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Terror-Urteile: Guantanamo in Stuttgart

Gerhard Wisnewski

Die Regierungspresse jubelt: Drei »Terrorhelfer« sind in Stuttgart zu hohen
Haftstrafen verurteilt worden. Aber war das wirklich ein Sieg des Rechtsstaates,
wie die Systempresse frohlockt? Oder vielleicht doch eine Niederlage?

»Starker Rechtsstaat«, »Triumph der Anti-Terror-
Ermittler«, applaudierte zum Beispiel das Neue
Deutschland vom 16. Juli 2008 über das gestrige
Urteil gegen drei Terror-Verdächtige in Stuttgart.
Sagte ich Neues Deutschland? Quatsch: Ich meine
natürlich die Welt. Ich weiß auch nicht, wie ich auf
Neues Deutschland komme. Vielleicht wegen
»Zentralorgan«? Kann sein: Die Welt als eines der
Zentralorgane des Krieges der Kulturen.

Und da kommt es natürlich gerade recht, dass wieder
Gesetzesmikado und Beweisverhau: mal drei angebliche Mitglieder der Terrororganisation
Skulptur vor dem OLG Stuttgart Ansar al-Islam eines auf die Mütze bekommen haben.
Zehn Jahre, acht Jahre und siebeneinhalb Jahre
Haft lauteten die Urteile des Oberlandesgerichts Stuttgart wegen der angeblichen Planung eines
Attentates auf den seinerzeitigen irakischen Ministerpräsidenten Ijad Allawi im Dezember 2004 in
Berlin.

Wahrscheinlich war das eine ganz besonders perfide Planung. Und konkret obendrein.
Denn immerhin hat das Oberlandesgericht Stuttgart das Treiben der Angeklagten laut Neue Welt in
142 Verhandlungstagen und mit Hilfe von 64 Zeugen durchleuchtet. Oder waren es 130 Zeugen?
Man weiß es nicht genau, denn die Zahl der Zeugen verdoppelt sich in ein- und derselben »Neue
Weltordnung«-Ausgabe binnen weniger Seiten. Die Kosten jedenfalls sollen feststehen: 1,2
Millionen Euro.

Ergebnis: gleich Null. Eine Ahnung, wie die perfide Planung ausgesehen hat, wegen der man die
Angeklagten nun zu so hohen Haftstrafen veurteilte, hat das Gericht laut Deutsche Welt immer noch
nicht. Denn es sei »immer noch unklar, wie der Anschlag ablaufen sollte«. Ei was! Aber nicht nur
das: Waffen und Sprengstoff hatte man bei den »Terroristen« bei ihrer Festnahme ebenfalls
vergeblich gesucht. Und ich dachte, in einem Rechtsstaat kann man nur anhand konkret belegbarer
Vorwürfe verurteilt werden!

Papperlapapp! In diesem Fall konnten die Angeklagten durch einen glaubwürdigen Zeugen
überführt werden. So glaubwürdig, dass seine Identität leider geheim bleiben musste. Er wurde per
Videokonferenz befragt und als »Zeuge Nr. 1« bezeichnet. Es handelte sich um einen V-Mann des
Verfassungsschutzes. Auch andere »Beweise« stammten vom Verfassungsschutz, zum Beispiel
Telefonabhörprotokolle. Mitgehört wurden so eindeutige Anschlagspläne wie: Der »liebe Gast«
solle essen »bis zum Verrecken«. Mehr war wohl nicht. Jedenfalls steht in der Neuen Weltordnung
nicht mehr drin.

nein. das Gericht sei nach langer Verhandlung bei diesem Sachverhalt angekommen. beschwerte sich die Welt (jetzt hab' ich's wieder!). dass er auch Terroristen diese Mittel zur Verfügung stellt – und dennoch am Ende zu Entscheidungen kommen kann. folgert messerscharf ein Thorsten Jungholt in seinem Welt-Kommentar: »Abseits der abstrakten Warnungen der Sicherheitsbehörden wird das immer dann deutlich. dass das Verfahren in einen 1. dass ich mir irgendwelche Anschläge herbeisehnen würde. habe die Nerven des Gerichts »mit 140 Beweis. mit denen überführten Terroristen mit gebotener Härte begegnet wird. keine Beweise. Ganz ohne Feindstrafrecht oder rechtsfreie Zonen wie Guantanamo. der Senat gehe von dem Sachverhalt aus. Mounir al-Motassadeq lässt grüßen. »Deutschland ist ein Zielgebiet des internationalen Terrorismus«. Guantanamo ist eben doch überall – auch in Stuttgart. die Verteidigung habe »dafür gesorgt. Von etwas ausgehen heißt lediglich vermuten oder annehmen. Politik. Deswegen erlaube ich mir die Ergänzung: Der »Bund« sind natürlich Sie und ich. und für die. Ist das nett? Nein. So geht man mit einer deutschen Richterin einfach nicht um. Es ist Selbstverständlichkeit und Stärke des Rechtsstaats.« Deutlicher geht's nun auch in der Welt nicht mehr. aber in Deutschland ist es genau anders herum: Deutschland ist ein Zielgebiet für besonders viele »abstrakte Warnungen« und besonders viele dubiose Urteile. ist ihnen zu sagen: nur zu. und unwillkürlich sieht man sie vor lauter Akten in ihrem Dienstzimmer auf dem Boden sitzen. die Steuerzahler. geheime Zeugen. zitierte die Welt die bedrängte Richterin Rebsam-Bender. ein Zielgebiet des internationalen Terrorismus zeichne sich durch besonders viele Anschläge.« Bis auf die anonymen Zeugen und die fehlenden substanziellen Beweise natürlich. Die Verteidigung. wenn die Staatsschutzsenate der Republik ihre Entscheidungen verkünden.« Während ich immer dachte.und Befangenheitsanträgen strapaziert«. Oder auch mutmaßen und spekulieren.Bezeichnenderweise heißt es noch in der Pressemitteilung des OLG Stuttgart zu dem Urteil. Und nun auch noch Beschwerden.2008 Kategorie: Geheimdienste. die immer noch nicht kapiert haben. Mittwoch. Nicht doch: »Wenn die Stuttgarter Verteidiger nun Revision vor dem Bundesgerichtshof ankündigen. Fünf Dolmetscher seien überdies zum Einsatz gekommen. dass eine solche Verteidigung in Zukunft unmöglich gemacht werden muss. Die 350 Ordner an Material »füllten ein ganzes Zimmer«.07. Terrorismus . Nicht.2 Millionen-Euro-Mammutprozess über zwei Jahre ausartete«. das ist gar nicht nett. fügt die Welt hinzu: »Zahlen muss der Bund. Unverschämt eigentlich – wo das Gericht doch eindeutig ganz unbefangen an die Sache herangegangen war: Keine Ahnung. 16. nicht besonders viele Urteile aus. Was heißt hier »ausgehen« – wir dachten immer. Nicht das Gericht hat mit Phantasiebeweisen der Wirklichkeit ein Urteil abringen wollen. die drei Angeklagten gehörten der Terrororganisation Ansar al-Islam an und hätten hier einen Anschlag auf den damaligen irakischen Ministerpräsidenten geplant.

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