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Wichtige Hinweise an alle Leser:


Dieses Werk soll allen Steuerzahlern helfen, ihre Abgabenlast in dem unvermeid-
baren, von den Steuergesetzen abgesteckten Rahmen zu halten. Zu diesem Zweck
wurde die vorliegende Ausgabe wieder sorgfältig bearbeitet und an die aktuellen
Änderungen angepasst. Berücksichtigt wurde das Einkommensteuergesetz 2007,
zuletzt geändert durch das Unternehmenssteuerreformgesetz vom 6. 7. 2007. Fer-
ner wurden Schreiben des Bundesministeriums der Finanzen, die Rechtsprechung
des Bundesfinanzhofs und der Finanzgerichte nach dem Stand bis zum 31. 5. 2007
einbezogen.
Die Tricks und Tipps sind durch eine Vielzahl von Quellenhinweisen belegt, vorzugs-
weise wird dabei auf Veröffentlichungen im »Bundessteuerblatt« und den »Entschei-
dungen der Finanzgerichte« verwiesen. Gleichwohl kann eine Garantie für die Rat-
schläge nicht übernommen werden, zumal es in der Natur der Sache liegt, dass sich
nach einiger Zeit Widerstand des Fiskus regt, wenn er seine Felle davonschwimmen
sieht. Eine Haftung des Autors oder des Verlags ist ausgeschlossen.
Tipps, die auch Gewerbetreibenden und selbständig Tätigen helfen können,
sind durch ein S besonders gekennzeichnet.
Steuersparende Hinweise zum geschickten Ausfüllen der Formulare für die Steuer-
erklärung 2007 gibt KONZ Das Arbeitsbuch zur Steuererklärung (Knaur TB 78050).

Konz-Steuertipps – clever Steuern sparen!


Ab sofort steht das Konz-Steuerforum allen ratsuchenden Lesern auf der Internetseite
www.konz-steuertipps.de rund um die Uhr offen. Wichtige Neuigkeiten werden fort-
laufend in das Steuerforum eingestellt, denn »nichts kann so teuer werden wie das
Wissen von gestern«. Also, reinschauen lohnt sich!

78049-7_s001-816.indb 1 28.08.2007 14:27:57 Uhr


»Aber der Staat lügt in allen Zungen
des Guten und Bösen; und was er auch
redet, er lügt – und was er auch hat,
gestohlen hat er’s.
Ach, auch in euch, ihr großen Seelen,
raunt er seine düsteren Lügen!«
Friedrich Nietzsche

Über den Autor:


Kaum hat der Fiskus wieder eine von Franz Konz aufgetane Lücke in seinem dichten
Steuernetz geschlossen, schon hat Franz Konz für seine Leser wieder neue Tricks
ausgetüftelt, mit denen er Finanzämter und Finanzgerichte seit mehr als 20 Jahren
zur Verzweiflung treibt. Wie es einmal ein Leser seiner über 7 Millionen großen An-
hängerschar formuliert hat:
»Franz Konz ist der einzige Fachbuchautor, bei dem man bis ins Innerste spürt,
dass er seinen Lesern unbedingt helfen und beistehen will. Was er uns jedes
Jahr aufs neue beweist.«
Franz Konz war Steuerinspektor, Steuerberater und Revisor bei Wirtschaftsprüfungs-
gesellschaften und Verbänden, als solcher bestens vertraut mit allen Steuerfragen.
Heute ist er ein kompetenter Ratgeber und Kämpfer für den gebeutelten Steuer-
zahler.

78049-7_s001-816.indb 2 28.08.2007 14:27:58 Uhr


Franz Konz

KONZ
2008

1000 ganz legale


Steuertricks

Der erfolgreichste Steuerratgeber Deutschlands


im 24. Jahr

Knaur Taschenbuch Verlag

78049-7_s001-816.indb 3 28.08.2007 14:27:58 Uhr


Besuchen Sie uns im Internet:
www.knaur.de

Völlig überarbeitete Neuausgabe 2008 für das Jahr 2007


und die zurückliegende Steuererklärung
Copyright © 1984/2007 Knaur Taschenbuch.
Ein Unternehmen der Droemerschen Verlagsanstalt
Th. Knaur Nachf. GmbH & Co. KG, München.
Alle Rechte vorbehalten. Das Werk darf – auch teilweise –
nur mit Genehmigung des Verlags wiedergegeben werden.
Umschlaggestaltung: fpm foto product münchen
Satz: Setzerei Vornehm GmbH, München
Druck und Bindung: Ebner & Spiegel, Ulm
Printed in Germany

ISBN 978-3-426-78049-7

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78049-7_s001-816.indb 4 28.08.2007 14:27:58 Uhr


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Vorwort
Wortbruch als Politikprinzip!
An sich haben wir uns ja schon längst daran gewöhnt, dass Politiker ihre voll-
mundigen Versprechen, die sie einmal gegeben haben, nicht einhalten. Gerade
Erleichterungen bei der Steuer sind uns allen schon so oft versprochen, aber so
selten realisiert worden, dass es kaum noch jemanden wundert, wenn wieder
einmal ein Finanzminister wortbrüchig wird. Trotz ergiebig sprudelnder Steuer-
quellen macht der Bundesfinanzminister keinerlei Anstalten, ungerechte Steu-
ernachteile bei denjenigen zu beseitigen, die ihm diesen Geldsegen beschert
haben. Statt sich von der verfassungswidrigen Kürzung der Pendlerpauschale
und der Arbeitszimmerkosten zu verabschieden, hält Herr Steinbrück bockbei-
nig daran fest und schustert lieber den großen Konzernen über eine Absenkung
der Körperschaftsteuer auf lächerliche 15 % weitere Steuermilliarden zu.
Aber auch Privatleute mit hohen Kapitaleinkünften werden ab 2009 kräftig
subventioniert. Während derjenige, der seine Brötchen mit seiner Hände Arbeit
verdient, davon einen Steuerobolus von bis zu 42 % entrichten muss, dürfen sich
die Eigner großer Kapitalvermögen darüber freuen, dass sie – wenn sie ihre
Steuern dafür überhaupt in Deutschland zahlen – nur noch mit lächerlichen
25 % zur Kasse gebeten werden. Diese als »Abgeltungssteuer« bezeichnete Mo-
gelpackung greift doch wieder in erster Linie nur denjenigen in die Geldbörse,
die es sich nicht leisten können oder wollen, ihr Geld ins Ausland zu schaffen
und dort dem Blick und Zugriff des deutschen Fiskus zu entziehen.
Richtig unverschämt und dreist ist aber der Wortbruch der Finanzpolitiker beim
Kontenabruf. Vollmundig hatten sie uns versprochen, dass mit Einführung der
Abgeltungssteuer die unselige Kontenschnüffelei endlich wieder ein Ende hat
– aber mitnichten. Jetzt haben wir ab 2009 beides: Abgeltungssteuer und Kon-
tenabruf mit einigen wenigen kosmetischen Korrekturen. Auch das Bundesver-
fassungsgericht ist hier schlicht eingeknickt. Statt den nahezu unkontrollierten
Zugriff der Finanzämter auf die Daten rund um unsere Bankkonten zu stoppen,
hat es mit großzügigen Fristen nur an einigen unbedeutenden Stellen klarere
Bestimmungen für den Zugriff gefordert. Und diese hat der Fiskus – dank der
Devise, dass Papier ja geduldig ist – dann auch schnell geliefert. Da wünsche ich
mir doch die glorreichen Zeiten von Paul Kirchhof zurück, der als Verfassungs-
richter dem Fiskus so manche ungerechte und verfassungwidrige Regelung um
die Ohren gehauen hat.
Liebe Leser, seien wir also gespannt darauf, welche Nettigkeiten der Fiskus in
Zukunft für uns bereithält, und jederzeit auf der Hut davor, in kostspielige
Steuerfallen zu tappen.

Ihr
Franz Konz

78049-7_s001-816.indb 5 28.08.2007 14:27:58 Uhr


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Steuervorschau und wichtige Nachrichten vorab

Kontenabruf ist verfassungsgemäß


Das Bundesverfassungsgericht hat den Kontenabruf für weitgehend verfas-
sungsgemäß erklärt und damit die staatliche Kontenschnüffelei sowohl für die
Vergangenheit als auch in Zukunft abgesegnet.

Die Banken müssen also weiterhin dem Fiskus die sogenannten Kontostamm-
daten wie Name, Adresse des Kontoinhabers und aller Verfügungsberechtigten,
Datum der Eröffnung bzw. der Schließung des Kontos zur Verfügung stellen,
die dieser in einer zentralen Datenbank speichert. Diese Kontoinformationen
können dann weiterhin nicht nur die Finanzämter für steuerliche Zwecke jeder-
zeit einsehen, sondern auch die Arbeitsagentur, die Sozial- und Wohngeldämter
sowie das BAföG-Amt.

Während der Zugriff des Fiskus in Bausch und Bogen von den Karlsruher Rich-
tern abgesegnet wurde, fanden diese den uneingeschränkten Zugriff durch die
Sozialbehörden nicht in Ordnung, weil die Regelungen dazu zu ungenau und
nebulös waren. Statt diesen Teil der Kontenschnüffelei aber nun zu verbieten,
lässt das Verfassungsgericht bis 31. 5. 2008 die Schnüffelei ohne Einschrän-
kungen weiter zu, wenn bis dahin das Gesetz zum Kontenabruf genauer formu-
liert wird.

Diese Galgenfrist hat der Fiskus sofort genutzt und am Rande der Unterneh-
menssteuerreform 2008 ein wenig Formulierungskosmetik betrieben. Im Prin-
zip bleibt aber auch danach die ausgeprägte Kontenschnüffelei weiter bestehen.
Der Fiskus muss Dich über die Abfrage noch nicht einmal vorher informieren.
Etwas anderes gilt allerdings für die Sozialbehörden. Vor einem Kontenabruf
müssen diese Dich auf jeden Fall erst einmal um Auskunft zu Deinen Konten
und Vermögensverhältnissen befragen. Bevor dann Deine Konten ausgespäht
werden, musst Du ausdrücklich auf die Möglichkeit des Kontenabrufs hinge-
wiesen werden. Aber Vorsicht, dieser Hinweis wird häufig in irgendwelchen
Merkblättern oder Formularen im »Kleingedruckten« versteckt. Nach einem
Kontenabruf müssen Dich die Sozialbehörden darüber informieren. Ausnah-
men von diesen Informationspflichten gibt es nur in ganz besonderen Fällen,
wenn dadurch zum Beispiel die Festsetzung oder Rückforderung von Sozial-
leistungen gefährdet würde oder gar die öffentliche Sicherheit und Ordnung in
Gefahr geriete.

78049-7_s001-816.indb 7 28.08.2007 14:27:59 Uhr


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Steuervorschau und wichtige Nachrichten vorab

Wie Du siehst, hat Vater Staat mit solch einem Gummiparagraphen weiterhin
alle Möglichkeiten, mit oder ohne Dein Wissen die Kontenschnüffelei weiter zu
betreiben.

Ausbau der Förderung von Ehrenamt und


gemeinnütziger Arbeit
Noch für das Jahr 2007 soll die steuerliche Förderung von ehrenamtlicher und
gemeinnütziger Arbeit verbessert und der Spendenabzug angehoben werden.
Im Einzelnen ist dazu Folgendes geplant:

● Der Übungsleiterfreibetrag soll von 1 848 € auf 2 100 € jährlich angehoben


werden.
● Für nebenberufliche Arbeit im Dienste öffentlicher Institutionen oder ge-
meinnütziger Vereine, für die der Übungsleiterfreibetrag nicht greift, wird ein
Freibetrag von 500 € eingeführt. Unter diese Befreiung fallen dann zum Bei-
spiel die Honorare des nebenberuflichen Kirchenmusikers oder die Vergü-
tungen des nebenberuflichen Platzwartes im Sportverein etc.
● Der Abzug von Spenden und Mitgliedsbeiträgen an gemeinnützige Organi-
sationen soll auf bis zu 20 % des Gesamtbetrages der Einkünfte (bisher
maximal 10 %) oder alternativ 4 Promille der Umsätze und Löhne eines Un-
ternehmens (bisher 2 Promille) angehoben werden. Nach wie vor nicht ab-
setzbar bleiben allerdings die Mitgliedsbeiträge an Sportvereine und Vereine,
die zwar gemeinnützig sind, sich aber vorrangig der kulturellen Freizeitge-
staltung der Heimat- und der Brauchtumspflege widmen. Damit kannst Du
auch weiterhin die Mitgliedsbeiträge für den Gesangsverein, den Karnevals-
verein, den Schützenverein oder den Kleingartenverein nicht absetzen, sehr
wohl aber darüber hinausgehende Spenden.
● Spenden an eine öffentliche oder gemeinnützige Stiftung sollen auf 10 Jahre
verteilt mit jährlich bis zu 1 Mio. € insgesamt, also mit 10 Mio. € abzugsfähig
sein.
● Den Plan, für die unentgeltliche Pflege von Alten, Kranken und Behinderten
im Dienste einer öffentlichen oder gemeinnützigen Institution einen Steuer-
abzugsbetrag von 300 € im Jahr einzuführen, hat der Gesetzgeber leider wie-
der fallengelassen.
● Der vereinfachte Spendennachweis durch Vorlage von speziell für Spenden-
zwecke aufgelegte Überweisungsvordrucke der Bank soll künftig für Spen-

78049-7_s001-816.indb 8 28.08.2007 14:27:59 Uhr


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Steuervorschau und wichtige Nachrichten vorab

den bis zu 200 € (bisher 100 €) möglich sein. Bei darüber hinausgehenden
Spenden benötigst Du nach wie vor eine förmliche Spendenbestätigung des
Empfängers.

Anteilsverfahren beim Lohnsteuerabzug


für Ehegatten
Dahinter verbirgt sich die geplante Einführung einer Alternative zur Steuer-
klassenkombination III/V vor allem für Ehegatten, die stark unterschiedlich
verdienen. Der Nachteil der Steuerklassenkombination III/V liegt darin, dass
fast alle Freibeträge dabei auf die Steuerklasse III entfallen. Der regelmäßig
sowieso schon schlechter verdienende Ehepartner in Steuerklasse V wird da-
durch zusätzlich gebeutelt, weil er auch noch ohne Ende bei der Lohnsteuer zur
Kasse gebeten wird und nach Abzug von Steuern und Sozialversicherung nur
ein jämmerlicher Hungerlohn übrigbleibt.

Um hier Besserung zu schaffen, sieht das Anteilsverfahren vor, dass bei Ehegat-
ten schon im Lohnsteuerverfahren die gemeinsamen Freibeträge im Verhältnis
der jeweiligen Arbeitslöhne untereinander aufgeteilt werden, so dass künftig
auch der geringer verdienende Partner in den Genuss von Steuerermäßigungen
kommt.

Der Pferdefuß bei der Angelegenheit ist aber, dass auf Deiner Steuerkarte vom
Finanzamt bescheinigt wird, wie hoch Dein prozentualer Anteil am zusammen-
gerechneten Arbeitslohn beider Ehepartner ist. Dein Arbeitgeber kann somit
an fünf Fingern abzählen, was Dein Ehepartner verdient.

Unter dem Strich zahlt Ihr durch das Anteilsverfahren auch nicht endgültig we-
niger an Steuern. Die Zahlungen werden lediglich im laufenden Jahr anders
zwischen den Eheleuten verteilt. Was Du gegenüber der Steuerklasse V netto
mehr bekommst, hat Dein Ehegatte zwangsläufig weniger auf dem Konto.

Elektronische Steuerkarte
Spätestens ab 2010 soll die Papierlohnsteuerkarte durch einen elektronischen
Datensatz ersetzt werden. Bislang benötigt Dein Arbeitgeber die Steuerkarte,

78049-7_s001-816.indb 9 28.08.2007 14:27:59 Uhr


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Steuervorschau und wichtige Nachrichten vorab

um bei der Lohnsteuerberechnung die zutreffende Steuerklasse, Kinderzahl,


Religionszugehörigkeit und eventuelle Freibeträge berücksichtigen zu können.
In Zukunft sollen diese Daten in einer zentralen Datenbank gespeichert wer-
den. Statt der Steuerkarte teilst Du Deinem Arbeitgeber dann nur noch Deine
sogenannte Personenidentifikationsnummer (= bundeseinheitliche unverän-
derliche Steuernummer) mit, die zurzeit vom Bundeszentralamt für Steuern für
jeden Steuerzahler vergeben wird. Mit Hilfe dieser Nummer kann Dein Arbeit-
geber dann aus dieser zentralen Datenbank Deine »elektronische Lohnsteuer-
karte« abrufen. In dieser Datenbank werden dann auch eventuelle Freibeträge
wegen erhöhter Werbungskosten, außergewöhnlicher Belastungen, Behinde-
rung etc. gespeichert. Das lästige und antiquierte Verfahren mit dem bunten
Lohnsteuerkarten-Pappkarton ist dann Vergangenheit. Andererseits ist auch
das wieder ein zusätzlicher Schritt in Richtung Orwells großem Bruder. Wir
dürfen gespannt sein, wie der Fiskus verhindern will, dass Unbefugte auf Deine
elektronische Lohnsteuerkarte Zugriff nehmen, indem sie sich einfach als Dein
neuer Arbeitgeber ausgeben.

Bewirtungskosten
Den Abzug von Kosten für Kundenbewirtungen und Geschenke kann Dir das
Finanzamt künftig nicht mehr allein damit streitig machen, dass Du keine va-
riablen vom Gewinn bzw. Umsatz abhängigen Gehaltsbestandteile hast (BFH-
Urteil vom 24. 5. 2007 – VI R 78/04).

Zusammenveranlagung im Trennungsjahr
Gute Nachrichten für alle, die sich von ihrem Ehepartner getrennt haben und
für das Trennungsjahr Schwierigkeiten hatten, die Zustimmung für eine Zusam-
menveranlagung mit Splittingtarif vom ehemaligen Partner zu bekommen. Für
das Trennungsjahr kann der ehemalige Partner die Zustimmung auch dann
nicht verweigern, wenn er selbst eigene Einkünfte hatte oder Lohnsteuer ge-
zahlt hat. Voraussetzung ist allerdings, dass Du eventuelle Steuernachzahlungen,
die ansonsten beim ehemaligen Partner nicht angefallen wären, komplett über-
nimmst und weitere steuerliche Nachteile allerdings erst für die Monate ab der
Trennung ausgleichst (BGH-Urteil vom 23. 5. 2007 – XII ZR 250/04).

78049-7_s001-816.indb 10 28.08.2007 14:28:00 Uhr


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Steuervorschau und wichtige Nachrichten vorab

Allerdings musst Du trotz dieses Urteils des Bundesgerichtshofs im Zweifelsfall


die Zustimmung zur Zusammenveranlagung durch den ehemaligen Partner zi-
vilrechtlich durchsetzen. Das Finanzamt hilft Dir da weiterhin nicht, wenn der
ehemalige Partner eigene Einkünfte hatte bzw. von seinen Einkünften Lohn-
steuer, Kapitalertragsteuer oder Zinsabschlagsteuer einbehalten wurde.

78049-7_s001-816.indb 11 28.08.2007 14:28:00 Uhr


78049-7_s001-816.indb 12 28.08.2007 14:28:00 Uhr
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Inhalt

Die mit S markierten Textpassagen gelten auch für Selbständige Seite

I. Allgemeine Steuertipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23
S 1. Steuervergünstigungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 23

S 2. Die Jahres-(Abschnitts-)Besteuerung, die Einkommensteuer-


progression und das Existenzminimum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24
Steuerfreistellung des Existenzminimums . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 24

S 3. Wie hoch ist meine Steuerersparnis? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 25

S 4. Steuerbelastungstabellen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 26
5. Arbeitnehmersparzulagen – Bausparbeiträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 28

S II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?. . . . . . . . . . . . . . . 35


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 35
2. Abfindungen aus dem Dienstverhältnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 68
3. Reisekostenersatz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 71
4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte – Fahrgelder. . . . . . . . 71
5. Firmenwagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 75
6. Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit . . . . . . . . . . . . . 88
7. Pauschalierung der Lohnsteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
a) Allgemeiner Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 94
b) Möglichkeiten zur Pauschalierung der Lohnsteuer . . . . . . . . . . . . . 95
c) Kirchensteuer bei Pauschalierung der Lohnsteuer . . . . . . . . . . . . . . 98
d) Solidaritätszuschlag bei Pauschalierung der Lohnsteuer . . . . . . . . . 99
8. Altersversorgung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 108
9. Die Riester-Förderung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 117

III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121


1. Werbungskosten – Deine Berufskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 121
2. Reisekosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 122
3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und
Fahrtätigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 123
a) Verpflegungsmehraufwand bei Dienstreisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 125
b) Verpflegungsmehraufwand bei vom Arbeitgeber gestellter
Verpflegung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 128
c) Reisekosten bei längeren Dienstreisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 130
d) Werbungskosten bei Fahr- oder Einsatzwechseltätigkeit . . . . . . . . . . 136
e) Fahrtkosten bei Dienstreisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 141
f) Übernachtungskosten und Reisenebenkosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . 151

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14 Inhalt

4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155


a) Die Entfernungspauschale . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155
b) Autodiebstahl oder Unfall . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
c) Gemeinsame Fahrten von Eheleuten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 168
d) Fahrtkosten bei Einsatzwechseltätigkeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 169
e) Fahrgemeinschaften . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 173
f) Egal, wem das Auto gehört? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174
g) Hast Du mehr als eine Wohnung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 174
5. Häusliches Arbeitszimmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176
a) Ganz oder gar nicht, so lautet die Devise . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 176
b) Die Abzugsbeschränkungen
beim Arbeitszimmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177
c) Wie prüft das Finanzamt, ob es bei Dir überhaupt
ein Arbeitszimmer anerkennt? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 188
d) Arbeitsmittel im häuslichen Arbeitszimmer. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
e) Was kannst Du für Dein Arbeitszimmer absetzen? . . . . . . . . . . . . . 192
6. Das strittige Problem der Berufskleidung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 198

S 7. Die Kosten für Deine Fortbildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 207

S 8. Bei Studienreisen heißt es aufpassen! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 221


9. Hilfe durch Arbeitsmittel . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 231
a) In welcher Höhe sind Deine Aufwendungen
abziehbar?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 232
b) Welche Arbeitsmittel gehen beim Fiskus durch? . . . . . . . . . . . . . . . . 237
10. Welche Telefongebühren sind absetzbar? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 251
11. Umzugskosten: Was gibt das Finanzamt dazu?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 253
12. Doppelte Haushaltsführung und was alles
an Mehrausgaben dazugehört . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 264

IV. Der Lohnsteuerabzug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283


1. Die Steuerkarte und die Steuerklassen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 283
2. Ab welchem Verdienst bin ich überhaupt
steuerpflichtig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 284
3. Frei- und Pauschbeträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 285
4. Wähle die Steuerklasse richtig, wenn Du und
Dein Ehepartner verdienen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 286
5. Mehrere Arbeitsverhältnisse . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 290

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Inhalt 15

V. Lohnsteuerermäßigung durch Freibetrag


auf der Lohnsteuerkarte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 293

VI. Mach in der Einkommensteuererklärung


alles geltend . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 297
1. Das Verfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 297
2. Wann musst Du als Lohnsteuerzahler Belege beibringen?. . . . . . . . . 305

VII. Nebeneinkünfte – Veranlagung von Arbeitnehmern. . . . . . 309


1. Wann musst Du als Arbeitnehmer eine Steuererklärung
beim Finanzamt abgeben?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 309
2. Abgabetermin für die Steuererklärung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311
S 3. Wie verhalte ich mich geschickt
bei Nebeneinkünften? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 311

VIII. Sonderausgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319


1. Was sind Sonderausgaben? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319
2. Vorsorgeaufwendungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 319
a) Was sind Vorsorgeaufwendungen und welche
sind steuerlich interessant? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 320
b) Was kannst Du von Deinen Vorsorgeaufwendungen höchstens
absetzen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 323
3. Die übrigen Sonderausgaben . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 337
a) Unterhaltsleistungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 337
b) Renten und dauernde Lasten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 341
c) Kirchensteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 348
d) Steuerberatungskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 349
e) Ausbildungskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 350
f) Private Spenden (§ 10 b EStG) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 354
g) Schulgeld an Ersatz- oder Ergänzungsschulen
(§ 10 Abs. 1 Nr. 9 EStG). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 362

S IX. Außergewöhnliche Belastungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 363


A. Außergewöhnliche Belastungen im Allgemeinen . . . . . . . . . . . . . . . . 363
1. Auch Du bist außergewöhnlich belastet . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 363
2. Das sind Krankheitskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 369
a) Kosten für Medikamente, Heil- und Hilfsmittel . . . . . . . . . . . . . . . . 370
b) Krankheitsbedingte Fahrtkosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 372
c) Kosten für Vorsorgemaßnahmen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 375
d) So heilst Du für immer Deine Krankheiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 377
e) Erweiterte Krankheitskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 384
f) Pflegekosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 388

78049-7_s001-816.indb 15 28.08.2007 14:28:01 Uhr


16 Inhalt

3. Wann ist die Beschaffung von Hausrat und Bekleidung


steuerlich abzugsfähig? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 393
4. Ein freudiges Ereignis? Jedenfalls für die
Steuervergünstigung! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 397
5. Wann bekomme ich eine Steuervergünstigung wegen
Kurkosten? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 397
6. So bringst Du Prozess- und Anwaltskosten bei der Steuer
unter. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 402
7. Steuervergünstigung beim Tod eines Angehörigen . . . . . . . . . . . . . . . . 404
8. Wann und wie sind Scheidungskosten abzugsfähig? . . . . . . . . . . . . . . 406
9. Abc-Übersicht zu außergewöhnlichen Belastungen . . . . . . . . . . . . . . 409
B. Außergewöhnliche Belastungen in besonderen Fällen . . . . . . . . . . . . 417
1. Was man wissen muss, wenn man jemanden unterstützt . . . . . . . . . . . 417
2. Unterhaltsleistungen an Wehrpflichtige, denen kein Kinder-
freibetrag mehr zusteht . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 425
3. Ausbildungsfreibetrag für Kinder (§ 33 a Abs. 2 EStG) . . . . . . . . . . . 426
4. Haushaltshilfen, haushaltsnahe Beschäftigung
und Dienstleistung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 429
5. Pauschbeträge für Behinderte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 444
6. Pflegepauschbetrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 452

S X. Steuervergünstigungen für Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 455


1. Kindergeld/Kinderfreibetrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 455
a) Überblick zum Familienleistungsausgleich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 455
b) Kinder . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 456
c) Kinderfreibetrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 465
d) Auslandskinderfreibetrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 466
e) Übertragung von Kinderfreibeträgen/Betreuungsfreibeträgen . . . . 466
f) Entlastungsbetrag für Alleinerziehende . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 468
g) Kindergeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 470
2. Was steht Dir außerdem noch zu? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 473
a) Kapital übertragen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 473
b) Entgeltliche Mitarbeit des Kindes mit Steuerklasse I . . . . . . . . . . . . 478
3. Kinderbetreuungskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 481
a) Erwerbsbedingte Kinderbetreuungskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 481
b) Kinderbetreuungskosten bei Ausbildung, Behinderung
oder Krankheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 484
c) Kinderbetreuungskosten für Kindergartenkinder . . . . . . . . . . . . . . . 486
d) Welche Kosten kannst Du absetzen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 487
e) Nachweis der Kinderbetreuungskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 487

S XI. Steuerersparnisse durch Hausbesitz und Bauen . . . . . . . . . . . . . 491


1. Allgemeines . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 491
2. Wohnraumförderung durch Eigenheimzulage . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 492

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Inhalt 17

2.1 Objektbeschränkung – Objektverbrauch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 492


2.2 Wie kommst Du an die Eigenheimzulage? . . . . . . . . . . . . . . . . . 493
3. Einkünfte aus vermietetem Hausbesitz . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 495
3.1 Gebäudeabschreibung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 495
3.2 Herstellungskosten – Anschaffungskosten – laufende
Hauskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 497
3.3 Sonstiges zu den Werbungskosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 503
3.4 Was Du als Vermieter unbedingt über die Haus-
modernisierung wissen musst . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 505
3.5 Mit Reparaturen eine höhere Steuer-
ersparnis erlangen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 511
3.6 Die Kosten vor dem Bau oder Kauf eines Hauses . . . . . . . . . . . 514
3.7 Reparaturkosten bei der selbst genutzten Immobilie . . . . . . . . 516
3.8 Vermietung möblierter Zimmer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 516
3.9 Vermietung von Ferienwohnungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 521
3.10 Woran Du als Vermieter sonst noch denken solltest . . . . . . . . . . 521
3.11 Wenn nahe Angehörige in Deinem Haus wohnen . . . . . . . . . . . 532
3.12 Du hast Dein Haus verkauft?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 541
4. Finanzierungsfragen – Besonderheiten zum Abzug von Zinsen . . . . 542

XII. Sonstige Einkünfte


(Renten, Unterhalt, Spekulationsgewinne) . . . . . . . . . . . . . . 547
1. Einkünfte aus wiederkehrenden Bezügen (Renten) . . . . . . . . . . . . . . 547
1.1 Altersversorgung durch Rente. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 547
1.2 Altersversorgung aus Pensionen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 557
1.3 Alterseinkünfte sind noch steuerbegünstigt . . . . . . . . . . . . . . . . . 558
1.4 Wieviel darfst Du als Rentner nebenbei verdienen,
ohne Deine Rente zu gefährden? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 563
1.5 Wann bin ich bei einer Nebenarbeit von der Sozial-
versicherung befreit? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 564
2. Einkünfte aus Unterhaltsleistungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 567
3. Einkünfte aus privaten Veräußerungsgeschäften
(§ 23 EStG) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 569
3.1 Spekulationssteuer bei Immobilienverkauf . . . . . . . . . . . . . . . . . 569
3.2 Spekulationssteuer bei Aktiengeschäften. . . . . . . . . . . . . . . . . . . 569

XIII. Kapitaleinkünfte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 571


1. Versteuerung von Kapitaleinkünften
(Zinsen und Dividenden) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 571
Allgemeiner Überblick . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 571
2. Sparerfreibetrag, Werbungskostenpauschbetrag . . . . . . . . . . . . . . . . . 573
3. Steuerabschlag (Kapitalertragsteuer) . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 575
4. Freistellungsauftrag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 577
5. Nichtveranlagungsbescheinigung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 579

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18 Inhalt

6. Zinsen und ähnliche Erträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 580


a) Zufluss der Zinsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 580
b) Stückzinsen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 582
c) Wechselkursgewinne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 584
d) Zinsen aus Lebensversicherungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 585
e) EU-Zinsrichtlinie oder europaweite
Zinsschnüffelei . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 585
7. Dividenden und ähnliche Erträge . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 587
a) Halbeinkünfteverfahren . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 587
b) Vermeide verdeckte Gewinnausschüttung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 588
c) Spekulationsgewinne . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 588
8. Werbungskosten bei Kapitalvermögen – Was kannst Du
dem Fiskus unterjubeln? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 589
9. Wie komme ich im Alter gut über die Runden? . . . . . . . . . . . . . . . . . 590
10. Was bringt die Abgeltungssteuer ab 2009? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 592

XIV. Gewerbliche und freiberufliche Einkünfte . . . . . . . . . . . . . . 595


1. Überschussrechnung oder Bilanzierung? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 595
2. Einnahmenüberschussrechnung – die Buchführung für alle,
die in kleinem Rahmen selbständig arbeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 596
3. Unternehmensformen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 608
4. Reisekosten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 610
a) Inlandsreisen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 610
b) Auslandsreisen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 611
5. Bewirtungskosten. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 614
6. Vertragsverhältnisse zwischen nahen Angehörigen . . . . . . . . . . . . . . 616
a) Arbeitsvertrag mit dem Ehepartner . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 616
b) Verträge mit eigenen Kindern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 621
c) Verträge mit anderen Familienangehörigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 627
7. Angenehmer arbeiten und dabei Steuern sparen . . . . . . . . . . . . . . . . 633
8. Pass auf, dass man Dir keine Liebhaberei anhängt!. . . . . . . . . . . . . . . 639
9. Abschreibungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 646
10. Ansparabschreibungen für kleinere und mittlere Betriebe
sowie für Freiberufler – die Abschreibung auf Zuruf . . . . . . . . . . . . . 654
11. Vermassele dem Fiskus gänzlich die Tour . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 657
12. Die steuerliche Betriebsprüfung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 665
13. Änderungen durch die Unternehmenssteuerreform 2008 . . . . . . . . . 676

XV. Die anderen Steuern . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 679


1. Die Gewerbesteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 679
2. Die Umsatzsteuer (Mehrwertsteuer). . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 683
3. Die Grundsteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 694
4. Die Grunderwerbsteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 696
5. Die Kirchensteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 698

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Inhalt 19

6. Der Solidaritätszuschlag . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 702


7. Die Ökosteuer . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 703

XVI. Der Umgang mit dem Finanzamt . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 705


1. Das Finanzamt stellt Steueransprüche. Was ist zu tun? . . . . . . . . . . . . 705
2. Einspruchsfrist verpasst! Was ist zu tun?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 706
3. Hast Du vergessen, Ausgaben abzusetzen?. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 710
4. Das Finanzamt mahnt Steuerbeträge an – aber Du hast
keinen Steuerbescheid erhalten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 713
5. So setzt Du Dich beim Finanzamt durch . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 716
6. Deck das Finanzamt mit Belegen ein! . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 723
7. Darf Dich das Finanzamt vorladen? . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 725
8. Darf das Finanzamt Dir die Beweislast übertragen? . . . . . . . . . . . . . . 726

Einkommensteuer- und Splittingtabellen für 2007


und die Vorauszahlungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 729
Stichwortverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 763

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20 Inhalt

Rand-
ziffer Tabellen, die in diesem Buch zu finden sind

5 Steuerbelastungstabellen
10 Übersicht zur Bausparprämie
58 Sachbezugswert für Mahlzeiten
131 Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeitszuschläge
144 Steuersatz der Pauschalkirchensteuer
176 Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwand
201 Nachweis der Kfz-Kosten
292 Reinigungskosten für 1 kg Wäsche
337 Abschreibungstabelle für Arbeitsmittel
397 Berechnungsschema für Umzugskosten
434 Beginn der Lohnsteuerpflicht
439/440 Tabelle zur richtigen Steuerklassenwahl
469 EB-FAGO-Tabelle (Abzug ohne Belege)
479 Steuerfreiheit von Nebeneinkünften
580 Zumutbare Belastung
656 Bezüge eines Bundeswehrsoldaten
680 Pauschbeträge für Behinderte
704 Kindergeld und Kinderfreibeträge
713 Behinderung bei Kindern
732 Düsseldorfer Tabelle (Kindesunterhalt)
737 Kindergeldtabelle
780 Übersicht zur Gebäudeabschreibung
870 Besteuerungsanteiltabelle für Leibrenten
871 Ertragsanteiltabelle
873 Tabelle nach Laufzeit der Rente
875 Rentenbezüge, bis zu denen keine Einkommensteuer anfällt
878 Versorgungsfreibetrag
879 Altersentlastungsbetrag
885 Beitrags- und Entgeltgrenzen für die Sozialversicherung
1003 Degressive Abschreibungssätze
1004 Abschreibungskosten für die Anschaffung von Büromöbeln
1027 Steuerhinterziehung – Geldbußen-Tabelle
1034 Berechnungsschema Gewerbesteuer
1043 Durchschnittssätze für Vorsteuern
1051 Kappungsmöglichkeiten der Kirchensteuer
1057 Solidaritätszuschlag
1063 Prozesskosten vor dem Finanzgericht
1087 Einkommensteuer- und Splittingtabellen für 2007

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21

Abkürzungen

78049-7_s001-816.indb 21 28.08.2007 14:28:03 Uhr


78049-7_s001-816.indb 22 28.08.2007 14:28:04 Uhr
23

Wehe dem Staat, der dem Volk


durch zu hohe Steuern
die Lust am Arbeiten nimmt.
(Steuerprofessor Eugen Schmalenbach,
Universität Köln)

I. Allgemeine Steuertipps
1. Steuervergünstigungen
1 Neben der Verpflichtung zum Zahlen hast Du das Recht, ich meine sogar 1
mS geradezu die Pflicht, Steuervergünstigungen in Anspruch zu nehmen. Die
Steuervergünstigungen werden nicht aus Gnade und Barmherzigkeit gewährt,
sondern stehen Dir gesetzmäßig zu. Steuervergünstigungen holst Du dadurch
heraus, dass Du sie in der Steuererklärung geltend machst. Es sind im Groben:
● Zulagen und Zuschüsse (z. B. Arbeitnehmersparzulage, Riester-Zulage für
die private Altersversorgung),
● steuerfreie Einnahmen,
● berufliche Ausgaben (Werbungskosten bzw. Betriebsausgaben),
● persönliche, aber durch Gesetz begünstigte Aufwendungen in Form von Son-
derausgaben oder
● außergewöhnliche Kosten der privaten Lebensführung (außergewöhnliche
Belastung),
● Inanspruchnahme von Sonderfreibeträgen. Das sind hauptsächlich: Kinder-
freibeträge, Ausbildungsfreibetrag, Freibetrag für Alleinerziehende, Körper-
behindertenpauschbetrag, Pflegepauschbetrag,
● Inanspruchnahme von Kürzungen beim Steuertarif, wie z. B. der Steuerermä-
ßigung für außerordentliche Einkünfte, Steuerermäßigung für hauswirt-
schaftliche Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwer-
kerleistungen, Steuerabzug für Parteispenden,
● Abzug aller betrieblichen Ausgaben,
● Bildung von steuersparenden Rücklagen,
● Verlagerung von Einnahmen (bei Überschussrechnung z. B. einfach die
Rechnung später oder früher ausstellen),
● vertragliche Abmachungen, z. B. Arbeitsverträge, Mietverträge oder Darle-
hensverträge mit Angehörigen,
● Rechtsformänderungen des Unternehmens,
● Auswerten der wichtigsten diesbezüglichen Gesetzeslücken (die Dir der Ver-
fasser hier auftut)

78049-7_s001-816.indb 23 28.08.2007 14:28:04 Uhr


24 I. Allgemeine Steuertipps

Das Steuerrecht ist der sich ständig wiederholende Versuch,


manisch-depressives Irresein als Ausfluss höchster Vernunft darzustellen.
(Der Verfasser)

2. Die Jahres-(Abschnitts-)Besteuerung, die Einkommen-


steuerprogression und das Existenzminimum
2 Die Jahresabschnittsbesteuerung ist eines der grundlegenden Prinzipien 2
mS der Einkommensteuer. Dahinter verbirgt sich die Regelung des § 25 EStG,
nach der die Einkommensteuer im Jahresrhythmus nach dem Einkommen be-
rechnet und erhoben wird, das Du in dem jeweiligen Kalenderjahr bezogen
hast. Für die Höhe der Steuer ist es also unter Umständen entscheidend, in
welchem Jahr Dein Einkommen anfällt. Steigt der Steuersatz, wie im Vergleich
von 2006 zu 2007 durch die sog. Reichensteuer auf Einkommen über 250 000 €/
500 000 € (Alleinstehende/Verheiratete), lohnt es sich für Besserverdiener, Teile
des Einkommens schon 2006 zu besteuern. Wer dagegen als selbständiger Ge-
werbetreibender, Freiberufler oder Landwirt nicht seine kompletten Gewinne
entnimmt, sondern einen Teil im Betrieb stehen lässt, für den lohnt es sich unter
Umständen, Gewinne in die Jahre ab 2008 zu verschieben, da nach der Unter-
nehmensteuerreform für nicht entnommene Gewinne ein Steuersatz von unter
29 % gilt. Gegenüber dem aktuellen Spitzensteuersatz auf Gewinne von 42 %
eine nicht zu verachtende Steuerminderung.
Der Steuersatz in Deutschland ist nicht fest geregelt. Die prozentuale Belastung
Deines Einkommens mit Einkommensteuer wächst mit steigendem Einkom-
men. Man spricht deshalb auch von Steuerprogression. Bei über mehrere Jahre
unveränderten Steuersätzen wirkt sich die Progression vor allem bei schwan-
kenden Einkünften nachteilig aus.
Wie sehr Dir der Fiskus durch die Steuerprogression in die Tasche langt, will ich
Dir an einem Beispiel zeigen: Angenommen, Du bist ledig. Bei einem Einkom-
men von 25 000 € zahlst Du 2007 an Steuern 4 271 €. Das sind 17,08 %. Verdop-
pelt sich Dein Einkommen auf 50 000 €, sind immerhin schon 13 096 € fällig.
Dein Steuersatz beträgt nun schon 26,19 %. Die ganze Misere wird erst so rich-
tig deutlich, wenn Du Dir die Steuerbelastung für die zweiten 25 000 € ansiehst.
Dafür bittet Dich der Fiskus mit sage und schreibe 8 825 € zur Kasse. Das ist
mehr als doppelt so viel wie für die ersten 25 000 € und entspricht einem Steu-
ersatz von 35,30 %. Wichtig ist also, der Steuerprogression die Schärfe zu neh-
men – ihr ganz ausweichen kannst Du nicht.

3 Steuerfreistellung des Existenzminimums 3


Die Steuerfreistellung des Existenzminimums erfolgt bei der Einkommens-
teuer im Wesentlichen über den Grundfreibetrag, bis zu dem keine Einkom-
mensteuer anfällt. Der Grundfreibetrag bei der Einkommensteuer beträgt zur-
zeit:

78049-7_s001-816.indb 24 28.08.2007 14:28:04 Uhr


3. Wie hoch ist meine Steuerersparnis? 25

Jahr Alleinstehende zusammen veranlagte Ehegatten


2006/2007 7 664 € 15 328 €

Durch den Grundfreibetrag und weitere in die Lohnsteuertabellen eingearbei-


tete Freibeträge bleibt 2007 Arbeitslohn in folgender Höhe steuerfrei:
Steuerklasse I/IV II III V VI
Monatslohn 898,57 € 1 031,90 € 1701,40 € 77,24 € 0,57 €
Jahreslohn 10 782,99 € 12 382,99 € 20 416,99 € 926,99 € 6,99 €

Was ärgerst Du Dich groß über die Steuer! Dein Geld ist doch nicht weg – es hat nur ein anderer!
(Unbekannt)

3. Wie hoch ist meine Steuerersparnis?


4 »Wie überschlage ich schnellstens, ob das Finanzamt mir genug erstattet 4
mS hat?«, fragst Du.
Ich gebe Dir dazu ganz einfache Steuerbelastungstabellen (E Rz 5 und E Rz 6)
an die Hand, mit denen sich leicht nachprüfen lässt, ob das Finanzamt richtig
erstattet oder nicht. Mit anderen Worten, ob es die von Dir geltend gemachten
Aufwendungen auch voll anerkannt hat.
Um die Steuerbelastung für Dich als Arbeitnehmer herauszufinden, wenn Du
ausschließlich Arbeitseinkünfte beziehst, verwendest Du die Steuerbelastungs-
tabelle so, dass Du zunächst von Deinem Jahresbruttolohn folgende Beträge
abziehst:
1. Berufliche Aufwendungen (Werbungskosten), bei aktiven Arbeitnehmern
mindestens Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 €. Bist Du Pensionär, reduziert
sich dieser Freibetrag auf 102 €.
2. Sonderausgabenpauschbetrag; wenn Du allein veranlagt wirst von 36 €, bei
Zusammenveranlagung und Witwensplitting von 72 €.
3. Eine Vorsorgepauschale von 2,78 % (2007) des Bruttolohns zzgl. 11 % des
Bruttolohns, in den Steuerklassen I, II und IV höchstens 1 500 €, in der Steuer-
klasse III zzgl. 11 % des Bruttolohns, höchstens 3 000 € (in den Steuerklassen V
und VI wird keine Vorsorgepauschale abgezogen).

Der verbleibende Betrag ist das zu versteuernde Einkommen (erste Spalte der
Steuerbelastungstabellen). Die Steuerbelastung ergibt sich für Arbeitnehmer
mit der Steuerklasse I aus der Grundtabelle (E Rz 5) und für Arbeitnehmer
mit der Steuerklasse III aus der Splittingtabelle (E Rz 6). Du musst jetzt nur
noch die Kosten, die Du absetzen kannst, mit dem Prozentsatz multiplizieren,
der der Belastung der letzten 1 000 € entspricht. Das Ergebnis ist in etwa Deine
Steuerersparnis.

78049-7_s001-816.indb 25 28.08.2007 14:28:04 Uhr


26 I. Allgemeine Steuertipps

5 5
4. Steuerbelastungstabellen
mS a) Steuerbelastung nach der Grundtabelle1 2007

zu ver Einkommensteuer Belas- zu ver Einkommensteuer Belas-


steuern- insgesamt tung der steuern- insgesamt tung der
des nach letzten des nach letzten
Ein- Grundtabelle 1 000 € Ein- Grundtabelle 1 000 €
kommen kommen
€ € % % € € % %
8 000 51 0,64 5,10 44 000 10 717 24,35 38,10
9 000 216 2,40 16,50 45 000 11 102 24,67 38,50
10 000 398 3,98 18,20 46 000 11 492 24,98 38,90
11 000 598 5,44 20,00 47 000 11 886 25,29 39,40
12 000 816 6,80 21,80 48 000 12 285 25,59 39,90
13 000 1 051 8,08 23,50 49 000 12 688 25,89 40,30
14 000 1 294 9,24 24,30 50 000 13 096 26,19 40,80
15 000 1 542 10,28 24,80 51 000 13 508 26,48 41,20
16 000 1 794 11,21 25,20 52 000 13 925 26,78 41,70
17 000 2 051 12,06 25,70 53 000 14 346 27,07 42,30
18 000 2 313 12,85 26,20 54 000 14 766 27,34 42,00
19 000 2 579 13,57 26,60 55 000 15 186 27,61 42,00
20 000 2 850 14,25 27,00 56 000 15 606 27,87 42,00
21 000 3 125 14,88 27,60 57 000 16 026 28,12 42,00
22 000 3 405 15,47 27,90 58 000 16 446 28,36 42,00
23 000 3 689 16,04 28,50 59 000 16 866 28,59 42,00
24 000 3 978 16,58 28,90 60 000 17 286 28,81 42,00
25 000 4 271 17,08 29,30 61 000 17 706 29,03 42,00
26 000 4 569 17,57 29,80 62 000 18 126 29,24 42,00
27 000 4 872 18,04 30,30 63 000 18 546 29,44 42,00
28 000 5 179 18,50 30,70 64 000 18 966 29,63 42,00
29 000 5 491 18,93 31,20 65 000 19 386 29,82 42,00
30 000 5 807 19,36 31,60 66 000 19 806 30,01 42,00
31 000 6 128 19,77 32,10 67 000 20 226 30,19 42,00
32 000 6 454 20,17 32,50 68 000 20 646 30,36 42,00
33 000 6 784 20,55 33,00 69 000 21 066 30,53 42,00
34 000 7 119 20,94 33,50 70 000 21 486 30,69 42,00
35 000 7 458 21,31 33,90 71 000 21 906 30,85 42,00
36 000 7 802 21,67 34,40 72 000 22 326 31,01 42,00
37 000 8 150 22,02 34,80 73 000 22 746 31,16 42,00
38 000 8 503 22,37 35,30 74 000 23 166 31,31 42,00
39 000 8 861 22,72 35,80 75 000 23 586 31,45 42,00
40 000 9 223 23,06 36,20 80 000 25 686 32,11 42,00
41 000 9 590 23,39 36,60 90 000 29 886 33,21 42,00
42 000 9 961 23,71 37,20 100 000 34 086 34,09 42,00
43 000 10 337 24,03 37,50 110 000 38 286 34,81 42,00

1 Liegt Dein Einkommen als Alleinstehender über 250 000 € und enthält keine

Gewinneinkünfte, so liegt die Belastung der letzten 1 000 € bei 45 %.

78049-7_s001-816.indb 26 28.08.2007 14:28:05 Uhr


4. Steuerbelastungstabellen 27

6 b) Steuerbelastung nach der Splittingtabelle1 (nur für Verheiratete!) 2007


zu ver Einkommensteuer Belas- zu ver Einkommensteuer Belas-
steuern- insgesamt tung der steuern- insgesamt tung der
des nach letzten des nach letzten
Ein- Grundtabelle 1 000 € Ein- Grundtabelle 1 000 €
kommen kommen
€ € % % € € % %
15 000 0 0,00 0,00 56 000 10 358 18,50 30,80
16 000 102 0,64 10,20 57 000 10 670 18,72 31,00
17 000 262 1,54 16,00 58 000 10 982 18,93 31,40
18 000 432 2,40 17,00 59 000 11 298 19,15 31,40
19 000 610 3,21 17,80 60 000 11 614 19,36 31,80
20 000 796 3,98 18,60 61 000 11 934 19,56 32,00
21 000 992 4,72 19,60 62 000 12 256 19,77 32,20
22 000 1 196 5,44 20,40 63 000 12 582 19,97 32,40
23 000 1 410 6,13 21,40 64 000 12 908 20,17 32,60
24 000 1 632 6,80 22,20 65 000 13 236 20,36 33,00
25 000 1 864 7,46 23,20 66 000 13 568 20,55 33,00
26 000 2 102 8,08 23,80 67 000 13 902 20,75 33,40
27 000 2 344 8,68 24,20 68 000 14 238 20,94 33,60
28 000 2 588 9,24 24,40 69 000 14 576 21,12 33,80
29 000 2 836 9,78 24,80 70 000 14 916 21,31 34,00
30 000 3 084 10,28 24,80 71 000 15 258 21,49 34,40
31 000 3 336 10,76 25,20 72 000 15 604 21,67 34,40
32 000 3 588 11,21 25,20 73 000 15 950 21,85 34,80
33 000 3 844 11,65 25,60 74 000 16 300 22,02 34,80
34 000 4 102 12,06 25,80 75 000 16 652 22,20 35,20
35 000 4 364 12,47 26,20 76 000 17 006 22,37 35,40
36 000 4 626 12,85 26,20 77 000 17 362 22,55 35,60
37 000 4 890 13,22 26,40 78 000 17 722 22,72 36,00
38 000 5 158 13,57 26,80 79 000 18 082 22,89 36,00
39 000 5 428 13,92 27,00 80 000 18 446 23,06 36,40
40 000 5 700 14,25 27,00 81 000 18 812 23,22 36,40
41 000 5 974 14,57 27,40 82 000 19 180 23,39 36,80
42 000 6 250 14,88 27,80 83 000 19 550 23,55 37,00
43 000 6 528 15,18 27,80 84 000 19 922 23,71 37,40
44 000 6 810 15,47 28,00 85 000 20 296 23,88 37,40
45 000 7 092 15,76 28,40 86 000 20 674 24,03 37,60
46 000 7 378 16,04 28,60 87 000 21 052 24,20 38,00
47 000 7 666 16,31 28,80 88 000 21 434 24,35 38,20
48 000 7 956 16,58 29,00 89 000 21 818 24,51 38,40
49 000 8 248 16,83 29,20 90 000 22 204 24,67 38,60
50 000 8 542 17,08 29,40 91 000 22 592 24,82 38,80
51 000 8 840 17,33 29,80 92 000 22 984 24,98 39,00
52 000 9 138 17,57 29,80 93 000 23 376 25,13 39,20
53 000 9 440 17,81 30,20 94 000 23 772 25,29 39,60
54 000 9 744 18,04 30,40 95 000 24 170 25,44 39,80
55 000 10 050 18,27 30,60 96 000 24 570 25,59 40,00
1 Liegt Dein Einkommen als Verheirateter über 500 000 € und enthält keine

Gewinneinkünfte, so liegt die Belastung der letzten 1 000 € bei 45 %.

78049-7_s001-816.indb 27 28.08.2007 14:28:05 Uhr


28 I. Allgemeine Steuertipps

zu ver Einkommensteuer Belas- zu ver Einkommensteuer Belas-


steuern- insgesamt tung der steuern- insgesamt tung der
des nach letzten des nach letzten
Ein- Grundtabelle 1 000 € Ein- Grundtabelle 1 000 €
kommen kommen
€ € % % € € % %
97 000 24 972 25,74 40,20 110 000 30 372 27,61 42,00
98 000 25 376 25,89 40,40 120 000 34 572 28,81 42,00
99 000 25 782 26,04 40,60 130 000 38 772 29,82 42,00
100 000 26 192 26,19 41,00 140 000 42 972 30,69 42,00
101 000 26 602 26,33 41,00 150 000 47 172 31,45 42,00
102 000 27 016 26,48 41,40 160 000 51 372 32,11 42,00
103 000 27 432 26,63 41,60 170 000 55 572 32,69 42,00
104 000 27 850 26,78 41,80 180 000 59 772 33,21 42,00
105 000 28 272 26,93 42,60 190 000 63 972 33,67 42,00
106 000 28 692 27,07 42,00 200 000 68 172 34,09 42,00
107 000 29 112 27,21 42,00 210 000 72 372 34,46 42,00
108 000 29 532 27,34 42,00 220 000 76 572 34,81 42,00
109 000 29 952 27,48 42,00 230 000 80 772 35,12 42,00

5. Arbeitnehmersparzulagen – Bausparbeiträge
7 Lege Teile Deines Arbeitslohns als vermögenswirksame Leistungen (VL) an! 7
Bei einem zu versteuernden Einkommen bis 17 900 €, bei Ehegatten bis 35 800 €,
ist Dir die Arbeitnehmersparzulage sicher. Deren Höhe ist von der Anlageform
abhängig. Sie beträgt bei Anlage in Vermögensbeteiligungen 18 % von max.
400 €. Zusätzlich werden andere Anlagen – in erster Linie Bausparbeiträge –
mit 9 % von höchstens 470 € gefördert. In den meisten Fällen musst Du nicht
den ganzen Betrag aus der eigenen Tasche zahlen; viele Arbeitgeber überneh-
men die Zahlung der vermögenswirksamen Leistungen in voller Höhe oder
zahlen zumindest einen Zuschuss. Die Arbeitnehmersparzulage wird jährlich
mit Deinem Einkommensteuerbescheid zusammen festgesetzt. Die Auszahlung
erfolgt aber erst, wenn Dein vermögenswirksamer Vertrag fällig wird. Du war-
test also im Zweifel bis zu sieben Jahre auf die Auszahlung der Sparzulage.

8 Im Einzelnen ist die Sparzulagenbegünstigung wie folgt geregelt: Die AN-Spar- 8


zulage beträgt 18 % für VL von höchstens 400 € jährlich, die angelegt werden
auf
● Sparverträge über Wertpapiere oder andere Vermögensbeteiligungen,
● Wertpapierkaufverträge,
● Beteiligungsverträge oder Beteiligungskaufverträge,
● Aktien, die zum Börsenhandel oder zum Handel im Inland zugelassen sind,
● Gewinnschuldverschreibungen und Wandelschuldverschreibungen des Ar-
beitgebers oder von inländischen Unternehmen, die keine Kreditinstitute
sind,

78049-7_s001-816.indb 28 28.08.2007 14:28:06 Uhr


5. Arbeitnehmersparzulagen – Bausparbeiträge 29

● Anteilscheine an Aktienfonds inländischer Kapitalgesellschaften (Wertpa-


piersondervermögen, Wertpapierbestand zu mindestens 60 % Aktien und
stille Beteiligungen),
● Anteilscheine an Beteiligungssondervermögen inländischer Kapitalgesell-
schaften (Bestand an Wertpapieren und stillen Beteiligungen muss mindes-
tens 60 % Aktien und stille Beteiligungen enthalten),
● Genussscheine, die vom Arbeitgeber ausgegeben werden und zum Börsen-
handel bzw. zum Handel im Inland zugelassen sind,
● Genossenschaftsguthaben an inländischen Kreditgenossenschaften (z. B.
Volksbanken),
● GmbH-Anteile am Unternehmen des Arbeitgebers,
● stille Beteiligungen am Unternehmen des inländischen Arbeitgebers oder an
einem inländischen am arbeitgebenden Unternehmen durch Vertrag gesell-
schaftsrechtlich beherrschend beteiligten Unternehmen,
● eine Darlehensforderung gegen den in- oder ausländischen Arbeitgeber;
zusätzlich 9 % von Anlagen bis 470 € in
● Bausparverträgen und
● Verträgen nach dem WoPG und zum Wohnungsbau.
Unter Anlage zum Wohnungsbau ist zu verstehen: Erwerb oder Entschuldung
von Wohnungseigentum, Bezahlung von Handwerkerrechnungen für Woh-
nungsbauarbeiten. Das gilt auch für Ferien- und Wochenendwohnungen!

zur Anlage Vermögenswirksame Leistungen

Zum Nachweis Deiner vermögenswirksamen Leistungen stellt Dir das Anlag-


einstitut eine »Anlage VL« aus, die Du Deiner Steuererklärung beifügen
musst.

9 Bausparen 9
Die Vorteile gegenüber anderen Sparformen liegen auf der Hand; Bausparen
ist die einzige vom Staat durch Prämien geförderte Anlageform. Zudem gibt es
für Bausparbeiträge, die nach dem Vermögensbildungsgesetz eingezahlt sind,
eine Arbeitnehmersparzulage.
Für Deine Bausparbeiträge hast Du zunächst Anspruch auf eine Wohnungs-
bauprämie. Die beträgt 8,8 % von höchstens 512 €/1 024 € Beiträgen (Alleinste-
hende/Verheiratete). Eine Wohnungsbauprämie können allerdings nur diejeni-
gen beanspruchen, deren Einkommen unter 25 600 € bzw. bei Verheirateten
unter 51 200 € liegt.

78049-7_s001-816.indb 29 28.08.2007 14:28:07 Uhr


30 I. Allgemeine Steuertipps

10 Achtung! Fangeisen: Abschlussgebühren für Bausparvertrag 10


Abschlussgebühren kannst Du als Werbungskosten absetzen, entweder von
Deinen Kapitalerträgen oder bei den Einkünften aus Vermietung und Verpach-
tung, wenn der Bausparvertrag in engem zeitlichem und wirtschaftlichem Zu-
sammenhang mit einem Bauvorhaben steht, aus dem Du Mieteinkünfte erzie-
len willst (BFH-Urt. v. 24. 7. 1990 – BStBl 1990 II S. 975), oder wenn Du mit dem
Bausparvertrag die Hypothek ablösen willst (BFH-Urt. v. 1. 10. 2002 – II R
12/00).
Aber: Beantragst Du den Abzug der Abschlussgebühr von Deinen Kapitaler-
trägen, kannst Du die Bausparprämie vergessen, denn diese setzt den Zusam-
menhang mit Wohnraumbeschaffung voraus. Das verneinst Du aber, wenn Du
die Abschlussgebühr bei den Kapitalerträgen absetzt (OFD Frankfurt/Main v.
30. 3. 1992 – S 2221 A-70-StII 20).

Prämientabelle
Personenkreis begünstig- Wohnungs- Vermögenswirksames staatlich Wohnungs-
te bauprämie Sparen geförderte bauprämie
Sparleistung Gesamt- +
je Ka- Zusätz- Sparzulage spar- Arbeit-
lenderjahr %- liche %-Satz leistung nehmer-
max. Satz € Sparleis- € Sparzulage
tung
Allein-
stehende 512 8,8 45,05 470 9 42,30 982 87,35
Verheiratete*
(1 AN) 1 024 8,8 90,10 470 9 42,30 1 494 132,40
Verheiratete*
(2 AN) 1 024 8,8 90,10 940 9 84,60 1 964 174,70

* Die Ehe muss während des ganzen Kalenderjahres, für das Wohnungsbauprämie bean-
sprucht wird, bestanden haben, und die Ehegatten dürfen während des Kalenderjahres nicht
dauernd getrennt gelebt haben.

Renditestar Bausparvertrag

11 Selbst wenn Du Dich nicht mit Bauabsichten trägst, kann ein Bausparvertrag 11
eine durchaus interessante Anlage sein, wenn Du langfristig ein paar Euro auf
die hohe Kante legen willst. Nimmst Du nämlich kein Bauspardarlehen in An-
spruch, bieten manche Bausparkassen 4 % Guthabenzinsen. Zusammen mit der
Wohnungsbauprämie und der Arbeitnehmersparzulage ergibt sich zumindest
für die Beträge, die Du prämiengefördert anlegen kannst, gegenüber den be-
scheidenen 3 bis 4 %, die Du heute selbst für längerfristige Festgelder be-
kommst, eine durchaus interessante Verzinsung.

78049-7_s001-816.indb 30 28.08.2007 14:28:07 Uhr


5. Arbeitnehmersparzulagen – Bausparbeiträge 31

Nimm die richtige Strategie beim Bausparen wahr!

12 Merke: Wohnungsbauprämie + Arbeitnehmersparzulage = Dein Gewinn 12


Größten Gewinn bei kleinstem Risiko bringen Dir Verträge, die sich schnell
umschlagen. Denn als Bausparer brauchst Du praktisch keine Mindestvertrags-
dauer einzuhalten. Die im Gesetz genannte Sperrfrist von sieben Jahren steht
nur auf dem Papier. Stets darf nach Zuteilung des Bausparvertrags über die
Mittel ohne Sperrfristen verfügen, wer das Geld für ein Bauvorhaben – auch als
Mieter – verwendet. Dabei geht es großzügig zu. Der Kauf bestimmter Immobi-
lienzertifikate (geschlossener Immobilienfonds) gilt ebenso als Bauvorhaben
wie Ausgaben für kleinere Umbauten oder Energiesparmaßnahmen.
Überdies lassen sich Hypotheken mit Bausparverträgen ablösen – ohne Rück-
sicht auf Mindestfristen.
Wenn Du schlau bist, machst Du Folgendes:
Schließe als Verheirateter einen Vertrag über 6 000 € ab und zahle unmittelbar
vor Ende des Jahres 1 000 € bei der Bausparkasse ein. Am Ende des folgenden
und des dritten Jahres und dann sofort zu Beginn des vierten Jahres nochmals je
1 000 €, insgesamt also 4 000 €. Prämien und Zinsen erhöhen dann Dein Gutha-
ben auf ca. 4 500 €. Der Clou: Die tatsächliche Vertragsdauer beträgt etwas
mehr als zwei Jahre – Du bekommst aber Prämien für vier Jahre!
Wegen der hohen Ansparsumme kannst Du schnell mit der Zuteilung und
einem zinsgünstigen Darlehen rechnen.

13 Einkommensgrenzen 25 600/51 200 € 13


Du solltest wissen, bis zu welchem Bruttoarbeitslohn Dir auf jeden Fall noch
Arbeitnehmersparzulage und Bausparprämie zustehen, wenn keine anderen
Einkünfte hinzukommen.
Übersicht zu Einkommensgrenzen 2007
Alleinstehende Verheiratete
Einkommensgrenze 25 600 € 51 200 €
+ Arbeitnehmerpauschbetrag 920 € 1 840 €
+ Sonderausgabenpauschbetrag 36 € 72 €
+ Vorsorgepauschale 2 304 € 4 608 €
Bruttoarbeitslohn (Grenze) 28 860 € 57 720 €

Werden Verluste aus anderen Quellen, z. B. vermieteten Immobilien, höhere


Werbungskosten oder Sonderausgaben oder außergewöhnliche Belastungen
geltend gemacht, erhöht sich die Bruttoarbeitslohngrenze natürlich um diese
Mehrbeträge.

78049-7_s001-816.indb 31 28.08.2007 14:28:08 Uhr


32 I. Allgemeine Steuertipps

14 Selbst wenn Dein Bausparvertrag noch nicht abgelaufen ist, kannst Du Dir mit 14
dem Bauspargeld Einbaumöbel kaufen. Denn Einbaumöbel gehören zum
wesentlichen Bestandteil eines Hauses, und deshalb sind Bauspargelder auch
innerhalb der Sperrfrist »wohnungswirtschaftlich« einsetzbar, ohne auf Prä-
mien oder Steuervorteile verzichten zu müssen. Will das Finanzamt nicht mit-
machen, verweise es auf das BFH-Urteil vom 29. 10. 1976 – BStBl 1977 II
S. 152.
Neuerdings bekommt auch der Mieter für Wohnungsrenovierungen ein Bau-
spardarlehen. Die Beiträge müssen auf sieben Jahre festgelegt werden, wenn
die Prämie erhalten bleiben soll.
Bei vorzeitiger Kündigung des Vertrags (vielleicht infolge Geldmangels) muss
man gutgeschriebene Prämien natürlich zurückzahlen.

15 Wird vor Ablauf der Sperrfrist von sieben Jahren bei Inanspruchnahme der 15
Wohnungsbauprämie die Bausparsumme ausgezahlt, abgetreten oder beliehen,
handelt es sich um eine sog. schädliche Rückzahlung, die den Verlust der Prä-
mien nach sich zieht.
Werden allerdings die innerhalb der Sperrfrist empfangenen Beträge für den
Bau oder Erwerb eines ausschließlich Wohnzwecken dienenden Gebäudes ver-
wendet, ist die vorzeitige Auszahlung, Abtretung oder Beleihung unschädlich,
soweit die empfangenen Beträge nicht höher sind als die Baukosten.
Das gilt auch bei der Verwendung für den Bau eines Gebäudes, das nur zum Teil
Wohnzwecken dient, sofern die empfangenen Beträge nicht höher sind als die
anteiligen Baukosten des Wohnzwecken dienenden Gebäudeteils (BFH-Urteil
v. 27. 11. 1964 – BStBl 1965 III S. 214).
Die Prämien brauchen auch in folgenden Fällen trotz Verfügung über die Bau-
sparsumme vor Ablauf der Sperrfrist nicht zurückgezahlt zu werden:
● Der Bausparer oder sein Ehegatte verstirbt oder wird völlig erwerbsunfähig.
Stirbt der Prämiensparer, können die Erben den Vertrag fortsetzen.
● Der Bausparer ist seit mindestens einem Jahr ununterbrochen arbeitslos.

16 Achtung! Es können nur die Bausparkassenbeiträge berücksichtigt werden, die 16


bis zur vollen oder teilweisen Erlangung (Auszahlung) des Bauspardarlehens
entrichtet werden. Dazu gehören nicht nur die vertraglich bestimmten Beiträge,
sondern auch darüber hinaus geleistete freiwillige Beiträge, die auf das Bau-
sparguthaben gutgeschriebenen Zinsen, die man zur Beitragszahlung verwen-
det, sowie die beim Abschluss eines Bausparvertrags anfallenden Abschlussge-
bühren (Umschreibegebühren).

78049-7_s001-816.indb 32 28.08.2007 14:28:08 Uhr


5. Arbeitnehmersparzulagen – Bausparbeiträge 33

Finanzierungsmöglichkeiten,
an die kaum jemand denkt

Wie, Du kannst die Wohnungsbauprämie nicht bekommen, weil Dein Ein-


mS kommen zu hoch ist? Dann lass doch Deinen Vater oder eines Deiner Kin-
der den Vertrag schließen! Das spätere Baudarlehen können sie Dir dann form-
los übertragen.

17 Denn: Bei einer Abtretung von Bausparvertragsansprüchen ist im Fall der Aus- 17
zahlung der Bausparsumme innerhalb der Sperrfrist die Nachversteuerung aus-
zusetzen, wenn der Erstsparer (Vater, Kind) eine Erklärung des Eingetretenen
(Du selbst) beibringt, dass dieser die Bausparsumme unverzüglich und unmit-
telbar zum Wohnungsbau für sich oder Angehörige verwendet (Nachweis: § 2
Abs. 2 WoPG).

Tritt Deinen Bausparvertrag


an einen nahen Verwandten ab!

Bauspargelder können also unter nahen Verwandten weitergegeben wer-


mS den, ohne dass Prämien- oder Steuervorteile verlorengehen. So kann man
Bausparmittel, die man bei Auszahlung der Bausparsumme, bei Rückzahlung
der Bausparverträge oder bei Beleihung oder Abtretung von Bausparvertrags-
ansprüchen vor Ablauf der Sperrfrist (sieben Jahre) erhält, Angehörigen über-
lassen. Voraussetzung ist lediglich, dass die Gelder für Deine wohnwirtschaft-
lichen Zwecke oder die Deiner Angehörigen (§ 15 AO) verwendet werden, auch
nach Ablauf der Sperrfrist. Sparen Verwandte mit, indem sie ebenfalls Bauspar-
verträge abschließen, bekommt grundsätzlich jeder von ihnen zunächst einmal
die Bausparprämie. Indem sie dann später die Anspüche aus ihren Verträgen an
Dich abtreten, lässt sich so ein mehrfacher Prämienbezug bei nur einem ein-
zigen Bauvorhaben erreichen.

18 Verwandte sind: 18
● Verwandte in gerader Linie (Kinder, Eltern, Großeltern) sowie zweiten
und dritten Grades in der Seitenlinie (Geschwister, Onkel, Tanten, Nichten,
Neffen),

78049-7_s001-816.indb 33 28.08.2007 14:28:08 Uhr


34 I. Allgemeine Steuertipps

● Verschwägerte in gerader Linie (z. B. Schwiegersöhne) und Verschwägerte


zweiten Grades in der Seitenlinie (z. B. Ehemann der Schwester),
● Verlobte,
● durch Annahme an Kindes Statt in gerader Linie Verbundene (Adoptiv-
kinder und -eltern), Pflegeeltern und Pflegekinder,
● der Ehegatte, auch wenn die Ehe nicht mehr besteht.
Es ist zu beachten, dass Ehegatten zusammen mit ihren unter 16 Jahre alten
Kindern eine Höchstbetragsgemeinschaft bilden. Alle Sparleistungen der Fami-
lienmitglieder werden zusammengerechnet.
Für die Übertragung von Bauspargeldern auf andere Konten nach Zuteilung
des Vertrags benötigen die Bausparkassen in der Regel folgende Unterlagen:
1. eine Willenserklärung des Bausparers, dass ein Sparguthaben aus dem zuge-
teilten bzw. beliehenen Vertrag an einen Verwandten überwiesen werden
soll,
2. einen Darlehensantrag, wenn der Verwandte auch das Bauspardarlehen in
Anspruch nehmen möchte und nicht nur die Ansparsumme,
3. vom Verwandten den Nachweis über die eigene wohnwirtschaftliche Ver-
wendung.
In folgenden Fällen ist eine formelle Vertragsübertragung erforderlich:
● Der Bausparer, also der helfende Verwandte, will eine Mithaftung für weiter-
gehende Bauspardarlehen ausschließen.
● Der begünstigte Verwandte, also der Bauherr, will die Schuldzinsen als Wer-
bungskosten geltend machen.
Merke: Du brauchst jedes Jahr die neueste Ausgabe dieses Steuerratgebers.
Manchmal ist es nur ein einziger neuer oder geänderter Trick, der Dir wieder
einen großen Steuervorteil bringt.

78049-7_s001-816.indb 34 28.08.2007 14:28:09 Uhr


35

Das Steuersystem der Bundesrepublik


hat den Charakter gesetzlichen Unfugs.
(Wirtschaftsprofessor Spitaler)

II. Lohn – Gehalt


steuerfrei oder steuerpflichtig!?

1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn?


Dies ist die wichtigste Frage für den Nichtselbständigen, wenn er Steuern spa-
ren will.

19 Als Arbeitnehmer zahlst Du auf Deinen Arbeitslohn oder Dein Gehalt genauso 19
Einkommensteuer wie Selbständige auf die Einkünfte aus ihrem Betrieb oder
ihrer Praxis. Und wer seinen Lebensunterhalt aus der Vermietung von Immobi-
lien erzielt oder schlicht nur sein Geld für sich arbeiten lässt und von den Erträ-
gen und Zinsen seines Kapitals lebt, zahlt ebenfalls.
Zwar legt die Bezeichnung Lohnsteuer den Schluss nahe, diese sei eine eigene
Steuerart, doch wird mit »Lohnsteuer« lediglich die besondere Besteuerungs-
form umschrieben, mit der der Fiskus Dich als Arbeitnehmer schon im Lauf des
Jahres bei jeder Lohn- und Gehaltszahlung zur Kasse bittet. Die Lohnsteuer ist
letztlich nichts anderes als eine besondere Erhebungsform der Einkommen-
steuer. Man könnte Sie auch als Quellensteuer für Lohneinkünfte bezeichnen,
da sie bereits an der »Quelle«, vom Arbeitgeber, einbehalten und an das Finanz-
amt für Deine Rechnung gezahlt wird. Du zahlst mit Deiner Lohnsteuer also
laufend Abschläge auf Deine Einkommensteuer. Wenn die dann bei der Ge-
samtabrechnung nach Ablauf des Jahres aufgrund Deiner Einkommensteuerer-
klärung niedriger ausfällt als die Lohnsteuer, bekommst Du den zu viel gezahl-
ten Betrag erstattet.
Der Fiskus macht also Deinen Brötchengeber zum Gehilfen beim Kassieren
Deiner Steuern. Dein Arbeitgeber berechnet nach festgelegten Formeln die auf
Deinen Lohn entfallende Lohnsteuer. Damit Deine wichtigsten persönlichen
Verhältnisse und Besonderheiten in die Besteuerung einfließen können, benö-
tigt Dein Arbeitgeber von Dir eine Lohnsteuerkarte, auf der neben Deiner
Steuerklasse die Zahl Deiner Kinderfreibeträge, Deine Konfession und eventu-
elle Freibeträge für erhöhte Werbungskosten, Sonderausgaben oder außerge-
wöhnliche Belastungen eingetragen sind, die schon während des Jahres für eine
gewisse Steuerentlastung sorgen.
Abgesehen davon gibt es viele große und kleine Kniffe, wie Du Teile Deiner
Vergütungen aus dem Arbeitsverhältnis steuerfrei kassieren oder die Steuerbe-
lastung auf Deinen Lohn zumindest drücken kannst.

78049-7_s001-816.indb 35 28.08.2007 14:28:09 Uhr


36 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

20 Da gibt’s einmal den Übungsleiter-Freibetrag 20

Vielleicht bist Du nebenberuflich in einem gemeinnützigen Verein oder in


einem öffentlich-rechtlichen Institut Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Kran-
ken- oder Altenpfleger, Musiker oder Trainer. Dann veranlasse, dass von Dei-
ner Vergütung, die der Verein oder das Institut zahlt, ein Betrag von bis zu
2 100 € jährlich (ab 2007; bis dahin 1 848 €) als Aufwandsentschädigung steuer-
frei bleibt. Sage im Lohnbüro einfach, Du seist nebenberuflich tätig. Quelle: § 3
Nr. 26 EStG. Wenn Du weniger als 2 100 € im Jahr erhältst, kann natürlich nur
der geringere Betrag steuerfrei bleiben.

Zusätzliche Steuerermäßigung
für ehrenamtlich Tätige!

21 Wenn Du für einen gemeinnützigen Verein oder eine Körperschaft öffentlichen 21


Rechts nebenberuflich tätig bist, ohne dass die Voraussetzungen für die steuer-
freie Aufwandsentschädigung für Ausbilder und Übungsleiter von 2 100 € gemäß
RZ 20 gegeben sind, können Deine Vergütungen bis zu 500 € im Jahr steuerfrei
bleiben. Damit sind Aufwandsentschädigungen und andere Vergütungen für
praktisch jede gemeinnützige Arbeit mindestens bis zu einem Betrag von 500 €
steuerfrei.
Diese neu eingeführte Steuerbefreiung gilt aber nur dann, wenn die Zahlungen
an Dich nicht schon aus anderen Gründen steuerfrei sind. Bist Du also zum
Beispiel als Übungsleiter, Ausbilder, Erzieher, Kranken- oder Altenpfleger,
Musiker oder Trainer tätig, kannst Du selbstverständlich von der mit 2 100 €
mehr als viermal so hohen Steuerbefreiung profitieren.
Außer dass Du gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Arbeit leisten musst,
ist die Steuerfreiheit nur noch davon abhängig, dass Du nebenberuflich und
nicht hauptberuflich für die jeweilige Organisation tätig bist. Eine solche
Nebenberuflichkeit liegt immer unzweifelhaft vor, wenn der Umfang Deiner
Arbeiten nicht mehr als etwa ein Drittel einer Vollzeitbeschäftigung beträgt.
Das sind zurzeit etwa 13 bis 14 Wochenstunden.
Der Steuerfreibetrag von 500 € ist ein Jahresbetrag. Er steht Dir deshalb auch
dann in voller Höhe zu, wenn Du nicht das ganze Jahr, sondern zum Beispiel
nur einige Monate gemeinnützig tätig warst. Hast Du zum Beispiel am 1. No-
vember 2007 eine gemeinnützige Tätigkeit aufgenommen und dafür jeden
Monat eine Aufwandsentschädigung von 350 € erhalten, bleiben von den insge-
samt gezahlten 700 € die vollen 500 € steuerfrei.

78049-7_s001-816.indb 36 28.08.2007 14:28:09 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 37

22 Der Steuerfreibetrag für Aufwandsentschädigungen gilt auch für Trainer bei 22


Sportvereinen, für Chorleiter und Dirigenten in Gesangvereinen, Lehrer an
Volkshochschulen (auch der Leiter einer Volkshochschule kann Ausbilder sein,
wenn er das Unterrichtsgeschehen durch seine eigene Persönlichkeit mitgestal-
tet (BFH v. 23. 1. 1986 – BStBl 1986 II S. 398). Wer eine ähnliche Tätigkeit aus-
übt: beantragen!), Betreuer bei der Mütterberatung, der Seelsorge, bei den An-
onymen Alkoholikern oder anderen Selbsthilfegruppen, bei Erste-Hilfe-Kursen
usw. Und für Lehrpersonen und Vortragende im Rahmen der beruflichen Aus-
und Weiterbildung, wie etwa bei Industrie-, Handels-, Handwerker-, Ärzte- oder
Steuerberaterkammer oder in Finanz-, Justiz- und Kreisverwaltung. Artver-
wandte und eng damit zusammenhängende Tätigkeiten, wie etwa die eines Prü-
fers bei Abschlussprüfungen, sind ebenfalls begünstigt. Auch Umweltschutzun-
terweiser und Gesundheitsberater von kleinen Vereinen können diese Vergüns-
tigung beanspruchen. Durch einen entsprechenden Vertrag mit dem Verein
sorge man auch hier vor. Der Freibetrag steht Dir auch zu für die nebenberuf-
liche Pflege alter, kranker oder behinderter Menschen. Du kannst deshalb bis
2 100 € steuerfrei kassieren, wenn Du Dich im Nebenberuf oder in Deiner Frei-
zeit als Sanitäter, z. B. für das Rote Kreuz, um Unfallopfer kümmerst. Die Aus-
bildung von Tieren (Pferden, Hunden) zählt jedoch nicht zu den begünstigten
Tätigkeiten.

Der Freibetrag gilt außerdem für sog. Betreuer. Nach dem Willen des Steuerge-
setzgebers soll dabei der Begriff des Betreuers nicht eng ausgelegt werden.
Wenn Dir ein Finanzer etwa mit dem Ansinnen kommt, damit seien nur Per-
sonen im Sinn des Betreuungsgesetzes gemeint, die z. B. in der Betreuung kör-
perlich und geistig gebrechlicher Personen tätig sind, klopfe ihm gehörig auf
seine raffgierigen Finger. Von dieser Steuerbefreiung sind vielmehr alle begüns-
tigt, die durch direkten pädagogisch ausgerichteten Kontakt zu den von ihnen
betreuten Menschen im ehrenamtlichen Bereich aktiv sind. Über diese positive
Nachricht kannst Du Dich also freuen, wenn Du z. B. im Jugendbereich als
Gruppenleiter, Leiter einer Pfadfindergruppe, Betreuer bei Sommerlagern oder
nebenberuflich in der Kinderbetreuung tätig bist.

Nicht begünstigt ist dagegen die Aufwandsentschädigung, die ein ehrenamt-


licher Vormund gem. § 1835 a BGB kassiert.

23 Bist Du ehrenamtlich in einer Bahnhofsmission tätig, trifft für Dich ebenfalls 23


§ 3 Nr. 26 EStG zu. Von Deinen Vergütungen ist dann zumindest der Teil steuer-
frei, der auf Pflege und Betreuung entfällt.

Du kannst diesen Anteil im Zweifel mit 60 %, höchstens jedoch mit 2 100 € im


Jahr ansetzen. Berufe Dich auf den im Einvernehmen mit dem BMF und den
anderen Bundesländern herausgegebenen Erlass des Finanzministeriums Sach-
sen-Anhalt vom 7. 4. 1992 – 432 – S 2121 – 15 (DStR 1992 S. 913).

78049-7_s001-816.indb 37 28.08.2007 14:28:10 Uhr


38 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

24 Auch die Kunst und die Kultur werden in Deutschland steuerlich gefördert. 24
Deshalb sind Vergütungen, die nebenberuflich tätige Künstler (insbesondere
Musiker) erhalten, als Aufwandsentschädigung bis zu 2 100 € steuerfrei. Quelle:
§ 3 Nr. 26 EStG.

25 Gute Nachrichten für alle gemeinnützigen Organisationen: Für die steuerfrei 25


gezahlten Beträge müssen auch keine Sozialversicherungsbeiträge abgeführt
werden (§ 14 Abs. 1 S. 2 SGB IV). Dabei spielt es keine Rolle, ob Du im Rahmen
eines 400-€-Arbeitsverhältnisses für Deinen Verein tätig bist oder dort neben
Deinem Hauptberuf z. B. als Sporttrainer einen Nebenjob hast.

Kassiere 575 € im Nebenjob abgabenfrei!

Ja, Du liest ganz richtig! Angenommen, Du bist für Deinen Verein, die öffent-
liche Hand oder eine Wohlfahrtsorganisation auf 400-€-Basis tätig. Dieser Job
ist entweder Deine einzige Beschäftigung oder zumindest der einzige Neben-
job, dem Du zusätzlich zu Deinem normalen Beruf nachgehst. In diesem Fall ist
die Besteuerung mit max. 2 % erledigt. Dein Brötchengeber kann die Steuer auf
den 400-€-Job nämlich mit 2 % pauschal berechnen und an die Bundesknapp-
schaft abführen. Für Dich bleibt der Job damit steuerfrei. Auch Sozialversiche-
rungsbeiträge fallen für Dich nicht an. Lediglich Dein Brötchengeber muss
28 % pauschale Sozialversicherungsbeiträge für Deinen Lohn abdrücken.

Zusätzlich kannst Du Dein abgabenbegünstigtes Salär um den steuerfreien Be-


trag von 2 100 € im Jahr (175 €/Monat) aufbessern, ohne dass Du oder Dein
Arbeitgeber dafür einen Cent an Abgaben zahlen müsstet.

So sieht die Rechnung im günstigsten Fall für Dich und Deinen Arbeitgeber
aus:
Monatslohn 575 €
./. steuer- und sozialversicherungsfreier
Betrag nach § 3 Nr. 26 EStG – 175 €
verbleibender Arbeitslohn 400 €

Nur dieser Restbetrag ist für die pauschale Steuer und Sozialversicherung inter-
essant. Dein Arbeitgeber wird dafür pauschal mit insgesamt 30 % (2 % Steuern
und 15 % Rentenversicherung und 13 % Krankenversicherung) = 120 € zur
Kasse gebeten.

78049-7_s001-816.indb 38 28.08.2007 14:28:10 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 39

zur Pauschalsteuer

26 Ist Dein Nebenjob Deine einzige Erwerbsquelle und kannst Du deshalb eine 26
Steuerkarte mit der Steuerklasse I, II, III oder IV vorlegen, erspart das Deinem
Arbeitgeber zusätzlich die pauschale Steuer von 2 %, und er muss lediglich die
Sozialversicherungspauschale von 28 % abdrücken. Sobald bei Dir oder Dei-
nem Ehepartner aber noch andere Einkünfte anfallen, solltest Du tunlichst auf
die Steuerkarte verzichten. In diesem Fall fährst Du mit der pauschalen Steuer
von 2 % in jedem Fall besser.

für weniger Sozialversicherung bei Übungsleitern

27 Auf die richtige Verteilung des Freibetrags von 2 100 € kommt es an. Steuerlich 27
hast Du grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Unter dem Strich fahrt Ihr, Du und
Dein Arbeitgeber, am besten, wenn Ihr die 2 100 € gleichmäßig aufs Jahr verteilt
und jeden Monat nur einen Teilbetrag von 175 € berücksichtigt.
Nur in diesem Fall akzeptiert die Sozialversicherung durchgehend Deinen Mi-
nijob und damit, dass übers Jahr lediglich pauschale Arbeitgeberbeiträge ge-
zahlt werden. Wird der Freibetrag dagegen so schnell wie möglich aufgezehrt,
liegst Du mit Deinem maßgebenden Arbeitslohn bald über der 400-€-Grenze.
Angenommen, Du bekommst im Monat 500 €. Dann könnte Dein Arbeitgeber
zwar die gesamten Abgaben für Januar bis April sparen, und für Mai ergäbe sich
gerade noch ein 400-€-Job (500 € .\. Restfreibetrag von 100 €). Spätestens ab
Juni lauft Ihr aber in die volle Sozialversicherungs- und Steuerpflicht. Du selbst
wirst also mit ca. 20 % Sozialversicherung zur Kasse gebeten, und Dein Arbeit-
geber darf auch noch seinen Arbeitgeberanteil von ca. 20 % zahlen. Außerdem
kann Dein Arbeitgeber die Lohnsteuer nicht mehr pauschal erheben, so dass
Du eine Steuerkarte vorlegen musst. Als Nebenberufler, der noch einen Haupt-
job hat, würde das bedeuten: Lohnsteuer zahlen nach Steuerklasse VI!
Du siehst also, ein bisschen Geduld bei der Ausschöpfung von Steuerbefrei-
ungen zahlt sich manchmal in barer Münze aus.
28 Außerdem solltest Du Folgendes wissen: 28
● Den Freibetrag gibt es nur für nebenberufliche Tätigkeiten. Dazu musst Du
aber nicht unbedingt einen Haupt- und einen Nebenberuf haben. Wichtig ist
vielmehr, dass Du nicht mehr als ein Drittel der Stunden einer Vollzeitar-
beitskraft leistest, also z. B. nicht mehr als ca. 13 Stunden in der Woche arbei-
test (BFH v. 30. 3. 1990 – BStBl 1990 II S. 854).

78049-7_s001-816.indb 39 28.08.2007 14:28:10 Uhr


40 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

● Der Freibetrag von 2 100 € soll alle Ausgaben im Zusammenhang mit der
nebenberuflichen Tätigkeit abgelten. Übersteigen Deine Ausgaben den Be-
trag von 2 100 €, setzt Du die tatsächlichen Kosten an, versteht sich.
29 ● Übst Du Deinen Nebenjob für eine öffentlich-rechtliche Institution aus, wie 29
z. B. für eine Behörde, Sparkasse, Industrie- und Handels-, Handwerks-, Ärz-
tekammer etc., bleiben zusätzlich zu den 2 100 € auch noch die ersetzten Rei-
sekosten steuerfrei (§ 3 Nr. 13 EStG). Denke daran, wenn Du Deinen Vertrag
abschließt, und vereinbare, dass Dir die Reisekosten gesondert erstattet wer-
den.
Trägst Du die Kosten dagegen selbst, kannst Du sie nur absetzen, wenn sie zu-
sammen mit Deinen anderen beruflichen Ausgaben höher sind als 2 100 € und
Deine Einnahmen ebenfalls über 2 100 € liegen. So jedenfalls der Fiskus in R 17
Abs. 9 LStR. Mit diesem unschönen Kniff versuchen die Fiskalritter, Dir das
Absetzen von Verlusten aus Deiner nebenberuflichen Tätigkeit zu erschweren.
● Nebenjobs als Lehrer, Übungsleiter, Musiker usw. werden oft selbständig
(freiberuflich) ausgeübt, also nicht in einem Arbeitsverhältnis. Die steuer-
freie Aufwandsentschädigung gilt aber auch für Freiberufler. Also sind auch
hier bis zu 2 100 € steuerfrei.
30 ● Ist der Veranstalter, für den Du nebenberuflich tätig bist, kein gemeinnüt- 30
ziger Verein oder kein öffentlich-rechtliches Institut, sondern z. B. ein ge-
werbliches Unternehmen, wird Dir kein Freibetrag zuerkannt. Mache statt-
dessen eine Ausgabenpauschale von 25 % Deiner Einnahmen, höchstens
614 € jährlich, geltend (H 18.2 EStH, „Betriebsausgabenpauschale“).
31 ● Die Ausgabenpauschale steht auch allen selbständig tätigen Volksmusikern 31
zu. Mit der Pauschale sind die Kosten für Instrumente, Uniformen, Fahrten
und Verpflegung abgegolten (OFD Münster v. 4. 10. 1990 – S 2143).
32 ● Über die steuerfreie Pauschale können sich auch Ärzte freuen, die nebenbe- 32
ruflich im Behinderten- oder Coronarsport betreuend tätig sind. Wenn die
übrigen Voraussetzungen stimmen – öffentlicher oder gemeinnütziger Auf-
traggeber –, bleiben 2 100 € steuerfrei.

33 Heirats- und Geburtsbeihilfe 33


Auch wenn die ursprüngliche Steuerbefreiung ab 2006 gestrichen wurde, kannst
Du zumindest kleine Geschenke Deines Arbeitgebers steuerfrei kassieren. Weil
die Geburt oder die Hochzeit ein besonderes persönliches Ereignis ist, kann Dir
Dein Arbeitgeber mit einem Sachgeschenk im Wert von bis zu 40 € eine Freude
machen, ohne dass der Fiskus gleich die Hand aufhält. Er kann dazu die Rege-
lung zu Aufmerksamkeiten in R 73 LStR ausnutzen. So bleibt Deine Freude
über den Strampler oder die Spieluhr für den Nachwuchs ungetrübt.

34 Jubiläumsgeschenke 34
Jubiläumsgeschenke an Arbeitnehmer sind sowohl bei Arbeitnehmer- als auch
bei Firmenjubiläen in voller Höhe steuerpflichtig. Da sie aber in aller Regel

78049-7_s001-816.indb 40 28.08.2007 14:28:11 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 41

Arbeitslohn für mehrere Jahre darstellen, unterliegen sie der etwas günstigeren
ermäßigten Besteuerung (§ 34 EStG).
Beispiel: Bei einem zu versteuernden Einkommen von 30 000 € erhältst Du für
jahrelange Betriebstreue ein Jubiläumsgeld von 7 500 € gezahlt.
Im Jubiläumsjahr 2007 ergibt sich für Dich damit folgende Steuerersparnisrech-
nung:
Steuer lt. Grundtabelle auf 30 000 € 5 807 € 5 807 €
Jubiläumsgeschenk 7 500 €
davon 1/5 + 1 500 €
Steuer lt. Grundtabelle auf 31 500 € 6 291 €
Differenz 484 €
5
Steuer auf Jubiläumsgeschenk 2 420 € 2 420 €
Steuer insgesamt 8 227 €
Einkommensteuer ohne »Fünftelregel«
auf 37 500 € lt. Grundtabelle
8 326 €
Steuerermäßigung 99 €

35 Rege bei gutem Betriebsklima an, dass der Chef zum Jubiläum oder zu Deinem 35
runden Geburtstag eine (kleine) Feier steigen lässt. Tritt die Firma formal als
Gastgeber auf und werden hauptsächlich Geschäftsfreunde und Kollegen ein-
geladen, sind die Kosten steuerfrei (BFH-Urteil v. 28. 1. 2003 BStBl 2003 II S
724; R 70 Abs. 2 Nr. 3 a LStR). Das gilt aber nur dann uneingeschränkt, wenn die
Kosten der Feier pro Teilnehmer nicht über 110 € liegen.
War der Spaß teurer, musst Du Dir zumindest den Anteil der Kosten als Ar-
beitslohn zurechnen lassen, der auf Dich selbst und Deine privaten Gäste, wie
Familienangehörige und enge Freunde, entfällt.

Zuschüsse zur Kinderbetreuung

36 Obwohl Du Deine Kinderbetreuungskosten von der Steuer absetzen kannst, 36


sind entsprechende Zuschüsse vom Arbeitgeber die bessere Alternative. Neben
Steuern sparst Du nämlich auch Sozialversicherung auf die Zuschüsse – voraus-
gesetzt, Dein Chef spielt mit. Vereinbare einen steuerfreien Kostenzuschuss für

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42 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

die Unterbringung Deiner Kinder im Kindergarten oder ähnlichen Einrich-


tungen. Die Kleinen dürfen allerdings noch nicht schulpflichtig sein, also das
7. Lebensjahr noch nicht vollendet haben. Am besten fährst Du natürlich, wenn
der Chef den Zuschuss zusätzlich zu Deinem Arbeitslohn zahlt.

zum Kostennachweis und für Lebenspartner

Wenn Dir Dein Brötchengeber die Betreuungskosten überweist oder direkt an


die Betreuungseinrichtung zahlt, musst Du Deinem Boss die Originalbelege
geben, z. B. den Bescheid über die Kindergartengebühren, Rechnungen der Be-
treuungseinrichtung und die Zahlungsquittungen bzw. die Überweisungsträger.
Damit will der Fiskus verhindern, dass Du die Kosten möglicherweise zweimal
geltend machst.
Bei der Erstattung durch den Arbeitgeber sind übrigens – anders als beim Ab-
setzen der Kinderbetreuungskosten in der Steuererklärung – auch die Verpfle-
gungskosten für Dein Kind begünstigt.
Gute Nachricht für nichteheliche Partner mit Kind: Bei nicht verheirateten El-
tern muss meist die Mutter das Kind im Kindergarten anmelden. Die Belege
über die Kinderbetreuung lauten also auf ihren Namen. Wenn nun ihr Lebens-
gefährte einen großzügigeren Chef hat, ist das kein Problem. Auch wenn der
Nachweis der Kindergartenkosten nicht auf seinen Namen lautet, erhält er die
Zuschüsse seines Arbeitgebers steuerfrei. Dazu muss er allerdings der Vater des
Kindes sein. Berufe Dich, wenn es beim Finanzamt Probleme gibt, auf R 21 a
Abs. 1 S. 2 LStR.

zur Gehaltsumwandlung

37 Leider lässt der Fiskus eine Gehaltsumwandlung von z. B. Weihnachtsgeld oder 37


Gratifikationen in Kindergartenzuschüsse nicht zu. Diese Einschränkung
kannst Du umgehen, wenn Du schon bei Deiner Einstellung oder bei einem
Gespräch über eine Gehaltserhöhung geschickt mit Deinem Chef verhandelst.
Gehe mit Deiner Forderung nach Gehalt bzw. Gehaltserhöhung etwas herunter
und schlage vor, er möge stattdessen Deine Kindergartenbeiträge übernehmen.
Statt Euch also um den letzten Euro die Köpfe heißzureden, trefft Ihr Euch in
der Mitte und macht trotzdem beide ein gutes Geschäft. Du kassierst nämlich
einen dicken Batzen Deines Gehalts steuerfrei, und Dein Arbeitgeber spart sich
die Sozialversicherungsbeiträge auf diesen Gehaltsteil.

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1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 43

Wie Du mit einer Tagesmutter 750 € im Jahr


verdienen kannst

38 Der Kniff bei der Tagesmutter ist, dass das Finanzamt sie zwar als Ȋhnliche 38
Einrichtung« – wie einen Kindergarten – akzeptiert, aber nur, wenn Deine Klei-
nen außerhalb Deiner Wohnung betreut werden.
Deinem Chef legst Du also folgende Bescheinigung Deiner Tagesmutter vor:

Bescheinigung
Ich, . . . . . . ., bestätige hiermit Herrn/Frau . . . . . . . ., dass ich die
Kinder . . . . . . . . . . und . . . . . . . . . (usw.) in meiner Wohnung betreue.
Für die Kinderbetreuung zahlt mir Herr/Frau . . . . . . . . . . monatlich
250 €.

Datum, Unterschrift . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Übrigens: Diese Kinderbetreuerin kann Deine erwachsene Tochter, Schwieger-


tochter, Mutter, Schwiegermutter, Oma oder Opa sein.

Zahlt Dir Dein Chef jetzt 12  250 € = 3 000 € unter der Bezeichnung »Zu-
schuss zur Kinderbetreuung«, beträgt Deine Steuerersparnis schon bei einem
Steuersatz von 25 % 750 € im Jahr. Wichtig ist: Du musst diesen Zuschuss zu-
sätzlich zum Arbeitslohn erhalten. Eine einfache Gehaltsumwandlung funktio-
niert nicht.

für Tagesmütter

39 Vergiss nicht die Steuern Deiner Tagesmutter. Bei 3 000 € Kinderbetreuungs- 39


kosten wird das Finanzamt schnell hellhörig und will dafür möglicherweise von
ihr abkassieren. Hier kannst Du helfen, indem Du Deine Zahlungen aufglie-
derst. Weise neben der reinen Betreuung die Kosten für Verpflegung gesondert
aus, z. B. monatlicher Betreuungsaufwand 150 € zzgl. Verpflegungskosten für
zwei Kinder 2,50 €  20 Tage = 100 €. Auf diese Weise kann Deine Tagesmutter
beim Finanzamt sagen: »Meine Einkünfte aus der Betreuungstätigkeit müssen

78049-7_s001-816.indb 43 28.08.2007 14:28:12 Uhr


44 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

um die Kosten gekürzt werden, die ich für die Kinder getragen habe.« Das sind
neben Aufwendungen für Verpflegung z. B. Strom- und Wasserverbrauch oder
Fahrten mit dem eigenen Pkw. Damit die Betreuungsperson nicht noch eine
umfangreiche Buchhaltung einrichten muss, gewährt der Fiskus relativ großzü-
gige Pauschalen, max. bis zur Höhe der monatlichen Einnahmen aus dem jewei-
ligen Betreuungsverhältnis.
Beachte: Wird trotz Urlaub der Tagesmutter bzw. des betreuten Kindes das Ent-
gelt weitergezahlt, besteht unverändert Anspruch auf die Pauschale, auch wenn
die entsprechenden Aufwendungen nicht oder nur teilweise entstehen. Falls in
einem vollen Monat keine Einnahmen erzielt werden, entfällt zwar der An-
spruch auf die Pauschale, Betriebsausgaben können aber für diese Zeiten im
Einzelnen nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden.
Betreuung des Kindes Der Betreuungsperson Erhöhter Aufwand durch eine
entstehen oder mehrere Mahlzeiten
nur unbedeutende (z. B. Frühstück
Sachaufwendungen und Mittagessen)
Bis 4 Std./Tag 46 €/Monat 179 €/Monat
Über 4 Std./Tag bis 6 Std./Tag 62 €/Monat 230 €/Monat
Über 6 Std./Tag 77 €/Monat 246 €/Monat

40 44-€-Freigrenze für Sachbezüge 40


Sachzuwendungen Deines Arbeitgebers, z. B. die verbilligte Überlassung einer
Wohnung, kostenloses Telefonieren, kostenlose Dienstleistungen und Warenlie-
ferungen bleiben steuerfrei, wenn die Differenz zwischen ihrem Wert und Dei-
ner Gegenleistung im Monat nicht höher als 44 € liegt.

zur Bagatellgrenze

Einen zusätzlichen Steuerbonus über die Freigrenze von 44 € hinaus streichst


Du ein, wenn als Wert Deines Sachbezugs nicht der tatsächliche Wert angesetzt
wird.
Um übliche Rabatte oder Preisunterschiede auszugleichen, muss der Fiskus zu-
nächst immer einen Preisabschlag von 4 % vom tatsächlichen Wert Deines
Sachbezugs vornehmen (Quelle: R 31 Abs. 2 S. 9 LStR). Für die Frage, ob die
steuerfreie Grenze von 44 € überschritten ist, kommt es also auf die Differenz
zwischen 96 % des tatsächlichen Wertes und Deiner Zahlung an.
Dein Chef kann Dir als steuerfreien Sachbezug auch einfach einen Benzingut-
schein geben, den Du bei der nächsten Tankstelle einlöst. Wichtig ist nach einem
Bund-Länder-Erlass, dass darauf die Benzinsorte steht, also etwa: »Gutschein

78049-7_s001-816.indb 44 28.08.2007 14:28:12 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 45

für 20 Liter Super«. Die Tankstelle rechnet dann direkt mit Deinem Chef ab.
Auf keinen Fall sollte auf dem Gutschein ein konkreter Euro-Betrag stehen.
Der Betrag von 44 € ist eine Freigrenze, achte also darauf, ihn nicht zu über-
schreiten, denn dann wird der volle Betrag für Dich steuerpflichtig. Dazu musst
Du wissen, dass die 44-€-Freigrenze nicht für eine einzelne Sachzuwendung gilt.
Es muss vielmehr sichergestellt sein, dass sämtliche kleinen Vorteile eines Mo-
nats zusammengerechnet die Grenze nicht überschreiten.
Sieh Dich also vor, dass Dir nicht folgendes Malheur passiert: Dein Chef schenkt
Dir einen Tankgutschein über 30 Liter Superbenzin (Preis/l zzt. 1,40 €). Da Du
nur einen Gegenwert von 42 € erhalten hast, bist Du noch auf der sicheren Seite.
Erlaubt Dir aber Dein Boss im selben Monat, ein Paket Kopierpapier im Wert
von 3 € mit nach Hause zu nehmen, weil Du vergessen hattest, rechtzeitig für
Dich welches einzukaufen, schaust Du schön blöd aus der Wäsche. Nun sind
nämlich die kompletten 45 € (Tankgutschein und Kopierpapier) steuerpflich-
tig.

Nicht unter diese Bagatellgrenze fallen:


● die Nutzung Deines Firmenwagens, für die die 1 %-Regelung gilt;
● Mahlzeiten im Betrieb sowie Kost und Logis, für die bereits die besonders
günstigen Sachbezugswerte nach der Sachbezugsverordnung gelten, und
● Personalrabatte, für die Du den viel günstigeren Rabattfreibetrag in An-
spruch nimmst;
● Bezüge, für die die Lohnsteuer mit 25 % pauschal angesetzt wird:
– Mahlzeiten im Betrieb, Essenmarken,
– Betriebsveranstaltungen,
– Erholungsbeihilfen,
– Verpflegungszuschüsse bei Dienstreisen, Fahrtätigkeit etc.,
– Computerschenkung oder Übernahme Deiner privaten Internetkosten
durch Deinen Arbeitgeber,
● verbilligte Überlassung von Vermögensbeteiligungen,
● verbilligter Versicherungsschutz durch den Arbeitgeber.

So bekommst Du trotz gestrichener Steuerbefreiung


Dein Jobticket weiter steuerfrei

41 Eigentlich sollst Du nach dem Willen des Fiskus für Dein verbilligtes Jobticket 41
Steuern zahlen. Flugs nachgedacht, fällt aber auf, dass das Jobticket ja schließ-
lich eine Fahrkarte ist, also eine Sache, die Du verbilligt oder kostenlos von

78049-7_s001-816.indb 45 28.08.2007 14:28:13 Uhr


46 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Deinem Arbeitgeber beziehst. Also haben wir einen glasklaren Sachbezug, für
den natürlich die 44-€-Freigrenze gilt.
Du musst gemeinsam mit Deinem Arbeitgeber nur noch dafür sorgen, dass der
steuerliche Vorteil aus Deinen verbilligten Fahrkarten nicht höher ist als 44 € im
Monat. Wenn Dein Arbeitgeber auf die Jobtickets einen Rabatt bekommt und
diesen an Dich weitergibt, ist diese Verbilligung für Dich von vornherein kein
Arbeitslohn.
Kostet das Jobticket Deinen Arbeitgeber also weniger als 44 €/Monat und be-
kommst Du die Monatskarte kostenlos, ist der ganze Spaß für Dich nach wie
vor steuerfrei.
Sind die Tickets teurer und Du musst einen Teil zuzahlen, kannst du Dir den
steuerfreien Teil des Jobtickets nach folgendem Schema selbst berechnen.
Regulärer Preis für eine Monatskarte 75,00 €
./. Preisnachlass des Verkehrsbetriebs für den Arbeitgeber – 15,00 €
vom Arbeitgeber bezahlt 50,00 €
steuerlich maßgebend davon 96 % (4 % Unsicherheitsabschlag) 48,00 €
./. 44-€-Freigrenze – 44,00 €
Zuzahlung zum Jobticket, die Du mindestens leisten musst 4,00 €

Wenn Du in diesem Fall also mindestens 4 € zuzahlst, bleibt der restliche Vorteil
von 71 € aus dem Jobticket steuer- und auch sozialversicherungsfrei. Auf so ele-
gante Art und Weise dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen wird auch Dei-
nem Chef gefallen.
Dabei müsst Ihr unbedingt einige Fallstricke vermeiden:
1. Die 44-€-Freigrenze gibt es nur einmal im Monat, Du kannst sie beim Job-
ticket nur dann voll ausschöpfen, wenn Du nicht noch andere verbilligte
Sachbezüge bekommst.
2. Sorgt dafür, dass das Jobticket aus Monatskarten oder monatlichen Wert-
marken besteht. Bei Jahreskarten will der Fiskus die Freigrenze nämlich nur
in dem Monat zulassen, in dem Du die Jahreskarte bekommst, damit ist der
schöne Vorteil aus der Freigrenze zum Teufel.

Was für Jobtickets recht ist, ist für andere


Fahrkarten und Flugtickets nur billig!

42 Wenn Du mit dem Auto zur Arbeit fährst, profitierst Du natürlich nicht von den 42
Jobtickets. Wie wäre es dann mit einer schönen Städtereise per Bahn oder Flug-
zeug nach Berlin, Hamburg oder München? Deine Fahrkarte lässt Du Dir vom
Arbeitgeber besorgen. So kann er Dir die Kosten mit bis zu 44 € im Monat
sponsern.

78049-7_s001-816.indb 46 28.08.2007 14:28:13 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 47

43 Rabattfreibetrag 1 080 € 43
Gibt’s in Deinem Betrieb Personalrabatt? Wenn nicht, schlage Deinem Chef
vor, er möchte bei guter Gelegenheit Personalrabatte als geldwerte Vorteile
einräumen. Warum? Den Rabatt hält der Fiskus für einen Teil des Arbeitslohns,
lässt aber einen Vorwegabschlag von 4 % des Listenpreises und zusätzlich bis zu
1 080 € (Jahresbetrag) steuerfrei. Das sind ca. 185 bis 519 € jährlich an Lohn-
steuer eingespart!

Beispiel
Endpreis der Ware im Einzelhandel z. B. 6 250 €
./. Abschlag, 4 % von 6 250 € – 250 €
Vergleichswert 6 000 €
./. Personalpreis bei 25 % Rabatt – 4 688 €
geldwerter Vorteil 1 312 €
./. Rabattfreibetrag (§ 8 Abs. 3 EStG) – 1 080 €
steuerpflichtiger Arbeitslohn 232 €

Bis zu welchem Warenwert Einkäufe mit Rabatt steuerfrei bleiben, zeigt die
folgende Übersicht:
bis 4 % Rabatt: Steuerfreier Einkauf unbegrenzt
5 % Rabatt: Steuerfreier Einkauf bis 108 400 €
10 % Rabatt: Steuerfreier Einkauf bis 18 000 €
15 % Rabatt: Steuerfreier Einkauf bis 9 818 €
20 % Rabatt: Steuerfreier Einkauf bis 6 750 €
25 % Rabatt: Steuerfreier Einkauf bis 5 143 €

Den Rabattfreibetrag gibt es insbesondere für


● alle Sachen (Lebensmittel, Kleidung, Autos etc.)
● Strom, Gas, Wasser, Fernwärme
● Beförderungsleistungen
● Beratungen
● Kontoführung
● Vermittlungsleistungen
● Reiseleistungen
● Versicherung
● Vermietung von Immobilien
● Vermietung/Gebrauchsüberlassung von beweglichen Sachen
(z. B. Pkw, Segelboot, Wohnmobil)
● Darlehen

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48 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Speziell für Krankenschwestern, Altenpfleger, Köche,


Kellner, Bedienungen

44 Ihr alle steht vor dem Problem, dass der Fiskus Euch einen steuerpflichtigen 44
Sachbezug ans Bein binden will, wenn Ihr im Betrieb kostenlos oder verbilligt
essen könnt.
Variante 1: Du versteuerst jeweils den amtlichen Sachbezugswert, also pro
Mittag- oder Abendessen je 2,67 € (2007) ohne weitere Abzüge.
Variante 2: Du versteuerst den tatsächlichen Preis, den das Essen normaler-
weise kosten würde, allerdings unter Berücksichtigung des Ra-
battfreibetrags von 1 080 € und des Bewertungsabschlags von 4 %.

Wenn Du in der Arbeit speziell zubereitete Mahlzeiten erhältst, die den Pati-
enten oder Gästen nicht serviert werden, ist die Sache eindeutig. In diesem Fall
muss Dein Brötchengeber bei der Versteuerung zwingend von der Differenz
zwischen amtlichem Sachbezugswert und Deiner eventuellen Zuzahlung ausge-
hen. Demgegenüber hast Du die Art und Höhe der Versteuerung in der Hand,
wenn Dir dieselbe Verpflegung aufgetischt wird. Grundsätzlich ist in einem sol-
chen Fall die Rabattregelung anzuwenden, die dann allerdings von den hohen
Preisen ausgeht, die den Patienten bzw. Gästen abverlangt werden.

Angenommen, Du arbeitest als Kellner an 240 Tagen im Jahr im Restaurant


»Zur goldenen Gans« und bekommst als Abendessen jeweils kostenlos ein Ge-
richt Deiner Wahl aus dem Speisenangebot. Im Durchschnitt liegt der Preis des
Gerichts, für das Du Dich entscheidest, bei etwa 10 €. Dein Chef rechnet dann
beim Lohnsteuerabzug wie folgt:
üblicher Preis 240 Tage à 10 € 2 400 €
./. Bewertungsabschlag 4 % – 96 €
2 304 €
./. Rabattfreibetrag – 1 080 €
steuerpflichtiger Teil der kostenlosen Verpflegung 1 224 €

Die Versteuerung kannst Du in diesem Fall deutlich günstiger gestalten, wenn


Dein Brötchengeber sich entschließt, die eventuelle Steuer auf Mahlzeiten pau-
schal mit 25 % zu tragen. Durch die Pauschalierung fliegst Du nämlich automa-
tisch aus der Rabattregelung. Die Folge ist, dass die Bewertung der Verpflegung
mit dem amtlichen Sachbezugswert vorgenommen wird. Die Rechnung sieht
dann so aus:
240 Mahlzeiten à 2,67 € 640 €

78049-7_s001-816.indb 48 28.08.2007 14:28:14 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 49

Wie Du siehst, ist schon die Bemessungsgrundlage bei Pauschalierung der


Lohnsteuer um ca. 580 € günstiger. Hinzu kommt für Dich der Vorteil, dass die
Pauschalsteuer von lediglich 25 % grundsätzlich vom Arbeitgeber getragen
wird und keine Sozialversicherungsbeiträge anfallen.

Rabattregelung statt Pauschalsteuer

Nicht immer ist die Variante Pauschalierung und Ansatz der Sachbezüge für
Dich und Deinen Brötchengeber günstiger. Liegen Deine geldwerten Vorteile
aus der Gewährung der Mahlzeiten unter oder nur geringfügig über dem Ra-
battfreibetrag, bringt die Rabattregelung für Dich Vorteile, weil sie dazu führt,
dass bis zu 1 080 € Deines Vorteils unversteuert bleiben. Hättest Du im obigen
Beispiel nur 100 Mahlzeiten erhalten, hätte sich folgende Rechnung ergeben:
üblicher Preis 100 Tage à 10 € 1 000 €
./. Bewertungsabschlag 4 % – 40 €
960 €
./. Rabattfreibetrag – 1 080 €
steuerpflichtiger Teil der kostenlosen Verpflegung 0€

Bei Pauschalierung und Ansatz der Sachbezugswerte hätte sich dagegen ein
steuerpflichtiger Arbeitslohn in Höhe von 100 Mahlzeiten à 2,67 € = 267 €
ergeben.

Lass Dir vom Finanzamt die Miete bezahlen!

45 Poche auf Dein Recht und verlange, dass Du mit allen anderen Arbeitnehmern, 45
die Personalrabatte erhalten, gleich behandelt wirst. Ist Dein Arbeitgeber z. B.
in der Wohnungsbranche tätig und überlässt Dir verbilligt eine seiner Woh-
nungen? Du versteuerst keine Preisvorteile mehr, die nicht höher als 1 080 €
liegen.

Für Deine monatliche Mietverbilligung um 150 € auf 350 € ergibt sich für Dich
z. B. folgende Rechnung:

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50 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Übliche Monatsmiete 500 €  12 = 6 000 €


./. Abschlag 4 % – 240 €
5 760 €
./. tatsächlich gezahlte Miete 350 €  12 = – 4 200 €
geldwerter Vorteil 1 560 €
./. Rabattfreibetrag – 1 080 €
steuerpflichtiger Arbeitslohn 480 €
Von dem tatsächlichen Vorteil aus der Mietverbilligung von 1 800 € (150 € 
12) versteuerst Du also nur 480 €. Deine Steuerersparnis (inkl. Kirchensteuer
und Solidaritätszuschlag) darauf beträgt je nach Einkommen zwischen 226 €
und 680 €. Wie Du siehst, bezahlt Dir der Fiskus im günstigsten Fall fast zwei
Monate lang Deine Wohnung.

Kassiere den Rabattfreibetrag zweimal!

46 Wenn Du im laufenden Jahr Deinen Arbeitgeber wechselst, solltest Du beim 46


verbilligten Personaleinkauf in der alten Firma noch einmal richtig zuschlagen
und den Rabattfreibetrag ausschöpfen. Den gibt es nämlich nicht pro Jahr, son-
dern für jedes Arbeitsverhältnis, auch für einen Minijob, den Du nebenher
machst. Statt 1 080 € bleiben dann 2 160 € (oder je nach Anzahl der Arbeitsver-
hältnisse noch mehr) steuerfrei. Den doppelten Rabattfreibetrag kannst Du
auch kassieren, wenn Du mit Deinem Ehegatten in derselben Firma arbeitest.
Du musst dazu bei größeren Anschaffungen den Kaufvertrag nur gemeinsam
mit Deiner besseren Hälfte abschließen. Auf diese Weise bleiben vom Rabatt
für jeden 1 080 € steuerfrei. Dieser Trick funktioniert ebenfalls mit anderen An-
gehörigen.
Angenommen, Du arbeitest mit Deinem Ehepartner zusammen bei einem Au-
tohändler. Ihr kauft ein Auto und schließt den Kaufvertrag zusammen ab. Die
Rechnung für das Finanzamt sieht dann bei einem Rabatt von 20 % z. B. so
aus:
Listenpreis des Autos 15 000 €
./. 4 % Abschlag – 600 €
14 400 €
./. Kaufpreis (15 000 € ./. Rabatt v. 3 000 €) – 12 000 €
Vorteil 2 400 €
./. Dein Rabattfreibetrag – 1 080 €
./. Rabattfreibetrag Deines Ehepartners – 1 080 €
steuerpflichtig 240 €

78049-7_s001-816.indb 50 28.08.2007 14:28:14 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 51

Mit dem richtigen Preisschild saftig Steuern sparen!

47 Gehörst Du zu dem Kreis der Begünstigten, die vom Arbeitgeber Personalra- 47


batte gewährt bekommen, musst Du unbedingt wissen, dass die Fiskalritter bei
der Berechnung der Steuer zunächst einmal von dem »Endpreis« ausgehen, den
Dein Brötchengeber von seinen Kunden verlangt. Rabatte und Preisnachlässe
dürfen nicht abgezogen werden. Dafür gibt es den Abschlag von 4 % und den
Rabattfreibetrag. Endpreis ist danach immer der Preis, der auf dem Preisschild
oder in der Preisliste steht und mit dem Dein Boss in die Verkaufsverhand-
lungen mit seinen Kunden startet.
Indem die Preisschilder vernünftig ausgezeichnet werden, könnt Ihr, Dein Ar-
beitgeber und Du, erhebliche Beträge an Steuern und Sozialversicherung ein-
sparen.
Will Dein Arbeitgeber bei seinen Kunden mit tollen Preisnachlässen renom-
mieren, kann Euch beiden geholfen werden. Es kommt nur auf die richtige For-
mulierung an. Er möge einfach auf das Preisschild z. B. Folgendes schreiben:
1a-Spitzen-Einbauküche »Kochprofi«
Katalog/Listenpreis normalerweise 10 000 €
unser Spezialhauspreis nur 7 500 €

Und schon wird bei der Berechnung Deines Arbeitslohns aus dem Rabatt für
die von Dir gekaufte Küche von 7 500 € ausgegangen statt von 10 000 €.

Mit Hilfe des Betriebsrats steuerfreie Rabatte ergattern

48 Vorsicht ist geboten, wenn Du bei Kunden oder befreundeten Unternehmen 48


Deines Brötchengebers zu Sonderkonditionen einkaufen kannst. Hat Dein Ar-
beitgeber beim Aushandeln dieser Preisvorteile die Hände im Spiel, werden Dir
die Fiskalakrobaten den Rabatt als Arbeitslohn anhängen mit der Begründung,
es liege ein »Beziehungskauf« und damit eine Arbeitslohnzahlung von dritter
Seite vor (BMF – Schreiben v. 27. 9. 1993 – BStBl 1993 I S. 814). Den Rabattfrei-
betrag sollst Du aber nicht bekommen, da der Rabatt nicht unmittelbar von
Deinem Arbeitgeber eingeräumt wurde. Wenn man so etwas liest, bleibt einem
glatt die Spucke weg.

78049-7_s001-816.indb 51 28.08.2007 14:28:15 Uhr


52 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Um die Rabatte dennoch steuerfrei zu kassieren, bleibt die Hintertür über den
Betriebsrat. Bring ihn dazu, mit der Leitung Deines Betriebs eine Vereinbarung
zu treffen, nach der der Betriebsrat in eigenem Namen mit Kunden, Lieferanten
etc. über Preisnachlässe für die Betriebsangehörigen verhandelt. Solcherart
ausgehandelte Rabatte sind für Dich steuerfrei.
Dein Brötchengeber selbst soll sich schön im Hintergrund halten und seine Mit-
hilfe darauf beschränken, Angebote an seine Arbeitnehmer zu dulden, sie z. B.
selbst am Schwarzen Brett bekannt zu machen oder Dir eine Bescheinigung
über die Betriebszugehörigkeit auszustellen.

Ein Abschlag von 4 % ist immer drin!

Falls aus irgendeinem Grund der Kniff mit dem Betriebsrat nicht klappt und
man Dir den Rabattfreibetrag nicht zugestehen will, hast Du zumindest An-
spruch auf einen Abschlag von 4 % des Ladenpreises.

Die Rechnung sieht dann z. B. beim Kauf eines Fernsehers mit 10 % Rabatt bei
einem befreundeten Unternehmen so aus:
Ladenpreis des Fernsehers 1 250 €
./. 4 % – 50 €
1 200 €
./. Dein Kaufpreis – 1 125 €
steuerpflichtiger Rabatt 75 €
Statt Deines tatsächlichen Rabatts von 125 € versteuerst Du also nur 75 €.

Lass Dich als Teilzeitkraft mit verbilligten Waren


bezahlen!

49 Beim Lohn für Teilzeitkräfte fallen in der Regel 30 % pauschale Beiträge zu 49


Sozialversicherungen und pauschale Steuern an. Aber da Arbeitslohn alles ist,
was Du für Deine Tätigkeit im Dienst der Firma erhältst, kann niemand etwas
dagegen haben, wenn der Lohn in verbilligter Firmenware statt in bar ausge-
zahlt wird. Es können sogar Preisnachlässe von 100 % eingeräumt werden.
Wenn also beim Personaleinkauf nichts zugezahlt wird, bleibt der Lohn bis zu
1 125 € zusätzlich steuerfrei (§ 8 Abs. 3 EStG).

78049-7_s001-816.indb 52 28.08.2007 14:28:15 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 53

Ladenendpreis an erhaltenen Waren 1 125 €


./. 4 % Abschlag – 45 €
./. Rabattfreibetrag – 1 080 €
steuerpflichtig 0€
Und Deine Firma spart pauschale Steuern und Sozialversicherung von 30 % auf
1 125 € = 337,50 €.

50 Deine Firma oder Dein Chef kann einem Arbeitnehmer auch günstiger ein 50
Kraftfahrzeug verkaufen. Doch aufgepasst, denn dem Lohnsteuerprüfer läuft
gleich das Kinnwasser, wenn er auf solche Geschäfte stößt. Argwöhnt er doch,
dass dem Arbeitnehmer klammheimlich Vorteile aus dem Arbeitsverhältnis
eingeräumt worden sein könnten, die steuerpflichtigen Lohn darstellen. Damit
bei einem Gebrauchtwagenverkauf diesbezügliche Erörterungen mit dem Fis-
kalvertreter gar nicht erst aufkommen, solltet Ihr z. B. den Preis lt. Marktspie-
gel der DAT oder lt. Schwacke-Liste zugrunde legen. Der Fiskus akzeptiert
aber nicht den niedrigeren Händlereinkaufspreis, sondern nur den höheren
Händlerverkaufspreis inkl. Umsatzsteuer (BFH v. 17. 6. 2005 – BStBl II 2005
S. 795).

Schlag dem Finanzamt mit einer Delle


im Kotflügel ein Schnippchen!

51 Gut, dass Du Deinen künftigen fahrbaren Untersatz zusammen mit Deinem 51


Chef genauer unter die Lupe genommen hast, sonst wären Dir die Dellen in der
Stoßstange und im Kotflügel sicher entgangen.
Im Kaufvertrag notiert Ihr diesen leichten Unfallschaden und nehmt so dem
eifrigen Lohnsteuerprüfer den Wind aus den Segeln, wenn er Euch mit einem
angeblichen Vorteil wegen zu niedrigen Kaufpreises kommt.

52 Den Rabattfreibetrag von 1 080 € bekommst Du nur für den Bezug von Waren 52
und Dienstleistungen, mit denen Dein Arbeitgeber regelmäßig handelt. Es muss
sich dabei nicht um das Kerngeschäft Deines Brötchengebers handeln. Deshalb
bekommst Du z. B. als Krankenhausangestellte den Rabattfreibetrag, wenn Du
Medikamente aus der Krankenhausapotheke kostenlos oder verbilligt erhältst
(BFH-Urteil v. 27. 8. 2002, BStBl 2003 II S. 95).
Allerdings darf Dein Arbeitgeber vergleichbare Geschäfte nicht nur überwie-
gend mit seiner Belegschaft machen (BFH – BStBl II 1995 S. 338 und BStBl II
1997 S. 363). So meinen die Richter beim BFH, dass es bei einem Arbeitgeber-
darlehen keinen Rabattfreibetrag geben darf, wenn der Arbeitgeber nur gele-

78049-7_s001-816.indb 53 28.08.2007 14:28:15 Uhr


54 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

gentlich Kredite auch an Nichtarbeitnehmer vergibt, z. B. an Tochterunterneh-


men oder an Banken (Urteil v. 18. 9. 2002, BStBl 2003 II S. 371). Dein Arbeitge-
ber muss die betreffenden Geschäfte also schon mehr als nur gelegentlich auch
mit Kunden oder anderen nicht bei ihm beschäftigten Personen machen.
Steuerfrei sind außerdem:

53 Mitgliedsbeiträge, wenn Du im betrieblichen Interesse einem Verein oder Club 53


(etwa Industrieclub) beigetreten bist (BFH v. 20. 9. 1985 – BStBl 1985 II S. 718).
Das gilt leider nicht für Beiträge an Sportvereine, die z. B. Kreditinstitute für
ihre Angestellten übernehmen (BFH-Urt. v. 15. 5. 1992 – HFR S. 720).

54 Unter der Überschrift Betriebssport unter gleichzeitiger Förderung des Be- 54


triebsklimas kann der Arbeitgeber seiner Belegschaft betriebseigene Tennis-
oder Squashplätze zur Verfügung stellen, ohne dass daraus steuerpflichtige
geldwerte Vorteile entstehen. Bei solchen Vorteilen spricht man nämlich von
Zuwendungen im überwiegend eigenbetrieblichen Interesse des Arbeitgebers.
Anders sieht die Sache allerdings aus, wenn der Arbeitgeber nicht über eigene
Anlagen verfügt, sondern die Plätze angemietet hat. In diesem Fall stellt die
Überlassung steuerpflichtigen Arbeitslohn dar (BFH v. 27. 9. 1996, BStBl 1997
II S. 146).
Wirf die Flinte aber nicht gleich ins Korn. Wenn Du nur zwei- bis dreimal im
Monat den Platz nutzt und die gesparte Platzmiete für Dich nicht über 44 €
liegt, bleibst Du aufgrund der 44-€-Freigrenze des § 8 Abs. 2 EStG doch steuer-
frei E Rz 40.

Lass Dich von zarten Händen steuerfrei verwöhnen!

55 Wer kennt das Problem nicht? Da sitzt Du acht Stunden am Tag vor Schreib- 55
tisch und Computer und fühlst Dich abends, als hätte Dir jemand ins Kreuz
getreten. Der Rücken krumm, der Nacken verspannt, und Kopfschmerzen pla-
gen Dich auch.
Wie wohltuend anders könnte das sein, wenn Dir im Lauf des Tages geschickte
Hände Deine Verspannungen einfach wegmassieren würden.
Das kann jetzt Dein Brötchengeber steuerfrei für Dich organisieren. Dank der
Einsicht der Richter beim BFH kostet diese Annehmlichkeit weder Steuern
noch Sozialversicherungsbeiträge, wenn Ihr sagen könnt: »Mit der Massage
beugt der Arbeitgeber lediglich einer spezifischen, berufsbedingten Beeinträch-
tigung der Gesundheit der Belegschaft vor oder wirkt ihr entgegen.« (BFH-
Urteil v. 30. 5. 2001, BStBl 2001 II S. 671).

78049-7_s001-816.indb 54 28.08.2007 14:28:16 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 55

Wappne Dich als Arbeitgeber mit einer Auskunft des medizinischen Dienstes
einer Krankenkasse bzw. Berufsgenossenschaft oder mit dem Gutachten eines
Sachverständigen, dass die verabreichten Massagen besonders dazu geeignet
sind, möglichen Beschwerden (auch vorbeugend) entgegenzuwirken und krank-
heitsbedingte Arbeitsausfälle zu verhindern.
Und schon hat der Fiskus mit irgendwelchen Steuerforderungen verloren, weil
die Massage nicht als Entlohnung erfolgt, sondern – wie es im schönen Amts-
deutsch heißt – »im überwiegend betrieblichen Interesse« der Firma liegt.

56 Unterstützungen in Notfällen 56
Ein Notfall liegt regelmäßig vor bei Krankheit, Tod oder einem Unglücksfall
und wenn der Arbeitnehmer keine Erstattungen von Dritten, z. B. einer Versi-
cherung, zu erwarten hat. Für die Frage, ob und in welchem Umfang solche
Unterstützungen Deines Brötchengebers steuerfrei bleiben können, kommt es
entscheidend darauf an, wie groß Dein Betrieb ist und ob es dort eine Personal-
vertretung gibt.
Bei Betrieben mit mehr als fünf Arbeitnehmern gibt es drei Möglichkeiten,
steuerfreie Zahlungen zu organisieren:
1. Der Arbeitgeber gründet eine selbständig rechtsfähige Unterstützungskasse
(meistens in der Rechtsform eines e. V.) und stattet sie mit entsprechenden
Mitteln aus. Die Beihilfen werden dann von der Unterstützungskasse ent-
sprechend ihrer Satzung gezahlt.
2. Der Arbeitgeber stellt der Personalvertretung entsprechende Mittel zur
Verfügung, aus denen diese Beihilfen und Unterstützungen zahlt.
3. Der Arbeitgeber zahlt selbst nach einheitlichen, allgemeinen Grundsätzen,
die verbindlich mit der Personalvertretung abgestimmt wurden. In diesem
Fall ist allerdings bei jeder Beihilfezahlung die ausdrückliche Zustimmung
der Personalvertretung erforderlich. Ein Tipp: Die Zustimmung sollte je-
weils kurz schriftlich festgehalten und zu den Lohnunterlagen genommen
werden für den Fall, dass der Lohnsteueraußenprüfer des Finanzamts die
Zahlungen kritisch unter die Lupe nehmen will.
Sind diese Anforderungen erfüllt, bleiben Unterstützungen in Krankheits-,
Todes- und Unglücksfällen bis zu 600 € ohne weitere Voraussetzungen steuer-
frei. Bis zu dieser Höhe spielt das Einkommen des Unterstützten keine Rolle.
Liegt hingegen eine besondere Notlage vor, die vom Arbeitnehmer ohne finan-
zielle Zuwendung des Arbeitgebers nicht zu bewältigen wäre, sind auch höhere
Beihilfen, praktisch ohne betragsmäßige Begrenzung, steuerfrei. In diesem Fall
kommt es aber ganz entscheidend darauf an, wie viel der Arbeitnehmer ver-
dient und ob es ihm nicht doch zuzumuten wäre, die Kosten aus dem eigenen
Einkommen zu tragen. Im Klartext bedeutet das, dass die gleiche Beihilfe beim
Fließbandarbeiter anders zu beurteilen ist als bei einem wesentlich besser ver-
dienenden leitenden Angestellten.

78049-7_s001-816.indb 55 28.08.2007 14:28:16 Uhr


56 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Bei Umweltkatastrophen, z. B. Hochwasserschäden, wird die max. Höhe der


steuerfrei möglichen Unterstützungen in einem sog. Katastrophenerlass des
BMF und der Länderfinanzministerien verbindlich festgelegt.

So kommst Du an eine besonders billige private


Krankenversicherung!

57 Als Besserverdienender bist Du nicht mehr krankenversicherungspflichtig. An- 57


genommen, Du entschließt Dich deshalb für eine private Krankenversicherung,
so kann Dich das eine ganze Stange Geld kosten, obwohl der Arbeitgeber in der
Regel bis zu 50 % des gesetzlichen Höchstbeitrags zur Krankenversicherung
beisteuert. Doch kannst Du Dir die Möglichkeit steuerfreier Beihilfen zunutze
machen. Viele Krankenkassen bieten nämlich erheblich billigere Sondertarife
an, wenn die ersten 600 € Krankheitskosten im Jahr von der Erstattung ausge-
schlossen werden. Diesen Eigenanteil, auf dem Du sitzenbleibst, soll Dir Dein
Brötchengeber als Beihilfe steuerfrei erstatten. Durch diesen Kniff sparst nicht
nur Du ganz enorm an Krankenversicherungsbeiträgen, meistens ist auch für
Deinen Arbeitgeber die Ersparnis bei seinem Pflichtzuschuss so groß, dass er
trotzdem noch ein gutes Geschäft macht.

58 Mahlzeiten vom Betrieb 58


Gibt es in Deinem Betrieb eine Kantine, wird Dir für jede Mahlzeit, die Du
kostenlos erhältst, pauschal der Wert der Mahlzeit aus der Sachbezugsverord-
nung als Arbeitslohn zugerechnet. Musst Du Dein Essen dagegen bezahlen,
entfällt die Versteuerung, wenn der Preis der Mahlzeit mindestens den Sachbe-
zugswerten entspricht.
Um Dich ganz von dieser Steuer zu verschonen, kann Dein Arbeitgeber die
Vorteile aus den Mahlzeiten mit 25 % pauschal versteuern (§ 40 Abs. 2 EStG).
2007 sind für Mahlzeiten folgende Beträge anzusetzen:
Mahlzeit Sachbezugswert Pauschalsteuer (25%)
Arbeitnehmer Frühstück 1,50 € 0,37 €
inkl. Jugendliche/ Mittagessen 2,67 € 0,66 €
Azubis
Abendessen 2,67 € 0,66 €

59 Betriebsveranstaltungen 59
Steuerfrei sind auch Aufwendungen für Betriebsveranstaltungen, d. h. für Be-
triebsausflüge, Betriebsfeste oder Weihnachtsfeiern. Wäre ja auch hirnrissig, hier-
aus Arbeitslohn herzuleiten, denn schließlich ist in erster Linie die Firma selbst
an solchen Veranstaltungen interessiert, die das Betriebsklima verbessern sollen.

78049-7_s001-816.indb 56 28.08.2007 14:28:16 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 57

Nun kommt allerdings der Fiskus und schränkt ein, nur übliche Betriebsveran-
staltungen seien steuerfrei. Und was üblich ist, das misst er an zwei Kriterien:
nicht zu oft – höchstens zweimal im Jahr (BFH v. 16. 11. 2005 – VI R 68/00); nicht
zu teuer – bis 110 € pro Teilnehmer, das wäre angemessen (BFH v. 16. 11. 2005
– BStBl II 2006 S. 439 und BStBl II 2006 S. 442). Die Dauer der Veranstaltung
spielt keine Rolle. Auch mehrtägige Veranstaltungen mit Übernachtung kön-
nen steuerfrei sein, sofern die Kosten nicht über 110 € je Teilnehmer liegen
(BFH v. 16. 11. 2005 – BStBl II 2006 S. 439). (Quelle: R 72 LStR.)

Aufgepasst: Hier lauert eine böse Steuerfalle, wenn an der Betriebsveranstal-


tung auch Angehörige teilnehmen. Jeder Arbeitnehmer muss sich nämlich den
Kostenanteil für seine Begleiter wie Ehegatten, Freund/Freundin, Lebenspart-
ner etc. mit ans Bein binden lassen! Kommt er dadurch über die 110-€-Grenze,
ist der Betriebsausflug für ihn steuerpflichtig.

Vom Arbeitgeber gesponsorter Wochenendtrip


an die See!

60 Auch Barzuschüsse des Arbeitgebers zu einer von der Belegschaft selbst oder 60
der Personalvertretung organisierten Betriebsveranstaltung bleiben steuerfrei.
Wichtig ist auch hier nur, dass die bezuschusste Veranstaltung allen Betriebs-
angehörigen oder bei abteilungsweisen Veranstaltungen allen Angehörigen
der jeweiligen Abteilung offensteht. Außerdem darf der Zuschuss pro Teilneh-
mer die Grenze von 110 € nicht übersteigen (BFH v. 16. 11. 2005 – BStBl II
2006 S. 437). Wenn die Veranstaltung übers Wochenende geht und mehrere
Tage dauert, spielt das keine Rolle. Wenn Ihr also einmal einen größeren Aus-
flug, z. B. an die Nordsee oder zum Skilaufen in die Berge machen wollt, kann
Euer Arbeitgeber die ganze Sache durch einen saftigen Zuschuss in die Kasse
sponsern.

für teure Betriebsveranstaltungen

61 Ausweg in diesem Fall: Der Arbeitgeber kann diesen Teil des Arbeitslohns mit 61
25 % pauschal versteuern. Vorteil für Dich: Mit der Pauschalsteuer ist alles ab-
gegolten, und Du wirst nicht zur Kasse gebeten. Deinem Arbeitgeber tut das
übrigens nicht sehr weh, er spart sich dadurch die Sozialversicherungsbeträge
von immerhin auch gut 20 %.

78049-7_s001-816.indb 57 28.08.2007 14:28:17 Uhr


58 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Organisationstalente, Personalchefs und


Betriebsratsmitglieder feiern steuerfrei!

62 Gerätst Du in Gefahr, dass für Dich der Ausflug steuerpflichtig wird, z. B., weil 62
Du unbedingt Deinen Partner mitnehmen willst, greife zu einem Kniff. Melde
Dich freiwillig zum Organisieren des Betriebsausflugs oder als Begleitperson
an. Für Dich ist damit die ganze Veranstaltung kein steuerpflichtiges Vergnügen
mehr, sondern harte Arbeit. Das bedeutet jedoch nicht, dass Du Dir nicht zwi-
schendurch einmal einen genehmigen kannst oder nicht etwa das Tanzbein
schwingen dürftest. Schließlich bist Du als Mitorganisator dafür verantwortlich,
dass die Getränketemperatur und der Zustand der Tanzfläche einer regelmä-
ßigen Kontrolle unterzogen werden. Oder bist Du da anderer Meinung? Scherz
beiseite! Einen perfekten beruflichen Anstrich Deiner Teilnahme am Betriebs-
ausflug hast Du, wenn es Dir darzulegen gelingt, dass Du unter erheblichem
Zeitaufwand für die organisatorische Durchführung der Reise verantwortlich
warst. Es genügt aber auch, wenn Du ganz konkrete Aufgaben übernommen
hast, z. B. die offizielle Verleihung von Auszeichnungen an verdiente Mitarbei-
ter oder die Gewinner von betrieblichen Wettbewerben (BFH v. 18. 2. 1994 –
BFH-NV 1994 S. 708). Ein zusätzlicher Vorteil ist, dass Du als Mitorganisator in
offizieller betrieblicher Mission eine Dienstreise machst. Dauert die ganze Ak-
tion über 14 Stunden, musst Du für Dein Mittag- und Abendessen zwar jeweils
den Sachbezugswert für Mahlzeiten E Rz 58 versteuern, kannst im Gegenzug
aber 12 € als Verpflegungspauschale absetzen. Im Endeffekt setzt Du also zu-
sätzlich zur Steuerfreiheit Deiner Teilnahme auch noch rund 5 € als Werbungs-
kosten ab.
Ab der dritten und jeder weiteren Betriebsveranstaltung im Jahr kassiert der
Fiskus Lohnsteuer. Allerdings gilt das auch wiederum nicht für den Teil der
Kosten, der auf die Organisatoren entfällt oder auf andere Teilnehmer, die in
offizieller Mission als Personalchef oder Betriebsratsmitglied an der Veranstal-
tung teilnehmen müssen (BFH v. 16. 11. 2005 – BStBl II 2006 S. 440).

Jubilare feiern steuerfrei!

63 Hast Du nach zehn, 20, 25, 30, 40, 50 oder gar 60 Berufsjahren Dein Arbeitneh- 63
merjubiläum, soll Dein Chef eine schöne Feier organisieren. Diese wird nicht

78049-7_s001-816.indb 58 28.08.2007 14:28:17 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 59

als Betriebsveranstaltung gewertet, kommt also dem Betriebsausflug und der


Weihnachtsfeier nicht in die Quere. Aufwendungen bis zu 110 € pro Teilnehmer
sind nach R 70 Abs. 2 Nr. 3 LStR steuerfrei, darin darf sogar noch ein Geschenk
im Wert von bis zu 40 € enthalten sein.

64 Schwierigkeiten mit der Kostengrenze von 110 €? Wenn Deine Firma beim Be- 64
triebsausflug den angenehmen Teil mit dem nützlichen verbindet, kann sie den
Kostenbeitrag, der auf den eigentlichen Ausflug entfällt, unter die magische
Steuerfreigrenze von 110 € je Teilnehmer drücken. Der Kniff ist ganz einfach.
Am ersten Tag des Ausflugs wird ein buntes Programm mit Musik und Tanz
veranstaltet; am zweiten Tag geht es zu einem Kunden Deiner Firma, und Ihr
besichtigt dessen Betrieb. Schon wird aus Eurem schönen Betriebsausflug eine
teilweise dienstlich veranlasste Reise. Der Kostenteil, der auf die Betriebsbe-
sichtigung entfällt, zählt nicht mit zum Betriebsausflug und wird damit auch
nicht bei der Berechnung der 110-€-Grenze einbezogen. Die Aufteilung ist ganz
einfach. Alles, was direkt dem gemütlichen Teil zugeordnet werden kann, wie
Saalmiete, Abendessen, Musik, zählt zum Betriebsausflug. Alles, was für die Be-
triebsbesichtigung anfällt, wie Transport zur Besichtigung, Imbiss etc., ist im
Interesse des Brötchengebers und fällt unter die allgemeinen steuerfreien Rei-
sekosten. Der Clou ist aber, dass die größten Anteile an den Betriebsaus-
flugskosten, wie z. B. für Übernachtung, Hin- und Rückreise, ebenfalls aufgeteilt
werden – und zwar im Verhältnis. Angenommen, Ihr habt am ersten Tag zehn
Stunden lang gefeiert und am zweiten Tag inkl. Anreise zum Betrieb des Kun-
den fünf Stunden in die Betriebsbesichtigung investiert, dann sind 1/3 der Kos-
ten allgemeine Reisekosten und fallen aus der Berechnung der 110-€-Grenze
heraus.

Dein Brötchengeber bekommt hier gleich mit zwei Urteilen Schützenhilfe vom
BFH (Urteile v. 18. 8. 2005 – VI R 32/03 und v. 16. 11. 2005 – VI R 118/01).

Kassiere beim Betriebsausflug Bares steuerfrei!

65 Ich sehe schon, wie Du jetzt die Stirn runzelst. Geldgeschenke vom Arbeitgeber 65
sind doch eigentlich immer steuerpflichtig, und da soll das Finanzamt nicht zu-
schlagen? Das ist ja kaum zu glauben!

78049-7_s001-816.indb 59 28.08.2007 14:28:17 Uhr


60 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Wie so oft ist es nur eine Frage der geschickten Begründung. So kann der Ar-
beitgeber durchaus einen zweckgebundenen Zuschuss an seine Arbeitnehmer
zahlen, z. B., damit diese sich während des freien Nachmittags verpflegen kön-
nen und nicht bis zum Beginn der Tanzveranstaltung mit Buffet am Abend be-
reits verhungert sind, oder für Eintrittskarten, Bus-, Bahn- oder Taxikosten
während des Ausflugs.
Wenn Du als besonders sparsame Seele von Deinem Zuschuss von z. B. 50 € nur
10 € ausgibst, streichst Du also 40 € steuerfrei ein. Bei zwei Betriebsveranstal-
tungen im Jahr sind das schon 80 €. Also, worauf wartest Du noch? Kleinvieh
macht schließlich auch Mist.

66 Arbeitgeberdarlehen 66
Interessante Vorteile können sich aus zinslosen oder zinsgünstigen Arbeitge-
berdarlehen ergeben. Bankkredite wie Verbraucherdarlehen, Ratenkredite
oder gar die Überziehung des Girokontos sind recht teuer – unter 8 bis 10 %
Zinsen läuft da nichts. Somit liegt es auf der Hand, beim nächsten Lohngespräch
– vielleicht unter dem Vorwand der Steuerersparnis – zusätzlich um ein zins-
loses Darlehen zu ersuchen. Allerdings will der Fiskus die dabei gesparten Zin-
sen nach dem Entwurf der Lohnsteuerrichtlinien ab 2008 vom ersten Euro an
versteuern. Die Freigrenze für Kleindarlehen von früher einmal 2 600 €, bis zu
der Zinsvorteile komplett steuerfrei waren, und der günstige steuerliche Pau-
schalzins von 5 %, der bei der Berechnung Deines Zinsvorteils zugrunde gelegt
wurde, gehört damit ab 2008 wohl der Vergangenheit an.
Bei der Berechnung des Zinsvorteils kommt es also nun auf die Differenz zwi-
schen dem Zins an, den Du Deinem Brötchengeber zahlen musst, und dem
Zins, den Dir üblicherweise die Bank abknöpft.
Lass Dich aber davon nicht schrecken. Mit einem zinsgünstigen Darlehen Dei-
nes Chefs fährst Du trotz Steuerpflicht immer noch besser als bei der Bank.
Und so rechnet der Fiskus:

Nehmen wir an, Dein Arbeitgeberdarlehen beträgt:


Beispiel A Beispiel B
Darlehenssumme 10 000 € 10 000 €
Vereinbarter Zinssatz 2,5 % 8,0 %
Marktzins der Hausbank Deines Arbeitgebers 8,0 % 8,0 %
Marktzins in € 800 € 800 €
./. Pauschalabschlag 4 % von 800 € – 32 € – 32 €
./. tatsächlich gezahlte Zinsen – 250 € – 800 €
steuerpflichtiger Vorteil 518 € 0€
Im Beispiel A entstehen Dir zu Deinen Schuldzinsen von 2,5 % von 10 000 € =
250 € zusätzliche Zinskosten in Form von Lohnsteuer, deren Höhe von Deiner

78049-7_s001-816.indb 60 28.08.2007 14:28:18 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 61

Steuerbelastung abhängt. Die zusätzlichen Zinskosten betragen bei einem


Steuersatz von z. B. 30 % ca. 178 € (30 % von 518 € zzgl. Kirchensteuer und Soli)
und 20 % Sozialversicherung = 104 €. Dir entstehen also insgesamt Zinskosten
in Höhe von 532 €, was einem Effektivzins von 5,3 % entspricht. Zahlst Du den
üblichen Bankzins, bist Du immerhin mit 800 € belastet und somit um nahezu
300 € ärmer.

Suche Dir möglichst günstige Vergleichsangebote!

Du wirst zusammen mit Deinem Brötchengeber natürlich nicht den erstbesten


Kreditzins als Berechnungsgrundlage akzeptieren. Zumindest kannst Du das
günstigste Angebot der örtlichen Banken ansetzen, musst also nicht unbedingt
die Zinsen zugrunde legen, die die Hausbank Deines Arbeitgebers oder Deine
eigene Bank nimmt. Erkundige Dich doch alternativ auch einmal über das In-
ternet über die Zinsen bei einer Direktbank, die in der Regel erheblich günsti-
gere Zinskonditionen anbieten. Mit jedem Zehntelprozent, um den Eure Ver-
gleichsangebote günstiger sind, sparst Du bares Geld, weil Dein steuer- und
sozialversicherungspflichtiger Zinsvorteil sinkt.

Monatliche Zinszahlungen verhelfen Dir zu satten


Steuervorteilen

Wenn Du im obigen Beispiel mit Deinem Arbeitgeber monatliche Zinszah-


lungen vereinbarst, beträgt Dein bei der Steuer zu erfassender Vorteil 43,16 €
pro Monat. Na, merkst Du was? Genau, der monatliche Sachbezug aus dem
verbilligten Arbeitgeberdarlehen liegt jetzt unter der Bagatellgrenze von 44 €
und ist damit komplett steuerfrei, und es fallen obendrein keine Sozialversiche-
rungsbeiträge an. Wie Du siehst, bleibt damit die gesamte Zinsverbilligung
durch Deinen Arbeitgeber unversteuert.
Liegen Deine Vorteile aus einem Arbeitgeberdarlehen also nur knapp über
44 €, lohnt es sich, dem Arbeitgeber ein halbes Prozent mehr an Zinsen zu zah-
len, statt dem Fiskus ein Vielfaches davon in den Rachen zu werfen.

67 Weiter sind steuerfrei: Lehrgangs- und Tagungsbeihilfen, inkl. Fahrtkosten, Ge- 67


bühren und zulässiger Spesensätze.

78049-7_s001-816.indb 61 28.08.2007 14:28:18 Uhr


62 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

68 Sachgeschenke (Annehmlichkeiten) bis zu 40 €, wenn sie nicht über den üb- 68


lichen Rahmen hinausgehen, z. B. Theaterkarten, Tabakwaren, Speisen und Ge-
tränke, wenn Du sie als Gelegenheitsgeschenk zu besonderen persönlichen Er-
eignissen, z. B. Geburtstag, Hochzeit, Ehejubiläum, bestandene Prüfungen von
Auszubildenden (BFH, BStBl 1962 III S. 281) etc., bekommen hast. Aber: Geld-
geschenke, auch kleiner Art, sind stets voll zu versteuern.

69 Betriebsratsvergütungen, wenn sie als Ersatz von Auslagen gegen Einzelnach- 69


weis gezahlt werden.

70 Trinkgelder, wenn es sich um freiwillige Gaben handelt (§ 3 Nr. 51 EStG, H70 70


LStR). Vertraglich feststehende oder tarifvertraglich vereinbarte »Trinkgelder«
wie z. B. das feste Bedienungsgeld im Gaststättengewerbe oder das Meter-
geld in der Möbeltransportbranche sind dagegen ab dem ersten Euro steuer-
pflichtig.

71 Unfallkostenersatz für Schäden am Pkw, wenn der Unfall während einer Dienst- 71
reise geschah, bleibt als Reisenebenkosten steuerfrei (R 40 a Abs. 1 Nr. 3 LStR).
Dazu wisse: Auf einer Dienstreise befindest Du Dich z. B. auch dann, wenn
sich der Unfall auf der Umwegstrecke ereignet, die Du morgens vor Arbeits-
beginn abweichend von Deiner direkten Fahrtroute zurücklegst, weil Du zu-
nächst die Post abholst oder einen Kunden besuchst. Wegen der Fahrtkosten
vgl. E Rz 104.

72 Unfallversicherung 72
Zunächst einmal gilt der Grundsatz, dass immer steuerpflichtiger Arbeitslohn
vorliegt, wenn der Arbeitgeber Dir Deine Unfallversicherungsbeiträge erstattet
oder selbst zu Deinen Gunsten eine Unfallversicherung abschließt. Das gilt
nicht nur bei Unfallversicherungen, die sowohl Freizeit- als auch berufliche
Unfälle abdecken, sondern tatsächlich auch dann, wenn sie ausschließlich das
berufliche Unfallrisiko decken. Doch wie so oft im Leben keine Regel ohne
Ausnahme: Eine reine Dienstreiseunfallversicherung kann Dein Arbeitgeber
steuerfrei übernehmen.
Aber auch bei einer Unfallversicherung, die private und berufliche Unfälle ab-
deckt, gibt es zumindest teilweise steuerfreie Zuschüsse zu den Versicherungs-
prämien. Wenn nicht schon die Versicherung die Prämien aufteilt, kannst Du
von einer Pauschalregelung profitieren.
Auf private Unfälle entfallen danach 50 % der Prämien, die sind per se Arbeits-
lohn. Die restlichen 50 % entfallen auf allgemeine berufliche Unfälle und Un-
fälle bei Dienstreisen. Davon sind 40 %, also im Ergebnis 20 % der Gesamtprä-
mie, steuerfrei. Die restlichen 60 % (30 % der Gesamtprämie) werden Dir als
Arbeitslohn zugerechnet. Die kannst Du aber als Werbungskosten von der
Steuer absetzen.

78049-7_s001-816.indb 62 28.08.2007 14:28:19 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 63

73 Manchmal hilft schon ein kleiner Kniff, und schon hast Du die schönste steuer- 73
sparende Gestaltung gezaubert. Die laufenden Prämien zur Unfallversicherung
bleiben nämlich als Arbeitslohn in voller Höhe außer Betracht, wenn Du zwar
aus dem von Deinem Arbeitgeber gefütterten Vertrag begünstigt bist, aber im
Versicherungsfall nicht ohne seine Zustimmung über die Versicherungssumme
verfügen kannst (FG Münster v. 30. 5. 1996, EFG 1996 S. 1102).
Dasselbe gilt für Beiträge Deines Arbeitgebers zu einer Gruppenunfallversi-
cherung. Kann nach den Versicherungsbedingungen – unabhängig davon, ob er
zivilrechtlich verpflichtet ist, die Versicherungsleistung an Dich weiterzuleiten
– zunächst nur Dein Arbeitgeber die Rechte aus dem Versicherungsverhältnis
gegenüber der Versicherung geltend machen, liegt im Zeitpunkt der Beitrags-
zahlung kein Lohnzufluss bei Dir als Arbeitnehmer vor. Die Beiträge Deines
Arbeitgebers sind daher noch nicht lohnsteuerpflichtig (BFH-Urteil v. 16. 4. 1999
– VI R 66/97 – BStBl 2000 II S. 408).
Der Pferdefuß kommt allerdings, wenn Dein Arbeitgeber bei einem privaten
Unfall eventuelle Versicherungsleistungen an Dich auszahlt. In diesem Moment
werden die von der Versicherung über Deinen Brötchengeber an Dich gezahl-
ten Beträge in voller Höhe als steuerpflichtiger Arbeitslohn behandelt.

74 Erfrischungen und Stärkungsmittel, die während der Arbeitszeit gewährt wer- 74


den, wie Tee, Kaffee, Cola, Gebäck, Genussmittel, sind steuerfrei. Aber auch
Speisen, die der Betrieb während einer Besprechung oder während einer Groß-
aktion spendiert (R 73 Abs. 2 LStR), sind steuerfrei, wenn ihr Wert 40 €/Arbeit-
nehmer nicht übersteigt.
Für die Mitarbeiter einer Werbeagentur hat das Finanzgericht Hamburg ent-
schieden, dass auch Mahlzeiten in einem Restaurant während oder nach Ende
des Arbeitstags leistungsbeschleunigend wirken und deshalb steuerfrei bleiben
(FG Hamburg v. 24. 7. 2002, EFG 2003 S. 89).

75 Führerschein 75
Kosten für einen Lkw-Führerschein, die für den Arbeitnehmer übernom-
men werden, weil es im betrieblichen Interesse liegt, unterliegen nicht der
Steuer (BFH v. 26. 6. 1968, BStBl II S. 773 und FG Brandenburg, EFG 1996
S. 310).

76 Betriebspensionen bleiben zumindest bei Beginn der Pensionszahlungen vor 76


2040 teilweise steuerfrei. Der Versorgungsfreibetrag von 3 588 € (Pensionsbe-
ginn 2007) wird aber in den kommenden Jahren für neu hinzukommende Pen-
sionäre Jahr für Jahr niedriger.
Wenn Du die Wahl hast zwischen monatlich 200 € mehr brutto oder einer be-
trieblichen Altersversorgung, greife lieber zur Altersversorgung.

78049-7_s001-816.indb 63 28.08.2007 14:28:19 Uhr


64 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Lieber eine Pensionskasse oder eine


Direktversicherung füttern!

Mit Hilfe der betrieblichen Altersversorgung kannst Du bis zu 4 % der Bei-


tragsbemessungsgrenze in der Rentenversicherung von Deinem Lohn steuer-
frei kassieren. Für 2007 sind das immerhin 2 520 €. Wenn der Vertrag über die
Altersversorgung nach dem 31. 12. 2004 abgeschlossen wurde, erhöht sich dieser
Betrag sogar noch um weitere 1 800 €, auf insgesamt also 4 320 € im Jahr. Einzel-
heiten findest Du unter E Rz 158 ff.

77 Fehlgeldentschädigungen bis zu 16 € im Monat für Arbeitnehmer mit Kassie- 77


rertätigkeit (R 70 Abs. 1 Nr. 4 LStR).

78 Jobticket 78
Wie Du trotz eigentlich gestrichener Steuerbefreiung einen großen Teil Deines
Jobtickets mit Hilfe der 44-€-Freigrenze für Sachbezüge steuerfrei kassieren
kannst, findest du unter E Rz 41.

79 Vermögensbeteiligung 79
Der Arbeitgeber kann seinen Arbeitnehmern eine Vermögensbeteiligung, seit
2002 auch ohne Wiederverkaufssperre, zum Vorzugskurs überlassen. Der Vor-
teil, d. h. die Differenz zwischen dem gemeinen Wert (je nach Art der Vermö-
gensbeteiligung ist das der Börsenkurs, Ausgabepreis oder Nennbetrag) und
dem Überlassungspreis, ist bis zur Hälfte des gemeinen Wertes, höchstens aber
135 € im Jahr, steuerfrei (§ 19 a EStG).

Begünstigt sind insbesondere folgende Anlageformen:


● Aktien, z. B. Belegschaftsaktien
● Anteile an Investmentfonds
● GmbH-Geschäftsanteile am Unternehmen des Arbeitgebers
● Geschäftsguthaben bei Kredit- und Wohnungsbaugenossenschaften, ansons-
ten sind nur eigene Arbeitnehmer der Genossenschaft begünstigt
● stille Beteiligungen
● durch Bankbürgschaften gesicherte Darlehen an den Arbeitgeber

Wie unklug sind jene Gesetze, die die Häufung


von Reichtum unter den Reichen fördern!
(Goldsmith)

78049-7_s001-816.indb 64 28.08.2007 14:28:19 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 65

80 Erholungsbeihilfen 80
Für Erholungsbeihilfen wird, wenn sich der Arbeitgeber verpflichtet, die Lohn-
steuer zu übernehmen, die Lohnsteuer auf Antrag des Arbeitgebers nach einem
festen Pauschsteuersatz von der Summe der Aufwendungen des Arbeitgebers
erhoben (§ 40 Abs. 2 EStG). (E Rz 137)

81 Berufskleidungsersatz 81
Hat man als Arbeitnehmer ständig einen etwa gleich hohen Aufwand an ty-
pischer Berufskleidung, so bleibt eine ausdrücklich dafür gezahlte Barablösung
völlig steuerfrei. Hier ist also eine besonders leichte Umwandlungsmöglichkeit
von steuerpflichtigen Bezügen in steuerfreie möglich (R 20 LStR).

Die Steuerfreiheit der Barablösung hängt davon ab, dass Du nach Gesetz, Tarif-
vertrag, Unfallverhütungsvorschriften oder Betriebsvereinbarung einen An-
spruch darauf hast, dass Dir der Betrieb Arbeitskleidung zur Verfügung stellt.
Klemm Dich also hinter den Betriebsrat, damit er mit Deinem Chef eine solche
Vereinbarung aushandelt, oder sprich direkt mit Deinem Chef.

zur Berufskleidung

82 Berufskleidung muss nicht immer nur der vielzitierte Blaumann oder der La- 82
borkittel sein. So entschieden jedenfalls die Richter am Hessischen Finanz-
gericht (EFG 1993 S. 648), die die schicken dunkelblauen Anzüge und Kostüme
der Mitarbeiter einer Fluglinie als steuerfreie Berufskleidung einstuften, weil
der Arbeitgeber in einer betrieblichen Kleiderordnung seine Angestellten zum
Tragen dieser Kleidung verpflichtet hatte und ihnen zudem das Firmenlogo an
die Jacketts heftete. Also aufgemerkt im Bank-, Einzelhandel-, Restaurant-, Fri-
seurgewerbe etc., die Ihr betrieblich zum Tragen gleichartiger Kleidung verdon-
nert seid: Was einem Fluggesellschaftsmitarbeiter recht ist, sollte Euch doch
billig sein!
Gute Karten haben unter Umständen auch Filialleiter sowie angestellte Metz-
ger und Verkäufer von Lebensmittelketten. Die ihnen vom Arbeitgeber zur
Vefügung gestellten einheitlichen Pullunder, Strickjacken, Hemden, Blusen,
Krawatten und Tücher werden als im betrieblichen Interesse überlassene Be-
rufskleidung anerkannt. Dein Arbeitgeber muss nur argumentieren, er habe die
Kleidung gestellt, weil er ein einheitliches Erscheinungsbild wünsche und weil

78049-7_s001-816.indb 65 28.08.2007 14:28:20 Uhr


66 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

sie durch die einheitliche Beschaffenheit besser zu reinigen sei, was die Hygiene
fördere (BFH v. 22. 6. 2006 – DStR 2006 S. 1795).
Zu Berufskleidung mehr unter E Rz 282 ff.

83 Brillen 83
Ja, Du liest richtig, Dein Arbeitgeber kann Dir steuerfrei eine Brille spendieren.
Allerdings gilt das nur für sog. Bildschirmarbeitsplatzbrillen. Wappne Dich also
in Absprache mit Deinem Arbeitgeber mit einer entsprechenden Bescheini-
gung einer in Augenuntersuchungen fachkundigen Person, dass Deine normale
Brille für Deinen Bildschirmarbeitsplatz nicht ausreicht. Dass Du Dich dann für
ein einigermaßen modisches Gestell entscheidest, ist nur recht und billig,
schließlich willst Du bei Deinen Arbeitskollegen weder Horror noch Lach-
krämpfe auslösen (R 70 Abs. 2 Nr. 1 LStR).

84 Werkzeuggeld, das Du für die Abnutzung und die übrigen Kosten für selbstge- 84
kauftes Werkzeug erhältst (§ 3 Nr. 30 EStG). Ein leider wahrer Treppenwitz:
Werkzeug sind nach Meinung der Steuerbürokraten nur Hammer, Zange, Säge
und Ähnliches. Alle Handwerker können sich also beruhigt zurücklehnen.
Schreibmaschinen oder Musikinstrumente seien dagegen kein Werkzeug.

85 Garagengeld, wenn Dir Dein Brötchengeber dafür, dass Du Deinen Firmenwa- 85


gen in Deiner Garage unterstellst, einen Obolus zahlt (BFH-Urteil v. 7. 6. 2002,
BStBl 2002 II S. 829).

Mach ein optimales Geschäft mit der Garage


für den Firmenwagen!

86 Du hast zwei Möglichkeiten, dem Fiskus ein Schnippchen zu schlagen. 86

Variante 1: Wie oben beschrieben, zahlt Dein Arbeitgeber ein Garagengeld.


Hast Du die Garage gemietet, bleibt das Garagengeld in Höhe der Garagen-
miete und der auf die Garage entfallenden Nebenkosten steuerfrei. Also ab mit
Deinem Mietvertrag und der Nebenkostenabrechnung zum Kopierer und die
Kopien beim Chef eingereicht.
Hast Du dagegen ein eigenes Häuschen, musst Du Dir die Mühe machen und
die anteiligen Kosten, die auf Deine Garage entfallen, zusammenrechnen. Dazu
gehören z. B. Zinsen für Hypotheken, Abschreibung, Grundsteuer, Grundbe-
sitzabgaben, Strom, Wasser etc. Auch hier kann Dein Chef die anteilig auf die
Garage entfallenden Kosten steuerfrei zahlen.

78049-7_s001-816.indb 66 28.08.2007 14:28:20 Uhr


1. Wie vermeide ich steuerpflichtigen Lohn? 67

Variante 2: Nun ist nicht jeder Boss so großzügig und erstattet Dir tatsächlich
alle Garagenkosten. Häufig ist die Schmerzgrenze bei dem Betrag erreicht, der
üblicherweise als Miete für eine »normale Garage« verlangt wird.
Was also tun, wenn Du gerade neu gebaut hast und Deine anteiligen Kosten für
die Garage wegen der hohen Zinsen und Abschreibung 150 €/Monat betragen,
Dein Chef aber nur 40 € herausrücken will?

Natürlich kannst Du die 40 € steuerfrei einstreichen, aber dann verschenkst Du


einen dicken Batzen Geld. Bitte lieber den Fiskus mit einem Mietvertrag über
die Garage zusätzlich zur Kasse:
Statt Dir vom Chef Garagengeld zahlen zu lassen, schließt Du einen astreinen
Garagenmietvertrag mit einer Monatsmiete von 40 €. Jetzt darfst Du nämlich
die Differenz aus Miete und Garagenkosten als Mieteinkünfte in Deiner Steu-
ererklärung angeben.

Deine Abrechnung für das Finanzamt sieht dann so aus:


Einnahmen aus Garagenvermietung 12  40 € 480 €
./. Kosten für die Garage 12  150 € – 1 800 €
Verlust aus Vermietung und Verpachtung 1 350 €

Damit hast Du nicht nur Deine 40 € Garagengeld pro Monat steuerfrei, sondern
kannst auch noch den Verlust von 1 350 € von der Steuer absetzen. Das füllt Dir
Deinen Geldbeutel je nach Steuersatz zusätzlich mit 232 bis 649 € im Jahr. Bei
einem mittleren Steuersatz verdoppelt Dir der Fiskus damit praktisch Dein
steuerfreies Garagengeld.

87 Kaufkraftausgleich 87
Ihn kann der Betrieb für einen begrenzten Zeitraum allen Leuten gewähren,
die im Ausland tätig sind. Er bleibt bis zu bestimmten Höhen steuerfrei (siehe
www.bundesfinanzministerium.de).

88 Fernsprechgebühren 88
Die Vorteile des Arbeitnehmers aus der privaten Nutzung von betrieblichen
Personalcomputern und Telekommunikationsgeräten sind steuerfrei (§ 3 Nr. 45
EStG). Diese Steuerbefreiung umfasst alle Kosten des Telefons, des Computers,
des Faxgeräts und auch der Online-Verbindung zum Internet.

Für die Steuerbefreiung gibt es keine betragsmäßigen Grenzen. Du kannst also


– das Einverständnis Deines Chefs vorausgesetzt – unbelastet von Lohnsteuer
und Sozialversicherung praktisch unbegrenzt hohe Vorteile aus der Privatnut-
zung ziehen.

78049-7_s001-816.indb 67 28.08.2007 14:28:21 Uhr


68 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

für Handy und Home-Office

89 Die Steuerfreiheit ist nicht auf die private Nutzung von Geräten Deines Bröt- 89
chengebers im Betrieb beschränkt. Sie gilt selbstverständlich auch für Geräte,
die sich zwar in Deinem Besitz befinden, aber weiter Eigentum Deiner Firma
sind. Steuerfrei bleiben somit die privaten Telefonate mit dem Dir zur Verfü-
gung gestellten betrieblichen Handy. Zudem greift die Steuerbefreiung, wenn
Du in Deiner Wohnung über einen vom Arbeitgeber eingerichteten Telearbeits-
platz verfügst und die betrieblichen Geräte wie Telefon, PC, Fax etc. auch für
private Zwecke benutzt.
Zum Abzug von Telefonkosten als Werbungskosten findest Du mehr unter
E Rz 368 ff.

2. Abfindungen aus dem Dienstverhältnis


90 Vorsorgeuntersuchung Die Kostenübernahme durch den Arbeitgeber kann 90
steuerfrei sein, wenn sie im überwiegend eigenbetrieblichen Interesse erfolgt
(BFH v. 17. 9. 1982, BStBl 1983 S. 39).
Von einem eigenbetrieblichen Interesse spricht der Fiskus in der Regel, wenn
● der Arbeitgeber den untersuchten Personenkreis, den Untersuchungsrhyth-
mus und das Untersuchungsprogramm bestimmt;
● sichergestellt ist, dass dabei festgestellte Erkrankungen behandelt werden.
Dazu muss der Arbeitgeber nicht unbedingt vom Untersuchungsergebnis un-
terrichtet werden. Es genügt, dass z. B. ein Werksarzt die Ergebnisse kennt
und den Untersuchten hinsichtlich der Behandlung beraten kann.
● sichergestellt ist, dass alle Untersuchungen von Ärzten vorgenommen wer-
den, die über die notwendige Kompetenz und technische Ausstattung für der-
artige Untersuchungen verfügen.

91 Die Steuerfreiheit bei Abfindungen von 7 200 € bzw. 9 000 € (Alter mindestens 91
50 und mindestens 15-jährige Betriebszugehörigkeit) bzw. 11 000 € (Alter min-
destens 55 und mindestens 20-jährige Betriebszugehörigkeit) ist ab 2006 noch
nicht endgültig entfallen.
Eine Ausnahme gibt es nämlich für Abfindungen, die Dir bis spätestens
31. 12. 2007 ausgezahlt wurden – sofern Dein Arbeitgeber die Kündigung vor
dem 1. 1. 2006 ausgesprochen hat oder die Vereinbarung über die Beendigung
Deines Arbeitsverhältnisses und über die Zahlung einer Abfindung vor dem
1. 1. 2006 geschlossen wurde.

78049-7_s001-816.indb 68 28.08.2007 14:28:21 Uhr


2. Abfindungen aus dem Dienstverhältnis 69

Eine Besonderheit gilt für gerichtlich festgelegte Abfindungen. Sie fallen noch
unter die Steuerbefreiung, wenn Du die entsprechende Klage beim Arbeitsge-
richt bis spätestens 31. 12. 2005 eingereicht hattest. Wann das Urteil ergeht, ist
nicht entscheidend. Allerdings muss die Zahlung der Abfindung auch in diesem
Fall bis spätestens 31. 12. 2007 über die Bühne gegangen sein.
Wird das Verfahren nicht rechtzeitig beendet, achte darauf, dass das Gericht auf
die Dir zugesprochene Abfindung die Steuern aufschlägt, die bei einer Zahlung
ab dem Jahr 2008 anfallen. Beantrage also, dass Deine Abfindung als Nettobe-
trag festgesetzt wird und Dein Ex-Arbeitgeber alle Abzüge tragen muss.

Steuerfreiheit von Abfindungen retten!

92 Vorsicht ist bei Altersteilzeit im sog. Blockmodell geboten. Wenn Du Deine 92


Altersteilzeitvereinbarung mit Abfindungsversprechen noch im Jahr 2005 oder
früher abgeschlossen hast, erfüllst Du die formale zeitliche Voraussetzung für
die Steuerfreiheit. Allerdings schaust Du steuerlich in die Röhre, wenn Deine
Freistellungsphase erst 2008 oder später beginnt und daher Deine Abfindung
nicht rechtzeitig vor dem 1. 1. 2008 gezahlt wird. Du kannst aber die Steuerfrei-
heit retten, wenn Dein Arbeitgeber mitspielt. Er muss Dir dazu einen Teilbetrag
der Abfindung, und zwar mindestens in Höhe des Freibetrags, noch im Jahr
2007 überweisen. Den Rest kann er Dir dann bei Einstieg in die Freistellungs-
phase zukommen lassen. Lass Dich nicht vom Finanzamt mit dem Argument
abspeisen, die Zahlung sei rechtsmissbräuchlich vorgezogenen worden und des-
halb nicht steuerfrei. Halte ihm in diesem Fall entgegen, dass das Vorziehen der
Abfindung mit höchstem fiskalischem Segen ausdrücklich zugelassen wurde
(Hessisches FM v. 14. 6. 2006 – DStR 2006 S. 1709).

Zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen und neben


Steuerfreiheit auch die ermäßigte Besteuerung retten!

Wenn Dein Arbeitgeber die Abfindung im Altersteilzeitmodell in das Jahr 2007


vorzieht, soll er das möglichst nur in Höhe des steuerfreien Betrags tun. Ange-
nommen, Deine Abfindung sollte eigentlich zu Beginn der Freistellung zum
1. 12. 2008 in Höhe von 30 000 € gezahlt werden. Ihr vereinbart nun, dass ein
Teilbetrag in Höhe von 7 200 € (bei entsprechendem Alter und Betriebszugehö-

78049-7_s001-816.indb 69 28.08.2007 14:28:21 Uhr


70 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

rigkeit auch 9 000 oder 11 000 €, vgl. E Rz 91) schon zum 28. 12. 2007 gezahlt
wird und der Restbetrag bei Fälligkeit am 1. 12. 2008. Da nun der gesamte steu-
erpflichtige Teil der Abfindung im Jahr 2008 zufließt, streichst Du so trotz raten-
weiser Zahlung neben der Steuerfreiheit auch noch die Steuerermäßigung über
die sog. Fünftelregelung ein.

93 Auch wenn die Steuerfreiheit in Zukunft entfällt, können Abfindungen weiter- 93


hin nach der sog. »Fünftelregelung« ermäßigt besteuert werden.
Das heißt, die Abfindung wird bei der Besteuerung nur mit einem Fünftel ange-
setzt und die Steuer, die auf diesen Abfindungsteil entfällt, anschließend ver-
fünffacht. Dadurch ergibt sich in der Regel eine Abmilderung der Progression,
die allerdings bei Spitzenverdienern nicht mehr zu Buche schlägt.
Damit Du in den Genuss dieser ermäßigten Besteuerung kommst, musst Du
einige wichtige Grundregeln beachten.
Deine Abfindung muss in einer Summe gezahlt werden, oder zumindest müssen
alle Raten der Abfindung in demselben Kalenderjahr fließen.
Deine Einkünfte im Entlassungsjahr müssen inkl. Abfindung höher sein, als
wenn Du weiterbeschäftigt worden wärest.
Die Zahlung einer Abfindung darf nicht schon von vornherein in Deinem Ar-
beitsvertrag vereinbart gewesen sein (FG München v. 16. 9. 1999 – EFG 2000
S. 67).
Außer der Abfindung dürfen Dir in späteren Jahren keine weiteren wesent-
lichen Leistungen Deines Arbeitgebers zufließen.
Allerdings gilt auch hier: Keine Regel ohne Ausnahme. Folgende Zahlungen
und Sachleistungen sollen die ermäßigte Besteuerung Deiner Abfindung nicht
beeinflussen:
94 ● Outplacement-Beratungen, um schneller einen neuen Job zu finden (BFH v. 94
14. 8. 2001 – BFH/NV 2002 S. 402).
95 ● Kurzzeitige Weiterbenutzung des Firmenwagens (BFH v. 14. 8. 2002 – BStBl 95
II 2004 S. 447).
● Spätere Aufstockung der Abfindung aus einem Sozialplan oder aus sozialer
Fürsorge bis zu 50 % (BFH v. 21. 1. 2004 – BStBl 2004 II S 715, BMF v.
24. 5. 2004 – BStBl I 2004 S. 505).
96 ● Weitere Nutzung einer Werkswohnung zu einer günstigen Miete (BMF v. 96
18. 12. 1998 I S. 1512, TZ 19).
97 ● Nachzahlung von Abfindungen in späteren Jahren. Hier kannst Du beantra- 97
gen, dass die Nachzahlung dem Jahr zugeschlagen wird, in dem die Abfin-
dung ursprünglich fällig gewesen wäre, und so die ermäßigte Besteuerung
retten (BMF v. 24. 5. 2005 – BStBl 2004 I S. 505 Tzn 17-20).
98 ● Ratenzahlung in zwei Jahren, wenn die Zahlungen im ersten Jahr komplett 98
steuerfrei waren (BFH v. 2. 9. 1992 – BStBl II 1993 S. 52).

78049-7_s001-816.indb 70 28.08.2007 14:28:22 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte – Fahrgelder 71

3. Reisekostenersatz
99 Dein Arbeitgeber kann Dir unter der Überschrift »Reisekosten« steuerfreie 99
Leistungen zahlen für
● Verpflegungskosten
● Fahrtkosten
● Übernachtungskosten
● Reisenebenkosten,
wenn Du eine sog. Auswärtstätigkeit durchführst. Gemeint ist damit, dass Du
als Arbeitnehmer Dienstreisen machst, im Rahmen einer Einsatzwechseltätig-
keit beschäftigt bist oder als Berufskraftfahrer eine Fahrtätigkeit auf einem
Fahrzeug ausübst. Die Höhe der steuerfreien Zahlungen entspricht den Be-
trägen, die Du für dieselben Aufwendungen als Werbungskosten absetzen
könntest.
Zu Einzelheiten vgl. E Rz 170 ff.

4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte –


Fahrgelder
100 Fahrgelder Deines Arbeitgebers für die tägliche Fahrt zur Arbeit sind zunächst 100
einmal steuer- und sozialversicherungspflichtig. Deshalb habe ich ein paar
Kniffe für Dich ausgeknobelt, wie Du dem Fiskus hier ein Schnäppchen schla-
gen kannst.

Kassiere Rabatte auf Deine Fahrkarten/


Benzingutscheine bis 44 € steuerfrei!

101 Statt Fahrgeld zu kassieren, lass Dir lieber vom Arbeitgeber ein Jobticket oder 101
Monatskarten mit einem Preisnachlass von bis zu 44 € im Monat besorgen. Der
Vorteil bleibt dann nämlich komplett steuerfrei.

Wenn Du mit dem Auto fährst, kann Dir Dein Chef statt Fahrgeld besser einen
steuerfreien Benzingutschein im Wert von bis zu 44 € im Monat geben. Zu Ein-
zelheiten vgl. E Rz 41 ff.

78049-7_s001-816.indb 71 28.08.2007 14:28:22 Uhr


72 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Pauschalsteuer für Fahrtkostenzuschüsse


als billigere Variante!

102 Hast Du die Freigrenze von 44 € für Sachzuwendungen Deines Arbeitgebers 102
schon ausgeschöpft, liegt der Wert der Fahrkarte, die Du kostenlos bekommst,
über diesem Betrag, oder scheut Dein Brötchengeber schlicht den Aufwand mit
dem Fahrkartenkauf oder dem benzingutschein und will Dir nur Bares zahlen,
hilft Dir die Pauschalsteuer für Fahrtkostenzuschüsse zumindest teilwise aus
der Bredouille. Dein Arbeitgeber kann nämlich Fahrgelder oder Sachleistungen
für Fahrten zur Arbeit, wie Fahrtkarten, ja sogar den Vorteil aus der Überlas-
sung eines Firmenwagens, mit 15 % pauschal versteuern. Daraus ergibt sich
gleich ein doppelter Vorteil. Für Dich ist der Fahrtkostenzuschuss damit steuer-
frei, und zudem fällt darauf keine Sozialversicherung an. Das ist sogar für Dei-
nen Brötchengeber ein gutes Geschäft. Entschließt er sich, die Lohnsteuer mit
15 % pauschal zu tragen, belastet ihn das inkl. Kirchensteuer und Solidaritätszu-
schlag mit insgesamt ca. 17 %. Im Gegenzug spart er aber den Arbeitgeberanteil
zur Sozialversicherung von etwa 21 % ein.
Einen dicken Pferdefuß hat der Fiskus seit 2007 parat. Dein Arbeitgeber kann
vom Fahrtkostenzuschuss nur so viel mit 15 % pauschal besteuern, wie Du als
Werbungskosten abziehen kannst. Ab 2007 gibt es aber für Fahrten zur Arbeit
die Entfernungspauschale nur noch ab dem 21. Kilometer (gerechnet wird
immer mit der einfachen Strecke zwischen Wohnung und Arbeitsplatz). Die ers-
ten 20 Kilometer fallen komplett unter den Tisch. Außerdem können nur noch
Behinderte (Grad der Behinderung mindestens 50 % + Merkzeichen »G« oder
mindestens 70 %) die tatsächlichen Kosten für die Fahrt zur Arbeit absetzen.
Andere Arbeitnehmer haben diese Möglichkeit generell nicht mehr. Also lohnt
sich die Pauschalbesteuerung nur, wenn Dein täglicher Arbeitsweg deutlich län-
ger ist als 20 km.
Will Dein Arbeitgeber von der pauschalen Lohnbesteuerung der Zuschüsse
nichts wissen, kannst Du sie auch aus der eigenen Tasche finanzieren und Dei-
nem Brötchengeber erstatten. Unter dem Strich ist das für Dich oft immer noch
ein gutes Geschäft.
Beispiel:
Du bekommst als Lediger in Steuerklasse I einen Monatslohn von 3 000 €. Zu-
sätzlich zahlt Dein Chef einen monatlichen Fahrtkostenzuschuss von 100 €. Die
einfache Entfernung von Dir bis zur Arbeit beträgt 50 km.
Entfernungspauschale (es kann von 15 Tagen pro Monat ausgegangen werden)
monatlich (50 km ./. 20 km) = 30 km  0,30 €  15 Tage = 135 €.
Der Fahrtkostenzuschuss von 100 € kann also in voller Höhe mit 15 % pauschal
besteuert werden.

78049-7_s001-816.indb 72 28.08.2007 14:28:23 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte – Fahrgelder 73

Bruttolohn 3 100,00 €
./. Steuer und Sozialversicherung (21 %) auf 3 100 € – 1 320,82 €
Nettolohn 1 779,18 € 1 779,18 €
Mit Übernahme der Pauschalsteuer:
Bruttolohn 3 000,00 €
./. Steuer und Sozialversicherung (21 %) darauf – 1 262,78 €
Fahrtkostenzuschuss + 100,00 €
./. pauschale Lohnsteuer 15 % von 100,00 € – 15,00 €
./. Pauschale Kirchensteuer 7 % von 15,00 € – 1,05 €
./. Solidaritätszuschlag 5,5 % von 15,00 € – 0,82 €
Nettolohn bei Pauschalierung des Zuschusses 1 820,35 € 1 820,35 €
Mehrbetrag pro Monat 41,17 €
Im gesamten Jahr 494,04 €
Wie Du siehst, machst Du trotz Übernahme der pauschalen Steuern auf den
Fahrtkostenzuschuss im Jahr ein sattes Plus von knapp 500 €.
Wenn Du noch andere Werbungskosten hast, mit denen Du schon über dem
Werbungskostenpauschbetrag von 920 € liegst, kannst Du zusätzlich die Entfer-
nungspauschale absetzen:
Arbeitstage 230  30 km  0,30 € = 2 070 €
./. pauschal besteuerte Fahrtkosten – 1 200 €
verbleibende Werbungskosten 870 €

103 Sammelbeförderung 103


Nach wie vor steuerfrei ist die Sammelbeförderung von Arbeitnehmern zwi-
schen Wohnung und Arbeitsstätte mit einem vom Arbeitgeber gestellten Fahr-
zeug (§ 3 Nr. 32 EStG). Leider hat der Gesetzgeber diese Steuerbefreiung auf
Fälle beschränkt, in denen die Sammelbeförderung für den betrieblichen Ein-
satz des Arbeitnehmers notwendig ist. Das wird z. B. in folgenden Fällen unter-
stellt:
1. Die Beförderung mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist entweder gar nicht
oder nur mit ganz erheblichem Zeitaufwand möglich.
2. Die Arbeitnehmer arbeiten, wie z. B. Bau- und Montagearbeiter, an ständig
wechselnden Einsatzstellen.
3. Die Arbeitnehmer werden, wie z. B. Waldarbeiter, an verschiedenen Stellen
eines weiträumigen Arbeitsgebiets eingesetzt.
4. Der Arbeitsablauf im Betrieb macht es erforderlich, dass die beförderten
Arbeitnehmer gleichzeitig ihre Arbeit aufnehmen.
Dein Arbeitgeber muss nicht unbedingt selbst ein Fahrzeug für den Sammel-
transport anschaffen, es genügt vollkommen, wenn er damit ein Bus- oder Taxi-
unternehmen beauftragt.
Hinweis: Wenn Du per Sammelbeförderung zu Deiner Arbeitsstelle fährst,
kannst Du keine Entfernungspauschale absetzen.

78049-7_s001-816.indb 73 28.08.2007 14:28:23 Uhr


74 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Steuerfreies Fahrgeld für den Heimweg

104 Die Idee, mit einem schnellen Abstecher zur Post oder zur Bank zu fahren, um 104
durch diesen kleinen dienstlichen Auftrag morgens und abends aus Deiner
Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte eine steuerlich viel lukrativere
Dienstreise zu machen, fand leider vor den Augen der obersten Steuerrichter
keine Gnade (BFH, BStBl 1991 S. 134). Steuerfreies Fahrgeld oder die erhöhte
Kilometerpauschale für Dienstreisen wird Dir nur für die Mehrkilometer durch
den Umweg zur Bank oder Post zugestanden.

105 Also sei clever. Kurz zur Post reicht nicht. Wenn Du aber z. B. häufiger im Auf- 105
trag Deines Chefs Kunden besuchen musst, solltest Du Deine Termine so pla-
nen, dass Du nach dem Kundenbesuch direkt nach Hause fahren kannst. Jetzt
kann Dir das Finanzamt ja wohl kaum noch mit »kurzfristigen Erledigungen«
kommen.
Und schon kann Dir Dein Chef wieder für die ganze Fahrt von der Firma zum
Kunden und von da bis nach Hause das Fahrgeld steuerfrei zahlen. Bekommst
Du kein Fahrgeld, setzt Du stattdessen bei Deiner Steuererklärung jeden Kilo-
meter mit 0,30 € als Werbungskosten ab.

106 Gehörst Du zu denen, bei denen der Arbeitgeber die Fahrtkostenzuschüsse 106
pauschal besteuern lässt? Dann muss Dein Arbeitgeber in diesem Fall durch die
Eintragung des steuerfreien oder pauschal besteuerten Betrags auf der Steuer-
karte das Finanzamt mit der Nase darauf stoßen, dass Dir die Beträge von Dei-
nen Entfernungskilometern abgezogen werden.
Profitierst Du von einer Sammelbeförderung, ist als Hinweis für das Finanzamt
in Deiner Lohnsteuerbescheinigung ein »F« aufgedruckt.

Zahle weniger Lohnsteuer bei


steuerpflichtigem Fahrgeld!

107 Die Werbungskosten aus Deiner Entfernungspauschale für den täglichen Weg 107
zur Arbeit kannst Du Dir als Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eintragen las-
sen und so schon im Lauf des Jahres einen hübschen Betrag an Steuern sparen.
Warte damit nicht erst bis zu Deiner Einkommensteuererklärung.

78049-7_s001-816.indb 74 28.08.2007 14:28:23 Uhr


5. Firmenwagen 75

Zahlt Dir Dein Brötchengeber Fahrgeld oder darfst Du mit einem Firmenwa-
gen zur Arbeit fahren, rechnet man Dir daraus steuerpflichtige Einnahmen zu,
für die Du Steuern zahlen musst. (Natürlich kannst Du auch hier Deine lau-
fende Steuerlast mit einem Freibetrag auf der Steuerkarte drücken.)

Bei einer Entfernung zur Arbeit von 60 km zahlt Dir Dein Chef monatlich ein
Fahrgeld von 200 €.
Bei einem Gehalt von 2 500 € zahlst Du also 2007 inkl. Fahrgeld an Steuern für
monatlich 2 700 € 525,15 €
Allein für Deine Fahrtkosten stünde Dir bei 230 Arbeitstagen
ein Freibetrag von ca. 150 € im Monat zu.
Damit liegt die Steuer auf Dein steuerpflichtiges Gehalt
von 2 700 € ./. 150 € = 2 550 € nur noch bei 473,34 €
monatliche Ersparnis an Lohnsteuer, Kirchensteuer, Soli 51,81 €
Gesamtersparnis im Jahr ca. 621,00 €

5. Firmenwagen
108 Stellt die Firma ihrem Arbeitnehmer ein Fahrzeug zur Verfügung, das er auch 108
für Privatfahrten und Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte verwenden
darf, dann ist der darin liegende geldwerte Vorteil vom Arbeitnehmer zu ver-
steuern, das ist klar. Für Privatfahrten ist pro Monat aber nur 1 % des
Listen(neu)preises des Fahrzeugs (inkl. Umsatzsteuer) dem Monatslohn hinzu-
zurechnen. Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte beträgt der geld-
werte Vorteil zusätzlich 0,03 % des Listenpreises je Entfernungskilometer für
jeden Monat. Davon werden bei der Einkommensteuerveranlagung die Wer-
bungskosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit der Entfer-
nungspauschale von 0,30 € für jeden Entfernungskilometer ab dem 21. abgezo-
gen.

Beispiel
Ein Arbeitnehmer fährt arbeitstäglich mit einem Firmenwagen zu seiner 30 km
entfernt liegenden Arbeitsstätte. Für die private Nutzung des Firmenwagens
leistet der Arbeitnehmer eine Zuzahlung von mtl. 150 €.
Der Arbeitnehmer hat als geldwerten Vorteil zu versteuern:
Für Privatfahrten
Listenpreis des Dienstwagens z. B. 30 000 €
davon 12 % = geldwerter Vorteil (Jahresbetrag) 3 600 €

78049-7_s001-816.indb 75 28.08.2007 14:28:24 Uhr


76 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte


Geldwerter Vorteil monatlich 0,03 % v. 30 000 € = 9 € je Entfernungskilometer
Zu versteuernder Jahresbetrag:
9 €  30 km  12 Monate = 3 240 €
Insgesamt zu versteuern (3 600 € + 3 240 €) 6 840 €
./. Zuzahlung (150 €  12 Monate) – 1 800 €
vom Arbeitgeber über die LSt-Karte zu versteuernder Jahresbetrag 5 040 €
Monatsbetrag 1/12 420 €

In der Einkommensteuererklärung 2007 kann der Arbeitnehmer seine tatsäch-


lichen Fahrten als Werbungskosten geltend machen:
(30 km ./. 20 km) = 10 km  0,30 € = 3,00 €  230 Tage = 690 €

109 Die 1 %-Regelung kommt übrigens auch zur Anwendung, wenn es sich bei 109
Deinem Firmenwagen um ein Wohnmobil, einen Pick-up oder um einen Ge-
ländewagen handelt. Es ist also nicht entscheidend, ob das Gefährt kraftfahr-
technisch als Pkw oder als sonstiges Fahrzeug zugelassen wurde und bei der
Kraftfahrzeugsteuer etwa wie ein Lkw besteuert wird.
Auch für sog. Werkstattwagen oder Lkw, bei denen nur zwei Sitzplätze vorhan-
den sind und der Rest des Autos mit Maschinen, Regalen und Werkzeugen
zugebaut ist, bindet man Dir die 1 %-Regelung zzgl. der Pauschale für Fahrten
zwischen Wohnung und Arbeitsstätte ans Bein, wenn Dir das Fahrzeug zur
Verfügung steht und Du eine Privatnutzung nicht nachweislich ausschließen
kannst. Allerdings legt der Fiskus als Listenpreis bei solchen Sonderfahr-
zeugen höchstens 80 000 € zugrunde (FM Saarland v. 29. 1. 2003 – B/2 – 4 –
S 2334).

110 Ärgerlich ist neben der Anwendung der 1 %-Regelung für reine Privatfahrten 110
vor allem die Versteuerung der Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.
Der pauschale Ansatz des Monatswerts von 0,03 % ist nämlich völlig unabhän-
gig davon, in welchem Umfang Du das Fahrzeug tatsächlich für Fahrten zwi-
schen Wohnung und Arbeitsstätte nutzt und ob es Dir überhaupt während des
ganzen Monats zur Verfügung steht.

Besonders teuer wird die ganze Sache für Dich, wenn Du mit dem Firmenwa-
gen das »park and ride«-Verfahren praktizierst: Fährst Du mit dem Firmen-
wagen nur bis zum Bahnhof und legst die restliche Strecke mit öffentlichen
Verkehrsmitteln zurück, muss gleichwohl die gesamte Entfernung zwischen
Wohnung und Arbeitsstätte der Berechnung des Nutzungsvorteils zugrunde ge-
legt werden. Im Klartext bedeutet das: Fährst Du 3 km mit dem Wagen zum
Bahnhof und dann 47 km mit der Bahn, bindet Dir der Fiskus den geldwerten
Vorteil für die gesamten 50 km ans Bein.

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5. Firmenwagen 77

Mit einem Nutzungsverbot entgehst


Du der Steuerfalle!

Wenn Ihr es geschickt anstellt, könnt Ihr eine Begrenzung des völlig überhöh-
ten Nutzungsvorteils: Dein Arbeitgeber stellt Dir das Fahrzeug ausdrücklich
nur für die Fahrt zum Bahnhof zur Verfügung. Das Ganze legt Ihr schriftlich
fest. Außerdem kontrollliert er gelegentlich am Abend und am anderen Morgen
die Kilometerstände und protokolliert diese Kontrollen für sein Lohnkonto,
und schon versteuerst Du statt 50 km doch nur 3 km.
Ganz übel hat man Dir auch mitgespielt, wenn Du als Kundendienstmonteur,
Bau-, Montagearbeiter oder als Mitarbeiter eines Pflegediensts nur einmal pro
Woche kurz den Betrieb anfährst, um Aufträge oder Material abzuholen, Deine
Berichte abzuliefern oder gar nur eben einen Kollegen abzuholen, den Du im
Firmenwagen mitnimmst. In diesen Fällen setzt Dir der Fiskus mit Billigung des
BFH tatsächlich einen Vorteil mit 0,03 % des Listenpreises pro Monat und Ent-
fernungskilometer an.

Mit einer geschickten Routenplanung


die Versteuerung umgehen!

Diesen überzogenen Besteuerungsgelüsten des Fiskus kannst Du begegnen,


indem Du die täglichen Fahrtrouten anpasst. Du wirst es in Zukunft tunlichst
vermeiden, morgens von zu Hause aus oder abends vor der Heimfahrt im Be-
trieb vorbeizufahren. Stattdessen suchst Du morgens immer erst einen Kunden
auf und fährst abends vom Kunden direkt nach Hause. Zum Betrieb fährst Du
im Lauf des Tages zwischen Deinen Terminen. So ist diese Fahrt nämlich eine
Fahrt zwischen Kunde und Betrieb und nicht zwischen Wohnung und Betrieb
und löst somit keine Steuerpflicht aus.
Denselben Effekt erzielst Du, wenn Du nur alle 14 Tage oder vielleicht nur
einmal im Monat im Betrieb auftauchst. Dann ist der nämlich im Amtsdeutsch
nicht mehr Deine regelmäßige Arbeitsstätte, und Du machst keine Fahrten zwi-
schen Wohnung und Arbeitsstätte mehr, die versteuert werden müssten.
Wenn denn gar nichts anderes mehr hilft, kannst Du als letzten Ausweg immer
noch ein Fahrtenbuch führen.

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78 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Nimm die Pauschalregelung bei Firmenwagen


in Anspruch!

111 Wie Du gesehen hast, will der Fiskus sogar Lohnsteuer dafür haben, dass Du 111
den Firmenwagen für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzt.
Denn wer für diese Fahrten das Fahrgeld ersetzt bekommt, muss den Fahrtkos-
tenersatz ja auch versteuern. Um den Betrieben entgegenzukommen, besteht
indessen die Möglichkeit, dass sie den Fahrtkostenersatz pauschal versteuern.
(Quelle: § 40 Abs. 2 EStG) Bei Benutzung eines Firmenwagens für Fahrten zwi-
schen Wohnung und Arbeitsstätte führt das zu Wirkungen, die selbst für Steuer-
fachleute kaum zu überblicken sind. Von den 0,03 % des Listenpreises, die für
Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte pro Entfernungskilometer zu
versteuern sind, kann der Betrieb 2007 einen Betrag in Höhe der Entfernungs-
pauschale von 0,30 € ab dem 21. Kilometer pauschal mit 15 % versteuern. Für
die Pauschalierung kann von 180 Fahrten im Jahr (15 Fahrten im Monat) ausge-
gangen werden. Bei Pauschalversteuerung ergibt sich also, bezogen auf den
obigen Fall, folgender Arbeitslohn:
Für Privatfahrten 12 % vom Listenpreis 3 600,00 €
Für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte + 3 240,00 €
(30 km – 20 km) = 10 km  0,30 € = 3,00 €  180 Tage – 540,00 €
Zusammen 6 300,00 €
./. Zuzahlung – 1 800,00 €
Als Rest zu versteuern (Jahresbetrag) über Lohnsteuerkarte 4 500,00 €
Der Betrieb zahlt an Pauschalsteuern
Pauschale Lohnsteuer 15 % von 540,00 € 81,00 €
Pauschale Kirchensteuer 9 % von 81,00 € 7,29 €
Solidaritätszuschlag 5,5 % von 81,00 € 4,45 €
Wie Du siehst, ist die Pauschalregelung günstig, zumal auch keine Sozialversi-
cherungsbeiträge für den pauschal versteuerten Lohn anfallen.

Geteiltes Leid ist halbes Leid

112 Eine ganz wichtige Entscheidung für die Firmenwagennutzung ist inzwischen 112
gefällt: Die 1 %-Regelung gilt fahrzeug-, nicht personenbezogen. Teilst Du Dir

78049-7_s001-816.indb 78 28.08.2007 14:28:25 Uhr


5. Firmenwagen 79

also den Firmenwagen mit einem Arbeitskollegen, müsst Ihr nicht jeder 1 %
vom Listenpreis pro Monat versteuern, sondern beide jeweils die Hälfte davon.
Das Finanzamt darf für die gesamte Privatnutzung eines Firmenwagens, egal, ob
er nun von einem oder von 20 Arbeitnehmern genutzt wird, insgesamt nur ein-
mal die 1 %-Regelung anwenden. Der als Arbeitslohn steuerpflichtige Vorteil
wird im Zweifel gleichmäßig auf alle Arbeitnehmer verteilt, die den Wagen nut-
zen (BFH-Urteil v. 15. 5. 2002, BStBl 2003 II S. 311).

113 Profitieren kannst Du von dem Urteil auch, wenn es in Eurer Firma einen Fahr- 113
zeugpool gibt, bei dem Dir und Deinen Kollegen nicht ein einzelnes Auto fest
zugewiesen wird, sondern Ihr je nach Bedarf auf eines der Fahrzeuge auch für
private Zwecke zurückgreifen könnt.
Angenommen, Ihr seid in Eurer Firma fünf Angestellte, und Euch stehen zwei
Autos zur Verfügung, Listenpreis Auto 1 = 20 000 € und Listenpreis Auto 2 =
30 000 €. Dein Arbeitgeber berechnet den Arbeitslohn dann nach H 31 Abs. 9
LStH wie folgt:
Nutzungsvorteil Auto 1: 1 % von 20 000 € = 200 €
Nutzungsvorteil Auto 2: 1 % von 30 000 € = 300 €
monatlicher Gesamtarbeitslohn 500 €
Verteilt auf 5 Arbeitnehmer macht pro Kopf monatlich 100 €
statt bisher 1 % = 300 € für das teuerste Auto im Pool
weniger Arbeitslohn für Dich pro Monat 200 €
aufs Jahr gerechnet 2 400 €

Zu empfehlen ist eine solche Durchschnittsberechnung aber nur in Fällen, in


denen die Zahl der im Pool befindlichen Fahrzeuge geringer ist als die Zahl der
Arbeitnehmer, die diese Fahrzeuge auch tatsächlich für private Zwecke nutzen.
Seid Ihr dagegen weniger Arbeitnehmer als Fahrzeuge im Pool, kommt Ihr
unter dem Strich billiger davon, wenn jeder 1 % des durchschnittlichen Listen-
preises versteuert.

Verdiene Dir mit einem Fahrtenbuch schnell 800 €!

114 Die meisten Arbeitgeber setzen aus Bequemlichkeit 1 % vom Listenpreis pro 114
Monat an und schlagen die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte drauf.
Diese Methode ist zwar die einfachste und macht am wenigsten Arbeit, ist aber
nicht immer die billigste für Dich.

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80 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Wenn Du mit dem Firmenwagen nur wenig privat fährst, lohnt es sich, ein Fahr-
tenbuch für das Auto zu führen. Als Arbeitslohn brauchst Du dann nur die Pri-
vatkilometer, die Du in Dein Fahrtenbuch eingetragen hast, mit den anteiligen
Autokosten zu versteuern. Nehmen wir einmal an, aus Deinen Eintragungen
ergeben sich folgende Daten für die Privatnutzung:
52 Wochen à 50 Privat-km 2 600 km
für Urlaub und sonstige Fahrten + 1 400 km
insgesamt 4 000 km
tatsächliche Kosten je km ca.  0,35 €
Arbeitslohn = 1 400 €
Nach der 1 %-Regelung versteuerst Du dagegen bei einem Auto mit einem
Listenpreis von 25 000 €
für reine Privatfahrten 12 % von 25 000 € = 3 000 €
und für Fahrten Wohnung/Arbeitsstätte
zusätzlich noch 0,03 % von 25 000 € = 7,50 €
 8 km  12 Monate = + 720 €
insgesamt 3 720 € 3 720 €
Durch das Fahrtenbuch sparst Du also die Steuer auf 2 320 €
Das sind bei einem Steuersatz von 30 % zzgl. Kirchensteuer und Solidaritätszu-
schlag immerhin 797 €. Dafür lohnt sich das bisschen Schreibarbeit. Meinst Du
nicht auch?

115 Beharrt Dein Arbeitgeber auf der 1 %-Regelung, geht Dir bei der Steuer trotz- 115
dem nichts endgültig verloren. Lege Dein Fahrtenbuch und die Kostenaufzeich-
nungen für das Auto zusammen mit Deiner Steuererklärung vor. Das Finanz-
amt muss dann nämlich den Arbeitslohn neu berechnen und den für Dich güns-
tigeren Betrag laut Fahrtenbuch ansetzen. Was Du zu viel an Steuern für Deine
Autonutzung geblecht hast, bekommst Du auf diese Weise über Deinen Ein-
kommensteuerbescheid mit etwas Verzögerung zurück.
Will Dein Fiskalvertreter dabei mit fadenscheinigen Argumenten nicht mitma-
chen, weise ihn auf R 31 Abs. 9 Nr. 3 S. 4 LStR hin. Dort steht ausdrücklich, dass
die vom Arbeitgeber gewählte Methode bei der Einkommensteuererklärung
nicht bindend ist.
Als Arbeitnehmer, der gar nicht der Sozialversicherung unterliegt, oder als
Spitzenverdiener mit einem Gehalt über der Beitragsbemessungsgrenze zur
Rentenversicherung kannst Du völlig beruhigt so vorgehen.

Achtung Sozialversicherung!
Leider klappt der Kniff mit der nachträglichen Vorlage des Fahrtenbuchs nur
bei der Einkommensteuer. Bei Arbeitnehmern, die mit ihrem Nutzungsvorteil
der Sozialversicherung unterliegen, funktioniert das nicht ganz so reibungslos.
Wendet Dein Arbeitgeber die für Dich ungünstigere Pauschalregelung im lau-

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5. Firmenwagen 81

fenden Jahr an, bleibst Du trotz Fahrtenbuch auf den zu viel gezahlten Sozial-
versicherungsbeiträgen sitzen. Einen vergleichbaren Ausgleich nach Ablauf des
Jahres, wie bei der Steuer die Abgabe einer Einkommensteuererklärung, gibt es
bei der Sozialversicherung nicht. Deshalb solltest Du als Sozialversicherungs-
pflichtiger mit Nachdruck darauf bestehen, dass Dein Brötchengeber schon im
laufenden Jahr nach der Fahrtenbuchmethode abrechnet.

116 Wenn Du Deinem Finanzamt mit einem Fahrtenbuch kommst, musst Du mit 116
besonderer Pingeligkeit rechnen. Nach dem Motto »Hoch lebe der Formalis-
mus« verlangt man von Dir haarkleine Aufzeichnungen über jeden Meter, den
Du mit der Firmenkutsche gefahren bist. Damit Deine mühevoll geführten Auf-
zeichnungen nicht für null und nichtig erklärt werden, musst Du wissen, was
mindestens an Eintragungen in Deinem Fahrtenbuch auftauchen muss. Und
zwar sind das
für Deine dienstlichen Fahrten
● Datum und Kilometerstand am Anfang und am Ende jeder einzelnen Dienst-
fahrt
● Ziel und Fahrtroute
● Zweck der Fahrt
● Name und Adresse des Geschäftspartners/Kunden
für Deine Privatfahrten
● die gefahrenen Kilometer und der Vermerk »privat«
● für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte die gefahrenen Kilome-
ter und der Vermerk »Wohnung/Arbeitsstätte«.
Nimmst Du an einem Tag nacheinander mehrere berufliche Termine wahr, ge-
nügt die Eintragung des Kilometerstands am Anfang und am Ende der Dienst-
fahrt. Allerdings müssen alle aufgesuchten Kunden oder Geschäftspartner in
der zeitlich richtigen Reihenfolge im Fahrtenbuch vermerkt werden.
Sobald zwischendurch eine private Fahrt anfällt, musst Du eine neue Eintra-
gung machen und den jeweils aktuellen Kilometerstand eintragen.
Um Ärger mit der Anerkennung Deines Fahrtenbuchs zu vermeiden, sollten
sämtliche Angaben im Fahrtenbuch eingetragen werden. Wenn Du zusätzlich
andere Aufzeichnungen wie Terminkalender oder Reisekostenabrechnungen
heranziehen musst, ist die Ordnungsmäßigkeit Deines Fahrtenbuchs nur dann
nicht in Gefahr, wenn auch diese Aufzeichnungen lückenlos vorhanden, leicht
greifbar, übersichtlich, vollständig und nicht nachträglich veränderbar sind
(BFH v. 16. 3. 2006 – BStBl II 2006 S. 625). Was z. B. bei elektronischen Termin-
kalendern in aller Regel nicht der Fall ist.

78049-7_s001-816.indb 81 28.08.2007 14:28:26 Uhr


82 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Also: Wenn Du Dir schon die Mühe machst, ein Fahrtenbuch zu führen, dann
solltest Du darin auch alle erforderlichen Angaben machen. Alles andere bringt
nur Probleme und wirkt auf den Fiskus wie eine Einladung, Fehler im Fahrten-
buch zu finden und es deswegen als nicht ordnungsgemäß anzuerkennen.

117 Ein Fahrtenbuch muss nach Meinung des obersten Steuergerichts in aller Regel 117
in Buchform geführt werden. Loseblatt- und Zettelsammlungen reichen nicht
(BFH v. 9. 11. 2005 – BStBl II 2006 S. 408). Genauso wenig genügt es, wenn das
Fahrtenbuch am Computer mit einem Textverarbeitungs- oder Tabellenkalku-
lationsprogramm erstellt wird: Die pure theoretische Möglichkeit der nachträg-
lichen Veränderung der Eintragungen verhindert, dass es als ordnungsgemäß
anerkannt wird. Auch Nachschreiben solltest Du Dein Fahrtenbuch nicht. Wenn
Du z. B. Deine Fahrten auf losen Zetteln notierst und sie am Monatsende fein
säuberlich in Dein Fahrtenbuch überträgst, dreht man Dir schon daraus einen
Strick, dass die Eintragungen nicht zeitnah erfolgt sind (BFH v. 16. 11. 2005 –
BStBl II 2006 S. 410).

Elektronisches Fahrtenbuch nutzen!

Computerfahrtenbücher können allerdings dann anerkannt werden, wenn Du


einmal vorgenommene Eintragungen nicht nachträglich verändern kannst,
ohne dass die Änderungen, Streichungen und Ergänzungen dokumentiert wer-
den. Mit so einem handelsüblichen und von manchen Automobilunternehmen
angebotenen »elektronischen Fahrtenbuch« bist Du auf der sicheren Seite.

So wird das Fahrtenbuch geführt

Wenn Du ein wirklich ordnungsgemäßes Fahrtenbuch führen willst, kommst


Du in der Regel mit den Mini-Fahrtenbüchern, die es z. B. an Tankstellen zu
kaufen gibt, nicht aus. Für mehrere Fahrten an einem Tag fehlen da meist die
Eintragungsmöglichkeiten. Viel besser ist da ein DIN-A5-Schulheft, in das Du
Deine Fahrten fortlaufend nach folgendem Muster einträgst:

Datum Kilometerstand Fahrtziel, Kunden gefahrene km Kraftstoff


Beginn Ende Beruf privat Liter Preis

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5. Firmenwagen 83

118 Nicht jeder Fehler im Fahrtenbuch führt automatisch dazu, dass das Finanzamt 118
es als nicht ordnungsgemäß zurückweisen kann. Dies sei dem Fiskus nach dem
Grundsatz der Verhältnismäßigkeit zumindest dann verboten, wenn es sich um
vereinzelte kleinere Mängel handelt. So hat das FG Köln entschieden, dass eine
einzelne nicht aufgezeichnete Tankfahrt in einem Zeitraum von über drei Mo-
naten oder einmalige geringe Abweichungen zwischen Fahrtenbuch und Werk-
stattrechnungen allein dazu nicht ausreichen (FG Köln v. 27. 4. 2006 – DStRE
2006 S. 1243). In Jahren, in denen derartige Fehler mehrfach aufgetreten sind,
waren aber auch die Richter in Köln unerbittlich und haben statt des Fahrten-
buchs die viel teurere 1 %-Regelung angewendet.
Gib Dir also ruhig etwas Mühe! Und denke daran, dass auf den Tankbelegen
nicht nur das Datum, sondern in der Regel auch die Uhrzeit ausgewiesen wird,
zu der Du getankt hast. Diese Zeitangaben müssen natürlich mit denen in Dei-
nem Fahrtenbuch korrespondieren, sonst droht steuerliches Ungemach.

119 Erleichterungen gibt es u. a. für Personen, die besonderen Verschwiegenheits- 119


pflichten unterliegen, z. B. Ärzte, Rechtsanwälte, Geistliche etc. Bei ihnen
muss nicht zwingend Name und Adresse des Geschäftspartners bzw. Kunden
aufgeführt werden. Führst Du ein gesondertes Verzeichnis (Kunden-, Man-
danten- oder Patientendatei), genügt es, wenn in dieser Datei die Kunden,
Mandanten oder Patienten unter einer Nummer oder Buchstabenkombina-
tion mit Namen und Adresse aufgeführt sind und so leicht und einwandfrei
identifiziert werden können. Du kannst diese Verschlüsselung für Dein Fahr-
tenbuch nutzen, es reicht dann die Angabe Kundenbesuch/Mandantenbesuch,
verbunden mit der entsprechenden Kunden- oder Mandantennummer. Bei
der Prüfung des Fahrtenbuchs verlangt der Fiskus allerdings, dass Du das Ver-
zeichnis mit den Verschlüsselungsnummern und den Klarnamen und Adressen
ebenfalls beifügst.

120 Als Angehöriger der o. g. Berufsgruppen hast Du somit zwei Alternativen, ein 120
vor den gestrengen Augen des Fiskus wasserdichtes (ordnungsgemäßes) Fahr-
tenbuch zu führen:
1. Du kannst ein umfassendes Fahrtenbuch führen, in dem Du alle laufenden
Eintragungen zu Datum und Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder ein-
zelnen beruflichen Fahrt vornimmst, ferner Reiseziel und -zweck und Namen
der aufgesuchten Personen einträgst.
2. Du machst im Fahrtenbuch, ergänzend zu der Angabe von Datum und Kilo-
meterständen, lediglich Pauschalangaben zu Reisezweck, -ziel, -route und
Mandant und führst ein Zusatzverzeichnis, aus dem sich die Details zu Dei-
nen Pauschalangaben nachvollziehen lassen.
Berufe Dich auf das Schreiben des BMF vom 21. 1. 2002 (BStBl I 2002 S. 148).
Auch in anderen Berufen kannst Du Dich auf Vereinfachungen für Dein Fahr-
tenbuch berufen:

78049-7_s001-816.indb 83 28.08.2007 14:28:26 Uhr


84 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

121 ● Kundendienstmonteure, Kurierdienstfahrer und Handelsvertreter 121


Bist Du Kundendienstmonteur, Kurierdienstfahrer oder Handelsvertreter, der
an ständig wechselnden Orten seiner Arbeit nachgeht, muss sich der Fiskus
damit begnügen, dass Du aufschreibst, welche Kunden Du an welchem Ort be-
sucht hast. Ergänzende Angaben über Deine Reiseroute oder zu den Entfer-
nungen zwischen an einem Tag aufgesuchten Kunden musst Du nur machen,
wenn sich größere Differenzen zwischen der direkten Entfernung und der von
Dir zurückgelegten tatsächlichen Fahrtstrecke ergeben.

122 ● Taxifahrer 122


Soweit Du Fahrten in Deinem sog. Pflichtfahrgebiet absolvierst, genügt es voll-
kommen, wenn Du für jeden Tag den Kilometerstand zu Beginn und am Ende
Deiner Schicht einträgst. Wenn Du allerdings ausnahmsweise eine Tour außer-
halb Deines Pflichtfahrgebiets bekommen hast, verlangt der Fiskus genaue An-
gaben zu Fahrtziel und Fahrtroute.

123 ● Fahrlehrer 123


Wenn Du pflichtgemäß einen Tagesnachweis führst, ist es vollkommen ausrei-
chend, bei aufeinanderfolgenden Fahrstunden nur den Kilometerstand zu Be-
ginn und am Ende der jeweiligen Fahrstunde oder bei zusammenhängenden
Fahrschulfahrten den km-Stand zu Beginn und am Ende der Gesamtlehrzeiten
aufzuschreiben.

124 ● Sicherheitsgefährdete Personen 124


Wenn Du als Prominenter oder in besonderer Stellung exponierter Mitbürger
zu den sog. sicherheitsgefährdeten Personen gehörst, denen missliebige Zeitge-
nossen nicht gewogen sind, liegt es nahe, dass Deine Fahrtroute häufig aus Si-
cherheitsgründen wechselt. Selbstverständlich kannst Du in diesem Fall auf die
Angabe der genauen Reiseroute auch dann verzichten, wenn sich größere Dif-
ferenzen zwischen der direkten Entfernung und der tatsächlichen Fahrtstrecke
ergeben (BMF v. 28. 5. 1996 – BStBl I 1996 S. 654).

Wechsle im richtigen Moment die Methode!

125 Du als Steuerfuchs wirst den Teufel tun und für Deine Privatfahrten nach der 125
1 %-Regelung viel zu viel versteuern, wenn Du die Kosten für den Firmenwagen
auch einzeln nachweisen kannst. Dein Arbeitslohn wird dann z. B. so berech-
net:

78049-7_s001-816.indb 84 28.08.2007 14:28:27 Uhr


5. Firmenwagen 85

Gesamtkosten des Autos im Jahr 8 000 €


Privat-km lt. Fahrtenbuch 5 000 km
Gesamtfahrleistung des Autos im Jahr 40 000 km
8 000 €  5 000 km
Arbeitslohn = = 1 000 €
40 000 km

Zu dieser Methode rate ich Dir, wenn Dein Firmenwagen schon abgeschrieben
ist, in der Regel nach sechs Jahren. Dann brauchst Du nämlich bei der Ermitt-
lung der Pkw-Kosten den dicksten Batzen, die Abschreibung, nicht mehr mitzu-
rechnen. Du versteuerst dann statt 1 % vom Listenpreis nur noch die nied-
rigeren tatsächlichen Kosten.

Das ist die richtige Strategie für Dich und


Deinen Chef bei der Ermittlung der Abschreibung!

126 Wenn Dir Dein Brötchengeber ein Firmenauto auch zur Privatnutzung über- 126
lässt, kann Dein Chef möglicherweise von hohen Sonderabschreibungen profi-
tieren. Da das Auto nur von Arbeitnehmern – nämlich Dir – genutzt wird, steht
es zu 100 % für betriebliche Zwecke im Einsatz. Gehört Deine Firma in die
Kategorie kleine und mittlere Unternehmen (Betriebsvermögen – nach Abzug
der Schulden – max. 204 517 €), so darf Dein Chef den Dir überlassenen Wagen
z. B. schon im ersten Jahr mit 50 % abschreiben (§ 7 g EStG: 20 % + degressive
Abschreibung 30 %).
Führst Du ein Fahrtenbuch, dann sind für die Berechnung Deines geldwerten
Vorteils zunächst einmal die tatsächlichen Autokosten maßgebend, wie sie
Deine Firma gebucht hat. Das gilt allerdings nicht für die Abschreibung. Diese
wird regelmäßig pro Jahr mit 1/8 des tatsächlichen Kaufpreises inkl. Umsatz-
steuer berechnet und weicht daher von der durch Deine Firma gebuchten Ab-
schreibung ab. Du musst Dir auch bei der Fahrtenbuch- und Nachweismethode
nicht etwaige Sonderabschreibungen ans Bein binden, die Dein Arbeitgeber für
das Auto in Anspruch nimmt. Die Finanzämter versuchen oft, die Abschreibung
statt mit nur 1/8 pro Jahr mit der Abschreibung nach den amtlichen Abschrei-
bungstabellen von 1/6 pro Jahr anzusetzen. Mit dieser für Dich ungünstigeren
Regelung musst Du Dich aber nicht zufriedengeben. Beharre auf der für Dich
günstigeren Nutzungsdauer von acht Jahren (BFH v. 29. 3. 2005 – BStBl II 2006
S. 368).
Wie Du siehst, könnt Ihr beide, Dein Chef und Du, die jeweils günstigste Rege-
lung in Anspruch nehmen, ohne dass Ihr Euch dabei ins Gehege kommt.

78049-7_s001-816.indb 85 28.08.2007 14:28:27 Uhr


86 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Beispiel
Dein Firmenwagen hat 30 000 € + 5 700 € Mehrwertsteuer = 35 700 € gekostet.
Dein Chef schreibt im ersten Jahr davon ab: (degressive Abschreibung 30 % +
Sonderabschreibung 20 %) = 50 % von 30 000 € = 15 000 €.
Bei der Berechnung Deines geldwerten Vorteils wird aber nur folgende Ab-
schreibung zugrunde gelegt: 35 700 €  12, 5 % (= 1/8) = 4 462,50 €.

Nimm einen ganzen Monat Urlaub,


und in Deiner Kasse klingelt’s zusätzlich!

127 Mein guter Rat für perfekte Erholung: Nimm einen kompletten Monat Urlaub 127
statt nur drei Wochen. So tust Du nicht nur Leib und Seele etwas Gutes, weil Du
richtig ausspannen kannst und den täglichen Berufsstress weit hinter Dir lässt.
Nein, auch Dein Portemonnaie erholt sich. »Wie kann das denn sein?«, fragst
Du. Ganz einfach: Egal, ob Du Deinen fahrbaren Untersatz einmal oder hun-
dertmal im Monat privat nutzt, ist 1 % vom Listenpreis fällig. Bei einem
40 000-€-Auto und 40 % Steuersatz kostet Dich das allein an Lohnsteuer ca.
160 € im Monat.

Für Deinen Urlaubsmonat drehst Du dem Finanzamt aber eine lange Nase. In
dieser Zeit konntest Du das Firmenauto nicht benutzen, hattest also keinen
Nutzungsvorteil und versteuerst es daher nur elf Monate.
Selbstverständlich klappt das nur, wenn Du nicht ausgerechnet mit der Firmen-
kutsche in Urlaub fährst. Um besonders argwöhnischen Finanzern den Wind
aus den Segeln zu nehmen, stellst Du den Wagen während des Urlaubs bei Dei-
ner Firma ab. Dann kann später keiner behaupten, der Wagen habe Dir oder
Deinen daheimgebliebenen Kindern zur Verfügung gestanden. Ein weiterer
netter Nebeneffekt dabei ist, dass Du so auch vor unliebsamen Überraschungen
wie zerstochenen Reifen, abgebrochenen Spiegeln oder zerkratztem Lack si-
cher bist.

»Denen habe ich es aber richtig gegeben!« –


meinte ein Steuerzahler händereibend,
als er das Finanzamt verließ.

78049-7_s001-816.indb 86 28.08.2007 14:28:27 Uhr


5. Firmenwagen 87

Entkomme mit einem Nutzungsverbot elegant der


Versteuerung!

128 Der einfachste Weg, die Versteuerung der Dienstwagennutzung zu vermeiden, 128
ohne dass Du Dir den lästigen Papierkram mit einem Fahrtenbuch ans Bein
binden musst, ist ein vom Chef ausgesprochenes Nutzungsverbot für private
Zwecke.
Die Geschichte ist an sich ganz einfach. In Deinen Arbeitsvertrag oder die Nut-
zungsvereinbarung für Deinen Firmenwagen wird eine Klausel aufgenommen,
nach der Du das Auto nur für dienstliche Fahrten benutzen darfst und die Be-
nutzung für irgendwelche privaten Angelegenheiten ausdrücklich untersagt ist.
Sei aber auf der Hut, denn das Finanzamt kommt gern mit dem fadenscheinigen
Argument: »Papier ist ja bekanntlich geduldig! Das Nutzungsverbot ist null und
nichtig, weil der Arbeitgeber es nicht regelmäßig kontrolliert hat und deswegen
wohl auch nicht richtig ernst gemeint hat.«
Du wirst daher Dein Firmenauto auf Anforderung, z. B. nach Inspektionen,
nach dem Wochenende oder einmal im Monat, Deinem Chef vorführen, damit
der anhand des Kilometerstands prüft, ob Du tatsächlich nur für die Firma ge-
fahren bist. Um dem gestrengen Blick der Herren vom Fiskus eines der ach so
gern gesehenen Nachweispapierchen vorlegen zu können, schreibt Ihr jedes
Mal ein kleines Kontrollprotokoll:

Der Firmenwagen (amtl. Kennzeichen . . . . . . . . . . . . . .) von Herrn/Frau


. . . . . . . . . . . . . . . . . . . wurde am . . . . . . . . . . . . . vorgeführt. Die Kon-
trolle des Kilometerstandes mit den aktuellen Inspektions- und Repara-
turrechnungen und ein stichprobenhafter Abgleich mit den Auftragszet-
teln und Reisekostenabrechnungen ergab, dass das Verbot der Nutzung des
Fahrzeugs für private Zwecke eingehalten wurde. Herr/Frau wird aus-
drücklich darauf hingewiesen, dass ihm/ihr auch weiterhin eine Nutzung
des Firmenfahrzeugs für private Zwecke untersagt ist.
X-Stadt, den . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
......................... .........................
Geschäftsführer Arbeitnehmer

Du bekommst eine Kopie, das Original wandert als Beleg zum Lohnkonto, und
schon kann Dir der Fiskus den Buckel herunterrutschen.
Wenn Du an einen besonders hartnäckigen Fiskusjünger gerätst, hilf ihm mit
dem Urteil des FG Münster vom 14. 11. 2002 (5 K 5433/00) auf die Sprünge.

78049-7_s001-816.indb 87 28.08.2007 14:28:28 Uhr


88 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

6. Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit


An die Steuerfreiheit von Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeitszuschlägen hat
sich die hohe Politik entgegen anderer Pläne zunächst doch nicht herangetraut.
Es bleibt hier im wesentlichen erst einmal beim alten.

129 Den größten Reibach mit steuerfreien Zahlungen kannst Du machen, 129
mS wenn Dir ein Teil Deines Arbeitslohns als Zuschlag für Arbeit zu ungüns-
tigen Zeiten gezahlt wird. Diese Zuschläge sind nämlich nach § 3 b EStG in
großem Umfang steuerfrei, wenn sie Dir für
● Sonntagsarbeit,
● Feiertagsarbeit,
● Nachtarbeit
zufließen. Profitieren kannst Du von dieser Steuerbefreiung aber nur, wenn Du
Arbeitnehmer im steuerlichen Sinne bist.

Diese Regelung gilt im Grunde also auch für


● Teilzeitkräfte, und zwar unabhängig davon, ob deren übriger Arbeitslohn als
400-€-Job pauschal besteuert wird,
● Ehegatte, Sohn, Tochter etc., die (am besten mit schriftlichem Arbeitsvertrag)
bei Dir im Betrieb mitarbeiten.
Auch wenn die Sonntags-, Feiertags- oder Nachtarbeit gegen das Arbeitszeitge-
setz verstößt, weil Du nicht genügend Ruhezeiten eingehalten hast, muss das
Finanzamt die steuerfreien Zuschläge akzeptieren.
In vielen Berufen sind solche Lohnzuschläge heute an der Tagesordnung, z. B.
bei Druckern, Krankenpflegern etc. Aber wer sagt denn, dass das für Dich nicht
auch gelten soll? Schau zunächst einmal in der folgenden Übersicht nach, ob ein
Teil Deiner Arbeitszeit als »ungünstig« durchgeht:
Nachtarbeit: 20.00 Uhr bis 6.00 Uhr
Sonntags-, Feiertagsarbeit: 0.00 Uhr bis 24.00 Uhr
zusätzlich des Folgetags, wenn Dein Arbeitsbeginn
vor 24.00 Uhr lag: 0.00 Uhr bis 4.00 Uhr
Na, wie ist es, Du aufstrebende Führungskraft, Außendienstler, Versicherungs-
fachmann, Angestellter im Gastronomiegewerbe? Fallen nicht tatsächlich viele
Deiner Arbeitsstunden in die begünstigten Zeiten? Oder als Selbständiger:
Brütet Dein Ehegatte nicht oft noch abends und am Wochenende über der
Buchführung, den Abrechnungen oder den Erklärungen für das liebe Finanz-
amt oder die Krankenkasse?
Nimm doch einmal die Politiker ernst, die immer wieder laut hinausposaunen,
dass sich Fleiß und Leistung lohnen müssen, und lass Dir Deinen Fleiß und
Deine Leistungen mit einem saftigen steuerfreien Zuschuss versüßen.

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6. Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit 89

130 für alle Geschäftsführer und Vorstände, die Ihr in Eurer Firma das Sagen habt. 130
Dabei ist es egal, ob Ihr Angestellte seid oder ob Euch als Gesellschafter-Ge-
schäftsführer ein Teil des Unternehmens gehört. Die Richter beim BFH waren
der Meinung, in solch herausgehobener Stellung bekomme man ein so klotziges
Gehalt, dass Überstunden und Arbeit zu ungünstigen Zeiten eine Selbstver-
ständlichkeit seien. Also haben sie die steuerliche Anerkennung von Überstun-
denvergütungen an Sonn- und Feiertagen sowie bei Nachtarbeit für Spitzenan-
gestellte dieser Art abgelehnt.
Bei der Zahlung von Überstundenvergütungen und Zuschlägen an Geschäfts-
führer, Gesellschafter-Geschäftsführer bzw. Vorsitzende lägen regelmäßig ver-
deckte Gewinnausschüttungen vor (BFH 19. 3. 1997 – I R 75/96; BStBl 1997
S. 577).

Gegentrick für GmbH-Gesellschafter

131 Mit etwas Überlegung schlägst Du als GmbH-Gesellschafter dem Fiskus aber 131
doch ein Schnippchen. Der BFH hat sich mit seiner Entscheidung zu Sonntags-,
Feiertags- und Nachtarbeitszuschlägen ausdrücklich nur auf geschäftsführende
Arbeitnehmer bezogen. Also mache aus der Not eine Tugend: Wer sagt denn,
dass Du in Deiner Firma unbedingt als Geschäftsführer fungieren musst? Über-
lass diesen Posten einfach Deiner besseren Hälfte! Du selbst kannst Dich dann
als normaler Arbeitnehmer auf den Standpunkt stellen, dass das BFH-Urteil für
Dich nicht gilt. Natürlich musst Du eine astreine Gehaltsvereinbarung vorwei-
sen können, in der auch die Zahlung der Zuschläge – diesmal entsprechend
steuersparend – geregelt wird.
Völlig auf der sicheren Seite bist Du, wenn in Deiner GmbH noch ein angestell-
ter Geschäftsführer arbeitet, der nicht an der Firma beteiligt ist und ebenfalls
Zuschläge bekommt. Dann kannst Du die ganze restriktive Rechtsprechung
vom Tisch wischen und Dir selbst dieselben Zuschläge genehmigen (BFH v.
14. 7. 2004 – BStBl II 2005 S. 307).
Bezogen auf Deinen rechnerischen Stundengrundlohn – höchstens aber 50 € –
bleiben die von Deinem Arbeitgeber gezahlten Zuschläge bis zu folgenden Pro-
zentsätzen steuerfrei:

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90 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Nachtarbeit
● 25 %
● 40 % von 0.00 bis 4.00 Uhr, wenn Dein Arbeitsbeginn vor 0.00 Uhr lag.
Sonntagsarbeit
● 50 %
– Ist Deine Sonntagsarbeit zugleich Nachtarbeit,
● regelmäßig 50 % + 25 % = 75 %
● Montag 0 bis 4 Uhr 50 % + 40 % = 90 %
Feiertagsarbeit
● allgemeine Feiertage 125 %
● Silvester (von 14.00 bis 0.00 Uhr) 125 %
● Heiligabend (von 14.00 bis 0.00 Uhr) 150 %
● Weihnachten (25. 12. und 26. 12.) 150 %
● 1. Mai 150 %
Auch zum Feiertagszuschlag kannst Du zusätzlich Nachtzuschläge kassieren.
Dass für Dich dabei zusätzliche steuerfreie Sonderzahlungen von nahezu 200 %
Deines normalen Arbeitslohns herausspringen können, siehst Du an der fol-
genden Zuschlagstabelle.

Arbeitszeit 0.00 0.00 4.00 6.00 14.00 20.00


bis bis bis bis bis bis
4.00 4.00 6.00 14.00 20.00 24.00
Arbeits- Arbeits-
beginn beginn
am nach
Vortag 0.00 Uhr
Nachtzuschlag 40 % 25 % 25 % – – 25 %

Sonntagszuschlag 90 % 75 % 75 % 50 % 50 % 75 %

Feiertagszuschlag 165 % 150 % 150 % 125 % 125 % 150 %

Silvesterzuschlag (Werktag) 40 % 25 % 25 % – 125 % 150 %

Silvesterzuschlag (Sonntag) 90 % 75 % 75 % 50 % 125 % 150 %

Zuschlag 1. Mai 190 % 175 % 175 % 150 % 150 % 175 %

Weihnachtszuschlag 190 % 175 % 175 % 150 % 150 % 175 %

Heiligabendzuschlag 40 % 25 % 25 % – 150 % 175 %


(Werktag)
Heiligabendzuschlag 90 % 75 % 75 % 50 % 150 % 175 %
(Sonntag)

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6. Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit 91

für Zuschläge

Hier noch einige wichtige Hinweise, die Du beachten solltest, damit Dir das Fi-
nanzamt nicht wegen formaler Fehler einen Strich durch die Steuerfreiheit
macht:
● Deine Zuschläge müssen zusätzlich zu Deinem übrigen Arbeitslohn gezahlt
werden. Die Finanzämter erkennen es nicht an, wenn Du aus Deinem Gehalt
von 4 000 € einfach 20 % als Sonntags-, Feiertags- oder Nachtzuschlag heraus-
rechnest, weil Du häufig in den begünstigten Zeiten gearbeitet hast.
● Der steuerfreie Betrag muss nicht jeden Monat spitz abgerechnet werden.
Deine Firma kann zunächst den Betrag steuerfrei lassen, der sich über den
Daumen gerechnet ergibt. Spätestens nach Ablauf des Jahres muss die ge-
naue Abrechnung aber nachgeholt und müssen eventuell zu viel oder zu
wenig steuerfrei belassene Beträge ausgeglichen werden (BFH v. 23. 10. 1992
– BStBl 1993 I S. 314).
● Steuerfreie Zuschläge kannst Du nur beanspruchen, wenn Du auch tatsäch-
lich gearbeitet hast. Vereinbarungsgemäß weitergezahlte Zuschläge während
Deines Urlaubs oder einer Krankheit sind von der Steuerbefreiung ausge-
nommen.

Sieh zu, dass Du abrufbereit bist!

132 Wenn Du häufiger Rufbereitschaft hast, kannst Du Dir für die Bereitschaftsver- 132
gütung auch steuerfreie Zuschläge zahlen lassen.
Möglich wird das, weil der BFH (Urteil v. 27. 8. 2002 – BStBl 2002 II S. 883) in
einem Anfall von Großzügigkeit eingesehen hat, dass Rufbereitschaft auch
dann tatsächlich geleistete Arbeit darstellt, wenn Du nicht zum Einsatz kommst.
Schließlich kannst Du bei Rufbereitschaft nicht uneingeschränkt Deinen Frei-
zeitaktivitäten frönen oder zum Länderspiel ein paar Bierchen zischen. Also
kann man da wohl kaum von Freizeit sprechen. So, nun gilt es nur noch, Deinen
Chef zu überzeugen, dass er statt einer pauschalen Bereitschaftsvergütung bes-
ser zusätzlich die steuerlich zulässigen Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge
zahlt. Das dürfte ihm schon deshalb nicht allzu schwer fallen, weil er durch die
Steuerfreiheit der Zuschläge nicht nur einen glücklicheren und zufriedeneren
Mitarbeiter hat, sondern überdies einen schönen Batzen Sozialversicherungs-
beiträge einspart.

78049-7_s001-816.indb 91 28.08.2007 14:28:29 Uhr


92 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Über 2 200 € vom Finanzamt für ein paar Stundenzettel

133 Vorsicht, Fußangel! Auch bei den steuerfreien Zuschlägen will das Finanzamt 133
Nachweise sehen. So verlangt es von Dir regelmäßig einen schriftlichen Nach-
weis darüber, wann und wie lange Du am Sonntag oder nachts gearbeitet hast.
Natürlich ist das lästig, aber willst Du wirklich bares Geld in den Wind schrei-
ben, nur weil Du zu bequem warst, ein paar Stundenzettel auszufüllen?

Wie Du den Nachweis führen sollst, wird Dir nirgendwo vorgeschrieben!


Du kannst z. B. Stundenzettel verwenden und darauf Deine Eintragungen ma-
chen. Einfacher und bequemer ist natürlich – wenn vorhanden – die elektro-
nische Zeiterfassung, also das klassische »Stempeln«. Wenn in Deiner Firma
nach festen Schichtplänen gearbeitet wird, reichen auch diese. Gesondert auf-
zeichnen musst Du dann nur eventuelle Abweichungen. Und wenn alle Stricke
reißen und Du z. B. einmal Deine Stundenaufzeichnungen nicht gemacht oder
verschlampt hast, genügen mit höchstrichterlicher Genehmigung auch Zeugen-
aussagen Deiner Kollegen (BFH, BStBl 1991 II S. 298).
Ich empfehle Dir die Stundenzettel, denn Papier ist ja bekanntlich gedul-
mS dig. Aber nicht, dass Du jetzt auf krumme Gedanken kommst! Ich meine
natürlich nur, dass Du die Stundenzettel bequemer überallhin mitnehmen
kannst und so sicherstellst, dass Deine Aufzeichnungen immer zeitnah erfol-
gen, auch wenn Du Dich einmal am Sonntag auf der Messe in Hannover
umsiehst.

Was für Dich dabei herausspringen kann, siehst Du am folgenden Beispiel:


Dein Monatsgehalt beträgt als besonders qualifizierter Arbeitnehmer 5 000 €.
Dazu kommen 1 000 € für Pkw-Nutzung, Direktversicherung und Zuschuss zur
Krankenversicherung. Nach Deinem Arbeitsvertrag beträgt Deine monatliche
Arbeitszeit 180 Stunden. Davon entfallen lt. von Dir geführten Stundenzetteln
nachweislich pro Monat 15 Stunden auf Nachtarbeit (vor 0.00 Uhr) und 16
Stunden auf Sonntagsarbeit.

134 Stundengrundlohn 134


Monatslohn 5 000,00 €
sonstige laufende Zahlungen 1 000,00 €
Grundlohn 6 000,00 €
6 000 €
Stundengrundlohn = = 33,33 €
180 Stunden

78049-7_s001-816.indb 92 28.08.2007 14:28:29 Uhr


6. Zuschläge für Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit 93

Steuerfreie Zuschläge:
Nachtarbeit: 15 Stunden  33,33 €  25% 124,99 €
Sonntagsarbeit: 16 Stunden  33,33 €  50% 266,64 €
monatlich 391,63 €
jährlich 391,63 €  12 4 699,56 €
Deine Steuerersparnis beträgt ca. 2 260 €.

Weniger arbeiten spart Steuern

Damit die Bäume bei der Steuerfreiheit von Zuschlägen vor allem für gutver-
dienende Arbeitnehmer nicht zu sehr in den Himmel wachsen, ist der max.
Stundengrundlohn, auf den die Zuschlagsätze angewendet werden, auf höchs-
tens 50 € begrenzt. Die Sozialversicherung ist da noch kleinlicher, dort beträgt
der max. Stundengrundlohn nämlich nur 25 €.

Wie Du oben in meinem Beispiel gesehen hast, richtet sich die Berechnung
mS Deiner steuerfreien Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschläge nach Dei-
nem rechnerischen Stundenlohn. In seine Ermittlung werden nur die vereinbar-
ten regelmäßigen Lohnzahlungen einbezogen.

Überstundenvergütungen, Gratifikationen und Weihnachtsgelder bleiben da-


gegen unberücksichtigt. Genauso fließt in die Berechnung nur die vertraglich
fest vereinbarte Arbeitszeit ein. Fehlt eine solche Vereinbarung, richtet sich die
Berechnung nach den tatsächlich geleisteten Arbeitsstunden, was natürlich
Deinen rechnerischen Stundenlohn unnötig nach unten drückt.
Als leitender Angestellter hast Du es oft selbst in der Hand, Dir einen höheren
Stundenlohn zu verschaffen, indem Du in Deinem Arbeitsvertrag eine mög-
lichst kurze Regelarbeitszeit festlegst, z. B. 38 Stunden in der Woche, was etwa
152 Stunden im Monat entspricht. Auch wenn Du tatsächlich häufig Überstun-
den machst, die bei Deiner Position erwartet werden, kommt es für die Berech-
nung der steuerfreien Zuschläge nur auf die vertraglich vereinbarte Regelar-
beitszeit an.
In Deinen Arbeitsvertrag kannst Du z. B. folgende Formulierung aufnehmen:

Zusätzlich zum übrigen Arbeitslohn erhält der Arbeitnehmer für Sonn-


tags-, Feiertags- und Nachtarbeit Lohnzuschläge in dem Umfang, wie sie
in § 3 b EStG festgelegt sind.

78049-7_s001-816.indb 93 28.08.2007 14:28:30 Uhr


94 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Die monatliche (wöchentliche) Arbeitszeit wird mit 152 Stunden (38 Stun-
den) festgelegt. Überstunden sind entsprechend den betrieblichen Erfor-
dernissen zusätzlich zu leisten und werden mit einem Stundensatz von
. . . € vergütet.

Der Vorteil für Dich:


1. Du hast eine wasserdichte, klare schriftliche Vereinbarung.
2. Deine »Überstunden« wirken sich nicht mehr negativ auf die Höhe der Zu-
schläge aus. Dein Stundenlohn beträgt z. B. bei 6 000 € Monatslohn nicht –
wie im Beispiel oben – 33,33 €, sondern jetzt schon ca. 39,50 €. Dementspre-
chend höher fallen natürlich Deine steuerfreien Zuschläge aus.

7. Pauschalierung der Lohnsteuer


135 a) Allgemeiner Überblick 135
Bevor wir uns im Detail in die Besonderheiten der Lohnsteuerpauschalierung
stürzen, musst Du vorab ein paar allgemeine Dinge wissen. Die Pauschalierung
der Lohnsteuer ist ein besonderes Verfahren, das sich von der normalen Besteu-
erung Deines Arbeitslohns anhand einer Lohnsteuerkarte und der Lohnsteuer-
tabelle vor allem durch folgende Punkte ganz wesentlich unterscheidet:
● Dein Arbeitslohn wird völlig unabhängig von Deinen individuellen Verhält-
nissen besteuert. Dein Arbeitgeber benötigt deshalb auch keine Lohnsteuer-
karte.
● Die Steuersätze werden, von einigen Ausnahmen abgesehen, im Gesetz mit
festen Prozentsätzen (z. B. 2 %, 15 %, 20 % oder 25 %) geregelt. Die Lohn-
steuertabellen kommen daher grundsätzlich nicht zur Anwendung.
● Der besondere Clou ist aber, dass aufgrund einer ausdrücklichen gesetzlichen
Bestimmung (§ 40 Abs. 3 EStG) nicht Du Schuldner der pauschalen Lohn-
steuer bist, sondern Dein Arbeitgeber. Er trägt die Pauschalsteuer, wird sie
also nicht wie sonst üblich von Deinem Bruttolohn einbehalten. Deshalb
kann auch nur Dein Arbeitgeber formal den Antrag auf Pauschalierung der
Lohnsteuer stellen und arbeitsrechtlich in aller Regel nicht zur Pauschalie-
rung gezwungen werden.

136 Arbeitgeber und Arbeitnehmer können zwar zivilrechtlich vereinbaren, dass 136
entgegen der gesetzlichen Normalregelung die pauschale Lohnsteuer vom Ar-
beitnehmer übernommen wird, allerdings hat so eine Abwälzung der Lohn-
steuer steuerlich keine Wirkung. Die Pauschalsteuer wird weiterhin vom ver-
einbarten Arbeitslohn berechnet, auch wenn der Arbeitnehmer sie seinem Chef
erstattet.

78049-7_s001-816.indb 94 28.08.2007 14:28:30 Uhr


7. Pauschalierung der Lohnsteuer 95

Angenommen, Du hast mit Deinem Brötchengeber vereinbart, dass er zwar


den Arbeitslohn aus Deiner geringfügigen Beschäftigung pauschal versteuert,
Du ihm die Steuer aber erstattest, weil er schon mit den pauschalen Renten-
und Krankenversicherungsbeiträgen belastet ist.
So sieht die Rechnung für Dich dann aus:
Vereinbarter Arbeitslohn 400 €
pauschale Steuer 400 €  2% 8€
zu übernehmende Steuer insgesamt 8€ – 8€
Auszahlungsbetrag 392 €
● Durch die Pauschalierung ist der Arbeitslohn für Dich praktisch steuerfrei.
Denn alle pauschal besteuerten Arbeitslöhne bleiben bei der Einkom-
mensteuerveranlagung außer Betracht. Durch die Pauschalsteuer ist die Ein-
kommensteuer (Lohnsteuer) auf den Arbeitslohn abgegolten. Da zudem
noch der Arbeitgeber die Steuer trägt, bist Du selbst nicht belastet und be-
kommst den Lohn insoweit netto wie brutto ausgezahlt.

b) Möglichkeiten zur Pauschalierung der Lohnsteuer

Pauschalierung mit besonderen Steuersätzen (§ 40 Abs. 1 EStG)


137 ● Der Arbeitgeber zahlt in einer größeren Anzahl von Fällen sonstige Bezüge 137
(Einmalzahlungen), die allerdings je Arbeitnehmer aufs Jahr gesehen 1 000 €
nicht übersteigen dürfen. Zahlt er mehr, muss der übersteigende Betrag ganz
normal über Deine Lohnsteuerkarte versteuert werden.
● In einer größeren Anzahl von Fällen muss die Lohnsteuer nacherhoben wer-
den, weil der bisherige Steuerabzug nicht richtig vorgenommen worden ist.
Dabei ist egal, worauf der Besteuerungsfehler beruht, ob auf einem Versehen,
einem Computerfehler oder einfach einer zunächst anderen rechtlichen Be-
urteilung der Steuerabzugspflicht durch Deinen Arbeitgeber. Auf die Höhe
des nachzuversteuernden Arbeitslohns im Einzelfall kommt es hier nicht an.
Anders als bei den sonstigen Bezügen ist die Pauschalierung hier auch dann
zulässig, wenn der Betrag bei einem Arbeitnehmer über 1 000 € liegt.
In beiden Fällen wird für alle betroffenen Arbeitnehmer ein einheitlicher
durchschnittlicher Pauschalsteuersatz ausgerechnet, der hier ausnahmsweise
aus den Lohnsteuerklassen der Betroffenen und der Lohnsteuertabelle abgelei-
tet wird. Eine große Anzahl von Fällen liegt übrigens immer dann vor, wenn
mindestens 20 Arbeitnehmer betroffen sind (R 126 Abs. 1 LStR).
Der Vorteil der Pauschalierung liegt in diesen beiden Fällen vor allem darin,
dass der Arbeitslohn aus der Besteuerung im Rahmen Deiner Einkommensteu-
ererklärung herausfällt und für Dich damit praktisch steuerfrei bleibt. Eine
günstige Methode also, wenn Dein Arbeitgeber Dir und Deinen Kollegen ein-
mal etwas Gutes tun will.

78049-7_s001-816.indb 95 28.08.2007 14:28:30 Uhr


96 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

138 Pauschalierung mit einem festen Pauschalsteuersatz von 25 % (§ 40 Abs. 2 EStG) 138
● Verbilligte Kantinenmahlzeiten im Betrieb oder Essenszuschüsse, die er an
einen anderen Unternehmer (Gaststätte, Catering-Service) für kostengüns-
tige Essenslieferungen an die Belegschaft zahlt.
● Erholungsbeihilfen von jährlich nicht mehr als
– 156 € für den Arbeitnehmer selbst
– 104 € für dessen Ehegatten
– 52 € für jedes steuerlich noch zu berücksichtigende Kind
● Arbeitslohn aus einer Betriebsveranstaltung. Eine Versteuerung muss z. B.
erfolgen, wenn bereits zwei andere Betriebsveranstaltungen stattgefunden
hatten oder die durchschnittlichen Kosten je Arbeitnehmer über 110 €
lagen.
● Höhere Erstattung von Verpflegungskosten als die steuerfreien Pauschalen
für Dienstreisen. Zahlt Dein Arbeitgeber Dir mehr als die steuerfrei mög-
lichen Pauschalen von 24 €, 12 €, 6 €, kann er von dem steuerpflichtigen Teil
noch einmal einen Betrag in Höhe der Verpflegungssätze pauschal versteu-
ern. Bekommst Du bei einer 15-stündigen Dienstreise z. B. 24 € Spesen, blei-
ben 12 € steuerfrei, für weitere 12 € kann Dein Arbeitgeber die Pauschal-
steuer mit 25 % abführen. Für Dich bleiben die 24 € damit komplett steuer-
frei. Weitere Einzelheiten siehe E Rz 177.
139 ● Vorteile aus der kostenlosen oder verbilligten Überlassung von Computern 139
und Zubehör und der Übernahme privater Internetkosten.

Nutze den Firmen-PC ruhig mal privat!

Lass Dir vom Chef einen Firmen-PC für zu Hause geben. Solange dieser im
Eigentum der Firma bleibt, kannst Du damit in aller Ruhe auch privat arbeiten,
im Internet surfen etc. (§ 3 Nr. 45 EStG).
Besonders günstig ist die Pauschalierungsmöglichkeit für die Übernahme Dei-
ner Internetkosten. Darunter fallen insbesondere
● Grundgebühr für den Internetzugang
● laufende Gebühren für die Internetnutzung
● ISDN-Anschluss, DSL etc.
● Modem
An sich setzt die Pauschalierung voraus, dass Du Deiner Firma einen Nachweis
über die Höhe Deiner Kosten vorlegst. Wenn Du Dich aber mit einer monatli-

78049-7_s001-816.indb 96 28.08.2007 14:28:31 Uhr


7. Pauschalierung der Lohnsteuer 97

chen Erstattung von 50 € begnügst, reicht eine Eigenbescheinigung nach dem


Motto:

Lieber Chef,
hiermit bestätige ich, dass ich über einen privaten Internetzugang ver-
füge, für den mir im Laufe des Jahres mindestens Kosten von 600 € ent-
stehen.
Mit freundlichen Grüßen
Willi Schlaumeier

Wenn Du so bescheiden bleibst, kommst Du zudem um das Problem herum,


dass Dir der pauschalierte Betrag von eventuellen beruflichen Internetkosten,
die Du in Deiner Steuererklärung als Werbungskosten unterbringen möchtest,
abgezogen wird. (Siehe dazu R. 127 Abs. 4 a S. 12 LStR.)

140 Pauschalierung mit einem festen Pauschalsteuersatz von 15 % (§ 40 Abs. 2 140


EStG)
Diese Pauschalierungsmöglichkeit besteht, wenn Dein Arbeitgeber Dir Fahrtkos-
tenzuschüsse für die Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte mit Deinem
Auto zahlt oder Dir zu diesem Zweck einen Firmenwagen zur Verfügung stellt.
Die Pauschalierung mit 15 % darf aber nur insoweit erfolgen, als Du Fahrtkos-
ten als Werbungskosten absetzen könntest. Ab 2007 wird die Pauschalierungs-
möglichkeit also stark eingeschränkt, da bei der Berechnung der Entfernungs-
pauschale die ersten 20 Kilometer gekappt werden. Mehr zu diesem Thema
findest Du unter E Rz 102.

141 Pauschalierung bei Teilzeitbeschäftigten (§ 40 a EStG) 141


Das Hauptanwendungsgebiet für die Lohnsteuerpauschalierung sind Aushilfen
oder Teilzeitkräfte. Dabei werden folgende Fälle unterschieden:
● Aushilfen bzw. kurzfristig Beschäftigte mit 25 %
– geringfügig Beschäftigte/Teilzeitkräfte mit 2 % und mit 20 %
– Aushilfen in der Land- und Forstwirtschaft mit 5 %

142 Pauschalierung von Zukunftssicherungsleistungen (§ 40 b EStG) 142


Der Arbeitgeber kann insbesondere bereits seit vor 2005 laufende Direktversi-
cherungen, Zahlungen an Pensionskassen, aber auch Beiträge, die er zugunsten
seiner Arbeitnehmer in eine Gruppenunfallversicherung zahlt, in bestimmten
Grenzen mit 20 % pauschal versteuern. Zu Einzelheiten vgl. E Rz 158.

143 Pauschalierung von Sachgeschenken 143


Der Arbeitgeber kann Sachgeschenke an Arbeitnehmer ab 2007 mit 30 % zzgl.
Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag pauschal besteuern (§ 37 b EStG). Die

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98 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Pauschalierung ist allerdings nur bei solchen Sachgeschenken möglich, die nicht
schon dem Grunde nach gem. § 40 Abs. 2 EStG mit 15 % oder 25 % besteuert
werden können E Rz 139 f. oder tatsächlich nach E Rz 137 pauschal besteuert
wurden. Ein weiterer Pferdefuß dieser Pauschalierung ist, dass der Arbeitgeber
alle Sachgeschenke des gesamten Jahres, die unter § 37 b EStG fallen, dann
auch zwingend pauschal besteuern muss. Er kann die Pauschalierung nicht auf
einzelne Geschenke oder einzelne Personen beschränken.

144 c) Kirchensteuer bei Pauschalierung der Lohnsteuer 144


Auch wenn Dein Arbeitgeber die Lohnsteuer pauschaliert, fällt grundsätzlich
Kirchensteuer an. Weil aber bei der Pauschalierung nicht immer ganz klar ist,
ob tatsächlich alle betroffenen Arbeitnehmer einer Kirche angehören, wird der
reguläre Kirchensteuersatz gekürzt. Der Steuersatz für die pauschale Kirchen-
lohnsteuer ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt. Er liegt je nach Be-
völkerungsstruktur zwischen 4,5 und 7 %.
Eine Besonderheit stellt die Pauschalierung der Steuer für Aushilfen mit 2 %
dar. Hier ist die Kirchensteuer schon mit abgegolten.

Vermeide mit ein paar Federstrichen


die Kirchensteuer!

Dank des Bundesverfassungsgerichts wird niemand gezwungen, Kirchensteuer


zu zahlen, der keiner kirchensteuerberechtigten Kirche angehört. Weist Du
Deinem Arbeitgeber also nach, dass das auf Dich zutrifft, muss er für Deinen
Arbeitslohn keine Kirchensteuer abführen. Der Nachweis ist nicht sonderlich
schwierig, Du legst einfach eine Lohnsteuerkarte vor.
Als Aushilfskraft oder geringfügig Beschäftigter reicht auch eine schriftliche
Bestätigung Deinerseits, dass Du keiner hebeberechtigten Kirche angehörst.
Für die Bestätigung musst Du unbedingt einen besonderen Finanzamtsvor-
druck verwenden (BMF v. 19. 5. 1999, BStBl 1999 I S. 509).

Bundesland Steuersatz der Pauschalkirchensteuer


ohne Nachweis mit Nachweis
§ 40 § 40 a § 40 b
Baden-Württemberg 7,0 8,0 8,0 8,0
Bayern 7,0 8,0 8,0 8,0
Berlin 5,0 9,0 9,0 9,0
Brandenburg 5,0 9,0 9,0 9,0
Bremen 7,0 8,0 8,0 8,0

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7. Pauschalierung der Lohnsteuer 99

Bundesland Steuersatz der Pauschalkirchensteuer


ohne Nachweis mit Nachweis
§ 40 § 40 a § 40 b
Hamburg 4,5 8,0 8,0 8,0
Hessen 7,0 9,0 9,0 9,0
Mecklenburg-Vorpommern 5,0 9,0 9,0 9,0
Niedersachsen 6,0 9,0 9,0 9,0
Nordrhein-Westfalen 7,0 9,0 9,0 9,0
Rheinland-Pfalz 7,0 9,0 9,0 9,0
Saarland 7,0 9,0 9,0 9,0
Sachsen 5,0 9,0 9,0 9,0
Sachsen-Anhalt 5,0 9,0 9,0 9,0
Schleswig-Holstein 7,0 9,0 9,0 9,0
Thüringen 5,0 9,0 9,0 9,0

145 d) Solidaritätszuschlag bei Pauschalierung der Lohnsteuer 145


Genauso wie die Kirchensteuer fällt auch der Solidaritätszuschlag bei der
Lohnsteuerpauschalierung an. Er wird ohne Beschränkung mit 5,5 % ab dem
ersten Euro der pauschalen Lohnsteuer erhoben. Schuldner des Solidaritätszu-
schlags ist wie bei der pauschalen Lohnsteuer der Arbeitgeber.
Hier gilt ebenfalls: Bei der Pauschalierung mit 2 % steckt der Solidaritätszu-
schlag schon drin.

146 Geringfügige Beschäftigung – Teilzeitkräfte 146


aa) Gesamtüberblick
Mit diesem amtsdeutschen Begriff sind die sog. Mini- oder 400-€-Jobs gemeint.
Bevor ich Dir die Details vorstelle, zunächst einmal ein schneller Überblick:
● Bei geringfügiger Beschäftigung mit einem durchschnittlichen monatlichen
Arbeitslohn von höchstens 400 € fallen ab dem ersten Euro Arbeitslohn pau-
schale Beiträge zur Krankenversicherung von 13 % (bis 2006: 11 %) und zur
Rentenversicherung von 15 % (bis 2006: 12 %) an. Die Beiträge muss in vol-
ler Höhe der Arbeitgeber zahlen.
● Bei geringfügiger Beschäftigung in einem Privathaushalt reduzieren sich
diese Beitragspauschalen des Arbeitgebers auf jeweils 5 %
● Durch die Rentenversicherungspauschale erwirbt der Arbeitnehmer einge-
schränkte Ansprüche aus der Rentenversicherung. Durch den pauschalen
Krankenversicherungsbeitrag ergeben sich allerdings keine Ansprüche aus
der Krankenversicherung.
● Geringfügig Beschäftigte können freiwillig die vom Arbeitgeber zu zahlende
Beitragspauschale von 15 % auf den gesetzlichen Regelbeitrag von 19,9 %
aufstocken und damit vollwertige Rentenansprüche erwerben.

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100 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

● Der Lohn aus einem geringfügigen Beschäftigungsverhältnis kann grundsätz-


lich vom arbeitgeber mit 2 % pauschal versteuert werden. Macht der Arbeit-
geber von dieser Pauschalierungsmöglichkeit Gebrauch, ist damit die ge-
samte Besteuerung (Lohnsteur, Kirhcensteuer und Solidaritätszuschlag) für
den Lohn aus dem Minijob erledigt. Selbst wenn der Arbeitnehmer aus ande-
ren Gründen eine Einkommensteuererklärung abgibt, wird der pauschal be-
steuerte Lohn dort nicht mehr mit einbezogen.
● Die Lohngrenze ist sowohl für die Sozialversicherung als auch für das Steu-
errecht auf 400 €/Monat festgeschrieben und wird nicht jährlich angehoben.
bb) Sozialversicherung
Die Sozialversicherung unterscheidet bei Teilzeitbeschäftigten weiterhin fol-
gende Kategorien:
1. Kurzfristige Beschäftigung/Saisonbeschäftigung über höchstens zwei Mo-
nate bzw. 50 Arbeitstage im Kalenderjahr. Diese Beschäftigungen bleiben
komplett sozialversicherungsfrei.
2. Geringfügige Beschäftigung (geringfügig entlohnte Beschäftigung), bei der
der Arbeitslohn in der Regel 400 € im Monat nicht übersteigt und daher nur
pauschale Renten- bzw. Krankenversicherungsbeiträge des Arbeitgebers an-
fallen.
Für die Berechnung der Monatslohngrenze von 400 € und der Wochenstunden-
zahl werden mehrere Arbeitsverhältnisse generell zusammengerechnet. Hast
Du z. B. zwei geringfügige Arbeitsverhältnisse mit je 250 € Monatslohn, unter-
liegen beide Arbeitsverhältnisse der vollen Sozialversicherungspflicht. Es fallen
somit Regelbeiträge zur Renten-, Kranken-, und Pflegeversicherung an, die
teilweise vom Arbeitgeber und teilweise vom Arbeitnehmer gezahlt werden
müssen.
Besonderheiten gelten bei der Arbeitslosenversicherung. Liegt der Lohn im
einzelnen Arbeitsverhältnis unter 400 € – wären also isoliert betrachtet die Mi-
nijobkriterien erfüllt –, fällt für keine der Beschäftigungen Arbeitslosenversi-
cherung an. Allerdings hast Du dann im Fall der Arbeitslosigkeit auch keine
Leistungsansprüche aus den Minijobs.
Besonders günstig ist ein 400-€-Job, wenn Du ihn neben Deinem Hauptjob aus-
übst. Dann wird nämlich nicht zusammengerechnet. Für Deinen Minijob bleibt
es bei der grundsätzlichen Sozialversicherungsfreiheit. Nur Dein Arbeitgeber
muss die pauschalen Beiträge zahlen. Angenommen, Du verdienst in Deinem
Hauptjob 1 400 € im Monat, daneben fährst Du aushilfsweise Taxi für »Taxi-
Krause« und kassierst dafür im Monat 350 €. Die 350 € bekommst Du völlig
ohne Abzüge.
Hast Du neben Deinem Hauptjob mehr als einen 400-€-Job, wird die Zusam-
menrechnung nur für den zeitlich zuerst aufgenommenen Minijob vermieden.
Der Lohn aus Deinen anderen Minijobs wird dagegen mit Deinem Hauptjob
zusammengerechnet, und Du musst Dir dafür normale Sozialversicherungsbei-
träge abziehen lassen.

78049-7_s001-816.indb 100 28.08.2007 14:28:32 Uhr


7. Pauschalierung der Lohnsteuer 101

Verdiene zweimal im Jahr fast unbegrenzt hinzu!

147 Eine geringfügige Beschäftigung setzt voraus, dass Dein regelmäßiger Monats- 147
lohn 400 € durchschnittlich nicht übersteigt. Bist Du durchgehend beschäftigt
und schwankt Dein Arbeitslohn z. B. saisonbedingt oder wegen unterschied-
licher Arbeitsstunden in den einzelnen Monaten, kommt es darauf an, dass Du
im Jahr insgesamt nicht mehr als 4 800 € verdienst.
Unabhängig von dieser Durchschnittsberechnung kannst Du in zwei Monaten
im Jahr praktisch unbegenzt hinzuverdienen. Allerdings setzt das voraus, dass
Du sagen kannst, dass es sich in diesen Fällen um einen nicht vorhersehbaren,
nicht geplanten Arbeitseinsatz handelte. Musst Du z. B. im Juli und August eine
Krankheitsvertretung übernehmen, bleibt Dein Job auch dann ein versiche-
rungsfreies geringfügiges Beschäftigungsverhältnis, wenn Du z. B. 30 Stunden in
der Woche arbeitest und in den beiden Monaten jeweils auf einen Monatslohn
von 1 700 € kommst.
Pauschale Renten- und Krankenversicherungsbeiträge
Auf den ersten Blick etwas unlogisch ist das Gesetz über die 400-€-Jobs ja schon.
Wenn Du als Arbeitnehmer die Voraussetzungen für eine geringfügige Beschäf-
tigung erfüllst, ist Dein Arbeitslohn sozialversicherungsfrei. Trotzdem fallen für
diese sozialversicherungsfreie Tätigkeit pauschale Beiträge an.
148 Rentenversicherung 148
Der Arbeitgeber muss in jedem Fall den Pauschalbeitrag zur Rentenversiche-
rung von 15 % bei normaler Beschäftigung, von 5 % bei einer Beschäftigung im
Privathaushalt zahlen. Die Beiträge werden ab dem ersten Euro Arbeitslohn
fällig. Eine Beitragsaufteilung zwischen Dir als Arbeitnehmer und Deinem Ar-
beitgeber findet nicht statt.
Durch den pauschalen Rentenversicherungsbeitrag erwirbst Du geringe An-
sprüche aus der Rentenversicherung. Für ein volles Jahr Minijob werden Dir
lediglich 1,4 Monate auf die Wartezeit von 60 Beitragsmonaten angerechnet.
Um also einen Grundrentenanspruch nur aus einer geringfügigen Beschäfti-
gung zu bekommen, müsstest Du fast 43 Jahre einen Minijob ausüben.
149 Allerdings bietet man Dir die Möglichkeit, den pauschalen Rentenversiche- 149
rungsbeitrag aus der eigenen Tasche auf den Regelbeitrag von 19,9 % aufzusto-
cken. Der Vorteil für Dich liegt darin, dass Du dann aus dem Arbeitslohn von
400 € vollwertige Ansprüche aus der Rentenversicherung beziehen kannst. Als
Faustregel gilt hier lt. Information der Deutschen Rentenversicherung Bund:
Ein Jahr 400-€-Job = 4,25 € Rentenanspruch pro Monat.

78049-7_s001-816.indb 101 28.08.2007 14:28:32 Uhr


102 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Neben dem vollwertigen Anspruch auf Rente zählen vor allem pro Jahr zwölf
Monate als Wartezeit für Deinen Rentenanspruch. Außerdem kannst Du das
volle Leistungsspektrum der Rentenversicherung in Anspruch nehmen, z. B.
Rehabilitationsleistungen, Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit, vorge-
zogene Altersrente.

Besonders interessant ist diese Aufstockungsmöglichkeit für Dich, wenn Dir


nur noch einige Beitragsmonate fehlen, bis Du die erforderlichen 60 Monate
zusammen hast, z. B., weil Du nur drei oder vier Jahre rentenversicherungs-
pflichtig beschäftigt warst, als Mutter Anspruch auf Kindererziehungszeiten
hast oder nur durch die Pflege von Angehörigen Anrechnungszeiten verdient
hast.
Formell musst Du gegenüber Deinem Arbeitgeber schriftlich auf die Renten-
versicherungsfreiheit Deines 400-€-Jobs verzichten. Er trägt dann weiterhin
15 % und Du die restlichen 4,9 % des Gesamtbeitrags. Allerdings verlangt die
Rentenversicherung in Aufstockungsfällen für 2007 einen Mindestbeitrag von
79,60 € (19,9 % von 400 €). Verdienst Du in Deinem Minijob also z. B. nur 300 €,
trägt Dein Arbeitgeber weiter 15 % des Arbeitslohns, das sind in diesem Fall
45 €. Diesen Betrag musst Du aus eigenen Mitteln auf 79,60 € aufstocken, Du
musst also 34,60 € dazulegen.

Der Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit kann in demselben Arbeits-


verhältnis nicht widerrufen werden. Du bist also gezwungen, den Aufstockungs-
betrag so lange zu zahlen, bis Du aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidest.

Verdiene durch einen Rausschmiss mehr

Angenommen, Dir fehlen noch 24 Beitragsmonate von Deiner Wartezeit für


den Rentenanspruch. Schlau wie Du bist, hast Du deshalb auf die Rentenversi-
cherungsfreiheit verzichtet. Nach Ablauf der zwei Jahre berappst Du aber mun-
ter weiter jeden Monat 4,9 % von 400 € = 20 €. Na, die würdest Du Dir natürlich

78049-7_s001-816.indb 102 28.08.2007 14:28:33 Uhr


7. Pauschalierung der Lohnsteuer 103

ganz gern selbst in die Tasche stecken, zumal Du finanziell sowieso nicht auf
Rosen gebettet bist.
»Ja, aber wie denn?«, fragst Du. »Du hast mir doch gerade erklärt, dass ich mei-
nen Verzicht nicht widerrufen kann.« Schon richtig! Aber wenn Dich Dein Chef
kurzerhand aus betriebsbedingten Gründen entlässt, ist das Arbeitsverhältnis
beendet und damit der Verzicht auf die Rentenversicherungsfreiheit hinfällig.
Wenn Du nach sechs Wochen wieder eingestellt wirst, weil sich die Auftragslage
verbessert hat, werden die Karten neu gemischt. Du hast jetzt wieder einen
400-€-Job, für den nur die pauschalen Arbeitgeberbeiträge von 15 % anfallen.

150 Krankenversicherung 150


Der pauschale Krankenversicherungsbeitrag beträgt 13 % für normale Beschäf-
tigungen, 5 % für eine Beschäftigung im Privathaushalt. Anders als der Renten-
versicherungsbeitrag muss die Krankenversicherung aber nur für Personen ge-
zahlt werden, die in der gesetzlichen Krankenversicherung selbst versichert
oder über die Familienversicherung mitversichert sind. Damit fallen vor allem
bei folgenden Personen keine Beiträge zur Krankenversicherung an:
● privat krankenversicherte Arbeitnehmer und deren Familienangehörige
● Selbständige
● Beamte und deren Familienangehörige, wenn sie nicht ausnahmsweise frei-
willig in der gesetzlichen Krankenversicherung versichert sind
● Pensionäre
● nicht sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmer und deren Familienange-
hörige, z. B. Gesellschafter-Geschäftsführer.
Aus den Krankenversicherungsbeiträgen für Deinen Minijob hast Du keinerlei
Ansprüche gegen die Krankenkasse.

151 cc) Steuer für geringfügig Beschäftigte 151


Für die Besteuerung von Minijobs ergeben sich folgende Möglichkeiten:
Der Arbeitslohn kann
● unter Vorlage einer Lohnsteuerkarte besteuert werden;
● mit 2 % pauschal versteuert werden, wenn ein geringfügiges Beschäftigungs-
verhältnis vorliegt, für das Dein Arbeitgeber pauschale Beiträge zur Renten-
versicherung von 15 % bzw. 5 % (bei Beschäftigung im Privathaushalt) ab-
führt; die Pauschalsteuer ist so gering, dass es fast einer Steuerbefreiung
gleichkommt;
● mit 20 % pauschal besteuert werden, wenn Dein Arbeitgeber keine pauscha-
len Beiträge zur Rentenversicherung zahlt.
Durch die Pauschalierung wird Dein Arbeitgeber Schuldner der Lohnsteuer.
Zudem wird pauschal besteuerter Arbeitslohn nicht in Deine Einkommensteu-
erveranlagung einbezogen, was für Dich praktisch Steuerfreiheit des 400-€-Jobs
bedeutet.

78049-7_s001-816.indb 103 28.08.2007 14:28:33 Uhr


104 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Pauschalierung der Steuer: 2 % oder 20 %?


Du kannst Deinen Arbeitgeber weder zu einer Pauschalierung der Steuer mit
2 % noch mit 20 % zwingen.
Wie Du schon oben gelesen hast, hängt der Ministeuersatz von 2 % davon ab,
dass Dein Arbeitgeber für Deinen 400-€-Job lediglich pauschale Rentenversi-
cherungsbeiträge von 15 % bzw. 5 % zahlen muss.
Durch den Pauschalsteuersatz von 2 % ist nicht nur die Lohnsteuer, sondern
auch gleichzeitig die Kirchensteuer und der Solidaritätszuschlag abgegolten.
Die Pauschalsteuer von 2 % zahlt der Arbeitgeber auch nicht an sein Finanz-
amt, sondern zusammen mit dem Pauschalbeitrag zur Sozialversicherung an die
Bundesknappschaft – Verwaltungsstelle Cottbus –, die als bundesweit zentrale
Einzugsstelle fungiert.
Es sind insoweit keine besonderen Anmeldungen der Lohnsteuer erforderlich.
Die Steueranmeldung ist vielmehr mit der Meldung der Sozialversicherungs-
beiträge verbunden.
Der Ministeuersatz von 2 % kommt in folgenden Fällen zur Anwendung:
1. Du hast nur eine geringfügige Beschäftigung, Dein Monatslohn liegt nicht
über 400 €.
2. Du hast mehrere geringfügige Beschäftigungen nebeneinander, der monat-
liche Arbeitslohn aus allen Arbeitsverhältnissen liegt aber nicht über 400 €.
3. Du hast eine geringfügige Beschäftigung mit einem Monatslohn von norma-
lerweise unter 400 €. Wegen einer überraschenden Krankheitsvertretung
verdienst Du zwei Monate lang aber statt 400 € z. B. jeweils 1 250 €.
4. Du hast neben Deinem Hauptjob einen Job auf 400-€-Basis.
5. Du hast neben Deinem Hauptjob mehrere Jobs auf 400-€-Basis. Für den
zeitlich zuerst aufgenommenen Nebenjob gilt der Steuersatz von 2 %. Für
die weiteren »geringfügigen« Beschäftigungen musst Du entweder Deinen
Chefs eine Steuerkarte VI vorlegen, oder die müssen den Lohn mit 20 %
zzgl. Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag versteuern.
Die Pauschalierung mit 20 % kann der jeweilige Arbeitgeber in folgenden Fäl-
len durchführen:
1. Du hast mehrere 400-€-Jobs, die wegen der Zusammenrechnung des Ar-
beitsentgelts sozialversicherungspflichtig sind und für die deshalb Deine Ar-
beitgeber keine pauschalen Rentenbeiträge in Höhe von 15 % bzw. 5 % zah-
len müssen.
2. Du hast neben Deinem Hauptjob mehrere 400-€-Jobs. Durch die Zusam-
menrechnung Deiner Hauptbeschäftigung mit allen außer der ersten gering-
fügigen Beschäftigung sind alle weiteren 400-€-Jobs sozialversicherungs-
pflichtig. Deshalb muss Dein Brötchengeber dafür normale Sozialversiche-
rungsbeiträge zahlen und nicht die Pauschalbeiträge.

78049-7_s001-816.indb 104 28.08.2007 14:28:33 Uhr


7. Pauschalierung der Lohnsteuer 105

Pass auf!

152 Da für alle geringfügigen Beschäftigungsverhältnisse Pauschalbeiträge an 152


Krankenkassen abgeführt werden müssen, laufen spätestens dort die Infor-
mationen über Arbeitslohn und Arbeitszeit aus allen Arbeitsverhältnissen zu-
sammen. Die Krankenkassen informieren die Arbeitgeber, wenn durch die
Zusammenrechnung mehrerer Arbeitsverhältnisse kein geringfügiges Beschäf-
tigungsverhältnis mehr vorliegt, und fordern sie auf, statt der Pauschalbeiträge
die vollen Regelbeiträge abzuführen. Außerdem müssen die Sozialversiche-
rungsträger die Finanzämter informieren, wenn sich herausstellt, dass ein bisher
als geringfügig eingestuftes Arbeitsverhältnis die Kriterien der Geringfügigkeit
doch nicht erfüllt.
Berechnungsgrundlage für die Pauschalsteuer
153 Steuerfreie Teile Deines Einkommens, wie z. B. Reisekosten, Personalrabatte 153
oder Sachleistungen im Rahmen der 44-€-Bagatellgrenze, werden als Einkünfte
nicht angesetzt. Genauso bleibt Arbeitslohn außer Betracht, für den die Lohn-
steuer vom Arbeitgeber pauschaliert wird. Unter den Tisch fallen demnach
z. B.:
● sonstige Bezüge (§ 40 Abs. 1 EStG)
● Mahlzeiten im Betrieb (§ 40 Abs. 2 EStG)
● Zuwendungen bei Betriebsveranstaltungen (§ 40 Abs. 2 EStG)
● Erholungsbeihilfen (§ 40 Abs. 2 EStG)
● Verpflegungsmehraufwendungen bis zur Höhe der steuerlichen Pauschalen
(§ 40 Abs. 2 ESt)
● Übernahme privater PC- und Internetkosten (§ 40 Abs. 2 EStG)
● Leistungen des Arbeitgebers für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeits-
stätte (§ 40 Abs. 2 S. 2 EStG)
● kurzfristige Beschäftigungen (§ 40 a Abs. 1 EStG).
154 Ungemach droht, wenn Dir Dein Arbeitgeber zusätzlich zum Lohn aus Deinem 154
Minijob Fahrgeld zahlt. Dieses zählt zunächst einmal zu Deinem Arbeitslohn.
Liegt Dein Monatslohn nicht weit weg von der 400-€-Grenze, könnte diese
durch die Fahrgeldzahlungen überschritten und aus Deinem Minijob ein sozial-
versicherungs- und steuerpflichtiges Regelarbeitsverhältnis werden. Um das zu
vermeiden, muss der Fahrtostenzuschuss von Deinem Arbeitgeber mit 15 %
pauschal versteuert werden (§ 40 Abs. 2 S. 2 EStG). Obergrenze für diese Pau-
schalversteuerung ist der Betrag, der sich bei Dir als Entfernungspauschale
ergibt: für jeden Arbeitstag 0,30 € je Entfernungskilometer abzgl. der ersten
20 km (Kappung der Entfernungspauschale seit 2007).

78049-7_s001-816.indb 105 28.08.2007 14:28:34 Uhr


106 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Angenommen, Dein Arbeitgeber zahlt Dir in Deinem Minijob 380 € im Monat


und für die zehn Mal im Monat, die Du die 25 km Entfernung zur Arbeit mit
Deinem Auto fährst, ein Fahrgeld von 50 €. Für Deinen Minijob ergibt sich jetzt
folgende Berechnung:
Fahrtkostenzuschuss 50,00 €
Pauschalierungsgrenze monatlich (15 Arbeitstage)
(25 km – 20 km) = 5 km  0,30 €  10 Tage 15,00 €
verbleibender, normal zu versteuernder Fahrtkostenzuschuss 35,00 €
+ laufender Lohn aus dem Minijob 380,00 €
regelmäßiger Lohn aus dem Minijob 415,00 €
Damit hast Du keinen Minijob mehr und es fallen sowohl für Dich als auch für
Deinen Arbeitgeber Pflichtbeiträge zur Sozialversicherung an. Außerdem kann
Dein Arbeitgeber den Lohn nicht mehr mit 2 % pauschal versteuern und Du
musst wieder selbst die Steuer tragen, wass Dich vor allem dann einen Batzen
Geld kosten, wenn bei Dir oder Deinem Ehepartner noch andere Einkünfte
vorliegen.

Nimm statt Fahrgeld einen Benzingutschein


oder ein Jobticket!

Dem oben geschilderten Problem geht Ihr aus dem Weg, wenn Dir Dein Chef
statt Fahrgeld eine Sachleistung in Form eines monatlichen Benzingutscheins
oder eines Jobtickets für öffentliche Verkehrsmittel zukommen lässt. Wenn des-
sen monatlicher Wert unter 44 € liegt, ist diese Leistung des Arbeitgebers steu-
erfrei und wird auch nicht in die Lohngrenze Deines Minijobs eingerechnet.
Mehr dazu findest Du unter E Rz 40 ff.

Keine Steuer für 1-€-Jobs

155 Mit den durch Hartz IV eingeführten 1-€-Jobs kannst Du Dein Arbeitslosen- 155
geld anrechnungsfrei aufstocken. Gehörst Du zu den 1-€-Jobbern, kannst Du
für Deine – gemeinnützige – Arbeit 1 bis 2 € pro Stunde bei max. 30 Stunden in
der Woche verdienen. Viel ist das ja nicht gerade. Aber jetzt die gute Nachricht.
Dein Zuverdienst ist komplett steuerfrei (§ 3 Nr. 2 b EStG). Weder für Dich
noch für Deinen Arbeitgeber fallen Steuern an, auch keine pauschale Lohn-
steuer.

78049-7_s001-816.indb 106 28.08.2007 14:28:34 Uhr


7. Pauschalierung der Lohnsteuer 107

Bei Rentnern geht es auch ohne Pauschalsteuer

156 Als Rentner brauchst Du Dir keine großen Gedanken zu machen, dass man 156
Dich wegen Deines 400-€-Jobs mit Steuern zur Kasse bittet.
Wenn Du Deine kleine Rente mit einem solchen Aushilfsjob aufbesserst, kannst
Du Deinem Brötchengeber sogar die Pauschalsteuer ersparen, indem Du ihm
eine Steuerkarte, z. B. mit der Steuerklasse I (ledig) oder III (verheiratet), vor-
legst. Wenn Deine monatliche Rente als Lediger nicht deutlich über 1 200 € und
als Verheirateter über 2 750 € liegt, fällt trotz der geänderten Rentenbesteue-
rung keine Steuer an.

So sieht die Rechnung für Dich aus, wenn Du 2005 oder früher in Rente gegan-
gen bist:

Ledige Verheiratete
Monatslohn 400 €  12 4 800 €
./. Arbeitnehmerpauschbetrag – 920 €
./. Altersentlastungsbetrag – 1 900 €
Arbeitslohn 1 980 € 1 980 € 1 980 €

Rente 1 200 €  12 14 440 €


Rente 2 750 €  12 33 000 €
Besteuerungsanteil 50 % – 7 220 € – 16 500 €
./. Pauschbetrag für Renten – 102 € – 102 €
Renteneinkünfte 7 118 € 7 118 € 16 398 € 16 398 €

./. Sonderausgaben-Pauschbetrag – 36 € – 72 €
./. Vorsorgeaufwendungen (Versicherungen) – 1 500 € – 3 000 €
Einkommen 7 562 € 15 306 €
./. Grundfreibetrag – 7 665 € – 15 330 €
bleiben zu versteuern 0€ 0€

Wie Du siehst, zahlen so weder Du noch Dein Arbeitgeber Steuern für Deinen
400-€-Job. Bist Du erst 2006 oder 2007 in Rente gegangen, steigt der Besteue-
rungsanteil der Rente auf 52 % bzw. 54 %. Dementsprechend geringer ist der
Rentenbetrag bis zu dem für den Minijob keine Steuern anfallen.

78049-7_s001-816.indb 107 28.08.2007 14:28:34 Uhr


108 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Als »reicher« Rentner fährst Du


mit der Pauschalierung besser

Gehörst Du zu den Rentnern, die über eine besonders hohe Rente verfügen
oder bei denen sich der Fiskus schon wegen anderer Einkünfte, z. B. aus der
Vermietung von Immobilien oder wegen hoher Zinsen, bedient, fährst Du mit
der Pauschalsteuer für Deinen 400-€-Job deutlich besser. Du wirst also Deinem
Arbeitgeber keine Steuerkarte vorlegen und ihn bitten, die Steuer mit 2 % pau-
schal abzuführen.

Wechsle im richtigen Moment die Besteuerungs-


methode beim Ehegattenarbeitsverhältnis

157 Wenn Du Deine bessere Hälfte in Deiner Firma als 400-€-Kraft beschäf- 157
mS tigst, fährst Du in aller Regel mit der Pauschalierung der Lohnsteuer bes-
ser. Doch kann es passieren, dass Du später merkst, dass eine Versteuerung
nach Lohnsteuerkarte deutlich günstiger gewesen wäre, z. B., wenn sich heraus-
stellt, dass Du mit deiner Firma Verluste gemacht hast oder Euer gemeinsames
Einkommen so gering ist, dass keine Steuern anfallen.
Dank des BFH kannst Du Dich jetzt auch noch anders entscheiden, wenn das
Kalenderjahr längst abgelaufen ist, und von der Pauschalierung des Arbeits-
lohns zur Regelbesteuerung wechseln. Du gibst dazu einfach eine geänderte
Lohnsteueranmeldung ohne die Pauschalsteuer ab und erklärst in Deiner
Steuererklärung den Arbeitslohn Deines Ehegatten in der Anlage N als norma-
les Arbeitseinkommen (BFH-Urt. v. 26. 11. 2003 – BStBl II 2004 S. 195).

8. Altersversorgung
158 Zunächst ein Überblick, welche Möglichkeiten der betrieblichen Altersvor- 158
sorge Du nutzen kannst und wo die Vorteile und die Fallstricke für Dich lie-
gen:

78049-7_s001-816.indb 108 28.08.2007 14:28:35 Uhr


8. Altersversorgung 109

Wege der steuerlich geförderten betrieblichen Altersvorsorge


Form der Kurzbeschreibung Steuerliche Förderung Besteuerung in der
betrieblichen in der Ansparphase Leistungsphase
Altersvorsorge
Pensions- Der Arbeitgeber verspricht Der Aufbau der Die späteren
zusage/ bei Eintritt in den Altersversorgung ist Pensionszahlungen
Direktzusage Ruhestand eine nicht steuerpflichtig; stellen Arbeitslohn dar
regelmäßige monatliche dadurch entsteht in und müssen vom
Altersversorgungszahlung der Ansparphase Arbeitnehmer
(Pension); der Arbeit- keine finanzielle zusammen
nehmer muss keine Belastung. mit seinen anderen
Zahlungen dafür leisten. Einkünften voll
versteuert werden.
Pensions- Der Arbeitgeber verspricht Der Aufbau der Die späteren
zusage/ bei Eintritt in den Altersversorgung ist Pensionszahlungen
Direktzusage Ruhestand eine nicht steuerpflichtig; stellen Arbeitslohn dar
(aus regelmäßige monatliche der Besteuerung und müssen vom
Gehalts- Altersversorgungszahlung unterliegt nur noch der Arbeitnehmer
umwandlung) (Pension); Lohn abzüglich zusammen
der Arbeitnehmer Gehaltsverzicht, mit seinen anderen
finanziert dies durch einen dadurch ergibt sich ein Einkünften voll
regelmäßigen Gehaltsver- laufender Steuervor- versteuert werden.
zicht. teil.
Werksrente Der Arbeitgeber zahlt Der Aufbau der Die späteren
ohne verbindliche Zusage Altersversorgung ist Zahlungen der
an ehemalige Arbeitneh- nicht steuerpflichtig; Werksrente werden
mer eine betriebliche dadurch entsteht in behandelt wie eine
Altersversorgung der Ansparphase Pension. Sie stellt
unmittelbar aus keine finanzielle Arbeitslohn dar und
Betriebsmitteln Belastung. muss vom Arbeit-
oder z. B. über eine nehmer zusammen
Unterstützungskasse. mit seinen anderen
Einkünften voll
versteuert werden.
Direkt- Der Arbeitgeber zahlt Die Direktversiche- Die späteren
versicherung zu Gunsten des rungsbeiträge sind bei Zahlungen aus der
Arbeitnehmers Beiträge in Vertragsabschluss Direktversicherung
eine durch ihn abge- nach dem 31. 12. müssen vom
schlossene Lebensversi- 2004 bis zu 4% der Arbeitnehmer
cherung, die Beitragsbemessungs- zusammen mit seinen
dem Arbeitnehmer als grenze in der anderen Einkünften
Altersvorsorge eine regel- Rentenversicherung voll versteuert werden
mäßige monatliche (2007 = ca. 2 520 €) (§ 22 Nr. 5 EStG).
Rentenzahlung garantiert. zuzüglich weiterer (Sonderregelungen
1 800 € (2007 für Altverträge vor
insgesamt also ca. 2005)
4 320 €) steuerfrei.
(Sonderregelungen
für Altverträge vor
2005)

78049-7_s001-816.indb 109 28.08.2007 14:28:35 Uhr


110 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

Form der Kurzbeschreibung Steuerliche Förderung Besteuerung in der


betrieblichen in der Ansparphase Leistungsphase
Altersvorsorge
Pensions- Der Arbeitgeber zahlt wie bei Direkt- Wie bei Direktversi-
kasse/ zu Gunsten des versicherungen cherungen.
Pensions- Arbeitnehmers Beiträge an + (Sonderregelungen für
fonds eine Pensionskasse, die wahlweise Förderung Altverträge vor 2005)
dem Arbeitnehmer als durch Riester-Zulage.
Altersvorsorge eine (Sonderregelungen
regelmäßige monatliche für Altverträge vor
Zahlung garantiert. 2005)

159 Direktversicherung, Pensionskasse, Pensionsfonds 159


Wenn die Vereinbarung über die betriebliche Altersversorgung mit dem Arbeit-
geber erst nach dem 31. 12. 2004 getroffen wurde, werden Beiträge zu Direkt-
versicherung, Pensionskasse und Pensionsfonds nahezu gleich behandelt. Sie
bleiben nach § 3 Nr. 63 EStG unter folgenden Voraussetzungen steuerfrei:
● Durch die Zahlungen wird eine kapitalgedeckte betriebliche Altersversor-
gung aufgebaut, das bedeutet praktisch, dass das eingezahlte Kapital für Dich
individuell angelegt und später mit Zins und Zinseszins ausgezahlt wird.
● Die Auszahlung darf nur als laufende Rente erfolgen, Verträge mit einma-
liger Kapitalauszahlung sind nicht steuerbegünstigt.
● Die Auszahlung darf frühestens mit dem 60. Lebensjahr beginnen bzw. mit
dem Beginn der Rentenzahlung aus der gesetzlichen Rentenversicherung.
● Umfasst die betriebliche Altersversorgung auch Hinterbliebene, darf die
Rente nur an Ehegatten und Kinder bzw. den Lebenspartner geregelt sein.
Bezugsrechte für andere Personen wie Eltern oder Geschwister sind dagegen
schädlich und verhindern die Steuerfreiheit.
● Steuerfrei bleiben höchstens 4 % der Beitragsbemessungsgrenze zur Renten-
versicherung.
● Bei Versorgungszusagen (Vertragsabschluss) nach dem 31. 12. 2004 können
zusätzliche 1 800 € steuerfrei bleiben.
Wenn Deine Direktversicherung also z. B. erst 2005 oder später abgeschlossen
wurde, können im Jahr 2007 Beiträge zu dieser Versicherung bis zu einer Höhe
von 4 320 € steuerfrei bleiben.
Völlig zu Recht fragst Du Dich allerdings: »Was ist denn mit meiner betrieb-
lichen Altersversorgung, wenn die Versorgungszusage und die Verträge schon
vor 2005 abgeschlossen wurden?«
Nun, in diesem Fall gelten die bisherigen Regelungen weiter. Für Altverträge
kann der Arbeitgeber auch noch die Lohnsteuer pauschal mit 20 % erheben. Im
Einzelnen sieht das dann so aus:

78049-7_s001-816.indb 110 28.08.2007 14:28:35 Uhr


8. Altersversorgung 111

160 Altverträge (= Versorgungszusage 2004 oder früher): 160


1. Pensionsfonds
Beiträge an Pensionsfonds bleiben bis zu 4 % der Beitragsbemessungsgrund-
lage zur Rentenversicherung (2007 = 2 520 €) steuerfrei. Sind die Beiträge
höher, ist der Restbetrag steuerpflichtig, aber Du kannst dafür noch die Riester-
Zulage erhalten.

zur Riester-Zulage

Wenn Dir die Steuerfreiheit nichts bringt, z. B. weil Du wegen Deines niedrigen
Einkommens keine Steuern zahlst, kannst Du auf die Steuerfreiheit verzichten
und stattdessen für den gesamten Betrag die Riester-Zulage beantragen.
2. Pensionskasse
Beiträge an eine Pensionskasse bleiben ebenfalls zunächst bis zu 4 % der Bei-
tragsbemessungsgrenze zur Rentenversicherung steuerfrei (§ 3 Nr. 63 EStG).
Liegen die Beiträge höher (z. B. für 2007 höher als 2 520 €), können weitere
1 752 € nach § 40 b EStG mit 20 % pauschal versteuert werden. Und wenn auch
dann mit den Beiträgen noch nicht Schluss ist, kannst Du dafür die Riester-Zu-
lage beantragen.
3. Direktversicherung
Anders als die Beiträge zu Pensionskassen und Pensionsfonds waren die Bei-
träge zu Direktversicherungen bis einschließlich 2004 nicht steuerfrei. Sie konn-
ten allenfalls mit 20 % pauschal besteuert werden (§ 40 b EStG).
Wurde Deine Direktversicherung vor dem 1. 1. 2005 abgeschlossen, hattest Du
die Möglichkeit, die Pauschalbesteuerung mit 20 % durch Deinen Arbeitgeber
fortzuführen. Du musstest dazu bis zum 30. 6. 2005 Deinem Arbeitgeber schrift-
lich mitgeteilt haben, dass Du eine Fortführung der Pauschalbesteuerung
wünscht.

zur Pauschalsteuer für


Direktversicherungsverträge

Wenn Du Deinen Arbeitgeber wechselst, übernimmt der neue regelmäßig Dei-


nen Direktversicherungsvertrag. Um weiter von der Pauschalbesteuerung zu
profitieren, musst Du auch bei Deinem neuen Brötchengeber vor dessen erster
Beitragszahlung einen schriftlichen Antrag stellen, dass er die Beiträge pau-
schal mit 20 % versteuern soll.

78049-7_s001-816.indb 111 28.08.2007 14:28:36 Uhr


112 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

zur Pauschalsteuer für Altverträge

Auch wenn Du es auf den ersten Blick ziemlich komisch findest, auf die Steuer-
freiheit zu verzichten und stattdessen eine Besteuerungsvariante zu wählen, die
20 % Lohnsteuer zzgl. Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag kostet, solltest
Du nicht vorschnell handeln. Die Pauschalierung der Lohnsteuer kann durch-
aus Vorteile haben:
1. Bei Steuerfreiheit werden später Deine Erträge aus der Lebensversicherung
nachgelagert und damit voll besteuert. Wird dagegen die Lohnsteuer pau-
schaliert, unterliegt die Rente aus Deiner Direktversicherung nur mit einem
geringen Ertragsanteil der Besteuerung. Bist Du bei Rentenbeginn z. B. 65
Jahre alt, werden nur 18 % der Rentenzahlung als Einkommen angerechnet,
82 % bleiben steuerfrei.
2. Der Verzicht auf die Steuerfreiheit kann sich auch dann lohnen, wenn Du
Dir bei Ablauf der Versicherung keine Rente, sondern einen Kapitalbetrag
auszahlen lässt. In diesem Fall erhältst Du Dir durch den formell ausgespro-
chenen Verzicht die Steuerfreiheit der Kapitalzahlung.

Neuverträge

Zahle im Zweifel die Beiträge selbst!

161 Nicht jeder Arbeitgeber ist so großzügig und zahlt die Beiträge zu Deiner Al- 161
tersversorgung aus der eigenen Tasche. Damit Du bei der notwendigen Aufsto-
ckung Deiner gesetzlichen Altersversorgung nicht in die Röhre siehst, hat der
Gesetzgeber im Betriebsrentengesetz festgelegt, dass Du in jedem Fall einen
Anspruch auf betriebliche Altersversorgung hast, wenn Du bereit bist, die er-
forderlichen Beiträge durch einen Verzicht auf einen Teil Deines Gehalts zu fi-
nanzieren. Im schönen Amtsdeutsch spricht man dann von einer »Gehaltsum-
wandlung«. Der Vorteil für Dich liegt klar auf der Hand. Den Teil Deines Ge-
halts, auf den Du verzichtest, musst Du nicht mehr versteuern. Auf diese Weise
sparst Du einen dicken Batzen an Lohnsteuer und kannst sozusagen indirekt
den Fiskus an der Finanzierung Deiner Altersversorgung beteiligen.
Mit einer betrieblichen Altersversorgung fährst Du in aller Regel günstiger als
mit privaten Verträgen. Zumindest bis zu Beiträgen von jährlich 4 % der Bei-

78049-7_s001-816.indb 112 28.08.2007 14:28:36 Uhr


8. Altersversorgung 113

tragsbemessungsgrenze (2006 = 2 520 €) hast Du die volle Steuerfreiheit. Bei


der privaten Vorsorge bekommst Du über den Abzug als Vorsorgeaufwen-
dungen nur einen Teil steuerfrei. Hinzu kommt noch – zumindest bis 2008 –,
dass für die Beiträge zur betrieblichen Altersversorgung keine Sozialversiche-
rung anfällt.
Was dabei für Dich herausspringt, wenn Dein Arbeitgeber einen Direktversi-
cherungsvertrag abschließt, dessen Beiträge Du durch einen Gehaltsverzicht
finanzierst, siehst Du an folgendem Beispiel:
Angenommen, Dein Monatsgehalt liegt bei 3 500 €. Als Lediger mit der Steuer-
klasse I kannst Du es Dir erlauben, im Monat einen größeren Betrag zu inves-
tieren, und verzichtest daher monatlich auf 350 € zugunsten der Beiträge in die
Direktversicherung.

Lohnsteuer (StKl I/0) auf den Monatslohn von 3 500,00 € 725,25 €


./. Gehaltsverzicht – 350,00 €
Lohnsteuer für den gekürzten Monatslohn von 3 150,00 € – 606,16 €
Ersparnis an Lohnsteuer monatlich 119,09 €
Zuzüglich Kirchensteuer 9,0% von 119,09 € + 10,71 €
Zuzüglich Solidaritätszuschlag 5,5% von 119,09 € + 6,54 €
Gesamtersparnis pro Monat 136,34 €
Jährlich 1 636,08 €
Damit bezahlst Du von den 4 200 € für Deine Altersversorgung nur noch etwa
2 564 €, also nur ungefähr 60 %, aus der eigenen Tasche. Die übrigen 40 % steu-
ert freundlicherweise der Bundesfinanzminister bei.

Mach aus Deiner Abfindung in späteren Jahren


steuerfreie Altersvorsorgeleistungen!

162 Hast Du als gutverdienender leitender Angestellter nicht auch schon ärgerlich 162
die Stirn gerunzelt, dass die Steuerfreiheit für Entlassungsabfindungen gestri-
chen wurde? Vor allem wenn Du mit der Abfindung etwas für Deine spätere
Altersversorgung tun willst, ist es doppelt ärgerlich, wenn Dir der Fiskus zuvor
bis zu 48 % (bei absoluten Spitzenverdienern ab 2007 sogar 51,5 %) an Steuern
(inkl. Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag) dafür abknöpft.
Nutze deshalb lieber die Segnungen der betrieblichen Altersversorgung und
kassiere weiter einen Teil Deiner Abfindung steuerfrei.
Das geht ganz einfach. Statt Dir die komplette Abfindung auszahlen zu lassen,
kassierst Du nur den Teil, den Du brauchst, um die Zeit bis zu Deinem nächsten
Job zu überbrücken. Den Rest zahlt Dein Arbeitgeber in eine Direktversiche-

78049-7_s001-816.indb 113 28.08.2007 14:28:36 Uhr


114 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

rung, aus der Dir bei Eintritt in das Rentenalter Monat für Monat eine zusätz-
liche laufende Rente gezahlt wird. In diesem Fall bleibt nämlich nicht nur der
normale Jahresbetrag von 4 % der Beitragsbemessungsgrenze zur Rentenversi-
cherung zzgl. 1 800 € steuerfrei, sondern für jedes Jahr nach dem 31. 12. 2004, das
Du bei Deinem Arbeitgeber geschafft hast, weitere 1 800 €. Wenn Du allerdings
schon vorher steuerfreie Zahlungen in eine Pensionskasse, Direktversicherung
oder einen Pensionsfonds kassiert hast, wird der vervielfältigte Höchstbetrag
um die steuerfreien Beträge der letzten sieben Jahre gekürzt. In die Kürzung
einbezogen werden allerdings auch hier nur steuerfreie Zahlungen ab dem Jahr
2005.

Beispiel
Angenommen, Du wirst im Jahr 2008 von Deinem Arbeitgeber nach 25 Jahren
im Betrieb an die Luft gesetzt. Als langjährigem verdientem Mitarbeiter ver-
süßt Dir Dein Boss die Entlassung mit einer Abfindung von 60 000 €. Eine be-
triebliche Altersversorgung hattest Du bisher nicht. Ihr entschließt Euch des-
halb, einen Teil der Abfindung, nämlich 10 000 €, in eine Direktversicherung
einzuzahlen.
Und so sieht es dann steuerlich für Dich aus:
Abfindung 60 000 €
daraus in eine Direktversicherung gezahlt 10 000 €
davon höchstens steuerfrei 1 800 €  4 Jahre = 7 200 €
steuerfreier Teil für betriebliche Altersversorgung
(§ 3 Nr. 63 EStG) – 7 200 €
verbleibender Teil der Abfindung 52 800 €
steuerpflichtiger Teil 2007 52 800 €
Wie Du siehst, müssen von Deiner Abfindung 2008 nun statt 60 000 € nur noch
52 800 € versteuert werden.

Eine Direktversicherung kann auch im Rahmen eines Ehegattenarbeits-


mS verhältnisses zugunsten des im Betrieb mitarbeitenden Ehegatten abge-
schlossen werden. Voraussetzung ist hier allerdings immer, dass das Arbeitsver-
hältnis dem Grunde nach anerkannt werden kann.

Kassiere mit einem zusätzlichen Vertrag 1 800 €


steuerfrei!

163 Zum Ausgleich dafür, dass ab 2005 für neu zugesagte kapitalgedeckte betrieb- 163
liche Altersversorgungen die Lohnsteuer nicht mehr pauschal berechnet wer-

78049-7_s001-816.indb 114 28.08.2007 14:28:37 Uhr


8. Altersversorgung 115

den kann, wurde neben der Steuerfreiheit bis zu 4 % der Beitragsbemessungs-


grenze zur Rentenversicherung (2007 = 2 520 €) ein zusätzlicher Steuerfreibe-
trag bis zu 1 800 € eingeführt.
Wenn Du bislang schon über Beiträge zu einer Pensionskasse oder einem Pen-
sionsfonds steuerfreie Beiträge in Höhe der 4 %-Grenze kassiert hast, würde es
sich doch sicher lohnen, noch etwas mehr in die Altersversorgung zu stecken.
Warum die Steuerfreiheit von 1 800 € nutzlos verschenken?
Leider genügt es nicht, wenn Dein Arbeitgeber weitere 1 800 € aus Deinem
Lohn in den schon bestehenden Vertrag zahlt. Die bloße Anhebung der Bei-
träge akzeptiert der Fiskus nämlich nicht als neue Versorgungszusage. Damit es
mit der zusätzlichen Steuerbefreiung dennoch klappt, hast Du folgende Mög-
lichkeiten:
● Du erweiterst Deinen bisherigen Vertrag um ein zusätzliches biometrisches
Risiko und zahlst dafür höhere Beiträge. Unter biometrischen Risiken ver-
steht der Fiskus die Absicherung für Tod, Invalidität, Unfall, Berufsunfähig-
keit oder die Hinterbliebenenversorgung. Interessant ist das für Dich z. B.,
wenn Dein Vertrag bisher keine Hinterbliebenenversorgung vorsah, Du aber
inzwischen geheiratet hast und der erste Nachwuchs da ist. Die zusätzlichen
Beiträge für die Hinterbliebenenversorgung sind dann bis zu 1 800 € steuer-
frei (§ 3 Nr. 63 EStG).
● Noch einfacher ist es, wenn Du neben dem bestehenden Altersversorgungs-
vertrag einen weiteren in einer anderen Sparte der betrieblichen Altersver-
sorgung abschließt. Hast Du z. B. einen Vertrag in einer Pensionskasse oder
bei einem Pensionsfonds, kannst Du einen Direktversicherungsvertrag mit
monatlicher Zahlung von 150 € (= 1 800 €/Jahr) abschließen, den Du selbst
aus einem Gehaltsverzicht finanzierst.
Wichtige Einschränkung: Die zusätzliche Steuerfreiheit von 1 800 € kannst Du
in den Wind schreiben, wenn Du z. B. noch eine vor 2005 abgeschlossene Di-
rektversicherung hast, für die weiterhin die Beiträge mit 20 % pauschal besteu-
ert werden. Dabei ist völlig gleichgültig, wie hoch die pauschal besteuerten Bei-
träge sind. Auch Miniversicherungen mit nur 200 bis 300 € Jahresbeitrag machen
Dir die Steuerfreiheit kaputt.

Ein kleiner Verzicht bringt Dir 1 800 € Steuerbefreiung!

Angenommen, Du hast seit Jahren eine kleine Direktversicherung und möch-


test nun gern mehr für die alten Tage auf die Seite legen. Den alten Vertrag zu
kündigen und einen neuen abzuschließen ist nicht zu empfehlen, denn wie bei

78049-7_s001-816.indb 115 28.08.2007 14:28:37 Uhr


116 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

jedem anderen Lebensversicherungsvertrag rückt die Versicherungsgesellschaft


bei vorzeitiger Kündigung nur den mickrigen Rückkaufwert heraus, und der ist
oft geringer als die bisher eingezahlten Beiträge. Du machst stattdessen Fol-
gendes:
● Für Deine alte Direktversicherung verzichtest Du auf die Pauschalierung der
Lohnsteuer. Bitte Deinen Arbeitgeber, er möge die Beiträge nunmehr Dei-
nem Arbeitslohn zuschlagen und nach der Lohnsteuerkarte versteuern.
● Gleichzeitig schließt Du einen Vertrag mit 1 800 € Jahresbeitrag z. B. bei einer
Pensionskasse ab.
So kommt Deine alte Direktversicherung der Steuerfreiheit für Beiträge bis zu
1 800 € für Deinen neuen Altersversorgungsvertrag nicht mehr ins Gehege. Bei
einem Steuersatz von ca. 35 % sieht Deine Ersparnisrechnung etwa so aus:

Lohnsteuer auf Direktversicherungsbeiträge von 300 € 105,00 €


Sozialversicherung darauf (ca. 21%) + 62,00 €
gesparte pauschale Lohnsteuer (20% von 300 €) – 60,00 €
gesparte Lohnsteuer auf 1 800 € Beiträge für den neuen Vertrag – 630,00 €
Ersparnis 523,00 €

Da Du außer Lohnsteuer auch noch Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag


sparst, liegt Deine tatsächliche Gesamtersparnis sogar noch höher und finan-
ziert Dir Vater Staat so etwa ein Drittel der Beiträge aus dem Steuersäckel.

Kassiere Deine Tantieme oder


Dein Weihnachtsgeld steuerfrei!

164 Als Arbeitnehmer kannst Du mit Hilfe von Pensionszusagen die Versteuerung 164
Deines Gehalts lange aufschieben und in Zeiten verlagern, in denen Du z. B. als
Rentner nicht mehr der horrenden Progression unterliegst. Zudem ist die Steu-
erfreiheit bei einer Pensionszusage nicht auf einen jährlichen Höchstbetrag be-
grenzt.
Schlag Deinem Chef eine »arbeitnehmerfinanzierte Pensionszusage« vor. Ein
Modell, von dem Ihr beide profitiert.
Du verzichtest rechtzeitig vor Beginn des Jahres auf einen Teil Deines Gehalts,
z. B. Deine Jahresgratifikation, Deine Tantieme oder das Weihnachtsgeld. Im
Gegenzug dafür erteilt Dir Dein Brötchengeber eine Pensionszusage. Auf diese
Weise baust Du Jahr für Jahr einen immer höheren Pensionsanspruch auf, und
Dein Arbeitgeber trägt nicht von vornherein das Risiko, ab dem ersten Tag eine
volle Pension zahlen zu müssen.

78049-7_s001-816.indb 116 28.08.2007 14:28:37 Uhr


9. Die Riester-Förderung 117

Dein Vorteil dabei:


1. Da Dir die Tantieme oder das Weihnachtsgeld, auf das Du zugunsten der
Pensionszusage verzichtet hast, nicht zugeflossen ist, zahlst Du dafür keine
Steuern und das auch, wenn der umgewandelte Gehaltsteil 2007 den Betrag
von 4 320 € deutlich überschreitet.
2. Du kannst Dich von Jahr zu Jahr neu entscheiden, ob Du mit dem Geld, das
Du übrig hast, Deinen Pensionsanspruch aufstockst oder doch lieber eine
Urlaubsreise machst oder Dir ein neues Auto zulegst.
Damit es mit der steuerlichen Anerkennung Deiner arbeitnehmerfinanzierten
Pensionszusage auch wirklich klappt, musst Du einige Dinge beachten, die der
Fiskus im BMF-Schreiben vom 4. 2. 2000 – BStBl 2000 I S. 354 festgehalten hat:
● Die Herabsetzung Deiner Bezüge darf ausschließlich künftige, rechtlich noch
nicht entstandene Gehaltsbestandteile betreffen.
● Bei der Dir für den Verzicht im Gegenzug zugesagten Versorgungsleistung
muss es sich um eine betriebliche Altersversorgung im Sinne des Gesetzes
zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung (BetrAVG) handeln.
● Die Versorgungszusage muss ein sog. biometrisches Risiko (Tod, Invalidität,
Krankheit) abdecken. Es genügt nicht, wenn Dir lediglich das aus dem Ge-
haltsverzicht »angesparte« Kapital zzgl. einer Verzinsung ausgezahlt wird.

Denk ich an Deutschland in der Nacht,


so bin ich um den Schlaf gebracht.
(Heinrich Heine)

9. Die Riester-Förderung
165 Um die Lücken zu stopfen, die sich künftig bei der Altersversorgung ergeben 165
werden, wurde mit der »Riester-Rente« ein Modell der staatlich geförderten
privaten Altersversorgung aus der Taufe gehoben, deren Beiträge durch Zula-
gen und einen besonderen Sonderausgabenabzug steuerlich gefördert werden.
Um sicherzustellen, dass nur Verträge gefördert werden, die den staatlichen
Fördervoraussetzungen entsprechen, erhalten alle begünstigten Riester-Ver-
träge ein besonderes Zertifikat und eine eigene Zertifizierungsnummer. Dieses
Zertifikat sagt Dir aber nur, dass Du für den Vertrag die Riester-Förderung er-
hältst und dass Du später mindestens Deine Beiträge ausgezahlt bekommst. Es
ist kein staatliches Gütesiegel dafür, dass das jeweilige Anlageinstitut besonders
wirtschaftlich arbeitet und eine hohe Rendite erwirtschaftet.
Folgende Personen können die Riester-Förderung in Anspruch nehmen:
● Arbeitnehmer
● Angestellte
● Beamte
● Wehr-, Zivildienstleistende

78049-7_s001-816.indb 117 28.08.2007 14:28:38 Uhr


118 II. Lohn – Gehalt steuerfrei oder steuerpflichtig!?

● Absolventen eines sozialen Jahres


● Arbeitslose, auch wenn wegen der Einkünfte des Ehegatten oder eigenen
Vermögens keine Ansprüche an das Arbeitsamt bestehen
● Bezieher von Vorruhestandsgeld
● nicht erwerbstätige Pflegepersonen
● Kindererziehende für Kindererziehungszeit
● 400-€-Jobber, die auf ihre Versicherungsfreiheit verzichten und den pauscha-
len Rentenversicherungsbeitrag ihres Arbeitgebers auf den Regelbeitrag
aufstocken
● in die Handwerksrolle eingetragene Handwerker
● in der Altersversicherung der Landwirte pflichtversicherte Landwirte
Dagegen ist keine Förderung möglich, wenn Du selbständig bist.

166 1. Riester-Zulage 166


Für Altersvorsorgeverträge kannst Du besondere Zulagen beantragen, die Dir
neben den Beiträgen auf Deinen Altersvorsorgevertrag gezahlt werden. Die
Berechnungsgrößen sind gestaffelt und steigen stufenweise an. Allerdings musst
Du, um in den Genuss der jeweils vollen Zulage zu kommen, bestimmte Min-
destbeiträge aus der eigenen Tasche zahlen.

Übersicht
Jahr 2006–2007 ab 2008
Mindesteigenbeitrag in %
3% 4%
vom Bruttolohn des Vorjahres
Höchstbeitrag (abzüglich Zulagen) 1 575 € 2 100 €
Grundzulage 114 € 154 €
Kinderzulage je Kind 138 € 185 €

Wenn Du nicht wenigstens einen Betrag in Höhe des Mindesteigenbeitrags


abzgl. der Dir zustehenden Zulagen einzahlst, werden Deine Zulagen anteilig
gekürzt.

Beispiel
Angenommen, Dein Bruttolohn betrug im Jahr 2007 umgerechnet 30 000 €. Du
hast zwei Kinder.
Bei 30 000 € beträgt der Mindesteigenbeitrag 2006 3 % 900 €
Dir stehen folgende Zulagen zu:
Grundzulage 114 €
Kinderzulage 2  138 € 276 €
Zulage insgesamt 390 € 390 €
Verbleiben für Dich aus der eigenen Tasche zu zahlen 510 €

78049-7_s001-816.indb 118 28.08.2007 14:28:38 Uhr


9. Die Riester-Förderung 119

Bei kinderreichen Familien könnte es dazu kommen, dass die Zulagen insge-
samt höher sind als der Mindesteigenbeitrag. Du musst deshalb mindestens 60 €
selbst zahlen.

2. Zulagenanspruch bei Ehegatten


Ehegatten werden bei der Bemessung der Grundzulage getrennt behandelt.
Jeder Ehegatte hat somit nur dann einen Zulagenanspruch, wenn er zum be-
günstigten Personenkreis gehört, er muss auch jeweils den Mindesteigenbeitrag
zahlen. Kinderzulage bekommt Ihr als Ehepaar allerdings nur einmal. Sind
beide Ehepartner zulagenberechtigt, erhält vorrangig die Mutter die Kinderzu-
lage. Sie kann die Zulage aber jährlich auf den Vater übertragen.
Eine nette Besonderheit hatten die Erfinder der Riester-Förderung für Ehe-
leute aber dennoch auf Lager. Als nicht begünstigter Ehegatte, z. B., weil Du
selbständig oder gar nicht berufstätig bist, steht Dir ein abgeleiteter Zulagenan-
spruch zu, wenn Dein Ehegatte dem Grunde nach Riester-begünstigt ist und Du
selbst einen eigenen Altersvorsorgevertrag abschließt.
Der Vorteil für Euch: Der Ehegatte mit dem abgeleiteten Zulagenanspruch
muss selbst keinen Mindesteigenbeitrag leisten, und zudem wird dessen Zulage
auf den Mindesteigenbeitrag des anderen Ehepartners angerechnet.

167 3. Zusätzlicher Sonderausgabenabzug 167


Für Deine Zahlungen in einen begünstigten – zertifizierten – Altersvorsorge-
vertrag kannst Du nach § 10 a EStG einen Sonderausgabenabzug in Anspruch
nehmen. Dieser beträgt zusätzlich zu den üblichen Höchstbeträgen 1 575 €
(2006/2007) bzw. 2 100 € (ab 2008).
Von der Steuerersparnis wird allerdings die Zulage, die Dir auf Deinem Vertrag
gutgeschrieben wurde, abgezogen (Günstigerprüfung).

168 4. Was blüht mir an Steuern, wenn ich später einmal die Rente aus meinem 168
Riester-geförderten Altersvorsorgevertrag kassiere?
Der Teil der Riester-Rente, der aus steuerlich geförderten Beiträgen stammt,
wird später zu 100 % besteuert (»nachgelagerte Besteuerung«).

78049-7_s001-816.indb 119 28.08.2007 14:28:38 Uhr


78049-7_s001-816.indb 120 28.08.2007 14:28:39 Uhr
121

Es gibt gute, achtbare und es gibt weniger gute, achtbare Gesetze.


Steuergesetze sind wenig achtbare Gesetze.
Denn sie beruhen nicht auf den Regeln von Tugend, Sitte und Anstand,
sondern auf Geldgier und Ausbeutungsstreben des Staates.
(Der Verfasser)

III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer


1. Werbungskosten – Deine Berufskosten

169 Werbungskosten sind die beruflichen Ausgaben oder, wie die Steuergesetze sich 169
ausdrücken, die Aufwendungen zur Erwerbung, Sicherung und Erhaltung Dei-
nes Arbeitseinkommens. Praktisch sind das alle Kosten, die Dein Beruf mit sich
bringt, auch die Vorbereitung darauf. Abzugsfähig sind die tatsächlichen Kos-
ten, mindestens aber 920 € (Arbeitnehmerpauschbetrag). Daher fallen alle be-
ruflichen Kosten bis 920 € sang- und klanglos unter den Tisch, wirken sich also
steuerlich nicht aus.
Stehst Du nicht mehr im aktiven Arbeitsleben und beziehst als Pensionär oder
Werksrentner Versorgungsbezüge, beträgt der Arbeitnehmerpauschbetrg nur
102 €. Mit der Begründung, bei einem nicht mehr im aktiven Arbeitsleben ste-
henden Versorgungsempfänger würden auch nicht mehr Werbungskosten an-
fallen als bei einem Rentner, gesteht Dir der Fiskus nur noch dieselbe Wer-
bungskostenpauschale zu wie Rentnern.

zum Arbeitnehmerpauschbetrag

Bleib mit Deinen Werbungskosten entweder deutlich unterhalb der Grenze


von 920 €, um den Vorteil des Pauschbetrags möglichst optimal auszuschöpfen,
oder überschreite die Grenze von 920 € deutlich. Legst Du ab 2007 (Kürzung
der Entfernungspauschale um die ersten 20 Kilometer) täglich mindestens
34 Kilometer zur Arbeit zurück, ist die Pauschale schon erreicht. Zur Kontrolle:
(34–20 =) 14 km  0,30 €  220 Tage = 924 €. Alles, was Du zusätzlich an Wer-
bungskosten in petto hast, wirkt sich jetzt steuermindernd aus. Wie kannst Du
die Werbungskosten geltend machen? Da gibt es zwei Möglichkeiten:
● Schon im Lauf des Jahres sich für die voraussichtlichen Werbungskosten
einen Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte eintragen lassen. In diesem Fall
musst Du nach Ablauf des Jahres eine Einkommensteuererklärung abgeben.
Mehr dazu unter E Rz 446 ff.

78049-7_s001-816.indb 121 28.08.2007 14:28:39 Uhr


122 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

● Nach Ablauf des Jahres die Werbungskosten in der Einkommensteuererklä-


rung (Antragsveranlagung) angeben. Siehe dazu E Rz 450.

2. Reisekosten
170 Unter dem Begriff Reisekosten werden im Steuerrecht die Kosten zusammen- 170
gefasst, die entweder vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet oder von Dir als Wer-
bungskosten abgesetzt werden können, wenn Du außerhalb Deiner regelmä-
ßigen Arbeitsstätte tätig wirst. Dabei sind der Umfang der steuerfreien Arbeit-
gebererstattungen und der eines möglichen Werbungskostenabzugs nahezu
identisch. Lediglich im Bereich der Übernachtungskosten kann der Arbeitge-
ber Pauschalen erstatten, die es für den Werbungskostenabzug nicht gibt; dazu
aber später mehr.
Reisekosten fallen an, wenn Du eine sog. Auswärtstätigkeit ausübst, d. h. eine
● Dienstreise durchführst,
● Einsatzwechseltätigkeit oder
● Fahrtätigkeit ausübst.
In allen drei Reisekostensparten kommen für einen Werbungskostenabzug
oder eine steuerfreie Arbeitgebererstattung folgende Aufwendungen in Be-
tracht:
● Verpflegungsmehraufwendungen
● Fahrtkosten
● Übernachtungskosten
● Nebenkosten
Bei den Erstattungen durch Deinen Arbeitgeber kommt es für die Steuerfrei-
heit nicht darauf an, unter welcher Bezeichnung Dir die Zahlungen zufließen.
Häufig tauchen Begriffe auf wie Aufwandsentschädigungen, Auslösungen, Spe-
sen etc., gemeint sind aber immer die Kosten, die im Verwaltungsdeutsch des
Fiskus als Reisekosten bezeichnet werden.

Zunächst einmal gilt immer die Devise: So viel wie nur irgend möglich als steu-
erfreien Spesen- und Auslagenersatz vom Arbeitgeber kassieren. Jeder Euro
steuerfreier Spesensatz ist für Dich auch wirklich 100 Cent wert. Beschränkst
Du Dich dagegen darauf, Deine Kosten als Werbungskosten abzusetzen, holst
Du höchstens so viel wieder herein, wie Du bei Deinem persönlichen Steuersatz
an Steuerersparnis erzielen kannst. Inklusive Ersparnis bei der Kirchensteuer
und beim Solidaritätszuschlag sind das höchstens ca. 55 Cent für jeden Euro
Werbungskosten.
Was der Fiskus unter den einzelnen Reisekostensparten versteht (Quelle: R 37
LStR):

78049-7_s001-816.indb 122 28.08.2007 14:28:39 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 123

171 ● Dienstreise ist jede Außendiensttätigkeit außerhalb Deiner Wohnung und 171
Deiner regelmäßigen Arbeitsstätte. Das setzt einen Ortswechsel einschließ-
lich Hin- und Rückfahrt aus Anlass einer vorübergehenden auswärtigen Tä-
tigkeit voraus. Dabei kommt es nicht darauf an, in welcher Entfernung von
deiner regelmäßigen Arbeitsstätte Du beruflich tätig wirst. Dazu mehr unter
E Rz 174.
Wenn Du z. B. als Vertreter an einem Tag mindestens acht Stunden lang Deine
unmittelbaren Nachbarn von den Vorteilen des Bausparens überzeugt hast,
machst Du die Dienstreisepauschalen geltend, selbst wenn die größtmögliche
Entfernung zu Deiner Wohnung nur 125 Meter betragen hat. Allerdings
darfst Du nicht zwischendurch zu Deiner Wohnung zurückkehren.
172 ● Fahrtätigkeit übst Du aus, wenn Deine regelmäßige Arbeitsstätte ein Fahr- 172
zeug ist, wenn Du also Deine Brötchen z. B. als Flugzeugführer, Brummi-,
Linienbus-, Straßenbahn-, Kies- oder Taxifahrer, Lokführer oder Zugbeglei-
ter verdienst. Bei Fahrtätigkeit wirst Du, was Deine Verpflegungspauschale
angeht, wie ein Dienstreisender behandelt. Allerdings musst Du Dich nicht
mit kleinlichen Zeitbeschränkungen auf drei Monate herumärgern, siehe
dazu auch E Rz 192.
173 ● Eine Einsatzwechseltätigkeit wird angenommen, wenn Du typischerweise an 173
ständig wechselnden Einsatzstellen tätig bist, z. B. als Bau-, Montage- oder
Leiharbeiter oder als Springer einer Betriebsreserve. Bei Einsatzwechseltä-
tigkeit in der Nahzone (bis 30 km) wirst Du praktisch einem Innendienstler
gleichgestellt. Es wird Dir lediglich eine unbedeutende Verpflegungspau-
schale zugestanden. Nur bei Einsatzwechseltätigkeit in der Fernzone (über
30 km) kannst Du Fahrtkosten wie bei Dienstreisen abrechnen, also bei
Fahrten mit eigenem Pkw 0,30 € je gefahrenen Kilometer oder die tatsäch-
lichen nachgewiesenen Pkw-Kosten.
Zu Fahrtkosten bei Einsatzwechseltätigkeit siehe E Rz 243. Mehr zu Fahr- und
Einsatzwechseltätigkeit unter E Rz 192, E Rz 193, E Rz 243.

Die Flut an Gesetzen und Verordnungen hat sich wie


Mehltau über das Land gelegt.
(Ex-Wirtschaftsminister Rexrodt)
Wie wahr! Nur: Warum hat er es nicht geändert?

3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit


174 Arbeitnehmer, die aus beruflichen Gründen außerhalb ihrer Wohnung und 174
ihrer regelmäßigen Arbeitsstätte tätig werden, können diese Auswärtstätigkeit
gegenüber dem Fiskus als Dienstreise abrechnen.
Als regelmäßige Arbeitsstätte gilt jede dauerhafte betriebliche Einrichtung des
Arbeitgebers, an der Du entweder fest arbeitest oder die Du nachhaltig, fort-
dauernd und immer wieder aufsuchst. Ob Du überhaupt eine regelmäßige Ar-

78049-7_s001-816.indb 123 28.08.2007 14:28:39 Uhr


124 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

beitsstätte hast, richtet sich nicht danach, welche Arbeiten Du dort im Einzel-
nen erledigst bzw. wie wichtig diese Arbeiten im Vergleich zu Deinen übrigen
Tätigkeiten sind. Für die Frage, wo Dein Tätigkeitsmittelpunkt ist, kommt es
nicht darauf an, wie viel und wie lange Du an diesem Ort arbeitest. Es genügt
bereits, dass Du eine arbeitgebereigene Einrichtung wie den Betrieb, die Dienst-
stelle, eine Filiale etc. auf das Jahr gerechnet im Durchschnitt mindestens ein-
mal in der Woche aufsuchst (BFH v. 11. 5. 2005 – BStBl 2005 S. 789 und 791).
Fährst Du also als Arbeitnehmer mit Einsatzwechsel- oder Fahrtätigkeit mor-
gens immer erst zum Betrieb und von dort weiter zur Baustelle oder über-
nimmst im Betrieb Deinen Bus oder Lkw, ist der Betrieb Deine regelmäßige
Arbeitsstelle und Deine Fahrten ab Betrieb werden wie Dienstreisen abgerech-
net. Dies gilt auch, wenn Du z. B. einmal in der Woche im Betrieb Material,
Aufträge oder Deine Arbeitskollegen abholst oder Deine Arbeitsnachweise ab-
lieferst.
Diese Unterscheidung ist bis 2007 aus folgenden Gründen wichtig:
● Bei einer Einsatzwechseltätigkeit ohne regelmäßige Arbeitsstätte behandelt
der Fiskus Fahrten von der Wohnung zur Einsatzstelle in der sog. Nahzone,
d. h. in einem Bereich von 30 km um Deinen Wohnort, als Fahrt zwischen
Wohnung und Arbeitsstätte. Für diese Fahrten will man Dir nur die Entfer-
nungspauschale zuerkennen. Fährst Du dagegen aus der Nahzone heraus,
stehen Dir ohne zeitliche Einschränkungen die Dienstreisepauschalen für
Deine Fahrtkosten zu;
● hast Du dagegen eine regelmäßige Arbeitsstätte, werden alle Fahrten ab Ver-
lassen der Wohnung oder der regelmäßigen Arbeitsstätte ohne Beachtung
der der 30-km-Grenze als Dienstreise gewertet. Nur die Fahrt von der Woh-
nung zum Betrieb unterliegt dann den Einschränkungen durch die Entfer-
nungspauschale.
Hinweis zur Nahzone ab 2008
Spätestens ab 2008 will der Fiskus die unselige Nahzonenregelung aufgeben, so
dass Dir Dein Arbeitgeber ab 2008 die Fahrtkosten zu einer nur 15 km ent-
fernten Bau- oder Einsatzstelle mit den Dienstreisepauschalen erstatten kann.
Das gilt dann unabhängig davon, ob Du nun über eine regelmäßige Arbeits-
stätte verfügst oder nicht.
Verpflegungspauschalen kannst Du generell nur für längstens drei Monate als
Werbungskosten abziehen. Bist Du länger an ein und derselben Einsatzstelle,
gibt es nur noch Fahrt- und eventuell Übernachtungskosten, aber keine Verpfle-
gungspauschalen mehr (BFH v. 27. Juli 2004 – BStBl II 2005 S. 357).

175 Es kann Dir passieren, dass man versucht, Dir von vornherein Deine Dienstrei- 175
sen mit der Begründung zu streichen, Du habest eine »weiträumige Arbeits-
stätte« und diese sei der Mittelpunkt Deiner beruflichen Tätigkeit. Damit wol-
len sie Dir einreden, Du seist nicht außerhalb Deiner regelmäßigen Arbeits-
stätte tätig und habest keinen Anspruch auf den erhöhten Werbungskostenabzug

78049-7_s001-816.indb 124 28.08.2007 14:28:40 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 125

für Dienstreisen oder Einsatzwechseltätigkeiten. Bei solchen Diskussionen


kontere sofort mit den Urteilen des BFH vom 2. 2. 1994, BStBl 1994 II S. 422 und
vom 5. 5. 1994, BStBl 1994 II S. 534. Danach liegt eine »weiträumige Arbeits-
stätte« praktisch nur vor, wenn Dein gesamtes Tätigkeitsgebiet Deinem Arbeit-
geber gehört (wie bei einem größeren Werksgelände oder einem Forstgebiet)
oder wenn Deine Tätigkeitsstätten unmittelbar aneinandergrenzen.

Aus der Tatsache, dass Du immer in derselben Stadt oder im selben Stadtteil
tätig wirst, können Dir die Fiskalritter keinen Strick drehen, sofern Deine Ar-
beitsstellen häufiger wechseln. Du fällst dann in aller Regel unter die günstige-
ren Regelungen für Einsatzwechseltätigkeiten.
Der Fiskus ist insoweit recht engstirnig. Seiner Meinung nach hast Du als Bau-
arbeiter in einem Neubaugebiet, Schornsteinfeger in Deinem Kehrbezirk, Zei-
tungsbote in Deinem Zustellbezirk oder Hafenarbeiter im Hafengebiet Deine
regelmäßige weiträumige Arbeitsstätte. Wenn Du gegen diese Auffassungen zu
Felde ziehen willst, wappne Dich mit einigen stichhaltigen Argumenten. So hat
der BFH einem Stauer im Hamburger Hafen Einsatzwechseltätigkeit zugestan-
den (BFH v. 7. 2. 1997, BStBl 1997 S. 333). Auch der Kehrbezirk eines Schorn-
steinfegers soll nicht unbedingt eine weiträumige regelmäßige Arbeitsstätte
sein. So zumindest das FG Brandenburg am 9. 10. 1996, EFG 1997 S. 100, das
dem schwarzen Glücksbringer Einsatzwechseltätigkeit zugestand. Lass Dir als
häuslicher Krankenpfleger Deine Einsatzgemeinde nicht als regelmäßige Ar-
beitsstätte ans Bein binden. Poche darauf, Deine Einsätze seien Dienstreisen
(OFD Madgeburg v. 1. 7. 1996, FR 1996 S. 569).
Alle Kosten, die auf einer Dienstreise anfallen, sind als Werbungskosten abzieh-
bar, soweit Dein Arbeitgeber sie Dir nicht ersetzt.

176 a) Verpflegungsmehraufwand bei Dienstreisen 176


Sowohl für die steuerfreie Erstattung durch Deinen Arbeitgeber als auch für
den Abzug als Werbungskosten oder Betriebsausgaben gelten nur noch drei
zeitlich gestaffelte Pauschalen.

Pauschbeträge für Verpflegungsmehraufwand


mS im Inland
Abwesenheitsdauer mindestens Pauschale
8 Stunden 6€
14 Stunden 12 €
24 Stunden 24 €

Diese Tabelle ist auch für Geschäftsreisen und Geschäftsgänge der Selbstän-
digen anzuwenden. Ihr liegen § 4 Abs. 5 EStG und R 39 LStR zugrunde. Wir
wissen, dass sich alle die ungünstig stellen, denen die Firma zwar Reisespesen
zahlt, aber nicht in der Höhe, dass die entstandenen Kosten damit voll abge-

78049-7_s001-816.indb 125 28.08.2007 14:28:40 Uhr


126 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

deckt werden. Wenn Dir Deine Verpflegungskosten von der Firma mit Spesen-
sätzen ersetzt werden, die nicht an die o. a. Pauschsätze heranreichen, verfährst
Du am besten wie bei den Autokosten und machst den Unterschiedsbetrag als
Werbungskosten geltend.
Das Sammeln von Belegen für Deine Verpflegungsspesen lohnt sich nur, wenn
Dein Chef großzügig ist und Dir Deine Kosten gegen Nachweis ersetzt. Bei der
Steuer nutzen Dir diese Nachweise nichts. Auch von den Erstattungen Deiner
Firma können höchstens die Pauschbeträge steuerfrei bleiben.

Doppelte Verpflegungspauschalen
bleiben steuerfrei!

177 Wenn Dir Dein Chef Gutes tun will, zahlt er Dir den doppelten Betrag der 177
obengenannten Pauschalen. Er kann nämlich, neben der normalen steuerfreien
Verpflegungspauschale von 6 €/12 €/24 €, jeweils denselben Betrag noch einmal
zusätzlich zahlen und mit 25 % pauschal versteuern. Damit werden die Zah-
lungen für Dich praktisch steuerfrei, weil pauschal versteuerter Arbeitslohn in
Deiner Steuererklärung nicht erfasst wird (Quelle: § 40 Abs. 2 Nr. 4 EStG).

Beispiel
Angenommen, Du bist auf einer Dienstreise 15 Stunden von Deiner Wohnung
und Deinem Betrieb abwesend.

Dein Arbeitgeber davon bleiben zusätzlich können mit verbleiben als


zahlt Dir als steuerfrei 25% pauschal steuerpflichtiger
Verpflegungskosten versteuert werden Arbeitslohn
12 € 12 €
18 € 12 € 6€
24 € 12 € 12 €
35 € 12 € 12 € 11 €

50 000 € Steuergelder verschwendeten Stuttgarter Parlamentarier


für eine »Bildungsgruppenfahrt«
(Höhlen- und Klosterbesichtigung, Konzert in Kiew)
im »Interesse des deutschen Volkes« . . .

78049-7_s001-816.indb 126 28.08.2007 14:28:40 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 127

Ködere Deinen Chef!

Wenn Dein Brötchengeber Bauchschmerzen wegen der Übernahme der Pau-


schalsteuer hat, kannst Du ihm die Sache schmackhaft machen: Wenn er näm-
lich die Steuer gem. § 40 Abs. 2 Nr. 4 EStG pauschal berechnet, löst das für die-
sen Teil des Arbeitslohns Sozialversicherungsfreiheit aus. Damit sparst nicht
nur Du, sondern auch Deine Firma ca. 21 % an Sozialversicherungsbeiträgen.
Die Pauschalbesteuerung geht für Deine Firma im Ergebnis also nahezu plus/
minus null aus.

In der Kürze liegt die Würze

178 Da keine Mindestentfernung für Dienstreisen erforderlich ist, machst Du be- 178
reits eine erstklassige Dienstreise, sobald Du einen Fuß vor die Tür setzt, um für
Deine Firma außerhalb Deiner Wohnung und außerhalb des Firmengeländes
tätig zu werden. Also wirst Du künftig Kunden in unmittelbarer Nähe Deiner
Arbeitsstelle oder Deiner Wohnung möglichst selbst besuchen, statt sie in den
Betrieb zu bitten. Du greifst Dir also Deinen Aktenkoffer und legst die 50
Meter auf Schusters Rappen zurück. Und schon hast Du bei entsprechender
Abwesenheitszeit Anspruch auf einen Verpflegungspauschbetrag.

Kleinvieh macht auch Mist

179 Gute Nachrichten für alle, die mehrmals am Tag einen dienstlichen Kurztrip 179
unternehmen, z. B. bei einer Außendiensttätigkeit innerhalb einer Großstadt.
Angenommen, Deine Reise morgens dauert mit An- und Abfahrt drei Stunden,
nachmittags warst Du noch einmal sechs Stunden unterwegs. Jede der Dienst-
reisen für sich verhilft Dir noch nicht zu einer Verpflegungspauschale, weil die
Abwesenheit jeweils unter acht Stunden liegt. Du rechnest aber beide Reisen

78049-7_s001-816.indb 127 28.08.2007 14:28:41 Uhr


128 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

zusammen, und schon warst Du insgesamt neun Stunden aushäusig tätig und
wirst mit einem zusätzlichen Bonus in Form einer Verpflegungspauschale von
6 € belohnt.
Zu dumm, dass Du von der besonders schnellen Truppe bist! Da hast Du Dich
doch nachmittags besonders ins Zeug gelegt und Deinen Auftrag in 4,5 Stunden
abgewickelt! Prompt kommt der Ärger hinterher. Die Abwesenheitszeit beträgt
insgesamt nur noch 7,5 Stunden, und Deine schöne Verpflegungspauschale
wäre zum Teufel, wenn nicht . . ., ja, wenn Du nicht besonders klug wärest. Na-
türlich wirst Du nicht auf den einfallslosen und darüber hinaus illegalen Kniff
zurückgreifen und Deine Abwesenheitszeiten in der Reisekostenabrechnung
auf mindestens acht Stunden hochmanipulieren.

Da gehst Du doch viel geschickter vor und hängst einfach abends noch eine
Minidienstreise von einer halben Stunde z. B. zur Post oder zur Bank an. Besser
ist natürlich, Du lässt es gar nicht erst so weit kommen. Man kann eine Dienst-
reise auch dadurch steuerschlau ausdehnen, dass man sich vor der Rückkehr
eine wohlverdiente Pause gönnt und erst einmal zum Essen geht oder sich in
der nächsten Konditorei Kaffee und Kuchen genehmigt. Und lädst Du dazu
noch einen Geschäftspartner ein, kannst Du mit guter Begründung für Euer
Gespräch auch noch Speisen und Getränke absetzen.

180 Gute Nachricht für Seeleute und Soldaten der Marine. Jedes Mal, wenn sie mit 180
ihrem »Pott« einen ausländischen Hafen ansteuern, können sie die hohe Aus-
landsverpflegungspauschale (E Rz 947) absetzen (BFH v. 16. 11. 2005 – BStBl
II 2006 S. 267).
Ganz ohne Pferdefuß geht es aber auch hier nicht ab. Verpflegungspauschalen
können Seeleute nur für die ersten drei Monate der jeweiligen Fahrt absetzen.
Erst wenn Sie wieder ihren Heimathafen angelaufen haben und erneut auslau-
fen, beginnt einen neue Frist von drei Monaten und es gibt wieder Verpfle-
gungspauschalen (BFH v. 19. 12. 2005 – BStBl II 2006 S. 378).

b) Verpflegungsmehraufwand bei vom Arbeitgeber gestellter Verpflegung


181 An Deinen Verpflegungspauschbeträgen darf niemand rütteln. Hier gilt die De- 181
vise: entweder die vollen Pauschalen oder gar keine. Kürzungen sind nicht vor-
gesehen.
Bekommst Du anlässlich einer Dienstreise kostenlose Verpflegung, stehen Dir
also zunächst einmal die ungekürzten Pauschalen von 6/12/24 € zu. Für die
Mahlzeiten wird Dir als Arbeitnehmer aber ein Vorteil in Höhe der amtlichen
Sachbezugswerte für Verpflegung zugerechnet. Das sind 2007 z. B. für ein Mit-
tag- bzw. Abendessen je 2,67 € und für ein Frühstück 1,50 €. Bei Vollverpflegung
werden also pro Tag 6,84 € auf Deinen Arbeitslohn aufgeschlagen.
Damit die Bäume nicht in den Himmel wachsen, soll die Bewertung Deiner
Dienstreiseverpflegung aber nur dann mit der Billigpauschale von 2,67 € mög-
lich sein, wenn der tatsächliche Wert der Mahlzeit nicht über 40 € liegt. Man

78049-7_s001-816.indb 128 28.08.2007 14:28:41 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 129

kann das kalte Grauen kriegen über solche Korinthenkackereien deutscher Mi-
nisterialbeamter!
Sobald Du für Deine Verpflegung einen Obolus entrichtest, muss diese Zahlung
natürlich auf den geldwerten Vorteil angerechnet werden. Angenommen, Du
zahlst für ein betrieblich gesponsertes Mittagessen bei der Dienstreise 4 €, so
bleibt für Dich von dem amtlichen Sachbezugswert nichts mehr zu versteuern.

Kassiere die Verpflegungspauschale zusätzlich oder


spar Dir die Versteuerung von Sachbezugswerten!

Du musst zwar bei einer zur Verfügung gestellten Mahlzeit anlässlich Deiner
Dienstreise den Sachbezugswert versteuern, aber trotzdem weder auf den Wer-
bunskostenabzug noch eine steuerfreie Erstattung vom Arbeitgeber verzichten.
Dein Arbeitgeber darf Dir trotz der zur Verfügung gestellten Mahlzeiten je
nach Reisedauer 6 €/12 €/24 € steuerfrei als Verpflegungspauschale auszahlen.
Zahlt Dein Betrieb Dir die Pauschalen nicht zusätzlich aus, solltest Du auf eine
Vereinbarung drängen, dass bei zur Verfügung gestellten Mahlzeiten Du zwar
grundsätzlich Anspruch auf die Verpflegungspauschale hast, diese aber für jede
Mahlzeit gekürzt wird. Damit könnt Ihr Euch jetzt auf den Standpunkt stellen,
die Kürzung der Pauschale sei quasi das Entgelt für die Mahlzeit. Wenn Du aber
für Mahlzeiten etwas bezahlst, wird der Sachbezugswert um die Zuzahlung ge-
kürzt. Liegt Die Kürzung Deiner Verpflegungspauschale also bei mindestens
2,67 €, muss nichts mehr versteuert werden.

Lass Dich auf Dienstreisen vom Chef


einmal so richtig verwöhnen!

182 Mach Dir hier einmal eine der aberwitzigen Bestimmungen des Steuerrechts 182
zunutze. Du musst nämlich wissen: Bei während der Dienstreise gewährter Ver-
pflegung ist Mahlzeit gleich Mahlzeit. Egal, ob Du in der Kantine der Zweignie-
derlassung, in der Du vorübergehend tätig bist, eine Bockwurst mit Brötchen
verdrückst oder in einem guten Restaurant auf Kosten Deines Arbeitgebers ein
Menü für 40 € tafelst. Für beides wird Dir nur der Sachbezugswert von 2,67 € als
Arbeitslohn zugerechnet.
Wenn Du also bei Deinem Chef gut angesehen bist und er Dir etwas Gutes tun
will, dann kannst Du ohne weiteres auf einer Dienstreise einmal ein paar Tage

78049-7_s001-816.indb 129 28.08.2007 14:28:41 Uhr


130 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

auf Kosten der Firma so richtig schlemmen, ohne dass Du anschließend Sod-
brennen wegen der Steuer bekommen musst. Wichtig dabei ist allerdings, dass
der tatsächliche Preis je Mahlzeit nicht über 40 € liegt und zumindest formal
Deine Firma das Essen gewährt. Du darfst also nicht einfach losziehen, kräftig
auf den Putz hauen und die Rechnung anschließend Deinem Chef präsentieren.
In diesem Fall könnte der Dir nämlich von angenommen 40 € entstandenen
Kosten höchstens 24 € steuerfrei erstatten. Der Rest wäre voll steuer- und sozi-
alversicherungspflichtiger Arbeitslohn.
Also: Die Firma muss schriftlich vorbestellen. Der einfachste Weg ist, wenn sie
ein anständiges Hotelzimmer mit Vollpension für Dich bucht. Sie kann natür-
lich auch z. B. bei einer eintägigen Dienstreise in irgendeinem Restaurant für
Dich per Fax oder E-Mail fest vorbestellen. Hat Dein Arbeitgeber eine schrift-
liche Bestätigung von der Gaststätte, dem Hotel etc., spielt es keine Rolle mehr,
ob die Rechnung an Deine Firma geht, Du mit einer Firmenkreditkarte be-
zahlst oder den Rechnungsbetrag aus eigener Tasche vorstreckst und Dir später
erstatten lässt (R 31 Abs. 8 Nr. 2 S. 2-6 LStR). Für Dich bleibt es bei der Versteu-
erung des amtlichen Sachbezugswerts.
Damit aber nicht genug: Neben der komplett vorbestellten Verpflegung kannst
Du pro vollem Tag noch 24 € und für die angebrochenen Reisetage entspre-
chend 6 € bzw. 12 € steuerfreie Spesen kassieren. Spielt Dein Brötchengeber
nicht mit, kannst Du diese Beträge in Deiner Steuererklärung als Verpflegungs-
mehraufwand unter Werbungskosten absetzen.

Der Kunde verhilft Dir zu steuerfreien Mahlzeiten

183 Willst Du ganz heraus aus der Besteuerung Deiner Mahlzeiten bei Dienstrei- 183
sen, brauchst Du nur einen Kunden zum Essen mitzunehmen. Sofern Du das im
Auftrag Deiner Firma tust, wird aus Deinem Abendessen eine geschäftlich ver-
anlasste Bewirtung, an der Du als Arbeitnehmer teilnimmst. Vorteil für Dich:
Dir entsteht jetzt kein steuerpflichtiger Arbeitslohn. Bei einem solchen Arbeits-
essen mit Kunden steht für Dich nämlich nicht Deine Verpflegung, sondern die
Arbeit im Vordergrund. Dass Du auch etwas essen musst, ist sozusagen lästige,
aber unvermeidbare Pflichterfüllung. (Quelle: R 31 Abs. 8 Nr. 1 LStR)

c) Reisekosten bei längeren Dienstreisen


184 Führt Dich Deine Dienstreise für längere Zeit an denselben Ort, kannst Du die 184
Dienstreisepauschalen nur für die ersten drei Monate beanspruchen. Danach
unterstellt der Fiskus zumindest bis 2007, dass Du an Deinem Dienstreiseort
eine zweite regelmäßige Arbeitsstätte begründet hast. Konsequenz für Dich:

78049-7_s001-816.indb 130 28.08.2007 14:28:42 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 131

Nach drei Monaten stehen Dir keine Verpflegungspauschalen mehr zu. Fährst
Du täglich nach Hause, kannst Du Deine Fahrtkosten nur noch als Fahrten zwi-
schen Wohnung und Arbeitsstätte mit der Entfernungspauschale von 0,30 € ab
dem 21. km absetzen. Hast Du an Deinem Wohnort einen eigenen Haushalt und
am Dienstreiseort eine Unterkunft, kannst Du Mehraufwendungen wegen dop-
pelter Haushaltsführung geltend machen! Allerdings schaust Du bei den Ver-
pflegungsmehraufwendungen genauso in die Röhre, da es die bei doppelter
Haushaltsführung auch nur für die ersten drei Monate gibt und die vorangegan-
genen angerechnet werden.

So befreist Du Dich aus der Dreimonatsfalle!

Hast Du Dich nicht auch schon maßlos darüber geärgert, dass Dir das Finanz-
amt nach Ablauf von drei Monaten die Fahrtkosten zu Deinem auswärtigen
Dienstreiseort nur noch mit der mickrigen Entfernungspauschale anerkennt,
statt weiterhin die doppelt so hohen Dienstreisepauschalen zu akzeptieren und
die auch noch für die ersten 20 km?
Mit der richtigen Begründung ist damit Schluss. Das Finanzamt darf Dir nicht
mehr so ohne weiteres mit der Dreimonatsfrist kommen.
Gegen die Beschränkung Deiner Dienstreise auf drei Monate kannst Du Dich
schon einmal dann wenden, wenn der Dienstreiseort nicht als Einrichtung Dei-
nes Arbeitgebers anzusehen ist, also kurz gesagt nicht Deiner Firma gehört. Bei
einer längeren Dienstreise zu einem Kunden oder auch ins Ausland liegt also
eine Dienstreise auch nach mehr als drei Monaten vor. Der BFH sagt nämlich,
dass eine regelmäßige Arbeitsstätte nur in einer Einrichtung des Arbeitgebers
begründet werden kann, und hat damit die Tür zu langfristigen Dienstreisen
weit aufgestoßen (BFH v. 11. 5. 2005 – BStBl II 2005 S. 789). Auch der Fiskus
schwenkt nach dem Entwurf der Lohnsteuerrichtlinien 2008 auf diese Linie ein
und wird voraussichtlich die Dreimonatsfrist für Dientreisen ab 2008 fallen las-
sen. Warum also solltest Du diese für Dich günstige Rechtslage nicht auch schon
2007 in Anspruch nehmen?
Ganz klar ist die Sache für Dich schon jetzt, wenn Du nicht ununterbrochen am
Dienstreiseort tätig bist, sondern regelmäßig in den Betrieb zurückkommst.
Gute Karten hast Du z. B., wenn Du jeweils
● ein bis zwei Tage wöchentlich beim Kunden und den Rest der Woche im Be-
trieb oder
● zwei Wochen im Monat am Dienstreiseort und zwei bis drei Wochen im Be-
trieb bist.

78049-7_s001-816.indb 131 28.08.2007 14:28:42 Uhr


132 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

In diesen Fällen greift die Dreimonatsfrist nicht. Bist Du dabei überzeugend,


musst Du nur noch mit dem BFH-Urteil vom 18. 5. 2004 (BStBl II 2004 S. 962)
sozusagen den letzten Streich führen, und schon bleibt dem Finanzamt nichts
anderes übrig, als Dir auch für die Fahrten im vierten, fünften und sechsten
Monat jeden gefahrenen Kilometer mit 0,30 € als Werbungskosten zuzugeste-
hen.
Also nichts wie ran ans Werk, Ihr Architekten, Bauleiter, beratende Ingenieure,
Softwareentwickler und alle diejenigen, die trotz Dienstreise ständig auch in
der Firma wesentliche Dingen zu erledigen haben.

zum Neubeginn der Dreimonatsfrist

185 Wenn diese Argumente nicht greifen, z. B., weil Du Dich ständig am Dienstrei- 185
seort aufhältst, kannst Du immer noch damit argumentieren, dass aufgrund
einer Unterbrechung einer Dienstreise eine neue Dreimonatsfrist zu laufen be-
ginnt. Dazu muss die Unterbrechung aber mindestens vier Wochen betragen.
Leider kannst Du zu diesem Zweck nicht einfach mit Deinem Jahresurlaub ar-
gumentieren. Auch eine längere Krankheit reicht nicht aus, um die Frist neu in
Gang zu setzen (R 37 Abs. 3 Nr. 1 LStR).
Wenn Du allerdings zwischendurch für mindestens vier Wochen an Deiner re-
gelmäßigen Arbeitsstätte oder einem anderen Dienstreiseort tätig warst, be-
ginnt danach eine neue Dreimonatsfrist. Besondere Anforderungen werden an
diesen zwischenzeitlichen Beschäftigungsort nicht gestellt, er kann ohne wei-
teres in unmittelbarer Nähe des ersten Dienstreiseorts liegen. So reicht z. B. bei
einem Prüfer oder Revisor bei einem längeren Prüfungseinsatz aus, wenn zwi-
schendurch zwei kurze je zweiwöchige Prüfungen in der Nähe erledigt wurden.

So hebelst Du die Dreimonatsfrist aus!

Urlaub oder Krankheit allein helfen Dir also grundsätzlich nicht, die Hürde für
eine vierwöchige Unterbrechung zu überschreiten. Du kannst Dir aber mit
einem Kombinationsmodell helfen. Der Urlaub rechnet nach Meinung der Fis-
kalvertreter immer zu dem Tätigkeitsort, an dem Du beschäftigt warst, als Du
Deinen Urlaub angetreten hast.

78049-7_s001-816.indb 132 28.08.2007 14:28:42 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 133

Also: Warst Du vor Deinem Jahresurlaub für zwei bis drei Tage in Deiner Firma,
um Bericht zu erstatten oder Schreibkram zu erledigen, und dann für vier Wo-
chen in Ferien, hast Du die mehr als vierwöchige Unterbrechung im Sack.

186 Gute Nachrichten für Dich, wenn bei Deiner Auswärtstätigkeit der Arbeitsort 186
ständig wechselt, weil Du Deine Dienstreisen z. B. als Bauleiter beim Straßen-
oder Gleisbau unternimmst. Für Dich gilt die Dreimonatsfrist nicht. Dasselbe
gilt, wenn Du z. B. als Handelsvertreter oder Kundendienstmitarbeiter täglich
mehrere Kunden besuchst. Aufmüpfige Sachbearbeiter bei Deinem Finanzamt
stellst Du mit einem kurzen Hinweis auf R 37 Abs. 3 Nr. 2 LStR ruhig.

187 Hast Du einen längeren auswärtigen Lehrgang besucht, um in Deinem Beruf 187
ein Meister zu werden, vielleicht Versicherungs-, Bankfachwirt oder Offizier,
kannst Du diesen Besuch bis zu drei Monate wie eine längere Dienstreise ab-
rechnen. Danach wird die Lehrgangsstätte zur regelmäßigen Arbeitsstätte, und
Du setzt Fahrt- und Unterkunftskosten für doppelte Haushaltsführung, aller-
dings ohne Verpflegungspauschalen, ab (BFH v. 4. 5. 1990 – BStBl 1990 II S. 859
u. 861). So rechnest Du die abziehbaren Reisekosten aus:
Für die ersten drei Monate Dienstreise Fahrtkosten für An- und Rückreise und
für Zwischenheimfahrten mit je 0,30 € je km,
z. B. für 1 590 km = 477,00 €
Verpflegungsmehraufwand 78 Tage à 24 € = + 1 872,00 €

Nach drei Monaten doppelte Haushaltsführung


Familienheimfahrten z. B. mit eigenem Pkw
10 Fahrten  70 Entfernungs-km  0,30 € = + 210,00 €
Summe der Werbungskosten 2 559,00 €

Dagegenrechnen musst Du den Sachbezug (2007):


Verpflegung 134 Tage à 6,84 € – 916,56 €
Verbleibt ein Vorteil von 1 642,44 €

Eine Kreisamtsbauleiterin lässt sich neben ihrem


Dienstzimmer eine Dusche einbauen, um sich
»frisch machen« zu können. Klar: Als Beamtin
schwitzt man ja auch so schrecklich. Der Umbau
war schwierig, die Dusche luxuriös. Die Kosten
für die Steuerzahler: fast 50 000 €.

78049-7_s001-816.indb 133 28.08.2007 14:28:43 Uhr


134 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Hol mehr heraus bei Gemeinschaftsverpflegung!

188 Lass Dir nicht einen Sachbezugswert für Verpflegung anhängen, wenn Du bei 188
einer längeren Dienstreise oder bei einem auswärtigen Lehrgang einen Kosten-
beitrag für Gemeinschaftsverpflegung entrichtet hast. Musst Du z. B. als Soldat,
Azubi oder Beamtenanwärter für die Verpflegung in der Mensa oder Kantine
etwas berappen, kannst Du 2007 diesen Betrag von den 6,84 € abziehen, die Dir
pro Tag dafür als Arbeitslohn zugerechnet werden. Lass Dir für Deinen Bröt-
chengeber eine Bescheinigung über Deine Zahlungen geben:

Herr/Frau . . . . . . . . . . . . hat während des dienstlichen Aufenthalts in


. . . . . . . täglich 7,50 € für die Gemeinschaftsverpflegung gezahlt.

Datum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . Unterschrift

Weil Deine Zahlungen höher waren als der Sachbezugswert für Verpflegung,
wird Dir kein steuerpflichtiger Arbeitslohn zugerechnet.

Wie Du als Rechtsreferendar 6 € pro Tag herausholst!

189 Aufgepasst, Ihr Rechtsreferendare und alle, die während der Ausbildung stän- 189
dig den Ausbildungsort wechseln und nicht immer wieder an dieselbe Stamm-
dienststelle zurückkehren. Der BFH hatte ein Einsehen. Ihr könnt Eure Wer-
bungskosten wie alle anderen Arbeitnehmer an ständig wechselnden Einsatz-
stellen absetzen (Betriebsberater 1990, S. 2171). Euch stehen in den ersten drei
Monaten für jeden Tag, an dem Ihr mehr als acht Stunden von der Wohnung
abwesend seid, 6 € zu.

78049-7_s001-816.indb 134 28.08.2007 14:28:43 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 135

So ist mehr drin für leitende Angestellte, Reisende,


Geschäftsführer, Selbständige

190 Wie ist das eigentlich, wenn Du als leitende Kraft in einem Unternehmen 190
mS tätig bist? Da bist Du doch gehalten, stets Deine Firma zu repräsentieren
und Dich nobel zu geben. Also werden bei Dir auch häufiger Kosten für die
Bewirtung von Kunden und Geschäftspartnern anfallen.
Zeigt sich Dein Fiskalvertreter zugeknöpft, weise auf die für Dich günstige
BFH-Rechtsprechung hin, wonach Aufwendungen eines Arbeitnehmers für ein
Essen mit einem Kunden als Werbungskosten abziehbar sind, wenn der Arbeit-
geber ihm dafür keinen Ersatz leistet (BFH-Urt. v. 16. 3. 1984 – BStBl 1984 II
S. 433). Besonders gute Karten hast Du, wenn wenigstens ein Teil Deines Ge-
halts erfolgsabhängig ist. Du solltest Dich aber auf jeden Fall mit astreinen
Nachweisen wappnen und mit einer guten Begründung plus Arbeitgeberbe-
scheinigung, wenn Du die Chance auf Anerkennung wahren willst (FG Mün-
chen 11. 12. 2002 – EFG 2002 S. 521).

191 Die Einschränkung, dass Du erfolgsabhängige Vergütungen haben musst, gilt 191
aber leider für die Bewirtung von Mitarbeitern. Mach dabei deutlich, Deine
erfolgsabhängigen Bezüge seien zu einem nicht unwesentlichen Teil davon ab-
hängig, dass es Dir gelingt, die Dir unterstellten Arbeitskollegen zu höherer
Leistung anzuspornen. Mit diesen Sprüchen aus dem BFH-Vokabular klopfst
Du den Fiskalvertreter weich (BFH-Urt. v. 23. 3. 1984 – BStBl 1984 II S. 557).
Leider haben die Bundesfinanzhofrichter die Kosten für eine kleine Feier im
Kollegenkreis (z. B. nach einer Versetzung) anders als die Richter beim FG
Münster (Urteil v. 9. 12. 1998 – IX 2641/87) nicht anerkannt (BFH-Urteil v.
4. 12. 1992 – BStBl 1993 II S. 350). Ebenso knausrig waren sie bei den Bewir-
tungskosten für Kollegen und Geschäftsfreunde aus Anlass des Geburtstags
(BFH v. 19. 2. 1993, BStBl 1993 II S. 403) und beim Antritt einer neuen Stelle
(BFH v. 15. 7. 1994, BStBl 1994 II S. 896). Als Begründung wurde immer ange-
führt, trotz des auf Geschäftsfreunde, Mitarbeiter und Kollegen beschränk-
ten Personenkreises diene eine solche Feier auch immer der persönlichen
Ehrung.

78049-7_s001-816.indb 135 28.08.2007 14:28:44 Uhr


136 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

für die Feier mit Deinen Kollegen

Mit dieser kleinlichen Handhabung ganz und gar nicht einverstanden ist der
renommierte Einkommensteuerkommentar Schmidt/Densek (Randnummer
15 zu § 12). Also wirst Du mit dieser prominenten Rückendeckung Dein Glück
versuchen. Außerdem bekommst Du inzwischen auch Rückendeckung vom
BFH, wenn Du als Tantieme beziehender leitender Angestellter Deinen Reprä-
sentationspflichten schon mit anderen Feiern nachgekommen bist und nun
Deine Mitarbeiter z. B. zu einem Gartenfest aus Anlass Deines Geburtstags
oder eines Dienstjubiläums einlädst. In diesem Fall kannst Du die Kosten der
Gartenparty als Werbungskosten absetzen, weil die Höhe Deiner Tantieme ja
von der Motivation Deiner Mitarbeiter abhängt, die Du mit dieser Einladung
steigern wolltest (BFH v. 1. 2. 2007 – VI R 25/03).
Auch eine Feier zu Deinem Abschied aus der Firma oder der Dienststelle, an
der vor allem Mitarbeiter, Geschäftsfreunde und Personen des öffentlichen Le-
bens teilnehmen, mit denen Du beruflich zu tun hattest, kannst Du als als Wer-
bungskosten absetzen, wenn Du sie aus der eigenen Tasche gesponsort hast.
Was bei einem Bundeswehrgeneral anlässlich seiner Verabschiedung in den Ru-
hestand recht war (BFH v. 11. 1. 2007 – VI R 52/03), sollte bei Dir als leitendem
Angestellten, Behördenleiter oder leitendem Mitarbeiter einer Dienststelle bil-
lig sein.

d) Werbungskosten bei Fahr- oder Einsatzwechseltätigkeit


192 Ist Deine regelmäßige Arbeitsstätte ein Fahrzeug oder übst Du typischerweise 192
Deine Tätigkeit nur an ständig wechselnden Einsatzstellen aus, z. B. als Bau-
oder Montagearbeiter oder als Springer einer Betriebsreserve, kannst Du Ver-
pflegungsmehraufwand geltend machen, wenn Du einen entsprechend langen
Arbeitstag hast.
Dir stehen dieselben Pauschalen wie bei Dienstreisen zu, wobei die Dauer der
Abwesenheit von der Wohnung zählt:

Abwesenheitsdauer, mindestens Pauschale


8 Stunden 6€
14 Stunden 12 €
24 Stunden 24 €

78049-7_s001-816.indb 136 28.08.2007 14:28:44 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 137

Fahrberufe
Bescheinigung erforderlich
Berufsgruppe
ja nein
Nicht als Fahrtätigkeit eingestuft:
Handlungsreisender x
Gerichtsvollzieher x
Außenprüfer x
Kundendienstmonteur x
Verkaufsfahrer, der selbst im Betrieb sein Fahrzeug belädt x
Bahnpostbegleiter x
Kraftfahrer im Zustelldienst der Post x
Polizeibeamte in der Verkehrsüberwachung x
Büromechaniker x
Als Fahrtätigkeit eingestuft:
Zugpersonal der Deutschen Bahn x
Straßenbahnführer x
Busfahrer im Linien- und Ausflugsdienst x
Lkw-Fernfahrer x
Schiffspersonal x
Flugzeugpersonal x
Flugzeugführer x

193 Was kannst Du bei Einsatzwechseltätigkeit absetzen? 193


Bist Du aufgrund Deines Arbeitsvertrags praktisch nur außerhalb des Betriebs
auf Baustellen, als Pflegekraft oder als Monteur im Außendienst tätig oder bist
Du Mitarbeiter einer Leiharbeitsfirma, stuft der Fiskus Deinen Dienst als »Ein-
satzwechseltätigkeit« ein, weil Du jederzeit damit rechnen musst, dass Dich
Dein Arbeitgeber an einer anderen Einsatzstelle beschäftigt.

194 Du kehrst täglich nach Hause zurück 194


Bei täglicher Rückkehr an Deinen Wohnort kannst Du Verpflegungskosten wie
bei Dienstreisen absetzen. Das sind 6 € bei einer Abwesenheit von mindestens
acht Stunden und 12 € bei mindestens 14 Stunden. Unter Abwesenheitsdauer
versteht der Fiskus grundsätzlich die Zeit zwischen Verlassen der Wohnung und
Rückkehr. Eine Besonderheit gilt allerdings, wenn Du regelmäßig (mindestens
einmal pro Woche) zunächst zum Betrieb Deines Brötchengebers fährst und
erst von dort weiter zur Baustelle oder zum Kunden. An den Tagen, an denen
Du zunächst den Betrieb aufsuchst, beginnt die Zeitrechnung für die Verpfle-
gungspauschale erst mit dem Verlassen des Betriebs und nicht schon, wenn Du
Dich morgens auf den Weg zur Firma machst.

78049-7_s001-816.indb 137 28.08.2007 14:28:44 Uhr


138 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Wenn Du längere Zeit am selben Ort eingesetzt bist, kannst Du längstens drei
Monate lang Verpflegungspauschalen absetzen. Erst wenn Dein Einsatzort
wechselt, fängt eine neue Dreimonatsfrist an, und Du bekommst wieder Ver-
pflegungspauschalen.
Für Deine Fahrtkosten kommt es zumindest bis 2007 darauf an, wie weit Dein
Einsatzort von Deiner Wohnung entfernt liegt. Liegt er in der Nahzone, d. h.
nicht mehr als 30 km entfernt, kannst Du für Deine Fahrten nur die Entfer-
nungspauschale mit 0,30 € ab dem 21. Entfernungskilometer abziehen. Du
kommst also nur dann zu steuerlich abzugsfähigen Fahrtkosten, wenn Deine
Einsatzstelle zwischen 21 und 30 km entfernt liegt.
Beträgt die Entfernung zu Deiner Einsatzstelle mehr als 30 km, liegt sie also in
der Fernzone, kannst Du als Fahrtkosten wie bei Dienstreisen entweder die tat-
sächlichen nachgewiesenen Kosten oder pro tatsächlich gefahrenem Kilometer
0,30 € absetzen. Diese Dienstreisepauschale setzt Du praktisch ohne zeitliche
Begrenzung ab. Also auch dann, wenn Du länger als drei Monate an derselben
Einsatzstelle tätig warst.

Gib Dich bei Fahrten in der Nahzone


nicht mit der Entfernungspauschale zufrieden

Spätestens ab 2008 soll nach dem Entwurf der Lohnsteuerrichtlinien 2008 die
30 km – Grenze abgeschafft werden. Trotzdem hält der Fiskus bis 2007 hartnä-
ckig an dieser für Dich nachteiligen Regelung fest. Gleichwohl solltest Du ver-
suchen auch schon für 2007 Deine Fahrten zu Einsatzstellen in der Nahzone bis
30 km mit den Reisekostenpauschalen für Fahrtkosten von 0,30 € je gefahrenen
km abzusetzen. Dadurch verdoppelt sich nicht nur der Kilometersatz gegenü-
ber der Entfernungspauschale, gleichzeitig entfällt auch die unselige Kappung
der ersten 20 km bei der Berechnung Deiner Fahrtkosten.
Fährst Du z. B. 220 Tage im Jahr zu Baustellen, die je 25 km von Deiner Woh-
nung entfernt liegen, setzt Du so statt der
● Entfernungspauschale von
(25 km – 20 km =) 5 km  0,30 €  220 Tage = 330 €
● Reisekosten für den Hin- und Rückweg von
50 km  0,30 €  220 Tage = 3 300 €
und damit in unserem Beispiel sage und schreibe den zehnfachen Betrag ab.
Wenn Dein Finanzamt dabei nicht mit ziehen will, kannst Du Dich neben der
geplanten Änderung der Richtlinien auch noch auf ein Musterverfahren beru-
fen, dass in dieser Sache in Bayern beim Finanzgericht Nürnberg AZ 3 K 33/07
anhängig ist.

78049-7_s001-816.indb 138 28.08.2007 14:28:44 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 139

195 Du übernachtest an der Einsatzstelle 195


Vorbei die Zeiten, als Du nur dann eine doppelte Haushaltsführung hattest,
wenn Du an Deiner Einsatzstelle übernachtetest. Mit einem ganzen Strauß von
Urteilen hat der BFH vor einiger Zeit entschieden, dass Du sämtliche Kosten
wie bei Dienstreisen abziehen kannst. Das gilt – mit Ausnahme der Verpfle-
gungspauschalen – ohne zeitliche Einschränkungen (BFH-Urteile v. 11. 5. 2005
– BStBl II 2005 S. 782-793). Dem Fiskus blieb nichts anderes übrig, als diese
Kröten zu schlucken und Dir mit dem BMF-Schreiben vom 26. 10. 2005 (BStBl
I S. 960) den umfangreichen Werbungskostenabzug zuzugestehen.
Als Verpflegungskosten setzt Du wie bei Dienstreisen in den ersten drei
Monaten an Deiner auswärtigen Einsatzstelle für jeden vollen Tag 24 € ab.
Für die An- und Abreisetage sind das je nach Abwesenheit von zu Hause 6 €
bzw. 12 €.
Deine Unterkunftskosten, wenn Dir denn Dein Brötchengeber keine Unter-
kunft stellt, kannst Du selbstverständlich in der tatsächlich angefallenen Höhe
absetzen. Lass Dir also von Deinem Hotel oder der Pension, in der Du über-
nachtest, eine entsprechende Quittung geben. Achte darauf, ob ein Frühstück
vermerkt ist. Mehr dazu findest Du unter E Rz 217.
Richtig Freude kommt auf, wenn Du Deine Fahrtkosten zusammenrechnest.
Ohne zeitliche Begrenzung, also auch, wenn Du länger als drei Monate an der-
selben Baustelle arbeitest, setzt Du für die beruflichen Fahrten mit Deinem
Auto 0,30 € für jeden gefahrenen Kilometer ab.
Das gilt nicht nur für die erste Fahrt hin zur Baustelle und die letzte Fahrt zu-
rück, sondern auch für Deine Heimfahrten, z. B. am Wochenende. Der Wer-
bungskostenabzug ist nicht auf eine Fahrt pro Woche begrenzt. Wenn Dich die
Sehnsucht packt und Du auch während der Woche gelegentlich Deine Lieben
zu Hause aufsuchst, setzt Du für diese zusätzlichen Fahrten ebenfalls die Reise-
kostenpauschale von 0,30 €/km ab.
Vergiss nicht die Fahrten von Deiner Unterkunft zur Baustelle. Egal, wie weit
Du fahren musst, pro gefahrenem Kilometer sind 0,30 € als Werbungskosten zu
holen.

Fahrtkosten kannst Du natürlich nur absetzen, wenn Du mit Deinem eigenen


Auto unterwegs bist oder zumindest mit einem, das einem Familienangehörigen
oder Deinem Lebenspartner gehört. Wirst Du dagegen von Deiner Firma im
Kleinbus transportiert oder hast Du Dich bei einem Kollegen eingeklinkt,
kannst Du keine Fahrtkosten absetzen, leider auch nicht die Entfernungspau-
schale für Heimfahrten. Damit Dir der Fiskus nicht mit angeblich fehlenden

78049-7_s001-816.indb 139 28.08.2007 14:28:45 Uhr


140 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Nachweisen für Deine Fahrten einen Strich durch die Werbungskosten macht,
wappne Dich und bewahre z. B. Inspektionsrechnungen und TÜV-Berichte auf.
Gut macht es sich auch, wenn Du möglichst unterwegs tankst, um Deinem über-
kritischen Sachbearbeiter mit den Tankquittungen den Wind aus den Segeln
nehmen zu können.

Fünf Minuten vor zwölf ist optimal

196 Dummerweise erfüllst Du an den Tagen, an denen Du Deine Familienheim- 196


fahrten durchführst, nicht die Voraussetzung für die volle Verpflegungspau-
schale von 24 €. Sowohl am Anreise- als auch am Abreisetag bist Du weniger als
24 Stunden von Deiner Hauptwohnung abwesend, und schon schrumpft Deine
Pauschale an beiden Tagen auf jeweils 12 € zusammen. Günstiger für Dich wäre
es da schon, wenn Du sagen könntest: »Ich muss montags um 7.00 Uhr taufrisch
auf der Baustelle zur Arbeit erscheinen. Damit ich mich noch ein paar Stunden
aufs Ohr legen kann, fahre ich immer schon am Sonntag um 23.55 Uhr zu-
rück.«
Auf diese Weise holst Du zumindest in den ersten drei Monaten für jeden Mon-
tag zusätzlich die volle Pauschale von 24 €.

Beispiel für einen sechsmonatigen Baustelleneinsatz mit Übernachtung:


Unterkunftskosten:
6 Monate à 200 € 1 200,00 €
Fahrtkosten:
Erste Hinfahrt 210 km  0,30 € 63,00 €
Letzte Rückfahrt 210 km  0,30 € 63,00 €
24 mal Heimfahrten à 420 km  0,30 € 3 024,00 €
Fahrten Unterkunft – Baustelle (einfache Entfer-
nung 4 km) 125 Tage  8 km  0,30 € 300,00 €
3 450,00 € 3 450,00 €

Verpflegungskosten:
1.–3. Monat: Volle Tage: 40 Tage  24 € 960,00 €
Heimfahrttage: 26 Tage  12 € + 312,00 €
(Abwesenheit 14 Std.)
1 272,00 € + 1 272,00 €
Werbungskosten insgesamt 5 922,00 €

78049-7_s001-816.indb 140 28.08.2007 14:28:45 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 141

Als Bau- und Montagearbeiter durch Pauschal-


versteuerung zusätzlich absahnen!

197 Besser, als die Werbungskosten bei Deiner Steuererklärung abzusetzen und 197
somit vielleicht 25 bis 30 % der abgesetzten Kosten über die Steuererstattung zu
erhalten, ist es immer noch, wenn Dir Dein Arbeitgeber die Kosten ersetzt. So-
weit er das steuerfrei tun kann, klingeln dann nämlich volle 100 % in Deiner
Geldbörse.
Als Bau- und Montagearbeiter bekommst Du für Deine Baustellentätigkeit
normalerweise unter der Bezeichnung Auslösungen solche Arbeitgebererstat-
tungen. Der Arbeitgeber rechnet im Prinzip genauso wie Du und ermittelt zu-
nächst einmal den Betrag, der als Werbungskosten abzugsfähig wäre. Diesen
Teil der Auslösung kann er dann steuerfrei zahlen. Liegt die Auslösung höher,
wird vom übersteigenden Betrag Lohnsteuer einbehalten.
Reicht der Werbungskostenbetrag nicht, um die Auslösung in voller Höhe steu-
erfrei zu stellen, darf der Arbeitgeber in bestimmtem Umfang von ihm über die
steuerfreien Verpflegungspauschalen hinaus gezahlte Verpflegungskosten pau-
schal versteuern (§ 40 Abs. 2 Nr. 4 EStG). Und das sind je nach Abwesenheit von
Deiner Unterkunft immerhin 6 € (mindestens acht Stunden) oder 12 € (mindes-
tens 14 Stunden) pro Tag.
Dein Arbeitgeber kann also in den ersten drei Monaten pro Tag von der Auslö-
sung 24 € als Verpflegungspauschale steuerfrei lassen und zusätzlich weitere
24 € bzw. an den Reisetagen 6 € bzw. 12 € mit 25 % pauschal versteuern und
diese Steuer zu Deinen Gunsten übernehmen.
Das sind für Dich immerhin ca.
36 Tage à 24 € = 864 €
24 Tage à 12 € = 288 €
1 152 €
die Dir Dein Arbeitgeber zusätzlich zuwenden kann, ohne dass Du
dafür Steuern oder Sozialversicherungsbeiträge zahlen musst.

198 e) Fahrtkosten bei Dienstreisen 198


Sind Fahrtkosten beruflich veranlasst, kannst Du sie von den Lohn- und Ge-
haltsbezügen als Werbungskosten abziehen. Fahrtkosten sind die tatsächlichen
Aufwendungen, die Dir durch die persönliche Benutzung eines Beförderungs-
mittels entstehen.
Die meisten Berufstätigen nehmen heute ihr privates Auto für berufliche
Fahrten, es können aber auch die Kosten für öffentliche Verkehrsmittel und für
Taxen abgezogen werden. Ob angemessen oder nicht: Man muss Dir auch hohe
Fahrtkosten anerkennen, wenn sie objektiv im Zusammenhang mit dem Dienst

78049-7_s001-816.indb 141 28.08.2007 14:28:46 Uhr


142 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

stehen und nicht so exorbitant hoch sind, dass man sie als pures Privatvergnü-
gen einstufen muss (§ 9 Abs. 5 und § 4 Abs. 5 Nr. 7 EStG).
Bei den Autokosten ist zu unterscheiden:
● Wenn das private Auto bei Dienstreisen benutzt wird, lässt das Finanzamt die
tatsächlich entstandenen Autokosten zu, die allerdings einzeln nachzuweisen
sind. Wenn kein Einzelnachweis erbracht wird, gibt es ohne Rücksicht auf
Typ und Größe des Autos nur 0,30 € je gefahrenen Kilometer (H 38 LStH
»Pauschale Kilometersätze«), für Mitnahme 0,02 € je Person und Kilometer.
● Wenn das Auto für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte benutzt wird,
lässt § 9 EStG eine Entfernungspauschale von 0,30 € je Entfernungskilome-
ter, also einfache Entfernung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte, zu.
Wenn Du heute im Beruf etwas werden willst, musst Du möglichst mobil sein.
Wenn Dir Deine Firma aus Kostengründen keinen Pkw zur Verfügung stellt,
wird von Dir meist erwartet, dass Du Deinen eigenen fahrbaren Untersatz ein-
setzt. Es macht sich in den Augen Deines Chefs sicher nicht gut, wenn er von
Dir dauernd zu hören bekommt: »Den Termin bei Kunden XY oder die außer-
ordentliche Besprechung um 20.00 Uhr kann ich leider nicht wahrnehmen, weil
mein Zug/mein Bus zu der Zeit nicht fährt.« Also wirst Du die dienstlichen
Fahrten mit Deinem privaten Pkw absolvieren.
Natürlich kannst Du solche Fahrten als Werbungskosten absetzen. Viel besser
fährst Du allerdings, wenn Dir Dein Chef – und das ist ja eigentlich recht und
billig – die Fahrtkosten für die Benutzung Deines Autos erstattet. Bei Dienstrei-
sen hat er da zwei Möglichkeiten. Entweder er zahlt Dir eine Kilometerpau-
schale von 0,30 € je tatsächlich dienstlich gefahrenen Kilometer, oder er erstat-
tet Dir die mittels Belegen und Fahrtenbuch nachgewiesenen beruflichen Auto-
kosten ( E Rz 201). Übrigens: Beide Methoden gelten natürlich auch für Dich,
wenn Du Werbungskosten beim Finanzamt beantragst.
Auch für die Fahrtkosten gilt die Devise, dass Du am besten abschneidest, wenn
Dir Dein Chef so viel wie möglich steuerfrei erstattet. Über den Werbungskos-
tenabzug und die daraus resultierende Steuerersparnis bekommst Du nämlich
höchstens ca. 4 % Deiner Kosten heraus und verlierst zudem den Vorteil aus
dem Arbeitnehmerpauschbetrag. Der aber steht Dir bei steuerfreien Erstattun-
gen außerdem zu.

199 Dein Arbeitgeber kann aus den Reisekostenzahlungen an Dich keine Vorsteu- 199
ern mehr abziehen. Damit ist für ihn ein wichtiger Vorteil weggefallen. Neben
den Verpflegungspauschalen und pauschalen Übernachtungskosten betrifft
diese Einschränkung vor allem die Fahrtkosten für die Benutzung des Pkws des
Arbeitnehmers.

78049-7_s001-816.indb 142 28.08.2007 14:28:46 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 143

Lass den Wagen mal in der Garage!

Kein Fiskaltrick ohne Gegenkniff. Vorsteuern gibt es für Deinen Brötchengeber


weiter, wenn er Dir einen Betriebs-Pkw zur Verfügung stellt oder Dir für Deine
Dienstreise eine Fahrkarte für die Bahn oder ein Flugticket kauft oder das Taxi
bezahlt oder wenn er für Deine Übernachtungs- bzw. Verpflegungskosten eine
auf seinen Namen lautende Hotel- oder Restaurantrechnung mit offen ausge-
wiesener Umsatzsteuer hat.
Für Deine Dienstreise von Hamburg nach München solltest Du also lieber auf
den Flieger umsteigen, statt Dich mit dem eigenen Auto über verstopfte Stra-
ßen zu quälen. Unter dem Strich ist das auch nicht viel teurer, und Du bist statt
neun Stunden gerade einmal zwei unterwegs.

Kassiere mehr als die Fahrtkostenpauschale


von 0,30 € steuerfrei!

200 Wenn Dein Brötchengeber Dir für Dienstreisekosten Bares erstattet, ist es zu- 200
nächst einmal egal, unter welcher Überschrift dies läuft. Für die Frage, was von
Deiner Reisekostenerstattung steuerfrei bleiben kann, wird der tatsächlich ge-
zahlte Betrag mit den max. steuerfreien Fahrt-, Verpflegungs-, Übernachtungs-
und Nebenkosten verglichen. Bekommst Du z. B. eine Kilometerpauschale von
0,50 €, dafür aber keine Verpflegungskosten erstattet, können je nach Abwesen-
heitsdauer zusätzlich zu den 0,30 € je km bis zu 6, 12 oder 24 € pro Tag steuerfrei
bleiben.
Aber damit nicht genug. Bleibt trotz dieser Sonderrechnung ein steuerpflichti-
ger Betrag über, kannst Du noch einen Schlag obenauf setzen. Dein Arbeitge-
ber kann denselben Betrag, den er steuerfrei als Verpflegungspauschale zahlen
könnte, mit 25 % pauschal versteuern. Für Dich wäre dieser Betrag dann eben-
falls abgabenfrei.

Beispiel
Du bekommst für eine 16-stündige Dienstreise von insgesamt 300 km eine
Fahrtkostenerstattung von 0,40 € je Kilometer.

78049-7_s001-816.indb 143 28.08.2007 14:28:46 Uhr


144 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Pauschale Fahrtkostenerstattung 300 km  0,40 € 120 €


Davon bleiben steuerfrei als Fahrtkosten 300 km  0,30 € – 90 €
./. Verpflegungspauschale bei über 14-stündiger Abwesenheit – 12 €
18 €
./. pauschal besteuerte zusätzliche Verpflegungspauschale – 12 €
bleiben für Dich zu versteuern nur noch 6€

201 Und so errechnest Du Deine Autokosten, falls Du nicht die Pauschale von 201
0,30 € für die dienstlich gefahrenen Kilometer in Anspruch nimmst. Trage dazu
einfach Deine Kosten für zwölf Monate in die folgende Checkliste ein.

Checkliste für den Einzelnachweis von Kfz-Kosten


Kosten €
Versicherungsbeiträge
● Kfz-Haftpflichtversicherung
● Kfz-Vollkaskoversicherung
● Kfz-Teilkaskoversicherung
● ./. Prämienrückerstattung
Kfz-Steuern
Treibstoffkosten
● lt. Belegen
● durchschn. Verbrauch  berufliche km  Literpreis
Öl, Schmierstoffe
Wartungsarbeiten (Ölwechsel etc.)
Inspektionen
Reparaturen
(ohne außergewöhnliche Kosten wie Unfallkosten)
Ersatz- und Verschleißteile, Verbrauchsmaterial, z. B.
● Reifen
● Beleuchtungslampen
● Scheibenwaschanlage
● Frostschutz
Fahrzeugreinigung und -pflege, z. B.
● Fahrzeugwäsche (Waschanlage)
● Reinigungs- und Poliermittel
Garagenkosten, Einstellplatz
● Miete
● Anteil an den Gesamtkosten bei Eigenheimen
Zinsen für Anschaffungsdarlehen
● Agio, Disagio (im Zahlungsjahr)

78049-7_s001-816.indb 144 28.08.2007 14:28:47 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 145

Kosten €
● Zinsen
Leasing
● Leasingsonderzahlung (im Zahlungsjahr)
● laufende Leasingraten
Abschreibung
● bei Neufahrzeugen: Nutzung regelmäßig 6 Jahre = 16,67%
● Gebrauchtfahrzeuge: ggf. kürzere Nutzung 2–5 Jahre = 50–20%

Gesamtkosten in 12 Monaten z. B. 12 000 €


Gesamtfahrleistung in km in 12 Monaten z. B. 25 000 km
Durchschnittlicher km-Satz (12 000 € : 25 000 km) = 0,48 €
Als Werbungskosten machst Du geltend:
Gefahren bei Dienstreisen und Dienstgängen z. B. 9 600 km
Nachgewiesener km-Satz 0,48 €
Gesamtkosten 9 600 km  0,48 € = 4 608 €
./. Fahrtkostenersatz der Firma – 2 880 €
Steuerlich abziehbar 1 728 €

202 Abschreibung für das Auto 202


Nach dem BMF-Schreiben vom 15. 12. 2000 – BStBl 12 000 S. 1532 gilt für alle
nach dem 31. 12. 2000 gekauften Autos eine Regelabschreibungsdauer von sechs
Jahren. Du solltest aber tunlichst prüfen, ob nicht bei Dir wegen Gebrauchtwa-
genkauf oder hoher Fahrleistung von vornherein ein Abschlag bei der Abschrei-
bungsdauer angezeigt ist (E Rz 205).

203 Bei Einzelnachweis der Autokosten sollen neben den laufenden, normalen Kos- 203
ten auch außergewöhnliche wie für Reparaturen nach einem Unfall oder sehr
frühe Motorschäden in die Kostenaufteilung zwischen privaten und beruflichen
Fahrten einbezogen werden. Ist der Schaden auf einer Berufsfahrt passiert, sind
die Aufwendungen für seine Behebung also u. U. nicht zu 100 % Werbungskos-
ten. So zumindest H 38 LStH »Einzelnachweis«. In diesem Fall rate ich Dir, es
im Unfalljahr ausnahmsweise einmal mit den Kilometerpauschalen zu versu-
chen. Die Pauschalen decken nämlich die Unfallkosten nicht ab, so dass Du sie
voll nebenher absetzen kannst (H 38 LStH »Pauschale Kilometersätze«). Die-
ser Kniff lohnt sich für Dich vor allem dann, wenn der Umfang Deiner beruf-
lichen Fahrten, gemessen an der Gesamtfahrleistung, nicht besonders hoch ist
und/oder die Unfallkosten einen besonders dicken Batzen ausmachen.

78049-7_s001-816.indb 145 28.08.2007 14:28:47 Uhr


146 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Einmal arbeiten, mehrmals kassieren

204 Natürlich ist es recht lästig, für jede Wagenwäsche, jedes Fläschchen Türschlos- 204
senteiser etc. Jahr für Jahr die Belege zu sammeln. Du solltest deshalb einmal
zwölf Monate lang sorgfältig jeden Beleg, der irgendwie mit Deinem Auto zu
tun hat, zusammentragen. Aus den so ermittelten Kosten und der Gesamt-
fahrleistung in diesem Jahr kannst Du wie im Beispiel oben einen persönlichen
Kilometersatz für Dein Auto berechnen. Diesen Kilometersatz setzt Du dann
auch für die kommenden Jahre ein. Es genügt dann völlig, wenn Du dem
Finanzamt Deine beruflich gefahrenen Kilometer in einer schön ordentlich
geschriebenen Zusammenstellung präsentierst. Berufe Dich dazu notfalls auf
R 38 Abs. 1 S. 4 LStR, die dieses Verfahren ausdrücklich zulässt.

Eine neue Kostenberechnung wird erst fällig, wenn sich die Kostenverhältnisse
bei Deinem Auto wesentlich ändern, z. B. die Abschreibung ausläuft, sich die
Leasingkonditionen erheblich ändern oder Du Dir einen neuen Wagen zulegst.
Dann steht es Dir frei, noch einmal für zwölf Monate die Kosten nachzuweisen
oder die Kilometerpauschale von 0,30 € abzusetzen.
Übrigens: Änderungen beim Schadensfreiheitsrabatt in der Autoversicherung
sind kein Grund für eine Neuberechnung des Kilometersatzes.

Die Rolle unseres KGB wird im Westen von den


gigantischen Steuerbehörden übernommen, mit denen
jeder selbständig tätige Mensch dauernd im Krieg liegt.
(Adenauer-Preisträger W. Bukowski)

Trickse mit einem Gebrauchtwagen


das Finanzamt aus!

205 Mit der Sechs-Jahres-Regelung für die Abschreibung haben die Finanzer sich 205
selbst reingelegt. Sechs Jahre Nutzungsdauer gelten nämlich nur für Neuwagen.

78049-7_s001-816.indb 146 28.08.2007 14:28:47 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 147

Gebrauchte haben eine entsprechend kürzere Nutzungsdauer. Wenn Du nicht


allzu anspruchsvoll bist und nicht unbedingt immer den neuesten Schlitten vor
der Tür stehen haben musst, kannst Du durch den Kauf eines Gebrauchtwagens
eine schöne Stange Geld beim Finanzamt lockermachen.
Kauf Dir einfach einen gut erhaltenen, z. B. vier Jahre alten Gebrauchten. Da von
dessen Nutzungsdauer nur noch ein Rest von zwei Jahren übrig ist, kannst Du
den Kaufpreis mit 50 %/Jahr abschreiben. Und wenn Du den Wagen nach Ablauf
der zwei Jahre weiterverkaufst, musst Du nicht einmal Deinen Gewinn versteu-
ern, denn Gewinne aus dem Verkauf von Vermögensgegenständen unterliegen
bei einem Arbeitnehmer nur dann der Besteuerung, wenn er sie innerhalb von
zwölf Monaten nach dem Kauf veräußert. Selbständige, Gewerbetreibende sowie
Land- und Forstwirte haben es da leider nicht so gut, können im Gegenzug dafür
aber ein eventuelles Verlustgeschäft beim Autoverkauf absetzen.

Es kann Dir passieren, dass Du an einen Finanzer gerätst, der sich mit dieser
einfachen Differenzberechnung der Restnutzungsdauer Deines Autos nicht an-
freunden mag. Er wird Dich möglicherweise auf H 38 LStH »Einzelnachweis«
verweisen. Dort haben nämlich die ministeriellen Rechenkünstler in Berlin
festgelegt, dass sechs minus vier nicht immer unbedingt zwei ist. Wen wundert
es bei solchen Hirnakrobaten noch, wenn es bei der Steuer drunter und drüber
geht. Bei einem gebrauchten Fahrzeug wollen sie, dass die voraussichtliche
Restnutzungsdauer geschätzt wird. Um dem dünnbrettbohrenden Finanzer bei
seiner Schätzung auf die Sprünge zu helfen, mache ihm klar, dass die amtlichen
Abschreibungstabellen ab 2001 ja extra deshalb neu gefasst worden sind, um
die Werte an die tatsächlichen Verhältnisse anzupassen und realistische Nut-
zungsdauern zu liefern.

Besser Du schätzt, als Dich mit der Pauschale


zu begnügen.

206 Der Bundesfinanzhof hat entschieden, dass das Finanzamt auch geschätzte Kos- 206
ten für das Auto anerkennen muss, wenn feststeht, dass sie auf jeden Fall anfal-
len, wie etwa für Benzin oder Versicherung (BFH-Urteil v. 7. 4. 1992 – BStBl II
S. 894). Wenn Du also beim Sammeln von Einzelnachweisen nicht so ganz sorg-
fältig warst, schätze Deine Benzinkosten und schreibe sie auf einen »Eigenbe-
leg«, statt dem Finanzamt nur die Hälfte der Belege vorzulegen.

78049-7_s001-816.indb 147 28.08.2007 14:28:48 Uhr


148 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Bitte das Finanzamt beim Autokosteneinzelnachweis


mit einem Leasingvertrag zur Kasse!

207 Bist Du mit Deinem Auto viel beruflich unterwegs, lohnt sich ein Einzelnach- 207
weis der Kosten. Die echten Kosten liegen nämlich erfahrungsgemäß weit höher
als die Pauschale von 0,30 €, die das Finanzamt anerkennt. Aber kleinlich, wie
die Beamten und manche Richter nun mal sind, haben sie den Dreh mit der
Abschreibung gefunden, um Deine Kosten künstlich niedrig zu halten.
Wenn Du allerdings einen Leasingvertrag in der Tasche hast, muss das Finanz-
amt gem. § 11 EStG die dicke Einmalzahlung im ersten Jahr voll berücksichti-
gen und Dir für Deine beruflichen Fahrten einen Kilometersatz anerkennen,
der weit über der Pauschale liegt.
Und in den nächsten Jahren, wenn nur noch die niedrigeren Raten zu zahlen
sind, kann es nichts machen, wenn Du 0,30 € je km ansetzt.
Bei uneinsichtigen Finanzämtern hilft der Hinweis auf das BFH-Urt. vom
5. 5. 1994, BStBl 1994 II S. 643 und H 38 LStH »Einzelnachweis«.

Pass beim Abschluss Deines Leasingvertrags auf: Bei sehr kurzen Laufzeiten
bis zu zwei Jahren und langen Laufzeiten über vier Jahre läufst Du Gefahr, dass
Du als »wirtschaftlicher Eigentümer« angesehen wirst und statt Leasingraten
und Sonderzahlung nur die normale Abschreibung anerkannt bekommst.

Das Armsein darf nicht zum Erwerbsmittel


für faule Menschen werden.
(Kant)

Wie Du als Vielfahrer das Finanzamt


bei der 40 000-km-Grenze austricksen kannst

208 In unseliger Eintracht haben es Fiskus und Bundesfinanzhof geschafft, aus einer 208
so einfachen Sache wie der Kilometerpauschale ein Buch mit sieben Siegeln zu
machen.

78049-7_s001-816.indb 148 28.08.2007 14:28:48 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 149

Die staatlichen Geldeintreiber bekommen immer dann Bauchweh, wenn Du


mit Deinem Auto mehr als 40 000 km im Jahr fährst und für Deine Dienstreisen
0,30 € absetzen willst. Wegen angeblich unzutreffender Besteuerung wollen sie
Dir den Kilometersatz kürzen.
Flattert Dir, dem beruflichen Vielfahrer, ein Brief vom Finanzamt ins Haus,
etwa mit diesem Inhalt: ». . . haben wir festgestellt, dass die Gesamtfahrleistung
Ihres Pkw über 40 000 km im Jahr liegt. Eine überschlägige Schätzung der tat-
sächlichen Kfz-Kosten hat ergeben, dass der Ansatz der Kilometerpauschale zu
einer unzutreffenden Besteuerung führt. Die Pauschale ist daher um . . .% zu
kürzen«, nimmst Du das aber nicht widerspruchslos hin. In Deine gepfefferte
Antwort solltest Du Folgendes aufnehmen:

Sehr geehrte Damen und Herren,


in den vergangenen Jahren haben Sie immer die Kilometerpauschalen
akzeptiert. Nach Treu und Glauben konnte ich mich daher darauf verlas-
sen, dass ich auch in Zukunft Pauschalen absetzen kann. Ihre Schätzung
entbehrt außerdem jeder Grundlage. Leider haben Sie mir durch Ihren
viel zu späten Hinweis auf eine eventuelle unzutreffende Besteuerung
jede Möglichkeit genommen, für einen Gegenbeweis entsprechende Beweis-
vorsorge zu treffen.
Ich fordere Sie daher auf, es aus Gründen des Vertrauensschutzes für
die Vergangenheit bei der Kilometerpauschale zu belassen. Gleichzeitig
werde ich von heute an für einen repräsentativen Zeitraum von drei
Monaten meine Kfz-Kosten aufzeichnen und Ihnen damit auch für die Zu-
kunft belegen, dass bei mir keine unzutreffende Besteuerung, was immer
das heißen mag, eintritt.

Jetzt heißt es für Dich: klotzen. Natürlich sammelst Du jeden Beleg für Dein
Auto, egal ob für Reparaturen, Benzin oder Wagenwäsche. Außerdem packst
Du natürlich alle größeren und kleineren Reparaturen, die Du sonst vielleicht
noch aufgeschoben hättest, in Deinen Nachweiszeitraum. Auch den Satz Win-
terreifen, die Schneeketten und das neue Autoradio solltest Du Dir jetzt schon
zulegen. Es wäre doch gelacht, wenn Du auf diese Weise Deine laufenden Kfz-
Kosten nicht so hoch drückst, dass dem Fiskalritter der Dreh mit der unzutref-
fenden Besteuerung vergeht.

Kommst Du trotzdem mit Deinen Kosten nicht ganz auf 0,30 € je km, berufe
Dich auf eine Verfügung der OFD Köln vom 9. 2. 1987 (S 2525 – 8 – St 12 A).
Danach muss das Finanzamt die Kilometerpauschale akzeptieren, wenn Dein
Vorteil dadurch gegenüber den tatsächlichen Kosten nicht höher als rund
1 500 € im Jahr liegt.

78049-7_s001-816.indb 149 28.08.2007 14:28:48 Uhr


150 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Setz die Kosten für die Waschanlage ab!

209 Natürlich ist es lästig, an der Tankstelle für die Wäsche jedes Mal eine Quit- 209
mS tung zu verlangen. Aber Du kennst doch das Spielchen: »Ohne Beleg keine
Steuerersparnis.« Und schließlich kostet heute eine normale Wäsche locker 8 €.
Wenn Du Dein Auto nur einmal pro Woche auf Hochglanz bringen lässt, sind
das im Jahr schnell mal 400 €. Deine Steuerersparnis liegt zwischen 60 € und
190 €.

Mach die Kosten für den Führerschein


bei der Steuer geltend!

210 Das Finanzamt sagt: Aufwendungen für den Führerschein gehören grundsätz- 210
lich zu den Kosten der Lebensführung. Sie sind auch dann keine Berufsun-
kosten, wenn der Beruf oder der Betrieb die Benutzung eines Autos erforder-
lich macht.
»Und was ist, wenn ich Taxifahrer werden will?«, fragst Du. Tja, wenn Du das
glaubhaft machen kannst, muss das Finanzamt die Führerscheinkosten als be-
rufliche Kosten anerkennen, so der BFH, BStBl 1969 II S. 433.
»Und was ist, wenn ich kein Auto habe, mir auch keins anschaffen will, mein
Chef aber erwartet, dass ich die Fahrprüfung ablege? Wenn er sagt, ohne Füh-
rerschein könne er mich nicht länger brauchen?« Auch in diesem Fall muss das
Finanzamt klein beigeben, weil die Kosten ausschließlich durch den Beruf ver-
anlasst sind. Ich rate Dir, in Deinem Antrag auf Einkommensteuerveranlagung
auf das Urteil des FG Köln vom 24. 7. 1984 – EFG 1985 S. 120 – hinzuweisen und
eine Bescheinigung Deines Chefs beizufügen, wonach der Erwerb des Führer-
scheins für Dich aus beruflichen Gründen unverzichtbar war.

Unsere Steuergesetze seien eine klare Einladung zum


Betrug, und die meisten Steuerhinterziehungen würden von
den die Kilometerpauschalen für Fahrten zwischen
Wohnung und Arbeitsstätte in Anspruch nehmenden
Arbeitnehmern begangen. So der ehemalige Präsident des
Bundesfinanzhofs Prof. Dr. Franz Klein.
(Kölner Stadtanzeiger 12. 3. 1993)

78049-7_s001-816.indb 150 28.08.2007 14:28:49 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 151

Wenn der Chef nur einen Teil der Fahrtkosten ersetzt?

211 Dein Boss gibt Dir nur 0,20 € pro Kilometer? Dann kannst Du die restlichen 211
0,10 € dem Finanzamt präsentieren, weil es die Differenz ohne weiteres aner-
kennt (R 38 LStR). Nimmst Du jemanden mit, gibt‘s pro Kilometer 0,02 € mehr.
Hast Du in der Vergangenheit versäumt, die Differenz geltend zu machen, dann
hole es nach – sofern die Fristen noch nicht verstrichen sind.
Wenn der Arbeitgeber den vom Finanzamt abgesegneten Satz von 0,30 € gibt,
Du aber damit nicht auskommst, weil Deine jährliche Fahrleistung niedrig liegt,
bei Dir höhere Reparaturen anfallen, Du einen teuren Wagen fährst oder ein-
fach deshalb, weil das Finanzamt mal wieder blind vor der Wirklichkeit ist und
uns weismachen will, heute läge man mit den Fahrtkosten unter einem Kosten-
satz von 0,30 €, dann führst Du halt den Einzelnachweis nach dem Schema
unter E Rz 201!

212 f) Übernachtungskosten und Reisenebenkosten 212


Als berufliche Kosten für Deine Dienstreisen werden nicht nur Verpflegungs-
und Fahrtkosten berücksichtigt. Wenn Du auf einer Dienstreise übernachten
musst, fallen zwangsläufig Hotel- oder Pensionskosten an. Und hast Du Dir
nicht auch schon einmal Gedanken darüber gemacht, wo Du eigentlich den
ganzen Kleinkram wie Parkgebühren, Telefonkosten etc. steuerlich geschickt
unterbringen kannst?

213 Übernachtungskosten 213


Unter Übernachtungskosten kannst Du die Kosten absetzen, die Dir dadurch
entstanden sind, dass Du während Deiner Dienstreise eine Unterkunft in An-
spruch genommen hast.
Bei den Werbungskosten musst Du zumindest bei Dienstreisen im Inland in den
sauren Apfel beißen und alle Übernachtungskosten auf Heller und Pfennig
durch Belege nachweisen. Bei Reisen ins Ausland sieht es da schon etwas besser
aus. Hier kannst Du genauso wie Selbständige bei ihren Geschäftsreisen für
jedes Land speziell festgelegte Übernachtungspauschalen absetzen E Rz 946.
In derselben Höhe, in der Du Werbungskosten abziehen kannst, kann Dein Ar-
beitgeber Dir die Übernachtungskosten steuerfrei erstatten.

214 Wenn Dein Arbeitgeber Dir Übernachtungskosten zahlt, darf er die ausnahms- 214
weise bis 2007 auch bei Inlandsreisen mit einem Pauschbetrag abrechnen. Aller-
dings beträgt der nur 20 € je Übernachtung. Die kannst Du auch nutzen, wenn
Du bei Verwandten oder Freunden übernachtest. Die Einladung abends in die

78049-7_s001-816.indb 151 28.08.2007 14:28:49 Uhr


152 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

nächste Kneipe ist damit zumindest teilweise abgedeckt. Ab 2008 soll diese Mög-
lichkeit der pauchalen Erstattung von Übernachtungskosten aufgehoben wer-
den. Du wirst Dir also für Deine Übernachtungen dann astreine Belege, wie
Hotelrechnungen, Quittungen Deiner Pension oder Mietverträge über angemie-
tete Unterkünfte besorgen und diese bei Deinem Brötchengeber abrechnen.

Profitiere als Berufskraftfahrer von den


Auslandsübernachtungspauschalen!

215 Wenn Du als Fernfahrer häufig Touren machst, die Dich ins Ausland führen, 215
solltest Du auf keinen Fall vergessen, dass Du Deine Übernachtungen im Aus-
land mit nicht unerheblichen Pauschalen als Werbungskosten abrechnen kannst.
Berufe Dich dazu auf R 40 Abs. 2 LStR. Das Finanzamt kann Dich nicht dazu
zwingen, einen besonderen Kostennachweis zu führen.
Die Finanzer bauen allerdings in der Regel überall einen Haken ein. Hier ist es
der, dass es die Pauschalen nicht gibt, wenn Du in der Koje Deines Brummis
nächtigst. Also behaupten sie einfach Folgendes: »Nach der Lebenserfahrung
übernachten Kraftfahrer regelmäßig in ihrem Fahrzeug. Wir müssen dies auch
bei Ihnen unterstellen. Einen Abzug von Übernachtungskosten mit Aus-
landspauschalen können wir daher nicht anerkennen. Da Sie die tatsächliche
Übernachtung außerhalb Ihres Lkws nicht anhand von Belegen nachweisen
können, gehen eventuelle Zweifel zu Ihren Lasten, weil Sie als Steuerzahler die
Beweislast tragen.«
Du wirst zunächst wie folgt argumentieren:
1. Eine Übernachtung im Lkw ist in vielen Ländern nicht erlaubt oder zumin-
dest stark eingeschränkt.
2. Die Gefahr eines Überfalls ist viel zu groß.
3. Da Du sonst ein recht genügsamer Mensch bist, erlaubst Du es Dir wenigs-
tens auf Deinen Touren, in einem anständigen Bett zu schlafen. Vor allem bei
der Hitze im Süden Europas bekämest Du in Deiner Mühle kein Auge zu.
Außerdem baust Du im Lauf des Jahres vor. Du präsentierst dem Fiskalritter
echte Übernachtungsquittungen, die Du für einen repräsentativen Zeitraum
von z. B. drei Monaten zum Nachweis gesammelt hast.
Ich rate Dir allerdings, von den Belegen Kopien zu machen und die ausgewie-
senen Rechnungsbeträge zu schwärzen. Man soll die Bearbeiter ja nicht unnötig
dazu verleiten, ihren Kürzungsgelüsten zu frönen. Schließlich willst Du nur die
Tatsache der Übernachtung außerhalb des Lkw an sich, nicht dagegen haar-
klein jeden Euro Kosten nachweisen. Da nimmst Du doch viel lieber die häufig
höheren Übernachtungspauschalen in Anspruch.

78049-7_s001-816.indb 152 28.08.2007 14:28:49 Uhr


3. Die Kosten bei Einsatzwechsel- und Fahrtätigkeit 153

Übernachtungskosten auch ohne Dienstreise absetzen!

216 Was einer Stewardess recht ist, kann Dir nur billig sein. Einer Flugbegleiterin, 216
die nach einer Fortbildung an ihrem Heimatflughafen nicht nach Hause ge-
fahren ist, sondern sich dort ein Hotel genommen hat, gestand der BFH die
Übernachtungskosten als allgemeine Werbungskosten zu. Obwohl keine
Dienstreise vorlag und auch von einer doppelten Haushaltsführung nicht die
Rede sein kann, lagen nach Meinung der Münchener Richter Werbungskosten
vor, da die Übernachtung beruflich bedingt war (BFH Urteil v. 5. 8. 2004 – BStBl
II 2004 S. 1074).
Wenn es also einmal spät geworden ist, Du keinen Zug mehr nach Hause be-
kommen hast und ein Taxi schlichtweg zu teuer geworden wäre, musst Du Dir
nur noch einen hübschen Grund einfallen lassen, der als beruflicher Anlass für
Deine Übernachtung durchgeht, z. B., dass es nach einer Fortbildung, einer Be-
triebsversammlung oder einer Besprechung am anderen Tag gleich in aller
Herrgottsfrühe beruflich weiterging und Du die Firmenkunden schon morgens
im Hotel betreuen musstest. Im Zweifel kann Dir eine Bescheinigung Deines
Brötchengebers helfen.

Herr/Frau . . . . . . . . . . . . hat am . . . . . . im xyz-Hotel in der


Nähe unseres Firmensitzes übernachtet. Diese Übernachtung war notwendig
weil . . . . . . . . . . . . Wir begrüßen es außerordentlich, dass un-
ser/e Mitarbeiter/in dadurch zu einem reibungslosen Ablauf der Fort-
bildungsveranstaltung/des Kundenbesuchs beigetragen hat. Angesichts
der großzügigen Bemessung des Gehaltes unseres/r Mitarbeiter/s/in haben
wir die Hotelkosten nicht gesondert erstattet.

217 In den meisten Hotels sind heute Übernachtungen inkl. Frühstück üblich. Deine 217
Rechnung enthält also neben den Übernachtungskosten regelmäßig einen Teil-
betrag für Verpflegung. Da die Verpflegung aber bereits durch die Verpfle-
gungspauschale abgegolten ist, werden Deine nachgewiesenen Übernachtungs-
kosten um den Frühstücksanteil gekürzt. Lässt sich dieser Anteil aus der Rech-
nung nicht feststellen, wird er bei Inlandsdienstreisen pauschal mit 4,50 € (ab

78049-7_s001-816.indb 153 28.08.2007 14:28:50 Uhr


154 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

2008 mit 20 % der Verpflegungspauschale von 24 € = 4,80 €) und bei Auslands-


dienstreisen generell mit je 20 % der für den jeweiligen Staat maßgebenden
Verpflegungspauschale angesetzt.

Liegen die tatsächlichen Kosten für das Frühstück unter diesen Beträgen oder
war im Rechnungsbetrag das Frühstück nicht enthalten, solltest Du Dir das auf
der Rechnung bescheinigen lassen. Die Kürzung Deiner Übernachtungskosten
erfolgt dann nur um die tatsächlichen Frühstückskosten.
Gute Karten hast Du bei Übernachtungen im Ausland. Hier reicht es aus, wenn
Du auf der Hotelrechnung selbst vermerkst, dass im Preis kein Frühstück ent-
halten war. Das Finanzamt nimmt dann keine Kürzung vor. Das ist zumindest
die Meinung des BMF auf eine Anfrage des Bundesverbands der deutschen
Arbeitgeberverbände aus dem Jahr 2001 (Az: S 2338).

Pass auf, wenn Du Deinen Ehepartner


auf Reisen mitnimmst!

218 Das Finanzamt sagt dann nämlich: Der (oder die) macht gar keine Dienstreise, 218
sondern gönnt sich ein paar Tage Privaturlaub. Besonders gefährlich wird es,
wenn Du z. B. nach Paris fährst, um dort Kunden oder Geschäftspartner zu be-
treuen, und Deine bessere Hälfte mitnimmst. Mit Unterstützung des BFH (Ur-
teil v. 25. 3. 1993 – BStBl 1993 II S. 639) streichen Dir die Fiskalakrobaten nicht
nur die Reisekosten, sondern wollen Dir auch noch einen geldwerten Vorteil für
Lustreisen ans Bein binden. Auf die Schliche kommt Dir das Finanzamt durch
Deine Spesenbelege und Übernachtungskosten – wenn da zwei Gedecke oder
die Übernachtung im Doppelzimmer draufstehen.
Gewonnen hast Du aber, wenn Dir das Hotel bestätigt, dass kein Einzelzimmer
frei war und Du deshalb ohnehin ein Doppelzimmer hättest nehmen müssen.
Dann kannst Du den Gesamtpreis in voller Höhe der Steuer unterjubeln.

219 Reisenebenkosten 219


Reisenebenkosten sind Deine während einer Dienstreise anfallenden tatsäch-
lichen Ausgaben z. B. für
● Transport und Aufbewahrung Deines Gepäcks,
● Telefongespräche und Schriftverkehr beruflichen Inhalts mit Deinem Arbeit-
geber oder Kunden, Mitarbeitern bzw. Geschäftspartnern,
● Straßenbenutzungs- und Parkgebühren,
● Unfallkosten und Schadenersatzleistungen infolge von Verkehrsunfällen,
● Trinkgelder,

78049-7_s001-816.indb 154 28.08.2007 14:28:50 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 155

● Platzkarten,
● Reisegepäckversicherung,
● Dienstreisevollkaskoversicherung.
Reisenebenkosten kannst Du ebenfalls nur insoweit als Werbungskosten abset-
zen, als sie Dir nicht vom Arbeitgeber steuerfrei erstattet wurden.
Fehlen Dir die Belege, beeindrucke Dein Finanzamt mit einer detaillierten Auf-
stellung, in der Du Kostenart, Höhe der Kosten und Datum fein säuberlich un-
tereinanderschreibst.

220 Da Du als Außendienstler ständig von unterwegs telefonieren musst, hast Du 220
Dir ein Handy zugelegt. Nun hast Du zwei Möglichkeiten: Entweder Du be-
gnügst Dich mit 20 % Deiner Telefonkosten inkl. Anschaffung, max. aber 20 €
im Monat, oder Du weist mit Hilfe eines Einzelnachweises einen hohen beruf-
lichen Kostenanteil nach. Da Du natürlich außerdem häufiger von zu Hause aus
telefonieren musst, beziehst Du selbstverständlich auch die entsprechenden
Kosten für Deinen Festnetzanschluss in die Aufteilung mit ein.

221 Wenn Dir Dein Gepäck bei einer Dienstreise abhanden kommt, kannst Du da- 221
durch entstandene Kosten als Reisenebenkosten absetzen (Kopie der Anzeige
bei der Polizei beilegen). Natürlich nur den Betrag, auf dem Du sitzengeblieben
bist, weil ihn Dein Arbeitgeber oder die Reisegepäckversicherung nicht über-
nommen hat. Damit Du nicht in eine Steuerfalle tappst, musst Du wissen, dass
nach der BFH-Rechtsprechung Dein Verlust nur anerkannt wird, wenn Du ent-
sprechende Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor Diebstahl getroffen hast
(BFH v. 30. 6. 1995, BStBl 1995 II S. 744).

4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte


222 a) Die Entfernungspauschale 222
223 Die sowieso schon nicht gerade üppige Entfernungspauschale, häufig auch 223
Pendlerpauschale genannt, wurde in unseliger schwarz-roter Eintracht radikal
zusammengestrichen. Schau Dir den folgenden Horrorkatalog zur neuen Ent-
fernungspauschale ab 2007 an:
● Kilometerkappung
Der Gesetzgeber hat zunächst einmal die Fahrten zwischen Wohnung und
Arbeitsstätte allgemein zu nicht abzugsfähigen Kosten der privaten Lebens-
führung erklärt. Nach dem sog. Werkstorprinzip stellt er sich auf den Stand-
punkt, dass der berufliche Teil der Fahrt zur Arbeit erst mit Erreichen der
Firma beginnt. Als Billigkeitsregelung lässt er jedoch zu, dass Fernpendler

78049-7_s001-816.indb 155 28.08.2007 14:28:50 Uhr


156 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

einen Teil ihrer Fahrtkosten als Werbungskosten von der Steuer absetzen
können. Arbeitnehmer können daher eine verkehrsmittelunabhängige Pau-
schale von 0,30 € je Entfernungskilometer absetzen, allerdings erst ab dem
21. km. Für die ersten 20 Kilometer gibt es ab 2007 keine Entfernungspau-
schale mehr. Man zieht Dir also bei der Berechnung Deiner Fahrtkosten für
Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte gnadenlos immer erst 20 km
ab. Bei 4 500 € liegt wie bisher die jährliche Obergrenze, wenn Du nicht mit
dem eigenen oder einem überlassenen Kraftfahrzeug fährst. Du verlierst da-
durch pro Jahr ca. 1 380 € an Werbungskosten.
● Tatsächliche Kosten kannst Du ebenfalls nicht mehr absetzen. Damit entfällt
z. B. Deine Chance, statt der Entfernungspauschale die Kosten für Deine
Fahrkarten abzusetzen. Wenn Du also täglich mit dem Bus 15 km zur Arbeit
fährst, kannst Du noch nicht einmal mehr Deine Tickets steuermindernd in
Deiner Steuererklärung unterbringen.
● Pauschalversteuerung von Fahrgeldern und Firmenwagennutzung
Auch die Möglichkeit Deines Brötchengebers, die Steuer auf Fahrgelder und
für die Firmenwagennutzung für den Weg zur Arbeit mit 15 % pauschal zu
übernehmen, wird stark eingeschränkt. Da nur das pauschal besteuert wer-
den kann, was Du als Werbungskosten abziehen könntest, schlägt hier die
generelle Kürzung der Kilometer um 20 km voll durch. Pro Jahr unterliegen
damit ca. 1 380 € mehr von Deinem Lohn der Steuer und vor allem der Sozi-
alversicherung.
● Abgeltungswirkung
Durch die neue Pauschale sind endgültig alle Kosten abgegolten. Damit wol-
len die Fiskalbürokraten ab 2007 vor allem verhindern, dass weiterhin Unfall-
kosten auf dem Weg zur Arbeit als Werbungskosten abgezogen werden kön-
nen.
● Behinderte können wie bisher ihre vollen Kosten absetzen. Wenn sie mit dem
Auto fahren, bedeutet das, dass zum einen keine Kappung um 20 km erfolgt
und dass sie zum anderen je tatsächlichen Kilometer mindestens 0,30 € abset-
zen können. Damit müssten Behinderte auch eventuelle Unfallkosten weiter
absetzen können.

Die Kürzung der Entfernungspauschale


ist verfassungswidrig

224 Bevor Du Dich in die Einzelheiten der Entfernungspauschale vertiefst, musst 224
Du wissen, dass die Einschränkungen der Entfernungspauschale, vor allem die
Kappung der ersten 20 km, einen Verstoß gegen das Prinzip der Besteuerung

78049-7_s001-816.indb 156 28.08.2007 14:28:51 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 157

nach der Leistungsfähigkeit darstellen, die Neuregelung daher verfassungswid-


rig ist.
Mehrere Finanzgerichte haben die Verfassungswidrigkeit schon bestätigt und
die Frage von sich aus dem Bundesverfassungsgericht vorgelegt (FG Nie-
dersachsen v. 27. 2. 2007 – 8 K 549/06 und FG Saarland v. 22. 3. 2007 – 2 K
2442/06). Lediglich die Finanzrichter in Baden-Württemberg haben sich auf die
Seite des Fiskus geschlagen und halten die Entfernungspauschale nicht für be-
denklich (FG Baden-Württemberg v. 7. 3. 2007 – 13 K 283/06).
Du wirst also unter Hinweis auf die beim Bundesverfassungsgericht anhängigen
Verfahren gegen Deinen Einkommensteuerbescheid Einspruch einlegen und
Ruhen des Verfahrena beantragen, bis das Bundesverfassungsgericht entschie-
den hat.
Und so sieht die Berechnung der Entfernungspauschale für Dich aus:
Angenommen, Du legst den täglichen Weg zur Arbeit von 30 km mit dem Auto
zurück, und dies an 220 Tagen im Jahr:
(30 km – 20 km) = 10 km  0,30 €  220 Tage = 660 €.
Wenn Du öffentliche Verkehrsmittel benutzt, sieht die Rechnung für Dich im
Grunde genommen genauso aus, denn Du kannst nicht mehr die tatsächlichen
Kosten für Deine Tickets statt der Entfernungspauschale absetzen. Allerdings
greift hier die sog. Kostendeckelung der Entfernungspauschale auf 4 500 € (vgl.
E Rz 228).
Angenommen, Du fährst an 220 Tagen im Jahr mit dem Zug zur Arbeit. Die
Entfernung beträgt 80 km. Die Kosten für Deine Fahrkarten 1. Klasse liegen bei
200 € monatlich:
(80 km – 20 km) = 60 km  0,30 €  220 Arbeitstage = 3 960 €.
Wie Du siehst, spielen hier weder die Kostendeckelung noch Deine tatsäch-
lichen Kosten für die Fahrkarten von 2 400 € eine Rolle.

Es kommt nicht mehr auf die Kosten an!

225 Die Entfernungspauschale, die Dir auch bei der Benutzung öffentlicher Ver- 225
kehrsmittel zusteht, ist völlig unabhängig von der Höhe Deiner Kosten. Selbst
wenn Deine tatsächlichen Fahrtkosten nur einen Bruchteil dessen ausmachen,
was sich aus der Entfernungspauschale ergibt, ist das kein Grund, aus dem die
Fiskalritter den Rotstift ansetzen dürften.
Allerdings kannst Du auch keine tatsächlichen Kosten mehr absetzen, wenn Du
wesentlich höhere Aufwendungen für die Fahrt zur Arbeit hast. Hast Du z. B.

78049-7_s001-816.indb 157 28.08.2007 14:28:51 Uhr


158 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

einen weiten Weg zur Arbeit und fährst 1. Klasse oder musst häufiger ein Taxi
benutzen, bekommst Du trotzdem nur die Entfernungspauschale, und die wird
im Zweifelsfall auch noch auf 4 500 € im Jahr gedeckelt.
Einige Besonderheiten gelten für Familienheimfahrten bei doppelter Haus-
haltsführung. Zwar greift hier ebenfalls eine vom benutzten Verkehrsmittel un-
abhängige Entfernungspauschale, nicht aber die Deckelung auf 4 500 €, und Du
musst bei Deinen Heimfahrten nicht die Kappung der ersten 20 km über Dich
ergehen lassen.

226 Wirkungsbereich der Entfernungspauschale: 226


● Fahrten zwischen Wohnung und regelmäßiger Arbeitsstätte
● Familienheimfahrten bei doppelter Haushaltsführung
● Fahrten in die Nahzone (bis 30 km) bei Einsatzwechseltätigkeit
● Fahrten als Busfahrer zum Busdepot, um den Bus für die Tour abzuholen
● Fahrten zum Betrieb bei Einsatzwechseltätigkeit, wenn sie regelmäßig vor-
kommen (z. B. ein bis zweimal pro Woche)
● Berechnung der Grenze für die Pauschalierung der Lohnsteuer mit 15 % auf
Fahrtkostenzuschüsse

227 Begünstigte Verkehrsmittel Wie Du schon oben gelesen hast, ist der Ansatz der 227
Entfernungspauschale unabhängig davon, welches Verkehrsmittel Du benutzt.
Sie gilt einheitlich für:
● Kraftfahrzeug (Pkw, Motorrad)
● Moped oder Mofa
● Fahrrad
● öffentliche Verkehrsmittel (Bus, Bahn, Straßenbahn, Fähre etc.)
● Fahrgemeinschaft
● Fortbewegung zu Fuß
Aber auch hier gilt natürlich der alte Satz: Keine Regel ohne Ausnahme. Die
Ausnahme bilden Flugkosten. Bei der Benutzung eines Flugzeugs z. B. für Fami-
lienheimfahrten hat der Fiskus den Ansatz der Entfernungspauschale für die
reine Flugstrecke ausdrücklich ausgeschlossen. Dasselbe gilt, wenn der Flug
ausnahmsweise als Fahrt zwischen Wohnung und Arbeitsstätte zu qualifizieren
ist. Da für diese Wegekosten somit nichts abzugsfähig wäre, hat der Fiskus
Gnade vor Recht ergehen lassen und erlaubt ausnahmsweise, dass die tatsäch-
lichen Kosten für das Flugticket als Werbungskstoen abgezogen werden.
Aber aufgepasst! Du musst ja auch irgendwie zum Flughafen kommen. Egal, ob
Du mit dem Taxi, der Bahn oder dem eigenen Auto fährst: Du kannst für diesen
Teil des Weges die Entfernungspauschale absetzen und musst dabei die Kröte
schlucken, dass man Dir die ersten 20 km kappt.

78049-7_s001-816.indb 158 28.08.2007 14:28:51 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 159

Vermeide die Kostendeckelung!

228 Auch wenn Du kein eigenes Auto besitzt, musst Du nicht in jedem Fall die De- 228
ckelung der Entfernungspauschale auf 4 500 € im Jahr hinnehmen. Die »unge-
deckelte Entfernungspauschale« steht Dir auch dann zu, wenn Du mit einem
Dir zur Nutzung überlassenen Auto fährst, z. B. mit einem Firmenwagen, dem
Wagen Deines Ehegatten, Deiner Eltern, Deines Bruders oder Deines Lebens-
partners.

Hinweis
Das Einkommensteuergesetz sieht keine besonderen Nachweispflichten vor,
dass Du tatsächlich ein Auto benutzt. Es reicht also auch hier aus, wenn Du die
Nutzung des Autos durch wahrheitsgemäße Angaben in der Steuererklärung
glaubhaft machst. Allerdings kann es Dir passieren, dass Dein Finanzamt bei
großen Entfernungen einen Nachweis über die Gesamtfahrleistung des Autos
verlangt. Wappne Dich also für diesen Fall, indem Du z. B. die Kilometerstände
notierst, TÜV- und ASU-Berichte sowie Deine Werkstattrechnungen aufbe-
wahrst.

229 Welche Strecke ist bei der Berechnung der Pauschale maßgebend? 229
Egal, wie die Entfernung ermittelt wird, immer werden die ersten 20 km ge-
kappt.
Maßgebend für die Berechnung der Pauschale ist die kürzeste Straßenverbin-
dung zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Aber: Wenn Du mit dem Auto lie-
ber auf die zeitlich günstigere, etwas längere Strecke ausweichst, solltest Du
Dich nicht scheuen, dem Finanzamt die etwas längere Strecke anzugeben.
Schließlich heißt es im Gesetz inzwischen eindeutig, dass Du eine zwar längere,
aber verkehrsgünstigere Strecke ansetzen kannst, wenn Du sie regelmäßig be-
nutzt (§ 9 Abs. 2 S. 4 EStG).
Interessanterweise wird Deine Entfernungspauschale auch dann nach der
Straßenentfernung berechnet, wenn Du mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur
Arbeit fährst. Die sehr wahrscheinlich davon abweichenden Tarifentfernun-
gen z. B. der Bahn spielen keine Rolle. Angenommen, Du fährst mit der Bahn
zur Arbeit. Die Tarifentfernung der Bahn beträgt 38 km; zusätzlich legst Du
am Wohnort und am Arbeitsort noch jeweils 1 km zu Fuß zurück. Die kür-
zeste Straßenverbindung von Deiner Wohnung zum Arbeitsplatz beträgt aber
45 km.

78049-7_s001-816.indb 159 28.08.2007 14:28:52 Uhr


160 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Für die Berechnung der Entfernungspauschale kommt es einzig und allein auf
die Straßenentfernung an. Deine Werbungskosten belaufen sich 2007 also auf:
(45 km – 20 km) = 25 km  0,30 €  220 Arbeitstage 1 650 €

230 Was passiert, wenn Dein Arbeitgeber einen Teil Deiner Kosten übernimmt? 230
Keine Entfernungspauschale steht Dir zu, wenn Du von einer steuerfreien Sam-
melbeförderung durch den Arbeitgeber profitierst.
In Fällen, wo Dein Brötchengeber
● an Dich gezahlte Fahrgelder oder den Vorteil aus der Benutzung eines Fir-
menwagens mit 15 % pauschal versteuert,
● Dir als Beschäftigtem im Personennahverkehr über Personalrabatte steuer-
frei die Fahrtmöglichkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln einräumt,
● Dir ein Job-Ticket steuerfrei überlässt (vgl. E Rz 41),
wird Dir das auf Deine Entfernungspauschale angerechnet. Damit auch der
schläfrigste Finanzbeamte kapiert, dass Du von solchen steuerbegünstigten
Leistungen für Deine Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte profitierst,
muss Dein Arbeitgeber auf Deiner Lohnsteuerbescheinigung ein F vermerken.
Da die Lohnsteuerbescheinigung elektronisch an das Finanzamt übermittelt
wird, kann dieser Hinweis auf Kürzung Deiner Werbungskosten kaum überse-
hen werden.

231 Welche Besonderheiten gibt es für Behinderte? 231


Liegt Dein Grad der Behinderung bei mindestens 70 % oder mindestens 50 bis
65 % und steht in Deinem Schwerbehindertenausweis zusätzlich ein »G«, »aG«
oder »H«, dann musst Du Dich auch ab 2007 nicht mit der Entfernungspau-
schale abspeisen lassen. Du kannst nach wie vor pro Entfernungskilometer ent-
weder Deine tatsächlichen Kosten oder hilfsweise die Pauschalbeträge für
Dienstreisen ansetzen.
Vor allem bist Du nicht von der Kappung der ersten 20 km und dem Verbot des
Abzugs der tatsächlichen Kosten betroffen.
Zusätzlich machst Du die Parkgebühren geltend (BMF 18. 3. 1980 – BStBl I
1980 S. 147). Lass sie Dir nicht mit dem Hinweis auf das BFH-Urteil vom
2. 2. 1979 (BStBl 1979 II S. 372) ausreden, das einem Nichtbehinderten die Park-
gebühren verwehrt hat, weil sie durch den gesetzlichen Kilometerpauschbetrag
abgegolten seien. Für Dich gilt vielmehr R 38 LStR und R 40a Abs. 1 Nr. 3 LStR,
die den Abzug der Parkgebühren zusätzlich zu den tatsächlichen Kfz-Kosten
bzw. den Dienstreisepauschalen ausdrücklich absegnen.
Kannst Du wegen Deiner Behinderung nicht selbst fahren oder hast deswegen
keinen Führerschein und fährt Dich deshalb Dein Ehe- oder Lebenspartner zur
Arbeit und holt Dich auch wieder ab, sind auch dessen Leerfahrten abzugsfähig
(H 42 LStH »Behinderte«). Du kannst für diese Fahrten ebenfalls die Dienstrei-
sepauschalen oder die tatsächlichen Kosten absetzen (BFH v. 2. 12. 1977 – BStBl
1978 II S. 260).

78049-7_s001-816.indb 160 28.08.2007 14:28:52 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 161

232 Berechnung der Arbeitstage 232


Man geht aus von 365
die um freie Samstage/Sonntage 104
Feiertage (12–14) 12
und Urlaubstage 27
zu kürzen sind. 143 143
Es verbleiben 222
Nach diesem Schema kannst Du selbst die Werbungskosten aus Deiner Entfer-
nungspauschale berechnen. Angenommen, die Entfernung zu Deiner Arbeits-
stätte beträgt 40 km und Du bist an 240 Tagen zur Arbeit gefahren:
(40 km – 20 km) = 20 km  0,30 € = 6,00 €  240 Arbeitstage
= Entfernungspauschale jährlich 1 440,00 €

Schröpfe den Fiskus mit einem Betriebs-Pkw


doppelt und dreifach!

233 Aufgepasst, Ihr Selbständigen, deren bessere Hälfte als Arbeitnehmer tätig 233
mS ist. Auch als neben Deinem Hauptberuf selbständig Tätiger solltest Du
jetzt die Ohren spitzen.
Für einen mehr als zu 50 % freiberuflich oder gewerblich genutzten Pkw, dessen
Kosten Du bei der Gewinnermittlung absetzt, musst Du als Privatanteil 1 % des
Bruttolistenpreises pro Monat versteuern. Damit sind sämtliche außerbetrieb-
lichen Nutzungen abgegolten. Zunächst einmal ist die Devise für Dich, mög-
lichst alle in der Familie greifbaren Pkws über Deinen Betrieb laufen zu lassen.
Wenn Du für Deine Gewinnermittlung eine Bilanz aufstellst, genügen dazu pro
Fahrzeug schon etwas mehr als 10 % betriebliche Nutzung. Da Du so alle Auto-
kosten über den Betrieb absetzt, kannst Du den Privatanteil von 12 % des Lis-
tenpreises pro Jahr für das jeweilige Auto (z. B. den Wagen Deines Ehepartners
und Deines Sohnes) locker verschmerzen.
Das allein ist ja schon ein kleiner Knüller, aber wenn bei Dir oder Deiner bes-
seren Hälfte Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anfallen, wird aus
dem Knüller der Superknüller. Da Du ja einen Privatanteil für außerbetrieb-
liche Nutzung versteuerst, könnt Ihr für Fahrten zur Arbeit außerdem die Ent-
fernungspauschale absetzen (FG Niedersachsen v 27. 4. 2005 – 3 K 717/04, NWB
online).

Beispiel
Schlaumeier ist Arbeitnehmer und fährt täglich 40 km zur Arbeit. Da er zusätz-
lich als Versicherungsvertreter tätig ist und sein Auto auch für diese Tätigkeit

78049-7_s001-816.indb 161 28.08.2007 14:28:52 Uhr


162 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

nutzt, hat er es im Betriebsvermögen aktiviert und versteuert einen Privatanteil


von 12 % pro Jahr. Anschaffungskosten für das Auto: 24 000 € (Listenpreis
25 000 €).
Schlaumeier hat zunächst einmal folgende Kfz-Kosten als Betriebsausgaben
gebucht, weil er das Auto zu über 50 % für seinen Vertreterjob nutzt:
Abschreibung: 1/6 von 24 000 € 4 000 €
laufende Kosten
(Benzin, Wartung, Steuern, Versicherung etc.) + 8 000 €
Betriebsausgaben 12 000 €
./. Privatanteil 12 % von 25 000 € – 3 000 €
steuerwirksame Pkw-Kosten im Betrieb 9 000 €

hinzu kommen Werbungskosten für Fahrten zur Arbeit


230 Tage  (40 km – 20 km =) 20 km  0,30 € + 1 380 €

steuerwirksame Kosten insgesamt 10 380 €

Wie Du siehst, kommt es hier zur wunderbaren Kfz-Kostenvermehrung. Du


drückst dem Fiskus bis auf ein paar Euro sämtliche Autokosten aufs Auge. Ge-
radezu bombastisch wird der Trick, wenn Du mit einem Behinderungsgrad von
50 % und dem Ausweismerkzeichen »G« aufwarten kannst, dann setzt Du näm-
lich statt der Entfernungspauschale für Deine Fahrten zur Arbeit 0,60 € ab. Im
obigen Beispiel kämen dadurch statt 1 380 € 230  40 km  0,60 € = 5 520 €
zusammen. In diesem Fall zauberst Du sozusagen aus dem Nichts über 2 500 €
steuerlich absetzbare Kosten.

Zwei Mücken treffen sich vor dem Finanzamt.


Die eine kommt gerade heraus, die andere will
hinein. Meint die, die herauskommt, zu der,
die hineinwill: »Zwecklos, die saugen selbst!«

Hol mit Wechselgeld und Briefmarken aus Deinem


Mittagessen über 200 € Steuerersparnis heraus!

234 Als Innendienstler erkennt Dir das Finanzamt nur die Fahrt zwischen Wohnung 234
und Arbeitsstätte an. Normalerweise kannst Du also keine mittäglichen Fahrt-
kosten absetzen. Außerdem rechnen nach dem BFH-Urteil vom 4. 7. 1975
(BStBl 1975 II, S. 738) Aufwendungen für Mittagsheimfahrten bei geteilter Ar-
beitszeit zu den Lebenshaltungskosten, auch bei einer Mittagspause von zwei

78049-7_s001-816.indb 162 28.08.2007 14:28:53 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 163

Stunden oder wenn Du auf Diätverpflegung angewiesen bist. Wenn Du also als
Banker, Versicherungsangestellter, Verkäuferin usw. mittags in einer nahe gele-
genen Gaststätte isst, sollst Du das zu 100 % auf eigene Kosten tun.
Du bist aber schlau, schlägst dem Fiskus ein Schnippchen und greifst Dir dazu
erst einmal Deinen Chef. Erkläre ihm, Du wärest bereit, den täglichen Boten-
gang zur Post, zur Bank usw. zu übernehmen, falls Du im Anschluss daran Deine
Mittagspause einlegen dürftest. Auf diese Weise befindest Du Dich jeden Tag
um die Mittagszeit auf einer hochoffiziellen Dienstreise mit zu 0,30 € je ge-
fahrenen Kilometer absetzbaren Fahrtkosten. Bei 230 Arbeitstagen ergibt sich
daraus für Dich z. B. folgende Rechnung:
Fahrtkosten für tägliche Dienstgänge zu Post, Bank etc.
230 Tage à 10 km  0,30 € 690 €
Steuerersparnis bei einem Steuersatz von ca. 30 % 207 €

235 Deine Fahrtkosten sind nur dann auf die Entfernungspauschale begrenzt, wenn 235
es sich um Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte handelt. Für alle ande-
ren Fahrten kannst Du die tatsächlichen Kosten oder stattdessen 0,30 € je ge-
fahrenen Kilometer absetzen. Dies gilt für Fahrten
● zwischen zwei regelmäßigen Arbeitsstätten, wenn Du z. B. als Filialleiter zwei
Filialen betreuen musst und zwischen beiden hin- und herfährst.
● zwischen zwei Einsatzstellen, wenn Du z. B. als Bauarbeiter von einer Bau-
stelle zur anderen fährst. Das gilt übrigens auch, wenn alle Baustellen in der
Nahzone von 30 km liegen.
● innerhalb eines weiträumigen Arbeitsgebiets, z. B. für die Kilometer, die Du
als Forst- oder Waldarbeiter in Deinem Revier oder als Zeitungszusteller
oder Prospektverteiler in Deinem Zustellbezirk unterwegs bist.

236 b) Autodiebstahl oder Unfall 236


Bei der Berücksichtigung von Kosten durch einen Unfall oder Diebstahl des
Autos kommt es entscheidend darauf an, ob die Fahrten nach Dienstreisegrund-
sätzen abgerechnet werden oder ob die Entfernungspauschale zur Anwendung
kommt.
Ab 2007 können Unfallkosten und Verluste durch Diebstahl nicht mehr als tat-
sächliche Kosten neben der Entfernungspauschale abgesetzt werden.
Ereignet sich der Unfall oder Diebstahl dagegen auf einer Dienstreise oder bei
einer Einsatzwechseltätigkeit auf einer Fahrt außerhalb der Nahzone von 30 km
oder kannst Du als Behinderter Deine Fahrten zwischen Wohnung und Arbeits-
stätte mit der Dienstreisepauschale von 0,30 € je gefahrenen km absetzen, blei-
ben die Kosten abzugsfähig.

78049-7_s001-816.indb 163 28.08.2007 14:28:53 Uhr


164 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Zu den beruflichen Kosten gehören dann auch Schadenersatzleistungen, Pro-


zesskosten und alle sonstigen Aufwendungen aus Anlass eines Unfalls, und zwar
gilt dies nach Ansicht einiger Finanzgerichte selbst dann, wenn der Unfall grob
fahrlässig oder vorsätzlich verschuldet wurde. Wer allerdings meint, er könne
sich erst kräftig einen hinter die Binde gießen und anschließend ans Steuer set-
zen, der wird doppelt bestraft – vom Gericht und vom Fiskus. Du kannst die
Unfallkosten nicht absetzen, wenn Du blau wie ein Veilchen warst (BFH v.
18. 12. 1981 – BStBl 1982 II S. 261).
Abzugsfähig sind damit bei Behinderten die Unfallkosten, die bei Fahrten zwi-
schen Wohnung und Arbeitsstätte angefallen sind (BFH – BStBl 1983 II S. 17),
während der Leerfahrt zum Abholen des berufstätigen Ehegatten (BFH – BStBl
1980 II S. 655), zum Betanken des Kfz oder zurück vom Bahnhof, nachdem der
behinderte Ehegatte zum Zug gebracht wurde, mit dem er weiter zur Arbeit
fährt (BFH v. 26. 6. 1987 – BStBl 1987 II S. 818).
Schwierigkeiten macht Dir der Fiskus trotz Behinderung, wenn der Unfall pas-
siert ist, als Du ein Mitglied Deiner Fahrgemeinschaft abgeholt hast. War dazu
ein Umweg nötig, ist ein Unfall auf dem Umwegstück nicht abzugsfähig. Besser
also, wenn es auf dem direkten Weg zur Arbeit gekracht hat.
Beginnt oder endet die Fahrt zur Arbeit nicht in Deiner Wohnung, erkennt das
Finanzamt – Behinderung hin oder her – generell keine Unfallkosten an. Des-
halb sieh Dich vor: Wenn Du schon unbedingt Deine Mühle zu Schrott fahren
musst, dann möglichst nicht, wenn Du bei Deiner Freundin übernachtet hast
und von dort zur Arbeit fährst (BFH v. 25. 3. 88 – BStBl 88 II S. 706).

237 Ist der Pkw als berufliches Arbeitsmittel einzustufen – was eine sehr hohe be- 237
rufliche Nutzung von z. B. 90 % voraussetzt – sind auch Verluste durch Dieb-
stahl im privaten Bereich – z. B. aus dem zur Wohnung gehörenden Garagenhof
– abzuziehen (BFH – BStBl 1983 II S. 586) oder Beschädigungen infolge von
Vandalismus.

Sei hartnäckig!

238 Unfallkosten kannst Du als Behinderter nicht nur absetzen, wenn Du an Deine 238
eigene Mühle Beulen fährst. So hat eine hartnäckige Steuerzahlerin, die auf
dem Weg zur Arbeit mit dem Auto eines Bekannten in den Graben gerutscht
war, sich nicht mit der Ablehnung durch das Finanzamt zufriedengegeben. Vor
dem Finanzgericht hat sie den Schadenersatz, den sie ihrem Bekannten gezahlt
hat, als Werbungskosten durchgeboxt (EFG 1993 S. 647).

78049-7_s001-816.indb 164 28.08.2007 14:28:53 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 165

Hol Dir Geld vom Finanzamt für


das kaputte Auto Deines Partners!

Wenn Du Dir – auch hier entsprechende Behinderung vorausgesetzt – für den


Weg zur Arbeit das Auto Deines Ehepartners geliehen hast und damit einen
Unfall verursachst, kannst Du zwar die Fahrtkosten absetzen, den Unfallscha-
den wollen die Fiskalritter aber mit einer ganz hinterlistigen Argumentation
vom Tisch fegen: Du habest keinen Aufwand durch den Unfall, da der Wagen
nicht Dir gehöre und Schäden an einem fremden Auto nur als sog. Drittauf-
wand abgesetzt werden könnten, wenn die Mühle Deinem Ehepartner gehöre.
Mit anderen Worten: Man strapaziert wieder einmal das amtliche Heiratspapie-
rchen, um Dir Deine wohlverdiente Steuererstattung streitig zu machen (FG
Niedersachsen v. 19. 1. 1994, EFG 1994 S. 785). Aber diesmal haben die Büro-
kraten die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Auf so windige Argumente wie
Drittaufwand oder die Begründung, das Auto gehöre wirtschaftlich eigentlich
Dir, weil Du ja sämtliche Kosten dafür trägst, lässt Du Dich gar nicht erst ein.
Du schaffst vielmehr sofort klare Verhältnisse und zahlst Deinem Ehepartner
auf Heller und Pfennig Schadenersatz für das kaputte Auto. Damit sich die
Sache auch lohnt, musst Du nicht kleinlich Erbsen zählen. Rechnet untereinan-
der genauso ab, wie Ihr es mit einer Autoversicherung machen würdet. Also
nicht nur die Reparaturkosten erstatten, sondern auch einen ordentlichen Teil
für Wertminderung des Unfallwagens, Auslagen und Nutzungsausfall für die
Zeit der Reparatur. Die Rechnung für das Finanzamt könnte dann z. B. so aus-
sehen:

Aufgrund einer außergerichtlichen Vereinbarung gezahlte Kostenerstat-


tung an Herrn/Frau . . . . . für den von mir auf dem Weg zur Arbeit
verursachten Unfallschaden am . . . . (Datum) mit dem Fahrzeug . . . .
(Kennzeichen):
Reparaturkosten lt. Rechnung Autohaus Schnell 2 535,50 €
Pauschaler Auslagenersatz für Telefonate, Porto etc. 50,00 €
Wertminderung für das Unfallfahrzeug lt.
außergerichtlicher Vereinbarung 600,00 €
Nutzungsausfall während der Reparatur
8 Tage à 45,00 € 360,00 €

 als Werbungskosten abzugsfähiger Unfallkostenersatz 3 545,50 €



Damit später alles wirklich wasserdicht ist, wirst Du den Betrag auf den Cent
genau auf das Konto Deines Herzblatts überweisen. Dass Du auf diese Weise

78049-7_s001-816.indb 165 28.08.2007 14:28:54 Uhr


166 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

sogar die Wertminderung absetzen kannst, die man Dir beim Unfall mit dem
eigenen Wagen immer streicht, wird die Fiskalritter dabei besonders ärgern . . .
(Schwierigkeiten? Diesmal steht Dir das Urteil in den EFG 1993 S. 647 bei.)
Was, wenn Du nach einem Autounfall gesundheitlich so schlecht dran bist, dass
Du deswegen in Kur fährst, durch eine Physiotherapeutin behandelt wirst oder
zu Gymnastikkursen gehst? Dann kannst Du die Kosten dafür dem Finanzamt
als Betriebsausgaben/Werbungskosten in Rechnung stellen (BStBl 1960 III
S. 511).

Nutz diesen Vorteil bei einem Unfall!

239 Hast Du eine Dienstreise mit Deinem privaten Pkw durchgeführt und dabei 239
einen Unfall verursacht, so kannst Du, wenn Du das Fahrzeug nicht reparieren
lässt, den Wertverlust bei den Einkünften aus nichtselbständiger Tätigkeit als
Werbungskosten geltend machen (FG München v. 7. 12. 2001 – Az 1 K
5272/00).
Sei besonders auf der Hut, wenn Du handwerklich begabt bist und aus Kosten-
gründen den Unfallschaden selbst reparierst. Die Wertminderung durch den
Unfall sollst Du dann nämlich nicht absetzen können. Lediglich die Reparatur-
kosten gestehen Dir die Herren Geiz & Co. beim Bundesfinanzhof zu (BFH-
Urteil v. 27. 8. 1993 – BStBl 1994 II S. 235). Sage dem Finanzamt also: »Das Auto
wurde bisher nicht repariert, sondern nur notdürftig fahrtüchtig gemacht.« Nun
kann das Finanzamt Dir die Wertminderung nicht streichen. Mit der Reparatur
wartest Du, bis Dein Steuerbescheid rechtskräftig geworden ist . . .

240 Bei einem Totalschaden an Deiner Kiste kannst Du den Restwert vor dem Un- 240
fall absetzen. Die Differenz zum Kaufpreis Deines neuen Autos ist dagegen
weder als Werbungskosten noch als außergewöhnliche Belastung abzugsfähig,
weil insoweit keine Vermögensminderung eingetreten ist (FG Niedersachsen v.
10. 11. 1988 – NWB 1989 Fach 1 S. 217).

Pass bei Totalschaden auf!

Nach Meinung des BFH (BStBl 1995 I S. 318) soll als Restwert nicht der tat-
sächliche Wert Deines Autos anerkannt werden, es wird also nicht auf die
Schwacke-Liste oder ein Gutachten zurückgegriffen. Der Restwert ergibt sich

78049-7_s001-816.indb 166 28.08.2007 14:28:54 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 167

vielmehr aus den Anschaffungskosten nach Abzug einer fiktiven Abschreibung


bis zum Unfall. Fazit: Wenn Deine Mühle älter als acht Jahre war (FG München
v. 7. 12. 2001 – 1 K 5272/00), schaust Du ganz schön alt aus. Bei einer steuerlichen
Nutzungsdauer für Pkw von acht Jahren beträgt der Restwert nämlich 0 €. Bei
einem älteren Auto solltest Du Dir einen irreparablen Totalschaden also mög-
lichst verkneifen, weil zum Ärger über den Unfall auch noch der Frust bei der
Steuer kommt. Bei jüngeren Autos rechnet das Finanzamt so:
Anschaffungskosten im Januar 2005 36 000 €
Abschreibung bis zum Unfall im April 2007
= 27 Monate: 27/96  36 000 € – 10 125 €
Restwert zum Zeitpunkt des Unfalls 25 878 €

Macht das Finanzamt bei dieser Berechnung nicht mit, weil die Nutzungsdauer
für Pkw lt. amtlicher Tabelle nur sechs Jahre beträgt, wehre Dich dagegen mit
dem BFH-Urteil vom 29. 3. 2005 (IX B 174/03, NWB EN-Nr. 329/2006), das
ebenfalls von einer Nutzungsdauer von acht Jahren ausgeht.
Das Steuerrecht ist ja so gerecht: Das Mehr an unfallbedingten Versicherungs-
kosten – mehr durch Verlust des Schadensfreiheitsrabatts – kann der Selbstän-
dige absetzen, der Nichtselbständige nicht (BFH – BStBl 1986 II S. 886)!
Natürlich musst Du die Unfallkosten selbst getragen haben. Hat sie die Versi-
cherung bezahlt, solltest Du sie nicht bei der Steuer geltend machen, wenn Du
keinen Ärger haben möchtest. Zahlte Dir die Versicherung nur einen Teil,
kannst Du den Rest natürlich sehr wohl geltend machen.

Verdiene mit kaputten Scheiben 1 000 € und mehr!

241 Diesmal richtet sich mein Trick nicht gegen das Finanzamt. Ich habe nämlich ein 241
Eisen im Feuer, wie Du Dich bei Versicherungen schadlos hältst: Wenn Du
schon die Fiskalritter nicht mit dem Unfall zur Kasse bitten kannst, solltest Du
wenigstens versuchen, bei der Autoversicherung so viel wie möglich zu kas-
sieren.
»Ja, wie denn?«, fragst Du. »Ich war doch dummerweise mit der alten Karre
nicht mehr vollkaskoversichert. Und da ich die Rostlaube selbst gegen den
Baum geschmettert habe, zahlen doch die Versicherungsfritzen keinen Cent.«
Dazu musst Du wissen, dass bei der Teilkasko Glasbruch mitversichert ist. Auch
bei einem selbstverschuldeten Unfall muss die Versicherung Dir über die Teil-
kasko jedes beschädigte Glasteil am Auto ersetzen. Du wirst Dich wundern, wie
viel Glas an so einem Auto ist. Nicht nur die Scheiben, auch Spiegel, Scheinwer-

78049-7_s001-816.indb 167 28.08.2007 14:28:54 Uhr


168 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

fer, Blinker, Sonnendach sind aus zerbrechlichem Material. Lass Dir bei einem
Totalschaden von Deiner Werkstatt unbedingt eine Aufstellung über die de-
fekten Glasteile und deren Preise geben. Natürlich nur für die, die beim Unfall
zerbrochen sind. Die Scheiben, die Deine Kinder beim Spielen in dem Wrack
nachträglich zerdeppert haben, fallen nicht unter die Kaskoversicherung. Die
Aufstellung reichst Du dann zusammen mit ein paar Fotos bei der Versicherung
ein, und schon kommt ein warmer Geldsegen, der ohne weiteres 500 bis 1 000 €
betragen kann.

Aufstellung der Unfall- und Berufskosten


1. Reparaturrechnung vom . . . der Firma . . . über 2 410 €
Weitere Schäden durch Unfall:
a) vom Sitz geschleuderter Laptop
Wiederherstellungskosten lt. Rechnung 40 €
b) von der Ablage gefallene Minolta-Kamera
(Wiederherstellungskosten) 225 €
Zerstörung der Brille . . . Kosten einer neuen 100 €
Ausgelaufenes Benzin 20 €
Bekleidungsschaden (Reinigungskosten, Wertminderung) 150 €
Arztrechnung 100 €
Anwaltskosten und Gerichtsgebühren
(BFH vom 2. 3. 1962 – BStBl 1962 III S. 192) 400 €
Sonstige Kosten: Telefonate, Taxifahrten zur Versicherung,
Kosten der Korrespondenz 50 €
Unfallkosten 3 495 €

242 c) Gemeinsame Fahrten von Eheleuten 242


So richtig vorteilhaft wirkt sich die Entfernungspauschale für Dich aus, wenn
Du gemeinsam mit Deinem Ehegatten zur Arbeit fährst. Egal, ob jeder selbst
mit dem Auto fährt, ob Ihr am selben Ort arbeitet und mit dem gemeinsamen
Auto fahrt oder Du Deine bessere Hälfte erst zur Arbeit bringst, dann zur eige-
nen Arbeitsstätte weiterfährst und Dein Schätzchen abends wieder abholst – Ihr
kassiert auf jeden Fall beide die Entfernungspauschale für den jeweiligen Ar-
beitsweg. Im Idealfall also die doppelte Pauschale.

Beispiel
Du fährst morgens Deinen Ehegatten nach A (40 km), anschließend fährst Du
weiter zu Deiner Arbeit nach B (30 km). Abends machst Du die gleiche Tour in
umgekehrter Richtung. Die direkte Entfernung von Eurer Wohnung nach A
beträgt 40 km, nach B 35 km.
Und so rechnet Ihr beim Finanzamt die Entfernungspauschalen ab:
Ehemann: (40 km – 20 km =) 20 km  0,30 €  230 Tage = 1 380 €
Ehefrau: (35 km – 20 km =) 15 km  0,30 €  230 Tage = 1 035 €

78049-7_s001-816.indb 168 28.08.2007 14:28:55 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 169

243 d) Fahrtkosten bei Einsatzwechseltätigkeit Das Finanzamt stuft Deinen Beruf 243
als Einsatzwechseltätigkeit ein, wenn Du für dieselbe Firma in ständigem Wech-
sel an immer wieder neuen Orten arbeitest und nicht zwischendurch regelmä-
ßig an ein und dieselbe feste Arbeitsstelle zurückkehrst. Typische Berufe mit
Einsatzwechseltätigkeit sind z. B. Bau-, Montagearbeiter, Leiharbeitnehmer,
Rohrleitungsbauer, Gleisbauarbeiter, Kundendienstmonteure, Anwärter der
Zollverwaltung, Rechtsreferendare und Springer einer Betriebsreserve für Fili-
albetriebe. Geht Dein Beruf als Einsatzwechseltätigkeit durch, wirkt sich das
günstig auf Deine Fahrtkosten aus.

Zu weiteren Einzelheiten vgl. E Rz 173, E Rz 194, E Rz 196.

244 Die Nahzone (30 km) Von Fahrten in die Nahzone spricht man, wenn Deine 244
Einsatzstelle nicht mehr als 30 km von Deiner Wohnung entfernt liegt. Der
Haken daran ist, dass der Fiskus Dir für diese Fahrten mit dem eigenen Kfz
nur die Entfernungspauschale zugestehen will. Das bedeutet für Dich, dass
ab 2007 wegen der Kappung der ersten 20 km kaum Werbungskosten übrig
bleiben.

Ein kleiner Umweg, der viel Geld bringt!

Du bist Maurer, und Deine Baustelle ist nur 28 km von Deiner Wohnung ent-
fernt. Wegen lächerlicher 2 km geht Dir ein schöner Batzen Geld durch die
Lappen. Doch warum fährst Du eigentlich den kürzesten Weg zur Baustelle, wo
Du über einen kleinen Umweg von 3 km viel schneller vorwärtskommst? Für
die Frage, ob Deine Baustelle in der Nah- oder der Fernzone liegt, kommt es
nämlich nicht auf die direkte Entfernung zu Deiner Wohnung an, sondern auf
die kürzeste benutzbare Straßenverbindung oder eine offensichtlich verkehrs-
günstigere Strecke. Weil Du durch den Umweg viel Zeit einsparst, ist Deine
Strecke zeitlich kürzer. Damit zählt der Umweg bei der Entfernungsberech-
nung mit, und Deine Baustelle liegt in der Fernzone. Für Dich bringt das statt
(8 km  0,30 €  230 Tage =) 552 € sage und schreibe (31 km  0,60 €  230
Tage =) 4 278 €. Na, die 3 km Umweg haben sich ja wohl gelohnt. Du entgehst
der Kappung der ersten 20 km und kassierst obendrein die doppelt so hohe
Dienstreisepauschale von 0,30 € je tatsächlich gefahrenen km (= 0,60 € je Ent-
fernungskilometer).

78049-7_s001-816.indb 169 28.08.2007 14:28:55 Uhr


170 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Wie Du trotz Sammelbeförderung


Fahrtkosten absetzt!

245 Nicht alle Einsatzwechseltätigen, die von ihrer Firma per steuerfreiem Sammel- 245
transport (E Rz 230) zur Arbeit gebracht werden, schauen bei der Entfernungs-
pauschale komplett in die Röhre.
Wirst Du z. B. nicht zu Hause abgeholt, sondern fährst morgens erst mehr als
20 km zu Deiner Firma oder einem Treffpunkt und steigst dort mit den anderen
Kollegen in den Firmenbus, steht Dir für diese Fahrt die Entfernungspauschale
für die Kilometer über 20 km selbstverständlich zu.
Aufgepasst, wenn Dich Dein Brötchengeber zwar zur Einsatzstelle transpor-
tiert, Dir dafür aber einen finanziellen Obolus in Form einer Fahrtkostenbetei-
ligung abknöpft. Zwar bekommst Du dann trotzdem keine Entfernungspau-
schale, aber Du kannst den Fahrtkosten-Obolus als Werbungskosten absetzen.
Wenn sich der für Dich zuständige Fiskalvertreter damit schwertut, hilf ihm mit
einem Hinweis auf § 9 Abs. 2 EStG. Allerdings darfst Du nur den Teil Deines
Obolus absetzen, der auf die Fahrtstrecke ab dem 21. km entfällt.

Liebe Leser, ich spare mir an dieser Stelle jeden Kommentar!

Einmal heraus aus dem 30-km-Kreis!

246 Für alle Kundendienstmonteure und wer sonst noch mehrere Einsatzstellen am 246
selben Tag anfährt, heißt es richtig planen. Richtet Eure Tour so ein, dass we-
nigstens ein Kunde in der Fernzone liegt. In diesem Fall könnt Ihr alle Fahrten,
auch die in der Nahzone, mit 0,30 € je gefahrenen Kilometer absetzen.
Klappt das nicht, dann gilt folgende Regelung:
● Für die Fahrt zum ersten Kunden (nur die halben Pauschale, da ohne Rück-
fahrt) macht 0,15 € je Entfernungskilometer ab dem 21. km,
● von Kunde zu Kunde 0,30 € je gefahrenen Kilometer,
● vom letzten Kunden zurück (nur die halben Pauschale, da ohne Hinfahrt)
macht wiederum 0,15 € je Entfernungskilometer ab dem 21. km geltend.
Also: Sei schlau und lege die Tour so, dass von den beiden nächstgelegenen
Kunden der eine am Anfang und der andere am Ende des Tages besucht wird.

78049-7_s001-816.indb 170 28.08.2007 14:28:56 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 171

Du arbeitest in einer Zweigniederlassung oder Filiale?

247 Dann sei clever: Fahre nicht gleich frühmorgens zur Filiale, wofür Du nur den 247
Satz von 0,30 € ab dem 21. Entfernungskilometer geltend machen kannst. Fahr
stattdessen – sofern das einigermaßen praktisch und plausibel ist – zuerst den
Hauptsitz Deines Betriebs an, besprich dort z. B., was in der Filiale zu tun ist,
und setz Dich erst dann zur Niederlassung in Trab.
»Und wieso soll das ein Vorteil sein?«, fragst Du.
Weil Du für die anschließende Filialfahrt den Kilometersatz der Dienstreise
geltend machen kannst. Und dafür spendiert Dir der Fiskus 0,60 € pro Entfer-
nungskilometer.

für Berufsschüler und Auszubildende

248 Ob die Berufsschule, der Lehrgangsort oder das Seminar für Dich zur regelmä- 248
ßigen Arbeitsstätte wird, hängt entscheidend davon ab, wie viel Zeit Du dort
verbringst und wie wichtig die Arbeit dort im Verhältnis zu Deiner praktischen
Arbeit im Betrieb ist. Hast Du z. B. längeren Blockunterricht oder absolvierst
einen längeren Lehrgang, läufst Du Gefahr, dass man Dir die Berufsschule oder
den Lehrgangsort nach drei Monaten als zweite regelmäßige Arbeitsstätte zu-
rechnet und Du Deine Fahrtkosten nur noch mit der mickrigen Entfernungs-
pauschale absetzen kannst.
Aus dieser Falle brichst Du aus, wenn Du sagen kannst, der Teil Deiner Arbeit,
den Du in der Schule oder in Seminaren erledigst, sei gegenüber dem Rest Dei-
ner Ausbildung von untergeordneter Bedeutung. Das ist gar nicht so schwer. Da
der Fiskus und die Gerichte vor allem auf den zeitlichen Umfang Deiner jewei-
ligen Tätigkeit und deren Bedeutung schauen, stellst Du dich auf folgenden
Standpunkt: »Theorie und Praxis sind für mich natürlich von gleich großer Be-
deutung, deshalb kommt es nur darauf an, dass ich nicht längere Zeit am Stück
in der Berufsschule oder an meinem Lehrgangsort bin, unter dem Strich dort
weniger Zeit als im Betrieb verbringe und regelmäßig in den Betrieb meines
Brötchengebers zurückkehre.«
Ergo kannst Du Deine Fahrtkosten immer dann ohne zeitliche Begrenzung mit
den hohen Dienstreisepauschalen von 0,30 € je Kilometer – und ohne Kappung

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172 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

der ersten 20 km – absetzen, wenn Du in folgendem Rhythmus Unterricht


hast:
● je ein bis zwei Tage pro Woche oder
● je ein bis zwei Wochen im Block pro Monat.
Dann kannst Du Dich auch nach vier, fünf oder zehn Monaten noch über die
Dienstreisepauschalen freuen. Bedanken darfst Du Dich dafür bei den obers-
ten Finanzrichtern in München, die mit ihrem BFH-Urteil vom 18. 5. 2004
(BStBl II 2004 S. 962) für diesen Sinneswandel gesorgt haben.

Aber auch, wenn Du von diesem Urteil auf den ersten Blick nicht profitieren
kannst, weil Dein Blockunterricht oder Deine Lehrgänge zu lange dauern, ist
noch nicht alles verloren – dank der Unterbrechungsklausel des R 37 Abs. 2
Nr. 1 LStR. Danach führt jede Unterbrechung von mindestens vier Wochen,
außer durch Urlaub oder Krankheit, zu einem Neubeginn der Dreimonatsfrist.
Da Urlaub und Krankheit aber immer dem Ort zugerechnet werden, an dem
Du bei deren Beginn tätig warst, wirst Du einen längeren Urlaub so legen, dass
er der Arbeitsstätte und nicht der Berufsschule zugerechnet wird. Falls es nur
drei Wochen Urlaub sind, kannst Du der Unterbrechung auch ausnahmsweise
damit auf die Sprünge helfen, dass Du Dir den Berufsschultag in der ersten
Woche nach den Ferien schenkst und bei Deinem Brötchengeber schaffst.

Reisekosten für Bauleiter und andere!

249 Als Bauleiter tätige Arbeitnehmer werden ihre regelmäßige Arbeitsstätte fast 249
immer am Betriebssitz haben. Sie führen damit bei ihrer Tätigkeit auf der aus-
wärtigen Baustelle Dienstreisen aus und können somit die tatsächlichen Fahrt-
kosten – mindestens 0,30 € je gefahrenen Kilometer – zusätzlich zu den Pausch-
sätzen für Verpflegungsmehraufwand E Rz 176 geltend machen.
Für die regelmäßige Arbeitsstätte reicht ja schon aus, wenn Du ein- oder zwei-
mal pro Woche kurz in Deiner Firma auftauchst, um ein paar Sachen zu erledi-
gen oder Unterlagen abzuholen.
Bist Du also länger als drei Monate an derselben Baustelle tätig und droht Dir
daher ab dem vierten Monat der Verlust der Dienstreisepauschalen von 0,30 €
je km, dann entgehst Du dem mit derselben Begründung wie die Berufsschüler
in E Rz 248. Achte also darauf, dass Du pro Woche ein bis zwei Tage auf der

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4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 173

Baustelle und drei bis vier Tage im Betrieb oder zuerst ein bis zwei Wochen auf
der Baustelle, dann drei bis vier Wochen im Betrieb arbeitest.

250 Die regelmäßige Arbeitsstätte bringt nur dann Vorteile, wenn Deine Baustellen 250
überwiegend in der Nahzone liegen. In diesem Fall kannst Du bei Dienstreisen
im Gegensatz zur Einsatzwechseltätigkeit die Kilometerpauschale von 0,30 € je
gefahrenen Kilometer beanspruchen.
Liegen Deine Baustellen hingegen in der Fernzone (über 30 km von Deiner
Wohnung) oder hast Du an der Baustelle eine Unterkunft, ist die regelmäßige
Arbeitsstätte für Dich nicht günstig, denn dann machen die Fiskalritter nach
drei Monaten wieder eine zweite regelmäßige Arbeitsstätte aus der Baustelle
und Du setzt für Deine Fahrtkosten mit der Entfernungspauschale gegenüber
der Dienstreisepauschale nur noch die Hälfte ab. Für diesen Fall gilt:
Vermeide – wenn irgendwie möglich – dass Du regelmäßig zum Betrieb Deines
Arbeitgebers fährst.

251 e) Fahrgemeinschaften 251


Bei einer einseitigen Fahrgemeinschaft, bei der also lediglich eines der Mit-
glieder mit dem eigenen Auto fährt, die übrigen lediglich Mitfahrer sind, be-
kommt jedes Mitglied der Fahrgemeinschaft zunächst einmal die Entfernungs-
pauschale. Allerdings schauen die reinen Mitfahrer bei größeren Entfernungen
ein wenig in die Röhre, weil ihre Entfernungspauschale auf max. 4 500 € gede-
ckelt wird.
Beispiel
Du und Dein Nachbar Willi arbeiten im selben Betrieb. Da Willi kein Auto hat,
nimmst Du ihn immer mit zur Arbeit. Die einfache Entfernung liegt bei 100 km.
Die Entfernungspauschale beträgt 2007 zunächst einmal für beide
(100 km – 20 km =) 80 km  0,30 € = 24,00 €  230 Tage = 5 520 €
Da Du für die Fahrten Dein eigenes Auto benutzt, wird Deine Entfernungspau-
schale nicht gedeckelt. Du setzt also für Deine Fahrten 5 520 € als Werbungskos-
ten ab. Dein Nachbar Willi wird dagegen mit 4 500 € abgespeist.
Bei einer wechselseitigen Fahrgemeinschaft wird es ein bisschen komplizierter,
die Deckelung gilt nämlich nur für die Fahrten als Mitfahrer. Deshalb wird zu-
nächst einmal für jedes Mitglied der Fahrgemeinschaft die Entfernungspau-
schale für die Tage ermittelt, an denen es lediglich als Mitfahrer fungierte. Der
sich hierfür ergebende Betrag wird evtl. auf höchstens 4 500 € begrenzt. Zusätz-
lich zu diesem Betrag wird für jedes Mitglied die Entfernungspauschale ange-
setzt, die sich für die Arbeitstage ergibt, an denen es im Rahmen der Fahrge-
meinschaft jeweils selbst mit dem Auto gefahren ist.

78049-7_s001-816.indb 173 28.08.2007 14:28:57 Uhr


174 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Beispiel
Dein Nachbar Willi aus dem vorhergehenden Beispiel hat selbst ein Auto und
Ihr wechselt Euch mit dem Fahren ab. Dann könnt Ihr dem Finanzamt folgende
Rechnung aufmachen:
Du selbst Nachbar Willi
Entfernungspauschale
für reine Mitfahrtage 115  24,00 € 115  24,00 €
= 2 760 € = 2 760 €
+ Entfernungspauschale
für Fahrten mit eigenem Kfz 115  24,00 € 115  24,00 €
= 2 760 € = 2 760 €
Entfernungspauschale 5 520 € 5 520 €

252 f) Egal, wem das Auto gehört? 252


Jawohl, das ist ganz egal! Du darfst die Entfernungspauschale ohne Begrenzung
auf 4 500 € auch dann ansetzen, wenn Du mit einem geliehenen Auto zur Arbeit
fährst.
Du fährst in einem Auto zur Arbeit, das auf den Namen Deines alten Herrn
angemeldet ist, z. B. wegen günstiger Versicherungsprämien? Keine Sorge!
Setze beruhigt die Entfernungspauschale ab. Die kannst Du nämlich auch für
ein geliehenes oder Dir zur Nutzung überlassenes Auto geltend machen. Ob Du
die Kosten für den Wagen trägst, spielt dabei keine Rolle (R 42 Abs. 2 LStR).
Übrigens gilt das auch für den Wagen, den Dir Dein Bruder, Onkel, Arbeitskol-
lege, Freund, Deine Freundin, Herr Hinz oder Frau Kunz leihen. Besonders er-
freulich für Dich ist, dass Du auch mit einem geliehenen Auto nicht von der
Kostendeckelung auf 4 500 € betroffen bist.

Drehen wir denen den Hahn zu. Zahlen wir


Steuern auf Sperrkonten. Dann können sie sich
die Penunzen anschauen wie Jagdhunde ein
Karnickel im Käfig, dass ihnen vor Gier der
Geifer aus dem Mund tropft.
(Sybil Gräfin Schönfeldt im ZEIT-Magazin)

253 g) Hast Du mehr als eine Wohnung? 253


Als Ausgangspunkt für die Fahrten zur Arbeit kommt jede eigene Wohnung in
Betracht, die Du regelmäßig zur Übernachtung nutzt (R 42 Abs. 1 LStR).
Besitzt Du etwa eine Zweitwohnung, weil Du und Dein Ehepartner vielleicht
eine moderne Ehe führen, bei der Mann und Frau getrennt wohnen, sind die
anfallenden Fahrtkosten zur Arbeitsstätte von der weiter entfernt liegenden
Wohnung abziehbar, wenn diese (zumindest zeitweise) Mittelpunkt des häus-
lichen Lebens ist. Theater mit dem Finanzamt gibt es aber, wenn Du Eure ge-
meinsame Wohnung nicht mindestens sechsmal im Jahr aufsuchst.

78049-7_s001-816.indb 174 28.08.2007 14:28:57 Uhr


4. Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte 175

Wenn Du als Lediger noch einen zweiten Wohnsitz bei Deinen Eltern hast oder
gar ein Einfamilienhaus Dein Eigen nennst, ansonsten aber in der Nähe Deines
Arbeitsorts eine Zweitwohnung unterhältst, kannst Du auch die gelegentlichen
Fahrten von Deinem Eigenheim aus beim Finanzamt als Fahrtkosten zwischen
Wohnung und Arbeitsstätte geltend machen – egal, wie weit Du fährst (BStBl
1986 II S. 221). Wichtig ist nur: Dort muss der Mittelpunkt Deiner Lebensinter-
essen sein. Mittelpunkt der Lebensinteressen ist nach Meinung des Bundesfi-
nanzhofs der Ort, zu dem Du die größten persönlichen Bindungen hast. Liegt
Deine Zweitwohnung in der Nähe Deiner Eltern und Angehörigen, berufe
Dich darauf, und der Fahrtkostenabzug ist gesichert. Aber auch eine andere
Wohnung lässt sich schnell zum Lebensmittelpunkt umfunktionieren. Tritt in
einen Verein ein und suche Dir eine nette Frau/einen netten Mann am Ort, von
der/dem Du dem Finanzamt gegenüber als von Deiner/Deinem Verlobten spre-
chen kannst. Damit hast Du sichergestellt, dass Deine Fahrtkosten beim Finanz-
amt durchgehen. Wenn Du dann noch mindestens zwei Fahrten im Monat zu
dieser Wohnung geltend machst, bleibt auch dem streichwütigsten Fiskalisten
nichts anderes übrig, als zu kapitulieren. Verweise ihn notfalls auf R 42 Abs. 1
S. 8 LStR.

für Heimfahrten

Gute Nachrichten für alle, die es nicht immer schaffen, mindestens zweimal mo-
natlich oder bei weit entferntem Lebensmittelpunkt mindestens sechsmal im
Jahr nach Hause zu fahren. Der BFH meinte nämlich recht großzügig, die An-
zahl der Fahrten sei zwar ein Indiz, aber der Lebensmittelpunkt müsse nach den
Gesamtumständen festgestellt werden und der auswärtige Wohnort könne auch
dann als Lebensmittelpunkt anerkannt werden, wenn nur drei Fahrten im Jahr
dorthin stattgefunden hätten (BFH-Urt. v. 10. 2. 2000 VI R 60/98, BFH/NV 2000
S. 949). Für entscheidend hielt der BFH, dass der Aufenthalt am Arbeitsort be-
fristet war, die dort bezogene Wohnung gegenüber der Hauptwohnung am Le-
bensmittelpunkt nach Größe und Ausstattung minderwertig war und der Steu-
erzahler am Arbeitsort keinen privaten Bekanntenkreis aufgebaut hatte. In die
gleiche Kerbe schlug der BFH mit seinem Urteil vom 26. 11. 2003 (BStBl 2004 II
S. 233).

Das deutsche Steuerrecht ist überkompliziert,


undurchsichtig, oft ungerecht. So sehr, dass man es
als Hochschullehrer heute nicht mehr ohne Scham
unterrichten kann.
(Prof. Klaus Vogel, Staatsrechtler)

78049-7_s001-816.indb 175 28.08.2007 14:28:57 Uhr


176 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

254 Bist Du verheiratet, liegt der Mittelpunkt Deiner Lebensinteressen immer in 254
der Wohnung, in der Deine Familie wohnt. Ist das die weiter entfernte Woh-
nung, gehen Deine Fahrtkosten in der Regel sowieso als Familienheimfahrten
im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung durch.
Schwieriger wird die Sache, wenn Du mit Deiner Familie zwei Wohnungen un-
terhältst. Jetzt musst Du dem Finanzamt beibringen, dass die weiter entfernte die
eigentliche Familienwohnung und damit Dein Lebensmittelpunkt ist. Steine legt
Dir dabei das Finanzgericht Köln in den Weg. Dessen Richter meinten nämlich,
der Hauptwohnort einer Familie richte sich nicht danach, wo der Steuerzahler
mit seiner Familie mehr Tage im Jahr verbringt, sondern haben stattdessen die
Wochen gezählt, in denen sich die Familie jeweils in ihren Wohnungen aufhielt.
Die Wochenenden haben sie unfairerweise nicht mitgezählt (EFG 1995 S. 14).
Man muss kein Hellseher sein, um zu erkennen, dass sie damit den Lebensmit-
telpunkt aus der weiter entfernt liegenden Wohnung in die näher gelegene ver-
legt haben und der Fahrtkostenabzug für die weiten Fahrten zum Teufel war.
Ich meine, solchen Entscheidungen muss Einhalt geboten werden. Es geht doch
nicht an, dass der Fiskus seine Regeln mal so und mal anders auslegt. Ständig
zählen die Fiskalritter fleißig die Aufenthaltstage, wenn es auf den überwie-
genden Aufenthalt im Jahr ankommt, so z. B. bei der Frage, ob Du unter die
Steuerbefreiung eines Doppelbesteuerungsabkommens fällst oder bei welchem
Finanzamt Du Deine Steuererklärung abgeben musst. Das gilt nach § 19 Abs. 1
AO auch für Familien. Hält sich also Deine Familie (Wochenenden, Ferien und
Feiertage mitgerechnet) mehr als 182 Tage in A-Dorf auf, ist für Deine Steuer-
erklärung das Finanzamt A-Dorf zuständig. Es muss doch auch dem borniertes-
ten Finanzbeamten einleuchten, dass er dann nicht plötzlich wochenzählender-
weise Deinen Lebensmittelpunkt nach B-Stadt verlegen kann.

255 5. Häusliches Arbeitszimmer 255

256 a) Ganz oder gar nicht, so lautet die Devise 256


Auch beim häuslichen Arbeitszimmer geht es um das leidige Thema der ge-
mischten Aufwendungen. Wird das Arbeitszimmer nämlich sowohl beruflich als
auch privat genutzt, müsste der beruflich veranlasste Teil der Aufwendungen
vom privat veranlassten getrennt werden. Da eine solche Trennung aber bei
einem einzelnen Raum nicht leicht und einwandfrei möglich ist, lässt der Fiskus
überhaupt nichts zum Abzug zu und rechnet alle Aufwendungen zu den nicht
abziehbaren der privaten Lebensführung (§ 12 EStG).
Also lautet die Devise: Das Arbeitszimmer wird so gut wie gar nicht privat (unter
10 %) genutzt. Nur wenn Du das sagen kannst, ist der Weg für den Abzug frei.

78049-7_s001-816.indb 176 28.08.2007 14:28:58 Uhr


5. Häusliches Arbeitszimmer 177

257 b) Die Abzugsbeschränkungen beim Arbeitszimmer 257


Selbst wenn Du nachweislich ein steuerlich astreines, 100 % beruflich genutztes
Arbeitszimmer Dein Eigen nennst, lässt der Fiskus ab 2007 die Kosten nur noch
dann zum Abzug zu, wenn sich in Deinem Arbeitszimmer der Mittelpunkt Dei-
ner gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit befindet. In diesem Fall
kannst Du Deine Arbeitszimmerkosten zu 100 % von der Steuer absetzen.
Die bisherigen Ausnahmen, nach denen der Abzug von Arbeitszimmerkosten
bis zu 1 250 € im Jahr möglich war, wenn Du mehr als 50 % Deiner gesamten
betrieblichen und beruflichen Tätigkeit in Deinem Arbeitszimmer erledigt hast
oder wenn Dir für Deine Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung
stand, hat der Fiskus ersatzlos gestrichen.
Damit kommt es für ganze Heerscharen von Arbeitszimmernutzern und kom-
plette Berufsgruppen zu einem regelrechten Kahlschlag beim Abzug ihrer Ar-
beitszimmerkosten. Vor allem Lehrer, Richter, Azubis schauen in die Röhre.
Nicht viel besser geht es Dir, wenn Du im Nebenberuf auf den Raum angewie-
sen bist, um Dich dort vorzubereiten oder gelegentlich einen Fachaufsatz zu
schreiben.
Trotzdem ist nicht aller Tage Abend! Die Richter des Bundesfinanzhofs sind
bereits seit einigen Jahren auf dem Kriegspfad gegen die Beschränkungen beim
Kostenabzug für Arbeitszimmer. Ganz feinsinnig haben sie sich am Gesetzes-
wortlaut entlanggehangelt und entschieden, dass in einer ganzen Reihe von
Fällen die steuerlichen Abzugsbeschränkungen nicht greifen. In folgenden Fäl-
len wirft Dir der BFH sozusagen einen steuerlichen Rettungsanker zu, mit dem
Du weiterhin Deine Arbeitszimmerkosten in voller Höhe als Werbungskosten
oder Betriebsausgaben durchdrücken kannst.

1. Die Abzugsbeschränkung gilt nur für Arbeitszimmer im eigentlichen Wort-


sinn. Ist der von Dir beruflich genutzte Raum also kein »Arbeitszimmer«,
gibt es auch keine Problem beim Kostenabzug.
2. Der Kostenabzug kann Dir zudem nur versagt werden, wenn es sich bei Dei-
nem Arbeitszimmer um ein häusliches Arbeitszimmer handelt. Ein Arbeits-
zimmer, das nicht zu Deinem Wohnbereich gehört, unterliegt folglich keiner-
lei steuerlichen Abzugsbeschränkungen.

Lass es also gar nicht erst zum


»Arbeitszimmer« kommen!

258 Sämtlichem Ärger um den beschränkten Abzug Deiner Arbeitszimmerkosten 258


gehst Du aus dem Weg, wenn Du Deine beruflich genutzten Räume gar nicht

78049-7_s001-816.indb 177 28.08.2007 14:28:58 Uhr


178 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

erst unter der verfänglichen Bezeichnung »häusliches Arbeitszimmer« dekla-


rierst. Denn nur für »häusliche Arbeitszimmer« darf der Fiskus den Rotstift
ansetzen. Wenn Dein Arbeitszimmer also nicht in die Kategorie »Mittelpunkt
Deiner gesamten Tätigkeit« fällt, verfährst Du nach folgender Strategie:
● Mach aus Deinem beruflich genutzten Raum z. B. eine Werkstatt, ein Studio
oder eine Praxis!
● Verfrachte Dein Arbeitszimmer aus den eigenen vier Wänden heraus!

Räume, die begrifflich kein Arbeitszimmer darstellen: Hier hilft der BFH mit
seiner Grundsatzentscheidung vom 16. 10. 2002 (BStBl II 2003 S. 185). Ein steu-
erlich anrüchiges Arbeitszimmer sei nämlich nur ein Raum in Deinem häus-
lichen Privatbereich, der vorwiegend zur Erledigung gedanklicher, schriftlicher,
verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten dient oder künstle-
risch genutzt wird und deshalb büromäßig eingerichtet ist und auch so genutzt
wird, also mit Bücher- und Aktenschränken bzw. -regalen, Aktenbock und ähn-
lichen »Büromöbeln« sowie mit Büchern, Aktenordnern, Schreibmaschine oder
Computer und ähnlichen Arbeitsmitteln ausgestattet ist. Dem hat sich inzwi-
schen auch der Fiskus wohl oder übel anschließen müssen (BMF-Schreiben v.
3. 4. 2007 – BStBl I 2007).
Nennst Du Deine Stube Werkstatt, Tonstudio (BFH v. 28. 8. 2003 – BStBl II 2004
S. 55) oder Praxis, wie die Ärztin, die in einem Zimmer ihrer Wohnung eine
Notfallpraxis unterhielt (BFH v. 5. 12. 2002 – BStBl II 2003 S. 463), kannst Du
ohne Einschränkung alle auf das Arbeitszimmer entfallenden Kosten absetzen,
egal, ob die nun 100 € oder 13 500 € betragen. Ebenfalls gute Karten hast Du,
wenn Du den Raum nur als Lager für Waren oder Werbemuster etc. nutzt.
Allerdings verlangt der BFH zusätzlich, dass die Räume erkennbar dem Publi-
kumsverkehr gewidmet sind. Sie sollten daher so liegen, dass sie sich von Dei-
nen übrigen Wohnräumen abheben, also möglichst über einen zumindest op-
tisch getrennten Eingangsbereich verfügen und nicht ausschließlich über an-
dere Räume Deiner Wohnung erreichbar sind (BFH v. 20. 11. 2003 – BStBl II
2005 S. 203).

für die Praxis zu Hause

Du funktionierst am besten Räume direkt neben der Eingangstür um, damit


Deine Kunden und Patienten nicht erst durch die halbe Wohnung laufen müs-
sen. Idealerweise trennst Du die übrigen Räume Deiner Wohnung durch eine
zusätzliche Tür im Flur ab.
Die Finanzämter erkennen nach dem BMF-Schreiben vom 3. 4. 2007 (s. o.) für
folgende Räume an, dass es sich nicht um Arbeitszimmer handelt:

78049-7_s001-816.indb 178 28.08.2007 14:28:58 Uhr


5. Häusliches Arbeitszimmer 179

● Freiberuflerpraxen, wenn die Räume für einen intensiven und dauerhaften


Publikumsverkehr vorgesehen sind.
● Büroräume, die sich zusammen mit anderen angrenzenden Betriebsräumen
im Haus des Steuerzahlers befinden.

259 Raus mit Deinem Arbeitszimmer aus den eigenen vier Wänden! 259
Wenn Dein Arbeitszimmer nicht mehr »häuslich« ist, d. h. keine Verbindung zu
Deiner Privatwohnung hat, greifen die Einschränkungen ebenfalls nicht und
Du kannst die vollen Kosten absetzen. Bei dieser Frage haben sich die Richter
beim BFH wieder einmal als feine Uhrmacher erwiesen und in einem ganzen
Sack von Entscheidungen einmal so und einmal anders entschieden. Worauf Du
besonders achten musst:
● Arbeitszimmer in der eigenen Wohnung oder im Einfamilienhaus
Ein Arbeitszimmer im eigenen oder gemieteten Einfamilienhaus oder in Dei-
ner Miet- bzw. Eigentumswohnung ist immer ein »häusliches« und fällt unter
die Abzugsbeschränkungen (BFH v. 26. 2. 2003 – BStBl II 2004 S. 75). Der steu-
erliche Erfolg bleibt Dir immer dann verwehrt, wenn Dein Arbeitszimmer in
unmittelbarer Nähe zu Deinen privaten Wohnräumen liegt und mit diesen als
gemeinsame Wohneinheit verbunden ist.
Daher nutzt es Dir wenig, es in den Keller, unter das Dach oder in die Mansarde
zu verlegen. Auch bei einem Arbeitszimmer in einem separaten Anbau zu Deinem
Häuschen macht Dir der Fiskus den vollen Kostenabzug streitig. Dabei handle es
sich ebenfalls um ein »häusliches« Arbeitszimmer, meinte der BFH (Urteil v.
13. 11. 2002 – BStBl II 2003 S. 350). Der gebeutelte Steuerzahler hatte zwar recht
geschickt argumentiert, der Anbau habe keine unmittelbare Verbindung zum
Wohnhaus. Einen Strick hat man ihm aber daraus gedreht, dass er nur über seinen
Garten Zugang zu dem Anbau hatte. Und schon argumentierten die obersten
Steuerrichter: »Der Garten gehört mit zum häuslichen Bereich. Wenn das Arbeits-
zimmer also nur über den Garten zu erreichen ist, ist es ein häusliches!« Aus dem
selben Grund fällt somit ein Gartenhaus als Arbeitszimmer flach.

zum Arbeitszimmer im Anbau

Mit dem obigen Urteil hat der BFH gleich eine Hintertür aufgestoßen: Du
planst geschickter und legst den Zugang zu Deinem Arbeitszimmeranbau nicht
auf die Garten-, sondern auf die Straßenseite. Wenn Du sonstige Verbindungen
zu Deinem Wohnhaus vermeidest, steigen die Chancen.

78049-7_s001-816.indb 179 28.08.2007 14:28:59 Uhr


180 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

260 ● Gesondert angemietetes Arbeitszimmer 260


Wenn Du Dir irgendwo ein separates Büro anmietest, bist Du natürlich sonnen-
klar aus der kleinlichen Regelung für »häusliche Arbeitszimmer« heraus. In
diesem Fall kannst Du Deine sämtlichen Kosten für das Arbeitszimmer von der
Steuer absetzen.
Aufpassen musst Du allerdings immer dann, wenn Du den Raum im selben
Haus mietest, in dem Du Deine Wohnung hast. Mietest Du eine Wohnung auf
derselben Etage, reicht dem BFH schon die räumliche Nähe zu Deiner Privat-
wohnung, um Dir die Kosten zu kürzen. Dabei ist es egal, ob die »Bürowoh-
nung« direkt nebenan liegt (BFH-Urteil v. 26. 2. 2003 – BStBl II 2004 S. 69) oder
gegenüber (BFH-Urteil v. 26. 2. 2003 – BStBl II 2004 S. 72).
Also weichst Du geschickt auf eine andere Etage aus, und schon klappt der
Laden.

261 ● Arbeitszimmer im Mehrfamilienhaus 261


Den BFH stört vor allem, wenn Dein Arbeitszimmer auf derselben Etage liegt
wie Deine Privatwohnung. Darauf solltest Du Dich einrichten. Wenn Du Dich
also mit dem Gedanken trägst, Dir für Dein Büro im selben Haus Räume zuzu-
legen, weiche einfach auf eine andere Etage aus, und schon klappt es mit dem
vollen Abzug sämtlicher Arbeitszimmerkosten.

Ab mit Deinem Arbeitszimmer in den Keller!

262 Wohnst Du in einem Mietshaus, kannst Du steuerlich geschickt in den Keller 262
ausweichen. Aber Vorsicht! Richte Dir Dein Arbeitszimmer ja nicht in dem so-
wieso zu Deiner Wohnung gehörenden Kellerraum ein, denn der gehört nach
Meinung des Fiskus zu Deinem häuslichen Bereich. Stattdessen wirst Du einen
anderen Raum im Keller mieten und diesen zu Deinem Arbeitszimmer um-
funktionieren. Schon hast Du ein nicht »häusliches« und damit erstklassiges
und vor allem in vollem Umfang steuerbegünstigtes Arbeitszimmer, das Dir
den vollen Kostenabzug bei der Steuer garantiert. Will Dein Finanzamt nicht
mitziehen, bekommst Du Unterstützung durch das BFH-Urteil vom 26. 2. 2003
(BStBl II 2003 S. 515).

263 Übrigens: Wenn Du mit Deinem Vermieter verhandelst, schließe möglichst 263
einen eigenen Mietvertrag für den Kellerrraum ab. Vielleicht kannst Du ihn ja
überzeugen, Dir bei Deiner Wohnung einen Mietnachlass zu geben und statt
600 € nur 500 € Miete zu verlangen. Im Gegenzug kommst Du ihm bei der Miete

78049-7_s001-816.indb 180 28.08.2007 14:28:59 Uhr


5. Häusliches Arbeitszimmer 181

für den Kellerraum entgegen, denn schließlich mietest Du ja nun Büroflächen


an, und die sind bekanntlich viel teurer als Wohn- oder Kellerräume.

Im Zweifamilienhaus machst Du mit dem


Arbeitszimmer im Dachausbau ein Riesengeschäft!

264 Als stolzer Besitzer eines Zweifamilienhauses oder eines Einfamilienhauses 264
mit Einliegerwohnung kannst Du mit einem ganz einfachen Trick nicht nur ein
Arbeitszimmer absetzen, sondern dem Fiskus auch noch einen ansehnlichen
Teil Deiner Haus- und Finanzierungskosten ans Bein binden.
Und so funktioniert‘s: Du wohnst im Erdgeschoss. Die darüberliegende Woh-
nung ist vermietet. Wenn Du jetzt Dein Dach ausbaust und Dir dort Dein Ar-
beitszimmer einrichtest, sind Dein Arbeitszimmer und Deine Wohnung nicht
mehr unmittelbar miteinander verbunden. Du hast also kein »häusliches« Ar-
beitszimmer, und einem Kostenabzug steht nichts im Weg. Wichtig ist allerdings,
dass die vermietete Wohnung und das Arbeitszimmer über ein separates Trep-
penhaus bzw. einen Gemeinschaftsflur zu erreichen sind. Außerdem darfst Du
Dir im Dachgeschoss nicht noch andere Wohnräume einrichten. Wenn Du das
beachtest, winkt Dir mit dem Segen des BFH (BFH v. 18. 8. 2005 – BStBl II 2006
S. 428) eine beträchtliche Steuerersparnis.
Angenommen, die beiden Wohnungen sind jeweils 100 qm groß und Du rich-
test Dir unter dem Dach ein 50-qm-Arbeitszimmer ein. In diesem Fall würden
20 % Deiner gesamten laufenden Gebäudekosten, Zinsen, Abschreibung, Re-
paraturen etc. auf das Arbeitszimmer entfallen und wären als Werbungskosten
abzugsfähig.

Damit dieser Trick funktioniert, musst Du nicht unbedingt Fremde in Dein


Haus holen. Die Wohnung im Obergeschoss kannst Du auch an Deine Eltern
oder eines Deiner Kinder vermieten. Mit einem sauberen Mietvertrag und re-
gelmäßigen Mietzahlungen machst Du unter Umständen sogar noch ein dop-
peltes Geschäft: Wenn Du noch Einiges an Zinsen zahlen musst, ergibt sich aus
dem Mietverhältnis vielleicht ein steuerlicher Verlust, den Du zusätzlich abset-
zen kannst. Mit der doppelten Steuerersparnis aus diesem Abschreibungsmo-
dell des kleinen Mannes, die Du so einfährst, kann kein windiger Anlageberater
mit seinen Schiffsfonds oder überteuerten Immobilienbeteiligungen mithalten.

78049-7_s001-816.indb 181 28.08.2007 14:29:00 Uhr


182 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

265 Das Arbeitszimmer als Tätigkeitsmittelpunkt 265


Gelingt es Dir nicht, das Finanzamt davon zu überzeugen, dass der von Dir be-
ruflich genutzte Raum kein Arbeitszimmer oder zumindest kein häusliches Ar-
beitszimmer ist, kannst Du es nur noch absetzen, wenn es den Mittelpunkt Dei-
ner gesamten beruflichen und betrieblichen Tätigkeit darstellt. Dabei kommt es
darauf an, dass Du dort die Arbeiten durchführst und die Leistungen erbringst,
die für Deinen Job wesentlich und prägend sind.
Wenn Du als Heimarbeiter oder Schriftsteller Deine ganze Arbeit in Deinem
Arbeitszimmer erledigst, hast Du natürlich allerbeste Karten. Allerdings stellt
der Fiskus nicht auf die einzelnen Einkunftsquellen ab. Bist Du z. B. neben Dei-
ner Tätigkeit als Arbeitnehmer noch selbständig tätig, werden beide Bereiche in
die Prüfung einbezogen. Dabei haben die streichwütigen Fiskalritter Rücken-
deckung durch den BFH: Der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und be-
ruflichen Tätigkeit könne nicht isoliert für jede einzelne Tätigkeit, sondern nur
für sämtliche Tätigkeiten des Steuerzahlers zusammen bestimmt werden (BFH
v. 23. 9. 1999 – BStBl II 2000 S. 7). Allerdings befand der BFH in einem späteren
Urteil, dass Dein Arbeitszimmer selbst dann Dein Tätigkeitsmittelpunkt sei,
wenn nicht bei allen Jobs Dein Arbeitsschwerpunkt dort liege (Urt. v. 13. 10. 2003
– BStBl II 2004 S. 771).
Dank des BFH sind Deine Aussichten auf einen Vollkostenabzug somit deutlich
rosiger geworden. Entscheidend ist nämlich nicht die Zeit, die Du in Deinem
Arbeitszimmer und außerhalb zubringst, sondern ob Du dort den »qualitativen
Schwerpunkt« Deiner Arbeiten erledigst. Vor allem als Außendienstler, der Du
auf das Büro in Deinen vier Wänden angewiesen bist, musst Du Dich mit voll-
mundigen und möglichst hochtrabenden Beschreibungen Deiner dort verrich-
teten Tätigkeiten wappnen. Stelle heraus, dass Du in Deinem Arbeitszimmer
die wesentlichen technischen und kaufmännischen Arbeiten erledigst, die Pro-
duktentwicklung betreibst, Konzepte für Deine Kunden entwickelst oder die
gesamten Betriebsabläufe organisierst bzw. die Einsatzpläne für Deine im Au-
ßendienst tätigen Mitarbeiter fertigst etc. pp. Dann spielt es nämlich keine Rolle
mehr, wenn Du auch selbst noch im Außendienst tätig wirst. Das Finanzamt
kann Dir keine lange Nase mehr drehen.
Besonders einfach ist es, wenn zwischen den Arbeiten, die Du innerhalb und
außerhalb Deines Arbeitszimmers erledigst, kein qualitativer Unterschied be-
steht. In diesem Fall reicht dem BFH für den Tätigkeitsmittelpunkt schlicht und
ergreifend aus, wenn Du mehr als 50 % Deiner Gesamtarbeitszeit im Arbeits-
zimmer erledigst (BFH v. 23. 05. 2006 – BStBl II 2006 S. 600). Gute Karten hast
Du deshalb vor allem dann, wenn Du für Deine Firma – weil die z. B. Raumkos-
ten sparen will oder weil schlicht nicht genügend Platz im Betrieb ist – nur ein
oder zwei Tage in der Woche vor Ort im Büro arbeitest und den Rest der Woche
dieselben Arbeiten in Deinem häuslichen Arbeitszimmer erledigst.
Auch mit den folgenden BFH-Entscheidungen kannst Du Deinem unwilligen
Finanzamt in Sachen Arbeitszimmer als Tätigkeitsmittelpunkt einmal den

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5. Häusliches Arbeitszimmer 183

Hauch der besseren Erkenntnis zufächeln. Anerkannt wurde das Arbeitszim-


mer einem:
● Ingenieur, der dort komplizierte technische Lösungen für die Wartung von
Anlagen der Kunden erarbeitet, obwohl zu seinen Tätigkeiten auch die Be-
treuung der Kunden vor Ort gehört (BFH v. 13. 11. 2002 – BStBl II 2004 S. 59
2003 S. 805). Als Bombenargument erwies sich hier, dass der gute Mann alle
Konstruktionsunterlagen in seinem Arbeitszimmer hatte und dort für seine
Kunden telefonisch zu erreichen war.
● Verkaufsleiter, der den Einsatz seiner Mitarbeiter im Arbeitszimmer plant,
dort ständig für seine Kollegen erreichbar ist, sämtliche Analysen und Pla-
nungen dort vornimmt und vielleicht als Sahnehäubchen regelmäßige Mee-
tings mit Mitarbeitern im Arbeitszimmer abhält. Dem BFH ist es in so einem
Fall egal, dass im Schnitt an zwei Tagen in der Woche Außendienst anfällt
(Urteil v. 13. 11. 2002 – BStBl II 2004 S. 65).
● Versicherungsangestellten, der in seinem Arbeitszimmer spezielle Altersvor-
sorgekonzepte für seine Kunden entwickelt (FG Köln v. 18. 12. 2000, EFG
2001 S. 488).
● Praxis-Consultant, der ärztliche Praxen in betriebswirtschaftlichen Fragen
berät, obwohl er einen nicht unerheblichen Teil der Arbeitszeit im Außen-
dienst verbringt (BFH v. 29. 4. 2003 – BStBl II 2004 S 76).
● Architekten, der neben der Planung keine Aufgaben der Bauaufsicht oder
-überwachung ausübt (BFH v. 26. 6. 2003 – BStBl 2004 S. 50).
● Key Account Manager, der in seinem Arbeitszimmer anwenderneutrale Soft-
wareprodukte an spezielle Kundenbedürfnisse anpasst (BFH v. 29. 4. 2003 –
BFH/NV 2003 S. 1175).
Keinen Mittelpunkt ihrer gesamten Tätigkeit haben dagegen in aller Regel
● Architekten, die neben der Planung mit der Ausführung der Bauwerke und
der Bauüberwachung betraut sind (BFH v. 26. 6. 2003 – BStBl II 2004 S. 50).
● Fachberater, wenn der wesentliche Teil ihrer Arbeit in der Beratung und
Produktwerbung besteht und sich im Außendienst abspielt (BFH v. 13. 11.
2002 – BStBl II 2004 S. 62).
● Journalisten, zu deren Aufgaben auch die Recherche gehört (BFH v. 28. 8. 2003
– BStBl II 2004 S. 53).
● Außendienstler, die einen Arbeitsplatz in einem Großraumbüro haben (BFH
v. 7. 8. 2003 – BStBl II 2004 S. 78).
● Diakone, weil sie regelmäßig auch als Seelsorger außerhalb der vier Wände
tätig sind (BFH v. 22. 7. 2003 – BFH/NV 2004 S. 33).
● Geschäftsführer, weil ein wesentlicher Teil der Arbeit die Leitung und Reprä-
sentanz des Unternehmens außerhalb des Arbeitszimmers ist (FG Rhld Pflz
v. 22. 3. 2004 – 5 K 1234/02).

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184 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

● Handelsvertreter, weil das Arbeitszimmer nicht nur wegen des anfallenden


Schriftverkehrs und der Telefonate den Außendienst als weiteren Tätigkeits-
mittelpunkt überlagert (BFH v. 23. 3. 2005 – BFH/NV 2005 S. 1537).
● Professoren mit üblicher Lehrverpflichtung, weil der Unterricht ein prä-
gendes Element der Tätigkeit ist (BFH v. 22. 2. 2006 – BFH/NV 2006 S. 1088).
● Lehrer, weil deren berufsprägende Merkmale im Unterrichten bestehen und
diese Tätigkeiten in der Schule und nicht im Arbeitszimmer erbracht werden
(BFH v. 26. 2. 2003 – BStBl II 2004 S. 72).
● Konzertmusiker (Solisten), bei denen nben dem Üben die Auftritte einen we-
sentlichen Teil ihrer Gesamtbetätigung darstellen (BFH v. 15. 12. 2005 – XI B
87/05).

Verzichte zugunsten eines ausschließlichen Heimarbeitsplatzes auf den Ar-


beitsplatz im Großraumbüro. Wenn Dein Boss mitspielt, hast Du Deine kom-
pletten Arbeitszimmerkosten im Sack.

266 Nutzung des Arbeitszimmers zu mehr als 50 % der Gesamttätigkeit 266


Bis 2006 konntest Du bis zu 1 250 € Deiner Arbeitszimmerkosten absetzen,
wenn Du in dem Raum mehr als die Hälfte der gesamten Arbeitszeit aller steu-
erlich bedeutsamen Betätigungen erledigt hast.
Diese Begünstigung, von der z. B. Richter, Universitätsprofessoren und andere
Arbeitnehmer profitieren konnten, die keiner Anwesenheitspflicht am Arbeits-
platz unterliegen, hat der Fiskus gestrichen.

267 Kein anderer Arbeitsplatz steht zur Verfügung 267


Gehörst Du zu denen, die auf ihr Arbeitszimmer angewiesen sind, weil der Ar-
beitgeber keinen Arbeitsplatz zur Verfügung stellt, bist Du also Lehrer (Klas-
senräume und das Lehrerzimmer sind allgemein anerkannt kein geeigneter
Platz), Nebenberufler, Azubi, Bereitschaftsdienstler, Meisterschüler etc., schaust
Du ab 2007 leider in die Röhre, denn der Fiskus gesteht Dir keinen Abzug von
Arbeitszimmerkosten mehr zu.
Aber: Bist Du z. B. im Hauptberuf Arbeitnehmer und nebenberuflich als Schrift-
steller von Kriminalromanen tätig, gehst Du einer Nebentätigkeit nach, die vom
Brötchengeber Deines Hauptjobs eigentlich genehmigt werden müsste, oder
erstellst Du als Krankenhausarzt in Deiner Freizeit nebenberuflich medizi-
nische Gutachten etc.? Dann benötigst Du Dein Arbeitszimmer sicher in erster
Linie für Deine nebenberuflichen Aktivitäten. In diesem Fall reicht das für den
Abzug der Arbeitszimmerkosten bis zu 1 250 € völlig aus. Ob Dir in Deinem

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5. Häusliches Arbeitszimmer 185

Hauptberuf ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht, ist dann ohne Belang. Ent-
scheidend ist vielmehr, dass Du für die Schriftstellerei bzw. die Gutachtertätig-
keit keinen anderen Arbeitsplatz hast.

268 Ehepaare, die ein Arbeitszimmer gemeinsam nutzen, müssen ab 2007 besonders 268
darauf achten, dass ihnen nicht große Teile der Arbeitszimmerkosten durch die
Lappen gehen. Hat nur ein Ehepartner im Arbeitszimmer den Mittelpunkt sei-
ner gesamten Tätigkeit, kann nur der Teil der Kosten abgesetzt werden, der auf
ihn entfällt. Angenommen, Du hast in Eurem Arbeitszimmer einen Heimarbei-
tsplatz – also einen astreinen Tätigkeitsmittelpunkt. Dein als Lehrer tätiger
Ehepartner benutzt das Arbeitszimmer ebenfalls. Du ahnst schon, was jetzt
kommt! Richtig, die rechnerisch auf Deinen Ehepartner entfallenden Kosten
könnt Ihr nicht mehr absetzen.

Verschiebe den größten Kostenanteil


auf den Tätigkeitsmittelpunkt!

Bei der Aufteilung zwischen den Ehegatten kommt es darauf an, wie viel Kos-
ten die jeweilige Tätigkeit an Zeit und Aufwand verursacht. Du wirst Dich also
auf den Standpunkt stellen, dass Deine Tätigkeit, bei der ja das Arbeitszimmer
der Mittelpunkt ist, sehr viel mehr Zeit in Anspruch nimmt als die Arbeiten, die
Dein Ehepartner dort ausübt. Das Ganze unterstützt Du damit, dass Ihr für
eine gewisse Zeit, z. B. drei Monate lang, aufschreibt, wer von Euch beiden wie
lange im Arbeitszimmer arbeitet. Entfallen danach z. B. nur 18,5 % der Gesamt-
nutzung auf Deinen Ehepartner, kannst Du als Werbungskosten immerhin noch
den Rest von 81,5 % der Arbeitszimmerkosten absetzen.

Dein Ehepartner bekommt einen


anderen Arbeitsraum!

269 Das ganze Theater mit der Kostenaufteilung lässt sich vermeiden, indem Dein 269
Ehepartner das Arbeitszimmer Dir allein überlässt und sich z. B. im Wohn- oder
Schlafzimmer, in der Diele oder im Bügelzimmer eine Arbeitsecke einrichtet.
Begründen lässt sich das prima damit, dass Ihr beide bei der Arbeit Ruhe
braucht und Du mit Deinem Tätigkeitsmittelpunkt zu Hause viel mehr auf
einen abgeschlossenen Arbeitsraum angewiesen bist. Noch überzeugender als

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186 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

blumige Worte ist es natürlich, wenn Du Deiner Steuererklärung ein paar Fotos
von beiden Räumen und Arbeitsplätzen beifügst.
Mit diesem Kniff setzt Ihr wieder die gesamten Arbeitszimmerkosten von der
Steuer ab.

Ein Mietvertrag mit dem Arbeitgeber erhöht


die abzugsfähigen Kosten

270 Klappt es bei Dir nicht mit dem Arbeitszimmer als Mittelpunkt Deiner gesam- 270
ten Tätigkeit und benötigst Du einen Büroraum, kannst Du die kleinlichen Ab-
zugsbeschränkungen des Fiskus mit Hilfe Deines Arbeitgebers unterlaufen. Ein
Mietvertrag ist hier der Schlüssel zur Steuerersparnis. Du vermietest Deinem
Arbeitgeber Dein Arbeitszimmer, das Du für berufliche Zwecke benötigst, und
er überlässt Dir den von ihm angemieteten Raum als betriebliches Büro.
Der Bundesfinanzhof hilft Dir dabei: Dein Chef kann Dir die anteiligen Kosten
fürs Arbeitszimmer steuerfrei erstatten, wenn die Anmietung des Zimmers bei
Dir vorrangig in seinem Interesse erfolgt (BFH v. 19. 10. 2001 – BStBl 2002 II,
S. 300). Deine Chancen auf Anerkennung steigen stark an, wenn Du zu Hause
einen Heim- oder Telearbeitsplatz hast. Das an den Arbeitgeber vermietete,
aber von Dir genutzte Büro ist danach kein »häusliches Arbeitszimmer«.
Das wiederum hat die erfreuliche Folge, dass die Kosten dafür voll absetzbar
sind, auch wenn es nicht die ansonst erforderlichen Bedingungen (Tätigkeits-
mittelpunkt) erfüllt (BFH v. 20. 3. 2003 – BStBl II 2003 S. 519). Allerdings muss
Dein Arbeitgeber bestätigen, dass er den Raum aus handfesten betrieblichen
Interessen angemietet hat (BFH v. 16. 9. 2004 – BStBl II 2006 S. 10), z. B. aus
Kostenersparnisgründen, weil er Dir im Gegenzug im Betrieb kein Büro zur
Verfügung stellen muss, oder weil es Dir die extrem weite Entfernung vom Be-
trieb unmöglich macht, für Deine regelmäßig anfallenden Büroarbeiten ständig
dorthin zu fahren oder weil Dein Brötchengeber Deine Privatadresse als eine
den Kunden bekannte Anlaufstelle nutzt.
Die Finanzverwaltung sieht nach einer im Anschluss an die o. g. Urteile ergan-
genen Anweisung (BMF-Schreiben v. 13. 12. 2005 – BStBl I 2006 S. 4) die Ver-
mietung an den Arbeitgeber vorrangig in dessen Interesse, wenn folgende
Punkte vorliegen:
● Für Dich ist im Unternehmen kein geeignetes Büro vorhanden; die Versuche
Deines Arbeitgebers, entsprechende Räume von Dritten anzumieten, sind
erfolglos geblieben.
● Dein Arbeitgeber hat für andere Arbeitnehmer des Betriebs, die über keine
für ein Arbeitszimmer geeignete Wohnung verfügen, Zimmer bei betriebs-
fremden Dritten angemietet.

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5. Häusliches Arbeitszimmer 187

● Es wurde ein ausdrücklicher, schriftlicher Vertrag über die Nutzung des als
Arbeitszimmer angemieteten Raumes abgeschlossen.
Allerdings sind diese Bedingungen nicht der Weisheit letzter Schluss. So sieht
zwar auch der BFH in der Tatsache, dass Dir im Betrieb noch ein Büro zur Ver-
fügung steht, ein Indiz gegen ein überwiegendes betriebliches Interesse an der
Anmietung, sagt aber gleichzeitig, dass die Anerkennung deshalb nicht von
vornherein ausgeschlossen ist. Auch wenn Dein Brötchengeber gar nicht erst
bei anderen die Anmietung eines Arbeitszimmers versucht hat, darf Dir das
Finanzamt nicht allein daraus einen Strick drehen. Das spielt nämlich zumin-
dest dann keine Rolle, wenn damit zu rechnen war, dass er anderswo keinen
günstigeren Raum bekommen hätte (BFH v. 11. 1. 2005 – BFH/NV 2005
S. 882).
Schließe mit Deinem Arbeitgeber aber unbedingt einen astreinen Mietvertrag
über das Arbeitszimmer und regle das Ganze nicht über den Arbeitsvertrag
oder Zusatzklauseln zum Arbeitsvertrag (BFH v. 8. 3. 2006 – BFH/NV S. 1810).
Außerdem macht es sich wesentlich besser, wenn Dein Arbeitgeber Dich dazu
auffordert, zu Hause für ihn tätig zu werden, und er das Ganze nicht etwa nur
generös duldet, um Dir einen Gefallen zu tun. Nur so vermeidest Du, dass man
es Dir als besonders starkes Eigeninteresse ankreidet, dass Du nun bequem von
zu Hause aus arbeiten kannst.

Vorteil für Dich: Du musst zum einen die Mietzahlung Deines Arbeitgebers
nicht als Arbeitslohn versteuern, da Dir ja ein dringend benötigter Arbeitsplatz
überlassen wird. Andererseits hast Du Mieteinkünfte aus der Arbeitszimmer-
vermietung und kannst jetzt alle Kosten, die mit dem Arbeitszimmer zusam-
menhängen, in voller Höhe als Werbungskosten bei diesen Vermietungsein-
künften absetzen.

Beispiel
Du hast ein Einfamilienhaus mit 150 qm Wohnfläche gebaut. Die Baukosten
von 300 000 € hast Du zu 250 000 € über eine Hypothek finanziert. Die jähr-
lichen Zinsen belaufen sich auf 18 000 €. Ein 25 qm großes Zimmer hast Du für
5 €/qm an Deinen Arbeitgeber vermietet, der es Dir als Arbeitszimmer zur Ver-
fügung stellt. Die sonstigen Nebenkosten für Dein Haus belaufen sich auf
2 400 €.
So sieht Deine Rechnung fürs Finanzamt aus:
Mieteinnahmen 12  25 qm  5 € 1 500 €
Werbungskosten:
Zinsen 18 000 €  25 qm/150 qm 3 000 €
Abschreibung 2% v. 300 000 € = 6 000 €  25 qm/150 qm + 1 000 €
Nebenkosten 2 400 €  25 qm/150 qm + 400 €
4 400 € 4 400 €
Verlust aus Vermietungseinkünften 2 900 €

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188 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

271 c) Wie prüft das Finanzamt, ob es bei Dir überhaupt ein Arbeitszimmer aner- 271
kennt?
Am besten reichst Du eine Wohnungsskizze ein, in der das Arbeitszimmer ge-
kennzeichnet und die Lage und Art der Möbel vermerkt ist (Vorsicht: kein Bett
o. Ä. einzeichnen) E Rz 279. Daneben muss genügend Wohn- und Schlafraum
für Dich und Deine Familie vorhanden sein.
Als Single brauchst Du in Deiner Wohnung nicht allzu viel Platz. Aber auch bei
Dir müssen die neben dem Arbeitszimmer als Wohnraum verbleibenden Räume
passend möbliert werden. Achte also bei der Einrichtung darauf, dass Dir nicht
das Gleiche passiert wie einem Steuerzahler aus Trier. Dem hatten die Finanz-
richter nämlich einen als Arbeitszimmer eingerichteten Raum seiner Zweizim-
merwohnung nur deshalb nicht steuerlich anerkannt, weil er den anderen Raum
nicht zum Wohn-/Schlafraum umfunktioniert hatte. Angesichts fehlender Wohn-
raummöblierung in diesem Zimmer haben sie es nur als Schlafraum akzeptiert.
Das Wohnen müsse sich zwangsläufig auch im Arbeitszimmer abspielen, mut-
maßten die Richter, und schon waren die Werbungskosten zum Teufel (FG
Rheinland-Pfalz v. 1. 2. 1995, 1 K 2180/94 – NWB-Eilnachrichten 1995 S. 90).
Stell Dich deshalb etwas geschickter an und verfrachte Couch, Tisch, Fernseher
und Stereoanlage in den Wohn-/Schlafraum, und Du kannst das o. g. Urteil für
Dich ausnutzen.
Weitere unabdingbare Voraussetzung ist, dass das Arbeitszimmer separat liegt,
d. h., es muss ein von den übrigen Räumen der Wohnung getrennter, in sich ab-
geschlossener Raum sein. So wurde einem armen Teufel das Arbeitszimmer im
Dachgeschoss seines Hauses, das nur über eine Wendeltreppe zu erreichen war
und nicht durch eine Tür abgeschlossen werden konnte, nicht anerkannt (FG
Baden-Württemberg v. 22. 9. 1986 – EFG 1987 S. 70).
Achtung, Fangeisen: Du hast ganz schlechte Karten, wenn das Arbeitszimmer
ein sog. Durchgangszimmer ist. Denn der Durchgang wird als private Nutzung
aufgefasst, und damit ist die Sache für Dich schlecht gelaufen. So der BFH in
seinem Urteil BStBl 1984 II S. 110. Er lenkte aber in seinem Urteil vom 19. 8. 1988
(BStBl 1988 II S. 1000) etwas ein: Das gelegentliche Durchqueren des Arbeits-
zimmers durch den Ehegatten (um in das Schlafzimmer zu gelangen) hielt er für
unbedeutend.

Gegenstände im Arbeitszimmer, die keine Arbeitsmittel sind, wie Fernseher,


Radio, Klavier, Gästebett usw., können dem Arbeitszimmer den Garaus ma-
chen, denn sie deuten auf private Mitbenutzung des Zimmers hin. Auch wenn

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5. Häusliches Arbeitszimmer 189

das eine oder andere Finanzgericht Gnade vor Recht ergehen ließ, solltest Du
nach Möglichkeit von vornherein jedes Risiko vermeiden. Ich würde zumindest
nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass die folgenden Urteile jedes Finanz-
amt überzeugen.
● Eine Liege im Arbeitszimmer steht dessen Anerkennung selbst dann nicht
entgegen, wenn der Steuerzahler sie während der Arbeitspausen für ein
kleines Nickerchen nutzt (FG Hessen v. 27. 1. 1983 – IV 75/84; BFH v.
18. 3. 1988 – BFH/NV 1988 S. 773).
● Eine ganz sporadische Nutzung des Arbeitszimmers als Gästezimmer, z. B.
beim Weihnachtsbesuch von Angehörigen, soll dessen Anerkennung nicht
gefährden (FG Berlin v. 16. 8. 1988 rk – EFG 1989 S. 17).
● Auch ein Schaukelstuhl, der während der Arbeitspausen zur Entspannung
genutzt wird, soll nicht schädlich für Dein Arbeitszimmer sein (BFH v.
28. 9. 1990 – BFH/NV 294/1991).

Achtung, Hausbesuch vom Finanzamt!


Gelegentlich musst Du damit rechnen, dass das Finanzamt mal einen Beamten
losschickt, der bei besonders suspekten Arbeitszimmerinhabern nachprüfen
soll, ob alles so stimmt, wie es angegeben wurde. Kommt er allerdings am Abend,
kannst Du dem Prüfer den Zutritt zum Arbeitszimmer verweigern, ohne dass er
daraus negative Schlüsse ziehen darf (FG Düsseldorf, Urt. v. 14. 10. 1992 – EFG
1993 S. 64). Wenn der Besuch während der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeit
erfolgt und vorher angemeldet war, musst Du ihn einlassen – oder hinnehmen,
dass man Dir die Arbeitszimmerkosten streicht.
So geschehen mit Billigung der Finanzrichter in Niedersachsen (Urteil v.
9. 3. 1993 – EFG 1994 S. 182) bei einem Lehrer, dem die Arbeitszimmerprüfer
des Finanzamts gleich zweimal auf die Bude rücken wollten, wobei sie jedesmal
unverrichteter Dinge abziehen mussten.

für drohende Hausbesuche

Zum Glück sind nicht alle Genauigkeitskrämer so dreist und erscheinen unan-
gemeldet. Die meisten sind brav, akzeptieren den guten alten englischen Wahl-
spruch »My home is my castle« und kündigen ihren Arbeitszimmerkontrollbe-
such vorher an. Um Dir solch unliebsamen Besuch vom Hals zu halten, mach
Dir die sprichwörtliche Bequemlichkeit des deutschen Beamten zunutze und
kontere auf die Kontrollankündigung etwa wie folgt:

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190 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Sehr geehrte Damen und Herren,


selbstverständlich bin ich bereit, Ihnen mein »100 % steuerlich lupen-
reines Arbeitszimmer« vorzuführen. Leider bringt es mein Beruf aber mit
sich, dass ich schon morgens gegen 6.00 Uhr das Haus verlassen muss und
für gewöhnlich nicht vor 18.00 Uhr zurückkehre. Ich schlage daher vor,
dass Sie die Besichtigung am . . . . . . . . . um ca. 5.30 Uhr oder
alternativ am . . . . . . . um ca. 19.00 Uhr vornehmen.

Datum . . . . . . Unterschrift . . . . . . . . . . . .

Wetten, dass sich kaum ein Finanzer finden wird, der bereit ist, in den sauren
Apfel zu beißen und seine Freizeit für eine Arbeitszimmerbesichtigung zu op-
fern? Den Rotstift müssen sie dann aber bei Deinen Arbeitszimmerkosten auch
eingepackt lassen. Du bist ja schließlich besichtigungsbereit, und man kann ja
wohl nicht von Dir verlangen, dass Du für das Misstrauen anderer Deinen
wohlverdienten Urlaub verplemperst . . .
Fertigt der Prüfer über seinen Besuch eine Niederschrift, dann lass Dir einen
Durchschlag geben, damit Du weißt, was in den Akten steht. Und pass auf, was
Du unterschreibst.
Vor allem, wenn es verdächtig nach Amtsdeutsch klingt. Bestehe darauf, dass
rechtliche Würdigungen oder Schlussfolgerungen gestrichen werden. Also nicht:
»Private Unterlagen waren zu 20 % vorhanden«, sondern: »Es ist ein Ordner
Versicherungsangelegenheiten abgestellt.«
Auf diese Weise bleibt Dir die Möglichkeit erhalten, später die Bedeutung
dieses Ordners herunterzuspielen. Und schreibt der Prüfer: »Die vorgefunde-
nen Verhältnisse lagen im Veranlagungszeitraum unverändert vor«, musst Du
sofort ausdrücklich widersprechen und notfalls das Gegenteil protokollieren
lassen, wenn dieser Satz nicht zutrifft.

272 d) Arbeitsmittel im häuslichen Arbeitszimmer 272


Der BFH hatte ein Einsehen und sich beim Abzug von Arbeitsmitteln, die im
Arbeitszimmer beruflich genutzt werden, auf die Seite der Steuerzahler ge-
schlagen. Er hat nämlich geurteilt, dass der Abzug von Arbeitsmitteln im wei-
testen Sinne Vorrang vor den Abzugsbeschränkungen für die Arbeitszimmer-
kosten hat (BFH v. 21. 11. 1997 – BStBl 1998 II S. 351). Im Klartext bedeutet das,
dass alle Kosten für Arbeitsmittel, die auch ohne ein Arbeitszimmer durchge-
hen würden, unabhängig davon, wie die eigentlichen Arbeitszimmerkosten
steuerlich behandelt werden, steuerlich absetzbar sind. Dieser Entscheidung
hat sich die Finanzverwaltung gebeugt und sie mit dem BMF-Schreiben vom
16. 6. 1998 (BStBl 1998 I S. 863) für die Finanzämter für verbindlich erklärt. Und
hieran hat der Fiskus nicht gerüttelt. Auch wenn Du ab 2007 Dein Arbeitszim-

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5. Häusliches Arbeitszimmer 191

mer nicht mehr absetzen kannst, weil es nicht Dein Tätigkeitsmittelpunkt ist,
kannst Du Deine Arbeitsmittel absetzen.
Dazu musst Du allerdings unterscheiden zwischen den Kosten für die Raum-
ausstattung des Arbeitszimmers, deren Schicksal davon abhängt, ob die Arbeits-
zimmerkosten steuerlich abzugsfähig sind, und den Kosten für Arbeitsmittel im
engeren Sinne, die ohne Einschränkung absetzbar bleiben.
Unmittelbare Arbeitszimmerkosten/Raumausstattung
(nur bei Arbeitszimmern als Tätigkeitsmittelpunkt)
● Miete
● Heizung, Strom, Wasser
● Müllabfuhr, Kaminkehrer, Abwasser
● Grundsteuer, Gebäudeversicherung
● Hauswart etc.
● Gebäudeabschreibung
● Zinsen
● Reinigung
● Gebäudereparatur
● Renovierung
● Tapeten, Teppichböden, Vorhänge
● fest eingebaute Lampen
Zusätzlich ohne Beschränkung absetzbareArbeitsmittel
● Computer und Zubehör
● Telefon, Fax, Anrufbeantworter
● Taschenrechner, Rechenmaschine
● typische Arbeitsmittel je nach Beruf (z. B. Musikinstrumente, Maschinen etc.)
● Einrichtungsgegenstände
– Schreibtisch
– Stühle
– Bücherregale
– Schränke
– Bürocontainer
– sonstige berufliche Einrichtung
– Schreibtischlampe
– Papierkorb
– Wand- oder sonstige Uhr, Pinnwand etc.
Für Einrichtungsgegenstände mit einem Anschaffungspreis von mehr als 410 €
(Rechnungsbetrag ohne Umsatzsteuer) setzt Du die Abschreibung an. Dazu
werden die Anschaffungskosten (jetzt mit Umsatzsteuer) auf die Dauer der

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192 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Nutzung verteilt. Die Nutzungsdauer beträgt für Mobiliar 13 Jahre, für Kopierer
sieben Jahre, für PC, Drucker und Scanner drei Jahre.
Bei Anschaffung im Lauf des Jahres ist nur eine zeitanteilige Abschreibung zu-
lässig. Für jeden Monat des Jahres, in dem Dir das Arbeitsmittel gehört, also 1/12
der Jahresabschreibung.
Beträgt der Anschaffungspreis (ohne Umsatzsteuer) nicht mehr als 410 €,
kannst Du den gesamten Betrag für das »geringwertige Wirtschaftgut« (so das
Amtsdeutsch) sofort in voller Höhe absetzen.
Weitere Einzelheiten zur Berechnung der Kosten, insbesondere der Abschrei-
bungen vgl. E Rz 273 und E Rz 337.
Liege, Klappcouch und Schaukelstuhl wird das Finanzamt nur widerwillig aner-
kennen. Allerdings ist ein Abzug auch nicht generell ausgeschlossen. Es sei dem
Arbeitnehmer unbenommen, statt am Schreibtisch zu sitzen, sich im Liegen
oder im Schaukelstuhl auf seine Arbeit zu konzentrieren oder Fachliteratur zu
lesen. So der Bundesfinanzhof zur Arbeitssituation eines Professors (BFH v.
28. 9. 1990 – BFH/NV 1991 S. 294).
Kunstgegenstände wie Bilder und Skulpturen gehören grundsätzlich zur Ar-
beitszimmerausstattung. Sie werden Dir aber nur ausnahmsweise steuerlich
anerkannt, wenn Du glaubhaft machst, dass Du sie aus Repräsentationsgründen
benötigst, weil Du des öfteren geschäftlichen Besuch im Arbeitszimmer emp-
fängst. Andernfalls fallen sie dem Rotstift zum Opfer, wie die Aufwendungen
für ein Gobelinbild, das ein Steuerzahler als Wandbehang und nicht als Teppich
angegeben hatte (BFH-Urt. v. 30. 10. 1990 – BStBl 1991 II S. 340). Auch Geweihe
und Jagdwaffen als Schmuckhat der BFH nicht mit steuerlicher Wirkung zugel-
assen (BFH v. 18. 3. 1988 – BFH/NV 1988 S. 556).

273 e) Was kannst Du für Dein Arbeitszimmer absetzen? 273


Gehörst Du zu den Glücklichen, die ihre Arbeitszimmerkosten voll absetzen
können, weil das Arbeitszimmer der Tätigkeitsmittelpunkt ist, der Arbeitsraum
nicht als Arbeitszimmer im steuertechnischen Sinne gilt oder sie sich schlicht-
weg ein Arbeitszimmer gemietet haben, gilt Folgendes:
● Kosten, die dem Arbeitszimmer direkt zugeordnet werden können, kannst
Du in voller Höhe absetzen, wie z. B. Schönheitsreparaturen, Elektroinstalla-
tion, Telefonanschluss, Einrichtung.
Du kannst das Arbeitszimmer nach Deinem Geschmack einrichten, auch wenn
der gehoben ist. Ein Kargheitsgebot gibt es nicht. Tatsächlich genutztes antikes
Mobiliar kannst Du ebenso absetzen wie Bilder, Teppiche oder Wandschmuck
(BFH-Urt. v. 31. 1. 1986 – BStBl 1986 II S. 355). Siehe hierzu aber E Rz 272.

274 Wie flatterhaft Finanzgerichte bei ihren Entscheidungen über Arbeitszimmer- 274
kosten sind, kannst Du an folgendem Beispiel sehen: Das Finanzgericht des
Saarlands hat einem Zahnarzt seinen Orientteppich nicht anerkannt, weil so ein
Teppich eine behagliche Atmosphäre schaffe und seinen Besitzer geistig anrege

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5. Häusliches Arbeitszimmer 193

(EFG 1994 S. 235). Das Finanzgericht Niedersachsen hingegen meinte, ein Ori-
entteppich sei als ganz normaler, alltäglicher Ausstattungsgegenstand mit Bezug
zur täglichen Arbeit anzusehen (FG Niedersachsen, EFG 1992 S. 65 und 1994
S. 236).
275 ● Kosten, die dem Arbeitszimmer nicht direkt zugeordnet werden können, weil 275
sie das ganze Gebäude oder die ganze Wohnung betreffen, sind nur mit dem
auf das Arbeitszimmer entfallenden Anteil abziehbar. Die Aufteilung erfolgt
im Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zur Fläche des gesamten Ge-
bäudes oder der gesamten Wohnung. Nebenräume wie Keller, Dachböden
und Wirtschaftsräume brauchst Du nicht mitzurechnen.

Beispiel
Gesamtfläche Gebäude/Wohnung 150 qm
Fläche des Arbeitszimmers 30 qm
Anteil des Arbeitszimmers 1/5 = 20%
Hier sind also 20 % der Kosten des Gebäudes oder der Wohnung absetzbar.
Dazu gehören
● bei einer Mietwohnung die Miete einschließlich aller Umlagen, auch für
Strom, Heizung, Frischwasser, Abwasser, Straßenreinigung und Müllabfuhr,
● beim eigenen Haus oder bei einer Eigentumswohnung neben Strom, Heizung
und den öffentlichen Abgaben die Abschreibung, die Schuldzinsen, die Versi-
cherungen und alle Reparaturen.
Wenn Du alle Kosten hübsch beisammenhast, fängst Du an, eine kleine Aufstel-
lung zu fertigen. Etwa so:
276 Arbeitszimmerkosten in einer Mietwohnung 276
1. Anteilige Wohnungsmiete (Gesamtwohnung
5 Zimmer, Miete 600 €)
davon 1 Arbeitszimmer (Anteil an der
gesamten Wohnfläche 20%) 120 € monatl.
2. Anteilige Heizungs- und Lichtkosten + 10 € monatl.
3. Hausratversicherung (anteilig) + 1 € monatl.
4. Putzkosten, lt. Bescheinigung der Putzhilfe + 15 € monatl.
Summe 146 €  12 = 1 752 €
5. Neuanschaffung von Vorhängen + 150 €
6. Neuanschaffung einer Lampe + 250 €
Summe der Kosten 2 152 €
7. Einrichtungsgegenstände
bis 410 € (ohne MwSt.)-
also geringwertige Wirtschaftsgüter - sind sofort absetzbar.
1 Aktenregal, angeschafft für 100 €
2 Büroschränke à 100 € + 200 €
1 Bürosessel + 100 €

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194 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

1 Schreibtischlampe + 50 €
1 Leselampe + 40 €
2 Besuchersessel à 375 € + 750 €
1 Besuchertisch + 360 €
1 gr. Vase + 50 €
Kleininventar + 350 €
1 gebrauchter PC + 400 €
Gesamt 2 400 € + 2 400 €
4 552 €
Auf diesen Betrag gibt es eine Steuererstattung zwischen 781 und 2 345 €.

277 Arbeitszimmerkosten im eigenen Haus, in eigener Eigentumswohnung (antei- 277


lige 20 %)
a) Anteilig abziehbare Kosten
Gebäudeabschreibung
Herstellungskosten vor 10 Jahren 150 000 €
Davon 2% Abschreibung = 3 000 €
Jährliche Schuldzinsen + 6 000 €
Kosten für Heizung und Elektrizität + 1 250 €
Hausratversicherung + 150 €
Jährliche Grundsteuer, Gebäudeversicherung + 500 €
Jährliche Abgaben für Wasser, Abwasser,
Müllabfuhr, Straßenreinigung + 1 200 €
Reparaturaufwendungen am Dach + 1 100 €
Summe 13 100 €
Davon entfallen auf das Arbeitszimmer 20% 2 620 €
Reinigungskosten + 150 €
Summe 2 770 €
b) Direkte Arbeitszimmerkosten
Für Einrichtungsgegenstände m. Anschaffungskosten u. 410 € + 2 400 €
Büroschrank antik 2 600 €, Abschreibung 7,69% + 200 €
Kosten für das Arbeitszimmer insgesamt 5 370 €

zur Abschreibung

278 Gehört das Objekt, in dem sich Dein Arbeitszimmer befindet, z. B. Deiner bes- 278
seren Hälfte, kommst Du nur dann in den Genuss der Abschreibung Deines
Arbeitszimmers, wenn Du nachweislich einen Teil der Anschaffungs- oder der

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5. Häusliches Arbeitszimmer 195

Herstellungskosten getragen hast, der mindestens dem Anteil des Arbeitszim-


mers entspricht. Daher macht es sich gegenüber dem Finanzamt gut, wenn Du
bei den Darlehensverträgen als Mitverpflichteter auftauchst und einen Teil der
Zins- und Tilgungsleistungen bezahlst (Drittaufwand).
Einfacher ist es, wenn Du und Dein Ehepartner gemeinsame Eigentümer seid.
Dann wird nämlich auf alle Fälle unterstellt, dass Du die auf das Arbeitszimmer
entfallenden Kosten in voller Höhe selbst getragen hast. Du bekommst also die
volle Abschreibung (BFH v. 23. 8. 1999 – BStBl II 1999 S. 778 ff.).

Ein Arbeitszimmer bei Angehörigen mieten?

279 Hast Du nichts zu den Anschaffungs- oder den Herstellungskosten des Hauses 279
oder der Eigentumswohnung Deines Ehepartners beigetragen, schließe einen
Mietvertrag fürs Arbeitszimmer.
Genauso kannst Du ein Arbeitszimmer im Haus eines Angehörigen oder Dei-
nes Lebenspartners mieten und kommst so zu Arbeitszimmerkosten. Dein ge-
mietetes Arbeitszimmer ist in diesem Fall kein »häusliches«. Was bedeutet, dass
Du die vollen Kosten (Miete, Nebenkosten) absetzen kannst. Das gilt allerdings
nur, wenn Du nicht auch selbst in der Wohnung lebst.
Schließe einen schriftlichen Mietvertrag, in dem der gemietete Raum samt
Größe und Lage beschrieben wird und die genaue Miethöhe (mindestens 75 %
der ortsüblichen Miete) sowie die von Dir zu zahlenden Nebenkosten festgelegt
sind. Die Zahlung von Miete und Nebenkosten musst Du nachweisen können.
Am besten überweist Du sie monatlich auf ein Konto Deiner Lieben, und schon
klappt der Laden. Mit einem so sauber vereinbarten und tatsächlich durchge-
führten Mietvertrag spielt es keine Rolle, dass der Vermieter Dir verwandt-
schaftlich oder freundschaftlich verbunden ist (BFH-Urteil v. 28. 8. 1991 – BFH/
NV 1992 S. 166).

Spare durch ein kleineres Arbeitszimmer 5 000 €!

280 Wenn Du selbständig bist, kann ein zu großes Arbeitszimmer zur Steuer- 280
mS falle werden. Liegt seine Größe anteilig über 20 % oder sein anteiliger
Grundstückswert über 20 500 €, kann das Finanzamt sagen, es sei notwendiges

78049-7_s001-816.indb 195 28.08.2007 14:29:04 Uhr


196 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Betriebsvermögen. Wenn Du dann irgendwann einmal Dein Häuschen ver-


kaufst, knöpft Dir der Fiskus vom Verkaufserlös nach Abzug des Restbuchwerts
(anteilige Herstellungskosten ./. anteilige Abschreibung) gnadenlos Steuern ab.
Baue also notfalls einen etwas kleineren Raum zum Arbeitszimmer um. Diese
Versteuerung nimmt der Fiskus übrigens auch ab 2007 weiterhin vor. Dabei ist
einerlei, ob Du Deine Arbeitszimmerkosten absetzen kannst, weil der Raum
Deinen Tätigkeitsmittelpunkt darstellt oder er nicht wie ein Büro eingerichtet
ist, oder ob man Dir den Abzug der Arbeitszimmerkosten wegen der gesetz-
lichen Beschränkungen vollkommen streitig macht.
Und so könnte sich ein steuerpflichtiger Veräußerungserlös auswirken:
Klemm und Schlau hatten sich je einen Werkstattraum in ihren 150 qm großen
Einfamilienhäusern (Erbbaugrundstück) eingerichtet. Nach zehn Jahren ver-
kaufen beide ihr Haus für 250 000 €.
Klemm Schlau
Größe des Arbeitszimmers 18 qm 9 qm
Anteil an den
Baukosten v. 200 000 € 18/ 24 000 € 9/150 = 6 % 12 000 €
150 = 12 %
laufende Hauskosten 15 000 € 1 800 € 900 €
AfA 3 % v. 200 000 € = 6 000 € + 720 € + 360 €
jährliche Arbeitszimmerkosten 2 520 € 1 260 €

für 10 Jahre 25 200 € 12 600 €

./. steuerpflichtiger Verkaufserlös


12 % v. 300 000 € 36 000 €
./. Buchwert:
Baukosten alt 24 000 €
./. AfA 10  720 € 7 200 €
16 800 € – 16 800 €
steuerpflichtiger Erlös 19 200 € – 19 200 € –
Betriebsausgaben insgesamt 6 000 € 12 600 €

Obwohl Schlau das kleinere Arbeitszimmer hatte, kann er insgesamt 12 600 €


absetzen, Klemm dagegen per saldo nur 6 000 €. Der Vorteil von Schlau beläuft
sich damit auf 6 600 €. Noch drastischer wird die Rechnung, wenn beide ein
»häusliches« Arbeitszimmer gehabt hätten, für das sie aber keine Kosten abset-
zen konnten. In diesem Fall müsste Klemm den fiktiven Erlös von 19 200 € ver-
steuern , während Schlau plus/minus null aus der Sache herauskäme.

281 Reinigung des Arbeitszimmers 281


Bevor Du überhaupt darüber nachdenkst, Reinigungskosten für Dein Arbeits-
zimmer zu beantragen, solltest Du zunächst einmal prüfen, ob sich die bei Dir

78049-7_s001-816.indb 196 28.08.2007 14:29:04 Uhr


5. Häusliches Arbeitszimmer 197

überhaupt noch auswirken. Ist diese Frage dem Grunde nach zu Deinen Guns-
ten entschieden, kannst Du neben den Kosten für Putzmittel etc. natürlich auch
Deine Aufwendungen für eine Reinigungskraft, den Fensterputzer etc. ins Spiel
bringen. Engagierst Du nahe Angehörige als Reinigungskraft, musst Du Fol-
gendes beachten: Da die Arbeitszimmerreinigung unter die Verpflichtung der
Ehepartner zur Haushaltsführung (§ 1360 BGB) fällt, nutzt ein Arbeitsvertrag
mit dem Ehepartner nichts. Für einen eigenen Haushalt führende erwachsene
Kinder, Eltern und Geschwister gilt das zumindest dann nicht, wenn sie nicht
mit Dir zusammen in einem Haushalt leben (BFH v. 27. 10. 1978 – BStBl II 1979
S. 80). Gegen ein anzuerkennendes Arbeitsverhältnis zwischen Vater und voll-
jähriger Tochter spricht neben der Haushaltsgemeinschaft auch ein besonders
geringer Stundenlohn (hier: 1,42 €), freie Arbeitszeit und die Überweisung
des Entgelts unter der Bezeichnung »Taschengeld« (FG Niedersachsen v. 30. 1.
1986 – EFG 1986 S. 484). Also?

. . . klagen wir nicht, kämpfen wir!


(Clara Zetkin)

Um Deine Chancen auf Anerkennung eines Vertrags über Reinigungsarbeiten


mit Angehörigen zu erhöhen, solltest Du den Lohn per Überweisung zahlen
und einen schriftlichen Arbeitsvertrag schließen, in dem genau geregelt ist,
wann in welchem Umfang die Reinigung zu erfolgen hat. Auch solltest Du
tunlichst vermeiden, dass laut Arbeitsvertrag nur das Arbeitszimmer gereinigt
werden muss. Wesentlich größere Chancen hast Du, wenn Angehörige als
Putz- oder Haushaltshilfe zur Reinigung der gesamten Wohnung angestellt
werden.

Bei allem Bemühen um Steuerersparnis musst Du dich vorsehen, nicht nach der
Devise »Gier frisst Hirn« zu verfahren. Bei einem echten Anstellungsverhältnis
wird das Finanzamt immer streng darauf schauen, ob Du das Arbeitsverhältnis
bei der Sozialversicherung angemeldet hast. Selbst wenn Deine Angehörigen-
Reinigungskraft als Minijobber durchgeht, kostet das pauschale Sozialversiche-
rung und Steuer. Da die Reinigungskosten nur zum Teil auf Dein Arbeitszim-
mer entfallen, könnte sich so ein Arbeitsvertrag schnell als Draufzahlgeschäft
entpuppen, wenn es Dir nicht gelingt, die Reinigungskosten für die übrigen
Räume Deiner Wohnung z. B. als haushaltsnahe Dienstleistung bei der Steuer
unterzubringen und auch hierfür eine Ermäßigung zu kassieren.

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198 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

6. Das strittige Problem der Berufskleidung


282 Das Gesetz sagt ganz klar: Berufskosten sind Aufwendungen zur Erhaltung, Si- 282
cherung und Erwerbung von Lohn oder Gehalt. Du kannst aber nicht nackt in
den Betrieb wandern, das ist doch klar. Um in den allermeisten Fällen die Be-
kleidungskosten trotzdem nicht anerkennen zu müssen, argumentierte der Fis-
kus: Bürgerliche Kleidung (gewöhnliche Bekleidungsstücke) werde auch getra-
gen, wenn der Beruf gerade nicht ausgeübt werde, während der Arzt z. B. in
seiner Freizeit keinen weißen Kittel anhabe. Deshalb betrifft normale bürgerli-
che Bekleidung stets die Privatsphäre – selbst wenn sie ausschließlich während
der Arbeitszeit getragen wird. Dazu sagt das FG Hamburg in einem geheimen
Urteil: »Es würde ein mit der heutigen Stellung des Staatsbürgers nicht zu ver-
einbarendes Eindringen in die intime Privatsphäre bedeuten, wenn die Finanz-
verwaltung überprüfen sollte, welche Kleidung ein Steuerpflichtiger privat und
welche er ausschließlich während der Berufsausübung trägt. Schon die Mög-
lichkeit der Privatnutzung muss mithin eine Anerkennung der dafür gemachten
Aufwendungen ausschließen.«
Als Grundsatz hat sich herauskristallisiert, dass Bekleidung dann eine typische
Berufskleidung ist, wenn eine private Verwendung ausgeschlossen oder nur in
verschwindend geringem Umfang möglich ist. Abzugsfähig sind somit z. B.
Amtstrachten, Uniformen, Kellnerfrack, Tankwartskombination, Asbestanzüge,
Berufskleidung der Bäcker, Chauffeure, Köche usw. So lässt man z. B. den ty-
pischen Arztkittel – nicht aber die weiße Hose eines Arztes – als abzugsfähig zu
(BFH-Urt. v. 6. 12. 1990 – BStBl 1991 II S. 348), widersprach aber beim Staubkit-
tel des Architekten (BFH – HFR 1964 S. 458; BFH – BStBl 1956 III S. 195), weil
angeblich nicht klar getrennt werden könne, wann er den Staubkittel beruflich
und wann privat benutze. (Hast Du schon mal einen Architekten im Staubkittel
in der Oper gesehen?)
Bürgerliche Kleidung könne nur in Ausnahmefällen als Berufskleidung aner-
kannt werden, etwa, wenn durch die dienstliche Tätigkeit ein starker Aufwand
für Bekleidung notwendig sei (z. B. bei Hoteldirektoren, Leiterinnen von Mode-
ateliers usw.) oder besondere Anlässe es bedingten, wie z. B. der Smoking für
einen Journalisten (EFG 1966/12).
Mit rechtskräftigem Urteil vom 30. 5. 68 (VI 3469/66 E – EFG 1969 S. 10) hat das
FG Münster allerdings einem Tanzschullehrer einen Gesellschaftsanzug, drei
Smokinghemden und drei Cocktailkleider für die Ehefrau als steuerfreien Be-
kleidungsaufwand anerkannt.

283 Einer Fernsehansagerin, die ja immer ordentlich und adrett gekleidet sein muss, 283
hat der BFH mit einem Federstrich die gesamte Berufskleidung gestrichen, weil
ja alles auch privat getragen werden könne (BStBl 1990 II S. 49).
Sagte die Petra Schürmann zu dem Finanzrichter, der ihren Einspruch auf den
Tisch bekam: »Die Kleider, die ich trage, sind wahnsinnig teuer. Ich muss sie
aber tragen, damit ich Lieschen Müller stets aufs neue imponiere und ankomme.

78049-7_s001-816.indb 198 28.08.2007 14:29:05 Uhr


6. Das strittige Problem der Berufskleidung 199

Ein zweites Mal kann ich die Dinger niemals tragen! Wenn das keine beruflich
bedingten Anschaffungen sind! Selbst meine Fernsehchefs erwarten es von
mir!« – »Ja«, antwortete ihr der Richter, »Sie könnten aber theoretisch Ihre mo-
dischen Sächelchen zweimal tragen!«
»Ich tue es aber nicht! Ich verkaufe die Sachen sofort an Secondhandshops!«
»Aber den Gesetzen kommt es nur auf die Möglichkeit an. Und was die Ver-
käufe an Gebrauchtbekleidungsläden betrifft, wird das Finanzamt zu prüfen
haben, ob Sie diese als steuerpflichtige, wiederholte Geschäftstätigkeit gemel-
det und sich evtl. bei Nichtangabe strafbar gemacht haben.« Sprach‘s und ur-
teilte im Namen des Volkes für das Finanzamt. Welches wiederum gegen Petra
Schürmann statt eines Erstattungsbescheids einen saftigen Steuernachzah-
lungsbescheid erließ.
284 Die Krönung ist aber das Urteil, mit dem die obersten Steuerrichter einer Mu- 284
sikerin die extra für Auftritte gekaufte schwarze Hose nicht als Arbeitskleidung
anerkannten (BFH v. 18. 4. 1991 – BStBl 1991 II S. 751).
Wie konfus die Urteile des BFH zur Arbeitskleidung sind, wirst Du feststellen,
wenn Du als Angestellter eines Bestattungsunternehmens Deinen schwarzen
Anzug absetzen willst. Bist Du fest angestellt, soll er Arbeitskleidung sein. Bet-
test Du dagegen als Aushilfe verstorbene Mitmenschen zur letzten Ruhe, ist der
Anzug keine Arbeitskleidung (BFH NV 1991 S. 25).
285 Etwas leichteres Spiel hast Du mit Uniformen oder uniformähnlicher Kleidung. 285
Abzugsfähig ist z. B. die Uniform von Soldaten, auch der Trainingsanzug mit
Bundeswehrwappen oder Rangabzeichen (FG Bremen, EFG 1992 S. 735). Als
Postler kannst Du selbstgekaufte Dienstkleidung absetzen, wenn sie mit dem
Posthorn gekennzeichnet ist (FG Niedersachsen, EFG 1991 S. 8). Farblich und
vom Schnitt her einheitliche Kleidung von Flugbegleitern ist ebenfalls Berufs-
kleidung (FG Hessen, EFG 1993 S. 648). Das gilt übrigens auch für entspre-
chend gestaltete Kleidung des Personals eines Friseurs (FG Hamburg, EFG
1987 S. 172).
Gute Karten hatten auch Filialleiter sowie angestellte Metzger und Verkäufer
in Berlin. Die vom Arbeitgeber zur Verfügung gestellten Pullunder, Strickja-
cken, Hemden, Blusen, Krawatten und Tücher wurden als im betrieblichen In-
teresse überlassene Berufskleidung anerkannt. Als Argumente dienten das vom
Arbeitgeber gewünschte einheitliche Erscheinungsbild und hygienische Ge-
sichtspunkte: Aufgrund der Einheitlichkeit sei die Kleidung besser zu reinigen
(BFH v. 22. 6. 2006 – DStR 2006 S. 1795).
Keine Berufskleidung soll dagegen vorliegen bei
● einheitlicher grauer Kleidung von Chauffeuren (Vfg. der OFD München v.
25. 3. 1987),
● Krawatten und Tüchern von Angestellten einer Bank, wenn das Arbeitgeber-
logo klein und nur an einer Stelle angebracht ist (Vfg. OFD Münster v.
29. 10. 1988, DB 1988 S. 2384),
● Lodenmänteln von Forstbeamten (BFH v. 19. 1. 1996, BStBl II 1996 S. 202).

78049-7_s001-816.indb 199 28.08.2007 14:29:05 Uhr


200 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

286 Das BFH-Urteil über die Lodenmäntel (s. o.) ging den Fiskalrittern wohl doch 286
etwas zu weit. Jedenfalls regelt ein Bund-Länder-Erlass (z. B. Niedersächsisches
Finanzministerium v. 1. 11. 1996 – S 2354 – 70 – 35), dass Kleidung vom Arbeit-
geber weiter steuerfrei überlassen werden kann, wenn sie dauerhaft als Dienst-
kleidung oder Uniform gekennzeichnet ist, z. B. weil Wappen, Behördenkenn-
zeichen oder Logos gut sichtbar angenäht oder eingewebt sind.
Was für Dienstkleidung im öffentlichen Dienst recht ist, sollte für private Un-
ternehmen mehr als billig sein. Wenn die Firma Deines Chefs ein schönes Logo
hat, lasst es deutlich sichtbar auf gleichfarbige T-Shirts, Hosen, Baseballkappen
etc. nähen und präsentiert die Rechnung dem Finanzamt. Bei normalen Schu-
hen, Socken und Unterwäsche klappt das aber wohl nicht. Auch winzige, kaum
sichtbare Logos, wie bei den Bankerkrawatten und -tüchern (s. o.), oder mit
Klettverschluss angebrachte Firmenschilder, die man jederzeit entfernen kann,
haben vor den gestrengen Augen des Fiskus keinen Bestand.

287 Tropenbekleidung Besondere Kleidung wegen beruflich veranlassten Klima- 287


wechsels, z. B. Dienstreise oder Umzug in die Tropen, ist nicht absetzbar. Nach-
dem der Bundesfinanzhof hartnäckig in mehreren Urteilen – z. B. vom 20. 3. 1992
(BStBl 1993 II S. 192) – den Abzug abgelehnt hatte, verfährt nach anfänglichem
Zögern und nicht ganz überraschend der Fiskus seit 2001 genauso und lässt
Dich auf den Bekleidungskosten sitzen (R 41 Abs. 2 LStR).

Eine amtliche Vorschrift des Landes Nordrhein-Westfalen schreibt die genauen Richtwerte für das
Schultaschengewicht vor. In einer Auflage von 3,5 Millionen Exemplaren wurde sie mit einem
Kostenaufwand von 1,7 Millionen Mark versandt.
(BStZ)

Besser zerrissen als verschlissen!

288 Gehörst Du, wie z. B. Kellner, Laboranten oder Chemiker, zu denen, deren als 288
privat angesehene sog. bürgerliche Kleidung im Beruf außerordentlich stark
strapaziert wird? Nun, für Dich hat der Bundesfinanzhof ein kleines Schlupf-
loch offen gelassen. Allerdings musst Du dazu dem Finanzamt beibringen, dass
ein Teil Deiner Kleiderkosten durch den besonderen beruflichen Verschleiß be-
dingt ist (BFH-Urteil v. 26. 6. 1969, BStBl 1970 II S. N7). Und der muss objektiv
leicht nachprüfbar vom normalen Kleidungsverschleiß abgegrenzt werden kön-

78049-7_s001-816.indb 200 28.08.2007 14:29:06 Uhr


6. Das strittige Problem der Berufskleidung 201

nen (BFH-Urteil v. 24. 7. 1981, BStBl 1981 II S. 781). Also kommst Du mit dem
lapidaren Hinweis auf stärkere Verschmutzung, z. B. durch Getränke- und Es-
sensflecken beim Kellnern, und dadurch häufiges Waschen nicht mehr weit. Ge-
radezu grob fahrlässig ist es, wenn Du beim Finanzamt einfach pauschal 25 bis
30 % Deiner Kleiderkosten wegen starken Verschleißes als Werbungskosten
abzusetzen beantragst. Damit zwingst Du selbst einen Dir wohlgesinnten Sach-
bearbeiter förmlich dazu, den Rotstift anzusetzen.
Ein Chemiearbeiter hätte fast seine Aufwendungen für bürgerliche Kleidung
durchbekommen, weil sie mehr verschleißt als normal. Er hatte in seiner Rechts-
beschwerde gesagt, dass seine Hosen nach vier Wochen von den Säuren, mit
denen er arbeite, zerfressen seien, seine Schuhe bald danach. Doch das hohe
Gericht fand nach eingehender Prüfung heraus, dass er nur zwei Hosen und drei
Paar Schuhe geltend gemacht hatte, während es doch – wenn seine Angaben
zutreffend gewesen wären – zwölf Hosen und zehn Paar Schuhe hätten sein
müssen. Sei schlauer und versuche es in so einem Fall mit mehr Belegen! (BFH
v. 24. 7. 1981 – BStBl 1981 S. 781)

Steuervergünstigung für Ungeschicklichkeit!

289 Ist es Dir nicht auch schon mal passiert, dass Du Dir im Betrieb etwas verschan- 289
delt hast? An eine frisch gestrichene Wand geraten oder mit dem Rock irgendwo
hängengeblieben bist? Dir bei einer Autopanne (anlässlich einer dienstlichen
Fahrt) Schäden an der Oberbekleidung eingehandelt hast?
Deine Chancen auf Anerkennung von Werbungskosten steigen, je konkreter
Deine Angaben sind. Besser ist es also, wenn Du als Chemielehrer sagen kannst:
». . . habe ich mir bei einem Unterrichtsexperiment mit Schwefelsäure Löcher in
meine drei Wochen alte Hose gebrannt. Üblicherweise trage ich Hosen zwei
Jahre. In Höhe des Kaufpreises von 84 € ./. Abschreibung für einen Monat (84 €
÷ 24 Monate) = 3,50 € bitte ich Bekleidungskosten wegen außergewöhnlichen
Verschleißes anzuerkennen.« Als Kellner teilst Du dem Finanzamt mit, dass es
zu dem Verschleiß gekommen ist, weil Du Dir Dein Hemd an einer Kerze ver-
sengt hast oder die Fruchtsaftflecken trotz Megaperls und Hauptwaschgang
nicht mehr zu entfernen waren.
Was Du arbeitest und welche Kleidung Du beschädigt hast, ist nicht so entschei-
dend. Wichtig ist einzig und allein: Der Schaden muss während der Arbeit ge-
schehen sein. Werbungskosten stehen Dir also auch zu, wenn Du Deine teure
Lederjacke in der Firmengarage zerrissen hast. Bei einem solchen Stück setze
beruhigt fünf Jahre Nutzungsdauer an (FG Thüringen 4. 11. 1999, EFG 2000
S. 211).

78049-7_s001-816.indb 201 28.08.2007 14:29:06 Uhr


202 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Wenn es mit den Reinigungskosten getan war – hast Du Dir die Rechnung auf-
gehoben, um sie dem Finanzamt zu präsentieren?
War der Anzug nicht mehr für den Dienst verwendbar, kannst Du – auch wenn
Du nicht leitender Angestellter bist – mit folgendem

Eigenbeleg über Bekleidungsschaden


Verlust eines Anzugs infolge von Schäden, die durch den Betrieb veran-
lasst wurden (hingefallen auf dem Parkplatz infolge Eisglätte am . . .),
Anschaffungskosten ca. 200 €; Abschreibung für bisherige Nutzung (1
Jahr) mit 40 €, verbleiben: 160 €
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
. . . . . . .
Ort und Datum (Unterschrift)

die Steuer drücken und zwischen 27 und 82 € Erstattung herausholen, falls Du


mit Deinen anderen Werbungskosten über 920 € kommst.

zur Berufskleidung

Setz pauschal an, was anzusetzen geht! Der Satz für Arbeitsmittel, zu denen
auch Arbeitskleidung gehört, beträgt jährlich ca. 100 €. Die Finanzämter ver-
zichten aus Zweckmäßigkeitsgründen in der Regel auf die Vorlage von Bele-
gen, wenn dieser Satz nicht überschritten wird. Außer der Arbeitskleidung
selbst kannst Du natürlich die Kosten für deren Instandsetzung und Reinigung
absetzen, z. B. so:
Für die Reparatur der Arbeitskleidung entstandene Kosten für
Garne und Stoffreste 15 €
Knöpfe und Reißverschlüsse 10 €
Nadeln usw. 2€
27 €
Wenn Deine nette Hauswirtin Dir die Sachen in Ordnung hält, solltest Du Dich
nicht scheuen, den monatlichen Blumenstrauß oder den Likör, den Du ihr als
Dank dafür zukommen lässt, gleichfalls beim Finanzamt geltend zu machen.

290 Wenn Du als Sportlehrer z. B. im Schuldienst tätig bist, sind Deine Aufwen- 290
dungen für Trainingsanzüge, Sporthosen und -schuhe abzugsfähig.
Aufwendungen für Sportgeräte und -kleidung können für Diplompädagogen
(Erzieher) in vollem Umfang Berufskosten sein, wenn die private Nutzung von

78049-7_s001-816.indb 202 28.08.2007 14:29:06 Uhr


6. Das strittige Problem der Berufskleidung 203

ganz untergeordneter Bedeutung ist. Die Aufwendungen fallen jedoch bei einer
privaten Nutzung von 15,5 % (wie, um Himmels willen, soll das jemand so genau
ermitteln können?) unter das Aufteilungs- und Abzugsverbot des § 12 Nr. 1 Satz
2 EStG (BFH-Urt. v. 21. 11. 86 VI R 137/83) und sind dann gar nicht abzugsfä-
hig.
Stellt sich ein Finanzamt bei Deiner Sportkleidung quer, reib ihm den Erlass
des Finanzministers Nordrhein-Westfalens vom 10. 5. 1985 (S. 2353 – 45 – VB 3)
unter die Nase, der immer noch gültig ist und Dir zumindest dann Werbungs-
kosten für Deine Sportkleidung zugesteht, wenn sie in der Schule aufbewahrt
wird. So sah das auch das FG Münster, das einer Sportlehrerin Tasche, Kleidung
und Pfeife als Werbungskosten anerkannte. Eine ganz geringe private Mitbe-
nutzung sahen die Richter dabei nicht als schädlich an (FG Münster v. 12. 11. 1996
– EFG 1997 S. 334). Dem Problem mit der privaten Nutzung kannst Du wunder-
bar mit dem Argument entgehen, du habest für Deine privaten Sportaktivitäten
weitere Sportkleidung. Weise dem Finanzamt per Beleg also nicht nur die Sport-
kleidung nach, die Du für die Schule benötigst, sondern auch die privat gekauf-
ten Sportsachen. So sind Deine Chancen, dass Du wenigstens einen Teil Deiner
Kosten durchbekommst, jedenfalls wesentlich größer, als wenn Du versuchst,
alle Belege als Berufskosten durchzudrücken (FG Düsseldorf v. 16. 11. 1995 –
EFG 1996 S. 176).
Dies gilt aber leider nicht für eine Skiausrüstung, selbst wenn der Sportlehrer
etwa Wochenkurse für seine Schulklasse leitet (Finanzminister NRW v. 10. 5. 85,
S 2325 – 45 – VB 3). Anders unter Umständen beim hauptberuflichen Skilehrer
(OFD München v. 19. 10. 72 S 2354 – 52/4 – 62137 und Finanzministerium Nord-
rhein-Westfalen v. 13. 12. 72 S 2330).
»Und was soll ich jetzt völlig verwirrter Steuerzahler nun tun?«, fragst Du.
Immer nur lächeln. Und steif und fest behaupten: »Die Kinder sind heute alle
so steif, dass ich ihnen die Übungen mindestens dreimal vormachen muss! Das
schlaucht mich derart, dass ich alle Knochen einzeln spüre und privat keinen
Sport mehr betreiben will – und es auch gar nicht mehr kann.«

Ein Geschäft ist erst dann ein Geschäft,


wenn man dem Finanzamt nachweist, dass es keines war.

Tennisspielen auf Kosten des Fiskus!

291 »Wie soll denn das funktionieren?«, fragst Du. »Ich denke, beim kleinsten 291
Hauch von Privatvergnügen versagt mir das Finanzamt die Anerkennung des
Aufwands als Werbungskosten.«

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204 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Natürlich hast Du recht, Du musst dazu schon einen Beruf haben wie Polizist
oder Soldat, in dem Dein Dienstherr verlangt, dass Du Sport treibst. Nur – muss
es denn immer Fußball oder ein anderer Mannschaftssport sein? Tennis ist
schließlich auch weit verbreitet. Zumindest meinten das die Richter vom FG
Saarland. Sie ließen einen Polizisten alle Aufwendungen für die Ausübung des
Tennissports als Werbungskosten absetzen, weil Tennis offiziell als Dienstsport
ausgewiesen war und die Spiele während der Dienstzeit stattfanden (FG Saar-
land v. 19. 3. 1991 – EFG 1991 S. 377). Das Finanzgericht aus dem Münsterland
war allerdings nicht so steuerzahlerfreundlich und hat in einem Parallelfall die
Werbungskosten abgelehnt (FG Münster v. 5. 10. 1993 – EFG 1994 S. 238). Ähn-
lich restriktiv wurde über den Fall eines Polizisten entschieden, der sein Fahrrad
und seine Sportkleidung für den Dienstsport absetzen wollte. Da er seinen
Drahtesel aber nachweislich nur vier Stunden in der Woche beim Dienstsport
eingesetzt hatte, wurden ihm die Werbungskosten verwehrt (FG Baden-Würt-
temberg v. 23. 11. 2005 – EFG 2006 S. 811).
Nichtsdestotrotz, Ihr Wachtmeister, Kommissare, Offiziere und Unteroffiziere!
Nichts wie hin zu Euren Vorgesetzten. Sie sollen zur Abwechslung mal Tennis
auf den Dienstplan setzen. Auf diese Weise könnt Ihr Tenniskleidung, Schläger,
Schuhe, Tasche und eventuelle Platzmiete als Werbungskosten für Dienstsport
absetzen.

Bei jedem Waschtag klingelt‘s in der Kasse.

292 Kosten für die Reinigung Deiner Arbeitskleidung sind ohne Zweifel Werbungs- 292
kosten. Das muss sogar der bornierteste Fiskalritter anerkennen. Nur – wer
schleppt schon seine ölverschmierten Arbeitsanzüge oder sonstige Arbeitsklei-
dung ständig in die Reinigung? Natürlich landen die Sachen in der eigenen
Waschmaschine. Aber die wäscht ja schließlich auch nicht umsonst! Für Wasch-
pulver, Wasser und Strom kommt aufs Jahr gerechnet ein schöner Batzen zu-
sammen.
Man glaubt es kaum, es geschehen noch Zeichen und Wunder. Die obersten
Steuerrichter des BFH hatten ein Einsehen mit dem kleinen Steuerzahler und
setzten gleich mit zwei Urteilen der Kleinigkeitskrämerei in den Finanzämtern
ein Ende. Sie entschieden, dass Du die Kosten für das Reinigen Deiner Berufs-
kleidung in der privaten Waschmaschine als Werbungskosten absetzen kannst.
Sollte ein Fiskalritter auf die Idee kommen, Dir die Waschkosten als Lebenshal-
tungskosten oder nicht abzugsfähige gemischte Aufwendungen zu streichen,
klopfe ihm mit den Urteilen vom 29. 6. 1993 – BStBl 1993 II S. 837 und S. 838

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6. Das strittige Problem der Berufskleidung 205

kräftig auf die Finger. Du darfst die Waschkosten sogar schätzen und Dich dabei
an den Erfahrungswerten von Verbraucherverbänden orientieren.
Die Verbraucherverbände haben ihre Erfahrungswerte in einer repräsentativen
Vergleichsrechnung dargelegt, vgl. Arbeitsgemeinschaft der Verbraucherver-
bände e. V. (Quelle: LSt-Kartei OFD Hannover v. 8. 2. 2000 – S 2354 – 20 – StO
213).
Danach ergeben sich folgende Reinigungskosten für je ein Kilogramm Wä-
sche:

Zahl der Personen im Haushalt


1 2 3 4
€ € € €
Kochwäsche 0,95 0,58 0,47 0,38
Buntwäsche 0,92 0,55 0,54 0,36
Pflegeleichte Wäsche 1,02 0,65 0,54 0,46
Ablufttrockner 0,52 0,31 0,25 0,19
Kondenstrockner 0,69 0,40 0,32 0,25
Bügeln 0,14 0,10 0,08 0,07

Bei einem 2-Personen-Haushalt setzt Du bei je einem Waschgang Kochwäsche


und Buntwäsche pro Woche und 48 Arbeitswochen für die Reinigung, Trock-
nung und das Bügeln Deiner Arbeitskleidung folgende Gesamtkosten ab:
Kochwäsche
48 Waschgänge à 3 kg à (0,58 € + 0,31 € + 0,10 € =) 0,99 € 142,56 €

Buntwäsche
48 Waschgänge à 3 kg à (0,55 € + 0,31 € + 0,10 € =) 0,96 € 138,24 €

Gesamtkosten 280,80 €

Deutlich kleinlicher sind die Richter am FG Münster, die je Waschgang – egal


mit wie viel Kilo – ca. 0,75 € anerkannten, was bei zwei Waschgängen pro Woche
Reinigungskosten von ca. 90 bis 100 € ergibt. Die Obergrenze für pauschal ge-
schätzte Waschkosten sah das Gericht bei ca. 100 € und erkannte diesen Betrag
an (FG Münster v. 19. 2. 2002, EFG 2002 S. 670).
Ein wenig großzügiger waren die Richter in Baden-Württemberg. Unter Beru-
fung auf Berechnungen der Verbraucherzentrale-Bundesverband e. V. für einen
Zwei-Personen-Haushalt haben Sie einem Steuerzahler als Waschkosten in der
privaten Waschmaschine je Kilogramm Wäsche folgende Beträge anerkannt
(FG Baden-Württemberg v. 03. 11. 2005 – EFG 2006 S. 811):

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206 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Kochwäsche 95° 0,50 €


Buntwäsche 60° 0,48 €
Feinwäsche, Pflegeleicht-Wäsche 0,60 €
Trocknerkosten, Kondenstrockner 0,34 €
Bügelkosten 0,05 €
Daraus ergibt sich für ein Kilo Kochwäsche inkl. Trocknung und Bügeln ein
Wert von 0,89 €, der nur geringfügig unter den etwas älteren Werten der OFD
Hannover liegt.

Die Nachbarin wäscht billiger.

Als Friseurin, Verkäuferin oder Krankenschwester benötigst Du für die Arbeit


jeden Tag einen frischen Kittel. In der Wäscherei kostet Dich die Reinigung pro
Stück ca. 2,50 €. Das läppert sich übers Jahr auf 600 bis 700 € zusammen, und das
ist Dir einfach zu viel. Aber zum Glück ist ja da die nette Nachbarin, die Dir die
Kittel für die Hälfte wäscht und bügelt. Damit es mit dem Absetzen beim Fi-
nanzamt kein Theater gibt, lässt Du Dir von Deinem Arbeitgeber am besten
eine Bescheinigung ausstellen:

. . . halten wir es sowohl aus hygienischen Gründen als auch aus Ver-
pflichtung dem Ruf unseres Hauses gegenüber für absolut erforderlich,
dass Herr/Frau . . . . . .
ihren/seinen Dienst täglich in frisch gereinigter Arbeitskleidung an-
tritt.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ort und Datum (Unterschrift)

Bei einer 5-Tage-Woche machst Du dann 230 Tage  1,– € = 230 €


bei einer 6-Tage-Woche sogar 280 Tage  1,– € = 280 €
als Reinigungskosten für Deine Arbeitskleidung geltend.

Der Schulausschuss im Düsseldorfer Landtag


hat für 50 000 € in Japan die »japanische Erziehung von Körper und Geist«
ergründet, was die Abgeordneten mit einem Dutzend Straßenbahntickets
auch hätten tun können: In Düsseldorf-Oberkassel
steht die größte japanische Schule Europas.

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7. Die Kosten für Deine Fortbildung 207

7. Die Kosten für Deine Fortbildung


293 Fortbildungskosten sind Aufwendungen zu dem Zweck, in dem bereits 293
mS ausgeübten Beruf auf dem Laufenden zu bleiben, um den jeweiligen An-
forderungen gerecht zu werden, oder sich weiter zu qualifizieren. Auch die Qua-
lifizierung für den Wiedereinstieg in den Beruf nach einer längeren Pause geht
als Fortbildung durch. Ebenso Umschulungen, Zweitausbildungen und Zweit-
studiengänge. Fortbildungskosten sind wegen des Zusammenhangs mit dem
Beruf als Werbungskosten abzugsfähig.
Im Gegensatz dazu werden Ausbildungskosten der privaten Lebensführung zu-
gerechnet und sind als Sonderausgaben abzugsfähig, allerdings nur in folgenden
Fällen (§ 12 Nr. 5 EStG):
● bei einer erstmaligen Berufsausbildung
● bei einem erstmaligen Studium
● beim Besuch einer allgemeinbildenden Schule
Der Sonderausgabenabzug ist dabei auf 4 000 € im Jahr beschränkt. Wenn Du
verheiratet bist und Deine bessere Hälfte ebenfalls Ausbildungskosten hat,
steht ihr ebenfalls der Betrag von 4 000 € zu.
Diese Einschränkung kann Dich allerdings nicht treffen, wenn Du Deine erst-
malige Berufsausbildung in einem normalen Ausbildungsberuf oder als Beam-
tenanwärter, Soldat etc. absolvierst und schon in der Ausbildung Lohn oder
Gehalt beziehst. Dann kannst Du mit der Trumpfkarte Ausbildungsdienstver-
hältnis argumentieren und Werbungskosten absetzen.
Mehr zu den Kosten der Berufsausbildung unter E Rz 544 ff.

294 Gute Nachrichten: Egal, ob Du Dich vor, während oder nach Deinem Job fort- 294
bildest, eine Umschulung durchläufst oder ein Zweitstudium hinlegst, Deine
Bildungsaufwendungen stellen bei entsprechendem beruflichen Hintergrund
immer Werbungskosten dar (BFH v. 4. 12. 2002 – BStBl 2003 II S. 403). Wie der
BFH stellst Du Dich auf den Standpunkt, dass Werbungskosten immer vorge-
hen. Wenn Deine Aus- oder Fortbildung mit einer konkret geplanten Berufstä-
tigkeit zusammenhängt, erfüllt sie die Voraussetzungen für vorweggenommene
Werbungskosten oder Betriebsausgaben.
Dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob Du mit Deiner Fortbildung erst die
Qualifikation für einen völlig anderen Beruf schaffen musst. Sprich deshalb ge-
genüber dem Finanzamt ganz hartnäckig immer nur von Fortbildungskosten,
wenn Du z. B. als bisheriger Bilanzbuchhalter zum Heilpraktiker umschulst
(BFH v. 13. 2. 2003 – BStBl II 2003 S. 698) oder nach längerer Berufspause als
kaufmännische Angestellte eine Fahrlehrerausbildung absolvierst (BFH
v. 4. 12. 2002 – BStBl 2003 II S. 403). Auch der Erwerb einer höheren Qualifi-
kation in Deinem Beruf führt zu Fortbildungskosten. Deshalb sind die Auf-
wendungen für Meisterkurse genauso Werbungskosten wie die Kosten von
Steuerfachangestellten zum Erwerb der Steuerberaterprüfung.

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208 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Vor allem wenn Du vor Deiner Fortbildung arbeitslos warst und damit Deine
Chancen steigerst, endlich einen neuen Job zu finden, gehen Deine Kosten als
voll abzugsfähige Werbungskosten durch. Dass Du einen Beruf in einer voll-
kommen anderen Branche ergreifen willst, hat das Finanzamt dabei überhaupt
nicht zu interessieren. Deshalb musste es z. B. zähneknirschend einem Diplom-
geographen den Lehrgang zum Abfallwirtschaftsberater anerkennen (BFH v.
18. 4. 1996 – BStBl II 1996 S. 482).
Auch ein Studium ist keine Tabuzone mehr, wenn es sich um ein Zweitstudium
handelt. Hat die Fachrichtung auch nur am Rande etwas mit Deiner jetzigen
Arbeit zu tun, deklarierst Du sämtliche Studienkosten in der Anlage N als Wer-
bungskosten.

Solltest Du die öffentliche Hand vermissen?


Ich kann Dir sagen, wo sie ist: in Deiner Tasche.

für vor Beginn Deines Jobs angefallene Kosten

295 Wenn Du in der Zeit, in der Deine Lehrgangskosten angefallen sind, nicht gear- 295
beitet hast, beantrage beim Finanzamt die Anerkennung Deiner Kosten als vor-
weggenommene Werbungskosten. Denke an diese Möglichkeit z. B., wenn Du
im Erziehungsurlaub oder arbeitslos bist (BFH v. 22. 7. 2003 – BStBl II 2004
S. 888) oder während Deines Vollzeitlehrgangs zum Handwerksmeister keiner
anderen bezahlten Arbeit nachgehst. Aufgemerkt auch all diejenigen, die nach
einem Erststudium ein Zweitstudium absolvieren und während dessen nicht
berufstätig sind.
Wenn Du in den Jahren, in denen Dein Lehrgang läuft, keine anderen Ein-
künfte hast, gehen die Werbungskosten in dieser Zeit zwar ins Leere, trotzdem
sind sie nicht endgültig verloren. Da Du ja keine Einnahmen hattest, ergibt sich
durch die Werbungskosten ein Verlust (BFH v. 4. 11. 2003 – BFH/NV 2004
S. 483), und den kannst Du Dir als Verlustrücktrag von Deinem Einkommen im
Vorjahr abziehen lassen. Hattest Du auch da keine Einkünfte, besteht die Mög-
lichkeit, den Verlust so lange in die nächsten Jahre vorzutragen, bis sich eine
Verrechnungsmöglichkeit ergibt. Dann drückst Du durch den Verlustabzug
Dein Einkommen und sparst einen dicken Batzen an Steuern. Gib zu diesem
Zweck einen Einkommensteuererklärungsvordruck bei Deinem Finanzamt ab
und kreuze auf der ersten Seite des Mantelbogens das Kästchen »Erklärung zur
Feststellung des verbleibenden Verlustvortrags« an. Das Finanzamt stellt dar-
aufhin Deinen Verlust verbindlich fest.

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7. Die Kosten für Deine Fortbildung 209

Rette ein paar Jahre rückwirkend Deine


vorweggenommenen Werbungkosten!

296 Vermutlich hast Du bislang nicht im Traum daran gedacht, eine Steuererklä- 296
rung für Deine Umschulungs-, Zweitstudien- oder Meisterlehrgangskosten ab-
zugeben, da Du ja keine Einkünfte hattest und keine Steuern gezahlt hast, die
Du Dir hättest erstatten lassen können.
Trotzdem ist für Dich noch nicht alles verloren. Steuererklärungen zur Feststel-
lung des Verlustvortrags, der sich aus Deinen vorweggenommenen Werbungs-
kosten ergibt, kannst Du auch noch nachträglich einreichen. Da die Verjäh-
rungsfrist für solche Steuererklärungen vier Jahre beträgt, kannst Du zumindest
die Verluste der letzten vier Jahre retten. Willst Du also im Jahr 2008 rückwir-
kend entsprechende Steuererklärungen abgeben, klappt das für die Jahre 2004
bis 2007. Bist Du schnell genug und schaffst die Erklärungen bis zum 31. 12. 2007
zum Finanzamt, kannst Du sogar noch das Jahr 2003 mitnehmen.
Ein kleiner Pferdefuß bei der ganzen Sache ist, dass von Deinen vorgenom-
menen Werbungskosten in den jeweiligen Jahren andere Einkünfte z. B. aus
Zinsen oder Gelegenheitsjobs abgezogen werden. Die Werbunskosten werden
zunächst einmal im jeweiligen Jahr genutzt, um diese Einkünfte auf 0 € herun-
terzurechnen. Was dann übrig bleibt, kannst Du später steuermindernd ver-
rechnen.

für Auszubildende, Referendare und


Seminarteilnehmer

297 Werden im Rahmen der Ausbildung steuerpflichtige Einnahmen bezogen, so 297


sind die Kosten, die mit der Ausbildung in Zusammenhang stehen, in voller
Höhe als Werbungskosten abzugsfähig (EStH 34 »Ausbildungsdienstverhält-
nis«). Die Beschränkung, dass Kosten der erstmaligen Ausbildung keine Wer-
bungskosten sein sollen, gilt nämlich ausdrücklich nicht für Ausbildungsdienst-
verhältnisse (§ 12 Nr. 5 EStG).
Auszubildende können somit ihre Fahrtkosten zur Berufsschule und zum Aus-
bildungsbetrieb als Werbungskosten abziehen – zu Einzelheiten vgl. E Rz 248.
Das gilt auch für Referendare und Teilnehmer an Seminaren.
Aus demselben Grund können zum Studium beurlaubte Offiziere oder zum Er-
werb von Reifezeugnissen abkommandierte Soldaten auf Zeit ihren gesamten

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210 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Ausbildungsaufwand als Werbungskosten absetzen (BFH v. 28. 9. 1984 – BStBl


II 1985 S. 87).

298 Kosten zur Erlangung des Doktortitels sind regelmäßig Fortbildungskosten und 298
damit als Werbungskosten abzugsfähig. Der BFH hat in diesem Fall sein Herz
für den Steuerzahler geöffnet und erkennt Promotionskosten als Werbungskos-
ten an, wenn es für den Doktortitel einen beruflichen Anlass gibt (BFH v.
4. 11. 2003 – BStBl II 2004 S. 891). Dem hat sich inzwischen auch der Fiskus an-
geschlossen (BMF v. 4. 11. 2005 – BStBl I 2005 S. 955). Einen beruflichen Grund
findest Du doch schnell. Im Zweifel reichen die besseren Berufsaussichten und
Aufstiegschancen durch einen Doktortitel, oder Du machst geltend, Du wür-
dest einen Job an der Uni anstreben und möchtest irgendwann Professor
werden.

Welche Kosten Du absetzen kannst


299 Bei Teilnahme an einem Fortbildungslehrgang sind als Werbungskosten abzugs- 299
fähig:
● die Teilnahmegebühr,
● Aufwendungen für Fachzeitschriften und Fachbücher,
● die Fahrtkosten in tatsächlicher Höhe, bei Verwendung eines Pkw 0,30 € je
gefahrenem Kilometer,
● Unterkunftskosten in tatsächlicher Höhe. Das Finanzamt will von Dir immer
Belege für Deine Hotel- oder Pensionskosten sehen, bewahre deshalb die
Rechnungen auf.
● Verpflegungsmehraufwand, abgerechnet nach den Reisekostengrundsätzen.
Bei einer längeren auswärtigen Fortbildung gilt das zumindest für die ersten
drei Monate. Und: Die Verpflegungspauschalen stehen Dir auf jeden Fall zu,
auch wenn Deine tatsächlichen Kosten viel niedriger lagen! Zum Ver-
pflegungsmehraufwand siehe E Rz 176.
● Wenn Du während der Fortbildung oder Deiner Referendarzeit länger aus-
wärts untergebracht bist und eine Zweitwohnung oder ein Zimmer unter-
hältst, kannst Du Kosten für doppelte Haushaltsführung – auch nach Ablauf
der dreimonatigen Dienstreisefrist – absetzen.

Bei einer Fortbildungsveranstaltung unmittelbar im Anschluss an den Dienst


kommt oft ein Anspruch auf die Verpflegungspauschale nicht zustande, weil die
für Dienstreisen notwendige Mindestdauer von acht Stunden nicht erreicht
wird. In diesen Fällen kannst Du Dir damit helfen, dass Du an die Fortbildungs-
veranstaltung eine Arbeitsgemeinschaft mit anderen Teilnehmern anhängst, in
der der Lehrstoff ausführlich diskutiert und nachbereitet wird.

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7. Die Kosten für Deine Fortbildung 211

300 Nimmst Du an einem länger dauernden Lehrgang teil, bei dem – weil entspre- 300
chend teuer – Ratenzahlung vorgesehen ist, vereinbare mit dem Veranstalter,
die Gebühr in einer Summe zu bezahlen. Auf diese Weise kannst Du den Betrag
auf einmal ansetzen und überwindest vielleicht locker den Arbeitnehmer-
pauschbetrag. Gibt es bei einem längeren auswärtigen Lehrgang Gemein-
schaftsverpflegung, setzt Du trotzdem die vollen Verpflegungspauschalen ab.
Schließlich wird Dir für die Gemeinschaftsverpflegung pro Tag ein Sachbezugs-
wert zugerechnet. Dies bedeutet für die ersten drei Monate, die wie Dienstrei-
sen abgerechnet werden:
Angenommen 80 Tage  24 € = 1 920 €
Nach Ablauf von drei Monaten ist es mit dem Abzug von Verpflegungspauscha-
len vorbei. Dann geht es mit doppelter Haushaltsführung weiter.

Fortbildungskosten bei Lehrern


301 Merkt Euch, Ihr Lehrer: Die Kosten für Konzert- oder Theaterbesuche sind 301
grundsätzlich keine Werbungskosten, sie können aber dann als Fortbildungs-
kosten absetzbar sein, wenn die Veranstaltung der Art und Gestaltung nach
ausgesprochen auf den Fortbildungszweck ausgerichtet ist (BFH-Urteil v.
8. 2. 1971 – BStBl 1971 II S. 368).
Nicht ersetzte Aufwendungen von Lehrern können u. a. in folgenden Fällen
Werbungskosten sein:
● Bei Wandertagen oder Klassenausflügen (FG Düsseldorf v. 20. 6. 1974 – EFG
1974 S. 516).
● Bei Skifreizeiten mit Schülern oder Ski- und Snowboardlehrgängen für Leh-
rer, die Skifahren als Schulsport unterrichten. Verlangt wird regelmäßig, dass
an den Kursen im Wesentlichen Lehrer teilnehmen, Veranstalter ein aner-
kannter Verband oder die Schulverwaltung ist, das Programm straff organi-
siert und auf die Befähigung ausgerichtet ist, Skifahren zu unterrichten.
Außerdem sollte der Lehrgang mit einer Prüfung und einem Zertifikat ab-
schließen. Letzteres und die Tatsache, dass der Lehrer zuvor nur geringe
Grundkenntnisse im Skifahren besaß, sieht der BFH aber nicht als unabding-
bare Voraussetzung an (BFH v. 22. 6. 2006 – BFH/NV 2006 S. 1751).
● Wenn ein Jugendseelsorger an Jugendfreizeiten teilnimmt (FG Münster –
EFG 1995 S. 6).
● Bei Balintgruppen, wenn nur Lehrer teilnehmen und die Gruppe ausschließ-
lich das Thema Lehrer-Schüler-Verhältnis behandelt (Hess. FG – EFG 1985
S. 341).

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212 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

● Bei Kursen in Gesprächsführung, wenn sie nicht in erster Linie der Persön-
lichkeitsentwicklung der Teilnehmer dienen (FG Rhld.-Pflz. – EFG 1995
S. 8).
● Bei einem Yoga-Lehrgang, wenn der Lehrer an seiner Schule im Rahmen von
Arbeitsgemeinschaften Yoga-Kurse gibt (FG Niedersachsen v. 17. 2. 99 – EFG
1999 S. 543).
● Bei der zweiten Lehrerprüfung, weil die Referendare – obwohl noch in Be-
rufsausbildung – bereits steuerpflichtige Einnahmen haben und somit in
einem Ausbildungsdienstverhältnis stehen (BFH v. 17. 12. 1971 – BStBl 1972
II S. 259).
● Bei Psychotherapiekursen, wenn sie auf eine professionelle Anwendung des
Stoffes z. B. als Beratungslehrer vorbereiten und nicht vorrangig der eigenen
Persönlichkeitsentfaltung dienen (FG Nürnberg v. 21. 9. 2005 – III 169/2005).
● Bei Supervisionskursen bei Beratungslehrern (FG München v. 17. 11. 2003 –
EFG 2004 S. 646)
● Bei einer Zusatzausbildung zum analytischen Kinder-Psychotherapeuten
(Psychagogen) (BFH v. 26. 6. 2003 – BFH/NV 2003 S. 1415).
Demgegenüber wurden einer Sonderschullehrerin die Kosten für einen Biore-
lease-Kurs zur Befreiung von Stress mit einem offenen Teilnehmerkreis ohne
speziellen Zuschnitt auf ihre berufliche Situation nicht als Werbungskosten an-
erkannt (Hess FG v. 24. 1. 1985 – EFG 1985 S. 342).

302 Wer an beruflichen Fortbildungslehrgängen teilnimmt, kann überdies noch 302


finanzielle Hilfe aus dem Förderungsprogramm nach dem SGB III erhalten.
Erkundige Dich auf jeden Fall bei dem Veranstalter des Lehrgangs, ob der
Lehrgang von der zuständigen Agentur für Arbeit als förderungsfähig aner-
kannt ist. Die Förderung kann aus einem Zuschuss, einem Darlehen oder einer
Kombination aus beidem bestehen. Da kommt allerhand zusammen.

für vergessliche Kursteilnehmer

303 Wer nichts abzusetzen vergessen will, muss wissen, was alles abzugsfähig 303
mS ist. Wer sich fortbildet, besucht meistens Kurse. Und ein Kurs beginnt erst
mal mit einer Gebühr, die abzugsfähig ist, sofern der Lehrgang nicht dazu dient,
einen neuen Beruf aufzubauen.
Kursgebühr 200 €
Porto und Telefon für die Anmeldung und das Beschaffen
von Informationsmaterial 20 €

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7. Die Kosten für Deine Fortbildung 213

Für 6 Wochen fährst Du in die Stadt, um dort den Lehrgang


zu besuchen. Bahnfahrtkosten 240 €
Fahrten mit dem eigenen Pkw zum Lehrgang sind in Höhe von
0,30 € pro gefahrenem Kilometer abzugsfähig
(LStR 38 »pauschale Kilometersätze«).
Gepäckbeförderung 10 €
Unterkunftskosten lt Rechnung des Hotels
42 Übernachtungen à 40 € 1 680 €
Nebenkosten für Stadtplan, Fahrkarten etc. 80 €
Für Verpflegung ziehst Du die Pauschalen ab
42 Tage  24 € 1 008 €

Zu den Pauschalen siehe E Rz 176.

304 Kosten für den Meistertitel sind generell als Fortbildungskosten abzugsfähig. 304
Von einer erstmaligen Berufsausbildung kann hier keinesfalls die Rede sein.
Wenn Du während des Meisterlehrgangs keinen Job ausübst, gib in Deiner
Steuererklärung die Kosten als vorweggenommene Werbungskosten an. Den
Verlust, der sich dadurch rechnerisch ergibt, stellt das Finanzamt fest, und Du
kannst ihn später, wenn Du wieder eine Beschäftigung gefunden hast, absetzen;
vgl. dazu auch E Rz 295 ff.
Zum Meisterstück siehe E Rz 365.

Setze Fortbildungskosten mit


internem Fremdvergleich voll ab!

305 Der Fiskus piesackt gerade kleine Familienbetriebe gern mit folgender 305
mS Taktik: Wollen Eltern die Fortbildungskosten, auch das weiterlaufende Ge-
halt etc. als Betriebsausgaben absetzen, wenn Sohn oder Tochter etwa die Meis-
terschule besucht, wird ihnen entgegengehalten: Sie hätten andere Mitarbeiter
doch sicher auch nicht gefördert, das Geld für Sohn oder Tochter sei daher der
privaten Lebensführung zuzuordnen.
Dem beugst Du geschickt vor, indem Du anderen fähigen Mitarbeitern eben-
falls eine Fortbildung anbietest, am besten schriftlich per Aushang im Betrieb.
Selbst wenn diese kein Interesse haben, gelingt Dir damit der »interne Fremd-
vergleich« – und der, so das BFH-Urteil vom 11. 12. 1997 (BFH/NV 1998 S. 952),
reiche aus.
Ganz wichtig dabei: Einen schriftlichen Fortbildungsvertrag abschließen, mit
Rückzahlungsklausel für den Fall, dass der Mitarbeiter (auch Sohn oder Toch-

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214 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

ter) nach Abschluss der Fortbildung nicht mindestens zwei bis drei Jahre im
Betrieb bleibt.

Bürokratie ist die Vervielfältigung von Problemen


durch Einstellung weiterer Beamter.
(N. Parkinson)

Fordere die Vorsteuer aus den Rechnungen


für die Meisterprüfung zurück!

306 Nach der Meisterprüfung machst Du Dich selbständig. Jetzt hast Du die 306
mS Möglichkeit, nachträglich die Vorsteuer aus den Rechnungen für die Meis-
terprüfung zwecks Erstattung vom Finanzamt anzufordern. Denn die Meister-
prüfung gehörte umsatzsteuerlich gesehen bereits zu den Vorbereitungshand-
lungen zur Betriebseröffnung. Das allein rechtfertigt den Vorsteuerabzug, denn
die Unternehmereigenschaft, auf die es hier ankommt, beginnt mit den ersten
Vorbereitungshandlungen (Quelle: Abschnitt 19 Umsatzsteuer-Richtlinien).

307 Auch Aufwendungen für einen Führerschein können Werbungskosten sein, 307
wenn der Arbeitgeber den Erwerb des Führerscheins nahelegt und der Arbeit-
nehmer bei einer Weigerung, den Führerschein zu erwerben, Nachteile in sei-
nem beruflichen Fortkommen befürchten muss. Dies gilt insbesondere für äl-
tere Arbeitnehmer, die selbst kein eigenes Kraftfahrzeug besitzen (FG Münster
v. 30. 6. 1965 – EFG 1965 S. 607). Ebenfalls gute Karten hast Du, wenn Du als
Bauhandwerker, der bisher schon häufig für die Firma Klein-Lkw gefahren hat,
den Führerschein Klasse II machst (FG Münster v. 25. 2. 1998 – EFG 1998
S. 941). Auch die Kosten eines Busführerscheins sind Werbungskosten, wenn ein
Steuerzahler damit seine Chance, als Kraftfahrer eine Stelle zu bekommen, ver-
größern möchte (FG Baden-Württemberg v. 29. 8. 2006 – 14 K 46/06)
Dagegen hat der Bundesfinanzhof (Urteil v. 20. 2. 1969 IV R 119/66 – BStBl
1969 II S. 433) entschieden, dass Aufwendungen für den Erwerb des Führer-
scheins in aller Regel auch dann zu den Kosten der Lebensführung gehören,
wenn der Beruf oder der Betrieb die Benutzung eines Personenkraftwagens
erforderlich macht. Der BFH rechtfertigt diese Auffassung u. a. damit, dass in
aller Regel der einmal erworbene Führerschein in nicht unbedeutendem Um-
fang auch für Privatfahrten benutzt wird. Allein die Tatsache, dass der Steuer-
zahler für seine Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte auf den Pkw an-
gewiesen ist, rechtfertigt ebenfalls keinen Abzug der Führerscheinkosten als
Werbungskosten (BFH v. 15. 2. 2005 – BFH/NV 2005 S. 890).

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7. Die Kosten für Deine Fortbildung 215

308 Was für den Führerschein gilt, muss für den Flugschein nur recht und billig sein. 308
Wenn Du als Stewardess oder Angestellter einer Fluggesellschaft den Aufstieg
als Pilot schaffen willst oder Dir nach erfolgreich absolvierter erster Ausbildung
doch mehr der Sinn nach einem Arbeitsplatz über den Wolken steht und Du auf
Pilot umsattelst und deshalb den Verkehrsflugzeugführerschein machst, sind
Deine Kosten auf jeden Fall Werbungskosten (BFH v. 27. 5. 2003 – BStBl II 2005
S. 202). Ist Deine Pilotenausbildung dagegen Deine erstmalige Berufsausbil-
dung und findet sie nicht ausnahmsweise im Rahmen eines Arbeitsverhältnisses
mit der Flugggesellschaft (Ausbildungsdienstverhältnis) statt, sind die von Dir
getragenen Kosten nur Ausbildungskosten (§ 12 Nr. 5 EStG) und können nur
bis zu 4 000 € im Jahr als Sonderausgaben abgezogen werden.
Mit einer Privatpilotenlizenz ist es schon ungleich schwieriger, Werbungskosten
abzusetzen. Wenn Du nicht gerade eine Lizenz zum Fluglehrer anstrebst, rech-
net man die Kosten Deinem Privatvergnügen zu.

zum kostenlosen Führerschein

309 Wenn Du Deinen Führerschein beruflich brauchst, hast Du gute Karten, wenn 309
Dein Arbeitgeber die Führerscheinkosten übernimmt. Die sind nämlich für
Dich komplett steuerfrei. So sehen das jedenfalls der BFH für den Führerschein
eines Polizisten (BFH-Urteil v. 26. 6. 2003 – BStBl II 2003 S. 886) und das Baye-
rische Staatsministerium der Finanzen bei Feuerwehrleuten, die den Führer-
schein Klasse »C« auf Kosten der Gemeinde machen (Erlass v. 16. 6. 2004 –
S 2337 – 158 – 25617/04).

für Sprachkurse

310 In Zeiten der Globalisierung bist Du ohne Fremdsprachenkenntnisse auf der 310
Karriereleiter ganz schnell abgemeldet. Also entschließt Du Dich vielleicht
doch, Sprachkurse zu belegen. Doppelte Freude bringen solche Kurse natürlich
dann, wenn Du sie von der Steuer absetzen kannst und statt an einer Fach- oder
Volkshochschule zu büffeln das Lernprogramm ins Ausland verlegst.
Um die Werbungskosten durchzupauken, musst Du Folgendes beachten (BFH
v. 13. 6. 2002 – BStBl II 2003 S. 765):
● Der Sprachkurs sollte auf Deine beruflichen Belange zugeschnitten sein.
Wenn Du einen Spezialkurs z. B. in Wirtschaftsenglisch belegst, hast Du an
sich immer gute Karten. Aber auch ein allgemeiner Sprachkurs gilt als auf

78049-7_s001-816.indb 215 28.08.2007 14:29:11 Uhr


216 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Deine beruflichen Belange zugeschnitten, wenn Du für Deinen Job nur


grundlegende Sprachkenntnisse, also kein Fachchinesisch benötigst.
● Der Lehrgang muss straff durchorganisiert sein und darf keinen umfang-
reichen Platz für touristische Aktivitäten lassen. Allerdings musst Du auch
nicht rund um die Uhr büffeln. Der BFH hat es jedenfalls als ausreichend
angesehen, wenn Du an fünf Tagen in der Woche jeweils sechs Stunden Un-
terricht absolvierst und zusätzliche Zeit für das Nacharbeiten des Unter-
richtsstoffs anfällt. Dass Du am Abend und am Wochende Gelegenheit hast
auszuspannen, steht der Anerkennung nicht entgegen. Schließlich musst Du
ja den Kopf auch mal wieder frei bekommen, und vergleichbare unterrichts-
freie Zeiten wären ja genauso angefallen, wenn der Kurs im Inland stattge-
funden hätte.
● Gelegentliche Exkursionen mit der Gruppe am unterrichtsfreien Samstag
und ein generell freier Sonntag stehen der Anerkennung der Werbungskos-
ten nicht entgegen.
● Auf keinen Fall darf der Fiskus die berufliche Veranlassung Deines Sprach-
kurses mit der Begründung ablehen, dieser habe im Ausland stattgefunden
und ein vergleichbarer Inlandssprachkurs hätte es schließlich auch getan.
Diese Argumentation verstößt nämlich, zumindest wenn es um Kurse in
einem EU-Staat geht, gegen EU-Recht.
An diesen Kriterien hat sich der BFH auch in späteren Entscheidungen orien-
tiert, wenn es um die Frage ging, ob Du neben den reinen Kursgebühren auch
die übrigen Kosten, wie Verpflegungspauschalen, Unterkunfts- und Fahrtkos-
ten, absetzen kannst (BFH v. 19. 12. 2005 – BFH/NV 2006 S. 934).
Um die berufliche Notwendigkeit Deines Sprachkurses zu untermauern, kann
eine entsprechende Bescheinigung des Chefs natürlich nie schaden.

Bescheinigung
Da Herr/Frau . . . . . . in der Funktion als . . . . . . ständig mit
unseren internationalen Kunden und Geschäftspartnern verhandeln muss,
war es für die weitere Ausübung der bisherigen Funktion in unserem Haus
und im Interesse eines Ausbaus der Kundenbeziehungen im Ausland unbe-
dingt erforderlich, dass er/sie zur Verbesserung seiner/ihrer Franzö-
sischkenntnisse (o. Ä.) einen (Intensiv-)Sprachkurs belegt.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ort, Datum Unterschrift

78049-7_s001-816.indb 216 28.08.2007 14:29:11 Uhr


7. Die Kosten für Deine Fortbildung 217

für Auslandssprachkurse

311 Einen Hinweis solltest Du unbedingt beachten: War der Sprachkurs nur die 311
Vorbereitung für einen längeren Einsatz im Ausland für Deine Firma, sei auf
der Hut. Die im Anlegen kräftiger Daumenschrauben für Steuerzahler recht
rührigen Bundesfinanzhofrichter – immerhin entscheiden sie 80 % ihrer Fälle
für den Fiskus – sind auf den Trichter verfallen, dass Deine Werbungskosten
dann ja mit steuerfreien Auslandseinkünften zusammenhängen, die Du später
beziehst, und deswegen nach § 3 c EStG nicht abzugsfähig sein sollen (BFH v.
24. 4. 1992 – BStBl II 1992 S. 666). Schreibt Deine Firma in der Bescheinigung,
dass Dein Französischkurs wegen Deiner geplanten Versetzung in die Filiale in
Paris erforderlich war, hast Du schlechte Karten.
Du wirst Dir stattdessen eine Bescheinigung holen, nach der Du Deine neuen
Sprachkenntnisse auch bei Deiner regulären Arbeit in Deutschland gewinn-
bringend für die Firma einsetzen sollst. Und schon hast Du das Finanzamt mit
seinen Streichgelüsten ausgebremst, es darf den Sprachkurs dann nämlich nicht
mehr Deinem Auslandsaufenthalt zurechnen (BFH v. 10. 4. 2003 – BStBl 2002 II
S. 579).
Was die Fahrtkosten betrifft, kannst Du sie nach dem Urteil des FG Düsseldorf
vom 19. 8. 1970 – EFG 1971 S. 18 in gleicher Weise wie Selbständige nebst Mehr-
verpflegungsaufwand als Werbungskosten für den Besuch auswärtiger Fortbil-
dungsveranstaltungen abziehen. Auch die Finanzverwaltung nimmt inzwischen
in derartigen Fällen an, dass während der ersten drei Monate eine Dienstreise
vorliegt (R 37 Abs. 3 S. 3 LStR).
Wohnst Du am Lehrgangsort und hast ansonsten einen eigenen Hausstand,
kannst Du nach Ablauf der ersten drei Monate für Miete und Heimfahrten
Werbungskosten wegen doppelter Haushaltsführung geltend machen (R 43
Abs. 5 LStR E Rz 401 ff.).

Profitiere zweimal vom Wissen Deiner Kollegen!

312 Wie oft triffst Du Dich als Azubi, Geselle in der Meisterausbildung, Referendar 312
oder Beamtenanwärter mit Deinen Kollegen nach Feierabend oder an den Wo-
chenenden, um noch ein wenig zu fachsimpeln, für die nächste Prüfung zu büffeln
oder um Euch einfach gegenseitig beim Aufarbeiten des Lehrstoffs zu helfen?

78049-7_s001-816.indb 217 28.08.2007 14:29:11 Uhr


218 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Ganz wichtig: Bier- und Weinflaschen und Kartenspiele haben auf solchen Tref-
fen nichts zu suchen, wenn Du Deine Kosten unter dem Stichwort Arbeitsge-
meinschaft absetzen willst.
Für Deine Fahrten zu den Arbeitsgemeinschaften machst Du selbstverständlich
Dienstreisekosten geltend, also die Fahrtkosten für Dein Auto mit 0,30 € je km
und Verpflegungspauschalen, wenn Du mindestens acht Stunden (inkl. Wege-
zeiten) von zu Hause abwesend warst. Dank des FG Köln – EFG 1994 S. 290
kann Dir das kein Fiskalritter mehr mit der Begründung kaputt machen, nach
drei Monaten hättest Du am Ort der Arbeitsgemeinschaft eine regelmäßige Ar-
beitsstätte und könntest damit höchstens noch Fahrten zwischen Wohnung und
Arbeitsstätte absetzen.
Damit Du dem Finanzamt einen wasserdichten Nachweis vorweisen kannst, be-
sorge Dir von Deinen Mitstreitern eine schriftliche Teilnahmebestätigung:

Bestätigung
Hiermit bestätigen wir Herrn/Frau . . . . . . . ., dass er/sie an fol-
genden Terminen
Datum . . . . . .; Datum . . . . . .; Datum . . . . . . etc.
in . . . . . . an einer ausschließlich beruflich bedingten Lern\- und
Arbeitsgemeinschaft teilgenommen hat.
Die Arbeitsgemeinschaften begannen regelmäßig um . . . . . . Uhr und
endeten um . . . . . . Uhr.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ort und Datum Stempel Unterschrift

313 Eine Obergrenze, wie viele Arbeitsgemeinschaften anerkannt werden und wie 313
lange diese dauern dürfen, gibt es nicht. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Du soll-
test es nicht übertreiben. Bei allzu häufigen Treffen – vor allem, wenn sie auch
noch lange dauern – dichtet Dir der Fiskalvertreter nur zu gern eine vermeint-
liche private Mitveranlassung an und hat auch noch Schützenhilfe vom FG
Münster (EFG 1995 S. 7). Das strich nämlich einem sich zum Meister fortbilden-
den Installateur seine Arbeitsgemeinschaften, eben weil »im Hinblick auf die
Dauer der Treffen eine private Mitveranlassung nicht ausgeschlossen werden
konnte«. Allerdings hat sich unser Installateur auch reichlich dumm angestellt:
Statt eine lange Liste über den geübten Lernstoff zusammenzuschreiben, hat er
nur steif und fest behauptet, er habe gelernt. Das muss man sich mal vorstellen!
Da ackerst Du stunden- und tagelang, um es zu etwas zu bringen, und dann
kommt so eine Beamtenseele, der jeden Tag pünktlich der Griffel aus der Hand
fällt, und zweifelt den ausschließlich beruflichen Grund Deiner Aktivitäten an!
Stell Dich also geschickter an, und schau in Deinem Lehrplan nach, dann fällt
Dir bestimmt auch im Nachhinein noch ein, was Ihr so alles gepaukt habt. Au-

78049-7_s001-816.indb 218 28.08.2007 14:29:12 Uhr


7. Die Kosten für Deine Fortbildung 219

ßerdem solltest Du es mit den Finanzrichtern im Rheinland halten, die offen-


sichtlich manchmal etwas großzügiger gestimmt sind und einer angehenden
Bilanzbuchhalterin ohne weiteres 61 Treffen an Samstagen und Sonntagen à
sieben Stunden als Werbungskosten anerkannt haben (FG Düsseldorf – EFG
1994 S. 648).

zur Verpflegungspauschale

314 Lasst Euch nicht von der Schummelei mancher Teilnehmer an einer Lehrge- 314
meinschaft anstecken, die dem Finanzamt Fahrten zu den Kollegen aufs Auge
drücken, die überhaupt nicht stattgefunden haben.
Macht besser Folgendes: Statt Eure 30 Treffen im Jahr mit Gewalt auf je
8,5 Stunden auszudehnen, um in den Genuss von Verpflegungspauschalen zu
kommen, und damit dem Fiskus Munition für angeblich private Mitveranlas-
sungen wegen überlanger Dauer zu geben, trefft Ihr Euch 60-mal für ca. fünf
Stunden. Die schlappen 180 € (30 Tage à 6 € Verpflegungspauschale), die Du so
aufgibst, holst Du durch die Fahrtkosten doppelt und dreifach herein.

Erfahrungsaustausch mit Steuerspareffekt

Wenn Du meinst, Dich als alten Berufshasen ginge das alles nichts an: Wer sagt
Dir denn eigentlich, dass Arbeitsgemeinschaften ein Privileg für Auszubildende,
Referendare, Beamtenanwärter und Lehrgangsteilnehmer sind? Wann bleibt
Dir denn schon einmal die Zeit, Dich während Deiner normalen Arbeitszeit
beruflich auf dem Laufenden zu halten? Da Du trotzdem in Deinem Job am
Ball bleiben willst, könntest Du doch mit ein paar Kollegen eine regelmäßige
selbstorganisierte Fortbildung nach Feierabend ins Leben rufen. Neben dem
Bombeneindruck, den das auf Deinen Chef oder Deine Vorgesetzten macht,
verhilft Dir das zusätzlich zu einer hübschen Steuerersparnis.

Abc der Fortbildungskosten


315 Zum Schluss eine kleine Übersicht – vor allem zur persönlichen Auswertung, ob 315
die Situation bei Dir ähnlich liegt oder hingebogen werden könnte – die zeigt,
welche Fortbildungskosten anerkannt wurden. Das war z. B. der Fall, als ein (in
manchen Fällen eine)

78049-7_s001-816.indb 219 28.08.2007 14:29:12 Uhr


220 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Altenpflegehelfer sich zum Altenpfleger mauserte (EFG 1994 S. 470), Ange-


stellter ins Beamtenverhältnis übernommen wurde, Arbeitsloser eine Fortbil-
dung absolvierte, um seine Chancen auf einen Arbeitsplatz zu verbessern (BFH
– BStBl 1996 II S. 482), Arzt sich zu einem Industriechemiker umwandelte, was
das Gericht mit der Begründung genehmigte, beide Tätigkeiten seien verwandt
(wie wahr, wie wahr!), Arzt vom Humanmediziner zum Kiefer- und Gesichts-
chirurgen aufstieg (BFH – BFH/NV 1995 S. 594), Arzt sich zum Psychothera-
peuten fortbildete (EFG 1989 S. 105), Bauhandwerker eine Technikerschule
besuchte (EFG 1973 S. 424), Bauingenieur Betriebswirtschaft studierte (BFH –
BStBl 1998 II S. 239), Betriebswirt an der Akademie für angewandte Betriebs-
wirtschaft studierte (BFH – BStBl 1979 II S. 675), Bilanzbuchhalter zum Heil-
praktiker umschulte (BFH v. 13. 2. 2003 – VI R 44/01), Bundeswehrpilot auf Li-
nienflugzeugpilot umschulte (BFH – BStBl 1979 II S. 337), Bürokaufmann sich
mit einem zweijährigen Vollzeitunterricht zum Fremdsprachenkorrespondenten
fortbildete (EFG 1991 S. 603), Chemielaborant eine Technikerschule besuchte
(EFG 1975 S. 277), Dipl.-Betriebswirt wegen Arbeitslosigkeit auf Immobilien-
makler umschulte (BFH v. 17. 12. 2002 – BFH/NV 2003 S. 476), Dipl.-Ing. ein
Führungskräfteseminar und einen Managementkurs belegte (EFG 1994, S. 26),
Dipl.-Ing. Wirtschaftsingenieur studierte (BFH – BStBl 1992 II S. 966) oder
Dipl.-Betriebswirt werden wollte (EFG 1995 S. 829), Dipl.-Kaufmann Steuer-
berater werden wollte (BFH – BStBl 1990 II S. 572), Dipl.-Pädagogin auf
Psychotherapeutin für Kinder und Jugendliche lernte (EFG 1995 S. 615),
Dipl.-Physiker studierte, um den Titel »Master of Business Administration« zu
erwerben (BFH – BFH/NV 1997 S. 648), Dipl.-Psychologin sich zur Psychothe-
rapeutin fortbildete (BFH – BStBl 1977 II S. 547), Finanzbeamter einen Steuer-
beraterkurs belegte, Flugingenieur eine Fluglizenz erwarb (BFH – BStBl 1992
II S. 963), Gastarbeiter aus beruflichen Gründen einen Sprachkurs belegte
(EFG 1995 S. 19), Geistlicher Hochschullehrer wurde (BFH 28. 6. 1963 – BFH E
77 S. 313), Geistlicher Predigerhandschriften studierte und diese erwarb, Ge-
richtsreferendar sich um die Zweite Juristische Staatsprüfung bewarb, Geselle
sich auf die Meisterprüfung vorbereitete, Handwerksmeister einen Lehrgang
»Betriebswirt des Handwerks« belegte (EFG 1995 S. 9), Heilerzieherin in
Shiatsu-Kursen zur Shiatsu-Praktikerin fortgebildet wurde (FG Hamburg v.
1. 2. 2000, EFG 2000 S. 616), Industriekaufmann zum praktischen Betriebswirt
fortgebildet wurde (BFH – BStBl 1979 II S. 773), Inspektor eine Wirtschaftsaka-
demie besuchte, Justizobersekretär sich zur Prüfung als Rechtspfleger auf-
machte, Kaufmann an der Hessischen Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie
einen Fortbildungsstudiengang zum Betriebswirt (VWA) belegte (EFG 2000,
S. 355), Kaufmannsgehilfe an einer Wirtschaftsoberschule paukte (EFG 1967
S. 903), Knappschaftsangestellter an einer Verwaltungsakademie studierte,
Krankenpfleger sich zum Heilpraktiker fortbildete (EFG 1992 S. 324), Laboras-
sistentin (Erziehungsurlaub) den Studiengang »Weiterbildung für Lehrper-
sonen an Schulen des Gesundheitswesens« (EFG 2000 S. 1063) belegte, Land-
wirt wegen Arbeitslosigkeit auf Dachdecker umschulte (BFH v. 17. 12. 2002 –

78049-7_s001-816.indb 220 28.08.2007 14:29:12 Uhr


8. Bei Studienreisen heißt es aufpassen! 221

BFH/NV 2003 S. 477), Lehrer auf Jugend-Skileiter machte, Lehrer an


Supervisionen teilnahm, auch wenn damit gleichzeitig seine Persönlichkeitswei-
terbildung gefördert wurde (EFG 1996 S. 1025), Lehrer sich vom Grundschul-
lehrer zum Realschullehrer fortbildete (BFH – BStBl 1992 II S. 962), Lehrer der
Sekundarstufe I sich die Lehrbefähigung für die Sekundarstufe II zulegte (BFH
– BStBl 1992 II S. 556), Lehrer sich zum Sonderschullehrer fortbilden ließ (BFH
– BStBl 1975 II S. 280), Lehrerin nach ihrem Auslandsstudium in Deutschland
neu studierte (BFH – BFH/NV 1998 S. 844), Lehrerin an einer Sonderschule
sich per Studium zur analytischen Kinder-Psychotherapeutin und Psychagogin
weiterbildete (EFG 1997 S. 1105), Musiker mit B-Schein das A-Examen ablegte
(BFH – BStBl 1992 II S. 961), Musiker ein Tonmeisterstudium absolvierte (BFH
– BStBl 1996 II S. 449), Revisor sich auf die Wirtschaftsprüfer- oder Steuerbera-
terprüfung vorbereitete, Schiffsbaugeselle eine Schiffsingenieurschule besuchte
(BFH – BStBl III 1962 S. 489), Sozialarbeiter (grad.) ein Anschlussstudium
»Pädagogik/Erziehungswissenschaften« absolvierte (EFG 1989 S. 628), Sozial-
arbeiter sich zum Psychagogen fortbildete (EFG 1982 S. 238), Sportlehrer einen
Kursus zur Ausbildung als Surfing-Instruktor besuchte (EFG 1990 S. 55), Steu-
erassistent einen Steuerrechtslehrgang mitmachte, Steuerberater einen Inten-
sivsprachkurs in England absolvierte (EFG 1998 S. 809), Steuerfachgehilfe sich
zum Steuerberater mausern wollte (EFG 1990 S. 172), Verkäuferin zur Arzthel-
ferin umschulte (BFH v. 17. 12. 2002, BFH/NV 2003 S. 474), Volksschullehrer ein
Musikseminar belegte oder auf die Zweite Lehramtsprüfung hinstrebte,
Werkspilot den Berufsflugzeugführerschein erwarb (EFG 1997 S. 1304), Wis-
senschaftlicher Assistent sich auf eine Professur vorbereitete (BFH, BStBl III
1967 S. 778), Yoga-Lehrerin, die Yoga-AGs abhält, einen Yoga-Lehrgang machte
(FG Nds v. 17. 2. 1999 – IX 647/97).

8. Bei Studienreisen heißt es aufpassen!

316 Von Studienreisen spricht man oft, wenn man die Welt kennenlernen will. 316
mS Kein Wunder also, wenn da das Finanzamt nicht immer mitmacht. Viele
Fälle dieser Art wurden bereits in der Rechtsprechung entschieden. So zuguns-
ten eines Studienrats, der mit seiner Klasse eine Studienreise machte (BFH-
Urteil v. 12. 7. 1956 – BStBl III S. 291), bei einem Zahnarzt in amerikanischen
Diensten für eine Reise in die USA zu dortigen Zahnkliniken und -praxen
(BFH-Urteil v. 24. 8. 1962 – BStBl III S. 487), bei einem Sprachlehrer, der in
Englisch seine Fachprüfung betrieb und deshalb an einer internationalen Som-
merschule in England teilnahm (BFH-Urteil v. 29. 7. 1954 – BStBl III S. 264), bei
einer Dipl.-Betriebswirtin, die in einem Versandunternehmen arbeitete und an
einer Auslandsreisegruppe einer Fachzeitschrift zur Besichtigung von Kaufhäu-
sern in den USA teilnahm (Hess. FG v. 12. 10. 1989 – EFG 1990 S. 56).

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222 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

317 Anders dagegen wurden einer Lehrerin die Kosten für einen Sprachkurs in die 317
Türkei nicht anerkannt, obwohl in den von ihr unterrichteten Klassen ein be-
sonders hoher Anteil türkischer Schüler war (BFH-Urt. v. 24. 4. 1992 – BFH/NV
1992 S. 730). Die Richter meinten, dass für einen Lehrer, der in der Bundesre-
publik türkische Schüler unterrichte, eine Sprachreise in die Türkei dann nicht
beruflich veranlasst sei, wenn dabei zugleich touristische Sehenswürdigkeiten
– wie hier – aufgesucht würden.

318 Die Abgrenzungskriterien der Gerichte und des Fiskus 318


Wie Du siehst, geht es bei den Gerichtsentscheidungen munter durcheinander.
Weder Dein Beruf noch das Reiseziel oder der Anlass der Reise bieten für sich
allein genommen eine Gewähr für die steuerliche Anerkennung. Zunächst ein-
mal musst Du also wissen, nach welchen Kriterien die Frage entscheiden wird,
ob Deine Studienreise beruflich veranlasst ist und die Kosten damit als Wer-
bungskosten anerkannt werden – oder ob man Dir wegen einer vermeintlichen
privaten Veranlassung die Steuervorteile versagt.

Es spricht dafür, dass eine Reise ins Ausland betrieblich bzw. beruflich veran-
lasst ist, wenn:
● das Reiseprogramm auf die besonderen betrieblichen/beruflichen Bedürf-
nisse und Gegebenheiten der Teilnehmer zugeschnitten ist,
● ein konkreter, aktueller betrieblicher bzw. beruflicher Anlass für die Reise
besteht sowie ein konkreter Nutzen eintritt oder zumindest zu erwarten sein
sollte,
● die Reiseteilnehmer aus einem im Wesentlichen gleichartigen Personenkreis
bestehen,
● das Reiseprogramm straff organisiert ist und der Steuerzahler auch tatsäch-
lich an den einzelnen Programmpunkten – am besten durch Teilnahmezerti-
fikate nachgewiesen – teilnimmt,
● die Reise von einem Fachverband organisiert und unter fachkundiger Lei-
tung durchführt wird,
● Zuschüsse des Arbeitgebers gegeben werden,
● der Arbeitgeber für die Teilnahme Dienstbefreiung oder Sonderurlaub ge-
währt.

Folgendes spricht gegen eine ausschließlich oder zumindest weitaus betrieb-


liche bzw. berufliche Veranlassung:
● Das Reiseprogramm dient nur allgemeinen Informationen, auch wenn diese
von beruflichem Interesse sind.
● Die Reise ist zeitlich und örtlich sehr auseinandergezogen, was für sich allein
jedoch noch nicht zur Aberkennung des Werbungskosten- oder Betriebsaus-
gabenabzugs führen muss.

78049-7_s001-816.indb 222 28.08.2007 14:29:13 Uhr


8. Bei Studienreisen heißt es aufpassen! 223

● Die Reise schließt besonders Wochenende und sonstige arbeitsfreie Tage ein,
an denen private Interessen verfolgt werden können.
● Die Reise findet während einer typischen Touristensaison statt.
● Besuch von bevorzugten Tourismuszentren.
● Die Mitnahme des Ehegatten, es sei denn, dieser ist im selben Beruf bzw. in
derselben Firma tätig und/oder die Mitnahme ist aus betrieblichen/beruf-
lichen Gründen erforderlich.
● Die Reise wird mit einem vorhergehenden oder anschließenden Privaturlaub
verbunden.
● Für die Reise wird Jahresurlaub genommen (kein Sonderurlaub vom Arbeit-
geber).
● Vergleichbare Informationen hätten auch im Inland oder näher gelegenen
Ausland erworben werden können. Das dürfen die Fiskaljünger aber nicht
ins Feld führen, wenn Dich Dein Sprachkurs in einen EU-Staat führt (BFH v.
13. 6. 2002 – BStBl II 2003 S. 765).
● Ein besonders zeitaufwendiges Beförderungsmittel (z. B. Schiff statt Flug-
zeug, Bahn oder Pkw) wird benutzt.

Wenn Du für Deine Reise keinen unmittelbaren beruflichen Anlass hast, also
nicht z. B. einen Vortrag halten musst oder einen Kunden aufsuchen willst, sind
die Gerichte bisher recht kleinlich mit der Anerkennung. So wurde einer Leh-
rerin ihre berufliche Englandreise nicht anerkannt, weil am Wochenende ein
Ausflug geplant war und von den übrigen zehn Tagen ein Tag sowie drei weitere
Nachmittage zur freien Verfügung standen (BFH – BStBl 1995 S. 729).
Wenn Du als ehrenamtlicher Gewerkschaftler eine Studienreise unternimmst,
um Dich gewerkschaftlich weiterzubilden, kannst Du Werbungskosten geltend
machen; das meinten jedenfalls die Finanzrichter in Köln im Urteil vom
13. 12. 1989 (EFG 1990 S. 299).
Anders dagegen, wenn Du als Richter zusammen mit anderen Richtern und
Staatsanwälten einen Trip durch Japan machst und Dir dabei in ausreichender
Zahl japanische Gerichte, Behörden und Universitäten ansiehst. Dass Du ne-
benbei die schönen Seiten Japans besichtigst und die Reise für Deine Richter-
tätigkeit eigentlich nicht direkt von Vorteil ist, spielte nach Meinung des FG
Hamburg im Urteil vom 11. 6. 1991 (EFG 1992 S. 254) keine Rolle. Dem Bun-
desfinanzhof war diese Vergnügungsreise allerdings ein Dorn im Auge. Obwohl
ja an sich eine Krähe der anderen kein Auge aushackt, haben sie den Abzug als
Reisekosten gestrichen (BFH, BStBl III 1993 S. 612).
Die Ausdehnung einer Reise oder eines Kongresses über ein Wochenende hin-
weg allein reicht nicht aus, um den Werbungskosten- oder Betriebsausgabenab-
zug zu streichen; es sei denn, dieses Kriterium wiegt so stark, dass dadurch die
Reise insgesamt als überwiegend privat veranlasst zu sehen ist.

78049-7_s001-816.indb 223 28.08.2007 14:29:13 Uhr


224 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Teile gemischte Kosten auf!

319 Zumindest in der Vergangenheit haben der Fiskus und die Gerichte bei Stu- 319
mS dienreisen immer nach der Devise »Sekt oder Selters« entschieden. Entweder
waren die Kosten komplett Werbungskosten, weil ein privater Touch der Reise
praktisch ausgeschlossen war, oder Du hast mit Deinen Kosten komplett in die
Röhre geschaut, weil man Dir ein privates Interesse an der Reise angedichtet hat.
Diese kleinliche Haltung bei gemischten Kosten bröckelt seit einigen Jahren
immer mehr.
Selbst die Finanzämter lassen trotz privater Reiseanteile solche Kosten zum
Abzug zu, die Du genau abgrenzen kannst und bei denen der berufliche Hinter-
grund zu 100 % eindeutig ist. Trotz Streichung der übrigen Reisekosten können
daher z. B. eine Lehrgangsgebühr, Seminargebühren, Vortragspauschalen, Kos-
ten für den Erwerb von Unterrichtsmaterial etc. als Werbungsksoten oder bei
Selbständigen als Betriebsausgaben anerkannt werden (Verfügung der OFD
Düsseldorf v. 27. 8. 1984).
Für den Fall, dass Dein Arbeitgeber die Kosten einer zum Teil beruflichen und
zum Teil privaten Reise bezahlt, ist die Sache schon lange klar. Sie dürfen mit
höchstrichterlichem Segen aufgeteilt werden. Nur den auf die privaten Aktivi-
täten entfallenden Anteil musst Du Dir ans Bein binden lassen und versteuern.
Der berufliche dagegen stellt keinen Arbeitslohn dar, Du wirst also dafür auch
nicht mit Steuern belastet (BFH v. 18 08. 2005 – BStBl II 2006 S. 30).
Die Aufteilung nimmt der BFH dabei nach folgenden Kriterien vor: Kosten, die
sich eindeutig zuordnen lassen, werden jeweils in voller Höhe der beruflichen
Seite (Seminargebühen, Vortragshonorare, Kosten für berufliche Besichti-
gungen etc.) oder der privaten Seite (Eintrittsgelder für Theater, Museen, Kos-
ten für Besichtigungstouren oder Animationsprogramme etc.) zugerechnet.
Kosten, die nicht eindeutig zugeordnet werden können (insbesondere für Flug
oder Fahrt, Unterkunft, Verpflegung etc.) werden im Verhältnis der beruflichen
und der privaten Zeitanteile der Reise aufgeteilt.
Diese bisher nur für die Arbeitslohnversteuerung geltende großzügige Handha-
bung will der BFH nun auch auf den Werbungskosten- bzw. Betriebsausgaben-
abzug für von Dir selbst getragene Kosten übernehmen. Nach den o. g. Krite-
rien sollst Du also demnächst auch die Kosten für gemischt veranlasste Bil-
dungsreisen, Auslandssprachkurse, Kongresse etc. aufteilen und so zumindest
den Teil absetzen dürfen, der rechnerisch auf den beruflichen Teil der Reise
entfällt. Hast Du bei der Reise also etwa gleich viel Zeit für den Job und Deine
private Erbauung aufgebracht, können die dicksten Posten wie Fahrt- oder
Flugkosten, Hotelunterkunft, Reiseleitung etc. im Verhältnis 50 : 50 aufgeteilt
werden, und Du bleibst privat nur auf der Hälfte der Kosten sitzen.

78049-7_s001-816.indb 224 28.08.2007 14:29:14 Uhr


8. Bei Studienreisen heißt es aufpassen! 225

Da die Richer beim BFH damit ihre eigene seit Jahrzehnten in Zement gemau-
erte »Ganz oder gar nicht«-Rechtsprechung über den Haufen werfen müssen,
haben sie zuvor ihr oberstes Entscheidungsgremium angerufen, den Großen
Senat, der letztlich darüber befinden soll, ob das oberste Steuergericht künftig
diesen für Steuerzahler freundlichen Weg beschreiten soll oder nicht.
Bis zu einer Entscheidung berufst Du Dich auf diesen Vorlagebeschluss Az GrS
1/06 (BFH v. 20. 6. 2006 – BStBl II 2007 S. 121) und wehrst Dich dagegen, wenn
das Finanzamt den Abzug sämtlicher Kosten mit der Begründung ablehnt, eine
private Mitveranlassung von nicht untergeordneter Bedeutung festgestellt zu
haben. Beantrage, dass Dein Einspruch so lange ruht, bis über diese Grundsatz-
frage entschieden ist. Über den genauen Aufteilungsmaßstab Deiner Kosten
kannst Du Dich dann bei Zeiten immer noch auseinandersetzen.

Reise auf Kosten des Finanzamts zu den


Sehenswürdigkeiten dieser Welt

320 Wenn Du es geschickt anstellst, kannst Du Dir die Niagarafälle oder den schie- 320
fen Turm von Pisa ansehen und Deine Reisekosten völlig legal dem Finanzamt
als Werbungskosten oder Betriebsausgaben unterjubeln. Was Du dazu benö-
tigst, ist lediglich ein beruflicher Anlass für Deine Reise. Besonders leicht hast
Du es da, wenn Du Geschäftsfreunde Deiner Firma im Ausland besuchen musst
oder z. B. im Ausland einen Vortrag halten sollst. Auch wenn Du einige private
Unternehmungen mit der Reise verbindest, sind Deine Reisekosten absetzbar,
denn Du kannst dem Finanzamt gegenüber ja mit gutem Gewissen versichern:
»Meine Reise habe ich selbstverständlich nur unternommen, weil ich dafür
einen konkreten beruflichen Anlass hatte. Die privaten Aktivitäten waren dem-
gegenüber völlig untergeordet.« Wenn Du dann noch auf das Urteil vom
12. 4. 1979 (BStBl 1979 II S. 513) pochst, dürftest Du keine Schwierigkeiten
haben, Deine Reisekosten durchzudrücken.

fürs Praktikum im Ausland

321 Die Kosten für ein Auslandspraktikum kannst Du nur ansetzen, wenn Du für 321
Dein Praktikum keinen Arbeitslohn beziehst. Andernfalls kommen Dir die Fis-
kalritter mit § 3 c EStG und streichen Dir Deine gesamten Kosten mit der Be-

78049-7_s001-816.indb 225 28.08.2007 14:29:14 Uhr


226 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

gründung, sie stünden mit steuerfreien Auslandseinkünften im Zusammenhang.


Aus demselben Grund solltest Du tunlichst nicht ins Feld führen, Du würdest
eine Anstellung im Ausland anstreben. Poche besser darauf, Du wärest ganz
wild auf einen Job bei einem deutschen Unternehmen mit internationalen Kon-
takten. Dein Praktikum würde die Anstellungschancen erheblich verbessern.

Schinde mit hochtrabenden Reisebeschreibungen


Eindruck!

322 Mach es wie der Uni-Professor, sofern Du einen entsprechenden Beruf hast. 322
Der hat seine Reise nach Indien kurzentschlossen zur Forschungsreise dekla-
riert. Auf die Richter beim Finanzgericht hat wohl am meisten Eindruck ge-
macht, dass er angab, die Sand-Lücken-Fauna zu erforschen. Vermutlich haben
die bei dem ganzen Fachchinesisch nur noch Bahnhof verstanden. Jedenfalls
hielten sie die Argumente, dass es sich um eine Forschungsreise handelte und
der Professor während der Reise den ein oder anderen Fachkollegen besuchte,
für ausreichend (FG Niedersachsen – EFG 1992 S. 122).

Man sollte den Gesetzen in Kleinigkeiten ein Bein stellen.


(Ringelnatz)

Such Dir als Sprachlehrer oder Fremdsprachen-


korrespondent die richtigen Kurse aus!

323 Willst Du als Lehrer für Sprachen Deine Reise nach England oder Frankreich 323
durch einen Sprachkurs zur steuerlich absetzbaren Bildungsreise machen, müs-
sen Deine Vorbereitungen stimmen. Achte bei der Auswahl des Sprachkurses
darauf, dass es möglichst ein Kurs für Fortgeschrittene oder vielleicht sogar
einer speziell für Lehrer ist.
Zu den grundlegenden Voraussetzungen – die auch für Dich als Lehrer gelten
– unter denen Sprachkurse im Ausland anerkannt werden, vgl. E Rz 310 ff.
Ein Wisch mit Stempel und Unterschrift vom Schulrektor könnte allerdings
auch hier helfen, die Anerkennung Deiner Reisekosten zu fördern, wenn er
etwa in diesem Sinn abgefasst ist:

78049-7_s001-816.indb 226 28.08.2007 14:29:14 Uhr


8. Bei Studienreisen heißt es aufpassen! 227

Der Rektor der Schule . . . . . . . . . . . .


Bescheinigung zur Vorlage beim Finanzamt
Hierdurch bestätige ich meiner Lehrerin, Frau Müller, Folgendes: Als
Leiterin künftiger Arbeitsgemeinschaften und Grundkurse in Französisch
muss sie sich die notwendigen Sprachkenntnisse aneignen. Ich halte
daher die beabsichtigte Reise nach Frankreich unter Teilnahme an einem
Fortbildungskurs für dienstlich dringend erforderlich!
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Siegel + Unterschrift

Um dem Finanzamt nicht gleich einen Rotstift in die Hand zu drücken, achte
darauf, dass im Reiseprogramm nicht zu viel Freizeit ausgewiesen wird. Zudem
sinken Deine Anerkennungschancen, wenn Du unmittelbar an Deinen Sprach-
kurs den Jahresurlaub anhängst (so jedenfalls das FG Baden-Württemberg vom
29. 1. 1998 – 6 K 352/97).
Geld allein macht nicht unglücklich.

Lerne mit Hilfe einer Stellenbewerbung auf


Staatskosten Spanisch oder Englisch!

324 Mit ein wenig Schreiberei und der Investition von ein paar Briefmarken und 324
Kopien setzt Du auch einen Grundkurs für eine Fremdsprache ab.
Allerdings musst Du es etwas geschickter anstellen als die Sachgebietsleiterin
eines Finanzamts, die vor dem BFH ihren Spanischkurs im Inland durchboxen
wollte. Dies mit der Begründung, sie habe sich bei einer Bundesbehörde bewer-
ben und dabei durch die Spanischkenntnisse ihre Einstellungschancen erhöhen
wollen. Dem BFH war der Zusammenhang zum Beruf der Sachgebietsleiterin
nicht eng genug, weil der »subjektive Wunsch nach einer beruflichen Verände-
rung sich nicht durch eine Bewerbung hinreichend konkretisiert hatte« (BFH-
Urteil v. 26. 11. 1993 – BStBl 1994 II S. 248).
Diesen Fehler wirst Du als mein Leser nicht begehen. Vielmehr wirst Du Dich
mit Deinen neuerworbenen Sprachkenntnissen auf einige Stellen bewerben, bei
denen solche Sprachkenntnisse gefordert werden. So schlägst Du zwei Fliegen
mit einer Klappe. Hast Du mit der Bewerbung Erfolg, springt vielleicht ein luk-
rativer Job für Dich heraus. Wenn nicht, hast Du jedenfalls Deinen Wunsch nach
beruflicher Veränderung so hinreichend konkretisiert, dass Du Dich bei Dei-
nem nächsten Urlaub über Deine vom Finanzamt mitfinanzierten Sprachkennt-
nisse doppelt freuen kannst.

78049-7_s001-816.indb 227 28.08.2007 14:29:15 Uhr


228 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

325 Achtung, Ihr Ärzte, die Ihr einen Fortbildungskurs in einem bekannten 325
mS Wintersportort absolviert:
● Besucht eine angestellte Ärztin während ihrer Ausbildung zur Fachärztin für
Chirurgie einen Fortbildungskurs, der nur in einem bekannten Wintersport-
ort in der Schweiz angeboten wird, können die Aufwendungen für die Teil-
nahme als Werbungskosten berücksichtigt werden. Dies gilt nach dem BFH-
Urt. vom 5. 9. 1990 – BStBl 1990 II S. 1059 nicht, wenn der Kurs während der
Wintersaison stattfindet und für die Mittagspause die Zeit von 11.30 bis 16.00
Uhr zur Verfügung steht. Die lange Mittagspause sah das Gericht als Anzei-
chen »für eine nicht unerhebliche private Mitveranlassung« an.
● Ein Arzt, der an einer Fortbildungsveranstaltung im Fach Skilaufen eines
Sportärzteverbands in einem bekannten Wintersportort teilnimmt, kann
seine Kosten dafür absetzen, wenn er damit das Recht erwerben will, sich
künftig Sportmediziner zu nennen (FG Rheinland-Pfalz v. 22. 3. 1988 – EFG
S. 509).
Arbeitgeber oder Firmen, die Ihr so etwas veranstaltet: Ihr wisst jetzt, wie der
Tagungsplan auszusehen hat!

326 Wenn Du z. B. als Universitätslektor, Hochschullehrer oder Lehrer Deine Semi- 326
nare im Ausland vorbereiten musst, solltest Du Dich wappnen, dass Du auf
Nachfrage für jeden Tag angeben kannst, welchen beruflichen Aktivitäten Du
nachgegangen bist (FG Baden-Württemberg v. 12. 3. 1998 – 6 K 394/97).

327 Bei Teilnahme an einem Fachkongress dürfen die Anforderungen an den Nach- 327
weis durch Testate nicht überzogen werden . . . Das FG Köln war jedenfalls der
Meinung, dass eine Testierung jeder Veranstaltung unzumutbar ist. Auch bei der
Anwendung von Beweisvorschriften sei der Verhältnismäßigkeitsgrundsatz zu
beachten. Dass der Veranstaltungsort der Steuerzahlerin schon von früheren Be-
suchen bekannt war und Familienmitglieder oder Freunde nicht mitgereist waren,
reichte dem Gericht als Beleg aus, dass der Kongress und damit nur berufliche
Motive für die Reise ausschlaggebend waren (FG Köln – EFG 1986 S. 109).

Setze als Organisator oder Reiseführer


die tollsten Reisen ab!

328 Den ganzen Nachweiszauber, den der Fiskus bei Studienreisen veranstaltet, 328
kannst Du vergessen, wenn Du selbst mit der Organisation und Durchführung
einer solchen Reise betraut bist. Auch wenn auf der Reise neben dem beruf-
lichen Programm Gelegenheit zum Sightseeing, Segeln, Skifahren oder Surfen

78049-7_s001-816.indb 228 28.08.2007 14:29:15 Uhr


8. Bei Studienreisen heißt es aufpassen! 229

besteht, bist Du fein raus, wenn Du als auserkorener Reiseleiter sozusagen


24 Stunden im Dienst bist. Hilfreich ist, wenn Du zusätzlich damit aufwarten
kannst, dass Du vor den Teilnehmern Vorträge gehalten hast und ihnen, wie z. B.
die wissenschaftliche Mitarbeiterin eines Geographischen Instituts beim Be-
sichtigen alter Steine etc., das Protokoll geschrieben hast. Dann steigen Deine
Chancen, die gesamten Kosten, die Dir durch die Reise entstehen, selbst dann
als Werbungskosten abzusetzen, wenn der berufliche Anstrich der Reise für die
übrigen Teilnehmer zu dünn ist. Du hast nämlich anders als sie einen unmittel-
baren beruflichen Anlass für die Reise. Hilf einem allzu ungläubigen Fiskalver-
treter ruhig mit dem BFH-Urteil vom 27. 8. 2002 – VI R 22/01 und 6. 5. 2002,
BFH/NV 2002 S. 1030 auf die Sprünge. Auch wenn Du von Deiner Firma als
Reiseleiter auf eine Auslandsreise mitgeschickt wurdest, um die übrigen Teil-
nehmer zu betreuen, hast Du mit der Anerkennung der beruflichen Veranlas-
sung gute Karten. Für Dich ergibt sich aus einer solchen »Incentive-Reise« je-
denfalls kein Arbeitslohn (BFH v. 14. 6. 1993 – BStBl II 1993 S. 640).
Kritisch wird es allerdings, wenn Du Deinen Ehepartner oder Lebensgefährten
mitnimmst, ohne dass Du dafür einen triftigen Grund ins Feld führen kannst
(BFH v. 25. 3. 1993 – BStBl II 1993 S. 639).

329 Wenn Du statt der Sekretärin lieber die Ehefrau mit auf Dienstreise nimmst, 329
kannst Du das in bestimmten Fällen »ruhigen steuerlichen Gewissens« tun.
Eine Ehefrau, die ihren Mann auf einer Reise nach Moskau begleitete, arbei-
tete im Betrieb mit, verrichtete dort Büroarbeiten, bediente im Geschäft und
leistete Dolmetscherdienste. Durch die besonderen betrieblichen Kenntnisse
unterstützte sie den Ehemann bei den Verkaufsverhandlungen in Moskau we-
sentlich. Das konnten zwar die Finanzbeamten, nicht aber die Finanzrichter
ignorieren. Ein erfreuliches Urteil des BFH vom 13. 2. 1980 (BStBl 1980 II
S. 386).

Mit einer Klassenfahrt Geld sparen

330 Insbesondere bei einer Klassenfahrt ins Ausland, z. B. einer Studienreise nach 330
Rom, kannst Du als Lehrer ein gutes Geschäft machen, denn sie ist für Lehrer
immer beruflich veranlasst und damit eine Dienstreise. Daher gelten für Dich
die Pauschalen für Auslandsreisen, d. h. gegenüber den mickrigen Inlandspau-
schalen erheblich höhere Verpflegungspauschalen und zudem auch noch ohne
Kostennachweis Übernachtungspauschalen.

78049-7_s001-816.indb 229 28.08.2007 14:29:15 Uhr


230 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Kommt der Bearbeiter dahinter, dass Du mit Deinen Zöglingen in einer Ju-
gendherberge preiswert untergebracht warst, kann er die Übernachtungspau-
schalen nach H 40 EStH »Übernachtung im Ausland« mit der Begründung kür-
zen, die Klassenfahrt sei eine vom Normaltypus stark abweichende Dienstreise.
Dir werden dann nur die tatsächlichen Unterkunftskosten angerechnet. Diese
Einschränkung solltest Du aber dann nicht gelten lassen, wenn Ihr in einem
nomalen Hotel untergebracht wart und Du als Lehrer ein teureres Einzelzim-
mer nehmen musstest, statt wie Deine Schüler in einem preiswerten Mehrbett-
zimmer unterzukommen. An der Verpflegungspauschale darf auf keinen Fall
herumgestrichen werden.
So eine Reise muss natürlich gründlich vorbereitet werden, und Du hast Dich
doch sicherlich vorher am Zielort der Reise umgesehen, Termine abgesprochen
und das Besichtigungsprogramm zusammengestellt. Du benötigst von der
Schule keinen besonderen Auftrag, um die dabei entstandenen Kosten als
Dienstreisekosten absetzen zu können (FG Schleswig-Holstein v. 18. 12. 1990 rk
– EFG 1991 S. 311). Du solltest allerdings eine ganz konkrete Klassenfahrt vor-
bereiten. Eine allgemeine Informationsreise, um mögliche Ziele zu erkunden,
reicht nach Meinung des BFH nicht aus, der einer Lehrerin die Kosten für eine
siebentägige Reise an den Gardasee nicht als Werbungskosten anerkannte, weil
der konkrete Anlass fehlte (BFH 27. 7. 2004 – BFH/NV 2005 S. 42).

Das teuerste Klo Sachsens für 110 000 € leistete sich das
6 000-Einwohner-Städtchen Dippoldiswalde am Karl-Marx-Platz:
außen Fachwerk, innen Marmor und Stahl,
automatische Wasserregulierung und Musik von oben.
(stern 34/1992)

Setze als Berufsschüler, Azubi, Beamtenanwärter


den Kurztrip nach London ab!

331 Gute Nachrichten bei Klassenfahrten gibt es nicht nur für Lehrer, sondern auch 331
für Berufsschüler. Alle, die während der Ausbildung noch die Schulbank drü-
cken, können die Kosten für offizielle Klassen- oder Schulfahrten als Werbungs-
kosten absetzen. Wichtig ist nur, dass die Fahrt als offizielle Lehrveranstaltung
der Schule oder Fachhochschule ausgewiesen wird. Beruf Dich beim Finanzamt
auf das BFH-Urteil vom 7. 2. 1992 – BStBl 1992 II S. 531, das ein hartnäckiger
Berufsschüler erstritten hat. Also, auf geht‘s, London sehen und das Finanzamt
(mit)bezahlen lassen!

78049-7_s001-816.indb 230 28.08.2007 14:29:16 Uhr


9. Hilfe durch Arbeitsmittel 231

9. Hilfe durch Arbeitsmittel


332 Es ist keine Frage: Ausgaben für Gegenstände, die der Berufsausübung dienen, 332
sind als berufliche Kosten abzugsfähig (Arbeitsmittel). Dazu rechnet auch Be-
rufskleidung. Bei vielen Arbeitsmitteln musst Du aber damit rechnen, dass das
Finanzamt prüft, ob das Arbeitsmittel nicht auch privat genutzt werden kann.

Die besten Karten im Steuerpoker hast Du, wenn Du sagen kannst: Die private
Nutzung meines Arbeitsmittels ist völlig unbedeutend, d. h., sie liegt unter 10 %
der Gesamtnutzung. Dann ist alles abzugsfähig.
Liegt der private Nutzungsanteil über 10 %, muss der aufgewendete Betrag auf-
geteilt werden in einen abzugsfähigen beruflichen und einen nicht abzugs-
fähigen privaten Kostenanteil. Das hört sich noch alles ganz vernünftig an. Aber
jetzt kommt der Haken: Eine Aufteilung ist nur zulässig, wenn »objektive Merk-
male und Unterlagen eine zutreffende und leicht nachprüfbare Trennung er-
möglichen« – ansonsten wird der gesamte Betrag zu den nicht abzugsfähigen
Kosten der Lebenshaltung gerechnet (BFH – BStBl 1971 II S. 17). So blieb ein
Sportlehrer auf den Kosten für seine Surfausrüstung sitzen – obwohl die private
Nutzung nur 15,5 % betrug (BFH – BStBl 1987 II S. 262).

Aufteilen statt vollständig streichen

333 Mit dieser vollständigen Streichung der Kosten für Deine Arbeitsmittel musst 333
Du Dich nicht widerspruchslos zufriedengeben. Trotz gemischter Nutzung ver-
lange, dass man Dir zumindest in Höhe der anteiligen beruflichen Nutzung Dei-
nes Arbeitsmittels die Kosten als Werbungskosten zuerkennt. Im Zweifelsfall
beschreibst Du die berufliche Nutzung und schätzt deren Anteil. Das Auftei-
lungs- und Abzugsverbot, auf das sich der Fiskus bei seinen Streichorgien so
gern stützt, steht nämlich zurzeit beim BFH auf dem Prüfstand (BFH v.
20. 6. 2006 – BStBl II 2007 S. 121; Vorlagebeschluss Az GrS 1/06). Zu weiteren
Einzelheiten vgl. auch E Rz 319.

334 Die Finanzämter sehen von der Anforderung von Belegen normalerweise ab, 334
wenn als Aufwendungen für Arbeitsmittel nicht mehr als ca. 100 € – 110 € gel-
tend gemacht werden. Auch ohne Belege werden also Arbeitsmittel anerkannt.
Leider hast Du aber keinen gesetzlichen Rechtsanspruch auf Anerkennung die-
ser »Arbeitsmittelpauschalen«.
Achte beim Kauf auf eine wasserdichte Rechnung. Also nicht »Schuhe«, son-
dern »Arbeitsschuhe«. Statt »Ledertasche« besser »Aktentasche«, statt

78049-7_s001-816.indb 231 28.08.2007 14:29:16 Uhr


232 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

»Schreib-« oder »Papierwaren« oder »Buch« lasse »Büromaterial« oder »Fach-


buch« (mit Autor und Titel) eintragen.
Der Staat hat in seiner Raffgier sich so weit an seinen Bürgern vergriffen, dass
sich Firmen und Geschäfte sehr anpassungsfähig zeigen, wenn ein Kinderbuch
zum Fachbuch, eine Garderobe zum Schreibtisch, eine Stehlampe zur Schreib-
tischleuchte, eine Mikrowelle zum Heizgerät fürs Arbeitszimmer mutiert.

a) In welcher Höhe sind Deine Aufwendungen abziehbar?


335 I. Arbeitsmittel, deren Nettokaufpreis 410 € nicht übersteigt 335
Arbeitsmittel, deren Nettokaufpreis 410 € nicht übersteigt (das entspricht 488 €
mit 19 % und 438 € mit 7 % Mehrwertsteuer) setzt Du in voller Höhe als Wer-
bungskosten ab. Zu diesen Arbeitsmitteln zählen insbesondere: Aktentasche,
Arbeitskleidung, kleine Büromöbel (z. B. Stühle, Papierkorb), Diktiergerät,
Fachzeitschriften und Fachbücher, Schreibtischlampe, Taschenrechner, kleinere
Werkzeuge. Im Beamtendeutsch werden diese Arbeitsmittel als »geringwertige
Wirtschaftsgüter« bezeichnet.
Lass Dich bloß nicht kirre machen, wenn der Fiskalvertreter mit der Behaup-
tung angetanzt kommen sollte, mehrere Gegenstände, wie z. B. eine Büroein-
richtung (Schreibtisch, Regale, Stühle, Lampen, Papierkorb usw.), seien bei der
Frage, ob die 410-€-Grenze überschritten ist, zusammenzufassen und sodann
nicht sofort abzugsfähig. Tatsache ist: Jeder Gegenstand, den Du für sich allein
nutzen kannst, steht auch steuerlich gesehen für sich allein. Nur technisch auf-
einander abgestimmte Gegenstände, wie z. B. Rechner, Monitor, Tastatur und
Drucker einer Computeranlage, musst Du zusammenfassen (BFH v. 19. 2. 2004
– BStBl II 2004 S. 958).
Allerdings: Gibt etwa Dein Monitor den Geist auf und Du kaufst für 488 €
brutto einen neuen, kannst Du ihn sofort absetzen.

Wähle das Zubehör richtig aus!

336 Einen gebrauchten Laptop für 470 € brutto kannst Du sofort voll absetzen. Ge- 336
hört zu dem Laptop eine Tragetasche für z. B. 30 €, die nur zum Transport des
Computers genutzt werden kann, sind Laptop und Tragetasche als Einheit an-
zusehen. Folge: Der Gesamtkaufpreis von 500 € ist auf die Nutzungsdauer zu
verteilen. Kaufst Du für den Transport aber eine Aktentasche, die auch für an-
dere berufliche Zwecke nutzbar ist, gehört sie nicht zum Computer, und Du
setzt beide Beträge sofort voll ab. Zur Büroeinrichtung wisse: Einzelne Büro-
möbel sind selbst dann nicht zu einer Einheit zusammenzufassen, wenn sie in
einheitlichem Stil gehalten sind (BFH – BStBl 1967 III S. 61).

78049-7_s001-816.indb 232 28.08.2007 14:29:16 Uhr


9. Hilfe durch Arbeitsmittel 233

337 II. Arbeitsmittel, deren Nettokaufpreis 410 € übersteigt 337


Arbeitsmittel, deren Kaufpreis 410 € netto (bzw. 488 € mit 19 % und 438 € mit
7 % Mehrwertsteuer) übersteigt, werden verteilt auf ihre Nutzungsdauer abge-
schrieben. Nur den jährlichen Abschreibungsbetrag kannst Du als Werbungs-
kosten absetzen. Im Beamtendeutsch heißt das »Absetzung für Abnutzung«,
abgekürzt AfA. Natürlich setzt der Fiskus schonendste Behandlung der Ar-
beitsmittel voraus. Entsprechend lang ist die von ihm angenommene Nutzungs-
dauer, die für Dich aber nicht maßgebend ist, wenn Du Deine Arbeitsmittel
stärker als allgemein üblich beanspruchst.

Nutzungsdauer nach der fiskalischen Abschreibungstabelle


bei Anschaffung nach dem 31. 12. 2000
Nutzungsdauer AfA-Satz
Autotelefon 5 Jahre 20%
Büromöbel 13 Jahre 7,69%
Diktiergerät 5 Jahre 20%
Drucker 3 Jahre 331/3%
Fotokopiergerät 7 Jahre 14,28%
Frankiermaschine 8 Jahre 12,5%
Panzerschrank 23 Jahre 4,35%
Perserteppich 15 Jahre 62/3%
Personalcomputer, Drucker,
Scanner 3 Jahre 331/3%
Pkw 6 Jahre 162/3%
Telefaxgerät 6 Jahre 162/3%

338 Auch Antiquitäten können steuerlich abgeschrieben werden, wenn sie als Ar- 338
beitsmittel genutzt werden. Durch den Gebrauch fällt selbst dann eine tech-
nische Abnutzung an, wenn der Wert der Antiquität steigt. Du setzt also ohne
weiteres Deinen antiken Schreibtisch im Arbeitszimmer oder den zur Aufbe-
wahrung Deiner wertvollen Fachbücher genutzen 150 Jahre alten Bücher-
schrank ab (BFH v. 31. 1. 1986 – BStBl II 1986 S. 355).

Allerdings werden sehr lange Nutzungsdauern angesetzt. Für ein 260 Jahre altes
Cello eines Dozenten einer Musikhochschule hatte das Finanzgericht 50 Jahre
und damit eine jährliche AfA von 2 % angesetzt (FG Hamburg v. 15. 5. 1985 – III
188/82). Das war den Richtern beim BFH zu kurz, sie halten bei historischen
Musikinstrumenten, z. B. einer 300 Jahre alte Geige einer Musikerin, einen Ab-
schreibungszeitraum von mindestens 100 Jahren und damit eine jährliche AfA
von nur 1 % für angemessen (BFH v. 26. 1. 2001 – BStBl II 2001 S. 194). Bei einer
Meistergeige neueren Datums (Alter deutlich unter 100 Jahre) hält der BFH
dagegen eine Abschreibung auf nur 50 Jahre für möglich (BFH v. 1. 3. 2002 –
BFH/NV 2002 S. 787).

78049-7_s001-816.indb 233 28.08.2007 14:29:17 Uhr


234 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

für sehr wertvolle Arbeitsmittel

339 Die lange Nutzungsdauer ist für Dich positiv, wenn Dein antiquarisches Ar- 339
beitsmittel zerstört oder gestohlen wird. In diesem Fall setzt Du den Restwert
auf einen Schlag als Werbungskosten ab. So machte es die Meistergeigerin, der
vom Ehegatten die Stradivari im Wert von 150 000 € gestohlen worden war
(BFH v. 9. 12. 2003 – BStBl II 2004 S. 491).

Mach aus der Not eine Tugend!

340 Ist es für Dich günstiger, die Anschaffungskosten auf die Nutzungsdauer abzu- 340
schreiben, z. B. wenn wegen Arbeitslosigkeit oder Verlusten nur ein besonders
niedriges Einkommen im laufenden Jahr anfällt, kann natürlich auch diese Me-
thode gewählt werden – selbst wenn der Nettokaufpreis unter 410 € lag.

Spare durch Umwidmung Steuern!

341 Wandert Dein vor vier Jahren für 6 000 € erworbener Perserteppich vom Wohn- 341
zimmer in Dein Arbeitszimmer, wird er fortan beruflich genutzt, das ist klar.
Umwidmung heißt das Zauberwort, das beim Fiskalvertreter den Reflex zum
Abhaken auslöst. Allerdings musst Du Dir die Zeit der privaten Nutzung auf
die Gesamtnutzungsdauer anrechnen lassen (BFH v. 14. 2. 1989 – BStBl 1989 II
S. 922). Dies bedeutet: Vom Kaufpreis des Perserteppichs ist für die private Nut-
zung eine sog. fiktive Abschreibung vorzunehmen. Beruflich absetzen kannst
Du nur noch den Restbetrag.

Sei nicht so dumm, die Gesamtnutzungsdauer zu niedrig anzusetzen. Denn je


höher sie ist, umso höher ist der steuerlich interessante Restwert, den Du in den
kommenden Jahren abschreiben kannst.
Und so wird dann gerechnet:

78049-7_s001-816.indb 234 28.08.2007 14:29:17 Uhr


9. Hilfe durch Arbeitsmittel 235

Kaufpreis für den Perserteppich vor vier Jahren 6 000 €


./. fiktive Abschreibung für die Zeit der privaten Nutzung
z. B. jährlich 6, 66 % – 1 600 €
Restwert für berufliche Abschreibung 4 400 €
Angenommene Restnutzungsdauer 11 Jahre
Berufliche Abschreibung jährlich 400 €

Die Masche mit der verlängerten Nutzungsdauer

342 Du verwendest in Deinem Arbeitszimmer einen bisher privat genutzten 342


Schrank, dessen normale Nutzungsdauer von 13 Jahren gerade abgelaufen ist.
Nach BFH soll die private Nutzung voll angerechnet werden, so dass für eine
berufliche Abschreibung nichts mehr verbleibt (BFH-Urt. v. 14. 2. 1989 – BStBl
1989 II S. 922). Doch nicht mit Dir. Du sagst zu Recht: Die berufliche Nutzung
ist Beweis genug, dass die Gesamtnutzungsdauer noch nicht abgelaufen ist, und
verlängerst sie deshalb von 13 auf 20 Jahre. Jetzt hast Du noch eine Restnut-
zungsdauer von sieben Jahren:
Anschaffungskosten vor 13 Jahren 4 000 €
Nutzungsdauer 20 Jahre = Abschreibung 5 %
Abschreibung als Werbungskosten 7 Jahre lang 5 % von 4 000 € je 200 €

Mach aus einem Diebstahl steuerlich eine Tugend!

343 Wenn Du nicht versichert bist oder die Versicherung nicht bezahlt, ist ein Dieb- 343
stahl besonders ärgerlich. Richtig dramatisch wird es natürlich, wenn Dir Ge-
genstände geklaut werden, die Du als Arbeitsmittel benutzt, dann kommt zu
dem allgemeinen Ärger und dem finanziellen Verlust häufig beruflicher Stress
hinzu.
Hole Dir deshalb zumindest einen kleinen Ausgleich von Vater Staat, indem Du
den Restwert Deines gestohlenen Arbeitsmittels als Werbungskosten absetzt
und so zumindest einen ordentlichen Batzen als Steuererstattung kassierst.
Auch wenn der Diebstahl nicht unmittelbar bei der Ausübung Deines Berufs
geschieht, z. B. während der Arbeit oder auf einer Dienstreise, stehen Dir Wer-
bungskosten zu (BFH Urteil v. 9. 12. 2003 – BStBl II 2004 S. 491).

78049-7_s001-816.indb 235 28.08.2007 14:29:18 Uhr


236 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Und so könnte Deine Rechnung aussehen, wenn Dir am 10. 5. 2007 ein Laptop
gestohlen wurde:
Kauf des Laptops am 10. 1. 2007 für 2 700 €
./. Abschreibung (3 Jahre) 1/3 von 2 700 € = 900 €  4/12 (Jan–Apr) – 300 €
Restwert = außerordentliche Abschreibung 2 400 €

Ich hör schon ein paar schwarze Schafe mit der Zunge schnalzen und denken:
»Na prima, da werde ich doch schnell meinen alten Rechner, den nun mein
Sohn nutzt, als gestohlen deklarieren. Ich wollte mir ja sowieso einen neuen
zulegen, und so gibt es noch einen kleinen Zuschuss vom Fiskus. Wer sollte mir
da schon auf die Schliche kommen?« Wer so denkt, dem muss ich ganz klar ab-
raten, schließlich würde er damit nicht nur Steuerhinterziehung begehen, son-
dern auch eine Straftat vortäuschen. Und in meinem Buch geht es nicht ohne
Grund um »1 000 ganz legale Steuertricks«.

Schadensbegrenzung, wenn Dir Dein Auto geklaut wird

344 Trotz Erstattung von Deiner Versicherung solltest Du bei Deiner Steuererklä- 344
rung an Deinen im Vorjahr geklauten fahrbaren Untersatz denken. Zumindest
dann, wenn Du ihn fast ausschließlich beruflich genutzt hast (ca. 90 % für dienst-
liche Fahren) oder das Auto bei einer Dienstfahrt abhanden kam, kannst Du
steuerlich noch ein paar Extra-Euro herausschlagen (BFH v. 25. 5. 1992 – BStBl
II 1993 S. 44).
Du machst Dir hier den steuerlichen Restwert Deines Auto zunutze, der durch-
aus höher liegen kann als der Zeitwert, den die Versicherung zugrunde legt: Der
BFH legte die Abschreibungszeit für ein Auto in derartigen Fällen auf acht
Jahre fest (BFH v. 26. 7. 1991 – BStBl II 1992 S. 1000 und FG München v.
27. 3. 2001 – 6K 4093/00).
Und so sieht dann Die Rechnung für Dein am 10. 9. 2007 bei einer Dienstfahrt
gestohlenes Auto für das Finanzamt aus:
Kaufpreis für den Pkw am 1. 7. 2005 40 000 €
./. Abschreibung bis zum Diebstahl
jährlich 12,5 % von 40 000 € = 5 000  2 Jahre und 3 Monate – 11 250 €
Restwert des Autos beim Diebstahl 28 750 €
./. Erstattung aus der Teilkaskoversicherung
wegen hoher Laufleistung nur – 21 500 €
verbleiben als Werbungskosten abzusetzen 7 250 €

78049-7_s001-816.indb 236 28.08.2007 14:29:18 Uhr


9. Hilfe durch Arbeitsmittel 237

345 b) Welche Arbeitsmittel gehen beim Fiskus durch? 345


Als Fachbücher wurden Lehrern anerkannt: »Grzimeks Tierleben« bei einem
Biologielehrer, »Propyläen Weltgeschichte«, »Encyclopaedia Britannica«,
»Wege zum Gedicht«. Musiklehrer haben es etwas einfacher. Flügel, Orgel und
Klavier wurden anerkannt, als sie vor Gericht zogen (EFG 56/222, 1974/310,
1976/178, HFR 1963/57, BStBl 1978 II S. 459). Voraussetzung ist aber, dass sich
die Kosten in Grenzen halten. Alles untermauert mit einer entsprechenden Be-
scheinigung der Schulbehörde.
Die Schreibmaschine wurde anerkannt einem Gewerbelehrer, einem Studienrat
(EFG 1960/26, EFG 1970/219), einem Richter (BStBl 1971 II S. 17, 21) sowie
einem Verbandsprüfer (BStBl 1963 II S. 219). Tonbandgerät wurde anerkannt:
Musik-, Religions-, Gewerbe- und Hochschullehrern (HFR 1963/57 – EFG
1957/66, 1965/491). Ein Teleskop als Arbeitsmittel begründete ein Lehrer
erfolgreich mit der Verbesserung seines Astronomieunterrichts (FG Berlin
v. 22. 3. 2004, EFG 2004 S. 1362). Sportlehrer: Anerkannt wurden Fußballstiefel,
Hallenturnschuhe und Badmintonschläger (BFH – BStBl 1987 II S. 262). Bei
Skiausrüstung und sonstiger Sportkleidung tun sich die Finanzämter und tut
sich mit ihnen die Finanzgerichtsbarkeit noch schwer. Sie wollen nicht einsehen,
dass bei einem Sportlehrer Sportkleidung eben eine typische Berufskleidung ist
(BFH – BStBl 1975 II S. 407 und FG Rheinland-Pfalz – EFG 1985 S. 173).
Eine Stereoanlage durfte ein Musiker absetzen, wenn er zusätzlich eine private
hatte (EFG 1971 S. 329). (Tipp: Gebrauchte Anlage für ein paar Euro erwerben
und privat verwenden. Fotos davon fertigen und dem Finanzamt einsenden!)
Fromme Literatur und Mikrofilme ließ man bei einem Geistlichen zu. Ein Jagd-
hund und eine Büchse waren abzugsfähig bei einem Forstbeamten. Ebenfalls
das Cembalo eines Kirchenmusikers (EFG 1976 S. 178), der Flügel bei einer Do-
zentin am Konservatorium, die anspruchsvollere Aufgaben erfüllt (BFN, BStBl
1989 S. 356), und das Cello eines Dozenten an einer Musikhochschule (FG
Hamburg v. 15. 5. 1985 – III 188/82). Genau entgegengesetzt urteilte der BFH
am 10. 3. 1978 (BStBl 1978 II S. 459) bei einer Musiklehrerin, weil es statt des
Flügels auch ein Klavier getan hätte. Ebenfalls zuungunsten eines Musiklehrers
hat das FG BW am 18. 12. 1997 (EFG 1998 S. 643) entschieden, der seinen Flügel
für einen fünfstelligen Betrag reparieren ließ.
Mit einem Rennrad als Arbeitsmittel hat ein Polizist beim FG Baden-Würtem-
berg auf Granit gebissen (Urteil v. 23. 11. 2005 – 3 K 202/04).
Die Aufwendungen eines Erdkundelehrers für den Bezug der Zeitschrift GEO
wurden mit folgender durch das Gesetz nicht gerechtfertigten Begründung ab-
gelehnt: Bei Wirtschaftsgütern, bei denen nicht nachprüfbar oder nicht klar er-
kennbar ist, ob sie nur dem Beruf oder auch den privaten Interessen des Steu-
erpflichtigen dienen, verbietet § 12 Nr. 1 Satz 2 EStG zur Wahrung der steuer-
lichen Gerechtigkeit (das Gericht sollte besser von Nichtwahrung sprechen!)
die Aufteilung und damit den Abzug von Aufwendungen, die sowohl der Le-
bensführung dienen als auch den Beruf fördern. Das FG Münster (rk Urt. v. 8.
4. 86 – EFG 1986 S. 491) vermag aus dem objektiven Charakter der Zeitschrift

78049-7_s001-816.indb 237 28.08.2007 14:29:18 Uhr


238 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

GEO nicht herzuleiten, dass eine nahezu ausschließlich berufliche Verwendung


als sicher anzusehen ist. Vielmehr handle es sich um eine Zeitschrift, die sich
von Aufmachung und Inhalt her an eine breite Leserschicht auch ohne fachliche
Vorkenntnisse wende. Einer Oberstudienrätin hatte das Finanzamt die Zeit-
schriften Kosmos, Das Tier und Weltatlas des Tierlebens nicht als Werbungskos-
ten anerkannt. In dem nicht amtlich veröffentlichten Urteil vom 2. 2. 1990 (VI R
112/87, BFH/NV 1990 S. 564) sagte der BFH dazu: Für die Frage, ob Bücher und
Zeitschriften mit nicht ausschließlich allgemeinbildendem Inhalt bei einem
Lehrer als Arbeitsmittel anzusehen sind, kommt es regelmäßig auf den tatsäch-
lichen Verwendungszweck der Literatur an. Das Finanzamt muss Feststellungen
dazu treffen, in welchem Umfang die Literatur für dienstliche und für private
Zwecke genutzt wird. Also aufgepasst, Ihr Lehrer! Erbringt den Nachweis der
beruflichen Nutzung von Fachbüchern, indem Ihr für jedes einzelne Buch an-
gebt, in welcher Zeit und in welcher Klasse Ihr es zu Unterrichtszwecken be-
nutzt habt. Entsprechendes gilt für Fachzeitschriften und vor allem für Videore-
korder und Tonbandgeräte (BFH-Urt. v. 27. 9. 91 – BStBl 1992 II S. 195).

Steuerermäßigung für Pferde!

346 Gute Nachricht für Dich als Reitlehrer oder Berufsreiter. Kosten für Dein Pferd 346
kannst Du von der Steuer absetzen. Stell Dich dazu dem Finanzamt gegenüber
auf den Standpunkt, Du könntest Deinen Beruf nur dann erfolgreich ausüben,
wenn Deine reiterlichen Fähigkeiten ständig erhalten und verbessert würden.
Da das aber nur auf zuverlässigen, qualifizierten und gutausgebildeten Pferden
möglich sei, müsstest Du ein eigenes Pferd halten (eventuell auch zwei oder
drei).

Außerdem sei es für Deine berufliche Reputation unerlässlich, das Können von
Pferd und Reiter bei Wettbewerben und Turnieren unter Beweis zu stellen. Um
höhere Leistungsklassen mit entsprechend höheren Einnahmemöglichkeiten
zu erreichen, wärest Du zwingend auf ein eigenes Pferd angewiesen. Schließlich
gewännen auch Ludger Beerbaum oder Hugo Simon ihre Turniere nicht auf
einem x-beliebigen Feld-, Wald- und Wiesenklepper.
Die Aufwendungen, die Dir durch Pferdehaltung, Boxenmiete, Sattelzeug, Tier-
ärzte, Medikamente, Pflegemittel, Hufschmied, Spezialkleidung für Training
und Turniere entstehen, sind dann ebenso Werbungskosten oder Betriebsausga-
ben wie Nenn- und Startgelder für Turniere, Transportkosten (z. B. Abschrei-
bung für einen Pferdehänger, Kilometerpauschalen für das Zugfahrzeug),

78049-7_s001-816.indb 238 28.08.2007 14:29:19 Uhr


9. Hilfe durch Arbeitsmittel 239

Übernachtungskosten und Verpflegungspauschalen, Versicherungen, Fortbil-


dungskosten und eventuelle, beruflich bedingte Mitgliedsbeiträge. Nicht zuletzt
solltest Du daran denken, dass Du Deine Pferde steuerlich genauso wie ein
Auto, einen Computer oder eine Werkzeugmaschine abschreiben kannst. Die
Höhe der Abschreibung richtet sich dabei nach dem Alter des Pferdes. Nach
Auskunft der Bundesvereinigung der Berufsreiter kann dabei für drei- bis fünf-
jährige Pferde von acht Jahren und für sechsjährige oder ältere Pferde von fünf
Jahren ausgegangen werden. Unterstützung für Deine Argumentation liefern
Dir netterweise das Finanzgericht Düsseldorf (Urteil v. 22. 6. 1982 – XV 691/78
E, rkr.) das Hessische Finanzgericht (Urteil v. 2. 12. 1982, EFG 1983 S. 226) und
das FG Berlin (Urteil v. 22. 6. 82, EFG 1983 S. 65).

347 Und was, wenn Dein Personalcomputer vom Tisch gefallen und selbst nach 347
einer Reparatur nicht mehr zuverlässig wäre? Du zuckst die Schultern . . . viel-
leicht weißt Du nicht, dass Selbständige eine sog. technische Abnutzung bei
ihren betrieblichen Wirtschaftsgütern vornehmen können.
Nun – auch bei Dir ist ein dienstliches Arbeitsmittel vorzeitig entwertet worden.
Das schreibst Du dem Finanzamt und machst zu der bisherigen Abschreibung
von angenommenen 400 € eine zusätzliche von 500 € geltend! Auch eine Zer-
störung oder ein vorzeitiges Absinken des Marktwerts eines Arbeitsmittels
würde so etwas rechtfertigen (BFH in BStBl 1954 III S. 362).

348 Steuerfreiheit für Computer und Internet am Arbeitsplatz 348


Goldene Zeiten sind für Dich angebrochen, wenn Du für die Arbeit auf einen
Computer angewiesen bist. Was war das bislang für ein Theater. Ständig war die
fiskalische Kleinigkeitskrämerei versessen darauf, Dir für die kleinste Steuerer-
mäßigung Steine in den Weg zu legen. Doch im Zuge der Diskussion um feh-
lende EDV-Spezialisten – Ihr kennt doch sicherlich noch den unseligen Spruch
»Inder statt Kinder« – haben die Politiker in Bonn und Berlin wohl kalte Füße
bekommen. Plötzlich ist nämlich bei der steuerlichen Förderung der Benutzung
von Computern und Internet die ganz weiche Welle ausgebrochen, und es hat
einen ganzen Strauß von Vergünstigungen und Erleichterungen gegeben.

349 Die private Nutzung Deines Computers in der Firma ist nun komplett steuer- 349
frei gestellt. Die Steuerbefreiung gilt für sämtliche Kosten, die durch Deine pri-
vate Mitbenutzung entstehen. Neben den Aufwendungen für die Geräte und
das Verbrauchsmaterial betrifft das vor allem Telefon- und Providergebühren.
Dein Arbeitgeber kann Dir also völlig unbelastet von Lohnsteuer und Sozial-
versicherung etwas Gutes tun, wenn er Dir die kostenlose private Nutzung be-
trieblicher Geräte gestattet.
Um betriebliche Geräte, die Du steuerfrei nutzen kannst, handelt es sich auch,
wenn Dir Dein Arbeitgeber Deinen Heimarbeitsplatz – neudeutsch: Home-Of-
fice – damit ausstattet.

78049-7_s001-816.indb 239 28.08.2007 14:29:19 Uhr


240 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Erhalte Dir geschickt die Steuerfreiheit


für den Computer zu Hause!

350 Der Kniff, wenn Dir Dein Arbeitgeber für die Arbeit zu Hause einen Computer 350
zur Verfügung stellt, ist: Du musst unbedingt vermeiden, dass Dir das wirtschaft-
liche Eigentum an dem Gerät zugerechnet wird. Etwas problematisch wird die
Sache, wenn Dir der Arbeitgeber den PC ohne weitere Bedingungen für min-
destens drei Jahre überlässt. Weil die Überlassung damit für die gewöhnliche
Nutzungsdauer erfolgt, wittern die Fiskalritter hier praktisch eine Schenkung.
Dem kannst Du begegnen, indem Du mit dem Arbeitgeber schriftlich verein-
barst, dass er das Risiko des zufälligen Untergangs des PCs trägt, will meinen,
Du bekommst dann von ihm entsprechenden Ersatz und musst Dir einen even-
tuellen Schaden nicht selbst ans Bein binden. Auch solltet Ihr klarstellen, dass
nicht Du, sondern Dein Arbeitgeber eventuelle Reparaturkosten trägt und für
die spätere Entsorgung des Geräts verantwortlich ist.

351 Werbungskosten für PC und Internet 351


Leider geht die Großzügigkeit des Fiskus nicht so weit, dass er auch Aufwen-
dungen für Deinen privaten PC ohne Einschränkung als Werbungskosten aner-
kennt. Bislang durftest Du PC- und Internetkosten nur abziehen, wenn Du eine
ausschließliche oder so gut wie ausschließliche berufliche Nutzung glaubhaft
darlegen konntest. Eine Aufteilung der Kosten in einen beruflichen und einen
privaten Anteil hat Dir Dein Finanzamt bisher immer unter Hinweis auf ein
ominöses Aufteilungs- und Abzugsverbot im § 12 EStG abgelehnt. Die obersten
Finanzakrobaten von Bund und Ländern haben hier allerdings inzwischen ein
Einsehen gehabt und halten an dieser antiquierten Bestimmung zumindest für
PC- und Internetkosten nicht mehr fest. Im Vorgriff auf eine Regelung, mit der
die privaten und beruflichen Kosten pauschal aufgeteilt werden können, reicht
es zurzeit aus, wenn Du selbst eine Aufteilung vornimmst. Du musst dazu den
Umfang der beruflichen und der privaten Nutzung nachweisen oder glaubhaft
machen. Im Zweifelsfall müssen die Fiskalritter eine sachgerechte Schätzung
hinnehmen. Du musst also nur kräftig genug darauf beharren, dass Du Deinen
PC und das Internet teilweise beruflich nutzt, um den Werbungskostenabzug
durchzubekommen. Wenn Du dabei die Kirche im Dorf lässt und nicht gerade
darauf pochst, dass 95 % Deiner Kosten beruflich veranlasst sind, müsste es
schon mit dem Teufel zugehen, wenn Du nicht wenigstens einen erklecklichen
Teil Deiner Kosten durchbringst. Berufe Dich dazu z. B. auf den Erlass des Fin-
Min NRW vom 8. 12. 2000 – S 2354 – 1 – VB 3. Mindestens 50 % sind immer drin
(BFH v. 19. 2. 2004, BStBl II 2004 S. 958).

78049-7_s001-816.indb 240 28.08.2007 14:29:19 Uhr


9. Hilfe durch Arbeitsmittel 241

Wer jedermann dient, bekommt keinen Lohn.


(Dänischer Spruch)

352 Deine Kosten für das Internet, ein Modem und die entsprechenden Anschluss- 352
kosten setzt Du als Werbungskosten ohne Probleme ab, wenn es Dir gelingt, die
umfangreiche berufliche Nutzung darzulegen und vielleicht mit Arbeitgeberbe-
scheinigung die berufliche Erforderlichkeit Deiner Multimediaausstattung und
Deines Modems herauszustellen. Hilfreich ist, wenn Du mit dem PC im fir-
meneigenen Netz arbeitest oder vielleicht sogar Dein Boss einen Kostenzu-
schuss zahlt. In diesem Fall kann Dir das Finanzamt trotz aller Verfügungen und
Finanzgerichtsurteile nicht mehr 100 % der Kosten streichen, sondern muss zu-
mindest den glaubhaft gemachten Teil von z. B. 77,5 % anerkennen (FinMin
NRW v. 8. 12. 2000 – S. 2354 – 1 – VB3).
Selbst wenn Du Dich häufiger im Internet aufhältst, musst Du nicht mehr be-
fürchten, dass Dir Deine Computerkosten deshalb nicht als Werbungskosten
anerkannt werden.
Etwas großherzige Finanzrichter gibt es nämlich auch. Kontere also bei streich-
wütigen Finanzern z. B. mit dem FG Rheinland-Pfalz, das einem Lehrer mit den
Fächern EDV und Kommunikationstechnik den PC trotz Internetanschluss –
oder gerade deswegen? – als Werbungskosten anerkannte (Urteil v. 10. 5. 1999
– 5 K 2776/98, NWB Eil‘ 2000 S. 84).

353 Bei den nur stationär verwendbaren Personalcomputern (PCs) legen sich un- 353
sere eifrigen Finanzbeamten meistens besonders ins Zeug, um Dir eine steuer-
schädliche hohe private Verwendung anzuhängen. Dabei scheuen sie sich nicht,
Deine Familie mit ins Spiel zu bringen und mir nichts, dir nichts zu behaupten,
Dein PC werde in nicht unerheblichem Umfang privat genutzt, wenn Du noch
schulpflichtige Kinder hast.
Lass Dir so etwas nicht gefallen! Schließlich hat das Bundesverfassungsgericht
gesagt, dass allein wegen der familiären Verhältnisse keine steuerlich nachtei-
ligen Konsequenzen gezogen werden dürfen (BVerfG – BStBl 1985 II S. 475).
Wenn Du schon beim Kauf Deines Computers clever bist, kannst Du Dir das
ganze Nachweistheater sparen. Leg Dir statt eines PCs einen tragbaren »Akten-
taschen-Computer« (Laptop oder Notebook) zu. Die sind genauso leistungsfä-
hig, viel handlicher, und vor allem sagt das Finanzamt, dass sie »aufgrund ihrer
technischen Gestaltung regelmäßig nur für eine berufliche Nutzung gedacht
und für eine private Nutzung, besonders für Heim- und Videospiele, nicht geeig-
net sind« (OFD Köln, Verfügung v. 26. 7. 85 S. 2354-27 St 121). Es wird Dir bei
einem solchen Computer viel weniger Schwierigkeiten bei der Anerkennung
aller Kosten als Werbungskosten machen.

Und was die Gerissenheit angeht:


Wenn sie nötig ist, muss man sie besitzen.
(Adenauer)

78049-7_s001-816.indb 241 28.08.2007 14:29:20 Uhr


242 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

zur Nutzungsdauer eines Computers

354 Nach langem Hin und Her haben die Fiskalbürokraten in Berlin eingesehen, 354
dass Computer eine Nutzungsdauer von max. drei Jahren haben, weil sie danach
hoffnungslos überaltert sind, und dies in den amtlichen Abschreibungstabellen
(BMF-Schreiben v. 15. 12. 2000, BStBl I 2000 S. 1532) verbindlich geregelt. Die
Nutzungsdauer von drei Jahren gilt übrigens auch für Drucker, Modem, Scan-
ner etc. Mit guter Begründung kannst Du aber auch schneller abschreiben, z. B.,
wenn der Arbeitsspeicher Deines Rechners für die zu Hause beruflich ge-
nutzten Programme, Datenbanken etc. zu klein wurde.

Begegne finanzamtlicher Kleinlichkeitskrämerei!

355 Bei größeren Anschaffungen von Arbeitsmitteln sind viele Finanzbeamte 355
mS wie besessen darauf, sie der Abschreibung zu unterwerfen. Hast Du Dir für
berufliche Zwecke einen Schreibtisch für 500 € angeschafft, hörst Du meist:
Können wir nicht anerkennen! Dieser Posten ist abzuschreiben! Dann verteilt
man den Betrag auf 13 Jahre und setzt Dir nur jeweils ca. 39 € ab, mit dem Er-
gebnis, dass oft genug Deine gesamten Werbungskosten unter dem Pauschbe-
trag von 920 € jährlich liegen – und damit ins Wasser fallen. Was den Schreib-
tisch betrifft, so ist gegen eine Verteilung auf 13 Jahre nichts zu machen, es sei
denn, Du bist so schlau und kaufst Dir einen etwas billigeren – für max. 488 €
inkl. MwSt (E Rz 335). Der kann sofort voll abgesetzt werden. Kaufst Du Dir
einen gebrauchten, besonders exklusiven Schreibtisch für 1 000 €, kannst Du
rechnen: normale Abschreibung von Büromöbeln 13 Jahre. Dein gebraucht ge-
kaufter ist acht Jahre alt, also Restabschreibung in den restlichen fünf Jahren: je
200 €.

Jetzt ist meine größte Plage der Staat.


(Martin Luther)

78049-7_s001-816.indb 242 28.08.2007 14:29:20 Uhr


9. Hilfe durch Arbeitsmittel 243

Setz mit Fachliteratur gleich noch ein Regal ab!

356 Sicher denkst Du daran, Deine Fachbücher (nebst den teuren Klarsichtfo- 356
mS lienumschlägen) und Fachzeitschriften unter Werbungskosten aufzufüh-
ren, aber vielleicht vergisst Du das Bücherbord, auf dem sie alle ihren Platz
finden! Du kannst es mit seinem jetzigen Wert von sagen wir mal ca. 100 € ab-
setzen. Steuerersparnis zwischen ca. 20 und 54 €. Nicht allzu viel, sagte sich Leh-
rer H. und dachte an den Rat des Verfassers, nach Ähnlichem zu suchen. Was für
das Bücherbord recht ist, sollte für einen Schreibsekretär und einen Arbeits-
stuhl billig sein. In dem erfolgreich geführten Einspruch schrieb er: Wenn man
Fachbücher und sonstiges Arbeitsmaterial absetzen kann, dann wohl auch das
Behältnis zur Unterbringung. Ein Lehrer hat zudem in der Schule keinen Ar-
beitsplatz (Bescheinigung der Schuldirektorin!).
Man tut gut daran, dem Finanzamt glaubhaft zu machen, dass Bücherregal und
Sekretär nur beruflich genutzt werden.

357 In zwei nicht veröffentlichten Urteilen hat der BFH recht großzügig entschie- 357
den, dass Fachliteratur eines Lehrers, die dieser nachweislich zur Unterrichts-
vorbereitung nutzt, nicht einfach wegen der rein theoretischen Möglichkeit zur
Privatnutzung gestrichen werden darf. Wörtlich heißt es da: »Ob dagegen nicht
abziehbare Aufwendungen der Lebensführung vorliegen, beurteilt sich dabei
im Allgemeinen weniger nach dem objektiven Charakter des Gegenstands als
vielmehr nach dessen Funktionen im Einzelfall. Pauschale Feststellungen sind
nicht ausreichend. Eine private Mitbenutzung, die unbedeutend ist und nicht
ins Gewicht fällt, ist nicht schädlich.« (BFH v. 21. 6. 1989 – VI R 138/86, und v.
2. 2. 1990 – VI R 112/87)
Andererseits: »Für Bücher der Rubrik Deutsch . . . ist der Nachweis des Steuer-
zahlers zu führen, dass er das gleiche Buch zweimal besitzt: einmal zur privaten
Lektüre, einmal als Arbeitsmittel im Unterricht.«

358 Zu den Fachzeitschriften gehören alle branchenspezifischen und die Wirt- 358
schaftszeitschriften, also auch das Handelsblatt (BFH-Urteil v. 13. 6. 1996 – BFH/
NV 1997 S. 98), obwohl das FG Brandenburg das anders sieht und sogar einem
Bankkaufmann den Abzug verweigert hat (FG Brandenburg v. 4. 4. 2002 – EFG
2002 – 1085). Grundsätzlich nicht abzugsfähig sind lokale oder überregionale
Tageszeitungen (BFH-Urteil v. 7. 9. 1989 – BStBl 1990 II S. 19). Man könne nicht
objektiv zwischen privatem und beruflichem Nutzen unterscheiden, sagt der
BFH und hat daher die Tageszeitung bei einem Lehrer nicht anerkannt (BFH v.
7. 4. 2005 – BFH/NV 2005 S. 1300).

78049-7_s001-816.indb 243 28.08.2007 14:29:20 Uhr


244 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

zu Tageszeitungen

Keine Regel ohne Ausnahme. Auch Tageszeitungen kannst Du absetzen, wenn


Du sie nur zur beruflichen Information beziehst.
So hat das Finanzgericht Köln (EFG 1994 S. 199) einem Autoverkäufer einen
Teil seiner Zeitungskosten als Werbungskosten zugestanden, weil er sich aus
den Zeitungen über die Autopreise in anderen Städten informieren wollte.
Auch wenn Du die Tageszeitung vor allem deshalb beziehst, um die Stellenan-
gebote für einen neuen Job zu studieren, hast Du gute Karten (FG Münster v.
16. 8. 2006 – 10K 3390/04E).
Ein guter Rat: Abonniere mehrere Zeitungen und deklariere zumindest eine als
privat, damit Dir die Fiskalvertreter nicht sofort mit dem Rotstiftargument der
nicht abzugsfähigen Lebenshaltungskosten und § 12 EStG kommen können.

Wie Du beim Kauf von Arbeitsmitteln zusätzlich


Steuern sparen kannst

359 »Wie soll das denn funktionieren?«, fragst Du. »Sicher weiß ich, dass ich die 359
Kosten z. B. eines Fachbuchs absetzen kann, und was weiter?« Ja, siehst Du, so
schnell kann man etwas ganz Entscheidendes vergessen. Wie bist Du denn an
das Buch gekommen? Wenn Du es nicht per Internet bestellt hast, musstest Du
in die Buchhandlung fahren, und dabei sind Dir Fahrtkosten entstanden! Die
Du selbstverständlich absetzen kannst! Und so rechnest Du beim Finanzamt ab:
»Da das Fachbuch in der Buchhandlung in unserem Ort bereits vergriffen war,
musste ich in die nächste Stadt fahren, um es mir dort zu kaufen.«
Anschaffungskosten 8,90 €
Anschaffungsnebenkosten:
Fahrtkosten 16 km  0,30 € + 10,80 €
Parkgebühr + 0,50 €
Gesamtkosten 20,20 €
Einkommensteuerersparnis ca. 35 % 7,07 €
Solidaritätszuschlag + 0,39 €
Kirchensteuer 9 % + 0,64 €
Zuzahlung des Finanzamts insgesamt 8,10 €

78049-7_s001-816.indb 244 28.08.2007 14:29:21 Uhr


9. Hilfe durch Arbeitsmittel 245

für Fachbücher

360 Denk immer daran, dem Finanzamt Fahrt- und andere Nebenkosten für die 360
Anschaffung mit auf die Rechnung zu setzen. Dabei bleibst Du natürlich immer
streng dienstlich. Damit Dir das Finanzamt nicht mit gemischten Aufwendungen
kommt, wirst Du nicht so unvorsichtig sein und den Abzug der Fahrtkosten ge-
fährden, indem Du bei der Fahrt noch ein privates Würstchen oder Brot ein-
kaufst.

Wie das Finanzamt kräftig zu Deinen Anschaffungen


zuschustern muss

361 Wie war das noch mit Deiner Handschrift? Hast Du nicht eine Hühnerklaue, 361
wenn Du schnell schreiben musst? Die zu entziffern willst Du der Stenotypistin
im Betrieb nicht zumuten. Du nimmst Dir Geschäftspapier mit nach Hause und
schreibst die Briefe gleich fix und fertig auf einem PC, den Du Dir dafür an-
schaffst. Deine Ansprüche auf Steuerermäßigung untermauerst Du mit einer
entsprechenden Bescheinigung Deiner Firma. Überhaupt: Immer viele Papiere
und Bescheinigungen beifügen, das beeindruckt Beamte ungemein!
Und das verabfolgt Dir ein vernünftiger Chef:

Bescheinigung
. . . . . . wird hierdurch bescheinigt, dass er nach Dienstschluss un-
erledigte Schreibarbeiten unserer Firma zu Hause bearbeitet und auf
seinem eigenen PC fertigstellt. Für sein berufliches Fortkommen halten
wir dies für sehr fördernd.

. . . . . . . ., den . . . . . . . . . . . Stempel und Unterschrift

Da Du das Gerät so gut wie ausschließlich beruflich nutzt, dürfte es Dir nicht
schwerfallen, die Kosten durchzubekommen. Du kannst darüber hinaus dem
Finanzamt plausibel machen, dass wegen Deiner wenig ausgeprägten Kenntnis
im Maschineschreiben der Computer mit Rechtschreibprogramm nahezu uner-
lässlich ist, um in angemessener Zeit brauchbare und vorzeigbare Arbeitsergeb-
nisse zu erzielen. Legst Du dem guten Veranlagungsbeamten dann noch zwei
dicke Ordner mit Durchschriften Deiner gesammelten Werke auf den Tisch, die

78049-7_s001-816.indb 245 28.08.2007 14:29:21 Uhr


246 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Du für einen repräsentativen Zeitraum von drei Monaten zum Nachweis der
Nutzung zusammengestellt hast, möchte ich mal sehen, mit welcher stichhal-
tigen Begründung er Dir die Kosten streichen will.

362 Was für den PC gilt, trifft auch für ein Tonbandgerät zu, falls es dienstlich (oder 362
zu Hause für den Dienst) benötigt wird, wenn Du z. B.
● als Pastor zu Hause Deine Predigten vorbereitest und sie auf Tonband
sprichst,
● als Lehrer Themen vorzubereiten hast oder Wissenswertes Deinen Schülern
auf Band vermittelst,
● als Forscher Sprachübungen auf Band durchführst,
● als Verkäufer verkaufsfördernde Gespräche vorbereitest,
● als Angestellter einen PC zum Üben und Fördern Deiner Schreibleistung
benötigst (vielleicht ist die Betriebsstenotypistin oft krank, und der Betrieb
bestätigt das)
● oder als Musikus Dich selbst abhören willst.
363 Wegen der vielseitigen Inanspruchnahme des Geräts wird es voraussichtlich 363
eine Nutzungsdauer von drei Jahren haben. In diesem Fall können bei einem
Kaufpreis von 500 € jährlich rund 167 € als Werbungskosten abgesetzt werden
(FG Düsseldorf v. 19. 10. 1953 – EFG 1954, S. 41 und BFH v. 25. 1. 1971, BStBl 71
II S. 459).
Ein schlagendes Argument, mit dem Du z. B. ein Tonband, einen CD-Spieler
oder einen MP3-Recorder als Werbungskosten durchdrückst, ist ein gleichwer-
tiges Zweitgerät für die Privatnutzung.

Es ist auch meine Ansicht, dass man die Bürokratie


mit allen Mitteln bekämpfen muss.
(Adenauer)

Warum Du wissen solltest, was man Dir


zum Geburtstag schenkt.

364 Alles, was dem Zweck des beruflichen Fortkommens dient, ist abzugsfähig. 364
mS Das gilt selbst dann, wenn Du Dir das Arbeitsmittel nicht selbst gekauft
hast, sondern Deine Lieben Dir mit dem teuren Aktenkoffer für 650 € zum Ge-
burtstag oder zu Weihnachten eine Freude machen wollten.
Auch wenn Du den Koffer nicht selbst bezahlt hast: Trage ihn beruhigt und
ohne schlechtes Gewissen unter Werbungskosten in Deine Steuererklärung ein.

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9. Hilfe durch Arbeitsmittel 247

Und wenn das Finanzamt auf die Idee kommt, an Deinen Kosten herumzustrei-
chen, berufst Du Dich auf das BFH-Urteil vom 16. 2. 1990 (BStBl 1990 II S. 883).
Darin hat der BFH nämlich ganz in Deinem Sinn entschieden, dass geschenkte
Arbeitsmittel abgesetzt werden können. Das gilt natürlich nicht nur für den
Aktenkoffer, sondern auch für den schicken Füllfederhalter, die Schreibtisch-
unterlage oder das witzige Mousepad. Die Abschreibung für den Koffer macht
bei einer Nutzungsdauer von zwei Jahren – wegen der besonders starken Bean-
spruchung – 50 % von 650 € = 325 € pro Jahr. Deine Steuerersparnis liegt je
nach Steuersatz zwischen 55 € und 167 €.

Auf die Wahl des richtigen Standorts kommt es an.

365 Werden Meisterstücke nach der Meisterprüfung nicht mehr ausschließlich für 365
berufliche Zwecke genutzt, können nur die Abschreibungen bis zur Meisterprü-
fung abgesetzt werden, so lautet das BFH-Urteil vom 15. 12. 1989 (BStBl 1990 II
S. 692). Du schlägst dem Fiskus ein Schnippchen, wenn Du sagen kannst: »Mein
Meisterstück ist ein reines Schauobjekt, das für eine private Nutzung völlig un-
geeignet ist. Ich habe es ausschließlich und allein für meine Prüfung erstellt.«
Da in diesem Fall eine private Verwendung nicht angenommen werden kann,
wirst Du Deine Kosten sofort und in voller Höhe abschreiben.
Trifft das bei Dir nicht zu, dann überleg doch einmal, wie wichtig es für Dich
und Deinen Betrieb ist, wenn die Kunden sehen, welch ein fähiger Mitarbeiter
Du bist. Wie wäre es, wenn Du Dein Meisterstück im Betrieb ausstelltest? Lass
Dir das von Deinem Chef schriftlich bestätigen, und schon kann Dir das Finanz-
amt nicht mehr damit kommen, Du würdest das gute Stück privat nutzen.
Statt im Betrieb kannst Du es natürlich genauso gut in Deinem Arbeitszimmer
unterbringen. Auch in diesem Fall muss das Finanzamt die weitere berufliche
Verwendung akzeptieren und Deine Kosten für das Meisterstück als Werbungs-
kosten anerkennen.

Wie treibe ich die Kosten für Arbeitsmittel


auf die Spitze?

366 Wenn Auslagen schon einmal Werbungskosten sind, d. h. Aufwendungen, die 366
Dir helfen, Deinen Lohn oder Dein Gehalt zu sichern, zu erwerben oder zu er-

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248 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

halten, dann können sie so hoch sein, wie sie wollen: Das Finanzamt muss sie
anerkennen!
Wenn Du Dir statt einer billigen Aktentasche aus Rindsleder eine aus feinstem
Saffianleder mit so und so vielen Innentaschen leisten willst, um Deine Butter-
brote und Papiere mit zur Arbeit zu nehmen, ist das Deine Sache. Nur sind es
dann nicht 30 € Werbungskosten, sondern stolze 310 €! Glaubst Du, es Dir
schuldig zu sein, mit eigenem und besonders verchromtem Werkzeug zu arbei-
ten, dann ist das wahrscheinlich ein teurer Spaß, aber das Finanzamt muss Dir
die Kosten trotzdem in voller Höhe anerkennen. Bist Du der Meinung, Du
könntest die Briefe für Deinen Chef besser entwerfen und überarbeiten, wenn
Du sie vorher auf ein eigens angeschafftes Diktiergerät sprichst und dann aufs
Papier überträgst, stellt der Aufwand dafür eben Werbungskosten dar. Immer-
hin sind es rund 250 €, die sofort in voller Höhe abzugsfähig sind, weil die An-
schaffungskosten unter 410 € (ohne Mehrwertsteuer) liegen. Fürchtest Du als
Verkäufer, keine so guten Verkaufserfolge zu erzielen, wenn Du mit einem ge-
wöhnlichen Kuli statt mit einem vergoldeten Füller mit Platinfeder schreibst, so
ist das Entgelt für das recht teure Stück gleichwohl als Werbungskosten anzuse-
hen. Und wenn Du in Deinem Betriebszimmer keine Uhr hast – aus dienstli-
chen und aus Gründen der Arbeitseinteilung aber wissen musst, wie spät es je-
weils ist – kannst Du die von Dir gekaufte teure Schreibtischuhr absetzen, musst
sie allerdings im Betrieb lassen.

367 Abc der Arbeitsmittel 367


Aktentasche ist z. B. Arbeitsmittel bei einem Betriebsprüfer (FG Berlin v.
2. 6. 1978 – EFG 1979 S. 225). Bücher sind Arbeitsmittel, wenn es sich um Fach-
literatur handelt. Einzelheiten unter E Rz 345. Bücherregal zur ausschließ-
lichen Unterbringung von Fachliteratur ist Arbeitsmittel. Dazu mehr unter
E Rz 356. Cello ist Arbeitsmittel bei Dozenten an der Musikhochschule (FG
Hamburg v. 15. 5. 1985 – III 188/82). Cembalo ist Arbeitsmittel beim hauptbe-
ruflichen Musiker (FG Münster v. 19. 11. 1975 – EFG 1976 S. 178). Dias, die ein
Lehrer während einer steuerlich anerkannten Studienreise gemacht hat, sind
keine Arbeitsmittel, denn es handle sich um persönliche Erinnerungsstücke
(BFH-Urt. v. 25. 8. 1961 – BStBl 1961 III S. 486). Diktiergerät ist Arbeitsmittel
(BFH v. 29. 1. 1971 – BStBl 1971 II S. 327 betr. Richter). Elektroorgel ist Arbeits-
mittel für Lehrer im Fach Musik (FG Berlin v. 13. 11. 1973 – EFG 1974 S. 311).
Fernseh- und Rundfunkgerät sind keine Arbeitsmittel, auch nicht für einen
Schriftsteller, der für Fernsehen und Rundfunk schreibt (BFH – BStBl 1964 III
S. 455 und 528; BStBl 1971 II S. 17). Dagegen kann das Gerät eines Professors
für Medienpolitik, das in seinem Dienstzimmer steht, abgesetzt werden (FG
Münster v. 20. 1. 1987 – FR 1987 S. 458). Flügel ist Arbeitsmittel bei einem Pia-
nisten, der öffentlich Konzerte gibt; bei einem Musiklehrer in einer Schule ist
ein neuer Flügel kein Arbeitsmittel, wohl aber ein gebrauchter, preiswerter
(BFH v. 10. 3. 1978 – BStBl 1978 II S. 459). Auch bei einer Musikpädagogin

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9. Hilfe durch Arbeitsmittel 249

macht der BFH Schwierigkeiten (BFH v. 21. 10. 1988 – BStBl 1989 II S. 356).
Fußballschuhe sind Arbeitsmittel bei einem Sportlehrer (BFH v. 21. 11. 1986 –
BStBl 1987 II S. 262). Geige ist Arbeitsmittel bei einer Orchestermusikerin.
Auch wenn es sich um ein sehr teures antikes Stück handelt (BFH v. 9. 12. 2003
– VI R 185/97). Gitarre ist Arbeitsmittel bei einem Musiklehrer (anderer An-
sicht: FG im Urt. v. 21. 5. 1982 – EFG 1982 S. 562). Heimcomputer ist Arbeitsmit-
tel bei einem Lehrer für Mathematik (FG Rheinland-Pf. v. 6. 5. 1985 – EFG 1985
S. 605). Einzelheiten unter E Rz 350 ff. Hund kann bei Wachmännern, Hunde-
führern bei Polizei, Zoll, Bundesgrenzschutz und bei Forstbediensteten Arbeits-
mittel sein (BFH v. 29. 1. 1960 – BStBl 1960 III S. 163). Auch bei einem Haus-
meister können die Kosten für das Halten eines Wachhundes Werbungskosten
sein (FG Hamburg v. 22. 1. 1988 – EFG 1989 S. 228).
Kleidung in Form der typischen Berufskleidung ist Arbeitsmittel (§ 9 Abs. 1
Nr. 6 EStG). Typische Berufskleidung wird getragen von Bergleuten und
Schornsteinfegern, ferner von Richtern und Anwälten (weißer Schlips und
Robe), Geistlichen (Amtstracht), von Monteuren, Architekten und technischen
Zeichnern (Schutzkleidung), Ärzten (weißer Kittel), Oberkellnern (Kellner-
frack), Leichenbestattern (schwarzer Anzug) (BFH-Urt. v. 30. 9. 1970 – BStBl
1971 II S. 50). Bürgerliche Kleidung dagegen ist auch dann kein Arbeitsmittel,
wenn feststeht, dass sie im Beruf einem erhöhten Verschleiß unterliegt. Ausnah-
men bestätigen die Regel: Weiße Blusen und Hemden bei Metzgereiangestell-
ten gingen beim FG Berlin durch (Urteil v. 22. 2. 2005 – 7 K 4312/01. Koffer bei
einem Piloten (Hess. FG, EFG 1989 S. 173). Kunstgegenstände im Arbeitszim-
mer wie z. B. Bilder sind Arbeitsmittel, wenn der Steuerzahler in seinem Ar-
beitszimmer auch Repräsentationsaufgaben wahrzunehmen hat (BFH-Urt. v.
30. 10. 1990 – BStBl 1991 II S. 340). Lexikon ist kein Arbeitsmittel, auch nicht bei
Lehrern (BFH-Urt. v. 29. 4. 1977 – BStBl 1977 II S. 716). Lichtschutzbrille ist
Arbeitsmittel bei Cockpitpersonal (FG Hamburg v. 17. 1. 1972 – EFG 1972
S. 329), nicht aber eine gewöhnliche Sonnenbrille. Meisterstücke, die nach der
Meisterprüfung nicht ausschließlich für berufliche Zwecke verwendet werden,
erkennen die Finanzämter nicht als Arbeitsmittel an. Nach dem BFH-Urteil
vom 15. 12. 1989 (BStBl 1990 II S. 692) ist in diesem Fall nur die Abschreibung
bis zur Meisterprüfung abziehbar; E Rz 365. Motorrad ist Arbeitsmittel beim
Revierförster (Hess. FG v. 15. 9. 1958 – EFG 1958 S. 414). Motorsäge, die einem
Waldarbeiter selbst gehört, ist Arbeitsmittel. Reisekoffer, den ein Flugkapitän
nur auf Kurzstreckenflügen benutzt, auch wenn darin zugleich private Gegen-
stände transportiert werden, ist Arbeitsmittel (Hess. FG v. 3. 8. 1988 – EFG 1989
S. 173). Reitpferd ist Arbeitsmittel bei einem Reitlehrer (Hess. FG v. 2. 12. 1982
– EFG 1983 S. 226). Weitere Einzelheiten vgl. E Rz 346. Schreibmaschine ist als
Arbeitsmittel anerkannt bei Richtern (BFH-Urt. v. 29. 1. 1971 – BStBl 1971 II
S. 327), Prüfern (BFH v. 9. 4. 1963 – BStBl 1963 III S. 299) und Referendaren
(FG Berlin v. 31. 1. 1969 – EFG 1969 S. 399). Schreibtisch, Schreibtischlampe,
Schreibtischstuhl sind Arbeitsmittel in einem anerkannten Arbeitszimmer
(BFH-Urt. v. 21. 1. 1966 – BStBl 1966 III S. 219). Bei einem Lehrer auch dann,

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250 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

wenn sie nicht in einem Arbeitszimmer stehen, aber beruflich genutzt werden
(BFH-Urt. v. 18. 2. 1977 – BStBl 1977 II S. 464). Schusswaffe ist Arbeitsmittel bei
Forstbeamten (BFH v. 10. 7. 1964 – StRK § 9 R 275). Skiausrüstung ist Arbeits-
mittel bei hauptberuflichen Skilehrern, nicht dagegen bei nebenberuflichen
(BFH-Urt. v. 24. 10. 1974 – BStBl 1975 II S. 407), desgleichen nicht bei einem
Sportlehrer, der sie mitunter auch beruflich verwendet (BFH-Urt. v. 21. 11. 1986
– BStBl 1987 II S. 262). Stereoanlage kann bei einem Berufsmusiker Arbeitsmit-
tel sein, wenn sie in einem Arbeitszimmer installiert ist (Hess. FG, Urt. v.
9. 3. 1972 – EFG 1972 S. 329). Tageszeitung ist kein Arbeitsmittel (BFH-Urt. v.
5. 7. 1957 – BStBl 1957 III S. 328). Ausnahme Handelsblatt (BFH v. 13. 6. 1996 –
BFH/NV 1997 S. 98). Taschenrechner ist Arbeitsmittel bei Mathematiklehrern
(FG Nürnberg, Urt. v. 25. 1. 1978 – EFG 1978 S. 267). Telefonanschluss in der
Wohnung eines Arbeitnehmers ist ein Arbeitsmittel, wenn die Art der beruf-
lichen Tätigkeit die regelmäßige Nutzung des Telefonanschlusses in der Woh-
nung erfordert (FG Nürnberg, Urt. v. 22. 11. 1979 – EFG 1980 S. 176, ferner BFH
v. 21. 11. 1980 – BStBl 1981 II S. 131). Tennisausrüstung ist Arbeitsmittel bei
einem Polizisten, der damit Dienstsport ausübt (FG Saarland v. 19. 3. 1991 – 1 K
55/91). Tonbandgerät ist Arbeitsmittel bei einem hauptberuflich tätigen Musi-
ker (BFH-Urt. v. 29. 1. 1971 – BStBl 1971 II S. 459), auch bei Musiklehrern, wenn
sie das Gerät im Unterricht verwenden (BFH-Urt. v. 24. 8. 1962 – HFR 1963
S. 57), gleicher Ansicht später EFG 1965 S. 491 auch bei Musik-, Religions-, Ge-
werbe- und Hochschullehrern. Weiteres unter E Rz 362. Turnschuhe sind Ar-
beitsmittel bei Sportlehrern (BFH-Urt. v. 21. 11. 1986 – BStBl 1987 II S. 262).
Zeichengerät ist Arbeitsmittel bei einem Soldaten, wenn er die Bundeswehr-
fachhochschule besucht (BFH-Urt. v. 28. 9. 1984 – BStBl 1985 II S. 89). Zeit-
schrift: GEO ist kein Arbeitsmittel, auch nicht bei einem Erdkundelehrer (FG
Münster, Urt. v. 8. 4. 1986 – EFG 1986 S. 491). Die Flug Revue, Aero oder Flight
sind auch bei einem Piloten keine Fachliteratur (FG Niedersachsen, EFG 1993
S. 375). Zeitungen können Arbeitsmittel sein, wenn Du daraus berufliche Infor-
mationen beziehst und wenigstens eine weitere für private Zwecke hältst (FG
Köln v. 7. 7. 1993 – EFG 1994 S. 199).

Denk daran, dass grundsätzlich jeder Gegenstand ein berufliches Arbeitsmittel


sein kann, sofern Du ihn zu mehr als 90 % beruflich verwendest. Dies kann auch
nach jahrelangem privatem Gebrauch geschehen. In diesem Fall setzt Du den
Restwert als Werbungskosten ab. Fertige dafür einen Eigenbeleg.

78049-7_s001-816.indb 250 28.08.2007 14:29:23 Uhr


10. Welche Telefongebühren sind absetzbar? 251

10. Welche Telefongebühren sind absetzbar?


368 Halb acht Uhr abends im Büro, Dein Chef sitzt mit zerfurchter Stirn über ein 368
paar Angeboten. Plötzlich klingelt das Telefon. Am anderen Ende der Strippe
bist Du. Der Alte hört: ». . . wollte ich Ihnen nur sagen, dass Sie bei dem Angebot
für Meier & Co. ruhig noch 10 % draufschlagen können. Ich habe mich
eben mit meinem Bekannten von der Konkurrenz unterhalten. Der meint, dass
wir bei den Materialkosten viel zu niedrig liegen.« Meinst Du nicht, das freut
den Chef? »Wie komme ich denn dazu, mich kurz vor der Tagesschau noch mit
den Angelegenheiten meiner Firma zu beschäftigen?«, maulst Du. Weil Du wei-
terkommen willst! Wenn Du darauf pfeifst, dann tu es wenigstens, um etwas bei
der Steuer herauszuholen. Denn wenn Du angeben kannst, mit wem Du von
Deinem privaten Telefon beruflich telefonierst, erkennt der Fiskus einen Teil
Deiner Telefongebühren als Werbungskosten an. Du hast dabei die Wahl, den
abzugsfähigen, beruflichen Teil Deiner Kosten anhand repräsentativer Auf-
zeichnungen für drei Monate, z. B. per Einzelverbindungsnachweis, zu ermitteln
oder eine Pauschale anzusetzen (R 33 Abs. 5 LStR).

369 Mit dem Einzelnachweis kannst Du einen höheren beruflichen Anteil heraus- 369
schlagen. Aufzuzeichnen sind Tag, Gesprächsteilnehmer, Dauer des Gesprächs
sowie die Gesprächsgebühren. Einfacher geht das mit einem Einzelverbin-
dungsnachweis, den Du für geringes Entgelt bei der Telekom anfordern kannst
und der Dir zusammen mit der Monatsrechnung zugeschickt wird. Den über
drei Monate so ermittelten prozentualen Anteil an beruflichen Telefonkosten
kannst Du dann ohne weiteren Nachweis auch bei Deinen Telefonrechnungen
der übrigen neun Monate des jeweiligen Jahres absetzen. Im nächsten Jahr
musst Du aber wieder für drei Monate den Nachweisgriffel schwingen.

Nimm pauschal 240 € im Jahr ohne Nachweistheater!

370 Einfacher ist es, wenn Du Dich mit der beruflichen Telefonkostenpauschale be- 370
gnügst. Sie beträgt schlicht und ergreifend 20 % Deiner sämtlichen Telefonkos-
ten, höchstens aber 20 €/Monat. Damit kommst Du zwar auf höchstens 240 €
Werbungskosten im Jahr, dafür fragt Dich aber keiner, ob Du in die Kategorie
der beruflichen Vieltelefonierer fällst oder Deinen Apparat nur gelegentlich
mal für berufliche Zwecke nutzt.

78049-7_s001-816.indb 251 28.08.2007 14:29:23 Uhr


252 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

zum Telefonkostennachweis

371 Sei so schlau und achte darauf, Deinen Dreimonatsnachweis nicht gerade in 371
Zeiten zu führen, in denen Du besonders viel privat telefonierst, z. B. an Weih-
nachten und Neujahr.

Vergiss nicht, die Kosten Deines Handys


abzusetzen!

372 Das Handy ist als Zweittelefon grundsätzlich ein Arbeitsmittel und sollte des- 372
halb zu 100 % absetzbar sein, einschließlich der laufenden Kosten. Nun meint
der Fiskus nicht zu Unrecht, Du würdest auch Privatgespräche mit dem Handy
führen, und kürzt Dir deshalb die Kosten. Schützenhilfe leistet das FG Rhein-
land-Pfalz mit seinem Urteil vom 28. 11. 1997 – 4 K 1694/86, das 75 % der Kosten
steuerlich anerkennt, und selbst dies nur dann, wenn Du eine Bescheinigung des
Arbeitgebers vorlegen kannst, dass Du Dein Handy zu 100 % beruflich nutzt.
»Nur 75 % trotz 100 %iger beruflicher Nutzung? Und was ist mit den restlichen
25 %?«, fragst Du verwundert.
Man könnte es wohl Sicherheitsabschlag nennen. Bestehst Du auf vollem Kos-
tenabzug, musst Du mittels Einzelverbindungsnachweis die ausschließlich be-
rufliche Nutzung belegen. Was Du aber sicher nicht tun möchtest . . .

In Wirklichkeit ist der Staat nichts als eine Maschine


zur Unterdrückung einer Klasse durch die andere.
(Becher)

373 Mit einer Bescheinigung von Deinem Chef, dass Du ein Handy beruflich 373
brauchst, kannst Du alternativ auch 20 € pro Monat angeben, ohne die Einzel-
kosten nachweisen zu müssen.

374 Ist es Dir nicht auch schon oft so ergangen: Du willst ein berufliches Telefonge- 374
spräch führen, aber Dein Töchterlein telefoniert mal wieder stundenlang mit
ihrem Liebsten? Diesem Ärger gehst Du aus dem Weg, indem Du Dir für Deine
vielen beruflichen Telefonate einen Zweitanschluss zulegst oder einen ISDN-
Anschluss mit drei Nummern und den Einzelverbindungsnachweis der Telekom
nutzt. Mit dem Dreimonatsnachweis belegst Du dem Finanzamt, dass Du den
Zweitanschluss bzw. eine der drei Nummern des ISDN-Anschlusses zu 95 %
beruflich nutzt, und setzt für den Rest des Jahres ebenfalls 95 % der Gebühren

78049-7_s001-816.indb 252 28.08.2007 14:29:23 Uhr


11. Umzugskosten: Was gibt das Finanzamt dazu? 253

ab. Niemanden interessiert übrigens, ob und wie viel Deine Tochter in diesen
restlichen neun Monaten das Telefon mit Beschlag belegt.

»Telefon ist Telefon«,

375 sagst Du Dir zu Recht. Was für mein Telefon zu Hause oder mein Handy gilt, 375
muss umso mehr für mein teures Autotelefon gelten. Schließlich hast Du es Dir
ja nur zugelegt, weil Du so viel für Deine Firma unterwegs bist und als wichtiger
Mitarbeiter ständig erreichbar sein musst. Du beziehst natürlich alle Kosten mit
in Deinen Einzelnachweis ein. Vergiss die Abschreibung nicht! Liegt der Kauf-
preis für Dein Autotelefon unter 488 €, ist eine Vollabsetzung im ersten Jahr
gerechtfertigt. Liegt der Preis höher, musst Du Dich mit jährlich 20 % (Nut-
zungsdauer fünf Jahre) begnügen (BFH v. 14. 10. 1993 – BStBl 1993 I S. 908).
Dasselbe gilt natürlich für Dein Handy.

11. Umzugskosten: Was gibt das Finanzamt dazu?


376 Oft fallen aus beruflichen Gründen Umzugskosten an, die das Finanzamt aber 376
bei weitem nicht jedem anerkennt. Auf den Ämtern spukt oft genug noch der
alte Begriff von der »Notwendigkeit der Werbungskosten« herum. Damit hast
Du nichts zu schaffen! Du musst Dich aber fragen lassen, ob der Umzug privat
mitveranlasst war. Ist das der Fall, musst Du mit Schwierigkeiten rechnen.
Was Du allerdings im Interesse Deines Berufs tust, kannst Du selbst entschei-
den. Dienen die Kosten der Sicherung oder dem Erwerb beruflicher Einkünfte,
sind sie abzugsfähig. Die Sache ist ganz klar, wenn
● man Dir gekündigt hat oder Du selbst gekündigt hast oder der Betrieb ge-
schlossen wurde und Du an einem anderen Ort neue Arbeit gefunden hast,
● Du nach Deiner Pensionierung aus einer Dienst- oder Werkswohnung aus-
ziehen musst,
● der Betrieb an einen anderen Ort verlegt wurde,
● sich durch den Umzug die Fahrzeit zum Betrieb um eine Stunde verkürzt
(BFH v. 23. 3. 2001 – BStBl 2001 II S. 585, BFH – BStBl 1987 II S. 81). Wenn
Du in Zusammenhang mit Deiner Heirat mit Deiner besseren Hälfte in eine
gemeinsame Wohnung ziehst und sich daraus eine Fahrzeitersparnis von
einer Stunde gibt, kannst Du die Umzugskosten ebenfalls als Werbungskos-
ten absetzen.

78049-7_s001-816.indb 253 28.08.2007 14:29:24 Uhr


254 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

● Du in der Hierarchie aufgestiegen bist und sich dadurch Deine Lebensstel-


lung wesentlich verändert hat (BFH – BStBl 1975 II S. 327),
● Du auf Veranlassung Deines Arbeitgebers umziehst, damit Du schneller ein-
satzbereit bist (BFH v. 28. 4. 1988 – BStBl 1988 II S. 777),
● Du nach dem Umzug Deinen Arbeitsplatz z. B. in zehn Minuten zu Fuß errei-
chen kannst und deswegen nicht mehr auf ein Verkehrsmittel angewiesen bist
(FG Baden-Württemberg v. 6. 4. 1990 – EFG 1990 S. 627),
● Du am Ende einer doppelten Haushaltsführung umziehst und damit gleich-
zeitig eine neue doppelte Haushaltsführung begründest (H 43 LStR »Um-
zugskosten«).

377 Ein restriktives Urteil aus Köln: Bei Versetzung auf eigenen Wunsch aus priva- 377
ten Gründen, also ohne eine berufliche Verbesserung, gibt es keinen Abzug der
Umzugskosten (FG Köln v. 19. 4. 1988 – EFG 1988 S. 467)! Großzügiger sind die
Richter in der anderen Rheinmetropole, die haben nämlich geurteilt: Um-
zugskosten sind selbst dann beruflich veranlasst und damit abzugsfähig, wenn
Du Dich z. B. als Beamter auf eigenen Wunsch versetzen lässt (FG Düsseldorf v.
26. 11. 1987 – EFG 1988 S. 114). Auch wenn Du Dich von Deinem Ehegespons
trennst und Dich zu Deinem weitentfernten Arbeitsort verkrümelst, können
Deine Umzugskosten als Werbungskosten anerkannt werden. Dass Du Dich
gleichzeitig aus Deiner Beziehungskiste verabschiedest, schlägt nicht als priva-
ter Grund durch (FG Rheinland-Pfalz v. 23. 9. 1997 – 2 K 1033/97).
Die eigentlichen Gründe für einen Umzug sind meistens vielschichtig und dem
Einzelnen oft gar nicht so richtig bewusst. So lernte ein junger Bankangestellter
aus Dortmund ein Mädchen aus München kennen und erfuhr bei Besuchen in
München, dass die dortige Filiale der Großbank wesentlich höhere Gehälter
zahlt als diejenige in Dortmund. Auch gab es bessere Aufstiegsmöglichkeiten.
Also nichts wie hin nach München und sofort geheiratet. Die Umzugskosten
muss das Finanzamt als beruflich veranlasst anerkennen, auch wenn private
Gründe den Arbeitsplatzwechsel mitveranlasst haben (FG Rheinl.-Pf. v.
29. 8. 1986 – EFG 1989 S. 18).

378 Noch etwas: Das FG des Saarlands erkannte auch Umzugskosten anlässlich der 378
Beendigung eines Arbeitsverhältnisses an. Der Steuerzahler hatte am neuen
Wohnort keine neue Tätigkeit aufgenommen (Urt. v. 25. 2. 1987 – EFG 1987
S. 347). Deutlich kleinlicher zeigte sich dagegen der BFH; der stellte nämlich die
gewagte These auf, ein Rückumzug sei nicht ausreichend beruflich veranlasst,
wenn er im Zusammenhang mit dem Ausscheiden des Steuerzahlers aus dem
aktiven Berufsleben steht (BFH-Urteil v. 22. 7. 1999 – BFH/NV 2000 S. 37).

379 Wenn Du einen befristeten Arbeitsvertrag abgeschlossen hast und in die Nähe 379
Deiner Arbeitsstelle gezogen bist, kannst Du Deine Kosten für den Rückumzug
nach Beendigung des Arbeitsverhältnisses absetzen.

78049-7_s001-816.indb 254 28.08.2007 14:29:24 Uhr


11. Umzugskosten: Was gibt das Finanzamt dazu? 255

380 Wenn Du in dem Ort, an den Dich Deine Firma versetzen will, eine Wohnung 380
gesucht, vielleicht schon gemietet hast und Dein Brötchengeber dann Deine
Versetzung plötzlich abbläst, mach »vergebliche Umzugskosten« geltend und
hilf dem Finanzamt im Zweifel mit dem BFH-Urteil vom 24. 5. 2000 – BStBl
2000 II S. 584 auf die Sprünge.

381 Wenn Du wegen einer täglichen Fahrzeitersparnis von einer Stunde umziehst, 381
sind diese Kosten beruflich bedingt und abzugsfähig – selbst wenn Du dabei von
einer Miet- in eine Eigentumswohnung umziehst. Ist nach den Gesamtumständen
anzunehmen, dass Du in dieselbe oder eine ähnliche Wohnung auch dann einge-
zogen wärst, wenn Du sie nicht als Eigentum erworben hättest, ist das ein Anzei-
chen für die berufliche Veranlassung des Umzugs (BFH – BStBl 1987 II S. 81).

Ungemach droht Ehepaaren beim Umzug in das neugebaute Eigenheim. Wart


Ihr beide in der Nähe Eures bisherigen Wohnorts berufstätig, nutzt es auch
nichts, wenn einer von Euch nach dem Umzug am neuen Wohnort einen Job
annimmt. Nach Meinung der BFH-Richter schlägt hier der private Anlass – der
Bau des Hauses – durch, und die Umzugskosten sind nicht abziehbar (BFH v.
21. 2. 2006 – BFH/NV 2006 S. 1273).

zur Fahrzeitersparnis

382 Sei nicht zu pingelig beim Berechnen Deiner Fahrzeitersparnis, denn unter 382
einer Stunde machen Dir die Fiskalritter Schwierigkeiten beim Anerkennen
Deiner Umzugskosten. Führe vielleicht ins Feld, dass Du ein besonders vorsich-
tiger Fahrer bist. Und dass Du übliche Fahrzeiten durch Stau und zähfließenden
Verkehr so nicht einhalten kannst. Eine Fahrzeitverkürzung von nur 20 bis 30
Minuten genügt auch dann nicht, wenn Du Dir in Deiner neuen Wohnung erst-
mals das dringend benötigte Arbeitszimmer einrichten konntest (BFH-Urteil v.
16. 10. 1992 – BStBl 1993 II S. 610). Die erforderliche Stunde kannst Du Dir lei-
der auch nicht dadurch zusammenrechnen, dass Du und Deine bessere Hälfte
jeweils eine halbe Stunde einspart (BFH v. 27. 7. 95 – BStBl 1995 S. 728).
Zum Glück ist der BFH hier konsequent! Fahrzeitveränderungen bei Ehepart-
nern werden nicht zusammengerechnet, das gilt aber genauso für das Saldieren
der Veränderungen, wenn also zwar für einen Partner mindestens eine Stunde
weniger Fahrzeit herausspringt, der andere aber sogar einen längeren Weg zur

78049-7_s001-816.indb 255 28.08.2007 14:29:25 Uhr


256 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Arbeit hat. Ihr seid also schlau und setzt die Umzugskosten bei dem von Euch
beiden an, bei dem der Arbeitsweg kürzer wird (BFH v. 21. 2. 2006 – BStBl II
2006 S. 598). Wer von den beiden Ehepartnern letztlich die Umzugskosten von
seinem Konto bezahlt hat, spielt keine Rolle. Der Ehepartner mit der Fahrzeit-
ersparnis von mindestens einer Stunde kann sie bei sich auch dann als Wer-
bungskosten absetzen, wenn sie von der besseren Hälfte gezahlt wurden. Lass
Dich in so einem Fall vom Finanzamt nicht mit angeblichem Drittaufwand ab-
wimmeln (BFH v. 23. 5. 2006 – BFH/NV 2006 S. 1650).

383 Eine Stunde Fahrzeitersparnis ist zwar ganz schön, aber nicht der Weisheit letz- 383
ter Schluss. Gute Argumente hatte z. B. ein Pärchen, bei dem sie nach einer be-
ruflichen Pause in ihren alten Beruf zurückstrebte. Die beiden haben ihre Um-
zugskosten durchgeboxt, obwohl sich die tägliche Fahrzeit für ihn verlängert
und sich ihre Fahrzeit nicht um eine ganze Stunde verkürzt hat. Die beiden
haben argumentiert, dass sie durch den Umzug jederzeit für die Bereitschafts-
dienste zur Verfügung steht und der Umzug damit zu einer allgemeinen Verbes-
serung der Arbeitsbedingungen führt. Sie hatten mit diesen Argumenten zu-
mindest die Finanzrichter im »Ländle« auf ihrer Seite (FG Baden-Württemberg
v. 2. 4. 2004, EFG 2004 S. 1204).

384 Was sind alles abzugsfähige Umzugskosten? Beförderungskosten durch den 384
Spediteur; Miete für Leih-Lkw; Lohn für Umzugshelfer (dazu gehört auch das
Abendessen mit Freunden, die Dir unentgeltlich geholfen haben); Reisekosten,
die im Zusammenhang mit Wohnungsbesichtigungen und dem Umzug angefal-
len sind (Fahrtkosten mit je 0,30 € je km, Verpflegungsmehraufwendungen,
Übernachtungs- und Nebenkosten, vgl. E Rz 176); die Übernachtungskosten
von Dir und Deiner Familie in einem Hotel, falls die neue Wohnung noch nicht
eingeräumt war; doppelte Mietzahlungen bis zum Ablauf der Kündigungsfrist;
Maklergebühren; Aufwendungen für Nachhilfeunterricht für die Kinder (Rz
397) und sonstige Umzugskosten.

385 Wenn auf etwas Verlass ist, dann darauf, dass bei den Steuern auf nichts Verlass 385
ist. Da haben doch die Richter beim BFH zunächst zugunsten aller aus beruf-
lichen Gründen in ein eigenes Haus umgezogenen Steuerzahler entschieden,
dass zumindest der Anteil der Maklerkosten als Umzugskosten abzugsfähig ist,
der auch bei der Vermittlung einer Mietwohnung angefallen wäre (BFH v.
15. 11. 1991 – BStBl 1992 S. 492). Aber dann beschlossen besagte Richter, sich
wie Konrad Adenauer nicht an ihr Geschwätz von gestern zu erinnern. Plötzlich
ist ihnen doch eingefallen, die Maklerkosten seien Anschaffungskosten für das
Haus und gehörten schon deshalb nicht in Deine Umzugskostenaufstellung
(BFH v. 24. 8. 1995 – BStBl 1995 II S. 895). Damit nicht genug: Kosten für den
umzugsbedingten Verkauf Deines Hauses – für Makler, Finanzierung etc. – sol-
len ebenso wie ein eventueller Wertverlust keine Umzugskosten sein (BFH v.
24. 5. 2000 – BStBl 2000 II S. 476).

78049-7_s001-816.indb 256 28.08.2007 14:29:25 Uhr


11. Umzugskosten: Was gibt das Finanzamt dazu? 257

386 Besondere Vorsicht ist geboten, wenn Du an Deinem neuen Wohnort zunächst 386
nicht in Deine endgültige Wohnung einziehen kannst und deshalb erst einmal
ein behelfsmäßiges Quartier beziehst und Deine Möbel einlagerst. Mit dem
Bezug Deines Notquartiers hast Du steuerlich Dein Umzugspulver verschos-
sen. Weder die Kosten für das Einlagern Deiner Möbel noch für den endgül-
tigen Umzug werden vom Fiskus anerkannt (BFH v. 21. 9. 2000 – BStBl 2001 II
S. 70).

387 Für die sonstigen Umzugskosten kannst Du wählen, ob Du sie einzeln nachweist 387
oder Pauschbeträge ansetzt. Zu den sonstigen Umzugskosten gehören kleinere
Ausgaben, z. B. für Inserate, Telefonate und öffentliche Gebühren, aber auch
Ausgaben für Schönheitsreparaturen in der neuen und der alten Wohnung,
wenn sie laut Mietvertrag fällig waren; Trinkgelder für das Umzugspersonal;
Kosten für Abbau, Anschluss, Abnahme und Befestigungen von Öfen, Herden
und anderen Heizgeräten; Ausgaben für die Erweiterung, Änderung von Elek-
tro-, Gas- oder Wasserleitungen, um vorhandene Geräte weiterbenutzen zu
können; Ausgaben für das Abnehmen, Ändern und Anbringen von Vorhängen,
Vorhangstangen, Rollos usw. Setze also alles an: die Nägel für die Bilder, den
dafür benötigten Hammer, Schulbücher für die Kinder, das Taxi zum Bahnhof,
Installations- und Ummeldekosten, Umbaukosten für eine neue Antenne, Lack
und Pinsel, mit denen Du die Schrammen an Deinen Möbeln vertuschst. Die
Neuanschaffung von Möbeln, Lampen, Gardinen und anderen Einrichtungsge-
genständen kannst Du leider nicht absetzen, so jedenfalls der BFH am
17. 12. 2002 – BStBl II 2003 S. 314. Geht Dir allerdings beim Umzug ein Teil
Deines Hausrats verloren oder wird er zerstört, kannst Du trotzdem versuchen,
seinen Wert als Werbungskosten abzusetzen (FG Düsseldorf v. 5. 4. 1978, EFG
1978 S. 539).

388 Die Anschaffung von »Sonderbekleidung« wird Dir steuerlich nicht anerkannt, 388
auch wenn sie wegen des mit dem Umzug verbundenen Klimawechsels erfor-
derlich ist (H 41 LStH »Höhe der Umzugskosten«). Siehe aber Rz 289.

389 Da man die dicken Ausgabenbrocken für die Neuanschaffungen von Möbeln, 389
Vorhängen und Elektrogeräten nicht anerkennt, kannst Du Dir die Mühe mit
dem Nachweis Deiner sonstigen Umzugsauslagen sparen. Stattdessen greifst
Du auf die gar nicht so mickrigen Pauschbeträge zurück.
Berufe Dich auf das Bundesumzugskostengesetz und auf R 41 LStR. Es gelten
die Pauschbeträge, die Du aus der folgenden Tabelle ablesen kannst.

390 Pauschbeträge für sonstige Umzugsauslagen bei Umzügen ab 1. 8. 2004 390

€ €
Verheiratete – 1 121
Ledige 561 –

78049-7_s001-816.indb 257 28.08.2007 14:29:25 Uhr


258 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Einen Zuschlag von 247 € zu den o. g. Beträgen erhältst Du für jede Person, die
in Deinem Haushalt mit Dir zusammenwohnt, z. B. Eltern, Kinder, Großeltern
oder andere Verwandte.

391 Die höhere Pauschale für Verheiratete steht Dir auch als Alleinstehendem zu, 391
wenn Du verwitwet oder geschieden bist. Auch wenn Du als Lediger aus ge-
sundheitlichen Gründen auf ständige Betreuung angewiesen bist und deshalb
jemand in Deiner Wohnung lebt oder wenn in Deiner Wohnung nahe Ver-
wandte leben, die Du auf Deine Kosten unterhältst, wirst Du bei einem Umzug
den Verheirateten gleichgestellt.

Kassiere als Berufsanfänger die volle Pauschale!

392 Wenn Du Dich z. B. als Azubi oder nach dem Ende Deiner Ausbildung von zu 392
Hause abnabelst und in eine eigene Wohnung ziehst, heißt es für Dich: Vorsicht,
Falle!
Führst Du für Deinen Umzug berufliche Gründe ins Feld, werden Dir zwar
Werbungskosten anerkannt, aber bei der Pauschale für sonstige Umzugsausla-
gen zeigt sich der Fiskus einmal mehr von seiner geizigen Seite. Hattest Du
nämlich vor Deinem Umzug keine eigene Wohnung, streicht man Dir die Pau-
schale rigoros auf 20 % zusammen, wenn Du ledig bist, und auf 30 %, wenn Du
verheiratet bist. Dieser Kürzung entgehst Du, wenn Du behaupten kannst: »Ich
habe zwar bisher im Haus meiner Eltern gewohnt, aber dort hatte ich eine ei-
gene abgeschlossene Wohnung. Sie war mit eigenen Möbeln ausgestattet, und
ich habe schon seit langem selbständig gewirtschaftet.« Das Ganze lässt Du Dir
von Deinen Eltern schriftlich bestätigen, und schon kommst Du zu einem Beleg,
den der kritische Fiskalknecht in seinen Akten abheften kann.

Gönne Dir ein Zusatzgeschäft mit der Pauschale für


sonstige Umzugsauslagen!

393 Bist Du innerhalb der letzten fünf Jahre bereits einmal beruflich bedingt umge- 393
zogen, solltest Du jetzt einen Zuschlag von pauschal 50 % der Pauschvergütung
ansetzen. Bei einem 4-Personen-Haushalt sind das ab 1. 8. 2004 immerhin 808 €.
Bei einem Steuersatz von angenommen nur 30 % honoriert Dir das Finanzamt

78049-7_s001-816.indb 258 28.08.2007 14:29:25 Uhr


11. Umzugskosten: Was gibt das Finanzamt dazu? 259

die Zusatzarbeit mit 242 €. Wetten, dass Du in Deiner Firma für das gleiche
Geld wesentlich länger arbeiten musst?
Einem kritischen Finanzbeamten hältst Du dazu § 10 Abs. 6 Bundesumzugskos-
tengesetz unter die Nase, der diesen sog. Häufigkeitszuschlag eindeutig regelt.
Einen Strich durch diese Rechnung kann Dir der Fiskus allenfalls machen,
wenn Du zunächst jahrelang zu Deiner Arbeitsstelle gefahren und erst umgezo-
gen bist, nachdem Du von der ewigen Fahrerei und den damit verbundenen
Kosten Die Nase voll hattest (Hessisches FG v. 19. 8. 1997 – 11 K 4490/96). Ziehst
Du dagegen unmittelbar im Zusammenhang mit dem Wechsel Deines Arbeits-
platzes um, steht dieses kleinliche Urteil der Anerkennung des Häufigkeitszu-
schlags nicht im Weg.

394 Wenn die Kinder am neuen Wohnort wegen des Schulwechsels nicht richtig mit- 394
kommen und Nachhilfeunterricht brauchen, pack die Aufwendungen dafür in
die Umzugskosten!
Du kannst bei Umzügen ab 1. 8. 2004 die Kosten für Nachhilfeunterricht bis zu
folgenden Beträgen absetzen. Und zwar die ersten 50 % in voller Höhe und
vom übersteigenden Betrag 75 % (Quelle: § 9 BUKG und R 41 LStR):
als Werbungskosten
Ausgangsbetrag abzugsfähig
1 409 € 1 233 €

395 Leider gehören Instandsetzungskosten in der alten Wohnung nicht zu den ab- 395
zugsfähigen Werbungskosten, wenn sie ohnehin fällig waren. Das FG Rhein-
land-Pfalz hat ihren Abzug in seinem Urteil v. 6. 9. 1972 (EFG 1973 S. 110) abge-
lehnt.

396 Wenn Du Deine Arbeitnehmertätigkeit einmal aufgeben solltest, um an einem 396


anderen Ort eine gleichartige selbständige Tätigkeit aufzunehmen, sind die
Kosten der Verlegung Deiner Familienwohnung an den anderen Ort (Um-
zugskosten) in der Regel steuerlich abzugsfähige Betriebsausgaben (BFH v.
1. 3. 1972 – BStBl 1972 II S. 458).

397 Schon eine alte Bauernregel sagt: Dreimal umgezogen ist wie einmal abge- 397
brannt. Damit Du nicht etwa einige Möglichkeiten übersiehst, um Dir vom Fi-
nanzamt wenigstens einige Brandlöcher in Deinem Portemonnaie stopfen zu
lassen, geben Dir die folgenden Übersichten eine Hilfe.
Vergiss nicht, auch Deine Fahrtkosten mit anzusetzen. Sobald Du Dich ins Auto
setzt, um z. B. bei der Gemeinde den Personalausweis ändern zu lassen, oder zur

78049-7_s001-816.indb 259 28.08.2007 14:29:26 Uhr


260 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Zeitung fährst, um ein Inserat für eine Wohnung aufzugeben und die Angebote
abzuholen, kannst Du dem Finanzamt 0,30 € je km auf die Rechnung setzen!

Betrag
Berechnung der Umzugskosten €
1. Beförderungsauslagen
1.1 Beförderungsauslagen (Spediteur, Leih-Lkw, Entgelt für
Umzugshelfer) Transportversicher. (lt. Versicherungsschein)
2. Reisekosten
2.1 Besichtigungsreisen zum Suchen einer Wohnung €
2.2 Fahrtkosten für die Reisen zur Vorbereitung und Durchführung des Umzuges €
2.3 Umzugsreise €

3. Doppelte Mietzahlungen für Deine alte Wohnung ohne Beschränkung


bis zum Ablauf der Kündigungsfrist (BFH v. 1. 12. 1993 – BStBl 1994 II S. 323)
4. Maklergebühren für Mietwohnungen
5. Auslagen für zusätzlichen Unterricht (vgl. E Rz 394)
6. Pauschvergütung für sonstige Umzugsauslagen (vgl. E Rz 390)
7. oder nachgewiesene sonst. Umzugsauslagen (lt. E Rz 376)
8. Häufigkeitszuschlag zur Pauschvergütung 50%
von Nr. 6 (bei erneutem Umzug innerhalb von 5 Jahren)

Beleg Betrag
Art der sonstigen Umzugsauslagen Nr. €
1. Außertarifliche Zuwendungen an das Umzugspersonal
Trinkgelder €
andere Zuwendungen €
insgesamt €

2. Auslagen für Abbau, Anschließen, Abnehmen und Anbringen


a) von Herd(en)
Öfen
anderen Heizgeräten
b) von folgenden in der bisherigen Wohnung verwendeten hauswirt-
schaftlichen Geräten: Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler,
Kühlschrank, Gefrierschrank, -truhe, Abzugshaube usw.
c) von Beleuchtungskörpern und anderen Einrichtungsgegenständen
3. Auslagen für das Ändern und Erweitern von Elektro-, Gas- und
Wasserleitungen
4. Die Auslagen waren notwendig, um schon in der bisherigen Wohnung
benutzte Geräte in der neuen Wohnung anschließen zu können
5. Auslagen für das Ändern von folgenden in der bisherigen Wohnung
verwendeten elektrischen Geräten, weil das Leitungsnetz in der neuen
Wohnung eine andere Spannung oder Stromart hat
6. Auslagen für das Umbauen von Gasgeräten
7. Auslagen für das Anbringen von Anschlüssen an folgenden elektrischen
Geräten einschl. der hierfür notwendigen Stecker und Verbindungs-
schnüre, um die in der bisherigen Wohnung benutzten Gegenstände
verwenden zu können

78049-7_s001-816.indb 260 28.08.2007 14:29:26 Uhr


11. Umzugskosten: Was gibt das Finanzamt dazu? 261

Beleg Betrag
Art der sonstigen Umzugsauslagen Nr. €
8. Auslagen für den Einbau eines Wasserenthärters für
Geschirrspülmaschinen
9. Auslagen für das Umschreiben von Personalausweisen und Personen-
kraftfahrzeug(en)
a) für Personalausweis
b) für Pkw/Wohnwagenanhänger
c) Anschaffen und Anbringen von amtlichen Kennzeichen an Pkw/Wohn-
wagenanhänger
10. Auslagen für den Erwerb eines zusätzlichen ausländischen Führerscheins
für Pkw bei Tätigkeiten im Grenzverkehr
11. Auslagen wegen Schulwechsels der Kinder
a) Schulbücher
b) Umschulungsgebühren
12. Auslagen für Anzeigen und amtliche Gebühren zum Zwecke der
Wohnungsbeschaffung
a) Anzeigen
b) Gebühren
c) amtliche Gebühren

für doppelte Mietzahlungen

398 Doppelte Mietzahlungen, die Dir dadurch entstehen, dass Du für eine gewisse 398
Zeit sowohl für Deine neue als auch für Deine alte Wohnung Miete zahlen
musst, sind abzugsfähige Umzugskosten. Miete für Deine leer stehende alte
Wohnung kannst Du bis zu sechs Monate als Umzugskosten deklarieren
(§ 8Abs. 1 BUKG). Aber auch die Miete für die neue Wohnung packst Du in die
Umzugskosten, wenn Du sie schon vor dem Umzug angemietet hast. Diese
Miete kannst Du allerdings nur bis zu drei Monate lang als Umzugskosten beim
Finanzamt abrechnen (§ 8 Abs. 2 BUKG; FG Hamburg v. 4. 10. 1999 – II
237/99).
Auch wenn Du bei Deinem Umzug eine Eigentumswohnung zurücklässt, kannst
Du fiktiv doppelte Mietzahlungen absetzen. Wenn Dir Dein Finanzamt hier mit
der Maximalfrist von sechs Monaten lt. Bundesumzugskostengesetz kommt,
lässt Du Dich davon nicht beeindrucken. Mache ihm klar, dass Du Dich redlich
bemüht hast, die Eigentumswohnung abzustoßen, zu einem vertretbaren Preis
aber keinen Käufer gefunden hast. Schützenhilfe bekommst Du durch das Ur-
teil des FG Rheinland-Pfalz vom 16. 4. 1996 (EFG 1996 S. 975), nach dem Du
nicht an die beamtenrechtliche Frist von sechs Monaten gebunden bist.

78049-7_s001-816.indb 261 28.08.2007 14:29:27 Uhr


262 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Schlage Profit aus Deinen Pleiten


bei der Wohnungssuche!

399 Gehörst Du zu denen, die jeden Tag 80 oder 90 km zur Arbeit fahren müssen? 399
Für eine gewisse Zeit geht das ja vielleicht noch. Auf die Dauer nerven Dich die
lange Fahrerei und die damit verlorene Zeit aber doch ganz schön. Also siehst
Du Dich nach einer Wohnung oder einem Eigenheim in der Nähe Deines Ar-
beitsplatzes um.
Ich hoffe stark, dass Du dem Finanzamt die Kosten für Deine erfolglose Woh-
nungssuche auf die Rechnung setzt. Jedesmal wenn Du ein Wohnungsangebot
prüfst, aber nicht für gut befindest, sind für Dich nämlich Werbungskosten an-
gefallen. Da läppert sich ganz schön was zusammen, z. B.:

Telefon, Portokosten, Papier, Briefumschläge 5€


1 Flasche Wein für den potenziellen Vermieter A. + 10 €
1 Blumenstrauß oder 1 Schachtel Pralinen, um die
potenzielle Vermieterin B. günstig zu stimmen + 15 €
Fahrtkosten zur Wohnungsbesichtigung
z. B. 2  70 km  0,30 € + 42 €
Verpflegungspauschale, wenn es länger als 6 Stunden gedauert hat + 6€
Kosten für die Prüfung eines Wohnungsangebotes ca. 78 €

Übers Jahr gesehen kommst Du so locker auf 300 bis 500 € an Werbungskosten
für vergebliche Wohnungssuche. Damit der Fiskalritter ein paar Zettelchen zum
Abhaken hat, sammle fleißig die von Dir näher geprüften Inserate und lege ein
paar schriftliche Absagen – von Dir und/oder Vermietern – bei.
Wichtig ist nur, dass sich für Dich eine tägliche Fahrzeitersparnis von mindes-
tens einer Stunde ergeben hätte, wenn es mit der Wohnung geklappt hätte (FG
Düsseldorf – EFG 1994 S. 652).

für Auslandsumzüge

400 Haarig kann es für Dich werden, wenn Du ins Ausland umgezogen bist. Die 400
Fiskalritter sind auf einen neuen Dreh verfallen, um Dir die rechtmäßig zuste-
hende Steuerermäßigung für Umzugskosten streitig zu machen. Trotz Ab-

78049-7_s001-816.indb 262 28.08.2007 14:29:27 Uhr


11. Umzugskosten: Was gibt das Finanzamt dazu? 263

schnittsbesteuerung, nach der es auf die Verhältnisse im jeweiligen Jahr an-


kommt, argumentieren sie, die Umzugskosten hingen mit Deinen künftigen
steuerfreien Auslandseinkünften zusammen, und verweigern Dir unter Hinweis
auf § 3 c EStG den Abzug als Werbungskosten oder Betriebsausgaben. Auch das
Argument, Dein Auslandsaufenthalt fördere Deine spätere Karriere im Inland
und ermögliche Dir Beförderungen und höhre Einkünfte, wenn Du aus dem
Ausland zurückgekehrt bist, wollen Sie nicht gelten lassen. Der unmittelbare
Zusammenhang der Umzugskosten und des anstehenden Auslandsaufenthalts
gehe dem allenfalls mittelbaren und zudem vagen Zusammenhang mit späteren
Einkünften im Inland vor (BFH v. 20. 9. 2006 – I R 59/05).

Wenn Du somit Deine Umzugskosten auch nicht direkt absetzen kannst, muss
das Finanzamt sie doch bei der Berechnung des Steuersatzes (Progressionsvor-
behalt) für Deine restlichen steuerpflichtigen inländischen Einkünfte abziehen.
Mit diesem negativen Progressionsvorbehalt holst Du zumindest ein wenig
Steurermäßigung heraus. Besonders vorteilhaft fällt die ganze Sache für Dich
aus, wenn Du zum Ende des Jahres umgezogen bist und somit Deine Um-
zugskosten nicht teilweise schon durch im Ausland erzielte steuerfreie Ein-
künfte aufgezehrt werden.

Angenommen, Du übernimmst zum 1. 1. 2008 für mehrere Jahre eine leitende


Position in der amerikanischen Filiale Deiner Firma. 2007 hast Du ein Gehalt
von 120 000 € bezogen. Der Umzug im Dezember hat Dich rund 20 000 € gekos-
tet. Ohne Umzugskosten liegt Deine Einkommensteuer bei ca. 32 158 €. Durch
den Abzug der Umzugskosten bei der Steuersatzberechnung für 2007 ergibt
sich ein deutlich geringerer Progressionssteuersatz für Deine Einkünfte. Die
Ersparnis an Einkommensteuer allein daraus beträgt ca. 3 061 €; inkl. Kirchen-
steuer und Solidaritätszuschlag sparst Du sogar mehr als 3 500 €.

Ziehst Du im obigen Beispiel erst im Januar 2008 um, verpufft die Steuererspar-
nis, weil Du 2008 nur steuerfreie Auslandseinkünfte hast und in Deutschland
keine Steuern zahlst. Damit kannst Du auch nicht von den Segnungen des nega-
tiven Progressionsvorbehalts profitieren. Du wirst Dich also geschickt verhal-
ten und unter Ausnutzung des Zufluss-/Abflussprinzips (§ 11 EStG) Deine Um-
zugskosten nach Möglichkeit in das Jahr 2007 vorverlagern. Für den größten
Brocken Deiner Aufwendungen ist das relativ einfach. Du wirst für die Trans-
port- und Speditionskosten Vorkasse leisten und die Rechnung des beauftrag-
ten Unternehmens schon Ende Dezember 2007 bezahlen oder zumindest einen
saftigen Abschlag überweisen.

78049-7_s001-816.indb 263 28.08.2007 14:29:27 Uhr


264 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

12. Doppelte Haushaltsführung und was alles


an Mehrausgaben dazugehört
401 Steuerlich abzugsfähige Kosten für eine doppelte Haushaltsführung hast Du 401
immer dann, wenn Du aus beruflichen Gründen neben Deiner eigentlichen
Wohnung eine Zweitwohnung in der Nähe Deiner Arbeitsstelle unterhältst. Die
Kosten für diesen beruflich bedingten Zweithaushalt kannst Du ohne zeitliche
Einschränkungen absetzen. Allerdings achtet der Fiskus peinlich genau darauf,
dass Du tatsächlich zwei Haushalte Dein Eigen nennst.

402 Der Pferdefuß ist, dass Du als Alleinstehender ohne eigenen Hausstand in die 402
Röhre schaust, wenn Du z. B. als Auszubildender, Berufs- oder Zeitsoldat, aber
auch als fertig ausgebildeter junger Arbeitnehmer noch bei Deinen Eltern
wohnst. Du bist nämlich von Anfang an von der Möglichkeit abgeschnitten,
Deine Miete und Verpflegungsmehraufwendungen von der Steuer abzusetzen.
Besonders hart trifft das natürlich all diejenigen, die während der Ausbildung,
wenn das Geld ohnehin knapp ist, am Arbeitsort ein Zimmer oder eine Woh-
nung anmieten müssen.

Deklariere Heimfahrten als Fahrten zwischen


Wohnung und Arbeitsstätte!

403 Zumindest bei Deinen Fahrtkosten kannst Du den Schaden in Grenzen halten. 403
Wohnung ist nun einmal Wohnung. Wenn Du also als Lediger ohne eigenen
Hausstand nach Hause zu Deinen Eltern fährst, sind das keine privaten Be-
suchsfahrten, sondern Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte. Dazu ge-
nügt es, wenn Du dem Finanzamt klar machst, dass der »Mittelpunkt Deiner
Lebensinteressen« – was für ein schreckliches Amtsdeutsch – im Wohnort Dei-
ner Eltern liegt. Wenn das ein Fiskalritter anzweifelt, wirst Du ihm blumig schil-
dern, dass Deine Freundin dort wohnt, Du im örtlichen Sport- und Schützen-
verein stark engagiert bist und Deine Eltern sowie Deine sämtlichen anderen
Verwandten, Freunde und Bekannten dort leben.
Für jede Fahrt in Deinen Heimatort setzt Du die Entfernungspauschale von
0,30 € je Entfernungskilometer ab. Allerdings musst Du nun die Kröte schlu-
cken, dass dabei nicht die volle Strecke angesetzt wird, weil von der Entfernung
seit 2007 die ersten 20 Kilometer gekappt werden. Zum Ausgleich für diesen
unverschämten Griff in Deine Geldbörse und damit Du nicht allzu sehr darun-
ter leiden musst, dass Dir die Miete steuerlich durch die Lappen geht, wirst Du
natürlich nicht nur die Fahrt am Wochenende ansetzen, sondern selbstverständ-
lich auch die zusätzlichen Fahrten unter der Woche. Ob es Dich zwischendurch

78049-7_s001-816.indb 264 28.08.2007 14:29:28 Uhr


12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 265

vor Sehnsucht zu Deinem Schatz zieht, Du an einem wichtigen Meisterschafts-


spiel Deiner Sportmannschaft teilnehmen willst oder Tante Ernas Geburtstag
zu feiern ist, spielt dabei keine Rolle. Schließlich machst Du ja keine Familien-
heimfahrten, von denen nur eine pro Woche anerkannt wird, sondern Fahrten
zwischen Wohnung und Arbeitsstätte.
Und so könnte die Rechnung 2007 für Dich aussehen:
mit ohne
doppelter doppelte
Haushalts- Haushalts-
führung führung

Monatsmiete für Dein Zimmer 12  150 € 1 800 € –


Heimfahrten pro Woche
46 Wochen à 200 km  0,30 € + 2 760 € 2 484 €
Zusätzliche Fahrten 60 Fahrten à
(200 km ./. 20 km) 180 km 0,30 € + 3 240 €
Werbungskosten insgesamt 4 560 € 5 724 €
Wie Du siehst, kannst Du durch die in höherer Zahl absetzbaren Fahrten zwi-
schen Wohnung und Arbeitsplatz den Nachteil, keine doppelte Haushaltsfüh-
rung ansetzen zu können, zumindest teilweise wieder wettmachen.

404 Doppelte Haushaltsführung machst Du geltend, wenn Du an Deinem Wohnort 404


einen eigenen Hausstand und zusätzlich am Beschäftigungsort eine irgendwie
geartete Behausung unterhältst. Dabei spielt es keine Rolle, ob Du verheiratet
bist, in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft oder allein lebst. In Deiner
Wohnung am Wohnort muss nämlich während Deiner Abwesenheit nicht unbe-
dingt hauswirtschaftliches Leben herrschen. Es genügt vollkommen, wenn dort
während Deiner Anwesenheit die Post abgeht (R 43 LStR und BMF-Schreiben
v. 8. 3. 1995 – BStBl 1995 I S. 168).
Bei einem nichtverheirateten Arbeitnehmer wird eine doppelte Haushaltsfüh-
rung demnach anerkannt, wenn die Wohnung am Wohnort ihm selbst gehört
oder von ihm gemietet ist und wenn sie nach seinen persönlichen Bedürfnissen
eingerichtet ist. Doch auch, wenn Du nicht selbst Mieter oder Eigentümer bist,
sondern bei Deinem Lebenspartner wohnst und Dich an den Kosten des Haus-
halts beteiligst, muss Dein Fiskalvertreter die doppelte Haushaltsführung aner-
kennen (BFH v. 12. 9. 2000 – BStBl 2001 II S. 29). Nutzt Du die Wohnung, weil
Dir ein Wohnrecht oder Nießbrauchsrecht daran zusteht, reicht auch das aus.
Die Wohnung muss allerdings Dein Lebensmittelpunkt sein. Es genügt nicht,
wenn Du sie nur selten nutzt, z. B. nur im Urlaub.

405 Bei doppelter Haushaltsführung entstehen dadurch Mehrkosten, dass Du neben 405
Deinem Hausstand am Wohnort eine Unterkunft am Arbeitsort unterhältst,
ferner durch Heimfahrten und höhere Verpflegungskosten.

78049-7_s001-816.indb 265 28.08.2007 14:29:28 Uhr


266 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Diese Mehrkosten sind als Werbungskosten abzugsfähig, weil sie beruflich be-
dingt sind. Liste daher neben den anderen Werbungskosten alle Mehraufwen-
dungen für die doppelte Haushaltsführung wie folgt auf:

1. Ich führe seit . . . . . . einen doppelten Haushalt,


weil . . . . . . . . . . . . . . .
2. Durch die doppelte Haushaltsführung habe ich
die folgenden Mehraufwendungen:
a) Miete am Beschäftigungsort € . . . .
b) Ausgaben für die Einrichtung (Möbel,
Bettwäsche, Herd usw.) € . . . .
c) Licht und Heizung am Beschäftigungsort € . . . .
d) Mehrausgaben für Verpflegung (3 Monate) € . . . .
e) Kosten wöchentlicher Familienheimfahrten € . . . .
f) Sonstige Mehrausgaben (Putzkosten,
Telefongebühren statt Familienheimfahrt) € . . . .
Summe: € . . . .
3. Als Entschädigung für doppelte Haushaltsführung
erhalte ich von meinem
Arbeitgeber . . . . . . monatlich € . . . .
4. Diese Entschädigung unterwirft mein Arbeitgeber
(nicht) dem Steuerabzug vom Arbeitslohn.
Ich versichere, dass ich die Angaben nach bestem Wissen und Gewissen
gemacht habe.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
(Ort und Datum) (Unterschrift des Antragstellers)
Die zu Ziffer 2, 3 und 4 gemachten Angaben werden von mir bestätigt.
. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
(Ort und Datum) (Unterschrift des Arbeitgebers)

Die zu Ziffer 2 a) bis c) gemachten Angaben musst Du durch Quittungen und


glaubhafte Unterlagen belegen.
Es kommt nicht darauf an, ob Dir ein Umzug an den Arbeitsort oder die täg-
liche Rückkehr an den Wohnort zugemutet werden kann. Das Finanzamt muss
eine doppelte Haushaltsführung auch anerkennen, wenn Du aus persönlichen
Gründen Deine Wohnung nicht aufgibst. Die Heimfahrten zu Deiner Haupt-
wohnung sind grundsätzlich Werbungskosten.

406 Das Finanzamt muss anerkennen: 406


● Die tatsächlichen Fahrtkosten für die erste Fahrt zum Beschäftigungsort und
für die letzte Fahrt vom Beschäftigungsort zum Ort des eigenen Hausstands.
Wird für diese Fahrten ein eigener Pkw benutzt, sind hierfür wie bei Dienst-
reisen 0,30 € je tatsächlich gefahrenen Kilometer anzusetzen.

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12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 267

● Die Fahrtkosten für eine Heimfahrt zur Hauptwohnung wöchentlich (Fami-


lienheimfahrt). Bei Benutzung eines eigenen Pkws ist die Entfernungspau-
schale mit 0,30 € je Entfernungskilometer anzusetzen. Anders als bei der
Entfernungspauschale für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte un-
terbleibt die Kappung der ersten 20 km. Außerdem wird die Entfernungspau-
schale auch dann nicht auf 4 500 € im Jahr begrenzt, wenn Du kein eigenes
oder zur Nutzung überlassenes Auto benutzt. Mit Ausnahme von Flugkosten
kannst Du keine tatsächlichen Aufwendungen für Deine Heimfahrten abset-
zen. Dass gilt neben den Kosten für öffentliche Verkehrsmittel vor allem auch
für Unfallkosten, wenn Du auf einer Familienheimfahrt einen Crash mit Dei-
nem Auto hattest.
● Körperbehinderte, deren Minderung der Erwerbsfähigkeit mindestens 70 %
beträgt, können die tatsächlich entstandenen Fahrtkosten, ersatzweise 0,60 €
je Entfernungskilometer pauschal, ansetzen. Entsprechendes gilt für Körper-
behinderte mit mindestens 50 % und Merkzeichen »G« (erheblich gehbehin-
dert). Die oben beschriebenen Einschränkungen beim Abzug tatsächlicher
Aufwendungen gelten bei entsprechend Körperbehinderten nicht.

407 ● Anstelle der Fahrtkosten für eine Heimfahrt wöchentlich können Telefonge- 407
bühren für Gespräche mit den Angehörigen bis zu einer Dauer von 15 Minu-
ten berücksichtigt werden. Anerkannt werden aber nur die Gebühren nach
dem günstigsten Tarif. Mehr dazu vgl. E Rz 416.

408 ● Die notwendigen Mehraufwendungen für Verpflegung, und zwar für längs- 408
tens drei Monate mit 24 € täglich. Für Reisetage, an denen Du nicht 24 Stun-
den von Deiner Hauptwohnung abwesend warst, werden Dir die Pauschalen
je nach Abwesenheit auf 10 € (mind. 14 Stunden) bzw. 6 € (mind. acht Stun-
den) gekürzt.
Resultiert Deine doppelte Haushaltsführung aus einer vorangegangenen
Dienstreise, wird deren Zeit auf die Dreimonatsfrist für Verpflegungsmehrauf-
wendungen angerechnet.

Beispiel
Du wirst von Deiner Firma für drei Jahre in eine Filiale beordert und sollst an-
schließend wieder einen Job in der Hauptniederlassung übernehmen. Für die
Dauer der Abordnung mietest Du Dir in der Nähe der Filiale ein möbliertes
Zimmer. Die ersten drei Monate deklarierst Du als Dienstreise und rechnest
alle Kosten als Reisekosten ab. Danach gilt die Zweigstelle als Deine regelmä-
ßige Arbeitsstätte. Das hat zur Folge, dass Du ab dem vierten Monat Deine
Kosten nur noch nach den Grundsätzen doppelter Haushaltsführung absetzen
kannst. Da aber die vorangegangenen drei Dienstreisemonate bei Deinen Ver-
pflegungskosten angerechnet werden, kannst Du keine Verpflegungspauscha-
len mehr absetzen.

78049-7_s001-816.indb 267 28.08.2007 14:29:28 Uhr


268 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Stimmt das mit den zwei Wohnorten?

409 Mit einem Arbeitsplatz fern der Heimat sind Wochenendheimfahrten, Mietkos- 409
ten und für die ersten drei Monate Verpflegungspauschalen absetzbar. Das ani-
miert viele Steuerzahler, gegenüber dem Finanzamt zwei Wohnorte zu deklarie-
ren – obwohl die Zelte in der alten Heimat längst abgebrochen wurden. Die
meisten Arbeitnehmer mit Zweithaushalt werden kritisch unter die Lupe ge-
nommen. Sie müssen zunächst einmal nachweisen, dass sie tatsächlich eine
zweite Wohnung unterhalten, und zudem glaubhaft machen, dass alte Verbin-
dungen zu Freunden und Bekannten nicht gekappt sind. Wer Stress mit der
Behörde vermeiden will, schiebt den Austritt aus dem Heimatverein oder dem
Kirchenchor hinaus. Die Beamten achten außerdem darauf, dass die Wohnung
am Hauptwohnort die nötigen Kriterien erfüllt, vgl. E Rz 404.

410 Wie wäre es denn, wenn Du z. B. von Deinen Eltern die kleine Einliegerwoh- 410
nung unter dem Dach oder im Souterrain mietest? Präsentiere dem Finanzamt
Deinen Mietvertrag, und schon kannst Du wunderbar Deinen eigenen Haus-
stand begründen. Damit Deine »Hauptwohnung« bei den Eltern als eigener
Hausstand durchgeht, musst Du nicht unbedingt eine astrein abgeschlossene,
komplett ausgestattete Wohnung haben. Wichtig ist nur, dass Du dort allein
wirtschaftest und nicht mehr die Füße im Hotel Mama unter den Tisch stellst.
Wenn Du Dir also das Bad oder die Küche z. B. mit Deinem Bruder oder Dei-
ner Schwester teilen musst, spricht das noch nicht gegen einen eigenen Haus-
stand. Mach es so wie die Geschwister im BFH-Urteil vom 14. 10. 2004, BStBl II
2005 S. 98. Die haben sich auf dem Hof der Eltern ein älteres Haus geteilt. Der
Bruder wohnte im Obergeschoss auf zwei Zimmern mit Kochnische, die Schwes-
ter im Erdgeschoss, zwei Zimmer mit Küche. Bad und Toilette nutzten die bei-
den gemeinsam. Mit einem astreinen Mietvertrag für das Haus und regelmä-
ßigen Mietzahlungen haben sich die Steuerrichter überzeugen lassen. Dass der
Hausstand keine Wohnung im steuertechnischen Sinn war, hat sie dabei nicht
interessiert.

Es ist ein albern Schaf, das dem Wolf beichtet.


(Australisches Sprichwort)

78049-7_s001-816.indb 268 28.08.2007 14:29:29 Uhr


12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 269

Sorge treu für Deine Eltern und lass sie


bei Dir wohnen!

411 Dein Leben lang hast Du bei Vater und Mutter gewohnt und Dich von ihnen 411
umsorgen lassen. Deshalb ist es höchste Zeit, sich zu revanchieren: Du über-
nimmst die elterliche Wohnung und schließt als neuer Großverdiener der Fami-
lie den Mietvertrag mit dem Hauswirt ab. Selbstverständlich verlangt niemand,
dass Du Deine Altvorderen vor die Tür setzt. Als dankbare(r) Sohn/Tochter
lässt Du sie in Deinem Haushalt leben. Dass sie Dir dafür einen Zuschuss zu
Deinen Miet- und Haushaltskosten zahlen, ist ja wohl selbstverständlich –
schließlich hast Du von Deinem Verdienst früher ja auch ein monatliches Kost-
geld abgedrückt.
Jetzt lebst Du also nicht mehr im Haushalt Deiner Eltern, sondern Deine Eltern
leben in Deinem Haushalt! So kannst Du guten Gewissens sagen: »Ich unter-
halte in einer von mir angemieteten Wohnung einen eigenen Hausstand. Zu
diesem Hausstand gehören außer mir noch zwei Angehörige, die sich lediglich
im Rahmen ihrer Möglichkeiten an den Miet- und Haushaltskosten beteili-
gen.«

Merke: Wenn Dir Deine Eltern zum Geburtstag oder zu Weihnachten großzü-
gig ein paar Scheine als Geschenk zukommen lassen, brauchst Du das natürlich
nicht mit zur Kostenbeteiligung zu zählen.

Besorge Dir mit ein paar Nachweisen


und Überweisungen einen astreinen Hausstand
bei Deinen Eltern!
412 Wenn der obige Trick nicht klappt, weil der Vermieter Deiner Eltern nicht mit- 412
spielt oder Deine Eltern sich querstellen, solltest Du nicht einfach aufgeben.
Wenn Du die folgenden Ratschläge befolgst, hast Du gute Chancen, dass man
auch die Wohnung Deiner Eltern als Deinen Hausstand anerkennt. Hochkarä-
tige Unterstützung bekommst Du für dieses Unterfangen vom anerkannten
Steuerrechtler Professor Popp (Lohnsteuer-Mitteilungen 2004, Anm. 47-04).
1. Du schließt mit Deinen Eltern einen schriftlichen Vertrag, in dem Ihr verein-
bart, dass Du weiterhin das ausdrückliche Recht hast, ohne zeitliche Begren-
zung in der Wohnung Deiner Eltern zu wohnen.

78049-7_s001-816.indb 269 28.08.2007 14:29:29 Uhr


270 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

2. Du beteiligst Dich nachweislich an den Kosten des Haushalts. Als Beitrag zu


Miete, Strom, Heizung und Nebenkosten zahlst Du Deinen Eltern einen fes-
ten monatlichen Betrag. Wenn Du unnötige Scharmützel mit dem Finanzamt
vermeiden willst, zahlst Du nicht in bar, sondern per Banküberweisung.
3. Du beteiligst Dich an der Haushaltsführung. Das bedeutet vor allem, dass
Du Dich regelmäßig für längere Zeit in dieser Wohnung aufhältst, z. B. an
den Wochenenden, im Urlaub, an Feiertagen etc. Damit tust Du Dir gleich
zweimal Gutes: Je mehr Heimfahrten Du absetzt, umso größer ist die Chance,
dass Deine doppelte Haushaltsführung anerkannt wird.
Wie Du siehst, ist das Ganze wirklich nicht besonders kompliziert. Im Normal-
fall müsste es doch mit dem Teufel zugehen, wenn es Dir nicht gelingen sollte,
die elterliche Wohnung als Deinen Hausstand durchzubekommen und damit
die Tür für Deine doppelte Haushaltsführung weit aufzustoßen. Bei Einwänden
des Finanzamts kannst Du auch mit der Rechtsprechung des BFH kontern, der
in eine ähnliche Richtung ging. Er hat nämlich einem Steuerzahler eine Woh-
nung, an der seine Eltern ein Nießbrauchsrecht hatten, als eigenen Hausstand
anerkannt (BFH v. 4. 11. 2003 – BStBl II 204 S. 16).

zum Möbelkauf

413 Die Gelegenheit ist günstig, Dir gutes Mobiliar anzuschaffen – für Deine Zweit- 413
wohnung am Beschäftigungsort natürlich, denn schließlich kannst Du ja nicht in
einer leeren Wohnung leben. Unter doppelter Haushaltsführung absetzen
kannst Du alles, was notwendig ist: Möbel, Lampen, Gardinen, Herd, Kühl-
schrank, Bettwäsche, Geschirr, ja sogar das Zweitradio (FG Köln v. 5. 2. 1992 –
EFG 1993 S. 144). Am besten verfährst Du nach dem Motto: klein und fein, aber
nicht protzig. Sonst gerätst Du in die Notwendigkeitsfalle. Das bedeutet: Hast
Du nach der Devise »Man gönnt sich ja sonst nichts« exklusive Designerlam-
pen, Orientteppiche, alte Stiche und eine teure Stereoanlage gekauft, können
Dir nach dem Urteil des FG Köln (EFG 1993 S. 145), auf das sich die Fiskalritter
mit Sicherheit stürzen werden, die Ausgaben gekürzt werden. In dasselbe Horn
blasen die Richter beim FG Rhld.- Pfalz (Urteil v. 19. 2. 1998 – 4 K 2213/96;
NWB Eil 98 S. 285), die nur die Abschreibung auf solche Einrichtungsgegen-
stände anerkannten, die dem Grunde und der Höhe nach angemessen sind. Lass
es Dir aber auf keinen Fall gefallen, wenn man Dir mit diesem Argument Deine
Kosten komplett streicht. Schließlich sagt das Finanzgericht Köln in seinem Ur-
teil, dass notwendige Kosten anerkannt werden müssen und »notwendig« nicht
der billigste Kram sein muss. Bestehe also darauf, dass man Dir für den Orient-
teppich zum Preis von 5 000 € zumindest den Preis eines normalen Teppichs von
ca. 1 000 € anerkennt.

78049-7_s001-816.indb 270 28.08.2007 14:29:30 Uhr


12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 271

Um zu vermeiden, dass Dir nach Ende der doppelten Haushaltsführung die


nicht verbrauchte Abschreibung durch die Lappen geht, stellst Du Dich beson-
ders geschickt an und achtest darauf, dass der Preis der einzelnen Einrichtungs-
gegenstände möglichst nicht über 488 € (= 410 € + 19 % MwSt) liegt. Dann setzt
Du nämlich die gesamten Kosten als geringwertige Wirtschaftsgüter gleich im
ersten Jahr in voller Höhe ab. Liebst Du es dagegen etwas gediegener und ex-
klusiver, musst Du Dich mit einer jährlichen Abschreibung von ca. 7,7 % auf
Deine Einrichtungskosten begnügen.

414 Bei Auslandsbeschäftigung werden für die ersten drei Monate die Mehraufwen- 414
dungen für Verpflegung und Unterkunft bis zum niedrigsten Auslandstage- bzw.
Auslandsübernachtungsgeld anerkannt, das für das jeweilige Land maßgebend
ist und auch bei Auslandsdienstreisen gilt. Erstattet der Arbeitgeber die Kosten,
sind die Beträge steuerfrei.

415 Als Zweitunterkunft reicht – wie Du schon gesehen hast – jede Unterkunft aus, 415
es muss auf keinen Fall eine komplette Wohnung sein. Vom Hotelzimmer über
Gemeinschaftsunterkünfte bis zum Wohnwagen geht alles als beruflicher
Zweithaushalt durch. Übernachtest Du dagegen in Deinem Wohnmobil, mit
dem Du auch Deine Familienheimfahrten durchführst, sollst Du nach dem Wil-
len der Richter am Hessischen Finanzgericht Deine Kosten, insbesondere die
für das Wohnmobil, nicht absetzen können (Urteil v. 14. 4. 1988 – EFG 1988
S. 517).

Vergiss nicht, dass bei doppelter Haushaltsführung


mehr telefoniert wird!

416 Liegen Deine Hauptwohnung und Deine berufliche Zweitwohnung sehr weit 416
voneinander entfernt, Letztere vielleicht sogar im Ausland, wirst Du Dich nicht
jede Woche zu einer Familienheimfahrt aufmachen können. Es spricht aber
nichts dafür, dass die Kommunikation innerhalb der Familie auf die Familien-
heimfahrten beschränkt sein muss. Dieser Meinung waren auch die Richter
beim BFH. Sie haben entschieden, dass immer dann, wenn keine Familienheim-
fahrt durchgeführt wird, ein Telefonat mit der Familie abgesetzt werden kann
(BFH v. 18. 3. 1988 – BStBl 1988 S. 988). Aber wie üblich haben sie dabei dem
Steuerzahler nicht die ganze Hand, sondern wieder nur den kleinen Finger ge-
reicht. Abziehen kannst Du nämlich nur die Kosten für ein höchstens 15-minü-
tiges Gespräch. Achte deshalb darauf, Telefonate dieser Länge in den Wochen
zu führen, in denen Du nicht nach Hause fährst.

78049-7_s001-816.indb 271 28.08.2007 14:29:30 Uhr


272 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

15 Minuten Telefonat pro Woche kann nun wirklich nicht der Weisheit letzter
Schluss sein. Wenn Du notwendigerweise mehr telefonieren musst, scheue Dich
nicht, auch mehr anzusetzen. Rückendeckung bekommst Du durch das Urteil
des Niedersächsischen FG vom 22. 2. 1996 – EFG 1996 S. 1156.
Es kann Dir passieren, dass man von Dir im reinsten Amtsdeutsch einen Nach-
weis darüber verlangt, »dass zumindest die faktische Möglichkeit einer telefo-
nischen Kontaktaufnahme mit der Familie besteht«, wenn Ihr zu Hause keinen
Telefonanschluss besitzt. Dahinter steckt der Versuch, Dir die Telefonkosten zu
streichen. Natürlich ist das blanker Unsinn. Es reicht völlig aus, wenn Du Dich
darauf berufen kannst, dass Dein Ehepartner die Anrufe z. B. bei einer Nachba-
rin oder bei Verwandten entgegennimmt und Du deren Telefonnummer angibst.
Auch das Argument, dass Ihr Anrufe zu vorher abgesprochenen Zeiten im Post-
amt an Deinem Heimatort vereinbart, nimmt dem streichwütigen Fiskalritter
den Wind aus den Segeln.
Übrigens: Berufliche Gespräche kannst Du selbstverständlich zusätzlich zu den
Gesprächen mit Deiner Familie als Werbungskosten abziehen, wenn Du sie von
dem Apparat in Deiner Zweitwohnung aus führst (vgl. E Rz 368, E Rz 369,
E Rz 373).

417 Achtung, Selbständige: Hat ein Freiberufler keine feste Berufsstätte (z. B. 417
mS ein Künstler mit ständig wechselnden kurzfristigen Auftritten), können die
Kosten eines kleinen Appartements, in dem er sich nach seiner Tätigkeit immer
wieder aufhält, als doppelte Haushaltsführung steuerlich berücksichtigungsfä-
hig sein (FG Nürnberg, Urteil v. 4. 7. 1984, rechtskräftig – EFG 1984 S. 600).

418 Lebst Du mit jemandem zusammen, hast aber in dem Ort, in dem Du arbeitest, 418
eine Wohnung, in der Du während der Woche wohnst, kannst Du dem Finanz-
amt auch ohne Ehepapier folgende Rechnung aufmachen:
Miete 12 Monate à 250 € = 3 000 €
Nebenkosten 12 Monate à 80 € = 960 €
Heimfahrten 48 Fahrten à 180 km à 0,30 € = 2 592 €
insgesamt 6 552 €

Dazu kommen in den ersten drei Monaten Verpflegungspauschalen für 60 Tage


à 24 € = 1 440 €.
Deine Steuerersparnis für ein Jahr beträgt schon bei einem Steuersatz von nur
30 % inkl. Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag ca. 2 750 €.

Der Ruin kann drei Ursachen haben: Frauen,


Wetten oder die Befragung von Fachleuten.
(Georges Pompidou)

78049-7_s001-816.indb 272 28.08.2007 14:29:30 Uhr


12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 273

419 Besucht Dich Dein Ehepartner am Beschäftigungsort, weil Du aus dienstlichen 419
Gründen an der Heimfahrt gehindert bist, kannst Du die Fahrtkosten absetzen
(BFH v. 2. 7. 1972 – BStBl 1972 II S. 67). Deine bessere Hälfte kann auch steuer-
lich absetzbar Eure Kinder mitbringen. Faustregel: Die Kosten für den Besuch
durch Deine Familie sind in der Höhe absetzbar, wie Du mögliche, aber nicht
durchgeführte Familienheimfahrten hättest absetzen können (BFH-Urteil v.
28. 1. 1983 – BStBl 1983 II S. 313).

Andere Aufwendungen, wie z. B. Unterkunft und Verpflegung des Ehepartners


– und ggf. der Kinder – am Beschäftigungsort des Arbeitnehmers, sind keine
Werbungskosten.

Bei Behörden ist die Vollbeschäftigung stets garantiert.


Beamte schaffen sich gegenseitig so viel Arbeit,
dass sie ständig zu tun haben.
(N. Parkinson)

Wie Du mittels einer Tasse Kaffee zu steuerlich


abzugsfähigen Familienheimfahrten kommst

Es ist schon erstaunlich, auf welche Ideen manche Fiskalvertreter kommen, um


Dir zusätzlich ein paar Steuergroschen abzuzwacken. So haben einige ganz eif-
rige Steuereintreiber mit Hilfe des Finanzgerichts Saarland einen Dreh gefun-
den, Besuchsfahrten nicht anerkennen zu müssen. Ein leidgeplagter Familien-
vater, der am Wochenende überraschend für seine Firma arbeiten musste,
konnte nicht wie vorgesehen nach Hause fahren, weshalb ihm sein Sohn mit
dem Auto frische Hemden, Anzüge und Wäsche für die nächste Woche vorbei-
brachte. Die Fahrtkosten wurden dem Vater aber mit der fadenscheinigen Be-
gründung gestrichen, Kleidung sei privat und somit auch ihr Transport (FG
Saarland v. 28. 2. 1992 – 1 K 397/91).

Damit Dir nicht etwas Ähnliches passiert, wirst Du Deinem Filius eine Tasse
Kaffee und ein Stück Kuchen anbieten und mit ihm ein Schwätzchen über die
Neuigkeiten der letzten Woche halten. Und schon hast Du aus der nicht absetz-
baren Transportfahrt für Kleidung eine als Familienheimfahrt absetzbare Be-
suchsfahrt gezaubert!

78049-7_s001-816.indb 273 28.08.2007 14:29:31 Uhr


274 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

420 Merke: Doppelte Haushaltsführung liegt auch vor, wenn nach einer Heirat beide 420
Ehepartner ihren Hausstand beibehalten und wie bisher von dort aus ihrer Be-
schäftigung nachgehen. Das gilt auch dann, wenn eine gemeinsame Wohnung be-
reits erhebliche Zeit vor der Eheschließung bezogen wurde (Hess. FG v. 4. 4. 1984
VI 212/82 – EFG 1984 S. 546 und FG Bremen v. 3. 8. 1983 – EFG 1983 S. 597).

421 Wenn ein Ehepartner mit den Kindern in eine Wohnung im neuen Beschäfti- 421
gungsort zieht und der andere am bisherigen Familienwohnort bleibt, muss
Letzterer als auswärtiger Beschäftigungsort des zurückbleibenden Ehepartners
anerkannt werden und ist hierfür doppelte Haushaltsführung anzuerkennen
(BFH-Urt. v. 2. 10. 1987 – BStBl 1987 II S. 852).
Du darfst bei einem solchen Umzug auf keinen Fall die Fußangel übersehen:
Entscheidend war für den Bundesfinanzhof in diesem Fall nämlich, dass die
Ehefrau am neuen Wohnort eine Arbeitsstelle angenommen hatte.

Wie Ihr durch einen Gelegenheitsjob von einem von


Euch auf Dauer vom Fiskus Geld kassiert

Das obige Urteil könnt Ihr nutzen, wenn Ihr Eure Verhältnisse im Voraus rich-
tig gestaltet. Angenommen, Ihr wollt aufs Land ziehen, die bisherige Wohnung
aber behalten, weil Du in der Stadt weiter Deiner Arbeit nachgehst und schließ-
lich irgendwo wohnen musst. Auf den ersten Blick würdest Du dann einen ast-
reinen doppelten Haushalt führen. Aber leider würden Dir die Fiskalritter mit
ihrem verschrobenen Denken die Kosten nicht anerkennen. Rechtfertigung
dafür in offiziellem Amtsdeutsch: »Die Begründung des doppelten Haushalts
ist nicht beruflich bedingt, weil der Familienwohnsitz aus privaten Gründen
vom Arbeitsort wegverlegt wurde.« Ihr nehmt dem Fiskalvertreter den Wind
aus den Segeln, wenn sich Deine bessere Hälfte vor dem Umzug einen Job am
neuen Wohnort sucht. Nun könnt Ihr argumentieren, dass der Umzug wegen
der Arbeitsstelle Deines Ehepartners beruflich notwendig war.

Setze die Kosten für Deine Ferienwohnung als


Werbungskosten ab!

1. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass Du kein Single bist. Mit Hilfe Deiner
Partnerin und folgendem Fahrplan bleibst Du beim Steuerpoker mit der

78049-7_s001-816.indb 274 28.08.2007 14:29:31 Uhr


12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 275

Ferienwohnung der lachende Dritte und setzt deren Kosten für zwei Jahre
locker von der Steuer ab.Du kaufst Dir Deine heißersehnte, schnuckelige
Ferienwohnung.
2. Deine bessere Hälfte zieht mit Hauptwohnsitz in die Ferienwohnung ein
und sucht sich dort am Ort einen Job.
3. Nachdem Ihr geheiratet habt, erklärt Ihr die Ferienwohnung zum gemein-
samen Familienwohnsitz, und schon fallt Ihr unter das BFH-Urteil vom
4. 10. 1989 (BStBl 1990 II S. 321). Nach diesem Urteil entsteht bei beiderseits
berufstätigen Ehegatten eine doppelte Haushaltsführung, wenn eine der
Wohnungen – wie bei Euch die Ferienwohnung – zum Familienwohnsitz er-
klärt wird.
Wenn Dein Ehepartner den Job wieder aufgibt und während der Woche bei Dir
am Arbeitsort wohnt, ist das für die doppelte Haushaltsführung nicht schädlich.
Du musst dem Finanzamt nur beibringen, dass in der Ferienwohnung weiter
Euer Lebensmittelpunkt ist. Verweise notfalls auf das BFH-Urteil vom
5. 10. 1994 (BStBl 1995 II S. 180) und Tz. 5 des BMF-Schreibens vom 8. 3. 1995
(BStBl 1995 I S. 168). Zwar kannst Du nicht die Miete Deiner Ferienwohnung
absetzen, aber die Deiner Wohnung am Arbeitsort. Bei einer großen Wohnung
wirst Du jedoch in Regel mit einer Kürzung auf die für einen beruflichen Zweit-
wohnsitz notwendigen Kosten für ca. 60 qm leben müssen; vgl. dazu E Rz 424.
Trotzdem setzt Du selbst dann noch zusammen mit den Verpflegungskosten
von 24 €/Tag in den ersten drei Monaten und den wöchentlichen Fahrten zur
Familien-(Ferien-)Wohnung etliche Tausender pro Jahr von der Steuer ab, die
Du sonst in den Wind schreiben müsstest.

Setz die vollen Kosten Deiner Wohnung ab!

Angenommen, Du bist mit Deiner Familie an Deinen neuen Beschäftigungsort


gezogen. Deine bisherige Wohnung im Haus Deiner Schwiegereltern haben
diese nicht wieder vermietet. Sie wollten halt keine fremden Leute im Haus
haben, und außerdem steht Euch so die Wohnung jederzeit zur Verfügung,
wovon Ihr auch ausgiebig Gebrauch macht. Stell Dich auf den Standpunkt,
Eure alte Wohnung sei weiter Euer Wohnort und in der neuen Wohnung am
Beschäftigungsort würdest Du lediglich einen beruflich bedingten doppelten
Haushalt unterhalten. Du meinst, das klappt nicht? Denkste! Genau so einen
Fall hat das Finanzgericht Thüringen abgesegnet (Urteil v. 28. 1. 1998, EFG 1998
S. 1254). Einziger Wermutstropfen: Die Richter ließen nur die halbe Verpfle-
gungspauschale zum Abzug zu, aber das wirst Du wohl verschmerzen, weil Du

78049-7_s001-816.indb 275 28.08.2007 14:29:31 Uhr


276 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

ja schließlich die gesamte Miete Deiner Wohnung elegant von der Steuer abset-
zen kannst.Ganz sicher gehst Du, wenn Du sagen kannst: »Meine bisherige
Wohnung habe ich weiterhin angemietet (von den Schwiegereltern), weil dort
unser eigentlicher Lebensmittelpunkt ist. Wir verbringen schließlich jede freie
Minute dort.«
Doppelter Vorteil daraus: Du setzt die Fahrten zur bisherigen Wohnung als Fa-
milienheimfahrten ab, und Deine Schwiegereltern können aufgrund des ast-
reinen Mietvertrags, den Ihr natürlich schließen müsst, selbst bei nur 56 % der
ortsüblichen Miete alle Kosten für die Wohnung von der Steuer absetzen.

Auch nach Umzug oder Trennung ist Dir die doppelte


Haushaltsführung sicher

422 Wenn Du bei bestehender doppelter Haushaltsführung Deinen Hausstand am 422


Hauptwohnort wechselst, wittert der Fiskus gleich Unrat und will Dir den dop-
pelten Haushalt nicht mehr als berufsbedingt anerkennen.
Damit musst Du Dich jedoch nicht abfinden, wenn Du lediglich am bisherigen
Hauptwohnort oder in dessen unmittelbarer Nähe umgezogen bist. Da Du Dei-
nen Lebensmittelpunkt nach wie vor unverändert dort beibehalten hast, tut der
Umzug der doppelten Haushaltsführung keinen Abbruch (BFH v. 4. 4. 2006 –
BFH/NV 2006 S. 1915). Der Grund für den Umzug spielt dabei keine Rolle.
Nach Meinung des BFH ist es daher völlig gleich, ob Du als Lediger umziehst,
Ihr als Paar, z. B. wegen Nachwuchs in der Familie, eine größere Wohnung
braucht oder Du umgezogen bist, weil Du Dich von Deinem Ehepartner ge-
trennt hast.

423 Du brauchst Dir nicht ein möbliertes Zimmer am Arbeitsort zu nehmen, Du 423
kannst Dir, falls Du viel Geld hast, auch eine Eigentumswohnung zulegen. In
diesem Fall kannst Du neben der doppelten Haushaltsführung die laufenden
Betriebskosten dieser Wohnung inkl. Abschreibung ansetzen und dabei noch
die Wohnungseinrichtung nach ihrer Nutzungsdauer abschreiben. Du kannst
Dich dabei auf die BFH-Urteile im BStBl 1983 II S. 476 und vom 3. 12. 1982 im
BStBl 1983 II S. 467 berufen.

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12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 277

So entgehst Du der Fußangel mit


der angemessenen Wohnung

424 Vorsicht, Fußangel! Wenn Du zu den etwas besser betuchten Steuerzahlern ge- 424
hörst und Dir bei der Wahl Deiner beruflichen Zweitwohnung mehr gönnst als
ein mickriges Apartment, kann es passieren, dass Dir ein staatlich besoldeter
Geizkragen einen Teil Deiner Wohnungskosten nicht anerkennen will. Der
Bundesfinanzhof hat oft genug entschieden, dass bei den Werbungskosten jeder
Steuerzahler selbst bestimmen kann, wie viel er für die Förderung seines Berufs
ausgibt. Auch wenn nur angemessene Kosten abzugsfähig sind, ist diese Ange-
messenheit vom Finanzamt nur in Ausnahmefällen zu prüfen. Trotzdem versu-
chen Dir die Fiskalknechte weiszumachen, die Mietkosten für Deine 3-Zimmer-
Luxuswohnung seien unangemessen hoch, und wollen Dir nur die Vergleichs-
kosten für eine kleinere und billigere Wohnung zugestehen. 60 qm ist dabei die
magische Grenze, bis zu der Du keine Probleme mit der Angemessenheit hast
(Vfg der OFD Düsseldorf v. 29. 1. 1997 – S 2367A – St 12; FG München v.
28. 5. 2001 – 13 K 3522/98). Ist Deine Wohnung größer, kannst Du in der Regel
nur die anteilig auf 60 qm entfallenden Kosten absetzen. Diese Kürzung wird
auch dann vorgenommen, wenn Du im Rahmen Deiner doppelten Haushalts-
führung eine Eigentumswohnung oder ein Eigenheim nutzt (Hess FG v.
25. 8. 2005 – 13 K 11/05).
Diesem Ansinnen, das fiskalischer Kleinigkeitskrämerei die Krone aufsetzt,
kannst Du entgegenhalten, Du hättest Dich ja um eine kleinere Wohnung be-
müht, aber trotz intensiver Suche keine gefunden. Die Lage auf dem Markt für
Kleinwohnungen sei hoffnungslos, und Du seist gezwungen gewesen, Dir die
teure und eigentlich auch für Deinen Geschmack zu große Wohnung zu mieten.
Am besten legst Du ein paar Maklerangebote über sehr teure kleine Woh-
nungen bei, die man Dir angeboten hat. Außerdem soll Dir doch der pingelige
Fiskalknecht mal zeigen, wo es die kleinen angemessenen Wohnungen zu mie-
ten gibt. Das Ganze kannst Du dann noch damit unterstützen, dass Du auch
später versucht hast, eine kleinere und billigere Wohnung zu finden. Zumindest
unter diesen besonderen Bedingungen hast Du eine gewisse Chance, mit mehr
als 60 qm durchzukommen (FG Köln v. 14. 5. 1997 – EFG 1997 S. 1108).

Drei Wege, sich zu ruinieren: durch Frauen, der schönste Weg;


durch Spielen, der schnellste Weg; durch Computer, der sicherste Weg.

78049-7_s001-816.indb 277 28.08.2007 14:29:32 Uhr


278 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Mach aus Deiner Luxusbehausung durch ein


Arbeitszimmer eine angemessene Wohnung!

425 Nützt Dein ganzes Argumentieren nichts, weil sich der Fiskalknecht wieder ein- 425
mal bornierter anstellt, als die Polizei erlaubt, greif zu einem Kniff. Sicher hast
Du doch als Spitzenkraft Deines Betriebs auch nach Feierabend genug zu ar-
beiten. Wenn Du sowieso weit weg von Deinen Lieben schuften musst, ist es
doch viel besser, Du tust das unter der Woche, als am Wochenende Arbeit mit
nach Hause zu schleppen. Deshalb benötigst Du in Deiner beruflichen Zweit-
wohnung ein geräumiges Arbeitszimmer – nur deshalb ist sie so groß. Ohne das
15 qm große Arbeitszimmer blieben von der 80 qm großen Drei-Zimmer-Woh-
nung nur zwei Zimmer mit 65 qm übrig. Da kann man wohl kaum von einer
unangemessenen und zu großen Wohnung sprechen (FG München v. 29. 12. 2003
– EFG 2005 S. 1677).

Statt doppelter Haushaltsführung Fahrten


zwischen Wohnung und Arbeitsstätte

426 »Was tun«, fragst Du, »wenn trotz harten Kampfes die doppelte Haushaltsfüh- 426
rung nicht durchzudrücken war?« Nun, dann stellst Du Dich auf den Stand-
punkt: Wenn ich schon aus mir unerfindlichen Gründen meine Aufwendungen
für doppelte Haushaltsführung nicht absetzen kann, müssen mir alle Fahrten zu
meiner Wohnung als Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte anerkannt
werden, denn mein Lebensmittelpunkt ist weiterhin dort. Auf die Entfernung
kommt es dabei nicht an (BFH-Urteil v. 13. 12. 1985 – BStBl 1986 II S. 221).
Besonders Ledige können damit argumentieren, der Lebensmittelpunkt sei
noch am alten Wohnort, weil dort all ihre Lieben, Freunde und Bekannten woh-
nen und die Vereine beheimatet sind. Rückendeckung gibt ihnen das Finanzge-
richt München (EFG 1991 S. 605). Siehe auch Rz 406.

427 Phantasie ist gefordert, wenn Du nur gelegentlich Deine Hauptwohnung auf- 427
suchst. Die Fiskalritter werden da nämlich auf den linken Dreh verfallen, sie Dir
als Lebensmittelpunkt abzusprechen. Bei mehr als zwei Fahrten im Monat ist
alles in Butter, fährst Du seltener, gibt es erhebliche Probleme, und bei unter
sechs Fahrten im Jahr soll es mit dem Absetzen der Fahrtkosten nach dem Fis-
kalwillen ganz aus sein.

78049-7_s001-816.indb 278 28.08.2007 14:29:32 Uhr


12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 279

Diese Streichgelüste haben allerdings einen empfindlichen Dämpfer bekom-


men. Der BFH hat nämlich entschieden, dass die Zahl der Heimfahrten zwar
ein wichtiges Indiz für den Lebensmittelpunkt sei, aber auf keinen Fall die al-
leinseligmachende Weisheit, und daher einem Alleinstehenden mit nur drei
Heimfahrten im Jahr diese als Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte
anerkannt (v. 10. 2. 2000 – VI R 60/98, DStR 2000 S. 728).
Ausschlaggebend ist, dass Du Deinem Finanzamt klarmachst, dass am bishe-
rigen Wohnort Deine persönlichen Bindungen besonders stark sind und Du
kein Interesse am Aufbau eines neuen Bekanntenkreises am Beschäftigungsort
hast, weil Du dort sowieso nur für eine begrenzte Zeit bleiben willst; dass häu-
figere Fahrten zum Wohnort allein an der großen Entfernung und den damit
verbundenen Kosten scheitern; und dass Deine Hauptwohnung gegenüber der
Zweitunterkunft am Arbeitsort deutlich komfortabler ist.

428 Als Familienheimfahrt geht max. eine Fahrt pro Woche durch. So hat das Fi- 428
nanzgericht Rheinland-Pfalz einem Polizisten, der wegen seines ungünstigen
Schichtdienstes auf 87 Heimfahrten kam, diese auf 48 zusammengestrichen
(EFG 1991 S. 664).

Als Vielfahrer hast Du die Wahl.

429 Gehörst Du zu denen, die es häufiger als einmal in der Woche zu den Lieben 429
zieht, hast Du die Möglichkeit, statt der doppelten Haushaltsführung alle Heim-
fahrten als Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte abzusetzen, wenn das
für Dich günstiger ist (BFH-Urteil v. 9. 6. 1988 – BStBl 1988 II S. 990; R 43 Abs. 6
S. 2 LStR). Wissen musst Du dabei aber, dass bei diesen Fahrten jeweils die ers-
ten 20 km gekappt werden, weil sie ja eben keine Familienheimfahrten mehr
sind, für die diese Kappung nicht gilt.

Beispiel
Der verliebte Jungvermählte fährt 2007 dreimal in der Woche von seiner Woh-
nung am Arbeitsort nach Hause zu seiner Angetrauten.
Kosten der doppelten Haushaltsführung:

78049-7_s001-816.indb 279 28.08.2007 14:29:33 Uhr


280 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Miete für möbliertes Zimmer 12  70 € = 840 €


1 Heimfahrt wöchentlich
46 Fahrten à 150 km  0,30 € = + 2 070 €
Verpflegungskosten 60 Tage à 24 € = + 1 440 €
4 350 €
Kosten für Fahrten zwischen Wohnung und Arbeitsstätte:
46 Wochen à 3 Fahrten à (150 km ./. 20 km =) 130 km  0,30 € = 39 € 5 382 €
Durch diesen Trick mehr abzusetzen 1 032 €

Natürlich kannst Du nur die tatsächlich durchgeführten Fahrten ansetzen. Weil


das Finanzamt meist Unrat wittert, wenn jemand eine Vergünstigung völlig
legal für sich beansprucht, kann es Dir passieren, dass man von Dir einen Nach-
weis über die Fahrleistung Deines Pkws verlangt. Ist diese geringer als das, was
Du als Werbungskosten angegeben hast, versuchen sie Dir in die Suppe zu spu-
cken und übersehen dabei möglicherweise, dass Du ja einen Teil der Fahrten
mit dem Wagen Deiner Frau unternommen hast, weil Deine Mühle in der Werk-
statt war oder einfach nur geschont werden sollte, damit nicht beim Verkauf der
Käufer wegen der hohen Fahrleistung den Kaufpreis drückt.

Als Bau- und Montagearbeiter landest Du den


ganz großen Wurf!

430 Spitzennachricht für Dich, wenn Du als Arbeitnehmer mit Einsatzwechseltätig- 430
keit an Deiner Einsatzstelle übernachtest. Der BFH hat endlich Schluss mit
dem Unsinn gemacht, Du würdest dadurch eine doppelte Haushaltsführung be-
gründen. Der Vorteil für Dich liegt klar auf der Hand. Deine gesamten Kosten
werden wie bei Dienstreisen berücksichtigt, und wenn Du zudem noch vermei-
dest, regelmäßig zum Betrieb Deines Arbeitgebers zu fahren, gilt das ohne zeit-
liche Begrenzung, also nicht etwa nur für die ersten drei Monate (BFH v.
11. 5. 2005 – BStBl 2005 II S. 782). Lediglich bei den Verpflegungspauschalen ist
nach drei Monaten an derselben Baustelle Schluss.
Vor allem bei den Fahrtkosten klingelt es gewaltig in Deinem Geldsäckel, wenn
Du mit dem eigenen Auto fährst! Egal, ob Du ein- oder dreimal pro Woche nach
Hause fährst, Du setzt jede Fahrt mit der hohen Dienstreisepauschale ab.
Und so sieht die Rechnung z. B. bei einem sechsmonatigen Einsatz auf einer
Baustelle aus:
Unterkunftskosten (lt. Nachweis)
25 € pro Übernachtung  96 Übernachtungen 2 400 €

78049-7_s001-816.indb 280 28.08.2007 14:29:33 Uhr


12. Doppelte Haushaltsführung und was alles an Mehrausgaben dazugehört 281

Mehraufwand für Verpflegung 1.–3. Monat


An- und Abreisetag
(4 pro Woche) 12 €  48 Tage = 576 €
Volle Tage (1 pro Woche) 24 €  12 Tage = 288 € 864 €
Fahrtkosten
Heimfahrten (2 pro Woche,
einfache Entfernung 150 km)
24 Wochen à 2 Fahrten = 48  300 km  0,30 € = 4 320 €
Fahrten Unterkunft – Baustelle
(einfache Entfernung 5 km)
24 Wochen à 5 Tage = 120  10 km  0,30 € = 360 € 4 580 €
Werbungskosten insgesamt 7 844 €

Da keine doppelte Haushaltsführung vorliegt, hast Du auch ohne eigenen


Hausstand keine Probleme, Deine Unterkunftskosten und Verpflegungspau-
schalen als Werbungskosten abzusetzen.

Setz zweimal Umzugskosten!

431 So eine doppelte Haushaltsführung ist ja für eine gewisse Zeit vielleicht ganz 431
nett, weil Du unter der Woche am Abend tun und lassen kannst, was Du willst.
Doch irgendwann wirst Du Dir Gedanken über eine Familienzusammenfüh-
rung machen. Also stiefelst Du los und suchst eine passende Wohnung. Damit
die ganze Sache für Dich nicht zu teuer wird, wirst Du das Finanzamt kräftig zur
Ader lassen.
Zunächst einmal wirst Du Deine Fahrtkosten zur Wohnungssuche mit 0,30 € je
Kilometer unter berufsbedingten Umzugskosten ansetzen. Dann natürlich den
Umzug in die neue Wohnung, denn schließlich ziehst Du ja mit Deiner Familie
aus Zeitersparnisgründen in die Nähe Deiner Arbeitsstelle (vgl. E Rz 382).
Doch damit nicht genug. Du musstest ja schließlich und endlich Deine beruf-
liche Zweitwohnung aufgeben. Auch diese Umzugskosten kannst Du absetzen
und darüber hinaus die Kosten für deren Renovierung (FG München – EFG
1992 S. 187 rk). Am besten bewahrst Du die Belege für die Renovierung auf.

78049-7_s001-816.indb 281 28.08.2007 14:29:33 Uhr


282 III. Berufliche Kosten der Arbeitnehmer

Natürlich achtest Du als ehrlicher Steuerzahler peinlichst darauf, dass Dir nicht
etwa Rechnungen für Tapeten und Farbe zur Herrichtung Deiner neuen Fami-
lienwohnung dazwischengeraten.

Bring mit »dreifacher« Haushaltsführung


das Finanzamt zur Weißglut!

432 Seid Ihr beide, Du und Deine bessere Hälfte, an getrennten Orten auswärts 432
tätig und habt Ihr beide dort für die Zeit unter der Woche eine Unterkunft ge-
mietet, dann ist »dreifache« Haushaltsführung angesagt. Denn wenn Ihr beide
nicht am Wohnort arbeitet, muss das Finanzamt für jeden von Euch doppelte
Haushaltsführung anerkennen (FG Rheinland-Pfalz v. 16. 10. 1992 – EFG 1993
S. 300 und BFH v. 6. 10. 1994 – BStBl 1995 II S. 184).

78049-7_s001-816.indb 282 28.08.2007 14:29:34 Uhr


283

Lieber Heinz, hier bei uns ist alles noch beim Alten.
Du musst Dir also keineSorgen in Deinen Ferien machen.
Wenn wir die letzten Raten für das Schlafzimmer und die ersten
für den neuen Geschirrspüler nicht bezahlen,
dann können wir ohne weiteres diegeforderte Anzahlung
für den Wäschetrockner aufbringen.
Liebe Grüße von Deiner Muschi
(Aus »Sehr geehrter Herr Firma!«, dtv)

IV. Der Lohnsteuerabzug


Vorab: Vorsicht ist geboten, wenn Du bei den Gehaltsverhandlungen zu Dei-
nem neuen Job nach dem Motto »Wer nicht blufft, der kommt zu nichts« ver-
fahren bist und zu Deinem alten Gehalt ein paar tausend Euro hinzugedichtet
hast. Du musst wissen, Dein neuer Chef kommt Dir auf die Schliche, sobald Du
ihm den Ausdruck der Lohnbescheinigung von Deiner alten Firma vorlegst,
denn auf der ist der bisher erhaltene Lohn eingetragen. Allerdings ist Dein
neuer Brötchengeber auf die Lohnbescheinigung nicht mehr zwingend ange-
wiesen, er kann die Lohnsteuer auch so berechnen. Da zudem die Lohnsteuer-
daten elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden, steht auf der Rück-
seite Deiner Lohnsteuerkarte keine verfängliche Eintragung mehr. Also be-
hältst Du den Papierausdruck Deiner Lohnsteuerdaten der alten Firma einfach
für Dich, und schon kannst Du Dich bei Deinem neuen Boss nicht mehr in die
Nesseln setzen.
Zwei Mücken vor dem Finanzamt. Sagt die eine:
»Komm! Es ist zwecklos, die saugen selbst.«

1. Die Steuerkarte und die Steuerklassen


433 Das Eintreiben der Steuer für Arbeitseinkünfte hat der Fiskus bekanntlich den 433
Betrieben aufgebürdet. Sie haben für jeden ihrer Arbeitnehmer die (Lohn-)
Steuer festzustellen, vom Arbeitslohn einzubehalten und an das Betriebsstät-
tenfinanzamt abzuführen.
Die Höhe der Lohnsteuer wird – außer im Fall der Pauschalierung – aus der
Lohnsteuertabelle abgelesen. Dabei werden die persönlichen Verhältnisse (Fa-
milienstand und Kinder) des Arbeitnehmers nach dem Stand vom 20. 9. des
Vorjahres berücksichtigt, die in verschlüsselter Form, ausgedrückt durch Steu-
erklassen, auf der Lohnsteuerkarte angegeben sind.
1. In die Steuerklasse I gehören Arbeitnehmer, die a) ledig sind, b) verheiratet,
verwitwet oder geschieden sind und bei denen die Voraussetzungen für die
Steuerklasse III oder IV nicht erfüllt sind;
2. in die Steuerklasse II gehören die unter Nummer 1 bezeichneten Arbeitneh-
mer, wenn ihnen ein Kinderfreibetrag oder Kindergeld für mindestens ein
Kind zusteht und ein Freibetrag für Alleinerziehende gewährt wird;

78049-7_s001-816.indb 283 28.08.2007 14:29:34 Uhr


284 IV. Der Lohnsteuerabzug

3. in die Steuerklasse III gehören Arbeitnehmer, a) die verheiratet sind, wenn


beide Ehegatten unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht
dauernd getrennt leben und aa) der Ehegatte des Arbeitnehmers keinen Ar-
beitslohn bezieht oder bb) der Ehegatte des Arbeitnehmers auf Antrag bei-
der Ehegatten in die Steuerklasse V eingereiht wird, b) die verwitwet sind,
wenn sie und ihr verstorbener Ehegatte zum Zeitpunkt seines Todes unbe-
schränkt einkommensteuerpflichtig waren und zu diesem Zeitpunkt nicht
dauernd getrennt gelebt haben, für das Kalenderjahr, das dem Todesjahr des
Ehegatten folgt, c) deren Ehe aufgelöst worden ist, wenn aa) im Kalender-
jahr der Auflösung der Ehe beide Ehegatten unbeschränkt einkommensteu-
erpflichtig waren und nicht dauernd getrennt gelebt haben und bb) der an-
dere Ehegatte wieder geheiratet hat, von seinem neuen Ehegatten nicht
dauernd getrennt lebt und er und sein neuer Ehegatte unbeschränkt ein-
kommensteuerpflichtig sind, für das Kalenderjahr, in dem die Ehe aufgelöst
worden ist;
4. in die Steuerklasse IV gehören Arbeitnehmer, die verheiratet sind, wenn
beide Ehegatten unbeschränkt einkommensteuerpflichtig sind und nicht
dauernd getrennt leben und der Ehegatte des Arbeitnehmers ebenfalls Ar-
beitslohn bezieht;
5. in die Steuerklasse V gehören die unter Nummer 4 bezeichneten Arbeitneh-
mer, wenn der Ehegatte des Arbeitnehmers auf Antrag beider Ehegatten in
die Steuerklasse III eingereiht wird;
6. die Steuerklasse VI gilt bei Arbeitnehmern, die nebeneinander von mehreren
Arbeitgebern Arbeitslohn beziehen, für die Einbehaltung der Lohnsteuer
vom Arbeitslohn aus dem zweiten und weiteren Dienstverhältnis.

2. Ab welchem Verdienst bin ich überhaupt steuerpflichtig?


434 Das zu wissen ist wichtig, wie wir bei verschiedenen Tricks gesehen haben. Am 434
einfachsten ersieht man dies aus der Jahreslohnsteuertabelle.
Ich gebe hier die Mindestgrenzen an, ab denen man Lohnsteuer zu zahlen hat.
Dabei ergeben sich unterschiedliche Beträge, je nachdem, ob für Dich die allge-
meine oder die besondere Lohnsteuertabelle anzuwenden ist. Der Unterschied
zwischen den beiden Tabellen liegt in der Höhe der als Freibetrag eingearbeite-
ten Vorsorgepauschale, mit der im laufenden Jahr Deine Versicherungsbeiträge
abgegolten werden. In der allgemeinen Lohnsteuertabelle, die vorrangig für so-
zialversicherungspflichtige Arbeitnehmer gedacht ist, ist die Vorsorgepauschale
höher, weil sie eine Zusatzkomponente für die gezahlten Altersvorsorgebei-
träge (Rentenversicherung) enthält. Diese Freibetragskomponente fehlt bei
der besonderen Lohnsteuertabelle, die deshalb in erster Linie bei nicht sozial-
versicherungspflichtigen Arbeitnehmern zur Anwendung kommt, wie Beamten,
Richtern, Soldaten etc., Pensionären und Rentnern, die sich ihre Rente durch
einen Job aufbessern.

78049-7_s001-816.indb 284 28.08.2007 14:29:34 Uhr


3. Frei- und Pauschbeträge 285

Beginn der Lohnsteuerpflicht

Allgemeine Lohnsteuertabelle

2007
Steuerklasse Monatstabelle Jahrestabelle
€ €
I/IV 898,65 10 783,99
II 1 031,99 12 383,99
III 1 701,49 20 417,99
V 77,24 926,99
VI 0,57 6,99

Besondere Lohnsteuertabelle

2007
Steuerklasse Monatstabelle Jahrestabelle
€ €
I/IV 813,40 9 760,99
II 930,24 11 162,99
III 1 550,15 18 601,99
V 77,24 926,99
VI 0,57 6,99

3. Frei- und Pauschbeträge


435 Beim Lohnsteuerabzug im Jahr 2007/2008 sind folgende Frei- und Pauschbe- 435
träge eingearbeitet:
● Ein Tabellengrundfreibetrag für alle von 7 664 €, der sich in Steuerklasse III
auf 15 328 € verdoppelt. Er entfällt in den Steuerklassen V und VI.
● Ein Arbeitnehmerpauschbetrag von 920 € in den Steuerklassen I bis V. Bei
Bezug von Versorgungsbezügen (Pensionen, Werksrenten etc.) beträgt der
Pauschbetrag nur 102 €.
● Ein Sonderausgabenpauschbetrag von 36 €, der sich in Steuerklasse III auf
72 € verdoppelt. Er entfällt in den Steuerklassen V und VI.
● Gestaffelte Vorsorgepauschalen:
2007: Arbeitslohn  2,786 % + Arbeitslohn  11 % (max. 1 500 € [StKl I, II,
IV] bzw. 3 000 € [StKl III]).
2008: Arbeitslohn  3,184 % + Arbeitslohn  11 % (max. 1 500 € [StKl I, II,
IV] bzw. 3 000 € [StKl III]).
● Ein Entlastungsbetrag für alleinerziehende Steuerzahler mit Kind in einer
Höhe von 1 308 € (109 € monatlich) in der Steuerklasse II.

78049-7_s001-816.indb 285 28.08.2007 14:29:35 Uhr


286 IV. Der Lohnsteuerabzug

● Kinderfreibeträge sind nicht in die Lohnsteuertabellen eingearbeitet. Aller-


dings wird ein Kinderfreibetrag von monatlich 304 € (mit der Zahl 1,0) bzw.
von 152 € (mit der Zahl 0,5 – Eltern sind geschieden, leben dauernd getrennt
oder sind nicht verheiratet) und ein Betreuungsfreibetrag von monatlich
180 € (Zahl 1,0) bzw. 90 € (Zahl 0,5) bei der Berechnung der Kirchensteuer
und des Solidaritätszuschlags berücksichtigt.

4. Wähle die Steuerklasse richtig,


wenn Du und Dein Ehepartner verdienen
436 Wenn Du und Dein Ehegatte in einem Arbeitsverhältnis steht, könnt Ihr Euch 436
beide die Steuerklasse IV eintragen lassen oder einer die Steuerklasse III und
der andere die Steuerklasse V. Für welchen der beiden Fälle Ihr Euch entschei-
det, solltet Ihr möglichst vor Jahresbeginn festlegen. Lasst eine eventuelle Än-
derung unbedingt vor dem 31. 12. vornehmen. Da Ihr nach Beginn des Jahres
nur einmal die Steuerklasse wechseln dürft, haltet Ihr Euch so die Tür für einen
erneuten Wechsel offen.
Aber keine Regel ohne Ausnahme: Einen zweiten Wechsel im laufenden Jahr
erlaubt der Fiskus, wenn einer von Euch arbeitslos wird oder aus anderen Grün-
den zu arbeiten aufhört. Findet der arbeitslose Ehegatte im Lauf des Jahres
einen neuen Job, ist sogar noch ein drittes Mal eine Steuerklassenänderung
drin. Und ein weiteres Mal, wenn Ihr Euch im Lauf des Kalenderjahrs trennt.
Anträge auf Änderung der Lohnsteuerklasse können bei der zuständigen Ge-
meinde bis zum 30. November des Jahres gestellt werden, für das die Lohnsteu-
erkarte gilt.

437 Bei der Kombination III/V z. B. kann man viel Steuern sparen, wenn ein Ehe- 437
gatte viel weniger verdient als der andere oder nur als Aushilfe tätig wird. Denn
in Klasse V sind die geringsten, in Klasse III die höchsten Freibeträge eingear-
beitet. Werdet Ihr beide aber nach Steuerklasse IV besteuert, so ergibt sich zu-
meist eine Überzahlung, die Du durch eine Antragsverlängerung erstattet be-
kommen kannst.
Wirst Du nach der Steuerklasse III und Dein Ehegatte nach der Steuerklasse V
besteuert, wird Euch in der Regel zu viel Lohnsteuer einbehalten, wenn Dein
Ehegatte mehr als 40 % (Faustregel) zum Gesamteinkommen beiträgt. Dage-
gen wird zu wenig Lohnsteuer einbehalten, wenn er weniger als 40 % des Ge-
samteinkommens erzielt und dieses ca. 16 000 € jährlich übersteigt.
Wenn Ihr später allerdings den Antrag auf Ausgleichsveranlagung stellt, wird
alles wieder ausgeglichen und ist es gleich, ob Ihr Lohnsteuer nach den Klassen
III und V oder nur nach der Klasse IV bezahlt habt. Denn dann werden beide
Einkünfte in einen Topf geworfen und besteuert, und zwar nach der Splittingta-
belle, die der Steuerklasse III entspricht.

78049-7_s001-816.indb 286 28.08.2007 14:29:35 Uhr


4. Wähle die Steuerklasse richtig, wenn Du und Dein Ehepartner verdienen 287

Mit welcher Steuerklassenkombination er sich am besten stellt, muss jeder für


seine persönlichen Verhältnisse selbst ausrechnen (Tabellen siehe E Rz 439,
E Rz 440). Wer es ganz genau wissen will, kann sich die günstigste Kombination
auch im Internet ausrechnen lassen (www.ofd.niedersachsen.de > Aktuelles&
Service, Steuerberechnungen). Die Tabellen gehen jeweils vom Monatslohn des
höherverdienenden Ehegatten aus. Dazu ist angegeben der Monatslohn des ge-
ringerverdienenden Ehegatten, der bei einer Steuerklassenkombination III/V
nicht überschritten werden sollte. Der höherverdienende Ehegatte erhält dann
die Steuerklasse III. Anderenfalls kommt die Steuerklassenkombination IV/IV
in Betracht. Die Tabelle 2007 kannst Du auch für 2008 benutzen, wenn es nicht
noch zu drastischen Änderungen beim Steuersatz kommt.

Beispiel
Bei einem Arbeitnehmerehepaar – beide rentenversicherungspflichtig – ohne
Kinder bezieht der höherverdienende Ehegatte 2007 einen Monatslohn (nach
Abzug etwaiger Freibeträge) von 2 100 €. Wenn der Monatslohn des geringer-
verdienenden Ehegatten nicht mehr als 1 290 € (siehe Spalte 2 der ersten
Tabelle) beträgt, führt die Steuerklassenkombination III/V zur geringsten
Lohnsteuer. Übersteigt er 1 290 €, ist die Steuerklassenkombination IV/IV
günstiger.

438 Die Leistungen des Arbeitsamts richten sich nach Leistungsgruppen, die wie- 438
derum von Deiner Steuerklasse am 1. Januar abhängen. Wenn Du verheiratet
bist und schon vor Beginn des neuen Jahres weißt, dass Du dann arbeitslos
wirst, solltest Du unbedingt noch schnell in die Steuerklasse III wechseln, um
die höheren Leistungen nach der Leistungsgruppe C zu kassieren. Dein Ehe-
partner wechselt in die Steuerklasse V, auch wenn Ihr dadurch zunächst einmal
zu viel Lohnsteuer zahlt. Die könnt Ihr Euch aber im übernächsten Jahr durch
eine Antragsveranlagung (hieß früher Jahresausgleich) vom Finanzamt zurück-
holen. Das fehlende Arbeitslosengeld durch falsche Steuerklassenwahl dagegen
ist ein für allemal verloren.
Eine Änderung der Steuerklasse im Lauf des Jahres, in dem Du arbeitslos wirst
oder während Du Leistungen vom Arbeitsamt beziehst, wird von diesem mit
Argusaugen auf ihre Zweckmäßigkeit hin untersucht. Im Klartext bedeutet das:
Das Arbeitsamt macht den Steuerklassenwechsel nur mit, wenn dadurch für
Euch insgesamt eine niedrigere Lohnsteuer herausspringt. Habt Ihr eine an-
dere Kombination der Steuerklassen gewählt, setzt es fiktiv die günstigere an.
Erkundigt Euch also vorher beim Arbeitsamt, ob sich eine Änderung der Steu-
erklassen für die Berechnung von Arbeitslosengeld, Arbeitslosenhilfe, Unter-
haltsgeld etc. lohnt.

78049-7_s001-816.indb 287 28.08.2007 14:29:35 Uhr


288 IV. Der Lohnsteuerabzug

439 A) Tabelle zur richtigen Steuerklassenwahl 2007 439


(bei Rentenversicherungspflicht des höherverdienenden Ehegatten)
Monatlicher Monatlicher Arbeitslohn B* Monatlicher Monatlicher Arbeitslohn B*
Arbeitslohn in € bei . . . des geringer- Arbeitslohn in € bei . . . des geringer-
A* in € verdienenden Ehegatten A* in € verdienenden Ehegatten
Rentenversiche- Rentenversiche- Rentenversiche- Rentenversiche-
rungspflicht rungsfreiheit rungspflicht rungsfreiheit
1 2 3 4 5 6
1 250 473 473 3 350 2 064 2 189
1 300 546 546 3 400 2 098 2 220
1 350 629 629 3 450 2 132 2 255
1 400 722 722 3 500 2 164 2 285
1 450 817 838 3 550 2 198 2 320
1 500 863 892 3 600 2 233 2 355
1 550 898 946 3 650 2 265 2 393
1 600 945 1 000 3 700 2 300 2 432
1 650 988 1 050 3 750 2 335 2 472
1 700 1 034 1 102 3 800 2 370 2 515
1 750 1 061 1 131 3 850 2 408 2 559
1 800 1 088 1 162 3 900 2 447 2 604
1 850 1 117 1 203 3 950 2 485 2 651
1 900 1 145 1 256 4 000 2 527 2 700
1 950 1 174 1 316 4 050 2 568 2 750
2 000 1 213 1 379 4 100 2 611 2 804
2 050 1 255 1 441 4 150 2 656 2 860
2 100 1 290 1 496 4 200 2 702 2 918
2 150 1 329 1 548 4 250 2 750 2 977
2 200 1 397 1 599 4 300 2 800 3 043
2 250 1 471 1 646 4 350 2 851 3 111
2 300 1 557 1 691 4 400 2 902 3 183
2 350 1 609 1 732 4 450 2 958 3 260
2 400 1 651 1 773 4 500 3 015 3 341
2 450 1 687 1 810 4 550 3 074 3 435
2 500 1 721 1 846 4 600 3 137 3 535
2 550 1 754 1 880 4 650 3 203 3 643
2 600 1 786 1 913 4 700 3 273 3 771
2 650 1 816 1 945 4 750 3 344 3 930
2 700 1 829 1 958 4 800 3 417 4 135
2 750 1 840 1 970 4 850 3 493 –
2 800 1 851 1 980 4 900 3 574 –
2 850 1 862 1 993 4 950 3 660 –
2 900 1 875 2 006 5 000 3 750 –
2 950 1 887 2 017 5 050 3 843 –
3 000 1 899 2 029 5 100 3 949 –
3 050 1 912 2 042 5 150 4 062 –
3 100 1 925 2 056 5 200 4 198 –
3 150 1 937 2 069 5 250 4 357 –
3 200 1 965 2 096 5 300 4 594 –
3 250 1 999 2 132 5 350 5 035 –
3 300 2 031 2 165 5 400
* Nach Abzug etwaiger Freibeträge.

78049-7_s001-816.indb 288 28.08.2007 14:29:36 Uhr


4. Wähle die Steuerklasse richtig, wenn Du und Dein Ehepartner verdienen 289

440 B) Tabelle zur richtigen Steuerklassenwahl 2007 440


(bei Rentenversicherungsfreiheit des höherverdienenden Ehegatten)
Monatlicher Monatlicher Arbeitslohn B* Monatlicher Monatlicher Arbeitslohn B*
Arbeitslohn in € bei . . . des geringer- Arbeitslohn in € bei . . . des geringer-
A* in € verdienenden Ehegatten A* in € verdienenden Ehegatten
Rentenversiche- Rentenversiche- Rentenversiche- Rentenversiche-
rungspflicht rungsfreiheit rungspflicht rungsfreiheit
1 2 3 4 5 6
1 250 599 599 3 300 2 095 2 232
1 300 679 679 3 350 2 129 2 267
1 350 761 761 3 400 2 163 2 303
1 400 838 853 3 450 2 198 2 340
1 450 868 898 3 500 2 233 2 380
1 500 897 945 3 550 2 266 2 419
1 550 940 994 3 600 2 302 2 460
1 600 958 1 015 3 650 2 339 2 505
1 650 975 1 035 3 700 2 376 2 549
1 700 992 1 054 3 750 2 414 2 594
1 750 1 011 1 077 3 800 2 454 2 643
1 800 1 033 1 101 3 850 2 494 2 691
1 850 1 056 1 125 3 900 2 536 2 744
1 900 1 078 1 150 3 950 2 580 2 798
1 950 1 101 1 177 4 000 2 624 2 854
2 000 1 123 1 215 4 050 2 670 2 912
2 050 1 147 1 260 4 100 2 719 2 976
2 100 1 171 1 308 4 150 2 768 3 042
2 150 1 199 1 358 4 200 2 820 3 112
2 200 1 234 1 410 4 250 2 873 3 185
2 250 1 270 1 464 4 300 2 928 3 263
2 300 1 304 1 514 4 350 2 986 3 351
2 350 1 337 1 556 4 400 3 046 3 442
2 400 1 389 1 594 4 450 3 110 3 546
2 450 1 445 1 631 4 500 3 174 3 660
2 500 1 512 1 666 4 550 3 245 3 801
2 550 1 576 1 701 4 600 3 317 3 964
2 600 1 614 1 737 4 650 3 391 4 198
1 650 1 649 1 771 4 700 3 469 –
2 700 1 682 1 806 4 750 3 553 –
2 750 1 717 1 842 4 800 3 638 –
2 800 1 752 1 878 4 850 3 728 –
2 850 1 786 1 913 4 900 3 825 –
2 900 1 818 1 947 4 950 3 931 –
2 950 1 853 1 983 5 000 4 046 –
3 000 1 888 2 018 5 050 4 181 –
3 050 1 922 2 055 5 100 4 344 –
3 100 1 958 2 090 5 150 4 576 –
3 150 1 991 2 124 5 200 5 010 –
3 200 2 025 2 160 5 250 – –
3 250 2 059 2 196 5 300
* Nach Abzug etwaiger Freibeträge.

78049-7_s001-816.indb 289 28.08.2007 14:29:36 Uhr


290 IV. Der Lohnsteuerabzug

Immer wenn die Eltern die Schnauze voll haben,


müssen die Kinder hungrig zu Bett.
(W. Mitsch)

5. Mehrere Arbeitsverhältnisse
441 Wenn Du mit Deinem Arbeitgeber nicht ein klares Aushilfsverhältnis verein- 441
barst, bist Du grundsätzlich verpflichtet, bei Dienstbeginn eine Lohnsteuerkarte
vorzulegen. Das gilt auch, wenn Du mehrere Dienstverhältnisse begründest.
Bei einem zweiten und weiteren Arbeitsverhältnis ist der Arbeitgeber verpflich-
tet, Lohnsteuer nach Steuerklasse VI einzubehalten. Das ist alles gut und schön,
wenn Du genügend verdienst, denn es hat sich ja mittlerweile herumgespro-
chen, dass für Einkommen über dem Grundfreibetrag die Steuer mindestens
15 % ausmacht.
Wenn Du aber mit dem ersten Arbeitsverhältnis nicht steuerpflichtig bist, zahlst
Du mit einem zweiten und mit weiteren unweigerlich zu viel, weil man Dir ja
stur nach Steuerklasse VI die Steuer einbehält. Du solltest in einem solchen Fall
unbedingt einen Antrag auf Ausgleichsveranlagung stellen, damit Dir die über
das Jahr zu viel gezahlte Steuer erstattet wird.

442 Natürlich ist es nicht sonderlich berauschend, wenn Du, nur weil Du zwei Jobs 442
hast, in denen Du jeweils 440 € im Monat verdienst, im Lauf des Jahres Lohn-
steuer abdrücken sollst, während Dir das bei nur einem Job mit 880 € Monats-
verdienst erspart bleibt. Ja, Du liest richtig. Für Dein erstes Dienstverhältnis
bekommst Du z. B. die Steuerklasse I, für jedes weitere stellt Dir die Stadt eine
Steuerkarte mit der Steuerklasse VI aus. Und so sieht dann der Lohnsteuerab-
zug aus:
2 Jobs à 440 € 1 Job à 880 €
Lohnsteuer Arbeitsverhältnis 1 (StKl I) (440 €) = 0 € (880 €) 0,00 €
Lohnsteuer Arbeitsverhältnis 2 (StKl VI) (440 €) = 66 €
Lohnsteuer insgesamt (monatlich) 66 € 0,00 €
Lohnsteuer insgesamt (jährlich) 792 € 0,00 €
Berücksichtigst Du auch die Kirchensteuer (ca. 71 €) und den Solidaritäts-
zuschlag (0 €), zahlst Du während des Jahres ca. 863 € an Steuern, auf deren
Erstattung Du warten musst, bis sich das Finanzamt bequemt, Deine Steuerer-
klärung im Jahr darauf zu bearbeiten und einen Steuerbescheid in die Welt zu
setzen.
In dieser Situation hast Du zwei Möglichkeiten.

443 Variante 1 443


Du kannst nach § 39 a Abs. 7 EStG den lohnsteuerfreien Betrag sozusagen be-
liebig zwischen der Steuerkarte mit der Steuerklasse I und der mit der Steuer-
klasse VI verteilen. (Die lohnsteuerfreien Beträge in den einzelnen Steuerklas-

78049-7_s001-816.indb 290 28.08.2007 14:29:36 Uhr


5. Mehrere Arbeitsverhältnisse 291

sen findest Du unter E Rz 434). Verdienst Du also z. B. 500 € in Deinem Erstjob,


hast Du einen steuerfreien Betrag von ca. 398 € monatlich, den Du auf die
Steuerkarte VI übertragen kannst. Technisch wird das so gelöst, dass Dir der
entsprechende Betrag auf der Steuerkarte VI als Freibetrag und auf der Steuer-
karte I als Hinzurechnungsbetrag, also quasi als negativer Freibetrag, eingetra-
gen wird.

zur Lohnsteuerkarte

Wenn die zusammengerechneten Arbeitslöhne aus Deinen Arbeitsverhältnis-


sen zusammen mit Deinen anderen Einkünften (aufs Jahr gesehen) insgesamt
unter den max. steuerfreien Beträgen liegen, solltest Du regelmäßig zu dieser
Möglichkeit der Verteilung der Freibeträge greifen, weil dann schlussendlich
überhaupt keine Steuern anfallen.

444 Variante 2 444


Hast Du zwei Jobs und liegst mit Deinem Verdienst im einen über 400 € und im
anderen bei höchstens 400 €, kannst Du von der Minijobregelung profitieren.
Ein Zweitjob bis 400 € bleibt nämlich sozialversicherungsfrei und kann mit dem
lächerlichen Betrag von 2 % pauschal besteuert werden. Der Vorteil für Dich:
Sowohl die anfallenden pauschalen Sozialversicherungsbeiträge (23 %) als auch
die pauschale Steuer (2 %) trägt Dein Arbeitgeber. Du bekommst also den
Lohn aus Deinem Zweitjob ohne Abzüge ausgezahlt.

Welche der beiden Varianten günstiger ist, hängt natürlich entscheidend davon
ab, wie viel Du im Erstjob verdienst, ob Du die Steuerklasse I hast oder die
Steuerklasse III mit doppelt so hohen Freibeträgen. Außerdem musst Du bei
Deinen Vergleichen immer beachten, dass Du etwa 20 % Sozialversicherungs-
beiträge am Hals hast, wenn Du im Zweitjob mit Deinem Verdienst über 400 €
liegst. Machst Du allerdings aus Deinem Zweitjob eine 400-€-Beschäftigung,
hast Du aus diesem Arbeitslohn später geringere Rentenansprüche als aus nor-
malem Arbeitslohn und für diesen Teil Deines Lohns auch keinen Anspruch auf
Arbeitslosengeld, falls Du Deinen Job verlierst.

445 Für Deine Berechnung kannst Du Dich an dem folgenden Beispiel orientie- 445
ren:
Du bist 40 Jahre alt und beziehst aus Deinem Hauptjob 1 400 € und aus Deinem
Zweitjob 440 € Monatslohn. Um beim Zweitjob von der Minijobregelung zu
profitieren, solltest Du auf 40 € Lohnteil verzichten.

78049-7_s001-816.indb 291 28.08.2007 14:29:37 Uhr


292 IV. Der Lohnsteuerabzug

Gesamtnetto Freibetrag Gehaltsverzicht


Hauptjob Aushilfe Hauptjob Aushilfe
StKl III 440 € StKl III 400 €
StKl VI
Bruttoarbeitslohn 1 400,00 440,00 1 400,00 400,00
Freibetrag 1 701 € (E Rz. 434) – 1 400 € – 301,00
Hinzurechnungsbetrag + 301,00 ++ ++ ++
maßgebender Arbeitslohn (fiktiv) 1 701,00 139,00 1 400,00 400,00

Abzüge:
Lohnsteuer 0,00 20,83 0,00 0,00
Kirchensteuer 0,00 1,87 0,00 0,00
Solidaritätszuschlag 0,00 0,00 0,00 0,00
Sozialversicherung (ca. 20%) 280,00 88,00 280,00 0,00
Nettoverdienst (Bruttoarbeitslohn ./. Abzüge) 1 120,00 329,30 1 120,00 400,00
Gesamtnetto 1 449,30 1 520,00

Wie Du siehst, fährst Du trotz eines Verzichts auf 40 € Lohn in Deinem Zweit-
job wesentlich besser. Unter dem Strich hast Du jeden Monat gut 70 € mehr im
Geldsäckel. Aufs Jahr gerechnet macht das immerhin ein Plus von ca. 840 €.
Und der Arbeitgeber Deines Zweitjobs spart – Deinen Gehaltsverzicht einge-
rechnet – durch die pauschalen Sozialversicherungsbeiträge und Steuern unter
dem Strich ca. 28 € im Monat. Das sollte ihm die Sache doch wohl schmackhaft
machen.

78049-7_s001-816.indb 292 28.08.2007 14:29:37 Uhr


293

Das zahllose Beamtenheer ist die wahre Peitsche Deutschlands.


(Freiherr vom Stein)

V. Lohnsteuerermäßigung durch
Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte
446 Beantrage beim Finanzamt, schon für das laufende Jahr einen Freibetrag auf 446
der Lohnsteuerkarte einzutragen. Durch den Freibetrag ermäßigt sich die
Lohnsteuer, die der Betrieb von Deinem Arbeitslohn einbehalten muss. Das
Finanzamt verteilt den Jahresfreibetrag gleichmäßig auf die Monate nach der
Antragstellung. Der Antrag muss spätestens bis zum 30. 11. gestellt werden.

zum Freibetrag

Wenn Du den Antrag so spät wie möglich stellst, z. B. erst im November, wird
der Jahresfreibetrag in voller Höhe bei der Lohnsteuerberechnung für Dezem-
ber abgezogen.
Hast Du bei der Eintragung alle Deine Kosten durchdrücken können, weil Du
durch die späte Antragstellung alles belegen konntest, hast Du damit gleichzei-
tig die Antragsveranlagung, die vom Finanzamt gemacht wird, quasi vorgezogen
und als Erster Dein Geld zurück. Der Kinderfreibetrag wird auf der Lohnsteu-
erkarte durch Änderung der Lohnsteuerklasse berücksichtigt. Bring dazu die
Geburtsurkunde des Kindes mit.

447 Auf der Lohnsteuerkarte können mit Einschränkung folgende Freibeträge ein- 447
getragen werden:
● Werbungskosten nach Abzug des Arbeitnehmerpauschbetrags von 920 €;
● beruflich bedingte Kinderbetreuungskosten (§ 4 f EStG);
● Unterhaltsleistungen an den geschiedenen Ehegatten, auf besonderen Ver-
pflichtungsgründen beruhende Renten und dauernde Lasten, Kirchensteu-
ern, Steuerberatungskosten (z. B. die Kosten für dieses Buch), Aufwendungen
für die Berufsausbildung und für private Kinderbetreuungskosten nach
Abzug des Sonderausgabenpauschbetrags von 36 €/72 €;
● außergewöhnliche Belastungen, Unterhalts- und Ausbildungsfreibeträge,
Freibetrag für Haushaltshilfen, Pflegepauschbetrag, Kinderbetreuungskos-
ten.

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294 V. Lohnsteuerermäßigung durch Freibetrag auf der Lohnsteuerkarte

Ein Freibetrag wird in diesen Fällen nur eingetragen, wenn die Aufwendungen
bzw. die abziehbaren Beträge insgesamt mindestens 600 € betragen. Liegst Du
unter dieser Grenze, kannst Du die Steuerermäßigung er