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Skript zur Vorlesung

Mathematik Grundlagen
Prof. Dr. Justen
WS 2006/07

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Inhaltsverzeichnis

Grundlegende Begriffe

Lineare Gleichungssysteme - Gauß

Lineare Gleichungssysteme II

Lineare Gleichungssysteme - Matrizen

Matrizen - Determinanten

Komplexe Zahlen

Stetigkeit von Funktionen

Ableitungsregeln

Folgen und Grenzwerte


Mathematik Grundlagen,
Grundlegende Begriffe 1
Grundlegende Begriffe
Zunächst werden einige Grundlegende Begriffe und Schreibweisen aus der Logik und
Mengenlehre zusammengestellt.

Erklärung einer Aussage

Eine Aussage ist ein sprachliches Gebilde, für dass es sinnvoll ist zu fragen, ob es wahr oder
falsch ist.

Es gilt das Zweiwertigkeitsprinzip (wahr/falsch)

Erklärung einer Aussageform

Eine Aussageform enthält mindestens eine Variable. Durch Einsetzung (von Elementen einer
Grundmenge) für die Variablen entsteht aus einer Aussageform eine Aussage.

All-Aussage, Existenzaussage (Beispiele)

Für alle reellen Zahlen gilt: (a+b)²=a²+2ab+b²


∀ a, b ∈ R: (a+b)²=a²+2ab+b²
Es gibt eine reelle Zahl, die mit sich selbst multipliziert die Zahl 2 liefert.
∃ x ∈ R: x²=2

Verknüpfung von Aussageformen und Aussagen

Negation ¬A nicht A
Konjunktion A∧ B A und B
Disjunktion A∨B A oder B (oder beides)
Implikation A⇒B wenn A, dann B
Äquivalenz A⇔ B A genau dann, wenn B

Verknüpfungstafeln

A B ¬A A∧B A∨B A⇒B A⇔ B


W w f w w w w
W f f f w f f
F w w f w w f
F f w f f w w

Erklärung einer Menge

Eine Menge ist eine Zusammenfassung von bestimmten, wohlunterschiedenen Objekten zu


einem Ganzen. Jedes Objekt heißt Element der Menge. (Cantor)
Mathematik Grundlagen,
Grundlegende Begriffe 2
Bspl.:

-Menge der natürlichen Zahlen:


-Lösungen der Gleichung 2x²+3x-2=0 : M 1

- Menge der Buchstaben des deutschen Alphabets: M 2

Schreibweisen:

1∈
-2 ∉
-2 ∈ M 1

0∈M 1

a∈M 2

aa ∈ M 2

Beschreibung einer Menge (Beispiele)

a) Durch Aufzählung: M ={-2,0,5}; ={1,2,3,…}


1

b) Durch Angaben einer definierten Eigenschaft:


M ={x | 2x²+3x-2=0}; M ={x | x ist Buchstabe}
1 2

Symbol für leere Mengen

{ }

Wichtige Zahlenmengen

- Menge der natürlichen Zahlen: ={1,2,3,…}


- Menge der ganzen Zahlen: ={-2,-1,0,1,2}
- Menge der rationalen Zahlen: ={x | x=p/q, p ∈ , q∈
- Menge der reellen Zahlen:
- Menge der komplexen Zahlen:

Definition gleicher Mengen

Zwei Mengen A und B heißen gleich, wenn jedes Element von A auch zu B gehört und jedes
Element von B auch zu A.
Schreibweise: A=B bzw. A≠B

Definition einer Teilmenge

Eine Menge A heißt Teilmenge einer Menge B, wenn jedes Element von A auch Element von
B ist.
Schreibweise: A⊆B
Beispiel:
⊆ ⊆ ⊆ ⊆
Mathematik Grundlagen,
Grundlegende Begriffe 3
Mengenoperationen

Definition einer Schnittmenge

Es seien A und B Mengen


Die Menge aller Elemente, die sowohl zu A als auch zu B gehören, heißt Schnittmenge von A
und B.
Schreibweise: A∩ B
Es gilt: A ∩ B = {x|x ∈ A ∧ x ∈ B}

Definition von Vereinigungsmengen

Es seien A und B Mengen


Die Menge aller, die zu mindestens einer der Mengen A oder B gehören heißt
Vereinigungsmenge von A und B.
Schreibweise: A∪ B
Es gilt: A ∪ B = {x|x ∈ A ∨ x ∈ B}

Definition einer Rest-, bzw. Differenzmenge

Es seien A und B Mengen


Die Menge aller Elemente, die zu A und nicht zu B gehört, heißt Restmenge(Differenzmenge)
(von A bezüglich B).
Schreibweise: A\B
Es gilt: A\B={x|x ∈ A ∧ x∉B}

Satz

Für alle Mengen A, B, C gilt:


a) (A ∩ B) ∩ C = A ∩ (B ∩ C) (A ∪ B) ∪ C = A ∪ (B ∪ C)
b) A ∩ B = B ∩ A A∪ B = B∪ A
c) { } ∩ A = { } { }∪A = A
d) A ∩ A = A A∪ A = A
e) A ∩ B = A, falls A ⊆ B A ∪ B = B falls A ⊆ B
f) A ∩ (B ∪ C) = (A ∪ B) ∩ (A ∪ C)
g) A ∪ (B ∩ C) = (A ∩ B) ∪ (A ∩ C)

Betrachtung Der rationalen Zahlen

2 ist keine rationale Zahl, d.h.

Beweis (indirekt):
Annahme: 2 ∈
Dann gibt es p, q ∈ mit 2= p .
q
Dabei können p und q als Teilerfremd angenommen werden(sonst kürze man eben vorher).
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Grundlegende Begriffe 4

Also 2= p Î
q
2
2= p Î
q2
p²= 2q² Î
p² ist durch 2 teilbar Î
p ist durch 2 teilbar Î
p² ist durch 4 teilbar Î
q² ist durch 2 teilbar Î
q ist durch 2 teilbar
Damit: p und q sind beide durch 2 teilbar. Das ist aber ein Widerspruch zur Teilerfremdheit
von p und q! Dieser Widerspruch kann nur herrühren von der obigen Annahme. Diese muss
falsch sein und damit muss ihr Gegenteil, 2 ∉ , wahr sein.

Rationale und reelle Zahlen als Dezimalzahlen


Die reellen Zahlen kann man sich vorstellen als die Menge aller Dezimalzahlen beliebiger
Form.
Die rationalen Zahlen darunter sind die abbrechenden oder periodischen Dezimalzahlen. Denn
jeder Bruch lässt sich als abbrechende oder periodische Dezimalzahl schreiben und
umgekehrt.

Gesetze der Addition

1. Je zwei Zahlen a, b ∈ ist genau eine reelle Zahl a+b zugeordnet.


2. Für alle a, b ∈ gilt: a+b = b+a
3. Für alle a, b, c ∈ gilt: (a+b)+c = a+(b+c)
4. Es gibt in genau eine Zahl 0 mit a+0 = a für alle a ∈
5. Zu jeder Zahl a ∈ gibt es genau eine Zahl a* ∈ mit a+a* = 0
Schreibweise: a* = -a

Gesetze der Multiplikation

1. Je zwei Zahlen a, b ∈ ist genau eine reelle Zahl ab zugeordnet.


2. Für alle a, b ∈ gilt: ab = ba
3. Für alle a, b, c ∈ gilt: (ab)c = a(bc)
4. Es gibt in genau eine Zahl1 mit a1 = a für alle a ∈
5. Zu jeder Zahl a ∈ gibt es genau eine Zahl a* ∈ mit aa* = 1
Schreibweise: a* = a −1 = 1
a

Distributivgesetz (für Addition und Multiplikation)

Für alle a, b, c ∈ gilt: a(b+c) = ab+ac

Gesetze der Anordnung

1. Für je zwei Zahlen a, b ∈ gilt genau eine der Beziehungen: a<b, a=b, b<a
2. Für alle a, b, c ∈ gilt: (a<b ∧ b<c) = a<c
3. Für alle a, b, c ∈ gilt: a<b ⇔ a+c < b+c
4. Für alle a, b, c ∈ gilt: a<b ⇔ ac < bc, falls c>0
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Grundlegende Begriffe 5
Abkürzungen

a ≤ b steht für a < b ∨ a = b


a ≥ b steht für a > b ∨ a = b
+ +
= {x|x ∈ ∧ x > 0}, 0 = {x x ∈ ∧ x ≥ 1}

= {x x ∈ ∧ x < 0} , 0 = {n ∈ ∨ n = 0}

Definition der Betragsschreibweise

Sei x ∈ . Der von x, |x|, wird wie folgt definiert:


|x| = x, falls x ≥ 0 und sonst –x
Es gilt: -c ≤ x ≤ c ⇔ |x| ≤ c für jedes c > 0

Satz(Dreiecksungleichungen):

Für alle a, b, ∈ gilt:

a) |a+b| ≤ |a| + |b|


b) |a-b| ≤ |a| + |b|
c) |a-b| ≥ |a| - |b|
d) |ab| = |a| * |b|

Intervalle

Bei der Behandlung von Funktionen spielen Intervalle als spezielle Teilmengen von eine
wichtige Rolle.

Abkürzungen

[a, b] = {x| a ≤ x ≤ b} ⇒ abgeschlossenes Interval


[a, b) = {x| a ≤ x < b} ⇒ rechtsoffenes Interval
(a, b] = {x| a< x ≤ b} ⇒ linksoffenes Interval
(a, b) = {x| a< x < b} ⇒ offenes Interval
[a, ∞ ) = {x| x ≥ a}
(- ∞ , ∞ ) = {x| x ∈ } =

Vollständige Induktion

Die reellen Zahlen bilden in der Ingenieurmathematik die mit Abstand wichtigste
Zahlenmenge. Doch auch die natürlichen Zahlen sind hier von Bedeutung, so etwa in der
Wahrscheinlichkeitsrechnung oder in der Informatik.

Aussagen über die natürlichen Zahlen beweist man meist durch die sogenannte vollständige
Induktion. Es handelt sich um ein Verfahren, das der Struktur dieser einfachen Zahlenmenge
angepasst ist.
Mathematik Grundlagen,
Grundlegende Begriffe 6
Bspl.:
Man beobachtet:
1 =1
1+3 =4
1+3+5 =9
1+3+5+7 =16
1+3+5+7+9 =25

Vermutung:
Für alle n ∈ gilt: 1+3+……(2n-1) = n²
n
In Summenschreibweise: ∑ (2i − 1) = n
i =1
2

Prinzip der vollständigen Induktion


Eine Behauptung A (n ) gilt für alle natürlichen Zahlen, wenn
( I ) A (1) gilt und
( II ) A (k ) ⇒ A (k +1) gilt d.h. aus A (k) stets A (k +1) folgt.
( I ) Induktionsanfang, ( II ) Induktionsschritt

Bspl.:

n
1
∑ j( j + 1)
j=1

1
1 1
n = 1: ∑ j( j + 1) = 1* 2 = 2
j=1

2
1 1 1 2
n = 2: ∑ j( j + 1) = 2 + 6 = 3
j=1

3
1 1 1 1 3
n = 3: ∑ j( j + 1) = 2 + 6 + 12 = 4
j=1

Vermutung:
n
1 n
Für alle n ∈ gilt: ∑ j( j + 1) = n + 1
j=1

Beweis:

1
1 1 1
(I) A (1) : ∑ = = Das gilt offenbar
j=1 j( j + 1) 1 + 1 2

k
1 1 k 1
( II ) A (k ) : ∑ + = +
j=1 j( j + 1) (k + 1)(k + 2) k + 1 (k + 1)(k + 2)
Mathematik Grundlagen,
Grundlegende Begriffe 7
k(k + 2) + 1
=
(k + 1)(k + 2)

k 2 + 2k + 1 (k + 1) 2
= =
(k + 1)(k + 2) (k + 1)(k + 2)

k +1
1 k +1
Also: A (k ) : ∑ =
j=1 j( j + 1) k+2

Würde man den Induktionsanfang ( I ) weglassen (was natürlich nicht geht), so könnte man
z.B. die falsche Aussage A (n) : n = n+1 (als wahr) beweisen.
Würde man den Induktionsschritt ( II ) weglassen, so könnte man beweisen:
A (n ) = n 2 − n + 41 ist Primzahl. (Liefert die Formel nicht immer Primzahlen?)

Behauptung.:
A (n ) : n 2 − n + 41 ist Primzahl

Beweis:
(I) A (1) : 41 ist Primzahl
A (2) : 43 ist Primzahl
A (3) : 47 ist Primzahl
A (10) : 131 ist Primzahl
A (20) : 421 ist Primzahl
A (40) : 1601 ist Primzahl
A (41) : 41² ist keine Primzahl

Übung:

Zeige: Für alle n ∈ und q ≠ 0, q ≠ 1 gilt:


n
1 − q n +1

i =0
q i
=
1− q

Beweis:
2
1 − q2
(I) ∑
i =0
q =
i

1− q
, d.h.

1 − q2
1+q =
1− q
(1 + q)(1 − q)
1+q = ⇒ 1+q = 1+q
1− q
Mathematik Grundlagen,
Grundlegende Begriffe 8
Satz

Für alle n ∈ n ≥ 2 und für alle a∉ mit a > -1, a ≠ 0 gilt:


(1 + a) 2 > 1 + na

Beweis:

(I) A (2) :
(1 + a) ² > 1 + 2a ⇔
1 + 2a + a² > 1 + 2a ⇔
Gilt wegen: a² > 0

( II ) A (k) :
(1 + a) k > 1 + ka ⇔
(1 + a) (1 + a) >
k
(1 + ka)(1 + a) ⇔
(1 + a) k +1 > 1 + ka + a + ka² ⇔
k +1
(1 + a) > 1 + (k + 1)a + ka² > 1 + (k + 1)a ⇒
144444 42444444 3
ka 2 > 0
k +1
⇒ Transitivität ⇒ (1 + a) > 1 + (k + 1)a

A (k +1) :
(1 + a) k +1 > 1 + (k + 1)a wegen ka² > 0
Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Gauß Verfahren
3
Lineare Gleichungssysteme

Lineare Gleichungssysteme tauchen innerhalb größerer mathematischer Problemstellungen


auf, etwa bei der Integration der gebrochen-rationalen Funktionen oder bei der Lösung von
Differentialgleichungen.
Sie kommen auch direkt in den Anwendungen vor, z.B. Bei der Ströme in einem elektrischen
Netzwerk.

Definition

Es seien a ik , bi ∈ ;i = 1, 2,....., m, k = 1, 2,....., n dann heißt

a11x1 + a12 x 2 + a1n x n = b1


a 21x1 + a 22 x 2 + a 2n x n = b 2
.
.
.
a m1x1 + a m2 x 2 + a mn x n = b m

Ein lineares Gleichungssystem mit m Gleichungen und n Variablen oder ein (m,n)-System.
Die Zahlen a ik heißen Koeffizienten des Systems. Dabei ist i der Zeilenindex und k der
Spaltenindex.
Die Zahlen bi heißen die rechten Seiten des Systems.
Wenn bi = 0 für i = 1,2,……,m gilt, heißt es homogen, sonst inhomogen.
Für alle m=n heißt das System quadratisch.

Gauß’sches Eliminationsverfahren (Beispiel)

Gegeben sei das (3,3)-System

4x1 + 2x 2 − 2x 3 = −2 (a)
−3x1 + x 2 = 6 (b)
x1 − 4x 2 + 2x 3 = −9 (c)

Zunächst wird das System in die sogenannte Dreiecksform gebracht, aus der sich die
Unbekannten x1 , x 2 und x 3 leicht berechnen lassen.

Durch Vertauschung der ersten und dritten Zeile erhalten wir:

x1 − 4x 2 + 2x 3 = −9 (a’) = (c)
−3x1 + x 2 = 6 (b)
4x1 + 2x 2 − 2x 3 = −2 (c’) = (a)
Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Gauß Verfahren
3
Wir formen um zu:

x1 − 4x 2 + 2x 3 = −9 (a’)
−11x 2 + 6x 3 = −21 (b’) = (b) + 3(a’)
18x 2 − 10x 3 = 34 (c’’) = (c) – 4(a’)

Und weiter zur Dreiecksform:

x1 − 4x 2 + 2x 3 = −9 (a’)
−11x 2 + 6x 3 = −21 (b’)
2 4 18
x3 = − (c’’’) = (c’’) + (b’’)
11 11 11

Aus (c’’’) folgt: x3 = 2


Einsetzung in (b’’) liefert: x2 = 3
Einsetzung in (a’) liefert: x1 = −1

Lösung des Systems: x1 = −1 , x 2 = 3 , x 3 = 2

Zur Vereinfachung geht man zu einer verkürzten Darstellungsform über.

Beispiel:

x1 - 3 x 2 + 5 x 3 = 26 (a)
2 x1 - 2 x 2 + x 3 = 12 (b)
-3 x1 + 5 x 2 - 6 x 3 = 2 (c)

Kurzschreibweise:

1 -3 5 26 (a)
2 -2 1 12 (b)
-3 5 -6 2 (c)

Umformung ergibt:

1 -3 5 26 (a)
4 -9 -40 (b’) = (b) – 2(a)
-4 9 80 (c’) = (c’) + (b’)

Weiter:

1 -3 5 26 (a)
4 -9 -40 (b’)
0 40 (c’’) = (c`) + (b’)

(c’’) bedeutet: 0 x 3 = 40, d.h. es gibt keine Lösung!


Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Gauß Verfahren
3
Wir hatten bisher die Fälle:
Genau eine und keine Lösung, folgendes Beispiel zeigt den dritten möglichen Fall:

Unendlich viele Lösungen.

Beispiel:

3 x1 + x 2 -2 x 3 =3 (a)
24 x1 +10 x 2 -13 x 3 =25 (b)
-6 x1 -4 x 2 + x 3 =-7 (c)

3 1 -2 3 (a)
2 3 1 (b’) = (b) – 8(a)
-2 -3 -1 (c’) = (c) + 2(a)

3 1 -2 3 (a)
2 3 1 (b’)
0 0 (c’’) = (c’) + (b’)

Die Gleichung 0 x 3 = 0 ist für jeden Wert von x 3 wahr.


Setze x 3 = λ (Lösungsparameter), λ ∈

1 − 3λ 1 3
2 x 2 + 3 λ =1 ⇒ x2 = = − λ
2 2 2

1 3 5 7
3 x1 + ( − λ) - 2λ = 3 ⇒ 3 x1 = + λ
2 2 2 2

5 7
,d.h. x1 =+ λ
6 6
Für jede Wahl von λ ∈ ergibt sich eine spezielle Lösung, z.B. für λ = 0:

5 1
x1 = , x2 = , x3 = 0
6 2
Mathematik Grundlagen 1 Lineare Gleichungssysteme

Wir kehren nun zu den linearen Gleichungssystemen, die uns hauptsächlich interessieren,
zurück.

Satz

Gegeben sei das lineare (n,n)-System Ax = b (in Matrizenschreibweise).


Wenn die Matrix A regulär ist, dann besitzt das System genau die eine Lösung x = A −1 b.

Übung

Beweise den Satz.

A −1 Ax = A −1 b
x = A −1 b

Berechnung der Inversen mittels des Gauß’schen Eliminationsverfahrens (Beispiel)

⎛1 2 2⎞
⎜ ⎟
A = ⎜1 1 1⎟
⎜3 1 0⎟
⎝ ⎠

⎛1 2 2 1 0 0⎞ ⎛1 2 2 1 0 0⎞ ⎛1 2 2 1 0 0⎞
⎜ ⎟ ⎜ ⎟ ⎜ ⎟
( A E ) = ⎜ 1 1 1 0 1 0 ⎟ → ⎜ 0 −1 −1 −1 1 0 ⎟ → ⎜ 0 1 1 1 −1 0 ⎟
⎜ 3 1 0 0 0 1 ⎟ ⎜ 0 − 5 − 6 −3 0 1 ⎟ ⎜ 0 0 − 1 2 − 5 1 ⎟
⎝ ⎠ ⎝ ⎠ ⎝ ⎠

⎛ 1 2 0 5 −10 2 ⎞ ⎛ 1 0 0 −1 2 0 ⎞
⎜ ⎟ ⎜ ⎟
→ ⎜ 0 1 0 3 −6 1 ⎟ → ⎜ 0 1 0 3 −6 1 ⎟ → E A -1 ( )
⎜ 0 0 1 −2 5 −1⎟ ⎜ 0 0 1 −2 3 −1⎟
⎝ ⎠ ⎝ ⎠

⎛ −1 2 0 ⎞
⎜ ⎟
⇒ A = ⎜ 3 −6 1 ⎟
-1

⎜ −2 5 −1⎟
⎝ ⎠

Satz (Cramer’sche Regel)

Ax = b sei ein reguläres (n,n).System.


∆ j sei die Matrix, die aus A entsteht, wenn man deren j-te Spalte durch die rechte Seite b
ersetzt.
Dann gilt für die j-te Komponente der Lösung x:

∆j
xj = für j = 1,2,…..,n
A
Mathematik Grundlagen 2 Lineare Gleichungssysteme

Übung

Löse das System

2 x1 + x2 - 2 x3 = 10
3 x1 + 2 x2 + 2 x3 = 1
5 x1 + 4 x2 + 3 x3 = 4

Mit der Cramer’schen Regel

⎛ 2 1 −2 ⎞ 2 1 − 2
⎜ ⎟ TR
A = ⎜ 3 2 2 ⎟ , 3 2 2 = LL A = −7
⎜5 4 3 ⎟ 5 4 3
⎝ ⎠

⎛10 1 −2 ⎞ 10 1 −2
⎜ ⎟ TR
∆1 = ⎜ 1 2 2 ⎟ , 1 2 2 ⇒ ∆1 = −7
⎜4 4 3⎟ 4 4 3
⎝ ⎠

⎛ 2 10 −2 ⎞ 2 10 −2
⎜ ⎟ TR
∆ 2 = ⎜ 3 1 2 ⎟ , 3 1 2 ⇒ ∆ 2 = −14
⎜5 4 3 ⎟ 5 4 3
⎝ ⎠

⎛ 3 2 10 ⎞ 3 2 10
⎜ ⎟ TR
∆ 3 = ⎜ 3 2 1 ⎟ , 3 2 1 ⇒ ∆ 3 = 21
⎜5 4 4 ⎟ 5 4 4
⎝ ⎠

∆1 −7
x1 = = =1
A −7

∆ 2 −14
x2 = = =2
A −7

∆ 3 21
x3 = = = −3
A −7

⎛1⎞
⎜ ⎟
⇒x =⎜ 2 ⎟
⎜ −3 ⎟
⎝ ⎠

⎛ 2 1 −2 ⎞ ⎛ 1 ⎞ ⎛ 10 ⎞
⎜ ⎟ ⎜ ⎟ ⎜ ⎟
Test: Ax = b ⇔ ⎜ 3 2 2 ⎟ ⋅ ⎜ 2 ⎟ ⇒ Ax = ⎜ 1 ⎟ = b
⎜ 5 4 3 ⎟ ⎜ −3 ⎟ ⎜4⎟
⎝ ⎠ ⎝ ⎠ ⎝ ⎠
Mathematik Grundlagen 3 Lineare Gleichungssysteme

Gegeben sei das lineare (m,n)-System Ax = b

a) Ist das System inhomogen (für b nicht lauter Nullen), so besitzt es entweder genau
eine oder unendlich viele Lösungen.
b) Ist das System homogen ( für b nur Nullen), so besitzt es nur die triviale Lösung
(x = 0) oder unendlich viele Lösungen.
Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Matrizen
1
Definition

Eine (m,n)-Matrix ist ein rechteckiges Zahlenschema aus m mal n Zahlen (m,n ∈ ;m,n ≥ 1):

⎛ a11a12 K a1k K a1n ⎞


⎜ ⎟
⎜ a 21a 22 K a 2k K a 2n ⎟
⎜M ⎟
A=⎜ ⎟
⎜ a i1a i2 K a ik K a in ⎟
⎜M ⎟
⎜⎜ ⎟⎟
a a
⎝ m1 m2 K a mk K a mn ⎠

Schreibweise: A = a ik (i = 1, …..,m; k = 1, …..,n)

Eine Matrix vom Typ (1,n) heißt Zeilenmatrix oder Zeilenvektor,


vom Typ (m,1) Spaltenmatrix oder Spaltenvektor.
Bei einer quadratischen Matrix vom Typ (n,n) bilden die Elemente a11 , a 22 ,K a nn die
Hauptdiagonale.

Definition

A = ( a ik ) und B = ( bik ) seien Matrizen vom gleichen Typ, sagen wir (m,n)
A und B heißen gleich, wenn a ik = bik für alle i, k gilt.

Schreibweise: A=B

Definition

A = ( a ik ) sei eine (m,n)-Matrix.


Unter der zu A transponierten Matrix versteht man die (n,m)-Matrix B = bik mit bik = a ki für
alle i,k.

Schreibweise: B= A T
Bei quadratischen Matrizen entsteht A T aus A durch Spiegelung an der Hauptdiagonalen.

Für jede Matrix gilt: (A T )T = A

Beispiel:

⎛ 3 4 3 ⎞
⎛ 3 0 −6 8 ⎞ ⎜ ⎟
⎜ ⎟ 0 7 0
A = ⎜4 7 3 2 ⎟, A =⎜
T ⎟
⎜3 0 1 9 ⎟ ⎜ −6 3 1 ⎟
⎝ ⎠ ⎜ ⎟
⎝8 2 9 ⎠

(3,4) (4,3)
Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Matrizen
2
⎛ 3⎞
⎜ ⎟
0
B=( 3 0 4 −6 ) , B =⎜ ⎟
T
⎜ 4⎟
⎜ ⎟
⎝ −6 ⎠

(1,4) (4,1)

Definition (∑ Matrix)

A = ( a ik ) und B = ( bik ) seien Matrizen vom gleichen Typ. Unter der Summe von A und B
versteht man die Matrix S = ( sik ) mit s ik = a ik + bik für alle i,k.

Schreibweise: S=A+B

Satz (Gesetze der Matrixaddition)

Die folgenden Matrizen seien alle vom gleichen Typ. Dann gilt:

a) A+B=B+A
b) (A+B)+C=A+(B+C)
c) Es gibt genau eine Matrix N mit: A+N=A für alle A
d) Zu jeder Matrix A gibt es genau eine Matrix D mit: A+D=N

N heißt Nullmatrix, für D schreibt man –A

Definition (Multiplikation von Zahl mit Matrix)

A = ( a ik ) sei eine (m,n)-Matrix. Es sei λ ∈ .


Unter dem Produkt λ A versteht man die Matrix C = ( cik ) mit cik = λ a ik für alle i,k.

Schreibweise: λ A=A λ

A und B seien Matrizen vom Gleichen Typ. Dann gilt:

a) λ ( µ A) = ( λ µ )A
b) ( λ + µ )A = λ A + µ A
c) λ (A+B) = λ A + λ B

Definition (Multiplikation von 2 Matrizen)

A = (a ij ) sei eine (m,l)-Matrix und B = (b jk ) eine (l,n)-Matrix.


Unter dem Produkt der Matrizen A und B versteht man die (m,n)-Matrix P = (pik ) mit

l
pik = ∑ a ijb jk für i = 1,…..,m; k = 1,…..,n
j=1

Schreibweise: P=AB
Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Matrizen
3
Übung:
AB=P
⎛1⎞
⎛ 3 4 −1 ⎞ ⎜ ⎟ ⎛ −8 ⎞
Sei A=⎜ ⎟ , B = ⎜ −2 ⎟ = ⎜ ⎟
⎝ 2 −7 6⎠ ⎜ 3 ⎟ ⎝ 34 ⎠
⎝ ⎠
(2,3) (3,1) (2,1)
m,l l,n m,n

3
p11 = ∑ a1jb j1 =a11 * b11 + a12 * b 21 + a13 * b31 [3*1+4*(-2)+(-1)*3]
j=1

3
p 21 = ∑ a 2 j * b j1 = a 21 * b11 + a 22 + b 21 *a 23 + b31 [2*1+(-7)*(-2)+6*3]
j=1

B BT B BT =P
⎛1⎞ ⎛ 1 −2 3 ⎞
⎜ ⎟ ⎜ ⎟
⎜ −2 ⎟ (1 −2 3 ) = ⎜ −2 4 −6 ⎟
⎜ 3⎟ ⎜ 3 −6 9 ⎟
⎝ ⎠ ⎝ ⎠

(3,1) (1,3) (3,3)

1
p31 = ∑ a 31 * b11
j=1

B BT BT B=P
⎛1⎞
⎜ ⎟
(1 −2 3 ) ⎜ −2 ⎟ =(14)
⎜ 3⎟
⎝ ⎠

3
p11 = ∑ a1jb j1 = a11 * b11 + a12 − *b 21 + a13 b31
j=1

⎛ −2 3 1 ⎞ ⎛3 1 1 ⎞
⎜ ⎟ ⎜ ⎟
C = ⎜ 6 −9 −3 ⎟ D = ⎜2 0 1 ⎟
⎜ 4 −6 − 2 ⎟ ⎜ ⎟
⎝ ⎠ ⎝ 0 2 −1 ⎠

(3,3) (3,3)
Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Matrizen
4

⎛0 0 0⎞ ⎫
⎜ ⎟ ⎪
C* D = ⎜ 0 0 0 ⎟ ⎪
⎜0 0 0⎟
⎝ ⎠ ⎪⎪
⎬ CD ≠ DC
⎛ 4 −6 −2 ⎞ ⎪
⎜ ⎟
D *C = ⎜ 0 0 0 ⎟⎪
⎜ 8 −12 −4 ⎟ ⎪
⎝ ⎠ ⎪⎭

Matrizenschreibweise linearer Gleichungen

Gegeben sei das (m,n)_System:

a11 a12 L a1n


a 21 a 22 L a 2n
M
a m1 a m2 L a mn

⎛ a11 a12 L a1n ⎞ ⎛ b1 ⎞ ⎛ x1 ⎞


⎜ ⎟ ⎜ ⎟ ⎜ ⎟
a a 22 L a 2n ⎟ b x
A = ⎜ 21 ,B = ⎜ 2 ⎟,X = ⎜ 2 ⎟
⎜ M ⎟ ⎜ M ⎟ ⎜ M ⎟
⎜ ⎟ ⎜ ⎟ ⎜ ⎟
⎝ a m1 a m2 L a mn ⎠ ⎝ bm ⎠ ⎝ xn ⎠

⎛ a11 a12 L a1n ⎞ ⎛ x1 ⎞ ⎛ b1 ⎞


⎜ ⎟⎜ ⎟ ⎜ ⎟
⎜ a 21 a 22 L a 2n ⎟ ⎜ x 2 ⎟ = ⎜ b 2 ⎟
⎜ M ⎟⎜ M ⎟ ⎜ M ⎟
⎜ ⎟⎜ ⎟ ⎜ ⎟
⎝ a m1 a m2 L a mn ⎠ ⎝ x n ⎠ ⎝ b m ⎠

(m,n) (n,1) (m,1)

Dann ist die Matrizengleichung AX=B eine andere Schreibweise für das obige lineare
Gleichungssystem.

Definition eines neutralen Elementes

Die quadratische (m,n)-Matrix E = (δik ) mit

⎧1 für i = k ⎫
δik = ⎨ ⎬
⎩0 für i ≠ k ⎭

Heißt Einheitsmatrix
Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Matrizen
5
Satz (Regeln für die Matrizenmultiplikation)

Es seien A,B und C Matrizen, E die Einheitsmatrix und λ ∈ so, dass die im Folgenden
genannten Summen und Produkte definiert sind.
Dann gilt:

a) A(BC) = (AB)C
b) AE = A, EA =A
c) A(B+C) = AB + AC, (A+B)C = AC + BC
d) λ (AB) = ( λ A)B = A( λ B)
e) (AB )T = BT A T
f) AB = BA ⇒ A k Bk = (AB ) k für alle k ∈

Bemerkung:
Wie wir wissen, gilt im Allgemeinen AB ≠ BA, A k ist die (von den Zahlen her bekannte)
Potenzschreibweise bei Matrizen.

Definition von Inversen Matrizen

Es sei A eine quadratische Matrix.


B heißt Inverse von A, wenn AB = BA = E gibt. Für den Fall, dass A tatsächlich eine Inverse
besitzt, heißt A regulär, sonst singulär.

Beispiel:

⎛a a12 ⎞ ⎛ x11 x12 ⎞


Sei A = ⎜ 11 ⎟ regulär und X = ⎜ ⎟
⎝ a 21 a 22 ⎠ ⎝ x 21 x 22 ⎠

Die Inverse von A.


Es gilt: AX = E, d.h.

⎛ a11 a12 ⎞ ⎛ x11 x12 ⎞ ⎛ 1 0 ⎞


⎜ ⎟⎜ ⎟=⎜ ⎟
⎝ a 21 a 22 ⎠ ⎝ x 21 x 22 ⎠ ⎝ 0 1 ⎠

a11 x11 + a12 x 21 = 1 a11 x12 + a12 x 22 = 0


a 21 x11 + a 22 x 21 = 0 a 21 x12 + a 22 x 22 = 0

Es folgt (nach etwas Rechnung)

( a11 a 22 - a12 a 21 ) x11 = a 22 ( a11 a 22 - a12 a 21 ) x12 = a12


( a11 a 22 - a12 a 21 ) x 21 = a 21 ( a11 a 22 - a12 a 21 ) x 22 = a11

Setze D = ( a11 a 22 - a12 a 21 ):


Dann existiert X = A −1 genau dann, wenn D ≠ 0 gilt.
Mathematik Grundlagen Lineare Gleichungssysteme - Matrizen
6
Für D ≠ 0 gilt also:

1 ⎛ a 22 −a12 ⎞ ⎛ 2 7 ⎞ −1 1 ⎛ 3 − 7 ⎞
A −1 = ⎜ ⎟ z.B. gilt für ⎜ ⎟:A = ⎜ ⎟
D ⎝ −a 21 a11 ⎠ ⎝ −1 3 ⎠ 13 ⎝ 1 2 ⎠

Satz (Regeln für die Inverse)

Für reguläre Matrizen A und B gilt:

a) ( A −1 ) −1 = A
b) (A T ) −1 = (A −1 )T
c) (A n ) −1 = (A −1 ) n (n ∈ )
d) (AB) −1 = B−1A −1
e) (λA) −1 = λ −1A −1 (λ ∈ \{0})
Mathematik Grundlagen 1 Matrizen-Determinanten

Definition

A = (a ik ) sei eine (2,2)-Matrix.


Dann heißt bekanntlich die Zahl D = a11 a 22 - a12 a 21 die Determinante von A.

a11 a12
Schreibweise: D = |A| = det A=
a 21 a 22

Der Begriff Determinante wird nun auf beliebige quadratische Matrizen erweitert.

Regel von Sarrus für (3,3)-Matrizen, (Bspl.:)

- - - + + +
⎛ 1 −2 3 ⎞
⎜ ⎟
Es sei A = ⎜ 4 0 2 ⎟ . Durch kopieren der Spalten
⎜1 5 6⎟
⎝ ⎠
1 -2 3| 1 -2 1 ⋅ 0 ⋅ 6+(-2) ⋅ 2 ⋅ 1+3 ⋅ 4 ⋅ 5-1 ⋅ 0 ⋅ 3-5 ⋅ 2 ⋅ 1-6 ⋅ 4 ⋅ (-2)
4 0 2| 4 0 = 0-4+60-0-10+48 = 94
1 5 6| 1 5

Entwicklung nach der ersten Zeile

1 −2 3
0 2 4 2 4 0
4 0 2 =1 − (−2) +3
5 6 1 6 1 5
1 5 6

|A| = 1*(-10)+2*22+3*20 = 94

Im Gegensatz zur Regel von Sarrus, die nur für (3,3)-Matrizen gilt, kann das Verfahren der
Entwicklung nach der ersten Zeile auf beliebige (n,n)-Matrizen mit n>1 angewendet werden.

Definition

Es sei A = (a ik ) eine (n,n)-Matrix und U ik diejenige (n-1, n-1)-Matrix, die aus A durch
streichen der 1. Zeile und k-ten Spalte entsteht. Dann heißt die Zahl

n
D = ∑ (−1)(1+ k) a1k U1k
k =1
Mathematik Grundlagen 2 Matrizen-Determinanten

die Determinante von A (Schreibweise wie bisher).

Bemerkung:
A1k = (−1)(1+ k ) U1k heißt Adjunkte von A zum Element a1k . Für die Einelementige Matrix
A = (a) definiert man |A| = a.

Beispiel:

3 1 0 4
−4 2 1 6 4 4
= ∑ a1k A1k = ∑ (−1)(1+ k ) a1k U1k
2 1 0 3 k =1 k =1

4 0 2 −1

= a11 U11 − a12 U12 + a13 U13 − a14 U14

2 1 6 −4 1 6 −4 2 1
= 3 1 0 3 −1 2 0 3 +0−4 2 1 0
0 2 −1 4 2 −1 4 0 2

=…..
=21

Satz (Entwicklung nach i-ter Zeile bzw. k-ter Spalte)

Sei A = ( a ik ) eine (n,n)-Matrix und Uik diejenige (n-1, n-1)-Matrix, die aus A durch streichen
der i-ten Zeile und k-ten Spalte entsteht.
Dann gilt:

k
A = ∑ a ik (−1)(i + k ) U ik für i = 1, ….., n und
i =1
k
A = ∑ a ik (−1)(i + k ) U ik für k = 1, …., n.
i =1
In der ersten Formel wird nach der i-ten Zeile entwickelt (i = 1 Definitionsfall!), in der
zweiten nach der k-ten Spalte.

Beispiel:

3 −4 0 2
0 7 6 3 4
= ∑ (−1)(i +3) a i3 U i3
2 −6 0 1 i =1

5 3 1 −2

= a13 U13 − a 23 U 23 + a 33 U 33 − a 43 U 43
Mathematik Grundlagen 3 Matrizen-Determinanten

3 −4 2 3 −4 2
= 0 ⋅ U13 − 6 2 −6 1 + 0 ⋅ U 33 − 1⋅ 0 7 3
5 3 2 2 −6 1

−6 1 2 1 2 −6 7 3 0 3 0 7
= −6(3 − (−4) +2 ) − (3 − (−4) +2 )
3 −2 5 −2 5 3 −6 1 2 1 2 −6

= −6(3 ⋅ 9 + 4 ⋅ (−9) + 2 ⋅ 36) − (3 ⋅ 25 + 4 ⋅ (−5) + 2 ⋅ (−14)) = -401


Es sollen nun einfachere Verfahren zur Determinantenberechnung entwickelt werden.

Satz

Es seien A und B quadratische Matrizen.


Dann gilt:

a) A T =|A|
b) A = a11 ⋅ a 22 ⋅K a nn (Produkt der Hauptdiagonalen!)
Falls A = ( a ik ) Dreiecksmatrix ist.
c) AB = A B

Satz

Es sei A eine quadratische Matrix.


Dann gilt:

a) A* = − A ,
falls A* aus A durch Vertauschung zweier Zeilen oder Spalten entsteht.
b) A * = λ A ,
Falls A* aus A durch Multiplikation einer Zeile oder Spalte mit λ ∈ entsteht.
c) A * = A ,
Falls A* aus A durch Addition des Vielfachen einer Zeile oder Spalte zu einer anderen
Zeile oder Spalte entsteht.

Mit Hilfe der letzten beiden Sätze kann man eine Determinante in Dreiecksform bringen und
dann leicht berechnen.

Übung

Berechne:
Mathematik Grundlagen 4 Matrizen-Determinanten

2 −6 4 0 1 7 2 1 1 7 2 1
4 −12 −1 2 4 −12 −1 2 0 −40 −9 −2
= − = −
1 7 2 1 Schritt a) 2 −6 4 0 2xSchitt c) 0 −20 0 −2
0 10 3 9 0 10 3 9 0 10 3 9
1 7 2 1 1 7 2 1 1 7 2 1
0 10 3 9 0 10 3 9 0 10 3 9
= = =
Schritt a) 0 −20 0 −2 2xSchitt c) 0 0 6 16 Schritt c) 0 0 6 16
0 −40 −9 −2 0 0 3 34 0 0 0 26

= 1 ⋅10 ⋅ 6 ⋅ 26 = 1560

Satz

Es sei A eine quadratische Matrix:

Dann ist |A| = 0, falls


a) alle Elemente einer Zeile oder Spalte 0 sind
b) zwei Zeilen oder Spalten gleich sind
c) eine Zeile oder Spalte das Vielfache einer anderen Zeile oder Spalte ist.

Wir wollen die Determinante zur Berechnung der Inversen benutzen

Definition

Es sei A eine quadratische Matrix und A ik = (−1) ⋅ U ik die Adjunkte zu ( a ik ).


Dann heißt

B = ((−1)(i + k ) U ik )T = (A ik )T die zu A adjunktierte Matrix (Schreibweise A adj ).

⎛ 3 −2 4 ⎞ A11 = 5 A12 = 20 A13 = 30


⎜ ⎟
A ikA = ⎜6 0 1 ⎟ A 21 = 14 A 22 = −17 A 23 = −19
⎜ 2 5 −3 ⎟ A 31 = −2 A 32 = 21 A 33 = 12
⎝ ⎠

⎛ −5 20 30 ⎞ ⎛ −5 14 −2 ⎞
⎜ ⎟ ⎜ ⎟
A ik = ⎜ 14 −17 −19 ⎟ ⇒ A adj = (A ik ) = ⎜ 20 −17 21 ⎟
T

⎜ −2 21 12 ⎟ ⎜ 30 −19 12 ⎟
⎝ ⎠ ⎝ ⎠

⎛ 3 −2 4 ⎞ ⎛ −5 14 −2 ⎞ ⎛ 65 0 0 ⎞
⎜ ⎟⎜ ⎟ ⎜ ⎟ −1
A ⋅ A adj = ⎜ 6 0 1 ⎟ ⎜ 20 −17 21 ⎟ = ⎜ 0 65 0 ⎟ = A E
⎜ 2 5 −3 ⎟ ⎜ 30 −49 12 ⎟ ⎜ 0 0 65 ⎟
⎝ ⎠⎝ ⎠ ⎝ ⎠

Satz
Mathematik Grundlagen 5 Matrizen-Determinanten

A adj A = A A adj = |A|E

Satz

Es sei A eine quadratische Matrix.


Dann gilt:

a) A ist regulär ⇔ wenn |A| ≠ 0


−1
b) A ist regulär ⇒ A −1 = A ⋅ A adj

Übung

Verwende den letzten Satz zur Berechnung der Inversen von

⎛ 1 −2 3 ⎞ A11 = 3 A12 = 18 A13 = 12


⎜ ⎟
A = ⎜ 4 0 −1 ⎟ A 21 = −1 A 22 = −11 A 23 = −7
⎜ 2 3 −5 ⎟ A 31 = 2 A 32 = 13 A 33 = 8
⎝ ⎠

⎛ 3 −1 2 ⎞
⎜ ⎟ −1
A adj = ⎜ 18 −11 13 ⎟ A =3 A -1 = A A adj
⎜12 −7 8 ⎟
⎝ ⎠
⎛ 3 −1 2 ⎞
1⎜ ⎟
= ⎜ 18 −11 13 ⎟
3⎜ ⎟
⎝12 −7 8 ⎠

Test:

⎛ 1 −2 3 ⎞ ⎛ 3 −1 2 ⎞ ⎛ 3 0 0⎞
−1 ⎜ ⎟1⎜ ⎟ 1⎜ ⎟
A ⋅ A = ⎜ 4 0 −1 ⎟ ⎜ 18 −11 13 ⎟ = ⎜ 0 3 0 ⎟ = E
⎜ 2 3 −5 ⎟ 3 ⎜ 12 −7 8 ⎟ 3 ⎜ 0 0 3 ⎟
⎝ ⎠ ⎝ ⎠ ⎝ ⎠
Mathematik Grundlagen 1 Komplexe Zahlen

Die Komplexen Zahlen sind eine Erweiterung der Menge der reellen Zahlen und
erweisen sich für manche Anwendungen insbesondere in der Elektrotechnik, als
nützliches mathematisches Hilfsmittel.
Innermathematisch kann man diese Erweiterung dadurch motivieren, dass man die Existenz
von Lösungen der Gleichung x² = -1 fordert. Formal bezeichnen wir eine solche Lösung durch
das (nicht definierte) Symbol −1 , das dann keine reelle Zahl darstellen kann.
Es gilt jetzt:

−1 −1 = -1

Allgemein erhalten wir für die quadratische Gleichung x² + px + q = 0 die Lösungen für
2 2
⎛p⎞ p ⎛p⎞
⎜ ⎟ −q ≥ 0: x1/ 2 = − ± ⎜ ⎟ −q und
⎝2⎠ 2 ⎝2⎠

2 2
⎛p⎞ p ⎛p⎞
⎜ ⎟ −q ≤ 0: x1/ 2 = − ± ⎜ ⎟ +q −1
⎝2⎠ 2 ⎝2⎠

Im zweiten Fall erhalten wir Ausdrücke der Form x + −1 mit x,y∈ .

Sei nun z1 = x1 + −1 y1 und z 2 = x 2 + −1 y 2 .

Unter der Verwendung der Rechengesetze reeller Zahlen für solche formalen Ausdrücke
erhalten wir

die Addition: z1 + z 2 = x1 + x 2 + −1 ( y1 + y 2 )
die Multiplikation: z1 ⋅ z 2 =( x1 x 2 - y1 y 2 )+ −1 ( x1 y 2 + y1 x 2 )

Statt des nicht definierten Ausdrucks x + −1 y betrachten wir jetzt -mathematisch korrekter-
Zahlenpaare (x,y) mit x,y ∈ .

Definition
In der Menge { (x,y) | x,y ∈ } aller geordneten Zahlenpaare definieren wir:

a) ( x1 , y1 )+( x 2 , y 2 ) = ( x1 + x 2 , y1 + y 2 ) Addition
b) ( x1 , y1 )( x 2 , y 2 ) = ( x1 x 2 - y1 y 2 , x1 y 2 + x 2 y1 ) Multiplikation

Diese Menge mit den beiden Rechenoperationen heißt Menge der komplexen Zahlen.

Zwei komplexe Zahlen z1 = ( x1 , y1 ) und z 2 = ( x 2 , y 2 ) sind demnach (als Paare) gleich


( z1 = z 2 ) wenn x1 = x 2 und y1 = y 2 ist.

Es folgt weiter, dass die komplexen Zahlen den gleichen Grundgesetzen der Addition und
Multiplikation gehorchen wie die reellen Zahlen.
Subtraktion und Division werden wie in über die inversen Elemente der Addition und
Multiplikation durchgeführt.
Mathematik Grundlagen 2 Komplexe Zahlen

Die folgende Teilmenge von : T = {z | z ∈ , z = (x,0), x ∈ }, können wir mit


identifizieren.
Jedem Paar (x,0) mit 0 als zweiter Komponente ordnen wir die reelle Zahl x zu. Insbesondere
entspricht dem Paar (0,0) die Zahl 0, dem Paar (1,0) die Zahl 1.

Es gilt dann: ({
0,1) (0,1) = (0 ⋅ 0 − 1⋅1 + 0 ⋅1 + 1⋅ 0) = −1
−1
Also entspricht dem Quadrat von (0,1) die reelle Zahl -1

Definition
Es sei x ∈ . Man setzt:

(x,0) = x und (0,1) = j (oder i) und nennt j die imaginäre Einheit.

Ist nun z ∈ und z = (x,y) so kann man schreiben:

z = (x,y) = (x,0) + (0,y) = (x,0) + (y,0)(0,1).


Es folgt:
Z = (x,y) = x + jy

x heißt Realteil, y Imaginärteil von z.

Schreibweise: x = Re z, y = Im z

Definition
Ist z ∈ und z = x + jy mit x,y ∈ , dann bezeichnet man z∗ = x – jy als die zu z konjugierte
Zahl.

Veranschaulichung der komplexen Zahlen

Da die komplexen Zahlen als Zahlenpaare definiert sind, können wir sie mit den Punkten in
einem eben Koordinatensystem identifizieren. Man nennt diese Ebene die Gauß’sche
Zahlenebene.

Die Punkte (x,0) (x ∈ ) bilden die sogenannte reelle Achse, die Punkte (0,y) (y ∈ ) die
imaginäre Achse.

Jede komplexe Zahl z kann man auch durch einen Pfeil, der im Ursprung startet,
veranschaulichen. Zur Unterscheidung von den Vektoren nennt man sie Zeiger. Zur Betonung
der Zeigerdarstellung schreibt man z.
Mathematik Grundlagen 3 Komplexe Zahlen

z = x + jy =(x,y)
z = x - jy =(x,-y)
-z = -(x + jy) =-x - jy =(-x,-y)
- z∗ = -(x - jy) =-x + jy =(-x, y)

Sind z1 und z 2 ∈ , so erhält man z = z1 + z 2 mit Hilfe der Parallelogrammregel.

Definition

Unter dem Betrag z der komplexen Zahl z = x + jy versteht man die Länge des zugehörigen
Zeigers:
z = x 2 + y2
Mathematik Grundlagen 4 Komplexe Zahlen

Darstellungsform komplexer Zahlen

Die bisherige Darstellung einer komplexen Zahl z = x + jy durch die Punktkoordinaten x und
y heißt auch kartesische (oder algebraische) Form. Eine komplexe Zahle als Zeiger lässt sich
auch darstellen durch die Länge r des Zeigers und den Winkel ϕ des Zeigers mit der
positiven reellen Achse.

+
Wir schreiben z = r (cos ϕ + j ⋅ sin ϕ ) r ∈ 0 , ϕ∈ .

Diese Darstellung heißt trigonometrische Form von z, ϕ heißt Argument (oder Winkel) von z
( ϕ = arg(z)), r heißt Betrag von z (r = z ).

Wegen der Periodizität von sinus und cosinus ist ϕ vieldeutig.


Verlangt man z = r (cos ϕ + j ⋅ sin ϕ ) mit r ∈ , ϕ [ 0, 2π ) (man spricht vom Hauptwert von
ϕ ), so ist ϕ eindeutig bestimmt, falls z ≠ 0.

Unter Verwendung der Formel von Euler: e jϕ = cos ϕ + j ⋅ sin ϕ


(die wir erst später beweisen können) gewinnt man die Exponentialform für z: z = re jϕ .

Umwandlung einer komplexen Zahl z = x + jy, gegeben in kartesischer Form, in die


trigonometrische Form (mit Argument ϕ als Hauptwert).
Es gilt für:

⎛y⎞
x>0, y>0 (innerhalb des 1. Quadranten): ϕ = arc tan ⎜ ⎟
⎝x⎠

⎛y⎞
x>0, y<0 (innerhalb des 4. Quadranten): ϕ = arc tan ⎜ ⎟ + 2π
⎝x⎠

⎛y⎞
x<0, y≠0 (innerhalb des 2. oder 3. Quadranten): ϕ = arc tan ⎜ ⎟ + π
⎝x⎠

π
x=0, y>0 (auf positiver imaginärer Achse): ϕ=
2
Mathematik Grundlagen 5 Komplexe Zahlen

3
x=0, y<0 (auf negativer imaginärer Achse): ϕ= π
2

x>0, y=0 (auf positiver reeller Achse): ϕ=0

x<0, y=0 (auf negativer reeller Achse): ϕ=π

x=0, y=0 (Ursprung): ϕ unbestimmt!

Für r gilt immer: r = z = x 2 + y2

Multiplikation und Division in trigonometrischer Form

Addition und Subtraktion komplexer Zahlen sind in der kartesischen Form einfach
durchführbar und anschaulich interpretierbar (Parallelogrammregel).

Multiplikation und Division sind in der trigonometrischen Form ähnlich einfach


durchzuführen und anschaulich zu interpretieren.

Sei z1 = r1 (cos ϕ1 + j sin ϕ1 ) und z 2 = r2 (cos ϕ2 + j sin ϕ2 ).


Unter Verwendung der Additionstheoreme
cos( ϕ1 + ϕ2 ) = cos ϕ1 cos ϕ2 - sin ϕ1 sin ϕ2 und
sin( ϕ1 + ϕ2 ) = sin ϕ1 cos ϕ2 + cos ϕ1 sin ϕ2 erhält man:

z1 z 2 = ( r1 r2 ) ( (cos(ϕ1 +ϕ2 )+jsin(ϕ1 +ϕ2 ) ) und ähnlich:


z1 ⎛ r1 ⎞
= ⎜ ⎟ ( cos(ϕ1 + ϕ2 ) + jsin(ϕ1 + ϕ2 ) ) ( z2 ≠ 0)
z 2 ⎝ r2 ⎠
Komplexe Zahlen in trigonometrischer Form werden multipliziert bzw. dividiert,
indem man die Beträge multipliziert bzw. dividiert und die Argumente addiert bzw.
subtrahiert.

Geometrisch bedeutet die Multiplikation einer komplexen Zahl z1 = r1 (cos ϕ1 + j sin ϕ1 ) mit
der komplexen Zahl z = r(cos ϕ + j sin ϕ ) eine Streckung um das r-fache und eine Drehung
um den Winkel ϕ (im positiven Sinn für ϕ >0 und im negativen Sinn für ϕ <0).

z1 z 2 = r1 (cos ϕ1 + jsin ϕ1 ) ⋅ r (cos ϕ + jsin ϕ)

= ⎡⎣ r1 ( cos ϕ1 + jsin ϕ2 ) ⋅ r ( cos 0° + jsin 0° ) ⎤⎦ ( cos ϕ + jsin ϕ )


= ⎡⎣ r1r ( cos ϕ1 + jsin ϕ1 ) ⎤⎦ ⋅ ⎡⎣1( cos ϕ + jsin ϕ )⎤⎦
= ( r1 ⋅ r ) ( cos ( ϕ1 + ϕ ) + jsin ( ϕ1 + ϕ ) )
Mathematik Grundlagen 6 Komplexe Zahlen

Potenzieren komplexer Zahlen

Gegeben sei eine komplexe Zahl z = r ( cos ϕ + jsin ϕ ) in trigonometrischer Form. Dann gilt:

z n = r n ( cos ( nϕ ) + jsin(nϕ )

Diese sogenannte Formel von Moivre folgt aus der Regel für die Multiplikation in
trigonometrischer Form.

Fundamentalsatz der Algebra

Eine Gleichung n-ten Grades

a n z n + a n −1z n −1 + K + a1z + a 0 = 0

Besitzt in C stets genau n (nicht notwendigerweise verschiedene) Lösungen.

Seien z1 , z 2 ,…, z n die Lösungen, dann gilt (wie in ):

a n z n + a n −1z n −1 + K + a1z + a 0 = a n ( z − z1 )( z − z 2 )K ( z − z n )

Bei ausschließlich reellen Koeffizienten a i ( 0 p i p n ) treten komplexe Lösungen immer als


Paare zueinander konjugiert komplexer Zahlen auf, mit z ist stets auch z* eine Lösung. Für
den Grad n = 2 ist diese Tatsache ja bekannt.

Lösungen (Wurzeln) der Gleichung z n = a

Die Gleichung z n = a = a 0 ( cos α + jsin α ) ( a 0 f 0 ) besitzt genau n verschiedene Lösungen:

z k = r ( cos ϕk + jsin ϕk ) mit r = n a 0 und ϕk =


( α + k2π )
( k = 0,1,K , n − 1) .
n

Die zugehörigen Bildpunkte in der Gauß’schen Zahleneben liegen auf dem Kreis um den
Ursprung mit dem Radius r = n a 0 und bilden die Ecken eines regelmäßigen n-Ecks.
Mathematik Grundlagen 7 Komplexe Zahlen

n a a0
⎛ α α

z 3 = j = 1 ⎜ cos 90°+ jsin 90° ⎟ r = 3 1 =1
⎝ ⎠
90° + 0 ⋅ 2π
ϕ0 = =30°
3
90° + 1⋅ 2π
ϕ1 = =150°
3
90° + 2 ⋅ 2π
ϕ2 = =270°
3

z 0 = cos 30° + jsin 30°


z1 = cos150° + jsin150°
z 2 = cos 270° + jsin 270°
Mathematik Grundlagen 1 Stetigkeit von Funktionen

Wir führen den innermathematisch wichtigen Begriff der Stetigkeit ein.

Definition

f sei auf U ρ ( x 0 ) definiert.


f heißt stetig an der Stelle x 0 , wenn lim f ( x 0 ) gilt.
x →x0

f ist also an einer Stelle x 0 stetig, wenn der Grenzwert an dieser Stelle existiert und gleich
dem Funktionswert ist. Insbesondere muss f also an der Stelle x 0 definiert sein.
Eine zu der obigen äquivalenten Formulierung ist:

lim f ( x 0 + h ) = f ( x 0 )
x →0

Aufgabe:
Zeige f ( x ) = x ist für alle x 0 ∈ stetig.

z.z. lim f ( x ) = f ( x 0 )
x →x0 {
g

f( x ) − f( x0 ) p ε für x − x 0 p δ( ε )
lim x = x 0 d.h. x − x 0 p ε für x − x 0 p δ( ε ) = ε
x →x0

Beispiele:

Jede Ganzrationale Funktion ist für alle x 0 ∈ stetig. Ebenso sind sin x, cos x und e x
für alle x 0 ∈ stetig. Jede gebrochen-rationale Funktion ist an allen Stellen ihres
Definitionsbereichs stetig, ebenso tan x, cot x und ln x.

Aufgabe:
Zeige: f ( x ) = a 0 + a1x + a 2 x 2 + K + a n x n
(Jede ganzrationale Funktion) ist für alle x 0 ∈ stetig.

z.z. lim f ( x ) = f( x0 )
x →x0

Grenzwertsätze:

lim f ( x )
x→x0 x →0
(
= lim a 0 + a1x + a 2 x 2 + K + a n x n )
= lim a 0 + lim a1x + lim a 2 x 2 + K + lim a n x n
x →x0 x→x0 x →x0 x →x0

( ) ( )
2 n
= lim a 0 + a1 lim x + a 2 lim x + K + a n lim
x →x0 x→x0 x →x0 x→x0

= a 0 + a1 x 0 + a 2 x 0 + K + a n x 0
2 n

= f( x0 )
Mathematik Grundlagen 2 Stetigkeit von Funktionen

Definition

f sei auf ( x 0 , V + ρ ) , ρ f 0 , definiert.


f heißt an der Stelle x 0 , rechtsseitig stetig, wenn lim f ( x ) = f ( x0 ) gilt.
x↓x0

Entsprechend wird linksseitige Stetigkeit definiert.

Definition

f heißt auf (a,b) stetig, wenn f für alle x ∈ ( a, b ) stetig ist.


f heißt auf [ a, b ] stetig, wenn f für alle x ∈ ( a, b ) stetig und in a rechtsseitig, sowie in b
linksseitig stetig ist

---------------------------------------------Aufgaben-------------------------------------------------------

Eine auf einer punktierten Umgebung von x 0 definierte, aber dort nicht stetige Funktion
wollen wir unstetig an der Stelle x 0 nennen. Im Folgenden werden Unstetigkeiten nach
verschiedenen Arten klassifiziert.

Definition

Es sei lim f ( x ) = g , jedoch f nicht stetig bei x 0 .


x →x0

Dann heißt x 0 eine hebbare Unstetigkeitsstelle von f.


Ist x 0 eine hebbare Unstetigkeitsstelle von f, so ist entweder lim f ( x ) ≠ f ( x 0 ) oder f ist in x 0
x →x0

nicht definiert.

Im zweiten Falle sagt man auch, f besitzt eine Lücke. Die Unstetigkeit kann behoben werden,
indem man f ( x0 ) zu g (um)definiert.

Beispiel:

⎧ x2 − 4 ⎫
⎪ , x ≠ 2⎪
Sei f ( x ) = ⎨ x−2 ⎬
⎪2, x = 2 ⎪
⎩ ⎭
Mathematik Grundlagen 3 Stetigkeit von Funktionen

Definition

f sei auf U 0 ( x 0 ) definiert. x 0 heißt nun


a) Eine Unstetigkeitsstelle 1. Art oder eine Sprungstelle von f, wenn die einseitigen
Grenzwerte g + und g − existieren, aber g + ≠ g − ist.
b) Eine Unstetigkeitsstelle 2. Art von f, wenn mindestens einer der einseitigen
Grenzwerte g + oder g − an dieser Stelle nicht existiert.

Beispiel:

⎧ ⎛ 1⎞ ⎫
⎪ x ⎜ x + ⎟ , x ≠ 0⎪
1. f( x ) =⎨ ⎝ x⎠ ⎬ hat bei x 0 = 0 eine Sprungstelle
⎪0, x = 0 ⎪
⎩ ⎭
⎛ 1⎞ ⎛ 1⎞
lim f ( x ) = lim x ⎜ x + ⎟ = lim− x ⎜ x + ⎟ = lim− x 2 − 1 = 02 − 1 = −1 = g −
x ↑0 x ↑0
⎝ x⎠ x ↑ 0
⎝ x ⎠ x ↑0

⎛ 1⎞ ⎛ 1⎞
lim f( x ) = lim x ⎜ x + ⎟ = lim x ⎜ x + ⎟ = lim x 2 + 1 = 02 + 1 = g +
x ↓0 x ↓0
⎝ x ⎠ x ↓0 ⎝ x ⎠ x ↓0

g − ≠ g + ⇒ x 0 = 0 ist Unstetigkeitsstelle 1. Art oder Sprungstelle


Mathematik Grundlagen 4 Stetigkeit von Funktionen

⎧x − 2 ⎫
⎪⎪ x − 1 , x p 1⎪⎪
2. f( x ) =⎨ ⎬ hat bei x 0 =1 eine Unstetigkeitsstelle 2. Art
⎪1 ,x ≥1 ⎪
⎩⎪ x ⎭⎪
1 1
lim f ( x ) = lim = = 1 = g+
x ↓1 x ↓1 x 1
x−2
lim f ( x ) = lim = +∞ = g −
x ↑1 x ↑1 x −1
g − existiert nicht ⇒ x 0 =1 ist Unstetigkeitsstelle 2. Art oder Polstelle
Mathematik Grundlagen 5 Stetigkeit von Funktionen

Für den Nachweis der Stetigkeit einer Funktion an einer bestimmten Stelle x 0 sind
folgende Sätze hilfreich

Satz
Seien f1 und f 2 in x 0 stetig.

Dann sind auch die Funktionen f1 ± f 2 ; f1 ⋅ f 2 ;


f1
f2
( )
falls f 2( x0 ) ≠ 0 und f1 stetig in x 0 .

Satz
Sei f in x 0 ∈ D f g in u 0 = f ( x 0 ) ∈ Dg stetig und Wf ⊆ Dg . Dann ist auch die
zusammengesetzte Funktion g ⋅ f stetig in x 0 .

f( x ) = x 2 g ( x ) = 2x + 1
x0 = 2 u g = f( x0 ) = 4 g( x0 ) = g( u0 ) = q
+
Df = Wf = 0 ⊆ Dg

( g ⋅ f ) = g ( f( x ) ) = 2x 2 + 1

Satz

Es sei A ein Intervall. Wenn f : A → Wf auf A stetig und umkehrbar ist, dann ist
f −1 : Wf → A stetig auf Wf und Wf ist ein Intervall.

A=[0,1] Wf =[0,1]
Die folgenden Sätze zeigen wichtige Eigenschaften stetiger Funktionen auf
abgeschlossenen Intervallen.
Mathematik Grundlagen 6 Stetigkeit von Funktionen

Satz
Wenn f auf [a,b] stetig ist, dann ist f dort beschränkt.

1
f( x ) = , Df = ( 0,1)
x

Satz (Satz von Weiherstraß)


Die Funktion f sei auf dem abgeschlossenen Intervall [a,b] stetig. Dann besitzt f dort ein
absolutes Maximum M und ein absolutes Minimum m, d.h. es existieren ein x M ∈ [ a, b ] und
ein x m ∈ [ a, b ] , sodass für alle x ∈ [ a, b ] gilt:

m = f ( xm ) ≤ f ( x ) ≤ f( xM ) = M

Satz (Satz von Bolzano)


Wenn f auf [a,b] stetig und f ( a ) ⋅ f ( b ) p 0 ist, dann existiert ein ξ ∈ ( a, b ) mit f ( ξ ) = 0 .
Mathematik Grundlagen 7 Stetigkeit von Funktionen

Satz (Zwischenwertsatz)
Wenn f auf [a,b] stetig und f ( a ) ≠ f ( b ) ist, dann existiert zu jeder zwischen f ( a ) u. f ( b ) gelegenen
Zahl λ ∈ ein ξ ∈ ( a, b ) , sodass f ( ξ ) = λ ist.
Mathematik Grundlagen 7 Ableitungsregeln

Begriff der Ableitung

Die Differentialgleichung wurde Ende des 17. Jahrhunderts von Newton und Leibniz
unabhängig voneinander entwickelt.
Zur Einführung betrachten wir das Problem die Steigung einer Kurve in einem Punkt zu
definieren und zu berechnen.

Gesucht ist die Steigung der Kurve f im Punkt P. Sie ist gleich der Steigung der Tangenten t,
die sich wiederum als Grenzfall der Sekanten s durch P ergibt.

Definition:
f sei auf einer Umgebung U ( x 0 ) definiert.
f( x0 + h ) − f( x0 )
f heißt differenzierbar in x 0 , wenn der Grenzwert lim existiert.
h x →∞

Dieser Grenzwert heißt Ableitung von f an der Stelle x 0 oder Differenzialquotient an der
Stelle x 0 .
Schreibweise: f '( x 0 )

Beispiel:
f ( x ) = x 2 , bilde f '( 3) , f '( x0 ) ( x 0 beliebig)!

f( x0 + h ) − f( x0 )
lim =
h →0 h
f ( 3+ h ) − f ( 3)
lim =
h →0 h

(3 + h )
2
− 32
lim =
h →0 h
9 + 6h + h 2 − 9
lim =
h →0 h
h (6 + h )
lim = lim 6 + h = 6
h →0 h h →0
Mathematik Grundlagen 7 Ableitungsregeln

f( x0 + h ) − f( x0 ) (x + h)
2
− x 02 x 02 + 2x 0 ⋅ h + h 2 − x 02
lim = lim 0 = lim = lim 2x 0 + h = 2x 0
h →0 h h →0 h h →0 h h →0

f ( x ) = x ist an der Stelle x 0 =0 differenzierbar?

f( x0 + h ) − f( x0 ) 0+h − 0 h
lim = lim = lim
h →0 h h →0 h h →0 h

0+h − 0 h h
lim = lim = lim = 1 = f 'r ( 0)
h ↓0 h h ↓0 h h ↓0 h

0+h − 0
lim = −1 = f 'l( 0)
h ↑0 h

Definition
Es sei δ f 0 und f auf [ x 0 , x 0 + δ] definiert. f ist an der Stelle x 0 rechtsseitig differenzierbar,
f( x0 + h ) − f( x0 )
wenn der rechtsseitige Grenzwert lim existiert.
δ↓ 0 h
Schreibweise: f 'r ( x 0 ) .

Entsprechend definiert man die linksseitige Ableitung.


Mathematik Grundlagen 7 Ableitungsregeln

Beispiel:
Existiert f 'r ( 0) für f ( x ) = x

f( x0 + h ) − f( x0 ) 0+h − 0 h h 1
lim = lim = lim = lim = lim = +∞
h ↓0 h h ↓0 h h ↓0 h h ↓0 h h ↓ 0 h

Definition
Es sei δ f 0 und f auf [ x 0 , x 0 + δ] definiert. f besitzt an der Stelle x 0 eine rechtsseitige
uneigentliche Ableitung, wenn der Grenzwert
f( x + h ) − f( x0 )
lim 0 uneigentlich, d.h. +∞ oder −∞ ist
h ↓0 h

Beispiel:
Betrachte f ( x ) = x sin x −1 für x ≠ 0 und f ( x ) = 0 für x=0
Mathematik Grundlagen 7 Ableitungsregeln

f ist stetig an der Stelle x 0 =0 (früher gezeigt)

Ist f differenzierbar an der Stelle x 0 =0?


f( x + h ) − f( x0 ) h ⋅ sin h h1
lim 0 = lim = lim sin h1 ⇒ existiert nicht!
h →0 h h → 0 h h →0

Definition
f heißt differenzierbar auf (a,b), wenn f für alle x 0 ∈ (a,b) differenzierbar ist.
f heißt differenzierbar auf [a,b], wenn f für alle x 0 ∈ (a,b) differenzierbar ist in a die
rechtesseitige sowie in b die linksseitige Ableitung existieren.

Satz
Wenn f an der stelle x 0 differenzierbar ist, dann ist f’ dort auch stetig.
Die Umkehrung gilt nicht!

Einige wichtige naturwissenschaftliche Begriffe können nur mit Hilfe eines Grenzwerts, der
dem der Ableitung entspricht, exakt definiert werden.
So etwa: Geschwindigkeit als Ableitung der Weg-Zeit Funktion,
Stromstärke als Ableitung der elektrischen Ladung, Druckgefälle und Leistung

Im Folgenden werden Regeln behandelt, die für eine Funktion f die zugehörige
Ableitungsfunktion f’ liefern, die Funktion, deren Wert an jeder Stelle x 0 die Ableitung der
Ausgangsfunktion (sofern existiert) ist. Damit können wir viele Funktionen auf einfache
Weise differenzieren.
Mathematik Grundlagen 7 Ableitungsregeln

Wir ersetzen jetzt beliebiges x 0 durch x, statt f '( x ) schreiben wir auch f ( x ) ' , wenn wir die ( )
Ableitung von f ( x ) an beliebiger Stelle, also die Ableitungsfunktion meinen.

Grundregeln

(c) ' = 0 f ( x ) = c konstante Funktion

( af( ) ) '
x
= af '( x ) f differenzierbar, a konstant

( u ( ) + v( ) )
x x
= u '( x ) + v '( x ) u ( x ) , v( x ) differierbar
h ( x ) = u ( x ) + v( x )
h ( x0 + h ) − h ( x0 )
lim Definition von h ( x )
h →0 h

= lim
( u( x+h) ) (
+ v( x.h ) − u ( x ) + v( x ) ) Bruchrechnung
h →0 h
⎛ u ( x + h ) − u ( x ) v( x + h ) − v( x ) ⎞
= lim ⎜ + ⎟⎟ Grenzwertsatz und
h →0 ⎜ h h
⎝ ⎠
vorrausgesetzte
Differenzierbarkeit
von u ( x ) und v( x )
u( x+h) − u( x) v( x + h ) − v( x )
= lim + Definition der Differierbarkeit
h →0 h h
= u '( x ) + v '( x )

( u ( ) v( ) ) '
x x
= u ( x ) v ' ( x ) + u '( x ) v( x )
⎛ u(x) ⎞ u '( x ) v( x ) − u ( x ) v '( x )
⎜ ⎟' =
⎜ v( x ) ⎟
( v( ) )
2
⎝ ⎠ x

Ableitung von Potenzfunktionen

(x )'
n
= nx n −1 (gültig für beliebiges n ∈ )

Satz
Jede ganzrationale Funktion ist überall differenzierbar und jede gebrochenrationale Funktion
ist an jeder Stelle ihres Definitionsbereichs differenzierbar.

Die Ableitungen der trigonometrischen Funktionen und der Arcus-Funktionen

1
( sin x ) ' = cos x ( arcsin x ) ' =
1− x2
−1
( cos x ) ' = -sin x ( arccos x ) ' =
1− x2
Mathematik Grundlagen 7 Ableitungsregeln

⎛ sin x ⎞ ( sin x ) 'cos x − sin x ( cos x ) ' cos x + sin x


2 2
( tan x ) ' = ⎜ ⎟ ' = =
⎝ cos x ⎠ ( cos x )
2
cos 2 x
1 sin 2 x
= 2
= 1 + 2
= 1 + tan 2 x
cos x cos x
1
( arctan x ) ' = −
1+ x2
( cot x ) ' =
1
2
sin x
(
= − 1 + cot 2 x ) ( arc cot ) ' = −
1
1+ x2

Ableitung von e x und ln x

(e ) '
x
= ex
1
( ln x ) ' =
x

Kettenregel

⎛ ⎞
⎜ f ( g( x ) ) ⎟ ' = f '( x ) g '( x )
⎝ ⎠

Beispiele:

a) y = sin ( 2x + 3) y ' = 2 cos ( 2x + 3)

( ) ( ) ( ) ( ( )) ( )
− 12
b) y = 3 cos 1 − x 2 = ⎡3 cos 1 − x 2 ⎤ ' = 3 ⎡ cos 1 − x 2 ⎤ = 3 cos 1 − x 2
1 ⎡ cos 1 − x 2 ⎤ '
⎢⎣ ⎥⎦ ⎢⎣ ⎥⎦ 2 ⎣ ⎦

( ( ) ) ( − sin (1 − x ) ) − ⎡⎣1 − x ( ( ) ) ( − sin (1 − x ) ) − ( −2x )


1 − 12 1 − 12
=3 cos 1 − x 2 2 2
⎤⎦ ' = 3 cos 1 − x 2 2

2 2
3x sin (1 − x 2 )
=
(
cos 1 − x 2 )
1 x 1
c) y = ln x = ( ln x ) ' =
1
⎡⎣ x ⎦⎤ ' = =
x x x x
Mathematik Grundlagen 7 Ableitungsregeln

Differenzieren nach logarithmieren


v
Das Verfahren eignet sich zum Differenzieren von Funktionen der Form y = f ( x ) = u ( x( x))
Sei etwa
y = f( x ) = a x Logarithmieren beider Seiten
ln y = ln a x , d.h.
ln y = x ln a differenzieren beider Seiten
1
y ' = ln a , d.h.
y
y = a x ln a

Beispiele:

1. y = xx
ln y = x ln x
1 1
y' = 1ln x + x = ln x + 1
y x

2. y = x ln sin x
ln y = ( ln sin x ) ln x
1 1 1
y' = ⋅ cos x ln x + ln sin x ⋅
y sin x x
⎛ ln sin x ⎞
y' = x ln sin x ⎜ cot x ⋅ ln x + ⎟
⎝ x ⎠

3. y = f( x ) = x n
ln y = ln x n logarithmieren
ln y = n ln x
( ln y ) ' = ( n ln x ) ' differenzieren
y' n
=
y x
n n
y' = y⋅ = x n ⋅ = n ⋅ x n −1
x x
Mathematik Grundlagen 1 Folgen und Grenzwerte

Die Idee des Unendlichen faszinierte schon immer Philosophen, Theologen und
Mathematiker.

Definition

Jedem n ∈ sei eine Zahl a n ∈ zugeordnet.


Dann heißt a1 , a 2 , a 3 ,K Folge.

Schreibweise: a n = a1 , a 2 , a 3 ,K

Beispiel:
1
an = , a n = 2n
n

Definition

a) Es sei c ∈ und d ∈ \ {0}. Die Folge mit: a1 = c und a n +1 = a n + d (n=1,2,3,…)


heißt arithmetische Folge, d heißt Differenz der Folge.
b) Es sei c ∈ \ {0} und q ∈ \ {0,1} . Die Folge mit: a1 = c und a n +1 = q ⋅ a n
(n=1,2,3,…) heißt geometrische Folge, q heißt Quotient der Folge.

1 1 1 1
c=1, q= : 1, , , ,K → 0 konvergent
2 2 4 8

q=2 : 1, 2, 4,8,16,K → +∞ bestimmt divergent

q= −1 : 1, −1,1, −1,K → unbestimmt divergent

1 1 1 1
q= − : 1, − , , − ,K → 0 konvergent
2 2 4 8

Satz
Für eine geometrische Folge gilt:
(
⎛ 1− an
s n = a1 + a 2 + K + a n = a1 ⎜
) ⎞⎟ .
⎜ (1 − q ) ⎟
⎝ ⎠

Definition

Die Folge a n heißt:

a) Monoton wachsend bzw. streng monoton wachsend, falls a n ≤ a n +1 bzw. a n p a n +1 für


alle n ∈ gilt.
b) Monoton fallend bzw. streng monoton fallend, falls a n ≥ a n +1 bzw. a f a n +1 für alle
n ∈ gilt.

Definition
Mathematik Grundlagen 2 Folgen und Grenzwerte

Die Folge a n heißt nach oben bzw. nach unten beschränkt, wenn es Zahlen K bzw. k ∈
gibt mit a n ≤ K bzw. a n ≥ k für alle n ∈ .
K bzw. k heißen obere bzw. untere Schranke von a n .

Aufgaben

1. Bestimme das allgemeine Glied der Folge:

2 3 4 n +1
a) , , ,K an =
3 4 5 n+2

1 − (−1) n
b) 1,0,1,0,1,… an =
2

1 1 1 1
c) 1, − , , − ,K a n = (−1) n +1 ⋅
2 6 24 n!

d) -1,-3,-7,-15,… a n = 1 − 2n

e) 0,2; 0,22; 0,222;… a1 = 0, 2; a n = a n +1 + 2 ⋅10− n

Die Folge aus c) heißt alternierend, die aus e) ist rekursiv zu definieren.

2. Untersuche auf Beschränktheit und Monotonie:

1
a) nach oben beschränkt, nach unten beschränkt, streng monoton fallend.
n

b) n 2 nach unten beschränkt, streng monoton wachsend.

c)
( 3n − 1) 2 5 8 11
= ; ; ; ;K
( 2n + 1) 3 5 7 9
nach unten beschränkt, nach oben beschränkt, streng monoton fallend.

d)
( n + 1) nach unten beschränkt, nach oben beschränkt, streng monoton fallend.
2n

2n
e) nach oben beschränkt, streng monoton steigend.
( n + 1)

( −1)
n

f) nach unten beschränkt, nach oben beschränkt.


n!
Mathematik Grundlagen 3 Folgen und Grenzwerte

3. Ab welchem Index n 0 ∈ gilt a n p ε für ε = 10−3 ?

3 3 3 n 1 3
a) an p ε ⇔ pε ⇔ pε ⇔ f ⇔ nf
n n n 3 ε ε

3
ε = 10−3 : nf = 3000, d.h. n 0 = 3001
10−3

b)
1 1 1 1 log 1ε
an p ε ⇔ p ε ⇔ p ε ⇔ 2 n-1
f ⇔ log2 ( n-1) f log ⇔ n f +1
2n-1 2n-1 ε ε log 2

log1000
ε = 10−3 : nf + 1 = 10,9 d.h. n 0 = 11
log 2

( −1)
n

c)
( 2n + 1)
( -1)
n
1 1 1
−1
an p ε ⇔ pε ⇔ p ε ⇔ 2n+1 f ⇔ n f ε
( 2n + 1) ( 2n+1) ε 2

999
ε = 10 −3 : nf = 499,5 d.h. n 0 = 500
2

n ⎛1⎞
d) −⎜ ⎟
( 2n + 1) ⎝ 2 ⎠
2n- ( 2n+1) -1 1 1
−2
an − 0 p ε ⇔ pε ⇔ pε ⇔ pε ⇔ nf ε
( 4n + 2 ) 4n+2 a n +2 4

1000 − 2
ε = 10 −3 : nf = 249,5 d.h. n 0 = 250
4

Definition

a∈ heißt Grenzwert der Folge a n , wenn zu jedem ε f 0 eine natürliche Zahl n 0 ( ε )


existiert, sodass a n − a p ε für alle n ≥ n 0 gilt.

Beispiele:
Mathematik Grundlagen 4 Folgen und Grenzwerte

3n − 1
an = a=1
3n
3n-1 1 1 1 1 1
an − a p ε ⇔ −1 p ε ⇔ 1− −1 p ε ⇔ − pε ⇔ p ε ⇔ f 3n ⇔ n f
3n 3n 3n 3n ε 3ε

c
an = a=0
n
c c n 1 c
an − a p ε ⇔ pε ⇔ pε ⇔ f ⇔ nf
n n c ε ε

an = c a=c
a n − a p ε ⇔ c-c p ε ⇔ 0 p ε für jedes ε f 0 ist n 0 ( ε ) = 1 geeignet.

a n = 1 + ( −1) = 0, 2, 0, 2,K
n

a n hat keinen Grenzwert!

Definition

Eine Folge a n , die einen Grenzwert a besitzt, heißt konvergent gegen den Grenzwert a.

Schreibweise: lim a n = a oder a n → a für n → ∞ .


n →∞

Satz
Jede konvergente Folge besitzt genau einen Grenzwert.

Definition

a) Eine Folge a n , die nicht konvergent ist, heißt divergent.


b) Existiert zu jedem K ∈ ein n 0 ( K ) , n 0 ∈ , sodass a n f K für alle n ≥ n 0 gilt,
dann heißt a n bestimmt divergent.
a n hat dann den uneigentlichen Grenzwert +∞ .

Schreibweise: lim a n = +∞.


n →∞
c) Eine Folge, die weder konvergent noch bestimmt divergent ist, heißt unbestimmt
divergent

Definition

a n heißt Nullfolge, wenn lim a n = 0 gilt.


n →∞

Eine Folge a n konvergiert offensichtlich genau dann gegen den Grenzwert a, wenn die
Folge a n − a eine Nullfolge ist.
Mathematik Grundlagen 5 Folgen und Grenzwerte

Beispiel
q n ist Nullfolge, falls −1 p q p 1 gilt.

Satz
a) Jede konvergente Folge a n ist beschränkt.
b) Jede monoton wachsende (fallende) und nach oben (unten) beschränkte Folge ist
konvergent.

Satz (Rechnen mit Grenzwerten)


a n und b n seien konvergente Folgen mit lim a n = a und lim b n = b Ferner sei c ∈ und
n →∞ n →∞

r∈ .
Dann sind die Folgen
an
(an ) +
n
a n + bn , c ⋅ a n , a n ⋅ bn , , wenn b n ≠ 0 für alle n ∈ und b ≠ 0 ist, , wenn a n ∈
bn
+
für alle n ∈ und a ∈ ist, konvergent und es gilt:

a) lim ( a n + b n ) = lim a n + lim b n = a + b


n →∞ n →∞ n →∞

b) lim ca n = c lim a n = ca
n →∞ n →∞

n →∞
(
c) lim ( a n b n ) = lim a n
n →∞
)( lim b ) = ab
n →∞
n

a n lim an a
d) lim = n →∞ =
n →∞ b lim b n b
n
n →∞

( ) =a
r
e) lim ( a n ) = lim a n
r r
n →∞ n →∞

Wir wollen jetzt von Folgen an zu beliebigen Funktionen f( x ) übergehen und den
Grenzwert von f( x ) betrachten, wenn x über alle Grenzen wächst.

Beispiel:
x +1
f( x ) = , x ∈ ; lim f ( x ) ?
x x →∞
Mathematik Grundlagen 6 Folgen und Grenzwerte

x+1 1 1 1
f( x ) − g p ε ⇔ −1 p ε ⇔ pε ⇔ p ε ⇔ x f , also:
x x x ε
⎛ 1⎞
f ( x ) − g p ε falls x f M ( ε ) ⎜ g=1, M ( ε ) = ⎟
⎝ ε⎠

Definition:

f sei auf [ a, ∞ ) ( a ∈ ) definiert.


f besitzt für x → ∞ den Grenzwert g (f konvergiert gegen g für x → ∞ ), wenn zu jedem
ε f 0 ein M ( ε ) ∈ existiert mit:
f ( x ) − g p ε für alle x f M ( ε ) .

Schreibweise: lim f ( x ) = g oder f( x ) → g für x → ∞.


x →∞

lim f ( x ) wird entsprechend definiert.


x →∞

Die Gerade mit der Gleichung y=g heißt Asymptote des Grafen von f.

Beispiel:
Bilde lim f ( x ) :
x →±∞

2x − 1 2
a) f ( x ) = g=
3x + 6 3

i)
x → +∞
2x-1 2 2x-1-2x-4 -5 5
f( x ) − g p ε ⇔ − pε ⇔ pε ⇔ pε ⇔ pε
3x+6 3 3x + 6 3x + 6 x f -2 3x+6

5 5
−6
⇔ 5 p ε(3x+6) ⇔ p 3x + 6 ⇔ ε
px
ε 3
5
−6
M(ε) = ε
3

ii)
x → −∞
-5 5
f( x )−g p ε ⇔ K ⇔ pε ⇔ p ε ⇔ 5 p -ε ( 3x+6 ) ⇔
3x + 6 - ( 3x+6 )
5 -5 −6
- f 3x + 6 ⇔ ε fx
ε 3
− 5 −6
m( ε ) = ε
3
Mathematik Grundlagen 7 Folgen und Grenzwerte

Jetzt untersuchen wir das Verhalten der Werte f (x) für den Fall, dass sich die Argumente x
einer Stelle x 0 annähern (statt, dass sie gegen ∞ gehen). Die Funktion f braucht dazu nicht
für x 0 definiert zu sein.

x 2 − 1 ( x − 1)( x + 1)
Betrachte: f( x ) = =
x −1 ( x − 1)

U0 sprich: U Punkt (beliebig lang)

Definition
f sei auf U (0x ) definiert.
f besitzt an der Stelle x 0 den Grenzwert g (f konvergiert für x → x 0 gegen den Grenzwert g),
wenn zu jedem ε f 0 ein δ( ε ) f 0 existiert f ( x ) − g p ε für alle x∈ U (0x ) mit 0 p x − x 0 p δ
gilt.

Schreibweise: lim f ( x ) = g oder f ( x ) = g x → x 0


x →x0

x2 −1
Also gilt: lim =2
x →1 x − 1
Mathematik Grundlagen 8 Folgen und Grenzwerte

Beispiel:

f ( x ) = x + 1 für x f 1 und 1 für x p 1 .


Hat f an der Stelle x 0 =1 einen Grenzwert?

⎧ x − 1, x f 1⎫
f( x ) = ⎨ ⎬
⎩ 1 ,x p1 ⎭

Definition

f sei auf ( x 0 , x 0 + δ ) ; δ f 0 , definiert.


f besitzt an der Stelle x 0 den rechtsseitigen Grenzwert g + , wenn zu jedem ε f 0 ein δ( ε ) f 0
existiert, sodass:
f ( x ) − g + p ε für alle x ∈ ( x 0 , x 0 + δ ) mit x 0 p x p x 0 + δ gilt.

Schreibweise: lim f ( x ) = g + oder f( x ) → g + für x ↓ x 0


x↓x0

Entsprechend wird der linksseitige Grenzwert g − definiert.


Mathematik Grundlagen 9 Folgen und Grenzwerte

Satz

f sei auf U (0x 0 ) definiert.


f konvergiert an der Stelle x 0 genau dann gegen g, wenn

a) lim f ( x ) = g + und lim f( x ) = g − und


x↓x0 x↑x0
+ −
b) g = g = g gilt.

------------------------------------(Aufgaben)-------------------------------------

Definition

f sei auf ( x 0 , x 0 + ρ ) , ( ρ f 0 ) definiert.


f besitzt an der Stelle x 0 den rechtsseitigen uneigentlichen Grenzwert + ∞ , wenn zu jedem
K∈ ein ρ( K ) f 0 existiert, sodass f ( x ) f K für alle x ∈ ( x 0 , x 0 + ρ ) mit x 0 p x p x 0 + ρ
gilt.

Schreibweise: lim f ( x ) = +∞
x↓x0

Entsprechend wird der4 rechtsseitige uneigentliche Grenzwert - ∞ definiert.


(Für die linke Seite ebenso.)

Auch die Begriffe der bestimmten und unbestimmten Divergenz werden sinngemäß
übernommen.

Beispiel:

1
Sei f ( x ) =
( x + 2)
2

Es gilt: lim f ( x ) = +∞, lim f ( x ) = +∞


x ↓−2 x ↑−2

Man schreibt: lim f ( x ) = +∞ und nennt f bestimmt divergent gegen + ∞ bei -2.
x →−2

Satz (rechnen mit Grenzwerten)

Es seien f1 und f 2 auf U ρ0 ( x 0 ) definiert.


Wenn die Grenzwerte lim f1( x ) = g1 und lim f 2( x ) = g 2 existieren, dann existieren auch die
x →x0 x →x0

folgenden Grenzwerte und es gibt:

a) lim ⎡f1( x ) ⋅ f 2( x ) ⎤ = ⎡ lim f1( x ) ⎤ ⋅ ⎡ lim f 2( x ) ⎤ = g1 ⋅ g 2


x →x0 ⎣ ⎦ ⎢⎣ x → x 0 ⎥⎦ ⎢⎣ x → x0 ⎥⎦

x →x0 ⎣ ⎦ ⎢⎣ x → x0 (
⎥⎦ x → x0 )
b) lim ⎡ f1( x ) ± f 2( x ) ⎤ = ⎡ lim f1( x ) ⎤ ± lim f 2( x ) = g1 ± g 2
Mathematik Grundlagen 10 Folgen und Grenzwerte

f1( x ) lim f
x → x 0 1( x ) g1
c) lim = = , falls g 2 ≠ 0 ist
x →x0 f 2( x ) lim f g2
x → x 0 2( x )

d) lim f1( x ) = lim f1( x ) = g1


x →x0 x →x0

Der Satz gilt auch für einseitige Grenzwerte an der Stelle x 0 !

Beispiel:

⎛1 ⎞ 1
lim ⎜ x 2 − 3x − 2 ⎟ = lim x 2 − lim 3x − lim 2

x →1 2
⎠ x →1 2 x →1 x →1



1⎞
x →1 2
⎠ x →1
( )(x →1
)
= ⎜ lim ⎟ ⋅ lim x 2 − lim 3 lim x − 2
x →1

1
( )( )
= ⋅ lim x ⋅ lim x − 3 ⋅1 − 2
2 x →1 x →1

1
= ⋅1 ⋅1 − 3 ⋅1 − 2
2
9
=
2