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Prof. Dr. biol. hum.

Gertrud Grünwied

Visuelle
Wahrnehmung und
Gestaltung
Skript zur Vorlesung

Markus Hammele
SS 2009
Inhalt
Begriffe ..................................................................................................................................1
Wissenschaftliche Methoden ..................................................................................................1
Beteiligte Wissenschaftsgebiete ..............................................................................................2
„Anthropologie der menschlichen Psyche“ .............................................................................3
Psychophysik .........................................................................................................................3
Psychophysik – Weber’sches Gesetz (Ernst Weber 1834) .......................................................3
Stufen des Wahrnehmungsprozesses (Überblick) ....................................................................4
1. Wahrnehmungsstufe ...........................................................................................................5
Optischer Aufbau des Auges ...............................................................................................6
Anpassungsmechanismen ...................................................................................................7
Optische Leistungen des Auges ..........................................................................................7
2. Wahrnehmungsstufe ...........................................................................................................9
Physiologische Aspekte der Netzhaut .................................................................................9
3. Wahrnehmungsstufe .........................................................................................................12
Neurale Weiterleitung visueller Informationen..................................................................12
Organisationsprozesse der Wahrnehmung .........................................................................12
a) Gliederung in Bereiche .......................................................................................13
b) Figur und Grund .................................................................................................13
c) Geschlossenheit ..................................................................................................14
d) Gruppierung ........................................................................................................14
e) „Gute Gestalt“ ....................................................................................................15
f) Bezugsrahmen ........................................................................................................15
Der Necker – Würfel ........................................................................................................16
Tiefenwahrnehmung – Das Problem .................................................................................17
Dritte Dimension ..............................................................................................................17
Tiefenwahrnehmung – Lösungen ......................................................................................17
Querdisparation (binokular) ..............................................................................................18
Konvergenz (binokular, okulomotorische Funktion) .........................................................18
Bewegungsprallaxe (monokular) ......................................................................................18
Abbildungsfunktionen (monokular) ..................................................................................19
a) Interposition (Verdeckung): ................................................................................19
b) Schatten ..............................................................................................................20
c) Relative Größe & d) Texturen .............................................................................20
e) Helligkeit ............................................................................................................21
f) Perspektive (lat. hindurchsehen) .............................................................................21
Stereoskopie .....................................................................................................................22
4. Wahrnehmungsstufe – Klassifikation ................................................................................23
Klassifikationsprozesse – Einleitung .................................................................................23
Einfluss von Kontexten und Erwartungen .........................................................................23
Selektive Wahrnehmung und Gedächtnismodelle .............................................................24
Filter und Einflussgrößen auf die Aufmerksamkeit ...........................................................24
Kurzzeitgedächtnis ...........................................................................................................25
Kognitive Repräsentation im Langzeitgedächtnis ..............................................................25
Bildtypen ..............................................................................................................................26
Visuelle Wahrnehmung Skript zur Vorlesung
und Gestaltung Prof.Dr.Grünwied

Begriffe

• Wahrnehmung (Psychologie)
Aufgabe der Wahrnehmung ist es, den sich ständig verändernden, oft chaotischen
Input über die Sinnesorgane aufzunehmen und mit inneren Vorstellungen
abzugleichen.

• Visuelle Wahrnehmung (Psychologie)


Fähigkeit, über das Auge aufgenommene, sichtbare Lichtreize mit inneren
Vorstellungen abzugleichen.

• Visualisierung (allgemeine Begriffsdefinition)


Inhalte, abstrakte Sachverhalte mit optischen Mitteln darstellen.

• Gestaltung
Im engeren Sinne, Designbereich:
Ästhetische Darstellung von Dingen (Objekte, Räume, Handlungen, …)

Wissenschaftliche Methoden

• Induktiv / empirisch
Vom Einzelnen zum Allgemeinen

Beobachtung 1 Beobachtung 2 Beobachtung 3

Regel

• Deduktiv / analytisch
Ableitung des Besonderen und Einzelnen vom Allgemeinen

Regel

Bezug auf Einzelfall

Nur für den Gebrauch in Vorlesungen und Übungen 1


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Beteiligte Wissenschaftsgebiete

Humanwissenschaften Technikwissenschaften

(nicht Teil dieser Vorlesung!)

Human-Biologie Ingenieurwissenschaften

Visualisierung
Wahrnehmungs- Technischer
psychologie
Sachverhalte

Didaktik Medientechnik

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„Anthropologie der menschlichen Psyche“

• Aktivation (EEG, EKG, EMG,…)


Logistische Funktionen • Zeitliche Organisation

Notwendige Voraussetzung

• Wahrnehmungssystem
Inhaltliche Funktionen
• Kognitives System (Denken, Gedächtnis)
• Motorisches System (Handeln)
• System der Emotion

Psychophysik

• Definition
Stärke einer Empfindung (psychische Einheit) zur Reizstärke (physikalische Einheit)
in Verbindung setzen.

• Schwellen
o Absolute Schwellen
Problematik: Antworttendenzen
o Unterschiedsschwellen
= Kleinste merkbare Differenz zwischen zwei Reizen

Psychophysik – Weber’sches Gesetz (Ernst Weber 1834)

Verhältnis des erforderlichen Zuwachses zur Länge des Standardreizes bleibt gleich.

∆𝑙𝑙
= 0,1 ≙ 10%
𝑙𝑙𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆𝑆

Bspl.: Stab mit Länge = 10 mm

50% der Versuchspersonen (Vpn) können diesen von einem 11 mm langen Stab
unterscheiden.

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Stufen des Wahrnehmungsprozesses (Überblick)

Stufe Funktion
• Adaption
1. Reiz-Stimulation durch Umwelt, Optik
• Akkommodation
Umwandlung in neurale Signale, 2D, Farben,
2. Netzhautabbild Helligkeiten

3. Kognitive Auswertung I Tiefe, 3D, Bewegungen

4. Kognitive Auswertung II Interpretation, Kontext „Bild“

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1. Wahrnehmungsstufe

Augenmuskeln:

6 äußere Muskeln, 3 innere Muskeln

Augenbewegungen:

horizontal, vertikal, Schrägbewegung, Rollbewegungen

Blickbewegungen:

bewusste Augenbewegungen, die im Zusammenhang mit Wahrnehmung und


Verarbeitungsprozessen im Gehirn stehen.

Augenbewegungen:

• Ausgleichsbewegungen des Kopfes oder Körpers, um ein Verrutschen des


Blickobjektes zu verhindern.

• Ausrichten des Auges auf Sehobjekte


o Sakkaden: Blickwechsel von einem Objekt zum anderen, bis zu 500°/sec
o Folgebewegung: Gleitend bei bewegten Objekten

• Mikrobewegungen (während Fixation)


o Drift
o Trenor
o Mikrosakkaden zur Korrektur der Drift-Verschiebungen

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Optischer Aufbau des Auges

Iris (Opak) Netzhaut


(Retina)
Ziliarmuskel
Pupille
Fasern
Netzhautgrube
(Fovea Centralis)
Lichtstrahl scharfes Sehen
=gelber Fleck
Linse
(lichtbrechend)
Vordere
Augenkammer
Blinder Fleck

Hornhaut (Cornea) Sehnerv (Nervus


Opticus)
Lederhaut (Sclera)

Foto Auge
1. Linsen (f,g) a) Änderung Pupillengröße

2. Blende (d) b) Retina (Netzhaut)

3. Lichtempfindliche Filmschicht (b) c) Sclera

4. Entfernungseinstellung (Objektiv) (e) d) Iris

5. Gehäuse (c) e) Akkommodation (Fern-/Nah sehen)

6. Verminderung d. Lichteinfalls, Blende (a) f) Cornea

g) Linse

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Anpassungsmechanismen

• Akkommodation
Linse: Anpassung an
Normalsichtiges Auge
unterschiedliche Entfernungen (Emmetropie)
Brennpunkt liegt genau auf der
Netzhaut.

Kurzsichtiges Auge (Myopie)


Brennpunkt liegt vor der
Netzhaut. Zu langes Auge

Weitsichtiges Auge (Hyperopie)


Brennpunkt liegt hinter der
Netzhaut. Zu kurzes Auge

• Adaption
Pupille + Iris: Anpassung an verschiedene Lichtverhältnisse (Blendenfunktion)
Schwache Lichtmenge  Pupille weitet sich

Optische Leistungen des Auges

• Horizontales Sehfeld

Bereich des scharfen Sehens


(foreales Sehen) mit
15° 15° Augenbewegungen

Peripheres Sehen
100° 100°

Grenzen des Sehfeldes

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• Vertikales Sehfeld

50°

15°

15°

70°

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2. Wahrnehmungsstufe

Physiologische Aspekte der Netzhaut

• Funktion
Umwandlung von Licht (elektromagnetische Wellen) in elektrische / neurale Signale
durch die Photorezeptoren.
o Stäbchen – Helligkeit (ca. 120 Mio.) pro Auge
o Zäpfchen – Farben (ca. 5 Mio.) pro Auge (4% blau, 32% grün, 64% rot)

• Aufbau (Querschnitt)

Laterale
Hemmung

Ganglienzellen

• Verteilung der Photorezeptoren

-80° -18° 0° +80°

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• Verteilung der Sehschärfe

• Sehschärfe in Abhängigkeit der Leuchtdichte


Seh-
Schärfe [%]
Ca. 100-300 cd/m²

100%

Optimaler
Bereich

0%
0,001 … 100 … 10000 Leuchtdichte

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• Nahpunkt des Auges in Abhängigkeit des Alters

Nahpunkt
[cm]

60

50

40

30

20

10

Lebensalter
10 20 30 40 50 60

------------------------------------------------------------------------------------------------------------

 Zeitungsartikel FAZ „Ein Mann lernt Sehen“ 

------------------------------------------------------------------------------------------------------------

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3. Wahrnehmungsstufe

Neurale Weiterleitung visueller Informationen

= Sehnerv

Links Rechts

Chiasma („X“) Gehirnhälften


Opticus (Hemisphären)

Geniculatum
laterale

Visueller
Cortex

Das rechte Sehfeld wird in der linken Gehirnhälfte verarbeitet und anders rum.

Organisationsprozesse der Wahrnehmung

Def.: Zusammenführen der 2D – Sinneseindrücke, um eine ganzheitliche Szene zu sehen.

a) Gliederung in Bereiche
Reihenfolge

b) Figur und Grund


c) Geschlossenheit
d) Gruppierungen
e) „Gute Gestalt“, Prägnanz von Figuren
f) Bezugsrahmen

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a) Gliederung in Bereiche (= erste Organisationsaufgabe)


Bsp.: Ergebnis der Bereichsgliederung ist, 9 geometrische Formen / Gestalten zu erkennen.

Primäre Informationen dazu liefern:

o Farben
o Helligkeit
o Textur

Abrupter Wechsel bedeutet eine „Grenze“ zwischen zwei Regionen.

• Vorne: ausgefülltes weißes


Dreieck

• Dahinter: 3 schwarze Kreise


und ein gedrehtes Dreieck

• Hinter allem: weiße Fläche

Illusionäre, subjektive Konturen

b) Figur und Grund


Tendenz eine Figur vor dem Hintergrund wahrzunehmen. Effekt funktioniert auch dann, wenn
es die wahrgenommene Figur gar nicht gibt.

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c) Geschlossenheit
Fläche

Geschlossene Formen
werden eher als Einheiten
wahrgenommen.

Nicht durchgängig geschlossene


Linien werden zu Flächen
ergänzt.

d) Gruppierung
Gesetz der räumlichen Nähe (bei gleichartigen Objekten).

Gesetz der Ähnlichkeit (Objekte unterscheiden sich in Farbe, Form, Textur,...)

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e) „Gute Gestalt“
Einfache, symmetrische Figuren werden bevorzugt, schneller und leichter wahrgenommen als
komplizierte.  „Gemeinsames Schicksal“ bewegte Objekte.

3-Linien 5-Linien n-Linien

Symmetrisch, einfach zunehmend kompliziert

Abnehmende Prägnanz

f) Bezugsrahmen
Anordnung einzelner Objekte wirkt sich auf die Interpretation aus.

Bspl: Raute in diagonaler Reihe erscheint als „gekipptes Quadrat“.

Raute Quadrat

„Gekippte Quadrate“

„Gekippte Rauten“

Nur für den Gebrauch in Vorlesungen und Übungen 15


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Der Necker – Würfel

Hohler
dreidimensionaler
Würfel

Perspektive von oben Perspektive von unten

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Tiefenwahrnehmung – Das Problem

Netzhautabbild = zweidimensional

 Interpretation hinsichtlich der räumlichen Wirkung

Lebensnotwendig! Annäherung von Objekten benötigt Tiefeninformation.

Dritte Dimension

• Distanz vom Beobachter zum Objekt


• Richtung
Auge

Netzhaut
B

A Netzhautabbild

Das Netzhautabbild direkt, enthält keine Information über die Entfernung der Objekte.

Tiefenwahrnehmung – Lösungen

Binokulare Informationen Monokulare Informationen

• Querdisparation • Bewegungsparallaxe
• Konvergenzstellung der Augen • Information aus der Struktur eines Bildes
(Abbildungsfunktion)

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Querdisparation (binokular)

Pupillen im Abstand von ca. 6cm

 beide Augen erhalten leicht unterschiedliche, seitlich verschobene Bilder.

Experiment
Grundsatz: Betrag der horizontalen Verschiebung ist abhängig von der relativen
Entfernung des Gegenstandes vom Betrachter aus.
Der nahe am Gesicht positionierte Finger ist weiter seitlich verschoben als
der entfernte Finger.

Konvergenz (binokular, okulomotorische Funktion)

Die Achsen beider Augen laufen aufeinander zu, wenn ein Gegenstand in der Nähe fixiert
wird, d.h. die Augen konvergieren.

Nahes Objekt, großer Entferntes Objekt, kleiner


Konvergenzwinkel (bis 40°) Konvergenzwinkel

Ab ca.5m: Winkelunterschied zu
gering um Tiefeninformation zu
beziehen

Bewegungsprallaxe (monokular)

Experiment

Grundsatz: Bewegung des Kopfes / Körpers bei gleichzeitiger Fixierung eines Objektes
liefert Tiefeninformationen

Der nahe am Gesicht positionierte Finger bewegt sich bei Kopfbewegung


schneller (stärker) als der entfernte Finger.

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Bspl.: Aus dem Fenster eines fahrenden Zuges blicken.


Objekte am Horizont bewegen sich kaum, nahe Objekte sehr schnell.

Abbildungsfunktionen (monokular)

Gemälde von Monet „Die Eisenbahnbrücke von Argentenil“

Abbildungsfaktoren:

• Helligkeit, z.B. dunkler Pfeiler


• Textur, z.B. Geländer, im entfernten Bildabschnitt = Textur klein, undeutlich
• Perspektive, Fluchtpunkte
• Schatten, z.B. Geländerunterseite, Schatten / Spiegelung der Pfeiler im Wasser
• Prinzip der Verdeckung, z.B. Zugwagen sind vom Geländer verdeckt
• Größen – Distanz

a) Interposition (Verdeckung):

Verdeckt / hinten

Vorne

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Lichtundurschlässiges Objekt verhindert, dass Licht von einem Objekt dahinter auf die
Netzhaut fällt.

Folge: Nur das vordere Objekt gelangt vollständig auf das Netzhautabbild.

Tiefeninformation: Das verdeckte (Teil-)Objekt mussweiter entfernt sein als das


verdeckende.

b) Schatten

• Lage der Lichtquelle


• 3D-Form von Gegenständen verdeutlicht

Ursache: Lichtundurchlässiges Objekt blockiert Lichtstrahlen. Schatten ist charakterisiert

Durch unscharfen Rand und dunklere Farbe als Objekt.

c) Relative Größe & d) Texturen


Relative Größe:

Je kleiner, desto
weiter entfernt

Groß
&
nah

Grundregel: Gegenstände gleicher Größe aus unterschiedlichen Entfernungen wirken


unterschiedlich groß.
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Texturen:
Texturen erscheinen umso kleiner, je weiter
entfernt.

e) Helligkeit
Objekte im Hintergrund wirken dunkler als Objekte im Vordergrund.

f) Perspektive (lat. hindurchsehen)

Zentralprojektion

 Zentralperspektive
 2-Punkt-Perspektive
Nicht massstabsgetreu
 Froschperspektive
 Vogelperspektive

Parallelperspektive

 Axonometrisch Maßstabsgetreu
 Schrägprojektion

Perspektive ist die Möglichkeit, 3D-Objekte auf einer 2D-Fläche so darzustellen, dass ein
räumlicher Eindruck entsteht. (Projektive Geometrie)
• Zentralprojektion: Raumparallele Kanten landen in der Projektion in einem
Fluchtpunkt. Reale Maße werden verzerrt dargestellt. Z.B. Boden eines Raumes ist
als Trapez sichtbar.
Anwendung: Sicht eines Betrachters, Foto, Gemälde, Architektur
 natürliches Sehen.

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• Parallelprojektion: In techn. Zeichnungen. Objekt maßstabsgetreu dargestellt.


Z.B. isometrisch: Alle Koordinatenachsen sind Maßstäblich gleich.

Quadrat
Isometrisch Zentralperspektivisch

Trapez

30° 30°

Stereoskopie
(stereo = räumlich, skopein = sehen)

Fotografie / 3D-Filme, die neim Betrachter einen räumlichen Eindruck entstehen lassen.

Prinzip: 2 stereoskopische Halbbilder (paarweise Bilder), getrennt für jedes Auge


erzeugt, seitenverschobenum ca. 7cm.
= Klassische Stereoskopie (Stereosbildpaar), beide Halbbilder werden
nebeneinander dargestellt, „Parallelblick“, keine Konvergenz, Hilfsmittel:
„Prismenbrille“

Variante: Farb – Anaglyphen

Biede Halbbilder werden in komplementärfarben eingefärbt


(Gibson 1970 rot, cyan), halbtransparent überlagert, gefärbte Brille.

Polarisationsfilter: Für Medienwiedergabe, Projektion in großen Räumen


„Polarisationsbrille“

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4. Wahrnehmungsstufe – Klassifikation

Klassifikationsprozesse – Einleitung

Top down Mentale Prozesse, Erwartungen, Kontext, Motivation, Wissen,


Prozesse

Klassifikation

bottom up
Prozesse 1-3 Wahrnehmungsstufe „Datengeleitet“

Definition: Klassifikation ist die Wahrnehmungsstufe, auf der dieWahrgenommenen


Objekte identifiziert und einer Kategorie (Mensch, Tier, Haus, …) zugeordnet
werden und darüber ihre Funktion erhalten.

Das, was man sieht, in Einklang bringen, mit dem, was man weiß!

Einfluss von Kontexten und Erwartungen

1.Bspl.: Bekannte an einem fremden Ort antreffen

Ursache: falscher räumlicher, sozialer, zeitlicher Kontext.

2.Bspl.: Ellipse ohne Kontext

Mit Pupille und Iris  Auge

3.Bspl.:

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Selektive Wahrnehmung und Gedächtnismodelle

Sinnesorgane
Sensorisches
Gedächtnis Filter Langzeit-
Kurzzeit-
gedächtnis
gedächtnis
1-2 sec Beeinflusst
durch ∞ sec
Bis 20 sec
∞ Informationen Aufmerksam- ∞ Informationen
7±2 Items
keit

Speichermenge 7-9 Items ∞


Ist ∞

Filter und Einflussgrößen auf die Aufmerksamkeit

Ausgehend vom
Ausgehend vom Betrachter
Betrachtungsgegenstand
Schlüssel Reize Emotion
• „Kindchen-Effekt“ Erhöhung durch z.B. Gefahr
• Persönliche Reizworte Abschwächung durch z.B. gute Laune
z.B. eigener Name (Cocktail-Party-Effekt)
• Erotik Konzentration
erhöht:
Priming Effekt • Mittlere Stressbelastung
Einfluss vorgeschalteter Information • Bewegung
• Stehen ist besser als Sitzen
Bildgestaltungsaspekte
Gesenkt:
• Farben
• Zu hohe / niedrige Stressbelastung
• Bildzeichen
• Externe Reize (Lärm / Hitze)
• Pfeil
• Interne Reize (Hunger, …)
• Liniendicken
• Vergrößerungen
• Bewegung
• Widerspruch

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Kurzzeitgedächtnis

Kapazität um 7±2 zusammenhängende Inhalte (Items).

Dauer: max. 20 Sekunden „Abstoßungsprozess“.

8 1 7 3 6 4 9 4 2 8 5 9

Chunking:

Gruppen bilden

1945 1939 1918

Gilt auf: 7±2

Kognitive Repräsentation im Langzeitgedächtnis

Wissen im Langzeitgedächtnis

deklarativ explizit prozedural implizit

Motorische Handlungsfolgen

Semantisch analog episodisch (Beschreibung ist oft schwieriger


als die Durchführung)
Begriffe Bilder Ereignisnetz-
Sprache werke
Formeln Zeit- und
Symbole Kontextbezug
Vokabeln Erinnerungen
und erlebtes

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Bildtypen

Bild = nichtsprachliche Form der visuellen Kommunikation

• Nichtrepräsentationale Bilder
(Abstrakte Bilder, Ornamente, Logos,…)

• Abbilder = repräsentationale Bilder


o Strichzeichnungen
Zunehmend

o Schattierte Bilder
realistisch

o Fotorealistische Bilder
o Fotografien

• Charts = analytische Bilder


= Qualitativer Zusammenhang Begriffen

• Diagramme = quantitative Zusammenhänge

• Piktogramme
o Symbolische Piktogramme
o Abbildende Piktogramme

• Komplexe Bilder = Hybride


o Infografik
o Isotypen

• Karten

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