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Gewalt an Frauen Formen, Ursachen, Maßnahmen
Gewalt an Frauen
Formen, Ursachen, Maßnahmen

Dr. Iris Golden LL.M. Präsentation am 21.Jänner 2014, Fraueninitiative des KAV

Gewalt an Frauen Fakten

(WHO-Studie 2013)

35% der Frauen weltweit wurden Opfer physischer

und/oder sexueller Partnergewalt oder sexueller Gewalt durch einen Nicht-Partner

30% der Frauen in einer Partnerschaft haben Partner - gewalt erlebt (physisch und/oder sexuell) in manchen Regionen auch 38%.

Weltweit wurden 38% aller Morde an Frauen von Partnern/Ex-Partnern verübt

Prävalenz von Gewalt an Frauen weltweit (Graphik © WHO)

Prävalenz von Gewalt an Frauen weltweit (Graphik © WHO)

Zahlen aus Österreich

Im Jahr 2011 wurden 15.800 Personen Opfer familiärer Gewalt von den Gewaltschutzzentren/Interventionsstellen in ganz

Österreich betreut.

88% der Klientinnen waren Frauen und Mädchen

91% der Gefährder waren männlich (Stat. Der

Gewaltschutzzentren/Wiener Interventionsstelle)

Zahlen der Wiener Interventionsstelle

gegen Gewalt in der Familie (2012)

Betreut wurden in Wien 3.875 von Gewalt in der Familie und Stalking Betroffene

Rund 86,9% der Opfer waren Frauen, 13,1% der

Opfer Männer

90,4 % der Gefährder waren Männer, 9,6% der Gefährder waren Frauen

Definition 1: Gewalt gegen

Frauen

Art. 3 (a) Konvention des Europarats zur Bekämpfung aller

Formen von Gewalt an Frauen (Istanbul-Konvention)

eine Menschenrechtsverletzung und eine Form der

Diskriminierung der Frau.

Alle Handlungen geschlechtsspezifischer Gewalt,

die zu körperlichen, sexuellen, psychischen oder wirtschaflichen

Schäden oder Leiden bei Frauen führen oder führen können

Sowohl im privaten als auch im öffentlichen Leben

Inkludiert auch die Androhung solcher Handlungen, Nötigung oder willkürliche Freiheitsentziehung

Definition 2: „Geschlechtsspezifische

Gewalt gegen Frauen“

Art. 3 (d) Istanbul Convention:

Gewalt die gegen eine Frau gerichtet ist, Weil sie eine Frau ist oder Die Frauen unverhältnismäßig stark betrifft

Definition 3: Häusliche Gewalt

Art. 3 (b) Istanbul Convention

Begriff ist Gender-Neutral , aber die Mehrzahl der Opfer ist weiblich, Mehrzahl der Täter ist männlich (Wiener

Interventionsstelle)

Alle Handlungen physischer, sexueller, psychologischer oder wirtschaftlicher Gewalt welche innnerhalb der Familie oder

des Haushalts oder zwischen früheren oder derzeitigen

Eheleuten oder Partnern ausgeübt werden

Unabhängig davon, ob der Täter/die Täterin mit dem Opfer

denselben Wohnsitz teilt

Besonders gefährdete Gruppen von

Frauen (Beispiele)

Migrantinnen, (insb. wenn ohne Aufenthaltsstatus),

Asylwerberinnen

Frauen aus Minderheitengruppen

Ältere Frauen

Frauen mit Behinderungen

Frauen in ländlichen Gebieten

Inhaftierte oder in einer geschlossenen Anstalt untergebrachte

Frauen

Junge Mädchen

-) Antidiskriminierungsschutz - zB durch Art. 4 Istanbul Convention

Der Kontext/Die Täter (1)

1) Gewalt durch Nichtstaatliche Akteure

Private Sphäre: Meist verbreitet: Häusliche Gewalt, Partnergewalt

Öffentliche Sphäre

- - Am Arbeitsplatz (Vorgesetzte, Kollegen)

- - Im öffentlichen Raum Gewalt durch Fremde oder

Bekannte (zB auch „Date-Rape“)

- Frauenhandel, Zwangsprostitution

Der Kontext/Die Täter (2)

2) Gewalt durch den Staat

Gewalt durch staatliche Akteure (zB Polizei, Justiz, öffentliches

Krankenhaus )

Nichteinschreiten oder Billigung von Gewalt durch Private Akteure

oder Billigung von Gewalt durch Private Akteure Strukturelle Gewalt: Klima der Toleranz für Gewalt - In

Strukturelle Gewalt: Klima der Toleranz für Gewalt

- In der Gesetzgebung

- In der Rechtsprechung

- In der (nicht) Implementierung von Gesetzen, aber auch durch

- Soziale Akzeptanz von Diskriminierung der Frau, Gender-Stereotypen, Objektifizierung der Frau in diversen Gesellschaftssegmenten (zB Werbung

)

EXKURS: Gewalt gegen Frauen im Internationalen Strafrecht (Römisches Statut des Internationalen

Strafgerichtshofes, 2002)

Ar.t 6 (d): Völkermord: inkludiert den Tatbestand der zwangsweise Verhinderung von Geburten (Zwecks

Zerstörung einer nationalen, ethnischen rassischen oder

religiösen Gruppe)

Art. 7: Verbrechen gegen die Menschlichkeit: wenn als

Teil eines weitreichenden oder systematischen Angriffs

gegen eine Zivilbevölkerung:

(c)

Versklavung

(g)

Vergewaltigung, Sexuelle Versklavung, Zwangsprostitution,

erzwungene Schwangerschaft, Zwangssterilisierung, andere gleich schwere form der sexuellen Gewalt

Ursachen/begünstigende

Faktoren von Gewalt (1)

Hauptursache: „Historisch gewachsene ungleiche

Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern, die zur Beherrschung und Diskriminierung der Frau und zur Verhinderung der vollständigen Gleichstellung der Frau geführt haben.“

Äußerungsformen:

-Soziale Normen, die die männliche Herrschaft und Kontrolle über die Frau und somit auch ihre Abhängigkeit vom Mann

verankern - zB Diskriminierendes Familienrecht mit

untergeordneter Rolle für die Frau, Einschränkungen im öffentlichen Leben,

Tatsächliche oder rechtliche Diskriminierungen in der Arbeitswelt und bei der Ausbildung

Ursachen/Begünstigende

Faktoren (2)

Gewalt wird als Privatsache angesehen

Unantastbarkeit der Familie

Mangelndes Bewusstsein für Gewalt an Frauen bei Polizei, Justizbeamten, Richter

Verbreitete Mythen über Ursachen von

Gewalt (Interventionstelle Wien)

Mythos: „Armut gibt es nur in Problemfamilien“

Wahr ist: Gewalt ist von Alter, Kultur , Religion, sozialer Schicht unabhängig und kommt überall vor!

Mythos: „Frauen, die misshandelt werden, müssen das

wollen, sonst würden sie weggehen“

Wahr ist: Frauen versuchen vieles, um die Situation zu

verändern und suchen erst Hilfe von außen, wenn alles fehlschlägt. Viele Hindernisse: Kontrolle durch Männer, Angst, keine Bekannte oder Verwandt, Isolation, kein

Geld, Angst vor den Folgen einer Fluch

Mythos: „Frauen „provozieren“ Gewalt oder „verdienen“ sie in irgendeiner Weise“

Wahr ist: Es gibt keine Entschuldigung für Gewalt! Diese Einstellung lenkt von der Verantwortung der Täter ab!

Mythos: „Männer misshandeln Frauen, weil sie in ihrer

Kindheit selbst Gewalt erlebt haben!“

Wahr ist: Tatsächlich ein Risiko, aber nicht zwangsläufigkann ein Verhalten zwar erklären, aber niemals

rechtfertigen!

Mythos: „Alkoholprobleme sind die Ursache für Gewalt“

Wahr ist: Alkohol ist ein Auslöser, aber keine Ursache Gewalt passiert auch im nüchternen Zustand. Wird oft als Rechtfertigung benützt um keine Verantwortung übernehmen zu müssen.

Mythos: „Männer misshandeln, weil sie ihre Gefühle nicht anders ausdrücken können“

Wahr ist. Männer üben Gewalt nicht wahllos aus. Sie

schlagen zB nicht ihren Chef, wenn sie wütend sind.

Internationaler

Menschenrechtsschutz

Späte Anerkennung von Gewalt an Frauen als

Menschenrechtsverletzung

25. Juni 1993: Welt-Menschenrechtskonferenz : Wiener Deklaration und Aktionsprogramm - Anerkennung von

Genderspezifischer Gewalt (alle Formen) als

Menschenrechtsverletzung

20. Dezember 1993 Resolution der UN Generalversammlung über die Beseitigung von Gewalt

an Frauen

1995: Beijing Declaration and Platform for Action (4. Frauenrechtskonferenz) identifiziert die Beseitigung von Gewalt gegen Frauen als eines von 12 strategischen Zielen für die Erreichung der Geschlechtergleichheit.

Menschenrechtsschutz- UNO

Bei der UNO werden grob zwei verschiedene

Menschenrechtsmechanismen unterschieden:

- Die auf der UNO Charta beruhenden Mechanismen

(„charter based mechanisms“)

- - die auf den Internationalen, im Rahmen der UNO ausgehandelten Menschenrechtsverträgen beruhende

Mechanismen („treaty based mechanism“)

UNO-“Charter-based“ Mechansimen gegen

Gewalt an Frauen (1)

Seit 1994: UNO Sonderberichterstatterin über Gewalt gegen Frauen (Derzeit: Rashida Manjoo)

Mandat umfasst ua:

- Datensammlung über Gewalt gegen Frauen

-Vorschläge von Maßnahmen zur Beseitigung von Gewalt an Frauen

Befugnisse:

-Urgent Appeals“ an Staaten, wenn ihr Fälle von Gewalt an Frauen durch Beschwerden von Individuen zutetragen werden

-- Länderbesuche

--Verfassung von jährlichen thematischen Berichten

Vertraglicher UNO- Menschenrechtsschutz

CEDAW Convention 1979 - Konvention zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der

Frau

Internationaler Menschenrechtsvertrag, rechtlich verbindlich!

187 Staaten haben ratifiziert

Umfassende Verpflichtung, alle Formen der Diskriminierung gegen

Frauen zu beenden

- Politisch, wirtschaftlich, sozial kulturell oder jedes andere Gebiet

- - De jure und de facto Gleichstellung der Frau

- - Effektiver Schutz von Frauen durch die Gerichte

- - Betrifft Disrkiminierungen sowohl durch den Staat als auch durch private Akteure

Monitoring durch das CEDAW Committee

1. Staatenberichte

2. Allgemeine Empfehlungen General Recommendation Nr. 19: Gewalt an Frauen 1992

- Definition von Geschlechtsspezifischer Gewalt (GBV)

- - GBV schränkt Frauen in der Ausübung ihrer Menschenrechte ein und ist eine Form der Diskriminierung im Sinne dieser Konvention

- - Sorgfaltsverpflichtung gegenüber Gewalt durch Private Akteure (Vorbeugung, Verfolgung, Bestrafung, und Kompensierung)

- - GGV kann einige Bestimmungen der CEDAW betreffen (zB Art. 5: soziale und kulturelle Verhaltensmuster; Art. 16- Gleiche Rechte in der Ehe und Familie)

UNO-“Charter-based“ Mechansimen gegen

Gewalt an Frauen (2)

Commission on the Status of Women (CSW) seit

1946

- Kommission des UN Wirtschafts- und Sozialrates

(ECOSOC) Wichtigstes globales Organ für politische Maßnahmen im Bereich der Geschlechtergleichheit .

- 45 Mitgliedstaaten der UNO, Geographisches

Gleichgewicht, für 4 Jahre gewählt

- -Jährliche Sessionen in New York wichtigstes output:

agreed conclusions“ mit Empfehlungen an Regierungen, andere Institutionen, die Zivilgesellschaft

- CSW 2013 mit Schwerpunkt „Beseitigung und Vorbeugung von allen Formen der Gewalt gegen Frauen und Mädchen

Case Law des CEDAW-Committees

Beispiele (1)

A.T gg. Ungarn 2/2003

Frau wurde von ihrem über einen Zeitraum von ca 4 Jahren Partner körperlich misshandelt und schließlich krankenhausreif geschlagen.

Strafprozess zog sich über jahre, keine Maßnahmen zum Schutz von A.T. Dieser hatte ungehindert Zutritt zur Wohnung.

Verstoß von Ar.t 2 (a) (Gleichheitsgrundsatz), 2 (b und e) (Diskriminierungsverbot), sowie Art. 5a und Art. 16 (Soziale Muster, Diskriminierung in der Ehe)

Case Law des CEDAW-

Committees Beispiele (2)

Sahide Gökce (5/200) und Fatima Yildirim (6/2005) v. Austria, August 2005

- Beide Frauen erlitten schwere häusliche Gewalt, Todesdrohungen und wurden schließlich beide von ihren Ehemännern getötet

Die Täter haben gegen die Betretungsverbote verstoßen

Keine U-Haft verhängt (trotz Ansuchen der Polizei)

Im Fall von Frau Gökce hat die Polizei auf einen Notanruf in der Nacht nicht angemessen reagiert

Verurteilung: Sorgfaltspflicht verletzt; Mangelhafte Umsetzung von Gesetzen die Rechte der Täter können nicht über der Sicherheit der Frauen stehen

Vertraglicher Menschenrechtschutz im

Rahmen des Europarates

Europäische Menschenrechtskonvention (EMRK) und die Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofes für Menschenrechte (EGMR)

Noch nicht in Kraft: Europaratskonvention zum Schutz gegen alle Formen von Gewalt an Frauen und Häuslicher Gewalt („Istanbul-Convention“)

CASE Law EGMR (Beispiele)

Leading Case“: Opuz vs. Turkey

Weitere Beispiele:

MC vs. Bulgaria (4.3.2004) N. vs. Sweden (20.7.2010) V.C. V.s Slovakia (8.02.2012) B.S vs. Spain (24.7.2012)

Istanbul Convention

Erstes umfassende regionale Konvention zum Schutz

gegen Gewalt

8 Staaten haben ratifiziert

10 Ratifizierungen sind Voraussetzung für das

Inkrafttreten

Allgemeine Menschenrechtliche

Verpflichtungen Bsp Istanbul Convention

1) Keine diskriminierende Gesetzgebung

- Verankerung der Gleichstellung von Mann und Frau in der Gesetzgebung ( Art. 4 Istanbul Convention)

2) Keine Gewalt an Frauen durch staatliche Organe (Art. 5)

3) Keine Duldung von Gewalt durch private Akteure:

- 3 Ps to protect, to prosecute, to punish

- Sorgfaltsverpflichtung (Due Diligence“) Art. 5: Staaten

treffen gesetzliche oder andere Maßnahmen um Due Diligence zur Prävention, Verfolgung, Bestrafung der Täter und zur Leistung von Ersatz für Gewalt an Frauen durch

Nicht-Staatliche Akteure

Weitere menschenrechtliche

Standards der Istanbul Convention

Bereitstellung angemessener finanzieller und personeller Ressourcen (Art. 8)

Anerkennung der Arbeit von NGOs und der

Zivilgesellschaft (Art. 9)

Datensammlung zu allen Formen von Gewalt (Art. 11)

Präventionsmaßnahmen: Maßnahmen zur Beendigung von Vorurteilen, Traditionen und andere Praktiken, welche auf dem Grundsatz der untergeordneten Stellung der Frau oder auf

stereotypisierten Geschlechterrollen beruhen (Art. 12)

Religion, Kultur, Traditionen oder die so genannte

„Ehre“ dürfen Gewalt nicht rechtfertigen (Art. 12)

Bewusstseinsarbeit (Art. 13)

Training (Art. 15)

Schutz und Unterstützung (Kap. IV)

Kooperation aller relevanten Staatlichen Akteure und

Nicht staatlichen Akteure im Schutz der Opfer (Art.18)

Verständliche Information der Opfer über Unterstützungsangebote und rechtliche Maßnahmen (Art 19)

Allgemeine Unterstützungseinrichtungen (Art. 20)

Spezielle Unterstützungseinrichtungen (Art. 21)

Frauenhäuser (Art. 23)

Telefonhelplines (Art. 24)

Unterstützung für Opfer sexueller Gewalt

Möglichkeit, Schadenersatz zu erlangen (vom Staat

Art. 29, vom Täter Art. 30)

Strafrechtliche Verfolgung aller Formen von Gewalt

Formen von Gewalt (Art. 33- 40)

Psychologische Gewalt

Stalking

Physische Gewalt

Sexuelle Gewalt, inkl. Vergewaltigung

Verstümmelung weiblicher Genitalien (FGM)

Zwangsheirat

Zwangssterilisationen und Zwangsabtreibung

Sexuelle Belästigung

Standards (Fortsetzung)

Keine Verpflichtende Streitbeilegungsverfahren bei

Gewaltdelikten

Bei Verhängung von Geldstrafen soll auch darauf

geachtet werden, dass der Täter seinen finanziellen

Verpflichtungen dem Opfer gegenüber nachkommen kann

Rasche Strafverfolgung (Art. 49)

Risikoeinschätzung

Betretungsverbote, Kontaktverbote

Sexuelle Vergangenheit des Opfers idR unzulässiges Beweismittel

Physische und Sexuelle Gewaltdelikte, Zwangsheirat, FGM und Zwangssterilisaion und Zwangsabtreibung müssen Offizialdelikte sein

Rechte der Opfer im Prozess: Schutz, Information über

Freilassung oder Flucht des Täters aus der Haft, Informationen über den Fortgang des Verfahrens und

ihre Rechte, Recht auf Gehör, Schutz vor Kontakt mit

dem Täter, Verfahrenshilfe

Schutz von Migrantinnen und

Asylwerberinnen

Gewaltopfer sollen ein vom Partner unabhängigen

Aufenthaltsstatus bekommen (Art. 59-1)

Abschiebungsverfahren bei Frauen mit vom Partner

abhängenden Aufenthaltsstatus sollen suspendiert

werden um einen unabhängigen Status zu beantragen (Art. 59-2)

Frauenspezifische Verfolgung soll als Asylgrund nach der Genfer Flüchtlingskonvention anerkannt werden oder komplementären Schutz nach sich ziehen (Ar.t

60)

Refoulement-Verbot (Art.61)

Auswirkungen von Gewalt auf

die Gesundheit (WHO Studie)

Frauen, die von ihren Partnern physisch oder sexuell misshandelt wurden haben mehr Gesundheitsprobleme, als Frauen ohne Gewalterfahrung:

Die Wahrscheinlichkeit einer Abtreibung ist doppelt so

hoch

Die Wahrscheinlichkeit, an Depression zu erkranken, ist doppelt so hoch

In manchen Regionen ist die Wahrscheinlichkeit, sich

an HIV anzustecken, 1,5 Mal so hoch

Zentrale Rolle des

Gesundheitssystems

Frauen mit Gewalterfahrung suchen das Gesundheitssystem öfter auf als andere Frauen

Sie gehen lt. Statistiken eher zum Arzt als zu

spezialisierten Services

Der Arzt ist daher oft der erste, machmal auch der erste, der von der Gewalterfahrung weiss

Verantwortung des Gesundheitssystems!

Anforderungen an das Gesundheitssystem

(WHO Richtlinien, 2013)

Frauenzentrierte Unterstützung bei medizinischen

Diensten (Ärzte, Ärztliches Personal

):

Minimamalanforderung, wenn Frauen über Gewalt sprechen: Empathisches Zuhören, keine Verurteilung,

Wahrung der Privatssphäre, Weiterleitung an andere

Services

Bei Verdacht sollten Ärzte und anderes medizinisches

Personal nach erlebter Partnergewalt fragen, um die

Behandlung optimieren zu können

Angebot einer umfassenden Behandlung, wenn

notwending, inkl. HIV Prophylaxe

Trainings und Sensibilisierung von medizinischem Personal

Behandlung und Unterstützung von Opfern von Gewalt

sollte so weit wie möglich ins Gesundheitssystem

integriert werden

Berichtspflicht wird nicht empfohlen, Berichte sollen

aber weitergegeben werden, wenn die betroffene Frau

dies möchte

Weitere Anforderungen an

das Gesundheitsystem

Adequate finanzielle und personelle Ressourcen (CoE Taskforce to Combat Violence agaisnt Women)

Health Care Protocols (Spezifische Berufscodices )

sollten auf nationaler Ebene verbindliche Richtlinien für

Angehörige Gesundheitsberufe im Umgang mit Gewaltopfern schaffen: darunter:

-Detektieren von Gewalt

- Dokumentation der Verletzungen

-Verweisung an andere Gesundheitseinrichtungen

Umsetzung der internationalen Standards

in Österreich

Gewaltschutzgesetze (1997, 2009, 2013)

- Paradigmenwechsel: Täter werden für ihr Verhalten verantwortlich gemacht „wer schlägt, muss gehen“

- Polizeiliches Betretungsverbot, gerichtliche einstweilige

Verfügungen

- Strafrechtliche Verfolgung von Gewaltdelikten

- Einrichtung der Gewaltschutzzentren in den Bundesländern/ Wiener Interventionsstelle gegen Gewalt Proaktive Hilfe für Gewaltopfer

Services für Frauen und Kinder in Österreich

30 Frauenhäuser in ganz Österreich (ca 830 Plätze für Frauen und Kindern)

6 Beratungszenten mit Fokus auf Gewalt gegen Frauen und

Mädchen

50 Allgemeine Beratungszentren für Frauen und Mädchen

6 Regionale Hotlines gegen Sexuelle Gewalt

Seit 1998 gibt es die Nationale Frauenhelpline (24 Stunden, gratis, ausschließlich Frauen beraten, 365 Tage im Jahr, anonym und vertraulich)

Seit 1985 gibt es Männerberatungstellen in allen

Bundesländern

Vielen Dank für Ihre

Aufmerksamkeit!

Kontakt: iris.golden@wave-network.org