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USA: Abhören offiziell erlaubt

Andreas von Rétyi

Nun ist es amtlich. Der US-Senat billigte mit hoher Stimmenmehrheit ein Gesetz
zum legalen Abhören von Telefonaten. Der Schutz der Privatsphäre ist demnach
im Interesse der geheimdienstlichen Arbeit zur Terrorabwehr zu
vernachlässigen.

Schon seit Monaten geht der offizielle Streit ums offizielle Abhören. Das Weiße Haus, sprich:
George W. Bush, fordert schon lange die Legitimierung von Abhöraktionen. Mit 69 zu 28 Stimmen
billigte der US-Senat jetzt ein Gesetz, das Geheimdiensten nunmehr gestattet, Auslandsgespräche
sowie E-Mails mitzuschneiden und zu analysieren. Somit dürfen Abhöraktionen völlig legitim und
offiziell erfolgen, ohne dass der Privatmann sich dagegen noch erfolgreich zur Wehr setzen könnte.

Gegenwärtig liegen 46 Klagen gegen Telekommunikations-Unternehmen vor, die mit


Geheimdiensten kooperierten und ihnen ohne jede gerichtliche Anordnung so manche Daten von
Privatkunden zur Verfügung stellten, indem sie den geheimen Zugriff auf Telefonate
gewährleisteten. Bislang bestand die Chance, juristisch gegen diese Übergriffe in die Privatsphäre
anzugehen. Nunmehr sind sie legitimiert. Die Telefonanbieter genießen völlige Immunität. Das
Weiße Haus drohte mit einem Veto gegen jedes anders lautende Gesetz. George Bush sprach
hinsichtlich des jetzigen Abhör-Freibriefs von einem unerlässlichen Gesetz für die Arbeit der
Geheimdienste. Offenbar ebenso unerlässlich wie die Menschenrechtsverletzungen von
Guantanamo oder die jüngsten Vorschläge, sämtlichen Flugpassagieren spezielle Armbänder
anzulegen, um potenzielle Terroristen per Fernbedienung und EMD jederzeit für etliche Minuten
handlungsunfähig werden zu lassen (Electro Muscular Disruption = elektrisch ausgelöste
Unterbrechung der Muskelfunktionen) – eine Technologie, die Washington-Times-Redakteur
Jeffrey Denning zur berechtigten Frage verleitet: »Ist dies ein Polizeistaat oder ist das Amerika?«

Nun, Sicherheit geht eben vor, so die heuchlerische Maxime der US-Regierung. Wie lange wohl das
Argument »Terror« noch zieht? Für George Bush ist klar: Dass die Terroristen innerhalb der
vergangenen sieben Jahre nach dem 11. September 2001 »nicht ein weiteres Mal zugeschlagen
haben, bedeutet nicht, dass unsere Feinde aufgegeben haben«.

Nicht zu vergessen, dass die fürs Abhören zuständige


National Security Agency (NSA) mit Hauptsitz in
Fort George Meade, Maryland, schon immer ganz
nach Belieben gelauscht hat, wo auch immer es
etwas zu lauschen gab. Seit jeher werden sämtliche
Auslandsgespräche sowie E-Mails traditionsgemäß
von der NSA abgefangen. Also nichts Neues! Das
neue Gesetz legitimiert diese Aktionen lediglich und
schützt nunmehr vor allem die Telefongesellschaften
davor, von den Opfern erfolgreich verklagt zu
werden. Für Bush jedoch ist Privatsphäre ohnehin
ein Wort, das ganz zweifellos ins
Fremdwörterlexikon gehört. Und ist der Terror nicht
Argument genug? Präsident Bush erinnert jedenfalls
gerne daran: »Der 11. September hat die USA für immer verändert« – und damit natürlich die ganze
Welt.

Donnerstag, 17.07.2008

Kategorie: Allgemeines, Enthüllungen, Geostrategie, Geheimdienste, 11. Sept. 2001, Politik,


Terrorismus

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