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Piratenabwehr: Russland will Handelsschiffe mit

Granatwerfern ausrüsten
Udo Ulfkotte

Im Ersten Weltkrieg wurden zivile Handelsschiffe mit Waffen ausgestattet.


Fortan machten die Kriegsparteien keinen Unterschied mehr zwischen zivilen
und Kriegsschiffen. Bis heute gibt es keine international anerkannte Regelung
über die Bewaffnung ziviler Handelsschiffe. Und Russland will nun alle
Handelsschiffe mit Granatwerfern ausrüsten – zur Piratenabwehr.

Wenn Handelsschiffe sich bei einem Angriff verteidigen, dann


stehen eventuelle Übergriffe unter Verantwortung des
Flaggenstaates, unter dem das Schiff auf den Meeren kreuzt. Seit
dem 30. September 1962 ist das Verbot der Piraterie
mit der »UN-Konvention über das Offene Meer« als gültiges
Völkerrecht festgeschrieben. Piraterie ist seither weltweit
verboten. Piraten scheinen das nicht zu wissen – oder aber zu
ignorieren. Die aktuellen Karten des International Maritime
Bureau zeigen Angriffe auf Handelsschiffe in den Gewässern vor
Nigeria, Indonesien, Bangladesch, Indien und Tansania. Auch die
Gewässer vor der somalischen Küste sind Piratengebiet. Spanien und Frankreich haben sich gerade
erst mit einem Hilfsappell an die Öffentlichkeit gewandt, weil sie Verbündete im Kampf gegen die
Piraten in den somalischen Gewässern suchen. Und die Vereinigten Staaten haben die komplette 5.
Flotte in die Gewässer vor Somalia entsandt – nach offiziellen Angaben zur Bekämpfung der
Piraten. Dieser amerikanische Flotten-Verband mit Sitz in Manama (Bahrain) besteht immerhin aus
mindestens einer Trägergruppe, einer amphibischen Gruppe sowie weiteren landgestützten
Marinefliegern und weiteren Über- und Unterwasser-Einheiten. Zudem wird er von Flugzeuträgern
unterstützt.

Die Russen gehen nun einen anderen Weg. Sie schicken keine
Flottenverbände. Und sie diskutieren auch nicht mit Soziologen über die
möglichen Ursachen der zunehmenden Übergriffe von Piraten. Sie rüsten
ihre Handelsschiffe stattdessen mit Granatwerfern aus. Vladimir Korenkov
vom russischen Waffenhersteller Bazalt hat das nun sogar im Gespräch mit
der Moskauer Nachrichtenagentur Novosti offiziell bestätigt. Danach wollen
die russischen Handelsschiffe jedes Schnellboot, das näher als 100 Meter
herankommt, mit dem Granatwerfer-System DP-65 abschießen. Die verwendeten Granaten sind
Muster des Typs 55mm RG-55M. Unter Piraten dürfte sich das schnell herumsprechen. Während
britische Flottenverbände aufgegriffenen somalischen Piraten vor dem Hintergrund der schlimmen
Menschenrechtslage in Somalia laut Befehl aus London sogar britisches Asyl an Bord der
Kriegsschiffe anbieten und sie aus Angst vor der möglichen Rache moslemischer Terroristen
besonders zuvorkommend behandeln müssen, wollen die Russen sich den Weg zukünftig einfach
freisprengen – ohne Rücksicht auf Verluste.

Falls Sie also irgendwann einmal zufällig mit einem schnellen Beiboot auf ein russisches
Handelsschiff zufahren – denken Sie an diesen Artikel. Sie erkennen russische Handelsschiffe an
nebenstehender Flagge, aber benutzen Sie um Himmels Willen ein Fernglas und fahren nicht zu
nahe heran …
Freitag, 08.08.2008

Kategorie: Allgemeines, Geostrategie, Enthüllungen,


Wirtschaft & Finanzen, Terrorismus

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