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Visuelle Politiken computergenerierter Pornografie

Doris Al/hutter

Pornografie als soziotechnologisches Artefakt

Digitale Pornografie ist inhaltlich und von ihren Formaten her vielgestaltig und reicht von fotorealistischen Formen aufWcbsites wie YOUPORN über Applikati- onen wie »Virtual Campanion Software•' bis :tu computergenerlenen Animati- onen. Forschung zu Internetpornografie konzentriert sich gemeinhin auf die Frage, wie das Internet für die Verbreirung und den Konsum pornografischer Materialien genutzt winl. Technikspezifische Aspekte ihrer Herstellung und damit auch die Frage, wie sich Pornografie als Genre durch Computertechnolo- gicn verändert, bleiben dagegen zumeist unbeachtet. Gerade der Konstruktionscharakter digitaler Pornografie, d.h. ihre Herstel- lung als soziotechnologischcs Artefakr in einem informatischcn Entwicklungs- prozess machr allerdings zugänglich, was in Analysen fllmischer Darstellungen oft schwierig ist: Auch wenn Pornos einem Skript folgen und Sex auf eine me- dienspczifischc Weise inszenieren, gelten die dargestellten sexuellen Praktiken in ihrer vermeintlichen Verknüpfung mit Triebhaftigkeit als biologisd1 legitimiert und nicht als sozial konstruiert (Wilke 2004, S. 167). In der Entwicklung digita- ler Artefakte lässt sich dagegen nachvollziehen, wie gesellschaftliche Konstrukte, genauer kulturelle Codes von Sexualität und filmische Codes des Genres Porno- grafie (bzw. bestimmter pornografischer Genres), in Computercode übersettl werden. Dieser Beitrag fokussiert daher aufvollständig computergenerlene (CG) Modeliierungen und Animationen pornograflsdJ inszenierter Körper(-fragmente) und Körperbewegungen. Seit den 1970er-Jahren wird Pornografie in feministischen Kontexten sehr widersprüchlich diskutiert (siehe Cornell 2000) und nach wie vor scheint die

~

Belspielsweise •Vinuo!Fem•, ein internktivcs Programm mlt Pomovidcos: Über ein Dialogfdd können der vinuellen Freundin •who Jives Inside your ~omputc:r•Anweisungen ~~~sorudlcn H~ndlungcngegeben werden (http://www.vinuolfem.com, Ahmf. 30.08.20 II ),

2 Der ßcgrilf •502iotccllnologischc.t Artc:f.tkt• vetWeiSt auf dn< Ineinandergreifen kultureller und teclmologischcr Praktiken und Diskurse in der Entwicklung digit:tler Pornogr:tfl"-

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Doris Allhutter

Debatte in einer wenig produktiven Opposition verhaftet zu sein: der politisch motivierte, aber oftmals essenrialistisch argumentierte Kampf gegen die Objekti- vierung und sexuelle Ausbeutung von Frauen (z.B. Boyle 2010) steht einer Ana- lyse von Pomografic(n) als ein Körpergenre unrer anderen entgegen (z.B. Wil- liams 1995; Attwood 2010), in der nicht selten der Konnex zu sozialen Ungleichheitsstrukturen vernachlässigt wird. Wenn pornografische Repräsenta- tionen als sexistisch und menschcnverachtend, als subversiv und lustvoll erachtet werden, kann dies sid1erlich nicht als unabhängig von den Produktionsverhält- nissen, aus denen sie hervorgehen, betrachtet werden. Eine (positive oder negati- ve) Kritik von Repräsentationen oder deren Wirkungen kann sich aber auch nicht allein aus dieser Sichtweise argumentieren. In diesem Sinne geht es mir um die visuellen Politiken computergenerierter Pornografie. Der Begriff der visuellen Politiken betont, dass Repräsemadonsweisen, Verbreitungsmechanismen sowie gängige Lesarten von Pornografie gesellschafrlichen Machtverhältnissen und Ideologien unterliegen. Pornografie reilt ein unbewusstes Phantasma mit, so Drucilla Cornell (1997, S. 97 ff.). Sie kann nicht von tief greifenden unbewuss- ten Fantasien darüber gerrennt werden, wie und was Geschlecht und Sexualität oder Begehren sind. Pornografie reproduziert phantasmacisehe Konstrukte von geschlechtlicher und sexueller Identität. Gesellschaftliche Wirkmächtigkeit er- langt Pornografie dadurch, dass »Sie sich mir au[Orirarivcr Kraft anreichert, in- dem sie vorgängige au[Oritative Praktiken wiederholt bzw. zitiert«, differenziert Judith Butler (1998, S. 78).

»[W]as Pornographie liefert, ist, was sie aus dem Fundus kompensatori- scher Geschlechternormen rezitiert und übertreibt, ein Text aus ebenso beharrlichen wie falschen imaginären Beziehungenfl (ebd., S. 102). Die ideologische Wirkung von gesellschaftlichen Phantasmen, d.h. also, die Per- formntivitär von Pornografie liegt damit in der Konsnuktion einer symbolischen Ordnung durch das ständige: Wiederholen oder Zitieren von Geschlechternor- men und der mit ihnen verbundenen Praktiken. Diese symbolische Ordnung kann nicht von der Affektivität des Körpergenres Pornografie gerrennt werden, in dem Sinne, d~ der Körper oder besser das Körpererfahren nicht als vordis- kursiv gedacht werden kann. Der Körper kann nie in Relation zum »Wirklichen Körper« fanr:asiert werden, •sondern immer nur im Vergleich zu einer anderen kulturell insrituierrcn Phantasie verstanden werden, die fiir sich die Stelle des Lit~ralenund de.~Realen beansprucht«, erklärt Maric-Luisc Angerer (1995, S. 31 ). Gerade vor diesem Hintergrund müssen pornografische Genrekonventionen -im Sinne ihrer inhärenten Bildpolitiken- als politisch relevant und diskursiv produktiv verstanden werden. Wahrend Hardcorefoto- und -filmpornograflc

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Visuelle Politiken computergenerierter Pornografie

Modeliierung und Animation von menschlichen Charakteren allerdings die Fra- ge, auf Basis welcher medialer Codes diese synthetischen Körper und Sexakte als pornografisch anerkannt werden (sollen). Mich beschäftigt in diesem Sinne we- niger die Frage, welche gesellschaftlichen Auswirkungen eine Pornografisierung der Gesellschaft nnch sich zieht, als vielmehr, welche hegemonialen Vot"Stellun- gen von Geschlechterdifferenz und sexueller Identität Mainstrcam·Pornografiel als Genrekonvention unaufhörlich zitiert und affektiv besent. Welches implizite Wissen sc:rzen Enrwickler(innen) ein, um ein stimulierendes Artefakt zu schaf- fen? Wdchcs implizite Wissen aktivieren User(innen), um diese Symbolisierun- gen als stimulierend anzuerkennen oder waluzunehmen? Pornografie hat als Kulturtechnik etwas über Geschlcchterdiskurse, Heteronormativität, rassistische Diskurse und auch über die realen sozlalen Machrverhälrnisse, in die diese Dis- kurse eingebettet sind, zu sagen. Aus diesem Grund zeigen die folgenden zwei Abschnitte, wie CG-Pornografle entwickelt wird und wie Geschlechterdifferenz und Heteronormativität dabei inszeniert werden. Im lenten Abschnitt verdeutli- chen sich die Strategien, die dazu eingesetzt werden, Sexualität bz.w. Pornografie glaubhaft zu simulieren und als menschlich wahrnehmbare Körper und Körper- bewegungen zu konstruieren.

Der pornografische CG-Körper

Eine ausschließlich mit informatischen Mitteln generierte pornografische Video- sequenz besteht aus einer Vielzahl von sratischen und bewegten 30-Modellie· rungen. Pornograflsch inszenleere menschliche Figuren, Körperteile:, Körpcr(•tcil)- bewegungcn und Sz.enarien werden in aufurendigen Rechenprozessen zu einem Kurzvideo zusammengestellt. Die Webplattform RENDEROTICA™ (gegründet 1999) repräsentiert den aktuellen technischen Stand der Entwicklung von CG- Pornografie. Die Plattform versteht sich als »Adult Graphies Community«, in der eine Reihe von digital artists »Product Showcases« ausstellen und diese Soft- waremodule im Webshop zum Verkauf anbieten. Generisch »männliche• und »weibliche« Figuren, die in Standard-Modellierungssoftware enthalten sind, beispielsweise Michael4.0 und Victoria 4.2 (auch M4 und V4), werden hier von professionellen und Amatcurenrwickler(inne)n um anatomische Details wie Brüste oder Gesichtsausdrücke ergänzt. Wesentlich für ihre pornografische Ver- wendung ist eine Körperaussrattung, die es ermöglicht, einen den aktuellen, westlichen Darstellungskonventionen konformen Grad an sexueller Explizitheit

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Nach meinem Vcrsrändnis drückr M:Unstre:un-Pornogr:lfie ein l'hant:Uma aus, d d:~S gc-

schlechrlich Imaginäre beinahe ausschließlich g

,.

chlcehrcrdichorom und hererosexuell 'besen:t.

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Dorfs Allhutter

zu erreichen. Diese Körperteile sind meist als Morph-Seu erhäldich, die z.B. verschiedenste Ausführungen von Genitalien beinhalten. Die pornografiSche Inszenierung der 3D-Körper konzentriere sich auf eine fragmentierte Körperdac- stcllung, die den Blick vorwiegend auf simulierre Brüste und Genitalien richtet. Das technische Interesse der Dcsignc:r(innen) fokussiert dabei auf die Modellle- rung anatomisch korrekter menschlicher Körper und Bewegungen, und das Zid, das erreicht werden soll, ist grafischer Fotorealismus. Der Realitätsstandard, der im Zusammenhang mit der Simulation von Brüs- ten entscheidend ist, zidt auf die Nachahmung des Zusammenwirkens von Größe und Schwerkraft. Sogenannte »Natural Gravity Morphs« (NGM) ermög- lichen die Veriindecung der Form, der Größe und des Gravitationsverhaltens von Brüsten. Laue den Anbiecer(inne)n beinhalten diese Morph$ die am häufigs- ten vorkommenden Brustformen in großen Größen und imitieren die Effekte der Schwerkraft: »Grcat attention to detail had been paid to bring this Ievel of

ceallsm to ehe brcasts [

Notice how they Iook morenatural and jusr rhe way

most breasrs do in thc real world« (www.renderotica.com). Im Gegensatz zur »Natürlichkeit« der BrUsre wird der Realitätsstandard im Zusammenhang mit männlichen Figuren an der »echten« Marerialbeschaffenheit des Penis, d.h. an der »Realität• der Hauttexturen festgemacht. Enuprechende »Packagcs• beinhal- ten Zubehör wie unterschiedliche- von realen Männcrn abfomgraAerre- Haut- texturen für Penisschaft, Vorhaut, Eichel und Hoden, verschiedene Penislängen und -umfange. In der Modeliierung weiblicher Körper falle zuallererst auf, wie viel Aufmerksamkeit den Brüsten als Zentrum voyeuristischer Lust im Vergleich zu den weiblichen Genitalien zukommt. Im Gegensatt zum Penis wird die Va- gina als relativ p;usiv inszeniert. Während die digitalen männlichen Genitalien über unn:rschiedlich$te Erekdonsposen, »Foreskin Roll Back Morphs11, Schwing- poscn für Penis und Hoden, Picrcings u.v.m. verfügen und damit als aktiv und

gleichzeitig als dekorative phallische Elemente erscheinen, erschöpft sich die

Punktion der digitalen Vagina darin,

morphs enrhalren Posen wie »geschlossen«, •offen«, »nach links oder rechts of· fen« und ermöglichen auch Darstellungen analer Penceration (eine äquivalente »Pose• flir männliche Figuren isr erst seit Kuttern erhältlich). Nur einzelne Ge- nitalmorphs Inssen z.B. eine Veränderung der Größe der Klitoris oder Scham- lippen zu, die eventuell ein Anschwellen andeuten könme. Weiblichen Körper· flüssigkeitcn kommt weder Bedeutung als Inszenierung von Erregnung noch eine funktionale Bedeutung zu.

).

gespreizt zu werden. 4 Weibliche

Genital-

4 Enrsprechend dem •peneuativen Imperativ• besteht die sexuell., Funktion cler Vngina in ihrer FähisJ<eit den erigierten Penb aufzunchmm (Maddlson 2008).

Visuelle Politiken computergenerierter Pornografie

Das ideologische Projekt der Pornografie, so Annette Kuhn (1995, S. 272), ist die Konstruktion sexueller Differenz. die sich in einem Set pornografischer Repräsentationskonventionen ausdrückt. »[P]orn's attendon ro bits of bodies is ncvcr random. Pornography is preoccupied wich what it regards as the signifiers of sexual difference :md sexualicy: genitals, breasts, buttocksc (ebd., S. 274). In diesem Sinne ist bereits der Prozess des Fra~menticrens,verstanden als kultu- reller und informatischer Prozess, an der Hetitcllung der Geschlechterdifferenz interessiert. Die pomogrnfische Fragmentiecung inszeniert mit ihrer Konzentra· rion auf BrUste, Genitalien und (weiblichen) Anus ein eher schmales Repertoire an Körperteilen als geschlechtlich und sexuell relevant und bestimmt damit die u.a. für Pomografle »signifikanten Köperformcn« als diejenigen, •die nur als ein Geschlecht empfunden werden und werden können« (Villa 2001, S. 195). Ge- rade in der Sexualität als intensive Form des leiblichen Erlebens, so Paula-lrene Villa (ebd., S. 196), ist gefordert, ein eindeutiges Geschlecht z.u sein. In porno- graflschcn Darstellungen manifestiert sich diese Anforderung in der Fokussie- rung auf sogenannte »Leibesinseln«, d.h. auf bestimmte Stellen des Körpers, die eine affektive Verinnerlichung von als geschle9tdich relevant empfundenen Körperformen repräsentieren. »Angeblich sind die Lüste im Penis, in der Vagina und in den Brüsten verortet oder gehen aus diesen Körperzonen hervor«, so But- ler (1991, S. 111). Sexuelle Lust muss also genau an jenen Signifikanten festge- macht werden, die morphologisch zur Differenzierung der Geschlechter heran- gezogen werden. Diese Organe haben •die sexuelle Lust Rlr sich reserviert« (Wilke 2004, S. 168). Über die physische Erscheinungsform hinaus manifestiert sich die Geschlechterdifferenz auch in der Inszenierung dc:r simulierten "Leibes- inseln« der Compurerflguren. Männliche und weibliche Körpersignifikanten werden durch normierte Darstellungsformen und Funktionen lns:zenierc. Oie geschlechterdifferent codierten Realitiitsstandnrds, die in ihrer Modeliierung her- angezogen werden, wiederholen Sexualitätsdiskurse und z.itieren pornografische Darscellungskonventionen.

Animationen als normiertes Handlungsrepertoire

Die geschlechterdifferenten Realitärskonvenrionen Rir weibliches und männli- ches Leibesinsel-Körperzubehör setzen sich in der Animation pornografisch konnotierter Körperteile und ganzer Bewegungsabläufe fort. Seit 2006 finden sich bei RENDEROTICA auch animierte Sequenzen, die Sex als repetitive Bewe- gungen der Figuren ohne Ton und dramamrgischen Handlungsverlauf ablaufen

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Ooris AllhuUer

lassen. Diese Seqlh'!lllen werden wiederum w lrun:en Vid<:o$ zusanmtengdUgt. die einen Sexakt aus verschiedenen Kameraperspektiven und in wechsdnden Stellungen und Geschwindigkcllen zeigen. Interessant zu sehen ist hier, wekhe kulturdien Codes von Sexualität und welche lkwegungsablättf'c imitiert werden, um ~tsverkehrglaubhaft: zu simulieren. Die Abbildung zeigr die Animation •Puppy Style for M3N3•, in der die Ba-

pornografis(;hem

sisflguren Michael und Vicmria (Version 3.0) lcdigjich mit

Zubehör ausgestattet einen sexuellen Bewegungsablauf mit Penetration vollzie- hen. Neben der Animation des Bewegtrugsablaufs wurde der Entwicklungsauf-

wand bei dieser Sequenz vor allem in die Animarinn der Brüste und des Penis

gesteckt. Wie in der •P:acltage movemenrs• implementiert.

-Beschrcibung

angd'Uhn, wurden •reaHstic breast

Aw:h der Penis wurde speziell animiert (•animauxi

sodass wälm::nd der

Pellettation ein Feuchtigkeit an- deutc:nder Schimmer Mkhads pcnettativc:u Bewegungen unter streicht. Eine V.uialue der Ani- mation, in der durch da$ Weg- lassen der Hauttextur an der Hüfte der weiblichen Figur das Polygonnetz des Modells sicht- bar und die Hüfte daher transpa- rent ist, zeigt in ihrer bewt.'glt"n Ausflihnmg deutlich die aulWen· dig inszcniene Pcnetration, bei der der Penis sich erst etwas

krümmt, bevor er in die Vagina dndringr.

erectlon

),

Animation »Puppy Style for M3N3«

Der Herste!lungsprozcs.~dieser Animation zeigt beispielhaft, wie filmische Darstdlungskonvenrioncn an da~ neue Medium :mgepas:>t werden: Eine der offensichtlich.\ten Konvt"ntionen der Filmpornografie ist die fragmentierte Dar- stellung von Körpern durch sogenannte »meat ~hots«,d.h. Nahaufnahmen von Genitalien und Penetratiou. Wit" Linda Williams {199'5) in ihrem umfassenden Werk »l:lardCore. dargestellt hat, hietet diese Darstellung häufig einen penetrie- renden Blick auf den weiblichen Köper an Auch in den CG-Szenaricn kann man auf Körpencile zoomen und den Akt aus verschiedenen Blickwinkeln be- trachten, zusärdkh wird aher der Blick selbst fragm<'ntiert, da die Körper nur teilweiie animiert sind: Brüste und Penis ziehen den Blick an, allein schon do· wegen, weil alles andere nicht oder wenig animien isr.

Visuelle Politiken c:omputergeneri Pornografie

Dennoch wirken die simulierten ~gen im Gcsamtm •natürlich-. in dem Sinn~ d3.$s () kc:inc Störung in der Wahrnehmung der Mensc:hlichkeit

der Moddk und ihrer Bcwc:gu~n gibt, d.h

,

die Bewegungen des Paares sind

insgesamt stimmig. Bei gcnauerer Bemlcbrung des Entwicld~ der Animation wird sichtbar, dass der Sexakt in sogenannten .giving poscs• und •receiving poses• organisiert ist Diese Organisation ~ welche Figur sich

aktiv bewegt und welche passiv ist und damit von der anderen Figur bewegt

witd. Auffallend ist. dass in heterosexuellen Akten die weibüche Figur in -emp- fangenderfi, manchmal aber auch in ,.gebender.: Position modelliert ist, während die männlichen Figuren immer in ;.gebender• und nie in IICI'Ilpf.mgendet« Bewe- gung gezeigt werden. Die Körperbewc:gungen der weihliehen Figuren lciten sich von den ~toßenden Hüfrbewegu~n der männlichen Figuren ab. Dieser Kon- vention folgt auch di~ Animation ,.Pounding V3•, in der Vietoria auf dem Bauch und Michad auf ihr liegt. Michaels Bewegung kann variieren tmd gehr laut Set-Beschreibung von •slow and methodic:al« über •mfflium and sensual« zu

so die Beschrei-

•fast and ovary lrnocking•. ~V3 takes a poundlag from M,3;

bung der Animation. Victorla ist außerdem entsprechend ausgestattet, nämlich •with an ass on V3 thar comprcsses with each rhrusl of M.fs cock, and tlts that shake everytimc M3 dm.tsts into her•. Eine Animation mit dem Titel •Wild Ride.,, in der Viaoria auf ihrem i>artner sitzt - also in einer •gebenden~ Position modelliert ist, enthält imere$1\J;ntern-·dse nur eine Animation der weiblichen Figur, während im Set keine Animarinn der männlicht:n Figur, sondern ledigjkh

Bis auf ihre G~nitalien bleibt die männ-

Je~ Penis und der Hoden cnr.hahen ist.

liche Figur ahn stalis-.h. Insgesamt wen.i<:::n in der Animation der Figuren damit spezifisch •weibliche" und •männliche" Bewegungskonventionen codiert, rue skh nicht nur in den gesamren Bewegungsablauf des t>aares oder der cimdnen Figuren einschreiben, sondern sich auch in der speziellen Aufi:m:rksamkdt, die der Animation von geschlt:chrs.~pczit1schen Leibesinseln entgegengebracht wird, artikulieren. In je-

dem Sexakt. egal ob M

Pcnerration oder Orahe.x, l~rals wichtigstes

und spez.idl hervorgehobenes Set-Feature immer eine Anilllatlon der Brüste der

weiblicllen Hguren enthalten. Nicbt notwendigerweise betont, noch unbedingt enthalten sind die oben beschriebenen ,.firm boundng buttoeks~. Oie Inszenie- rtmg männlicher Leibesinseln durch Animationen konzentrien sich auf die Ge-

Hoden der

Figuren bewegen. Im Vergleich zu den hüpfenden Brü.&r.cn und Ge.9.ßcn, den schwingenden I-loden, den gleitenden Penis,«'n und den stoßenden Hüften blei- ben die Gesichter der Figuren in den mei~ren Fällen relativ starr. Da nur einige der vorge.~rdlrenAnimationssets auch Gesichtsanirnationen enthalten, bleibt der

Blick unweigerlich auf die bcwcgrcn und pornograftseh autbcreirclell Leibcsin-

\turbation,

nitalien, wobei ~idt tlld~t cnrsprechend der Stoßbewegungen die

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Dorls Allhutter

sein fixiert. Die Animation von Gesichtsausdrücken beschränkt sich auf die: im Gesicht abtesbaren Reakrionen der »emp&ngenden« und damit der weiblichen Figuren, Dies wird vor allem auch durch die »Girl-on-Girl«-Sequenz "Puppy Style for V3N3« deutlich, die von der heterosexuellen Variante der hier abge- bildeten Animation »Puppy Style for M3/V3« abgeleitet ist. Die mir einem Dil- do ausgesrarrete, »gebende« Victoria folgt dem gleichen Bewegungsablauf wie Michael, d.h. ihr Gesicht Ist Im Gegensatz zu jenem der »empfangenden« Victo· ria nicht animiert, und es gibt auch keine "breast bouncing action«. Der umge- schnallte Dildo ist im Gegensatz zu Michaels Penis weder animiert noch ist er im Set enthalten, Die Differenz zwischen Sex mit »M3's animared erection« und dem nicht animierten und außerdem nicht anwesenden Dildo, der erst zusät"L- Jich käuflich erworben werden muss, unterstreicht die phallische Symbolkraft des Penis. Beinahe unbemerkt und subtil etabliert sich auch im »Girl-on-Giri«- Akt eine hereronormative Bliekökonomie, die: die geschlechterdichotomen Reali- rärssrandards aufrechterhält und die »gebende• weibliche Figur in ihrer Darsrel· lungskonvenrion dennoch als männlich ausweist,

Differenz als Fetisch

Wie Williams (1995, S. 194) im Zusammenhang mit dem pornografischen SpielAlm beschrieben hat, zielt die Hirnische Inszenierung von Pornografle da- rauf ab, den filmischen Apparat unsichtbar zu machen und »Sex als spontanes, natürliches Ereignis« darzustellen. Obwohl die beschriebenen informatischen Verfahren - wie auch die Hlmischen -die Konstruiertheit der pornografischen Artefakte ausweisen, bezieht sich auch die computergenerierte Pornografie auf diese Genrekonvention. Die Details, die sich scheinbar zufällig zusammenfügen, wirken, als wUrde das jeweils aktuell technologisch Umsetzbare von einem Kon- glomerat an professionellen und Hobby-Entwickler(innen) zusammeng~basteit (AIIhutter 2009, S. 154 ff.). Wie eine genauere Analyse der Entstehungsprozesse dieser Artefakte allerdings sichtbar macht, werden im Sinne Butlers beständig relativ rigide kulturelle Codes von Sexualität wiederholt und filmische Genre- konventionen zitiert und imitiert. Die simulierte Pornografie codiert dabei erneut als stimulierend, was in der Tradition der MainstrC3m-Pornografie als stimulie· rend etabliert wurde. Glcidtzeitig verändern sich pornografische Darstellungs- weisen und Blicktraditionen und damit auch die Wahrnehmung dessen, was affektiv als pornografisch empfunden werden kann. Designer(innen) von CG- Pornografic werden durch his[Orisch und kulturell gewachsene Sexualitätsdiskur- sc und pornografische Darstellungskonventionen angeleitet. Dabei zeigt sich

Visuelle Politiken computergenerierter Pornografie

zum einen die bewusste Srraregle. im Sinne pornografischer Explizitheit so etwas wie Natürlichkeit und Echtheit zu inszenieren und damit überhaupt erst eine Verständlichkeit oder Lesbarkeit dieser synthetischen Körper und Sexakte als pornografisch herzustellen. Zum anderen wird eine eher unbewusste - diskursiv informierte - Strategie sichtbar, die zur Symbolisierung von Menschlichkeit (konkret der Menschlichkeit von Körpern, Bewegungen und sc:xudlen Hand· lungen) Difforenz inszeniert. Weibliche ,,Natürlichkeit«, »echte« Männlichkeit (und »authentische« EtlmwtiirS) stehen als Maßstab fUr einen vermeintlichen Rea- lismus: Als informatische Übersetzungscodes etablieren sich unterschiedliche Realitätskonventionen zur Glaubhaftmachung von den Naturgesetzen und der parriarchalen Blickökonomie unterworfenen Frauenkörpern (Gravitarionsverhal- ten und »natürliche« Bewegung der Brüste als voyeuristisches Element) und von »echten« Männerkörpern {Materialbesdlaffcnhcit von Genitalteilen und phalli- sche Inszenierung des Penis). Basierend auf dieser diskursiven Aufladung von Leibesinseln inszeniert CG- Pornografle eine geschlechterdifferente - also eine spezifisch »weibliche« und »männliche« - Sexualität. Auch in der Codierung von gleichgeschlechtlichem Sex wird diese Geschlechrerdichoromie weitgehend aufrechterhalten. Im Mrunstream ist eine Artikulation von Weiblichkeit vorgesehen, die mit Posieren oder Einla- den, Empfangen (sowohl durch reaktive Bewegungen als auch durch Penerrier- barkeit), aber auch mit Aktivität in einem heterosexuell erwünschten Ausmaß verbunden ist und damit zwischen kulturellen Codes von regulierter Aktivität und Passivität schwankt. »Männlichkeit« artikuliert sich im Unterschied dazu darin, dass sie keine empfangenden Gesten beinhaltet, weder in Form eines ein· ladenden Blkks noch als eine ausschließlich »empfangende Reaktion« auf eine weibliche »giving«-Animation. Die Differenz zwischen ))weiblicher« und ,>männ· licher« Körperlichkeit und Sexualität dient der Reproduktion essentialistischer Eindeutigkeic6 und affirmiert damit die symbolische Ordnung der hierarchi- schen Zweigeschlechtlichkelt. Dljforenz schreibt sich in die 3D-Körper und die ihnen zugedachte Erogenität sowie in das sexuelle Handlungsrepertoire der CG- Figuren durchgängig ein. Geschlechtliche, sexuelle und ethnische Differenz etabliert sich damit in der CG-Pornografie als Fetisch, der für die Simulier- barkeit von Menschlichem einzustehen scheinr.

5

Dar$tcllungskonvcntioncn von cthni:;cb gekcnnz.cichneten Figuren operieren mit l'a$$lslcrcndcn

Ethnisicrte Männlichkeiren und Weiblichkeiten werden als uncindeutiger in ihrer geschlechtli-

6

Diskursen, die die moduiMc Aufbc:rcltung von Körperfragmenten wie Ham&rbe und Augenli- der als •authentisch• beuid>nen, und mit crhnisicrcndcn Diskursen, die •Aurhenti:tltilt• in Verbindungen mit Herkunft, kulrurellem Erbe und Tlöldition bringen.

chen ldcnrlrnt inncnicn (Allhutter/Arnberg 2011).

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Darts Allhutter

Literatur

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and Class

Sexlivion - ein Streifzug durch pornografische Mods am Beispiel des Fantasy-Rollenspiels »Oblivion«

Ralf Vollbrecht

Es ist wenig erst:tunlich, dass Pornogt:tAc in Compurerspic:len ebenso ausdiffe-

renziert ist wie in anderen Medien. lncere.ssierte finden Hardcore (z.B. das heftig umstrittene »Rapel.ayu des Publishers Illusion, 2006} ebenso wie weiche Porno- grafie, via Internet zumeist recht einfuche Spiele wie Click-&-Lick:-Games (z.B.

»Seducc Dark Wirch«, »l

per-Prinzip funktionierende Pinball-Games (z.B. •Kumit:ttco), Dadng-Games (»Elf Girl Sim Dare RPG«, »Paradise Hcighrs«}, Dress-Undress-Gamcs (»Yakyu Kcn«, »Dress-Up Asukao}, C·ud-Gamcs (»Slave Poker«) oder auch Simulationen wie z.B. Bordcii-Simulationcn, bei denen allerdings vom Spielkonzept her meist die Wirtschaftssimulation im Vordergrund steht. Im einFachsten Falllädt man einen sogenannten •Nude-Patch• zu einem kommcniellcn Spiel, und dann läuft beispielsweise L1.ra Croft nackr durch deu Dschungel. Mit der Froge, wo Porno- grafie anfängt bzw. wie zwischen weicher und harter Pornografie zu unterschei- den wäre, befasse ich mich an dieser Stelle nicht, weil es fiir mein Thema neben-

Day« oder »Bondage Dome«), nach dem Flip-

aundry

sächlich ist. Viele Angebote kommen erkennbar aus dem asiatischen Raum und weisen

eine Manga-Ästhetik auf wie belspielsweise »Train St:ttion Sex« oder »Slave Breeding Manual« (zu Manga vgl. Schwan in diesem Band). Bei Letzterem lau-

« Häu-

fig besteht die Spielaufgabe darin, durch geeignete Manipulation einen (in der

Regel weiblichen) Charocter zum Orgasmus zu bringen. In »Virtually Jenna• verkörpert die erfolgreiche US-amerikanische Pornodarstellerin und Pornopro- duzentin Jenna Jamcson gleich selbst die Hauptrolle. Ganz offensichtlich sind die Spielkonz.cpre überwiegend auf die Interessen und Dominanzfantasien eines männlichen Publikums zugeschnitten.

Massenkonsum konfektionierten Porno-

tet die Spielaufgabe: »Train a blonde gothic lolit:t ro bc your sex slave

Interessanter

als

solche

fiir

den

Games mit ihren vorgegebenen Skripten und Rollen sind die von Fans selbst inszenierten Spielwelten, die sich keineswegs auf pornografische Inhalte be-

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