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Projektwoche vom 6. bis 9.

Juli 2009
Albert-Einstein-Gymnasium, Schwalbach
Vortrag von Jürgen Koch, Sulzbach

1
Blick auf die Geschichte der Volkswirtschaftslehre –
Von der Antike zur Moderne

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¾ 384 v. Chr.:
◦ Geburt in Sageira (Ostküste der Chalkidike)
¾ 367 v. Chr.:
◦ Eintritt in Platons Akademie in Athen
¾ Ca. 343 v. Chr.:
◦ Lehrer von Alexander dem Großen
¾ Ca. 334 v. Chr.:
◦ Gründung seiner Schule (Lyzeum) in Athen
¾ 323 v. Chr.:
◦ Tod Alexanders des Großen Æ Aristoteles flieht
nach Chalkis auf Euböa
¾ 322 v. Chr.:
◦ Todesjahr

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¾ Politisch ökonomische Philosphie von Aristoteles:
o Lehre vom richtigen Führen des Hauses (Oikos bedeutet
Haus und Nomos bedeutet Gesetz)

¾ Die vier Orte des Wirtschaftens (oikonomein):


o Großkönig (Einfuhr, Ausfuhr und Münzgeld)
o Satrapen (Einnahmen aus Landwirtschaft, Minen, Steuern
und Zöllen)
o Polis oder Stadt (Hafengebühren, Transitzölle und Steuern)
o Privatmann (Einnahmen aus Landwirtschaft und
Geldvermögen)

¾ Ziel des Wirtschaftens:


o Die Ausgaben sollen die Einnahmen nicht übersteigen

4
¾ Ökonomie und Philosophie in der Antike:
o Bis zum 18. Jahrhundert Teilgebiet der Philosophie
o Eng mit Ethik (Sitte) und Gerechtigkeit verbunden

¾ Die Oberschicht und die Wirtschaft in der Antike:


o Kein Interesse der athenischen Bürger (Oberschicht) an der
Güterproduktion und am Geld verdienen
o Körperliche Arbeit wurde verachtet
o Arbeitsverrichtung durch Sklaven und Frauen

¾ Stellung der Oikonomika im Staat:


o Nebenaspekt des Lebens in der Hausgemeinschaft

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Voraussetzung für Frühkapitalismus
¾ Ab 600 Nutzung von Geldmünzen
¾ Rechtliche Regelung von Eigentum
¾ Einsatz von Produktionsfaktoren
(Boden und Sklaven)
¾ Antike Märkte zum Gütertausch

Aristoteles Grundgedanken in Bezug auf die Wirtschaft


¾ Arbeitsteilung ist notwendig für eine Gesellschaft
¾ Geld erleichtert in arbeitsteiliger Wirtschaft den Tausch von Gütern
¾ Unedle Geldhortung (Chrematistik) erschwert den Gütertausch
¾ Ablehnung von Zins, da Geld nicht produktiv ist

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Geld in Griechenland
¾ Khalkio aus Kupfer (1/8 Obolo)
¾ Obolo aus Silber (1/6 Drachma)
¾ Diobol aus Silber (1/3 Drachma)
Im antiken Griechenland wurden erstmals ¾ Drachma aus Silber (4,5 bis 6 g.)
standardisierte Münzen geprägt, die dann als
Zahlungsmittel verwendet wurden.
¾ Mina (100 Drachma)
¾ Talent (60 Mina)
Die Bedeutung von Geld
¾ Geld als offizielles Tauschmittel
¾ Geld als Hilfsmittel zur Bestimmung von Preisverhältnissen
¾ Geld hat Zirkulations- und keine Wertaufbewahrungsfunktion
¾ Ablehnung von Kreditgeschäften und Zinszahlungen

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Eigentum in Griechenland
¾ Aristoteles (384 – 322 v. Chr.) als
Verfechter des Privateigentums
¾ Platon (427 – 347 v. Chr.) warnt
aber auch: Ungerechtigkeit ist der
Schmuck als Eigentum: Feind der Gesellschaft
Griechische Halskette um 600 v. Chr.

Eigentum und Tausch


¾ Eigentum (Recht auf Nutzung) als Anreiz zur Produktion von Gütern
¾ Eigentum am Gut als Grundbedingung für Tausch oder Handel
¾ Platon: Suche nach Richtlinien für gerechte Tauschpreise
¾ Aristoteles: Der Preis ist gerecht, wenn Tauschpartner einwilligen

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¾ Produktionsfaktor Boden
o Acker- und Waldflächen
o Steinbrüche und Metallminen
Privateigentum an Grund und Boden, da
dieser dann gut genutzt und nicht
ausgebeutet wird
Olivenhain in Griechenland ¾ Produktionsfaktor Arbeit

Originäre und abgeleitete o Sklaven


Produktionsfaktoren o Bauern und Handwerker
¾ Arbeit und Boden sind Arbeitsstunden, die gesellschaftliche
in der Natur vorhanden Stellung des Produzent sowie der
Nutzen entscheidet über den Preis des
¾ Kapital (Maschinen) Gutes
muss durch Arbeit
geschaffen werden

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¾ Chrematistik von Aristoteles: Die unedle
Kunst der Kaufleute auf Märkten Waren
tauschen und Gewinne zu erzielen
¾ Dezentrale Entscheidung über
Güterproduktion und Güterkauf
o Haushalte entscheiden, was sie kaufen
o Bauern und Handwerker entscheiden,
Steuerung über den Preis wen sie einstellen und was sie
produzieren
¾ Steigt die Nachfrage,
steigt der Preis (und ¾ Die Preisbildung für Güter auf den
umgekehrt) Märkten als Steuerungsinstrument für die
Wirtschaft
¾ Steigt der Preis, steigt
die Produktion und ¾ Ergebnis: Trotz fehlender zentraler
Planung herrscht kein Chaos
damit das Angebot
(und umgekehrt)

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Antikes Griechenland Frühes Mittelalter
` Produktion und Konsum spielen für
¾ Arbeit galt als unwürdig für freie die Oberschicht keine wichtige Rolle,
Menschen (Oberschicht) und war sie werden in Hauswirtschaften
Aufgabe von Sklaven, Bauern und durchgeführt
Handwerkern
` Das Lehnswesen (Feudalismus)
¾ Die Unterschicht musste Philosophen, dominiert. Die Lehnsherrn als
Politiker und Soldaten durch ihre Landeigentümer gaben Schutz und
Arbeit versorgen die Bauern leisteten Abgaben und
Frondienste
¾ Der auf Gelderwerb abzielende Handel
galt als unedle Tätigkeit, wurde aber in ` In den Städten entwickelten sich
der arbeitsteiligen Gesellschaft Handwerkszünfte und
akzeptiert Kaufmannsgilden, die politische
Mitwirkung fordern
¾ Ablehnung von Zinsen für Geldverleih ` Ablehnung von Zinsen behindert
und damit kein Banksektor weiter den Geldverleih
¾ Das Ergebnis: Geringe Urbanisierung, ` Das Ergebnis: Die Aristokratie und der
viel Landwirtschaft, wenig Handel geistliche Stand verschwenden die
(meist nur zur Nahrungssicherung), Überschüsse und sind an Innovation
geringe Investitionsneigung und und Investition nicht interessiert.
Kapitalakkumulation

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¾ Nach der Bibel ist die Arbeit die Strafe
Gottes für den Sündenfall im Paradies,
wobei das feudale Leben der Oberschicht
die Mühsal der Unterschicht erhöhte
¾ Über die Religion wird dem Volk das
bescheidene Leben und die Vorbereitung
auf das Jenseits indoktriniert, was den
Anreiz auf eine Verbesserung der
materiellen Lebenssituation vermindert
¾ Thomas von Aquin beschreibt allerdings
Thomas von Aquin (1125 – 1274)
Integrierte die Lehren des Aristoteles den Preisbildungsprozess als
In das kirchliche Weltbild (Scholastik).
Sein Ziel: Einheit von Philosophie,
Kombination von Produktionskosten und
Theologie sowie von geistlicher und Bedürfnissen
natürlich-weltlicher Lebens- und Welt-
betrachtung
¾ Kanonisches Zinsverbot: Zins ist der Preis
für Zeit, diese gehört aber Gott

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Leonardo
da Vinci
Voraussetzungen für die Renaissance:
(1452 –
1519) ¾ Entdeckung des Buchdrucks führt zur
Verbreitung von Wissen
¾ Der schwarze Tod (Pest) bewirkt
Umstrukturierung der Gesellschaft
(Mangel an Bauern und Handwerkern
bewirkt Einkommensanstieg pro Kopf)
¾ Der Arbeitskräftemangel bewirkt
Innovation
¾ Die Bedeutung der Kaufleute steigt mit
der Entdeckung von neuen Kontinenten
¾ Einführung der arabischen Ziffern und
Entstehung eines Finanz- und
Kreditwesens

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Johannes
Calvin ¾ Martin Luther übersetzt die Bibel ins
(1509 –
1664)
Deutsche, die katholische Kirche verliert
die Deutungshoheit
¾ Arbeit wird vom biblischen Fluch zum
irdischen Segen umgedeutet
¾ Der Reformator Johannes Calvin predigt
Sparsamkeit und Unterdrückung der
Webstuhl um
1568: Anhäufung Genusssucht (kapitalistische Ethik)
von Kapital und
der entstehende
Geldverleih
¾ Öffentliche Ausrufe nach Aufhebung des
führten zu Zinsverbots von Johannes Calvin und
technischem
Fortschritt und
Gerhardt Noodt (1647-1725)
einer Steigerung
des Wohlstands ¾ Folge: Geldanhäufung (Akkumulation von
Kapital) begünstigt die Entstehung von
Frühmanufakturen, Handelshäusern und
Banken

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` Ausgangspunkt ` Höhe der Investition und
o Eine Steinzeitsippe kann mit der des Kapitalstocks
Hand maximal zwölf Fische pro o Investition: Zwei Fische pro Tag
Tag fangen und muss zum o Der in den Angeln gebundene
Überleben mindestens zehn Kapitalstock beträgt 40 Fische
Fische fangen
` Ergebnis der Investition
` Ausgangspunkt
o Verdoppelung der
o Sie beschließt, nur zehn Fische Arbeitsproduktivität
zu fangen. Die Zeit, die die
o Täglicher Ertrag für die
Fänger dadurch gewinnen,
eingesetzte Arbeit
investieren sie in den Bau von
(Arbeitskosten): 12 Fische
Angeln. Sind diese nach zwanzig
Tagen fertig, können sie ihren o Täglicher zusätzlicher Ertrag aus
Fischfang auf maximal 24 Fische dem eingesetzten Kapital: 12
verdoppeln. Fische

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¾ Mechanik und Chemie
o Wellen, Winden und Seilzüge
o Buchdruck
o Schwarzpulver
¾ Optik
o Augengläser

Fernrohr von Gallilei


o Mikroskope und Fernrohre
¾ Schifffahrt
Gallileo Gallilei
(1564-1642): o Schiffbau, Nautik und Kartographie
Wissenschaft und
Kirchliche Lehre im ¾ Kommerzielle Innovation
Widerspruch
o Doppelte Buchführung
o Notariate und Wechselbriefe
o Einführung von Gesellschaften zur
Risikostreuung

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` Entwicklung der Banken Die Bestandsgrößen in einem Unternehmen

o Um 1400 Gründung von Banken


in den Städten der Toskana
o Tätigkeiten waren Ausgabe von
Handelswechseln und das
Einlagen- und Kreditgeschäft
o Vorteile: Erleichterung des
Handels und Streuung des
Kreditrisikos auf mehrere
Unternehmungen
` Doppelte Buchführung Die Fließgrößen in einem Unternehmen
o Lucca Pacioli führt 1494 die
doppelte Buchführung ein
o Trennung zwischen Bestands-
und Fließgrößen
o Folge: Exakte Ermittlung der
Gewinne und Verluste
o Transparenz erleichtert den
Banken die Kreditvergabe

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` Das wirtschaftliche Umfeld:
Adam Smith (1723
Bis 1790): Gründer
o Große Kapitalreserven durch Kolonial- und
der modernen Sklavenhandel in England
Ökonomie
o Im Gegensatz zu Kontinentaleuropa ein
hoch entwickelter Wirtschaftsliberalismus
ohne Zunft- und Zollschranken
o Hohe Investitionsfreudigkeit bei Adeligen
(aus landwirtschaftlichen Einkünften) und
danach auch in Englands Bürgertum
` Infrastruktur und Ressourcen
Seine Lehrmeinung o Günstige Verkehrswege (Meer, Flüsse und
¾ Arbeitsteilung ist bedeutend für
wachsenden Wohlstand den Ausbau von Kanälen und Straßen)
¾ Das Eigeninteresse des Einzelnen o Rohstoffressourcen wie Kohle, Erze und
führt zu einem Wohlstandsanstieg Baumwolle
für die Gemeinschaft
¾ Unsichtbare Hand des Marktes: o Das Empire als Lieferant für weitere
Steigt der Preis eines Gutes, führt Rohstoffe
dies zu einer Erhöhung der o Umstellung auf Steinkohle aus Mangel an
Produktion
¾ Freier Handel und Ablehnung von
Holz, das genügend Hitze für
Monopolen Stahlerzeugung entfaltet

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` Die Gesellschaft ` Politik
o Der Calvinismus förderte o Parlamentarismus
Tugenden wie Fleiß, o Politische Emanzipation des
Gewinnstreben und Bürgertums (auch durch die
Investitionsbereitschaft Verbürgerlichung der
o Hohe Rationalität und Wille zur Aristokratie)
Beherrschung der Umwelt ` Offene Gesellschaft
o Sinkende Sterberate durch
o Keine strenge Ständeordnung
medizinischen Fortschritt führt
zu steigender Zahl an Menschen o Adel und Bürgertum konnten
auf dem Land untereinander Ehen schließen
o Abwanderung von Menschen, o Auch der Adel arbeitete, denn
die im ländlichen Agrarsektor Arbeit war Gottes Wille
keine Arbeit hatten, in die
Städte und deren Fabriken
o Aber: Der Zuzug in Städte führt
zur Entstehung von Slums

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¾ Übergang von Energie aus Wind
und Wasser zu Energie aus
Dampf
o 1769: James Watt patentiert die erste
leistungsfähige Dampfmaschine
James Watt baut um 1770 die erste
leistungsfähige Dampfmaschine
o Energie ist damit unabhängig vom
Neue Transport- Standort geworden
mittel und An-
triebstechniken
führen zu einer ¾ Weitere Innovationen im 19.
Jahrhundert
Globalisierung
der Weltwirt-
schaft

o Eisenbahn und Schiffschraube


o Elektrischer Telegraph und Fernsprecher
o Dynamo und Benzinmotor

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¾ Soziale Bedingungen
o Männer, Frauen und Kinder arbeiten
über 15 Stunden am Tag
o Keine Arbeitsschutzbedingungen und
soziale Sicherung für Kranke und Alte
o Zuzug in industrielle Zentren führt zu
Seuchen

¾ Forderung nach Gerechtigkeit


o Zu Beginn des 19. Jahrhunderts in
England und ab 1860 in Deutschland
Bildung von Gewerkschaften
o Entstehung sozialer Parteien
o Abfallentsorgung und Umwelt gewinnen
ab 1850 an Bedeutung (Abwassersystem
Gustave Doré: Ein Hundeleben, 1872
von Joseph Bazalgette 1868 in London)

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¾ Einführung der Bandarbeit
o 1908: Ford führt die Fließbandarbeit
o Geordnete Arbeitsteilung plus standardisierte
Ausstattung führen zu massiver Kosten- und
Henry Ford führt 1908 die Preissenkung
Bandarbeit am Fließbank für
das Modell T (Tin Lizzie) ein
¾ Entwicklung der Computer
o 1941: Konrad Zuse baut den ersten Computer
o 1958: Jack Kilby entwickelt den ersten Mikrochip
o Immer mehr Arbeit wird von Maschinen und
computergestützten Automaten in den Unterehmen
Konrad Zuse baute 1941 in übernommen
Berlin den ersten durch ein
Programm gesteuerten
Computer
o Immer mehr Arbeitnehmer überwachen die Arbeit
vom Steuerpult aus

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` Einfacher Kreilauf
o Im einfachen Kreislauf stellen
Haushalte ihre Arbeitskraft zur
Verfügung und erhalten Lohn
o Dieser Lohn oder dieses Geld wird
von den Haushalten dafür
verwendet, Güter von den
Unternehmen zu kaufen
` Erweiterter Kreislauf
o Der erweiterte Kreislauf bezieht
Banken, den Staat und das
Ausland mit ein (blaue Linien) Die Fließgrößen in einem Unternehmen
o Der Staat erhält Steuern für
Bildung, Soziales und Armee
o Die Banken erhalten die
Ersparnisse und geben Kredit an
Unternehmen und Haushalte
o Die Banken erhalten Zinsen vom
Kreditnehmer (Entlohnung für
Kapital) und zahlen Zinsen an den
Sparer
Quelle: Was ist Was: Wirtschaft Special. Tessloff Verlag

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` Bestandsgrößen
o Das Sachvermögen ist
das eigentliche
Vermögen einer
Volkswirtschaft
o Dem Geldvermögen
stehen Verbindlichkeiten
oder Kredite gegenüber
(Geld und Kredit heben
sich auf)
*Verbindlichkeiten der Privathaushalte, Unternehmen und des Staates jeweils gegen anderen Sektor

` Fließgrößen Die Fließgrößen in einer Volkswirtschaft

o Sollseite: Volkseinkommen der


Privathaushalte u. Unternehmen,
Abschreibungen auf Maschinen,
Mehrwertsteuer und Subventionen
o Habenseite: Verwendung der
produzierten Güter
o Summe: Wert der in einem Jahr
produzierten Güter (in Geld)

24
Über die Entstehung, die geschichtliche
Entwicklung und die Verwendung von Geld

25
Bereits Naturvölker nutzten Geld
¾ Heute: eine Kette aus Kauri-Schnecken (weiß)
¾ Früher: Die Kauris auf den Malediven verwendeten die stabilen
Schneckengehäuse im 14. Jahrhundert als Zahlungsmittel

Quelle: Anselm Dohle-Beltinger: Was macht aus Papier Geld. 2005

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` Frühes Geld
o Muscheln und Steine
o Stoffe, Salz und Vieh
o Waffen und Werkzeuge
o Nicht-Edelmetalle
o Edelmetalle
` Begriffe für Geld
o Aus Pecus (Vieh) wird im alten Steingeld auf Yap
Rom Pecunia als Begriff für Geld Quelle: Anselm Dohle-Beltinger: Was macht aus Papier Geld. 2005

o Salz war in der Antike knapp Auf Yap gab es keine Steine. Die Steine wurden 400
und wertvoll. Legionäre Kilometer über das Meer von den Palau Inseln nach
Yap transportiert und dienten dort als Geld. Ein
erhielten Sal als Entlohnung Schwein kostete ein Stein mit 1,8 Meter Durchmesser.
Je mehr Steine ein Einwohner vor der Hütte hatte,
(heute Salär) umso angesehener war er.

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Raffiaplüsch aus Zaire Waffengeld der Azteken

Quelle: Anselm Dohle-Beltinger: Was macht aus Papier Geld. 2005

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` Die erste Münzwährung
o Von Solon um 600 v. Christus
o Einheiten waren Drachme und Obolos
o Eine Drachme entsprach sechs Obolen
o Hauptmünze in Athen war das
Tetradrachmen (vier Drachmen)
` Kaufkraft zu Beginn
o 600 v. Chr.: Ein Scheffel Getreide
entsprach einem Scheffel Getreide
o 409 v. Chr.:2,5 Drachmen gleich ein
Die Eule ist das Attribut von Athene, der
Scheffel Getreide Schutzkönigin der griechischen Stadt
o 300 v. Chr.: 5 Drachmen gleich ein
Scheffel Getreide
o Diese Entwicklung wird als Preisanstieg
oder Inflation bezeichnet

29
Erleichterung des Tauschs
¾ Der Kaufinteressant kennt
den Wert des von dem
Verkäufer geforderten
Objekts für die
Tauschware
¾ Es kostet Zeit, sich
darüber zu informieren
¾ Die Zahl der Tauschpreise
ist bei Gütertausch enorm
hoch
¾ Ergo: Ein Münzsystem
schafft Transparenz

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Metallgeld aus Edelmetallen
¾ Leicht teilbar
¾ Prüfbar auf Reinheit
¾ Dauerhaft
¾ Gut transportierbar
¾ Optisch schön
Kaiser Konstantin führte um 309 n. Christus den
¾ Knapp (nicht beliebig Solidus ein. Ostrom behält die Währung bei. Sie
wird bis zum 12. Jahrhundert zur Leitwährung in
vermehrbar) Europa

31
Kaufkraft von einer Unze Gold (in US-Dollar-Preisen von 1998)
Quelle: ShareLynx Gold

32
¾ 1500 v. Chr.: Händler begannen Gold als Zahlungsmittel einzusetzen
¾ Mittelalter: Gold wird als Metallgeld eingesetzt
¾ Da es kaum Goldminen gab, kam es bei steigender Güterproduktion
bis 1492 zu einer Dauerdeflation (Anstieg der Kaufkraft des Goldes)
¾ Nach der Entdeckung Amerikas beschloss Spanien, die Suche nach
Gold auf dem neu entdeckten Kontinent zu intensivieren. Nach Europa
einströmendes Gold lässt den Goldwert sinken (Inflation)
¾ In Deutschland: Goldmark von 1871 bis 1918 gesetzliches
Zahlungsmittel
¾ 20. Jahrhundert: Mehr und mehr Länder stellen auf Papiergeld um

Knappheit war und ist der Garant


Für die Wertbeständigkeit von
Gold, aber auch von anderen Gütern

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¾ Im späten Mittelalter waren Goldmünzen Zahlungsmittel.
Goldschmiede prüften die Echtheit
¾ Goldschmiede bewahrten zudem die Goldmünzen gegen Gebühr auf
und gaben dafür Quittungen an Händler und Sparer. Mehr und mehr
Rechnungen wurden danach mit diesen Gutscheinen bezahlt. Die
Goldschmiede wandelten sich zu Bankiers, es entstand der
Goldhinterlegungs-Standard
¾ Die Bank of England erhielt 1844 den Status der ersten Zentralbank.
Eine völlige Golddeckung des nationalen Geldes gab es nicht – aber
eine Mindestdeckung auf Goldbasis (goldene Fessel)
¾ Nach dem zweiten Weltkrieg: Die Golddeckung des Geldes endet für
die Bürger. Es entsteht ein Papierstandard, bei dem Geld durch die
produzierte Gütermenge gedeckt ist

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Geld- und Gütermenge
¾ Auf einer Insel kann man
derzeit nur eine Flasche
Cola kaufen
¾ Auf der Insel ist nur ein
Euro als Geldmittel
vorhanden
¾ Für das Geld kann also
maximal eine Flasche Cola
gekauft werden
¾ Der Preis der Flasche
beträgt ein Euro

Quelle: Anselm Dohle-Beltinger: Was macht aus Papier Geld. 2005

35
Geld- und Gütermenge
¾ Der Geldbestand steigt auf
der Insel auf zwei Euro
¾ Für dieses Geld steht immer
noch nur eine Flasche Cola
als Ware zur Verfügung
¾ Der Preis für die Flasche
Cola steigt von einem auf
zwei Euro
¾ Die Geldmenge und der
Preis haben sich verdoppelt

Quelle: Anselm Dohle-Beltinger: Was macht aus Papier Geld. 2005

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Der Geldschöpfungsprozess
¾ Die Europäische Zentralbank
gibt Geld an die Bank A, die
es wiederum an
Unternehmen A verleiht
¾ Das Unternehmen zahlt Lohn
an Haushalt A, das dieses bei
Bank B einzahlt
¾ Die Bank B gibt das Geld
wieder an das Unternehmen
Neben dem Bargeld in Höhe von 1000 Euro sind auch
B, das wiederum Lohn zahlt Sichteinlagen in Höhe von 1710 Euro entstanden.

¾ Ergo: Neben dem Bargeld Aus Sicherheitsgründen verleiht die Bank nie die volle
Summe an Spareinlagen (hier Reserve von zehn Prozent,
entstehen auch Sichteinlagen die meist an die Zentralbank geht (Mindestreserve)

(gespartes Geld auf Konten)

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Stabilität des Geldes als Ziel
¾ Nur knappes Geld ist wertvoll
und hat Kaufkraft
¾ Die Notenbank muss die
Geldmenge steuern
¾ Aber: Geld wird nicht nur von
der Notenbank sondern auch
im privaten Banksektor
geschaffen Wesentliches Ziel der EZB ist die Geldwertstabilität. Das
Nebenziel der EZB ist die Unterstützung der allgemeinen
Wirtschaftspolitik.
¾ Steuerung der Geldmenge
Die FED hat als Ziel die Preisniveaustabilität unter
über den Preis für Geld, also Beachtung der Wachtums- und Beschäftigungsziele
den Zins

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Ziele und Zwischenziele
¾ Hauptziel ist die Geldwertstabilität
¾ Zwischenziele zur Erreichung des
Hauptziels sind die Geldmenge, die Zinsen
und Inflationsrate selbst sowie der
Wechselkurs

Eurosymbol vor dem Eurotower

Instrumente der EZB


¾ Offenmarktpolitik, bei der die EZB Wertpapiere kauft und verkauft
¾ Fazilitätenpolitik, bei der sich Geschäftsbanken kurzfristig Geld von der
EZB leihen oder Geld bei der EZB anlegen
¾ Mindestreservepolitik, bei der die EZB eine Hinterlegung für Einlagen
(Geld der Kunden auf den Konten) von den Geschäftsbanken fordert

39
¾ Bis 1933 war Geld durch Gold in den
USA gedeckt (Ausnahme:
Sezessionskrieg)
¾ Die Regierung unter Franklin D.
Roosevelt verbietet den Goldbesitz
¾ Die USA garantieren den Umtausch von
Dollar in Gold ab 1933 weiter im
internationalen Handel (35 USD = 1
Unze Gold)
¾ Aufhebung des internationalen
Umtauschs von Dollar in Gold durch
US-Präsident Nixon im August 1971
(Ende von Bretton Woods)
¾ Fazit: Loslösung vom Gold führte zu
dauerhafter Inflation, bei der
Kreditnehmer entlastet wurden
Quelle: US Census Bureau, FED

40
Vor dem 2. Weltkrieg schwankte das
nominale Bruttoinlandsprodukt stark:
¾ Unternehmen befürchten Deflation
und planen ihre
Investitionsentscheidungen
vorsichtiger
¾ Privathaushalten konsumieren
vorsichtiger und sparen mehr
Ab 1950 kein Rückgang des nominalen BIP, Quellen: NBER, FED, NBER Working Paper 8860

also des Werts produzierten Güter in Geld:


¾ Folge: Unternehmen investieren in
Erwartung steigender Umsätze mehr
¾ Verminderter Krisengefahr führt zum
Schuldenanstieg bei Privathaushalten
¾ Privathaushalte verringern ihre
Sparquote und Unternehmen ihre
Eigenkapitalquote
Quelle: Economist

41
Volkswirtschaftliche Krisen –
in der Geschichte und heute

42
Eine Blume wird zum Statussymbol
¾ Der Botaniker Carolus Clusius nimmt die Tulpe
aus Konstatinopel mit nach Wien
¾ 1593 nimmt Clusius eine Stelle als Professor in
Leiden an und nimmt seine Tulpensammlung mit
nach Holland
¾ Die fremdartige Blume gefiel vielen Bürgern und
wurde bald zum Statussymbol
¾ Der steigende Tulpenpreis zog immer mehr
Spekulanten an.
Abbildung einer Semper Augustus
Investmentidee und billiges Geld
¾ Die Tulpe als Investmentidee war schwer zu züchten und knapp
¾ Billiges Geld aufgrund der Erfolge niederländischer Überseehändler
¾ Die Tulpe wurde auch auf Kredit und in Form von Kaufverträgen mit
einem in der Zukunft liegenden Lieferdatum gehandelt

43
Die Tulpenzwiebel-Blase
¾ Der Handel mit Tulpen und Tulpenzwiebeln fand
in Kneipen statt
¾ Von 1634 bis 1637 stieg der Preis für eine
Tulpenzwiebel um das fünzigfache
¾ Im Hochpunkt entsprach der Wert einer
Tulpenzwiebel dem 40fachen Jahresgehalt eines
Zimmermanns
¾ Anfang 1637 kam es zum ersten Preisrutsch
Broschüre zu Tulpen um 1673

¾ Der Preisrutsch löste eine Verkaufspanik aus, in der der Preis für die
Tulpenzwiebel um 99 Prozent fiel
¾ Züchter verlangten weiter die Abnahme der Tulpen, doch die Floristen
weigerten sich.
¾ Die Folge: Zerrütteten Geschäftsbeziehungen, Gerichtsprozesse,
verarmte Tulpensammler und ein Wirtschaftsabschwung

44
` Des Königs Problem John Law (1671 bis
1729): Der Sohn eines
Goldhändlers aus
o Ludwig der XIV hinterließ Schottland befürwortet
seinem durch zahlreiche Kriege Papiergeld

und Prunkbauten enorm hohe


Schulden
o Die französische Krone sah sich
mit der Gefahr des ` John Laws Lösung
Staatsbankrotts konfrontiert
o Der Papiergeldtheoretiker
o Die desolate finanzielle Situation
veröffentlichte 1705 sein Buch
erschwerte dem König den Kauf
„Betrachtungen über das Geld
von Edelmetallen zur Prägung
und den Handel einschließlich
von Münzen
eines Vorschlags zur
Geldbeschaffung“
Philipp II von Orleans: o Er plädierte für die Einführung
(1674 bis 1723):
Der Präsident des von Papiergeld, das durch Grund
Regentschaftsrats lernte
John Law 1707 kennen
und Boden gedeckt war
o Papiergeld erspart den Einsatz
teurer Edelmetalle bei der
Münzprägung

45
Ansatz zu einem modernen Finanzsystem
¾ 1716 gründete Law mit Erlaubnis der
Krone die Banque Générale in Paris
¾ Die Bank hatte ein Grundkapital von sechs
Millionen Livre (drei Viertel Staatsanleihen
und ein Viertel Münzen)
¾ Die Banque Générale hatte Erlaubnis zur
Geldausgabe Geldrücknahme gegen Gold
¾ Die Geldausgabe florierte bis 1720,
danach verlor die Bank das Vertrauen der
Franzosen John Law gründete 1716 mit der
Banque Générale die erste Zentralbank.
¾ Grund: Ab 1718 wurde immer mehr Das Papiergeldsystem war zunächst ein
Erfolg. Doch das Drucken von Banknoten
Papiergeld gedruckt und es kam zu einer (ohne Wissen von Law) führte zu Inflation.
Die Menschen wollten nun ihr Papiergeld
Inflation gegen Gold umtauschen. 1720 kam es
zum Zusammenbruch der Bank.

46
¾ 1717 gründete John Law die
Mississippi-Kompagnie
¾ Ziel der Gesellschaft: Ausbeutung
der Kolonien in Amerika, später
auch in Indien, Afrika und China
¾ Gerüchte über Goldfunde heizten
die Nachfrage nach Aktien an
¾ Law nutzte das Geld aus dem Quelle: Peter N. Martin: Die großen Spekulationen

Verkauf von Aktien zum Aufkauf der Geschichte. 3. Auflage, 1993

der Staatsschulden Law schuf nicht nur ein innovatives Geldsystem,


auch seine Werbestrategien waren innovativ. Law
finanzierte viele Flugblätter und Bücher, in denen
¾ Die Gesellschaft wandelte die Autoren Lousiana als ein wahres Eldorado anpreisen.
Die Werbung führte dazu, dass immer mehr Franzosen
Staatsschulden zu einem ihr Glück dort suchten und die Aktie der Mississippi-
Kompagnie enorm stiegen. 1720 berichteten jedoch
langfristigen niedrig verzinsten Rückkehrer über den Schwindel. Der Aktienkurs
brach dadurch deutlich ein.
Darlehen

47
Chance durch neue Technologie Entwicklung der Eisenbahn- Aktien

¾ Eisenbahnen sorgen für neue


Perspektiven beim Handel und
Transport
¾ Das Wissen um die Vorteile der
neuen Technik war bekannt, die
Erfahrung um die Tragfähigkeit
des Geschäftsmodells fehlte Quelle: Marc Faber: Zukunftsmarkt Asien. 2004

¾ Aufgrund von Überinvestition Eisenbahnen sorgten im 19. Jahrhundert mit dafür,


dass ein globaler Markt entstand. Auch die Investoren
fielen die Frachtraten im waren von den Großprojekten begeistert, was den
Aktien Auftrieb gab. Die Finanzierung von mehr und
Transport und Eisenbahnen mehr Linien führte zu einem harten Konkurrenzkampf,
gingen bankrott was nachfolgend immer wieder zu Kursrückschlägen
führte. Viele Eisenbahngesellschaften gingen nach dem
internationalen Aktiencrash von 1873 und noch mehr
¾ Parallele zur New-Economy-Blase in der Rezession von 1893 bis 1896 Bankrott.

um die Jahrtausendwende sind


deutlich vorhanden

48
¾ Das Deutsche Reich hatte im
ersten Weltkrieg eine riesige
Schuldenlast aufgetürmt
¾ Hinzu kamen noch die
Reparationsforderungen der
Siegermächte
¾ Die Regierung druckte Geld
in ungeheuren Mengen (30
Papierfabriken und 30000
Menschen waren damals mit
der Herstellung von
Banknoten beschäftigt)

Quelle: Brescani-Turroni, Constantino: The Economics of Inflation. 1931

49
Inflation ist unsozial Entwicklung der Reallöhne in der Weimarer Republik

¾ Lohnempfänger, Empfänger von


Sozialtransfers und Sparer zählen
zu den Verlierern der Inflation
¾ Unternehmer zählen zu den
Gewinnern (Verringerung der
realen Kreditlast)
¾ Eigentümer von Sachvermögen Quelle: Brescani-Turroni, Constantino: The Economics of Inflation. 1931

(höhere Gesellschaftsschicht)
können ihr Vermögen real Zur richtigen Hyperinflation kam es ab dem August 1923.
Die Arbeitnehmer und Bezieher von Transfereinkommen
erhalten waren die Verlierer der Inflationszeit.

¾ Ergo: Inflation führt zur Flucht in


Sachwerte

50
Ökonomische Ungleichgewichte
¾ Die Wirtschaft der USA konnte
nach dem ersten Weltkrieg
Konsumgüter in Mengen
produzieren
¾ Europa war ausgeblutet und den
Ländern viel die Umstellung auf
Friedensproduktion schwer
¾ Geflecht aus Schulden der
John Maynard Keynes wurde 1883 in Cambridge
europäischen Sieger gegenüber als Sohn des Ökonomieprofessors John Neville
Keynes geboren. Er studierte Philosophie,
den USA und Reparationen Geschichte, Mathematik und Ökonomie in
behinderte den Aufbau Europas Cambridge. Bekannt wurde er 1919 mit seinem
Buch „Die wirtschaftlichen Folgen des
Friedensvertrages“, in dem er die Deutschland
¾ Es herrschte ein Ungleichgewicht auferlegten Reparationszahlungen als ökonomisch
wiedersinnig bezeichnete. Sein Hauptwerk mit dem
im Handel zwischen Europa und Titel „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des
Zinses und des Geldes“, das 1936 erschein, veränderte
den USA nachhaltig die Makroökonomie.

51
Leichtes Geld und Innovation
¾ Innovationen wie Radios, Autos
Flugzeuge und Telefone sorgten
für Wachstumsphantasie und
Zuversicht bei Bevölkerung und für
einen Aktienkursanstieg
¾ 1927 heizte die US-Notenbank
durch Zinssenkungen (billiges
Geld) den Börsenboom weiter an
¾ Um Geldabflüsse zu verhindern,
Quelle: Dow Jones
erhöhten 1929 die Notenbanken in
Europa ihren Zins Reichlich Geld und Phantasie, das sind die Ingredienzen
für einen ungesunden Börsenboom. In den zwanziger
Jahren war all das vorhanden. Die Notenbanken sorgten
¾ Diese Geldpolitik führte zu einer für billiges Geld, Innovationen wie die Massenproduktion
von Autos, der Flugzeugbau sowie die neuen Radiosender
Verknappung der Liqudität – am für Phantasie. Zinserhöhungen der Notenbanken führten
zum Crash. Die nachfolgende Weltwirtschaftskrise ließ
24. Oktober 1929 folgte der Crash die Kurse weiter sinken.

52
Wirtschaftliche Talfahrt nach 1929
¾Der Aktienmarkt‐Crash sorgte dafür, dass die Haushalte ihre Ausgaben einschränkten 
¾Das führte zu fallender Konsumnachfrage und einem Umsatzrückgang bei den Unternehmen 
¾Die Unternehmen reagierten darauf mit Investitionskürzung und dem Abbau von Arbeitsplätzen
¾Das sorgte wiederum für rückläufige Löhne und Kaufkraft 

Der Finanzsektor als Verstärker der Krise
¾Mehr und mehr Unternehmen gingen Pleite, was wiederum zu Kreditausfällen bei  Banken führte
¾Auch Banken gingen nun bankrott, was zu einem Ausfall der Spareinlagen von Sparern führte
¾Die Haushalte  horteten entsprechend ihr Geld lieber im Sparstrumpf, statt es an Banken zu geben
¾Die Möglichkeit der Banken, Kredite zu vergeben, verringerte sich dadurch zusätzlich 
¾Die daraus resultierende Kredit‐ und Geldknappheit verstärkte den Teufelskreis zusätzlich

53
Vorwurf an die Regierung
¾ Keine auf Kredit
finanzierten Ausgaben
zur Stabilisierung der
US-Wirtschaft
¾ Übertriebener Glaube
an Selbstheilung

Vorwurf an die Zentralbank


¾ Keine Ausweitung der
Geldmenge
¾ Kein Zentralbankgeld
zur Verhinderung von
Bankpleiten
Quelle: Prof. Dr. Paul Bernd Spahn: Makroökonomie 1, 1998

54
Die orthodoxe Lehre der Ökonomie von der Markträumung
hatten in der Krise an Glaubwürdigkeit eingebüßt.
Der Ökonom John Maynard Keynes formulierte - ausgehend von
den Erfahrungen eines relativ starren Lohn-Preis-Gefüges die
These, dass eine Volkswirtschaft in einem Zustand verharren
kann, in dem Produktionsanlagen brach liegen und
Massenarbeitslosigkeit herrscht.
In einer solchen Situation vermag der Staat laut Keynes durch
eine aktive Geld- und Fiskalpolitik gesamtwirtschaftliche
Nachfragelücken zu schließen.
Franklin Delano Roosevelt und sein „New Deal“: Staatliche
Ausgabenprogramme und der Aufbau von Sozialversicherungen,
um der Wirtschaft Auftrieb zu geben.

55
Der Wegfall der Bindung des Geldes an Gold 1933 ermöglicht der
US-Notenbank eine Geldpolitik zur Bekämpfung von Finanzkrisen
Goldpreise von Kitco und Bloomberg

56
Vor dem 2. Weltkrieg schwankte das
nominale Bruttoinlandsprodukt stark:
¾ Unternehmen befürchten Deflation
und planen ihre
Investitionsentscheidungen
vorsichtiger
¾ Privathaushalten konsumieren
vorsichtiger und sparen mehr
Ab 1950 kein Rückgang des nominalen BIP, Quellen: NBER, FED, NBER Working Paper 8860
also des Werts produzierten Güter in Geld:
¾ Folge: Unternehmen investieren in
Erwartung steigender Umsätze mehr
¾ Verminderter Krisengefahr führt zum
Schuldenanstieg bei Privathaushalten
¾ Privathaushalte verringern ihre
Sparquote und Unternehmen ihre
Eigenkapitalquote
Quelle: Economist

57
¾ Ab 1997: Viele US-Privathaushalte
überschätzten Lebenseinkommen
und die Stetigkeit ihres
Einkommensstroms
¾ Ab 1999: Anstieg der
Hypothekenkredite für Konsum
und für Hauskäufe. Die
Immobilienpreise steigen kräftig Quelle: Henry Blodget: House Prices Finally Approaching Fair Value.
19.04.09
¾ Ab 2006: Am Immobilienmarkt
beginnt der Preisverfall
¾ Kreditausfälle bei Banken
schmälern die Kreditvergabe
¾ Folge: Fehlende Kredite und
Gelder führen zum
Wirtschaftsabschwung

Quelle: Henry Blodget: House Prices Finally Approaching Fair


Value. 19.04.09

58
¾ Jede Rückzahlung einer Schuld kommt einer Geldvernichtung gleich
¾ Der Rückgang der Geldmenge führt zu einem Absinken des
Preisniveaus
¾ Das Absinken des Preisniveaus erhöht die reale Schuldenlast
¾ Eine steigende reale Schuldenlast führt zum Nachfragerückgang und
zur Krise

Warnung von Fisher


Der Zusammenprall von
Überschuldung und Deflation
führen zur Überproduktion und
Unterkonsumption und damit zu
einer Depression. Geldhortung
verschlimmerte die Krise.

Quelle: Gabelli Mathers Fund; inklusive Kapitalmarktschulden der Finanzintermediäre,


also des Finanzsektors

59
¾Die Quantitätsgleichung von Irving Fisher:
¾Geldmenge M * Umlaufgeschwindigkeit V = Preisniveau P * Reales Bruttoinlandsprodukt Y

Die Postulate des Monetarismus:


¾ Die Regulierung der Geldmenge die wichtigste Stellschraube
¾ Die Veränderung der Geldumlaufgeschwindigkeit ist bei guter
Geldpolitik gering

Monetarismus in der Kritik


Laut Friedman verursachte eine
restriktive Politik der Notenbank
die Weltwirtschaftskrise.
Aber: Wieso kam es trotz
expansiver Geldpolitik zu der
aktuellen Krise

Quellen: Bloomberg, FED, Hoisington Investment Management

60
Keynes contra Friedman Monetaristisches
Modell

Keynesianisches Modell

Abkürzung: GA = Geldangebot, GN = Gesamtnachfrage

61
Mögliche Lösungsansätze
¾ Expansive Fiskalpolitik der Regierungen mit dem Ziel, die
Nachfragesenkung der Privathaushalte teilweise zu
neutralisieren
¾ Rekapitalisierung des Finanzsystems, um einen restriktive
Kreditvergabe und eine Kontraktion der Geldmenge zu
verhindern
¾ Staatliche Hilfe für Privathaushalte und Unternehmen, die zu
hohe Schulden aufgehäuft haben
Problem: Das Gerechtigkeitsempfinden der Menschen
¾ Privathaushalte, die über ihre Verhältnisse gelebt haben,
erhalten Hilfen durch die Steuerzahler
¾ Vielzahl der überschuldeten Privathaushalte erschwert
Lösungsansatz
¾ Haftung der Steuerzahler für Fehlverhalten von Unternehmen

62
Maßnahmen der US-Zentralbank Maßnahmen der US-Regierung
¾ Beibehaltung des Zielbereichs ¾ Aufkauf von Problemkrediten
für den Leitzins bei 0,00 bis unter Risikobeteiligung des
0,25 Prozent Staates über das Legacy Loan
¾ Käufe von Staatsanleihen in Programm (700 Mrd. USD) und
Höhe von 300 Mrd. USD durch über das Legacy Security Program
die FED im 2. und 3. Quartal
(200 Mrd. USD)
2009
¾ Käufe von Mortgage Backed ¾ Versand von Steuerschecks im
Securities in Höhe von 1250 Wert von 13 Mrd. USD
Mrd. USD ¾ Steigerung des verfügbaren
¾ Käufe von Agency-Bonds in Einkommens um 60 Mrd. USD im
Höhe von 200 Mrd. USD laufenden Quartal über das
¾ Ausweitung der Liquidität für Making Work Pay-Program
Kreditinstitute und großzügige ¾ Höhere Gehälter für Staatsdiener
Bereitstellung von Liquidität
¾ Investitionsprogramm in Höhe von
für die Kreditmärkte
800 Mrd. USD in den Bereichen
Infrastruktur, Bildung, Gesundheit
und Energie-Effizienz
63
¾ Seit 1990 kämpfen Japans
Regierung und Notenbank
gegen die Deflation
¾ Auf Pump finanzierte
Konjunkturprogramme führten
zu einem gewaltigen Anstieg
der Staatsschulden in Japan
¾ Die Regierung stabilisierte
Quellen: FT, Economist
durch die enorme Ausweitung
ihrer Schuldenlast den Privat-
und Unternehmenssektor
¾ Trotz Konjunkturprogramme
keine Überwindung der
deflationären Krise in Japan
¾ Das zeigt: Es ist schwierig, eine
im Laufen befindliche
deflationäre Krise zu stoppen Quellen: FT, Economist

64
Monetisierung der Schulden
¾ Die Notenbank druckt Geld und kauft unbegrenzt Staatsanleihen der US-
Regierung auf
¾ Die Regierung verwendet das Geld der Notenbank zur Finanzierung
riesiger inflationär wirkender Konjunkturprogramme
¾ Die expansive Geldpolitik führt zur Währungsabwertung (importierte
Inflation)

Die Folgen der Monetisierung


¾ Steigende Inflation führt zu steigenden Zinsen (erschwert Verminderung
der realen Kreditlast). Zur Erzeugung nicht antizipierter Inflation muss
immer mehr Geld gedruckt werden
¾ Wirtschaftssubjekte wollen an der Inflation profitieren. Sie nehmen
immer mehr Kredite auf und investieren diese in Sachwerte
¾ Am Ende stehen eine noch größere Schuldenblase, Fehlinvestitionen,
eine Kapitalvernichtung und im Fall einer Hyperinflation ein
Währungsschnitt

65
Die demographische Veränderung –
Herausforderung für unsere Volkswirtschaft

66
¾ Die Vereinten Nationen
schätzen, dass die
Weltbevölkerung bis 2050
um 3 auf 9,3 Milliarden
Menschen zunimmt
¾ Die Bevölkerung wächst in
den Entwicklungsländern in
diesem Zeitraum von 5,5 auf
8,4 Milliarden Menschen
¾ In den Industrieländern
nimmt die Bevölkerung leicht
von 850 auf rund 925
Millionen Menschen zu

67
¾ Der Altenquotient gibt das
Verhältnis der Bevölkerung
über 60 Jahre zu den Personen
im Erwerbsalter von 15 bis 59
Jahren an
¾ Ein steigender Altersquotient
bedeutet steigende Last der
Erwerbsfähigen zur
Versorgung der Rentner
¾ In Japan und in vielen Ländern
Europas dürfte die Gesellschaft
durch die Überalterung
drastisch belastet werden

68
Quelle: Deutsche Bank

69
¾ Politiker hoffen auf zunehmende Produktivität des
Faktors Arbeit
¾ Ziel der Politiker ist die Umverteilung des
Produktivitätsgewinns oder Wachstums an die
verrenteten Baby-Boomer
¾ Der Konflikt zwischen Rentnern und
Beitragszahlern ist programmiert
¾ Bei der Finanzierung der Beitragslast sind Konflikte
zwischen Unternehmen und Gewerkschaften
absehbar

70
¾ Ältere Menschen stehen Veränderungen der
Umwelt eventuell ablehnend gegenüber
¾ Die Älteren beurteilen wahrscheinlich den
medizinischen Fortschritt positiv
¾ Der Bedarf an Versorgungsleistungen für
Rentner wird zunehmen
¾ Rentner verbringen ihren Urlaub in Ländern
mit warmen Klima und niedrigem
Preisniveau

71
¾ Abnahme der berufstätigen Bevölkerung
¾ Weniger Ideen von jungen, gut
ausgebildeten Arbeitnehmern. Folge:
Weniger Innovation
¾ Strukturelle Veränderung der Ökonomie
¾ Zunehmende Rentenlast für Ökonomie
¾ Mehr Renten bedeutet weniger Investition
¾ Geringer Produktivitätsanstieg

72
¾ Die Politik entscheidet, wieviel Anteil am
Bruttoinlandsprodukt (BIP) die Rentner erhalten
¾ Die Baby-Boomer haben gelernt, das politische und
ökonomische Denken seit 1970 zu dominieren
¾ Ihre Präferenzen differieren stark zur Bevölkerung
als Ganzes
¾ Je mehr von ihnen in Rente gehen, umso mehr
wächst in einer Demokratie der Druck auf die
Politiker, das BIP auf die Baby-Boomer
umzuverteilen

73
¾ Die Gruppe der von 1940
bis 1960 Geborenen
gewinnt in den Demokratien
in Europa künftig stark an
Einfluss
¾ Mit zunehmenden Alter
ändern sich Präferenzen
¾ Wichtige Güter sind für sie:
¾ medizinische Versorgung
¾ Wohlstand
¾ Viel Sicherheit, wenig Risiko
¾ Dienstleistungen

Stephen King: The Lucky and the Losers. HSBC (Hrsg.), Oktober 2004

74
Hohe Rentenzahlungen Hohe Rentenbeiträge für
Erwerbstätige
Sichere soziale und medizinische Finanzierung hoher Sozialbeiträge
Versorgung nur durch Erwerbstätige
Niedrige Dienstleistungspreise – zum Niedrige Löhne für die Dienstleister
Beispiel für Pflege
Stabiler Wert des Finanzvermögens Niedrige Inflation bedeutet keine
und der Rente (niedrige Inflation) reale Entwertung der Rentenlast
Eine gute Versorgung mit Zuwanderung von Pflegepersonale
Dienstleistungen und Gütern und Güterimporte

75
Umlagefinanzierte Rente Kapitalgedeckte Rente
¾ Die Rente ist sicher, nur die Höhe ¾ Karl Marx: „Der Bodenpreis ist
der Altersbezüge ist aufgrund der nichts als die kapitalisierte und
demographischen Entwicklung daher vorausberechnete Rente.“
immer unsicherer ¾ Was für Immobilien gilt, hat seine
¾ Eine gewählte Regierung Gültigkeit auch für Aktien oder
entscheidet über die Höhe der Anleihen. Der Preis ergibt sich aus
Renten. den abdiskontierten Erträgen
¾ Die Gruppe der über 65jährigen ¾ Wer im Alter entspart, erhält dafür
wächst. In 20 Jahren stellen sie die einen am Markt ausgehandelten
Hälfte der Wähler in Deutschland Anteil am Bruttoinlandsprodukt
¾ Gefahr: Die Regierung überfordert ¾ Das Problem: In Deutschland kein
die Arbeitnehmer und Arbeitgeber. kapitalgedecktes Rentensystem
Folge: „Voting by feet“. Kapital und vorhanden
Arbeit flüchten ins Ausland. Die
wirtschaftliche Basis des Landes
verfällt

76
¾ Steuerlast und das
Renteneintrittsalter sind eng
korreliert
¾ Je höher die Steuerlast, umso größer
der Anreiz zum früheren
Renteneintritt
¾ Angelsächsische Länder und Japan
setzen stärker auf das
kapitalgedeckte Verfahren
¾ Je höher die Kapitaldeckung, umso
geringer die öffentlichen
Pensionsausgaben
¾ In Ländern mit Umlageverfahren ist
das Renteneintrittsalter kleiner (Free-
Rider-Problem)
¾ Die ältere Generation ist ein großer
Profiteur des Umlageverfahrens

Stephen King: The Lucky and the Losers. HSBC (Hrsg.), Oktober 2004

77
¾ GeringeLöhne und hohe Sozialabgaben
führen zu Abwanderung (Voting by feet)
¾ Innovative
und junge Arbeitskräfte verfügen
über die Möglichkeit der Auswanderung
¾ Arbeitnehmer,die bleiben, haben die
Möglichkeit des Streiks
¾ Abtauchen in Schwarzarbeit als Ausweg

78
¾ Fehlende Innovation und schrumpfende Zahl an jungen
Arbeitnehmern lässt Wert des Sachvermögens schrumpfen
¾ Zuwanderung ausgebildeter Arbeitnehmer bleibt aufgrund hoher
Sozialabgaben und Steuern aus
¾ Rückläufige Bevölkerungsentwicklung führt zum Rückgang bei
Immobilienpreisen
¾ Weniger junge Leute bedeutet fehlende Innovation, was zum
Preisverfall beim Produktionsvermögen (Fabrikanlagen) führt
¾ Kredite sind nicht mehr voll gesichert und es kommt zu
Kreditausfällen
¾ Kreditschöpfungsmöglichkeit fällt und die Geldmenge stagniert
¾ Fehlende Kredite und fehlendes Geld bedeuten rückläufiges
Bruttoinlandsprodukt
¾ Folge: Die Preise des Sachvermögens sinken

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¾ Die Wirtschaft verfällt, doch die Rentenansprüche bleiben
¾ Sozialabgaben und Steuern sind nicht beliebig steigerbar
(Laffer-Effekt)
¾ Fehlendes Geld bedeutet zunehmender Druck der Regierung
auf die Notenbanken
¾ Finanzierung der Sozialtransfers über die Zentralbank
(Drucken von Geld) plus Mangel an Arbeitnehmern im
Dienstleistungssektor lässt die Preise steigen

¾ Ergo: In einer überalterten Gesellschaft erhöht sich die Gefahr


einer Inflation oder eines Verfalls der Währung

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