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WER IST SATAN?

Das grosse Evangelium Johannes Band 8 Jakob Lorber

34. Kapitel

[GEJ.08_034,01] Hier trat wieder einer der zu Emmaus bekehrten Pharisäer, der ein
Schriftgelehrter war, auf und sagte: „Herr und Meister! Wir wissen nun wohl, was es mit den
Besessenen der Wahrheit nach für eine Bewandtnis hat, und wer im Grunde die argen Geister
sind, von denen hie und da eine Menschennatur in Besitz genommen wird; aber es wird in der
Schrift dennoch von den wirklichen, urerzbösen Teufeln und von ihrem Fürsten, dem Satan,
sehr augenfällig gesprochen und auch gesagt, daß der Satan, auch Luzifer genannt, und eine
zahllose Menge der nach ihm sich gerichtet habenden Engel von Gott verstoßen und ins ewige
Höllenfeuer verworfen worden sind.
[GEJ.08_034,02] Also steht es auch geschrieben, wie eben der Satan in der Gestalt einer
Schlange die ersten Menschen zum Falle brachte, und wie Gott durch ihn den frommen Hiob
versuchen ließ.
[GEJ.08_034,03] Was hat es nun nach Deiner neuen Lehre mit dem Satan und mit seinen ihm
untergeordneten Teufeln für eine Bewandtnis? Wer und wo ist der Satan, und wer und wo
sind die Teufel?
[GEJ.08_034,04] Wenn es uns schon von Dir aus gegönnt ist, das gesamte Geheimnis des
Gottesreiches zu verstehen, so müssen wir auch in dieser Sache im klaren sein, und Du wolle
uns großgnädig darüber eine verständliche Aufklärung geben!“
[GEJ.08_034,05] Sagte Ich: „Darüber ist von Mir schon vieles gesagt und erklärt worden, und
Meine älteren Jünger wissen es, woran sie sind; aber da du bei Mir noch ein Neuling bist, so
magst du wohl danach fragen, was dir noch nicht verkündet ward, und so magst du Mich
vernehmen!
[GEJ.08_034,06] Siehe, was der endlose Raum als eine Materie in sich faßt, das ist gerichtet
und dadurch gefestet durch die Macht des Willens Gottes! Wenn es nicht also wäre, da
befände sich keine Sonne, kein Mond, keine Erde und gar keine Kreatur im ganzen
endlosesten Raume; nur Gott allein bestünde in der Anschauung Seiner großen Gedanken und
Ideen.
[GEJ.08_034,07] Gott aber hat schon von Ewigkeit her Seine Gedanken wie gleichsam aus
Sich hinausgestellt und sie verkörpert durch Seinen allmächtigen Willen. Diese verkörperten
Gedanken und Ideen Gottes aber sind dennoch keine so ganz eigentlichen Körper, sondern sie
sind gerichtetes Geistiges und Gefäße zur Ausreifung für ein selbständiges Sein. Es sind das
sonach Geschöpfe, bestimmt, wie aus sich und aus eigener Kraft neben Mir, dem ihnen
sichtbaren Schöpfer, für ewig fortzubestehen.
[GEJ.08_034,08] Alle Kreatur als ein gerichtetes Geistiges ist gegen das schon Rein- und
Freigeistige noch unrein, unreif, daher noch nicht gut, und kann dem reingeistig Guten
gegenüber als an und für sich noch schlecht und böse angesehen werden.
[GEJ.08_034,09] Verstehe sonach unter ,Satan‘ im allgemeinen die ganze materielle
Schöpfung und unter ,Teufel‘ das getrennte Spezielle derselben.
[GEJ.08_034,10] Wenn ein Mensch auf dieser Welt nach dem erkannten Willen Gottes lebt,
so erhebt er sich dadurch aus der geschöpflichen Gefangenheit und geht in die
ungeschöpfliche Freiheit Gottes über.
[GEJ.08_034,11] Ein Mensch aber, der an einen Gott nicht glauben und darum auch nicht
handeln will nach dessen den Menschen geoffenbarten Willen, versenkt sich dann stets mehr
und mehr und tiefer und tiefer in das geschaffene Materielle und wird geistig unrein, schlecht
und gerichtet böse und somit ein Teufel; denn alles pur Geschaffene und Gerichtete ist, wie
schon gezeigt, dem ungeschaffenen Rein- und Freigeistigen gegenüber unrein, schlecht und
böse, nicht aber etwa darum, als hätte Gott aus Sich je etwas Unreines, Schlechtes und Böses
erschaffen können, sondern nur in und für sich darum, weil es erstens des Daseins wegen
notwendig ein Geschaffenes sein muß, begabt mit Intelligenz und Tatkraft und im Menschen
auch mit freiem Willen, und zweitens, weil es in sich das geschaffen Gegebene, um zur
möglichen Selbständigkeit zu gelangen, selbsttätig zu verwenden und wie in sein
Eigentümliches zu verkehren hat.
[GEJ.08_034,12] Vor Gott aber gibt es nichts Unreines, nichts Schlechtes und nichts Böses;
denn Dem Reinen ist alles rein, und alles ist gut, was Gott geschaffen hat, und Gott gegenüber
gibt es denn auch keinen Satan, keinen Teufel und somit auch keine Hölle. Nur das
Geschaffene in und für sich ist alles das so lange, als es ein Geschaffenes und Gerichtetes zu
verbleiben hat und endlich im Besitze des freien Willens, ob gut oder böse, verbleiben will.
[GEJ.08_034,13] Wenn es denn in der Schrift heißt, daß Satan in der Gestalt einer Schlange
das erste Menschenpaar verführt habe, so will das soviel sagen als: Das erste Menschenpaar,
das Gott und Seinen Willen wohl kannte, hatte sich von der Anmut der materiellen Welt
bestechen lassen, und ihres gerichteten Fleisches Begehren und Stimme sagte: ,Wir wollen
sehen, was daraus wird, so wir einmal dem wohlerkannten Willen Gottes zuwiderhandeln!
Denn Gott Selbst hat uns das Handeln freigestellt; wir können dadurch an unserer Erkenntnis
ja nichts verlieren, sondern nur gewinnen. Denn Gott weiß es sicher, was uns durch ein freies
Handeln werden kann, wir aber wissen es nicht; darum handeln wir einmal nur nach unserem
Sinn, und wir werden dann durch die Erfahrung auch das wissen, was nun Gott allein weiß!‘
[GEJ.08_034,14] Und siehe, also aßen die beiden von dem verbotenen Baume der Erkenntnis
auf dem Wege der selbst machen wollenden Erfahrung und versanken dadurch um einen Grad
tiefer in ihr gerichtetes Materielles, das dem freien Geistleben gegenüber auch ,der Tod‘
genannt werden kann.
[GEJ.08_034,15] Sie erkannten darauf wohl, daß in ihrem Fleische das Mußgericht und der
Tod daheim ist, der bei der steigenden Weltliebe auch die freie Seele in sein Gericht und in
seine Unfreiheit begraben kann, und so verloren sie denn auch das reine Paradies, das in der
vollen Einung der Seele mit ihrem Geiste bestand, und mochten aus sich heraus dasselbe wohl
nicht völlig wiederfinden; denn ihre Seele war vom Stachel der Materie verletzt worden und
hatte dann viel zu tun, um sich noch so frei als möglich über dem Gerichte des geschaffenen
Muß zu erhalten, wie das nun bei allen Menschen der Fall ist, – und Ich bin darum in diese
Welt gekommen, um den Menschen wieder den wahren Lebensweg zu zeigen und das
verlorene Paradies durch Meine Lehre wiederzugeben.
[GEJ.08_034,16] Also ist es auch bei Hiob der Fall. Hiob war ein irdisch äußerst glücklicher
Mann und hatte viele Güter. Er war aber auch ein weiser und Gott sehr ergebener Mensch, der
strenge nach dem Gesetze lebte. Sein außerordentlicher Wohlstand machte aber dennoch sein
Fleisch mehr und mehr begierlich und machte große Anforderungen an den Geist in ihm.
[GEJ.08_034,17] Der gerichtete Geist des Fleisches sagte gewisserart zur Seele: ,Ich will
denn doch sehen, ob ich dich durch alle meine irdischen Freuden und Leiden von deinem Gott
nicht abziehen, dich in deiner Geduld nicht ermüden und nicht in mein Mußgericht setzen
kann!‘
[GEJ.08_034,18] Da kostete es Hiob einen mächtigen Kampf; denn einerseits standen ihm
alle irdischen Freuden zu Gebote, die er zwar genoß, aber dieselben übten über seine Seele
dennoch keine Herrschaft aus, und sie blieb mit dem Geiste im Verbande.
[GEJ.08_034,19] Da aber der arge Geist der Materie mit der Seele auf diese Art nichts
ausrichtete, so ward die Seele Hiobs durch allerlei körperliche Unannehmlichkeiten versucht,
die bildlich im Buche dargestellt sind. Aber Hiob bestand sie alle mit Geduld, obschon er hie
und da murrte und über seine Not klagte, aber am Ende dennoch allzeit offen bekannte, daß
ihm Gott zuvor alles gegeben, nun weggenommen und ihm wiedergeben könne, und das noch
mehr, als Er ihm genommen hatte wegen der Vollstärkung der Seele im Geiste.
[GEJ.08_034,20] Wenn aber also, wer war dann der Satan, der den frommen Hiob so sehr
versuchte? Es war der gerichtete Geist seines Fleisches, das heißt dessen verschiedenartige
Begierlichkeiten!
[GEJ.08_034,21] Aber einen gewissen persönlichen Ursatan und persönliche Urteufel hat es
in der Wirklichkeit niemals woanders gegeben als nur in der gerichteten Weltmaterie aller Art
und Gattung. Daß aber der Satan und die Teufel von den alten Weisen unter allerlei
Schreckensbildern dargestellt wurden, hat den Grund darin, damit die Seele unter allerlei
argen Formen sich einen Begriff bilde, welch eine Not ein freies Leben zu erleiden hat, so es
sich wieder von dem Gerichte der Materie gefangennehmen läßt.“
35. Kapitel
[GEJ.08_035,01] (Der Herr:) „Ich Selbst habe Meinen ersten Jüngern einmal den Satan in
einem entsprechenden Bilde auftreten lassen, und sie entsetzten sich gewaltigst vor
demselben. Desgleichen geschah auch zu öfteren Malen bei den Altvätern dieser Erde; doch
damals ward keine Erklärung darum wörtlich hingesetzt, weil die Alten, aus dem Geiste
Weise, die bildliche Darstellung auf dem Wege der inneren Entsprechungen wohl verstanden
und darum auch sagten: Erschrecklich ist es, in die Gerichtshände Gottes zu fallen, das heißt:
Erschrecklich ist es für eine Seele, die schon einmal zum vollen Selbstbewußtsein gelangt ist,
sich wieder von dem nie wandelbaren Gerichtsmuß des göttlichen Willens in der Materie
gefangennehmen zu lassen.
[GEJ.08_035,02] Daß dieses für die Seele als etwas Erschreckliches bezeichnet wird, das lehrt
jedermann die Erfahrung eines Sterbenden, der zuvor nicht die volle Wiedergeburt im Geiste
erlangt hat.
[GEJ.08_035,03] Warum fürchtet sich denn solch eine Seele gar so sehr vor dem Tode ihres
Leibes? Weil sie, als noch in sein Mußgericht verstrickt, auch mit zu sterben wähnt! Daß das
also der Fall ist, das könnet ihr bei allen jenen ersehen und wohl erkennen, die darum an ein
Fortleben der Seele nach dem Tode des Leibes entweder gar nicht oder nur schwer glauben,
weil sie auch entweder ganz oder zum größten Teil im Gerichte ihres Fleisches steckt und
somit auch dessen Tod mitempfinden muß auf so lange hin, als sie nicht von demselben durch
Meinen Willen völlig getrennt wird.
[GEJ.08_035,04] Da ihr nun aber hoffentlich wohl erkennen werdet, was es mit dem
eigentlichen Satan und seinen Teufeln für eine wahre Bewandtnis hat, so werdet ihr daraus
auch von selbst in euch darüber klarwerden können, daß es auch mit der Hölle die gleiche
Bewandtnis haben muß. Sie ist gleich dem Satan in sich das ewige Mußgericht, also Welt und
ihre Materie.
[GEJ.08_035,05] Warum aber wird der Satan auch ein Fürst der Finsternis und der Lüge
genannt? Weil alle Materie das nicht ist, was sie zu sein scheint, und wer sie in seiner Liebe
dem Scheine nach erfaßt und sich von ihr gefangennehmen läßt, der befindet sich denn auch
offenbar im Reiche der Lüge und, der Wahrheit gegenüber, im Reiche der Finsternis.
[GEJ.08_035,06] Wer zum Beispiel die sogenannten Schätze aus dem Reiche der toten
Materie zu sehr liebt, sie für das hält und schätzt, was sie zu sein scheinen, und nicht für das,
was sie der Wahrheit nach sind, der befindet sich dadurch schon im Reiche der Lüge, weil
seine Liebe als der Grund seines Lebens sich in sie wie ganz blind versenkt hat und sich
höchst schwer aus solcher Nacht zum Lichte der vollen Wahrheit wieder emporschwingen
kann.
[GEJ.08_035,07] Wer aber das Gold nur als eine entsprechende Erscheinlichkeit betrachtet,
durch die das Gute der Liebe in Gott, wie durch das reine Silber die Wahrheit der Weisheit in
Gott, dargestellt wird, der kennt denn auch den wahren Wert des Goldes und Silbers, steht
somit im Reiche der Wahrheit, und seine Seele wird nicht erstickt im trüglichen Scheine und
dessen Gericht.
[GEJ.08_035,08] So hatten denn bei den Alten und allen Propheten Gold, Silber und die
verschiedenen Arten der Edelsteine nur allein die wahre Bedeutung; als Materie aber hatten
sie keinen Wert und konnten darum einer Seele auch nicht gefährlich werden. Aus der
Erkennung des wahren Wertes der Materie erkannten sie auch leicht und bald deren
naturmäßige Tauglichkeit und Brauchbarkeit und schöpften daraus den wahren Nutzen.
[GEJ.08_035,09] Als aber mit der Zeit die Menschen die Materie ihres Glanzes und ihres
Scheines wegen zu schätzen und zu achten anfingen, da gingen sie in ihr Gericht über, wurden
blind, hart, habgierig, geizig, lügnerisch, zänkisch, betrügerisch, hochmütig, böse und kriegsund
eroberungssüchtig und gerieten dadurch ins Götzen- und Heidentum und somit auch in
die eigentliche Hölle, aus der sie ohne Mich nicht erlöst werden konnten.
[GEJ.08_035,10] Darum mußte Ich Selbst die Materie anziehen, mit ihr das Gericht, und muß
es durchbrechen, damit Ich dadurch zur Eingangspforte ins ewige Leben werde für alle
Gefallenen, wenn sie durch diese Pforte zum Leben eingehen wollen. Darum auch bin Ich die
Tür zum Leben und das Leben Selbst. Wer nicht durch Mich eingeht, der kommt nicht zum
Leben im Lichte der ewigen Wahrheit und der Freiheit, sondern bleibt gefangen im Gerichte
der Materie.
[GEJ.08_035,11] Nun aber ergibt sich noch eine Frage von selbst, und diese lautet: Gibt es
denn sonach im Ernste keinen persönlichen Satan und keine persönlichen Teufel?
[GEJ.08_035,12] Und Ich sage: O ja, es gibt deren schon hier, noch im Fleische wandelnd,
und noch um ein Großes mehr im großen Jenseits, die auch fort und fort bemüht sind, einen
argen Einfluß auf das Diesseits auszuüben, und das einmal durch die rohen Naturgeister, die
noch in allerlei Materie weilen, der bestimmten Ausreifung wegen, und dann aber auch
unmittelbar durch gewisse geheime Einflüsterungen, Anreizungen und Verlockungen. Sie
merken bei den Menschen gar wohl die verschiedenen Schwächen und Anlagen zu denselben,
bemächtigen sich derselben und fachen sie zu glühenden Leidenschaften an.
[GEJ.08_035,13] Ist aber eines Menschen Schwäche einmal zur glühenden Leidenschaft
geworden, dann befindet er sich schon ganz in dem Zustande des Gerichtes der Materie und
ihrer argen Geister, und es ist für ihn dann schwer, sich davon loszumachen.
[GEJ.08_035,14] Der Satan ist die Zusammenfassung des gesamten Materiemußgerichtes,
und was seine Persönlichkeit betrifft, so ist diese an und für sich nirgends da, wohl aber ist sie
als ein Verein aller Art und Gattung von Teufeln nicht nur dieser Erde, sondern aller Welten
im endlosen Schöpfungsraume anzusehen, gleichwie auch nach Meiner euch schon gegebenen
Erklärung alle die zahllos vielen Hülsengloben am Ende ihrer gemeinsamen
Zusammenfassung einen übergroßen Schöpfungsmenschen darstellen.
[GEJ.08_035,15] Im kleineren ist freilich auch ein Verein aller Teufel eines Weltkörpers ein
Satan, und im kleinsten Maße ein jeder einzelne Teufel für sich.
[GEJ.08_035,16] Solange es aber keinen Menschen auf einem Weltkörper gab, gab es auf
demselben auch keinen persönlichen Teufel, sondern nur gerichtete und ungegorene Geister
in aller Materie eines Weltkörpers; zur Materie aber gehört alles, was ihr mit euren Sinnen
wahrnehmet.
[GEJ.08_035,17] Aber das könnet ihr auch annehmen, daß es nun wohl auf keinem
Weltkörper ärgere und bösere Teufel gibt als eben in und auf dieser Erde. Wenn es ihnen
zugelassen wäre, so würden sie die Erde und ihre Bewohner gar arg zurichten – aber es wird
das nicht zugelassen –, und damit die Teufel das nicht tun können, so sind sie eben darum mit
aller Blindheit und somit auch mit der größten Dummheit behaftet, und ihre Vereine gleichen
jenen Sicherheitsanstalten dieser Erde, in denen die argen Narren und Wahnsinnigen
festgehalten werden, auf daß sie den andern Menschen nicht schaden können.
[GEJ.08_035,18] Aus dem bisher Gesagten könnet ihr alle nun wohl mit voller Vernunft und
erleuchtetem Verstande einsehen, was es mit dem Satan und mit seinen Teufeln für eine
Bewandtnis hat, und habt nun nicht mehr nötig, darüber um ein Weiteres zu fragen. – Und
nun sage du, Schriftgelehrter, ob du das alles auch wohl verstanden hast!“
36. Kapitel
[GEJ.08_036,01] Sagte darauf der Schriftgelehrte: „Ja, Herr und Meister, denn Du hast über
diese Sache nun so klar und umfassend als möglich gesprochen und hast uns dabei Deine
Schöpfungsart und -weise ordentlich wie ganz zergliedert gezeigt, und so mußte uns die
Sache ja vollends klarwerden, das heißt, insoweit es dem immerhin beschränkten
Menschenverstande klarwerden kann, denn das Wissen allein ist noch lange kein alles
durchdringendes Schauen; aber es genügt uns, weil wir das, was wir wissen, völlig vom
Grunde aus wissen.
[GEJ.08_036,02] Aber da Du uns nun schon so vieles über diese schwer zu fassenden Dinge
gesagt hast, so wolle uns nun dazu noch die Örtlichkeiten des Aufenthaltes der persönlichen
Teufel etwas näher bezeichnen, auf daß wir dieselben meiden können; denn so sich ein
Mensch oder auch eine ganze Gesellschaft in einer solchen Örtlichkeit unwissend befände, so
könnte ihr das am Ende sehr übel zustatten kommen. Darum wolle Du auch in dieser Hinsicht
die Gnade haben, uns das ein wenig näher zu beleuchten!“
[GEJ.08_036,03] Sagte Ich: „Du denkst noch sehr materiell! Was liegt denn an irgendeiner
gewissen Örtlichkeit, in der sich irgend geistige Teufelspersönlichkeiten besonders aufhalten
könnten?
[GEJ.08_036,04] Wenn deine Seele aus Mir nur rein und stark ist, so kann sie sich in der
ärgsten Teufel Vereine befinden, so werden sie ihr nicht im geringsten einen Schaden zufügen
können. Denn eine reine und aus Mir starke Seele befindet sich mitten unter zahllosen
Legionen von persönlichen Teufeln dennoch vollkommen im Reiche der Himmel, die da nicht
irgend sind wie ein äußeres Schaugepränge, sondern inwendig im Herzen der vollkommenen
Seele; denn also wird die Seele zu einer Mir ähnlichen Schöpferin ihres seligsten
Wohnreiches, in das ewig kein persönlicher Teufel wird zu dringen vermögen.
[GEJ.08_036,05] Und so kann einer reinen und aus Mir starken Seele auch schon auf dieser
Erde die örtliche, etwa mindere oder größere Wohnlichkeit der persönlichen Teufel wohl eine
ganz gleichgültige sein; denn die reine und aus Mir starke Seele trägt allerorts ihren Himmel
ebenso in und mit sich wie der persönliche Teufel seine Hölle oder sein Gericht.
[GEJ.08_036,06] Aber da wir nun schon davon reden, so will Ich euch gleichwohl auch die
besonders wohnlichen (bewohnten) Örtlichkeiten der persönlichen Teufel etwas näher
bezeichnen, und so höret denn:
[GEJ.08_036,07] Seht unter den Menschen jene öffentlichen Häuser und Gebäude an, in
denen viel betrüglicher Handel und Wandel getrieben wird, wie zum Beispiel nun im Tempel
und in vielen andern Kauf- und Verkaufhäusern! Das sind denn auch besondere
Wohnörtlichkeiten für die vielen persönlichen Teufel. Also sind auch jene Häuser, in denen
allerlei Unzucht, Hurerei und Ehebruch getrieben wird, ebenfalls besondere
Ortswohnlichkeiten für die persönlichen Teufel. Ebenso auch sind jene Berge und Höhlen, in
denen die Menschen mit großer Hast und Gier dem Golde, Silber und andern Erdschätzen
nachgraben, von den persönlichen Teufeln sehr stark und mächtig bewohnte Örtlichkeiten;
desgleichen Wälder und Höhlen, in denen sich Diebe, Räuber und Mörder aufhalten; also
auch die Kriegslager und -felder, die Wege der kaufmännischen Karawanen und die Flüsse,
Seen und Meere, auf denen ein starker Gewinnhandel betrieben wird.
[GEJ.08_036,08] Und weiter sind die Länder und Gründe, Wiesen, Äcker, Weinberge und
Wälder der harten Heiden und auch der jüdischen geizigen und hartherzigen Reichen
besonders beliebte Wohnorte für die persönlichen Teufel, imgleichen auch die Luft über und
in den bezeichneten Wohnörtlichkeiten und das Feuer, die Wolken und der Regen, und auch
alle Götzentempel und falschen Orakel.
[GEJ.08_036,09] Ferner halten sich die persönlichen Teufel gar sehr zahlreich dort auf, wo
ihr eine große irdische Pracht und den mit ihr noch verbundenen starken Hochmut erschauet.
[GEJ.08_036,10] An Orten aber, die von Menschen nicht bewohnt werden und auch von ihren
Sünden nicht verunreinigt worden sind, halten sich auch die persönlichen Teufel nicht auf,
außer es bereisete sie eine weltgewinnsüchtige Menschenkarawane; dieser zuliebe würden
sich dann dort auch die persönlichen Teufel bald wohnlich einfinden.
[GEJ.08_036,11] Nun hast du, Freund, auch das angezeigt erhalten, was du von Mir noch
hattest erfahren und für dich wissen wollen.
[GEJ.08_036,12] Warum aber die persönlichen Teufel gerade die angezeigten
Wohnörtlichkeiten lieben, das liegt für den, der das Frühere nur einigermaßen aufgefaßt hat,
von selbst klar auf der Hand und bedarf darum keiner weiteren Erklärung.“

Quelle: http://www.scribd.com/doc/9693574/Jakob-Lorber-Groes-Evangelium-
Johannes-08

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