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VFRÖ-Presseaussendung vom 4. 1. 2010

Lokale Medienvielfalt fördern - nicht verhindern!

Zu Beginn des Neuen Jahres fordert der Verband Freier Radios Österreich von
der Politik ein klares Bekenntnis zu lokaler Medienvielfalt.

Als „Lokalradioverhinderungsgesetz“ bezeichnet Verbandsvorsitzender Helmut Peissl


das Privatradiogesetz in seiner derzeitigen Form. Mit der Novellierung des ORF-
Gesetzes werden derzeit auch das Privatradiogesetz und das KommAustria-Gesetz
überarbeitet. Der VFRÖ hat sich mit einer Stellungnahme zu Wort gemeldet und
fordert die klare Verankerung des nichtkommerziellen zugangsoffenen Rundfunks als
eigenen Sektor, ein klares Bekenntnis zur Medienvielfalt im lokalen Kontext, eine
Streichung der „Lex-Kronehit“ und eine wesentliche Erhöhung der Förderung für
nichtkommerzielle Freie Radios und Community TVs.

Als Weihnachtsgeschenk der besonderen Art erhielt Radio B 138 in Kirchdorf an der
Krems (OÖ) als Antwort auf seinen Antrag für eine reguläre Lizenz einen
abschlägigen Bescheid von der Medienbehörde. B 138 (http://radio-b138.at/) sendet
bisher als Ausbildungsradio und versorgt etwa 25.000 Personen. Im Sendegebiet hat
das Freie Radio alle nur mögliche Unterstützung von Gemeinde, Bezirk, Schulen und
anderen öffentlichen und privaten Organisationen. Laut Behörde ist das
bedeutungslos, da das Privatradiogesetz seit einer Novelle 2004 verlangt, daß neue
Lizenzen erst für Versorgungsgebiete über 50.000 vergeben werden können.

Für kommerzielle Anbieter macht diese Regelung vermutlich Sinn, da sie sich
praktisch ausschließlich über Werbeeinnahmen finanzieren, was in kleinen Räumen
nicht realistisch ist. Für nichtkommerzielle Radios ist diese Regelung hingegen ein
willkürliches und demokratiefeindliches Hindernis, das lokale Initiativen von der
Gründung kleinräumiger zugangsoffener Radios ausschließt.

Als weiteres Hindernis für lokale Radioinitiativen kristallisiert sich mittlerweile die
„Lex-Kronehit“ heraus. Mit der Novelle 2004 wurde die Vergabe von bundesweiten
Lizenzen verankert, Inhaber dieser Lizenz werden bei der Frequenzvergabe
vorrangig behandelt. Bisher ist Radio Kronehit einziger Inhaber solch einer
Bundeslizenz. Sollte es zur Vergabe einer zweiten Bundeslizenz kommen wäre die
weitere Existenz lokaler Radios generell in Frage gestellt.
KONTO 5822689 BLZ 34510 RAIBA SALZKAMMERGUT BIC RZOOAT2L510 IBAN AT313451000005822689 UID ATU57637926

AGORA KLAGENFURT APOLLO FM KLAGENFURT AUFDRAHT GOBELSBURG B138 KIRCHDORF/KREMS


CAMPUSRADIO 94.4 ST. PÖLTEN FREIES RADIO FREISTADT FREISTADT FREIRAD INNSBRUCK FREIES RADIO
SALZKAMMERGUT BAD ISCHL RADIO Y HOLLABRUNN MORA GROSZWARASDORF ORANGE 94.0 WIEN PRO-TON
DORNBIRN RADIOFABRIK SALZBURG RADIO FREEQUENNS LIEZEN RADIO FRO LINZ RADIO HELSINKI GRAZ
Die Bevorzugung von Radio Kronehit stellt derzeit vor allem für neue lokale
Hörfunkinitiativen ein großes Problem dar. In Gebieten, die der bundesweite Anbieter
noch nicht versorgt, ist jede Bemühung neue freie Frequenzen zur Ausschreibung zu
bringen zwecklos, da im Falle der Ausschreibung der bundesweite Anbieter
bevorzugt wird. Diese Regelung verhindert nicht nur die Herausbildung neuer
zugangsoffener Radioinitiativen, sondern gefährdet bereits jetzt die Wiedervergabe
von Frequenzen an bestehende lokale Betreiber. Kronehit hat mit Verweis auf diese
Regelung 2008 die erneute Vergabe des Versorgungsgebietes "Salzkammergut" an
das Freie Radio Salzkammergut angefochten und damit monatelang für
Rechtsunsicherheit gesorgt.

Was die Finanzierung des Sektors betrifft fordert der VFRÖ eine klare Erhöhung des
Fonds zu Förderung des nichtkommerziellen Rundfunks. Derzeit beteiligen sich
alleine an der Programmgestaltung der 13 Freien Radios über 3000 Personen. Um
der interessierten Bevölkerung den offenen Zugang zum Radio und TV sowie die
notwendige Ausbildung und Betreuung sicherzustellen muß der Fonds auf 8 Mio.
erhöht werden.

„Die österreichische Politik muß sich 2010 endlich klar zur lokalen Medienvielfalt
bekennen. Während der öffentlich-rechtliche ORF trotz zusätzlicher Finanzierung
aus Steuermitteln sein Programm einschränkt und kommerzielle Sender auf immer
weniger Ketten zusammenschrumpfen, verzeichnen die nichtkommerziellen
zugangsoffenen Radios und TVs wachsenden Zulauf und Interesse – das liegt auch
im internationalen Trend. In Großbritannien wurden seit 2004 mittlerweile über 200
Lizenzen an Community Radios vergeben. Die Anerkennung und Stärkung des
zugangsoffenen Rundfunks wird auch vom Europarat dem EU-Parlament aber auch
von der UNESCO gefordert. Im Rahmen der aktuellen Novellierungen hat die
Bundesregierung und das Parlament die Möglichkeit endlich einen entschiedenen
Schritt zu tun.“ meint Verbandsvorsitzender Helmut Peissl.

Rückfragen:
Mag. Helmut Peissl, Obmann Verband Freier Radios
helmut.peissl@freie-radios.at - Tel: 0650 4948773

Die Stellungnahme des VFRÖ zu den geplanten Novellen finden sie zum
Herunterladen unter: www.freie-radios.at oder
http://www.parlinkom.gv.at/PG/DE/XXIV/ME/ME_00115_14/pmh.shtml