo- nischen Anbau hängen die Wurzeln buchstäblich in der Luft. Hier ist es Basilikum, das mit Nähr- stoffen be- dampft wird

Die Pioniere der Etagenlandwirtschaft wollen Parkhäuser und Lagerhallen in den Innenstädten zu lokalen Agrarfabriken umbauen

Der Konzern Philips hat ein

System für

Vertical Farming

im Wohnzimmer

entwickelt: die

Biosphere Horne

Farm mit

Fisch- und

Gemüsezucht

auf engstem

Raum

selbst. Seinen Namen hat das Projekt von der an einem zentralen Turm aufgehängten Außenstruktur des Gebäudes, sie ist wabenförmig aufgebaut wie ein Li- bellenflügel. Das Projekt Dragonfly zeigt, wie elegant Vertical Farming sich ins Stadtleben einfügen ließe - bisher

allerdings nur im Konjunktiv. Es ist n ichts als eine

kühne Vision fernab der Realisierbarkeit. Es ging dem

Callebaut-Team nur darum, das Potential von Vertical

Farming vorzuführen.

.

WÄHREND DIE ARCHITEKTEN große Zukunftspläne aus- tüfteln, haben die Bewohner der Metropolen die Botschaft längst begriffen - und setzen sie um. Sie

betreiben bereits jetzt in kleinem Maßstab Vertical Farming. Auf Balkonen und Dachterrassen, in Hin- terhöfen und Baulücken werden Tomaten gezogen und Hühner gehalten. AufWebsites wie www.cityfarmer. info tauschen sie Tipps, Tricks und Neuigkeiten aus. 2008 wurde in den USA erstmals mehr Saatgut für Gemüse als für Blumen verkauft. Weltweit verzehren inzwischen 800 Millionen Stadtbewohner Pflanzen-

früchte aus

Do -it-yourself-Gärt nerei, schätzen UN-

Ernährungsexperten - von den Pariser Arbeitergärten über die Gemeinschaftsgärten von New York bis zu den Gemüseplätzen in Moskau. Doch das Ackern und Ziehen in Städten ist inzwi- schen über die reine Hobbygärtnerei hinausgewach- sen. Die Wirtschaft hat den Trend gewittert und be- gonnen, ihn zu kommerzialisieren. Die Designer des niederländischen Großkonzerns Philips haben eine »Biosphere Horne Farm« entworfen, eine Art mehr- stöckiges Aquarium für das Wohnzimmer, mit dem Selbstversorger Gemüse, Algen, Fische und Schalen- tiere übereinander ziehen können. Das System funk- tioniert fast völlig eigenständig, filtert das Wasser, recycelt Nährstoffe und dosiert das Licht exakt für den Bedarf. Der kanadische Unternehmer Jerry Fitzpatrick ist dabei, Vertical Farming in größerem Stil zu verwirk- lichen. Das Aha-Erlebnis dazu hatte er vor zwei Jah- ren, als er über die hydroponische Marihuana-Zim- merzucht eines Freundes staunte (für rein medizinische Zwecke, versteht sich) . Das Drogenkraut gedieh präch- tig, obwohl es kein bissehen Sonnenlicht bekam. Die beiden begannen, das Heimbauern-Know-how auf

andere Pflanzen zu übertragen: »Wir ernteten die besten, saftigsten Erdbeeren, die ich je gegessen habe

andere Pflanzen zu übertragen: »Wir ernteten die besten, saftigsten Erdbeeren, die ich je gegessen habe «, schwärmt Fitzpatrick. Das Basilikum überwuchterte die Testanlage geradezu.

FITZPATRICK. der bis dahin schon alle erdenklichen Projekte von TV-Fernbedienungen bis zur satelliten- gestützten Diebstahlsicherung verfolgt hatte, hatte sein Metier gefunden. Er gründete Urban Barns, das vielleicht weltweit erste auf urbane Landwirtschaft spezialisierte Unternehmen, und brachte es an die Börse. Inzwischen hat er erfolgreich mit Kohl, Gurken, Auberginen, Spinat, Tomaten und Paprika experimen- tiert. »Der Gehalt an Vitaminen und Nährstoffen übersteigt alles herkömmlich Angebaute«, sagt er. Fitzpatricks Geschäftsplan ähnelt der Vision des Landwirtschaftspropheten Dickson Despommier:

Parkhäuser und Lagerhallen in den Innenstädten in wasser- und stromsparende Hightech-Etagenlandwirt- schaft umbauen, ertragreich, sauber und verbraucher- nah. Fitzpatrick beteuert, bereits mit großen Lebens- mittelkonzernen in Verhandlungen zu stehen. Aber bisher lebt Urban Barns eher von seiner Begeisterung als vom Geschäft. Das Unternehmen hat bisher keinen Cent verdient, und sein Aktienkurs hält sich nur mühsam über der Ein-Dollar-Marke. Aber Fitzpatrick

Das Projekt »Physalla« ~ ArchitekturbUibS

caUebaut zeigt, dass Vertlcal Farmlng nicht an Lan"- stattfinden muss. Das künstliche BIotop schwimmt Im Meer und deckt seinen ganzen Energiebedarf

aus der Son~nstrahlung

I'

bleibt überzeugt:

»Alles, was bei uns wächst, wird sofort verkauft sein. « Ob als Graswurzel- bewegung, als Start-up- Unternehmen oder als glit- zerndes Großprojekt, Vertical Farming wird kommen. Es muss kom- men, denn die traditionelle Landwirtschaft ist ausge- reizt. Sie kann sich, wie damals die Städte, die Eben- erdigkeit nicht mehr leisten. Also auf in die Vertikale! Das Know-how dafür steht bereit. Für den Vertical- Farming-Vordenker Despommier bleibt lediglich eine Frage offen: Worauf warten wir noch? ~~

WEBWEISER i

Amerikanische Website für Stadtbauern:

www.cityfarmer.info

Despommiers Projekt:

r----------------- www.verticalfarm.com

Das Unternehmen von Jerry Fitzpatrick :

www.urbanbarnsfoods. com

Was kostet der 9,02 MIUlonen Euro~(!l~~~!lID'[s1lmm!lmliWimm . : • • •• . . • •
Was kostet der 9,02 MIUlonen Euro~(!l~~~!lID'[s1lmm!lmliWimm . : • • •• . . • •
Was kostet der
9,02 MIUlonen Euro~(!l~~~!lID'[s1lmm!lmliWimm
.
:
• •
••
.
.
A
••
••
.
.-
.
Wo liegt die älteste Stadt der Welt? Fragen rten ' Als sich die Menschen im
Wo liegt die älteste Stadt der Welt?
Fragen
rten '
Als sich die Menschen im 10. Jahrtausend
SCHNELLER WISSEN
Die neue Ausgabe:
Jetzt am Kiosk
Für alle, die noch mehr
Antworten suchen
v. ehr. von Jägern und Sammlern zu
Bauern entwickelten, entstanden erste
Dörfer. Und noch bevor die Steinzeit im 7.
Jahrtausend v. ehr . in die Bronzezeit
überging. gab es in der Gegend der
heutigen Palästinensischen Autonomie-
gebiete einen Ort, der heute Jericho heißt.
Nach gängiger Definition erfüllte diese
Siedlung schon bald die wichtigsten
Kriterien einer richtigen
Stad t: Sie lag an
einer Karawanenstraße und damit direkt
an einem größeren Verkehrsweg. Um die
nahe gelegene Furt des Jordans und den
Handel zu kontrollieren, musste eine
Verwaltungs- und Versorgungsstruktur
aufgebaut werden. Neben dieser wich-
t igen Eigenschaft moderner Städte
konnte Jericho mit einer gewaltigen
Mauer aufwarten. Allerdings diskutieren
Wissenschaftler heute darüber, ob diese
Umgrenzung nicht einfach Teil eines
Staudamms war. In jedem Fall steckt
hinter solch einem Bauprojekt jede
Menge technisches Know-how , was auf
einen hohen Zivilisationsgrad schließen
lässt. Mit all diesen Eigenschaften sticht
Jericho das in der heutigen Türkei
gelegene ~atalhöyük aus, das ebenfalls
um den Titel »Älteste Stadt der Welt«
konkurriert. Auch wenn es diese in den
1960er Jahren entdeckte Ans iedlung im 6.
Jahrtausend v. ehr. schon auf 10000
Einwohner brachte, fehlt hier jede Spur
öffentlicher Verwaltungsgebäude.
Auße rdem wurde ~atalhöyük vor mehr
als 8000 Jahren aufgegeben - Jericho
besteht bis heute.

46 PM. 05 I 2010

IiltlrnlT'lnn"lhlll='m,p ergeben sich durch gestresste Schleimhäute und / ode r durch eine sch lecht nierte bzw. überlastete Muskulatur im Kehlkopfbereich. Konk ret: Die einen werden heiser,

we il sie ihre St imme fa lsch

ansc h re ien , d ie anderen im Zusamme n hang m it einer Halse n tz ü nd u ng . In be ide n

die Arbe it de r St imm li ppen , wie

schnell hin- und herschwingen, bei besonders hohen Tönen über tausendmal pro Sekunde. Das erforde r t elastisches Gewebe , das gut du rchfeuchtet und gut durchblutet ist. Re in e Schonu ng im Sinne von » wen ig sprechen « br ingt der Stimme also gar nichts - es se i denn , die Heiser keit ist schon da . Dan n t ri nk t man am besten Sa lbe itee und wa rtet auf Besserung. In gesunden Zeiten dagegen gilt: Richtiges (!) Sprechen ist das beste Fitnessprogramm für die St imme . Das heißt: nicht fl üstern , ni cht räuspern und entspannt in der e igenen Ton lage spreche n. Diese findet man , in dem man e inen Mom ent an etwas Leckeres denkt und dabe i genüss li ch » Mmmmh! « mac ht:

belasten , etwa

indem sie gegen eine lärmende Schulk lasse

Fä ll en w ird

die Stimm bänder korre k t he ißen , sabotiert: Sie m ü ssen

Auf dieser Tonhöhe ist das Sprechen am bequemsten . Mit einer ind ividuellen Sprechstimme kann man endlos plaudern, das nutzt den Stimmapparat nicht ab , sondern hä lt ih n geschmeidig. Auch Summen und Trällern »ölt« die Stimme und lässt sie langsamer altern.

Warum ist Mäuse-Milch so wertvoll?

Warum ist Mäuse-Milch so wertvoll?

Mäusemilch schlägt alle Rekorde: Ein Liter kann bis zu 23000 Euro kosten. Grund dafür:

Die Gewinnung ist ein extrem mühseliger Prozess. Der Melkakt dauert gut 30 Minuten und ergibt gerade einmal 0,25 Kubikzentime- ter Milch. Für einen Liter müssen daher 4000 Mäuse gemolken werden . Das ko stet Zeit und damit auch Geld, se lbst dann, wenn sich dafür studentische Hilfskräfte mit der speziellen Pipette abmühen. Doch der Aufwand lohnt sich - denn Mäusemilch ist für Forschungs - zwecke kostbar. Erst kürzlich haben Wissen- schaftler die Erbanlagen von Mäusen so verändert, dass in der Milch ein Stoff entstanden ist,der möglicherweise gegen Malaria helfen kann. Doch warum

48 PM 05 I 2010

nimmt man für Forschungszwecke aus- gerechnet Mäusemilch und nicht die preis- wertere Kuhmilch? Mäuse sind di e »Lieblings- tiere« der Genetiker, iher DNA ist am weitesten entschlüsselt, und damit sind Eingriffe ins Erbgut am einfachsten. Außer- dem müssen für DNA-Versuche Tausende von Ti e re n herhalten - die Unterbringung , Verpflegung und Entsorgung von so vielen Kühen würde auch große Universitäten vo r Probleme stellen.

Milch-Rekorde

Eine Kuh gibt im Jahr

run d 10 000 Li te r M ilch,

das SIebenfache ihres

Körp ergewi cht s.Eine

Ziege li efert das

Zwölffache ihres

Gewi cht s. Sp itz e ist das

Blauwalweibchen,das pro Tag (I) bis zu 600

Lite r Mil ch produ ziert.

Die se Milch ist so

fetthaltig, dass die

Walbabys an einem Ta g

um 100 Kilogramm

zu nehmen kö nne n.

Zum Mäusemelken? Die Milch der kleinen Nager Ist kostbar - eine Melkmaschine gibt es allerdings noch nicht

tI\

~

o

u

50 PM. OS/2010

50 PM. OS/2010

A ls Arnold Schwarzen- egger noch nicht Gou- verneur von Kalifor- nien war, sondern »Terminator
A ls Arnold Schwarzen- egger noch nicht Gou- verneur von Kalifor- nien war, sondern »Terminator
A ls Arnold Schwarzen- egger noch nicht Gou- verneur von Kalifor- nien war, sondern »Terminator

A ls Arnold Schwarzen- egger noch nicht Gou- verneur von Kalifor- nien war, sondern »Terminator I1« im

Actionfilm, da besaß er übernatür- liche Fähigkeiten: Erstens war er so gut wie unverwundbar, und zweitens konnte er mit seinen Au- gen nicht nur sehen - er konnte auch alles scannen, was er sah, und als zusätzliche Information jeder- zeit in sein Sichtfeld einblenden:

Wie schnell das Motorrad fährt, das er gerade gestohlen hat. Oder wie lange es dauert, um von 0 auf roo km/h zu beschleunigen. Frü- her war das Science-Fiction - heu- te sind wir einen Schritt weiter.

DIE HOLLYWOOD-VISION der Au-

genscanner könnte in einigen Jah- ren Realität sein. Weltweit forschen Wissenschaftler an Hightech- Haftschalen, die ihrem Träger eine völlig neue Sicht auf seine Umge- bung ermöglichen. »Mit so einer Kontaktlinse könnten wir auf vieles verzichten - z. B. auf eine Uhr oder auf den Geschwindigkeitsmesser im Auto«, erklärt Babak Parviz, Professor für Elektrotechnik an der University of Washington in Seattle. Mit seinem Team entwickelt der Forscher Kontaktlinsen, die eine Art virtuelles Display direkt im Auge sind: So könnten Piloten durch das Tragen der Linse jeder- zeit über die aktuellen Daten ihres Flugzeugs oder die zurückgelegte Strecke informiert werden - ohne auf den Monitor schauen zu müs- sen. Computerspieler könnten in eine Mischung aus realer und vir- tueller Welt eintauchen. Mit ein- gebauten Sensoren auf der Linse könnte es Diabetikern möglich sein, ihren Blutzuckerspiegel stän- dig im Auge zu behalten. Solche Haftschalen gibt es noch nicht. Aber schon jetzt steht fest,

52 PM OS / 2010

noch nicht. Aber schon jetzt steht fest, 52 PM OS / 2010 dass Kontaktlinsen ein milliarden-

dass Kontaktlinsen ein milliarden- schwerer Zukunftsmarkt sind. Al- lein in Deutschland brauchen etwa 33 Millionen Menschen eine Seh- hilfe; nach Angaben des Fachver- bands »Consumer Optics« tragen davon nur 2,7 Millionen Kontakt- linsen. Damit sich noch mehr für die Linse entscheiden, wollen Wissen- schaftler rund um den Globus die Haftschalen wesentlich verbessern:

Durch neue Materialien sollen sie noch verträglicher, bequemer zu tragen und leichter zu pflegen sein. Wie intensiv sich die Forscher um die Verbesserung der winzigen

Welch oder hart? Das ist die erste Entscheidung beim Kontakt- linsenkauf. Auch bifokale

Linsen (oben

die gängigen Varianten) gibt es in beiden Ausführungen

Kunststoffscheiben bemühen, zei- gen beispielsweise die Kontaktlin- sentests der US Air Force. Der Kontrollraum der Flugme- dizinischen Forschungsanstalt in San Antonio, Texas: Gespannt blickt Mediziner Colonel Douglas Ivan auf einen Monitor. In der Mit- te des Raums ist ein sechs Meter langer Schwenkarm montiert, an dessen Ende eine gondelartige Stahlkapsel hängt. Ein junger Pilot steigt ein, schnallt sich auf dem Sitz fest. Er wirkt angespannt, als die Zentrifuge anfängt, immer schnel- ler zu rotieren. Bis auf etwa 30 Umdrehungen pro Sekunde wird

sie beschleunigt - sechsfache Erd- beschleunigung. Auf dem Monitor beobachtet Ivan die Augen des jun-

sie beschleunigt - sechsfache Erd- beschleunigung. Auf dem Monitor beobachtet Ivan die Augen des jun- gen Mannes: Die Experimente sollen zeigen, welche Haftschalen für Jet-Piloten optimal sind. Frü- here Tests haben ergeben, dass harte Linsen bei dieser Geschwin- '" digkeit nach hinten rutschen - ein

~ tödliches Risiko. u ~ Weiche oder harte Haftschalen: ~ ~ eine Frage, die auch
~
tödliches Risiko.
u
~
Weiche oder harte Haftschalen:
~
~
eine Frage, die auch für normale

-' ~ Träger wichtig ist. Viele sehen mit

harten Linsen besser und schärfer

~ als mit weichen. Das liegt daran,

: CIl

 

dass der Durchn1esser der harten

g

Kontaktlinsen kleiner ist als der

Die Kontaktlinsen- Implantate ICL von Staar Surgical werden stark Kurzsichtigen empfohlen. Dabei wird eine Spezial- linse (unten) über die natürliche Linse

Intraokulare

Kontaktlinse (ICL)

Linse

gestülpt. Vor dem fünfzehnminütlgen ambulanten Eingriff wird das Auge mit Tropfen betäubt. Die künstliche Linse bleibt permanent im Auge

1. Die zusammengerollte Linse wird durch einen kleinen Schnitt injiziert

2. Die eingeführte Linse entfaltet sich über der natürlichen Linse

3. Die vier Ecken der Linse werden unter die Regenbogenhaut geschoben

Auch das gibt es: Kontaktlinsen für die Nacht. Am nächsten Tag ist die Kurzsichtigkeit besiegt - für zwölf Stunden

Durchmesser der Hornhaut. So werden Unregelmäßigkeiten der Hornhaut und Brechungsfehler des Auges besser ausgeglichen als mit weichen Haftschalen. Ein weiterer Vorteil ist die einfachere Pflege. Leider gibt es auch gravierende Nachteile: Weil harte Linsen in ihrer Form stabil sind, haben viele Träger vor allem in der Anfangszeit

das Gefühl, einen Fremdkörper im Auge zu haben. Zudem gleiten har- te Linsen bei jeder Augenbewegung auf der Hornhaut hin und her und gehen deshalb schnell verloren. Weiche Linsen dagegen nehmen die Form der Hornhaut an und sitzen somit fest. Genau deshalb eignen sie sich leider auch nicht dafür, komplizierte Brechungsfeh- ler des Auges auszugleichen. Die meisten Betroffenen ziehen sie den- noch den harten Linsen vor, denn man spürt sie beim Tragen nicht. Teilweise vergessen viele sogar, die weichen Kunststoffscheibchen he- rauszunehmen.

.J F-"- --+--+--+-+-- -l- --+-+---f-,--t-----' ~

In der Vergangenheit führte das oft zu gesundheitlichen Problemen:

Der Sauerstoffbedarf des Auges wurde nicht ausreichend gedeckt. Die Folge: In den 1970er Jahren erblindeten in den USA zahlreiche Kontaktlinsenträger, weil sie ihre Haftschalen zu lange getragen hat- ten und die Augen dadurch nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wurden. Zum Glück kommt das mittlerweile nur noch in extremen Ausnahmefällen vor. »Heute geht der Trend bei wei- ehen Linsen zu immer kürzeren Austauschzeiten«, sagt Physik- Professor Peter Moest, der an der

54 PM 05 I 2010

Beuth Hochschule in Berlin den Praxis-Bereich Kontaktlinsen lei- tet. )Gut ist das auch, weil sich auf diese Weise schädigende Keime nicht ausbreiten können.« Infektionen sollen durch die jüngste Kontaktlinsen-Innovation vermieden werden: weiche Tages- linsen aus Silikonhydrogel. Sie sind viel sauerstoffdurchlässiger als die bisherigen Materialien. Zudem er- laubt das Silikon dem Auge zu at- men - selbst wenn es mit der Kon- taktlinse abgedeckt ist. Auch bei harten Linsen gibt es eine Innovation: die Haftschale nach Maß. )) Durch neuartige Ge-

Elektronische

Patienten-

dateikarte für

personalisierte

Haftschalen

(0.). Darunter:

Darstellung

von Brechwert-

veränderungen

der Hornhaut

Mit dem Oculus- Keratografen der Freiburger Firma Hecht wird die Hornhaut des

Auges zur Anfer-

tigungmaß-

geschneiderter

Kontaktlinsen

vermessen

räte können die Augen viel genauer vermessen werden «, sagt Moest. »Man muss kein Standardmodell mehr kaufen, sondern kann sich die Linse wie einen Anzug indivi- duell fertigen lassen. « Deutschlandweit der einzige Produzent und Anbieter solcher personalisierten Anpasscontact1in- sen (ACL) ist die Firma Hecht aus Au bei Freiburg. »Mit dem soge- nannten Oculus-Keratografen wird die Hornhaut des Auges vermessen und ihre Topografie bewertet«, er- klärt Silke Lohrengel, Diplom-In- genieurin im Bereich Augenoptik bei Hecht. )Verschiedene mathe-

m

~

~

<.:l

UJ

g

~

~

0

\11

::::J

:::l

u

0

Beim Spaziergang durch Rom werden in die Kontaktlinse Infos über die besichtigten Sehenswürdigkeiten eingespielt

matische Analyseverfahren geben Auskunft über Form, Abflachung und Unregelmäßigkeiten der Ober- fläche. « Die individuelle Kontaktlinse kann erst zur Probe getragen wer- den, um zu testen, ob sie bequem sitzt. Anschließend werden eventu- ell notwendige Korrekturen vor- genommen, das Material der Linse wird auf den Tränenfilm ab-

~ gestimmt und Sehstärke sowie

<.:J

~ Passform optimiert. Ein bis zwei

~ Jahre hält so eine formstabile Kon-

~ taktlinse. Sie kostet zwischen 350 ~ und 700 Euro - abhängig vom

~ Herstellungsaufwand.

Erweiterte

Realitätswahr-

nehmung in der Kontaktlinse der

Zukunft (ganz 0.): Winzige LEDs blenden Informationen in die Linse ein (0.)

Aber eigentlich träumen wohl alle Linsenträger davon, ihre Haft- schalen irgendwann gar nicht mehr zu benötigen. Sollte ihre Hornhaut für eine Laser-Korrektur nicht ge- eignet sein, ist der Traum für viele Kurzsichtige mithilfe der soge- nannten Orthokeratologie (OK) erfüllbar: OK-Linsen werden kurz vor dem Schlafengehen eingesetzt und verformen während der Nacht die Hornhaut. Folge: Die Kurzsich- tigkeit scheint tagsüber wie ver- schwunden - zumindest für fünf bis zwölf Stunden. Allerdings sind OK-Linsen nur für Menschen ge- eignet, deren Kurzsichtigkeit ma- ximal bei minus drei Dioptrien liegt. Wer stark kurzsichtig ist, für den gibt es eine andere Option:

intraokulare Kontaktlinsen (ICL). »Mit ihnen können auch mittlere bis hohe Kurzsichtigkeiten von mi- nus 23 Dioptrien vollständig kont- rolliert werden«, sagt Augenarzt Armin Scharrer aus Fürth. »Vo- raussetzung für den Eingriff ist eine stabile Fehlsichtigkeit: Die Di- optrienzahl sollte sich in den letz- ten zwölf Monaten nicht verändert haben.«

Der Eingriff ist ambulant mög- lich und dauert zehn bis 15 Minu- ten. Nachdem der Patient betäu- bende Augentropfen bekommen hat, macht der Arzt seitlich am Auge einen winzigen Schnitt von zwei bis drei Millimetern. »Durch eine Art Kanüle injizieren wir die zusammengerollte Linse in das Auge«, erklärt Scharrer. Dort ent- faltet sie sich, die Öffnung schließt sich durch den Augen-Innendruck von selbst.

AN EINER VÖLLIG NEUEN ART des Se-

hens arbeitet das Forscherteam um Babak Parviz. Es will die Techno- logie der Augmented Reality (AR), also der erweiterten Realität, in Kontaktlinsen nutzbar machen. Bei einem Spaziergang durch Rom könnte man dadurch in einem eingeblendeten Sichtfeld die Na- men antiker Gebäude lesen. Integ- rierte winzige Leuchtdioden (LEDs) sollen die Informationen anzeigen. »Man könnte AR-Kon- taktlinsen auch als Navigationssys- tem oder zum Einblenden von Text etwa bei Übersetzungen nutzen«, sagt Parviz. Problem dabei: Die derzeit ver- fügbaren LEDs und Schaltungen sind für den Einsatz in normalen Kontaktlinsen nicht geeignet. Für praktikable Anwendungen müssen neue Bauteile entwickelt werden, die auch augenverträglich sind. In- nerhalb des nächsten Jahrzehnts soll es so weit sein, prognostiziert Parviz. Dann werden wir sehen können wie der Terminator. ~~

WEBWEISER

Kuratorium Gutes Sehen eV :

www.sehen.de -------

Genau angepasste formstabi le Linse n:

www.die-persoenllche-contactlinse.de

www.hecht-contactlinsen.de

Homepage der Elektrotechn isc hen Fakultät der Universiy oft Was hi ngton :

www.ee.washington.edu

I.Q.
I.Q.

Logik-Trainer

Nachdem Kerstln Ihre belden Kinder In die Schule gebracht hat, plaudert sie noch ein wenig mit anderen Müttern, die Ihre Kinder ebenfalls dort abgeliefert haben. Welche Frau (Vor- und Nachname) hat welche belden Kinder?

Drechsler. 2. 3. 4. Schwester. t-------+-r--., -r---,--t--r---,-., -r--t-.,.--r---r-~_1 BettIna GiseIa 6.
Drechsler.
2.
3.
4.
Schwester.
t-------+-r--.,
-r---,--t--r---,-.,
-r--t-.,.--r---r-~_1
BettIna
GiseIa
6.
Kerstln
Leonore
Ruth
8 . Ol iver hat
BettIna GiseIa 6. Kerstln Leonore Ruth 8 . Ol iver hat 1. Eine der Frauen heißt

1. Eine der Frauen heißt Ruth

Alexander und seine Schwester Britta sind nicht die Kinder von Leonore.

Eines von Giselas Kindern heißt Christian.

Ann ika Richte r hat eine

5.Die Kinder von Frau Drechsler Ilaben das gleiche Geschlecht. Gleiches gilt für den Nachwuchs von Frau Laurentzen.

Fiona und Julia sind keine

Geschwister. 7.Eines von Bettinas Kindern heißt Hanna h.

den Nachnamen Imme !.

BrItta Dennis FIona 0Iver AIexander AnnIka
BrItta
Dennis
FIona
0Iver
AIexander
AnnIka

AUFLÖSUNG IM NÄCHSTEN HEFT

I.'.tunt::! ~~

t~r!l.:I,'r!,.'., ~

.1 •• ~·I!'!L.·.·'!
.1 •• ~·I!'!L.·.·'!

IJ

I.

rPl~·I:a ':~I~I'J

56 PM. 05 / 2010

UND 50 GEHT'5:

Zum Lösen des Logik- Trainers brauchen Sie nichts weiter als einen Stift und einen kühlen Kopf. Lesen Sie bitte zunächst den T ext des Rätsels und die Hinweise im Kasten. Wenn Sie nun alle

Informationen aus den Hinweisen In das nebenstehende Diagramm

eintragen, dann kommen Sie Schritt für Schritt auf die Lösung. Machen Sie ein Pluszeichen (»+«) für jedes sichere »Ja« und ein Minuszeichen (»-«) für jedes eindeutige »Nein«. So ergeben

sich im Diagramm neue (positive und negative) Informationen, die sich wiederum mit einem Plus- oder Minuszeichen markie- ren lassen. (Wenn Sie zum Beispiel wissen,dass x=y ist,und dann herausfinden, dass y nicht z ist, dann haben Sie die neue Informa- tion gewonnen, dass x nicht z ist. Machen Sie also in das Feld x/z ein Minuszeichen.) Sämtliche gesuchten Angaben entstehen logisch »zwingend«. Sie brauchen also nicht zu probieren oder gar zu raten . Aber :

Lesen Sie Jeden einzelnen Hinweis genau. Tragen Sie bitte in die Tabelle unten Ihre Ergebnisse ein. Übrigens: Auch kluge Köpfe brauchen für dieses Rätsel durchaus 30 Minuten oder mehr.

AB 7.5.2010 IM HANDEL:

Die Sonderausgabe P.M. Log ik- Trainer 5/10: 28 unterschiedlich schwere Au f gaben mit ausgewäh lte n Lösungsbesprechungen,1,90 Euro

P.M. Log ik- Trainer 5/10: 28 unterschiedlich schwere Au f gaben mit ausgewäh lte n Lösungsbesprechungen,1,90

Rätsel

WAAGERECHT

1 Früher Herrscher Venedigs 4 HUNECK 9 In Koffer tun 14 Iberischer Vor-€15 Menschen,die das konnten,waren frü- her begehrt (s. Bericht) 16 Spucktier 18 Sieger der Schlacht von Trafalgar 19 Altröm.lnnenhof 21 Nicht heiß, nicht kalt 22 Manifestiert sich nachweisbar im Gehirn (5. Bericht) 23 Bundeslandfluss 24 1989 Literatur-Nobelpreisträger 25 Kampfplatz 27 Sargassoseegeborener 29 Psalmenzei- chen 31 Leiterin eines Nonnenklosters 34 Anhänglich, be -

ständig 36 Lat. ich 37 Engl. sie 39 Weltalter 41 Kontaktieren die Augen (s. Bericht) 43 Der Kampf um seine Ressourcen hat begonnen (s. Bericht) 45 Programmierpionierin (Vorn. und Programmiersprache) 46 Kleinster ind. Bundesstaat

48 Zwischen Attmühl und Regen 51 Ausgeruht 54 Totaler

TV-Mensch (Nachn.) 56 Insel bei Sumatra 57 Waschraum

59 Oriental. Laute 61 GAUSEZ 63 Merkelt sich so durch 65

Griech. Unheilbringerin in der Mythologie 66 Mohr von Ve-

nedig 71 UmgangssprachI. Verstand 74 Vorbeter in der Mo- schee 77 Landschaft in Palästina 78 Hinterlassenschaft 79 Fruchtgetränke 81 Apparat 83 Eile 85 Andauernder Nach- name 87 Seine zukunft liegt im Strombetrieb (s. Bericht)

88 Nebenfluss der franz. Sarthe 89 In ihnen soll künftig

Nahrung wachsen (s. Bericht) 91 Servus 92 Abzugsgraben

93 Franz. unbest. Artikel 94 Den Tag nicht vor ihm loben 95

In Germanenstein geritzt 96 TREISA.

SENKRECHT

1St an der Nordseeküste 2 Soll auch in der Stadt angebaut werden (5. Bericht) 3 Arianes Laden 4 Förster im »Frei- schütz« 5 Richthofens Kamerad 6 US-Waffe{nfabrik) 7 Amor der Griechen 8 Alias Gabriele Susanne Kerner 9 Altägypt. Herrscher 10 Eng!. Ameise 11 Vornehmer Ge- seIlschaftskreis 12 Beingelenk 13 Khoikhoistamm 17 Wappentier 20 Spaßig 22 Kurze dt. politische Partei 26 Stadt gegenüber von Düsseldorf 28 Pionier der modernen Optik 30 Golfstadt im Jemen 32 Stadt in Nevada 33 Windrichtung 35 Eng!. Überraschungs- angriff 38 Schwester = Gattin des Zeus 39 Können durch moderne 41 waager. besser sehen (s. Bericht)

40 Größte Stadt in Nebraska 41 Stadtteil von Duisburg 42

Rgur von Niki de Saint Phalle 44 Längster Afrikaner 47 NEI- TOR 49 Erlebten ihr Waterloo beim European Song Con-

test 50 verkaufsstand 52 Nebenfluss der Untereibe 53 Auch Brutto - Netto 55 Hat früher Aotofahrer geärgert 58 Flink 60 Span. Schreckensherrscher über die Niederlande

61 Linse zum Heranholen 62 Der Run auf die des Erdtra-

banten beginnt (5. Bericht) 63 Mutter des »Peer Gynt«

64 Segeltampen 67 War mal dt. Kolonie 68 Zweitlängster

nach dem Tajo 69 Windschattenseite 70 Höchster liroler

71 Sitz des

72 Kurzes Himmels-Habitat 73 Feierliches Ergriffensein 75

Studentenkampf 76 Sage 80 Hamburger Lagune 82 Stadt in Rumänien 84 Opernsolo 86 Tragen die Erbanlagen 87 Ausge- storbener neuseel. Vogel 90 Franz. nach Art von.

postulierten Übersinnlichkeits-Moduls (s. Bericht)

LÖSUNGEN AUS P.M. 4/2010

Elternteil

Kind

Alter

leidet unter

Alexander

Felix

fünf Jahre

Ohrenschmerzen

Dagmar

Philipp

acht jahre

Hustenreiz

Hanna

Laura

sieben Jahre

Schlafstörungen

Klaus

Nele

neun Jahre

Hautasschlag

Sybille

Ben

sechs Jahre

Heuschnupfen

Sybille Ben sechs Jahre Heuschnupfen AUFLÖSUNG IM NÄCHSTEN HEFT ~ ~ , ZU gewinnen* B el

AUFLÖSUNG IM NÄCHSTEN HEFT

~ ~ ,
~ ~
,

ZU gewinnen*

B

el diesem Rätsel geht es nicht nur um Definitionen und Ihre Auslegung. Einige

der gesuchten Wörter stehen schon fertig da - allerdngs als »Buchstabensa-

Iat«, der entwirrt werden muss (NERG =GERN, ABST =BAST oder STAB). DIe Buchstaben In den grünen Feldern ergeben das

DIe Buchstaben In den grünen Feldern ergeben das Lösungswort. Unter den 8nsendern des Lösungsworts

Lösungswort. Unter den 8nsendern des Lösungsworts verlost P.M. 10 Jahres-Abomements Im Wert von Je 38,40 Euro. Sie haben drei Möglichkeiten, das Lösungswort an P.M. zu schicken: per Postkarte an Redaktion P.M., Kemwort: Kreuzworträtsel, Postfach 801527, 81615 MUnchen, per Fax an (089) 4152-500 oder an folgende E-Mail-

Adresse: raetsel@pm-magazln.de EInsendeschluss Ist der 5.5.2010.

Der Rechtsweg Ist ausgeschlossen.

.) Aus rechtlichen Gründen gilt dieses Angebot niCht In östem!lch.

EUCH . GHETTO.UNEGAL N.HAMLET . HEILIGE . U

OALI . ABAKUS . SEMMEL IBO . ANET . NEST.OAHU

VIREN .

ERN . E.

 

I.IGLU

RETURN

ELOE . M

.Z.ONA

.

O. LTE

AIRE . R

URANIA FAM.E . E. BARI RIEGEL

VAETER I . M. O. SMILEY OUSE . E

.

H. I . K

.S . ILL

ANCONA WIESEL

S . H. M.

SPARSAM . WANST . RATE

. ORA . ROTOR . STALL . N

FLIPPER . HALO . R. FOG

. ASSE . BANOA . AMOEBE

ARM . SEI.E.GRAU . LSN

. EAST . OINGO.STAOT.

AKA . F.

GEWINNER DES KREUZWORTRÄTSELS AUS P.M. 3/2010

Das Lösungswort hieß »Erzbischof«. Der vergrößerte

Bildausschnitt befand sich auf Seite 54. Die 10 P.M.-Jahresabos haben gewonnen: Helmut Päpke,

Treuenbrietzen;Deniz Schäfer,Freiburg; Georg Spath,

Offenburg; Marie-Luis Thielcke,Hogenow; Manfred Koss-

mahn,Kronach; Angelika Best, Mainz-Kastel;Dominik Horn,

Winnenden; Heinz Kümmel, Schiffweiler;Georg Moser,

Krefeld;Heidemarie Roßa, Schulzendorf.

Kalifornier Dennis Hope meldete 1980 bei den Vereinten Nationen seinen Anspruch auf den Mond an und hat seither 3,7 Millionen Mondgrundstücke verkauft. Der Deutsche Martin Jürgens stützt seinen Anspruch auf eine Schen- kungsurkunde, unterzeichnet am 15· Juli I 756 vom preußischen Kö- nig Friedrich dem Großen und überreicht an einen Vorfahren von Jürgens. In dem Papier steht: »Jetzo soll ihm der Mond gehören.« Seit Kurzem versuchen amerika- nische Behörden, das Weltraum-

konauten« sogar schon auf den Mond selbst. Das ist keine Show- macherei, sondern strategisches Kalkül: »Wer den Mond zuerst er- obert, wird zuerst Nutzen aus ihm ziehen«, sagt Ouyang Ziyuan, der Leiter des chinesischen Mondpro- gramms. Auch kleinere Länder setzen zum Sprung auf den Mond an. In Italien hat sich ein Team aus den besten Technischen Universitäten des Landes zusammengetan, um einen Schwarm von Spinnenro- botern zum Mond zu bringen. Das rumänische

Team ARCA bastelt an der billigsten aller

Mondrnissi-

Warum sollten wir nicht mit kommerziellen Raumschiffen zum Mond fliegen? Wir fliegen heute ja auch mit privaten Luftlinien in den Urlaub

onen : Die Low- Budget-Rakete soll von einem

Heißluftballon in 18 Kilometer Höhe starten. Das Landemodul ist eine Kugel, die mit dem Schwung der Rakete über den Mond kullern soll. Letztes Jahr hat ARCA den Ballon und die Rakete getestet. Die Situation erinnert an das Rennen zum Südpol Anfang des 20. Jahrhunderts. Damals trieb eine Mischung aus Abenteuerlust, Forscherdrang, Nationalstolz und der Traum von Macht und Reich- tum die Entdecker zum entle- gensten Punkt der Erde. Großbri- tannien, Japan, Deutschland, Schweden und Norwegen, Frank- reich und Belgien planten Antark- tis-Expeditionen. Am I7. Januar 19I2 erreichte der Brite Robert Scon den Südpol - und fand dort die norwegische Flagge, die Roald Amundsen 33 Tage zuvor aufge- pflanzt hatte. In vergleichbarer Weise könnte heute der Mond den Ehrgeiz der Nationen befeuern. Die entscheidende Frage ist: Wie verhält sich der Favorit? Die USA, das bisher einzige Land, das Men- schen zum Mond gebracht hat, hatten bis vor Kurzem ein ehrgei- ziges Ziel: Bis zum Jahr 2020 -

recht auf andere Art auszutricksen. Die kalifornische Denkmalkom- mission erklärte die Hinterlassen- schaften der Apollo-Astronauten zu staatlich geschütztem Kulturgut - also nicht den Mondgrund selbst, sondern die 106 darauf liegenden menschlichen Gegenstände. Die Astronauten ließen Stiefel, Spaten, Stative und Kabel zurück, um ihr Raumschiff beim Rückflug nicht unnötig zu belasten. Am besten bekräftigt man sei- nen Anspruch auf den Mond, in- dem man hinfliegt. Und so tüftelt jetzt alle Welt an Raketen und Lan-

W desonden. Von 2007 bis 20II wird

'"

der Mond achtmal maschinellen Besuch bekommen: einmal aus Ja- pan, zweimal aus China, einmal aus Indien, einmal aus Russland und dreimal aus den USA. Die Son- den kartieren den Mond zentime- tergenau, suchen Rohstoffvorkom- men und Standorte für künftige Mondbasen. Noch in diesem Jahr- zehnt will Indien seine ersten drei

»Vyomanauten« (Sanskrit für As-

tronauten ) in eine Erdumlaufbahn schicken, China seine »Tai-

u ~

w

X

N

J

<.:J

o

>

<:

60 PM. 05 I 2010

tronauten ) in eine Erdumlaufbahn schicken, China seine »Tai- u ~ w X N J <.:J

Das deutsche Project Enter- prise will Touristik-Flüge ins All von Sachsen-Anhalt aus starten (beide Bilder links)

Das amerikanische Unternehmen SpaceX macht vor, dass sich bemannte Raumflugtechnik auch mit privaten Mitteln entwickeln lässt. Seine Rakete Falcon fliegt bereits

entwickeln lässt. Seine Rakete Falcon fliegt bereits fünf Jahre, bevor Schätzings »Li- mit« spielt - wollte

fünf Jahre, bevor Schätzings »Li- mit« spielt - wollte die NASA wieder Menschen zum Mond brin- gen. Dazu hatte der vorige US- Präsident George W. Bush das Programm »Constellation« aufge- legt, eine Art modernisierte Fas- sung des Apollo-Programms. Die NASA hatte den Plan, zwei neue Raketen und eine völlig neue Kap- sel zu bauen, um ihre Astronauten auf dem Erdtrabanten landen zu lassen. Doch Ende Januar dieses Jahres stoppte Bushs Nachfolger Barack Obama überraschend das Constellation-Programm - nach- dem es bereits neun Milliarden Dollar verschlungen hatte. Das Programm sei hinter dem Zeitplan, zu teuer und nicht innovativ genug, beschied Obama. Sind die USA damit aus dem Rennen? Keineswegs. Die Amerikaner haben zwar Constellation auf- gegeben, aber nicht das Vorhaben, zum Mond zu fliegen. Der neue NASA- Haushalt fördert private Un- ternehmen dabei, Technologien für bemannte Mondflüge zu entwi- ckeln. Statt alles selbst auszutüf- teln, lässt sich die NASA von der Industrie helfen. Die Privatwirt- schaft könnte Routineaufgaben wie »Weltraumtaxis« in den Orbit schneller und billiger erledigen, während die NASA sich auf die großen Herausforderungen kon- zentriert. Manche, die sich auskennen, halten es für möglich, dass die Amerikaner mit der neuen Strate- gie sogar noch schneller zum Mond zurückkehren werden. NASA-Vi- zechefin Lori Garver antwortete auf die Frage eines Reporters, ob sie erwarte, in ihrer Lebenszeit As- tronauten auf dem Mond gehen zu sehen: »Ja, und ich kann mir vor- stellen, selbst dort zu gehen.« Und selbst wenn der Favorit schwächeln sollte, wird das Ren- nen nicht weniger spannend. Im

Gegenteil. Es wird die Konkurrenz anspornen. Gut möglich, dass die Zukunft der bemannten Mondflü- ge in der kommerziellen Industrie liegt. Es könnte werden wie in der Frühzeit der Luftfahrt. Zunächst waren staatliche Behörden und das Militär die Triebkräfte, aber bald schon bemächtigte sich die private Wirtschaft der Sache. Wenn wir heute fliegen, dann nicht mit staat- lichen Maschinen, sondern mit der Lufthansa oder Virgin Atlantic. Warum also sollten wir nach einem halben Jahrhundert bemannter Raumfahrt nicht kommerzielle Raumschiffe besteigen?

DIEPRIVATEWELTRAUMBRANCHE for-

miert sich bereits. Das amerika- nische Unternehmen Space X ent- wickelt Raketen, die die Eigen- entwicklungen der NASA ersetzen können. Bigelow Aerospace hat aufblasbare Module für ein Welt- raumhotel im Orbit getestet - ein Konzept, das die NASA auch für Mondstationen erwägt. Virgin Ga- lactic will Ende dieses Jahres den kommerziellen Flugverkehr in den Orbit beginnen. Ein Sitzplatz im SpaceShipTwo ist für 200000 Dol- lar zu haben. Beim Konkurrenten Space Adventures kann man schon jetzt Flüge in den Mondorbit bu- chen, für 100 Millionen Dollar. Auch Deutschland spielt mit: Das Project Enterprise will von Cochstedt (Sachsen-Anhalt) aus mit selbst entwickelten Raketen- flugzeugen zu suborbitalen Flügen starten. Nicht nur die US-Weltraumbe- hörde fördert die Mondflugpläne privater Unternehmen, sondern auch der Internet-Riese Google. Der Suchmaschinen-Betreiber hat einen Wettbewerb dafür ausge- schrieben, einen privatfinanzierten Roboter auf dem Mond landen zu lassen. Dem Gewinner dieses Google Lunar X-Prize winkt ein Preisgeld von 20 Millionen Dollar, der Zweite bekommt immerhin noch fünf Millionen. ~

Auf den ersten Blick ist der Mond ein unwirtliches Terrain. Nur Staub und Steine, kein biss- chen Luft zum Atmen, Tempera- turen nahe dem absoluten Null- punkt. Der kälteste bekannte Ort des Sonnensystems, gefunden letztes Jahr von einer amerika- nischen Sonde, liegt im Schatten eines Mondkraters. Dort wird es nie wärmer als minus 240 Grad Celsius. Selbst auf dem Pluto ist es milder. Die Extrembedingungen auf dem Mond kommen Forschern

Am 9. Oktober

2009 ließ die

NASA Ihre Sonde LCROSS auf den Mond abstürzen (r.). Später fand sie Spuren von

Wasser Im

aufgewirbelten

Staub

Der kälteste bekannte Ort des Sonnensystems liegt im Schatten eines Mondkraters. Dort ist es noch eisiger als auf dem fernen Pluto

gerade recht. Für Versuche im Va- kuum brauchen sie dort keine Kammern und Pumpen, es reicht, vor die Tür zu gehen. Auch die Kälte ist praktisch, zum Beispiel für Experimente mit Supraleitern. Je näher die Forscher hinsehen, desto spannender finden sie den Mond. Letztes Jahr entdeckte die japanische Mondsonde Kaguya ein seltsames Loch in einer Hügel- gegend, 65 Meter im Durchmesser und mindestens 80 Meter tief. Es wäre ein guter Bauplatz für eine Mondbasis oder ein Startpunkt für Erkundungsbohrungen. Es lohnt sich, im Mondboden zu wühlen. Letzten Herbst ließ die NASA eine ihrer Mondsonden mit Karacho in den Mond einschlagen und fand Wasserspuren im auf- gewirbelten Staub. Eine entschei- dende Entdeckung, denn Mondbe- wohner brauchen etwas zu trinken. »Wasser ist auf dem Mond wert- voller als Gold«, sagt der amerika- nisehe Physiker Michio Kaku. Überhaupt ist der Mond, che- misch betrachtet, recht einladend. Mondstaub enthält reichlich Was- serstoff und Sauerstoff. Aus diesen

62 PM. 05 / 2010

Die Einschlag- steIlevon LCROSS lag nahe dem Südpol des Mondes. Doch auf den Bildern sahen selbst Experten zunächst fast nichts von dem Crash (u.)

Elementen lassen sich Wasser und Raketentreibstoff erzeugen, der Sauerstoff ist lebenswichtig für As- tronauten. Der Mondboden ist zudem reich an Metallen wie Eisen, Nickel, Titan und Aluminium und an Silizium für Solarzellen. Das Baumaterial für Mondstationen liegt also bereit! Zudem ließen sich dort seltene Elemente wie Iridium abbauen und auf der Erde teuer verkaufen. Vielleicht liegt sogar die Zukunft unserer Energieversor- gung auf dem Mond. Es war das Vorkommen von Helium-3, das Frank Schätzing dazu bewog, »Li- mit« zu schreiben. Der Roman dreht sich um einen Milliardär, der das Gas auf dem Mond abbaut. Helium-3 ist der perfekte Brenn- stoff für Fusionsreaktoren, die ir- gendwann einmal Kohle und Kern- kraft ablösen sollen. Ein paar Raumschiffladungen Helium-3 würden den globalen Strombedarf für ein Jahr decken. Das ist keine reine Science-Fic- tion. Tatsächlich hat das russische Raumfahrtunternehmen Energija konkrete Pläne, lunares Helium-3 zu fördern und zur Erde zu schi- cken. Dann allerdings beginnen die Probleme, denn noch weiß nie- mand, wie man einen Fusionsreak- tor bauen soll, der mehr Strom liefert, als er verbraucht. Wer glaubt, dass solche Hürden den Drang zum Mond bremsen werden, hätte vor einem Jahrhun- dert wohl auch über die zwei Fahr- radmechaniker gelacht, die im amerikanischen Städtchen Dayton an einem grotesken Fluggerät bas- telten. Es waren die Gebrüder Wright, die Pioniere des Luftfahrt- zeitalters.

~~

WEBWEISER

Das Project Enterpri se:

www.european-spacetourism.eu

Der Google Lunar X-Prize:

www.googlelunarxprize.org

Der Agulhas- strom passiert aus östlicher Richtung kom- mend Südafrika (Bild I., rot). Der Golfstrom

Der Agulhas- strom passiert aus östlicher Richtung kom- mend Südafrika (Bild I., rot). Der Golfstrom (Bild r., rot) fließt an der US-Ost- küste (schwarz) vorbei Richtung Europa

TEXT: MARTIN TZSCHASCHEL

W arum nur heißt es immer, der süd- lichste Punkt Afrikas sei das Kap der Guten Hoffnung? Ein Blick auf die Karte zeigt: Noch südlicher liegt das Kap Agulhas, ein Ort, an dem Seeleu-

te ihre Hoffnung verlieren - Hunderte haben vor der Küste ihr Leben gelassen. Mehr als 120 Schiffe ver- sanken hier in den letzten dreihundert Jahren im stürmischen Meer. Nicht einmal moderne Tanker

können den Agulhasstrom vor Afrikas Südspitze oh- ne Risiko passieren. »Er ist sehr gefährlich«, sagt der US-amerikanische Ozeanograf Libe Washburn. »Selbst

auf einem großen

Vor allem zwischen September und November er- reichen die schweren Orkane an der Nahtstelle zwi- schen Indischem Ozean und Atlantik Geschwindig- keiten von bis zu 180 km/ho Das allein bedeutet schon Gefahr. Wenn aber die aus dem Indischen Ozean kommende Agulhasströmung fast frontal auf die at-

lantischen Sturmwellen stößt, kann es noch schlimmer werden: Urplötzlich bilden sich 30 oder sogar 40 Meter hohe Monsterwellen und abgrundtiefe Wellen- täler. Die Gewalt des Wassers knackt den stählernen Mantel eines Schiffes wie eine Eierschale. 200 Meter lange Frachter sind hier schon in wenigen Minuten gesunken. Im schlimmsten Fall bleibt der Besatzung nicht einmal Zeit für einen Notruf. Ungläubig staunt man, wenn Wissenschaftler nun verkünden: Ausgerechnet der tödliche Agulhasstrom

Schiff ist man nicht sicher. «

könnte uns im weit entfernten Europa vor einer Kli- makatastrophe bewahren. »Es hört sich vielleicht eigenartig an, dass Strö- mungen rund um Südafrika unser Klima beeinflus- sen«, sagt Arne Biastoch, Meeresforscher am Leibniz- Institut für Meereswissenschaften (lFM-Geomar) in Kiel. Aber vieles deutet darauf hin: Der vom Indischen Ozean nach Südafrika fließende Agulhasstrom wird vermutlich zum Retter für den kränkelnden Golfstrom - und von dessen Wohlergehen hängt bekanntlich unser eigenes ab. Vor vier Jahren sorgte die alarmierende Meldung britischer Forscher für Aufsehen: Der Golfstrom schwächt sich ab und mit ihm die europäische Klima- heizung. Sie bewirkt, dass im Mai auf dem 54. Brei- tengrad in Schleswig-Holstein Kühe auf grünen Wiesen weiden, Obstbäume blühen, sich die Cam- pingplätze füllen. Zur selben Zeit auf demselben Breitengrad in Kanada mit derselben Dosis Sonne:

dunkle Wälder, Taiga und Tundra. Ein amerikanisches Sibirien, vom Golfstrom nicht erwärmt. So ähnlich wäre es auch in Europa, wenn die warme Meeresströ- mung ausbliebe. Der Film »The Day After Tomorrow« fand schockierende Bilder für die Gefahr: die Nord- halbkugel bedroht von Eis und Schnee, ganz Europa in klirrender Kälte erstarrt. Das war nicht aus der Luft gegriffen, denn der Golfstrom ist trotz seiner Größe - er führt mehr Was- ser mit sich als alle Flüsse der Erde zusammen - durch-

aus labil: Er funktioniert nur, wenn Temperatur und Salzgehalt in etwa stabil bleiben - und das ist in Zeiten des rapiden Klimawandels nicht mehr gewährleistet. Der Strom startet im Golf von Mexiko, wo er Wärme tankt; seine Energie entspricht der von meh- reren hunderttausend Atomkraftwerken. Dass diese Meeresströmung überhaupt in Gang kommt, liegt am Wind, der wiederum durch Temperaturunterschiede (viel Sonne am Äquator) und durch die Drehung der Erde entfacht wird. Auf dem Weg nach Norden in den Atlantik verdunstet ein Teil des Wassers und erwärmt die darüberliegende Luft. Sie sorgt für mildes Klima auch weit vom Ursprungsort entfernt. Im Norden kühlt das Wasser ab. Da kaltes Salz- wasser schwerer als warmes ist, sinkt es zum Meeres- boden: Nördlich von Island und in der Labradorsee zwischen Kanada und Grönland fällt es in gigan- tischen Säulen, sogenannten Chimneys, bis zu drei- tausend Meter in die Tiefe: die mächtigsten Wasser- fälle der Erde. Unten angekommen, tritt die Strömung den lan- gen Rückweg zum Golf von Mexiko an, als Teil ei- nes riesigen erdumspannenden Förderbandes in den Ozeanen. Die Wissenschaftler nennen es »thermo- haline (Temperat ur und Salz betreffende) Zirkula- tion«, weil im Wasser unaufhörlich Wärme und Salz um den Globus kreisen. Der Warnruf der britischen Forscher, dass der Golfstrom sich abschwäche, bezog sich genau darauf: auf eine dramatische Verringerung der thermohalinen Zirkulation, mit der Folge, dass Europa die Vereisung drohe.

INZWISCHEN SIND VIER JAHRE VERGANGEN, und es steht

fest, dass sich die Wissenschaftler geirrt haben. Sie hatten zu wenig Messinstrun1ente eingesetzt und diese zu selten abgelesen; so hielten sie typische Schwankungen des Golfstroms für Normalwerte. Längst haben sie ihre Aussagen revidiert. Aber eines konnten sie nicht mehr rückgängig machen: die Angst vor einer neuen Eiszeit. Und die ist nach wie vor berechtigt. Denn im Nord- atlantik schmelzen, durch den Treibhauseffekt be- dingt, die Eisberge schneller als erwartet. Das Wasser, aus dem sie vor langer Zeit entstanden sind, stammt überwiegend von Festland-Gletschern, ist also Süß- wasser. Es verringert den Salzgehalt des Meeres. Dieses salzarme Wasser hat eine geringere Dichte und sinkt langsamer in die Tiefe. Das bedeutet: Die Zirkulation des Golfstroms erlahmt, die Kälte nimmt zu. Mehr Salz wäre die Rettung. Aber woher soll es kommen? Jetzt haben Wissenschaftler der Universi- täten Kapstadt und Kiel die Antwort gefunden: Der Agulhasstrom könnte helfen. Diese mächtige Meeresströmung transportiert 70 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Wenn sie

7 0 Millionen Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Wenn sie Eine Messboje wird im Atla nt ik

Eine Messboje

wird im Atla nt ik

stat ion iert. Sie so ll im Golf st rom Temperatur, Salzgehalt und Strömung erm itte ln und

diese Daten über Sate lliten an

Land senden

Südafrika erreicht, macht sie eine abrupte Kehrtwen- de und fließt zurück. Am Umkehrpunkt passiert etwa alle drei Monate etwas Merkwürdiges: Riesige Was- serwirbel mit mehreren hundert Kilometern Durch- messer spalten sich ab; ihre Drehbewegung ist noch in 5000 Meter Tiefe am Meeresgrund spürbar. Diese mächtigen Wirbel fließen in den Atlantik und liefern dem Golfstrom nicht nur Wasser, sondern auch Salz. Millionen von Tonnen. »Es dauert zwar einige Jahr- zehnte, bis das Salz im Norden des Atlantiks ange-

Eine von vielen: Rund 3000 »Argo-Floats« schwimmen zurzeit in den Weltmeeren. Wenn sie auf- tauchen,

Eine von vielen:

Rund 3000 »Argo-Floats« schwimmen zurzeit in den Weltmeeren. Wenn sie auf- tauchen, funken sie ihre Mess- daten selbst- ständig an Land

kommen ist, weil es sich langsamer fortbewegt als die

Wellen «, sagt Arne Biastoch, »aber dann kann es dort oben helfen, den Golfsrrom zu stabilisieren.«

BISHERIGE KLIMAMODELLE hatten das übersehen, weil das Netz der Messungen vor Südafrika zu grobmaschig war. Erst die Kieler Forscher haben mit neuen Com- putermodellen die entscheidene Rolle des Agulhas- stroms erkannt. Ihre jüngsten Simulationen zeigen:

Normalerweise bilden Westwinde eine Sperre zwi- schen Indischem und Atlantischem Ozean, doch seit einigen Jahren verschieben sich die Windsysteme auf der Südhalbkugel in südliche Richtung. Dadurch entsteht vor dem Kap Agulhas Raum, in dem nun vermehrt Salzwasser aus dem Indischen Ozean um die Südspitze herum in den Atlantik fließen kann. Die Süddrift der Windfelder ist vermutlich eine Folge des Ozonlochs und des Treibhauseffekts. Es ist schon verrückt, was alles passiert, weil der Mensch die Klimaheizung aufdreht: Im Norden schmelzen die Eisberge, »versüßen« das salzige Wasser, bremsen den Golfstrom - und im Süden verändern aus demselben Grund Meereswinde ihre Richtung, bis das Salz des Agulhasstroms den Golfstrom wieder munter macht. Zuerst erzeugen wir den Salzmangel, dann gleichen wir ihn aus. Hoffentlich geht diese Rechnung auf. Was passiert, wenn sich die Hoffnung auf den Agulhasstrom nicht erfüllt? Wenn der Golfstrom doch langsamer wird? Berechnungen zeigen: Die nachlas- sende Meereszirkulation würde den Treibhauseffekt abmildern. Statt der befürchteten Temperaturerhö- hung von vier bis sechs Grad Celsius würde der Zu- wachs nur bei einem bis vier Grad liegen. Derselbe Golfstrom, der heute unsere Klimaheizung auf »an- I genehm warm« stellt, könnte also dafür sorgen, dass sie nicht zu viel Hitze liefert. Um herauszufinden, was tatsächlich passieren wird, arbeiten die Forscher zurzeit auf Hochtouren. Eine schwierige Aufgabe: »Wenn man die Atmosphäre

68 PM. 05 / 2010

erforscht, kann man schon von Weitem die Wolken sehen - aber die Ozeane sind dunkel und sehr viel schwerer zu beobachten«, sagt Professor Detlef Stam- mer, Meereskundler an der Uni Hamburg. Ein Heer von Messgeräten soll jetzt Licht ins Dun- kel bringen: Fest verankerte Bojen, mit der Strömung treibende Sonden (»Floats «) sowie Tauchgeräte (» Gli- der«) messen Temperatur, Salzgehalt und Strömung des Golfstroms. Die ermittelten Werte senden sie au- tomatisch über Satelliten an Land. Eines der For- schungsprojekte, die diese Daten nutzen, ist das von den USA und Großbritannien finanzierte Programm »Rapid Watch«. Es soll bis zum Jahr 20 1 4 laufen. Solche Projekte gab es aber auch schon in der Ver- gangenheit. Besitzen die Wissenschaftler nicht allmäh- lich genügend Daten? »Das Problem beim Golfstrom ist ja, dass wir nicht wissen wollen, was ist, sondern was sich ändert«, sagt Peter Brandt, Professor für Meeresforschung an der Uni Kiel. »Und das geht nur langfristig.« Sein Hamburger Kollege Detlef Stammer meint sogar: »Wenn man statistisch genaue Aussagen über Klimaveränderungen haben will, dann muss man im Grunde hundert Jahre lang messen.«

WIE WICHTIG AUCH beim Agulhasstrom ausführliche Messungen sind, zeigt ein Phänomen, das die Wissen- schaftler zunächst irritiert hat: Einige Male im Jahr ist er scheinbar komplett verschwunden. Hätte man dies nur bei einer Einzelmessung registriert, wäre man womöglich zu dem falschen Schluss gekommen, dass die Meeresströmung vollkommen versiegt wäre. So aber, dank längerfristiger Beobachtung mithilfe von Satelliten, weiß man: Großräumige Wasserwirbel drängen den Agulhasstrom zwar um mehrere hundert Kilometer nach Osten ab, aber immer nur vorüberge- hend. Danach läuft alles wieder wie zuvor. Mehrere wissenschaftliche Teams wollen den Agul- hasstrom nun intensiv und über Jahre hinweg beob- achten und simulieren. Sie kommen unter anderem aus Deutschland, Holland, Japan, Südafrika und den USA. Eine Dachorganisation (Scientific Committee on Oceanic Research, SCOR) koordiniert die Arbeit der einzelnen Gruppen. Arne Biastoch leitet das Pro- jekt zusammen mit einer Kollegin aus Miami. Und er ist sicher, auch mit Blick auf den Golfstrom: »In drei Jahren sind wir ein gehöriges Stück weiter. « ~~

WEBWEISER --,

Meeresstroill- Simulat ion www.ifm-geomar.de/fileadmin/ifm-geomar/fuer_ alie/institutiPR/Video/Agulhas-global_temp_ speed _450m-ger.mpg

Ee tro

Ee tro itz Der viertürige Elektro-Peugeot iOn kann für monatlich 500 Euro brutto inklusive Wartungskosten geleast

itz

Der viertürige Elektro-Peugeot iOn kann für monatlich 500 Euro brutto inklusive Wartungskosten geleast werden. Reichweite 130 km, Betriebs- kosten 1,50 Euro pro 100 km

500 Euro brutto inklusive Wartungskosten geleast werden. Reichweite 130 km, Betriebs- kosten 1,50 Euro pro 100
500 Euro brutto inklusive Wartungskosten geleast werden. Reichweite 130 km, Betriebs- kosten 1,50 Euro pro 100

er im Praxistest

Die Revolution an der Steckdose - jetzt startet sie durch. Alle Experten glauben an die Zukunft der Elektroautos, auch wenn noch große Probleme zu lösen sind. Daher laufen allein in Deutschland in acht Ballungsgebieten umfangreiche Tests. P.M. kennt die ersten Ergebnisse: Es läuft besser, als mancher Skeptiker für möglich hielt

umfangreiche Tests. P.M. kennt die ersten Ergebnisse: Es läuft besser, als mancher Skeptiker für möglich hielt

TEXT: WOLFGANG STEGERS

S ie können nicht irren: 1,3

Milliarden Chinesen. Im be-

völkerungsreichsten Land der

Erde werden jedes Jahr über 20 ~1illionenMotorroller mit Elektro- antrieb produziert - und damit mehr Elektro- als Benzinfahrzeuge. War früher im Reich der Mitte das Fahrrad Synonym für die Fort- bewegung, ist es heute der Elektro- Scooter. Experten warnen schon lange

davor: Die Chinesen wollen den Markt der Elektrofahrzeuge be- herrschen. Auch deshalb schießen überall in den mit der alten Tech- nologie gesättigten Automärkten Europas, Asiens oder Nordameri- kas Elektroprojekte wie Pilze aus dem Boden überfüllter Ballungs- zentren und geplagter Großstädte. Kein Monat vergeht, in dem nicht wieder ein Großversuch mit Elekt- rofahrzeugen angekündigt wird. Marktbeobachter beklagen in Deutschland allerdings ein großes Durcheinander, bei dem noch nicht zusammenwachse, was zusam- mengehöre.

IN DIESEM MONOPOLY spielen die

Stromkonzerne als neue Marktteil- nehmer mit. Sie wittern das ganz große Geschäft. Denn es geht um nicht mehr und nicht weniger als eine kopernikanische Wende der Mobilität: Benzin und Diesel ha- ben als Essenz für den Antrieb der ~10toren ausgedient - Strom soll fließen. Gespeichert wird er in Bat- terien - die aber gehören noch zu den großen Unbekannten im Pro- jekt Elektroauto. Eigentlich schien dessen Zu- kunft bereits mehrfach abgehakt. Vor zwanzig Jahren hatte der Rü- gen-Versuch die mangelnde Taug- lichkeit der Elektromobilität unter Beweis gestellt. Auch waren die Elektro-Visionen nach den Ener- giekrisen der 1970er Jahre und dem Club-of-Rome-Schock schnell

72 PM. OS / 2010

wieder verworfen worden. Öl war einfach zu billig, das kränkelnde Klima noch nicht diagnostiziert. Lediglich die Deutsche Bundespost hatte nach Ende des Zweiten Welt- kriegs einige Zustellfahrzeuge bat- terieelektrisch betrieben. Wer noch tiefer in die Geschichte steigt, erlebt ein Deja-vu, wenn er die Gründe für die Ablösung der Elektroautos im Berlin der Kaiserzeit erfährt:

Batterien, die für lange Strecken nicht genügend Saft parat haben, und Strom, der nicht überall und dann zu langsam fließt, um die Akkus viele hundert Mal flott auf- zutanken. Darüber kann Horst Schulz nur schmunzeln: Der Leiter des Ho- ckenheimer Automobilmuseums

schmunzeln: Der Leiter des Ho- ckenheimer Automobilmuseums 1 I J \ I liiJ / 11 J

1

I

J \ I

liiJ

/ 11

J

_/

/

stromert seit I3 Jahren günstig, sauber und lautlos jeden Tag zur Arbeit und zurück; Reichweite sei- nes Golf III, Baujahr 1996: 70 Ki- lon1eter. Der Wagen, der über 35 000 klaglos absolvierte Kilome- ter auf dem Tacho hat, ist einer von hundert City-Stromern, die VW gebaut hat. Bei ihnen ist »die Reichweite immer eine Thema«, sagt Schulz, »auch wenn man sich daran ge- wöhnt.« Zwar legt sich sein E-Golf beim Losfahren mächtig ins Zeug, doch die Höchstgeschwindigkeit ist begrenzt. »Zu oft sollte man nicht Volllast fahren«, sagt der Elektroingenieur, »denn das saugt die Batterie leer. « Auch Heizung und Licht sind starke Verbraucher, die den Bewegungsdrang ein- schränken. Aber ist die geringere Reichwei- te wirklich eine Einschränkung? BMW, Vattenfall und das Bundes-

'- ,---

.l { • '. Wil - - - - -- - - - :' ,r

.l

{

'.

Wil

- -- - -- - -- :'

,r

ministerium für Umweltschutz wollten es genau wissen. Professor Josef Krems vom Institut für Ar- beitspsychologie der Universität Chemnitz bekam den Forschungs- auftrag, die knapp hundert Teil- nehmer des gerade abgeschlossenen halbjährigen Feldversuchs »Elekt- romobilität Mini E in Berlin« zu befragen. »Erstaunt hat uns«, sagt Krems, »dass mehr als 90 Prozent der Test- personen die Reichweite von durch- schnittlich 150 Kilometern ausrei- chend fanden . Zwei Drittel der Nutzer fühlten sich in dem Mini E genauso flexibel wie mit einem her- kömmlichen Fahrzeug. Lediglich in 14 Prozent der Fälle war die Reichweite entscheidend, und nur vier Prozent der Fahrten konnte nicht angetreten werden, weil die Batterie nicht genügend geladen war. « Damit bestätigen die Be- fragten auch eine europäische Sta-

~

,

\

,\

\

r:

:

\

I

üi!l

"""'-

\

tistik, wonach der Großteil der Fahrten in Ballungsgebieten 65 Ki- lometer nicht überschreitet. Außerdem stellte das Team von Krems fest : Die Versuchsteilneh- mer lernten recht schnell, den La- dezustand der Batterie richtig ein- zuschätzen und den Wagen nicht jedes Mal die ganze Nacht über in der eigenen Ga rage oder andau- ernd am Arbeitsplatz ans Ladeka- bel anzuschließen . )}SO, wie man sein Handy anfangs permanent in die Ladeschale legt, aus Angst, es nicht benutzen zu können, so stellt sich eine gewisse Gelassenheit ein«, fanden die Forscher heraus.

KRITIK HINGEGEN GAB ES beim

Raumangebot und bei der Winter- ta ugl ich keit der Elekrro-Tech nik:

Die hinteren Sitze des umgebauten Minis mussten der Batterie wei- chen, und die Lithium-Ionen-Ak- kus verloren bei Kälte erheblich an

Tagespensum

A-B Wohnung - Berlin Mitte:

18km

B-C City - Studio Babelsberg:

40km

A-

E Wohnung - Kino:

15km

E-A

Kino - Wohnung:

18 km

Insgesamt:

104 km

Rolf Bauer hat die Fahrten eines normalen Arbeitstages notiert. Ergebnis:Die Batte- rie schafft es. Es bleiben 40 km Rest.

Ergebnis des

Versuchs mit

Elektrofahr-

zeugen in Berlin :

»Gefühlt«

fahren die Tester weit mehr Kilometer als in Wirklichkeit. Daher ist die

150-km-Reich-

weite der

Batterie für

Citytouren kein

Problem

Kapazität, sodass sie über 30 Pro- zent ihrer Leistung einbüßten. Zu- sammen mit dem erhöhten Strom- bedarf durch Licht und Klima- tisierung sinkt die Reichweite an fros tigen Tagen dramatisch.

BMW-SPRECHER Tobias Hahn weist jedoch darauf hin, dass der Elekt- ro-Mini ein »konvertiertes« Seri- enmodell sei, bei dem die Elektri - fizierung zusätzlich in den Wagen eingebaut wurde. Der jüngst auf dem Genfer Automobilsalon vor- gestellte Active E dagegen sei ein ausschließlich für den Elektro- betrieb konzipierter Einser-BNIW, der »die Mögl ichkeit der Vorkon- ditionierung von Batterie und In- nenraum bietet«. Damit ist ge- meint: Wenn frostige Außen- temperaturen herrschen, werden bereits während des Ladens Lithi- um-Ionen-Batterie und Innenraum beheizt - das spart viel St rom und

erhöht die Kapazität des kälteemp- findlichen Akkus. Durch Berlin, eine der acht Mo- dellregionen für

erhöht die Kapazität des kälteemp- findlichen Akkus. Durch Berlin, eine der acht Mo- dellregionen für die Entwicklung der Elektrornobilität in Deutsch- land, surren aber nicht nur Elektro- Minis, sondern auch E-Smarts. Zum Preis von 700 Euro im Monat kann der Nutzer den »Fortwo ED « vier Jahre lang fahren und braucht sich um nichts zu kümmern: War- tung, Versicherung und Garantie - alles inklusive, und selbst das Promi-Parken an der Elektro- Tankstelle »Unter den Linden« in Sichtweite des Brandenburger Tores ist kostenlos. Auch wenn dies sicherlich die meist frequentierte öffentliche Ladestation ist: Am liebsten tanken die Fahrer doch zu Hause, erst danach rangieren der Arbeitsplatz sowie Verkehrskno- tenpunkte wie Bahnhöfe und Flug- häfen. Nach Ansicht des Energie- konzerns Vattenfall geht es darum, »don die Infrastruktur aufzubau- en und zu fördern, wo sie auch tatsächlich genutzt wird«. Aber mit Strom fahren ist das eine, mit Strom aus regenerativen Quellen fahren das andere. Nur im zweiten Fall ist der Elektroantrieb auch umweltschonend. Darin be- steht für Energieunternehmen die

doppelte Herausforderung: eine Infrastruktur aufzubauen und Strom anzubieten, der »grün« ist. Beim Energieriesen RWE stellt sich die Projektleiterin E-Mobility Carolin Reichen dieser Herausfor- derung. Sie gebietet über eine große Flotte elektrischer Personenwagen, vom Tesla Roadster bis zum Fiat 500. Von einem Versuchsstadium des Elektroautos will sie gar nicht mehr sprechen. »Das haben wir überwunden und sind mitten in der Phase des flächendeckenden Roll- out«, sagt sie. »Wir haben gegen- über unseren Mitbewerbern einen technologischen Vorsprung von neun bis zwölf Monaten«, legt sie selbstbewusst nach.

DERZEIT INSTALLIERT RWE in deut-

schen Großstädten an die 1000 öffentliche Ladestationen, nach Reicherts Plan sollen es in zehn Jahren r,5 Millionen sein: »Dann können die von RWE avisierten 2,5 Millionen Elektrofahrzeuge in Deutschland ausreichend versorgt werden. « Nicht berücksichtigt seien dabei die privaten Ladestati- onen, mit denen E-Cars schon heu- te in nur 2,5 Stunden voll aufgela- den werden können; 20 Minuten reichen sogar für 100 Kilometer

Der Power- Parkplatz: Ist der Elektro-Mini abgestellt, wird seine Batterie an der Stromtank- stelle aufgela- den. In Ballungs- gebieten werden jetzt flächen- deckend Ladestationen aufgestellt

Aufbruchstim-

mung: Von der Elektromobilität

wollen auch Energiefirmen wie RWEals neue Wettbe- werber profitie- ren und die Ölmultis verdrängen. Autos sollen geleast, der Strom verkauft werden

Reichweite aus. RWE bietet bereits ein E-Paket an, bei dem man die ersten 18 Monate kostenlos grünen Strom tanken kann. Unabhängig vom Automodell schließt der Ser- vicevertrag die Kfz-Versicherung, Wartung und Betreuung ein. »Auch für die kommenden PlugIn-Hybri- de mit erweiterter Batterieleistung ist das E-Paket gedacht«, kündigt Reichen an. Trotz des Vorsprungs will RWE aber mit den Konkurrenten zusam- menarbeiten. Ähnlich wie bei den

~1obilfunkunternehmen sind Roa-

ming-Verträge mit anderen Strom- anbietern geplant. Ein erster Ver- trag für Berlin ist bereits mit Vattenfall abgeschlossen. Voller Optimismus zitiert Reichert aus den RWE-internen Studien, nach denen in schon 15 Jahren die Prei- se für Elektroautos sich denen der Dieselpersonenwagen angenähert haben werden. Kommt jetzt, nach den ersten erfolgreichen Publikums- tests die Welle der Elektroautos tatsächlich ins Rollen? »Who killed the electric car? «, der 2006 erschienene US-Doku- mentarfilm von Chris Paine mit Tom Hanks in der Hauptrolle, hat die Widerstände gegen den Elekt- roamrieb zutreffend beschrieben. Stets wurden die Pioniere als Spin- ner verlacht. Natürlich hatten Automobilbauer sowie Mineralöl- firmen kein Interesse daran, ihr lukratives Geschäftsmodell freiwil- lig zu zerstören und sich nach neu- en Einnahmen umzusehen. Jetzt müssen sie es : Die Elektrokonzerne haben Witterung aufgenommen. Und Nlillionen Chinesen rollern schon mit

WEBWEISER

Weitgefzichertes PortLlL

www .elektroauto-nachrichten.de

Verbffen t li chung der Elektro- Mini- Studie www.tu-chemnitz.de

PortLlL www .elektroauto-nachrichten.de Verbffen t li chung der Elektro- Mini- Studie www.tu-chemnitz.de 74 PM OS I

74 PM OS I 2010

.
.

A s der Sicht der Schim- pansen gesprochen: An

diesem 22 . Juli 20 0 5

nähern sich die Men-

chen ihnen zum ersten

Mal nicht, um ihnen mi t Experi-

menten weh zu tun . Im Gegentei l. Die Menschen kommen, weil sie sich um das Wohlergehen jener Tiere sorgen, die in den Labors der Medizin jahrelang gelitten haben und jetzt hier in »Chimp Haven« den Rest ihres Lebens wie in einem komfortablen Altersheim genießen dürfen. Der Name ist Programm: Chimp Haven heißt »Zuflucht für Schim- pansen«. Sie liegt in einem abgele- genen Waldstück im Nordwesten des US-Bundesstaats Louisiana, 35 Kilometer außerhalb des Städt- chens Shreveport. Der Komplex aus Gehegen, Futterküchen und Tierklinik ist von einer fünf Meter hohen Mauer umsäumt. Wenn die Tiere diesen Altersruhesitz annäh- men, wäre das wie eine Art Wie- dergutmachung. Die menschlichen Besucher wollen sich an diesem 22. Juli 2005 davon überzeugen, dass

78 PM 05 / 2010

Chimp Haven funktioniert. Viele von ihnen sind Biologen oder Tier- pfleger und haben einst im Labor mit den Schimpansen gearbeitet. Medizinische Experimente an Affen sind in der EU heute verpönt. Doch ihre große biologische Ähn- lichkeit mit dem Menschen macht sie anderswo noch immer zu at- traktiven Versuchsobjekten von Ärzten. In den USA etwa halfen Schimpansen, Impfstoffe gegen Leiden wie Hepatitis B zu entwi- ckeln. Und bis jetzt werden Men- schenaffen dort eingesetzt, um Therapien zum Beispiel gegen Ma- laria zu finden.

DAS ALTERSHEIM für Schimpansen ist das Ergebnis eines der bemer- kenswertesten Gesetze, die die US- Regierung in den vergangenen Jahren erlassen hat. Im »Chimp Act« vom Dezember 2000 hatte sich der Kongress mit der Frage beschäftigt, was mit Schimpansen geschehen soll, wenn die Forscher sie nicht mehr brauchen. Rund tau- send dieser Menschenaffen leben derzeit in den oft kargen Käfigen

14 Millionen Dollar hat der Bau der Anlage bei Shreveport (Louisiana) gekostet. Die tägliche Betreuung kostet 27 Dollar pro Tier

der sterilen US-Labors, und ein Großteil von ihnen wird nicht mehr für Studien eingesetzt - sei es, weil kein geeignetes Projekt existiert oder weil sie bereits zu alt, zu krank oder aus anderen Gründen unge- eignet sind. Da Schimpansen 60 Jahre alt werden können, haben sie nach ~ Ablauf der Experimentreihen oft ~ noch Jahrzehnte zu leben. Sie ein- g zuschläfern, davor schrecken viele ~ Forscher zurück. Und so entschied ~ der Kongress, Geld frei zu machen, ~ um Habitate für überflüssige La- ~ borschimpansen zu bauen - staat- ~ liche Affenaltersheime. 8 Chimp Haven war das erste. Fast ~ zwei Jahre hat es gedauert, die 80 g Hektar große Anlage, die in einem ~ Naturpark liegt, zu errichten. I4 ~ Millionen Dollar hat sie gekostet. ~ Das größte der Außengehege ist ein ~

zwei Hektar umfassendes Wald- gebiet. Durch zwei verschließbare Tore im Zaun kommt man in den

zwei Hektar umfassendes Wald- gebiet. Durch zwei verschließbare Tore im Zaun kommt man in den Innenraum, in dem die ersten T8 Schimpansen Auslauf fanden. Viele von ihnen hatten seit ihrer Geburt in Labors gelebt. Nie hatten sie Gras unter den Füßen gespürt, wa- ren auf Bäume geklettert oder hat- ten Vögel gesehen. »Wir wussten nicht, ob sie überhaupt herauskom- men würden (( , sagt Linda Brent, Verhaltensbiologin und Leiterin von Chimp Haven. Schimpansen gelten als beson- ders anpassungsfähig und sind da- her im Labor beliebte Probanden. Ihr genetisches Material ist jüngsten Studien zufolge zu rund 96 Prozent identisch mit dem des Menschen. Sie sind so intelligent wie ein fünf- jähriges Kind. Manche haben ge- lernt, per Taubstummensprache mit ihren Betreuern zu kommuni- zieren und einfache Matheaufga- ben zu lösen. Und es mehren sich die Hinweise, dass Schimpansen Ansätze eigener Kultur entwickeln. So gibt es wilde Stämme, die bei der Jagd kleine Tiere mit Stöcken

aufspießen und das Wissen um sol- che Werkzeuge untereinander wei- tergeben. Schimpansen trauern um tote Stammesmitglieder, sie zeigen Reue, pflegen Freundschaften und besitzen ein ausgeprägtes Mienen- spiel, mit dem sie Gefühle wie Angst oder Wut ausdrücken. Erst kürzlich haben Verhaltensforscher beobachtet, dass Schimpansen an- deren Affen bisweilen sogar dann helfen, wenn sie daraus keinen ei- genen Vorteil ziehen. Solchen Al- truismus kannte man bisher nur vom Menschen.

WAS LABORSCHIMPANSEN allerdings

oft nie lernen: Affe zu sein. ~1an­ che werden sofort nach der Geburt von ihren Müttern getrennt, an- dere verbringen Jahre in Einzel- käfigen. Ihre Welt besteht aus vier- eckigen Zimmern, künstlichem Licht und vorgesetzten Mahlzeiten. Ihre Bezugswesen sind Laborange- stellte. Sie sind, in der Sprache der Experten, »enkulturiert« - Tiere, die mit der Menschenwelt so ver- traut wurden, dass sie in vieler

Zum ersten Mal in der Natur:

Viele der Tiere in »Chimp Haven« haben noch nie Gras unter den Füßen gespürt oder sind je auf

einen Baum

geklettert

Hinsicht nicht mehr wissen, was es bedeutet, Tier zu sein. Chimp Haven versucht, sie wie- der in ihre Affenkultur zurück- zuführen. Zwar haben die Affen beheizte Schlafzimmer mit Hän- gematten, Decken, fließend Wasser und Spiegeln; sie bekommen Stoff- tiere, Bilderbücher und alte Plas- tikflaschen zum Spielen und sechs Mahlzeiten am Tag; gelegentlich werden Musiker eingeladen, die den Tieren auf der Gitarre oder Trommeln vorspielen; und auch Fernseher stehen bereit (es heißt, viele gucken gern Krankenhaus- serien - vielleicht wegen der ver- trauten Kittel). Aber Linda Brent ermöglicht es ihren Gästen auch, »wieder Schimpansen zu sein «. Eine Schlüsselrolle spielten dabei zwei ältere Schimpansinnen na- mens Rita und Teresa, früher eben- falls Laboraffen. Sie waren die ers- ten Tiere, die im April 2005 in Chimp Haven eintrafen. Beide hat- ten lange im Zuchtprogramm der US-Weltraumbehörde NASA ge- dient. Entscheidend für Brent je- doch war, dass die Äffinnen als

Das Haupthaus: Im Erdgeschoss befinden sich die TIerklinik und die Küche, darüber liegen die Büros

Das Haupthaus: Im Erdgeschoss befinden sich die TIerklinik und die Küche, darüber liegen die Büros der Verwaltung

Großmutters Haus: Hier wohnt die älteste Schimpansin der Gruppe. Sie ist 54 Jahre alt

Babys in der afrikanischen Steppe eingefangen worden waren - bevor die Institute dazu übergingen, ih- ren eigenen Schimpansennach- wuchs zu züchten. Brent hoffte, dass sich Rita, Teresa und noch weitere wild geborene Schimpan- sen an den Wald erinnern und die anderen mitziehen würden: »Die Idee war: Wenn sie keine Angst zeigen, haben die anderen sie viel- leicht auch nicht.«

DIE RECHNUNG SCHIEN aufzugehen.

Als sich am 22 . Juli unter den Au- gen der menschlichen Besucher die Tore öffneten, strömten alle 18 La- borschimpansen hinaus. Aufgeregt brüllend erkundeten sie ihre neue Heimat. Manche zupften probe- weise an Blättern, andere beugten sich über einen Wassergraben und tranken. Die mutigsten krabbelten bis auf ein paar vorbereitete Holz- plattformen in den Bäumen, auf denen Pfleger Früchte ausgelegt hatten. »Ehrfurchterweckend«, flüsterte ein Beobachter. 127 Schimpansen leben heute in Chimp Haven. Die Mitarbeiter

80 PM OS I 2010

wissen oft nur wenige Details aus der Vorgeschichte ihrer Zög- linge. Was die Tiere an Blutabnah- men, Biopsien und Operationen über sich ergehen lassen mussten, was sie an Medikamenten schluck- ten - sie können es nicht erzäh- len. Wenn sie per Transporter ankommen, sind sie oft verschüch- tert. Viele sind dick vom untätigen

Herumsitzen im Käfig. Bei ande- ren ist das Fell stumpf und zerrupft

- Schimpansen, die ohne Beschäf-

tigung eingesperrt werden, begin- nen oft, sich selbst zu verstüm- meln, indem sie sich Haare ausreißen, die Haut blutig kratzen oder ihre Finger bis zum Gelenk abkauen. Psychologische Narben sind ebenfalls keine Seltenheit. Nicky etwa - mit 23 Jahren einer der jün- geren Schimpansen - war anfangs so verstört durch das Gras, »dass er vom Draht der Tür zum Draht der Fenster sprang, um nicht drauf- treten zu müssen«, sagt Chimp- Haven-Mitarbeiterin Amy Fultz. Nur viel Geduld - und verlockende Bananenstücken - brachten ihn

Spezielle Diät-Nahrung für die Überge- wichtigen, Musik für die Sensiblen und Streichel- einheiten für die

Kontaktfreu-

digen. Die Betreuer sind tür alle(s) da

Indoor-Habitat: Wasserschläuche, Hängematten, Dachluken und eine Veranda - alles, was das Affenherz begehrt

Für die Sorgenkinder:

Hier leben die besonders pflegebedürftigen Primaten

dazu, über Grün zu laufen. Merv, ein 33-jähriger Schimpanse, der gleich nach der Geburt von seiner ~1uttergetrennt worden war, wollte zunächst nichts von seinen Mit- schimpansen wissen. Es dauerte lange, bis er sich in die Gruppe ein- fügte - und rund ein Jahr, bis er es wagte, das Außengehege komplett zu erkunden. Bis heute sucht er menschliche Nähe, animiert seine Pfleger, ihn durch das Gitter zu kit- zeln. Chaka ist noch immer so kon- taktscheu wie ein autistisches Kind. Seine Betreuer spielen ihm klas- sische Musik vor. »Sie scheint ihn zu beruhigen«, sagt Fultz. Etwa jeder zweite Schimpanse in Chimp Haven hat Gesundheits- problen1e und nin1mt Medika- mente. Nicky bekommt gegen sei- nen Diabetes zweimal täglich eine Insulinspritze, andere Affen müs- sen wegen Herzkrankheiten oder kaputten Nieren behandelt werden. »Hat ein Affe etwa Herzprobleme, wollen wir nicht, dass er sich zu viel zumutet«, sagt Brent. Die pfle- gebedürftigen Tiere leben zu zweit oder dritt in kleineren Habitaten

/

Outdoor-Lernwiese: Der Raum ist mit Kletterelementen u!")d Spielzeug ausgerüstet. Eine gute Ubung für das Leben »draußen«

~----------------------~

Outdoor-

Bereich 2

Outdoor-

Bereich 1

Ausstieg: Die Bewohner von »Chimp Haven« klet- tern von hier aus ins Freie

Ausstieg: Die Bewohner von »Chimp Haven« klet- tern von hier aus ins Freie

- das große Außengehege wäre für sie zu gefährlich. Die Chimp-Haven-Chefin freut sich, wie schnell die meisten Tiere nach ihrer Ankunft aufblühen. Überflüssige Pfunde schmelzen beim Turnen im Wald, glänzendes Haar wächst über zerrupfte Fell- stellen. Und die Affen werden braun. »Viele wissen, nicht, dass auch Schimpansen bleich werden, wenn sie nicht an die Sonne kom- men«, sagt Brent, die einst Pri- maten im Labor betreute. Diese Erfahrung war es, die ihr Engage- ment für Chimp Haven weckte. Es dauerte nicht lange, bis die Pfleger nach jenem Tag im Juli im Außenhabitat das erste Nest aus Ästen entdeckten, wie es sich auch wilde Schimpansen als Ruhelager bauen. Viele weitere folgten, auch wenn nicht jeder Erstversuch glückte: Eines der Nester war bei- spielsweise aus den Zweigen eines Dornbuschs geformt - ein stache- liger Anfängerfehler. Mittlerweile ziehen es manche Tiere vor, nachts im Wald zu schla- fen, statt in ihre Schlafzimmer zu-

nachts im Wald zu schla- fen, statt in ihre Schlafzimmer zu- rückzukehren. Einige wild gebore- ne

rückzukehren. Einige wild gebore- ne Schimpansen haben sich zudem erinnert, wie sie mit Stöcken Amei- sen aus den Hügeln fischen können

- und Affen, die nichts anderes kannten als das Labor, gucken sich die Technik von ihnen ab. Auch haben die Schimpansen begonnen, die Rinde von den Bäumen zu schälen, um am Harz zu naschen

- ein weiteres aus der Wildbahn bekanntes Verhalten.

UNERWARTET JEDOCH WAR, dass die

Chimp-Haven-Pionierin Teresa an einem Januartag 2007 mit einem Baby aus dem Gebüsch trat. Zwar wurden alle Schimpansenmänn- chen vor ihrem Umzug ins Habitat einer Vasektomie unterzogen, das heißt, ihr Samenleiter wurde durch- trennt. Doch DNA-Tests ergaben:

Bei Conan, einem 22-jährigen Jungspund, war der Eingriff miss- glückt. Er wurde nachoperiert, und so wird die mittlerweile drei Jahre alte Tracy wohl der einzige Nach- wuchs im Habitat bleiben. Rund 30 Affen sind bisher in Chimp Haven gestorben. Auf jeden

Baby Tracy ist der einzige Nachwuchs auf dem Areal. Ihr VaterConan

wurde zwar wie alle Männchen sterilisiert. doch der Eingriff misslang

Platz, der frei wird, warten in den Labors rein rechnerisch mehrere hundert Schimpansen. Denn wei- tere staatliche Affenaltersheime seien erst geplant, aber noch nicht gebaut, sagt Brent: »Das Geld ist das Hauptproblern. « Rund 27 Dol- lar pro Tag kostet es, einen Schim- pansen in Chimp Haven zu betreu- en - und bis zu 50 Prozent mehr, wenn er krank ist. Für die meisten übernimmt der US-Staat drei Vier- tel der Kosten, der Rest stammt aus Spenden. Die Affen haben ein moralisches Recht auf ihr Altersheim, findet die Chimp-Haven-Chefin. »Sie haben uns so viel gegeben. Wir schulden es ihnen. «

WEBWEISER.J

Das Affen - Altersheim:

www.chimphaven.org

Datenba nk Tierversuche'

www.datenbank-tlerversuche.de

D er Franzose Joseph Arthur de Gobineau (1816-1882) war jung, adlig und tod- unglücklich: die

D er Franzose Joseph Arthur de Gobineau (1816-1882) war jung, adlig und tod-

unglücklich: die richtige Mischung, um ein so schreckliches Buch wie »Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen« zu schreiben. Die vier dicken Bände erschienen

zwischen 1853 und r855. Das Thema »Rasse« war da- mals neu. Der Berufsdiplomat glaubte, er hätte die Grundeigen- schaften der verschiedenen Ras- sen entdeckt: Die »Schwarzen«, so Gobineau, wollten lediglich die eigenen sinnlichen Bedürfnisse befriedigen; sie seien faul, tech- nisch unbegabt und letztendlich unfähig, eine Zivilisation zu grün- den. Die »Gelben« verfügten zwar über einige technische Fertig- keiten, hätten aber keine natur- wissenschaftlichen Kenntnisse; sie könnten nur » Pseudozivilisa- tionen« schaffen. Allein die »wei-

ße « Rasse sei zur Zivilisation fähig; der Weiße sei intelligent, sehe gut aus und besteche durch seinen Tatendrang. Gobineau ist in die Geschichte eingegangen als Autor des ersten ausführlichen Werkes über Rassen- kunde. Er hat den Begriff »Arier«

Der Pessimist rechnete damit, dass die »weiße« Rasse bald untergeht

aus der Sprachwissenschaft ent- lehnt und ihm einen rassischen Sinn verliehen. Die »Arier« - er meinte damit Skandinavier und Germanen - seien von allen Wei- ßen die edelsten. Sein eigenes fran- zösisches Volk sei wegen der Ras- senvermischung längst degeneriert und kaum mehr »arisch«.

Die deutsche

Überset zung des Buches erschien in mehreren Auflagen

f'.MA1

SUft L'I tGALITt

in mehreren Auflagen f'.MA1 SUft L'I tGALITt , 'AU. ", , 82 PM. 05/ 2010 Kein

,

'AU.

",

,

82 PM. 05/ 2010

Kein Wunder, dass die deut- sche Übersetzung seines Buches in mehreren Auflagen erschien. Auch im Kreis um Richard Wag- ner fand sie eine begeisterte Le - serschaft. Wagners Schwieger- sohn, der Engländer Houston Stewart Chamberlain, nahm das Buch als Anlass, eigene rassis- tische Ideen über eine angebliche Überlegenheit der deutschen »Rasse« zu formulieren. Womög- lich wurde auch Nietzsches Idee des »Übermenschen « von den Theorien des französischen Ad- ligen beeinflusst. Um gerecht zu sein: Gobineau, der Zeit seines Lebens Nationa- lismus und Imperialismus ab- lehnte, war nicht halb so schlimm wie seine ideologischen Nachfol- ger. Und er war auch kein Antise- mit. Ganz im Gegenteil. Er glaubte, dass gewisse »Mi- schungen« sogar von Vorteil sein könnten. Zum Beispiel die Ver- schmelzung der Griechen mit den Semiten, was seiner Meinung nach zur Entfaltung der grie- chischen Hochkultur geführt hat. Dennoch warnte er vor der zu- nehmenden Verwässerung des »Ariertums« (auch in Deutsch- land) im 19. Jahrhundert: Der Pessimist Gobineau rechnete fest mit dem nahen Untergang der »weißen« Zivilisation. Aber eigentlich war die Gefahr einer »durchrassten« Gesellschaft für ihn nur sekundär. Was den adligen Gobineau am meisten wurmte: Mit der Französischen Revolution war die Macht der »reinsten Arier«, nämlich der Ad- ligen, gebrochen geworden. Seine verkorkste Rassenlehre, die vor Widersprüchen nur so wimmelt, ist letztlich ein Lamento über das untergegangene Ancien Regime. Dass sie eines Tages von anderen instrumentalisiert werden würde, um die Welt wirklich aus den An- geln zu heben, konnte er nicht ahnen.

~

ine Maus ist einem Di- nosaurier überlegen, denn sie ist schneller und beweglicher. Dieser Gedanke
ine Maus ist einem Di- nosaurier überlegen, denn sie ist schneller und beweglicher. Dieser Gedanke
ine Maus ist einem Di- nosaurier überlegen, denn sie ist schneller und beweglicher. Dieser Gedanke

ine Maus ist einem Di- nosaurier überlegen, denn sie ist schneller und beweglicher. Dieser Gedanke gilt auch für den Menschen: Was eine Dinosaurier-Organisation wie die NASA mit all ihren angestellten Ingenieuren, Raumfahrtbüros und Unterabteilungen nicht hinbe- kommt - das schafft vielleicht ein kleines, wendiges Forscherteam. Wie wahr das ist, haben viele erkannt - sogar in der amerika- nischen Raumfahrtagentur. An- statt knifflige Teilprobleme selbst zu lösen, schreibt die NASA jetzt nämlich lieber Wettbewerbe aus, an denen jedermann teilnehmen kann. Inspiriert wurde das durch den großartigen Erfolg des X-Prize, eines von Privatleuten I996 ausge- schriebenen Io-Millionen-Dollar- Wettbewerbs, bei dem es darum ging, mit einem Raumfahrzeug den nahen Weltraum zu erreichen. Die Kleinfirma »Scaled Composites« mit ihrem SpaceShipOne gewann den Preis am 4. Oktober 2004. Jeder Laie, der das SpaceShipOne mit seinen ungewöhnlichen Bull- augen sieht, ahnt sofort: So et- was hätte die NASA nie hinbe- kommen. In NASA-Kategorien war so- gar das Preisgeld von zehn Milli- onen Dollar ausgesprochen nied- rig: Ein einzelner Start des Spaceshuttles kostet schätzungs- weise das Fünfzigfache. Inzwi- schen überlegt eine Kommission der US-Regierung sogar schon, ob sie einen Wettbewerb auslo- ben soll, um Menschen zum Mond zu bringen - für ein Preis- geld von einer Milliarde Dollar. Bis diese Riesensumme auf dem Tisch liegt, kann jeder schon einmal üben - bei 14 aktuellen NASA-Wettbewerben, die wir hier vorstellen.

86 PM os / 2010

3. Genomik: Erbgut blitzschnell entschlüsseln Als das Erbgut komplett entzifferte, hatte das Unterfangen mehrere Jahre

3. Genomik:

Erbgut blitzschnell entschlüsseln

3. Genomik: Erbgut blitzschnell entschlüsseln Als das Erbgut komplett entzifferte, hatte das Unterfangen mehrere Jahre
3. Genomik: Erbgut blitzschnell entschlüsseln Als das Erbgut komplett entzifferte, hatte das Unterfangen mehrere Jahre

Als das

Erbgut komplett entzifferte, hatte das Unterfangen mehrere Jahre gedauert und drei Milliar-

den Dollar verschlungen . Künftig soll die Entschlüsselung eines Menscllen in wen igen Stunden abgeschlossen sein - und dabei auch noch halbwegs bezahlbar bleiben : Wer es schafft, 100

menschliche Genome innerhalb

als einen Fehler auf 100000 Erbgut-Basen macht und das Ganze zu Kosten von allenfalls 10000 Dollar anbietet, darf sich freuen: Er hat nicht nur ein lukratives Geschäftsmodell für die personalisierte Medizin der Zukunft gefunden , er ist auch um zehn Millionen Dollar re iche r.

Preisgeld: 10 Millionen Dolla r

genomlcs.xprize.org

vo n höchstens zehn Tagen zu decodieren , wer dabei wenige r

international besetzte Humangenomprojekt im Ja h r 2003 erstmals e in mensc hli c hes

im Ja h r 2003 erstmals e in mensc hli c hes 2. Mathematik: Das P-NP-Problem

2. Mathematik:

Das P-NP-Problem lösen

Seit Generationen verzweifeln Mathematiker an einer Handvoll Problemen, die sich bislang jeder wissenschaftlichen Beweisführung entzogen haben. Eines davon ist das soge- nannte P-NP-Problem. Es besagt. dass die Lösung einer komplexen Aufgabe (z. B. einen Container mit Paketen unterschiedlichen Formates so voll wie möglich zu stapeln) genauso schwierig ist wie die Überprüfung der Lösung. Wer das beweist, tut nicht nur

Software-Programmierern einen großen Gefallen, er wird auch um eine Million Dollar reicher. Für sechs weitere mathematische Aufgaben hat das amerikanische Clay Mathe- matics Institute das gleiche Preisgeld aus- gelobt, eine davon wurde bereits gelöst - vom russischen Mathematiker Grigori Perelman. Abgeholt hat der scheue Forscher seinen Millionenpreis allerdings noch nicht.

Prefsgeld: insgesamt 7 Millionen Dollar

www.daymath.org/mlllennium

insgesamt 7 Millionen Dollar www.daymath.org/mlllennium 4. Informatik: Dem Programmier-Genius einen Fehler

4. Informatik:

Dem Programmier-Genius einen Fehler nachweisen

Der Pre is ist wahrlich mickrig , dennoch gehört er unter Informatikern zu den begeh r testen :

2,56 Dollar verspricht der amerikanische Informatik- Professor,Buchautor und Programmier-

Genius Donald Knuth fü r jeden Fehler, den ein Leser in einem seiner vielen Bücher findet. 2,56 ,

we il das in der hexadezimalen

Früher verschickte Knuth das Geld in Form eines persönlichen Schecks . Kaum ein Empfänge r löste ihn ein - zu wertvoll war das Dokument m it der Unterschrift des Meisters . Nachdem Fä lscher versucht haben , sein Konto zu knacken , zahlt Knuth den Betrag nun auf ein fikt ives

Schreibweise der Computerwelt genau einem Dollar entspricht.

Konto ein ,das er für jeden Korrektor eröffnet. Der aktuelle Kontostand kann im Internet abgerufen werden - auf einer Art Bestenliste der informatik- Besserwisser.

Preisgeld: 2.56 Dollar

www-cs-faculty.stanford.edu/-uno/news08.html

gg~'lPr:R~~re~CEDEPARTMENT ~=I

:pi * ()7

4.

STANFORO UNIVERSrtY

 

STANFOAO , CA

94305-90415

DATE

 

245

* () 7 4. STANFORO UNIVERSrtY   STANFOAO , CA 94305-90415 DATE   245 05 /

05 / 2010 PM 87

5. Logik:

Die Menschheit Im Super-Schach schlagen

Im Jahr 1997 verliert die Menschheit den Kampf gegen die Maschinen: In einem aufsehenerregenden Schaukampf scheitert Schachweltmeister Garri Kasparow klar am Computerprogramm Deep Blue. Das Ende der Zivilisation scheint besiegelt. Doch es gibt jemanden , der sich standhaft gegen die Domi- nanz der Computer wehrt: Angestachelt von Kasparows Niederlage,hat der Inder Omar Syed ein strategisches Brettspiel entwickelt, das leicht zu erlernen, aber für Computer schwer umzusetzen ist. Arimaa gleicht dem Schach, wird auf einem ebensolchen Brett gespielt,kennt aber im Schnitt 17000 mögliche Züge im Gegensatz zu den 30 beim Schach. Der Entwickler des Computer- programms , das es erstmals schafft, in einem Arimaa-Turnier einen Menschen zu schlagen, bekommt 17 000 Dollar. Bislang ist das noch niemandem ge- lungen. Das letzte Duell konnte die Menschheit mit 7 zu 2 klar für sich entscheiden.

Preisgeld: 17000 Dollar arimaa.com/arimaa/challenge

Preisgeld: 17000 Dollar arimaa.com/arimaa/challenge 6. Fahrzeugtechnik: Das schnellste 2,35- Liter-Auto bauen

6. Fahrzeugtechnik:

Das schnellste 2,35- Liter-Auto bauen

Nicht mehr als 2,35 Liter Benzin auf 100 Kilometer (oder eine ver- gleichbare Menge an Strom) darf das Auto verbrauchen , das den mit insgesamt zehn Millionen Dollar dotierten »Automotive X Prize« gewinnen will. Und es muss all- tagstauglich sein: Vier Räder, mindestens vier Sitzplätze, ein Kofferraum , der die Bezeichnung verdient ,sind vorgeschrieben :

nicht zu vergessen Scheibenwi- scher,Sitzgurte und eine Hupe, wie die Wettbewerbsrichtlinien aus- drücklich verlangen.Nicht einmal langsam dürfen es die 39 Wettbe- werber angehen lassen: Ihr Wagen muss in weniger als15 Sekunden von 0 auf 100 km / h beschleunigen. Und bei den Entscheidungsfahrten im August gilt ohnehin, öko hin oder her:Das schnellste Auto staubt den Preis ab.

Preisgeld: Insgesamt 10 Millionen Dollar

www.progresslveautoxprlze.org

oder her:Das schnellste Auto staubt den Preis ab. Preisgeld: Insgesamt 10 Millionen Dollar www.progresslveautoxprlze.org
7. Altersforschung: Labormäuse alt aussehen lassen Der britische Informatiker und Biogerontologe Aubrey de Grey ist

7. Altersforschung:

Labormäuse alt aussehen lassen

Der britische Informatiker und Biogerontologe Aubrey de Grey ist überzeugt, in wenigen Jahrzehnten das Altern der Menschen aufhalten zu können . Er hat sieben Alterungsprozesse identifiziert, die allesamt mit modernen medizinischen Mitteln bekämpft werden können - so zumindest de Greys Theorie, die er schon in jungen Jahren im Selbststudium gefunden hat. Damit es nicht bei der Theorie bleibt, hat der Brite zusammen mit Kollegen die Methusalem- Stiftung gegründet und den M-Prize ausgelobt. Der belohnt Forscher, die das Leben von Labormäusen signifikant verlängern . Wer jetzt ans schnelle Geld denkt, wird allerdings enttäuscht: Der aktuelle Spitzenreiter musste 1819 Tage auf seinen Preis war- ten - 50 lange lebte die von ihm gezüchtete Maus.

Preisgeld: insgesamt mehr als 4 Millionen Dollar www.mfoundatlon.orgl?pagename=mLmprize

4 Millionen Dollar www.mfoundatlon.orgl?pagename=mLmprize 8. Raumfahrt: Einen Roboter Im Billigflieger zum Mond

8. Raumfahrt:

Einen Roboter Im Billigflieger zum Mond schicken

Die Aufgabe scheint überschaubar: zum Mond fliegen, landen, 500 Meter weit rollen und dabei hochauflösende Bilder und Videos übertragen. Schon sechs- mai hat die NASA ein vergleichbares Kunststück vollführt. Der große Haken:

Dieses Mal soll die Aufgabe nicht von einer staatlichen Raumfahrtagentur mit immensem Budget bewältigt werden ,sondern von privaten Firmen - für wenig Geld. 20 Wettbewerber, darunter zwei Teams aus Deutschland, konkurrieren um den mit 20 Millionen Dollar dotierten »Lunar X Prize«. lns Leben gerufen hat ihn Google,jener Konzern, der der Welt bereits eine Suchmaschine und kosten- lose E-Mail-Konten spendiert hat. Doch wie alles bei Google hat auch der Lunar X Prize einen Pferdefuß: Mit nervigen Werbebannern müssen die Teilnehmer zwar nicht kämpfen , dafür bleiben ihnen nur zwei Jahre, um das scheinbar Unmögliche möglich zu machen. Die gut betuchte NASA hatte in den 1960er Jahren deutlich mehr Zeit.

Preisgeld: 20 Millionen Dollar www.googlelunarxprlze.org

9. Landwirtschaft

Den Malszünsler ausrotten

Wer hinter diesem Preis steckt. ist nicht bekannt - nur, was der Spender will: Er sucht eine Möglichkeit, Maispflanzen vor dem verheerenden Wirken des Maiszünslers zu schützen, einer unheimlich gefräßigen Schmetterlingsart. Fällt sie in ein Maisfeld ein, sind die Pflanzen innerhalb kurzer Zeit so stark geschädigt, dass der Ertrag um zehn Prozent und mehr sinkt. Wer eine zündende Idee hat, wie sich dieses Treiben unterbinden lässt, kann sie über die Webseite InnoCentive einreichen - ein auf derartige Preise spezialisiertes Internet-Angebot. Gefällt dem Preis- stifter der Vorschlag, gibt es 20 000 Dollar. Gleichzeitig gehen aber alle Rechte und Patente in den Besitz des anonymen Spenders über.

gw.lnnocentlve.com/ar/challenge/8836928
gw.lnnocentlve.com/ar/challenge/8836928

Preis: 20 000 Dollar

10. Medizin: EIneTherapie gegen ALS entwickeln Die Behandlung der »Amyotrophen Lateralsklerose« (ALS) kommt nicht

10. Medizin:

EIneTherapie gegen ALS entwickeln

Die Behandlung der »Amyotrophen Lateralsklerose« (ALS) kommt nicht voran - jener Krankheit, an der auch der britische Physiker Stephen Hawking (links) leidet. Noch immer ist die Ursache der Krankheit, bei der die für die Muskelbewegung verantwortlichen Neuronen irreparabel geschädigt werden,weitgehend unbekannt. Nicht einmal in Tierversuchen zeichnet sich eine Therapie ab. Die gemeinnützige Organisation Prize4Life, gegründet von einem Harvard-Studenten, bei dem selbst ALS diagnostiziert wurde, will das ändern. Eine Million Dollar warten auf den Forscher, der eine funktionierende Therapie entwickelt - wie auch immer sie aussehen mag. Einzige Voraussetzung: Im Labor muss die neue Methode die Lebenserwartung von ALS-Mäusen um mindestens 25 Prozent steigern.

Preisgeld: eine Million Dollar

www.prlze4I1fe.org/page/prlzes/treatment_prlze

Dollar www.prlze4I1fe.org/page/prlzes/treatment_prlze 11. Satellitenforschung: Einen Winzling Ins All befördern
Dollar www.prlze4I1fe.org/page/prlzes/treatment_prlze 11. Satellitenforschung: Einen Winzling Ins All befördern

11. Satellitenforschung:

Einen Winzling Ins All befördern

Wem es gelingt, mit einem »lächerlich geringen Budget« einen »unglaublich w inzigen Satelliten« in eine Umlaufbahn zu schießen , der kann sich über einen »erbärmlich kleinen Geld- preis« freuen - so die Eigen- werbung für den N-Prize aus Großbritannien. Der künstliche Erdtrabant darf nur zwischen 9,99 und 19,99 Gramm schwer sein, er muss mindestens neun Erdumrundungen schaffen,und sein Start darf - hier kommt das größte Probien -nicht mehr als 999,99 Pfund kosten . 'Angeblich wollen sich 21 Teams der kleinen Herausforderung stellen. Bleibt die Frage: Ist das alles ernst gemeint? Preisstifter Paul Dear ist kein Freund großer Worte. Er sagt einfach: »Ja.«

Prefsgeld: 9999.99 Pfund

- D-/(HYG 12. Luftfahrt: Ein umweltschonendes Flugzeug konstruieren Das Ein-liter-Auto ist noch In weiter Ferne,

-

D-/(HYG

- D-/(HYG 12. Luftfahrt: Ein umweltschonendes Flugzeug konstruieren Das Ein-liter-Auto ist noch In weiter Ferne, da
- D-/(HYG 12. Luftfahrt: Ein umweltschonendes Flugzeug konstruieren Das Ein-liter-Auto ist noch In weiter Ferne, da

12. Luftfahrt:

Ein umweltschonendes Flugzeug konstruieren

Das Ein-liter-Auto ist noch In weiter Ferne, da basteln Luftfahrtingenieure bereits am Ein-liter-Flugzeug: 1,5 Millionen Dollar verspricht die NASA demjenigen, der ihr ein Sparflugzeug baut, das umgerechnet weniger als einen liter Benzin auf 100 Kilometer verbraucht. Segelflieger zählen dabei ebenso wenig wie Sturzflüge mit ausgeschaltetem Propeller. Die siegreiche Maschine muss vielmehr mindestens 320 Kilometer weit mit einer Geschwindigkeit von mehr als 160 km/h fliegen. Wie sie das schafft, e>t5mit Biodiesel, Strom oder Wasserstoff, ist völlig egal. Hauptsache, sie fliegt sparsam. An dem Wettbewerb, dessen Endausscheidung für Juli 2011 in Kalifornien geplant ist, wollen sich auch Ingenieure aus Stuttgart beteiligen.

Preisgeld: 1,5 Millionen Dollar

cafefoundation.org/v2/gfc_main.php

13. Energiespeicherung:

Wasserstoff verpacken

~

I

13. Energiespeicherung: Wasserstoff verpacken ~ I Regierungen stehen gewöhnlich nicht im Verdacht,besonders

Regierungen stehen gewöhnlich nicht im Verdacht,besonders innovati- onsfreudig sein. Das amerikanische Energieministerium macht da eine Ausnahme - zumindest, wenn es um Preise geht: Im November 2009 hat es eine Million Dollar für denjenigen ausgelobt, der der Regierung ei- nen brauchbaren Wasserstoffspeicher bastelt. Einer solchen Technologie kommt in Zukunft große Bedeutung zu: Fahr- zeuge mit Brennstoffzelle oder Wasserstoffantrieb werden nur dann erfolgreich sein, wenn sie den Wasserstoff billig und platzsparend einpacken können. Bis zum Februar 2011 haben Ingenieure noch Zeit, das Ministerium von ihrer Lösung zu überzeugen. Der Lohn: genug Geld, um sich die Wasserstofffahrzeuge der Zukunft auch leisten zu können.

Preisgeld: eine Million Dollar www.hydrogenprlze.org/rules.html

I, :.-. --- ---- -- h . 13~~F:TI~ ~ 1tIa JOII' HettlI. movie ,rinp on
I,
:.-.
---
---- --
h
.
13~~F:TI~
~
1tIa
JOII' HettlI. movie ,rinp on Facebook.
RI!'-'"Qt agproat on yow WAU and yc>Uf
fr1W;d,' NfrwiFMd.5
Chdt the button to connKl yOUl Hermx KCOUnt 10 Fac:eboofc
-., .,
,
au.u
cto\~
,
"
"'
IICa.ll
YQ,f~""
,.w
t-.
,
~
~
f~"'~
!.-~ ~
"""" ""Y~' Q.eII ""'~'\o,"""
1"Oo.J'~ .,
_
_
_
-
s~
,--,
~
,_~
~
.
_--:'::::-:-"'=":'=-;::::-
-=::"-
~•
!::7'_",=~_

14. Informatik:

Filme wirksam anpreisen

Die amerikanische Internet-Videothek Netflix hat ein Problem, das viele Online-Händler kennen : Um ihren Kun- den neue Filme empfehlen zu können , setzt sie auf Erfahrungswerte und Bewertungen. Oftmals schütteln die Videofans aber nur den Kopf über die Tipps - wenn sie nicht gleich in schal- lendes Gelächter ausbrechen.Netflix hat daher eine Million Dollar spendiert, um ein besseres Empfehlungssystem

Million Dollar spendiert, um ein besseres Empfehlungssystem entwickeln zu lassen. Die erste Runde wurde gerade

entwickeln zu lassen. Die erste Runde wurde gerade erfolgreich abgeschlos- sen,jetzt müssen die Wettbewerbs - programmierer nochmals ran :Nur mit demografischen und verhaltens- basierten Daten sollen sie ein neues System entwickeln,dessen Treffer- quote die aktuelle Software um mindestens zehn Prozent schlägt.

Preisgeld: bi s zu einer Million

www.netflixprize.com

Dollar

~~

05 / 2010 PM 91

Wichtige Erkenntnisse Zum Bericht »Können unsere Gedanken Materie verändern?. In P.M. 03/2010: Vielen Dank für

Wichtige Erkenntnisse

Zum Bericht »Können unsere Gedanken Materie verändern?. In P.M. 03/2010:

Vielen Dank für diesen schönen Bericht, der mir ein Lächeln der Erkenntnis aufs Gesicht zauberte. Ich meditiere auch schon seit nunmehr fünf Jahren und habe versucht, eine Erklärung für die bedingungslose Verbundenheit des Meditierenden mit der Umgebung, die zwangsläufig Materie ist, zu finden. Dieser Artikel hat mir sehr dabei geholfen. Wenn

zu finden. Dieser Artikel hat mir sehr dabei geholfen. Wenn man alle Ergebnisse der Wissen- schaften

man alle Ergebnisse der Wissen- schaften zusammenfasst, die sich mit der Materie und der Psyche des Menschen befassen, kommt man zu dem Ergebnis, dass die erfahrene Realität nicht absolut ist, sondern die Sinne und das menschliche Geh irn eliminierend arbeiten. Doch wird in der Ge- schichte nicht immer wieder von Erleuchteten berichtet, die über absolutes Wissen und sogar Heilkräfte verfügten? Wie auch Jesus Christus und Buddha (Siddhartha Gautama)? Könnte man nicht mit der Theorie des Nullfeld-Punktes die Erleuchtung, das Allwissendse in, erklären? Da alle Nullpunkt-Energien auf subatomarer Ebene im Austausch mit anderen Energien stehen und somit das menschliche Bewusst- se in in Nullzeit das gesamte Universum begreifen könnte? Das

SCt'RE\8EN

S\EUNS

p .M Leserbr\etredaKt\On

E. - Mail '. KontaKt @prn - rna g a zin .de

Namen LInd ~dressenic\lt "ergessen~\/eröftentlic\"te Leserbriete geben nic\lt die M einLlng "on r .M .wieder. Wir be\la\ten L1ns ",0rzLlng en "or.

LESERBRIEFE

Über den Wolken

Zum Bericht »Regen: Keiner versteht IhnI« In P.M. 03/2010:

Sie schreiben, dass in der Tropo- sphäre in zehn Kilometer Höhe über der Erdoberfläche eine Temperatur von -15 bis -19 Grad Celsius herrscht. Dies ist falsch! Jeder, der schon einmal geflogen ist, kennt die schönen Animationen auf den Bildschirmen im Flugzeug, die in einer Höhe von zehn Kilome- .

tern eine Temperatur von ca. -60 Grad anzeigen, In der Tat ist das die

Temperatur , die in dieser

herrscht. Dies bedeutet weiterhin, dass sich Eiskristalle schon in wesentlich tieferen Luftschichten bilden. Da die Temperaturabnahme

in wolkenlosen Geb ieten ca . ein Grad auf 100 Meter beträgt, kann man sich leicht ausrechnen, in

welcher Höhe sich die Eiskristalle bilden. Entscheidend sollte jedoch

se in, ab welcher Höhe sich

Gewitterwolken bilden, und nicht, wie hoch sie reichen , denn regnen tut es ja aus dem unteren Te il der Wolke und nicht aus dem oberen Teil.

H. Marten , per E- Mai!

Höhe

Sie haben recht, uns ist hier ein Fehlert unterlaufen.

Ihre P.M. Redaktion

Leserbrief des Monats

Zum Bericht »Fliegende Flundern« in P.M. 03/2010:

Den Artikel über die Weiterentwicklung immer größerer Passagierflugzeuge habe ich sehr interessiert gelesen. Offensichtlich werden auch diese Riesenflieger mit Kerosin- triebwerken ausgestattet sein. Obwohl diese neuen Maschinen pro Passagierkilome- ter sicher deutlich weniger Treibstoff benötigen, wird aber weiterhin fossiler Brennstoff verbraucht. Im Artikel wird weiter erwähnt, dass dieses Großraumflugzeuge frühes- tens in 30 bis 50 Jahren zum Einsatz kommen werden. Wenn ich nun die vielerorts erwähnten Prognosen über das Ende der Erdölvorräte innerhalb etwa dieses Zeit- raums hinzuziehe, kommt bei mir zwangsläufig die Frage auf, ob entweder diese Flieger dann nichtfossile Energieträger einsetzen werden oder ob die Flugzeugbauer nicht an das baldige Ende der Erdölvorräte glauben.

Urs FIUkiger, CH-Oberburg

92 PM. OS /2010

klingt sehr abstrakt und ist schwer vorste ll bar, doch es ist sehr erfreulich und wicht ig. dass sich die Noetik mit solchen Phänomenen besclläftigt und so in die richtige Richtung forscht.

Gurp:eet Raj. Singen

Segensreich ist Ihr Beitrag schon deshalb, weil er der einseitig materia li stischen Hirnforschung - der Religion unserer Tage - wider- spricht: Materie sei alles, Geist nur ein Epiphänomen. Auch wenn ich alles andere als ein Dan-Brown- Fan bin, finde ich es ei ne richtige und wichtige Idee von ihm, in seinem Roman den noch weit- gehend unbekannten noetischen Wissenschaften eine Plattform zu geben, Dass der Geist über die Materie triumphiert, wie Sie schreiben. ist übrigens gar nicht so »spinnert «, wie es klingt. In der Quantenphysik gehört dies schon zu den Selbstverständlichke iten , Hans- Peter Dürr etwa sagt, dass es im Grunde gar keine Materie

gibt. sondern nur Ge is t. Materie sei

nichts anderes als geronnener Geist. Die Nähe zu Einstein ist erstaunlich: Auch für ihn ist Materie nicht einfach die Summe von Dingen - sondern eine verdünnte Form der Energie.

Froilk Pa i7ig Z055e n

»Jedes Mo lekül spielt eine Note, die überall im Universum zu hören

ist «: Na

ist dann die Sprache des Lebens! Dank sei den Biophotonen , dass sie endlich Licht in den ganzen

Quatsch bringen, denn selbst

Quantenphysiker sagen , dass sie

sich das Ganze nicht vorste ll en können, Und viel Spaß beim

Verzerren der Raumze it hinter den

Raumschiffen der Zukunft, dann kommen wir endlich bis zum Pluto und sind zum Abendessen wieder zu Hause!

EIl<e FJt7ller. Gottinge!~

klar, und diese Kakophonie

GtJ GRUl\:ER + JAH R AG & CO KG

Druck- und Verlagshaus

Ve rl agsgruppe Münche n

Postanschrift fUr Verlag und Redakt ion:

Weihenstephaner Str. 7, 81673 München

Telefon (089) 4152-00. Telefax (089) 4152-565

Herausgeber und Chefredakteur: Hans-Hermann Sprado

Geschäftsführende Redakteure : Nathalle Hörnemann (Cv D).

Bernd Lüdtke (Textchef)

Artdirection: Andreas Pfost. Alessandro Ser afino (Stv.)

Layout: Monika Gollasch (frei )

Leitende Redakteure : Wolfgang C. Goede , Martin

Chefreporter: Wolfgang Stegers

Redaktion: Nicolai Scllirawski

Schlussredaktion: Dr. Helga Szibor-Kreuzer

Tz schaschel

Bildredaktion: Alexander Choma.

Ta nja Schlott

Redaktion P.M . Onllne : Wolfgang

C. Goede .

Nathalie Hbrnemann, Andreas Seche (fre i), Wolfgang Stegers

Assistenz der Chefredaktlon: Kar in Herold

P.M.-Korrespondent: USA: Bodin

Suite 501 W, New York. N.Y. 10013. Tel.: (00 1212) 807-7002 .

Fax: (001212) 807 -7004 . E- Mail: cbodin(;iJbodlnmedia.com

P M . erscheint in der G+ J Verlagsgruppe Münc hen

Verlagsleitung: Ulrich Sommer

Anzeigenleiter: Karl J. Rheinheimer

Senlor- Verkaufsleltung Region SUd. SUdwest und West: Beate Hilt

AnzeigenverkaufsleItung Region Mitte und Nord: Christian Liesgang

Marketing: Sabine Ossojnig

Vertrieb: DPV Deutscher Pressevertrieb

VertriebsleItung: Ge rd Mauritz

Herstellung: Carl-Heinz Braun

Leiterin Proj ektmanagement: Simone Brandhuber

Presse- und Öffentlichkeitsarbeit: Simone Lönker

Projektieltung Onllne: Annika Jungnickel

Honorare: Kar in Herold

Verlagsgeschäftsfüh rung: Dr. Volker

Nachdruckdienst: Picture Press Bild- und Textagentur GmbH.

Koordination: Petra Martens. Anfragen: Dorothea

von Zezscllwitz, Tel.: (040) 3703 2274 , E-Mail: zezschwitz.doroCa:;

picturepress.de

Verantwortlich für den redaktionellen Inhalt:

Hans -H ermann

für Anzeigen : Karl J. Rheinheime r .

We ihenstephaner Str. 7. 81673 München

Ba nkverbindungen: Deutsche Bank AG , Ham burg.

Konto 0322800 . BLZ 20070000

Post bank Hamburg. Konto 8480 -2 04 . BLZ 20010020.

Für unv er langte Manuskripte . Fotos und Ze ichnungen wird

keine Haftung

tion das Recht auf Kürzungen vor. Die Redaktion ist nicht für den

Inllalt im Heft veröffentlichter Internet-Adressen verantwortlich.

0 2010 für alle Beitrage bei GRUNER + JAHR AG & CO KG

Alle Rechte vorbehalten . Nachdruck , Aufn ahme in Online - Dienste

und Internet und Vervielfältigung auf Da tenträger wie CD-ROM.

DVD - ROM etc. nur nach vorheriger schriftlicher Zustimmung

des Verlages.

Druck: Prinovis GmbH . Am Voßbarg. 25524ltzehoe.

Media. 264 Ca n al Street.

Breid

Sprado . Weihenstephaner Str. 7. 81673 Müncllen

übernom me n. Bei Leserbrie fen behalt sich die Redak-

Repro:

Wahl Med ia GmbH . Streitfeldst r . 37.81673

München

Pr

in ted in Ge r many.

Zurzeit gilt die Anzeigen-Preisliste Nr. 31.

Der Export der Zeitsch rift P.M. und ihr Vert ri eb im

Ausland sind nur

mit Genehmigung des Verlages statthaft.

PM . (USPS no 0014879) is published monthly by GRUNER + JAHR

Subscr iption price for USA is S 80 per annuln. K.O.P.: German Lan-

Eng lewood NJ 0763 1. Periodica ls posta-

ge

Post

PO Bo x 9868 . Englewood NJ 0763 1.

ISSN-Nr.:1863-9313

ANMERKUNG ZU DEN BILDNACHWEISEN:

W ir haben uns bemuht. samtliche Inhaber der Bil drechte zu ermit-

teln. Sollte dem Verlag gegenüber dennoch nachgewiesen werden,

dass eine Rechtsinhaberschaft besteht, entrichten wir das bran- chenübliche Honorar nachträglich.

guage Pub. , 153 S Dean St

is pa id at Englewood NJ

07631 and additional mai ling offices .

maste r: Send address changes to : P.M. GLP .

ABONNIEREN

Deutschland:

Bestellservice:018058618000"

P.M. Kundenservice 20080 Hamburg

Telefa x:

018058618002 '

E-Mail:

PM -ServicelWguj.de

On line :

www.pm-magazin .de / abo

Jahrespreise (12 Ausgaben) ink l. MwSt . und Versand :

ABO-JAHRESPREIS (12 AUSGABEN)

INKL. MWST. UND VERSAND: C 38.40

STUDENTENABO: 33,00

(nur gegen Immatrikulationsbescheinigung) Service-Telefon für Anschrtftenänderung. Urlaubsnachsendung, Zustellung: 01805 861800 ' Kundenservice allgemein: 01805 8618001 ' pe r sönl ich erreichbar: MO.- Fr. : 7.30 bis 20 .00 Uhr. Sa.: 9.00 bis14 .00 Uhr 24-Std.-Online-Kundenservice: www.MeinAbo.de / service Österreich: P.M. -Abonnement-Service Postfach 5, 6960 Wolfurt Tel.: 0820 001085. Fax: 0820 001086, E- Mail: guJ(llabo- service.at

ABo-JAHRESPREIS (12 AUSGABEN)

INKL. MWST. UND VERSAND: C 43.80 Schweiz: P.M.-Leserservice Postfach, 6002 Luzern

Te l.: 041329 2209. Fax : 04 1 329 2204.

E- Ma il: pm<5';leserservice .ch

ABO-JAHRESPREIS (12 AUSGABEN) INKL. MWST. UND VERSAND : FR n .40 USA : GLP Internat ional. 153 Sout h Dean St r eet. Englewood . NJ 07631. Tel. (001) 2018711010, Fax (001) 20187108 70.

E-Mail: subscribe~ glpnews.com

Kanada : German Canadian News . 25-29 Coldwater Rd

Ontarlo. M3B W8. Tel.: (001 ) 41639 14 19 2. Fa x : (001) 416 39 1 4194 .

E-Mail.r e@gcnews.ca Übriges Ausl: P.M.-Kundenservice.Post fach, 6002 Luzern / Schweiz Tel. : (0041 ) 413 29 2280 . Fax : ( 004 1) 41329 2204 . E-Mai I. PM (.illeser service.ch Pre ise für ein Jahresabonnement in USA. Kanada und dem übrigen Ausland auf Anfrage

Toronto .

BESTELLEN

und dem übrigen Ausland auf Anfrage Toronto . BESTELLEN BESTELLUNG EINZELNER P.M.-AUSGABEN, DEUTSCHLAND UND ÜBRIGES

BESTELLUNG EINZELNER P.M.-AUSGABEN, DEUTSCHLAND UND ÜBRIGES AUSLAND:

P.M .- Versandservice . 20080 Hamburg , Tel .:01805 86 18000 ' . Fax: 01805 8618002 ' E-Ma il: Heft-Service ,aJgu j. de

BESTELLUNG VON P.M.- ARTIKELN (z. B. BÜCHER, CDs):

Österreich: P.M.-Versandservice 50/ 001 Postfach 5000, 1150 Wien

Tel.: (0049) 180 506 2000. Fax: (0049) 180 E-Ma il: se r viceCiVguj.com

508 2000

Schweiz:

P.M. -Versandservice

50 / 001

Postfach 1002.1240 Genf 42 Te l.: (0049) 180 506 2000. Fax: (0049 ) 180

508 2000

E-Mai l: se r vice :iVguj.com Deutschland u. übriges Ausland: P.M. - Versands er v ice Werner-Haas-Str. 5. 74172 Neckarsulm Tel.: 01805062000' .Fax: 01805082000' E-Mail: service@guj.com Nur gegen Zahlung per Kreditkarte zzg l. 2.56 Versandkostenan- teIl für Hefte, fur übr ige Artike l (6 .14 ISSN - Nr.: 01 76 - 415

SERVICE

LESERBRIEFE zu P.M .- BEITRÄGEN:

Anschrift: P.M.-Magazin

Welhenstephaner Straße 7, 81673

Te1:( 089 ) 4152 721. Fax: (089) 415 2 565 E-Mail: k ontakt@pm-magazin.de Internet: www.pm-magazin.de TARIFANFORDERUNGEN ANZEIGEN:

Anschrift: P.M. - Magazin Weihenstephaner Straße 7. 81673 München Te l.: (089) 4152 634 . Fa x: (089) 4152 492 E-Mai l: pa tschkowski.anita@guj .de LÖSUNGSWORT ZUM KREUZWORTRÄTSEL:

Anschrift: P.M.-Rätsel. Postfach 430 764, 80737 München Fax: (089) 4152 500

E-Mall : raetsel~ pm-magazin .de

NACHDRUCKRECHTE TEXT UND BILD:

Anschrift: Picture Press Blld- und Textagentur 20444 Hamburg TeL: (040) 3703 2581. Fax: (040) 37035694 E-Mail: galatis.betina@picturepress.de

München

* 14 Cent/Mln. aus dem dt. Festnetz. max. 42 Cen t/ Mln. aus dem dt. Mobllfunknetz.

05 / 2010 PM 93

er vor gut 500 Jahren in deut- schen Landen rechnen konnte, war ein gemach- ter Mann. Mit Arithmetik - ge- nauer gesagt, mit den Grundre- chenarten Addieren, Subtrahieren, Dividieren und Multiplizieren - ließen sich gute Geschäfte machen:

Jung und Alt drängte in die Lehr- räume der Rechenmeister. Aber wo es boomt, gedeihen auch Neid, Zank und üble Nachrede. Nehmen wir den Rechenmeister Ulrich Wagner, der damals mit sei- ner Frau Kunigund und Sohn Hans am Hefnerplatz in Nürnberg lebte. Er betrieb eine Privatschule und war Autor des Bestsellers »Kauf- männisches Rechenbuch «. Sein Buch ging 1483 über den Tisch wie Nürnberger Lebkuchen. Die Wagner-Familie hätte in Frieden und bescheidenem Wohl- stand leben können, wäre da nicht lästige Konkurrenz gewesen: Mi- chael Jöppel und Ruprecht Kolber- ger, ebenfalls Rechenmeister, be- trieben ihre eigenen Schulen in der Stadt. Jeder versuchte, die beiden anderen öffentlich schlechtzuma- chen und das ganze Geschäft an sich zu reißen. Ihre endlosen gegen- seitigen Verleumdungen sind noch heute in den Ratsprotokollen dieser fernen Zeit nachzulesen. Eigentlich eine alberne Rivalität. Denn die Nachfrage nach »Rech- nen « war ja mehr als eine Mode. Nürnberg war im 15. Jahrhundert eine rege Handelsstadt: Es lohnte sich, das Einmaleins zu beherr- schen. Vorher hatten viele Men- schen in Deutschland gar keinen Grund, das Rechnen zu erlernen. Es gab so gut wie nichts zu errech- nen. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Kaiserreichs kam der Handel zum Erliegen. Bald lebte man auf seiner Scholle mehr oder weniger autark; was man

selbst nicht herstellte, erwarb man vom Nachbarn per Tauschgeschäft. Und wenn es mal etwas zu errech- nen gab, reichten meist Finger und Zehen oder ein Rechenbrett. Das änderte sich, nachdem Papst Urban 11. 1096 zum Kreuzzug auf- gerufen hatte: Aus ganz Europa strömten Armeen in Richtung Hei- liges Land. Aber man stieß im Ori- ent nicht nur auf einen Feind, son- dern auch auf schöne, exotische Waren. Schnell kam der Handel wieder in Gang. Genua, Venedig und Pisa waren die ersten Städte, die Handelsflotten ausschickten. Doch Erfolg im Handel hatte Erfolg im Rechnen zur Vorausset- zung. Zunächst bedienten sich die Kaufleute der Techniken der alten Römer: Sie arbeiteten mit Rechen- brett und römischen Zahlen: I, II, III, IV usw. Antikes Rechnen er- wies sich aber zum Beispiel beim Errechnen von Zinsen und Pro- zenten als sehr umständlich.

BEI IHREN MUSLIMISeHEN Handels-

partnern lernten die Kaufleute eine einfachere Methode kennen. Um das Jahr 830 hatte der persische Mathematiker Muhammad ibn Musa al-Hwarizmi aus Bagdad in alten indischen Manuskripten ein exotisches Rechensystem entdeckt, das alle Zahlen mit nur zehn Zif- fern (I, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 0)

darstellen konnte. Wir wenden es noch heute an - als »arabische Zahlen«. Die Europäer lernten dieses Sys- tem um das Jahr 1200 durch ein Buch des Leonardo Fibonacci aus Pisa kennen. Er war in der alge- rischen Hafenstadt Bugea aufge- wachsen und hatte eine musli- mische Schule besucht, wo er die

Rechenkunst mit den arabischen Zahlen lernte. Fibonaccis Buch ~ stieß bei den Kaufleuten in Italien ~ auf großes Interesse. Vor allem, i weil die neuen Zahlen das Errech- ~ nen von Zinsen und das Umrech- ~ nen fremder Währungen und 3~ Maßeinheiten sehr erleichterte. Um das » welsche Rechnen « zu erlernen, schickten Handeltrei- ~~

~~

~~

"'<

\ 'l,.-, c tf."l'lol l cr'l"j~r.,n~~~~ttW ~N ~ QttI'•• 7ßefl'tmU , T., rii UftI •

\ 'l,.-,

c

tf."l'lol l cr'l"j~r.,n~~~~ttW

~N ~ QttI'•• 7ßefl'tmU

, T., rii

UftI • 7ft'r~mirt-l1An.l 6 ~~IP

'1 CV,i&?~tltdi fUrtJ( tJ ma

"J,Q."" ••~-",mT'1b

reD'

Der Italiener

Leonardo

Fibonacci (I.):

Er schrieb um 1200 das erste Buch über die neue Rechen- kunst (daneben). Es wurde zur Arbeits- und

Geschäfts-

grundlage der

Kaufleute

seiner Zeit

bende aus Nürnberg, Augsburg und Regensburg ihre Söhne nach Italien, wo es Rechenmeister und Rechenschulen gab. Umgekehrt gelangte das neue Rechensystem mit den italienischen Kaufleuten über die Alpen nach Norden, Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich die ersten Rechenmeister in Deutschland etablieren würden.

Es waren vermutlich Privatlehrer, die in verschiedenen Städten kleine »Winkelschulen« eröffneten. In den damaligen Domschulen hinge- gen war das Rechnen eher verpönt: